Nach der Ankunft des ersten Vollcontainerschiffs in Bremen wurde der Bau des Containerhafens in Bremerhaven vorbereitet. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa
Die Revolution kam mit dem Schiff nach Deutschland und begann in Bremen. Am 5. Mai 1966 machte mit der „Fairland“ erstmals ein Vollcontainerschiff in einem deutschen Hafen fest.
Bordkräne hievten die Container auf Lastwagen, denn eine Containerbrücke gab es im Überseehafen der Stadt noch nicht. Containerbrücken sind die Stahlkolosse, die Container zwischen Schiff und Kai bewegen.
Der Forscher Burkhard Lemper, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen, sagt über die Ankunft des Schiffs in Europa: „Das war der Start der internationalen Containerschifffahrt und damit der Beginn einer Revolution der Schifffahrt und einer unglaublichen Erfolgsgeschichte.“
Die „amerikanischen Kisten“
In Nordamerika begann das Containerzeitalter rund zehn Jahre früher als in Europa. Schon 1956 schickte der Unternehmer Malcolm (auch: Malcom) McLean ein Containerschiff auf Testfahrt. Der umgebaute Weltkriegstanker absolvierte diese ohne Zwischenfälle und die zuständige US-Behörde gab anschließend Vorbehalte gegen den neuen Schiffstyp auf, wie der Autor Marc Levinson in dem Sachbuch „The Box“ schildert.
Als das Containerzeitalter anbrach, waren Container eigentlich nicht neu. Schon in früheren Jahrhunderten wurden Transportboxen in verschiedenen Varianten genutzt. Die standardisierten „amerikanischen Kisten“ hatten im Vergleich zu früheren Boxen aber mehrere Vorzüge: Sie waren stapelbar und ließen sich gleichermaßen von Schiffen, Zügen und Lastwagen transportieren.
Ein Feuerlöschboot begrüßt 1968 die „American Lancer“, das erste Vollcontainerschiff in Hamburg. (Archivbild)
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In Bremen und Rotterdam ließen Hafenbetreiber bald nach Ankunft der „Fairland“ Containerbrücken montieren. In Bremen begann der Aufbau der ersten Containerbrücke 1967, wie die heutige BLG Logistics Group mitteilt. Bevor die ersten Containerbrücken die Arbeit aufnahmen, mussten Hafenarbeiter Säcke, Kisten und Fässer einzeln an Bord bringen und verstauen.
Warenumschlag wird schneller
Dass der Container nach 1966 nach und nach zum Standard wurde, bedrohte die Existenz städtischer Häfen. Vorhandene alte Hafenbecken waren für die Containerschiffe nicht tief genug und es fehlten Freiflächen und staufreie Straßen. Zu den Gewinnern der sogenannten Containerisierung zählten Hafenstandorte, die Platz boten – in Deutschland etwa Bremerhaven.
Die Containerbrücken in den neuen Häfen verkürzten die Umschlagszeiten deutlich. Einem Forschungspapier zufolge konnten in Containerhäfen Waren rund achtzehnmal schneller als zuvor umgeschlagen werden. Sie fertigen Schiffe in Tagen statt in Wochen ab.
Das führte dazu, dass die Nachfrage nach Hafenarbeitern abnahm und viele ihre Anstellung verloren. Auch Seeleute waren vom Wandel betroffen: Ihnen blieb weniger Zeit an Land, was das Leben in Hafenvierteln veränderte.
In den Städten wurden die nicht länger benötigten Hafenbecken aufgegeben. Wo Hafenarbeiter einst schufteten, entstanden etwa in Hamburg, London und New York Wohngebäude mit Wasserblick. In Hamburg verlor die Speicherstadt als Lagerort an Bedeutung und wurde 1991 unter Denkmalschutz gestellt.
Der Bremer Überseehafen hat sich über Jahre zur Überseestadt gewandelt. (Archivbild)
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Container tragen zur Globalisierung bei
Der internationale Containerumschlag hat seit den 1960er Jahren immer weiter zugenommen. Nach Zahlen der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung schlagen Häfen Standardcontainer im Jahr rechnerisch mehr als 900 Millionen Mal um, wobei ein Großteil des Umschlags auf Asien entfällt.
„Ohne die großen Effizienz- und Kostenvorteile des Systems Container wäre die Globalisierung der letzten Jahrzehnte nicht erfolgt“, sagt Seeverkehrswirtschaftler Lemper.
Lemper zufolge ist die Containerisierung, also die Verlagerung von Waren in Container, inzwischen weitgehend abgeschlossen. Nach zweistelligen Wachstumsraten des Containerverkehrs in der Vergangenheit rechnet er im Normalfall künftig mit jährlichen Zuwächsen zwischen drei und fünf Prozent.
Container als Datenlieferanten
Obwohl die Containerisierung weitgehend abgeschlossen ist, verändern sich dennoch die Einsatzmöglichkeiten der Container. Ein Beispiel ist, dass Unternehmen die Boxen zunehmend mit Ortungs- und Sensortechnik ausstatten. Als sogenannte smarte Container werden sie zu Datenlieferanten.
Ein Unternehmen, das smarte Container anbietet, ist die Reederei Hapag-Lloyd aus Hamburg. Deutschlands größte Containerreederei hatte im August 2022 angefangen, Boxen mit der Technik auszustatten. Inzwischen können demnach nahezu alle zwei Millionen Standardcontainer geortet werden.
Die Reederei investiere über Jahre einen dreistelligen Millionenbetrag in das Vorhaben, sagte Olaf Habert, der bei Hapag-Lloyd für smarte Container zuständig ist. „Für das Geld hätten wir auch ein Schiff kaufen können.“
Individuelle Nachverfolgung und eigene Feuerlöschsysteme
Habert berichtet, dass es großes Kundeninteresse gebe, die Transporte zu verfolgen. Besonders nach Ausbruch des Irankriegs hat es laut Reederei viele Anfragen gegeben. Die neue Technik erlaube, Ankunftszeiten genauer als zuvor zu bestimmen. Nutzer des Angebots müssen laut Reederei 15 US-Dollar (rund 13 Euro) je Box zahlen, die sie nachverfolgen wollen.
Mit Hapag-Lloyd zusammen arbeitet der dänische Logistikkonzern DSV, zu dem mittlerweile der frühere Bahnlogistiker Schenker gehört.
Michael Hollstein, der bei DSV zu den Führungskräften im Seefrachtbereich gehört, berichtet, dass sich dank smarter Container die Planbarkeit in Lieferketten erheblich verbessere. „Insbesondere bei sensiblen und hochwertigen Gütern ist diese Transparenz inzwischen ein entscheidender Erfolgsfaktor.“
Schafe grasen auf dem Elbdeich, während ein großes Containerschiff auf der Elbe vorbeizieht.
