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Die Erfolgsgeschichte hinter dem „KI-Paten“ Jensen Huang

Silicon Valley – seit jeher ein Ort, an dem die Karriere über allem steht, die Wiege vieler Erfolgsgeschichten, zumindest was Innovation betrifft. In diesen Kreisen spricht man eher über Bewertungen, Finanzierungen und das nächste Produkt, das die Welt verändern soll – nicht aber über Liebe und Familie.
In dieser Hinsicht sticht Jensen Huang, einer der „KI-Paten“ des Silicon Valley und Geschäftsführer des US-Halbleiterunternehmens NVIDIA – dem Unternehmen mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung – aus der breiten Masse hervor. Der gebürtige Taiwaner ist eine seltene Ausnahmeerscheinung.
Doch das ist noch nicht alles. Wenn Huang die Bühne betritt oder ein Interview gibt, ja, sogar im Gedränge auf dem Nachtmarkt in der Altstadt von Taipeh, wenn er von Leuten und Medien umringt ist, trägt er stets dieselbe schwarze Lederjacke. Sie ist längst zu seinem unbestrittenen Markenzeichen geworden, das seinesgleichen sucht. Diese Lederjacke hat er sich jedoch nicht selbst ausgesucht. Ausschlaggebend war seine Frau Lori.

Nvidia-CEO Jensen Huang (M.) spricht am 8. Juni 2026 in einem Hotel in Seoul nach einem Treffen mit Führungskräften koreanischer KI- und Robotik-Start-ups mit Reportern.

Foto: Jung Yeon-je/AFP

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Huang wurde im Jahr 1963 in Tainan geboren. In seiner Jugend schickten ihn seine Eltern in die USA, wo er eine bessere Ausbildung bekommen sollte. Nach seiner Ankunft in der Fremde besuchte er zunächst ein Internat in Kentucky – das waren harte und unangenehme Jahre. Weder sprach er die Sprache, noch kannte er die Kultur. Angehörige? Fehlanzeige. Doch der junge Mann ließ sich nicht unterkriegen.
Nach seinem Schulabschluss wurde er an der Oregon State University zum Studium der Elektrotechnik zugelassen. Um das Studium und seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, jobbte er in der amerikanischen Fast-Food-Kette „Denny’s“, wo er als Tellerwäscher begann. Die Restaurantkette ist bekannt für ihre Pfannkuchen, den billigen Kaffee, das leicht gedämpfte Licht und Öffnungszeiten rund um die Uhr.
Niemand hätte gedacht, dass dieser taiwanische Jugendliche, der mit den Tabletts hantierte, eines Tages an einen Tisch derselben Restaurantkette zurückkehren würde, um auf einem Notizblock den Namen eines Unternehmens zu schreiben, das später den Kurs der gesamten Technologiebranche verändern würde.
Zu Beginn seiner Karriere war er ein 17-jähriger mittelloser Student, der mitten im Küchendunst lernte, wie man Gäste auf Englisch mit „Guten Morgen“ begrüßt.

Ein Rendezvous für Hausaufgaben

Rückblick: 1980, Oregon State University, ein Vorlesungssaal für Elektrotechnik. Huang war der jüngste Student seines Jahrgangs. Unter den insgesamt 250 Studenten gab es lediglich drei Frauen – eine seltene Spezies, um die sich die Männer damals rissen. Der 17-Jährige war nicht besonders groß. Mit seinem kindlichen Gesicht inmitten einer Gruppe erwachsener Kommilitonen wirkte er etwas fehl am Platz. Genau in jenem Hörsaal fiel ihm ein Mädchen namens Lori Mills ins Auge, 19 Jahre. Sie war eine der drei Studentinnen.

Jensen Huang, Präsident und Geschäftsführer von NVIDIA, nimmt mit seiner Frau Lori Huang an der 12. Verleihung der Breakthrough Prize Awards im Buck Hangar in Santa Monica, Kalifornien, teil.

