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Um das Klima zu schützen: Dänemark besteuert Ausstoß von Kühen, Rindern und Schweinen


In Kürze:

  • Dänemark ist das weltweit erste Land, das eine Abgabe auf Methanausstoß erhebt.
  • Dänemark hat mehr als 15.000 landwirtschaftliche Betriebe.
  • Bis 2045 sollen rund 1 Milliarde neue Bäume gepflanzt werden.
  • Die Regierung spricht von einem der ambitioniertesten Umweltabkommen in der dänischen Geschichte.

Die dänischen Landwirte müssen ab 2030 eine Steuer auf den Methanausstoß von Rindern und Schweinen bezahlen. Dies hat die Regierung des skandinavischen Landes bereits im November 2024 beschlossen. Die Fraktionen im Parlament einigten sich darüber überparteilich und kündigten finanzielle Unterstützung für die betroffenen Landwirte an.

Teilweiser Ausgleich durch Steuersenkung

Dänemark ist das erste Land weltweit, das eine Steuer auf die von einem Betrieb produzierte Methanmenge erhebt. Sie errechnet sich aus der Anzahl der Tiere und standardisierten Emissionsfaktoren. Grundlage für die Steuer ist der „Green Tripartite Deal“. Darin ist festgelegt, dass Tierhalter ab 2030 pro Tonne CO₂-Äquivalent 300 Kronen (40,14 Euro) zahlen. Der Betrag steigt bis 2035 auf bis zu 750 Kronen. Gleichzeitig senkt die Regierung die Steuerlast für Landwirte deutlich, sodass sie ab 2030 effektiv 120 Kronen und ab 2035 300 Kronen pro Tonne zahlen.
Um das Vorhaben auf den Weg zu bringen, hat die Regierung erstmals in der Geschichte des Landes eine Behörde gegründet, die den alleinigen Zweck hat, ein politisches Abkommen umzusetzen. Es erhielt den Namen „Ministerium für das Grüne Dreierbündnis“. Im Sommer 2024 unterzeichneten Vertreter aus Regierung, Parteien, Landwirtschaft und Naturschutz ein Abkommen für mehr Natur, sauberes Wasser und eine „nachhaltige Transformation der Landwirtschaft“.
Später im Jahr schloss die Regierungskoalition aus Sozialisten, Liberalen und den Moderaten mit der Liberalen Allianz, der Konservativen Volkspartei und den Radikalen Linken ein weiteres politisches Abkommen „zur Umsetzung eines grünen Dänemarks“. Damit wolle sich das Land „als Vorreiter der Energiewende“ positionieren, heißt es auf der Website des Ministeriums weiter. Vier Oppositionsparteien lehnten das Abkommen ab.
Zu den Zielen gehört die Pflanzung von 250.000 Hektar Wald. Das entspricht etwa 1 Milliarde neuer Bäume bis 2045. Die Einrichtung von 21 neuen Nationalparks und der verstärkte Schutz von Gewässern sind ebenfalls vorgesehen. 140.000 Hektar tief liegendes Ackerland, das bei der Bewirtschaftung hohe CO₂-Emissionen verursache, soll in Teilen der Natur überlassen werden.

Milliarden aus EU-Fonds umgewidmet

Neben einer „nachhaltigen Lebensmittelproduktion“ sind eine CO₂-Steuer für Tierhaltung sowie Investitionen von 43 Milliarden Kronen (knapp 5,8 Milliarden Euro) in einen Fonds zur Finanzierung grüner Initiativen vorgesehen.
Auf der Website der dänischen Kommunen findet sich eine Zeitleiste, die den vereinbarten Ablauf dokumentiert. So will die Regierung noch in diesem Jahr einen umfassenden Plan zur Wiederherstellung der Natur vorlegen. Er basiert auf der EU-Naturwiederherstellungsverordnung, welche Definitionen von Schutzgebieten enthält. 20 Prozent der Natur sollen unter Schutz gestellt werden.
Bereits umgesetzte und initiierte Maßnahmen zur Stickstoffreduktion aus den Umstellungsplänen sollen ebenfalls noch in diesem Jahr die Grundlage für Regeln zur Nutzung landwirtschaftlicher Flächen im Jahr 2027 bilden. Diese Regulierung soll gelockert werden, sobald die angestrebte Stickstoffreduktion erreicht ist.
Geld aus Brüssel gibt es für die Umsetzung ebenfalls. So hat die EU-Kommission im Oktober 2025 genehmigt, dass Dänemark rund 5,3 Milliarden Kronen (etwa 709 Millionen Euro) aus EU-Agrarmitteln umwidmet.

