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Familie findet kistenweise Knochen im Garten

Bei Gartenarbeiten auf einem Grundstück im niedersächsischen Braunschweig hat eine Familie Dutzende Knochen und Knochenfragmente entdeckt. Nach Angaben des Besitzers Felix Chall fanden sich dabei unter anderem Zähne und größere Teile eines Skeletts. Unklar ist, woher die Knochen stammen.
„Wir haben vor Ostern angefangen, Beetbegrenzungssteine wegzunehmen, um den Garten schönzumachen“, erzählt Chall. Mit dem ungewöhnlichen Fund habe man nicht gerechnet, gut fühle es sich aber nicht an. Relativ schnell hätten sie an die 40, 50 menschliche Knochen entdeckt.
Da habe er die Polizei gerufen, sagt Chall: „Egal wo, ob wir Beton oder Rasen weggenommen haben, überall waren Knochen versteckt.“ Die Spurensicherung habe kistenweise Gebeine abtransportiert.
Kistenweise Knochen wurden in dem Garten entdeckt.

Kistenweise Knochen wurden in dem Garten entdeckt.

Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Staatsanwaltschaft sieht keine Anzeichen für Straftaten

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ihre Ermittlungen zu dem bizarren Fund inzwischen eingestellt. „Das Grundstück, auf dem die Knochen gefunden worden sind, wurde offenbar in den 60er Jahren mit Friedhofserde aufgefüllt, die noch mit Knochen versetzt war“, teilte Staatsanwalt Christian Wolters mit. Anhaltspunkte für Straftaten bestünden nicht.
Chall erhofft sich mehr Informationen darüber, wie die Gebeine in seinen Garten gelangt sind. Zunächst hatten er und seine Frau gedacht, dass es sich um tierische Knochen handelt – erst als der Gerichtsmediziner den menschlichen Ursprung feststellte, habe man geschluckt. Seine Familie sei damit gut umgegangen: Man habe den Kindern erklärt, dass die Knochenreste schon sehr lange im Boden gelagert haben.
Die Fragen, wie die Überreste ihren Weg in den Boden gefunden haben und warum es so viele sind, beschäftigen den 35-Jährigen am meisten. Inzwischen sei der Garten umgegraben, am vergangenen Wochenende habe man sich extra einen Bagger geliehen.
Knapp 150 Kubikmeter Erde wurden mit Hilfe von Freunden und Bekannten gesiebt. Das Ergebnis: sechs weitere Kisten voller Knochen. Für ihn ist die Erklärung mit der aufgeschütteten Friedhofserde angesichts der Fülle des Fundes allerdings nicht plausibel.

Identität der Toten unklar

Stadtheimatpfleger Thorsten Wendt hält es für außergewöhnlich, dass die Funde nur auf diesem Grundstück gemacht wurden. Alle umliegenden Grundstücke seien flacher, das Haus 1960 gebaut. Die Theorie von der Friedhofserde ist auch für ihn nicht ganz schlüssig, weil die Totenfunde teilweise sehr gut erhalten seien.
Stadtheimatpfleger Thorsten Wendt hält den Knochenfund für außergewöhnlich.

Stadtheimatpfleger Thorsten Wendt hält den Knochenfund für außergewöhnlich.

Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Zudem habe es in der Nähe des Fundorts weder Kirche noch Friedhof gegeben. „Die Theorie, dass in den 60er Jahren Erde aufgeschüttet wurde, steht im Raum. Aber so richtig belegen lässt sie sich nicht“, sagt Wendt. Es werde wohl kaum Aufklärung über die Identität der Toten geben. (dpa/red)
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Mit Weisheit die Lasten des Lebens erfolgreich schultern können


In Kürze:

  • Weisheit lässt sich nicht durch Kraft gewinnen, das muss Herakles in seiner vorletzten Aufgabe erkennen.
  • Um seine Prüfung zu meistern, muss der griechische Held einen Schritt zurücktreten und die Last der Welt schultern.
  • Elternschaft, Führung, moralische Pflicht: Jeder Erwachsene stößt irgendwann auf Verantwortung, die sich nicht vermeiden lässt und einfach getragen werden muss.
  • Sie lehren uns, dass die größten Schätze nicht diejenigen sind, die wir dauerhaft besitzen, sondern jene Momente, in denen wir über uns hinauswachsen.

