Rauchwolken bei Waldbrand im Müritz-Nationalpark. - Foto: Jens Büttner/dpa
Ein internationaler Fachmann für Waldbrandmanagement kritisiert die Löschstrategie beim Brand im Müritz-Nationalpark scharf. Lindon Pronto, Mitgründer der Initiative Waldbrand-Klima-Resilienz, bezeichnete den Einsatz im „Spiegel“ als „fachlich schwer nachvollziehbar“ und warf den Behörden in Mecklenburg-Vorpommern vor, bewährte Alternativen ignoriert zu haben.
Der als freier Berater tätige Deutsch-Amerikaner erklärte, der Einsatz von Kreisregnern sei im Kampf gegen das Feuer untauglich. Es sei unsinnig, pauschal solche riesigen Forstflächen zu bewässern, vor allem im Sommer bei Hitze, Wind und Wasserknappheit.
Wenn er sich im Ausland umsehe, dann mache das niemand so. Auch Wasserabwürfe aus Hubschraubern seien wenig sinnvoll, so Pronto: Aus der vorgeschriebenen Sicherheitshöhe von 1.000 Metern verdunste das Wasser, bevor es den Boden erreiche.
Rein wasserbasierte Taktiken könnten Feuer zwar verlangsamen, aber nicht zuverlässig stoppen oder löschen, sagte Pronto. Dem Experten zufolge hat Brandenburg angeboten, einen ferngesteuerten Minenräumer des Typs MV-4 einzusetzen, der für Brände auf munitionsbelastetem Gelände geeignet sei.
Mecklenburg-Vorpommern habe abgelehnt. „Der MV-4 war die Geheimwaffe, die den Unterschied hätte ausmachen können. Stattdessen steht er nach wie vor ungenutzt in einer Garage in Brandenburg.“
Ein Bundeswehr-Hubschrauber wirft Löschwasser über einem Waldbrand im Müritz-Nationalpark ab
Foto: Jens Büttner/dpa
Pronto: Auf Wetterumschwung zu hoffen, ist keine Strategie
Angesichts von mehr als 150 Millionen Euro, die Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben der Landesregierung in Waldbrandvorsorge investiert hat, zeige das Feuer im Nationalpark, dass erhebliche fachliche und operative Lücken bestünden, so der Experte.
Pronto, der zwischen 2007 und 2014 selbst als Feuerwehrmann in Kalifornien gegen Großbrände gekämpft hat, forderte ein unabhängiges nationales Kompetenzzentrum für Vegetationsbrandmanagement. Sein Fazit: Einfach nur auf einen Wetterumschwung zu hoffen, sei keine Strategie. (dts/red)
Die EU-Kommission hat gegen alle Mitgliedstaaten ein sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.
Der Grund: Die Länder haben bislang noch keine nationalen Gesetze zur Umsetzung der Gebäuderichtlinie verabschiedet.
Deutschland will die EU-Vorgabe mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz umsetzen.
Die gesetzlichen Vorgaben der EU gelten für alle 27 Mitgliedstaaten. Schafft es ein Land nicht, diese rechtzeitig umzusetzen, drohen Vertragsverletzungsverfahren.
Alle EU-Staaten in Verzug
Speziell im klimapolitischen Sektor stellte die Behörde der Europäischen Union jetzt flächendeckende Verstöße fest. Laut dem Portal „Insight EU Monitoring“ fordert sie alle Mitgliedstaaten – einschließlich Deutschland – auf, „die verstärkten Vorschriften für die Energieeffizienz von Gebäuden umzusetzen“.
Demzufolge verpasste jedes EU-Land die Frist, bis zum 29. Mai 2026 entsprechend der EU-Vorgabe nationale Gesetze zu verabschieden. Diese sollen dazu beitragen, bis 2050 einen emissionsfreien Gebäudebestand zu erreichen.
Deutschland will mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) die EU-Vorgabe erfüllen. Der Bundestag und der Bundesrat haben das GModG am 10. Juli in einem Eilverfahren beschlossen. Noch in diesem Jahr soll es endgültig in Kraft treten.
Aufgrund dieser Verstöße leitete die EU-Kommission nun Vertragsverletzungsverfahren ein. Dazu hat sie den Mitgliedstaaten zunächst Aufforderungsschreiben übermittelt. Jedes EU-Land muss jetzt innerhalb einer Frist von zwei Monaten reagieren, die Umsetzung abschließen und die Kommission über weitere Maßnahmen informieren.
Sollte die EU-Kommission eine oder mehrere nicht zufriedenstellende Antworten von den Mitgliedstaaten erhalten, kann sie eine mit Gründen versehene Stellungnahme abgeben.
Falls von einem Land keine oder keine zufriedenstellende Reaktion kommt, wäre in der Folge eine Klage vor dem EuGH denkbar. Damit verbunden kann die EU-Kommission auch mögliche Strafzahlungen beantragen.
Bei der gesetzlichen EU-Vorgabe handelt es sich um die Richtlinie (EU) 2024/1275 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Sie wird auch als „Gebäuderichtlinie“ oder „Case Green“ bezeichnet. Alle Mitgliedstaaten einigten sich am 24. April 2024 auf diese Richtlinie.
Sie beinhaltet unter anderem die schrittweise Umsetzung sogenannter Nullemissionsgebäude im Neubau in allen EU-Mitgliedstaaten. Das bedeutet, dass die Gebäude keine Vor-Ort-CO₂-Emissionen durch fossile Energieträger erzeugen dürfen. Zudem sollen die Gebäude ihren Verbrauch, die Erzeugung und die Speicherung von Energie bei Bedarf anpassen können. Das soll ab 2028 für Neubauten im öffentlichen Bereich und ab 2030 für alle Neubauten gelten.
Für Wohngebäude im Bestand schreibt die Richtlinie eine schrittweise Renovierung vor. Vorgesehen ist eine Verringerung des durchschnittlichen Primärenergieverbrauchs von 2020 bis 2050. Schon bis 2030 müssen EU-Wohngebäude den durchschnittlichen Primärenergieverbrauch um 16 Prozent senken, bis 2035 um 20 bis 22 Prozent. Dabei sollen mindestens 55 Prozent der Einsparungen durch die Sanierung der Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz erzielt werden.
Die Richtlinie ist ein zentrales Instrument des European Green Deal und des „Fit for 55“-Pakets. Ziel dieses gemeinsamen Beschlusses ist die Verringerung der Treibhausgasemissionen im gesamten EU-Gebäudebestand.
Bis zum Jahr 2050 soll dieser Sektor demnach vollständig emissionsfrei sein. Gebäude sind laut dem Portal der größte Energieverbraucher in Europa. Deshalb misst die Kommission der Umsetzung dieser Klimaziele große Bedeutung bei.
Sowohl Raupen als auch Schmetterlinge des Braunen Bären sind selten zu beobachten. Letztere, weil sie nachtaktiv sind, erstere, weil es immer weniger von ihnen gibt. - Foto: Frank Leo
In Kürze:
Schmetterlinge tun zwar keinem Blatt etwas zuleide, doch mitunter verursachen Raupen große Schäden.
In der Natur regeln normalerweise Fressfeinde und Nahrungsangebot, wie viele Exemplare überleben.
Manchmal benötigt die Natur Unterstützung, sowohl zum Schutz vor dem übermäßigen Appetit der Raupen als auch um ihr Überleben zu sichern.
Fast jeder kann zur Erhaltung der Schmetterlinge beitragen, egal ob im eigenen Garten oder am Fensterbrett in der Stadt.
„Lebet wie die Schmetterlinge, die nur von den Blumen naschen, aber weder ihren Duft rauben noch ihr Gewebe zerstören.“ Das gut gemeinte Zitat Buddhas drückt leider eine Illusion aus, denn jeder Schmetterling hat sich in seinem Raupenstadium (Larve) an seiner Wirtspflanze schadlos gehalten.
Sofort nach dem Schlüpfen aus den vom Schmetterling an der Pflanze angehefteten Eiern beginnt die Raupe mit dem Fressen. Es ist ihre einzige Lebensaufgabe. In nur wenigen Wochen kann sie ihr Körpergewicht vertausendfachen. Dabei muss sie mehrmals ihre Haut wechseln, da diese nicht mitwächst. Wenn sie satt ist, schafft sie sich eine feste Schale, in der sie als sogenannte Puppe ihre Verwandlung zum Schmetterling – Zoologen sprechen bei voll ausgebildeten Insekten vom Entwicklungsstadium „Imago“ – vollzieht. Das dauert bei den verschiedenen Arten von nur wenigen Wochen bis zu acht Jahren.
Die sattgefressene Raupe hinterlässt oft eine ramponierte Wirtspflanze, die entweder wieder neu austreibt oder daran zugrunde geht. Doch auch für die Raupe ist noch nicht gesichert, dass sie zu einem Schmetterling wird, der für neue Nachkommen sorgen kann. Der komplexe Verwandlungsprozess hat unglaublich vielfältige Störanfälligkeiten. Davon drei Beispiele:
Schwammspinner (Lymantria dispar)
Der Schwammspinner, ein wärmeliebender Nachtfalter, legt seine Eier an Blätter von Bäumen und ist dabei nicht wählerisch. Die Eier überwintern und im Frühjahr schlüpfen die Raupen. Sie fressen enorme Mengen an Blättern. Die meisten Bäume überleben den Kahlfraß durch Neuaustrieb noch im selben Sommer.
Schwammspinner können ganze Bäume kahl fressen, die oft noch im selben Sommer neue Blätter austreiben.
Foto: Frank Leo
Die Raupen haben eine große Anzahl natürlicher Feinde, wie Krankheitserreger (Bakterien, Pilze) und Schmarotzer (Brackwespen, Raupenfliegen), außerdem Laufkäfer, Baumwanzen, Weichkäfer, Ameisen, Kröten, Eidechsen, Vögel und Mäuse. So kommt es größtenteils zur Selbstregulierung, die eine Massenvermehrung minimieren kann.
Wiederholt sich jedoch der Befall jedes Jahr, hat das negative Folgen für die Bäume. Kommerziell genutzte Baumbestände müssen deshalb mit chemischen Mitteln unterstützt werden. Das beschädigt oder tötet nicht nur die Raupen, sondern auch alle Lebewesen, die sich von ihnen ernähren. So werden die Fressfeinde erheblich dezimiert, sodass einige Arten beim nächsten Raupenbefall nicht mehr ausreichend für eine natürliche Regulation vorhanden sind.
Wählerisch dagegen sind die Raupen des Tagpfauenauges. Sie können ausschließlich Brennnesseln fressen, was den Brennnesseln nichts ausmacht.
Raupen des Tagpfauenauges sind wählerisch. Auf ihrem Speiseplan stehen ausschließlich Brennnesseln, die daran aber keinen Schaden nehmen.
Foto: Frank Leo
Es gibt jedoch zwei Probleme für die Raupen: Zum einen, ihre Pflanzen zu finden, die es kaum in aufgeräumten Gärten, Parks und früh gemähten Feldrändern gibt. Zum anderen werden die Brennnesseln meist beseitigt, bevor die Raupen sattgefressen sind und sich verpuppen.
Der Nachtfalter Brauner Bär und seine Raupen haben beide ein beeindruckendes Äußeres. Leider können wir sie kaum bewundern, da sie selten geworden sind. Bei dieser Art ist es der Falter, der Probleme hat. Ursache sind unsere vielen Lampen.
Dem Nachtfalter Brauner Bär werden Lampen zum Verhängnis. Oft flattern sie so lange um künstliche Lichtquellen, dass sie das Fressen oder die Paarung vergessen und vor Erschöpfung sterben.
Foto: Frank Leo
Der Falter fliegt nachts und orientiert sich, wie die meisten Nachtfalter, am Mondlicht. Inzwischen gibt es für Nachtfalter aber so viele „Mondlichter“ in Form von Lichtverschmutzung, dass sie orientierungslos um Lampen flattern, bis sie erschöpft sterben oder zumindest ihre Hauptaufgabe, die Paarung, nicht erfüllen.
Es wäre enorm wichtig für die Falter, Lampen, besonders in unseren Gärten, auf Balkonen und Terrassen, auszuschalten, wenn wir schlafen. Dies nützt auch allen anderen nachtaktiven Lebewesen – einschließlich Glühwürmchen – bis hin zu Igel und Fledermaus.
Die Raupen ihrerseits fressen, wie viele andere Raupen auch, an verschiedenen Bäumen und Sträuchern, ohne sie zu gefährden. Fehlende Raupen-Futterpflanzen sind jedoch ein immer stärker werdendes Problem für die meisten unserer Schmetterlinge.
Es gibt kaum Gärten und öffentliche Flächen, die geeignete Sträucher und Bäume für sie anbieten. Stattdessen sieht man vielerorts gebietsfremde Pflanzen, sogenannte Neophyten, wie Forsythie (kein Nektar, keine Pollen, kein Raupenfutter), Flieder (kein Nektar, keine Pollen, kein Raupenfutter), Schmetterlingsstrauch (kein Raupenfutter), Kirschlorbeer, Japanischer Spindelstrauch, viele Spierstraucharten, Koniferen und viele andere.
Obwohl manche von ihnen mit ihren Blüten Futter für einige Falter anbieten, gibt es nichts für die Raupen. Laut Bundesamt für Naturschutz gibt es aktuell in Deutschland 441 Pflanzen, die bei uns gebietsfremd sind. 46 Arten wurden 2026 von der EU sogar als gefährlich für die Artenvielfalt Europas eingestuft.
Aber auch heimische Sträucher und Kleinbäume werden viel zu früh und zu stark zurückgeschnitten. Denn die meisten Raupengenerationen benötigen den ganzen Sommer zum Fressen.
Also nicht vergessen: Alle Raupen brauchen Futter, Nachtfalter Dunkelheit. Oder um es mit den Worten von Albert Schweitzer zu sagen: „Das Wenige, das Du tun kannst, ist viel!“
Schon eine halbe Stunde in der Natur kann uns beruhigen und ausgeglichener machen. - Foto: Smileus/iStock
In Kürze:
Umfassende neurologische Studien zeigen, dass die Natur das Gehirn ruhiger und ausgeglichener macht.
Die Wirkung beginnt über die Augen und weitet sich über das Nervensystem auf den ganzen Körper aus.