Kompromiss trotz großer Meinungsverschiedenheiten

Das Abkommen wird von Regierungsseite als eines der ambitioniertesten Umweltabkommen in der dänischen Geschichte dargestellt. Die Sozialwissenschaftler Jacob Torfing und Eva Sørensen sowie der Journalist und Berater Sigge Winther Nielsen sehen in dem Abkommen weitreichende Perspektiven für die zukünftige Entwicklung der dänischen Demokratie.
Gleichwohl könne das Konzept unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen, mahnen die drei Autoren. Es müsse mehr Experten und Spezialisten – auch aus der Politikberatung – geben, um den Prozess zu begleiten.
Die Wirtschaftslage und auch die Kommunalwahlen könnten das Projekt zum Scheitern bringen. Die Landwirte müssen für das Land, das sie aufgeben, entschädigt werden. Dadurch sei das Vorhaben auch anfällig für steigende Bodenpreise, unvorhersehbare Verhandlungen und eine unsichere Finanzierung. Vor Kommunalwahlen bestehe zudem die Gefahr, dass lokale Protestbewegungen Druck auf die örtlichen Parteien ausüben, um die Pläne zu stoppen. Sie betonen die Einbindung von Bürgern und lokalen Bewegungen in Diskussionsrunden. Gleichwohl sollten „Bürger nicht darüber entscheiden, ob lokale Landbesitzer ihr Land abtreten sollen“.

Rahmen für Nahrungsmittelproduktion

Der Vorsitzende des dänischen Interessenverbandes für Land- und Lebensmittelwirtschaft (Landbrug & Fødevarer), Søren Søndergaard, zeigte sich zufrieden. Die Vereinbarung stecke den Rahmen für Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion für viele Jahre ab. Dank der Präsenz von Vertretern aus der Landwirtschaft sei es möglich geworden, die Industrie zu entwickeln, anstatt sie abzubauen. 
Maria Reumert Gjerding, die Präsidentin der Dänischen Gesellschaft für Naturschutz, sagte: „Trotz sehr großer Meinungsverschiedenheiten ist es auch gelungen, einen Kompromiss über eine CO₂-Steuer zu finden, der die Spuren einer umgebauten Lebensmittelindustrie darstellt – auch über das Jahr 2030 hinaus.“ Sie betonte zudem, dass es dank des Abkommens „deutlich mehr Wald, große Feuchtgebiete und viel mehr geschützte Natur in Dänemark“ geben werde. Es gibt jedoch auch Umweltorganisationen, die bemängeln, dass vieles zu langsam vorangehe.
Aus Sicht von Henrik Dalgaard ist die Vereinbarung eine kostspielige Lösung, die Folgen für die dänische Landwirtschaft haben könnte. „Ich müsste meine Maisanbaufläche halbieren und 60 bis 70 Hektar stilllegen“, erklärt der Bauer gegenüber dem Fernsehsender „TV2 Nord“. Dem Bericht zufolge haben sich Landwirte zusammengeschlossen und einen eigenen Modellvorschlag erarbeitet. Die finanziellen Kosten betreffen dabei nicht nur einzelne Landwirte, die Stickstoff in Naturgebiete einleiten, sondern werden gemeinsam und solidarisch getragen.

Landwirtschaft als zweitgrößte Quelle für Emissionen

Der dänische Agrarsektor gilt nach der Energiesparte als die zweitgrößte Quelle von Emissionen im Land, heißt es im 2023 erschienenen „National Inventory Report“. Demnach verursacht die Landwirtschaft etwa 28 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen und ist für mehr als 80 Prozent der Methan- und Lachgasemissionen verantwortlich. Ein großer Teil dieser Emissionen stammt aus der Tierhaltung, heißt es in dem Report weiter. Dänemark hat mehr als 15.000 Viehbetriebe mit Millionen von Kühen, Schweinen und anderen Tieren.
Die hohen Emissionen der Landwirtschaft „können so nicht weitergehen“, sagte Klimaminister Lars Aagaard in einer Stellungnahme zu den vorgeschlagenen CO₂-Reduktionsmaßnahmen. Er fügte hinzu, dass „noch viel Arbeit bevorsteht“, um diese Pläne umzusetzen, zitiert ihn das britische Fachportal „Carbon Brief“. Dass die Maßnahmen des Dreierbündnisses zu einer Einsparung von 1,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten führen könnten, werde Dänemark, dabei helfen, seine Klimaziele bis 2030 zu erreichen, so der damalige Finanzminister Jeppe Bruus. Zudem sei es „ein großer Schritt in Richtung Klimaneutralität bis 2045“.
Prof. Søren Petersen, Bodenmikrobiologe an der Universität Aarhus in Dänemark, ist der Meinung, dass der Plan „zu erheblichen Verringerungen der landwirtschaftlichen Emissionen führen könnte“. Allerdings müsse er korrekt umgesetzt werden. „Das vielleicht größte Hindernis besteht derzeit darin, dass viele Technologien mit Potenzial zur Treibhausgasminderung noch nicht ausreichend dokumentiert sind oder dass die Emissionsquellen stark schwanken und nur schwer zu quantifizieren sind.“
Er weist außerdem darauf hin, dass es oft „schwierig ist, landwirtschaftliche Emissionen zu messen“, und ergänzt: „Wenn wir uns auf Kriterien zur Dokumentation von Emissionen und der Wirkung von Minderungsmaßnahmen einigen können, sehe ich durchaus Potenzial für die Entwicklung verschiedener Technologien. Diese Kriterien müssen auch bei der internationalen Überprüfung der nationalen Emissionsbilanz anerkannt werden. Nur dann können solche Technologien wirksam auf Betriebsebene zum Einsatz kommen.“

