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Billige Konkurrenz aus China: Europas letztes Penicillinwerk in Gefahr


In Kürze:

  • Die drohende Schließung des Sandoz-Werks in Kundl wirft Fragen über die Eigenständigkeit Europas auf.
  • China übernimmt die Führung in Branchen, die einst von Europa geprägt waren.
  • Sandoz könnte ganz Europa mit Penicillinpräparaten versorgen, wenn der Preis stimmt – die EU will mit einem Gesetz gegensteuern.

 
Versteckt in den grünen Ausläufern der österreichischen Alpen steht das letzte vollständig integrierte Penicillinwerk Europas vor einer ungewissen Zukunft – im Schatten der wachsenden Industriemacht Chinas.

200 Millionen Euro für Erweiterung

Der Grund: China produziert dieselben Antibiotika und Wirkstoffe wie das Sandoz-Werk im österreichischen Kundl, allerdings zu deutlich niedrigeren Kosten für den europäischen Markt, wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet. Die sinkenden Preise stellen für den Standort eine existenzielle Bedrohung dar. Das Werk ist das Einzige in Europa, das Penicillin vom Anfang bis zum Ende der Produktionskette herstellt – einschließlich wichtiger pharmazeutischer Wirkstoffe.
Nachdem mehrere Wettbewerber angekündigt hatten, ihre Produktion einzustellen oder nach China zu verlagern, ist das Werk zum Brennpunkt einer zunehmend intensiven Debatte über die wirtschaftliche Eigenständigkeit des Westens geworden.
Nur drei Jahre nach einer 200 Millionen Euro teuren Erweiterung, die mit öffentlichen Mitteln unterstützt wurde, hat Sandoz die Europäische Kommission aufgefordert, eine Antidumpinguntersuchung einzuleiten. Diese könnte zu Zollmaßnahmen gegen China führen. Sollte das Werk seinen Betrieb einstellen, wäre Europa „vollständig abhängig“ von China, sagte Stephanie Jedner, Standortleiterin in Kundl, gegenüber „Reuters“.
Alexander Fleming entdeckte das Penicillin vor fast einem Jahrhundert in London. Bis heute gehört es zu den wichtigsten Antibiotikaklassen bei der Behandlung schwerer Infektionen. Die Herstellung wichtiger Penicillinwirkstoffe wird inzwischen jedoch von China dominiert.

Chinas Anteil an EU-Importen hat sich fast verdoppelt

Laut Eurostat hat sich Chinas Anteil an den EU-Importen von Penicillinen und deren Derivaten fast verdoppelt. 2019 lag er noch bei 44 Prozent, im vergangenen Jahr bereits bei 86 Prozent. Die EU importiert diese Produkte überwiegend als pharmazeutische Wirkstoffe in großen Mengen. Der Anstieg fällt zeitlich mit Pekings Zehnjahresplan „Made in China 2025“ zusammen, mit dem China in der globalen Wertschöpfungskette aufsteigen will.
Gleichzeitig erreichen Europas Exporte dieser Produkte heute kaum noch ein Fünftel ihres Höchststands vom Beginn der 2000er-Jahre.
Der Fall verdeutlicht, wie China sich von der Textilindustrie und einfachen Montagewerken zu einem führenden Standort für anspruchsvolle industrielle Fertigung entwickelt hat. Zudem wird deutlich, wie das Land zunehmend in Branchen vordringt, die traditionell von Europa geprägt waren – von der Pharmaindustrie bis zum Werkzeugmaschinenbau.
Das Handelsdefizit der EU im Warenhandel mit China ist stark gewachsen. 2025 lag es bei rund einer Milliarde Euro pro Tag und war damit doppelt so hoch wie 2020. Die Regierungen suchen deshalb nach neuen Maßnahmen, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu schützen.

