Categories
etplus meinung ticker

Warum machen sich junge Menschen so große Sorgen um das Aussterben der Menschheit?

Angst vor dem Untergang der Menschheit – Bei manchen nimmt sie die Form einer diffusen Sorge an. Bei anderen nährt sie die tiefere Schwierigkeit, sich ein Leben in Studium, Beruf, Partnerschaft oder Elternschaft vorzustellen. Die Angst vor dem „Untergang der Menschheit“ bedeutet nicht unbedingt, dass man davon überzeugt ist, dass eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht: Oft drückt sie das Gefühl aus, dass die gemeinsamen Orientierungspunkte nicht mehr ausreichen, um eine erstrebenswerte Zukunft zu gewährleisten.
Diese Sorge lässt sich jedoch weder auf eine einzige Ursache zurückführen noch systematisch medizinisch behandeln. Jüngste Forschungen zur Öko-Angst zeigen, dass sie gemeinsam mit anderen großen Belastungen auftritt: Einsamkeit, prekäre Lebensverhältnisse, schulischer Druck, berufliche Unsicherheit und die ständige Konfrontation mit angstauslösenden Informationen. Die Herausforderung besteht daher darin, diese klar wahrzunehmen, ohne sie in Fatalismus zu verwandeln, und Räume für Handlung, Beziehungen und Sinn wieder aufzubauen.

Eine Generation, die mit gleichzeitigen Krisen konfrontiert ist

Der Klimawandel ist eines der sichtbarsten Gesichter dieser Besorgnis. Brände, Dürren, Hitzewellen und Überschwemmungen machen eine Bedrohung greifbar, die lange Zeit als fern wahrgenommen wurde. Jüngere Generationen wissen, dass sie stärker als ihre älteren Mitmenschen mit den Folgen dieser Umwälzungen leben müssen, während die politischen und wirtschaftlichen Antworten oft langsam oder unzureichend erscheinen.
Eine im Juli 2026 in „European Child & Adolescent Psychiatry“ veröffentlichte Literaturübersicht, die sich auf 51 Studien zu unter 25-Jährigen stützt, unterstreicht, dass klimabezogene Angst, Sorgen und psychische Belastungen einen erheblichen Teil der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen betreffen. Je nach den berücksichtigten Studien schwankt der Anteil der Teilnehmer, die ein mittleres oder hohes Ausmaß dieser Empfindungen angaben, zwischen 18 und 90 Prozent – ein Zeichen sowohl für das Ausmaß des Phänomens als auch für die unterschiedlichen Messmethoden der einzelnen Erhebungen.
Die Ergebnisse mahnen jedoch zur Vorsicht. Der Begriff „Öko-Angst“ umfasst vielfältige Varianten, die von einer vorübergehenden Sorge bis hin zu Störungen reichen, die spürbare Auswirkungen auf Schlaf, Konzentration, Stimmung oder Lebensentscheidungen haben. Die Sorge angesichts einer realen Bedrohung kann eine verständliche Reaktion sein; sie wird dann bedenklich, wenn sie isoliert auftritt, lähmt oder den Alltag nachhaltig beeinträchtigt.

Über das Klima hinaus: Die Schwierigkeit, sich eine Zukunft vorzustellen

Das Klima ist nicht die einzige Erklärung. Eine aktuelle Studie zu den wichtigsten Stressfaktoren bei jungen Menschen relativiert die Vorstellung, dass Öko-Angst allein der entscheidende Faktor für ihre psychische Gesundheit ist. Wenn sie isoliert betrachtet wird, steht sie zwar mit einer schlechteren psychischen Gesundheit und Schlafstörungen in Zusammenhang. Dieser Zusammenhang nimmt jedoch deutlich ab, wenn andere Variablen einbezogen werden, insbesondere Einsamkeit und finanzielle Sorgen.
Diese Erkenntnis beleuchtet eine umfassendere Realität: Das Gefühl, dass die Welt untergeht, kann manchmal eine Art sein, mehrere Verletzlichkeiten gleichzeitig zu benennen. Der Zugang zu Wohnraum und Arbeitsplatzsicherheit, die Lebenshaltungskosten, der schulische Wettbewerb oder das Gefühl, keinen anerkannten Platz in der Gesellschaft zu haben, beeinträchtigen die Fähigkeit, sich gelassen die kommenden Jahre vorzustellen.
Soziale Netzwerke verstärken manchmal den Eindruck einer permanenten Dringlichkeit. Sie ermöglichen es, sich zu informieren und zu engagieren, begünstigen aber auch die schnelle Abfolge von Katastrophenbildern, alarmierenden Äußerungen und polarisierten Debatten. Für ein junges, besonders stark vernetztes Publikum kann das außergewöhnliche Ereignis schließlich als Dauerzustand erscheinen, während langsamere Informationen – lokale Fortschritte, Hilfsangebote, wissenschaftliche Errungenschaften, politische Entscheidungen – weniger sichtbar sind.

