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Die Streichung der Homöopathie: Die Globuli waren es


In Kürze:

  • Die Streichung der Homöopathie soll dabei helfen, eine finanzielle Lücke im deutschen Gesundheitssystem zu schließen.
  • Das ist jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Während das Einsparungspotenzial bei 40 Millionen Euro liegt, beträgt das Finanzloch 44 Milliarden Euro.
  • Bereits vor über 20 Jahren ist die Politik an der Pharmalobby gescheitert. Die preisgekrönte Doku darüber ist heute nicht mehr auffindbar.
  • Bundeskanzler Merz lobt seinen neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann als Mann, der im Gegenwind stehen bleibt.

 
Das „deutsche Gesundheitswesen“ steht angeblich vor einem Rätsel. Irgendwo zwischen Krankenhäusern, Arzneimittelpreisen, Verwaltung und einer Vergütungsmaschine, die selbst ihre Erfinder vermutlich nicht mehr vollständig verstehen, fehlen Milliarden. Das Bundesgesundheitsministerium erwartet für das Jahr 2030 inzwischen eine Finanzierungslücke von rund 44 Milliarden Euro. Also begann die Politik zu suchen und fand – unter anderem – die Homöopathie.
Die Bundesregierung rechnet durch die Streichung homöopathischer und anthroposophischer Leistungen mit einer Ersparnis von etwa 50 Millionen Euro im Jahr. Der Bundesrechnungshof kam bei seinen Prüfungen hingegen (nur) auf rund 40 Millionen Euro und überschrieb das entsprechende Kapitel seiner Stellungnahme bemerkenswert offen mit den Worten:

„Minderausgaben führen zu keinen nennenswerten Einsparungen.“

Beschlossen wurde die Streichung trotzdem. Somit spart man einen Betrag, von dem die Prüfer selbst sagen, dass er nicht nennenswert sei und das eigentliche Problem unberührt lasse. Nur weil hier gespart wird, werden andere Prozesse nicht effektiver.
Um die Größenordnung zu verdeutlichen: Im Jahr 2025 lagen die gesamten Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen bei 336,41 Milliarden Euro. Der Anteil der beanstandeten Leistungen bewegt sich damit im Bereich eines Rundungsfehlers. Um das erwartete Loch auf diesem Weg zu schließen, müsste man die Homöopathie mehr als tausendmal abschaffen.
Und noch ein Vergleich: Die Leistungsausgaben der Kassen stiegen allein von 2024 auf 2025 um gut 24 Milliarden Euro. Die Krankenhäuser kosteten innerhalb eines Jahres rund 9,3 Milliarden Euro mehr und die Arzneimittel gut 3 Milliarden Euro. Der jährliche Zuwachs bei den Medikamenten war damit fast achtzigmal so hoch wie das gesamte angebliche Sparpotenzial bei Homöopathie und Anthroposophie.
An diesen großen Zahlen erkennt man das Problem. An den kleinen Zahlen demonstriert die Politik Haltung.

Ein Skandal in Höhe der beabsichtigen Einsparung

Klar ist: Die Homöopathie wurde in Deutschland schon immer kritisiert – das war bereits zu Hahnemanns Zeiten vor über 200 Jahren so. Neu ist allerdings der Wille, sie aus dem öffentlichen Raum zu drängen. Veronica Carstens, Ärztin, Homöopathin und Ehefrau von Bundespräsident Karl Carstens, gründete mit ihrem Mann eine Stiftung zur Erforschung der Naturheilkunde. Sie behandelte Patienten, schrieb Bücher und warb für eine Medizin, die Erfahrung nicht schon deshalb verwarf, weil sie nicht in das jeweils herrschende Modell passte.
Die Bundesrepublik ging daran nicht zugrunde. Der Bundespräsident wurde auch nicht wegen „homöopathischer Umtriebe“ aus Schloss Bellevue entfernt. Kein Verfassungsschutzbericht musste um ein Kapitel über verdächtige Kügelchen erweitert werden. Man konnte eine Methode ablehnen und zugleich hinnehmen, dass andere Bürger diese gern nutzten und die Krankenkassen die Kosten dafür erstatteten.

Veronica Carstens (r.), Ärztin, Homöopathin und Ehefrau von Bundespräsident Karl Carstens, gründete mit ihrem Mann eine Stiftung zur Erforschung der Naturheilkunde. Bremen, 1949.