Beispiel für strategische Verwundbarkeit

In einer schriftlichen Stellungnahme vom 10. April 2026 an den britischen Unterhaus-Ausschuss für Wirtschaft und Handel schrieb Sandoz, das Unternehmen sei in der Lage, ganz Europa mit wichtigen Penicillinpräparaten zu versorgen.
„Doch solange bei der Vergabe vor allem der Preis zählt, lohnt sich die Produktion in Kundl wirtschaftlich nicht“, heißt es seitens des Unternehmens. China werde dann de facto alleiniger Produzent. Dies sei „ein Paradebeispiel für strategische Verwundbarkeit, die durch verzerrten globalen Wettbewerb entsteht“, heißt es in der Stellungnahme.
Die Europäische Union will dieser Entwicklung mit einem neuen Gesetz entgegenwirken. Im Mai haben der Rat der EU und das Europäische Parlament eine vorläufige Einigung über das Gesetz zu kritischen Arzneimitteln erzielt.
Ziel ist es, Engpässe bei wichtigen Medikamenten wie Antibiotika, Insulin und Schmerzmitteln zu verhindern. Damit soll die Abhängigkeit der EU von Lieferanten außerhalb der Union verringert werden.
Dafür sollen künftig mehr Länder Medikamente und ihre Wirkstoffe liefern. Außerdem soll die EU ihre Produktionskapazitäten ausbauen. Bei öffentlichen Ausschreibungen sollen die Verantwortlichen künftig auch die Versorgungssicherheit berücksichtigen müssen.
Zudem sollen EU-Staaten wichtige Medikamente leichter gemeinsam einkaufen können. Auch der Austausch von Informationen über Notfallvorräte soll verbessert werden.
Die vorläufige Einigung muss noch vom Rat der EU und vom Europäischen Parlament formell gebilligt und verabschiedet werden. Erst danach können die neuen Regeln in Kraft treten.
 
Mit Material von „Reuters“
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Von KI im Lügentest bis Wellen gegen Hurrikan

KI am Lügendetektor

Manchen Menschen sieht man an, wenn sie mehr wissen, als sie sagen – und kann dann gezielt nachfragen. Schwieriger wird es bei einer KI, bei der wir weder wissen, welche Infos das Programm verarbeitet, noch was es im Hintergrund alles tut. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Antworten falsch oder gezielt irreführend oder zensiert sind. David Bau von der Northeastern University und Kollegen wollen daher eine Art Lügendetektor für Sprachmodelle entwickeln, die Unstimmigkeiten zwischen Arbeitsschritten und Ausgabe erkennt. Ziel sei eine gemeinsame Grundlage für die Interpretierbarkeit von KI. Zugleich soll dies interne Rechenprozesse messbar und nachvollziehbar machen und so über einen reinen Faktencheck der Antwort hinausgehen. Von einer App, die Nutzer warnt, ist man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch weit entfernt. (ts)

Machen mehr Katzen glücklicher?

Das Wohlbefinden der Bevölkerung eines Landes wird häufig anhand eines nationalen Glücksindexes dargestellt, in den neben Einkommen auch Gesundheitskosten einfließen. Prof. Dario Maestripieri von der University of Chicago und Kollegen erweiterten diese Betrachtung jüngst um einen tierischen Faktor: die Anwesenheit von Katzen. Demnach sind Menschen in Ländern mit mehr Katzen glücklicher, während mehr Katzenparasiten, speziell Toxoplasma gondii, das Glück verringerten. Die Folgerung „mehr Katzen = mehr Parasiten“ hatte wiederum keinen Bestand, sodass der Katze-Glück-Zusammenhang am Ende doch etwas komplizierter wird. Die Studie liefert daher keine Anleitung zum Glücklichsein mit Katzen, wohl aber, dass Katzendichte und Wohlstand mit dem nationalen Glücksempfinden variieren – oder umgekehrt. (ts)

Das Streicheln einer echten Katze hat nachweislich einen langen positiven Effekt auf die Psyche.

Foto: Dima Berlin/iStock

„Phönix-Planet“ entdeckt

Die Erde und die anderen Planeten unseres Sonnensystems sind aus Material entstanden, das nach der Bildung eines Sterns übrig geblieben ist. Doch es gibt eine zweite und viel seltenere Variante der Entstehung: ein Planet, der sich aus den Resten eines Sterns bildet. Ein solcher „Phönix-Planet“, wie ihn Astronomen kürzlich entdeckten, kann durch das Element Niob nachgewiesen werden. Denn: Schwere Elemente wie dieses können nur unter den exotischen Bedingungen innerhalb sterbender Sterne entstehen. Mit den letzten Zuckungen des Sterns wird das Material ins All geschleudert, wo sich aus dem Rest ein Planet der zweiten Generation bildet – wie ein Phönix, der aus der Asche steigt. (ts)

Galileo war’s?

