Categories
deutschland ticker

Weimer: Regierung in Sachsen-Anhalt könnte im Amt bleiben

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hält es für möglich, dass die CDU-geführte Regierung in Sachsen-Anhalt selbst im Falle einer Niederlage bei der Landtagswahl langfristig geschäftsführend im Amt bleiben könnte.
Das sagte Weimer dem „Stern“. Er prognostizierte, dass die AfD es nicht schaffen werde, die absolute Mehrheit der Mandate zu bekommen. Das bedeute, dass sie nicht mitmachen würden.
Aus seiner Sicht sei ein sehr wahrscheinliches Szenario, dass einfach ein Amtsinhaber im Amt bleibe, weil das Parlament keinen neuen Ministerpräsidenten wähle. „Muss es ja auch nicht“, sagte Weimer. „Und wenn diese Regierung im Amt bleibt, dann bleibt sie eben noch.“

Keine Frist für Wahl des Ministerpräsidenten

In Sachsen-Anhalt sind Ministerpräsidenten und Minister verpflichtet, die Geschäfte bis zur Amtsübernahme durch die Nachfolger weiterzuführen. Für den ersten Wahlgang zur Wahl des Ministerpräsidenten gibt es keine Frist.
Erhält in diesem Wahlgang niemand diese Mehrheit, muss innerhalb von sieben Tagen ein neuer Wahlgang stattfinden.
Kommt auch in diesem Wahlgang die Wahl nicht mit der Mehrheit der Mitglieder zustande, muss der Landtag innerhalb von weiteren vierzehn Tagen entscheiden, ob die Wahlperiode beendet wird oder ob es einem weiteren Wahlgang geben soll.
Gewählt ist in diesem Wahlgang, wer die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält.

CDU liegt in Umfragen deutlich hinter AfD

Mit einer Annäherung der CDU an die AfD rechnet Weimer nicht. Er habe großes Vertrauen in den Landesverband der CDU in Sachsen-Anhalt, dass er das stabil halte.
In Umfragen liegt die CDU in Sachsen-Anhalt deutlich hinter der AfD. Die Landtagswahl findet am 6. September statt. Die Führung der Union blickt mit zunehmender Nervosität auf die Frage, was nach der Wahl im Magdeburger Landtag passiert. Auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wird im September gewählt.
Nach Ansicht Weimers werde es die AfD nirgends an die Macht schaffen. „In allen drei Ländern wird die AfD am Ende wieder bedeutungslos sein“, sagte er. (dts/red)
Categories
ticker

16.07.2026 | Liebich in Männergefängnis verlegt | Waldbrand im Müritz-Nationalpark wächst | KKW-Chefingenieur von Saporischschja getötet

HEUTE8:55 Uhr

Liebich in Männergefängnis verlegt

Obwohl Marla Svenja Liebich offiziell als Frau gilt, soll sie ihre Haftstrafe in einem Gefängnis für Männer verbüßen. Das habe die Anstaltsleitung im Frauengefängnis in Chemnitz entschieden, teilte das sächsische Justizministerium mit. Noch am selben Tag sei sie in die Justizvollzugsanstalt Zeithain im Landkreis Meißen verlegt worden, hieß es. Es sei auch um die Sicherheit der Frauen im Justizvollzug in Chemnitz gegangen.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE8:54 Uhr

Deutlich mehr E-Scooter-Unfälle und mehr Tote

Die Polizei registrierte 2025 etwa 16.500 E-Scooter-Unfälle, laut dem Statistischen Bundesamt knapp 40 Prozent mehr als 2024. 38 Menschen starben bei den Unfällen (2024: 27). Etwa 1.900 wurden Menschen schwer und rund 16.200 Menschen leicht verletzt. 82 Prozent der Verunglückten seien selbst mit einem E-Scooter unterwegs gewesen, darunter 33 der 38 Todesopfer.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE8:35 Uhr

Essen auf Rädern: Uber übernimmt Delivery Hero

Der US-Fahrdienstleister Uber übernimmt den deutschen Essenslieferdienst Delivery Hero für eine Milliardensumme. Das im MDax notierte Unternehmen bestätigte, dass es sich mit dem US-Konzern zusammenschließt. Uber hat sich verpflichtet, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin beizubehalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der dortigen Belegschaft vorzunehmen.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE8:27 Uhr

Gewinn von Chiphersteller TSMC steigt um 77,4 Prozent

Der KI-Boom hat dem Chiphersteller TSMC im zweiten Quartal ein Gewinnplus von 77,4 Prozent beschert. Der Nettogewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf einen neuen Rekordstand von 706,6 Milliarden Neue Taiwan-Dollar (19,2 Milliarden Euro), wie das Unternehmen mitteilte. Damit übertraf der Konzern die Prognosen von Analysten.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE8:09 Uhr

KKW-Chefingenieur von Saporischschja getötet

Russland hat der ukrainischen Armee vorgeworfen, den Chefingenieur des Kernkaftwerks Saporischschja, Alexander Jakowlow, mit einem Drohnenangriff getötet zu haben. Das teilte der russische Atomkonzern Rosatom mit. IAEA-Chef Rafael Grossi verurteilte den Vorfall, er sprach von einem „inakzeptablen“ Vorfall, der die nukleare Sicherheit gefährde. Das KKW Saporischschja ist das größte Europas. Es befindet sich seit März 2022 in russischer Hand.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE7:48 Uhr

Toronto hat aktuell die schlechteste Luftqualität weltweit

Schwere Waldbrände in der kanadischen Provinz Ontario haben dazu geführt, dass Toronto derzeit die Stadt mit der schlechtesten Luftqualität weltweit ist. Die Behörden der Millionenstadt riefen ihre Bewohner auf, nach Möglichkeit in ihren Wohnungen zu bleiben. „Die Gesundheit aller ist in Gefahr“, teilte der Wetterdienst mit. „Begrenzen Sie Ihre Zeit im Freien. Sagen Sie sportliche Aktivitäten ab.“ Auch sonstige Veranstaltungen im Freien sollten überdacht werden, hieß es weiter.

Menschen in der Innenstadt von Toronto: Der Rauch von Waldbränden im Norden Ontarios (Kanada) sorgt am 15. Juli 2026 für schlechte Luftqualität in der Stadt.

Foto: Cole Burston/AFP via Getty Images

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE7:19 Uhr

EU-Kommissar will Abbau deutscher Grenzkontrollen

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner fordert erneut das Ende deutscher Grenzkontrollen. Die EU-Außengrenzen würden besser geschützt, die illegalen Grenzübertritte seien zurückgegangen. Er verteidigte das neue digitale Verfahren zur Ein- und Ausreise für Menschen, die weder aus der EU, Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz kommen. Das Verfahren führte zu langen Wartezeiten an Flughäfen, etwa in Griechenland oder Portugal.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:56 Uhr

Zwei Schiffsunglücke vor Myanmar – viele Tote erwartet

Nach zwei Schiffsunglücken vor der Küste Myanmars befürchtet die UN über 500 Tote. Beide Schiffe seien Ende Juni im Bundesstaat Rakhine aufgebrochen. Zu einem Schiff mit rund 250 Menschen brach kurz nach dem Ablegen der Kontakt ab. Das zweite mit etwa 280 Menschen sank vermutlich am 8. Juli. An Bord seien vorwiegend Angehörige der Rohingya gewesen.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:32 Uhr

Waldbrand bei Müritz breitet sich aus

Der schwere Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern hat sich auf 269 Hektar ausgeweitet. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde erhöht. Es explodiert nach offiziellen Angaben „beständig“ alte Munition. „Aufgrund möglicher giftiger Gase“ sind Kampfmittel-Fachleute vor Ort. Der Landkreis versichert: „Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.“
Rauchwolken bei Waldbrand im Müritz-Nationalpark.

Rauchwolken bei Waldbrand im Müritz-Nationalpark.

Foto: Jens Büttner/dpa

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:23 Uhr

USA kündigen Zölle auf diverse Importe aus Brasilien an

Die US-Regierung will diverse Importgüter aus Brasilien mit einem Zoll von 25 Prozent belegen. Ausgenommen seien etwa Produkte, die in den USA nicht ausreichend vorhanden seien oder eine besonders sensible Lieferkette hätten. Dazu zählen demnach Erdöl und Gas, Rindfleisch, Orangensaft sowie bestimmte Flugzeugteile. Fällig seien die Zölle ab dem 22. Juli.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:14 Uhr

Studie: Bis zu 726.000 Jobs in Europas Autoproduktion bedroht

Bis 2040 könnten in der europäischen Automobilproduktion bis zu 726.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation, über die „Politico“ berichtet. Bis 2030 droht ein Wegfall von 375.000 Stellen. Für die Berechnungen wurden vier politische Szenarien und deren Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung modelliert.
Chinas Exporte nach Deutschland sind im Juni erneut kräftig gestiegen. (Archivbild)

Chinas Exporte nach Deutschland sind im Juni erneut kräftig gestiegen. (Archivbild)

Foto: XinHua/dpa

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE5:47 Uhr

Angriffe im Nahen Osten

Das US-Militär hat erneut Angriffe auf Ziele im Iran gestartet, die iranische Armee flog weitere Attacken auf US-Stützpunkte in der Region. Zudem hinderte die USA einen unbeladenen Öltanker daran, die US-Blockade gegen iranische Häfen zu durchbrechen – ein US-Kampfjet habe dazu „Hellfire-Raketen in den Schornstein des Schiffs abgefeuert“, teilte CENTCOM mit. Teheran ließ eine seit mehr als anderthalb Jahren im Iran festgehaltene US-Staatsbürgerin ausreisen.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE5:30 Uhr

Trump kündigt TV-Ansprache an

Der US-Präsident will am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington eine Fernsehansprache an die Nation halten. Dabei dürfte eines der großen Themen die erneute militärische Eskalation mit dem Iran sein.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE5:04 Uhr

Merz und Steinmeier empfangen algerischen Präsidenten

Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune wird heute mit militärischen Ehren von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Villa Borsig empfangen. Später ist ein Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Bundeskanzleramt vorgesehen. Dabei soll es um die bilateralen Beziehungen sowie energie- und wirtschaftspolitische Fragen gehen.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
Was zuvor passierte: 15. Juli 2026

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

Categories
ticker

Tuchel: England zerbrach nach 1:0 am Etwas-zu-verlieren-Druck

Harry Kane stand regungslos am Mittelkreis, die Hände in die Hüften gestützt. Sein Blick stur auf die andere Seite des Platzes gerichtet, wo sich Lionel Messi und dessen argentinische Teamkollegen für den Einzug in das WM-Finale feiern ließen.
Die von Kapitän Kane angeführten Engländer waren so nah dran am ersten Endspiel seit dem Triumph 1966. Bis zur 85. Minute führten die Three Lions durch den Treffer von Anthony Gordon – und fielen dann völlig auseinander.
„Wir spielen eine Stunde so gut und führen verdient. Aus irgendeinem Grund verlieren wir dann das Momentum. Das zieht sich nun schon durch die letzten vier, fünf Turniere“, sagte der Bayern-Stürmer konsterniert.

Der englische Stürmer Nr. 09, Harry Kane, und seine Teamkollegen nach der Niederlage.

Foto: Odd Andersen/AFP via Getty Images

Das Warten geht weiter

Enzo Fernandez und Lautaro Martinez stürzten England durch ihre von Lionel Messi vorbereiteten Tore in eine Schockstarre. „Je schöner die Reise, desto herzzerreißender ist das Ende“, resümierte Jude Bellingham.
Nun gerät aber erst einmal Trainer Thomas Tuchel in die Schusslinie der englischen Öffentlichkeit. Auf dem Papier ist er nicht besser als sein Vorgänger Gareth Southgate, der 2018 im Halbfinale in der Verlängerung an Kroatien gescheitert war.
Ex-Stürmer Chris Sutton nannte Tuchels Entscheidung, nach der Führung in der Defensive von einer Vierer- auf eine Fünferkette umzustellen eine „Coaching-Katastrophe“ und warf die Frage auf, ob der Deutsche noch der richtige Mann für den Job sei. Der „Mirror“ polterte: „Tuchels Wechsel gehen nach hinten los.“

Tuchel will bleiben

Tuchel selbst nahm das alles äußerlich gelassen zur Kenntnis. „Es ist die Natur des Spiels. Sobald man verliert, wird man kritisiert“, sagte der 52-Jährige. „Keiner weiß, was bei anderen Entscheidungen passiert wäre. Es hat keinen Sinn, sich da zu beteiligen.“
Erst im Februar hatte Tuchel seinen Vertrag mit dem englischen Verband FA bis nach der Heim-EM 2028 verlängert. Nach dem WM-Aus erhielt er umgehend Unterstützung von Verbandsboss Mark Bullingham.
„Die Spieler und Thomas haben heute alles gegeben“, befand der Funktionär. Tuchel meinte: „Wir machen weiter bis zur EM.“ Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll er dafür auch weiterhin das Vertrauen des Verbands genießen.
Das Turnier bescherte den Three Lions auch durchaus positive Erinnerungen. England gewann in einem epischen Achtelfinale bei Co-Gastgeber Mexiko im Aztekenstadion.
In der Hitze von Miami schoss man die Norweger in der Verlängerung aus dem Turnier. Die Mannschaft habe eine Mentalität, die man in Flaschen abfüllen und verkaufen könne, sagte Trainer Tuchel.
Der Trainer glaubte, die Spieler glaubten, ganz England erlebte bis zum Mittwoch einen euphorischen Jahrhundertsommer und glaubte an den Titel. Glaubte an das Ende von 60 Jahren Schmerz. Am Ende konnte auch Tuchel England nicht erlösen. „Wir müssen vier weitere Jahre warten“, sagte der Schwabe.

Tränen und Schweigen in der Kabine

Tuchel ist jedenfalls davon überzeugt, dass er das Problem in den Griff bekommt, obwohl England immer in dasselbe Muster verfällt. „Ich glaube nicht an einen Fluch oder dass sich Geschichte wiederholt. Es sind andere Spieler, andere Trainer, andere Gegner“, sagte Tuchel. Es sei auf dem Feld lösbar.
Zu einem anderen Schluss, als dass es ein mentales Problem ist, kann man momentan aber nicht kommen. Zwischen der Führung durch Gordon in der 55. Minute und dem Siegtor von Martinez (90.+2) hatte England sagenhaft schwache zwölf Prozent Ballbesitz.

