Blick aus einem 1968er Ford Mustang auf einen Feldweg und den Sternenhimmel. - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
„Wer hat das Licht angelassen?“ Diese Frage, die normalerweise nur ein kleines Ärgernis in Bezug auf die Stromrechnung darstellt, schoss dem Astrofotografen Evgeni Tcherkasski durch den Kopf, als er vor der mittelalterlichen Burg Eltz in der Eifel stand.
Der 47-Jährige aus dem industriegeprägten Ruhrgebiet hatte eine mehr als 200 Kilometer lange Fahrt auf sich genommen, um durch stockdunkle Wälder zu wandern, bis er endlich an seinem fotografischen Ziel angekommen war. Hier erstreckten sich die alte Steinbrücke und die Türme der Burg unter einem spektakulären Sternenhimmel. Alles schien perfekt. Doch was war das? Die Festung war von einem unerwarteten und auch unerwünschten Lichtschein erhellt.
Kompositionen im Sternenlicht
Um das Beste aus diesem ungebetenen Leuchten zu machen, trat Tcherkasski selbst ins Bild. Mit einer flackernden Laterne in der Hand stellte er sich als einsamer Wanderer dar, der sich den Toren der Burg nähert. Solche sorgfältig geplanten Fotografien nennt er „Astroscapes“ – eine Verbindung aus Sternen, Bauwerken, menschlichen Silhouetten und sogar klassischen Muscle-Cars, die durch Kompositionen unter dunklem Nachthimmel Geschichten erzählen.
„Was als Experiment begann, entwickelte sich nach und nach zu einer sehr bewussten fotografischen Disziplin“, erklärte Tcherkasski der Epoch Times gegenüber und reflektierte dabei, wie sich sein Schaffensprozess hinter der Linse über fast zwei Jahrzehnte hinweg weiterentwickelt hatte. „Rückblickend denke ich, dass die größte Entwicklung darin bestand, vom bloßen Fotografieren hin zum bewussten Gestalten von Bildern zu gelangen.“
Die rheinland-pfälzische Burg Eltz vor der Kulisse der Milchstraße.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
Er realisiert seine Produktionen aus der Perspektive eines Regisseurs, auch wenn einige seiner Spezialeffekte eine streng technische Herangehensweise erfordern. Um digitales Rauschen bei Nacht zu umgehen, befestigt Tcherkasski seine Kamera auf einem feststehenden Stativ und überlagert dann Dutzende identischer, in schneller Folge aufgenommener Belichtungen des Himmels auf eine Langzeitbelichtung der Landschaft. Dadurch werden unsichtbare Details aus der Dunkelheit hervorgehoben. Obwohl es sich technisch gesehen um eine Komposition handelt, entsteht durch diese Methode ein einziger realer Ort und keine Collage.
Tcherkasski leitet in seinem Hauptberuf eine Abteilung für Geografische Informationssysteme. Er arbeitet mit hochpräzisen Satellitenkarten und hat große Freude daran, räumliche Rätsel zu lösen. Um unsere Galaxie hinter irdischen Strukturen zu fotografieren, sind präzise Berechnungen erforderlich, mitunter schon Wochen im Voraus. Hierzu nutzt der Hobbyfotograf Tracking-Apps wie Planit Pro oder studiert das Gelände auf Google Street View.