Ein sich nach hinten verjüngendes Rohr mit vier Linsen und einem aufrichtenden Okular, dessen konvexe Linsen im Abstand der doppelten Brennweite voneinander angeordnet sind: Dies ist kein Lexikoneintrag, sondern die Beschreibung des wahrscheinlich ersten Vierlinsen-Teleskops. Sie stammt aus dem Manuskript „De Tellescopiis Stellarum“ (1666) des spanischen Mönchs Ignacio Muñoz, der den Apparat als „fabricatum a Galilaeo“ bezeichnet. Für den Historiker Dr. José María Moreno Madrid von der irischen Universität Limerick ist die Entdeckung der Schrift von großer Bedeutung, denn bisherige Erwähnungen datierten die Erfindung um das Jahr 1645. Stimmt die Aussage über ihren Erfinder, muss Galileo Galilei (1564–1642) die Entwicklung des ältesten Vierlinsen-Fernrohrs schon um 1630 zugeschrieben werden. (kms)

Eine Seite aus „De Tellescopiis Stellarum“ (1666) von Ignacio Muñoz mit der Funktionszeichnung des Vierlinsen-Fernrohrs.

Foto: gemeinfrei

Antibiotika besser ohne Smoothie

Antibiotika sind dafür bekannt, Magenprobleme wie Durchfall zu verursachen. Das liegt daran, dass diese Medikamente neben der Bekämpfung von Infektionen oft auch gesunde Mikroorganismen im Darm abtöten, wodurch schädliche Bakterien die Oberhand gewinnen können. In diesen Momenten wird häufig zusätzlich geraten, leichte Nahrung wie Smoothies und Co. zu sich zu nehmen – getreu dem Motto: Hauptsache der Patient hat etwas im Magen. Eine neue Studie mit Krebspatienten zeigt jedoch, dass die Kombination von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Antibiotika toxisch ist und die Vielfalt des Darmmikrobioms stark verringern kann. Grundsätzlich raten die Forscher den Patienten daher – in Absprache mit ihrem Arzt – auf die Einnahme von Zucker während einer Antibiotikabehandlung zu verzichten. (ger)

Idefix auf dem Weg zum Mars

Wir schreiben das Jahr 2026, das ganze Sonnensystem wurde von Menschen erforscht. Das ganze Sonnensystem? Nein, ein kleiner Felsbrocken hört nicht auf, den Forschergeist zu wecken. Und die Erkundung ist nicht leicht für die beteiligten Organisationen aus Japan, Frankreich und Deutschland – und für Idefix. Der deutsch-französische Rover soll 2029 als erster Lander in der Geschichte der Raumfahrt auf dem Marsmond Phobos aufsetzen, um dessen Oberfläche aus nächster Nähe zu erkunden. Die Muttersonde der bisher größten japanischen Mission ins Sonnensystem soll anschließend selbst auf Phobos landen, Proben sammeln und 2031 erstmals Material aus dem Marssystem zur Erde zu bringen. Der Start ist für den 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr (MESZ) geplant und wird von der Japanischen Raumfahrtbehörde live übertragen. (ts)

Kräuterkunde bei den Elefanten

Seit den 1970er-Jahren ist bekannt, dass Tiere sich selbst behandeln können. So essen beispielsweise Schimpansen gezielt bittere Blätter gegen Darmparasiten, während Vögel ihre Nester mit insektenabwehrenden Pflanzen polstern. Nun haben Wissenschaftler des deutschen Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin nach jahrzehntelanger Arbeit das Phänomen der Zoopharmakognosie auch bei wild lebenden Afrikanischen Elefanten nachgewiesen. Die Dickhäuter suchen demnach bis zu 160 Meter tiefe Höhlen auf, um Salz und Mineralstoffe zu sich zu nehmen oder verabreichen ihrem Nachwuchs Heilpflanzen, die für ihre antibakteriellen, entzündungshemmenden oder antiparasitären Eigenschaften bekannt sind. Damit beweisen die Großsäuger einen feinfühligeren Umgang mit ihrer Natur, als unsere Redewendungen – wie ein Elefant im Porzellanladen – ihnen zuschreiben. (kms)

Sprichwörtlich sind Elefanten im Porzellanladen zu finden – mit ihrem Kräuterwissen, wären sie jedoch in einer Apotheke vermutlich besser aufgehoben.

Foto: Anna_Om/iStock

Schon gewusst?