 
Als Herakles seine elfte Aufgabe in Angriff nimmt, hat sich die Atmosphäre der Mythen grundlegend gewandelt. Die früheren Prüfungen erforderten Mut, Einfallsreichtum, GeduldSelbstbeherrschung, Vernunft und die Wiederherstellung der Ordnung im Kampf gegen verschiedene Formen des Chaos.
Doch nun nähert sich Herakles etwas weitaus Geheimnisvollerem. Dies ist eine logische Folge aus seiner Reise in den Westen, die er im Rahmen seiner zehnten Aufgabe antrat. Seine neue Prüfung betrifft nun nicht mehr nur Kraft oder Ausdauer, sondern die Weisheit selbst.

Götter, ein Drache und die Nacht

König Eurystheus’ neue Aufgabe klingt wiederholt trügerisch einfach: Herakles soll die goldenen Äpfel der Hesperiden beschaffen. Doch dies sind keine gewöhnlichen Früchte. Sie hängen in einem heiligen Garten, der sich am äußersten westlichen Rand der Welt befindet. Dieser Ort liegt somit jenseits der Grenzen der bekannten Geografie, nahe dem Punkt, an dem sich Himmel und Erde fast zu berühren scheinen.
Die Äpfel werden mit Hera, der Königin der Götter, in Verbindung gebracht. Diese mächtige Frau hegt bekanntlich einen Groll gegen Herakles, da er der uneheliche Sohn ihres Mannes Zeus ist.
Wie so oft werden die Früchte strengstens bewacht. Zu ihren Beschützern zählen die Hesperiden. Ihr Name bedeutet „Töchter des Westens“ und leitet sich wahrscheinlich von „hespera“ ab, was „Abend“ bedeutet. Die Hesperiden werden von einem großen Schlangendrachen namens Ladon unterstützt, der sich schlaflos um den heiligen Baum windet.

Die Hesperiden waren je nach antiken Schriften drei, vier oder sieben Nymphen, also weibliche Naturgeister. Als möglicher Vater wird unter anderem der Titan Atlas genannt.

Herakles begibt sich auf seiner neuen Reise buchstäblich in die Nacht. Schon hier ist die Symbolik enorm. Der Westen ist mythologisch betrachtet niemals nur eine Himmelsrichtung. Er ist das Reich des Sonnenuntergangs, des Endes, der Sterblichkeit und der geheimnisvollen Grenzgebiete, in denen die bekannte Welt der Transzendenz weicht. Nach Westen zu reisen bedeutet, sich dem Rand der gewöhnlichen menschlichen Existenz selbst zu nähern.

Parallelen zur Bibel und den nordischen Göttern

Doch im Gegensatz zu seiner vorherigen Aufgabe ist das gesuchte Objekt nicht Vieh, sondern Unsterblichkeit. Die goldenen Äpfel besitzen in der gesamten antiken Mythologie eine außerordentliche Bedeutung.
Fruchttragende Bäume symbolisieren immer wieder Leben, Weisheit, Erneuerung und göttliche Ordnung. In der antiken griechischen Tradition stehen die goldenen Äpfel oft für ewige Jugend oder göttliche Vitalität.
In der nordischen Mythologie bewahren die Götter rund um Odin ihre Unsterblichkeit durch magische Äpfel. In der biblischen Tradition wird die Frucht von Eden mit Wissen, Versuchung und der Sehnsucht der Menschheit, ihre festgelegten Grenzen zu überschreiten, in Verbindung gebracht. Paradoxerweise bedeutet dies gleichzeitig den Einzug des Todes in die Welt der Lebenden.
Äpfel sind in vielen Kulturen und Regionen ein Symbol für Weisheit

„Das irdische Paradies mit dem Sündenfall von Adam und Eva“ von Peter Paul Rubens (1577–1640) und Jan Brueghel der Ältere (1568–1625).

