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Studie deutet auf eine mögliche neue Ursache für Zöliakie hin

Das Immunsystem verrät die Entwicklung einer Zöliakie möglicherweise schon lange vor den ersten Symptomen – und noch bevor der Körper überhaupt auf Gluten reagiert.
Lange Zeit galt die Erkrankung als reine Überreaktion des Immunsystems auf Gluten. Eine aktuelle Studie im Fachjournal Immunology and Cell Biology deutet jedoch darauf hin, dass bereits viel früher eine geschwächte Immunaktivität einsetzt, die tiefgreifendere Ursachen hat als bisher angenommen.

Mangel an zentralen Signalstoffen

Im Zentrum der Untersuchung standen die sogenannten CD4-Helfer-T-Zellen. Diese weißen Blutkörperchen fungieren im Immunsystem wie Generäle auf dem Schlachtfeld: Sie geben Befehle, koordinieren die Abwehr von Infektionen und steuern die Bildung von Antikörpern.

Die Überraschung der Forscher: Die Zellen reagierten keineswegs überaktiv, sondern zeigten sich deutlich geschwächt. Sie bildeten geringere Mengen des zentralen Botenstoffs Interleukin-2, teilten sich langsamer und wiesen eine kürzere Lebensdauer auf. Dieses Muster beobachteten die Wissenschaftler unabhängig von Geschlecht, Krankheitsdauer oder einer bereits umgestellten, glutenfreien Ernährung.

„Das deutet darauf hin, dass die Veränderungen [im Darm] möglicherweise nicht nur durch eine aktive Entzündung oder eine kürzlich erfolgte Glutenexposition verursacht werden“, erklärte Dr. Jason Korenblit, Facharzt für Gastroenterologie, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times. „Sie spiegeln möglicherweise eine angeborene immunologische Veranlagung wider, die wahrscheinlich genetisch bedingt ist.“

Neues Testverfahren macht Zellverhalten sichtbar

Den Nachweis dieser Abweichungen ermöglichte der Einsatz einer neuen Technologie, des sogenannten „Cyton2 Cell Timer“. In einem eigens entwickelten Experiment versetzten die Wissenschaftler die Immunzellen in einen kurzzeitigen Aktivierungszustand. Nachdem sie sämtliche Signalstoffe wieder entfernt hatten, analysierten sie das eigenständige Regenerations- und Reaktionsverhalten der Zellen.
„Unser Testverfahren ist ein bisschen so, als würde man ein Spielzeug aufziehen und loslassen, um zu sehen, wie lange es läuft und welche Kunststücke es vorführt“, sagte die Studienautorin Vanessa Bryant in einer Erklärung.
„Gluten ist nach wie vor notwendig, um die Krankheit auszulösen“, sagte Korenblit, „aber das Immunsystem ist möglicherweise bereits so verdrahtet, dass es abnormal reagiert. Das könnte helfen zu erklären, warum Zöliakie in Familien gehäuft auftritt und warum sie sich mit anderen Autoimmunerkrankungen überschneidet.“
Aus gastroenterologischer Sicht, so sagte er, sei diese Studie wichtig, da sie die Annahme stütze, dass Zöliakie nicht nur eine Reaktion auf Gluten im Darm sei.
„Möglicherweise spielt auch ein tiefer liegender, grundlegender Unterschied in der Programmierung des Immunsystems eine Rolle“, sagte er.

Hoffnung auf frühere Diagnosen

Nun untersucht das Forschungsteam, ob vergleichbare Immunmuster auch bei anderen Autoimmunerkrankungen vorkommen und ab welchem Alter sie nachweisbar sind.
Die Ergebnisse können hilfreich für die Früherkennung sein. Experten mahnen jedoch zur Zurückhaltung, was eine rasche Umsetzung im Praxisalltag betrifft. Sollten künftige Studien bestätigen, dass diese Veränderungen im Immunsystem lange vor ersten Symptomen oder Darmschädigungen auftreten, könnte die Analyse des Zellverhaltens Risikopersonen künftig viel früher identifizieren als bisher möglich, betont Studienautor Korenblit.
Dies, so sagte er, könnte insbesondere für Verwandte ersten Grades von Menschen mit Zöliakie, für Kinder mit zöliakieassoziierten Genen oder für Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen von Nutzen sein.
„Eine frühzeitigere Erkennung könnte eine engmaschigere Überwachung, frühere Antikörpertests, eine Ernährungsbeurteilung und eine schnellere Diagnose ermöglichen, sobald die Erkrankung ausbricht“, sagte Korenblit. „Allerdings bräuchten wir größere, langfristige Studien, in denen Risikopersonen über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet werden, bevor wir dies klinisch anwenden können.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Study Suggests a Potential New Cause of Celiac Disease“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Proteste an Frankreichs Schulen: Welche Rolle linke Organisationen spielen


In Kürze:

  • Die Schülerproteste in Frankreich richten sich gegen Lehrermangel, überfüllte Klassen und marode Schulgebäude.
  • Laut einer Untersuchung von „Fox News Digital“ unterstützen Gewerkschaften, linke Parteien und Jugendorganisationen die Bewegung.
  • Internationale Medien wie „BreakThrough News“ verbreiten Bilder der Proteste, eine Steuerung aus dem Ausland ist damit jedoch nicht belegt.

 
Die Proteste, die im September in der Pariser Region ihren Ausgang nahmen, haben weiterhin konkrete schulische Missstände zum Gegenstand: Lehrermangel, überfüllte Klassen und marode Schulgebäude. Mit ihrer Ausweitung auf das ganze Land wächst jedoch auch die Unterstützung durch Gewerkschaften und politische Akteure.
Eine Untersuchung von „Fox News Digital“ befasst sich mit der Rolle dieser Akteure bei der Ausweitung der Forderungen. Deren Präsenz allein belegt jedoch nicht, dass die Bewegung zentral gesteuert wird.

Wer die Schülerproteste unterstützt

Die Untersuchung unterscheidet unter anderem zwölf Gewerkschaftsorganisationen, acht kommunistische oder sozialistische Organisationen sowie vier politische Parteien. Zu den genannten Akteuren zählen die Gewerkschaften CGT und Force ouvrière, die Linkspartei La France insoumise und die Kommunistische Partei Frankreichs. Auch Elternvereinigungen und Menschenrechtsorganisationen werden aufgeführt. Die erfassten Gruppen stehen damit für unterschiedliche Formen des Engagements.
Jugendorganisationen spielen eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung; politisch sind viele von ihnen dem linken Spektrum zuzuordnen. Die Union syndicale lycéenne, die Union étudiante, die FAGE und die UNEF werden als Organisationen genannt, die zur Mobilisierung der Teilnehmer beigetragen haben. Zu den 15 erfassten studentischen, genauer gesagt jugendpolitischen, Gruppen zählen auch kommunistische Jugendbewegungen. Die Kategorie umfasst daher nicht ausschließlich Schülervertretungen oder schulbezogene Gewerkschaften.
Wie die BBC in einer Reportage über die Ausweitung der Proteste berichtet, schlossen sich den Gymnasiasten zunächst Studenten und später eine gewerkschaftliche Koalition an. Auch Eltern und erwachsene Aktivisten beteiligten sich. Ihr Ziel sei es unter anderem gewesen, eine Art Schutzraum um die Jugendlichen zu schaffen. Die Unterstützung kann somit sowohl dem Schutz und der Begleitung der Demonstranten als auch dem Bestreben dienen, die Proteste politisch auszuweiten.

Internationale Medien verbreiten Bilder der Proteste

Die Untersuchung widmet „BreakThrough News“ besondere Aufmerksamkeit. Das in New York ansässige Medium verbreitet Videos und Beiträge über die Proteste in Frankreich. Laut der Untersuchung wird es von dem US-amerikanischen Geschäftsmann Neville Roy Singham finanziert, der in Shanghai lebt. Die Berichterstattung des Mediums ordnet die Demonstrationen in einen größeren Zusammenhang von Protesten gegen Austeritätspolitik ein.
Der Bericht verweist außerdem auf Solidaritätsbekundungen der Kommunistischen Jugend Griechenlands, Veröffentlichungen der Indian Alliance Paris sowie die Verbreitung von Bildmaterial durch den in Caracas ansässigen Sender „teleSUR“. Einige dieser Akteure nutzen Eilmeldungen unter der Kennzeichnung „Breaking News“ und stellen die Ereignisse in Frankreich in einen Zusammenhang mit Protesten in anderen Ländern. Dadurch erhalten die Schulblockaden eine Aufmerksamkeit, die weit über ihre ursprüngliche geografische Reichweite hinausgeht.
Die Verbindungen zu den Vereinigten Staaten betreffen insbesondere die digitale Verbreitung von Inhalten und die Beziehungen zwischen Aktivistennetzwerken. Dabei muss jedoch zwischen medialer Verstärkung, öffentlicher Solidarität und operativer Organisation unterschieden werden. Die angeführten Beispiele dokumentieren mediale Verbreitungswege und Verbindungen zwischen verschiedenen Akteuren. Für sich genommen belegen sie nicht, dass die Proteste in Frankreich aus dem Ausland gesteuert werden.

Konkrete Forderungen im Mittelpunkt der politischen Reaktion

Die Frage nach politischem Einfluss ändert nichts an den Problemen, die die Schüler ursprünglich auf die Straße gebracht haben. Aktuelle Reportagen schildern den Zustand heruntergekommener Schulgebäude, fehlende Lehrkräfte und überfüllte Klassen. Diese Missstände bildeten den Ausgangspunkt der Mobilisierung, bevor sich die Proteste auf weitere Forderungen ausweiteten und zusätzliche Unterstützer gewannen.
An den Schulen wurden Gesprächsformate organisiert, um die Spannungen abzubauen. Die Regierung will nach eigenen Angaben auf die Probleme des Schulsystems reagieren, lehnt Gewalt jedoch ab. Die Schülervertreter fordern ihrerseits konkrete Maßnahmen und halten die bislang angekündigten Reaktionen für unzureichend.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.fr unter dem Titel „Blocage des lycées : 50 organisations identifiées autour du mouvement dont seulement 15 organisations lycéennes“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Endgültiges Ergebnis: Berliner Parlament hat fünf Sitze weniger