Nicht nur Sonne und Mond haben einen Einfluss auf die Gezeiten, sondern auch die Form von Küsten. Jede Bucht hat einen natürlichen Rhythmus, in dem ihr Wasser hin und her schwappt und der durch ihre Form und Tiefe bestimmt wird. Wenn dieser Rhythmus mit dem der örtlichen Gezeiten übereinstimmt, verstärkt jede Bewegung die nächste. Gleichzeitig können auch Unterwasserberge und -grate die Gezeiten beeinflussen, indem sie die Wasserbewegung abbremsen oder deren Energie wie eine Feder wieder abgeben. So kann sich der mittlere Tidenhub von Region zu Region unterscheiden, wie die Beispiele Rotterdam (~1,90 Meter), Hamburg (~3,90 Meter) und Kimberley-Küste in Westaustralien (über 10 Meter) zeigen. (ts)

Wellen gegen Hurrikan

Flugzeuge erheben sich dank Aerodynamik in die Lüfte, Rennautos bleiben dank ihr am Boden, aber auch an Häusern entstehen bei starken Winden Druck- und Sogkräfte. Vor allem an Ecken und Kanten lösen sich die Luftströmungen – wie bei einem Heckspoiler – leicht vom Gebäude, erzeugen Wirbel und einen Unterdruck. So entsteht ein Druckgefälle und die Luft im Raum „drückt“ Wände und Dach nach außen. Damit Bauwerke dennoch Winden trotzen, kommen bisher vor allem kleine Rundungen oder stärkerer Materialien zum Einsatz. Besonders letzteres schlägt sich dabei leicht in den Kosten nieder. Erheblich günstiger könnte es durch eine Entdeckung von Wissenschaftlern um Pedro Fernández-Cabán, Assitenzprofessor für Bauingenieurwesen in den USA, werden. Ihnen zufolge können wellenförmige Flächen die Windlasten um bis zu 60 Prozent reduzieren, bislang allerdings nur in der Theorie. (ts)

Schlechte Augen wegen schlechter Luft

Glaukom (Grüner Star) und Katarakt (Grauer Star) gelten als altersbedingte Krankheiten. Einer neuen Studie zufolge könnte diese Erklärung jedoch zu kurzsichtig sein. Ahmed Alnabihi und Team einer Augenklinik in Riad, Saudi-Arabien, trugen dafür Daten von Millionen Menschen sowie der sie umgebenden Luft zusammen, konkret Feinstaub, Stick- und Schwefeloxide sowie Ozon und Kohlenstoffmonoxid. Dabei stellten sie fest, dass Gebiete mit höheren Schadstoffkonzentrationen mit mehr Augenleiden korrelieren. Da unsere Augen direkt der Außenluft ausgesetzt sind, „ist es biologisch plausibel, dass die Luftverschmutzung hier besonders schädigend wirken kann“, so Alnabihi. Die vorliegenden Daten können diesen Zusammenhang jedoch weder belegen noch andere Ursachen ausschließen. (ger)

Kein Weg zu weit

Die Osterinsel und Hawaii trennen rund 7.000 Kilometer voneinander. Für diese Entfernung würden wir heute mit einer kleinen Motoryacht etwa zehn Tage benötigen. Im 11. Jahrhundert besaßen die Menschen jedoch nur Paddel und Segel – und trotzdem meisterten sie diese lange Fahrt erfolgreich, wie eine neue Studie zeigt. So belegt eine DNA-Analyse gemeinsame Vorfahren der heutigen Bewohner von Rapa Nui und Hawaii deren Wurzeln bis nach Mangareva, Französisch Polynesien, zurückreichen. Dies beweist die Existenz einer alten Kultur, die zu wiederholten, weitreichenden Seereisen über den Pazifik fähig war – ohne Kompass und Motor, aber dafür mit Wille und Sterne. (kms)

So sehen traditionelle Boote der Polynesier aus.

Foto: Leamus/iStock

Galaktisch-gute Lage

Leben, wie wir es kennen, erfordert unter anderem flüssiges Wasser, dass nicht auf allen Planeten vorkommt. Befindet sich ein Himmelskörper zu nah an seinem Stern, ist es zu heiß; ist er zu weit draußen, ist es zu kalt. Dazwischen liegt die sogenannte zirkumstellare habitable Zone, also jener Bereich um einen Stern, in dem Leben prinzipiell die richtigen Bedingungen vorfinden könnte. Eine Studie von Forschern der Western Sydney University um Dr. Luke A. Barnes besagt, dass es diese auch im galaktischen Maßstab gibt – und unsere Milchstraße sich in einer ebensolchen Zone befindet, in der die Bedingungen über kosmisch relevante Zeiträume erhalten bleiben. Eine Zone, in der ausreichend schwere Elemente aus der früheren Sternenentstehung existieren, um Welten zu erschaffen, die Gefahren, die Leben und Welten vernichten können, aber (noch) selten sind. (ts)
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Das Rätsel um den Tod eines russischen Pestlabor-Mitarbeiters: Was wir bisher wissen