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Verändert sich der Welthandel, wandeln sich die Anforderungen an die Ausstattung der Container, wie der Konzern DSV mitteilt. Ein Beispiel sei der zunehmende Transport von Lithiumbatterien. Aufgrund des Gefahrenpotenzials der Batterien nehme der Bedarf an Containern mit integrierten Brandschutz- und Feuerlöschsystemen zu. Das Angebot sei aber noch überschaubar.
Den Überseehafen gibt es nicht mehr
Der Erfolg des Containers machte sich in den Jahren nach der Ankunft der „Fairland“ auch im Bremer Überseehafen bemerkbar. Die Containerisierung trug dazu bei, dass der Hafen an Relevanz verlor.
1991 wurde der Überseehafen geschlossen, das Hafenbecken später mit Sand zugeschüttet. Dass die Ankunft der „Fairland“ das Ende des Hafens bedeuten sollte, hätte vor 60 Jahren wohl kaum jemand gedacht – die Folgen einer Revolution sind nicht absehbar. (dpa/red)
Premiummarken wie Audi wollen mit neuen Autos den Geschmack in China treffen. - Foto: Johannes Neudecker/dpa
Audi macht immer weniger Gewinn. Im ersten Quartal verdiente der zu VW gehörende Teilkonzern nach Steuern 559 Millionen Euro, wie er mitteilt. Das waren gut 11 Prozent weniger und der vierte Rückgang in einem ersten Quartal in Folge.
Zum Vergleich: In den ersten drei Monaten des Jahres 2022 hatte Audi noch 2,9 Milliarden nach Steuern verdient.
Seither hat sich für die ganze Autoindustrie der Wind gedreht und er bläst auch Audi kalt ins Gesicht: Die US-Zölle sorgten für eine Belastung im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, wie Finanzchef Jürgen Rittersberger sagt.
Ohne die US-Zölle hätte es laut Rittersberger im ersten Quartal für ein Gewinnwachstum vor Steuern gereicht.
Das andere Dauerproblem für Audi ist China. Dort verdiente der Konzern sehr viel weniger. Das China-Geschäft, das Audi im Finanzergebnis verbucht, trug dort nur noch 28 Millionen Euro bei.
Vor einem Jahr waren es noch 170 Millionen. Hier leidet Audi, wie alle deutschen Hersteller, unter dem sehr harten Wettbewerb auf dem chinesischen Markt. Zudem fiel Förderung für Elektroautos weg, was zu Kaufzurückhaltung führte.
Audi bekam darüber hinaus auch noch den Modellwechsel beim wichtigen A6 zu spüren, wie Rittersberger sagt. Hier sei im Laufe des Jahres eine Verbesserung zu erwarten.
Dazu soll auch Audis für China entwickelte Wortmarke ohne die berühmten vier Ringe beitragen. Hier wird im Laufe des Jahres das zweite Modell eingeführt.
Auch beim Umsatz musste Audi Federn lassen. Er sank von 15,4 auf 14,2 Milliarden Euro. Alle Zahlen beziehen sich auf den Audi-Konzern zu dem neben der Kernmarke auch Bentley und Lamborghini gehören.
„Unsere Ergebnisentwicklung zeigt klar, dass wir erheblichen Handlungsdruck haben“, sagt Rittersberger. Deswegen treibe man Kosten- und Effizienzmaßnahmen weiter voran. Im ganzen VW-Konzern wird derzeit darüber diskutiert, wie weiter gespart werden kann.
Natürlich prüfe man permanent, wo es weitere Einsparmöglichkeiten gebe, sagt Rittersberger darauf angesprochen. Man habe bei Audi aber schon „wirklich viel“ umgesetzt.
Zum Werk Neckarsulm, über das es zuletzt Spekulationen gab, sagte er, es sei ein „ganz entscheidendes Werk“ für Audi. Zudem modern, gut aufgestellt und ausgelastet. (dpa/red)
Eine Deutsche-Post-Fahne an der Konzernzentrale, umrahmt von DHL-Fahnen. - Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Der Konzernname Deutsche Post ist so gut wie Geschichte. Mehr als drei Jahrzehnte nach Einführung dieses Firmennamens soll heute die Hauptversammlung des Bonner Logistikers beschließen, den Namen auf Konzernebene abzulegen und an der Börse künftig DHL AG zu heißen. Die Eintragung ins Handelsregister soll in der zweiten Jahreshälfte geschehen.
Die Deutsche Post AG ist eine Nachfolgerin der Bundespost, die in den 90er Jahren schrittweise privatisiert wurde. 2002 kaufte die Firma den US-Logistiker DHL, danach wurde das Auslandsgeschäft immer wichtiger.
Das Kürzel DHL steht für deren Firmengründer Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn.
DHL international bekannt
Inzwischen entfallen nur noch etwa ein Fünftel des Konzernumsatzes auf das inländische Stammgeschäft, also den Versand von Paketen und Briefen. Andere Bereiche wie die Beförderung zeitkritischer Waren im Expressgeschäft sowie das Frachtgeschäft und andere Dienstleistungen haben dem historischen Stammgeschäft, das bis auf die Thurn-und-Taxis-Post des 15. Jahrhunderts zurückgeht, den Rang abgelaufen.
Schon vor zwei Jahren hatte das Unternehmen den Markennamen von Deutsche Post DHL Group in DHL Group umbenannt. Es sollte auch draufstehen, was drin ist, begründete Konzernchef Tobias Meyer den Schritt.
Auf internationalem Parkett könne man mit DHL stärker punkten als mit dem Namen Deutsche Post. Meyers Vorgänger Frank Appel hatte den Schritt der Umbenennung noch gescheut, da er die inländische Belegschaft nicht frustrieren wollte. 2024 wurde nur der Außenauftritt verändert, rechtlich gesehen blieb alles beim Alten.
Deutsche Post AG wird zur Tochter von DHL
Den Firmennamen Deutsche Post AG wird es auch künftig geben: Er wandert gewissermaßen eine Etage nach unten und steht künftig für die inländische Tochterfirma, die das Geschäft mit Paketen und Briefen verantwortet.
Dieser Konzernbereich war bislang in der Holding integriert und war nicht – wie die anderen Konzernbereiche – als Tochtergesellschaft an die Holding angehängt. Das geschieht nun.
Mit der neuen Rechtsstruktur verspricht sich das Unternehmen mehr Klarheit in seiner Struktur. Für die Postboten und anderen Angestellten der Post ändert sich Firmenangaben zufolge nichts. Wesentlicher Widerstand gegen die Umbenennung war im Vorfeld der Hauptversammlung nicht lautgeworden. Bei dem Aktionärstreff dürfte es ein klares Votum geben. (dpa/red)
Tanken wird gerade wieder teurer. (Archivbild) - Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
Wie der Automobilclub in München am Montag mitteilte, war April teuerster Tankmonat aller Zeiten. Es kostete ein Liter Super E10 im vergangenen Monat im Schnitt 2,109 Euro und ein Liter Diesel 2,263 Euro. Im Januar waren die Preise „im Monatsmittel noch rund 37 Cent je Liter Super E10 beziehungsweise über 57 Cent je Liter Diesel niedriger“, erklärte der ADAC.