Das neue Berliner Abgeordnetenhaus hat fünf Sitze weniger als nach der Wahl zunächst angenommen. Das wurde nun auch durch das am Montag vom Landeswahlausschuss festgestellte endgültige Wahlergebnis bestätigt. Danach hat das Landesparlament 153 Abgeordnete. Zunächst ging die Wahlleitung in ihrem vorläufigen Ergebnis nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September von 158 Sitzen aus.
CDU, SPD und Grüne haben nun jeweils einen Sitz weniger, bei der Linken sind es zwei. Hintergrund ist ein Fehler bei der Übertragung von Wahlergebnissen in einem Wahlkreis des Bezirks Spandau, der bereits vor anderthalb Wochen bekannt wurde. Anders als zunächst angenommen erhielt dort die AfD und nicht die CDU das Direktmandat, was zu einer Verschiebung bei den Überhang- und Ausgleichsmandaten führte.
„Die Stärke unserer Berliner Demokratie zeigt sich auch darin, dass wir uns bei keiner Wahl mit der Ergebnisermittlung aus der Wahlnacht – dem vorläufigen Ergebnis – zufriedengeben“, erklärte Landeswahlleiter Stephan Bröchler am Montag. Die Zweitstimmenergebnisse der Parteien blieben von den Nachprüfungen unberührt.
Die Linke hatte laut endgültigem Ergebnis die Wahl zum Abgeordnetenhaus mit 25,7 Prozent der Stimmen gewonnen, gefolgt von der CDU mit 18,8 Prozent und der AfD mit 16,3 Prozent. Die Grünen erhielten 14,3 Prozent, die SPD kam auf 12,1 Prozent. Auf die Linke entfallen damit 45 Mandate, auf die CDU 33 Sitze, auf die AfD 29 Mandate, auf die Grünen 25 Sitze und auf die SPD 21 Mandate. (afp/red)
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Nach Bas-Rücktritt: SPD will neue Führung wählen

Nach dem Rücktritt von SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas wollen die Sozialdemokraten auf einem Bundesparteitag zum Jahreswechsel ihre gesamte Führung neu zur Wahl stellen. Auf einen entsprechenden Vorschlag habe sich das SPD-Präsidium geeinigt, sagte Parteichef Lars Klingbeil in Berlin. Ob er selbst noch einmal antritt, teilte er nicht mit.
„Wir werden um den Jahreswechsel herum, das kann der Dezember sein, das kann der Januar sein, einen Bundesparteitag durchführen“, sagte Klingbeil. „Dort wird die gesamte Führungsriege der SPD dann zur Wahl anstehen und es wird dort eine Führung der Partei gewählt.“ Er halte dies für wichtig, „damit wir Klarheit über die personelle Aufstellung und auch Klarheit über den programmatischen Kurs der SPD haben“.
Auf die Frage, ob er noch einmal antrete, sagte Klingbeil: „Ich werde jetzt alles dafür tun, dass die SPD die beste Aufstellung an der Spitze hat (…).“ Dazu werde er seinen Teil beitragen und so habe er das im Präsidium auch deutlich gemacht. „Alles Weitere werden wir miteinander besprechen.“

Weiter Doppelspitze

Am Prinzip der Doppelspitze will Klingbeil festhalten. „Ich habe damals als Generalsekretär diese Doppelspitze eingeführt, und ich halte sie auch für richtig“, sagte er. Natürlich werde es auch auf einem Bundesparteitag eine Doppelspitze geben.
Bärbel Bas war am Morgen mit sofortiger Wirkung als Arbeitsministerin und als SPD-Chefin zurückgetreten. Als Grund gab sie einen persönlichen Schicksalsschlag sowie „öffentliche Angriffe auf mich“ an. Dabei nannten sie ausdrücklich die „Reihen des Koalitionspartners“.
Schon kurze Zeit später ist klar: Nachfolger an der Ministeriumsspitze soll der ehemalige SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer aus Rheinland-Pfalz werden. Schweitzer ist schon länger für höchste Ämter in Berlin im Gespräch. Er gilt als Pragmatiker – doch ob die Umsetzung von Reformen mit ihm einfacher wird als mit der Parteilinken Bas, ist offen. Regierungssprecher Stefan Kornelius verwies auf die Regelungen im Grundgesetz zur Entlassung und Ernennung von Ministerinnen und Ministern und betonte, der Nachfolger werde nun Schritt für Schritt antreten. (dpa/red)
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Nach Bas-Rücktritt: Klingbeil kündigt Neuwahl der gesamten SPD-Spitze an

Nach dem Rücktritt von SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas wollen die Sozialdemokraten auf einem Bundesparteitag zum Jahreswechsel ihre gesamte Führung neu zur Wahl stellen. Auf einen entsprechenden Vorschlag habe sich das SPD-Präsidium geeinigt, sagte Parteichef Lars Klingbeil in Berlin. Ob er selbst noch einmal antritt, teilte er nicht mit.
„Wir werden um den Jahreswechsel herum, das kann der Dezember sein, das kann der Januar sein, einen Bundesparteitag durchführen“, sagte Klingbeil. „Dort wird die gesamte Führungsriege der SPD dann zur Wahl anstehen und es wird dort eine Führung der Partei gewählt.“ Er halte dies für wichtig, „damit wir Klarheit über die personelle Aufstellung und auch Klarheit über den programmatischen Kurs der SPD haben“.
Auf die Frage, ob er noch einmal antrete, sagte Klingbeil: „Ich werde jetzt alles dafür tun, dass die SPD die beste Aufstellung an der Spitze hat (…).“ Dazu werde er seinen Teil beitragen und so habe er das im Präsidium auch deutlich gemacht. „Alles Weitere werden wir miteinander besprechen.“

Weiter Doppelspitze

Am Prinzip der Doppelspitze will Klingbeil festhalten. „Ich habe damals als Generalsekretär diese Doppelspitze eingeführt, und ich halte sie auch für richtig“, sagte er. Natürlich werde es auch auf einem Bundesparteitag eine Doppelspitze geben.
Bärbel Bas war am Morgen mit sofortiger Wirkung als Arbeitsministerin und als SPD-Chefin zurückgetreten. Als Grund gab sie einen persönlichen Schicksalsschlag sowie „öffentliche Angriffe auf mich“ an. Dabei nannten sie ausdrücklich die „Reihen des Koalitionspartners“.
Schon kurze Zeit später ist klar: Nachfolger an der Ministeriumsspitze soll der ehemalige SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer aus Rheinland-Pfalz werden. Schweitzer ist schon länger für höchste Ämter in Berlin im Gespräch. Er gilt als Pragmatiker – doch ob die Umsetzung von Reformen mit ihm einfacher wird als mit der Parteilinken Bas, ist offen. Regierungssprecher Stefan Kornelius verwies auf die Regelungen im Grundgesetz zur Entlassung und Ernennung von Ministerinnen und Ministern und betonte, der Nachfolger werde nun Schritt für Schritt antreten. (dpa/red)
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Hausmittel aus der Küche zur Stärkung der Abwehrkräfte in der Erkältungssaison

Die Tage werden kürzer und die Morgen kälter, vielleicht hustet ja schon jemand in Ihrem Büro. Die Erkältungs- und Grippesaison steht vor der Tür, und die Gewohnheiten, die Sie sich jetzt aneignen, können Ihrem Körper helfen, diese Zeit besser zu überstehen.

Der Faktor Stress

Der Herbst lädt dazu ein, innezuhalten und den Blick nach innen zu richten. Es ist der ideale Zeitpunkt, um ehrlich zu hinterfragen: Ist Stress in Ihrem Alltag vielleicht zu einem Dauerzustand geworden?
Diese Unterscheidung ist entscheidend. Während kurzer, akuter Stress die Immunabwehr sogar anregen kann, kehrt sich dieser Effekt bei Wochen oder Monate andauernder Belastung ins Gegenteil um: Das Immunsystem wird geschwächt. Die dauerhafte Ausschüttung von Hormonen wie Cortisol fördert chronische Entzündungsprozesse und senkt die Zahl der weißen Blutkörperchen, genau jener Abwehrzellen, die der Körper zur Abwehr von Krankheitserregern benötigt.
Stressauslöser lassen sich im Alltag oft nicht vollständig vermeiden, wohl aber unser Umgang mit ihnen. Methoden wie Meditation, Yoga, das Schreiben von Tagebüchern oder ein Gebet können helfen, die eigene Mitte wiederzufinden, den Blick für das Wesentliche zu schärfen und Stress nachhaltig zu bewältigen.

Pflanzliche Unterstützung bei Stress: Adaptogene

Zu den wirksamsten Helfern aus der Naturheilkunde zählen sogenannte Adaptogene. Diese pflanzlichen Wirkstoffe unterstützen den Organismus dabei, sich an Belastungssituationen anzupassen, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen und die körperliche wie mentale Widerstandskraft zu stärken. Sie lassen sich flexibel in den Alltag integrieren, beispielsweise als Tee, Tinktur, Pulver oder in Form von Kapseln.
Zu den bekanntesten Adaptogenen gehören:
  • Ashwagandha
  • Schisandra
  • Rhodiola
  • Süßholz
  • Heiliges Basilikum (Tulsi)
  • Ginseng
Eine Studie mit 58 Teilnehmern ergab, dass Erwachsene, die täglich Ashwagandha-Wurzelextrakt einnahmen, von einer deutlichen Verringerung des empfundenen Stresses und der Angstgefühle berichteten sowie einen niedrigeren morgendlichen Cortisolspiegel hatten. Zudem zeigten sie Verbesserungen der Schlafqualität.
Andere kleinere Studien haben ergeben, dass Rhodiola den Cortisolspiegel senkt, bei geistiger Erschöpfung hilft und die Stimmung in Phasen hohen Stresses verbessert.

Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf

Ein unterschätzter Schlüssel für ein starkes Immunsystem und langfristige Gesundheit ist erholsamer Schlaf. Studien belegen: Chronischer Schlafmangel schwächt die Immunabwehr, macht anfälliger für Infekte und verstärkt entzündliche Prozesse im Körper.

Mit dem Einzug der kälteren Jahreszeit verändert sich auch unser natürlicher Biorhythmus. Während regelmäßige Bewegung weiterhin essenziell bleibt, fordert der Körper im Herbst und Winter ganz natürlich etwas mehr Ruhe und Regeneration. Diesem Bedürfnis nachzugeben und dem Körper mehr Schlaf zu gönnen, schont die Kraftreserven und schützt die Gesundheit.

Das ist im durchgetakteten Alltag oft leichter gesagt als getan. Doch schon kleine Anpassungen zeigen Wirkung: Wer ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen Bildschirmzeiten reduziert und das Licht dimmt, regt die körpereigene Produktion des Schlafhormons Melatonin an und signalisiert dem Organismus, dass es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen.

Heilmittel aus der Küche

Frische Kräuter und aromatische Gewürze sind weit mehr als nur Geschmacksträger: Viele von ihnen enthalten hochwirksame sekundäre Pflanzenstoffe, die das Immunsystem gezielt unterstützen und den Körper spürbar gegen typische Herbst- und Winterinfekte wappnen können.

Knoblauch: Ein Allrounder für die Abwehrkräfte

Ein echter Klassiker unter den natürlichen Immunhelfern ist Knoblauch. Die Knolle ist nicht nur erschwinglich und überall erhältlich, sondern zeichnet sich durch ein breites Spektrum an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen aus. Wer möchte, kann Knoblauch sogar mit wenig Aufwand im eigenen Garten oder auf dem Balkon anbauen.
Knoblauch wirkt stark antibakteriell, antiviral, antimykotisch, antiparasitär und entzündungshemmend, wodurch er sich hervorragend zur Stärkung der Immunabwehr und zur Vorbeugung von Krankheiten eignet.
Am einfachsten ist es, Knoblauch zu den Mahlzeiten hinzuzufügen.
Hacken oder zerdrücken Sie rohe Zehen und lassen Sie sie vor dem Kochen etwa 10 Minuten ruhen. So kann sich Allicin, der Hauptwirkstoff des Knoblauchs, bilden. Nehmen Sie ihn roh zu sich, wenn Sie spüren, dass sich eine Erkältung ankündigt. Zerdrücken Sie eine oder zwei Zehen, lassen Sie sie 10 Minuten ruhen und schlucken Sie sie zusammen mit einer Mahlzeit.