Selbst Zimmerpflanzen, Pflanzenwände, natürliches Licht oder Bilder mit Naturmotiven haben eine positive Wirkung auf das Gehirn.
Es könnte der Gehirngesundheit der Bevölkerung zugute kommen, wenn Städteplaner die Natur in den städtischen Alltag integrieren.
Dass die Natur eine beruhigende Wirkung hat, merkt jeder, der ein bisschen Zeit in ihr verbringt. Doch erst jetzt beginnen Wissenschaftler, genau zu erfassen – bis ins neurologische Detail –, was während einer solchen Auszeit im Grünen im Gehirn vor sich geht.
Eine Metaanalyse von 108 begutachteten Studien zur Gehirnbildgebung, veröffentlicht in „Neuroscience & Biobehavioral Reviews“, liefert eines der bislang umfassendsten neurologischen Bilder darüber, wie die Natur das menschliche Gehirn beeinflusst.
Eine schrittweise Abfolge hin zur Ruhe
Dafür stützt sich die Übersichtsarbeit auf Studien, die von realen Aufenthalten im Freien über Laborfotos und -videos bis hin zu immersiver virtueller Realität und Grünpflanzen in Innenräumen reichten. Sie ergab ein einheitliches Muster über alle Methoden und bildgebenden Verfahren hinweg: Natürliche Umgebungen versetzen das Gehirn in einen ruhigeren, ausgeglicheneren Zustand.
Ihre Auswirkungen auf das Gehirn würden sich in einer Kaskade über mehrere miteinander verbundene Ebenen hinweg entfalten. Das erklärte Constanza Baquedano, korrespondierende Autorin der Studie und Assistenzprofessorin für Psychologie an der Universidad Adolfo Ibáñez in Chile.
„Diese Ebenen interagieren dynamisch miteinander: Sensorische Merkmale der Natur lösen die Kaskade aus, die sich dann über Stressregulation, Aufmerksamkeit und letztendlich darüber, wie wir uns selbst erleben, ausbreitet“, sagte sie gegenüber Epoch Times.
Allerdings betrachtet Baquedano dies eher als Arbeitsmodell denn als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis.
Erste Ebene: Was unsere Augen tun
Die erste Stufe der Kaskade beginnt damit, wie das Gehirn das Gesehene verarbeitet. Natürliche Umgebungen enthalten Muster wie Fraktale – selbstähnliche Strukturen, die in Blättern, Ästen und Küstenlinien zu finden sind –, die das Gehirn effizient verarbeiten kann.
Da diese Strukturen mit der Art und Weise übereinstimmen, wie das visuelle System Informationen organisiert, muss das Gehirn weniger arbeiten, um sie zu interpretieren. „Dies verringert die Wahrnehmungslast in frühen sensorischen Bereichen wie dem visuellen Kortex“, so Baquedano.
Darüber hinaus ruft der Aufenthalt in der Natur Gehirnaktivitätsmuster hervor, die denen bei der Meditation ähneln. Das war immer wieder das Ergebnis von Studien in der Übersichtsarbeit, die mithilfe der Elektroenzephalografie die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichneten.
Dabei nehmen frontale Alpha-Wellen zu, die mit ruhigem Wachsein und nach innen gerichteter Aufmerksamkeit verbunden sind. Auch gibt es eine verstärkte Theta-Wellen-Aktivität, die mit tiefer Entspannung und anhaltender Konzentration einhergeht. Zudem zeigte sich eine verminderte Aktivität in stressbezogenen Schaltkreisen.
Einigen Studien zufolge, die in der Übersichtsarbeit berücksichtigt wurden, können diese Effekte nach etwa 30 bis 90 Minuten in ruhigen Naturumgebungen wie Wäldern oder Parks auftreten. Andere Untersuchungen sprachen von messbaren Veränderungen bereits innerhalb von drei bis zehn Minuten in der Natur.
Da das Gehirn natürliche Szenen mit weniger Aufwand verarbeitet, lässt die Aktivität in den Stress- und Bedrohungserkennungssystemen allmählich nach.
Gehirnscan-Studien zeigten durchweg, dass die Aktivität in limbischen Regionen abnahm. Diese sind an der Stress- und Bedrohungserkennung beteiligt. Auch waren Teile des präfrontalen Kortex weniger aktiv, die mit Grübeln und kognitiver Belastung in Verbindung stehen.
Diese Veränderungen im Gehirn spiegeln sich im Körper wider. Laut Studien steigt die parasympathische Aktivität – das „Ruhe- und Verdauungssystem“ des Körpers. Dies gleicht die „Kampf-oder-Flucht“-Stressreaktion aus.
Dies deutet darauf hin, dass natürliche Umgebungen die Stresskreisläufe des Gehirns beruhigen und den Körper gleichzeitig in Richtung physiologischer Erholung lenken.
Dritte Ebene: Was unsere Aufmerksamkeit und innere Stimme tun
Anhaltende geistige Anforderungen über den Tag hinweg ermüden die Systeme der gerichteten Aufmerksamkeit des Gehirns. Zu den geistigen Anforderungen gehören unter anderem
lang andauernde Konzentration,
das Lösen von Problemen,
das Fällen von Entscheidungen,
das Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit.
Die Natur hilft dabei, diese wieder aufzuladen.
Wie oben erwähnt, zeigten die EEG-Messungen, dass die Alpha-Theta-Aktivität zunahm. Das sind Muster, die mit entspannter, nach innen gerichteter Aufmerksamkeit und einer verringerten kognitiven Belastung in Verbindung stehen.
„Die Natur neigt dazu, das auszulösen, was Psychologen als ‚sanfte Faszination‘ bezeichnen – eine sanfte, unbewusste Form der Aufmerksamkeit. Diese ermöglicht es den Systemen für gezielte Aufmerksamkeit im präfrontalen Kortex, sich zu erholen“, sagte Baquedano.
Diese Art der mentalen Erholung trägt dazu bei, das sogenannte Ruhezustandsnetzwerk (Default Mode Network) des Gehirns zu regulieren. Ist dieses Netzwerk überaktiv, führt es oft zu negativen Gedankenspiralen und Grübeln.
Echte Natur schlägt virtuelle Realität
Selbst simulierte oder in Innenräumen geschaffene Formen der Natur können messbare kognitive und emotionale Vorteile bewirken. Im Vergleich zu herkömmlichen gebauten Umgebungen senkten Pflanzenwände, natürliches Licht oder Bilder mit Naturmotiven Stress. Diese Erkenntnisse könnten hilfreich für die Gestaltung von Büros, Krankenhäusern und Schulen sein.
Die Forscher führen dies auf den multisensorischen Reichtum realer Umgebungen zurück. Dabei wirken taktile Empfindungen, natürliche Düfte, dynamische visuelle Muster und Umgebungsgeräusche auf eine Weise zusammen, die sich in Innenräumen oder durch digitale Simulationen noch nicht vollständig nachbilden lässt.
Eine authentische Naturumgebung wirkt sich also auf das Gehirn aus. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, den Zugang zur Natur als grundlegenden Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur zu betrachten, so Baquedano.
Ihr zufolge seien natürliche Umgebungen, aus neurowissenschaftlicher Sicht, nicht bloß ästhetische Annehmlichkeiten. „Sie sind Kontexte, die dazu beitragen, Stress zu regulieren, die Aufmerksamkeit wiederherzustellen und das psychische Wohlbefinden auf Bevölkerungsebene zu fördern.“
Das bedeutet, den Kontakt mit der Natur in den städtischen Alltag zu integrieren. Baquedano macht einige Vorschläge, unter anderem:
von Bäumen gesäumte Straßen,
grüne Korridore,
Stadtparks,
natürliche Elemente, die in die Wege eingebunden sind, die Menschen auf dem Weg von zu Hause zur Arbeit, zur Schule oder zu anderen täglichen Aktivitäten zurücklegen.
Dadurch würden die regenerativen Wirkungen der Natur nicht nur denjenigen vorbehalten bleiben, die über die Zeit und die Mittel verfügen, sie aufzusuchen, sondern jedem täglich als Selbstverständlichkeit zur Verfügung stehen, fügte die Assistenzprofessorin für Psychologie hinzu.
In städtische Natur zu investieren, sei auch eine Investition in die kollektive Gesundheit des Gehirns, merkte sie an.
Wegen eines Waldbrandes am Chiemsee wurde die A8 gesperrt. - Foto: Wolfgang Gasser/Kreisfeuerwehrverband Traunstein/dpa
Weil am Chiemsee in Bayern Tausende Quadratkilometer Wald und Moor in Flammen stehen, ist die nahegelegene A8 komplett gesperrt. Durch den aufsteigenden Rauch komme es zu Sichtbehinderungen, sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr warnt auch die Bevölkerung und bittet, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Wie lange die Sperrung der Autobahn zwischen Übersee und Bernau noch dauert, war zunächst unklar. Das hänge vor allem von der Windrichtung und der Geschwindigkeit der Löscharbeiten ab, so der Sprecher weiter. Am Morgen soll auch ein Hubschrauber der Polizei bei den Löscharbeiten helfen und Wasser über dem brennenden Gebiet abwerfen. Auf beiden Seiten der Sperrung bildeten sich am Morgen laut Kartendienst Google Maps längere Staus.
Seit dem späten Sonntagabend versuchen rund 200 Feuerwehrleute, den Flammen Einhalt zu gebieten. Bei den Löscharbeiten wurde demnach ein Feuerwehrmann leicht verletzt.
Laut der Feuerwehr stehen 5,5 Hektar Wald und Moor in Flammen, das entspricht einer Fläche von knapp acht Fußballfeldern. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Was den Brand verursacht hat, blieb zunächst unklar. (dpa/red)
Bevor es zu einem Walfall kommt, treiben die toten Meeressäuger an der Wasseroberfläche. Danach sinken sie auf dem Meeresgrund hinab. - Foto: izanbar/iStock
In Kürze:
Forscher haben in der Diamantina-Bruchzone im Indischen Ozean einen riesigen Walfriedhof entdeckt.
Schätzungen zufolge liegen in der Tiefe die sterblichen Überreste von über 10 Millionen Meeressäugern.
Seit 5,3 Millionen Jahren starben die Tiere hier auf natürliche Weise und schufen damit einen Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Am 11. Juni sorgte eine Meldung für Aufsehen: Ein internationales Forscherteam hat im Indischen Ozean einen großen Walfriedhof entdeckt. Seit mindestens 5,3 Millionen Jahren verenden hier jährlich die riesigen Meeressäuger und sinken auf den Grund des Ozeans hinab.
Dass sich beim Tod eines Wals, auch Walfall genannt, eine Art Friedhof bildet, ist hinreichend bekannt. Neu sind jedoch die Tiefe der Fundstelle und die enorme Anzahl an Kadavern unterschiedlicher Walarten.
Walfriedhof mit über 10 Millionen Kadavern
Es ist die weltweit tiefstgelegene und größte bekannte Ansammlung von Walfossilien und aktiven Walfällen, die Wissenschaftler je dokumentiert haben. In einem Bereich von 1.200 Kilometern Länge haben Forscher um Xiaotong Peng im Rahmen von über 30 Tauchgängen gleich fünf aktive Walfälle entdeckt.
Wie tiefere Untersuchungen zeigten, finden hier jedoch schon seit viel längerer Zeit zahlreiche Meeressäuger ihre letzte Ruhestätte. Zu den fünf aktiven Walfällen kommen 476 weitere Fundstellen mit den sterblichen Überresten weit älterer Tiere hinzu. Eine Strontium-Isotopen-Datierung ergab, dass die ersten Wale vor mindestens 5,3 Millionen Jahren starben.
Verbreitung und Häufigkeit von Walfossilien und Walkadavern in der Diamantina-Bruchzone.
Hinzu kommt die überraschende Erkenntnis, dass die Walfossilien in Tiefen zwischen 4.616 und 7.001 Metern liegen. Der Walfriedhof, der sich in der Diamantina-Bruchzone im südöstlichen Indischen Ozean befindet, knackt damit alle bisherigen Rekorde.
Insgesamt liegen dort bis zu 759,5 Wale auf einem Quadratkilometer Meeresgrund „begraben“. Eine Hochrechnung dieser Daten legt nahe, dass die Fundstelle möglicherweise mehr als 10 Millionen Walkadaver umfasst.
Frage nach dem „Wer“ und „Warum“
Zu den identifizierten Fossilien gehören sowohl heute noch existierende Schnabelwalarten wie der Andrew-Schnabelwal (Mesoplodon bowdoini) oder der Layard-Wal (Mesoplodon layardii) als auch ausgestorbene Taxa, darunter eine neu beschriebene Art (Pterocetus diamantinae).
Die hohe Konzentration der Walüberreste wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt. So dient die Zone zum einen als Nahrungshabitat für Schnabelwale, von denen einige bei Tieftauchgängen mitunter sterben.
Zum anderen begünstigt die V-förmige Topografie der Zone das Abgleiten der Kadaver auf den Grund des Grabens, während das wenige neu dazukommende Sediment dafür sorgt, dass die Walknochen über lange Zeiträume erhalten bleiben.
Die verendeten Wale bieten zahlreichen Lebewesen der Tiefsee einen Lebensraum.
Einerseits helfen Walfriedhöfe Wissenschaftlern dabei, die Entstehung und Ausbreitung der Meeressäuger und der Ökosysteme, in denen sie leben, zu verstehen. Andererseits spielen Walfälle auch eine wichtige Rolle bei der langfristigen Bindung von Kohlenstoff.
So stellten die Forscher beispielsweise fest, dass mikrobielle Matten die Skelettreste bedecken und damit einen Lebensraum für viele Tierarten bieten. Zu den dort lebenden Arten zählen unter anderem Schlangensterne, Bartwürmer der Gattung Osedax und Muscheln.
Außerdem dienen die Walfälle als große, bisher kaum gemessene Kohlenstoffsenken. Bei einer durchschnittlichen Masse von 2 Tonnen pro Wal berechneten die Forscher, dass die über 10 Millionen Walkadaver im Laufe der Zeit etwa 6,7 Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden haben.
Die Studie erschien am 10. Juni 2026 im Fachmagazin „Nature“.
Trockenes Salatfeld (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Wissenschaftler von 27 europäischen Forschungseinrichtungen haben vor einer Schwächung zentraler Schutzmechanismen bei der Zulassung von Pestiziden gewarnt.