Mittlerweile hat sich der Wind gründlich gedreht. Ausgerechnet die Partei, die jahrzehntelang mit dem Versprechen des „Alternativen“ auftrat, hat längst die Fronten gewechselt. Auf ihrem Bundesparteitag Ende 2025 beschlossen die Grünen, Homöopathie solle nicht mehr von den Krankenkassen erstattet werden. Aus der politischen Heimat von Naturkostläden, Heilpflanzen und Misstrauen gegenüber Großkonzernen scheint mittlerweile eine Art „wissenschaftspolitisches Ordnungsamt“ geworden zu sein.
Ökonomisch bleibt das Manöver lächerlich. Besonders deutlich wird das beim Blick auf einen älteren Kontrastmittelskandal:
Im Jahr 2019 deckten Journalisten auf, welche Gewinne Radiologen mit den Erstattungspauschalen erzielen konnten. Die AOK Bayern zahlte damals 3.900 Euro für einen Liter MRT-Kontrastmittel, während die Radiologen den Liter nur für 760 Euro einkauften. Die Differenz und somit der Gewinn betrug 3.140 Euro pro Liter. Nach der Veröffentlichung wurde die Erstattung auf „nur noch“ 970 Euro gesenkt. Beim CT-Kontrastmittel fiel die Erstattung von 470 auf 110 Euro. Die möglichen Einsparungen in mehreren Bundesländern summierten sich auf bis zu 50 Millionen Euro jährlich.
Ein einziger genauer Blick auf einige Kontrastmittelverträge brachte damit ungefähr so viel wie das bundesweite Ende der Homöopathie bringen soll.

Gesundheitsminister Horst Seehofer: „Kann nicht widersprechen“

Wer wirklich sparen will, landet zwangsläufig auch bei den Arzneimitteln. Dafür gab die gesetzliche Krankenversicherung im Jahr 2025 rund 58,3 Milliarden Euro aus. Man könnte annehmen, dass ein Gesundheitsminister dort besonders energisch auftreten würde. Horst Seehofer hat es versucht. Als ehemaliger Bundesgesundheitsminister wurde er 2006 von „Frontal 21“ gefragt, weshalb eine Positivliste für Arzneimittel immer wieder gescheitert sei. Auf einer solchen Positivliste sollten jene Medikamente stehen, die von den Kassen erstattet werden. Teure oder nutzlose Präparate hätten draußen bleiben können. Eigentlich ein richtiger Gedanke, könnte man meinen.
Seehofer erklärte jedoch, sinnvolle strukturelle Veränderungen seien „nicht möglich wegen des Widerstandes der Lobby-Verbände“. In der Sendung wurde sogar berichtet, dass sein damaliger Staatssekretär dem Chef des Pharmaverbandes ein geschreddertes Exemplar der Positivliste überreicht habe. Mehr Symbolik bekommt man selten für sein Rundfunkgeld.
Auf die Frage, ob die Industrie also stärker sei als die Politik, antwortete Seehofer: „Ja, ich kann Ihnen nicht widersprechen.“
Das Interview fand später Eingang in die ZDF-Dokumentation „Das Pharmakartell – Wie wir als Patienten betrogen werden“. Der Bericht aus dem Jahr 2008 zeigte Einflussnahme, Interessenkonflikte, problematische Vermarktung und eine Politik, die gegenüber der Branche auffällig schnell ihre Entschlossenheit verlor. Die Autoren wurden dafür ausgezeichnet.
Heute sucht man solche Sendungen im öffentlich-rechtlichen Hauptprogramm mit einer Ausdauer, die besser für die Suche nach einem Facharzttermin verwendet wäre. Weder das Seehofer-Interview noch die Doku sind in der ZDF-Mediathek noch auffindbar.

Wer kontrolliert eigentlich wen?