Weisheit erlangen als Herausforderung

Diese Gemeinsamkeiten sind kaum zufällig. Auf symbolischer Ebene gehört die elfte Aufgabe zum Schützen, jenem Sternzeichen, das mit der Suche, höherem Wissen, fernen Reisen, Philosophie und spirituellem Streben assoziiert wird. Der Schütze ist der Reisende des Tierkreises, der Suchende, der über das Unmittelbare und Sichtbare hinaus auf eine größere Wahrheit zielt.
Im Gegensatz zum Steinbock, der durch Disziplin Entbehrungen erträgt, bewegt sich der Schütze durch Sehnsucht und visionäre Kraft nach außen, was sich symbolisch in der Figur des Bogenschützen selbst widerspiegelt. Herakles selbst ist bekanntlich im Umgang mit Pfeil und Bogen versiert. Ein Bogenschütze muss immer etwas haben, das über ihn selbst hinausgeht, auf das er zielen kann. Dieser Unterschied ist entscheidend.

Diese künstlerische Darstellung zeigt Herakles als Bogenschützen im Kampf gegen den Drachen Ladon. Je nach Schriftquelle stammt das Wesen unter anderem von den Monstern Typhon und Echidna ab.

Während Herakles zuvor durch Stärke, Mut oder Ausdauer siegte, lassen sich die Äpfel der Hesperiden nicht einfach mit Gewalt an sich reißen. Die elfte Aufgabe vereitelt wiederholt direktes Handeln.
Der Garten selbst ist verborgen. Sein Standort ist ungewiss. Der Held muss Reisende befragen, mit Gestaltwandlern ringen, Wüsten durchqueren und Rat bei obskuren Wesen suchen, bevor er sich dem heiligen Ort überhaupt nähern kann. Das Erlangen von Wissen selbst wird zur Herausforderung.

Rätsel, Verwandlungen und Wahrheit

Das Streben nach Erkenntnis ist ein Grund dafür, dass sich diese neue Aufgabe im Vergleich zu den vorherigen seltsam traumhaft anfühlt. Herakles betritt eine Welt voller Rätsel, Verwandlungen und kosmischer Wesen. Ein Orakel gibt Herakles schließlich den wichtigen Tipp, ein Mann namens Nereus könne ihm bei der Suche nach dem Garten helfen.
Nereus ist ein uralter Meeresgott, der manchmal auch als „der Alte des Meeres“ bezeichnet wird. Auch er ist gar nicht so leicht zu finden, denn er kann seine Gestalt ständig wechseln – mal ist er ein Fisch, mal ein Seelöwe.
Nereus symbolisiert die wandelbare Gestalt der Weisheit

Künstlerische Darstellung von Nereus auf einem griechischen Tongefäß.

So versucht der Meeresgott, sich dem Griff des Herakles zu entziehen. Nur indem der Held all diesen Verwandlungen standhaft widersteht, schafft er es, dass Nereus ihm die wichtigen Informationen offenbart.
Die Symbolik ist tiefgründig: Die Wahrheit ist nicht leicht zu erlangen. Stattdessen wandelt sie ihre Gestalt vor unseren Augen – die Realität selbst erscheint instabil. Dieses Konzept ist in ähnlicher Weise von den Mayas bekannt, bei denen Erscheinungen eine tiefere Realität verschleiern. Nur Beharrlichkeit, verbunden mit Einsicht, ermöglicht es dem Suchenden, das zu erfassen, was ihm ständig entgleitet.