„Man kann nicht einfach an einem schönen Ort ankommen und hoffen, dass der Himmel zufällig an der richtigen Stelle ist“, sagte er. „Die Ausrichtung muss zum Vordergrund passen.“
Die Felsen, das Ufer, das Meer und ein Mann vor dem Panorama der Milchstraße bei Vattetot-sur-Mer an der Alabasterküste bei Étretat in der Normandie.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
Gewaltige Szenerie und winzige Details
Jedoch lässt sich die sogenannte Lichtverschmutzung nicht immer leicht kontrollieren. Auf seiner Suche nach einem dunklen Himmel reiste Tcherkasski bis zur Sternwarte Roque de los Muchachos auf La Palma, einem legendären Forschungskomplex auf den Kanarischen Inseln. Dieser bietet mehr als nur einen unberührten, pechschwarzen Himmel. Mit seinen riesigen optischen Teleskopen lieferte er Tcherkasski auch eine eindrucksvolle Science-Fiction-Silhouette für den Vordergrund. Nachdem er die Komposition aus Observatorium und Sternenhimmel festgelegt hatte, machte sich der Fotograf auf den Weg zum Teleskop auf dem Berggipfel, der sich 2.400 Meter über dem Meeresspiegel erhebt und überall mit kuriosen Felsformationen übersät ist. Alles passte zusammen: die Wettervorhersage, die Mondphase und die Windgeschwindigkeit. Es versprach, ein bedeutendes Bild zu werden.
Doch es gab eine Sache, die Tcherkasski nicht einkalkuliert hatte.
„Mücken“, sagte er. „Es waren Tausende. Sie griffen mich ununterbrochen an.“
Nach allen fotografischen Maßstäben war seine Komposition gelungen. Er hatte das Bild im Voraus geplant und die Milchstraße genau dort vorgefunden, wo er sie erwartet hatte. Letztlich entstand die Szene „fast genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte“. Allerdings litt er in den folgenden Tagen unter Juckreiz und musste schließlich in eine Apotheke in der Nähe gehen, um sich eine Allergiecreme zu besorgen.
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Tcherkasski fotografierte die Sternwarte Roque de los Muchachos auf La Palma auf den Kanarischen Inseln mit der Milchstraße im Hintergrund.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
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Der Weg zur Sternwarte Roque de los Muchachos auf dem 2.400 Meter hohen Berggipfel von La Palma auf den Kanarischen Inseln mit der Milchstraße im Hintergrund.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
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Das Observatorium Roque de los Muchachos auf La Palma, Kanarische Inseln, bietet eine Science-Fiction-artige Kulisse für Tcherkasskis Galaxienfotografie.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
Amerikanisches Auto in deutscher Sternennacht
Nicht alle von Tcherkasskis Astrofotos scheuen künstliche Beleuchtung. Ganz im Gegenteil: Die rot leuchtenden Bremslichter und die Lichtkegel der Scheinwerfer eines 1968er Ford Mustang setzten das amerikanische Muscle-Car unter einer riesigen Sternensäule nahe des Diemelsees im Sauerland optisch in Szene. Doch es gab einen Haken: Die Scheinwerfer waren zu hell. Um den Glanz des Chrom-Oldtimers in der stockdunklen Nacht einzufangen, war eine subtilere Beleuchtungslösung erforderlich.
Ein Ford Mustang von 1968, fotografiert unter einem Sternenhimmel in Deutschland.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
Tcherkasski und sein Kollege, der das Fahrzeug von Hand restauriert hatte, entschieden sich für einen Low-Tech-Trick. Während Tcherkasski die Kamera mit einer Langzeitbelichtung bediente, lag sein Freund flach auf den Vordersitzen und schaltete die Scheinwerfer für ein paar Zehntelsekunden ein und wieder aus.
„Wir wollten die Scheinwerfer des Autos nutzen, um die Szene zu beleuchten, aber sie waren viel zu hell, um sie während einer Langzeitbelichtung einfach eingeschaltet zu lassen“, sagte Tcherkasski. „Es klingt ein wenig verrückt, aber es hat funktioniert. Wir konnten das Auto und die Straße beleuchten, ohne den Vordergrund komplett überzubelichten.“
Tcherkasski nutzte die Scheinwerfer seines Autos taktisch für eine subtile Beleuchtung während der Astrofotografie-Aufnahmen.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
Der perfekte Ausgleich
Für Tcherkasski bieten seine nächtlichen Fotorätsel den perfekten Ausgleich zu seinem stark digitalisierten Hauptberuf. „Wenn ich nachts mit meiner Kamera hinausgehe, ist das eine ganz andere Erfahrung“, sagte er. „Ich bin draußen und muss zur Ruhe kommen.“
Nach dem Sommerurlaub mit seiner Familie auf La Palma geht die Jagd nach dunklem Himmel weiter. Für seine nächste Reise hat er sich Frankreich ausgesucht – und dessen neue gesetzliche Vorschriften zur Eindämmung der Lichtverschmutzung. Als unbestrittener Weltmarktführer bei der Bekämpfung von Lichtverschmutzung zielt Frankreich allerdings nicht darauf ab, den Blick auf seine historischen Gebäude zu bewahren. Es geht vielmehr darum, die Energiekosten zu senken. Die unvergleichliche Kulisse, die sich dadurch für die Milchstraßenfotografie bietet, ist lediglich ein glücklicher Nebeneffekt.