Wer den intensiven Geschmack oder Geruch der frischen Knolle meiden möchte, kann auf hochwertige Knoblauch-Kapseln zurückgreifen.

Ziehen Sie schwarzen Knoblauch für einen zusätzlichen Gesundheitsschub in Betracht; er wird so lange fermentiert, bis er zäh und süß wird. Berichten zufolge wird er in Thailand, Südkorea und Japan schon seit Jahrhunderten verwendet.
Die klinische Kräuterkundlerin, Akupunkteurin und Fachärztin für funktionelle Medizin Kerry Adams, die seit fast 50 Jahren praktiziert, berichtet, wie sie selbst Knoblauch einsetzt: „Ich gebe ihn gerne in Thymian- und Ingwertee, die beide wärmend wirken und die Durchblutung fördern“, erklärte sie gegenüber der Epoch Times per E-Mail. „Außerdem mische ich ihn oft mit Zwiebeln und Honig als Hustensaft“, fügte sie hinzu.
Wenn Sie Medikamente einnehmen oder wegen chronischer Erkrankungen in Behandlung sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Knoblauch in therapeutischen Dosen einnehmen. Da Knoblauch ein wärmendes Kraut ist, warnt Adams vor der Anwendung, wenn bereits Anzeichen von Hitze wie Fieber, rote Augen und ein gerötetes Gesicht bestehen. Sie fügt hinzu, dass Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen oder in der Vergangenheit an Magengeschwüren oder Gastritis litten, beim Verzehr von Knoblauch Vorsicht walten lassen sollten.

Cayennepfeffer

Cayennepfeffer ist ein weiteres Gewürz, das viele in ihrem Gewürzregal oder Küchenschrank haben. Wenn Sie scharfes Essen mögen, kann dies eine gute Möglichkeit sein, den Körper zu stärken. Er ist sehr nährstoffreich und reich an Vitamin C. Außerdem enthält er Vitamin E, Vitamin A und B-Vitamine, die alle für ein gesundes Immunsystem benötigt werden.
Das in Cayenne enthaltene Vitamin A hilft dem Körper beim Aufbau gesunder Schleimhäute in Nase, Mund und Lunge und trägt so dazu bei, Mikroben fernzuhalten.
Zum Ausprobieren eignet sich eine Prise getrockneter Cayennepfeffer in Suppen, Eintöpfen oder Tees. Die Menge kann je nach Bedarf erhöht werden.
Cayennepfeffer gilt in Lebensmitteln allgemein als unbedenklich, aber vermeiden Sie ihn, wenn Sie Anzeichen von Hitzeempfindlichkeit haben, und setzen Sie ihn ab, falls er Magenbeschwerden oder Reizungen verursacht.

Honig

Honig hat wegen seiner antibakteriellen, antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften eine lange Tradition in der medizinischen Anwendung.
Laut einer Laborstudie kann Honig etwa 60 Bakterienarten sowie einige Pilz- und Virusarten hemmen. Forschungsergebnisse aus weiteren Zellstudien deuten zudem darauf hin, dass er Immunzellen stimulieren könnte. Zudem ist er ein Bestandteil in verschiedenen pflanzlichen Hausmitteln, darunter auch eines Hustensafts, wenn er mit Zwiebelscheiben kombiniert wird.
Rohhonig ist die bessere Wahl. Viele handelsübliche Honigsorten sind pasteurisiert, das heißt, sie wurden auf hohe Temperaturen erhitzt, wodurch viele ihrer nützlichen Inhaltsstoffe zerstört werden können. Rohhonig hingegen kommt direkt aus dem Bienenstock und behält die meisten dieser wertvollen Stoffe. Ein Löffel Honig täglich während der Erkältungs- und Grippesaison ist eine hervorragende Möglichkeit, Ihr Immunsystem zu stärken.
Menschen mit Diabetes sollten Honig aufgrund seines Zuckergehalts mit Vorsicht genießen, und Kinder unter 1 Jahr sollten wegen des Risikos von Säuglingsbotulismus durch Botulismus-Sporen niemals Honig zu sich nehmen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Kitchen Medicines to Strengthen Your Cold-Season Defenses“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Wie bestimmte Käsesorten Ihr Arthrose-Risiko senken könnten

Kniearthrose betrifft etwa 4,9 Millionen Menschen deutschlandweit und verursacht Schmerzen, Steifheit und einen langsamen Verlust der Mobilität, der im Laufe der Zeit die Selbstständigkeit einschränken kann. Nun deuten neue Forschungsergebnisse darauf hin, dass eine kleine Ernährungsumstellung dazu beitragen könnte, das Erkrankungsrisiko zu senken.
Die in der Fachzeitschrift „Clinical Nutrition“ veröffentlichte Studie begleitete 10.411 Erwachsene in Japan im Alter von 40 bis 74 Jahren über einen Zeitraum von elf Jahren.
Personen, die am meisten fermentierte Milchprodukte wie Käse und Joghurt zu sich nahmen, hatten ein um 19 bis 28 Prozent geringeres Risiko, an Kniearthrose zu erkranken, als diejenigen, die überhaupt keine davon aßen. Sowohl Käse als auch Joghurt waren für sich genommen mit einem geringeren Risiko verbunden, und der Zusammenhang war am stärksten bei Personen, die ansonsten insgesamt wenig Milchprodukte zu sich nahmen.
Der Konsum von normaler, nicht fermentierter Milch zeigte hingegen keinen Zusammenhang mit dem Risiko einer Kniegelenkerkrankung.
Die Ergebnisse deuten auf eine kostengünstige und risikoarme Möglichkeit hin, wie Menschen zum Schutz ihrer Gelenke beitragen könnten, auch wenn weitere Forschung erforderlich ist, bevor konkrete Ernährungsempfehlungen gegeben werden können.

Warum Fermentierung eine Rolle spielen könnte

Arthrose wurde lange Zeit lediglich als „Verschleißerkrankung“ angesehen, doch Forschungsergebnisse, die im Juni veröffentlicht wurden, deuten auf einen weniger offensichtlichen Verursacher hin: eine chronische, schwach ausgeprägte Entzündung, die im Darm ihren Ursprung hat.
Ist die Darmflora aus dem Takt (Dysbiose), können Giftstoffe ins Blut gelangen und Entzündungen im gesamten Körper auslösen. Erreichen diese Entzündungen die Gelenke, aktivieren sie Enzyme, die Knorpel und Bindegewebe abbauen und zerstören.
Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir wirken auf zweierlei Weise: Sie liefern nützliche Bakterien (wie Lactobacillus und Bifidobacterium) direkt in den Darm und stärken so das Mikrobiom. Gleichzeitig entstehen bei der Fermentation sogenannte Postbiotika, bioaktive Stoffe, die laut einer Studie in Frontiers in Nutrition entzündungsfördernde Signale im gesamten Körper aktiv dämpfen.

Die besten Käsesorten für die Gelenk- und Darmgesundheit

Käse ist jedoch nicht gleich Käse. Die Studie untersuchte fermentierte Milchprodukte. Obwohl keine konkreten Sorten genannt wurden, fallen darunter vor allem lange gereifte, nicht erhitzte Hartkäsesorten sowie traditionell in Salzlake gereifte Sorten. Damit Käse das Arthrose-Risiko, wie in der Studie diskutiert, beeinflussen kann, benötigt er lebendige, nützliche Bakterienkulturen und spezielle Nährstoffe, die den Herstellungsprozess überstehen.

Stark verarbeitete Produkte wie Schmelzkäse, Scheibenkäse oder Streichkäse bieten diesen Schutz nicht. Durch die starke Erhitzung bei der Herstellung werden die nützlichen Mikroben abgetötet. Wer Entzündungen hemmen und seine Gelenke schützen möchte, greift daher am besten zu natürlich gereiftem oder speziell fermentiertem Käse:

  • Gouda: Dieser Käse enthält unglaublich widerstandsfähige Stämme probiotischer Bakterien wie Lactococcus, die die Magensäure überstehen und den Magen-Darm-Trakt positiv beeinflussen können. Er ist zudem reich an Vitamin K2, das eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Knochen- und Knorpelgesundheit spielt.
  • Gereifter Cheddar: Während Cheddar über Monate reift, steigt die Konzentration förderlicher bioaktiver Stoffe und Enzyme an. Dieser Fermentationsprozess baut zudem fast die gesamte Laktose ab, wodurch das Risiko einer entzündlichen Reaktion im Verdauungstrakt verringert wird.
  • Feta: Feta wird traditionell mit Milchsäurebakterien aus Schafs- oder Ziegenmilch fermentiert und fördert ein vielfältiges Darmmikrobiom.
  • Schweizer Käse und Emmentaler: Die charakteristischen Löcher in diesen Käsesorten entstehen durch Propionibacterium freudenreichii, ein Bakterium, das intensiv auf seine Fähigkeit hin untersucht wird, die Darmschleimhaut zu beruhigen und die Immunabwehr zu unterstützen. Außerdem enthalten sie von Natur aus weniger Kochsalz (Natrium) als andere gereifte Käsesorten.

Was zu beachten ist

Es gibt wichtige Aspekte, die man beachten sollte, wenn man mehr fermentierte Milchprodukte zu sich nimmt, sagte Emily Feivor, eine staatlich geprüfte Ernährungsberaterin am Long Island Jewish Forest Hills Hospital in New York, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.
Einige fermentierte Milchprodukte, wie beispielsweise Kefir, können große Mengen an zugesetztem Zucker enthalten, was Entzündungen begünstigen und den positiven Effekten der Probiotika entgegenwirken kann. Sie rät dazu, fermentierte Lebensmittel langsam in die Ernährung einzuführen, da sie anfangs Blähungen und Verdauungsbeschwerden verursachen können, wenn man nicht daran gewöhnt ist.
Feivor erklärte, dass die Fermentierung den Laktosegehalt in Milchprodukten, insbesondere in Kefir und gereiftem Käse, deutlich reduziert, wodurch sie für manche Menschen mit Laktoseintoleranz leichter verträglich sind. „Sie sind jedoch nicht vollständig laktosefrei und können Symptome auslösen.“
Für Menschen, die wenig fermentierte Milchprodukte zu sich nehmen, seien probiotische Nahrungsergänzungsmittel eine gute Alternative, insbesondere für Allergiker oder wenn man einen bestimmten Bakterienstamm suche.
Eine Einschränkung besteht darin, dass die Ergebnisse der Studie hauptsächlich aus einer großen Beobachtungsstudie mit japanischen Probanden stammen. Da sich Ernährung, Genetik und der typische Konsum von Milchprodukten zwischen Japan und westlichen Ländern unterscheiden, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, ob die gleichen Vorteile auch anderswo gelten und wie viel fermentierte Milchprodukte möglicherweise benötigt werden, um diese zu erzielen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Yogurt and Cheese Linked to Lower Risk of Knee Osteoarthritis“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Wirtschaftsnobelpreis geht an zwei US-Ökonomen

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die beiden US-Forscher Robert E. Hall und Michael Woodford. Sie werden für „die mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung“ ausgezeichnet. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt.
Auf Grundlage ihrer Modelle könnten gut abgestimmte fiskal- und geldpolitische Maßnahmen die wirtschaftlichen Ausschläge nach oben und unten abmildern, sagte die Generalsekretärin der Akademie, Ellen Moons, bei der Preisverkündung.