Sorgen können zu einer Form von Klarheit werden

Es wäre zu kurz gegriffen, einer „besorgten“ Jugend vermeintlich rationale Erwachsene gegenüberzustellen. Die von jungen Menschen geäußerten Bedenken stützen sich oft auf fundierte Daten und auf die Beobachtung von Ereignissen, die zahlreiche Regionen betreffen. Es geht daher nicht darum, von ihnen zu verlangen, sich keine Sorgen mehr zu machen, sondern darum, zwischen nützlichem Bewusstsein und lähmender Angst zu unterscheiden.
Im Jahr 2026 veröffentlichte Studien unterstreichen zudem, dass Klimaangst nicht automatisch zu Resignation führt. Sie kann auch die Übernahme umweltfreundlicher Verhaltensweisen und die Beteiligung an kollektiven Initiativen fördern. Eine Studie unter 520 jungen Erwachsenen in der Türkei beobachtete einen Zusammenhang zwischen Öko-Angst und umweltfreundlichen Verhaltensweisen und zeigte zugleich, dass dieses Engagement allein nicht ausreicht, um die Hoffnung wiederherzustellen.
Die Qualität der Informationen ist ein weiterer Ansatzpunkt. Eine Kommunikation, die nur das Schlimmste zeigt, kann Ohnmacht hervorrufen; eine Kommunikation, die die Risiken verharmlosen würde, wäre ebenso kontraproduktiv. Junge Menschen benötigen fundierte Darstellungen, die den Ernst der Herausforderungen aufzeigen, aber auch die verfügbaren Antworten, deren Grenzen und die erzielten Ergebnisse beschreiben. Differenzierung ist keine künstliche Verharmlosung: Sie ermöglicht es, die Fähigkeit zu bewahren, zu beurteilen und zu handeln.

Weniger Materialismus, mehr Verbundenheit und Sinn

Das Streben nach materieller Genügsamkeit kann dazu beitragen, den Druck zu verringern, den manche junge Menschen empfinden – vorausgesetzt, es wird nicht zu einer moralischen Verpflichtung. In einer Gesellschaft, in der Erfolg oft an Einkommen, Konsum und sozialer Sichtbarkeit gemessen wird, kann der Eindruck, nie genug zu besitzen, ein Gefühl des sozialen Abstiegs oder des Scheiterns schüren.
Diese Entwicklung bedeutet nicht, materiellen Komfort abzulehnen oder wirtschaftliche Zwänge zu leugnen. Für Menschen, die mit prekären Lebensumständen konfrontiert sind, mag der Begriff „persönlicher Rückbau“ sogar unangebracht erscheinen.
Auch das Bedürfnis nach Spiritualität ist Teil dieser Suche nach Sinnhaftigkeit. Dies setzt nicht unbedingt eine Rückkehr zur institutionellen Religion voraus. Es kann die Form einer religiösen Praxis, einer Meditation oder einer regelmäßigeren Verbindung zur Natur durch Spaziergänge annehmen. Die Vereinten Nationen weisen darauf hin, dass innere Reflexion, die Suche nach Sinn und Spiritualität Mitgefühl, ein Gefühl für ein Ziel und emotionale Widerstandsfähigkeit fördern können.
Das Vertrauen in die Zukunft wiederzufinden bedeutet daher weder, Krisen zu leugnen, noch eine Welt ohne Gefahren zu versprechen. Es geht darum, wieder zu lernen, mit Unsicherheit umzugehen – mithilfe gemeinsamer Ressourcen: zuverlässiger Informationen, starker sozialer und familiärer Bindungen sowie einer vertieften inneren Reflexion über die Suche nach dem Sinn in der Gegenwart.
Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.fr unter dem Titel „Pourquoi l’extinction de l’humanité inquiète autant les jeunes ?“. (deutsche Bearbeitung: ks)
Categories
etplus meinung ticker