Werte basieren auf Schätz- und Modellrechnungen

Bislang basieren die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen überwiegend auf Schätz- und Modellverfahren. Daher sind sie mit Unsicherheiten verbunden. Das beschreibt auch der Weltklimarat in seinen „Leitlinien für nationale Treibhausgasinventare“. Demnach nutzt er für Methan aus der Tierhaltung Daten zur Energieaufnahme der Tiere sowie Methan-Umwandlungsfaktoren und leitet daraus Emissionsfaktoren pro Tierkategorie ab (Band 4, Kapitel 10). Für Lachgas aus Böden und Düngung erfolgt die Berechnung über Stickstoffflüsse und Emissionsfaktoren anstelle direkter Messungen (Band 4, Kapitel 11). Auch die CO₂-Emissionen und -Aufnahmen im Landnutzungssektor basieren auf Modellierungen von Kohlenstoffbeständen und deren Veränderungen (Band 4, Kapitel 2).
In Deutschland fallen die Reaktionen auf die Vereinbarung und die Einführung einer CO₂-Abgabe auf landwirtschaftliche Emissionen unterschiedlich aus. Umweltverbände wie der Rat für nachhaltige Entwicklung sehen in dem Modell einen möglichen Orientierungspunkt für die Diskussion über eine stärkere Bepreisung von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft. Der Rat empfiehlt, Erfahrungen des Nachbarlandes in Studien zur Ausgestaltung möglicher deutscher Klimainstrumente einzubeziehen. Dabei seien vor allem  Ausgleichsmechanismen zur Vermeidung von Wettbewerbsnachteilen zu prüfen.
Das „Handelsblatt“ beschreibt die dänische Entscheidung als Beispiel dafür, wie sich Klimaschutz in der Landwirtschaft politisch umsetzen lässt. In Fachdebatten wird zudem auf offene Fragen bei der Umsetzung, der Wettbewerbsfähigkeit und der langfristigen Wirkung der Maßnahmen hingewiesen.
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deutschland

Weidehaltung: Streichung von Förderung mit Bürokratieabbau begründet


In Kürze:

  • Die Weideprämie ist in den Ländern unterschiedlich geregelt.
  • Der Bundesrat riet bereits 2025, auf die neuen Regelungen zu verzichten.
  • Interessenverbände mahnen eine verlässliche Finanzierung an.

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sah eine Ausweitung der Förderung der Weidehaltung vor. Dazu sollten Landwirte Prämien erhalten, je nach Bundesland und Regelung unterschiedlich sein sollten. Die Förderung der Weidehaltung sollte als zusätzliche Maßnahme in die seit 2023 bestehenden Öko-Regelungen der EU-Agrarförderung integriert werden.
Doch nun könnte die sogenannte Weideprämie Geschichte sein, bevor sie auch nur einmal zur Auszahlung kam. Wie das Fachportal „agrarheute“ schreibt, möchte das Bundeslandwirtschaftsministerium keine neuen Ökoregelungen für 2027 einführen. Sie begründet das mit Maßnahmen zum Bürokratieabbau und streicht die Vorschrift in § 20 Absatz 3 Satz 2 GAP-Direktzahlungen-Gesetz. Diese sah die Einführung von zwei Öko-Regelungen vor, darunter die erwähnte Prämie. Die derzeitige Förderperiode läuft seit 2023 und endet 2027. Die Inhalte ab 2028 müssen noch ausgehandelt werden.

Länder: Finanzbedarf übersteigt verfügbare Mittel

Die Prämie war als Förderinstrument für landwirtschaftliche Betriebe gedacht, die Milchkühe sowie Rinder zur Aufzucht und Mast auf Grünlandflächen weiden ließen. Damit wollte das Bundesministerium diese Form der Haltung unterstützen. Die Programme sahen vor, dass Tiere eine bestimmte Anzahl Tage pro Jahr auf der Weide verbringen mussten. Die erforderliche Mindestweidedauer regelten die Länder, entsprechend fiel sie unterschiedlich aus. Die Landwirte sollten durch die Förderung dazu angehalten werden, die Weidehaltung beizubehalten bzw. einzuführen.
Allerdings hatte bereits der Bundesrat den Bund im Juli 2025 aufgefordert, für 2027 auf neue Ökoregelungen zu verzichten. Die Länder begründeten dies seinerzeit damit, dass der zusätzliche Finanzbedarf die verfügbaren Restmittel deutlich überschreiten würde. Die Einführung weitere Öko-Regelungen wie einer Weideprämie hätte innerhalb der EU-Agrarförderung eine Umschichtung von Mitteln erfordert.
Auch hätten Landwirte die bestehenden Ökoregelungen 2025 deutlich stärker genutzt als in den Jahren zuvor. Daher sei es nicht nötig, die Regelungen in der laufenden Förderperiode erneut zu verändern. Des Weiteren würde eine bundesweit einheitliche Lösung nach Ansicht der Länder keinen zusätzlichen Nutzen bringen. Stattdessen wären Einbußen und Anpassungsprobleme in vielen Betrieben die Folge.