Befürchtungen hinsichtlich eines möglichen Pestausbruchs in Russland veranlassten russische Behörden Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Zuvor wurde der Tod einer 28-jährigen Laborangestellten bekannt, die in einem Forschungsinstitut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten in der Nähe der sibirischen Stadt Irkutsk arbeitete.
Ihr Tod unter ungeklärten Umständen führte in den sozialen Medien zu Angst um die öffentliche Gesundheit und einen möglichen Pestausbruch.
Russische Regierungsbehörden erklärten am 5. Oktober, die Situation sei unter Kontrolle. Ein hochrangiger Sprecher des Kremls sagte, die Menschen sollten „Gerüchten und Spekulationen“ keine Beachtung schenken.Auch das US-Außenministerium und die US-Gesundheitsbehörde reagierten.

Russische Behörde gibt an, Maßnahmen ergriffen zu haben

Die russische Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor teilte mit, dass bei der Mitarbeiterin eine Lungenentzündung unbekannter Ursache diagnostiziert worden sei. Es seien „eine Reihe besonderer Maßnahmen“ ergriffen worden, wie die russische Nachrichtenagentur „Interfax“ meldet. Die Behörden haben noch nicht bestätigt, ob sie sich mit der Pest infiziert hatte. Der genaue Zeitpunkt ihres Todes ist unklar.
„Aufgrund der beruflichen Tätigkeit des Patienten wurde nach Erhalt der Informationen unverzüglich und vollständig ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Seuchenbekämpfung gemäß den hygienerechtlichen Vorschriften umgesetzt“, erklärte Rospotrebnadzor. „Dazu gehörten die Ermittlung eines möglichst großen Kreises von Personen, die mit der Patientin in Kontakt gekommen waren, stationäre medizinische Beobachtung sowie tägliche Labortests.“

Gouverneur: Keine neuen Fälle aufgetreten

Igor Kobzev, Gouverneur der Region Irkutsk, erklärte, die Lage sei unter Kontrolle und alle bekannten Kontaktpersonen der verstorbenen Mitarbeiterin seien identifiziert, untersucht und unter ärztliche Aufsicht gestellt worden.
„Die Ergebnisse ergaben zwei Fälle von COVID-19 und zwei Fälle einer Rhinovirus-Infektion. Es wurden keine weiteren Infektionserreger nachgewiesen“, hieß es. „Bei keiner der Kontaktpersonen wurden gesundheitliche Veränderungen im Zusammenhang mit einer infektiösen Erkrankung festgestellt.“

Moskau spielt Befürchtungen herunter

Am 5. Oktober äußerte sich der langjährige Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Im Gespräch mit der staatlichen Nachrichtenagentur TASS sagte Peskow, man solle sich auf Informationen von Rospotrebnadzor verlassen, „ohne auf verschiedene Gerüchte und Spekulationen zu hören“.
„Bei Rospotrebnadzor sind hochqualifizierte Fachleute auf diesem Gebiet tätig. Hören wir auf ihre offiziellen Erklärungen“, so Peskow.
Das unabhängige lokale Medienunternehmen „Lyudi Baikala“ hatte zuvor nicht namentlich genannte Quellen zitiert, nach denen, die Frau an einer Lungenpest gestorben sei. Mehrere Krankenhäuser in Irkutsk wären unter Quarantäne gestellt worden.

Reaktion der USA

Sowohl das US-Außenministerium als auch die US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) gaben in Erklärungen vom 5. Oktober an, dass beide Behörden Berichte über einen möglichen Pestausbruch in Russland verfolgten.
„Die CDC beobachtet die Lage gemeinsam mit dem Außenministerium und unseren anderen behördenübergreifenden Partnern sehr genau“, teilte ein Sprecher des Ministeriums für Gesundheit und Soziales der Epoch Times in einer E-Mail mit.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte am 5. Oktober gegenüber Reportern, dass die Behörden von russischen Beamten Informationen erhalten hätten, wonach sich möglicherweise ein Labormitarbeiter infiziert habe.
„Es besteht die Sorge, dass [es] sich zumindest intern ausgebreitet haben könnte; man hat gesehen, dass sie Quarantänemaßnahmen dieser und jener Art ergriffen haben“, sagte er. „Der Reiseverkehr zwischen den USA und Russland ist natürlich sehr begrenzt.“
„[Allerdings] wenn so etwas nach außen dringt, kann es sich schnell ausbreiten. Deshalb beobachten und überwachen wir die Lage genau. Ich glaube nicht, dass dies Anlass zur Beunruhigung ist, aber es ist ein Grund, aufmerksam zu bleiben und die Entwicklung im Auge zu behalten – und genau das tun wir.“

Was ist die Pest?