(COMBO) Diese Bilderserie zeigt den argentinischen Stürmer Nr. 10, Lionel Messi, am 27. Juni 2026 in Arlington (l) sowie den englischen Stürmer Nr. 09, Harry Kane, am 17. Juni 2026 in Arlington.

Foto: Paul Ellis/AFP via Getty Images

Das Team habe das Momentum einfach nicht zurückbekommen, resümierte Tuchel. Englands Spieler hatten plötzlich etwas zu verlieren – und zerbrachen an diesem Druck.
Schweigend verschwand die Mannschaft in der Kabine. Dort flossen Tränen, viele Worte fielen nicht. So beschrieb es Verteidiger Dan Burns. „Nichts, was man da sagt, kann die Enttäuschung und den Schmerz nehmen“, sagte Tuchel.
Also gab er der Mannschaft mit, dass sie alles gegeben habe und zurückkommen werde. Wie man das im Sport eben so macht. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Zweifel an Verfassungstreue: AfD-Kandidat Sichert auf dem Prüfstand


In Kürze:

  • Vor der Landratswahl in Friesland wird die Wählbarkeit des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Sichert überprüft.
  • Die Kreiswahlleitung hat wegen Zweifeln an der Verfassungstreue das gesetzlich vorgesehene Prüfverfahren eingeleitet.
  • Über die Zulassung zur Wahl entscheidet nach Abschluss der Prüfung der Wahlausschuss.

Am 13. September wählt der Landkreis Friesland in Niedersachsen einen neuen Landrat. Der bisherige Amtsinhaber Sven Ambrosy (SPD), der 2021 mit 78,9 Prozent im Amt bestätigt wurde, kandidiert nicht mehr für eine vierte Amtszeit. Einer der Kandidaten, die sich um seine Nachfolge bewerben will, ist der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Sichert.
Ob er zur Wahl kandidieren kann, ist jedoch unsicher. Die Kreiswahlleitung hat Zweifel an dessen Verfassungstreue. Wie dem Bewerber in einem Schreiben vom 10. Juli mitgeteilt wurde, hat Kreiswahlleiterin Andrea Jeske die Kommunalaufsicht eingeschaltet. Damit hat die Kreiswahlleiterin ein gesetzlich vorgesehenes Prüfverfahren ausgelöst.

AfD-Mitgliedschaft von Sichert als Indiz für Einleitung eines Prüfverfahrens

Grundlage für das Vorgehen ist Paragraf 80 Abs. 4 Z. 3 des niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes. Demnach übernimmt ein Landrat nicht nur ein politisches Mandat, sondern wird auch ein Beamter auf Zeit. Er leitet die Kreisverwaltung und vollzieht staatliches Recht. Beamte haben jedoch die Gewähr für das jederzeitige Eintreten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu bieten.
Das Landesamt für Verfassungsschutz in Niedersachsen hatte den Landesverband der AfD im Februar zum „Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung“ hochgestuft. Dies entspricht inhaltlich der Einstufung als „gesichert rechtsextremistisch“ in anderen Bundesländern. Das Verwaltungsgericht Hannover wies einen dagegen gerichteten Eilantrag der Partei Anfang Juni ab.
Dem Schreiben der Kreiswahlleiterin hat die Wahlbehörde bereits die Mitgliedschaft in der AfD als ein „starkes Indiz für Zweifel an der Verfassungstreue“ eingeordnet. Dies mache eine Einzelfallprüfung personenbezogener Umstände verpflichtend. Jeske habe das Innenministerium deshalb um eine Prüfung der Wählbarkeit gebeten. Abseits der Mitgliedschaft in der AfD lägen ihr keine Anhaltspunkte vor.

Mitgliedschaft allein begründet noch keine Vorentscheidung über Zulassung

Im Frühjahr 2026 hat Niedersachsen ein Verfahren zur Prüfung im Fall möglicher Zweifel geschaffen. Die Schwelle für dessen Einleitung liegt dort, wo „tatsächliche Anhaltspunkte“ diese begründen. Im Verfahren dürfen Ministerium und Wahlausschuss auch öffentlich zugängliche Quellen wie Presseberichte, Internetseiten und öffentliche Äußerungen zur Auswertung heranziehen.
Außerdem darf das Innenministerium als Kommunalaufsicht den Verfassungsschutz um Auskunft bitten. Die Aufsicht leitet ein begründetes Ergebnis an Wahlleitung und Wahlausschuss weiter. Diesen ist die endgültige Zulassungsentscheidung überlassen. In den Gesetzesmaterialien wird deutlich, dass eine Mitgliedschaft in einer als verfassungsfeindlich eingestuften Partei ein Indiz für fehlende Verfassungstreue sein kann.
Ein Automatismus besteht jedoch nicht. Zu berücksichtigen seien auch das persönliche Verhalten, öffentliche Aussagen und die konkrete Form des parteipolitischen Engagements. In den Gesetzesmaterialien ist die Rede von einer Prognose für den Einzelfall, die besonders sorgfältig und ergebnisoffen erfolgen müsse.

Mehrere Äußerungen von Sichert – und die Einschätzungen des Verfassungsschutzes

Sichert selbst spricht von einem „Versuch, die AfD zu schwächen“. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat den Politiker in mehreren Gutachten für die Einstufung der Gesamtpartei genannt. Noch häufiger fällt sein Name im jüngst veröffentlichten Privatgutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) zu den Aussichten eines möglichen Verbotsverfahrens gegen die AfD.
Zu den dort zitierten Äußerungen Sicherts gehört unter anderem dessen Forderung nach einem Tätigkeitsverbot für fastende Muslime in bestimmten Berufsgruppen. Sichert erklärte Asylsuchende zu „Eroberern“ und sprach von einem „Krieg gegen die ethnisch deutsche Bevölkerung“, der durch einen „Geburten-Dschihad“ geführt werde. Er warf die Frage auf, warum „wir überhaupt verschleierte Frauen aufnehmen“ und bezeichnete Kopftuch tragende Frauen als „islamistisch“.
Darüber hinaus forderte er die strafrechtliche Verfolgung und Inhaftierung von Politikern wie Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach oder Altbundeskanzler Olaf Scholz. Grund dafür seien deren Entscheidungen in der Zeit der Corona-Pandemie. Gerichte haben mittlerweile in mehreren Fällen die Einschätzung von Verfassungsschutzbehörden bestätigt. In der Begründung zur Einstufung der Partei als Beobachtungsobjekt heißt es, die AfD verbreite pauschale abwertende Aussagen über Zuwanderer und Muslime, Forderungen nach Einschränkung der Religionsfreiheit und die Missachtung von deren Menschenwürde, ein ethnisch-kulturelles Volksverständnis und Verschwörungserzählungen wie jene vom „Bevölkerungsaustausch“.

AfD-Kandidaten: In Ludwigshafen abgelehnt – in Schwerin zugelassen

Ob die Überprüfung der Wählbarkeit zu einem Ausschluss Sicherts führen wird, ist offen. Auch bei exponierten Repräsentanten der AfD verliefen Überprüfungen dieser Art uneinheitlich. Im Fall der Kandidatur von Joachim Paul für das Amt des Oberbürgermeisters von Ludwigshafen hatte der Wahlausschuss im August des Vorjahres eine Kandidatur abgelehnt. Ein Eilantrag gegen die Entscheidung hatte keinen Erfolg.
Bei der Oberbürgermeisterwahl in Schwerin hat der Wahlausschuss hingegen die AfD-Kandidatin Petra Federau zugelassen – obwohl eine Initiative ein privates Gutachten über potenziell verfassungsfeindliche Aussagen übermittelt hatte. Federau schaffte es jedoch nicht in die Stichwahl. Im thüringischen Landkreis Sonneberg stellt die AfD mit Robert Sesselmann seit 2023 einen Landrat.
Categories
ticker

„Episch?“: Argentiniens Trainer verrät das Erfolgsgeheimnis des Sieges über Spanien

Dass dieses dramatische WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England viel mehr als nur ein Fußball-Spiel war, war nach dem Schlusspfiff in großen schwarzen Buchstaben zu lesen. Während Lionel Messi vor den euphorisierten Fans tanzte, zeigten seine Mitspieler hinter ihm ein Banner: „Die Malvinas sind argentinisch“ war dort zu lesen.
Da war sie also, die politische Dimension, der Falkland-Krieg von 1982, der diesem Duell weitere Brisanz verlieh. Das Banner war während des 2:1 auch auf den Zuschauerrängen zu sehen gewesen.
Mit dem Spruch will Argentinien seine vermeintlichen Besitzansprüche auf die sogenannten Malvinas, wie die Inseln in Argentinien heißen, erklären.
Das Falkland-Banner im argentinischen Fanblock.

Das Falkland-Banner im argentinischen Fanblock.

Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpa

Mit einer Strafe des Weltverbandes FIFA ist zu rechnen, doch davon war an diesem Abend in Atlanta erst einmal keine Rede.
Im Mittelpunkt stand der unfassbare Wille der Argentinier, die bis zur 85. Minute durch ein Tor von Anthony Gordon zurücklagen – und dann durch die Treffer von Enzo Fernandez und Lautaro Martinez doch noch in das Endspiel gegen Spanien einzogen.

Scaloni und das richtige Adjektiv

„Episch? Historisch? Wie sollen wir es nennen?“, fragte Trainer Lionel Scaloni auf der Suche nach dem richtigen Adjektiv. „Es gibt nichts Vergleichbares. Die Jungs hatten keine Angst, sie fühlten die Last der Verantwortung nicht.“
Und Argentinien hatte Lionel Messi, der erneut entscheidenden Anteil an dem Sieg hatte. Der 39-Jährige bereitete beide Treffer vor. „Messi in den letzten 20 Minuten – da konnte er machen, was er wollte“, sagt Scaloni und verriet das Erfolgsgeheimnis:
„Sie spielen wie Achtjährige. Sie denken nicht daran, ob sie vorbeischießen oder in das Finale kommen. Sie wollen nur Fußball spielen.“
Langsam muss man sich dennoch fragen, wie lange das noch gutgehen soll. Wie viele Leben hat diese Mannschaft? Schon im Sechzehntelfinale mühte sich der Titelverteidiger zu einem 3:2 gegen Kap Verde.
Eine Runde später lag der Titelverteidiger gegen Ägypten bis zur 79. Minute 0:2 zurück und siegte in der Nachspielzeit durch ein kontroverses Tor, da ein Ägypter zuvor gefoult worden war. Im Viertelfinale gegen die Schweiz musste man wieder über die Verlängerung gehen.

Tuchel lobt das Team

„Dieses Team spielt am besten in schwierigen Situationen“, sagte Scaloni. Sein englischer Amtskollege Thomas Tuchel stimmte dem zu: „Sie spielen am besten, wenn sie in Rückstand sind. Dann gehen sie mehr Risiko. Sie hatten nichts mehr zu verlieren und investierten mehr.“
Doch wie ist das immer wieder möglich? Neben Messi sind die Fans ein enormer Faktor. In Atlanta war die englische Hymne nicht zu verstehen, weil argentinische Pfiffe diese übertönten. Es habe sich angefühlt wie ein Auswärtsspiel, sagte Tuchel.

Enzo Fernández (Nr. 24) und Lionel Messi (Nr. 10) aus Argentinien applaudieren den Fans nach dem 2:1-Sieg im Halbfinalspiel der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen England und Argentinien im Atlanta Stadium am 15. Juli 2026 in Atlanta, Georgia.

Foto: Shaun Botterill/Getty Images

Messi: Die Mannschaft geht immer einen Schritt weiter

Selbst Messi ist die ganze Sache nicht geheuer. „Es ist verrückt, was wir gerade erleben und wie sich die Dinge entwickeln“, sagte der Superstar.
„Vielleicht hatten die Leute Zweifel, weil wir mit Spielern an der Leistungsgrenze und mit Problemen hierhergekommen sind. Aber wenn diese Mannschaft zusammenhält, geht sie immer noch einen Schritt mehr und das überträgt sich auf alle.“

Fans feiern am 15. Juli 2026 in Ushuaia, Argentinien, neben dem Denkmal für die Veteranen des Malvinas-Kriegs (Falklandkrieg) den Sieg Argentiniens über England im Halbfinale.

Foto: Cristian Urrutia / AFP via Getty Images

Scaloni möchte als Weltmeister abreisen

Und in diesem sechsten WM-Duell mit England spielte bei der Albiceleste der Falkland-Krieg eine zusätzlich motivierende Rolle. Wie schon im Viertelfinale 1986, nachdem Diego Maradona von Rache gesprochen hatte.
„Wir haben versucht, unser Land und all jene zu repräsentieren, die diesen traurigen Moment unserer Geschichte erlebt haben, damit sie sich mit uns identifizieren können und wir ein positives Bild vermitteln“, sagte Mittelfeldstratege Leandro Paredes.
Argentinien und Großbritannien hatten 1982 mehr als 70 Tage lang Krieg um die Falklandinseln vor der Küste Argentiniens geführt. Dabei starben rund 1000 Soldaten. Die Inseln sind seit 1833 britisches Überseegebiet. Bis heute weigert sich Großbritannien, über den Anspruch auf die Malvinas zu verhandeln.
Im Finale gegen Spanien muss es nun einen anderen Faktor geben. Denn das Ziel ist klar. „Ich möchte hier als Weltmeister abreisen“, sagte Scaloni und betonte die Bedeutung von äußeren Einflüssen: „Fußball ist manchmal mehr als Taktik.“ (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Zeitplan für staatliches Altersvorsorgedepot wackelt

Der Zeitplan für den Start des staatlichen Vorsorgedepots wackelt. Das geplante staatliche Standarddepot wird wahrscheinlich nicht bereitstehen, wenn am 1. Januar 2027 zahlreiche private Anbieter ihre Versionen des Altersvorsorgedepots auf den Markt bringen, berichtet das „Handelsblatt“.
Offenbar sind viele Fragen offen – etwa, welche staatliche Stelle das eingezahlte Kapital anlegen soll und welche Behörde die Verträge verwalten soll. In Regierungskreisen rechnet man inzwischen damit, dass der Termin nicht zu halten ist.