Die öffentlich-rechtliche Kritik hat sich zwar nicht völlig verabschiedet, allerdings verteilt sie ihre Aufmerksamkeit anders. Eine dreiviertel Stunde über das Machtgeflecht einer milliardenschweren Industrie ist kompliziert, teuer und konfliktträchtig. Ein Beitrag über Globuli lässt sich leichter herstellen: Man filmt ein Röhrchen, befragt einen bekannten Kritiker und legt Musik darunter, die dem Zuschauer signalisiert, wann und weshalb er überlegen lächeln darf. „Aufklärung“ beendet?
Nun muss man nicht jede Behauptung der alten Dokumentation übernehmen, dennoch bleibt eine zentrale Frage weiterhin berechtigt: Wer kontrolliert eigentlich wen? Die Pharmaindustrie ist kein Wohlfahrtsverband, sondern eine Branche mit Geschäftsinteressen und enormer politischer Schlagkraft. Das Problem beginnt, wenn der Staat diese Interessen nicht mehr begrenzt, sondern ihnen nur noch die Verwaltungsvorschriften hinterherträgt.
Bei den Globuli zeigt der Staat hingegen seine ganze Kraft. Es gibt keinen Konzern, der mit Standortverlusten droht, keine Industrie, die Milliardenumsätze verteidigt, und keine Lobby, vor der ein Minister kapitulieren müsste. Man kann beherzt durchgreifen.
Der „Reformmut“ reicht sogar noch weiter. So sollen psychotherapeutische Leistungen künftig wieder budgetiert werden. Gleichzeitig fallen die Schutzvorschriften, die eine angemessene Vergütung der Therapeuten sichern sollten. Fachverbände warnen vor weniger Therapieplätzen und noch längeren Wartezeiten. Wer heute anderthalb Jahre nach psychotherapeutischer Hilfe sucht, darf also aufatmen: Künftig wird nicht die Wartezeit, sondern die Behandlung begrenzt.
Ganz anders bei der Pharmaindustrie. Dort versprach die Bundesregierung noch während des Gesetzgebungsverfahrens zusätzliche Ausnahmen vom erhöhten Herstellerabschlag, damit die Unternehmen ausreichend Planungssicherheit für ihre „Vermarktungs-, Investitions- und Standortentscheidungen“ behalten. Großartig.

Sparen, wo der politische Widerstand am größten ist

Die therapeutische Grundidee der Reform ist damit klar: Der psychisch kranke Patient soll sich etwas gedulden. Der Pharmakonzern darf auf keinen Fall beunruhigt werden. Und schließlich hat man ja auch mehr als ausreichend verschreibungspflichtige Medikamente für psychische Erkrankungen.
Künftig zahlen die gesetzlich Versicherten die homöopathische Behandlung selbst, der Psychotherapeut erfährt womöglich erst nach Monaten, welcher Anteil seiner Arbeit überhaupt bezahlt wird, und die Pharmaindustrie erhält dafür eine weitere Beruhigungstablette aus dem Bundesgesundheitsministerium.
Am 29. Juli hat Carsten Linnemann das Gesundheitsministerium übernommen. Bundeskanzler Friedrich Merz lobt ihn als Mann, der im Gegenwind stehen bleibt. Das könnte in diesem Amt sehr nützlich sein. Bevor Linnemann die nächsten Kügelchen aus dem Leistungskatalog kehrt, sollte er sich allerdings die alte Seehofer-Aufnahme ansehen. Sie dauert nur wenige Minuten und enthält mehr Gesundheitspolitik als so mancher 400-seitige Kommissionsbericht.
Danach könnte er mit einer einfachen Übung beginnen: Er schreibt 40 Millionen und mehr als 40 Milliarden nebeneinander. Anschließend prüft er, wo der politische Widerstand am größten ist. „Folge dem Geld“, heißt es im Volksmund.
Das Gesundheitswesen hat kein Globuliproblem. Es hat ein Preis-, Struktur- und Machtproblem. Große Probleme verlangen Mut, Sachkenntnis und die Bereitschaft, sich mit mächtigen Verbänden anzulegen. Kleine Gegner verlangen nur eine Pressemitteilung. Die Patienten bezahlen weiter steigende Beiträge. Die Milliarden bleiben selbstverständlich im System. Aber immerhin ist ein unliebsamer Konkurrent weg.
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27. Mai: Neuer Gas-Deal mit Kanada | Wirtschaftswachstum nimmt ab | Wohnen hat jetzt Vorfahrt

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Neuer Gas-Deal mit Kanada

Deutschland hat mit einem kanadischen Unternehmen eine Absichtserklärung zu einem Mega-LNG-Deal unterzeichnet. Geplant ist eine Lieferung, die den Jahresbedarf von bis zu einer Million Haushalten decken kann. Aktuell wird das Erdgas dort hauptsächlich über hydraulisches Fracking gewonnen. Die Lieferungen sollen Anfang der 2030er Jahre starten und 20 Jahre lang erfolgen.