Ihre Empfehlungen für das geplante Gesetzespaket der EU-Kommission veröffentlichte die Autorengruppe unter Leitung von Dimitry Wintermantel von der Universität Freiburg und Julia Osterman von der Universität Göteborg im „Policy Forum“ der renommierten Zeitschrift „Science“.
Derzeit sind Pestizid-Wirkstoffe meist für zehn Jahre auf EU-Ebene zugelassen. Danach können Hersteller eine Weiterzulassung beantragen und müssen dabei Daten zur Sicherheit des Wirkstoffs vorlegen. Dieser durchläuft dann eine erneute Risikoanalyse.
Die Wissenschaftler kritisieren nun, dass mit dem geplanten Omnibus-Paket die meisten Wirkstoffe unbegrenzt zugelassen würden und die regelmäßige Neubewertung entfallen würde.
Problematisch sei dabei, dass es nach der Zulassung weder ein systematisches Monitoring gebe, das Pestizid-Risiken aufdecke, noch einen Mechanismus, der daraufhin automatisch eine Nachprüfung auslöse. Zudem erfolge dadurch eine Beweislastumkehr vom Hersteller zu den Behörden.
„Das Omnibus-Paket würde die regelmäßige Neubewertung von Pestizid-Wirkstoffen weitgehend abschaffen und bestehende Schwachstellen der Risikoabschätzung vor der Marktzulassung unkorrigiert lassen“, sagte dazu Wintermantel. „Das erhöht die Risiken von Pestiziden für die Biodiversität und die menschliche Gesundheit. Wir sind der Auffassung, dass das Paket damit eindeutig das Vorsorgeprinzip untergräbt und europäischen und internationalen Umweltschutzzielen entgegenwirkt.“
In der Praxis habe sich die regelmäßige Neubewertung als ein wichtiges Instrument erwiesen. „Seit 2011 haben 59 Wirkstoffe aufgrund von Gesundheits- oder Umweltbedenken keine Neu-Zulassung erhalten“, sagte Wintermantel.
Während die EU für die Zulassung von Pestizid-Wirkstoffen zuständig ist, werden die einzelnen Pestizid-Produkte auf nationaler Ebene der Mitgliedsstaaten genehmigt. Das Omnibus-Paket würde laut den Forschern dazu führen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auch bei der Zulassung solcher Produkte weniger einbezogen würden.
Bislang müssen EU-Mitgliedsstaaten dabei den aktuellen Stand der Wissenschaft berücksichtigen. Das Paket würde dies zwar formal nicht aufheben, jedoch neu definieren: Als maßgeblich gelte künftig der Wissensstand der letzten EU-Wirkstoffprüfung, der bei unbegrenzter Zulassung weit zurückliegen könne.
Erhält ein Pestizid-Wirkstoff keine erneute Zulassung, dürfen Produkte, die ihn enthalten, nach der aktuellen Verordnung noch bis zu 18 Monate lang aufgebraucht werden.
Das Omnibus-Paket würde diese Übergangsfrist auf bis zu drei Jahre verlängern – auch wenn der Wirkstoff seine Zulassung wegen Gesundheits- oder Umweltbedenken verloren habe, solange diese nicht als unmittelbar und schwerwiegend eingestuft würden.
„Entgegen dem Ziel des Omnibus-Vorschlags, Innovation zu fördern, birgt der Vorschlag vielmehr das Risiko, Innovationsanreize zu schwächen“, sagte Osterman. „Wenn ältere Produkte länger auf dem Markt verbleiben und keiner regelmäßigen Überprüfung mehr unterliegen, verringert sich der Druck, sicherere und innovativere Alternativen zu entwickeln.“
Um Zulassungsprüfungen zu beschleunigen und hohe Schutzstandards zu sichern, sollten nicht die Antragsteller selbst auswählen, welcher Mitgliedsstaat Pestizide bewerte, fordern die Wissenschaftler.
Stattdessen solle die EU die Aufgabe nach Expertise verteilen. Die EU müsse Bewertungskriterien vereinheitlichen und die Beweislast klar bei den Pestizidherstellern verankern.
Außerdem sollten Zulassungsstudien öffentlich zugänglich sein, um unabhängige Nachforschungen zu ermöglichen. Um mögliche Risiken nach der Zulassung aufzudecken, sollten Anwendungsdaten mit bestehendem Monitoring – etwa zu Bestäubern – verknüpft werden. Solche Anwendungsdaten erheben Landwirte bereits jetzt.
Zudem sollten verstärkt Pestizidrückstände in der Umwelt gemessen werden. Die gemeinsame Analyse dieser Daten würde Pestizide mit hohem Gefahrenpotenzial aufdecken und gezielte Nachprüfungen ermöglichen. Mit diesen Maßnahmen, so das Fazit der Wissenschaftler, ließe sich die Zulassung von Pestiziden wissenschaftlich fundierter, transparenter und effizienter gestalten, ohne das Vorsorgeprinzip oder europäische Umweltschutzziele auszuhebeln. (dts/red)
Experten haben den Satellitensender ausgewertet, den der Buckelwal in seinen letzten Tagen getragen hat. (Archivbild) - Foto: Philip Dulian/dpa
Tagelang kämpften Helfer im April in der flachen Kirchsee-Bucht auf der Ostseeinsel Poel bei Wismar um das Leben des gestrandeten Buckelwals „Timmy“. Trotz des großen Einsatzes starb das Tier einige Tage nach seinem Transport in die Nordsee.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus will sich dennoch mit einem Fest bei den Ehrenamtlichen bedanken, die an der Rettungsaktion beteiligt waren.
Grillfest auf der Insel Poel
Am Samstag, 20. Juni, soll auf der Insel Poel gegrillt werden und Backhaus will Ehrenurkunden überreichen, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Eingeladen sind demnach Helfer von Organisationen wie DLRG und Freiwilliger Feuerwehr – den Angaben zufolge werden etwa 50 Gäste erwartet.
Laut NDR schreibt der Minister in seiner Einladung, es sei gemeinsam gelungen, „den in Kirchdorf gestrandeten Wal auf den Weg in seine Heimatgewässer zu geleiten“.
Auch die „Ostsee-Zeitung“ berichtete vorab über das Dankesfest, das laut Ministerium eine nicht öffentliche Veranstaltung ist und deshalb nicht in die wöchentlich verbreitete Aktivitätenliste der Landesregierung aufgenommen wurde.
Rettungsversuch blieb ohne Erfolg
Eine private Initiative um den Media-Markt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert hatte den mehrfach an der deutschen Ostseeküste gestrandeten Meeressäuger vor Poel in einen mit Wasser gefluteten Lastkahn bugsiert und in die Nordsee gebracht.
Die Aktion galt als teilweise umstritten, da einige Wissenschaftler von dem Rettungsversuch abgeraten hatten und die Überlebenschancen des Tieres als sehr gering einschätzten.
Bei einer Pressekonferenz zur Auswertung der Tracking-Daten des Wals am 12. Juni betonte Backhaus, der Rettungsversuch sei „rechtlich und fachlich vertretbar“ gewesen. Zugleich räumte der Umweltminister selbstkritisch ein, dass Deutschland auf die Strandung eines großen Wals nicht vorbereitet sei. „Es fehlen Standards, es fehlen eingespielte Abläufe“, sagte er. Auch die Zuständigkeiten auf Bundes- und Länderebene seien nicht ausreichend definiert. (dpa/red)
Im Sommer wird der Garten zu einem zweiten Wohnzimmer. - Foto: rvbox/iStock
In Kürze:
Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland gärtnern regelmäßig.
Der eigene Garten ist dabei Rückzugsort und Ort der Begegnung in einem.
Egal ob mediterran oder naturnah: Einfache Gestaltungselemente bieten unzählige Möglichkeiten, seinen grünen Freiraum bewusst zu gestalten.
Wenn die Tage länger werden, verbringen wir gern mehr Zeit im Freien, um zu entspannen oder einfach um zu genießen und Lebensfreude zu spüren. Dem eigenen Garten, egal wie groß oder klein, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Ob als persönlicher Rückzugsort, als Ort der Begegnung mit Familie und Freunden oder beim liebevollen Pflegen von Gemüse, Kräutern und Blumen, der Garten bietet unzählige Möglichkeiten, das Leben im Freien bewusst zu genießen.
Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland gärtnern regelmäßig – ein beeindruckender Beleg dafür, wie beliebt das Leben im Grünen ist. Besonders sichtbar wird diese Leidenschaft am „Tag des Gartens“ am 14. Juni. Dann öffnen zahlreiche Kleingärtner ihre Anlagen für Besucher und geben Einblicke in ihre grünen Oasen.
Um den „Tag des Gartens“ zu würdigen, möchten wir Sie mit einigen Inspirationen dazu einladen, Ihrem Garten, Balkon oder Ihrer Terrasse ein sommerliches Flair zu verleihen und sie in eine Wohlfühloase zu verwandeln.
1. Gemütliche Sitzplätze zum Verweilen
Ein gemütlicher Sitzplatz bildet das Herzstück eines sommerlichen Gartens. Ob eine großzügige Lounge unter einem schattigen Baum oder eine sonnige Frühstücksecke, unterschiedliche Bereiche sorgen für Abwechslung und machen den Garten zu jeder Tageszeit nutzbar. Hecken, Sträucher, Rankpflanzen oder Sichtschutzelemente gliedern den Garten zudem in einladende Räume.
Für gesellige Stunden mit Familie und Freunden bietet sich eine eigene Grillecke an. Neben einem festen Grillplatz sorgen auch offene Feuerstellen – wo erlaubt – oder ein Pizzaofen für zusätzliche Abwechslung und machen den Garten zum kulinarischen Treffpunkt.
Auch Einzelsitzplätze wie ein Sessel unter einem Baum, ein Liegestuhl mit Blick ins Grüne oder eine Bank vor dem Haus können schnell zum Lieblingsplatz im Freien werden. Eine Hängematte unter einem Baum lädt dazu ein, den Alltag hinter sich zu lassen.
Die verwendeten Möbel sollten witterungsbeständig und bequem sein. Materialien wie Holz oder Rattan, weiche Polster in hellen Farben und Decken sorgen für ein entspanntes, wohnliches Ambiente.
2. Sommerliche Blumenbeete
Buntes Beet mit Sommerblumen.
Foto: Schwirl52/iStock
Blumen verleihen jedem Garten eine lebendige, sommerliche Atmosphäre. Farbenfrohe Blühpflanzen wie Dahlien, Sonnenhut, Sonnenblumen und Petunien bringen Frische in den Garten. Weiße und rosafarbene Blüten wie Rosen, Schmuckkörbchen (Cosmea) und Schleierkraut wirken eher romantisch, während Lavendel und Kräuter wie Rosmarin, Thymian und Heiligenkraut (Sanolia) ein mediterranes Flair erzeugen. Die Kombination mit Ziergräsern und ein Mix aus unterschiedlichen Wuchshöhen erzeugen dabei ein harmonisches Gesamtbild.
Für eine besonders naturnahe Gestaltung eignen sich heimische Blumen wie Margeriten, Natternkopf, Glockenblumen oder Witwenblumen. Sie ziehen Wildbienen und andere Insekten an und unterstützen die Artenvielfalt.
3. Individuelle Topfarrangements
Geranien harmonieren besonders gut mit Terrakottatöpfen. Foto: Olesya22/iStock
Nicht nur Beete, auch Töpfe, Kübel und Blumenampeln lassen sich vielseitig bepflanzen – ideal für Terrasse und Balkon. Unterschiedliche Materialien bringen dabei zusätzliche gestalterische Akzente ins Spiel. Mit Lavendel oder Kräutern in Terrakottatöpfen entsteht beispielsweise im Handumdrehen ein südliches, mediterranes Flair.
Besondere Hingucker lassen sich durch kreative Upcyclingideen schaffen. Alte Dosen, Kannen, Emailletöpfe oder ausgediente Schuhe können in charmante Pflanzgefäße verwandelt werden. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern verleiht dem Garten auch eine ganz persönliche Ausstrahlung. Wichtig ist dabei, am Boden ein Abflussloch vorzusehen.
4. Gestaltung mit Wasser und Licht
Für Wildbienen sind Wasserstellen im Garten ebenso wichtig wie nektarreiche Blumen.
Foto: stoickt/iStock
Gestaltungselemente mit Wasser vermitteln Ruhe und Entspannung. Das muss nicht immer ein Pool oder ein Teich sein. Schon das Aufstellen einer Wasserschale für Vögel wirkt dekorativ und beruhigend.
Mit einfachen Mitteln lässt sich auch ein Minibiotop anlegen. Als Gefäße eignen sich zum Beispiel ein altes Holzfass, eine alte Badewanne oder eine Schale aus Emaille oder Keramik. Bepflanzt mit Wasserpflanzen und Seerosen entsteht ein kleines, naturnahes Wasserparadies, das nicht nur ein beruhigender Blickfang ist, sondern auch Insekten als Tränke dient.
Nicht zuletzt sorgt eine gezielte Beleuchtung für die richtige Stimmung am Abend. Eine Lichterkette über der Sitzecke, Laternen mit Kerzenschein oder Windlichter tauchen den Garten in ein sanftes Licht und tragen ihrerseits zur Wohlfühlatmosphäre bei.
5. Gemüse, Kräuter und Beeren
Neben dekorativen Elementen bringt auch ein Beet oder Hochbeet mit Gemüse und Kräutern Leben in den Garten. Sie gedeihen ebenso auf Balkon oder Terrasse in Töpfen und Trögen und bereichern die sommerliche Küche. Zudem verströmen Kräuter einen angenehmen Duft und sorgen für Entspannung. Beerensträucher wie Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren liefern den ganzen Sommer über frische Naschfrüchte.
So wird der Garten, der Balkon oder die Terrasse zu einem ganz persönlichen Rückzugsort, der zum Genießen, Entspannen und Verweilen einlädt.
Das extreme Emissionsszenario RCP8.5 gilt seit Anfang April als „unplausibel“.
Die Bundesregierung beruft sich in mehreren Dokumenten darauf, hält aber am Kurs ihrer Klimapolitik fest.
Die RCP-Modelle prognostizieren die mögliche Entwicklung der Treibhausgaskonzentration bis zum Jahr 2100.
RCP8.5 geht von einem hohen Verbrauch fossiler Brennstoffe und keinen Klimaschutzmaßnahmen aus.