Hunderttausende Kundenkontakte erwartet

Bundesbank und der Staatsfonds Kenfo können zwar Vermögen verwalten. Doch das Standarddepot verlangt eine andere Organisation. Jeder Kunde benötigt ein eigenes Depot und wünscht sich Informationen und Kontaktmöglichkeiten.
Der öffentliche Träger muss für Hunderttausende Kundenkontakte gewappnet sein. Das sind weder Bundesbank noch Kenfo.
Für einen solchen Auftrag wäre eine europarechtliche Ausschreibung notwendig, heißt es aus Kenfo-Kreisen. Schon allein diese Ausschreibung würde demnach Monate dauern.

Finanzministerium will Start am 1. Januar

Das Finanzministerium hält indes am Zeitplan fest. „Das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027“, erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums auf Anfrage.
„Ab diesem Zeitpunkt sind alle Anbieter verpflichtet, auch ein kostengünstiges Standarddepot mit einem Effektivkostendeckel von einem Prozent pro Jahr anzubieten.“ Diese Aussage lässt allerdings offen, ob auch das staatliche Standarddepot am 1. Januar startet.
Mit dem Altersvorsorgedepot will die Bundesregierung die private Altersvorsorge attraktiver machen. Die staatliche Förderung liegt bei maximal 540 Euro im Jahr, zudem gibt es eine Kinderzulage von maximal 300 Euro. (dts/red)
Categories
ausland etplus ticker wissen

Finnlands Endlager soll ab Ende 2026 in Betrieb gehen


In Kürze:

  • Das finnische Endlager „Onkalo“ soll etwa zum kommenden Jahreswechsel in Betrieb gehen.
  • Dort können weltweit erstmals hoch radioaktive Abfälle eingelagert werden – für mindestens 100.000 Jahre.
  • Die radioaktiven Brennelemente sind vierfach abgeschirmt. Drei Abschirmungen wurden bereits erfolgreich getestet, die vierte Schicht steckt im umgebenden Gestein.
  • Deutschland befindet sich nach wie vor auf der Standortsuche. Ein Ergebnis wird 2027 erwartet.

 
Wohin auf Dauer mit dem Atommüll? Diese Frage müssen sich alle Länder stellen, die aktuell Kernreaktoren betreiben oder in der Vergangenheit betrieben haben.
Der Antwort am nächsten ist Finnland. Dort soll schon Ende 2026 oder Anfang 2027 das weltweit erste tiefengeologische Endlager für hoch radioaktiven Atommüll in Betrieb gehen. Deutschland ist hingegen noch weit entfernt vom Betrieb eines solchen Endlagers.

Onkalo – die „Höhle“ unter Finnland

Das finnische Endlager trägt den Namen „Onkalo“, was auf Deutsch „Höhle“ bedeutet. Es befindet sich auf der Halbinsel Olkiluoto an der Südwestküste des Landes, wo sich auch die gleichnamigen Kernreaktoren Olkiluoto 1, 2 und 3 befinden.
Zumindest der Eingang von Onkalo ist an der Oberfläche zu erkennen. Der überwiegende Teil des Bauwerks befindet sich jedoch unter der Erdoberfläche – in rund 1,8 Milliarden Jahre altem Grundgestein.
Zunächst führen ein spiralförmiger Zugangstunnel sowie vier vertikale Schächte mehrere Hundert Meter in die Tiefe. Zu den Schächten gehören ein Personenschacht, zwei Lüftungsschächte und ein Schacht für die Uranbehälter. Insgesamt kommt das Tunnelsystem auf eine Länge von rund 50 Kilometern.
Endlager

Grafische Darstellung des Endlagers Onkalo unter der Erdoberfläche. Das Bild links oben soll den heutigen Status quo darstellen, links unten den Zustand in einigen Tausend Jahren und rechts den Zustand in 100.000 Jahren.

Foto: Posiva

Das eigentliche Endlager befindet sich in einer Tiefe von 400 bis 430 Metern. Dort will Po­si­va Oy, das finnische Entsorgungsunternehmen und Betreiber der Anlage, künftig bis zu 6.500 Tonnen Uran in Spezialbehältern verwahren.
Die besondere Herausforderung ist die Anforderung an die Langlebigkeit dieses Bauwerks. Es muss nicht nur über Jahrhunderte, sondern über viele Jahrtausende hinweg gewährleistet sein, dass keinerlei radioaktive Strahlung an die Oberfläche gelangt und die abgebrannten Brennelemente für mindestens 100.000 Jahre keine Bedrohung für Mensch und Natur darstellen.
Endlager

Am 18. Mai 2026 waren ein Arbeiter und ein Besucher im Untergrund des Onkalo-Endlagers in Eurajoki im Südwesten Finnlands unterwegs, das voraussichtlich das weltweit erste Endlager für radioaktive abgebrannte Brennelemente sein wird. Das geologische Endlager für abgebrannte Brennelemente steht kurz vor der Inbetriebnahme.

Foto: Alessandro Rampazzo/AFP via Getty Images

Vier Schutzschichten für 100.000 Jahre

Für die Endlagerung der Brennstäbe hat sich Posiva für die sogenannte KBS-3V-Methode entschieden. Hintergrund dieses in Schweden entwickelten Konzepts ist, dass gleich mehrere Schutzschichten das Uran umschließen. „KBS“ steht für das schwedische Wort „Kärnbränslesäkerhet“ und bedeutet „Sicherheit von Kernbrennstoffen“. Die „3“ bezeichnet die Version und der Buchstabe „V“ die vertikale Platzierung der Kanister.
Zunächst werden die radioaktiven Brennstäbe in einen Behälter aus Gusseisen gelegt. Dieser ist äußerst stabil und soll auf Dauer möglichen äußeren Einflüssen standhalten. Anschließend kommt jeder Gusseisenbehälter in einen 12 Tonnen schweren Behälter aus Kupfer mit einer Wandstärke von 5 Zentimetern. Kupfer gilt als äußerst korrosionsbeständig.
Posiva will diese Kupferbehälter schließlich in das Endlager in rund 430 Metern Tiefe bringen. Dort kommen sie in ein rund 8 Meter tiefes, vertikales Loch mit einem Durchmesser von rund 1,75 Metern. In den Zwischenraum wird anschließend Bentonit gefüllt, das die dritte Schutzschicht darstellt. Die vierte und letzte Schicht ist das umgebende Gestein, konkret: kristalliner Gneis. Dies soll über ein Jahrhunderttausend eine effektive Abschirmung gewährleisten.
Endlager

Das Uran wird zunächst in Gusseisen- und Kupferbehälter gepackt und tief unter der Erdoberfläche in einem Tunnelsystem in Bohrlöcher gelegt.

Foto: Posiva Oy; Montage: Epoch Times

So soll abgebranntes Uran sicher verstaut werden

Aktuell befinden sich abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren noch in Abklingbecken und Zwischenlagern, wo sich ihre Radioaktivität bereits deutlich reduziert. In Onkalo werden die abgebrannten Brennstäbe zunächst in der oberirdischen Verkapselungsanlage in die Gusseisen- und Kupferbehälter eingepackt.
Anschließend gelangen die Kupferbehälter über den vertikalen Aufzugsschacht in die Tiefe. Dort nimmt ein ferngesteuertes Transportfahrzeug die Kapsel entgegen und bringt sie zum unterirdischen Behälterlager.
Die Bohrlöcher für die Endlagerung der Behälter in den unterirdischen Stollen bereiten speziell dafür gebaute Bohrmaschinen vor. Anschließend kommen die Bentonit-Lehmblöcke in das Endlagerloch. Bentonit verhindert, dass Wasser in die Nähe des Behälters gelangt, und schützt ihn so vor Gesteinsbewegungen.
Ein ferngesteuertes Transportfahrzeug bringt den Behälter vom Behälterlager zum Endlagertunnel und setzt den Behälter mit einer Genauigkeit von nur wenigen Millimetern in das Endlagerloch ein. Sobald der Behälter in Position ist, wird der obere Teil des Lochs ebenfalls mit Bentonit-Pufferblöcken verfüllt, sodass der Behälter komplett davon umgeben ist. Sind alle Bohrlöcher befüllt, wird auch der Stollen mit körnigem Bentonit-Ton aufgefüllt und versiegelt.

Erfolgreicher Test für die Einlagerung

In der ersten Junihälfte 2026 testete Po­si­va erstmalig die Einlagerung eines Behälters in ein Loch mit Bentonit-Puffer. Dieser Behälter enthielt noch keine Brennelemente.
Der technische Leiter von Posiva, Juha Riihimäki, teilte mit, dass die Installation auf Anhieb erfolgreich verlief. Er bezeichnete diesen Test als einen wichtigen Schritt für den Start des Endlagerungsvorgangs. Der eigentliche Installationsprozess sei ein Schlüsselelement für die langfristige Sicherheit der Endlagerung. Laut Riihimäki erfülle dieser Erfolg auch die regulatorischen Anforderungen.
Um die Verfahrenslizenz zu erhalten, muss Posiva laut Riihimäki nachweisen können, „dass die Installation des Endlagerungsbehälters sicher und nach Plänen erfolgen kann“. Das ist mit dem erfolgreichen Test geschehen.

Beim erfolgreichen Test für den Vollbetrieb hat Posiva einen leeren Behälter für Brennstäbe in einem Senkloch platziert.

Foto: Posiva

Nach Angaben des Unternehmens sind für die kommenden Wochen einige abschließende, oberirdische Tests am Transportfahrzeug geplant. In der zweiten Jahreshälfte sollen schließlich tief im Inneren des Olkiluoto-Grundgesteins Inbetriebnahmetests stattfinden.
Das finnische Endlager verschlang Schätzungen zufolge bisher rund 1 Milliarde Euro. Rechnet man noch den jahrzehntelangen Betrieb mit den geplanten Einlagerungen hinzu, erhöhen sich die Gesamtkosten auf rund 5 Milliarden Euro.

Wie ist die Lage in Deutschland?

Deutschland ist hingegen noch weit entfernt von der Inbetriebnahme eines eigenen Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll. Seit Inkrafttreten des Standortauswahlgesetzes (StandAG) im Jahr 2017 sucht die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stattdessen weiterhin aus einer Vielzahl von Teilgebieten einen geeigneten Standort. Nach dem Ausschlussverfahren soll sie geeignete Standortregionen ausfindig machen. Der Vorschlag der BGE ist Ende 2027 zu erwarten.
Ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle muss hierzulande strenge Mindestanforderungen erfüllen. Die Tiefe muss mindestens 300 Meter betragen. Ebenso muss das Grundgestein bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Infrage kommen nur Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein. Eine Voraussetzung ist eine geringe Gebirgsdurchlässigkeit, also wie viel Wasser oder andere Flüssigkeiten das Gestein durchlässt.
Bisher gibt es in der Bundesrepublik noch keinen favorisierten Standort für ein künftiges Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch die BGE hat bereits viele Regionen als ungeeignet eingestuft. Stand November 2025 haben aber bereits manche Regionen die Prüfung „weitestgehend bestanden“. Auf der Karte sind diese türkis markiert. Sie befinden sich im baden-württembergischen Schwarzwald, in Ostbayern sowie östlich von Heidelberg.
In Deutschland existieren aktuell damit lediglich 16 Zwischenlager für radioaktive Abfälle. In speziellen, oberirdischen Lagergebäuden stehen momentan auch die hoch radioaktiven Brennelemente in insgesamt 1.750 Castorbehältern.
Dabei wird zwischen zentralen und dezentralen Zwischenlagern unterschieden. Dezentrale Zwischenlager befinden sich an Standorten von Kernkraftwerken. Davon gibt es hierzulande zwölf. Die Zwischenlager wie Gorleben und Ahaus gelten als zentral. Zudem gibt es die Zwischenlager Jülich und Lubmin. Sie befinden sich in der Nähe einer ehemaligen kerntechnischen Anlage.
Categories
deutschland ticker

Streit um Zitatfreigabe – „Westfalenpost“ widerspricht Merz

Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der „Sommerpressekonferenz“ sorgen erneut für Kritik von Journalisten der „Westfalenpost“ aus Hagen in NRW. Ursprung des Streits: Ein Pressetermin am Montag im Sauerland.
Journalisten waren während eines Gesprächs am Hennesee bei Meschede, bei dem es um Merz‘ Bilanz als Wahlkreisabgeordneter ging, aufgefordert worden, wörtliche Zitate des Kanzlers vor der Veröffentlichung dem Bundespresseamt vorzulegen. Das hatte diese Zeitung noch am selben Tag in einer Online-Veröffentlichung als „unüblich“ kritisiert.

Debatte um Wahlkreis-Gespräch

Eine Journalistin des „Deutschlandfunks“ machte diesen Vorgang dann am Mittwoch zum Thema in der Bundespressekonferenz in Berlin. Und der Bundeskanzler wusste offenbar sofort Bescheid, um was es geht.
Es habe sich am Hennesee um ein „Pressehintergrundgespräch“ gehandelt, bei dem „üblicherweise“ Zitate freigegeben würden, sagte Merz der Hauptstadtpresse.
„Dieser Darstellung widerspricht die Westfalenpost“, schreibt diese nun am Mittwochabend online. Merz habe als Wahlkreisabgeordneter die regionalen Medien zu einem „Sommerpressegespräch“ eingeladen, das nicht als „Hintergrundgespräch“ ausgewiesen worden sei.
Und Merz` Sprecher im Wahlkreis habe den anwesenden Journalisten zu Beginn des Termins gesagt, das Gespräch sei „unter 1“. Das bedeutet in der journalistischen Praxis, dass eine Aussage oder Information uneingeschränkt veröffentlicht und zitiert werden darf.
Außerdem habe das Bundespresseamt die Aufgabe, die Kommunikation des Bundeskanzlers und der Bundesregierung zu steuern, nicht aber die des Wahlkreisabgeordneten Friedrich Merz, schreibt die „Westfalenpost“ weiter.