Foto: Emma McIntyre/Getty Images

Als Huang später in einer Rede an der Hongkong-Universität für Wissenschaft und Technik von dieser Begegnung erzählte, wirkte er ganz ungezwungen und locker. Unter den Zuschauern brach sogar Gelächter aus. Warum? Huang erzählte, dass ihm klar gewesen sei, dass er rein optisch keinerlei Vorteile gehabt habe und auch sportlich nicht mit den großen, kräftigen weißen Jungs mithalten konnte. Wenn Lori also einen guten Eindruck von ihm gewinnen sollte, bliebe ihm nur ein einziger Weg: Er müsse intelligent wirken. Also ging er auf sie zu, fasste sich ein Herz und gab seinen sorgfältig durchdachten Anmachspruch zum Besten: „Willst du meine Hausaufgaben sehen?“
Das Mädchen war verblüfft. Daraufhin schlug der junge Student ihr einen Deal vor: Wenn Lori jeden Sonntag mit ihm die Hausaufgaben machen würde, würde er garantieren, dass sie in den Tests immer gute Noten bekäme.
Er konnte spüren, dass das Mädchen ins Wanken geriet. Dieser Anmachspruch war zwar alles andere als romantisch, sogar ein wenig lächerlich, doch Huang blieb seinem Plan treu. Er erledigte die Hausaufgaben bereits im Voraus – und wenn er sonntags mit Lori die Lösungen verglich, waren alle seine Antworten richtig, sodass er wie ein Genie wirkte. In der heutigen Sprache glich dies einer sorgfältig inszenierten „Produktpräsentation“. Er nutzte sein Wissen als größtes Verkaufsargument und verpackte es als Service, den er jeden Sonntag regelmäßig erbrachte.
Jeden Sonntag saßen die beiden beieinander und machten ihre Hausaufgaben. Im Anschluss unterhielten sie sich noch eine Weile. Und auch wenn das Gespräch vorbei war, blieben die beiden einfach weiter dort. Jensen Huang erzählte später, dass er alles darangesetzt habe, die Hausaufgaben in die Länge zu ziehen.

Ein Versprechen mit Zwanzig

Aus einer Lernpartnerschaft wurde ein Liebespaar. Huang wusste, dass die gemeinsamen Hausaufgaben am Sonntag allein nicht ausreichten. Er musste Lori eine Zukunftsperspektive bieten, die weit über den Moment hinausging. Also tat er etwas nahezu Verrücktes. Er sagte zu Lori: „Ich bin jetzt erst 20, aber ich möchte, dass du weißt: Wenn ich 30 bin, werde ich mein eigenes Unternehmen leiten.“

Jensen Huang gibt Besuchern Autogramme während seines Besuchs auf der Computex 2026 in Taipeh am 3. Juni 2026.

Foto: I-Hwa Cheng/AFP

Später gab er zu: „Ich hatte keine Ahnung, wovon ich damals sprach.“ – Aber Lori behielt diese Aussage im Hinterkopf.
Sie blieben zusammen – von der Universität bis zum Abschluss, von Oregon bis hin zu ihren jeweiligen beruflichen Laufbahnen. Lori studierte Ingenieurwesen und begann nach ihrem Abschluss, bei Hewlett-Packard im Bereich Chipdesign zu arbeiten. Sie verband persönliche Ausstrahlung mit fachlicher Kompetenz und gestaltete ihre berufliche Laufbahn eigenständig.
Warum entschied sie sich für Huang?
Nicht, weil er reich war, denn damals hatte er keinen Cent; und auch nicht, weil er berühmt war, denn damals kannte ihn noch niemand. Sie entschied sich für ihn, weil sie etwas in den Augen dieses jungen Mannes wahrnahm – eine Entschlossenheit, jene Gewissheit, dass „es zwar jetzt noch nichts gibt, es aber bestimmt kommen wird“.

Karriere und Familie

Im Jahr 1985 ließen sich die beiden trauen, nachdem sie bereits fünf Jahre ein Paar gewesen waren. Damals war Huang 22, Lori 24 Jahre alt. Nach der Hochzeit zog sich Lori nach und nach aus ihrem Berufsleben zurück und konzentrierte sich ganz auf die Familie. Das war keine leichte Entscheidung, aber sie traf sie aus freien Stücken. Ihr war klar: Dieser Mann war beruflich extrem engagiert, im Privatleben jedoch äußerst unbekümmert – er brauchte jemanden, der ihm den Rücken freihielt.
Huang hasste es, einzukaufen; er hasste es, sich Gedanken über seine Kleidung zu machen, und empfand es sogar als lästig, eine Uhr zu tragen, weil er gerne im Hier und Jetzt lebte. Nach Aussage seiner Frau empfand er nahezu jedes Kleidungsstück als unbequem oder kratzend. Daher traf sie eine äußerst pragmatische Entscheidung: Wenn es einmal ein Kleidungsstück gab, das bequem saß, kaufte sie gleich mehrere davon, um sich zukünftigen Ärger zu ersparen.
Seitdem hängt in seinem Kleiderschrank eine ganze Reihe identischer schwarzer Oberteile, ordentlich aufgereiht wie eine Uniform.
Später kam noch jene schwarze Lederjacke hinzu. Jedes Mal, wenn er die Bühne betritt oder ein Interview gibt, trägt er sie. Im Laufe von über zwanzig Jahren ist diese Lederjacke zu einem der weltweit bekanntesten Markenzeichen des Unternehmers geworden.