Mehrere Wissenschaftler kritisierten schon früh den fehlenden Bezug des Extremmodells zur Realität.
Mit Temperaturen von teils über 30 Grad Celsius in der letzten Maiwoche 2026 in Deutschland, Frankreich und sogar in Großbritannien bleibt die Diskussion um den Klimawandel präsent.
Mit verschiedenen Klimamodellen versuchen Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten vorherzusagen, wie sich die klimatischen Bedingungen auf unserer Erde künftig weiterentwickeln könnten. Insbesondere die Veränderung der mittleren Temperatur der Atmosphäre ist von großem Interesse. Viele Regierungen und Organisationen befürchten mit steigenden Temperaturen mehr Naturkatastrophen, Schäden – und letztlich höhere Kosten.
Das extreme Emissionsszenario RCP8.5 gilt seit dem 7. April offiziell als „unplausibel“, also als nicht schlüssig. Das bedeutet, dass es die Realität nicht widerspiegelt. Während die einen RCP8.5 für Betrug oder Übertreibung halten, sehen andere die aktuelle Neubewertung als Beleg für die Wirksamkeit der bisher umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen.
Zehntausende Studien ohne wissenschaftliche Grundlage?
Die neue Einstufung der Extremszenarien als „unplausibel“ könnte weitreichende Konsequenzen für die Klimapolitik etlicher Länder haben. Viele politische Kampagnen und Gesetze basieren auf wissenschaftlichen Arbeiten, die sich am bisherigen Extremszenario orientierten.
Eine Google-Scholar-Suche ergab laut dem Wissenschaftsportal „Issues“, dass es allein im Zeitraum von Anfang 2020 bis Mitte Juni 2021 weltweit mehr als 8.500 Artikel gab, die „unrealistische Basisszenarien“ verwendeten. Fast 7.200 davon basierten auf dem RCP8.5-Modell.
Insgesamt ist die Rede von Zehntausenden Forschungsarbeiten, die sich am RCP8.5-Modell oder dem vergleichbaren SSP5-8.5-Modell orientierten – und weiterhin orientieren. Diesen Arbeiten wurde mit der Neubewertung von RCP8.5 im schlimmsten Fall die wissenschaftliche Grundlage entzogen. Mindestens jedoch müssten ihre Ergebnisse ebenfalls auf Plausibilität geprüft werden.
Basiert die deutsche Klimapolitik auf dem Extremszenario?
Auch in der Politik spielt RCP8.5 eine wichtige Rolle. Neben Staaten wie den USA, Großbritannien, Japan und den Niederlanden berufen sich zahlreiche Banken, darunter die Weltbank und die Europäische Zentralbank, darauf.
Besonders der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck und seine Partei der Grünen haben einen Schwerpunkt auf die Erreichung der Klimaziele gelegt.
Foto: von Sean Gallup/Getty Images
Energiewende, Wärmewende oder konkrete Instrumente wie der CO₂-Preis basieren ihrerseits nicht direkt auf den Extremszenarien. In den entsprechenden Gesetzen und offiziellen Papieren werden RCP8.5 und SSP5-8.5 nicht namentlich als Treiber für die jeweiligen Maßnahmen genannt. Sie dienen jedoch dazu, die vom Bund gesetzten Klimaziele umzusetzen. Ziel der Politik ist es, das genannte Extremszenario zu vermeiden.
Bundesregierung spricht von Erfolg und plant keine Neuausrichtung
KWRA 2021, DAS 2024 und KAnG sollen allesamt Anpassungen in Bezug auf Deutschlands Klimaschutzpolitik bewirken. Nach der Neubewertung der Extremszenarien stellt sich die Frage, ob diese entsprechend anzupassen sind. Die Entschärfung mancher Klimamaßnahmen könnte eine mögliche logische Folge sein.
Eine Anfrage der Epoch Times an das Bundesumweltministerium (BMUKN) zu den Auswirkungen des Wegfalls extremer Klimamodelle beantwortete die Behörde nur knapp. Sie bezeichnete die Entwicklung lediglich als „ein Erfolg für die Klimapolitik“.
Entsprechend sieht die Regierung keinen Bedarf, eine Anpassung in ihrer Klimapolitik vorzunehmen. „Jedes Zehntelgrad weniger Erwärmung kann die Risiken des menschengemachten Klimawandels und seine Folgekosten senken“, so der Ministeriumssprecher.
Am 18. Mai 2026 veröffentlichte der Expertenrat für Klimafragen seinen Prüfbericht zur Berechnung der deutschen Treibhausgas-(THG)-Emissionen für 2025 und zu den Projektionsdaten für 2026. Dieser Expertenrat ist ein wissenschaftliches Gremium, das eine entscheidende Rolle beim Monitoring der deutschen Klimapolitik und bei der Umsetzung des Bundes-Klimaschutzgesetzes spielt.
Wie aus der Veröffentlichung hervorgeht, arbeitet das Gremium nach wie vor mit denselben Emissionsbudgets. Ein direkter Bezug zu den RCPs oder anderen Klimamodellen ist in den entsprechenden Dokumenten nicht erkennbar. Allerdings ist dieser auch nicht auszuschließen.
Klaren Bezug zu den Extremszenarien nimmt hingegen das mecklenburg-vorpommersche Klimaportal „klima.mv“. Dort heißt es unter anderem, dass für künftige Analysen, wie „die nächste Risikoanalyse des Bundes (und voraussichtlich auch der Bundesländer) das etwas niedrigere Szenario SSP3-7.0“ relevant sein werde. Demnach ist anzunehmen, dass bei aktuellen Analysen, wie im Fall der oben genannten „Klimawirkungs- und Risikoanalyse“ des Bundes 2021 geschehen, das höhere Extremszenario SSP5-8.5 – eine Erweiterung von RCP8.5 – als Grundlage diente.
Im Rahmen des Klimaportals bezeichnet das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt MV das RCP8.5-Szenario als „weiter wie bisher“. Eine Bezeichnung, die schon früh für Widerstand sorgte. SSP3-7.0 ist ebenfalls ein Hochemissionsszenario, an dem es Kritik gibt.
Zukünftige Temperaturentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern laut dem dortigen Ministerium für Klimaschutz.
Was ist „RCP8.5“ eigentlich, wo kommt es her und was sagt es aus?
RCP steht für „Representative Concentration Pathway“ und heißt übersetzt: Repräsentativer Konzentrationspfad. Das ist die Bezeichnung für künftige Emissionsszenarien, die der Weltklimarat, offiziell das Zwischenstaatliche Gremium für Klimawandel (IPCC), verwendet hat.
Die RCP-Szenarien entstanden ab 2007 durch sogenannte Bewertungsmodellgruppen, um Daten für weitere Klimamodelle zu liefern. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die weltweiten Klimaschutzbemühungen noch überwiegend am Anfang. Der weltweite Anteil von Windkraft und Photovoltaik machte rund 3 Prozent aus. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatten diese beiden Energiequellen einen Anteil von 17,3 Prozent an der weltweiten Stromproduktion.
Große Aufmerksamkeit erhielten die Szenarien erstmals in den Jahren 2013 und 2014 im Rahmen des Fünften Sachstandsberichtes (AR5) zum Klimawandel. Parallel dazu stellte der Weltklimarat die Szenarien RCP6, RCP4.5 und RCP2.6 vor. Die RCP-Szenarien ersetzten die früheren SRES-Szenarien (Special Report on Emissions Scenarios) aus dem Jahr 2000.
Im Zeitraum von 2016 bis 2018, also nach dem Pariser Klimaabkommen, entwickelten Wissenschaftler zusätzlich das Szenario RCP1.9. Die Forscher ergänzten es speziell, um einen ambitionierten Konzentrationspfad darzustellen, der dem 1,5-Grad-Celsius-Ziel des Pariser Abkommens entspricht.
In allen Fällen geht es dabei um die Entwicklung der Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre. Das für das IPCC relevanteste Treibhausgas in Bezug auf die Erderwärmung ist Kohlenstoffdioxid (CO₂). Daneben existieren weitere, einschließlich Methan und Wasserdampf.
Darauf aufbauend versuchen die Wissenschaftler, die resultierende Erwärmung bis zum Jahr 2100 vorherzusagen. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei der sogenannte Strahlungsantrieb. Er beschreibt die Änderung der Energiebilanz der Erde, oder anders gesagt, wie viel mehr oder weniger Energie auf der Erde ankommt. Das hängt unter anderem vom Reflektionsvermögen der Wolken ab.
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Nicht alle Sonnenenergie kommt auf der Erde an. Rund 30 Prozent der Sonneneinstrahlung wird reflektiert, bevor sie die Erdoberfläche erreicht. Dieses Rückstrahlungsvermögen wird auch Albedo genannt.
Foto: ts/Epoch Times nach Evgenii_Bobrov/iStock
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Je flacher die Sonne am Himmel steht, desto größer ist die Fläche (rote Linien), die „ein Sonnenstrahl“ (blaue Balken) bescheint. Entsprechend nimmt die eingestrahlte Leistung zu den Polen – und der Tag-Nacht-Grenze – immer weiter ab. Auf der Nachtseite beträgt sie Null.
Foto: ts/Epoch Times nach Evgenii_Bobrov/iStock
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Wetter, Geografie und Gelände bestimmen, wie viel Sonnenenergie im Tages- und Jahresverlauf auf der Erdoberfläche ankommt. Deutlich erkennbar ist der Einfluss von Wolken (höhere Albedo über den äquatorialen Regenwäldern) und der geografischen Lage (sinkender Einfallswinkel zu den Polen).
Das Szenario RCP8.5 steht in diesem Zusammenhang für eine Steigerung der eingestrahlten Energie um rund 8,5 Watt pro Quadratmeter (W/m²) bis zum Jahr 2100. Als Referenz gilt die vorindustrielle Zeit um 1850, die das Ende der Kleinen Eiszeit markiert.
Bis etwa 1975 lag der Strahlungsantrieb unter 1,0 W/m². Anschließend ist der Wert auf aktuell rund 3,0 W/m² angestiegen. Beim möglichen Entwicklungspfad des RCP8.5-Szenarios wäre der Strahlungsantrieb bis 2100 somit fast dreimal so hoch wie heute.
Frühe Kritik am Extremmodell
Damit derartige Werte erreicht werden, nimmt das Szenario ein weltweit hohes Bevölkerungs- und langsames Einkommenswachstum an. Zudem fallen die Fortschritte bei der Energieeffizienz und Technologie allgemein niedrig aus. Gleichzeitig schließt man jegliche Klimaschutzmaßnahmen aus. Diese Annahmen hätten eine deutliche Steigerung der Nutzung fossiler Brennstoffe zur Folge, was letztlich die Treibhausgasemissionen – und den zu erwartenden Temperaturanstieg – stark erhöhen würde.
Bis zum Jahr 2100 nimmt das RCP8.5-Modell einen CO₂-Anteil in der Atmosphäre von mehr als 1.200 Teile pro Million (ppm) an. Aktuell liegt er bei rund 430 ppm. Auf diese Weise errechnete man einen Anstieg der Temperaturen von 2,6 bis 4,8 Grad Celsius bis 2100.
Einer der frühesten Kritikpunkte an RCP8.5 lautete, dass es unmöglich sei, die erforderlichen Mengen an Kohle, Öl und Gas zu verbrennen. Würde die Menschheit den prognostizierten Entwicklungspfad beschreiten, gingen uns bereits deutlich vor Ende des Jahrhunderts die fossilen Brennstoffe aus. Mit anderen Worten: Selbst wenn wir es darauf anlegen würden, wäre das Szenario unerreichbar.
Trotz dieses fundamentalen Widerspruchs zwischen Modell und Wirklichkeit, wurde – und wird – das Szenario vielfach als „business-as-usual“ beziehungsweise als „weiter-wie-bisher“ bezeichnet. Sprich, es sei die wahrscheinlichste Entwicklung, wenn sich nichts grundlegend ändert.
Neben der anfänglichen Unmöglichkeit haben die Entwicklungen seit 1990 – speziell der massive Ausbau der „erneuerbaren“ Energien oder strengere Emissionsrichtlinien – das extreme Szenario immer unrealistischer werden lassen. Viele Wissenschaftler wie Prof. Roger Pielke Jr. kritisierten daher den zunehmenden Verlust des Realitätsbezugs in den Szenarien. Der Professor der Universität Colorado Boulder bezeichnete dies im Jahr 2021 als „ein Versagen der Selbstkorrektur in der Wissenschaft“. Bezogen auf RCP8.5, das er als das am häufigsten verwendete RCP-Szenario identifizierte, sagte er:
„RCP8.5 […] repräsentiert nicht nur eine unglaubwürdige Zukunft im Jahr 2100, sondern eine Gegenwart, die bereits erheblich von der Realität abweicht.“
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32 Computermodelle des IPCC sagten bis 2020 eine durchschnittliche Erwärmung (rot) von +0,44 Grad Celsius pro Jahrzehnt voraus. Lediglich ein Modell („INM-CM4″, lila) lag in der Näher der realen Messdaten (+0,16° C, grün) durch Wetterballons.
Foto: ts/Epoch Times nach John R. Christy/University of Alabama
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Die Entwicklung der weltweiten CO2-Emissionen. Das RCP8.5-Modell wich schon vor drei Jahren von der tatsächlichen Entwicklung ab.