„Dies verdeutlicht die enorme Preissteigerung der letzten Wochen und die Mehrbelastung der Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind“, erklärte der ADAC weiter.
Die Einführung der Zwölf-Uhr-Regel an den Tankstellen am 1. April habe „keinen entlastenden Effekt für die Verbraucher gezeigt“. Mit der Regel dürfen die Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag um 12.00 Uhr erhöhen – Senkungen sind jederzeit erlaubt.
Der Durchschnittspreis für Super E10 überschritt laut ADAC im April das bisherige Monatsmaximum aus dem März 2022. Zudem wurde der Höchstpreis beim Diesel aus dem Vormonat überstiegen.
„Mit 2,446 Euro je Liter Diesel war der 7. April 2026 der teuerste Tanktag seit Beginn der Preisaufzeichnungen“, erklärte der Automobilclub. (afp/red)
Trump will die Zölle auf europäische Fahrzeuge deutlich erhöhen. - Foto: Matt Rourke/AP/dpa
In Kürze:
Trump kündigt an: 25-prozentige Zölle auf Autoimporte aus der EU
Zolldeal von Juli 2025 ist politisch, aber nicht rechtskräftig
Deutsche Industrie warnt vor Milliardenkosten und Rezession
EU prüft mögliche Gegenmaßnahmen
In der EU steigt angesichts jüngster Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump die Nervosität. Am Freitag, 1. Mai, kündigte dieser auf Truth Social an, die Zölle für die Einfuhr von Autos und Lkws aus der EU in die USA auf 25 Prozent anzuheben. Damit will Trump auf die aus seiner Sicht schleppende Umsetzung des bilateralen Zolldeals vom Juli des vergangenen Jahres reagieren. Außerdem soll der Schritt noch mehr Autobauer dazu motivieren, in den USA zu produzieren.
Neue Zölle als Reaktion auf schleppende Umsetzung?
Laut der Vereinbarung soll für EU-Exporte in die USA eine pauschale Obergrenze von 15 Prozent gelten. Dies soll auch Autos und Autoteile erfassen. Für Stahl, Aluminium und Kupfer sollen weiterhin 50-prozentige Sonderzölle gelten. Im Gegenzug soll die EU Zölle auf US-Industriegüter streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte erleichtern.
Die Zollvereinbarung vom 27. Juli 2025 gilt als noch nicht vollständig und auch juristisch noch nicht verankert. Einige Aspekte bedürfen noch der Klärung im Rahmen interner Verfahren und Genehmigungsphasen. Einige Punkte werden jedoch bereits faktisch angewandt. Dazu gehört seit dem 7. August 2025 auch die Anwendung des 15-Prozent-Zollsatzes für den Großteil der EU-Importe. Für nicht umfasste Warengruppen gilt der Meistbegünstigungssatz (MFN).
Ohne ein Zustandekommen der Vereinbarung hätte ein Zollsatz von 30 Prozent vonseiten der USA im Raum gestanden. Die EU hatte im Gegenzug erklärt, zuvor angekündigte Gegenmaßnahmen vorerst bis mindestens zum 6. August 2026 nicht in Kraft zu setzen. Gegenstand der Vereinbarung waren zudem EU-Investitionen von 600 Milliarden Euro in den USA sowie Energieimporte im Wert von 750 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2028. Umstritten blieb der Bereich der nichttarifären Handelshemmnisse, zu denen zumindest die USA auch Digitalvorschriften und Klimavorgaben zählen.
Politisch verbindlich, juristisch aber noch in der Schwebe
Grundlage für das derzeitige Vorgehen im bilateralen Handel zwischen den USA und der EU ist die gemeinsame Erklärung zu der Vereinbarung. Allerdings muss die EU das Abkommen noch auf dem dafür vorgesehenen Weg in Kraft setzen. Dazu gehören entsprechende Beschlüsse durch Kommission, Rat und Parlament. Bis dahin gilt das Abkommen nur politisch, aber nicht juristisch als verbindlich.
Das EU-Parlament hat die endgültige Abstimmung über die Umsetzung der Vereinbarung jedoch verschoben. Anlass dafür war die Erhöhung des weltweiten Standardzollsatzes der USA von 10 auf 15 Prozent im Februar 2026, die eine Reaktion Trumps auf das Urteil des Supreme Court vom 20. jenes Monats war. In diesem erklärte der Oberste Gerichtshof es für unzulässig, dass Trump zur Begründung seiner Zollpolitik ein Notstandsgesetz aus dem Jahr 1977 heranzog.
Der Supreme Court machte deutlich, dass die Zollhoheit im Kern eine Kompetenz des Kongresses sei. Trump benötigt für die Inkraftsetzung dauerhafter und flächendeckender Zölle zwingend dessen Zustimmung. Dennoch gibt es Bereiche, in denen er auch in der Zollpolitik noch über einen eigenen Spielraum verfügt.
Welche Optionen verbleiben Trump nach dem Supreme-Court-Urteil?
Der Präsident kann unter anderem zeitlich befristete Importzölle von bis zu 15 Prozent für maximal 150 Tage verhängen. Grundlage dafür ist Section 122 des Trade Act von 1974 – dessen Anwendung unter anderem bei größeren Zahlungsbilanzproblemen in Betracht kommt. Die Section 232 des Trade Expansion Act von 1962 wiederum erlaubt Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit. Im Vorfeld muss eine Untersuchung durch das Handelsministerium stattgefunden haben. Diese Zölle sind typischerweise sektorbezogen.
Gezielte Strafzölle gegen unfaire Handelspraktiken anderer Staaten ermöglicht wiederum Section 301 des Trade Act von 1974. Diese Bestimmung gilt als mögliche Grundlage für den von Trump in Aussicht gestellten Schritt gegen die US-amerikanische Auto- und Nutzfahrzeugindustrie. In der Theorie ist auch Section 338 des Tariff Act von 1930 sehr weitreichend, da dieser als Gegenmaßnahme zu diskriminierenden Handelspraktiken Zölle von bis zu 50 Prozent vorsieht. Historisch fand diese Bestimmung jedoch noch nie Anwendung.
Vor dem Zolldeal vom vergangenen Sommer bestanden in einigen Bereichen deutliche Ungleichgewichte bei den Zöllen zwischen der EU und den USA. So lag der EU-Zollsatz auf Pkw aus den USA bei 10 Prozent, während in der Gegenrichtung nur 2,5 Prozent anfielen. Die EU erhebt zudem vergleichsweise hohe Einfuhrabgaben auf Agrarerzeugnisse. Auch bei bestimmten Industrieprodukten lagen die Zölle im Durchschnitt etwas höher als in den USA, was sich insbesondere bei großen Exportvolumina auswirkte.