Unbedachte Äußerungen verhindern

Die Zeitung deutet an, dass mit dem Vorgehen womöglich die Veröffentlichung von unbedachten Äußerungen verhindert werden sollte.
So habe der Kanzler im vergangenen April bei einem Termin in einer Marsberger Schule gesagt, dass US-Präsident Donald Trump kein Konzept im Irankrieg habe und die Iraner das amerikanische Volk demütigen würden – was umgehend für Ärger mit dem Weißen Haus sorgte.
Außerdem habe Merz im Zuge des Pressetermins im Sauerland Radio- und TV-Kollegen vor dem Mikrofon und der Kamera mit O-Tönen Rede und Antwort gestanden. „Auch aus diesem Grund erscheint die Aufforderung, Zitate vorzulegen, widersinnig“, sagte „Westfalenpost“-Chefredakteur Jost Lübben. (dts/red)
Categories
ticker

16.07.2026 | Waldbrand im Müritz-Nationalpark wächst | KKW-Chefingenieur von Saporischschja getötet | Bis zu 726.000 Jobs in EU-Autoproduktion bedroht

HEUTE8:09 Uhr

KKW-Chefingenieur von Saporischschja getötet

Russland hat der ukrainischen Armee vorgeworfen, den Chefingenieur des Kernkaftwerks Saporischschja, Alexander Jakowlow, bei einem Drohnenangriff getötet zu haben. Das teilte der russische Atomkonzern Rosatom mit. IAEA-Chef Rafael Grossi verurteilte den Vorfall, er sprach von einem „inakzeptablen“ Vorfall, der die nukleare Sicherheit gefährde. Das KKW Saporischschja ist das größte Europas. Es befindet sich seit März 2022 in russischer Hand.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE7:48 Uhr

Toronto hat aktuell die schlechteste Luftqualität weltweit

Schwere Waldbrände in der kanadischen Provinz Ontario haben dazu geführt, dass Toronto derzeit die Stadt mit der schlechtesten Luftqualität weltweit ist. Die Behörden der Millionenstadt riefen ihre Bewohner auf, nach Möglichkeit in ihren Wohnungen zu bleiben. „Die Gesundheit aller ist in Gefahr“, teilte der Wetterdienst mit. „Begrenzen Sie Ihre Zeit im Freien. Sagen Sie sportliche Aktivitäten ab.“ Auch sonstige Veranstaltungen im Freien sollten überdacht werden, hieß es weiter.

Menschen in der Innenstadt von Toronto: Der Rauch von Waldbränden im Norden Ontarios (Kanada) sorgt am 15. Juli 2026 für schlechte Luftqualität in der Stadt.

Foto: Cole Burston/AFP via Getty Images

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE7:19 Uhr

EU-Kommissar will Abbau deutscher Grenzkontrollen

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner fordert erneut das Ende deutscher Grenzkontrollen. Die EU-Außengrenzen würden besser geschützt, die illegalen Grenzübertritte seien zurückgegangen. Er verteidigte das neue digitale Verfahren zur Ein- und Ausreise für Menschen, die weder aus der EU, Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz kommen. Das Verfahren führte zu langen Wartezeiten an Flughäfen, etwa in Griechenland oder Portugal.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:56 Uhr

Zwei Schiffsunglücke vor Myanmar – viele Tote erwartet

Nach zwei Schiffsunglücken vor der Küste Myanmars befürchtet die UN über 500 Tote. Beide Schiffe seien Ende Juni im Bundesstaat Rakhine aufgebrochen. Zu einem Schiff mit rund 250 Menschen brach kurz nach dem Ablegen der Kontakt ab. Das zweite mit etwa 280 Menschen sank vermutlich am 8. Juli. An Bord seien vorwiegend Angehörige der Rohingya gewesen.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:32 Uhr

Waldbrand bei Müritz breitet sich aus

Der schwere Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern hat sich auf 269 Hektar ausgeweitet. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde erhöht. Es explodiert nach offiziellen Angaben „beständig“ alte Munition. „Aufgrund möglicher giftiger Gase“ sind Kampfmittel-Fachleute vor Ort. Der Landkreis versichert: „Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.“

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:23 Uhr

USA kündigen Zölle auf diverse Importe aus Brasilien an

Die US-Regierung will diverse Importgüter aus Brasilien mit einem Zoll von 25 Prozent belegen. Ausgenommen seien etwa Produkte, die in den USA nicht ausreichend vorhanden seien oder eine besonders sensible Lieferkette hätten. Dazu zählen demnach Erdöl und Gas, Rindfleisch, Orangensaft sowie bestimmte Flugzeugteile. Fällig seien die Zölle ab dem 22. Juli.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:14 Uhr

Studie: Bis zu 726.000 Jobs in Europas Autoproduktion bedroht

Bis 2040 könnten in der europäischen Automobilproduktion bis zu 726.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation, über die „Politico“ berichtet. Bis 2030 droht ein Wegfall von 375.000 Stellen. Für die Berechnungen wurden vier politische Szenarien und deren Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung modelliert.
Chinas Exporte nach Deutschland sind im Juni erneut kräftig gestiegen. (Archivbild)

Chinas Exporte nach Deutschland sind im Juni erneut kräftig gestiegen. (Archivbild)

Foto: XinHua/dpa

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE5:47 Uhr

Angriffe im Nahen Osten

Das US-Militär hat erneut Angriffe auf Ziele im Iran gestartet, die iranische Armee flog weitere Attacken auf US-Stützpunkte in der Region. Zudem hinderte die USA einen unbeladenen Öltanker daran, die US-Blockade gegen iranische Häfen zu durchbrechen – ein US-Kampfjet habe dazu „Hellfire-Raketen in den Schornstein des Schiffs abgefeuert“, teilte CENTCOM mit. Teheran ließ eine seit mehr als anderthalb Jahren im Iran festgehaltene US-Staatsbürgerin ausreisen.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE5:30 Uhr

Trump kündigt TV-Ansprache an

Der US-Präsident will am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington eine Fernsehansprache an die Nation halten. Dabei dürfte eines der großen Themen die erneute militärische Eskalation mit dem Iran sein.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE5:04 Uhr

Merz und Steinmeier empfangen algerischen Präsidenten

Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune wird heute mit militärischen Ehren von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Villa Borsig empfangen. Später ist ein Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Bundeskanzleramt vorgesehen. Dabei soll es um die bilateralen Beziehungen sowie energie- und wirtschaftspolitische Fragen gehen.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
Was zuvor passierte: 15. Juli 2026

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

Categories
ticker

16.07.2026 | Waldbrand im Müritz-Nationapark wächst | USA kündigen Zölle für Brasilien an | Bis zu 726.000 Jobs in EU-Autoproduktion bedroht

HEUTE6:32 Uhr

Waldbrand bei Müritz breitet sich aus

Der schwere Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern hat sich auf 269 Hektar ausgeweitet. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde erhöht. Es explodiert nach offiziellen Angaben „beständig“ alte Munition. „Aufgrund möglicher giftiger Gase“ sind Kampfmittel-Fachleute vor Ort. Der Landkreis versichert: „Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.“

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:23 Uhr

USA kündigen Zölle auf diverse Importe aus Brasilien an

Die US-Regierung will diverse Importgüter aus Brasilien mit einem Zoll von 25 Prozent belegen. Ausgenommen seien etwa Produkte, die in den USA nicht ausreichend vorhanden seien oder eine besonders sensible Lieferkette hätten. Dazu zählen demnach Erdöl und Gas, Rindfleisch, Orangensaft sowie bestimmte Flugzeugteile. Fällig seien die Zölle ab dem 22. Juli.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:14 Uhr

Studie: Bis zu 726.000 Jobs in Europas Autoproduktion bedroht

Bis 2040 könnten in der europäischen Automobilproduktion bis zu 726.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall zeigen, über die das Nachrichtenmagazin „Politico“ berichtet. Bis 2030 droht ein Wegfall von 375.000 Stellen. Für die Berechnungen wurden vier politische Szenarien und deren Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung modelliert.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE5:47 Uhr

Angriffe im Nahen Osten

Das US-Militär hat erneut Angriffe auf Ziele im Iran gestartet, die iranische Armee flog weitere Attacken auf US-Stützpunkte in der Region. Zudem hinderte die USA einen unbeladenen Öltanker daran, die US-Blockade gegen iranische Häfen zu durchbrechen – ein US-Kampfjet habe dazu „Hellfire-Raketen in den Schornstein des Schiffs abgefeuert“, teilte CENTCOM mit. Teheran ließ eine seit mehr als anderthalb Jahren im Iran festgehaltene US-Staatsbürgerin ausreisen.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE5:30 Uhr

Trump kündigt TV-Ansprache an

Der US-Präsident will am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington eine Fernsehansprache an die Nation halten. Dabei dürfte eines der großen Themen die erneute militärische Eskalation mit dem Iran sein.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
Was zuvor passierte: 15. Juli 2026

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

Categories
ticker

16.07.2026 | USA kündigen Zölle auf diverse Importe aus Brasilien an | Bis zu 726.000 Jobs in Europas Autoproduktion bedroht

HEUTE6:32 Uhr

Waldbrand bei Müritz breitet sich aus

Der schwere Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern hat sich auf 269 Hektar ausgeweitet. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde erhöht. Es explodiert nach offiziellen Angaben „beständig“ alte Munition. „Aufgrund möglicher giftiger Gase“ sind Kampfmittel-Fachleute vor Ort. Der Landkreis versichert: „Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.“

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:23 Uhr

USA kündigen Zölle auf diverse Importe aus Brasilien an

Die US-Regierung will diverse Importgüter aus Brasilien mit einem Zoll von 25 Prozent belegen. Ausgenommen seien etwa Produkte, die in den USA nicht ausreichend vorhanden seien oder eine besonders sensible Lieferkette hätten. Dazu zählen demnach Erdöl und Gas, Rindfleisch, Orangensaft sowie bestimmte Flugzeugteile. Fällig seien die Zölle ab dem 22. Juli.

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

HEUTE6:14 Uhr

Studie: Bis zu 726.000 Jobs in Europas Autoproduktion bedroht

Bis 2040 könnten in der europäischen Automobilproduktion bis zu 726.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall zeigen, über die das Nachrichtenmagazin „Politico“ berichtet. Bis 2030 droht ein Wegfall von 375.000 Stellen. Für die Berechnungen wurden vier politische Szenarien und deren Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung modelliert.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
Was zuvor passierte: 15. Juli 2026

Wollen Sie hierzu mehr erfahren?

Categories
ausland etplus gesellschaft ticker

Chatkontrolle bis 2028 verlängert – Streit um Verfahren und Abstimmung


In Kürze:

  • Die vorläufige Chatkontrolle wurde zunächst zweimal abgelehnt und anschließend per Dringlichkeitsantrag verlängert.
  • Die EVP-Fraktion berief sich dabei auf die Geschäftsordnung des EU-Parlaments.
  • EU-Abgeordneter Martin Sonneborn kritisiert das Vorgehen und spricht von einem Verstoß gegen die Regeln des Parlaments.
  • Ein Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass eine Bewertung der Verhältnismäßigkeit der Regelung auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht möglich ist.

 
Das Europäische Parlament hat am 9. Juli, kurz vor der Sommerpause, eine Verlängerung der Chatkontrolle beschlossen. Die Regelung war im vergangenen April nach fünf Jahren ausgelaufen und sollte nach einer Abstimmung vom 26. März zunächst nicht fortgeführt werden. Damals stimmten 311 Abgeordnete gegen eine Verlängerung, 228 dafür. Nun wurde eine Verlängerung bis April 2028 beschlossen. Maßgeblich beteiligt war die EVP-Fraktion, der unter anderem CDU und CSU angehören.

Viele Debatten, keine Mehrheit

Die Verlängerung der Übergangsregelung erlaubt Anbietern wie WhatsApp, Google und anderen weiterhin, freiwillige Erkennungsmaßnahmen gegen Material über sexuellen Kindesmissbrauch einzusetzen. Kritiker bewerten diese Möglichkeit als Eingriff in die private Kommunikation, da Inhalte auch ohne konkreten Verdacht überprüft werden können.
Der Weg zur erneuten Abstimmung war mehrstufig.
Der Abstimmung vom 26. März ging ein erstes Votum am 11. März voraus. Die Abgeordneten sollten eine Verlängerung der Chatkontrolle bis April 2028 beschließen. Dem Vorschlag der Europäischen Kommission folgte das Parlament jedoch nicht vollständig und brachte eigene Änderungsanträge ein. Anschließend verabschiedete es eine eigene Verhandlungsposition, die eine Verlängerung bis August 2027 vorsah. Eine zentrale Änderung: Das Scannen Ende-zu-Ende-verschlüsselter Kommunikation wurde gestrichen.
Anschließend begannen sogenannte Trilogverhandlungen zwischen Vertretern des Europäischen Parlaments, des Rates der Europäischen Union und der Europäischen Kommission. Da keine Einigung erzielt wurde, kam es am 26. März zu einer weiteren Abstimmung im Parlament. Der Vorschlag erreichte dabei nicht die erforderliche Mehrheit, sodass das Verfahren zunächst nicht abgeschlossen werden konnte.
Damit lief die bisherige Rechtsgrundlage, die Verordnung (EU) 2021/1232 („Chatkontrolle 1.0“), Anfang April nach fast fünf Jahren aus. Sie wurde am 30. Juli 2021 im Amtsblatt der EU veröffentlicht und trat am 2. August 2021 in Kraft.

Parlamentspräsidentin Metsola brachte den Antrag ein

Am 7. Juli brachte Parlamentspräsidentin Roberta Metsola einen Antrag auf Anwendung eines Dringlichkeitsverfahrens ein. Dabei ging es nicht um eine inhaltliche Änderung der bestehenden Verordnung, sondern um einen neuen Gesetzgebungsvorschlag zur Verlängerung ihrer Geltungsdauer. Die aus Malta stammende Politikerin berief sich dabei auf eine Regelung der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments. Dadurch konnte der Vorschlag beschleunigt behandelt und erneut auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Der deutsche EU-Abgeordnete Martin Sonneborn (Die PARTEI) kritisierte das Vorgehen und sieht darin einen Verstoß gegen die Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments. In einer Stellungnahme vor dem Parlament erklärte er, ein Dringlichkeitsverfahren setze „unvorhergesehene Entwicklungen“ voraus, die hier nicht vorlägen. Zudem sei das Verfahren nur für Vorschläge in erster Lesung vorgesehen. Das Dossier zur Chatkontrolle befinde sich dagegen bereits in zweiter Lesung.
Artikel 80 der Geschäftsordnung regelt nach Sonneborns Darstellung den Umgang mit solchen Fällen. Darin heißt es: „Bei Kollision haben die Regeln der zweiten Lesung Vorrang.“ Sonneborn sprach von einem „Durchprügeln“ der Chatkontrolle vor der Sommerpause und forderte Metsola auf, die Abstimmung nicht zuzulassen. Metsola schaltete sein Mikrofon nach 60 Sekunden ab. Dies sei nach den Regeln des Parlaments möglich, werde aber selten angewandt, erklärte Sonneborn anschließend auf X.
Das Parlament stimmte am 7. Juli mit 331 zu 304 Stimmen für das Dringlichkeitsverfahren. Damit war der Weg für eine weitere Abstimmung frei.
Zwei Tage später, einen Tag vor Beginn der Sommerpause, stimmte das Parlament über die Verlängerung ab. Der Antrag erhielt zwar mehr Ja- als Nein-Stimmen, verfehlte jedoch die erforderliche absolute Mehrheit. An diesem Tag nahmen 607 der 720 Abgeordneten an der Abstimmung teil.