Foto: Fritz Vahrenholt nach Global Carbon Project/CC BY 4.0
Verstärkte Kritik am RCP8.5-Modell kam laut dem Klimaportal „Carbon Brief“ aber schon in den 2010er-Jahren auf. So fragten die Forscher Justin Ritchie und Hadi Dowlatabadi 2017: „Warum kehren Klimaszenarien zu Kohle zurück?“
Wie aus dem Titel zu entnehmen ist, ist der Hauptkritikpunkt die Annahme einer vollständigen Rückkehr der Gesellschaft zur Kohleverbrennung, um Energie zu gewinnen. Da zu dieser Zeit bereits große Anstrengungen zur Verbreitung von grüneren Technologien existierten, bezeichneten Ritchie und Dowlatabadi RCP8.5 als „einen unwahrscheinlichen Referenzfall“. Sie warnten eindrücklich:
„RCP8.5 sollte keine Priorität für die künftige wissenschaftliche Forschung haben oder ein Maßstab für politische Studien sein.“
Am Anfang war die Zukunft „von Natur aus unvorhersehbar“
Die Ersteller dieses Klimamodells hatten nicht beabsichtigt, es als business-as-usual zu etablieren und als das wahrscheinlichste Szenario darzustellen. Im SRES-Report aus dem Jahr 2000 heißt es wörtlich:
„Das Autorenteam ist sich weitgehend einig, […] dass die Zukunft von Natur aus unvorhersehbar ist […]. Daher ist die Entwicklung eines einzigen ‚Best-Guess‘- oder ‚Business-as-usual‘-Szenarios weder wünschenswert noch möglich.“
Letztlich ignorierte das IPCC jedoch seine eigenen Aussagen. Forscher bezeichneten die RCP-Szenarien schon bald als plausibel und wiesen ihnen Wahrscheinlichkeiten zu. RCP8.5 ernannten sie in diesem Zuge zum einzigen Business-as-usual-Szenario der Klimamodellreihe.
Somit erhielt das RCP8.5 den Status als das wahrscheinlichste Zukunftsszenario, sofern die Regierungen dieser Welt keine weiteren Klimaschutzmaßnahmen einleiteten. Dies verlieh dem Extremmodell unter den RCPs sowie unter Hunderten Referenzszenarien der IPCC-Szenariodatenbank einen besonderen Stellenwert und Beachtung in Wissenschaft und Politik.
Nachfolger von RCP8.5 ebenfalls umstritten und zurückgezogen
Im Sechsten Sachstandsbericht (AR6, 2021 bis 2023) entwickelte das IPCC die RCPs zu den sogenannten Shared Socioeconomic Pathways (Gemeinsame sozioökonomische Entwicklungspfade, kurz SSPs) weiter. Dies fand statt, weil die RCP-Modelle aus AR5 nur die Strahlungsantriebe und die damit verbundenen Treibhausgaskonzentrationen beschrieben hatten. Sie gaben keinen Aufschluss darüber, durch welche Faktoren eine Gesellschaft zu diesem Pfad gelangen würde.
Die SSP-Modelle aus dem AR6 kombinieren hingegen fünf verschiedene gesellschaftliche Szenarien (SSP1 bis SSP5) mit Emissionspfaden. Durch ihre sozioökonomischen Aspekte sind die Szenarien besser für bestimmte Analysen geeignet. Aus RCP8.5 wurde dabei SSP5-8.5.
Dieses neue Extremszenario ging von einem hohen Wirtschaftswachstum und hohen Emissionen aus. Diese sollten einen tiefergehenden Einblick bieten, wie eine Welt ohne zukünftige Klimapolitik aussehen könnte.
Die Kritik der Wissenschaftsgemeinde und die Selbstkorrektur der Klimaorganisationen führten letztlich dazu, dass RCP8.5 nicht mehr als relevant gilt. Bei der jüngsten Neubewertung der Klimamodelle haben 44 IPCC-Autoren neben RCP8.5 auch die Szenarien SSP5-8.5 und SSP1-1.9 als „unplausibel“ bezeichnet. Welche Rolle diese Szenarien weiterhin in Forschung und Politik einnehmen werden, wird die Zeit zeigen müssen.
Unter den noch plausiblen Szenarien gilt nun SSP3-7.0 als das „höchste Szenario“. Es geht von nur noch knapp halb so hohen Emissionen und einer Erwärmung von 2,8 bis 4,6 Grad Celsius aus. Auch hierin werden Annahmen getroffen, die unter Fachleuten heute als unplausibel gelten. Dies betrifft insbesondere die Entwicklung der Weltbevölkerung und – den aktuellen Klimaschutzmaßnahmen zum Trotz – bis zum Ende des Jahrhunderts ungebremst ansteigende Emissionen.
Entwicklung der CO₂-Emissionen aus fossilen Kraftstoffen und Industrie (FFI) im 21. Jahrhundert.
Foto: The Honest Brocker/Substack im Auftrag von Roger Pielke Jr.
Maitemperaturrekord von 1922
Unabhängig von Prognosen lohnt sich auch immer ein Blick in die Vergangenheit. Im vergangenen Jahrhundert waren im Mai in Deutschland ebenfalls gelegentlich Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius aufgetreten. Den Rekord stellte Hamburg mit 36,6 Grad auf – im Mai 1922.
Was anstieg, ist die Anzahl der heißen Maitage in den vergangenen Jahren. Im vorherigen Jahrhundert waren Tage mit Temperaturen über 30 Grad im Mai noch eine Seltenheit.
Ebenso lag die mittlere Maitemperatur hierzulande im ausgewählten Zeitraum von 1961 bis 1990 bei rund 12 Grad. Von 1991 bis 2020 kletterte die durchschnittliche Maitemperatur auf rund 13,3 Grad an. In diesem Zeitraum nahm auch die Sonnenscheindauer zu und Städte und Verkehrsflächen wuchsen.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium möchte doch keine Prämie für Tiere in Weidehaltung einführen. - Foto: Lino Mirgeler/dpa/dpa-tmn
In Kürze:
Die Weideprämie ist in den Ländern unterschiedlich geregelt.
Der Bundesrat riet bereits 2025, auf die neuen Regelungen zu verzichten.
Interessenverbände mahnen eine verlässliche Finanzierung an.
Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sah eine Ausweitung der Förderung der Weidehaltung vor. Dazu sollten Landwirte Prämien erhalten, je nach Bundesland und Regelung unterschiedlich sein sollten. Die Förderung der Weidehaltung sollte als zusätzliche Maßnahme in die seit 2023 bestehenden Öko-Regelungen der EU-Agrarförderung integriert werden.
Doch nun könnte die sogenannte Weideprämie Geschichte sein, bevor sie auch nur einmal zur Auszahlung kam. Wie das Fachportal „agrarheute“ schreibt, möchte das Bundeslandwirtschaftsministerium keine neuen Ökoregelungen für 2027 einführen. Sie begründet das mit Maßnahmen zum Bürokratieabbau und streicht die Vorschrift in § 20 Absatz 3 Satz 2 GAP-Direktzahlungen-Gesetz. Diese sah die Einführung von zwei Öko-Regelungen vor, darunter die erwähnte Prämie. Die derzeitige Förderperiode läuft seit 2023 und endet 2027. Die Inhalte ab 2028 müssen noch ausgehandelt werden.
Länder: Finanzbedarf übersteigt verfügbare Mittel
Die Prämie war als Förderinstrument für landwirtschaftliche Betriebe gedacht, die Milchkühe sowie Rinder zur Aufzucht und Mast auf Grünlandflächen weiden ließen. Damit wollte das Bundesministerium diese Form der Haltung unterstützen. Die Programme sahen vor, dass Tiere eine bestimmte Anzahl Tage pro Jahr auf der Weide verbringen mussten. Die erforderliche Mindestweidedauer regelten die Länder, entsprechend fiel sie unterschiedlich aus. Die Landwirte sollten durch die Förderung dazu angehalten werden, die Weidehaltung beizubehalten bzw. einzuführen.
Allerdings hatte bereits der Bundesrat den Bund im Juli 2025 aufgefordert, für 2027 auf neue Ökoregelungen zu verzichten. Die Länder begründeten dies seinerzeit damit, dass der zusätzliche Finanzbedarf die verfügbaren Restmittel deutlich überschreiten würde. Die Einführung weitere Öko-Regelungen wie einer Weideprämie hätte innerhalb der EU-Agrarförderung eine Umschichtung von Mitteln erfordert.
Auch hätten Landwirte die bestehenden Ökoregelungen 2025 deutlich stärker genutzt als in den Jahren zuvor. Daher sei es nicht nötig, die Regelungen in der laufenden Förderperiode erneut zu verändern. Des Weiteren würde eine bundesweit einheitliche Lösung nach Ansicht der Länder keinen zusätzlichen Nutzen bringen. Stattdessen wären Einbußen und Anpassungsprobleme in vielen Betrieben die Folge.
Arbeitsgemeinschaft fürchtet Schwächung der Betriebe
„Wortbruch“ wirft die „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (AbL) laut dem Fachportal „biopress.de“ dem Ministerium nun vor. Daher hat sie gemeinsam mit mehr als 150 Verbänden und Organisationen ein Positionspapier veröffentlicht. Darin fordern die Verfasser eine „umfassende Unterstützung“ der Weidetierhaltung. Ohne eine „verlässliche Finanzierung“ fehle dieser „die notwendige Perspektive und damit die Chance, die von Politik und Gesellschaft geforderten Beiträge zu einem nachhaltigen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz zu erbringen“.
Kirsten Wosnitza aus der AbL‑Fachgruppe Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) betont, dass es sich bei den Ökoregelungen um freiwillige Förderangebote handelt. Zusätzliche Maßnahmen würden daher nur Betriebe betreffen, die sie auch beantragen. Wer die geplante Streichung mit Bürokratieabbau begründe, wolle diese Form der Tierhaltung nicht unterstützen, kritisierte sie. Falle die Förderung weg, sei eine weitere wirtschaftliche Schwächung der betroffenen Betriebe zu befürchten.
Die AbL kritisiert zudem, dass Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer mit den Plänen die von ihm selbst geforderte Planungssicherheit für Landwirte unterlaufe. Viele Weidehalter hätten seit 2024 mit den angekündigten Fördergeldern gerechnet und seien seither mehrfach vertröstet worden.
Bisher konnten weder der Wolf noch das Halsband mit seinem Sender gefunden werden. (Archivbild) - Foto: Umweltbehörde Hamburg/dpa
Vor gut zwei Monaten hat ein Wolf eine Frau in einer Hamburger Einkaufspassage verletzt – nun ist das Tier laut Umweltbehörde wahrscheinlich tot. Der junge männliche Wolf war nach der Attacke im Stadtteil Altona in der Innenstadt eingefangen und bei seiner Auswilderung mit einem Sender versehen worden.
Die automatisierten Sendedaten des Ortungshalsbandes liegen laut dem Behördensprecher bis Ende Mai vor. Dann sei das Signal abgerissen. „Die verwendeten Sender sind technisch äußerst verlässlich und erprobt; ein Defekt oder ein herkömmlicher Verlust des Halsbandes wird nach so kurzer Laufzeit als unwahrscheinlich eingeschätzt“, sagte er.
Umfangreiche Suchaktionen blieben erfolglos
Umfangreiche Suchaktionen nach dem jungen Wolf seien erfolglos geblieben. „Es konnten bislang weder das Tier noch der Sender lokalisiert werden“, so der Sprecher. „Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse ist der Tod des Tieres wahrscheinlich.“ Zuvor hatte der NDR berichtet.
Vor dem Zwischenfall war der Wolf tagelang durch Hamburg geirrt. Nach der Attacke lief er durch die Innenstadt und sprang in die Binnenalster, wo ihn die Polizei einfangen konnte. Er wurde in eine Wildtierstation nach Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg gebracht und Anfang April im südlichen Stadtgebiet von Hamburg wieder ausgewildert.
Anschließend habe sich der Wolf unauffällig in einem festen Revier in einem ländlichen Bereich in Niedersachsen, über 150 Kilometer weit weg von Hamburg, niedergelassen, teilte der Sprecher jetzt mit. „Auf seiner gesamten Route hat sich das Tier völlig unauffällig und wolfstypisch verhalten.“
Frau soll auf panisches Tier zugegangen sein
Nach früheren Angaben geht die Hamburger Umweltbehörde davon aus, dass der Wolf die Frau gebissen hat, als diese mutmaßlich auf das panische Tier zugegangen sei, um es durch die gläsernen Automatiktüren der Einkaufspassage nach draußen zu lassen.
Naturschützer bezweifeln, dass der Wolf die Frau angegriffen und gebissen hat. Sie verweisen etwa auf eine Zeugin, die gesehen haben will, dass der Wolf die Frau angesprungen, aber nicht gebissen habe. Dabei habe er sie möglicherweise mit der Pranke verletzt. (dpa/red)
Zeit im Freien zu verbringen, trägt nachweislich zu einer besseren psychischen Gesundheit und emotionalen Widerstandsfähigkeit von Kindern bei. Selbst einfache Aktivitäten sind wertvoll. - Foto: boggy22/iStock
Eines der besten Geschenke, die man Kindern machen kann, ist es, ihnen von klein auf eine Liebe zur Natur zu vermitteln. Doch dieses Geschenk wird immer seltener. Ein Bericht des Institute for Social Research der University of Michigan aus dem Jahr 2015 brachte eine beunruhigende Statistik ans Licht: Das durchschnittliche amerikanische Kind spielt nur 7 Minuten pro Tag unstrukturiert im Freien. Das ist ein Rückgang von 50 Prozent in nur 20 Jahren.
Dies ist aus vielen Gründen besorgniserregend.
Richard Louv schrieb in seinem Buch „Last Child in the Woods: Saving Our Children From Nature-Deficit Disorder“ („Das letzte Kind im Wald: Wie wir unsere Kinder vor dem Naturdefizit-Syndrom retten“): „Gerade in dem Moment, in dem die Bindung zwischen der Jugend und der Natur abbricht, belegt eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen einen direkten Zusammenhang zwischen unserer mentalen, physischen und spirituellen Gesundheit und unserer Beziehung zur Natur – und zwar auf positive Weise“.
Zeit in der Natur wurde mit besserer mentaler Gesundheit, mit gesteigerter Kreativität und Konzentration, einem stärkeren Immunsystem, besserer Herzgesundheit, verbessertem Schlaf und mehr körperlicher Bewegung in Verbindung gebracht. Kinder, die viel Zeit draußen verbringen, sind glücklicher, klüger und weniger ängstlich als Kinder, die überwiegend drinnen spielen. Danielle Cohen schrieb für das Child Mind Institute, dass das Spiel im Freien das Selbstvertrauen der Kinder, ihre Vorstellungskraft und die Motivation für körperliche Bewegung stärke.
Ein Blick in die Ordnung dieser Welt
Abgesehen von den physischen Vorteilen erhalten Kinder etwas Unfassbares, das jedoch ebenso wichtig ist: ein Gespür für die grundlegende Ordnung der Welt. Durch die Vertrautheit mit der Natur und eine Liebe zur wilden Natur lernen Kinder die Realitäten kennen, die der menschlichen Zivilisation zugrunde liegen.