Neue Zölle könnten vor allem Deutschland schaden
Noch handelt es sich lediglich um eine Ankündigung von Donald Trump auf Truth Social. Sollte der US-Präsident diese jedoch umsetzen, befürchtet insbesondere die deutsche Autoindustrie erhebliche Nachteile. ifo-Präsident Clemens Fuest warnte, dass infolge möglicher Gegenmaßnahmen der EU eine Eskalationsdynamik entstehen könnte, die vor allem zulasten der deutschen Industrie ginge. Gegenüber „BILD“ erklärte er:
„Falls daraus ein neuer Handelskrieg wird, droht Deutschland 2026 eine Rezession.“
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bezeichnete Trumps Vorstoß als „erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen“. Zugleich mahnte Präsidentin Hildegard Müller, dass auch die EU ihre Verpflichtungen aus dem Handelsabkommen umsetzen müsse.
Der Direktor des Bochumer Center Automotive Research (CAR), Ferdinand Dudenhöffer, bezifferte die möglichen Folgekosten der angekündigten Zölle auf zusätzliche Belastungen von rund 2,5 Milliarden Euro jährlich für die deutsche Autoindustrie.
Bundeswirtschaftsministerium will sich mit EU-Kommission abstimmen
Jens Südekum, Berater im Bundesfinanzministerium, rät indes zum Abwarten. Es müsse zunächst geprüft werden, ob die angekündigten US-Zölle tatsächlich umgesetzt würden. Für diesen Fall sprach er sich für „angemessene Gegenmaßnahmen“ der EU aus. Dazu zählen neben Gegenzöllen auch Sonderabgaben auf US-Maschinen und -Flugzeuge bis hin zu Strafmaßnahmen gegen amerikanische Digitalkonzerne.
Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, man habe die Ankündigung des US-Präsidenten zur Kenntnis genommen. Die Bundesregierung stehe hierzu in engem Austausch mit der EU-Kommission, die die Gespräche mit der US-Seite im Zusammenhang mit der Zolleinigung führe. „Wir werden uns zu den nächsten Schritten im EU-Kreis eng abstimmen“, hieß es weiter.
Das „Handelsblatt“ berichtet unter Berufung auf interne Berechnungen der EU-Kommission, dass große Teile der EU-Exporte in die USA ab einem Zollsatz von 20 Prozent wirtschaftlich kaum noch rentabel wären. Bei 25 Prozent, so heißt es weiter, käme „der Handel zum Erliegen“. Julian Hinz vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) sieht zudem einen möglichen Rückgang der realen Wertschöpfung in Deutschland um etwa 0,3 Prozent:
„Kurzfristig werden Produktionsverluste auf fast 15 Milliarden Euro geschätzt, die langfristig auf etwa 30 Milliarden Euro ansteigen würden.“
Die Commerzbank (Archivfoto) - Foto: Hannes P. Albert/dpa
Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Montag in Mailand stimmte eine große Mehrheit für eine Kapitalerhöhung von bis zu 6,7 Milliarden Euro durch die Ausgabe neuer Aktien, wie die Unicredit mitteilte. Diese Aktien will die Unicredit den Commerzbank-Aktionären zum Tausch anbieten. Das Angebot soll am Dienstag ergehen.
Die Unicredit war Ende 2024 in großem Stil bei der eingestiegen und hat ihre Anteile seitdem weiter erhöht. Mitte März legte sie ein Angebot für die Übernahme weiterer Anteile vor.
Bei Überschreitung der Schwelle von 30 Prozent Anteilen an der Commerzbank ist die Unicredit zu einem öffentlichen Übernahmeangebot verpflichtet. Die Commerzbank-Führung und ihren Beschäftigten sowie auch die Bundesregierung haben sich gegen die Pläne ausgesprochen.
Der deutsche Staat hält noch einen Anteil von 12,1 Prozent an der Commerzbank – ein Überbleibsel der Rettungsaktion von 2008 während der weltweiten Finanzkrise. Infolge der Übernahmepläne der Unicredit hatte die Bundesregierung angekündigt, keine weiteren Anteile zu verkaufen. (afp/red)
Autoexporte am Hafen Emden (Archivbild) - Foto: Lars Penning/dpa
Nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit höheren Autozöllen trifft EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am Dienstag den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer. Die beiden sollen am Rande eines Handelsministertreffens der G7-Staaten in Paris zu Gesprächen zusammentreffen, wie ein Sprecher der EU-Kommission am Montag in Brüssel mitteilte. Eine Zollerhöhung wäre ein weiterer Schlag für die bereits gebeutelte Autoindustrie in Deutschland.
EU und USA im Zollstreit
Trump hatte am Freitag eine deutliche Steigerung der Einfuhrzölle auf Autos und Lkw aus der EU angekündigt. Sie sollen ihm zufolge von bislang 15 Prozent auf 25 Prozent steigen. Die Zollerhöhung würde deutsche Autobauer besonders hart treffen.
Die USA würden mit der Erhöhung gegen eine Abmachung aus dem vergangenen August verstoßen, in der Trump zugesagt hatte, den Zollsatz auf 15 Prozent zu begrenzen. Der US-Präsident warf der EU vor, ihren Teil der Vereinbarung nicht einzuhalten. Dabei geht es vor allem um eine Abschaffung europäischer Zölle auf US-Industrieprodukte, die noch zwischen dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Staaten verhandelt wird.
„Das geht sehr langsam voran“, sagte der US-Handelsbeauftragte Greer am Montag dem Fernsehsender CNBC. Er beklagte zudem eine Reihe von Änderungsanträgen aus dem Europaparlament, nach denen die Zollabschaffung nur greifen soll, wenn die USA alle ihre Zusagen einhalten, und im März 2028 automatisch auslaufen soll.
Trump habe „nach vielen, vielen Monaten der Gespräche“ mit den Europäern die Geduld verloren, sagte Greer. „Wenn die Europäer das Abkommen derzeit nicht umsetzen, dann müssen wir es erstmal auch nicht vollständig umsetzen“, fügte er hinzu.
Die Kommission stehe zu der Vereinbarung aus dem vergangenen Jahr, betonte der Sprecher in Brüssel. Die Arbeit an der Umsetzung folge „den üblichen Gesetzgebungsverfahren“. Die Kommission halte die US-Regierung zudem über den aktuellen Stand auf dem Laufenden. Sollte Trump seine Drohungen wahrmachen, halte sie die EU aber ihre Möglichkeiten offen, um die eigenen Interessen zu schützen.
Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bekräftigte, die EU woll ihre Zusagen einhalten. „Europa steht zu den Zusagen, und ich erwarte das jetzt von der amerikanischen Seite auch“, sagte er vor einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen am Montag in Brüssel. „Wir wollen keine Eskalation“, fügte er hinzu.