Wirtschaftswachstum nimmt ab

Top-Ökonomen erwarten, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 0,5 Prozent wächst. Bisher rechneten sie mit 0,9 Prozent. Die Wirtschaftsweisen empfehlen daher Reformen im Pflege- und Gesundheitssystem, damit die Sozialabgaben nicht auf 50 Prozent steigen.

Aktive Cyberabwehr

Um Cyberangriffe abzuwehren, will die Bundesregierung der Polizei und dem Bundesamt für IT-Sicherheit neue Befugnisse erteilen. So soll es beispielsweise erlaubt sein, Datenverkehr umzuleiten oder zu blockieren. Zudem könnten IT-Systeme künftig stillgelegt sowie Daten gelöscht oder verändert werden. Diese Befugnisse dienen allein der Gefahrenabwehr und nicht der Strafverfolgung.

Wohnen hat jetzt Vorfahrt

Das Bundeskabinett hat eine Reform des Baugesetzbuchs beschlossen. Ziel ist, Bauprojekte im Wohnungsbau schneller voranzubringen. Kommunen wird zudem mehr Handlungsmacht im Umgang mit Schrottimmobilien gegeben. Auch soll es weniger Umweltprüfungen geben. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund begrüßt das Vorhaben, kritisiert aber die Frist von zwei Jahren für Bebauungsplanverfahren.

Autonomes Fahren

Mercedes-Benz will sein hochautomatisiertes Fahrsystem ab 2027 deutschlandweit anbieten. Es soll bei Geschwindigkeiten von bis zu 95 km/h eingesetzt werden können. Dabei übernimmt das Fahrzeug zeitweilig die Aufgabe vom Fahrer. Dieser soll dann TV schauen, das Handy nutzen oder eine Zeitung lesen können. Seit 2017 gibt es die rechtliche Grundlage zum Betrieb solcher Systeme.
 
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Nach Besuch in Grönland: US-Sondergesandter sieht Möglichkeiten, Fehler wieder gutzumachen

In Kürze:

  • US-Sondergesandter Landry hält die Wiederbelegung früherer Stützpunkte für nötig.
  • Während er von einem herzlichen Empfang spricht, gibt es aber auch andere Darstellungen.
  • Die USA bieten Ausbau des Gesundheitswesens an.
  • Gesundheitsministerin verweigert Treffen mit amerikanischem Arzt.

 
Der Gouverneur des US-Bundesstaats Louisiana, Jeff Landry, sagt, die Vereinigten Staaten hätten im Zusammenhang mit Grönland vor einigen Jahrzehnten einen großen Fehler begangen. „Unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges haben die Vereinigten Staaten Grönland im Grunde im Stich gelassen, weil wir die Stützpunkte faktisch entvölkert haben“, sagte Landry, Sondergesandter von Präsident Donald Trump für Grönland, am 21. Mai gegenüber der Epoch Times. Zuvor war er von seinem ersten Besuch in dem autonomen dänischen Territorium zurückgekehrt.

Beziehungen zwischen Die USA und Grönland stärken

In einem exklusiven Interview berichtete Landry, er sei von den Grönländern überaus freundlich empfangen worden. Ein Treffen zwischen dem ihn begleitenden Arzt Dr. Joseph Griffin und der dortigen Gesundheitsministerin sei jedoch nicht zustande gekommen.
Landry skizzierte zudem mögliche Schritte zur Stärkung der Beziehungen zwischen Grönland und den USA vor dem Hintergrund von Trumps Bestreben, Grönland zu übernehmen. Schifffahrt, Flugverkehr sowie die Wiederbelegung einiger Stützpunkte zählen zu den Möglichkeiten, die er sieht.
„Kurzfristige Erfolge, die greifbare Ergebnisse liefern, könnten bereits in sechs bis acht Monaten erzielt werden“, erläuterte er.
Einst verfügten die Vereinigten Staaten über 17 Stützpunkte sowie weitere Einrichtungen. Mittlerweile beschränkt sich ihre Präsenz auf die weit im Norden gelegene Pituffik Space Base.
Landry erklärte, die massenhafte Schließung dieser Standorte habe zur Entvölkerung vieler kleiner grönländischer Dörfer geführt.
Nun, in einer neuen Ära des Großmachtwettbewerbs mit Russland und China, hätten sich die Dinge verändert. „Ich denke, dass wir nach dem Kalten Krieg das Gefühl hatten: ‚Oh, wir werden uns nie wieder Sorgen um jemanden machen müssen‘ – und doch stehen wir nun wieder genau hier“, sagte Landry.
Trump, so sagte er, habe die Chance, „die Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen“. „Es besteht kein Zweifel daran, dass der Präsident Grönland wieder auf die Weltkarte gesetzt hat“, fügte der Sondergesandte hinzu.