Tcherkasski versucht, sich für all seine Fotos den Gegebenheiten anzupassen, die ihm Burgen, Autos oder künstliche Lichtquellen bieten.
„Ich habe nicht wirklich eine feste Vorgehensweise“, sagte er. „Manchmal beginne ich mit der Landschaft, manchmal mit dem Himmel, manchmal mit einer Person und manchmal mit einem Objekt wie einem Oldtimer. Wichtig ist, eine Idee zu haben und dann einen Weg zu finden, diese Idee unter dem Nachthimmel umzusetzen.“
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Die Milchstraße im Winter über den Kreidefelsen der Normandie.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
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Der Mondaufgang über der Seefahrerkapelle Chapelle Notre-Dame-de-la-Garde auf den Klippen der Falaise d’Amont bei Étretat an der Alabasterküste.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
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Die Nacht bei Étretat in der Normandie.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Evgeni Tcherkasski
Glühwürmchen begleiten uns in lauen Sommernächten, nachdem sie uns bereits drei Jahre lang im Garten geholfen haben. Beides unter der Bedingung, dass wir ihnen die passenden Voraussetzungen bieten. - Foto: Jeremy_Hogan/iStock
In Kürze:
Leuchtkäfer erzeugen ein märchenhaftes Licht in lauen Sommernächten.
Ihre Larven verbringen drei Jahre auf dem Boden, bevor sie sich in die Luft erheben.
In dieser Zeit leuchten sie noch nicht, aber halten Schädlinge in Schach: Sie fressen Schnecken – und zwar täglich.
Dunkle Gärten ohne Beleuchtung und feuchte Wiesen bieten ihnen ideale Lebensbedingungen und uns die Möglichkeit, sie zu beobachten.
Wer hat sie gesehen, die sanft dahinschwebenden Lichter der lauen Sommernächte? Im diesjährigen Juni gab es nach langem Warten davon besonders viele: Leuchtkäfer, die wir von klein an Glühwürmchen nennen.
Es gibt einige Arten davon in Europa. Bei uns verbreitet sind der Große (Lampyris noctiluca) und der Kleine Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula). Die Winzlinge sind total spannende Tierchen – nicht nur, weil sie Licht produzieren.
Glühwürmchen erzeugen Licht aus einer chemischen Reaktion – doch nicht alle Leuchtkäfer leuchten und fliegen.
Foto: Tobias/iStock
Beim Großen Glühwürmchen leuchtet nur das flugunfähige Weibchen, bei den Kleinen auch die fliegenden männlichen Käfer. Das heißt: fliegende Glühwürmchen sind immer männliche Vertreter des Kleinen Leuchtkäfers. Die Lichter sind Signale zum Anlocken von Paarungspartnern und artspezifisch. Auch die Larven und Puppen haben Leuchtorgane, wofür ist nicht bekannt.
Doch die Käfer sind nicht nur schön anzusehen, auch werden sie uns durch ihre Anwesenheit wesentlich im Garten helfen: Während ihres Larvenstadiums leben sie drei Jahre am Boden im Gras und fressen Schnecken. Die Larve, die dem weiblichen Käfer sehr ähnelt, tötet die Schnecke mittels Giftbiss und frisst sie dann über den ganzen Tag auf. Das heißt, sie verspeist ein Mehrfaches ihrer eigenen Körpergröße (7 bis 12 Millimeter).