Arbeitsgemeinschaft fürchtet Schwächung der Betriebe

„Wortbruch“ wirft die „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (AbL) laut dem Fachportal „biopress.de“ dem Ministerium nun vor. Daher hat sie gemeinsam mit mehr als 150 Verbänden und Organisationen ein Positionspapier veröffentlicht. Darin fordern die Verfasser eine „umfassende Unterstützung“ der Weidetierhaltung. Ohne eine „verlässliche Finanzierung“ fehle dieser „die notwendige Perspektive und damit die Chance, die von Politik und Gesellschaft geforderten Beiträge zu einem nachhaltigen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz zu erbringen“.
Kirsten Wosnitza aus der AbL‑Fachgruppe Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) betont, dass es sich bei den Ökoregelungen um freiwillige Förderangebote handelt. Zusätzliche Maßnahmen würden daher nur Betriebe betreffen, die sie auch beantragen. Wer die geplante Streichung mit Bürokratieabbau begründe, wolle diese Form der Tierhaltung nicht unterstützen, kritisierte sie. Falle die Förderung weg, sei eine weitere wirtschaftliche Schwächung der betroffenen Betriebe zu befürchten.
Die AbL kritisiert zudem, dass Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer mit den Plänen die von ihm selbst geforderte Planungssicherheit für Landwirte unterlaufe. Viele Weidehalter hätten seit 2024 mit den angekündigten Fördergeldern gerechnet und seien seither mehrfach vertröstet worden.
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deutschland wirtschaft

Kann Deutschland sich selbst ernähren?


In Kürze:

  • Der Selbstversorgungsgrad liegt in Deutschland bei maximal 89 Prozent.
  • Bei Milch, Kartoffeln und Zuckerrüben ist Deutschland innerhalb der EU top.
  • EU-Vorgaben werden hierzulande besonders strikt ausgelegt.

 
Die deutschen Landwirtschaftsbetriebe können Deutschland nicht vollständig selbst versorgen. Das geht aus dem Situationsbericht 2025/26 hervor, den der Deutsche Bauernverband veröffentlicht hat. Demnach schwankte der Selbstversorgungsgrad ohne den Zukauf von Futtermitteln aus dem Ausland zwischen 2005/06 und 2023/24 zwischen 80 und 84 Prozent. Mit Futtermittelzukäufen lag er in diesem Zeitraum bei 87 bis 89 Prozent. Allerdings gibt es je nach Erzeugnis teils große Unterschiede.

Zuckerrüben und Kartoffeln weit über dem Eigenbedarf

Besonders aufschlussreich ist Kapitel 3.8 „Wandel und Wettbewerb“. Dort ist zu lesen, dass die Selbstversorgungsgrade „bei den meisten landwirtschaftlichen Erzeugnissen deutlich rückläufig“ sind. Gleichzeitig weist der Bauernverband darauf hin, dass die Produktion bei einer Reihe von Agrarprodukten den Inlandsbedarf weiterhin übersteigt.
Überschüsse gehen demnach in den Export. Deutschland bleibt zudem der größte Produzent von Milch, Kartoffeln und Zuckerrüben innerhalb der Europäischen Union. Deutlich über 100 Prozent liegt der Selbstversorgungsgrad bei Zuckerrüben (140 Prozent) und Kartoffeln (135 Prozent). Auch bei Weizen liegt der Wert mit 102 Prozent noch im Bereich der Selbstversorgung. Der Ertrag ist allerdings in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. So betrug er 2014 noch 134 Prozent.
Extrem auf Importe angewiesen ist Deutschland bei Gemüse und Obst. Hier betrugen die Selbstversorgungsgrade lediglich 37 beziehungsweise 13 Prozent.
Auch bei der Fleischversorgung verzeichnet Deutschland einen Rückgang. Wie der Bericht im selben Kapitel verdeutlicht, ist der deutsche Anteil am EU-Schweinebestand im Zehnjahresvergleich deutlich gesunken. Lag er 2013 noch bei 19,8 Prozent, fiel er bis 2023 auf 16,0 Prozent. Bei den Zuchtsauen zeigt sich ein ähnlicher Rückgang – von 17,1 auf 13,3 Prozent. Auch beim Rinderbestand verliert Deutschland spürbar an Bedeutung, jedoch weniger stark als in der Schweinehaltung.
Obwohl die deutsche Geflügelerzeugung zwischen 2013 und 2023 gewachsen ist, sank der deutsche Produktionsanteil im selben Zeitraum von 13,4 auf 11,8 Prozent. Der Grund dafür ist, dass andere Mitgliedstaaten wie Polen und Spanien ihre Geflügelfleischproduktion deutlich stärker ausgebaut haben.