Der Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, spricht in einem exklusiven Interview mit der Epoch Times am 21. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

76 Prozent lehnen Beitritt zu den USA ab

Bei seiner Ankunft in Nuuk, die Hauptstadt Grönlands, hätten ihn die Einheimischen willkommen geheißen, berichtet er. Doch ist das eine Einschätzung, die von einigen Medienberichten über seine Reise dorthin abweicht. Eine im Februar von der „Copenhagen Post“ veröffentlichte Umfrage ergab, dass 76 Prozent der Grönländer einen Beitritt zu den Vereinigten Staaten ablehnen.
Nach seinem Treffen mit Landry am 18. Mai erklärte der grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen gegenüber Reportern: „Wir sind der Ansicht, dass wir Fortschritte machen. Wir konzentrieren uns von grönländischer Seite darauf, eine Lösung zu finden, die für uns alle gut ist. Vor allem geht es darum, dass es keine Drohungen hinsichtlich einer Annexion, Übernahme oder eines Kaufs Grönlands geben wird.“
Die Eröffnung eines neuen US-Konsulatsgebäudes in Nuuk am 21. Mai, an der Landry nicht teilnahm, stieß auf Proteste. Er habe mit Hunderten Menschen gesprochen, berichtete er. Dabei könne er sich „nur an drei Personen erinnern, die eine antiamerikanische Haltung vertraten“. Die Dänen, so merkte er zudem an, behandelten die Grönländer „ein wenig wie Bürger zweiter Klasse“.
Die meisten Grönländer hätten ihm gegenüber signalisiert, dass sie sich eine engere Beziehung zu den Vereinigten Staaten wünschten. Viele hätten dabei darum gebeten, dass die USA ihre Stützpunkte reaktivieren. „Ich glaube tatsächlich, dass sie sich ein Abkommen über eine freie Assoziierung wünschen würden“, sagte er. Dabei bezog sich Landry auf eine Art von Assoziierungsvertrag, den die Vereinigten Staaten mit mehreren Pazifikstaaten unterhalten, in denen sie militärisch präsent sind.
Während das Interesse der Vereinigten Staaten an Grönland wieder zunimmt, äußerte Landry die Ansicht, dass Nielsen und der grönländische Außenminister Múte B. Egede „bei Amerika an die Tür klopfen“. Die Frage sei nun: „Werden wir sie dieses Mal öffnen?“
Der Sondergesandte skizzierte einige der Schritte, die er nach eigenen Angaben dem Präsidenten sowie hochrangigen Vertretern des Außenministeriums vorlegen wolle.
Der Vollmond steht über der Stadt Nuuk in Grönland.

Der Vollmond steht über der Stadt Nuuk in Grönland.

Foto: Maria Semyonova/TASS via ZUMA Press/dpa

Entscheidungen für eine dauerhafte Veränderung

„Ich bin überzeugt, dass wir nach Wegen suchen sollten, die Bildungschancen zu stärken und den Zugang für Grönländer zu den Vereinigten Staaten zu erleichtern. Es sollte auch Zusagen hinsichtlich des Flugverkehrs zwischen beiden Seiten geben. Eine direkte Schifffahrtsroute zwischen Grönland und den Vereinigten Staaten könnten wir einrichten, die Stützpunkte wieder besetzen“, zählte er auf.
Die Kontinuität in der Grönlandpolitik nach der Ära der Trump-Regierung könne durch Ansätze gewährleistet werden, die „die militärische Komponente mit einer wirtschaftlichen, einer bildungspolitischen sowie einer gesundheitspolitischen Komponente verknüpfen“.
Diese Entscheidungen sollten für eine dauerhafte Veränderung sorgen. Auch seien die Grönländer an der Gewinnung Seltener Erden und Edelmetalle interessiert. US-Energieminister Chris Wright wies auf die logistischen Herausforderungen hin, die mit einem Abbau an einem derart kalten und abgelegenen Ort verbunden sind. „Es gibt sicher weitaus attraktivere Orte für den Abbau Seltener Erden“, sagte Wright auf einer Konferenz im Februar in Frankreich.
Landry schlug einen optimistischeren Ton an. „Wollen wir zulassen, dass uns ein raues Klima daran hindert, das zu beschaffen, was wir benötigen, um unsere Wirtschaft zu fördern?“, sagte er. Zudem brachte er eine Art Verbundenheit mit den grönländischen Inuit zum Ausdruck, indem er seine eigene Cajun-Kultur mit deren Lebensweise verglich. „Hier haben wir ein Volk, das seine eigene Sprache besitzt, das vom Land lebt und seinen Lebensunterhalt durch Jagd und Fischfang bestreitet. Sie versuchen dort, eine Kultur zu bewahren, die absolut einzigartig ist“, sagte er über die Grönländer. Dies sei mit der Geschichte der Cajun-Kultur vergleichbar.