Mehrheit der Stimmen reicht nicht aus

Zunächst stimmte das Parlament über den Standpunkt des Rates der Europäischen Union ab, den dieser nach der ersten Lesung an das Parlament zurückgegeben hatte. Kernpunkt war eine bis zum 3. April 2028 befristete Ausnahme von der ePrivacy-Richtlinie. Von den 607 abgegebenen Stimmen lehnten 314 den Standpunkt des Rates ab, 276 stimmten dagegen, 17 enthielten sich. Damit gab es unter den Abstimmenden mehr Stimmen gegen den Vorschlag als dafür. Für eine Ablehnung war jedoch eine absolute Mehrheit aller 720 Abgeordneten erforderlich. Dafür wären 361 Stimmen nötig gewesen.
In einer zweiten Abstimmung ging es um die Ablehnung der geänderten Fassung des Europäischen Parlaments. Diese enthielt unter anderem die Einschränkung, dass Maßnahmen zur Erkennung von Material über sexuellen Missbrauch von Kindern nicht auf Kommunikation mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung angewendet werden sollen. Auch dieser Antrag erhielt keine Mehrheit. 286 Abgeordnete stimmten gegen die Ablehnung, 276 dafür, 30 enthielten sich. Damit war die zweite Lesung abgeschlossen.
Nach der Abstimmung äußerten mehrere Abgeordnete Kritik an dem Verfahren. Die AfD-Abgeordnete Mary Khan sprach von einem „demokratischen Skandal“. „Ein Eilverfahren darf nicht dazu missbraucht werden, eine bereits abgelehnte Überwachungsregelung durch die Hintertür erneut auf die Tagesordnung zu setzen“, sagte sie.
Der Grünen-Abgeordnete Erik Marquardt bezeichnete die Entscheidung als „einen schwarzen Tag für Bürgerrechte und den Kinderschutz im Netz“. Er kritisierte, dass Plattformbetreiber dadurch weiterhin Möglichkeiten erhielten, private Kommunikation zu überprüfen. CDU/CSU warf er vor, damit keine ausreichenden Schutzmaßnahmen für Kinder zu erreichen. Das Verfahren nannte er „eine Farce“.

BSW-Abgeordneter De Masi erwartet Klagen

Der Europaabgeordnete Fabio De Masi (BSW) kritisierte die rechtliche Grundlage der Verlängerung. Auf X schrieb er: „Selbstverständlich muss Kindesmissbrauch bekämpft werden – aber nicht so und als trojanisches Pferd, um anlasslos hunderte Millionen EU-Bürger mit unzuverlässigen Algorithmen zu überwachen!“ Er kündigte an, dass er mit rechtlichen Verfahren gegen die Regelung rechne.
Sachsens Innenminister Armin Schuster begrüßte hingegen die erneute Abstimmung. „Die EVP-Fraktion hat im EU-Parlament zum Schutz unserer Kinder erfolgreich eine stabile Mehrheit vereinen können, um ein zentrales Ermittlungsinstrument im Kampf gegen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch wieder zu reaktivieren“, sagte er laut der „WELT“.
Auch Telegram-Chef Pawel Durow äußerte Kritik an der Verlängerung. Auf seinem X-Account schrieb er: „Einst typisch für Bananenrepubliken, werden solche Tricks nun von der EU genutzt, um Überwachungsgesetze zu verabschieden.“ In einem weiteren Beitrag erklärte er, Telegram werde private Nachrichten nicht scannen.

Bericht sieht Nutzen, aber auch offene Fragen

Ein Ende November 2025 veröffentlichter Bericht zur Anwendung der Verordnung zeigt erhebliche Unterschiede bei der Datenerfassung und Berichterstattung durch Anbieter und Mitgliedstaaten. Das Papier empfiehlt daher eine stärkere Standardisierung der verfügbaren Daten und Meldungen.
Die ausgewerteten Daten zeigen, dass automatisch als mögliches Material über sexuellen Kindesmissbrauch erkannte Inhalte bei der anschließenden menschlichen Prüfung häufig bestätigt wurden. Ein Teil der Meldungen erwies sich jedoch als fehlerhaft. Die Zahl solcher Fehlmeldungen hängt unter anderem von den Einstellungen der eingesetzten Erkennungssysteme ab. Eine höhere Sensibilität kann zwar dazu beitragen, weniger Fälle zu übersehen, führt aber zugleich zu mehr Inhalten, die anschließend überprüft werden müssen.
Die Anbieter geben an, dass die eingesetzten Technologien ausschließlich zur Erkennung, Entfernung und Meldung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch verwendet werden. Vollständige Informationen dazu, ob die Systeme dem aktuellen Stand der Technik entsprechen oder die Eingriffe in die Privatsphäre auf das notwendige Maß begrenzen, liegen laut Bericht jedoch nicht in allen Bereichen vor.
Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die verfügbaren Daten keine abschließende Bewertung der Verhältnismäßigkeit der Regelung ermöglichen. Gleichzeitig verweist er darauf, dass im Berichtszeitraum Tausende Kinder identifiziert und Millionen Bilder und Videos entfernt wurden. Die freiwilligen Meldungen hätten damit einen Beitrag zur Aufdeckung und Verhinderung weiteren Missbrauchs geleistet.
Categories
deutschland ticker

15. Juli: Wassersparen in München | Merz vor Presse | Bürokratieabbau

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

Wassersparen in München

Wegen Trockenheit, steigendem Wasserverbrauch und „strapazierten“ Ressourcen hat die Stadt München eine Allgemeinverfügung erlassen. Zwischen 9 und 19 Uhr ist die Entnahme von Wasser aus dem öffentlichen Netz u. a. zur Poolbefüllung, Gartenbewässerung oder privaten Autowäsche verboten. Bußgelder reichen von 50 bis 50.000 Euro. Die Maßnahmen gelten zunächst bis 1. August.

Merz vor Presse

Bundeskanzler Friedrich Merz lässt bei der Sommerpressekonferenz persönliche Konsequenzen nach den Landtagswahlen im Herbst offen, falls die AfD stark abschneidet. Er zeigt sich zuversichtlich, AfD-Erfolge durch Reformpolitik verhindern zu können. Außerdem verteidigte Merz die hohe Neuverschuldung mit der Sicherheitslage und betonte Reformen in Rente, Pflege und Krankenkassen.

Bürokratieabbau

In Berlin hat die Regierung einige Maßnahmen zum Bürokratieabbau verabschiedet. Beschlossen wurde beispielsweise die Digitalisierung von ärztlichen Überweisungen zu Fachärzten. Zudem gelten Lkw-Fahrverbote nur noch an bundesweit einheitlichen Feiertagen. Und über die Pflicht zur Ortskenntnis für Taxis sollen künftig die Bundesländer entscheiden.

Kein automatischer Schutz

Wehrfähige ukrainische Männer sollen es schwerer haben, in der EU Schutz zu bekommen und zu arbeiten. Darauf einigten sich die EU-Innenminister in Brüssel. Zukünftig sollen sie einen Nachweis der Ukraine erbringen müssen, dass sie rechtmäßig ausgereist oder vom Wehrdienst befreit sind. Männer, die sich bereits in der EU aufhalten, sind davon nicht betroffen.

Für immer Sommerzeit

Das US-Repräsentantenhaus hat ein Gesetz verabschiedet, das die zweimal jährliche Zeitumstellung abschaffen und die Sommerzeit dauerhaft einführen soll. Der „Sunshine Protection Act“ muss nun den Senat passieren. Befürworter sprechen von mehr Alltagstauglichkeit, Kritiker warnen vor dunkleren Wintermorgen.
 
Categories
ticker

Highlights aus der Sommerpressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich zuversichtlich geäußert, Wahlerfolge der AfD bei den Landtagswahlen im Herbst durch gute Reformpolitik zu verhindern. Die Reform der gesetzlichen Krankenkassen begrüßte er als „eine sehr wichtige Reform der Bundesregierung“. Mehr zu den Themen in der Sommerpressekonferenz
Categories
kultur ticker wissen

Ein Mann auf Abwegen? Die Odyssee und ihre Lehren für heute


In Kürze:

  • Odysseus ist einer der bekanntesten Helden der griechischen Mythologie.
  • Seine Irrfahrt nach dem gewonnenen Krieg gegen Troja erzählt der griechische Dichter Homer in dem Epos „Odyssee“.
  • Auf seiner zehnjährigen Reise begegnet Odysseus nicht nur Riesen, Monstern, Sirenen und einer Zauberin, sondern auch der Konsequenz.
  • Jeder Fehltritt von ihm und seinen Männern endet mit einer göttlichen Bestrafung und lehrt früher wie heute, wie wir richtig handeln sollten.

 
Die „Odyssee“ ist zusammen mit der „Ilias“, beide von dem griechischen Dichter Homer um das 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. geschrieben, eines der bekanntesten Werke der Antike. Wie keine anderen Schriftstücke prägten sie die westliche Literatur und ließen neue Gattungen wie die Lyrik oder das Drama entstehen.
Benannt ist das über 2.500 Jahre alte Werk nach seiner Hauptfigur: Odysseus, König von Ithaka. Die Geschichte setzt am Ende des berühmten Trojanischen Krieges an, bei dem Odysseus eine entscheidende Rolle spielte.
Nach dem Kriegsende trat der griechische Held mit seinen Männern die Heimreise und, ohne es zu wissen, seine „Odyssee“ an. Diese währte zehn Jahre und war von Gefahren, Abenteuern und Lehren für das Leben geprägt – ein Umstand, der das Epos noch heute aktuell macht.

Wer war Odysseus?

Odysseus ist neben Theseus und Herakles einer der bekanntesten Helden und Figuren in der griechischen Mythologie. Ob er jemals existierte, ist unbekannt. Laut den Mythen war der unter der Gunst der Göttin Athene stehende König von Ithaka der Gemahl der Prinzessin Penelope, mit der er einen Sohn namens Telemachos hatte.
Er selbst soll väterlicherseits von Göttervater Zeus und mütterlicherseits von Hermes, dem Schutzgott der Reisenden, aber auch dem Gott der Diebe und des Betrugs, abstammen. Von Letzterem habe der als athletisch und wortgewandt beschriebene Odysseus seinen klugen und listreichen Charakter.
Marmorstatue des Odysseus

Diese Marmorstatue soll den griechischen Helden Odysseus darstellen.

Dies machte ihn zu einer entscheidenden Person im Trojanischen Krieg. Einerseits soll er den berühmten Krieger Achilles überredet haben, am Krieg teilzunehmen, andererseits sei ihm die Idee vom Bau des hölzernen Pferdes und der List zur Eroberung des uneinnehmbaren Trojas gekommen. Danach war er bereit für seine turbulente Heimreise, die in der „Odyssee“ auf spannende und uns heute bekannte Weise beschrieben wird.

Die „Odyssee“ – das Vorbild heutiger Romane

Insgesamt besteht die „Odyssee“ aus 24 Gesängen, vergleichbar mit Kapiteln, und 12.110 Versen. Wie moderne Bücher und Kinofilme ist die Geschichte voll mit parallelen Handlungen, Rückblenden und Wechseln der Erzählperspektive. In den ersten sieben Zeilen erhalten die Leser bereits einen Vorgeschmack auf das, was der Hauptakteur erleben wird:
„Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
Welcher so weit geirrt nach der heiligen Troja Zerstörung,
Vieler Menschen Städte gesehn und Sitte gelernt hat
Und auf dem Meere so viel unnennbare Leiden erduldet,
Seine Seele zu retten und seiner Freunde Zurückkunft.
Aber die Freunde rettet’ er nicht, wie eifrig er strebte;
Denn sie bereiteten selbst durch Missetat ihr Verderben […]“
(Johann Heinrich Voß, 6. Auflage der „Odyssee“, Anaconda Verlag, 2015)
Das Epos setzt im siebten Jahr nach dem Ende des Trojanischen Krieges ein. Odysseus ist zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Jahre von seiner Heimat weg. Sein Sohn ist inzwischen ein erwachsener Mann und hegt wie seine Mutter kaum mehr Hoffnung auf die Rückkehr seines Vaters. Während der Held auf einer Insel von der Meeresnymphe Kalypso gefangen gehalten wird, reißen sich in seiner Heimat zahlreiche Bewerber um die Hand seiner Frau – und vor allem um den Thron Ithakas.
In den Gesängen 5 bis 8 erfährt der Leser, dass Göttervater Zeus schließlich Odysseus’ Freilassung erwirkt. Der nach Rache dürstende Meeresgott Poseidon und Bruder von Zeus ist alles andere als begeistert und lässt Odysseus’ Floß zerschellen. Der griechische Held kann sich auf eine Insel retten, auf der er von dem dortigen König freundlich aufgenommen wird. Hier erzählt Odysseus, verpackt in den Gesängen 9 bis 12, seine bewegende Geschichte und damit im Wesentlichen seine Irrfahrt.
Der Rest der Geschichte handelt von seiner finalen Heimkehr nach Ithaka, wo er die Bewerber seiner Frau listreich ausschaltet und glücklich und um viele Erkenntnisse reicher wieder mit seiner Familie vereint ist.
Odysseus nach der Odyssee zuhause in Ithaka

Odysseus ist wieder in Ithaka und beseitigt die Freier in seinem Zuhause.

Zehn Jahre Irrfahrt – und ihre Lehren daraus

Auf seiner zehnjährigen Heimreise machte Odysseus absichtlich oder unfreiwillig an mehr als einem Dutzend Orten rund um das antike Mittelmeer halt. Diese waren jedoch nicht bloß Stationen auf seiner Reise, sondern Prüfungen des Lebens.

Ungefähre Reiseroute von Odysseus gemäß der Erzählung „Odyssee“ von Homer und Lokalisierungsversuchen von Forschern.