Rukwied bemängelt strenge Vorgaben

Die besonders starken Produktionsrückgänge in Deutschland erklärt der Bericht vor allem mit nationalen Rahmenbedingungen. EU-Vorgaben würden besonders strikt ausgelegt, während zugleich viele Fragen zur rechtssicheren Weiterentwicklung der Tierhaltung offenblieben. Den Betrieben fehlten dadurch verlässliche Perspektiven für wirtschaftliche Tragfähigkeit und Planungssicherheit bei Investitionen.
Auf die strengen politischen Vorgaben geht auch Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied in seinem Vorwort ein. Sie seien neben schwachen Marktpreisen, hohem Kostendruck und der demografischen Entwicklung die Hauptgründe für den Strukturwandel. Dieser vollziehe sich in der Landwirtschaft „schleichend“, in der Tierhaltung jedoch „deutlich verstärkt“.
Rukwied spricht zudem von einer spürbaren Zurückhaltung bei der Investitionsbereitschaft der Betriebe. Steigende Anforderungen durch Umwelt-, Klima- und Tierschutzauflagen sowie eine nach wie vor hohe Bürokratielast setzten die Landwirte unter Druck. „Politische Korrekturen sind jetzt zwingend notwendig“, fordert der Bauernverbandspräsident.
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deutschland wirtschaft

Selbstversorgung in Deutschland begrenzt – Landwirtschaft unter Druck


In Kürze:

  • Der Selbstversorgungsgrad liegt in Deutschland bei maximal 89 Prozent.
  • Bei Milch, Kartoffeln und Zuckerrüben ist Deutschland innerhalb der EU top.
  • EU-Vorgaben werden hierzulande besonders strikt ausgelegt.

 
Die deutschen Landwirtschaftsbetriebe können Deutschland nicht vollständig selbst versorgen. Das geht aus dem Situationsbericht 2025/26 hervor, den der Deutsche Bauernverband veröffentlicht hat. Demnach schwankte der Selbstversorgungsgrad ohne den Zukauf von Futtermitteln aus dem Ausland zwischen 2005/06 und 2023/24 zwischen 80 und 84 Prozent. Mit Futtermittelzukäufen lag er in diesem Zeitraum bei 87 bis 89 Prozent. Allerdings gibt es je nach Erzeugnis teils große Unterschiede.

Zuckerrüben und Kartoffeln weit über dem Eigenbedarf

Besonders aufschlussreich ist Kapitel 3.8 „Wandel und Wettbewerb“. Dort ist zu lesen, dass die Selbstversorgungsgrade „bei den meisten landwirtschaftlichen Erzeugnissen deutlich rückläufig“ sind. Gleichzeitig weist der Bauernverband darauf hin, dass die Produktion bei einer Reihe von Agrarprodukten den Inlandsbedarf weiterhin übersteigt.
Überschüsse gehen demnach in den Export. Deutschland bleibt zudem der größte Produzent von Milch, Kartoffeln und Zuckerrüben innerhalb der Europäischen Union. Deutlich über 100 Prozent liegt der Selbstversorgungsgrad bei Zuckerrüben (140 Prozent) und Kartoffeln (135 Prozent). Auch bei Weizen liegt der Wert mit 102 Prozent noch im Bereich der Selbstversorgung. Der Ertrag ist allerdings in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. So betrug er 2014 noch 134 Prozent.
Extrem auf Importe angewiesen ist Deutschland bei Gemüse und Obst. Hier betrugen die Selbstversorgungsgrade lediglich 37 beziehungsweise 13 Prozent.
Auch bei der Fleischversorgung verzeichnet Deutschland einen Rückgang. Wie der Bericht im selben Kapitel verdeutlicht, ist der deutsche Anteil am EU-Schweinebestand im Zehnjahresvergleich deutlich gesunken. Lag er 2013 noch bei 19,8 Prozent, fiel er bis 2023 auf 16,0 Prozent. Bei den Zuchtsauen zeigt sich ein ähnlicher Rückgang – von 17,1 auf 13,3 Prozent. Auch beim Rinderbestand verliert Deutschland spürbar an Bedeutung, jedoch weniger stark als in der Schweinehaltung.
Obwohl die deutsche Geflügelerzeugung zwischen 2013 und 2023 gewachsen ist, sank der deutsche Produktionsanteil im selben Zeitraum von 13,4 auf 11,8 Prozent. Der Grund dafür ist, dass andere Mitgliedstaaten wie Polen und Spanien ihre Geflügelfleischproduktion deutlich stärker ausgebaut haben.

Rukwied bemängelt strenge Vorgaben

Die besonders starken Produktionsrückgänge in Deutschland erklärt der Bericht vor allem mit nationalen Rahmenbedingungen. EU-Vorgaben würden besonders strikt ausgelegt, während zugleich viele Fragen zur rechtssicheren Weiterentwicklung der Tierhaltung offenblieben. Den Betrieben fehlten dadurch verlässliche Perspektiven für wirtschaftliche Tragfähigkeit und Planungssicherheit bei Investitionen.
Auf die strengen politischen Vorgaben geht auch Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied in seinem Vorwort ein. Sie seien neben schwachen Marktpreisen, hohem Kostendruck und der demografischen Entwicklung die Hauptgründe für den Strukturwandel. Dieser vollziehe sich in der Landwirtschaft „schleichend“, in der Tierhaltung jedoch „deutlich verstärkt“.
Rukwied spricht zudem von einer spürbaren Zurückhaltung bei der Investitionsbereitschaft der Betriebe. Steigende Anforderungen durch Umwelt-, Klima- und Tierschutzauflagen sowie eine nach wie vor hohe Bürokratielast setzten die Landwirte unter Druck. „Politische Korrekturen sind jetzt zwingend notwendig“, fordert der Bauernverbandspräsident.
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kultur meinung