Die Pest, verursacht durch das Bakterium Yersinia pestis, ist eine schwere und potenziell tödliche Infektion, die im Laufe der Menschheitsgeschichte zu mehreren weltweiten Pandemien geführt hat – vor allem während des europäischen Mittelalters.
Die häufigste Form ist die Beulenpest, die durch den Biss eines infizierten Flohs übertragen wird und schmerzhafte, geschwollene Lymphknoten verursacht, die als Beulen bezeichnet werden.
Die septikämische Pest, eine weitere Form, tritt laut der WHO auf, wenn sich die Bakterien im Blutkreislauf vermehren und sich zu anderen Formen der Pest entwickeln können. Dabei können schwerwiegende Komplikationen wie Organversagen, Atemnot, Gewebeschäden und Blutungen unter der Haut auftreten.
Eine weitere Variante ist die Lungenpest, die entsteht, wenn sich die Bakterien in die Lunge ausbreiten, weil eine Person Tröpfchen einatmet, die von einer anderen Person oder einem Tier mit Lungenpest ausgehustet wurden, oder wenn sich die Bakterien in die Lunge eines Patienten mit unbehandelter Beulen- oder septikämischer Pest ausbreiten, so die CDC.

Abstrich zur Untersuchung der Beulenpest, der aus Lymphgewebe eines vergrößerten Lymphknotens (Bubo) eines Pestpatienten im Jahr 2003 gewonnen wurde, zeigt das Vorhandensein des Bakteriums Yersinia pestis (Symbolbild).

Foto: -/CDC/AFP via Getty Images

Die Lungenpest ist die schwerwiegendste Form der Krankheit und zudem die einzige Variante, die von Mensch zu Mensch übertragen wird, wobei die Inkubationszeit nur einen Tag betragen kann.
Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) verbreitet sich die Krankheit durch Bisse infizierter Nagetierflöhe oder durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier. Die Krankheit könne mit Antibiotika geheilt werden, wenn die Behandlung rechtzeitig erfolge.
 
Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde am 6. Oktober aktualisiert, um die Reaktionen Russlands und der US-Regierung einzubeziehen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Russia’s Plague Lab Worker Death Mystery: What We Know So Far“. (deutsche Bearbeitung ks)
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Sibirien: Behörden ergreifen Maßnahmen nach dem Tod einer 28-jährigen Mitarbeiterin eines Anti-Pest-Labors

Nachdem der Tod einer Laborangestellten Befürchtungen hinsichtlich eines möglichen Pestausbruchs ausgelöst hatte, haben die Gesundheitsbehörden in Russland nun Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur „Interfax“. Die 28-jährige Verstobene war demnach Mitarbeiterin eines Forschungsinstituts zur Bekämpfung von Pestkrankheiten in der Nähe des sibirischen Irkutsk.
Die russische Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor teilte mit, dass bei der Mitarbeiterin eine Lungenentzündung unbekannter Ursache diagnostiziert worden sei. Die Behörden haben noch nicht bestätigt, ob sie sich mit der Pest infiziert hatte. Der genaue Zeitpunkt ihres Todes ist unklar.
Alexei Tsydenov, Regierungschef der benachbarten Republik Burjatien, hatte am 2. Oktober in einem Social-Media-Beitrag geschrieben, die Mitarbeiterin in Irkutsk sei „möglicherweise an der Pest gestorben“.
Bei weiteren Untersuchungen seien bei der Verstorbenen laut Behörden keine Mikroorganismen gefunden worden, die mit ihren beruflichen Tätigkeiten in Zusammenhang stünden. Eine mögliche Erkrankung an der Pest wurde jedoch nicht explizit ausgeschlossen.