Foto: Epoch Times; dikobraziy/iStock

1. Troja
Nach dem zehnjährigen Krieg treten Odysseus und seine Mannschaft, bestehend aus zwölf Schiffen mit je mindestens 40 Männern, umgehend die Heimreise an.

„Blick auf das brennende Troja“, ein Gemälde von Johann Georg Trautmann (1713–1769).

2. Land der Kikonen
Die Flotte legt einen Zwischenstopp in Thrakien beim Volk der Kikonen ein. Odysseus und seine Männer überfallen und morden die ehemaligen Verbündeten Trojas. Statt die Heimreise anzutreten, lässt sich Odysseus von seinen Männern überreden, den Ort weiter zu plündern.
Doch dies wurde bestraft. Einige Kikonen konnten fliehen, organisierten Hilfe bei anderen Stämmen und griffen die Ithaker unerwartet an. Odysseus verliert rund 70 Männer und macht sich mit zehn verbliebenen Schiffen auf den Rückweg.
Zusätzlich straft der Göttervater Zeus die siegreichen Griechen wegen ihres blutrünstigen und unmoralischen Verhaltens und lässt einen Sturm aufziehen. Neun von zehn Schiffen Odysseus’ überstehen den Sturm, müssen aber am nächsten Festland repariert werden.
3. Land der Lotophagen
Im Land der Lotophagen, das heute an der libyschen Küste verortet wird, lässt Odysseus die Schiffe ankern und reparieren. Eine Handvoll seiner Männer isst jedoch die dort heimischen Lotusfrüchte, die sie glücklich machen und ihre Heimat vergessen lassen. Der griechische Held muss seine Krieger gewaltvoll an Bord der Schiffe ziehen und verlässt umgehend den Ort.
3. Station der Odyssee: das Land der Lotophagen

Odysseus bringt seine von Lotusfrüchten beeinflussten Männer zu seinen Schiffen.

4. Insel der Kyklopen
Aus Neugier lässt Odysseus seine Männer die Schiffe in der Nähe der Kyklopeninsel festmachen, was sich schon bald als schwerer Fehler erweisen sollte. Der griechische Held schleicht sich zusammen mit zwölf Männern in die Höhle des Kyklopen Polyphem, der ihnen nicht freundlich gesinnt ist und sechs Krieger verspeist.
Odysseus, der sich als „Niemand“ vorstellt, überlistet den einäugigen Riesen, indem er ihn betrunken macht. Die Krieger blenden den Kyklopen im Schlaf mit einem glühenden Pfahl und entkommen versteckt zwischen einer Schafherde aus der Höhle. Bevor der Kyklop dies bemerkt, sind Odysseus und seine Männer auf den Schiffen und segeln fort.
3. Station der Odyssee: die Insel der Kyklopen

„Odysseus und Polyphem“, gemalt von Arnold Böcklin (1827–1901).

Doch aus Stolz über seine List und aus Wut über den Verlust von sechs Kriegern begeht Odysseus den Fehler, den Kyklopen zu verhöhnen und ihm seinen wahren Namen nachzurufen. Daraufhin verflucht Polyphem den griechischen Helden und bittet seinen Vater Poseidon, Rache an Odysseus zu üben:
„Vater! Erderschütterer und Meeresgott! Hier ist dein Sohn Polyphem. Möge Odysseus niemals den Weg nach Hause finden. Sollten die Erinnyen aber verlangen, dass er zu seiner Familie zurückkehrt, soll ihm das nur nach Jahren der Tortur und des Leids gelingen, ganz allein mit all seinen Schätzen, nachdem er seine Gefährten und Schiffe verloren hat.“
5. Insel des Aiolos
Als Nächstes machte die Flotte auf der Insel von Windgott Aiolos halt. Er will Odysseus und seinen Männern helfen und schenkt ihnen einen Lederschlauch, in dem alle Winde, außer dem Westwind, der sie nach Hause bringen soll, eingesperrt sind.
Aus Gier und Unwissenheit öffnet die Mannschaft des griechischen Helden kurz vor der Ankunft in Ithaka heimlich den Schlauch. Ähnlich wie die Büchse der Pandora wird das „Unheil“ entfesselt und die freigelassenen Winde erzeugen einen Sturm, der die Schiffe weit von der Heimat wegtreibt.
5. Station der Odyssee: die Insel des Aiolos

„Aiolos überreicht Odysseus die Winde“, gemalt von Isaac Moillon (1614–1673).

6. Land der Laistrygonen
Orientierungslos nach dem Sturm ankern die Schiffe der Flotte im Hafen von Telepylos – außer dem Schiff von Odysseus. Dies ist sein Glück, denn hier leben die riesigen Laistrygonen, die die Schiffe mit Steinbrocken bewerfen. Der griechische Held kann mit seinem Schiff und den verbliebenen rund 40 Männern entkommen.
6. Station der Odyssee: das Land der Laistrygonen

Diese künstlerische Darstellung zeigt Odysseus bei den Laistrygonen.

7. Insel Aiaia der Zauberin Kirke
Das verbliebene Schiff landet an der Insel Aiaia an, auf der die Zauberin Kirke lebt und in Tiere verzauberte Menschen hält. Das gleiche Schicksal ereilt die Hälfte von Odysseus’ Männern, die in Schweine verwandelt werden.
Dank eines Krauts, das Odysseus von dem Götterboten Hermes bekommt und ihn gegen die Magie immun macht, trifft sich der griechische Held mit Kirke und erwirkt, dass seine Männer zurückverwandelt werden und alle unbeschadet weiterziehen können.
Bis zum Aufbruch verstreicht jedoch ein Jahr und Odysseus geht eine Liaison mit der Zauberin ein. Aus Liebe zum Helden gibt Kirke ihm den Rat, in der Unterwelt den Seher Teiresias aufzusuchen und ihn nach dem weiteren Weg zu fragen.
7. Station der Odyssee: die Insel Aiaia der Zauberin Kirke

Das Fresko von Giovanni Battista Trotti (1555–1619) zeigt die Zauberin Kirke, die Odysseus’ Männern ihre menschliche Gestalt zurückgibt.

8. Die Unterwelt
Im „Haus des Hades“, dem Reich des Totengottes, sucht Odysseus nach einer Opfergabe den blinden Propheten auf. Dieser weissagt ihm: „Was du Polyphem angetan hast, hat Poseidon erzürnt. Nicht leicht, ihn zu besänftigen. Deine Zukunft steht mir vor Augen. Ich sollte besser sagen: deine Zukünfte. Je nachdem, welche Entscheidung du triffst, werden sich unterschiedliche Wege vor dir auftun.“
Weiter erklärt Teiresias: „Bald schon wird dein Schiff Thrinakia erreichen, die Insel, auf der Helios seine Rinder und Schafe hält. […] Rührst du sie nicht an, geht alles gut. […] Solltest du aber auch nur einem einzigen dieser heiligen Tiere etwas antun, sage ich den Verlust deines Schiffes und aller deiner Männer voraus. Deine Heimkehr wird sich um Jahre verzögern.“

„Theresias erscheint dem Ulysseus [Odysseus] während der Opferung“, ein Gemälde von Johann Heinrich Füssli (1741–1825).

9. Insel der Sirenen
Mit dem Wissen um seine Zukunft reist Odysseus mit seinen Männern weiter. Zunächst müssen sie die Insel der Sirenen passieren, jener Fischfrauen, die mit ihrem verlockenden Gesang Seemänner in den Tod ziehen. Dank der Idee des Helden, sich Wachs in die Ohren zu schmieren und einfach vorbeizurudern, entgehen sie der lauernden Gefahr.

„Odysseus und die Sirenen“, ein Gemälde von Herbert James Draper (1863–1920).

10. Meerenge der Skylla und des Charybdis
Nur Odysseus weiß nun, was die Mannschaft als Nächstes erwartet: eine Meerenge, die den einzigen Weg nach Hause darstellt, die aber von zwei Monstern bewohnt wird. Der griechische Held hat die Wahl: Fahren sie dicht an dem sechsköpfigen Seeungeheuer namens Skylla vorbei, das seine Männer verspeisen könnte, oder entscheidet er sich dafür, nah an dem Strudel Charybdis vorbeizufahren und zu riskieren, dass das gesamte Schiff vom Meer verschluckt wird?
Der König von Ithaka wählt das menschenfressende Monster, ohne seine Männer zu warnen. Zu groß ist seine Angst, dass sich seine Männer weigern könnten und sie nie die ersehnte Heimat erreichen. Als das Schiff vorbeifährt, reißt Skylla sechs Männer in den Tod. Der Rest der Mannschaft überlebt.

„Odysseus vor Skylla und Charybdis“, ein Gemälde von Henry Fuseli (1741–1825).

11. Insel Thrinakia von Sonnengott Helios
Obwohl sie alles haben, um bis nach Ithaka durchzufahren, gewährt Odysseus seinen Männern, an der Insel Thrinakia kurz haltzumachen. Doch schlechte Winde verhindern eine baldige Weiterfahrt und die Essensvorräte gehen zur Neige.
Trotz der Warnung schlachten Odysseus’ Männer einige der auf der Insel grasenden Rinder. Alle außer Odysseus essen sich an dem Fleisch satt, bevor sich das Wetter bessert und sie die Leinen ihres Schiffes lösen.
Kurz nach der Abfahrt zieht ein gewaltiger Sturm auf, geschickt von den Göttern aus Zorn über das Vergehen und den Hochmut der Krieger. Das Schiff wird zerstört und bis auf Odysseus sterben alle Männer. Sein Verzicht rettete ihm das Leben.
11. Station der Odyssee: die Insel Thrinakia von Sonnengott Helios

„Die Gefährten des Odysseus rauben die Rinder des Helios“ von dem Maler Pellegrini Tibaldi (1527–1596).

12. Ogygia von Nymphe Kalypso
Odysseus schafft es an Land der Insel Ogygia, auf der die Meeresnymphe Kalypso lebt. Diese verliebt sich in den Helden, will ihn als ihren Gemahl und hält ihn sieben Jahre lang auf der Insel fest. Sie bekommen gemeinsam zwei Kinder, doch das Angebot der Unsterblichkeit lehnt Odysseus ab – zu groß ist sein Wunsch, nach Ithaka zurückzukehren. Seine Schutzgöttin Athene erwirkt schließlich, dass Kalypso den Helden ziehen lässt.

„Hermes befiehlt Calypso, Odysseus freizulassen“ von Gerard de Lairesse (1641–1711).

13. Scheria
In Scheria, dem Land der Phaiaken, angekommen, erzählt Odysseus dem dortigen König Alkinoos seine Geschichte. Indem ein Schiff Odysseus nach Ithaka bringt, endet seine zehnjährige Irrfahrt.

„Odysseus am Hofe des Alkinoos“ von Francesco Hayez (1791–1882).

Außerdem gibt es Zweifel daran, dass die Geschichte aus der Feder von Homer stammt beziehungsweise der Dichter der alleinige Autor war. Gegen Homer spreche, dass die „Odyssee“ und die „Ilias“ unterschiedlich dargestellt sind. Während die „Ilias“ als reale Kriegsgeschichte erscheint, wirkt die „Odyssee“ mehr wie ein Märchen. Für Homer als Verfasser beider Werke sprechen dagegen der ähnliche Schreibstil und Ausdruck.

Ein Papyrus aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. mit einem Ausschnitt aus der „Odyssee“.

Während die „Ilias“ mit dem Trojanischen Krieg archäologisch belegt ist, suchen Historiker noch immer Beweise für die Irrfahrt. So gehen bei dem Versuch, die Stationen von Odysseus’ Reise mit realen Orten zu verbinden, die Meinungen der Forscher, wie häufig in der Wissenschaft, auseinander. Als einer der renommierten „Odyssee“-Forscher gilt Peter Struck von der University of Pennsylvania, USA, der die Reiseroute anhand des Epos untersuchte und rekonstruierte.

Das prophezeite Ende

Doch was wurde schließlich aus dem antiken Helden, nachdem er erfolgreich in seine Heimat zurückgekehrt war? Von Homer ist dazu nichts bekannt. Dafür verfassten andere antike Schriftsteller wie Aischylos oder Aristoteles zahlreiche Versionen.
In wenigen Schriften heißt es, dass der König von Ithaka wegen der Morde an den Freiern seiner Frau verbannt wurde oder aufgrund seines hohen Alters friedlich starb. In anderen Geschichten endet sein Leben durch die Hand eines seiner unehelichen Kinder, das ihn mit einem Rochenstachel tötet. Dieses Ende passt zum Fluch des Kyklopen, dem Sohn des Poseidon, und der Weissagung des Propheten Teiresias, wonach ihn ein „sanfter Tod durch das Meer erwartet“.
Vieles um Odysseus und seine Irrfahrt ist bis heute ein Rätsel. Doch egal ob sich die „Odyssee“ jemals so abgespielt hat oder nicht, die Geschichte und ihre Lehren daraus bleiben uns erhalten.
Buchtipp: „Odyssee“
In einer humorvollen und spannenden Art und leicht verständlich beschreibt der britisch-österreichische Schriftsteller Stephen Fry das Epos von Odysseus. Zusammen mit seinen Büchern „Mythos“, „Helden“ und „Troja“ liefert „Odyssee“ einen spannenden Einblick in die griechischen Mythen und schildert, wie diese in unserem alltäglichen Leben heimlich präsent sind.
Verlag: Aufbau
Seitenzahl: 352
ISBN: 978-3-351-04212-7
Das Buch „Odyssee“ von Stephen Fry

Das Buch „Odyssee“ von Stephen Fry.

Categories
china ticker

Peking verstärkt politische Kampagnen in katholischen Kirchen


In Kürze

  • KPCh ordnet mehr politische Schulungen und ideologische Vorgaben in katholischen Kirchen an.
  • Gläubige berichten von Überwachung, Reisebeschränkungen und staatlicher Kontrolle.
  • Kritiker sehen eine weitere Einschränkung der Religionsfreiheit in China.