Huangs Frau Lori (2. v. l. in gelber Jacke) und seine Tochter (3. v. l.) beim Besuch der Taipei Computer Show 2024.

Foto: NTDTV

„Ich bin froh, dass meine Frau und meine Tochter mich einkleiden“, so Huang. Seine Worte wirken weder widerwillig noch ironisch, sondern vermitteln vor allem Dankbarkeit für die Unterstützung, die er im Alltag erfährt.
Der berühmten Lederjacke hat er einen Namen gegeben: „Die Rache der Nerds.“ Denn Ingenieure sollten eigentlich nicht so cool aussehen.

Der Morgen der Erfüllung

Am 5. April 1993 sitzt Huang in einem „Denny’s Fast Food“-Restaurant im Osten von San José, Kalifornien, mit zwei befreundeten Ingenieuren an einem Tisch. Er schreibt den Namen des Unternehmens auf einen Zettel. 600 US-Dollar hat er zusammengekratzt, um den Anwalt zu bezahlen. Mit der Registrierung legte Huang den Grundstein für das Unternehmen NVIDIA und übernahm sogleich den Posten des Geschäftsführers.
Die ersten Jahre bei NVIDIA verliefen alles andere als reibungslos. Das Unternehmen stand mehrmals kurz vor dem Bankrott. Huang gab offen zu, dass er selbst als externer Investor wahrscheinlich kein Geld in das Unternehmen gesteckt hätte. Der Weg vom mittellosen Studenten hin zum späteren, gefragtesten Technologieführer im Silicon Valley dauerte ganze zehn Jahre.
In jenen Jahren widmete er fast seine gesamte Energie dem Unternehmen, wobei Lori ihm den Rücken freihielt und alle Aufgaben in Familie und Haushalt auf sich nahm.

Im Hier und Jetzt

Jensen und Lori Huang haben zwei Kinder, den Sohn Spencer und die Tochter Madison. Die Familie hat gemeinsam die schwierigsten Zeiten des Unternehmens durchgestanden. Als das Unternehmen schließlich Geschichte schrieb, entschieden sich auch die Kinder, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und sein Lebenswerk fortzuführen. Spencer ist Senior Produktmanager im Bereich Robotiksimulation und Madison ist Marketingdirektorin. In dem Familienunternehmen sind sowohl der Zusammenhalt als auch die gemeinsamen Überzeugungen tief verwurzelt.

Spencer (3. v. l.) und Madison (4. v. l.) Huang bei einem Besuch der Computex Taipei 2024.

Foto: NTDTV

Madison kümmert sich um das äußere Erscheinungsbild ihres Vaters, so wie sich ihre Mutter Lori einst um seine Kleidung gekümmert hat.
Im Jahr 2007 gründeten Jensen und Lori Huang gemeinsam eine Stiftung, die sich für wohltätige Zwecke in den Bereichen Medizin, Wissenschaft und Bildung einsetzt. Dieses Projekt liegt dem Paar sehr am Herzen – es ist kein Nebenschauplatz der Karriere des Mannes, sondern eine bewusst getroffene Entscheidung beider. Die Stiftung arbeitet seit vielen Jahren im Hintergrund und unterstützt Forschungsprojekte an zahlreichen Universitäten an der Westküste.
Blickt man zurück auf jene Erklärung, die Huang mit 20 Jahren abgab – „Wenn ich 30 bin, werde ich mein eigenes Unternehmen leiten“ –, so hat er sein Versprechen tatsächlich gehalten.
In den vergangenen 46 Jahren gab es keine Skandale, keine Turbulenzen, nur eine schwarze Lederjacke, deren Schnitt seit 40 Jahren unverändert geblieben ist, sowie eine Frau, die ihn von den Vorlesungssälen der Universität bis heute begleitet hat.
 
Dieser Artikel erschien zuerst in der chinesischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sua)
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