Zurückgehen für Fortschritt

Tatsächlich schickt der Rat des Nereus unseren Helden nach Osten, fort von den Hesperiden. Als Erstes führt ihn der Weg zu Prometheus, der ihn wiederum zu Atlas führt. Kurz gesagt: Der Held muss zuerst zurückgehen, um voranzukommen – eine Sichtweise, die aus der Zen-Philosophie bekannt ist.
Was wie ein Umweg erscheint, ist von großer Bedeutung, denn Herakles befreit Prometheus aus seiner misslichen Lage. Der Titan hatte den Göttern das Feuer gestohlen und es der Menschheit geschenkt. Dafür hatte Zeus ihn an einen Berg gekettet, wo jeden Tag ein Adler herabstieg, um seine Leber zu verschlingen. Da Prometheus unsterblich ist, regenerierte sich seine Leber jede Nacht und der Kreislauf begann von Neuem.
Herakles tötet den Adler und befreit Prometheus von seiner Qual – ein zutiefst bedeutungsvoller Moment. Prometheus hatte gelitten, weil er den Menschen aus ihrem primitiven Zustand half. Nun hilft Herakles, der Sohn des Zeus, diese Strafe zu beenden. Symbolisch gesehen ist es, als würde ein Teil des alten Fluchs, der über der Menschheit lastet, aufgehoben.
Herakles befreit Prometheus

Herakles (l.) befreit Prometheus (r.) von seiner göttlichen Strafe, indem er die Ketten sprengt und den Adler mit einem Pfeil tötet (u.).

Der befreite Prometheus bringt Herakles nun einen Schritt näher an den geheimnisvollen Garten, indem er die Begegnung mit einem zweiten Titanen ermöglicht: Atlas. Dieser ist dazu verdammt, den Himmel auf seinen Schultern zu tragen.
Hier erreicht die Aufgabe ihre tiefste symbolische Ebene. Atlas ist kein bloßer Titan. Er verkörpert die kosmische Last selbst: das Gewicht des Himmels, die erdrückende Verantwortung, die Ordnung vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Kosmische Last – wie sie jeder kennt

Frühere Aufgaben haben diese Last bereits sinnbildlich thematisiert, doch nun begegnet Herakles ihr in universellem Ausmaß. In einer Version des Mythos willigt Herakles ein, den Himmel vorübergehend zu tragen, während Atlas die Äpfel aus dem Garten holt. Das Bild ist außergewöhnlich. Für einen kurzen Moment nimmt der Held die Last des Kosmos selbst auf sich.
Dies ist nicht mehr nur ein heroisches Abenteuer, sondern eine metaphysische Symbolik von höchster Ordnung. Unweigerlich ruft diese Szene den Vergleich mit dem christlichen Bild von Christus am Kreuz hervor: Der Sohn, der das Gewicht der Sünde, des Leidens und der Gebrochenheit der Welt trägt und dennoch bis zur Erlösung und zum Sieg durchhält.

Die Kreuzigung Jesu, gemalt von Francesco Trevisani (1656–1746).

Diese Szene hat über Jahrhunderte hinweg Relevanz, weil sie etwas Bekanntes in der menschlichen Erfahrung anspricht. Jeder Erwachsene stößt irgendwann auf Verantwortung, die sich nicht vermeiden lässt, und auf Lasten, die einfach getragen werden müssen.
Elternschaft, Führung, künstlerische Berufung, politische Verantwortung, moralische Pflicht – all dies beinhaltet in der einen oder anderen Form das „Halten des Himmels“. Vereinfacht ausgedrückt heißt das, Ordnung zu schaffen und diese aufrechtzuerhalten.