Maßnahmen der Seuchenbekämpfung eingeleitet

„Aufgrund der beruflichen Tätigkeit der Patientin wurde nach Erhalt der Informationen unverzüglich und vollständig ein umfassendes Paket an Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung gemäß den Gesundheitsvorschriften umgesetzt“, erklärte Rospotrebnadzor.
„Dazu gehörten die Ermittlung eines möglichst großen Kreises von Personen, die mit der Patientin in Kontakt gekommen waren, die stationäre medizinische Beobachtung sowie tägliche Labortests.“
Die Behörde erklärte, die Lage im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Region Irkutsk sowie in den Städten Irkutsk und Schelechow sei weiterhin unter Kontrolle. Sie wies darauf hin, dass in den vergangenen zehn Tagen keine Fälle von Infektionskrankheiten unter den übrigen Mitarbeitern des Forschungslabors gemeldet worden seien.
„Die Ergebnisse ergaben zwei Fälle von COVID-19 und zwei Fälle einer Rhinovirus-Infektion. Es wurden keine weiteren Infektionserreger nachgewiesen“, hieß es. „Bei keinem der Kontaktpersonen wurden gesundheitliche Veränderungen im Zusammenhang mit einer infektiösen Erkrankung festgestellt.“
Der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzev, teilte auf Telegram mit, dass auch keine der unter medizinische Beobachtung gestellten Kontaktpersonen Krankheitssymptome zeige; sie seien negativ auf die Krankheit getestet worden.
Der Gouverneur fügte hinzu, dass zur Klärung der Angelegenheit eine „außerordentliche Sitzung der regionalen Gesundheits- und Seuchenbekämpfungskommission“ einberufen worden sei. An dieser soll demnach auch der oberste Gesundheitsbeauftragte Russlands teilgenommen haben.
Das US-Außenministerium erklärte gegenüber den Medien, dass es über Berichte zu dem Laborvorfall in Irkutsk informiert sei und die Lage genau verfolge.
Die Epoch Times wandte sich an das US-Außenministerium und die CDC, um weitere Einzelheiten zu erfahren, erhielt jedoch bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Antwort.

Antibiotika gegen Pest möglich

Die Pest ist eine Krankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird und sich laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) durch Bisse infizierter Nagetierflöhe oder durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier verbreiten kann. Die Krankheit könne mit Antibiotika geheilt werden, wenn die Behandlung rechtzeitig erfolgt, so das CDC.
Es gibt drei Formen der Pest: die Beulenpest, die die Lymphknoten befällt und schmerzhafte Schwellungen verursacht; die septikämische Pest, die auftritt, wenn die Bakterien das Blut infizieren und dazu führen, dass sich Haut und andere Gewebe schwarz verfärben; sowie die Lungenpest (pneumatische Pest), die auftritt, wenn die Bakterien die Lunge befallen.
Die Lungenpest ist die schwerste Form der Krankheit und kann sich über die Luft von Mensch zu Mensch verbreiten.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Russian Health Officials Implement Measures After Anti-Plague Research Lab Worker’s Death“. (deutsche Bearbeitung ks)
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Salmonellen-Alarm bei Hühnerfleisch aus Brasilien – EU verschärft Importregeln


In Kürze:

  • Salmonellenfund in Hühnerfleisch-Lieferung aus Brasilien in Griechenland
  • Wiederholte Beanstandungen brasilianischer Tierprodukte in der EU
  • EU verschärft Importvorgaben wegen Antibiotika-Regeln

 
Die Ankunft einer Lieferung gefrorenen Hühnerfleischs aus Brasilien hat in Griechenland einen Gesundheitsalarm ausgelöst. Kontrolleure wiesen in 80 Prozent der analysierten Proben Salmonellen nach. Der Vorfall, der auf einer Pressekonferenz des Panhellenischen Verbandes der öffentlichen Geotechniker bekannt gegeben wurde, ereignete sich bereits Anfang Mai, kurz nach dem vorläufigen Inkrafttreten des umstrittenen Handelsabkommens Mercosur am 1. Mai.

Veterinärdienste klagen über massive Personalnot

Aufgrund der Dauer des Seetransports – von Brasilien nach Griechenland dauert er zwischen 20 und 45 Tagen – lässt sich daher nicht exakt sagen, ob die Lieferung bereits unter die Bedingungen des Abkommens fiel. Laut Verband analysierten Veterinärlabore in Agia Paraskevi am Stadtrand von Athen die Proben und stellten fest, dass fast drei Tonnen kontaminiert waren.
Die Lieferung wurde umgehend zurückgesandt, wie die Agrarplattform „tridge“ auf ihrer Internetseite meldete. Der Verband kritisiert zudem, dass die griechischen Veterinärdienste unter massiver Personalnot litten. So seien nur etwa 40 Prozent der vorgesehenen Stellen besetzt.
Die brasilianische Vereinigung für tierische Proteine, die Brazilian Association of Animal Protein, hat zu dem Vorfall bislang keine Stellung genommen.