Jetzt sind alle Preise verkündet

Der Preis für Wirtschaftswissenschaften wird traditionell am Montag nach den anderen Nobelpreisen bekanntgegeben. Er geht als einziger der Preise nicht auf das Testament des schwedischen Industriellen und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Der Wirtschaftspreis wurde 1968 nachträglich gestiftet und 1969 erstmals vergeben. Deshalb nennt die Nobel-Stiftung ihn nicht offiziell Nobelpreis, sondern Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel. Wie die anderen Auszeichnungen wird er am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, verliehen – und zwar in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.
In der vergangenen Woche waren bereits Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden verkündet worden. Unter den drei Medizin-Preisträgern sind mit Peter Hegemann und Georg Nagel diesmal zwei deutsche Forscher. Die berühmte Auszeichnung für Literatur ging in diesem Jahr an die kanadische Dichterin, Übersetzerin und Essayistin Anne Carson. Den Friedensnobelpreis bekam die südafrikanische Spitzenjuristin Navanethem Pillay für ihren Einsatz gegen Völkermord und für Menschenrechte.

Rund eine Million Euro für kluge Köpfe

2025 ging der prestigeträchtige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zur einen Hälfte an den israelisch-amerikanischen Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr, zur anderen Hälfte an den Franzosen Philippe Aghion und den Kanadier Peter Howitt. Sie wurden für ihre Forschung zum stetigen Wachstum von Volkswirtschaften ausgezeichnet.
Dotiert ist der Preis in diesem Jahr wie die anderen Auszeichnungen auch mit zwölf Millionen schwedischen Kronen – das entspricht etwas mehr als einer Million Euro. (dpa/red)
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AfD-Politikerin Huy scheitert mit Klage gegen Ausschluss aus Abgeordnetenvereinigung

Die AfD-Politikerin Gerrit Huy ist mit einer Klage gegen ihren Ausschluss aus einer Abgeordnetenvereinigung gescheitert. Das Landgericht Berlin erklärte in einem am Montag veröffentlichten Urteil den Ausschluss der Bundestagsabgeordneten aus der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft (DPG) für rechtens. (Az 88 O 155/25)
Der Verein hatte seine Entscheidung mit ihrer Teilnahme an einem Potsdamer Treffen von Politikern und Unternehmern im November 2023 begründet, wo der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner laut Medienberichten sein sogenanntes Remigrationskonzept zur Vertreibung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland vorgestellt haben sollte. Durch ihre Teilnahme und ihre fehlende Distanzierung von dieser Veranstaltung habe die AfD-Abgeordnete das Ansehen der DPG in grober Weise beschädigt.
Der Verein hält sich dem Gericht zufolge damit an den ihm zustehenden Beurteilungsspielraum. Die Positionen Sellners stünden den Zielen der Parlamentariervereinigung diametral entgegen – dem Bekenntnis zur Menschenwürde, zur Demokratie und zum Rechtsstaat sowie die ausdrückliche Ablehnung jeder Benachteiligung wegen Herkunft, Ethnie oder Religion.
Die Entscheidung des Landgerichts ist nicht rechtskräftig. Dagegen kann die Klägerin Berufung zum Kammergericht Berlin einlegen zu. Die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft ist eine überparteiliche Vereinigung von Abgeordneten des Bundestags, der deutschen Landtage und des Europaparlaments. Ihm gehören etwa 2000 Mitglieder an, darunter 129 Mitglieder der AfD-Bundestagsfraktion.(afp/red)
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Talfahrt geht weiter: VW verkauft weniger Autos

Europas größter Autobauer VW verliert bei den Verkäufen weiter an Boden. Weltweit lieferte der Konzern von Juli bis September 1,89 Millionen Fahrzeuge aller Marken aus. Das waren 14,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen in Wolfsburg mitteilte. Im zweiten Quartal hatte der Rückgang bei 8,6 Prozent gelegen, zu Jahresbeginn bei 4,0 Prozent.
In den ersten neun Monaten des Jahres kam Volkswagen den Angaben nach auf gut 6 Millionen Auslieferungen. Das waren 9,0 Prozent oder rund 600.000 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Schwaches China-Geschäft belastet

Zuwächse in Europa und Südamerika konnten den Einbruch vor allem in China nicht ausgleichen. Dort lieferte VW im dritten Quartal knapp 406.000 Fahrzeuge aus – 38,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In den ersten neun Monaten sanken die Auslieferungen in der Volksrepublik um 30,2 Prozent auf 1,38 Millionen. Volkswagen kämpft dort mit einem rückläufigen Gesamtmarkt, starkem Preisdruck und wachsender Konkurrenz heimischer Hersteller.
„Der deutlich rückläufige Gesamtmarkt in China bleibt eine branchenweite Herausforderung. Gleichzeitig beginnen unsere neuen, lokal entwickelten Elektromodelle ihre Wirkung zu entfalten“, teilte Audi-Vertriebsvorstand Martin Sander mit, der das Ressort auch im Gesamtkonzern betreut. Gegenüber dem Vorjahresquartal habe man in der Volksrepublik im dritten Quartal rund 30 Prozent mehr elektrifizierte Fahrzeuge übergeben können. Dazu zählen neben reinen E-Autos auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender.

Nachfrage in Europa nach E-Autos steigt

Ein Lichtblick ist das Geschäft mit E-Autos in Europa. „In unserem Heimatmarkt sehen wir einen deutlich beschleunigten Trend zu vollelektrischen Fahrzeugen. Hauptgründe dafür sind die derzeit hohen Kraftstoffpreise und das größere Angebot an Einstiegsmodellen“, sagte Sander laut Mitteilung. Für den ID. Polo und seine Schwestermodelle VW ID. Cross, Škoda Epiq und Cupra Raval liegen demnach inzwischen fast 150.000 Bestellungen vor. Das sei ein toller Erfolg, der zeige, dass man mit den vier Modellen den Zeitgeist getroffen habe.
In Europa war von Januar bis September jedes fünfte ausgelieferte Modell ein reiner Stromer – insgesamt gut 586.000 von rund 2,96 Millionen Fahrzeugen. Das dürfte sich noch weiter verstärken: Die Auftragseingänge für Elektroautos auf dem Heimatkontinent stiegen im dritten Quartal um mehr als die Hälfte. Der E-Anteil am Auftragsbestand lag bei rund 40 Prozent, sagte Sander weiter.
Weltweit war aber auch die Nachfrage nach VW-Stromern rückläufig. Im dritten Quartal sanken die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge um 4,7 Prozent auf gut 240.000. In China gingen sie um 30,1 Prozent zurück, in den USA sogar um 86,4 Prozent. Von Januar bis September hat Volkswagen insgesamt rund 679.000 E-Autos ausgeliefert (minus 5,4 Prozent).

Audi und Porsche verlieren zweistellig

Bei den Konzernmarken fiel die Entwicklung unterschiedlich aus. Die Kernmarke Volkswagen Pkw lieferte im dritten Quartal mehr als 946.000 Fahrzeuge aus – und damit 19,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Audi kam auf fast 315.000 Fahrzeuge und damit auf ein Minus von 19,7 Prozent.
Auch Porsche verlor deutlich: Im dritten Quartal setzten die Stuttgarter etwas mehr als 56.000 Sport- und Geländewagen ab – ein 15-Prozent-Minus. Stabil zeigte sich Škoda mit 256.700 Auslieferungen. Die Nutzfahrzeugholding Traton, zu der unter anderem Scania und MAN gehören, steigerte ihre Verkäufe um 10,5 Prozent auf rund 78.900 Fahrzeuge. (dpa/red)
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Mehr Befugnisse, mehr Kontrolle? Bundestag berät über Geheimdienstreform

Wie weit dürfen die Befugnisse der deutschen Nachrichtendienste gehen? Mit dieser Frage befasst sich eine öffentliche Anhörung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages am Montag, 12. Oktober 2026. Im Mittelpunkt steht der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform des Nachrichtendienstrechts.
Der Livestream beginnt um 11.30 Uhr:

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Neben dem Regierungsentwurf beraten die Sachverständigen auch einen Antrag der AfD-Fraktion. Dieser fordert eine Stärkung der nationalen Souveränität und der operativen Fähigkeiten des BND.
Nach den Regierungsplänen sollen die Befugnisse des für das Ausland zuständigen Bundesnachrichtendienstes (BND) und des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) bei der Sammlung, Speicherung und automatisierten Auswertung von Daten erheblich ausgeweitet werden. Zudem sollen die Dienste erstmals die Möglichkeit erhalten, Bedrohungen wie Sabotageakte oder Hackerangriffe aktiv durch Gegenangriffe zu bekämpfen.
Grüne, Linke und FDP kritisieren, dass die Pläne gegen das sogenannte Trennungsgebot von geheimdienstlichen und polizeilichen Befugnissen verstoßen. Dieses gilt als Lehre aus dem Nationalsozialismus, als die Geheime Staatspolizei (Gestapo) mit umfassenden Machtbefugnissen brutal gegen politische Gegner der Nazis sowie Juden und andere Gruppen vorging.
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[Live ab 13:30 Uhr] Nach CDU-Krisentagung: Merz zum „spürbaren Politikwechsel“

Findet die CDU einen Weg aus ihrer existenziellen Krise? Die Parteiführung schließt heute ihre zweitägigen Beratungen über die Konsequenzen aus den Wahlniederlagen im September ab. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz wird anschließend zusammen mit Generalsekretärin Franziska Hoppermann die Ergebnisse vorstellen.
Epoch Times überträgt den Livestream ab 13:30 Uhr:

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Die CDU war am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag geflogen. In Berlin wurde sie am selben Abend von der Linken von Platz eins verdrängt, die jetzt versucht, eine Regierung mit SPD und Grünen zu bilden. In Sachsen-Anhalt hatte die Partei zwei Wochen zuvor fast 20 Prozentpunkte verloren. Dort stellt sich der AfD-Politiker Ulrich Siegmund nun im Dezember zur Wahl für das Ministerpräsidentenamt.
Auch auf Bundesebene ist die Union in nie geahnte Tiefen abgesackt. In mehreren Umfragen liegt sie 17 Monate nach Vereidigung der schwarz-roten Bundesregierung unter 20 Prozent – im Vergleich zu 28,5 Prozent bei der Wahl Anfang 2025. Es ist erst sechs Jahre her, dass sie in Umfragen noch an die 40 Prozent erreichte. (dpa/sk)
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[Live ab 13:30 Uhr] Pressekonferenz nach CDU-Krisenklausur mit Merz und Hoppermann