Kemmerich: Was Deutschland von Milei lernen kann

In Argentinien könnten Politiker bald zur Rechenschaft gezogen werden, wenn die öffentlichen Kassen über mehrere Monate hinweg im Minus liegen. In diesem Fall soll der Staatsapparat automatisch teilweise stillstehen. Präsident, Vizepräsident, Senatoren, Abgeordnete, Minister und Staatssekretäre würden dann keine Gehälter mehr erhalten. Nur wesentliche staatliche Bereiche wie Renten, Gesundheitsversorgung, Sicherheit und Verteidigung blieben aktiv. Ein entsprechendes Reformpaket hat Argentiniens Präsident Javier Milei kürzlich vorgestellt. Ist so eine „fiskalische Fußfessel“ auch für Deutschland denkbar? Darüber sprachen wir mit dem Politiker und Unternehmer Thomas L. Kemmerich.
Herr Kemmerich, wie bewerten Sie das Vorhaben einer „fiskalischen Fußfessel“ des argentinischen Präsidenten Milei? Wäre ein solcher Automatismus auch für Deutschland denkbar?
Milei greift, wie bei vielen Dingen, hier etwas auf, das viele Bürger spüren: dass Politiker weitere Schulden aufnehmen, ohne sich dafür verantworten zu müssen. Die von Bundeskanzler Friedrich Merz geführte Bundesregierung hat im Frühjahr 2025 eine historische Grundgesetzänderung beschlossen, um in den kommenden Jahren ein Kreditvolumen von fast 1 Billion Euro aufzunehmen. Somit wird heute jeder Säugling mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 33.000 Euro geboren. Das alles ist nicht mehr hinnehmbar.
Milei hat hier das richtige Gespür. Aber natürlich hat das alles zwei Pferdefüße. Seine Pläne sind in Deutschland nicht ohne Weiteres umsetzbar. Wir haben Vorschriften, die sich aus dem Grundgesetz ergeben und denen solche Maßnahmen entgegenstehen. So kann man Abgeordneten beispielsweise nicht einfach die Bezüge streichen. Das hat man bereits in der Weimarer Republik erlebt, denn andernfalls wären Politiker erpressbar.
Es gibt jedoch andere Mittel und Wege. Grundsätzlich finde ich es sehr begrüßenswert, dass diese Schuldenorgie gestoppt werden soll. Ich hoffe, wir müssen nicht erst so tief fallen wie Argentinien, bevor wir von den politischen Akteuren mehr Disziplin einfordern.