 
In China verschärft die Kommunistische Partei (KPCh) ihre Kontrolle über die katholische Kirche. Nach Angaben von Gläubigen müssen Gemeinden zunehmend politische Schulungen durchführen, ideologische Vorgaben umsetzen und eine engere staatliche Aufsicht akzeptieren. Kritiker sehen darin den Versuch Pekings, religiöse Eigenständigkeit durch politische Loyalität gegenüber der KPCh zu ersetzen.
Die KPCh erkennt nur eine staatlich kontrollierte katholische Kirche an. Diese wird von der Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung und der Bischofskonferenz der Katholischen Kirche in China geleitet, die beide der Aufsicht der Partei und nicht des Vatikans unterstehen.
Bei jüngsten Treffen offizieller katholischer Organisationen in den Provinzen Guangdong und Jiangsu wurden Geistliche und führende Laien aufgefordert, die Politik der sogenannten „Sinisierung der Religion“ voranzutreiben und Maßnahmen zur „strengen Verwaltung der Religion“ umzusetzen. Kritiker sehen darin einen weiteren Schritt, die Kirchen stärker in das politische System der KPCh einzubinden.
Chinesische Katholiken erklärten gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, die neuen Vorgaben seien Teil eines umfassenden Kurses, der religiöse Unabhängigkeit zunehmend durch politische Linientreue ersetzen solle. Aus Angst vor Repressalien äußerten sie sich anonym oder lediglich unter Angabe ihres Nachnamens.

Kirchen müssen politische Vorgaben umsetzen

Nach einer am 8. Juli veröffentlichten Mitteilung der katholischen Kirche in der Provinz Guangdong wiesen die dortigen Kirchenbehörden bei einer Sitzung in Guangzhou katholische Organisationen, Pfarreien, Geistliche und führende Laien an, sich künftig verstärkt an politischen Schulungen und staatlichen Kampagnen zu beteiligen.
Im Mittelpunkt standen dabei die Stärkung der „politischen Führung“, eine verschärfte interne Kontrolle sowie langfristige Maßnahmen zur Umsetzung der von Peking propagierten „Sinisierung der Religion“. Ziel sei zudem eine „strenge Verwaltung der Religion“, wie es in den offiziellen Vorgaben heißt.
Auch im benachbarten Jiangsu fand Anfang Juli eine vergleichbare Sitzung statt. Nach Angaben der offiziellen Website der katholischen Kirche Chinas mussten die Teilnehmer unter anderem eine Rede von Staats- und Parteichef Xi Jinping zum 105. Jahrestag der KPCh, das neue Gesetz zur nationalen Einheit der Ethnien sowie weitere politische Leitlinien und Dokumente der staatlich kontrollierten katholischen Kirche studieren.

Gläubige berichten von wachsender Überwachung

Ein Katholik aus Shenzhen erklärte gegenüber der Epoch Times, die Kontrolle über die Kirchen habe sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verschärft.
„Sie treiben die Sinisierung der Religion seit Jahren voran“, sagte er. „Vor dem Kircheneingang wurden mehrere Überwachungskameras installiert, außerdem Kameras im Inneren der Kirche. Offiziell dient das der Sicherheit, aber ich halte das für einen Vorwand.“
Nach seinen Angaben werden Gläubige inzwischen regelmäßig verpflichtet, Reden Xi Jinpings und politische Vorgaben zu studieren.
„Das geht zu weit, aber wir können nichts dagegen tun“, sagte der Mann.
Der Katholik, der seit mehr als 40 Jahren seinem Glauben angehört, beobachtet zudem, dass sich die Sprache und Disziplin der Partei zunehmend im kirchlichen Alltag widerspiegeln.
„Man sagt uns ständig, wir müssten Vorschriften und Religionsgesetze studieren. Außerdem müssen wir politische Erklärungen zur Unterstützung bestimmter Maßnahmen abgeben“, berichtete er. „Vertreter der Patriotischen Vereinigung nehmen an jeder Messe teil. Ich habe das Gefühl, dass sie uns überwachen.“

Kontakte ins Ausland eingeschränkt

Ein weiterer Katholik aus Shenzhen, der aus Sicherheitsgründen nur mit seinem Nachnamen Li genannt werden wollte, sagte, politische Schulungen gehörten inzwischen zum Alltag in den Kirchen.
„Die Behörden erlauben uns keinen Kontakt zu ausländischen Kirchen“, erklärte er. „Besonders misstrauisch sind sie gegenüber Katholiken aus Taiwan und Südkorea. Jegliche Kommunikation mit ihnen ist verboten.“
Nach seinen Angaben mussten Priester ihre Reisepässe abgeben und unterliegen strengen Reisebeschränkungen.
„Wenn sie einen Reisepass beantragen, wird der Antrag in der Regel abgelehnt“, sagte Li.
Er berichtete zudem, dass die Polizei kurz nach einem Telefonat eines südkoreanischen Katholiken mit einem Mitglied seiner Gemeinde erschienen sei. Die Beamten hätten detaillierte Fragen zur Identität des Anrufers, dessen Telefonnummer und dem Inhalt des Gesprächs gestellt.

Politische Schulungen verdrängen das Gemeindeleben

Eine Katholikin aus Xuzhou in der Provinz Jiangsu berichtete der Epoch Times, dass ihre Pfarrei seit Kurzem regelmäßig rechtliche und politische Dokumente mit Bezug zur Religion studieren müsse.
„Man sagte uns, wir müssten die Reden Xi Jinpings umsetzen, weil dies eine wichtige politische Aufgabe sei“, sagte sie. „Früher gingen wir hauptsächlich zur Messe und zur Beichte. Heute muss die Kirche die Vorgaben der Regierung erfüllen. Sie fühlt sich immer weniger wie ein Ort des Glaubens an, aber kaum jemand wagt Widerspruch.“
Xi Jinping stellte das Konzept der „Sinisierung der Religion“ erstmals 2015 auf einer nationalen Konferenz der Einheitsfront vor. Seither ist die Politik fester Bestandteil der offiziell anerkannten Religionslehren Chinas.
Politische Rituale wie das Hissen der Nationalflagge oder das Singen der Nationalhymne gehören inzwischen vielerorts zum Alltag in Kirchen, Moscheen und buddhistischen Tempeln. Zudem ließ das Regime an mehreren Moscheen traditionelle Kuppeln entfernen, um deren Erscheinungsbild an chinesische Vorgaben anzupassen.

Behörden greifen auch in den Gottesdienst ein

Nach Angaben der US-amerikanischen Organisation ChinaAid, die sich für Religionsfreiheit in China einsetzt, durfte eine katholische Kirche in Xuchang, Provinz Henan, am 30. November 2025 Minderjährige zum Klavierspielen und zur Teilnahme an Gottesdiensten einlassen.
Nur zwei Tage später ordneten der örtliche Ausschuss für katholische Angelegenheiten und die Katholisch-Patriotische Vereinigung, die beide der KPCh unterstehen, die sofortige Einstellung der Gottesdienste an. Die Gemeinde musste Auflagen zur „Behebung der Mängel“ vorlegen. Zeitweise brachten die Behörden am Eingang der Kirche sogar eine amtliche Schließungsanordnung an.
Nach Einschätzung eines Mitglieds einer katholischen Untergrundkirche in der Provinz Shanxi dienen die politischen Kampagnen in den offiziellen Kirchen zugleich dazu, den Druck auf nicht registrierte Gemeinden zu erhöhen.
„Zuerst verschärfen sie die Kontrolle über die offiziellen Kirchen, dann verlangen sie, dass die Untergrundkirchen demselben Modell folgen“, sagte er. „Wer sich registrieren lässt, muss die Kontrolle der Patriotischen Vereinigung akzeptieren. Wer das nicht tut, gilt als illegal.“

Chinesische Katholiken knien und beten am 9. April 2017 während der Palmsonntagsmesse in einer sogenannten Untergrund- oder nicht offiziell anerkannten Kirche nahe Shijiazhuang in der Provinz Hebei.

Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Vatikan-Abkommen bleibt umstritten

Seit Jahrzehnten verlangt die chinesische Führung von Katholiken, ausschließlich Kirchen der staatlich kontrollierten Katholisch-Patriotischen Vereinigung zu besuchen. Untergrundkirchen, die dem Vatikan treu geblieben sind, stehen dagegen seit Jahren unter erheblichem staatlichem Druck.
Im Jahr 2018 schlossen der Vatikan und Peking ein vorläufiges Abkommen über die Ernennung katholischer Bischöfe. Der Inhalt der Vereinbarung wurde nie veröffentlicht, sie wurde jedoch mehrfach verlängert. Im Oktober 2024 gaben beide Seiten bekannt, das Abkommen um weitere vier Jahre fortzuführen.
Ein in Peking ansässiger Kritiker der chinesischen Religionspolitik erklärte gegenüber der Epoch Times, das Abkommen habe der KPCh zusätzlichen Spielraum verschafft, Untergrundkirchen weiter an den Rand zu drängen. Gleichzeitig präsentiere die Führung die staatlich kontrollierte katholische Kirche zunehmend als einzige legitime katholische Institution des Landes.
Wu Ting hat zu diesem Bericht beigetragen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Beijing Expands Political Campaigns Inside Catholic Churches“. (Deutsche Bearbeitung: zk)
Categories
gesellschaft ticker

Neues Kita-Gesetz: Prien plant Sprachtests für alle Vierjährigen

Mit Sprachtests für alle Vierjährigen und gezielter Förderung in den Kitas will Bundesministerin Karin Prien eine Trendwende in der Bildungspolitik erreichen. „Denn gute Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern in der Kita“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
Prien legte den Entwurf eines neuen Kita-Gesetzes vor, das für die Kinder den Übergang zur Grundschule erleichtern soll. Dafür verspricht der Bund bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro. Hintergrund sind die extrem unterschiedlichen Bildungschancen für Kinder in Deutschland, die sich oft schon in der Grundschule zeigen und dann durch die gesamte Bildungslaufbahn ziehen.

„Das größte bildungspolitische Projekt“

„Das Kita-Startchancen-und-Qualitätsentwicklungsgesetz ist das größte bildungspolitische Projekt dieser Koalition“, sagte Prien. „Mit diesem Gesetz stärken wir Sprache als entscheidenden Schlüssel für jede Bildungsbiografie: Erstmals erfassen wir bundesweit den Sprachstand von Kindern und sorgen dafür, dass sie frühzeitig die Förderung erhalten, die sie brauchen.“
Prien hat den Entwurf länger vorbereitet und auch mit den für die Bildung zuständigen Ländern besprochen. Die CDU-Politikerin setzt damit Ziele aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD um. Grundgedanke dabei ist, dass Kinder nur mit ausreichenden Sprachkenntnissen in der Grundschule dem Unterricht folgen können.

Einheitliche Standards

Das Gesetz setzt an drei Punkten an: mehr Kinder in öffentliche Betreuung bringen, möglichst früh vor allem fehlende Sprachkenntnisse dingfest machen; und etwaige Probleme durch gezielte Hilfen ausgleichen. Die Tests, bei denen neben Sprachkenntnissen auch Bewegung und Entwicklungsstand ermittelt werden, sollen auch Vierjährige durchlaufen, die nicht in einer Kita sind.
Das alles soll dem Entwurf zufolge erstmals nach bundesweit einheitlichen Standards passieren. Besonderes Augenmerk soll auf Kitas liegen, die viele Kinder betreuen, die in schwierigen Lebensumständen aufwachsen. Auch alle anderen Kitas sollen aber etwas mehr Geld und Zeit für die neuen Tests und die Förderung bekommen.

30 Minuten pro Woche und Kind

Konkret heißt es im Entwurf: „Für die verbindliche Feststellung des Sprach- und Entwicklungsstands von Kindern spätestens im fünften Lebensjahr in Kindertageseinrichtungen und die anschließende Förderung der Kinder bei Förderbedarf werden den Kindertageseinrichtungen personelle Ressourcen für die Erhebung im Umfang von zwei Stunden je Kind sowie für die Planung und Begleitung der Förderung im Umfang von mindestens dreißig Minuten je Kind pro Woche zur Verfügung gestellt.“
Für Kitas mit „einem erhöhten Anteil von Kindern in herausfordernden Lebenslagen“ sind noch etwas mehr „zusätzliche personelle Ressourcen“ für sprachliche Bildung und andere Hilfen vorgesehen: je Einrichtung mit 80 Kindern sollen Fachkräfte für insgesamt mindestens 20 Stunden pro Woche zusätzlich finanziert werden, bei mehr als 80 Kindern für mindestens 40 Stunden und bei mehr als 120 Kindern mindestens 60 Stunden.

Erfahrungen aus Startchancen-Schulen

Diese besondere Förderung soll in mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Land zur Verfügung stehen. Kriterium dafür ist, ob dort besonders viele Kinder sind, die in finanzieller Bedürftigkeit aufwachsen, für die die Familiensprache nicht deutsch ist oder deren sprachliche Entwicklung auffällig ist. Kitas und Schulen sollen Daten über Ergebnisse der Sprach- und Entwicklungstests miteinander teilen können.
Mit dem neuen Gesetz übertrage man Erfahrungen der Bund-Länder-Zusammenarbeit aus dem schulischen Startchancen-Programm auf Kitas in herausfordernden Lagen, sagte Prien. Eine langfristig verlässliche Finanzierung schaffe Planungssicherheit für Länder und Kommunen.
„Verlässliche und qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung eröffnet Kindern bessere Zukunftschancen, entlastet Familien und ist für viele Mütter eine entscheidende Voraussetzung für den beruflichen Wiedereinstieg und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, betonte Prien. „Mit diesem Gesetz investieren wir in die Chancen unserer Kinder, in die Zukunft unserer Gesellschaft und in die wirtschaftliche Stärke unseres Landes.“
Der Paritätische Gesamtverband hält die finanziellen Zusagen im Gesetz für unzureichend. „Der Bund bestellt, aber bezahlt nicht“, erklärte der Verband in einer ersten Reaktion. „Die Anforderungen für die Kindertagesbetreuung sollen steigen, aber der Bund zieht sich langfristig aus der Finanzierung der Kitas zurück.“ Das sei im Gesamtergebnis enttäuschend. (dpa/red)
Categories
etplus meinung ticker vital

Vitamin D: Können Kapseln und Sonne im Sommer zu viel des Guten sein?

Letzten Monat saß Frau L., 68 Jahre alt, ruhig und sachlich vor mir in meiner Praxis. Ich kenne sie als eine Patientin, die ihre Gesundheit mit großer Sorgfalt betrachtet.
„Herr Doktor“, sagte sie, „jetzt ist endlich Sommer. Ich nehme seit Monaten Vitamin D wegen meines Mangels. Aber kann ich damit nicht irgendwann zu viel bekommen?“ Ihre Frage war nüchtern, aber mit dem klaren Wunsch nach Orientierung.
Genau diese Art von Unsicherheit begegnet mir immer wieder: Menschen, die zwischen Sonnenlicht, Nahrungsergänzung und widersprüchlichen Empfehlungen nicht mehr wissen, was für ihre Gesundheit richtig ist.