Nach etwa drei Jahren verpuppen sie sich und im Sommer schlüpfen die fertigen Käfer. Diese wiederum fressen überhaupt nichts. Nach der Paarung sterben die Männchen sofort, die Weibchen direkt nach der Eiablage. Ab Mitte Juli liegen dann die Eier über den Winter auf dem Boden in der Vegetation.
Beim Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) leuchten nur die Weibchen, dafür fliegen sie nicht.
Foto: Ian_Redding/iStock
Freuen wir uns darauf, dass sie in unseren dunklen Gärten still und friedlich schwebend leuchten und uns verzaubern werden, als wären wir inmitten einer Märchenwelt. Und keine Sorge, drei Jahre müssen wir nicht warten. Auch schon im nächsten Sommer kann es wieder neu entwickelte Glühwürmchen geben.
Bäume spenden Schatten und Abkühlung. - Foto: Marcus Brandt/dpa
Die vergangene Nacht zieht nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit der wärmsten Nacht in Deutschland seit Beginn der Messungen gleich.
Im rheinland-pfälzischen Bad Bergzabern fiel die Temperatur nicht unter 26,2 Grad. Bisheriger Rekordhalter war der Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz, wo die Temperatur am 25. Juli 2019 ebenfalls nicht unter 26,2 Grad gesunken war.
Der Deutsche Wetterdienst spricht ab Temperaturen von 20 Grad von tropischen Nächten. Viele sehr alte Messwerte sind nicht zuverlässig, da unklar ist, wann und wo sie aufgezeichnet wurden. Seit 1881 liegen relativ gute Stationswerte für eine Berechnung zugrunde.
Unklar war dem Wetterdienst zufolge zunächst, ob die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag flächendeckend die wärmste Nacht in Deutschland seit Aufzeichnungsbeginn gewesen sein könnte. Die gemessenen Werte müssen zudem noch eine Qualitätsprüfung durchlaufen und können sich ändern.
Tropennächte im Süden und in Städten häufiger
Üblicherweise gibt es jedes Jahr pro Messstation nur eine Handvoll Tropennächte. „In Jahren mit sehr heißen Sommern wie 2003 wurden an begünstigten Stationen allerdings über 10 Tropennächte beobachtet“, schreibt der Wetterdienst auf seiner Homepage.
„So waren es 2003 in Kehl bei Straßburg 21 Tropennächte. Im Sommer 2015 wurde an den Stationen Waghäusel-Kirrlach und Bad Bergzabern 13 Tropennächte registriert.“
Nach Angaben des Umweltbundesamtes treten Tropennächte häufiger im Süden und Westen Deutschlands auf. Auch seien sie innerhalb dichter, innerstädtischer Bebauungsstrukturen wesentlich häufiger als auf Freiflächen.
„Großflächige Hitzewellen bedrohen die Gesundheit sehr vieler Menschen und zählen zu den tödlichsten Extremwetterereignissen überhaupt“, schreibt die Bundesärztekammer. „Die aktuelle Lage ist gerade deshalb so riskant, weil die hohen Temperaturen anhalten und sich Gebäude, Wohnungen und Praxisräume über die Tage immer weiter aufheizen und nachts kaum noch abkühlen.“
Die gesundheitliche Belastung sei daher oft nicht am ersten, sondern erst an den folgenden Tagen am größten. „Genau dann, wenn die Aufmerksamkeit nachzulassen droht, steigen die Risiken am stärksten“, schrieb sie am Mittwoch.
Besonders gefährdet seien ältere Menschen, chronisch Kranke, pflegebedürftige und allein lebende Personen, Schwangere und kleine Kinder sowie Menschen, die körperlich im Freien arbeiteten.