Findet die CDU einen Weg aus ihrer existenziellen Krise? Die Parteiführung schließt heute ihre zweitägigen Beratungen über die Konsequenzen aus den Wahlniederlagen im September ab. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz wird anschließend zusammen mit Generalsekretärin Franziska Hoppermann die Ergebnisse vorstellen.
Epoch Times überträgt den Livestream ab 13:30 Uhr:

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Die CDU war am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag geflogen. In Berlin wurde sie am selben Abend von der Linken von Platz eins verdrängt, die jetzt versucht, eine Regierung mit SPD und Grünen zu bilden. In Sachsen-Anhalt hatte die Partei zwei Wochen zuvor fast 20 Prozentpunkte verloren. Dort stellt sich der AfD-Politiker Ulrich Siegmund nun im Dezember zur Wahl für das Ministerpräsidentenamt.
Auch auf Bundesebene ist die Union in nie geahnte Tiefen abgesackt. In mehreren Umfragen liegt sie 17 Monate nach Vereidigung der schwarz-roten Bundesregierung unter 20 Prozent – im Vergleich zu 28,5 Prozent bei der Wahl Anfang 2025. Es ist erst sechs Jahre her, dass sie in Umfragen noch an die 40 Prozent erreichte. (dpa/sk)
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Trump: Russland und Ukraine vereinbaren „Energie-Waffenstillstand“


In Kürze:

  • US-Präsident Donald Trump verkündet einen sofort geltenden Energie-Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine, eine offizielle Bestätigung Moskaus liegt bislang nicht vor.
  • Kiew unterstützt die Vereinbarung, meldet jedoch einen russischen Angriff auf ein Heizkraftwerk in Charkiw.
  • Eine zuvor angekündigte Vereinbarung sieht Diesellieferungen aus Russland vor und sorgt für Kritik im US-Kongress.

 
US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag, 11. Oktober, einen „Energie-Waffenstillstand“ zwischen der Ukraine und Russland verkündet. Wie Trump auf Truth Social schrieb, sei dieser „sofort in Kraft“, beide Parteien hätten zugestimmt. In seinem Beitrag forderte Trump beide Seiten auch dazu auf, die Vereinbarung nicht zu brechen. Die Ukraine meldete unterdessen bereits einen weiteren russischen Angriff auf ein Heizkraftwerk.

Energie-Waffenstillstand folgt auf Diesel-Vereinbarung

Bereits am Freitag hatte der US-Präsident eine Vereinbarung mit Russland verkündet. Diese umfasse die „sofortige Freigabe von mehr als 300.000 Tonnen Diesel, um Sorgen bezüglich steigender Energiekosten infolge weltweiter Treibstoffengpässe entgegenzuwirken“. Die Vereinbarung folge einer „höchst erfolgreichen Unterredung“ mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Im November werde Russland „weitere 500.000 Tonnen freigeben und unmittelbar danach eine Million“. Danach sollen laut Trump in kurzer Zeit weitere drei Millionen Tonnen folgen.
Das Amt zur Kontrolle von Auslandsvermögen des US-Finanzministeriums erteilte am Freitag eine bis zum 7. April 2027 befristete Generallizenz. Sie erlaubt Geschäfte rund um Verkauf, Lieferung und Einfuhr von Diesel russischer Herkunft und soll so die Umsetzung der Vereinbarung ermöglichen. Am selben Tag hatten die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in Miami mit einer ukrainischen Delegation verhandelt.
Wie die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times unter Berufung auf Regierungsquellen berichtete, sollten die Unterhändler einen „neuen, umfassenden Vorschlag“ diskutieren. Dieser sei „auf alle Aspekte des Konflikts fokussiert und soll ein Ende des Krieges mit sich bringen“.

Selenskyj kritisiert Vereinbarung mit Moskau

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Vereinbarung mit Russland umgehend. Auf X schrieb er, Russland habe „den Krieg gewählt, und sie werden ihn erst beenden, wenn sie den Eindruck haben, ihre Fähigkeit, ihn zu führen, sei beeinträchtigt“. Die Dieselexporte würden es dem Kreml ermöglichen, mehr Waffen zu produzieren und mehr Söldner für den Krieg zu verpflichten. Er nannte die Vereinbarung eine „schwache Entscheidung starker Partner“.
US-Präsident Trump sagte daraufhin am Samstag, die Ukraine brauche einen neuen politischen Führer. Selenskyj habe „mehrfach“ die Chance gehabt, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden, und diese nicht genutzt. Mit seinem Verhalten schade er US-amerikanischen Bauern.
Trump äußerte: „Das ist ein Krieg, der nie hätte beginnen sollen, und ich denke, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt.“

Kiew unterstützt den Energie-Waffenstillstand

Selenskyj hatte nach der Ankündigung zunächst gesagt, er sei über den Energie-Waffenstillstand nicht informiert. Am Sonntag sagte er dann, die Ukraine unterstütze ihn. Auf X schrieb er, er habe darüber mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte, Kanadas Premierminister Mark Carney und Finnlands Präsident Alexander Stubb gesprochen.
In seinem Beitrag hieß es, die Ukraine „unterstützt den Waffenstillstand, und es ist wichtig, dass ihn auch Russland unterstützt“. Man erwarte Details von der amerikanischen Seite. Die Ukraine, so Selenskyj, „unterstützt immer vollständig alle Schritte zur Deeskalation, zum Schutz von Leben und Entscheidungen, die erforderlich sind, um den Krieg zu beenden und dauerhaften Frieden zu gewährleisten“.
Aus Russland gab es keine offiziellen Reaktionen auf die Ankündigung des Energie-Waffenstillstands – obwohl staatliche Nachrichtenagenturen wie „TASS“ darüber berichteten. Bereits Mitte September hatte Trump einen Energie-Waffenstillstand in Aussicht gestellt und gesagt, dass es zwischen den Kriegsparteien eine Einigung gebe. Eine offizielle Bestätigung beider Seiten gab es darüber auch damals nicht. Die Hoffnung darauf erwies sich als kurzlebig.

Ukraine meldet Angriff auf Heizkraftwerk in Charkiw

Mittlerweile wirft die Ukraine Russland vor, bereits gegen den Energie-Waffenstillstand verstoßen zu haben. Selenskyj sprach von Angriffen auf die Stadt Charkiw im Osten des Landes mit Drohnen und Gleitbomben. Dabei habe es nach ukrainischen Angaben sechs Verletzte gegeben, zudem sei ein Heizkraftwerk getroffen worden.
Selenskyj hatte am Wochenende gesagt, dass Russland allein in der Vorwoche etwa 200 Energieanlagen in der Ukraine angegriffen habe. Zudem habe es 153 getötete und rund 700 verletzte Zivilisten gegeben. Russische Staatsmedien sprechen von einem Angriff auf ein militärisches Logistikzentrum in der Region Mykolajiw und ein Schiff in Tschornomorsk, das Militärgüter geladen habe. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Kritik im US-Kongress an Diesel-Deal mit Russland

Unterdessen gibt es aus dem US-Kongress Kritik an dem von Präsident Trump verkündeten Diesel-Deal mit Russland. Abgeordnete und Senatoren aus beiden Parteien signalisierten ihren Unmut über die Vereinbarung und die mit der Generallizenz des Finanzministeriums verbundene vorübergehende Aussetzung von Sanktionen.
Der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon äußerte am Freitag, es sei „nötig, niedrigere Dieselpreise für amerikanische Landwirte, Viehzüchter und Verbraucher zu erreichen“. Öl aus Russland zu kaufen sei jedoch die falsche Antwort. Der demokratische Senator Chris Van Hollen sprach von „einem strategischen Desaster nach dem anderen“. Erst habe Trump „einen dummen und illegalen Krieg gegen den Iran begonnen, der die Dieselpreise hochtrieb“. Jetzt wolle er „Putins illegalen Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren, indem er von ihm Diesel kauft“.
Der Whip der Republikaner im Senat, John Barrasso, sagte hingegen, der Präsident wolle sich lediglich seine Flexibilität erhalten, den Krieg zu beenden. Während die Vereinbarung die Möglichkeit gebe, Dieselpreise zu senken, schaffe sie auch einen „neuen Hebel für den Präsidenten, den er im Interesse einer langfristigen Friedenslösung gegen Putin nutzen könnte“. Sein Amtskollege im Repräsentantenhaus, Tom Emmer, äußerte, Trump höre lediglich auf die notleidenden Amerikaner. Er sei der „Präsident des Friedens“, seine jüngsten Schritte seien „ein weiteres Beispiel dafür, wie er ohne Scheuklappen denkt“.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Erneut Angriff in Saudi-Arabien: Ein Mensch auf Flughafen von Riad getötet

Bei einem Angriff am Sonntag auf den internationalen Flughafen der saudiarabischen Hauptstadt Riad ist ein Mensch getötet worden. Elf weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte die saudiarabische Luftfahrtbehörde im Onlinedienst X. Bei dem Getöteten handele es sich um einen Pakistaner. Das Ausmaß der Sachschäden werde noch ermittelt.
Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gegen die jemenitische Huthi-Miliz hatte zuvor mitgeteilt, ein Geschoss sei im Terminal 4 des Flughafens eingeschlagen und habe einen Brand ausgelöst. Die Luftabwehr habe zudem „einen Marschflugkörper in der Nähe des Flughafens abgefangen und zerstört“, teilte der Koalitionssprecher Turki al-Maliki mit.
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP und Bewohner Riads hatten zuvor zwei starke Explosionen gehört. „Das ganze Haus hat gebebt“, berichtete ein Mann aus dem Stadtviertel Al-Aarid im Norden der Hauptstadt. Nach Angaben von Anwohnern eilten zudem Rettungswagen zum Flughafen, der im Nordosten der Hauptstadt liegt. Gut eine Stunde später wurde Riad erneut von zwei heftigen Explosionen erschüttert.
Die Huthi-Miliz erklärte, sie habe seit Samstag mehrere Angriffe auf den Flughafen von Riad verübt. Der Huthi-Militärsprecher Jahja Saree erklärte, die Miliz habe in den vergangenen 24 Stunden vier „Operationen mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen ausgeführt“. Ziele waren demnach der Flughafen von Riad, der Flughafen von Dammam im Osten Saudi-Arabiens sowie zwei Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco.
Am Samstag waren bei einem Angriff auf den Flughafen von Riad nach saudiarabischen Angaben zwölf Menschen getötet und 309 weitere verletzt worden. Die indische Botschaft in Riad gab am Sonntag den Tod eines Inders bekannt, der bei dem Angriff verletzt worden war. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 13.
Der Flughafen ist seit Samstag geschlossen; die Schließung soll bis Montag 23.00 Uhr MESZ andauern, wie es auf der Website Flightradar24 hieß. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition machte die Huthi-Miliz für den Angriff verantwortlich und kündigte eine entschiedene Reaktion an.
Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Militärkoalition an, die die international anerkannte Regierung des Jemen im Kampf gegen die Huthis unterstützt. Die pro-iranische Miliz kontrolliert seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Zuletzt übernahm sie nach einer Blitzoffensive die Kontrolle über große Teile der Küste an der strategisch und wirtschaftlich wichtigen Meerenge Bab al-Mandab. (afp)
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Trump verkündet Energie-Waffenstillstand zwischen Russland und Ukraine


In Kürze:

  • US-Präsident Donald Trump verkündet einen sofort geltenden Energie-Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine, eine offizielle Bestätigung Moskaus liegt bislang nicht vor.
  • Kiew unterstützt die Vereinbarung, meldet jedoch einen russischen Angriff auf ein Heizkraftwerk in Charkiw.
  • Eine zuvor angekündigte Vereinbarung sieht Diesellieferungen aus Russland vor und sorgt für Kritik im US-Kongress.