Sommersonne als trügerische Sicherheit

Vitamin D ist essentiell für ein funktionierendes Immunsystem, die Kalziumaufnahme sowie die Knochen- und Zahngesundheit. Damit die körpereigene Bildung des Vitamins in ausreichenden Mengen stattfindet, ist die UV-B-Strahlung im natürlichen Sonnenlicht wesentlich.
Allerdings ist Deutschland kein Land, in dem die Sonne zuverlässig für stabile Vitamin-D-Spiegel sorgt. Tatsächlich erreichen selbst im Hochsommer viele Menschen nicht die notwendige UV-B-Intensität, weil sie im Alltag nicht ausreichend direkte Sonne bekommen.
Studien zeigen, dass selbst in sehr sonnigen Regionen viele Menschen zu wenig Vitamin D haben.
Noch deutlicher wurde dies in der deutschen DEGS1-Analyse aus dem Jahr 2014, die belegte, dass über die Hälfte der Bevölkerung auch im Sommer keine optimalen Vitamin-D-Spiegel hat.
Das bedeutet: Die Sommermonate mit mehr Sonnenstrahlung sind hilfreich, aber sie sind kein verlässlicher Garant. Faktoren wie Alter, Hauttyp, Medikamenteneinnahme und Lebensstil beeinflussen die Produktion massiv – ein Punkt, den viele Patienten nicht kennen oder unterschätzen.

Die Gefahr der Überdosierung

Vitamin D unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von vielen anderen Vitaminen: Der Körper kann es nicht beliebig ausscheiden, wenn zu viel vorhanden ist.
Genau darin liegt der Grund, warum eine Überdosierung möglich ist – auch wenn sie selten vorkommt.
Was der Körper an wasserlöslichen Vitamin C oder B nicht braucht, spült er einfach wieder weg. Vitamin D ist jedoch fettlöslich: Der Körper kann es nicht einfach ausscheiden, sondern speichert es ab.
Diese Speicherfähigkeit ist grundsätzlich ein Vorteil, denn sie ermöglicht eine langfristige stabile Versorgung über Wochen. Doch sie bedeutet auch, dass der Körper Vitamin D im Fettgewebe und in der Leber anreichert.
Wenn über längere Zeit deutlich zu hohe Mengen eingenommen werden, kann der Spiegel so stark steigen, dass der Kalziumhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Genau dieser Mechanismus – die sogenannte Hyperkalzämie – ist der Grund, warum Vitamin D anders bewertet werden muss als wasserlösliche Vitamine.
Die Frage nach einer möglichen Überdosierung ist also berechtigt. In meiner Praxis sehe ich Überdosierungen allerdings extrem selten. Viel häufiger sehe ich Menschen, die trotz Sommerlicht und Nahrungsergänzung weiterhin im Mangel bleiben.
Die Übersichtsarbeit von Vieth über die Ergänzung von Vitamin D zeigte, dass selbst höhere Dosierungen als empfohlen, über längere Zeiträume keine toxischen Werte erzeugten, solange sie ärztlich begleitet wurden.
Gleichzeitig warnen wissenschaftliche Analysen vor unkontrollierter Selbstmedikation ohne Laborwerte.
Die Gefahr liegt also nicht im Vitamin D selbst, sondern im fehlenden Monitoring. Wer blind supplementiert, kann theoretisch zu hohe Werte erreichen. Wer seinen Spiegel kennt, bewegt sich dagegen in einem sicheren Bereich.
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Studien, die zeigten, wie stark die individuelle Reaktion auf Vitamin-D-Gaben variiert. Zwei Menschen mit identischer Dosierung können abhängig von verschiedenen Faktoren, wie Genetik oder Body-Mass-Index, völlig unterschiedliche Vitamin-D-Spiegel entwickeln.
Genau deshalb ist die pauschale Empfehlung „Im Sommer braucht man kein zusätzliches Vitamin D“ wissenschaftlich nicht haltbar.

Warum ich jeden Spiegel messe – und warum das der entscheidende Schritt ist

Als Frau L. vor mir saß, wusste ich aus früheren Messungen, dass ihr Spiegel selbst im Sommer schnell absinkt. Ihr Körper produziert weniger Vitamin D, ein Phänomen, das bei älteren Menschen gut dokumentiert ist. Ich erklärte ihr, dass die Sonne ihr hilft, aber in ihrem Fall nicht ausreichend. Und dass eine tatsächliche Überdosierung nur dann möglich wäre, wenn sie unkontrolliert eine Nahrungsergänzung mit zu hoher Dosis einnehmen würde.
In der ganzheitlichen Medizin ist Vitamin D kein isolierter Stoff, sondern Teil eines komplexen Systems aus Stoffwechsel, Immunfunktion und hormoneller Regulation. Deshalb ist die Laboranalyse für mich der zentrale Schritt. Sie schafft Klarheit, verhindert Fehldosierungen und ermöglicht eine individuelle, sichere Versorgung.
Die wissenschaftliche Literatur unterstützt dieses Vorgehen. Studien zeigen, dass Menschen mit kontrollierter Supplementation stabilere und sicherere Werte erreichen als jene, die ohne Laborwerte dosieren. Das bestätigt, was ich seit Jahren in der Praxis beobachte: Kontrolle schützt – nicht selbstständiger Verzicht an heißen Tagen.

Fazit

Vitamin D ist ein zentraler Gesundheitsfaktor, der weit über die Sommermonate hinaus Bedeutung hat.
Die Sonne hilft bei der Vitamin-D-Versorgung , aber sie ersetzt keine Laboranalyse. Eine Überdosierung ist theoretisch möglich, aber selten – und fast ausschließlich dann, wenn Menschen ohne Kontrolle supplementieren.
Mein Tipp aus der ganzheitlichen Praxis lautet daher: Immer zuerst den Spiegel bestimmen lassen und erst danach angepasst supplementieren. So wird Vitamin D zu einem präzisen Werkzeug, nicht zu einem Risiko. Wer seinen Wert kennt, kann sicher, wirksam und individuell versorgt werden – im Sommer wie im Winter.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Categories
deutschland ticker

Singen der DDR-Hymne bei AfD-Termin sorgt für Kritik

Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) hat das Singen der DDR-Hymne bei einer AfD-Veranstaltung mit Sachsen-Anhalts Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Parteichef Tino Chrupalla scharf kritisiert.
„Ich finde das extrem befremdlich“, sagte Frei am Mittwoch, 15. Juli, im Sender Welt TV. Es gelte insbesondere dann, „wenn das von politischen Repräsentanten gemacht wird, die damit ja ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden möchten“.
Die AfD hatte am Dienstagabend in Dessau-Roßlau zu einer Podiumsdiskussion mit dem Kabarettisten Uwe Steimle eingeladen. Am Ende sollte eigentlich die deutsche Nationalhymne gesungen werden, Steimle stimmte jedoch die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ an.
Siegmund und Chrupalla sangen sie teilweise mit Steimle und den Besucher der Veranstaltung mit. Anschließend wurde auch die deutsche Hymne gesungen.

Beleites: Hymne einer Diktatur

Deutliche Worte fand auch der Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Johannes Beleites: „Die Hymne der DDR war die Hymne einer Diktatur. Ich finde es sehr irritierend, dass sie am Ende einer Wahlkampfveranstaltung einer Partei, die den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt stellen möchte, gesungen wird.“
Beleites sprach von einer „Missachtung der Opfer der SED-Diktatur“. Es sei zudem „eine Geringschätzung der Menschen, die für Freiheit und Demokratie ihr Leben riskiert oder lange Haftstrafen in Kauf genommen haben“.
Chrupalla verteidigte hingegen das Singen der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Sie drücke genau die Hoffnung aus, die Bürger empfinden würden. „Wir möchten dafür sorgen, dass nicht weitere Ruinen entstehen – wie im Bereich der gesprengten Kernkraftwerke oder anderer kritischer Infrastruktur“, sagte der AfD-Chef dem „Stern“. (afp/red)
Categories
deutschland ticker

Wasserknappheit: München schränkt Wassernutzung ein – Bußgelder bis zu 50.000 Euro


In Kürze:

  • München hat wegen Trockenheit und hoher Wasserverbräuche eine befristete Allgemeinverfügung zum Wassersparen erlassen.
  • Zwischen 9 und 19 Uhr gelten unter anderem Verbote für Poolbefüllung, Gartenbewässerung und private Wasserspiele.
  • Bei Verstößen drohen Bußgelder von 50 Euro bis zu 50.000 Euro.
  • Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 1. August und können je nach Wetterlage verlängert oder angepasst werden.

 
In München gelten ab heute mehrere Einschränkungen im Bereich des Umgangs mit Wasser. Am Tag zuvor hat das Referat für Klima- und Umweltschutz der bayerischen Landeshauptstadt eine Allgemeinverfügung erlassen. Diese dient der „Regelung der Nutzung von Trinkwasser und der Entnahme von Grundwasser und aus oberirdischen Gewässern“.
Die „Allgemeinverfügung zum Wassersparen“ untersagt mehrere Formen von Entnahme von Wasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz und von Grundwasser. Einige Beschränkungen gelten nur temporär. Vorerst gilt die Allgemeinverfügung, befristet bis zum 1. August. Eine Verlängerung des Zeitraums ist bei andauernder Trockenheit möglich – bei erheblicher Entspannung auch eine Verkürzung. Entwickeln sich Klima und Wetterlage sowie der dadurch bedingte mengenmäßige Zustand der Gewässer ungünstig, kann es „zu weiteren Einschränkungen durch eine Allgemeinverfügung kommen“.

Wasserknappheit: München verzichtet auf das Reinigen der Fenster im Rathaus

In der Zeit von 9:00 bis 19:00 Uhr ist die Entnahme von Wasser etwa zum Befüllung und Betrieb privater Pools und ähnlicher Badebecken untersagt. Auch gilt das Entnahmeverbot für private Springbrunnen, Wasserspiele, Bewässerungsanlagen und sogar Regentonnen. Hausgärten, aber auch Klein- und Schrebergartenanlagen dürfen in diesem Zeitraum nicht aus dem öffentlichen Versorgungsnetz bewässert werden.
Ausnahmen gelten für Flächen und Bereiche, die gewerblicher oder öffentlicher Nutzung dienen. Auch wassersparende Bewässerung und Beregnung mit Tröpfchenfunktion, land- und forstwirtschaftliche Bewässerung und jene von Friedhöfen bleiben gestattet.
Aber selbst in diesem Bereich sind bereits Einschränkungen wahrnehmbar. So haben die Stadtwerke schon zu Beginn des Monats den Fischbrunnen am Marktplatz abgedeckt. Außerdem will die Stadt auf die Fensterreinigung in öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus verzichten.

Bußgelder bis zu 50.000 Euro drohen

Fortan ist auch das Autowaschen nur noch in gewerblichen Anlagen erlaubt – solange es nicht um sicherheitsbedingt gebotene Reinigungen von Einsatzfahrzeugen geht. Privatpersonen ist es bis auf Weiteres nicht gestattet, Hochdruckreiniger oder Bürsten zum Einsatz zu bringen, um Terrassen, Wände, Dächer oder Höfe abzuspritzen oder zu bewässern.
Abgesehen von behördlich vorgeschriebenen Maßnahmen dürfen auch Verantwortliche auf Baustraßen oder Baustellen nicht mehr Wasser zur Verminderung der Staubentwicklung zum Einsatz bringen. Die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässern im Stadtgebiet der bayerischen Landeshauptstadt ist – mit wenigen Ausnahmen – sogar vollständig untersagt. Zu diesen gehören geringfügiger Gemeingebrauch, Viehtränke oder thermische Nutzungen mit vollständiger Rückleitung.
Widerrufliche Ausnahmegenehmigungen sind vorgesehen, wenn „überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit dies erfordern“ oder ein Verbot oder eine Beschränkung eine unbillige Härte herbeiführen würden. Für einfache Verstöße gegen die Allgemeinverfügung drohen Bußgelder in einer Größenordnung von 50 bis 1.000 Euro. Wiederholte oder grobe Verstöße können bereits Zahlungen von bis zu 10.000 und schwere oder gewerbliche von bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen.

Stadtwerke sollen Wasserstrategie für München erarbeiten

Die Landeshauptstadt begründet den Schritt mit der Trockenheit infolge der jüngsten Hitzewelle und einem Anstieg der Wassernutzung. Der seit Mai regierende Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) erklärte, dass der Wasserverbrauch in jüngster Zeit erneut deutlich angestiegen sei. Er betont:
„Nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling sind die vorhandenen Ressourcen der Wasserversorgung Münchens derzeit äußerst strapaziert.“
Der Wasserverbrauch liege im Schnitt in der Stadt bei etwa 300 Millionen Litern, zuletzt sei dieser jedoch auf mehr als 360 Millionen Liter angestiegen. Der Oberbürgermeister wies die Stadtwerke München (SWM) an, eine Wasserstrategie zu erarbeiten. Diese solle Wege aufzeigen, die Wasserversorgung der Stadt angesichts veränderter klimatischer Bedingungen dauerhaft zu gewährleisten.
Der Vorsitzende der SWM-Geschäftsführung, Dr. Florian Bieberbach, kündigte an, die Stadtwerke brächten ergänzend zur Allgemeinverfügung der Stadt eine Wasser-Sparanordnung heraus. Der Versorger erweitere die Vorgaben auch über die Stadtgrenzen hinaus auf das gesamte Wasserversorgungsnetz.

Mehrere Regionen schränken Wasserentnahme ein

Das Trinkwasser Münchens stammt dem SWM zufolge aus Grundwasser und dem Mangfalltal. Dort sinke jedoch der Wasserspiegel, der Fluss führe immer häufiger Niedrigwasser und die entnehmbare Menge sinke. Pro Kopf und Jahr verbrauche ein Einwohner der Stadt München rund 40.000 Liter Wasser. Im Sommer liege der Verbrauch um etwa 25 bis 33 Prozent über dem Schnitt.
Verbote und Beschränkungen der Wasserentnahme gibt es bislang nur in einzelnen Landkreisen. Die meisten davon liegen in Bayern und Baden-Württemberg. Aber auch im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg) und in Darmstadt (Hessen) und weiteren Landkreisen gibt es Allgemeinverfügungen zur Wassernutzung.