Bei dem Gespräch zwischen Sefcovic und Greer soll es auch um die hohen Stahlzölle der USA gehen. Diese liegen weiterhin bei 50 Prozent, die EU hat in den Verhandlungen bislang kaum Zugeständnisse erreicht.
Nur kurz vor seinen erneuten Zolldrohungen hatte Trump Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf wegen dessen ablehnender Haltung zum Irankrieg kritisiert. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärte am Wochenende, die geplante Zollerhöhung lasse sich als „Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland“ interpretieren.
US-Zölle treffen deutsche Autobauer besonders hart
Höhere Zölle würden die Autobauer in einer eh schon angespannten Lage treffen. Laut dem Münchner ifo-Institut belasten die Folgen des Irankriegs die „ohnehin geschwächte Autoindustrie zusätzlich“, das Geschäftsklima bei den Unternehmen verschlechterte sich zuletzt.
Wie das Institut erklärte, machen sich in der Branche erste Anzeichen von Materialknappheit bemerkbar, dazu kämen indirekte Wirkungen wie die generelle Unsicherheit von Unternehmen und Haushalten, die für Zurückhaltung beim Kauf von Neuwagen sorgen könnte, erklärte das Institut. „Die Automobilindustrie schafft es nicht aus der Krise heraus“, erklärte ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht für die deutschen Unternehmen insgesamt einen hohen Beratungsbedarf durch die erratische Handelspolitik Trumps. „Häufige Zollanpassungen, unklare Vorschriften und zusätzliche Nachweispflichten sorgen für erhebliche Planungsunsicherheit“, erklärte die DIHK am Montag in Berufung auf eine Befragung der 79 Industrie- und Handelskammern.
Für viele Industrie- und Handelskammern sind demnach Fragen rund um den US-Handel das aufwendigste Beratungsthema. „Das US-Geschäft wird für viele Betriebe zunehmend unberechenbar, gerade für kleinere Unternehmen wird der Marktzugang deutlich schwieriger“, erklärte DIHK-Bereichsleiterin Melanie Vogelbach. (afp/red)
An deutsche Start-ups fließt wieder mehr Geld von Investoren - Foto: Christian Charisius/dpa
Lichtblick für die Gründerbranche: Deutsche Start-ups haben im ersten Quartal mehr Wagniskapital von Investoren eingesammelt – trotz hoher Unsicherheit um den Irankrieg und die Konjunktur.
In den ersten drei Monaten bekamen Wachstumsfirmen 1,7 Milliarden Euro von Investoren wie Fonds und Konzernen, teilte die Förderbank KfW mit. Das seien sechs Prozent mehr als im ersten Quartal 2025. „Das Investitionsvolumen war dabei nicht von einzelnen Megadeals getrieben, sondern ergab sich aus einer stabilen Entwicklung in der Breite des Marktes“, hieß es.
Zudem spielten internationale Investoren, vor allem aus den USA, eine größere Rolle. Über drei Viertel der investierten Mittel stammten aus dem Ausland, nach je rund zwei Dritteln in den beiden vorangegangenen Quartalen. „
Das beständig hohe Interesse aus dem Ausland an deutschen Start-ups ist angesichts anhaltender handels- und geopolitischer Risiken nicht selbstverständlich“, sagte KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher. Das zeige das anhaltende Vertrauen internationaler Kapitalgeber in den deutschen Technologie- und Gründungsstandort.
KI-Boom hilft, aber US-Konkurrenz übermächtig
Die meisten Deals in Deutschland schlossen Start-ups aus der Gesundheitsbranche ab (18 Prozent), gefolgt von Finanzfirmen mit knapp über 15 Prozent.
Auch der Boom um Künstliche Intelligenz (KI) wirkte sich aus: Deutsche Start-ups, die auf KI-basierte Anwendungen setzen, sammelten im ersten Quartal in 71 Finanzierungsrunden 967 Millionen Euro ein. Mit einem Anteil von 58 Prozent am gesamten Marktvolumen überstieg der KI-Anteil im ersten Quartal den Durchschnitt 2025 von rund 43 Prozent deutlich.
In den USA sammelten allerdings allein demnach vier KI-Marktführer im ersten Quartal zusammen 188 Milliarden Dollar ein, zeigen die KfW-Zahlen.
Auch in Großbritannien und in Frankreich bekamen KI-Start-ups Milliarden-Finanzierungen. Ein Risiko aus Sicht der KfW sind zudem steigende Zinsen infolge von Inflationssorgen. Sie erschwerten es Wagniskapital-Investoren, Kapital einzusammeln.
Deutschland bei Wagniskapital im Rückstand
Die deutsche Start-ups-Branche ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Bei großen Summen sind deutsche Start-ups aber meist auf amerikanische-Investoren angewiesen, aufstrebende Firmen zieht es oft an US-Börsen.
Hierzulande werden laut früheren Angaben des Startup-Verbands rechnerisch 90 Euro pro Einwohner in Wagniskapital investiert, in den USA (510 Euro) seien es fast sechsmal so viel. Großanleger wie Versicherungen investieren in Deutschland oft nur beschränkt in Wagniskapital. (dpa/red)
Kinder in einem Supermarkt (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Haribo hat im Jahr 2025 so viele Süßigkeiten verkauft wie nie zuvor. Der Absatz des Goldbären-Herstellers legte weltweit um 4,5 Prozent zu, sagte Herwig Vennekens, Chief Commercial Officer der Haribo-Gruppe, dem „Handelsblatt“.
Damit wuchs das Unternehmen stärker als der Markt. Die Kategorie Fruchtgummi, Schaumzucker und Lakritz nahm global nur um 1,5 Prozent zu, ermittelte der Marktforscher NIQ. Konkretere Geschäftszahlen nennt das Familienunternehmen aus Grafschaft bei Bonn traditionell nicht.
Ein Viertel des globalen Wachstums entfalle auf Neuprodukte, sagte Vennekens. Der Haribo-Manager beobachtet zudem eine gewisse Abwanderung von Kunden weg von Schokolade. Diese hatte sich wegen hoher Kakaopreise überdurchschnittlich verteuert. „In die Nikolausstiefel und Osterkörbchen kommen immer öfter Fruchtgummis anstelle von Schokolade“, sagte Vennekens.
Haribo ist in Deutschland Marktführer – mit großem Abstand vor Storck (Lachgummis), Katjes und Trolli. 2025 verbesserte Haribo seinen Marktanteil nach verkaufter Menge leicht auf 57,6 Prozent, zeigen Zahlen des Marktforschers Circana. Weltweit beschäftigt Haribo mehr als 8.500 Mitarbeiter. (dts/red)
Objekt der Begierde: die Commerzbank in Frankfurt. (Archivbild) - Foto: Michael Brandt/dpa
Das Ringen um die Zukunft der Commerzbank spitzt sich zu: Während sich die italienische Unicredit bei einer außerordentlichen Hauptversammlung die Zustimmung ihrer Aktionäre für ein offizielles Übernahmeangebot holen will und für den 5. Mai ein offizielles Übernahmeangebot angekündigt hat, kontert die Commerzbank die jüngsten Vorstöße aus Mailand.