Erste Abkühlung könnte zum Wochenstart kommen. „Spätestens am Sonntag und Sonntagabend steigt das Unwetterpotential von Westen her aber ebenso deutlich an, sodass bis zum Montag mit teils schweren Gewittern gerechnet werden muss. Erst dann wird es eine Spur kühler, es bleibt aber sommerlich warm oder sogar heiß“, schreibt der Wetterdienst. (dpa/red)
Mehrere Menschen feiern in der schwedischen Ortschaft Akersberga das traditionelle Mitsommar-Fest die Sommersonnenwende. - Foto: ArtesiaWells/iStock
In Kürze:
Am 21. Juni ist Sommersonnenwende.
Menschen in vielen Ländern feiern dieses astronomische Phänomen auf unterschiedliche Weise.
Neben traditionellen Festen und Ritualen besitzt dieses Ereignis auch eine spirituelle Dimension.
Die Sommersonnenwende markiert auf der Nordhalbkugel den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Dieses astronomische Ereignis fasziniert die Menschen seit Urzeiten.
Schon lange vor dem Aufkommen moderner Kalender beobachteten die Zivilisationen den Lauf der Sonne, um die Jahreszeiten, die Ernten und die wichtigen Momente des Gemeinschaftslebens zu bestimmen.
Auch heute noch wird dieses Phänomen in vielen Ländern gefeiert. Dabei vermischen sich heidnische Traditionen, Volksfeste und teilweise jahrhundertealtes kulturelles Erbe.
Ein Rendezvous mit der Sonne
Der Begriff „Sonnenwende“ leitet sich vom lateinischen Wort „solstitium“ ab. Es beschreibt den Moment, in dem der scheinbare Lauf der Sonne eine Pause einzulegen scheint, bevor er sich umkehrt.
Für viele alte Zivilisationen symbolisierte dieser Moment Überfluss, Fruchtbarkeit und die Kraft der Natur.
Megalithische Monumente wie Stonehenge in England zeugen von dieser Faszination. Jedes Jahr versammeln sich dort Tausende Besucher, um den Sonnenaufgang zu bewundern, der mit bestimmten Steinen des berühmten Megalithkreises in einer Linie steht.
Menschen feiern die Sommersonnenwende bei Stonehenge in England.
In vielen europäischen Ländern wird die Sonnenwende mit den Johannisfeuern in Verbindung gebracht, die um den 24. Juni herum gefeiert werden.
Diese großen Feuer haben ihren Ursprung in vorchristlichen Riten, die der Verehrung der Sonne und dem Schutz der Ernte dienten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Tradition in den christlichen Kalender integriert, wobei ein Teil ihrer ursprünglichen Symbolik erhalten blieb.
In Frankreich, Spanien, Portugal oder auch in bestimmten Regionen Belgiens versammeln sich die Menschen noch immer um Lagerfeuer, Konzerte und Volksfeste.
In vielen ländlichen Regionen galt das Springen über die Flammen früher als Glücksbringer und soll Wohlstand bringen.
Der Zauber von Midsommar in Skandinavien
In Skandinavien ist die Sommersonnenwende eines der wichtigsten Feste des Jahres.
In Schweden versammelt das Midsommar-Fest Familien und Freunde um einen mit Blumen und Blattwerk geschmückten Maibaum. Die Teilnehmer tragen Blumenkränze, singen traditionelle Lieder und genießen typische Gerichte aus neuen Kartoffeln, eingelegtem Hering und Erdbeeren.
Der Tradition zufolge pflücken junge Mädchen außerdem sieben verschiedene Blumenarten und legen sie unter ihr Kopfkissen, um von ihrem zukünftigen Ehemann zu träumen.
In Finnland, wo die Sonne in einigen nördlichen Regionen fast gar nicht mehr untergeht, werden die Feierlichkeiten oft von Saunagängen, Lagerfeuern und Zusammenkünften am Seeufer begleitet.
Beim schwedischen Midsommar-Fest tragenviele Frauen einen Blumenkranz auf dem Kopf.
Foto: HasseChr/iStock
Eine heilige Nacht im Baltikum
Im Baltikum hat die Sonnenwende nach wie vor eine starke spirituelle und identitätsstiftende Bedeutung.