Kinder, die viel Zeit in der Natur verbringen, verstehen intuitiv, wie die physische Welt funktioniert, und verfügen über feiner abgestimmte Sinne. Sie haben eine viszerale Begegnung mit dem sanften Streichen von Gras, hören das Trällern von Vogelgesang und das Fließen von Wasser. Sie spüren die rauen, harten Oberflächen von Steinen, Rinde und nackter Erde. All diese elementaren Dinge sind unsere Lebensquellen und die Rohmaterialien einer gesunden Vorstellungskraft.
Unstrukturiertes Spielen im Freien ermöglicht es Kindern, ihre Kreativität und ihre Problemlösungsfähigkeiten zu entwickeln.
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Gehen wir in die Natur
Ein einfacher und unterhaltsamer Weg, um Kinder wieder mit der natürlichen Welt in Kontakt zu bringen, sind Naturspaziergänge. Bei diesen langsamen, explorativen Streifzügen durch eine natürliche Umgebung werden Kinder ermutigt, Dinge aus der Natur zu bemerken, zu schätzen, zu entdecken und zu sammeln.
Naturspaziergänge können viele Formen annehmen. Der Schlüssel liegt darin, Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Lernen, Neugier und Staunen zu fördern. Man kann auch einen Feldführer für die lokale Flora und Fauna mitnehmen und sich auf einen benachbarten Fußweg zu begeben. Eltern und Kinder können dabei gemeinsam so viele Arten wie möglich identifizieren.
Ein „wahrnehmender“ Naturspaziergang ist besonders vorteilhaft, um Kinder darin zu trainieren, ihre Sinne voll auszuschöpfen, um die Welt um sie herum geduldig und aufmerksam aufzusaugen. Der Erwachsene sollte dem Kind Fragen stellen, während sie umherschlendern. Was siehst du? Was riechst du? Wie würdest du den Geruch beschreiben? Was hörst du? Was fühlst du?
Sinneserfahrungen in der Natur wie das Berühren von Gras oder Wasser oder Tierbeobachtungen fördern Neugier und kognitive Entwicklung.
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Für Kinder, die etwas mehr Anleitung oder Wettbewerb benötigen, um sich motiviert zu fühlen, ist eine Naturschnitzeljagd eine gute Option. Eine Liste mit spezifischen Gegenständen, die gefunden oder gesammelt werden sollen, kann das Erlebnis spannender machen.
Naturspaziergänge gehen natlos in Aktivitäten zu Hause über. Gegenstände, die in der Natur gesammelt wurden, können in einem Kunstprojekt oder einem Naturdiorama verwendet werden. Wenn Sie verschiedene Proben gesammelt haben, können Kinder diese dokumentieren und anschließend eine Ausstellung erstellen. Das Schöpfen von Teichwasser bei einem Spaziergang in der Natur eröffnet die Möglichkeit, die darin lebenden Mikroorganismen und Kleinstlebewesen später zu Hause unter der Lupe oder sogar unter dem Mikroskop genauer zu untersuchen. Das Verfassen einer Reflexion oder das Zeichnen eines Bildes oder einer Karte im Zusammenhang mit Naturspaziergängen ermutigt Kinder, ihre Erfahrungen zu verstehen.
Lebendige Erfahrungen in der Natur sind die Basis für einige wunderschöne Erinnerungen.
„Wir haben eine so kurze Gelegenheit, unsere Liebe zu dieser Erde an unsere Kinder weiterzugeben und unsere Geschichten zu erzählen“, schrieb Louv. „Das sind die Momente, in denen die Welt wieder heil wird. In den Erinnerungen meiner Kinder werden die Abenteuer, die wir zusammen in der Natur erlebt haben, immer existieren.“
In der Kindheit begonnene Aktivitäten im Freien können lebenslange Gewohnheiten prägen. Auch viele Erwachsene suchen weiterhin die Natur auf, um sich zu erholen oder zu vergnügen.
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Zusätzlich zum Schaffen schöner Erinnerungen helfen Naturspaziergänge dabei, eine schöne Zukunft aufzubauen. Einen Geschmack für das Draußen zu entwickeln, dient Kindern ihr ganzes Leben lang. In der Natur werden sie Schönheit und Frieden finden, zu denen sie als Zuflucht zurückkehren können, wenn das Leben schwierig wird. Wenn sie wachsen, können sie lernen, dem Beispiel des Agrarschriftstellers Wendell Berry zu folgen, der schrieb:
„Wenn Verzweiflung für die Welt in mir wächst […] gehe ich und lege mich dorthin, wo der Erpel in seiner Schönheit auf dem Wasser ruht und der große Reiher frisst. Ich trete ein in den Frieden der wilden Natur, die ihr Leben nicht mit der Vorahnung von Gram belastet. Ich trete in die Gegenwart von stillem Wasser. Und ich fühle über mir die tagesblinden Sterne, die mit ihrem Licht warten. Für eine Zeit ruhe ich in der Gnade der Welt und bin frei.“
Diese Art von meditativer, erholsamer Beziehung zur Natur entwickelt sich nicht spontan. Bei so vielen modernen Ablenkungen ist es für Kinder leicht, Frieden oder Trost in Gadgets, Essen und Unterhaltung zu suchen. Aber diese Dinge haben nicht die Heilkraft – für Körper und Seele –, die die Natur besitzt. Deshalb ist es ein großes Geschenk, Kinder durch wiederholte positive Erfahrungen an die Natur heranzuführen. Es ist der Beginn einer lebenslangen Liebesaffäre mit der Schöpfung.
Birgit Schattling (rechts) vermittelt ihr Wissen seit Jahren in Online-Kursen, nun auch live. - Foto: Anja Sokolow/dpa /dpa
„Hier sind noch ein paar Quadratzentimeter frei“, freut sich Elke Schmude und setzt Kapuzinerkresse in ein Vertikalbeet. Auf sieben Etagen wachsen dort bereits unter anderem Asiasalate, Schnittlauch, Erdbeeren und Kornblumen. „Man muss sich einfach mal trauen, wenn es nicht wächst, dann eben nicht“, sagt die Berlinerin.
Ein Kurs im Balkongärtnern von Birgit Schattling ist in vollem Gange. Seit Jahren vermittelt sie Balkonbesitzern im deutschsprachigen Raum in Online-Kursen und -Kongressen, wie sich auch kleinste Flächen bepflanzen lassen.
Mit der Balkonschule in Berlin hat sie ihr Angebot nun um einen physischen Ort ergänzt. „Hier kann man fühlen, sehen, kosten“, sagt Schattling.
Auch die Anzucht – hier von Mangold – wird in der Schule von Birgit Schattling geübt.
Foto: Anja Sokolow/dpa /dpa
Hände in die Erde stecken statt vor dem Bildschirm sitzen
Auf dem Gelände der Atelier Gardens, einem historischen Film- und Fernsehcampus, wird das ganze Jahr über gemeinsam gesät, pikiert, gepflanzt und geerntet. Die Teilnehmer schätzen vor allem den direkten Austausch.
„Das ist viel besser als ein Online-Kurs, hier kann ich die Hände in die Erde stecken und muss nicht im dunklen Kämmerlein vor dem Bildschirm sitzen“, sagt Bettina Schäfer.
Mitgärtnerin Bärbel Schäfer hat der Kurs wieder zu neuem Schwung verholfen. Neben einem Balkon hat sie auch einen Garten. Doch zuletzt fehlte der Antrieb. „Ich wollte mich schon gar nicht mehr damit beschäftigen“, sagt die Rentnerin. Doch das gemeinsame Gärtnern in der Balkonschule habe ihr wieder neue Motivation gebracht.
Vertikalbeete bieten viel Platz auf kleinem Raum.
Foto: Anja Sokolow/dpa-Zentralbild/dpa
Obstbäume? Alles geht, außer Walnüsse
In der Balkonschule wächst und gedeiht vieles: Johannisbeeren, Glockenblumen, Kletterrosen und selbst Aprikosen. „Man lernt hier, dass man auch Sträucher gut auf Balkonen pflanzen kann“, sagt Elke Schmude. Auch Obstbäume seien möglich, nur keine Walnüsse, ergänzt Schattling.
Genutzt wird jeder Zentimeter: Neben klassischen Töpfen dienen auch eine Sauciere oder ein Wäschekorb als Pflanzgefäße. Besonders stolz ist Schattling auf die sogenannte Klimaterrasse, eine Kombination aus Vertikalbeeten und begrünter Pergola. Klettererbsen, Feuerbohnen, Kiwis, Passionsblumen und Wein spenden Schatten und liefern Erträge.
„Das ist die Lösung für überhitzte Terrassen und Balkone. Ab Mai bleiben Südlagen oft ungenutzt – Menschen ziehen sich hinter Jalousien in den Innenraum zurück“, sagt Schattling, die auf dem Gelände auch einzelne Workshops, Teamnachmittage und Vorträge anbietet.
Das Gärtnern auf Balkonen habe in der Corona-Zeit einen Boom erlebt, weil alle Zuhause gewesen seien, sagt eine andere Balkon-Gärtnerin, die Journalistin, Podcasterin und Autorin Melanie Öhlenbach aus Bremen. Seit 2020 hat sie fünf Bücher zum Thema veröffentlicht, zuletzt „Klimahelden auf dem Balkon“.
„Inzwischen beschäftigen sich auch viele Menschen mit der Frage, wo die Lebensmittel überhaupt herkommen und wie sie produziert wurden“, so Öhlenbach. Der Wunsch nach Selbstversorgung spiele zunehmend eine Rolle und auch die Preise seien ein Grund, selbst zu gärtnern.
Auch Öhlenbach gibt Kurse. „Wissen und Fertigkeiten gehen verloren, wenn man sie nicht mit anderen teilt und weitergibt“, betont sie. Es sei noch einmal etwas anderes, das unmittelbar, zusammen, vor Ort, also ohne Bildschirm und Smartphone, zu tun.
„Es braucht daher Orte, wo solche Begegnungen möglich sind – sei es selbst organisiert in der Nachbarschaft, im Kleingartenverein, an den Volkshochschulen und Bildungseinrichtungen generell, in urbanen Stadtgartenprojekten oder eben der Balkonschule“, meint die Bremerin, die neben ihrem Balkon mittlerweile auch einen Garten bewirtschaftet.
Töpfe können auch bepflanzt werden.
Foto: Anja Sokolow/dpa
120 Pflanzen auf neun Quadratmetern
Schattling treibt das Balkongärtnern auf die Spitze: Auf neun Quadratmetern wachsen bei ihr 120 Pflanzen, darunter Sträucher und Obstbäume. Zudem nutzt sie fünf Fensterbretter und schafft Lebensräume für Insekten, Vögel und Eichhörnchen. „Ich bin mitten in Berlin und erlebe die Natur hautnah“, sagt die Buchautorin und Bloggerin.
Stadtgrün-Referentin Janna Einöder vom Naturschutzbund hat Schattling mal als „Balkon-Ultra“ bezeichnet. Aus ihrer Sicht seien die von ihr bepflanzten Balkone ökologisch wertvoll. „Doch nicht jeder muss eine Birgit Schattling sein“, sagt Einöder.
Man könne das Balkongärtnern auch im kleineren Maßstab betreiben, zum Beispiel mit Küchenkräutern. „Wenn viele kleine Flächen genutzt werden, ergibt das ein Mosaik in der ganzen Stadt“, so die Expertin. Und das komme zahlreichen Arten zugute, zum Beispiel Wildbienen, die einen Flugradius von nur wenigen Hundert Metern hätten.
Das Potenzial sei aus Naturschutzsicht noch längst nicht ausgenutzt. Viele Balkone würden leider mit Pflanzen wie Petunien oder Geranien begrünt, die für Insekten nicht nützlich und oft auch noch mit Pestiziden belastet seien. Mehrjährige Stauden oder auch Wildblumen seien viel geeigneter, erklärte Einöder.
Der Nabu hat Pflanzlisten veröffentlicht. Passend zur jeweiligen Ausrichtung eines Balkons werden passende Arten empfohlen. „Geranien gehen gar nicht“, findet auch Schattling. Immerhin gebe es aber Bemühungen, ursprünglichere Varianten zu züchten, die auch attraktiver für Insekten seien. (dpa/red)
Haussperlinge baden in einer Vogeltränke. - Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa
Für Vogelfreunde gibt es gute und schlechte Nachrichten zugleich: Während es etwa bei den Spatzen schlecht aussieht, sieht die Lage bei Finken erfreulicher aus, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mitteilt.
Grundlage ist die „Stunde der Gartenvögel“, bei der Menschen in Deutschland am zweiten Maiwochenende Vögel beobachten und melden sollten. Düster seien die Resultate für die Spatzenarten, erklärte Vogelschutz-Experte Martin Rümmler vom Nabu.
„Der Haussperling liegt zwar nach wie vor auf Platz eins unserer Rangliste der am meisten gemeldeten Vögel, aber er hat einen Verlust von 9 Prozent zum Vorjahr eingefahren. Damit setzt sich der Negativtrend der vergangenen Jahre vorerst leider fort.“ Beim Feldsperling liege der Verlust bei 6 Prozent.
Ein Buchfink sitzt auf einer Wiese.
Foto: Felix Kästle/dpa
Starker Rückgang bei Mauerseglern und Mehlschwalben
„Diese Zahlen müssen uns besorgen“, so Rümmler. „Denn wenn so häufige Arten wie der Haussperling immer weniger gemeldet werden, könnte das ein Alarmsignal für den Zustand der Natur in unseren Siedlungen sein.“
Gründe seien meist ein mangelndes Nahrungsangebot und der Verlust von Wohn- und Lebensraum in Städten.
Die Sichtungen von Mauerseglern brachen im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent ein, die von Mehlschwalben um 12 Prozent. „Beide Arten sind Gebäudebrüter und Insektenfresser“, erläuterte Rümmler.
„Es könnten also Insektenschwund und nicht vogelfreundliche Sanierung alter Gebäude eine Rolle spielen.“ Möglich sei auch, dass ein Teil der Tiere später als üblich aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt sei.
Deutlicher Abwärtstrend von Sichtungen seit Jahren
Doch der Nabu nennt auch positive Trends: So wurden verschiedene Finken nach einem zeitweiligen Rückgang wieder öfter gesichtet. „Bei den Buchfinken können wir sogar ein sattes Plus bei den Sichtungen von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen, auch der Grünfink machte bundesweit 3 Prozent Plus“, so Rümmler.