Mehr Ausdauer und Erfolg? Ein griechischer Mythos zeigt wie


In Kürze:

  • In unserer heutigen Welt, fokussiert auf sofortigen Erfolg und schnelle Ergebnisse, erscheint Ausdauer als Fremdwort.
  • Warum diese Fähigkeit lebenswichtig ist, zeigt der Mythos von Herakles rund um seine zehnte Aufgabe, die ihn an die Grenze des Bekannten führt.
  • Letztlich gilt es, sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren – egal wie erschöpfend, erfolglos oder weit der Weg erscheint.

 
Wir sind bei der zehnten von zwölf Aufgaben des griechischen Helden Herakles angelangt. Nun nimmt das Ausmaß dieser Herausforderungen dramatisch zu, bis sie in seiner letzten und schwierigsten Aufgabe gipfeln.
Frühere Prüfungen führten ihn in Auseinandersetzungen mit Angst, Chaos, Begierde und Misstrauen. Doch nun wird der Held über die vertrauten Grenzen der griechischen Welt hinausgetrieben.
Jetzt geht es nicht mehr nur um Einfallsreichtum, Demut, Selbstbeherrschung, Verantwortung oder die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung. Stattdessen muss Herakles bis an die äußersten Grenzen des Bekannten reisen.

Eine Reise im Zeichen des Steinbocks

In seiner zehnten Aufgabe soll Herakles die roten Rinder des Geryon fangen und sie zu König Eurystheus bringen. Doch wie so oft in der griechischen Mythologie verbirgt sich hinter der Einfachheit eine teuflische Komplexität.
Geryon wohnt nicht in der Nähe, ja nicht einmal im gewöhnlichen Bereich der griechischen Zivilisation. Er lebt auf der fernen Insel Erytheia (wörtlich „das Rote Land“) am äußersten westlichen Rand der Welt, wo die Sonne jeden Abend in die Dunkelheit versinkt. Die Symbolik ist bereits unverkennbar. Herakles steht nicht mehr nur den Monstern der bekannten Welt gegenüber – er reist zur Grenze, wo das Bekannte im Geheimnis verschwindet.
Die Aufgabe gehört symbolisch zum Steinbock, dem Erdzeichen, das mit Ausdauer, Verantwortung, Lastentragen und schwierigem Aufstieg verbunden ist. Bezeichnenderweise geht das Sternbild Steinbock mitten im Winter auf – sogar der Weihnachtstag selbst fällt unter sein Zeichen.

Die zehnte Aufgabe des Herakles steht im Zeichen des Sternbildes Steinbock und des Elements Erde.

Ein Steinbock ist geduldig, diszipliniert und bereit, immense Entfernungen zurückzulegen, um ein notwendiges Ziel zu verfolgen. Es ist das Zeichen des Bergsteigers, des Gesetzgebers und des einsamen Reisenden, der weitermacht, lange nachdem andere umgekehrt wären.
Genau das ist der Charakter der zehnten Aufgabe. Im Gegensatz zu den gewaltigen Konfrontationen mit dem Löwen oder der Hydra zeigt sich die neue Schwierigkeit durch Entfernung, Erschöpfung und Ausdauer. Der Held muss zunächst Wüsten, Berge, Meere und unbekannte Gebiete durchqueren, bevor er die Aufgabe überhaupt in Angriff nehmen kann.

Ausdauer wird belohnt

Die alten Griechen verstanden Reisen nach Westen symbolisch als tiefgründig. Der Westen war die Region des Sonnenuntergangs, des Verfalls, der Sterblichkeit und des Endes. Dorthin zu reisen bedeutete in gewisser Weise, sich der Grenze zwischen Leben und Tod zu nähern. In seiner letzten und zwölften Aufgabe wird Herakles buchstäblich in die Hölle hinabsteigen, doch bereits diese Reise nach Westen führt den Helden an den Rand der Existenz heran.
Alle Hindernisse, denen er begegnet, verstärken diesen Eindruck. In einigen Versionen des Mythos ist Herakles während seiner Reise von der Hitze so erschöpft, dass er einen Pfeil auf die Sonne richtet. Erstaunlicherweise bestraft ihn der Sonnengott Helios nicht für seine Kühnheit, sondern bewundert seinen Mut. Helios leiht Herakles sogar ein großes goldenes Gefäß, in dem er über den Okeanos segeln kann.

Okeanos ist die Personifikation eines riesigen Stromes, der die bekannte griechische Welt umfließt und alle Flüsse speist.