Wiederholte Beanstandungen und neue EU-Importverbote für Brasilien

In den vergangenen Monaten und Vorjahren wurden wiederholt einzelne Sendungen von Lebensmitteln aus Brasilien, insbesondere Geflügelprodukte, wegen Salmonellenbefall und anderen gesundheitsbedrohenden Problemen beanstandet und an den EU-Grenzen zurückgewiesen. Das zeigt ein Blick auf das „Rapid Alert System for Food and Feed“ (RASFF) – das europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel. Es dient dazu, gesundheitsgefährdende Produkte schnell zwischen allen EU-Staaten zu melden, um sie vom Markt zu nehmen oder an der Grenze zu stoppen.
Weil Brasilien die Anforderungen zum Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung bislang nicht einhält, dürfen ab dem 3. September 2026 bestimmte tierische Produkte aus dem südamerikanischen Land nicht mehr in die EU exportiert werden. Unter anderem gehören neben Geflügel und Eiern auch Rindfleisch dazu. An diesem Tag treten neue EU-Vorschriften in Kraft.
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Foto: Sanny11/iStock

EU untersagt Einsatz von Antibiotika

Die EU untersagt den Einsatz von Antibiotika in der Tier- und Geflügelhaltung, wenn diese ausschließlich dem schnelleren Wachstum oder einer höheren Produktion dienen. Zudem dürfen Tiere nicht mit Wirkstoffen behandelt werden, die der Humanmedizin vorbehalten sind. Um gleiche Bedingungen für europäische Landwirte und Importeure zu gewährleisten, verlangt die EU von Handelspartnern detaillierte Angaben zum Einsatz antimikrobieller Mittel in der Tierhaltung.
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen betonte: „Unsere Landwirte gehören weltweit zu denen mit den strengsten Gesundheits- und Antimikrobialstandards. Es ist daher nur konsequent, dass importierte Waren denselben Anforderungen entsprechen.“ Nach Angaben der Kommission konnte Brasilien bislang nicht überzeugend nachweisen, dass seine Produktionssysteme die EU-Vorgaben einhalten.
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Importe aus China für Antibiotika: Pharmahersteller Sandoz erhebt Dumping-Vorwürfe

Das Pharmaunternehmen Sandoz hat bei der EU-Kommission den Entwurf für eine Antidumping-Beschwerde zur Einfuhr chinesischer Inhaltsstoffen für die Antibiotikaproduktion eingereicht.
Wie das in der Schweiz ansässige Unternehmen, das für die Antibiotikaherstellung ein großes Werk in Österreich betreibt, mitteilte, gebe es „eindeutige Anzeichen für marktverzerrendes Verhalten“.
Konkret seien dies Preisunterbietungen und staatliche Subventionen, führte Sandoz aus. Zudem kritisierte das Pharmaunternehmen „die Konzentration der weltweiten Produktionskapazitäten in einem einzigen Land“.

EU soll Antidumpingzölle erheben

Die Vorwürfe beziehen sich auf chinesische Importe von Amoxicillin-Wirkstoffen – einem weitverbreiteten Antibiotikum, das zu den Penicillinen zählt.
Die EU werde aufgefordert, Antidumpingzölle zu erheben, um zu verhindern, dass ausländische Unternehmen die globalen Märkte mit extrem billigen, staatlich subventionierten Penicillin-Wirkstoffen überschwemmen, erklärte Sandoz.
Der „wegweisende“ Schritt des Unternehmens sei der erste derartige Fall in der Pharmaindustrie seit Jahrzehnten.

Sandoz: „Kein fairer Wettbewerb“

Sandoz-Chef Richard Saynor kritisierte, dass „mittlerweile bis zu 90 Prozent der weltweiten pharmazeutischen Wirkstoffe für Antibiotika außerhalb Europas produziert werden, vor allem in China“.
Dies sei eine „entscheidende strategische Schwachstelle“, erklärte er. Die aktuellen Marktbedingungen spiegelten „keinen fairen Wettbewerb“ wider – stattdessen benachteiligten sie systematisch eine „resiliente“ Produktion in Europa. Dadurch wiederum werde der Verlust „kritischer Produktionskapazitäten“ riskiert.
Sandoz war 2023 aus einer Abspaltung des Schweizer Pharmariesen Novartis hervorgegangen. Das unternehmen ist in Europa der größte Hersteller von Generika – also von Nachahmerpräparaten von Arzneimitteln, deren Patentschutz abgelaufen ist und die deshalb unter anderem wegen der geringeren Entwicklungskosten üblicherweise preiswerter als die Originalpräparate sind. (afp/red)