„Was die Unicredit nach 18 Monaten und zahlreichen Treffen nun auf den Tisch gelegt hat, ist ein Plan, der die Bank, wie sie heute für ihre Kunden funktioniert, zerlegt und unseren Aktionären dafür keine Prämie zahlt“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Michael Kotzbauer, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
„Lehnen keine Gespräche mit der Unicredit ab“
Kotzbauer betonte, die Commerzbank lehne „keine Gespräche mit der Unicredit ab“. Es habe in den vergangenen Monaten viele Treffen gegeben. „In keinem dieser Treffen war Unicredit aber je daran interessiert, über unser Geschäftsmodell oder ihre Pläne bei der Commerzbank zu reden.“
Das habe die Unicredit erst getan, nachdem sie am 16. März unabgestimmt ein Angebot für die Commerzbank-Aktionäre angekündigt hatte. Dieses will Unicredit-Chef Andrea Orcel an diesem Dienstag konkretisieren.
„Überdimensioniertes“ Auslandsnetz?
Die Unicredit, die im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen war, ist inzwischen mit Abstand größter Anteilseigner der Commerzbank vor dem deutschen Staat.
Erst kürzlich präsentierte Unicredit-Chef Orcel einen Umbauplan für den Fall einer Übernahme. Dabei kritisierte Orcel unter anderem, das Auslandsnetz der Commerzbank sei „überdimensioniert“ und „ineffizient“.
Commerzbank-Manager Kotzbauer, der das Firmenkundengeschäft verantwortet, bezeichnet die Präsentation als „feindliches Vorgehen mit irreführenden Darstellungen“. Mit Standorten in mehr 40 Ländern betreibe die Commerzbank „ein globales und effizientes Netzwerk aus Niederlassungen und Repräsentanzen“, sagt Kotzbauer.
„Rund 58 Prozent der Erträge mit unseren Firmenkunden haben einen klaren Bezug zu unserem internationalen Netzwerk. Ohne diese Auslandsbrückenfunktion wäre die Commerzbank nicht mehr die Commerzbank. Wir wurden 1870 genau aus diesem Grund als Außenhandelsbank gegründet.“ (dpa/red)
Fast 2 Euro pro Kugel. Wird Eisessen zum Luxus? - Foto: iStock Sandra Albinger
In Kürze:
Durchschnittspreis steigt auf 1,92 Euro pro Kugel
Kosten für Energie, Miete und Personal als Haupttreiber
Große Preisunterschiede je nach Region
Die ersten warmen Tage des Jahres haben etwas Verlässliches: Kaum steigen die Temperaturen über 20 Grad, bilden sich vor Eisdielen die typischen Schlangen. Kinder drücken sich die Nase an der Theke platt, Erwachsene diskutieren über Sorten und irgendwo fällt fast immer der gleiche Satz: „Ganz schön teuer geworden.“ Der Preis für eine Kugel Eis ist längst mehr als eine beiläufige Randnotiz, er ist zum Indikator für ein größeres Thema geworden – die spürbare Verteuerung des Alltags.
Während im Frühjahr 2025 der durchschnittliche Kugelpreis 1,81 Euro betrug, wird die Kugel Eis in diesem Jahr laut der aktuellen Coupon-Umfrage für einen Durchschnittspreis von 1,92 Euro pro Kugel serviert. Die günstigste Kugel Eis bei den Befragten kostete 1 Euro, die teuerste mit 3,80 Euro fast das Vierfache. Für Familien summieren sich diese Unterschiede schnell. Während acht Kugeln Eis in günstigen Regionen für unter 12 Euro zu haben sind, werden auf Sylt für dieselbe Bestellung schnell mehr als 22 Euro fällig.
Die Steigerungen sind nicht neu, sondern eher ein Kontinuum in den letzten Jahren. Im Jahr 2024 belief sich der Durchschnittspreis für eine Kugel Eis auf 1,72 Euro, im Jahr davor, 2023, waren es noch 1,62 Euro. Zum Vergleich: In der ersten Coupon-Befragung aus dem Jahr 2022 gab es die günstigsten Eiskugeln noch für 1,20 Euro im Schnitt, seinerzeit in Wuppertal.
Auch in der Innengastronomie kletterten die Preise zuletzt nach oben. In Eisdielen und Cafés sind Klassiker wie Spaghetti-Eis besonders beliebt und inzwischen auch deutlich teurer geworden. Laut einer Umfrage von „Chip“ ist die beliebte Vanille-Erdbeer-Kombi im Pasta-Style kaum noch unter 10 Euro in der Gastronomie zu bekommen. Am teuersten ist Eis auf Sylt und Norderney. Auch München liegt bei den Preisen weit vorn. Am günstigsten ist die kalte Köstlichkeit dagegen in Chemnitz, Nürnberg, Stralsund, Flensburg und Greifswald.
Die Union italienischer Speiseeishersteller benennt steigende Kosten als Preistreiber hinter den sich ständig erhöhenden Kugelpreisen. Betroffen seien vorwiegend Eisdielen in Großstädten wegen hoher Mieten und wachsender Personalkosten. Nicht zu vergessen sind steigende Energiepreise: Kühltruhen, Gefriertechnik und Klimaanlagen laufen in der Saison oft rund um die Uhr und treiben die Betriebskosten in die Höhe.
Interessant ist, dass sich der Preisanstieg nicht überall gleich ausprägt. Während in kleineren Städten oder ländlichen Regionen die Preise oft moderater steigen, reagieren Anbieter in Großstädten schneller und deutlicher. Das liegt nicht nur an den höheren Kosten, sondern auch an der Zahlungsbereitschaft der Kundschaft. Eis ist ein emotionales Produkt, ein kleines Stück Genuss, der den Alltag versüßt, und viele sind bereit, dafür mehr auszugeben als noch vor wenigen Jahren.
Familienbetrieb setzt auf stabile Preise
Für Jan-Helge H. aus dem Sauerland, der in einem Ort mit 6.000 Einwohnern eine Familieneisdiele betreibt, ist vielmehr die Frage: „Was verträgt der Markt?“ Deshalb hat der Unternehmer in diesem Jahr die Preise nicht erhöht. „Unsere Devise ist: Was können wir den Menschen zumuten?“, sagt er im Gespräch mit der Epoch Times.
Der Bestseller Spaghetti-Eis kostet bei ihm im Eiscafé, wohin viele aus der Region zum Familienausflug kommen, weiterhin 7,60 Euro. Die gestiegenen Personal- und Rohstoffpreise gibt der 56-Jährige nicht an seine Kunden weiter.