Diese Episode ist bemerkenswert, weil sie zu den seltenen Momenten in der griechischen Mythologie gehört. Anstatt menschliche Anmaßung zu bestrafen, erkennen die Götter Herakles’ heldenhafte Ausdauer an und belohnen ihn.
Herakles’ Zorn auf die glühende Sonne spiegelt das Ausmaß des menschlichen Leidens wider. Doch seine Ausdauer und Beharrlichkeit bringen ihm Hilfe statt Vernichtung ein. Symbolisch hat das goldene Gefäß eine enorme Bedeutung.
Der Held betritt somit den Bereich der kosmischen Kräfte. Er ist nicht mehr an die gewöhnliche Geografie gebunden, sondern durchquert die Gewässer, die die Welt umgeben. Die Aufgabe nimmt eine fast spirituelle Dimension an: Herakles überwindet nicht nur physische Entfernungen, sondern existenzielle Grenzen.
Herakles und seine zwölf Aufgaben

Die zwölf Aufgaben des Herakles, dargestellt in einem Mosaik aus Lliria, Spanien.

Zersplitterte Macht

Geryon gehört zu den seltsamsten Gestalten aller Aufgaben. Sein Name bedeutet „der Laute“ oder „der Brüllende“. In Überlieferungen wird er als dreiköpfig beschrieben, mit sechs Händen und drei an der Taille verbundenen Körpern. Er gilt als Wesen mit vielfacher Gestalt und als der stärkste lebende Mensch.
Doch seine Dreiköpfigkeit gibt Anlass zum Nachdenken: Auch Kerberos (dt. Zerberus), der Hund des Unterweltgottes Hades, hat drei Köpfe. Interessanterweise gilt dies auch für Satan, wie er von Dante in seinem Werk „Inferno“ dargestellt wird. Geryon hat also etwas Dämonisches an sich.
In seiner 10. Aufgabe muss Herakles die Rinder von Geryon stehlen und Ausdauer lernen

Die mythische Figur Geryon hat drei Köpfe und sechs Arme.

Die Menschen der Antike verstanden diese Vielfältigkeit auf unterschiedliche Weise. Auf der praktischsten Ebene verstärkt sie Geryons Macht, symbolisch deutet sie jedoch auf Zersplitterung, Maßlosigkeit oder eine unnatürlich über die angemessenen Grenzen hinausgehende Kraft hin.
Während Herakles sich zunehmend in Richtung Vervollständigung und zielgerichtete Disziplin bewegt, steht Geryon für gespaltene Kraft – gewaltig, aber uneinig. Anders ausgedrückt: Das „Brüllen“ von Geryon ist ein Urlaut – laut und verstärkt, aber ungeordnet. Währenddessen verkörpert Herakles zunehmend etwas, das der griechischen Vorstellung von „Logos“ entspricht: rationale Ordnung, disziplinierte Sprache und sinnvolle Artikulation.
In seiner 10. Aufgabe muss Herakles die Rinder von Geryon stehlen und Ausdauer lernen

Das Gemälde „Herkules und die Rinder des Geryones“ von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553).

Rinder, die Farbe Rot und das Leben

Auch die Rinder des Geryon sind von Bedeutung. In alten Kulturen symbolisierte Vieh Reichtum, Fruchtbarkeit, Nahrung und soziale Stabilität. Vieh zu besitzen, bedeutete Wohlstand. Geryons rote Rinder stehen daher nicht nur für Besitz, sondern für konzentrierten materiellen Überfluss am Rande der Welt.
Das altgriechische Wort für rot ist „erythros“, von dem sich „Erythrozyt“ – die roten Blutkörperchen – ableitet. Wir werden dabei an ein Zitat aus dem Dritten Buch Mose erinnert: „Denn des Leibes Leben ist im Blut“.
In einem tieferen Sinne besteht Herakles’ Aufgabe darin, das „Leben“ aus dem Westen, aus dem Reich des Todes, des Sonnenuntergangs und der Dunkelheit, zurückzuholen, indem er die im Blut enthaltene rote Lebenskraft zurückbringt. Nun überrascht es nicht mehr, dass ihm der Sonnengott Helios, das Inbild des Lichts, bei diesem Unterfangen half.
Doch das Vieh wird von dem Hirten Eurytion und seinem zweiköpfigen Hund Orthos gut bewacht. Der monströse Hund ist wie Kerberos und Hydra eine Brut des Typhon und der Echidna, jenen Kreaturen, die die Ordnung des Kosmos bedrohen.

Der zweiköpfige Hund Orthos auf einer griechischen Trinkschale.

Orthos greift Herakles sofort an und wird von ihm mit Pfeil und Bogen getötet. Wir erinnern uns: Die Pfeilspitzen von Herakles sind mit dem Blut der Hydra getränkt. Somit ist hier eine Art homöopathisches Prinzip am Werk, indem Gleiches mit Gleichem bekämpft wird. Das Blut eines monströsen Geschwisters vernichtet ein anderes. Bei seiner sechsten Aufgabe erlebte Herakles dieses Prinzip schon einmal.
Selbst am Rand der Welt bleiben die Kräfte, die sich der Ordnung entgegenstellen, aktiv. Herakles’ Mission als Sohn des Zeus dient nicht bloß dem persönlichen Ruhm, sondern der Verbreitung der Zivilisation und der Bekämpfung des Chaos. Zwar versucht der wütende Hirte Eurytion Rache an Herakles zu nehmen, doch letztlich wird auch er rasch besiegt.