Gewinn durch Weisheit statt Gewalt

Doch der Mythos enthält noch eine weitere subtile Erkenntnis. Sobald Atlas mit den Äpfeln zurückkehrt, versucht er, die erneute Schulterung der Last zu vermeiden. Er schlägt vor, dass Herakles den Himmel weiterträgt, während er selbst die Früchte an König Eurystheus überbringt.
Herakles reagiert jedoch nicht mit Gewalt, sondern mit Klugheit. Er gibt vor, dem Vorschlag zuzustimmen, und bittet Atlas, den Himmel kurz wieder zu übernehmen, damit er seinen Umhang als Kissen zurechtlegen kann. Doch sobald Atlas die Last wieder auf sich nimmt, geht Herakles mit den Äpfeln davon. Der endgültige Sieg wird also nicht durch Gewalt, sondern durch Weisheit errungen.
Dies markiert eine entscheidende Wandlung in der Entwicklung des Helden. Der Herakles, der den Nemeischen Löwen mit bloßen Händen erwürgte, ist nachdenklicher, strategischer und spirituell bewusster geworden. Die Kraft bleibt, aber sie steht nicht mehr im Vordergrund. Intelligenz, Urteilsvermögen und Selbstbeherrschung bestimmen nun sein Handeln.

„Atlas und die Hesperiden“ von John Singer Sargent (1856–1925).

Nicht dauerhafte Vollkommenheit und Beständigkeit

Die Äpfel selbst unterstreichen diese Bedeutung. Gold symbolisiert traditionell Vollkommenheit, Unvergänglichkeit und Beständigkeit. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Früchten verfaulen diese nicht.
Sie stehen für die uralte Sehnsucht des Menschen nach Beständigkeit in einer vergänglichen Welt – den Wunsch, irgendwie an der Ewigkeit teilzuhaben. Und doch verbirgt sich im Kern dieser Aufgabe ein Paradoxon.
Zwar gelingt es Herakles, die Äpfel zu erlangen, doch er behält sie nicht. In vielen Versionen des Mythos bringt Athene sie schließlich in den heiligen Garten zurück, da solche göttlichen Schätze nicht dauerhaft in die gewöhnliche menschliche Sphäre gehören.
In seiner 11. Aufgabe lernt Herakles, dass Weisheit mit viel Mühe und Ausdauer erlangt wird

„Herkules stiehlt die Äpfel aus dem Garten der Hesperiden“ von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553).

Dieses Ende ist von enormer Bedeutung. Die Aufgabe legt nahe, dass Unsterblichkeit und Weisheit nicht einfach als Eigentum besessen oder mit Gewalt erobert werden können. Menschen mögen einen Blick auf das Transzendente erhaschen, an Höherem teilhaben oder für einen Moment das Gewicht des Himmels selbst tragen, doch Beständigkeit bleibt jenseits vollständiger menschlicher Aneignung.

Weisheit als höchster Preis

Die moderne Kultur behandelt Erfüllung oft als etwas, das man erwerben kann: mehr Erfolg, mehr Reichtum, mehr Sichtbarkeit, mehr Kontrolle. Doch der Mythos untergräbt stillschweigend diese Annahme, denn das Wertvollste, das man besitzen kann, sind keine Waren. Die Weisheit selbst lehrt Demut vor dem, was uns übersteigt.
Für uns moderne Leser liegt die Relevanz dieser Aufgabe genau hier. Viele unserer tiefsten Bestrebungen – Wahrheit, Schönheit, Weisheit und Sinn – ähneln dem Garten der Hesperiden. Sie lassen sich weder schnell erreichen noch allein durch Gewalt meistern. Sie erfordern Ausdauer, Unterscheidungsvermögen, Demut und die Bereitschaft, die vertrauten Grenzen des Selbst zu überschreiten.
In diesem Sinne wird die elfte Aufgabe zu einer der philosophischsten des gesamten Zyklus. Herakles besiegt nicht mehr nur Monster oder stellt die öffentliche Ordnung wieder her. Er ist zu einem Suchenden geworden, der an der Schwelle zwischen Sterblichkeit und Transzendenz steht.
Und das ist vielleicht die bleibende Lehre der Erzählung: Die größten Schätze sind nicht diejenigen, die wir dauerhaft besitzen, sondern jene Momente, in denen wir – wenn auch nur kurz – das berühren, was jenseits von uns selbst liegt.
Nach der Meisterung dieser Aufgabe, steht Herakles nun vor seiner zwölften, letzten und gefährlichsten Prüfung. Dafür muss er die dunkle Grenze überschreiten und in die Unterwelt hinabsteigen – einen Ort, von dem noch nie ein Lebender zurückgekehrt ist.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Herakles and the Apples of the Hesperides: The Search for Immortality“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Ab in die Balkonschule: Gärtnern auf engstem Raum