Sein Konzept ist ein anderes: „Statt 19 Prozent sind es jetzt seit dem 1. Januar 2026 7 Prozent Mehrwertsteuer. Das fängt die Lohnkosten auf und gleicht es etwas aus. Man lebt nur vom Umsatz. Jedes nicht verkaufte Eis ist das Schlimmste.“
Für den Geschäftsmann ist die Entwicklung der Eispreise mehr als nur ein saisonales Phänomen. Sie zeigt, wie sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Alltag widerspiegeln – sichtbar, nachvollziehbar und konkret. Die Kugel Eis ist für ihn nur ein kleiner Indikator für größere Zusammenhänge.
Autoproduktion (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Das Ifo-Geschäftsklima in der Automobilindustrie hat sich im April verschlechtert.
Der Indikator fiel auf -23,8 Punkte, von -19,0 Punkten im März, teilte das Ifo-Institut am Montag mit. Die Unternehmen bewerteten zwar ihre aktuelle Geschäftslage besser als im Vormonat, blicken aber erheblich pessimistischer auf die kommenden Monate.
Die Geschäftserwartungen fielen auf -30,7 Punkte, von -15,3 Punkten im März. „Die Iran-Krise belastet die ohnehin geschwächte Autoindustrie zusätzlich“, sagte Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl.
Materialknappheit angestiegen
In der Autoindustrie machen sich erste Anzeichen von Materialknappheit bemerkbar. Bei 9,3 Prozent der Unternehmen fehlten im April wichtige Vorprodukte, im März waren es noch knapp ein Prozent.
„Die Iran-Krise beeinträchtigt etwa die Produktion und Lieferung von Helium“, sagte Wölfl, „einem Edelgas, das direkt und indirekt für die Automobilproduktion wichtig ist.“
Helium wird zum Beispiel in der Chipproduktion, für Airbags, bei der Metallbearbeitung und der Leckortung von Batterien verwendet. Die EU bezieht mit etwa 40 Prozent einen bedeutenden Anteil ihres Heliumbedarfs aus Katar, so die Deutsche Rohstoffagentur; alternative Importquellen sind rar.
Hinzu kommen indirekte Wirkungen aus der Iran-Krise, die sich in den gesunkenen Geschäftserwartungen niederschlagen: Die generelle Unsicherheit bei Unternehmen und Haushalten steigt. Zusammen mit den hohen Energiepreisen könnte dies für Kaufzurückhaltung beim Kauf von Neuwagen sorgen. (dts/red)
Die Autobranche trifft der Zollstreit mit den USA besonders. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Deutsche Wirtschaftsverbände haben die von US-Präsident Donald Trump angekündigten neuen Zölle kritisiert und zur Deeskalation aufgerufen. Dabei mahnte der Industrieverband BDI am Sonntag auch von der EU die Einhaltung geschlossener Handelsvereinbarungen an.
Das Münchner ifo-Institut warnte vor einem neuen Handelskrieg zwischen EU und USA, sollte die Europäische Union nun ihrerseits mit Zöllen auf US-Produkte reagieren.
„Die Ankündigungen sind eine erneute massive Herausforderung für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen und gefährden sie über die Automobilindustrie hinaus“, hieß es in einer Erklärung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) mit Blick auf Trump.
Ab kommender Woche: US-Zölle auf Autos und Lkw bei 25 statt 15 Prozent
Der US-Präsident hatte am Freitag angekündigt, er wolle die Zölle auf aus der Europäischen Union in den USA eingeführte Lkw und Pkw auf 25 Prozent erhöhen. Der neue Satz soll ab kommender Woche gelten. Bislang sind es laut dem zwischen den USA und der EU im vergangenen Sommer vereinbarten Abkommens 15 Prozent. Trump warf der EU jedoch vor, dieses Abkommen nicht einzuhalten.
„Das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA muss von beiden Seiten eingehalten werden“, erklärte dazu nun der BDI, auch durch die EU. Zwar beschädige die amerikanische Seite „mit immer neuen Provokationen das gegenseitige Vertrauen“, dennoch sei ein weiteres Aufschieben der Vereinbarungen keine Option. Es gelte jetzt, „weiteren Eskalationen vorzubeugen“.
„Die von US‑Präsident Donald Trump angekündigten Zölle markieren eine erneute und unnötige Eskalation im transatlantischen Handelskonflikt“, erklärte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier. Während die EU konstruktiv an der Umsetzung des mit den USA geschlossenen Handelsabkommens arbeite, „drohen die jüngsten Ankündigungen aus dem Weißen Haus, ebendiesen Prozess in Gefahr zu bringen“.
Die deutsche Wirtschaft sei jedoch „auf verlässliche und stabile Rahmenbedingungen im transatlantischen Handel angewiesen“, betonte Treier. Die EU solle daher die Umsetzung der Handelsvereinbarungen „unbeirrt fortsetzen“, aber zugleich „klarstellen, dass einseitige Eskalationen nicht ohne Reaktion bleiben“. Parallel sollten andere Handelspartnerschaften wie das gerade in Kraft getretene Mercosur-Abkommen zwischen der EU und südamerikanischen Staaten ausgebaut werden.
ifo-Präsident warnt vor neuem Handelskrieg und Rezession
ifo-Präsident Professor Clemens Fuest sagte der „Bild“-Zeitung zu den neuen US-Zöllen: „Falls daraus ein neuer Handelskrieg wird, droht Deutschland 2026 eine Rezession.“ Die Zollerhöhungen träfen die deutsche Autoindustrie „in einer ohnehin schwierigen Lage“.
Der Ökonom und Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Jens Südekum, sagte der „Bild“, die EU solle zunächst abwarten, ob die erhöhten Zölle wirklich erhoben würden. Brüssel riet er für den Fall des Eintretens zu „angemessenen Gegenmaßnahmen“.
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hatte am Samstag zu den neuen Zöllen gesagt, das Vorgehen Trumps lasse sich als „Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland“ interpretieren. Die direkten Auswirkungen für die Autohersteller stufte Dudenhöffer allerdings als begrenzt ein.
Er bezifferte die jährliche Zusatzlast in einer am Samstag in Bochum veröffentlichten Erklärung auf voraussichtlich etwa 2,5 Milliarden Euro. Allerdings dürften die Hersteller versuchen, einen Teil davon über höhere Preise an Käufer in den USA weiterzugeben.
Grundlage der Berechnungen Dudenhöffers sind Ausfuhren deutscher Hersteller von 409.000 Neuwagen aus Deutschland in die USA im Jahr 2025. Mercedes und BMW hätten wegen ihrer Produktionsanlagen in den USA einen gewissen Zollschutz.