 
US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag, 11. Oktober, einen „Energie-Waffenstillstand“ zwischen der Ukraine und Russland verkündet. Wie Trump auf Truth Social schrieb, sei dieser „sofort in Kraft“, beide Parteien hätten zugestimmt. In seinem Beitrag forderte Trump beide Seiten auch dazu auf, die Vereinbarung nicht zu brechen. Die Ukraine meldete unterdessen bereits einen weiteren russischen Angriff auf ein Heizkraftwerk.

Energie-Waffenstillstand folgt auf Diesel-Vereinbarung

Bereits am Freitag hatte der US-Präsident eine Vereinbarung mit Russland verkündet. Diese umfasse die „sofortige Freigabe von mehr als 300.000 Tonnen Diesel, um Sorgen bezüglich steigender Energiekosten infolge weltweiter Treibstoffengpässe entgegenzuwirken“. Die Vereinbarung folge einer „höchst erfolgreichen Unterredung“ mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Im November werde Russland „weitere 500.000 Tonnen freigeben und unmittelbar danach eine Million“. Danach sollen laut Trump in kurzer Zeit weitere drei Millionen Tonnen folgen.
Das Amt zur Kontrolle von Auslandsvermögen des US-Finanzministeriums erteilte am Freitag eine bis zum 7. April 2027 befristete Generallizenz. Sie erlaubt Geschäfte rund um Verkauf, Lieferung und Einfuhr von Diesel russischer Herkunft und soll so die Umsetzung der Vereinbarung ermöglichen. Am selben Tag hatten die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in Miami mit einer ukrainischen Delegation verhandelt.
Wie die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times unter Berufung auf Regierungsquellen berichtete, sollten die Unterhändler einen „neuen, umfassenden Vorschlag“ diskutieren. Dieser sei „auf alle Aspekte des Konflikts fokussiert und soll ein Ende des Krieges mit sich bringen“.

Selenskyj kritisiert Vereinbarung mit Moskau

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Vereinbarung mit Russland umgehend. Auf X schrieb er, Russland habe „den Krieg gewählt, und sie werden ihn erst beenden, wenn sie den Eindruck haben, ihre Fähigkeit, ihn zu führen, sei beeinträchtigt“. Die Dieselexporte würden es dem Kreml ermöglichen, mehr Waffen zu produzieren und mehr Söldner für den Krieg zu verpflichten. Er nannte die Vereinbarung eine „schwache Entscheidung starker Partner“.
US-Präsident Trump sagte daraufhin am Samstag, die Ukraine brauche einen neuen politischen Führer. Selenskyj habe „mehrfach“ die Chance gehabt, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden, und diese nicht genutzt. Mit seinem Verhalten schade er US-amerikanischen Bauern.
Trump äußerte: „Das ist ein Krieg, der nie hätte beginnen sollen, und ich denke, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt.“

Kiew unterstützt den Energie-Waffenstillstand

Selenskyj hatte nach der Ankündigung zunächst gesagt, er sei über den Energie-Waffenstillstand nicht informiert. Am Sonntag sagte er dann, die Ukraine unterstütze ihn. Auf X schrieb er, er habe darüber mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte, Kanadas Premierminister Mark Carney und Finnlands Präsident Alexander Stubb gesprochen.
In seinem Beitrag hieß es, die Ukraine „unterstützt den Waffenstillstand, und es ist wichtig, dass ihn auch Russland unterstützt“. Man erwarte Details von der amerikanischen Seite. Die Ukraine, so Selenskyj, „unterstützt immer vollständig alle Schritte zur Deeskalation, zum Schutz von Leben und Entscheidungen, die erforderlich sind, um den Krieg zu beenden und dauerhaften Frieden zu gewährleisten“.
Aus Russland gab es keine offiziellen Reaktionen auf die Ankündigung des Energie-Waffenstillstands – obwohl staatliche Nachrichtenagenturen wie „TASS“ darüber berichteten. Bereits Mitte September hatte Trump einen Energie-Waffenstillstand in Aussicht gestellt und gesagt, dass es zwischen den Kriegsparteien eine Einigung gebe. Eine offizielle Bestätigung beider Seiten gab es darüber auch damals nicht. Die Hoffnung darauf erwies sich als kurzlebig.

Ukraine meldet Angriff auf Heizkraftwerk in Charkiw

Mittlerweile wirft die Ukraine Russland vor, bereits gegen den Energie-Waffenstillstand verstoßen zu haben. Selenskyj sprach von Angriffen auf die Stadt Charkiw im Osten des Landes mit Drohnen und Gleitbomben. Dabei habe es nach ukrainischen Angaben sechs Verletzte gegeben, zudem sei ein Heizkraftwerk getroffen worden.
Selenskyj hatte am Wochenende gesagt, dass Russland allein in der Vorwoche etwa 200 Energieanlagen in der Ukraine angegriffen habe. Zudem habe es 153 getötete und rund 700 verletzte Zivilisten gegeben. Russische Staatsmedien sprechen von einem Angriff auf ein militärisches Logistikzentrum in der Region Mykolajiw und ein Schiff in Tschornomorsk, das Militärgüter geladen habe. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Kritik im US-Kongress an Diesel-Deal mit Russland

Unterdessen gibt es aus dem US-Kongress Kritik an dem von Präsident Trump verkündeten Diesel-Deal mit Russland. Abgeordnete und Senatoren aus beiden Parteien signalisierten ihren Unmut über die Vereinbarung und die mit der Generallizenz des Finanzministeriums verbundene vorübergehende Aussetzung von Sanktionen.
Der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon äußerte am Freitag, es sei „nötig, niedrigere Dieselpreise für amerikanische Landwirte, Viehzüchter und Verbraucher zu erreichen“. Öl aus Russland zu kaufen sei jedoch die falsche Antwort. Der demokratische Senator Chris Van Hollen sprach von „einem strategischen Desaster nach dem anderen“. Erst habe Trump „einen dummen und illegalen Krieg gegen den Iran begonnen, der die Dieselpreise hochtrieb“. Jetzt wolle er „Putins illegalen Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren, indem er von ihm Diesel kauft“.
Der Whip der Republikaner im Senat, John Barrasso, sagte hingegen, der Präsident wolle sich lediglich seine Flexibilität erhalten, den Krieg zu beenden. Während die Vereinbarung die Möglichkeit gebe, Dieselpreise zu senken, schaffe sie auch einen „neuen Hebel für den Präsidenten, den er im Interesse einer langfristigen Friedenslösung gegen Putin nutzen könnte“. Sein Amtskollege im Repräsentantenhaus, Tom Emmer, äußerte, Trump höre lediglich auf die notleidenden Amerikaner. Er sei der „Präsident des Friedens“, seine jüngsten Schritte seien „ein weiteres Beispiel dafür, wie er ohne Scheuklappen denkt“.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Auf dem Sprung nach Berlin: Schweitzer wird neuer Arbeitsminister

Nicht einmal zwei Jahre amtierte Schweitzer als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, da bedeutete die Landtagswahl im März auch schon wieder das Aus. Nach dem Wahlsieg der CDU nahm Schweitzer seinen Hut und ging in die zweite Reihe zurück – als Abgeordneter und SPD-Fraktionschef im Landtag.
Schweitzer hatte erst im Juli 2024, mitten in der laufenden Legislaturperiode, das Amt des Regierungschefs von seiner langjährigen Vorgängerin Malu Dreyer (SPD) übernommen. Eigentlich war es ein optimaler Start für den mit 2,06 Metern auffallend groß gewachsenen Sozialdemokraten: Der in Landau in der Pfalz geborene 53-Jährige erhielt damals bei der Ministerpräsidentenwahl im Landtag sogar mehr Stimmen, als die ihn tragende Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP Sitze hat. Am Ende reichte es nicht für eine weitere Amtszeit.
Schweitzer, der die ersten sechs Jahre seines Lebens auf Binnenschiffen verbrachte, gehört seit vielen Jahren zu den etablierten Politikern der Landespolitik. In SPD und Regierung bekleidete der 53-Jährige wichtige Ämter, vor seiner Wahl zu Dreyers Nachfolger war er Landesminister für Arbeit und Soziales.

Politischer Laufbahn

Der verheiratete Vater dreier Kinder gehört der SPD schon seit seiner Jugend an, führte in den 90er Jahren zeitweise den rheinland-pfälzischen Landesverband der Nachwuchsorganisation Jusos. Von 2006 bis 2009 und nach Unterbrechung erneut ab 2013 sitzt der vegan lebende Sozialdemokrat im Landtag.
Zwischen 2011 und 2013 war der Jurist und frühere Dozent einer Berufsakademie Generalsekretär der Landes-SPD. Seit Mai führt er nun wieder die SPD-Fraktion im Landtag, deren Chef er bereits von 2014 bis 2021 war. Schweitzer führt aktuell auch die Landes-SPD kommissarisch und ist einer der Vize-Chefs der Bundes-SPD.
Lange zurück liegt ein dunkler Fleck in seiner sonst tadellosen Laufbahn. 2014 geriet er als Gesundheitsminister unter Druck, weil er sich mit einem Anruf in einem Bewerbungsverfahren seines Schwagers eingeschaltet hatte – der Vorwurf der Vetternwirtschaft stand im Raum. Schweitzer, langjähriger Fan des Fußballvereins 1. FC Kaiserslautern, konnte diesen Vorwurf aber längst vergessen machen.
Für seine Amtsvorgängerin Malu Dreyer war Schweitzer „der richtige Mann“ in der Mainzer Staatskanzlei. Er habe durch seine vielen Ämter alle nötigen Erfahrungen und zudem die Fähigkeit, Menschen anzusprechen und zu begeistern, sagte sie damals.