„Hier sind noch ein paar Quadratzentimeter frei“, freut sich Elke Schmude und setzt Kapuzinerkresse in ein Vertikalbeet. Auf sieben Etagen wachsen dort bereits unter anderem Asiasalate, Schnittlauch, Erdbeeren und Kornblumen. „Man muss sich einfach mal trauen, wenn es nicht wächst, dann eben nicht“, sagt die Berlinerin.
Ein Kurs im Balkongärtnern von Birgit Schattling ist in vollem Gange. Seit Jahren vermittelt sie Balkonbesitzern im deutschsprachigen Raum in Online-Kursen und -Kongressen, wie sich auch kleinste Flächen bepflanzen lassen.
Mit der Balkonschule in Berlin hat sie ihr Angebot nun um einen physischen Ort ergänzt. „Hier kann man fühlen, sehen, kosten“, sagt Schattling.
Auch die Anzucht - hier von Mangold - wird in der Schule von Birgit Schattling geübt.

Auch die Anzucht – hier von Mangold – wird in der Schule von Birgit Schattling geübt.

Foto: Anja Sokolow/dpa /dpa

Hände in die Erde stecken statt vor dem Bildschirm sitzen

Auf dem Gelände der Atelier Gardens, einem historischen Film- und Fernsehcampus, wird das ganze Jahr über gemeinsam gesät, pikiert, gepflanzt und geerntet. Die Teilnehmer schätzen vor allem den direkten Austausch.
„Das ist viel besser als ein Online-Kurs, hier kann ich die Hände in die Erde stecken und muss nicht im dunklen Kämmerlein vor dem Bildschirm sitzen“, sagt Bettina Schäfer.
Mitgärtnerin Bärbel Schäfer hat der Kurs wieder zu neuem Schwung verholfen. Neben einem Balkon hat sie auch einen Garten. Doch zuletzt fehlte der Antrieb. „Ich wollte mich schon gar nicht mehr damit beschäftigen“, sagt die Rentnerin. Doch das gemeinsame Gärtnern in der Balkonschule habe ihr wieder neue Motivation gebracht.
Vertikalbeete bieten viel Platz auf kleinem Raum.

Vertikalbeete bieten viel Platz auf kleinem Raum.

Foto: Anja Sokolow/dpa-Zentralbild/dpa

Obstbäume? Alles geht, außer Walnüsse

In der Balkonschule wächst und gedeiht vieles: Johannisbeeren, Glockenblumen, Kletterrosen und selbst Aprikosen. „Man lernt hier, dass man auch Sträucher gut auf Balkonen pflanzen kann“, sagt Elke Schmude. Auch Obstbäume seien möglich, nur keine Walnüsse, ergänzt Schattling.
Genutzt wird jeder Zentimeter: Neben klassischen Töpfen dienen auch eine Sauciere oder ein Wäschekorb als Pflanzgefäße. Besonders stolz ist Schattling auf die sogenannte Klimaterrasse, eine Kombination aus Vertikalbeeten und begrünter Pergola. Klettererbsen, Feuerbohnen, Kiwis, Passionsblumen und Wein spenden Schatten und liefern Erträge.
„Das ist die Lösung für überhitzte Terrassen und Balkone. Ab Mai bleiben Südlagen oft ungenutzt – Menschen ziehen sich hinter Jalousien in den Innenraum zurück“, sagt Schattling, die auf dem Gelände auch einzelne Workshops, Teamnachmittage und Vorträge anbietet.