Grund für den vorherigen Einbruch könnten Krankheiten gewesen sein: „Eine Ursache ist vermutlich, dass der Grünfink stärker unten den Infektionswellen mit Trichomonaden gelitten hat als der Buchfink“, erläuterte Rümmler.
Diese Erreger verbreiten sich vor allem an Futter- und Wasserstellen. „Wer Vögel füttert, sollte daher unbedingt auf die Hygiene achten. Am besten Futtersäulen nutzen und Wasser täglich wechseln.“ Amseln wurden laut Nabu ähnlich häufig wie 2025 gesichtet.
Bei der Zählung meldeten bundesweit rund 56.000 Menschen aus mehr als 38.000 Gärten weit über eine Million Vögel. Dabei setzte sich der Abwärtstrend der Vorjahre fort:
Wurden 2018 noch im Mittel knapp 34 Vögel pro Garten oder Park gezählt, so waren es 2026 nur noch etwa 28,4 Vögel. Bei der „Stunde der Gartenvögel“ sollten vom 8. bis 10. Mai eine Stunde lang die gefiederten Gäste vor der Haustür gezählt werden. (dpa/red)
Im Bundestag fand eine Debatte zur Abschaffung des RCP-8.5-Klimamodells statt.
Laut der AfD habe auf dieser Basis die Bundesregierung „unsinnigste Maßnahmen durgepeitscht“.
RCP 8.5 hatte eine Erwärmung von bis zu 4,8 Grad Celsius prognostiziert.
Die anderen Parteien widersprachen der AfD.
Das Ende der extremen Klimaprognose sei eine gute Nachricht für den Klimaschutz und man müsse hier weitermachen.
Erst kürzlich ist der UN-Klimarat (IPCC) vom bislang schlimmstmöglichen Szenario für die Klimaerwärmung, dem RCP-8.5-Modell, abgerückt. Dieses hatte eine Erwärmung von 2,6 bis 4,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 prognostiziert.
Am Mittwoch, 20. Mai, fand dazu eine hitzige Debatte in einer von der AfD verlangten Aktuellen Stunde im Bundestag statt. Die Parteien bewerteten diese klimapolitische Entwicklung kontrovers – vom „Ende des größten Betrugs der Menschheit“ bis zum Beleg für die Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen.
Hintergrund ist die Annahme, dass viele klimapolitische Entscheidungen der Bundesregierung und der EU auf RCP 8.5 basieren könnten und nun möglicherweise überdacht werden müssten.
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AfD: Horrorszenario, um Geld von Menschen abzupressen
Zunächst bezeichnete Karsten Hilse (AfD) RCP 8.5 als „Horrorszenario, das nie auch nur Ansatz plausibel war“. Trotzdem sei es genutzt worden, um die Menschen in Panik zu versetzen und durch die Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen ihrer Länder in die Armut zu treiben, so der Abgeordnete.
Laut dem AfD-Politiker hätten sich zudem Medienberichte und wissenschaftliche Arbeiten auf dieses Szenario gestützt, ebenso wie das Bundesverfassungsgericht in seinem Klimaschutzbeschluss von 2021.
Der Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse (AfD) spricht am 20. Mai 2026 im Deutschen Bundestag über das ausgemusterte Klimamodell RCP 8.5.
Seiner Aussage nach stecken dahinter ökonomische Interessen. Große Finanzinstitute, „darunter JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup,“ seien demnach bereits aus dem Klimageschäft ausgestiegen.
„Die Wiese der sogenannten Erneuerbaren ist so gut wie abgegrast“, schilderte er. „Billionen Dollar, die die Regierungen vorher den Menschen abgepresst haben, sind auf ihre Konten geflossen. Und nun wenden sie sich dem nächsten profitablen Geschäft zu. Rechenzentren und KI.“ Dafür sei viel Energie nötig, die Windkraft und Solar nicht liefern könnten.
Hilse bezeichnete RCP 8.5, mit dem verschiedene Bundesregierungen „unsinnigste Maßnahmen durchgepeitscht“ hätten, als beendet. Daraus müsse in erster Linie die CDU und CSU lernen: „Lösen Sie sich von Sozialisten und Kommunisten, die Ihnen erzählen, man könne zukünftige Klimazustände voraussagen“, rief Hilse den Unionsabgeordneten im Plenum zu. „Sonst sind auch Sie bald Geschichte.“
Den Aussagen des AfD-Politikers widersprach Mark Helfrich (CDU) unmittelbar darauf. Es sei „gängige Praxis“, dass Klimaforscher ihre Berechnungen und Klimaszenarien regelmäßig aktualisierten. Dass sie RCP 8.5 für mittlerweile als unrealistisch erklärt hätten, sei kein Grund, „die gesamte politische Klimaarchitektur“ infrage zu stellen.
Im Gegenteil: Die Anpassung der Szenarien zeige doch, dass die Pariser Klimavereinbarungen, der technologische Fortschritt und der Ausbau der erneuerbaren Energien wirkten. „Das ist eine gute Nachricht für den internationalen Klimaschutz“, sagte Helfrich.
Der Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich (CDU) spricht am 20. Mai 2026 im Deutschen Bundestag in der Aktuellen Stunde zur Klimadebatte.
Das Extremszenario habe sich laut dem Unionspolitiker erledigt, da die noch zu Beginn der 2010er-Jahre angenommene massive Ausweitung der Kohleenergie unrealistisch geworden sei. Es sei ein „billiger Versuch“, daraus einen „Pseudoskandal“ zu konstruieren, so der Christdemokrat in Richtung AfD-Fraktion.
Helfrich forderte, dass die Staatengemeinschaft in ihren Anstrengungen zum Klimaschutz jetzt nicht nachlassen dürfe, um den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen.
Von der Grünen-Partei meldete sich die Abgeordnete Julia Schneider zu Wort. Ihrer Aussage nach gehe es der AfD nur darum, die Wissenschaft, den IPCC und die Klimapolitik insgesamt zu diskreditieren. Damit agiere sie genau nach „rechtem Drehbuch“ nach dem Vorbild von US-Präsident Donald Trump.
Auch Schneider machte klar, dass die veränderte IPCC-Prognose eine gute Nachricht sei. „Die Abkehr vom Worst-Case-Szenario [von der ungünstigen Annahme] bedeutet: Veränderung ist möglich“, äußerte sie.
Mit dem Pariser Abkommen von 2015 hätten sich die Rahmenbedingungen weltweit positiv verändert, so Schneider. Das müsse Motivation dafür sein, weiterzumachen und gegen die „Klimakrise“ zu kämpfen, forderte sie.
Die Ansicht von Helfrich und Schneider unterstrich auch Jakob Blankenburg (SPD). Er betonte, dass die Korrektur des Extremszenarios keinesfalls Entwarnung bedeute. Denn selbst nach der Korrektur seien bis zu 3,5 Grad Erwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts möglich.
Die Dekarbonisierung sei nicht nur der Schlüssel, um die Klimaerwärmung zu begrenzen, so lasse sich auch die riskante Abhängigkeit von fossilen Energien lösen.
Was dies bedeute, habe der Irankrieg gezeigt: „Wer fossile Energien kauft, der kauft sie von Leuten, die uns jederzeit wieder den Hahn zudrehen oder Lieferwege absperren“, so der Sozialdemokrat. Deshalb sei Klimaschutz kein Verzicht, sondern er stärke vielmehr die Unverwundbarkeit gegen Krisen.
Der Aussage der AfD stellte sich auch die Partei Die Linke entgegen. Aus ihren Reihen hielt Fabian Fahl eine kurze Rede, in der er nicht von Entwarnung sprechen wollte.
Mit dem Wegfall des allerschlimmsten Szenarios sei nicht auf einmal „alles super und die Zukunft gerettet“. Laut Fahl steuere die Welt gegenwärtig auf eine Erwärmung von 3 Grad Celsius zu. Das stelle Gesellschaft, globale Lieferketten, Land und Forstwirtschaft „vor große Probleme wie Dürren, Ernteausfälle und Waldsterben“.
Als drittgrößte Volkswirtschaft müsse Deutschland nun endlich die „Probleme bei der Wurzel […] packen“, forderte er. Dabei würden ‚erneuerbare‘ Energien Sicherheit und Unabhängigkeit schaffen, so Fahl.
Alle Redner haben aufkommende Zwischenfragen von anderen Parteien abgelehnt.
Der Mount Everest vom Flugzeug aus gesehen. - Foto: Sina Schuldt/dpa
Zwei nepalesische Bergsteiger haben ihre Rekorde beim Erklimmen des Mount Everest ausgebaut. Der 56-jährige Kami Rita Sherpa – Spitzname „Everest Man“ – bestieg den höchsten Berg der Welt am Sonntag zum 32. Mal, wie das nepalesische Tourismusministerium mitteilte.
Das ist mehr als jeder andere Mensch. Die 52-jährige Lhakpa Sherpa, Rekordhalterin bei den Frauen, bestieg den 8.849 Meter hohen Mount Everest derweil zum elften Mal.
„Das ist ein weiterer Meilenstein in der Bergsteiger-Geschichte Nepals“, sagte ein Sprecher des Tourismusministeriums.
Die Rekorde seien auch gut für andere Bergsteiger: „Indem sie durch einen gesunden Wettbewerb am Everest Rekorde brechen, helfen sie, das Bergsteigen sicherer, würdevoller und besser gemanagt zu machen.“
Seit 1994 hat Kami Rita Sherpa fast jedes Jahr den Mount Everest bestiegen – inzwischen 32 Mal.
Foto: Niranjan Shrestha/AP/dpa
Fast jedes Jahr auf der Bergspitze
Kami Rita Sherpa hatte den Mount Everest 1994 zum ersten Mal bestiegen. Seitdem hat er andere Bergsteiger fast jedes Jahr auf die Spitze des Berges geführt. Die als „Mountain Queen“ (Berg-Königin) bekannte Lhakpa Sherpa hatte den Mount Everest im Jahr 2000 erstmals bestiegen.
Der Bergsteiger-Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für Nepal. Es gibt aber immer wieder auch Kritik an einem zu großen Ansturm auf den Mount Everest.
Für diese Saison hat das Land am Himalaya eine Rekordzahl von 492 Genehmigungen für das Erklimmen des höchsten Berges der Erde erteilt. (afp/red)
In Deutschland gibt es rund 120 Ameisenarten, darunter auch die Rote Waldameise. - Foto: Carine Carnier/iStock
In Kürze:
Alte Annahme: Bislang galt Ameisensäure als alleiniger Bestandteil von Ameisengift.
Neue Erkenntnis: Forscher aus Halle/Saale und Berlin haben jüngst herausgefunden, dass das Toxin auch gesundheitswirksame Eiweiße enthält.
Künftiger Nutzen: Diese Entdeckung könnte dazu beitragen, wirksame Mittel gegen Krankheitserreger wie Pilze zu entwickeln.
Das Gift von Schuppenameisen, zu denen auch die Waldameisen gehören, galt bislang als vergleichsweise einfach zusammengesetzt: Ameisensäure wurde seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert als zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff dieser Ameisengifte betrachtet.
„Wir sind in unserem Projekt einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation nachgegangen, in der erwähnt wurde, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe [Peptide] enthalten“, sagte Timo Niedermeyer, Professor für Pharmazeutische Biologie der Freien Universität Berlin. Er ergänzte:
„Wir haben nun zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen. Diese sind einzigartig in diesen Ameisen, kommen dort aber weit verbreitet vor. Ihr Gift ist wesentlich komplexer als bisher angenommen.“
Ameisengift schützt Brut vor Pilzerkrankungen
Die im Gift identifizierten Peptide leisten offenbar einen Beitrag zur Nesthygiene. So schmieren die Ameisen ihre Brut mit ihrem Gift ein – die Peptide bleiben nach dem Verdunsten der Ameisensäure auf den Puppen zurück und wirken dort Infektionen entgegen.
„Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das ist interessant vor dem Hintergrund einer Bedrohung sozialer Gemeinschaften durch Umweltmikroben und Krankheitserreger sowie zunehmender Resistenzen dieser Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe“, betonte Dr. Simon Tragust, beteiligter Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Mit über 3.700 Arten eröffnet die Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen.“
Die Forschungsergebnisse untermauern, dass das Gift von Schuppenameisen vielfältige Funktionen erfüllt. Die Ameisen verwenden es nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Desinfektion, zur Steuerung ihrer Darmflora und zur Kommunikation mit Artgenossen.
Für ihre Arbeit kombinierten die Forscher Methoden aus Biologie, Chemie und Pharmazie. Mithilfe modernster Technik wurden Protein- und RNA-Daten zusammengeführt, um die im Gift enthaltenen Peptide und ihre Gensequenzen zu identifizieren. Ergänzend kamen chemische Analysen, synthetische Verfahren, biophysikalische Experimente und Genomanalysen zum Einsatz.
Durch die interdisziplinäre Herangehensweise und die Untersuchung der Giftsekrete mehrerer Ameisenkolonien verschiedener Ameisenarten zählt die Arbeit zu den bisher umfassendsten vergleichenden Analysen von Ameisengiften.
Die Studie erschien am 13. Mai 2026 im Fachmagazin „Science Advances“.
Wandern ist fest in der deutschen Kultur verankert und galt lange selbst als Wegweiser im Leben – ein Weg, der heute von Jugendlichen wiederentdeckt wird. - Foto: Socha/iStock
In Kürze:
Wandern wirkt nicht nur körperlich, sondern schafft Abstand vom Alltag und öffnet den Blick für das Wesentliche.
Der deutsche Begriff „Wanderlust“ fand als Lehnwort Eingang in andere Landessprachen, ähnlich wie „Zeitgeist“ oder „Schadenfreude“.
Längere Wanderungen schaffen besondere Erlebnisse und machen das Unterwegssein zum Sinnbild persönlicher Reifung.
Ein wachsender Trend: Jugendliche tauschen Mallorca-Partys gegen gemeinsame Wander- und Naturerlebnisse.
„Das Wandern ist des Müllers Lust“: Kaum eine Zeile aus dem deutschen Volksgut hat sich so tief in das Gedächtnis eingegraben wie diese. Generationen von Schulkindern sangen sie auf Wandertagen, in Jugendherbergen und am Lagerfeuer.