Wahlniederlage

Auch nach seiner Wahlniederlage meldete sich Schweitzer aus Mainz zu Wort – und sparte dabei nicht mit Kritik am Berliner Koalitionspartner CDU und Kanzler Friedrich Merz. Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt Anfang September warf er Merz vor, dieser habe viele Menschen im Zuge der Reformdebatten durch „manche ungeschickte, aber nicht unabsichtliche Äußerungen vor den Kopf gestoßen“.
Und an anderer Stelle kritisierte er in Medien, „dass die Art, wie Friedrich Merz agiert, wie er Themen in die gesellschaftliche Debatte einbringt, dieser Bundesregierung nicht hilft“. Das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt hatte Schweitzer zufolge „sehr viel mit der Bundesregierung, ihrer Performance, aber natürlich auch mit dem Kanzler selbst zu tun“.
Auch in der Koalitionsdebatte um die Rentenreform, deretwegen die nun zurückgetretene Arbeitsministerin Bas erheblich unter Druck stand, sieht Schweitzer noch Diskussionsbedarf. Nach dem Wahldesaster in Sachsen-Anhalt forderte er Änderungen an dem rentenpolitischen Reformkurs der Bundesregierung.
Vorschläge, bei denen Menschen weniger von dem bekämen, was sie sich zuvor erarbeitet hätten, „dürfen von der SPD keine Unterstützung bekommen“, bekundete er. Als neuer Arbeitsminister kann sich der Zwei-Meter-Mann nun dafür in vorderster Front einsetzen. (afp/red)
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ticker wirtschaft

Plus 20 Prozent: Porto kann so stark steigen wie noch nie

Der Briefversand wird sich in Deutschland aller Voraussicht nach so stark verteuern wie noch nie. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte in Bonn ihren Plan, dem zufolge das Briefporto zum Januar 2027 um 20,35 Prozent steigen kann. Es geht um den „Preis-Erhöhungsspielraum“ – um diesen Wert soll die Deutsche Post die für die Jahre 2027 und 2028 prognostizierte Gesamtmenge aller Briefe und Postkarten verteuern dürfen.
2022 hatte der durchschnittliche Preisaufschlag 4,6 Prozent betragen; 2025 war mit 10,48 Prozent der bisherige Höchstwert erreicht worden, der sich mit dem neuen Vorhaben nun fast verdoppelt. Die eingeräumten Spielräume für Preiserhöhungen hat die Post bislang immer voll genutzt, das dürfte sie auch dieses Mal tun. Auch Pakete sollen spürbar teurer werden.

Porto für Standardbrief könnte auf 1,14 Euro steigen

Welche Briefart wie teuer wird, steht bislang nicht fest. Das entscheidet die Post später selbst. Sollte sie den Erhöhungsspielraum auf jede Briefart gleich anwenden, würde der Inlandsversand eines Standardbriefs ab Januar 1,14 Euro kosten. Möglicherweise geht die Post aber auch in 5-Cent-Schritten vor, dann werden es also 1,10 oder 1,15 Euro – und in einer anderen Briefart dann etwas mehr oder etwas weniger als der Durchschnittswert es ermöglicht. Bislang werden für einen bis zu 20 Gramm schweren Standardbrief 95 Cent fällig.
Seit 2012 hätte sich das Porto eines Standardbriefs damit in etwa verdoppelt, damals waren es 55 Cent. Neben dem Standardbrief gibt es noch den Maxibrief, Großbrief, Postkarten und weitere Briefarten.
Im Vergleich zu europäischen Nachbarstaaten ist der Briefversand noch relativ günstig. In Österreich liegt das Porto für einen Standardbrief bei einem Euro und in den Niederlanden bei 1,40 Euro. In Frankreich sind es 1,52 Euro – dort steht schon fest, dass das Porto für einen Standardbrief zum Jahreswechsel auf 1,67 Euro steigt.

Es werden immer weniger Briefe verschickt

Im Digitalzeitalter sinkt die Briefmenge seit langem, da die Firmen und Verbraucher immer stärker auf E-Mails und Chatnachrichten setzen. Wurden im Jahr 2005 in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefsendungen verschickt, so waren es 2025 nur noch knapp 9,4 Milliarden. Tendenz weiter sinkend. Die Kosten für die Post steigen hingegen, sie muss recht viele Briefkästen, Filialen und Postboten haben.
In anderen EU-Staaten ist der Wandel noch deutlicher, die Niederländische Post berichtet von einem Rückgang der Briefmenge um 70 Prozent binnen 20 Jahren. In Deutschland fiel der Strukturwandel der Postbranche zunächst vergleichsweise moderat aus, das ändert sich aber allmählich – immer mehr Post von Behörden und Firmen wird auf digitale Kanäle umgestellt.
„Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise“, sagt der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Nach seiner Darstellung wollte die Post einen noch kräftigeren Preisaufschlag genehmigt bekommen: Müller wies darauf hin, dass die Regulierungsbehörde unter den von der Post geforderten Anpassungen geblieben sei und diverse Positionen, die der Bonner Konzern geltend gemacht hat, nicht berücksichtigt habe.

 Neues Porto gilt für zwei Jahre

Die Deutsche Post darf das Porto nicht selbst festlegen, sondern sie ist auf die Zustimmung der Bundesnetzagentur angewiesen. Dies geschieht in einem mehrstufigen „Price-Cap-Maßgrößenverfahren“: Nach dem nun publizierten Entwurf des Erhöhungsspielraums wird die Branche konsultiert, nach den Wortmeldungen der Logistiker legt die Regulierungsbehörde die Vorgabe fest. Danach entscheidet die Post, welche Briefart im Rahmen dieses Erhöhungsspielraums wie teuer wird. Das wiederum prüft die Bundesnetzagentur und gibt dann das Porto für 2027 frei.
Neben den Briefen geht es bei den geplanten Preiserhöhungen auch um Porti für Pakete und für Geschäftskunden-Sendungen, also Post von Firmen und Behörden. Diese sollen ebenfalls steigen – bei Paketen um 10,72 Prozent und damit ebenfalls deutlich höher als vor zwei Jahren, als es 7,21 Prozent gewesen waren. Bei der Geschäftskunden-Post schlägt die Bundesnetzagentur einen Erhöhungsspielraum von ebenfalls 20,35 Prozent vor – es ist der gleiche Wert wie bei Privatkunden. Die neuen Porti gelten für die Jahre 2027 und 2028.

Deutsche Post und DHL sind Marktführer

Die Deutsche Post ist hierzulande mit großem Abstand Marktführer bei Briefen und Paketen. Zu den kleineren Brief-Konkurrenten gehören die Citipost aus Hannover, die Pin Mail GmbH aus Berlin und die BWPost aus Stuttgart – keiner von ihnen ist bundesweit tätig, vielmehr sind sie bei der bundesweiten Zustellung auf den Konkurrenten Deutsche Post angewiesen und zahlen dafür Geld. Zu den Paketkonkurrenten gehören Hermes, DPD, GLS und UPS.
All diese Wettbewerber des Bonner DHL-Konzerns, dessen deutsches Stammgeschäft Deutsche Post AG heißt, sind nicht an die Portovorgaben der Bundesnetzagentur gebunden, da sie kein Universaldienstleister sind – sie haben sich also nicht verpflichtet, überall in Deutschland Sendungen auszutragen und ein engmaschiges Netz an Infrastruktur zu betreiben.
Die Deutsche Post macht circa 85 Prozent ihres Briefgeschäfts mit Firmen- und Behördenkunden und 15 Prozent mit Privatkunden. Unter dem Begriff Privatkunden sind die Briefe gemeint, die in Briefkästen eingeworfen oder in Filialen abgegeben werden – es geht also auch um Sendungen von Steuerberatern, Anwälten, Vereinen und anderen kleinen Firmen, die ihre Briefe selbst frankieren und selbst zum Briefkasten oder in die Filiale bringen.
Bei der Beförderung und Zustellung von Briefen hat die Post einen gewissen Zeitdruck. 95 Prozent der heute eingeworfenen Sendungen müssen nach drei Werktagen beim Empfänger sein und 99 Prozent nach vier Werktagen. Diese staatliche Vorschrift gilt seit Anfang 2025, vorher war der Zeitdruck höher. (dpa/red)
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Ministerpräsident Schnieder weist Mitschuld-Vorwürfe nach Bas-Rücktritt zurück

CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Gordon Schnieder zeigte Verständnis für die persönliche Entscheidung der SPD-Politikerin, wies jedoch ihre Kritik am politischen Umgang mit ihr entschieden zurück. „Also den Teil der Erklärung kann ich da nicht nachvollziehen. Das muss man dann auch aushalten“, sagte er dem Fernsehsender „Welt“. Wenn man Vereinbarungen nicht einhalte, wenn man auch entsprechende Entwürfe nicht auf den Tisch lege, wenn man damit nicht ins Kabinett gehe, dann müsse man sich irgendwann fragen lassen, warum das nicht so sei.
Mit dem Ausscheiden von Bas sieht Schnieder nun die SPD in der Pflicht, die seit Monaten diskutierte Rentenreform endlich vorzulegen. „Es gibt eine klare Vereinbarung im Koalitionsvertrag. Es gibt auch klare Zusagen im Koalitionsausschuss. Diese Rentenreform müssen wir durchbringen. Wir brauchen Beitragsstabilität und wir brauchen endlich auch für die Menschen im Land eine Zukunftsperspektive, nämlich dass Altersvorsorge künftig gesichert ist und besser wird als das, was wir jetzt haben. Der Entwurf ist von Bärbel Bas nie vorgelegt worden. Die SPD ist aufgefordert, das zu tun.“
Ob Bas die zentrale Bremserin der Reform gewesen sei, wollte Schnieder zwar nicht bestätigen, allerdings stellte er fest: „Wir warten auf die entsprechenden Entwürfe und die müssen kommen, und die müssen aus ihrem Haus kommen oder sollten aus ihrem Haus kommen. Und jetzt ist die Nachfolgerin oder der Nachfolger aufgefordert, das jetzt in die Hände zu nehmen.“ (dts/red)
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Arztgeheimnis, Staatstrojaner, KI: Was die Geheimdienstreform für Bürger bedeutet


In Kürze:

  • Die Bundesregierung will BND und Verfassungsschutz mehr Befugnisse zur Abwehr von Spionage, Sabotage und hybriden Angriffen geben.
  • Geplant sind unter anderem Staatstrojaner, KI-gestützte Datenanalysen und erweiterte biometrische Abgleiche.
  • Kritiker warnen vor Eingriffen in Grundrechte, ärztliche Vertraulichkeit und Datenschutz. Der Bundestag berät noch, verfassungsrechtliche Fragen sind offen.

 
Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am 6. Oktober unter Spionageverdacht festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem landesverräterische Ausspähung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit vor. Hanning sitzt in Untersuchungshaft und bestreitet die Vorwürfe über seinen Anwalt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Über den Fall wurde international berichtet. Er wirft Fragen auf: Wie gut sind Staatsgeheimnisse beim BND geschützt? Was muss bei den deutschen Nachrichtendiensten geändert werden?