In Lettland ist das Jāņi-Fest eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres. Die Teilnehmer singen die ganze Nacht hindurch, tragen Eichen- oder Blumenkränze und suchen symbolisch nach der mythischen „Farnblume“, die angeblich nur einmal im Jahr erscheint und Glück und Wohlstand bringen soll.
In Litauen verbinden die Feierlichkeiten zu Rasos oder Joninės ebenfalls Gesänge, Tänze und Riten, die mit Wasser und Feuer verbunden sind.
Island bietet eines der spektakulärsten Erlebnisse zur Sonnenwende. Um den 21. Juni herum verschwindet die Sonne kaum hinter dem Horizont. In manchen Regionen bleibt die Nacht in ein fast ununterbrochenes Dämmerlicht getaucht.
Die Isländer nutzen diese Zeit für Wanderungen, Konzerte und Veranstaltungen unter freiem Himmel. Manche entscheiden sich sogar dafür, mitten in der Nacht Golf zu spielen oder lange Spaziergänge zu unternehmen.
Die Harpa Konzerthalle und die Uferpromenade von Reykjavik werden um die Sommersonnenwende herum von der Mitternachtssonne beleuchtet.
Foto: AlbertPego/iStock
Feierlichkeiten bis nach Nordamerika
Auch für viele indigene Völker Nordamerikas ist die Sonnenwende ein wichtiger Moment. Einige Gemeinschaften veranstalten Dankeszeremonien für die Natur und feiern die Erneuerung des Lebenszyklus.
Jugendliche Mädchen nehmen beim „Summer Solstice Aboriginal Arts Festival“ anlässlich des „Aboriginal Day“ am 21. Juni 2014 im Massey Park in Ottawa, Kanada, teil. Dabei werden traditionelle Tänze aufgeführt.
Foto: PaulMcKinnon/iStock
Die spirituelle Dimension der Sonnenwende
Über ihren festlichen Charakter hinaus hat die Sommersonnenwende eine tiefe symbolische Bedeutung. In vielen Traditionen steht sie für den Höhepunkt des Lichts und der Lebensenergie. Seit der Antike wird diese Jahreszeit mit Riten der Dankbarkeit, der Reinigung und der Feier der Natur in Verbindung gebracht.
Die bei den Feierlichkeiten entzündeten Feuer galten oft als Symbole des Schutzes und der Erneuerung, während bestimmten Pflanzen, die zu dieser Zeit gepflückt wurden, besondere Kräfte zugeschrieben wurden.
Über die jeweiligen kulturellen Überzeugungen hinaus zeugen diese Feste von einer aufmerksamen Beobachtung des Himmels und der Jahreszeiten. Lange vor dem Aufkommen der modernen Astronomie ermöglichten sie es den Gemeinschaften, den Lauf der Zeit zu markieren und ein kulturelles Erbe weiterzugeben, das bis heute erhalten geblieben ist.
Ob religiös, spirituell oder einfach nur kulturell – die mit der Sonnenwende verbundenen Zeremonien offenbaren eine gemeinsame Faszination für die großen Zyklen, die das Leben auf der Erde bestimmen.
Trotz der Vielfalt der Bräuche weisen die Sonnenwendefeiern zahlreiche Gemeinsamkeiten auf. Überall stehen das Licht, die Natur, das Zusammenkommen und die Weitergabe von Traditionen im Mittelpunkt.
In einer Welt, die weitgehend von Technologie und künstlichen Zeitplänen bestimmt wird, erinnern diese Feste daran, dass menschliche Gesellschaften lange Zeit im Rhythmus der Sonne und der Jahreszeiten gelebt haben.
Ob sie nun rund um ein Lagerfeuer, im Licht der Mitternachtssonne in Island oder im Herzen der baltischen Wälder gefeiert wird – die Sommersonnenwende bleibt eines der wenigen Ereignisse, das sehr unterschiedliche Völker um eine gemeinsame Realität vereinen kann: das Staunen über die Rhythmen der Natur.