Ein Boom aus Corona-Zeit

Das Gärtnern auf Balkonen habe in der Corona-Zeit einen Boom erlebt, weil alle Zuhause gewesen seien, sagt eine andere Balkon-Gärtnerin, die Journalistin, Podcasterin und Autorin Melanie Öhlenbach aus Bremen. Seit 2020 hat sie fünf Bücher zum Thema veröffentlicht, zuletzt „Klimahelden auf dem Balkon“.
„Inzwischen beschäftigen sich auch viele Menschen mit der Frage, wo die Lebensmittel überhaupt herkommen und wie sie produziert wurden“, so Öhlenbach. Der Wunsch nach Selbstversorgung spiele zunehmend eine Rolle und auch die Preise seien ein Grund, selbst zu gärtnern.
Auch Öhlenbach gibt Kurse. „Wissen und Fertigkeiten gehen verloren, wenn man sie nicht mit anderen teilt und weitergibt“, betont sie. Es sei noch einmal etwas anderes, das unmittelbar, zusammen, vor Ort, also ohne Bildschirm und Smartphone, zu tun.
„Es braucht daher Orte, wo solche Begegnungen möglich sind – sei es selbst organisiert in der Nachbarschaft, im Kleingartenverein, an den Volkshochschulen und Bildungseinrichtungen generell, in urbanen Stadtgartenprojekten oder eben der Balkonschule“, meint die Bremerin, die neben ihrem Balkon mittlerweile auch einen Garten bewirtschaftet.
Töpfe können auch bepflanzt werden.

Töpfe können auch bepflanzt werden.

Foto: Anja Sokolow/dpa

120 Pflanzen auf neun Quadratmetern

Schattling treibt das Balkongärtnern auf die Spitze: Auf neun Quadratmetern wachsen bei ihr 120 Pflanzen, darunter Sträucher und Obstbäume. Zudem nutzt sie fünf Fensterbretter und schafft Lebensräume für Insekten, Vögel und Eichhörnchen. „Ich bin mitten in Berlin und erlebe die Natur hautnah“, sagt die Buchautorin und Bloggerin.
Stadtgrün-Referentin Janna Einöder vom Naturschutzbund hat Schattling mal als „Balkon-Ultra“ bezeichnet. Aus ihrer Sicht seien die von ihr bepflanzten Balkone ökologisch wertvoll. „Doch nicht jeder muss eine Birgit Schattling sein“, sagt Einöder.
Man könne das Balkongärtnern auch im kleineren Maßstab betreiben, zum Beispiel mit Küchenkräutern. „Wenn viele kleine Flächen genutzt werden, ergibt das ein Mosaik in der ganzen Stadt“, so die Expertin. Und das komme zahlreichen Arten zugute, zum Beispiel Wildbienen, die einen Flugradius von nur wenigen Hundert Metern hätten.

„Geranien gehen gar nicht“

Das Potenzial sei aus Naturschutzsicht noch längst nicht ausgenutzt. Viele Balkone würden leider mit Pflanzen wie Petunien oder Geranien begrünt, die für Insekten nicht nützlich und oft auch noch mit Pestiziden belastet seien. Mehrjährige Stauden oder auch Wildblumen seien viel geeigneter, erklärte Einöder.
Der Nabu hat Pflanzlisten veröffentlicht. Passend zur jeweiligen Ausrichtung eines Balkons werden passende Arten empfohlen. „Geranien gehen gar nicht“, findet auch Schattling. Immerhin gebe es aber Bemühungen, ursprünglichere Varianten zu züchten, die auch attraktiver für Insekten seien. (dpa/red)