Nicht das Ziel aus den Augen verlieren

Nun taucht auch Geryon höchstpersönlich auf, bewaffnet und furchterregend, nur um ebenfalls von Herakles’ Pfeilen niedergestreckt zu werden. Die Auseinandersetzungen verliefen überraschend schnell und entschlossen. Dies unterscheidet die zehnte Aufgabe von vielen früheren.
Der Feind ist gewiss gefährlich, doch die tiefere Herausforderung liegt in der Ausdauer und darin, seine Zielstrebigkeit über immense Entfernungen, Isolation und Erschöpfung hinweg aufrechtzuerhalten.

Die griechische Vasenmalerei zeigt Herakles im Kampf mit Geryon und den besiegten Hirten Eurytion am Boden liegend.

Die Symbolik des Steinbocks zeigt sich hier besonders deutlich. Größe wird nicht durch plötzliche Brillanz erreicht, sondern durch anhaltende Beharrlichkeit. Wie der englische Schriftsteller und Universalgelehrte Samuel Johnson schrieb: „Große Werke werden nicht durch Kraft, sondern durch Ausdauer vollbracht.“
Dies ist vielleicht ein weniger bekannter Aspekt von Herakles’ zahlreichen Errungenschaften. Wir alle sind uns seiner Kraft voll bewusst, doch hier kommt mit der Ausdauer eine ganz andere Eigenschaft zum Vorschein.
Nachdem er sich das Vieh gesichert hat, sind Herakles’ Schwierigkeiten noch lange nicht vorbei. Die Rückreise erweist sich als ebenso beschwerlich wie die Hinreise. So schickt die Göttermutter Hera, die den unehelichen Sohn ihres Mannes Zeus scheitern sehen will, stechende Bremsen, um die Herde zu zerstreuen. Außerdem versperren Flüsse dem Helden den Weg und feindliche Herrscher versuchen, die Rinder zu stehlen. Immer wieder muss Herakles die Tiere neu sammeln, umleiten und weitertreiben.
Auch auf dem Rückweg seiner Reise muss Herakles Ausdauer beweisen

Der Rückweg seiner Reise ist mit den Rindern des Geryon mindestens genauso schwierig wie der Hinweg.

Diese Erfahrung hat jeder bereits gemacht, der über einen langen Zeitraum hinweg eine schwierige Aufgabe bewältigen musste. Erfolg besteht selten aus einem einzigen Triumph und einem linearen Weg dorthin. Häufig muss nach Störungen erst wieder Ordnung geschaffen werden. Fortschritte gehen verloren, werden zurückgewonnen und gehen erneut verloren. Genau dann wird Ausdauer wichtiger als Kraft.

Ausdauer, Ordnung und die moderne Welt

Für heutige Leser liegt die Relevanz dieser Aufgabe zum Teil genau hier. Unsere Kultur ist oft fasziniert von sofortigem Erfolg, dramatischem Wandel und schnellen Ergebnissen. Doch die bedeutendsten Errungenschaften – seien sie persönlicher, politischer, künstlerischer oder spiritueller Natur – ähneln weitaus mehr der Reise von Herakles in den Westen. Sie erfordern ein anhaltendes Engagement über einen langen Zeitraum hinweg, oft unter Bedingungen der Erschöpfung und Unsicherheit.
Die Aufgabe spricht auch die Versuchung der Extreme an. Geryons Rinder leben am Rande der Welt, isoliert und eifersüchtig bewacht. Materieller Überfluss, losgelöst von der übergeordneten moralischen Ordnung, wird zu etwas Gefährlichem, das keinen Bezug mehr zum menschlichen Gedeihen hat. Herakles nimmt die Rinder nicht bloß als Beute an sich – er integriert sie wieder in die größere Welt.
In diesem Sinne markiert die 10. Aufgabe eine weitere Stufe in der Entwicklung des Helden. Frühere Aufgaben erforderten Mut oder Einfallsreichtum; spätere verlangten Zurückhaltung und moralische Einsicht. Doch hier lernt Herakles etwas Stilleres und vielleicht Schwierigeres: Ausdauer.
Wie vielleicht unscheinbarste Fähigkeit, die Herakles im Laufe seiner zwölf Aufgaben erlernt, ist Ausdauer

Die vielleicht unscheinbarste Fähigkeit, die Herakles im Laufe seiner zwölf Aufgaben erlernt, ist Ausdauer.

Wenn der Gürtel der Hippolyta zeigte, wie zerbrechlich Vertrauen sein kann, so offenbaren die Rinder des Geryon, wie schwer es ist, wahre Ordnung über Zeit, Entfernung und Widrigkeiten hinweg aufrechtzuerhalten.
Und das ist vielleicht die bleibende Lehre: dass die Zivilisation selbst nicht durch vereinzelte Siege gesichert wird, sondern durch die lange und erschöpfende Arbeit, Ordnung durch eine widerständige Welt zu tragen.
Seine elfte und vorletzte Aufgabe führt Herakles erneut an den Rand der Welt, um besondere Äpfel zu holen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Herakles and Geryon: Journey to the Edge of the World“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)