Reform schon länger geplant

Doch es bedurfte gar nicht erst des Falls Hanning, um bei der Bundesregierung ein Nachdenken über Reformen bei den Geheimdiensten auszulösen. Diese hatten CDU/CSU und SPD bereits in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt. Als Anlass für die geplanten Änderungen nennt die Bundesregierung, dass die „staatliche Souveränität“ und das „Gemeinwesen“ vermehrt mit Bedrohungen aus dem In- und Ausland „konfrontiert“ seien.
Die Bundesregierung nennt vermehrte Spionage, Sabotage und sogenannte hybride Angriffe. Deshalb benötigten das Bundesamt für Verfassungsschutz und der BND „zeitgemäße Befugnisse“, „um wirksam agieren zu können“.
Am 12. August beschloss das Bundeskabinett den Gesetzentwurf von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) und brachte ihn am 24. September im Bundestag zur ersten Lesung ein. Hauptziel der Reform ist es, den BND und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) von reinen Informationssammlern zu Geheimdiensten mit Handlungsbefugnissen umzubauen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Nachrichtendienst“ und „Geheimdienst“ oft gleichbedeutend verwendet. Selbst die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages bezeichnen die deutschen Nachrichtendienste in einer Ausarbeitung als „Geheimdienste“.
Streng genommen gibt es jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Begriffen: Ein Nachrichtendienst sammelt lediglich Informationen und wertet sie aus, ein Geheimdienst geht weiter und nutzt die Informationen für eigene aktive Operationen, um Gegner oder Angriffe auszuschalten. Insbesondere der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad ist mit solchen Operationen bekannt geworden. Künftig sollen auch die beiden wichtigsten deutschen Nachrichtendienste zu solchen Geheimdiensten umgestaltet werden.
In der Debatte im Bundestag am 24. September sprach die für den BND zuständige Kanzleramtsministerin Warken von der „größten Novellierung“ des Nachrichtendienstrechts in der Geschichte des Landes. Deutschland sei ständiges Ziel hybrider Angriffe geworden, die eine akute Gefahr darstellten. Dabei habe man sich bislang zu häufig darauf verlassen, „dass unsere Sicherheit von unseren Partnern gewährleistet wird“. Mit der Reform würden die deutschen Nachrichtendienste nun konkurrenzfähiger gemacht, so Warken weiter. Dazu würden ihre Aufklärungsbefugnisse gestärkt, damit der BND und das BfV Bedrohungen rechtzeitig entdecken könnten.
Warken sagte zudem, die Reform sehe auch die Anwendung aktiver Maßnahmen vor, etwa die Abschaltung der Server von staatlichen Hackergruppen. Es wäre ihrer Meinung nach nicht vertretbar, wenn der BND bei einer besonders relevanten Bedrohung, die von anderen Stellen nicht abgewendet werden könne, tatenlos zusehen würde.

Bald „echte“ Geheimdienste?

Bundesinnenminister Dobrindt sagte, mit dem Reformgesetz lege die Bundesregierung den „Grundstein für eine neue Zeitrechnung bei den Nachrichtendiensten“, die zu „echten Geheimdiensten“ würden. „Aus Informationsbeschaffung über Bedrohungen wird echte Abwehr von Gefahren, Anschlägen und Terror – das ist Schutz von Land, Bevölkerung und Demokratie.“
Der Inlandsnachrichtendienst, offiziell Verfassungsschutz genannt, ist bisher vielschichtig organisiert. Es gibt zum einen das Bundesamt für Verfassungsschutz und zum anderen 16 Landesämter (LfV), für jedes Bundesland eines. Diese Behörden arbeiten sowohl autonom als auch untereinander zusammen. Ihre Struktur ist uneinheitlich. Die LfV sind teilweise unmittelbar im jeweiligen Landesinnenministerium angesiedelt oder als eigenständige Landesoberbehörde dem jeweiligen Innenministerium nachgeordnet.
Der für das Ausland zuständige BND hat bisher die Aufgabe, „im Ausland Informationen zu sammeln, die von außen- oder sicherheitspolitischer Bedeutung“ für Deutschland sind. BND-Mitarbeiter sind zum Beispiel in jeder deutschen Botschaft im Ausland vertreten.
Der dritte Nachrichtendienst ist in erster Linie für die Bundeswehr relevant: Das Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst (BAMAD) klärt unter Soldaten und Zivilangestellten der Bundeswehr extremistische und sicherheitsgefährdende Handlungen oder Denkweisen auf. Ergeben sich Schnittstellen mit dem Verfassungsschutz, informiert das BAMAD den Inlandsgeheimdienst entsprechend.

Was bringt die Reform für die Bürger?

Einerseits soll ein erhöhter Schutz vor digitalen Bedrohungen hergestellt werden, andererseits könnte das Gesetz tiefgreifende Einschnitte in die digitalen und privaten Freiheitsrechte jedes Einzelnen nach sich ziehen. Die technischen Aufklärungsmöglichkeiten sollen laut Gesetzentwurf umfassend ausgeweitet werden.

Staatstrojaner

Der Verfassungsschutz und der BND sollen bei konkreten Gefährdungslagen gezielt Staatstrojaner einsetzen können, um Smartphones und Computer zu infiltrieren. Juristisch spricht man dabei von Quellen-Telekommunikationsüberwachung beziehungsweise Online-Durchsuchung. Entsprechende Passagen finden sich in den Entwürfen für die einzelnen Nachrichtendienstgesetze.
Die Befugnisse für Online-Durchsuchungen sind unter anderem in den §§ 23, 25 und 26 des Entwurfs zum Bundesverfassungsschutzgesetz (BVerfSchG-E) geregelt. Die Regelungen für den BND finden sich in den §§ 37 bis 39 des Entwurfs zum BND-Gesetz.
Künftig könnte damit die Kommunikation auf den Geräten überwachter Personen inklusive verschlüsselter Messenger-Apps wie WhatsApp oder Signal mitgelesen und ausgewertet werden. Chats, Fotos und Standortdaten wären für die Dienste dann einsehbar.
Laut Bundesregierung reicht das Spektrum von wenig eingriffsintensiven Maßnahmen, etwa gegen einen intelligenten Kühlschrank, bis zu erheblich eingriffsintensiven, etwa gegen ein privat genutztes Mobiltelefon. Auch elterliche Kontroll-Apps oder Familien-Sicherheitssysteme könnten erfasst werden.
Für die Installation der Spionagesoftware könnte zudem das heimliche Betreten von Wohnungen nötig werden. Kritiker sehen darin eine erhebliche Aufweichung der Unverletzlichkeit der Wohnung. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio warf der Bundesregierung vor, eine „Geheimpolizei“ zu ermöglichen. Der Verfassungsschutz werde damit seiner Meinung nach „zur Stasi 2.0 umgebaut“.

Wie erhält man Auskunft über gesammelte Daten?

Wer sich überwacht fühlt, hat ein grundsätzliches Auskunftsrecht. Nach § 15 BVerfSchG-E kann auf Antrag Auskunft über gespeicherte Daten verlangt werden. Allerdings muss die betroffene Person auf einen konkreten Sachverhalt hinweisen und ein besonderes Interesse darlegen. Zudem sieht der Entwurf weitreichende Ausnahmen vor, in denen eine Auskunft unterbleiben kann.
Diese sind allgemein formuliert, etwa mit dem Hinweis auf eine Gefährdung der Aufgabenerfüllung oder des Quellenschutzes, und könnten daher von der Behörde vielfach als Grund für eine Auskunftsverweigerung angeführt werden. Im Entwurf des BND-Gesetzes ist dies in § 9 unter Verweis auf § 15 BVerfSchG-E geregelt.

KI zur Datenanalyse

Der Gesetzentwurf schafft erstmals eine explizite, eigenständige Rechtsgrundlage für den Einsatz von KI-Systemen durch deutsche Nachrichtendienste. Damit sollen riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeitet werden. Dies könnte zum Beispiel dazu führen, dass auch unbescholtene Bürger ins Visier eines Geheimdienstes geraten, ohne etwas falsch gemacht zu haben.

Biometrischer Datenabgleich

Auch die „Verwendung von Tools für den biometrischen Abgleich von Bilddaten“ soll erleichtert werden. Der gemeinnützige Verein Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) kritisierte bereits vor Vorlage des Gesetzentwurfs mit Verweis auf die KI-Verordnung der EU (AI Act), dass künftig massenhaft Daten völlig unbeteiligter Menschen abgeglichen würden. Die GFF verweist auf das sogenannte Flächendeckungsverbot, das das Bundesverfassungsgericht in einem Beschluss aus dem Jahr 2018 formuliert hat. Es soll verhindern, „dass der Staat ohne hinreichenden Anlass den gesamten öffentlichen Raum nach potenziellen Treffern durchsucht“, so die GFF.

Arztgeheimnis betroffen

Anders als Rechtsanwälte, Strafverteidiger, Geistliche oder Abgeordnete sollen künftig Ärzte und Psychotherapeuten abgehört und überwacht werden können. Nach § 32 BVerfSchG-E sollen dem Inlandsgeheimdienst Befugnisse eingeräumt werden, die er bisher nicht hatte. So sollen Patientengespräche in Praxen abgehört und aufgezeichnet werden können, indem der Geheimdienst die Praxisräume zuvor heimlich betritt und Abhörgeräte installiert.
Diese Maßnahmen sollen möglich werden, wenn das öffentliche Aufklärungsinteresse des Staates im Fall von Verdacht auf Terrorismus, Spionage oder andere Bedrohungen größer ist als das Vertraulichkeitsinteresse von Patient und Arzt. Dagegen gibt es Protest aus der Ärzteschaft.
Die Bundesärztekammer etwa warnte vor einer Untergrabung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. Wenn Patienten intimste oder psychische Probleme aus Angst vor staatlicher Überwachung verschweigen würden, gefährde dies die medizinische Behandlung.

Aufweichung des Trennungsgebots

Eine weitere wesentliche Änderung findet sich in § 59 BVerfSchG-E. Bisher gilt ein Trennungsgebot zwischen der Polizei, die eingreifen darf, und den Nachrichtendiensten, die nur beobachten dürfen. Dieses Prinzip soll aufgeweicht werden. Den Verfassungsschützern soll bei terroristischen oder hybriden Bedrohungen erlaubt werden, „aktive Schutzmaßnahmen“ zu ergreifen, um Gefahren abzuwehren, wie die Bundesregierung auf ihrer Website schreibt.
Wörtlich heißt es dort: Wenn die Dienste „Gefahren erkennen, die andere Stellen – etwa die Polizei – nicht gleichermaßen wirksam abwehren können, sollen die Nachrichtendienste künftig in engen Grenzen selbst eingreifen können. Das kann etwa das Abschalten eines ausländischen Servers sein, von dem aus ein Cyberangriff unmittelbar bevorsteht.“

Kontrolle soll gebündelt werden

Auf derselben Seite verweist die Bundesregierung darauf, dass der Unabhängige Kontrollrat die Zuständigkeit für alle Nachrichtendienste des Bundes erhalten soll. „Damit soll die aktuelle Zersplitterung der Rechtskontrolle aufgehoben und eine stringente gerichtsähnliche Spruchpraxis ermöglicht werden“, heißt es weiter.
Dabei soll der Kontrollrat „besonders eingriffsintensive Einzelmaßnahmen der Nachrichtendienste“ vorab genehmigen. Das Gesetz über das Parlamentarische Kontrollgremium bleibe von der Novelle unberührt.

Muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden?

Über den Gesetzentwurf, der mehr als 600 Seiten umfasst, wird weiter im Bundestag beraten, zumal auch der Bundesrat Einwände erhoben hat. Da das Vorhaben erhebliche verfassungsrechtliche Fragen aufwirft, kann es dazu kommen, dass letztlich das Bundesverfassungsgericht die endgültigen Grenzen der Geheimdienstreform stecken muss.