Grönlands Gesundheitsministerin übt Kritik

Während des Krieges zwischen Briten und Franzosen und den Auseinandersetzungen mit den Indianern Mitte des 18. Jahrhunderts hätten die Briten die Cajuns gewaltsam aus der historischen Region Akadien vertrieben. Viele von ihnen gelangten schließlich nach Louisiana, das damals zum spanischen Weltreich gehörte.
Während Landry einige Vertreter von Behörden traf, kam ein erhofftes Treffen zwischen Dr. Joseph Griffin mit dem grönländischen Gesundheitsminister nicht zustande. Der Gefäßchirurg aus Louisiana, der freiwillig mitreiste, konnte nichts über die Gründe sagen. Eine Zusammenkunft sei aber zuvor über das US-Außenministerium und dessen Kontakte zum grönländischen Gesundheitsministerium vereinbart worden.
„Ich weiß offen gesagt nicht, was wir sonst noch hätten tun können“, sagte er im Gespräch mit Epoch Times. Anna Wangenheim, Grönlands Gesundheitsministerin, verurteilte Griffins Besuch in einer Stellungnahme gegenüber den Medien. „Eine Gesellschaft mit großen Entfernungen, einem chronischen Mangel an medizinischem Fachpersonal und einer demografischen Entwicklung, die das System unter Druck setzt, macht uns verwundbar. Und genau deshalb ist es zutiefst problematisch, wenn Personen mit der politischen Mission, Grönland zu einem Teil der Vereinigten Staaten zu machen, einen sogenannten freiwilligen Arzt nach Nuuk entsenden, um ‚unseren Bedarf zu ermitteln‘“, sagte sie.
Griffin sagte hingegen, dass die Grönländer sehr daran interessiert seien, ihre gesundheitlichen Anliegen mit ihm zu teilen. „Ihr nationales Krankenhaus bietet eine grundlegende bis überdurchschnittliche Versorgung“, erläutert er. Für hoch spezialisierte Leistungen wie Dialyse, Herzkatheteruntersuchungen und zahlreiche andere Eingriffe erforderten jedoch Reisen nach Island oder Dänemark. Die USA könnten das bestehende Angebot ergänzen und/oder ausbauen, fuhr Griffin fort.

Von traditionellen Praktiken lernen

Begeistert war der Arzt vom Klima in Nuuk und schwärmte von der frischen Luft und der „gesunden Umgebung“. Er habe zudem von den Grönländern etwas über ihre traditionellen Praktiken lernen wollen, unter anderem darüber, wie sie sich den niedrigen Temperaturen aussetzen. Kälte rege beim Menschen braunes Fett an, das dann Wärme produziere und den Stoffwechsel fördere.
„Das ist eine sehr, sehr gesunde Sache“, sagte der Gefäßchirurg. Griffin merkte an, dass die Gletscher des Landes Wasser mit einem geringen Deuteriumgehalt –  einem Isotop des Wasserstoffs – führen. Wissenschaftler untersuchen derzeit den potenziellen Nutzen dieses Wassers bei der Bekämpfung von Krebs, Diabetes und anderen Krankheiten. Ein Grönländer habe ihm erzählt, dass er als Kind abgekochtes Gletscherwasser getrunken habe, wenn er krank war. „Die Menschen wurden wieder gesund, verstanden aber nicht, warum“, so Griffin.
Abschließend betonte er, sein Besuch sei als gegenseitiger Lernprozess gedacht gewesen. Keineswegs habe es sich um den Versuch gehandelt, das grönländische Gesundheitssystem zu übernehmen. „Das grönländische Gesundheitswesen muss uns entgegenkommen, damit wir die arktische Medizin verstehen können“, sagte der Arzt.