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

Nun kursieren einige Vorschläge, wie Mileis Pläne in Deutschland umgesetzt werden könnten. Aber sehen Sie überhaupt einen politischen Willen, etwas zu ändern?
Angesichts der Aktionen der letzten Monate fehlt mir tatsächlich der Glaube daran. Was Herr Merz mit dem abgewählten Bundestag noch veranstaltet hat, spottet jeder Beschreibung. Ich bin ein großer Fan der Schuldenbremse. Jetzt werden wieder viele aufschreien und sagen, dass wir dann nicht investieren können. Nein, wir haben in Deutschland ein Ausgabeproblem, kein Einnahmeproblem. Wir schwimmen mehr oder weniger im Geld, geben es jedoch nur an den falschen Stellen aus.
Wir müssen die politisch Verantwortlichen endlich dazu zwingen, Geld zu investieren, statt es für Konsum zu zweckentfremden. In der Grundsicherung, in der Entwicklungshilfe und an vielen anderen Stellen verschwenden wir Geld. Viel zu viele Menschen nutzen den Sozialstaat aus, ohne wirklich bedürftig zu sein. Auf der anderen Seite sehen wir, wie Brücken marode sind, Autobahnen zerfallen, unser Internet immer noch nicht auf dem neuesten Stand ist und wir bei der Künstlichen Intelligenz hinterherhinken.
Unsere Energieversorgung haben wir einer ideologisch motivierten Energiewende geopfert. All dies wurde mit dem Geld der Bürger finanziert, und mehrere Generationen werden diese Schulden tilgen müssen. Allein die Zinslast wird in den kommenden Haushaltsjahren 2028/29 auf über 80 Milliarden Euro anwachsen.
Das Grundgesetz ist in die Jahre gekommen und sollte an einigen Stellen nachgeschärft werden. Der einzelne Abgeordnete trägt zwar mit seiner Stimme Verantwortung, aber in erster Linie ist die Regierung für die Haushaltspolitik verantwortlich. So wie bei Milei zu sagen, ein Ministerpräsident, ein Bundeskanzler oder das Kabinett bekommt dann kein Gehalt mehr, halte ich grundsätzlich für erwägenswert. Es ist jedoch fraglich, ob man das Problem beim einzelnen Abgeordneten abladen kann – insbesondere dann, wenn er in der Opposition ist.
Das Ziel muss sein, dass die Menschen wieder spüren, dass wir Politiker es ernst meinen mit dem Anspruch, nicht auf Kosten der nächsten Generationen heutige Haushaltslöcher zu stopfen.
Wenn die Regierung diese Verantwortung nicht von sich aus übernimmt, wie könnte man die Politiker mehr in die Verantwortung bringen?
Politiker sollten selbst so viel Verantwortung übernehmen, dass sie sorgsam mit dem Geld der Bürger umgehen. Viele kennen den Spruch der britischen „eisernen Lady“ aus den 1980er-Jahren, Margaret Thatcher: Das Problem von Sozialisten ist, dass ihnen irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht. Diese Situation haben wir gerade.
Es gibt heute bereits Instrumente, um etwas zu ändern. Es gibt die Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht. Diese sollte jedoch früher greifen und nicht immer erst im Nachhinein wirken, wie im Fall des Klima- und Transformationsfonds vor einigen Jahren. Wir müssen diese Instrumente nur schärfen.
Es gibt Gesetze, die die Politik stärker in die Verantwortung nehmen können, aber sie müssen richtig ausgelegt und schneller angewandt werden. Ein Satz liegt mir noch wirklich auf der Seele: Wenn man diese Instrumente konsequent nutzt, hören auch die Wahlgeschenke auf, die permanent kurz vor Wahlen verteilt werden.
Nehmen wir die Mütterrente als Beispiel. Jeder Ökonom erklärt, dass sie volkswirtschaftlich unsinnig und gesellschaftspolitisch nicht geboten ist. Aber sie ist das Lieblingsprojekt des einen oder anderen Politikers. Das muss aufhören – und das würde es dann auch.
Sie sagen, Mileis Ansatz ist gut, aber nicht direkt auf Deutschland übertragbar. Wie sieht es da mit der Politikerhaftung aus? Also, dass man Politiker finanziell mehr in die Verantwortung nimmt. Wie denken Sie darüber?
Als Vorsitzender von Team Freiheit kann ich sagen, dass wir die Politikerhaftung in unser politisches Programm aufgenommen haben. Ich nenne hier nur die Maskenaffäre von Jens Spahn oder die Geschichte um Spahns Villa und das anschließende Beschäftigungsverhältnis. Oder die gescheiterte Pkw-Maut von Andreas Scheuer, der – obwohl jeder Experte darauf hingewiesen hatte, dass sie sich nicht mit europäischem Recht vereinbaren lässt – das Projekt trotzdem durchgezogen hat.