Der Dichter Wilhelm Müller schrieb den Text 1821 als Teil seines Zyklus „Die schöne Müllerin“. Franz Schubert vertonte ihn kunstvoll, ehe Carl Friedrich Zöllner daraus jenes bis heute bekannte Wanderlied machte. Doch das Lied beschreibt kein romantisches Naturidyll. Es spiegelt die uralte Sehnsucht nach Bewegung und Freiheit wider, die die deutsche Kultur seit Jahrhunderten prägt.
Heimat braucht Ferne
Die Deutschen gelten als heimatverbunden und wanderfreudig zugleich. Gerade in dieser besonderen Spannung liegt vielleicht der Kern ihrer Wanderkultur. Heimweh und Fernweh entspringen derselben seelischen Landschaft. Beide setzen voraus, dass es einen Ort gibt, dem man sich verbunden fühlt, den man vermisst oder den man neu entdecken will.
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Burg Drachenfels (r.) thront über dem Rhein. In einer Höhle in der Felswand unterhalb der Burg soll der Drache gelebt haben, den Siegfried ruhmreich tötete. Doch auch Schloss Drachenburg (l., auf halber Höhe) …
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… ist eine Reise wert und bietet einen wunderbaren Blick über Bonn.
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Der Eibsee mit der Zugspitze im Hintergrund zählt zu den idyllischsten Wanderzielen der deutschen Alpen. Oft vergessen …
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… wird der Blick in die andere Richtung: von Deutschlands höchstem Berg auf den Eibsee.
Foto: Pusteflower9024/iStock
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Die Rakotzbrücke lockt Touristen aus aller Welt nach Sachsen. Neben der „Teufelsbrücke“ …
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… gibt es im rund 200 Hektar großen Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau nahe Görlitz vieles zu entdecken. Eintritt frei.
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Im Norden Deutschlands können Wanderer im Wikingerdorf Haithabu auf Zeitreise gehen …
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… und die endlose Weite des Wattenmeers erkunden.
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England kennt seinerseits mit dem „rambling“, einer Wortschöpfung aus dem 19. Jahrhundert, eine lebendige Tradition des gemeinschaftlichen Landschaftswanderns, die stärker auf Geselligkeit und das Recht auf das Betreten setzt. In Spanien prägen lange Pilgerwege wie der Jakobsweg das Bild des Unterwegsseins, oft mit spiritueller Zielsetzung. Jede Form teilt das Naturerlebnis und die körperliche Herausforderung.
„Wanderlust“ jedoch scheint dies zusätzlich zur deutlichen inneren Suche und erlebbaren romantischen Resonanz zu verdichten. Vielleicht erklärt das, warum das altdeutsche Wort als sogenanntes Lehnwort in fremde Sprachen übernommen wurde. Es beinhaltet die besondere Mischung aus Sehnsucht, persönlicher Erneuerung und dem Verlangen, die Welt zu Fuß zu entdecken.
Diese Sehnsucht war es, die in Deutschland bereits früh konkrete Formen annahm und so eine Kultur des Gehens hervorbrachte, die weit über reine Fortbewegung hinausging. Im Mittelalter gingen Handwerksgesellen nach ihrer Lehrzeit „auf Wanderschaft“. Über Jahre hinweg wanderten sie von Stadt zu Stadt, arbeiteten bei verschiedenen Meistern und reiften dabei, sowohl beruflich als auch persönlich. Noch heute begegnet man gelegentlich jungen Zimmerleuten in schwarzer Kluft und mit Wanderstab, die nach alter Tradition für mehrere Jahre unterwegs sind, bevor sie mit ihrem in der Fremde erworbenen Erfahrungsschatz zurückkehren.
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Gesellenzeugnis eines Tischlergesellen, ausgestellt in Bremen 1818. Mittels Kupferstich vorgedrucktes Formular mit handschriftlichen Einträgen.
Die Wanderjahre gehörten früher zur handwerklichen Ausbildung. Dabei verfeinerte der Handwerker seine Künste nach Ende der Lehrzeit bei anderen Meistern. Schuster mit seinen Gesellen in der Werkstatt. Gemälde von David Ryckaert III (1612–1661), Öl auf Holz, 1655.
Wandergesellen gibt es bis heute in verschiedenen Berufen. Zimmermann, Tischler und Holzbildhauer tragen dabei traditionell Schwarz. Grau oder Beige steht für Steinmetze und Maurer, Weiß für Lebensmittelberufe. Bad Kissingen, Bayern, 2010.
Die Vorstellung, dass sich Bildung und Charakter erst in der Fremde weiterentwickeln, prägte auch die deutsche Romantik. Joseph von Eichendorffs Wanderer, getrieben von unbestimmter Sehnsucht, offen für das Ungeplante, wurde zur Schlüsselgestalt einer ganzen Ära. Und als die Industrialisierung die Städte verdichtete und lärmend machte, wurde die Natur zum Gegenentwurf. Sie wurde zu einem begehbaren Ort der Stille, des Schutzes und des Seelenheils.
Kollektives Wandern bewegt bis heute
Eben jene Sehnsucht nach dergleichen trieb um 1900 die Wandervogel-Bewegung an. Tausende Jugendliche verließen an Wochenenden die Städte, um singend durch Wälder und Mittelgebirge zu ziehen. Sie entflohen so dem engen Korsett des wilhelminischen Zeitalters und fanden dabei in Einfachheit, Gemeinschaft und Naturerlebnissen, was ihnen die bürgerliche Gesellschaft verweigerte. In dieser Bewegung wurzeln noch heute der schulische Wandertag ebenso wie große Wallfahrten, etwa die Pilgerfahrten nach Kevelaer.
Dass kollektives Unterwegssein in Deutschland bis heute nicht nur religiöse, sondern auch säkulare und feierliche Ausprägungen hat, zeigt der Brauch an Christi Himmelfahrt. Der sogenannte Vatertag – regional auch Herrentag oder Männertag –, der dieses Jahr mit dem Tag des Wanderns zusammenfällt, verbindet ausgelassene Männerausflüge mit dem Motiv des gemeinsamen Ziehens durch die Landschaft – eine unterhaltsame Fortsetzung der langen Praxis, in Gruppen draußen Erlebnis und Gemeinschaft zu suchen.
Das Wandern steht jedoch nicht nur für Geselligkeit oder Sportliches, es kann auch ausgleichend und meditativ wirken. Rhythmisches Gehen ordnet die Gedanken, entschärft im Erkunden der weitläufigen Landschaft den Blick und verändert das Zeitgefühl. In einer Zeit der permanenten Erreichbarkeit und zunehmenden Reizüberflutung gewinnt genau diese Erfahrung wieder eine neue Bedeutung. Der Weg durch den Wald schafft eine Brücke ins Innere und bewirkt einen heilsamen Ausgleich.
Deshalb pilgern seit Jahrzehnten Menschen aus ganz Europa nach Santiago de Compostela. Viele suchen dabei weniger religiöse Erfüllung als eine Form innerer Klärung und Erkenntnis. Das Gehen über Wochen hinweg schafft einen Zustand zwischen Konzentration und Loslassen. Und am Ende, so berichten viele Pilger, wartet nicht Erschöpfung oder Ermüdung, sondern Klarheit.
Genau das scheinen auch jüngere Generationen (wieder) für sich zu entdecken. Die Trendstudie „Jugend reist 2022“ zeigte, dass Jugendliche verstärkt Interesse an Erlebnisreisen und dem Wandern haben. Das spiegelt sich auch in Angeboten von Veranstaltern und Verbänden wider, die neben Mallorca inzwischen Alpenüberquerungen und mehrtägige Wanderungen als Abschlussfahrt anbieten. Verbirgt sich hier ein leiser kultureller Wandel, auf der Suche nach Ausgleich, Regeneration und einem neuen Gemeinschaftssinn?
Eine Sehnsucht, die erdet
Erfahrene Wanderer wissen: Gute Wege entstehen dort, wo Zeit bleibt für eine Rast, für entspannte Gespräche und für stille Einkehr oder gemeinsame Verbindung. Die Strecke wird nach Rhythmus und Einklang gewählt, nicht nach sportlichem Ehrgeiz.
Genau deshalb wurden Pilgerwege restauriert, Bahntrassen zu Naturpfaden umgebaut und in den Mittelgebirgen wie Eifel, Harz und Schwarzwald Wanderwege neu erschlossen. Was die Menschen dort hinzieht, ist das archetypische Gefühl der stillen und beruhigenden Zuflucht, während sie auf dem Weg zu sich selbst sind – ein Empfinden, das die deutsche Wanderkultur seit Jahrhunderten trägt.
Von den Gesellen auf der Walz über romantische Dichter bis hin zu jungen Menschen, die wieder längere Wege durch die Natur suchen, zieht sich ein Gedanke durch die Zeit: Wandern ist mehr als Fortkommen. Es schafft Abstand, öffnet den Blick und verschiebt die Perspektive auf das eigene Leben.
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Wandern schafft Raum, Neues zu entdecken, egal ob ungewohnte Perspektiven in der Wüste, …
Foto: molchanovdmitry/iStock
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… die eigene Winzigkeit in den Bergen …
Foto: grafxart8888/iStock
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… oder die endlose Weite am Strand. Am kostbarsten …
Foto: Oscar Gutierrez Zozulia/iStock
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… sind jedoch oft die atemberaubenden Ausblicke …
Foto: Oscar Gutierrez Zozulia/iStock
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… und die unvergesslichen Augenblicke mit Freunden oder Familie.
Foto: Halfpoint/iStock
In dieser Bewegung zwischen Heimweh und Fernweh, Walz und Jakobsweg, Lagerfeuer und Naturpfad spiegelt sich auch eine leise Antwort auf die Unruhe der Gegenwart. Nicht alles muss schneller, lauter oder weiter werden. Manchmal reicht es, mit offener Wahrnehmung und bewusstem Blick zu gehen. Und so kann schon ein langer Fußmarsch genügen, um das Wesentliche wieder zu spüren: die erhellenden Einsichten, die erst entstehen, wenn sich der Mensch auf der erfüllenden Reise zu sich selbst befindet.
Die extremsten Szenarien bei den Klimaprognosen sind nun nicht mehr relevant. - Foto: piyaset/iStock
In Kürze:
Das extreme RCP-8.5-Klimamodell ist inzwischen als unrealistisch eingestuft worden.
Es prognostiziert eine Erwärmung von bis zu 4,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100.
Viele Organisationen und Regierungen haben es als Basis für ihre Arbeiten im Bereich Klima verwendet.
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Bereits seit Jahrzehnten liefert die Wissenschaft verschiedene Prognosen, die die künftige Entwicklung des Erdklimas, speziell der Durchschnittstemperatur, vorausberechnen. Das extremste Szenario – das RCP-8.5-Modell – gilt inzwischen als unrealistisch.
Dieses Modell prognostiziert eine Erwärmung der Erde um 2,6 bis 4,8 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts. Wie sich nun herausstellt, basierte diese Berechnung auf übertriebenen Annahmen.
Die neue Einstufung des RCP-8.5-Modells kommt vom Ausschuss ScenarioMIP, der auch den Weltklimarat mit Daten beliefert. Dieser Ausschuss stellte kürzlich eine neue Ausarbeitung mit einem Szenariomodell vor, das das Extremszenario RCP 8.5 ebenso wie das hoch angesetzte Szenario SSP5-8.5 nicht aufführt.
In der Ausarbeitung heißt es zudem: „Außerdem wurden im Laufe der Zeit Zweifel an der Plausibilität der extremsten Szenarien laut.“ Dazu zählen die Modelle SSP5-8.5 und sein Vorläufer RCP 8.5 sowie SSP1-1.9. Erstere sind die Szenarien mit der höchsten Erwärmung, letzteres jenes mit der niedrigsten.
Im Detail beschreibt RCP 8.5 ein Hochemissionsszenario, bei dem verstärkt fossile Energieträger zum Einsatz kommen und kaum Klimaschutzmaßnahmen existieren. Zudem enthält es eine schnell wachsende Weltwirtschaft mit entsprechend hohen Emissionen. Bis zum Jahr 2100 würde der CO₂-Anteil in der Atmosphäre demnach auf mehr als 1.200 ppm (Teile pro Million) ansteigen. Aktuell liegt er bei rund 430 ppm.
Verschiedene Prognosen der Erdtemperaturentwicklung bis zum Jahr 2300. Bis 2100 erwartet das RCP-8.5-Modell eine Erwärmung um bis zu 4,8 Grad Celsius.
RCP bedeutet auf Deutsch „repräsentativer Konzentrationspfad“. Das sind von Forschern erstellte Szenarien, die die zukünftigen Emissionspfade modellieren, also wie viel der Mensch an Treibhausgasen künftig ausstößt. Von diesen Emissionsszenarien leiten sie anschließend die mittlere Temperatur der Erdatmosphäre bis zum Jahr 2100 ab.
Viele Organisationen sowie Regierungen vieler Länder bezeichneten das Hochemissionsszenario als „business as usual“. Das bedeutet, dass sie es als realistischen Maßstab verwendeten und ihre Arbeit danach ausrichteten.
Sie betrachteten es damit als die wahrscheinlichste Klimaprognose der kommenden Jahrzehnte. So entstand ein regelrechter Klimaalarmismus in der Gesellschaft mit dem Ziel, konzertierte Anstrengungen zur Senkung der Treibhausgasemissionen voranzutreiben.
Inzwischen ist jedoch zu beobachten, dass viele Länder verstärkte Investitionen in die grüne Energiewende tätigen. Windkraft- und Solaranlagen oder andere emissionsärmere Kraftwerksarten und Technologien etablieren sich immer mehr in der Gesellschaft.
Die neuen Erkenntnisse hätten zur Folge, dass viele wissenschaftliche Arbeiten, die mit dem RCP-8.5-Modell arbeiteten, aktualisiert werden müssten. Wie viele wissenschaftliche Arbeiten davon betroffen sind, ist nicht genau zu beziffern.
Laut dem Wissenschaftsportal „Issues“ ergab eine Google-Scholar-Suche, dass es allein im Zeitraum von Anfang 2020 bis Mitte Juni 2021 mehr als 8.500 Artikel gab, die „unrealistische Basisszenarien“ verwenden. Fast 7.200 davon basierten auf dem RCP-8.5-Modell.