In solchen Fällen handelt es sich um grobe Fahrlässigkeit. Wer so handelt, muss zur Verantwortung gezogen werden. Gleichzeitig gibt es auch Politiker, die während der Corona-Zeit die Bevölkerung wider besseres Wissen einsperrten, wie die RKI-Protokolle zeigen. All das sind Vorgänge, die aufgearbeitet und gegebenenfalls geahndet werden müssten.
Hier wird es Politikern zu leicht gemacht. Dadurch erleben wir eine Entfremdung zwischen Bevölkerung und Politik. Kaum jemand traut den etablierten Parteien und der aktuellen Politik noch eine ausreichende Lösungskompetenz zu. Wir erleben das Erstarken extremer politischer Richtungen. Es ist also mehr als höchste Zeit, endlich zu handeln.
Nun gibt es ja Kritiker, die sagen, ein höherer Verantwortungsdruck auf Politiker könnte abschreckend wirken und zu Handlungsunwillen oder Nachwuchsproblemen in der Politik führen. Was halten Sie von diesen Argumenten?
Ich würde viel höhere Anforderungen an die politische Grundausbildung stellen, insbesondere im Hinblick auf die Krisenfähigkeit. Ein Politiker muss auch in Krisensituationen vernünftig reagieren können. Wir haben die Ölkrise und eine massive Rezession Anfang der 1980er-Jahre erlebt. Damals haben kluge Politiker kluge Entscheidungen getroffen.
Wir hatten mit Bundeskanzler Gerhard Schröder die Agenda 2010. Das waren weitreichende und gute Entscheidungen. Es geht also auch anders. Daher muss man sich wirklich fragen: Sind die heutigen Politiker krisenfähig?
Deshalb finde ich es gut, wenn einige davon abgeschreckt würden, eine politische Karriere zu ergreifen – insbesondere dann, wenn sie keine Berufserfahrung oder gar keine Berufsausbildung haben. Eine gewisse Selektion und mehr Respekt vor diesem Beruf, statt ihn nur als schnellen Weg, um an Geld zu kommen, zu sehen, würden dem gesamten System guttun.
Sehen Sie denn kein Problem darin, dass man die Politik womöglich für etwas verantwortlich macht, was sie nicht selbst verschuldet hat?
Natürlich muss man Notsituationen, die Deutschland unverschuldet treffen, davon abgrenzen. Zu einer vorsorglichen Haushaltsführung gehört, dass man Rücklagen bildet und Vorsorge trifft, um auf Krisensituationen vorbereitet zu sein.
Es gibt allerdings auch Krisen, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Nehmen wir zum Beispiel den Ukraine-Russland-Konflikt. Ich halte die Reaktion auf die dadurch ausgelöste Energiekrise für falsch. Erdgas wurde weiterhin weltweit gehandelt. Wir haben lediglich den Fehler gemacht, kein russisches Erdgas mehr zu beziehen. Die Preise gingen daraufhin durch die Decke.
Die Folgen sind bis heute spürbar: Inflation und steigende Kosten in allen Bereichen. Die Politik reagiert darauf unter anderem mit einer weiteren Erhöhung der CO₂-Abgabe. Würde diese gestrichen, würden wir an der Tankstelle bereits 17 Cent besser dastehen. Solche Beispiele könnte man endlos fortführen.
Und wenn man für die Bewältigung einer unverschuldeten Krise mehr finanzielle Mittel braucht, dann gibt es auch den Weg über eine Kreditermächtigung. Aber dafür sollte die Zustimmung von einem unabhängigen Institut, meinetwegen dem Bundesverfassungsgericht, eingeholt werden müssen, welches dann Ausnahmen von der Schuldenbremse zulassen kann. Aber es sollte nicht so laufen wie im Frühjahr 2025 unter Kanzler Merz.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Erik Rusch.
Categories
ticker

Kein Geld für Politiker, wenn Staat im Defizit – Kemmerich im Gespräch zum Milei-Prinzip

Die argentinische Regierung unter Staatspräsident Javier Milei kündigte kürzlich die Einführung einer Sperrklausel an. Demnach sollen bei einem über Monate fortbestehenden und nicht fristgerecht behobenen Haushaltsdefizit wesentliche Staatstätigkeiten ruhen und Präsident, Vizepräsidentin, Senatoren, Abgeordnete, Minister, Staatssekretäre und Unterstaatssekretäre kein Gehalt mehr erhalten…