Trumps Zollankündigung erfolgte, kurz nachdem er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag wegen dessen ablehnender Haltung zum Irankrieg scharf kritisiert hatte. (afp/red)
Spirit Airlines steckte schon seit vergangenem August in einem Insolvenzverfahren. (Archivbild) - Foto: Joe Cavaretta/TNS via ZUMA Press Wire/dpa
Der US-Billigflieger Spirit Airlines ist trotz Rettungsversuchen der US-Regierung am Ende. Die geordnete Einstellung des Flugbetriebs habe begonnen, teilte die Fluggesellschaft mit. Alle Flüge seien gestrichen und der Kundenservice nicht länger verfügbar.
US-Präsident Trump hatte eine Lösung ins Gespräch gebracht, bei der der amerikanische Staat im Gegenzug für einen Rettungskredit Anteile an Spirit übernehmen sollte.
Laut Medien ging es um eine Finanzspritze von rund 500 Millionen US-Dollar, nach der die Regierung einen Anteil von bis zu 90 Prozent an Spirit hätte bekommen können. Berichten zufolge waren andere Geldgeber nicht mit den Konditionen einverstanden und die Gespräche wurden ergebnislos beendet.
Seit August vergangenen Jahres war Spirit bereits im zweiten Insolvenzverfahren binnen weniger als zwölf Monaten. Ursprünglich wollte die Airline es im Sommer mit niedrigeren Schulden verlassen – was die stark gestiegenen Kerosinpreise torpedierten.
Der „plötzliche und anhaltende“ Anstieg habe keinen anderen Weg gelassen als den Betrieb einzustellen, betonte Spirit-Chef Dave Davis. Fluggesellschaften sichern sich gemeinhin gegen Risiken wie Preisschwankungen beim Kerosin ab, diese Instrumente kosten aber auch Geld.
Die Airline rief Passagiere mit Tickets für anstehende Flüge auf, nicht mehr zum Flughafen zu fahren. Passagiere sollen das Geld für ihre gebuchten Flüge zurückbekommen. Laut Medienberichten blieben an manchen US-Flughäfen am Freitag Passagiere sitzen, deren Flüge abgesagt wurden.
So zeigte der Sender „WWJ Newsradio 950“ rund 200 Fluggäste am Gate in Detroit, deren Flug nach Los Angeles ausfiel. Viele Passagiere, die am Wochenende fliegen wollten, mussten nach Alternativen suchen. Andere Airlines kündigten an, Spirit-Kunden unter die Arme greifen zu wollen. So bieten etwa United und Southwest Sondertarife für Leute mit Tickets für abgesagte Flüge von Spirit an.
Die Krise bei Spirit gilt als hausgemacht. Der Chef des deutlich größeren Konkurrenten United Airlines, Scott Kirby, sagte etwa, das Problem liege im Geschäftsmodell – und die hohen Kerosinpreise hätten die Entwicklung nur beschleunigt.
Spirit sollte 2022 vom Rivalen JetBlue übernommen werden – Wettbewerbshüter der damaligen Regierung von Präsident Joe Biden zogen dagegen vor Gericht und ein Richter blockierte den Deal.
Die US-Regierung hatte zwar die Luftfahrt-Industrie in Krisenzeiten etwa nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder in der Corona-Pandemie gestützt – ein Eingreifen zugunsten eines einzelnen Unternehmens wäre aber eine ungewöhnliche Aktion.
Trump hatte in seiner zweiten Amtszeit allerdings erhöhte Bereitschaft demonstriert, den Staat Anteile an Unternehmen im Gegenzug für Finanzhilfen übernehmen zu lassen. So bekam die US-Regierung einen Anteil von rund zehn Prozent am Chipriesen Intel als Ausgleich für bereits zuvor unentgeltlich zugesagte Milliarden-Subventionen. (dpa/red)
Bio oder nicht Bio? Ein Marktstand auf dem Marienplatz in München. - Foto: Goran Jakus Photography/iStock
Das Geschäft mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland hat nach Branchenangaben weiter angezogen. Von Januar bis Ende März stieg der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um sechs Prozent auf 4,91 Milliarden Euro, wie Daten des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft ergeben.
Ein Großteil entfällt auf Discounter und Supermärkte, Drogeriemärkte legten zu. Die Branche wirbt für Anreize, damit mehr Bauern auf Öko umstellen.
Verbandschefin Tina Andres sagte: „Bio bleibt auch in Krisenzeiten eine Wachstumsbranche.“ Angesichts der Weltlage sei dies nicht nur gut für die Umwelt, sondern trage zur Versorgungssicherheit bei. „Die derzeitige Preisexplosion bei Düngemitteln tangiert Bio-Landwirte nicht.“
Der Bio-Spitzenverband legte in Zusammenarbeit mit der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft erstmals aktuelle Quartalszahlen vor, die auf Daten von vier Marktforschungsinstituten basieren. Grundlage für den Vergleich zum ersten Quartal 2025 sind demnach damalige Marktdaten der Institute.
Deutliche Umsatzzuwächse gab es demnach nun bei Fleischersatzprodukten, Mehl, Süßwaren, Eis, Tiefkühlkost, Feinkost, Fertigprodukten, Heißgetränken und Backwaren. Der Umsatz mit Bier und Spirituosen ging deutlich zurück. Bei frischen Eiern und Fleisch gab es Zuwächse vor allem durch Preiserhöhungen. Bei Butter, Brot und Kartoffeln wurden dagegen Umsatzrückgänge verzeichnet.
Die größten Anteile am Bio-Geschäft haben den Daten zufolge die Discounter mit 30 Prozent und die Supermärkte mit 29 Prozent. Treiber waren erneut die Bio-Eigenmarken des Handels mit plus 12,5 Prozent. Der Naturkostfachhandel legte um 1,1 Prozent auf 840 Millionen Euro zu und kommt auf einen Marktanteil von 17 Prozent. Die Drogeriemärkte kommen auf knapp 13 Prozent, nachdem sie von Januar bis März ein kräftiges Bio-Umsatzplus von 14 Prozent erzielten.
Die restlichen Marktanteile verteilen sich demnach auf E-Commerce-Angebote mit Lieferdiensten und Onlineshops (5 Prozent) sowie auf Hofläden, Bäckereien, Metzgereien, Wochenmärkte und Tankstellen.
Die Branche knüpft mit dem Plus im ersten Quartal an ihren Wachstumstrend an. Angesichts der angespannteren Wirtschaftslage infolge des Irankriegs mit Preissprüngen nicht nur an den Tankstellen muss sich weiter zeigen, wie robust der Trend ist.
Im Gesamtjahr 2025 war der Bio-Umsatz mit Lebensmitteln und Getränken um 6,7 Prozent auf Rekordhöhe von 18,23 Milliarden Euro gestiegen. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt liegt nun bei 6,5 Prozent.
Der Spitzenverband rief die Politik in Berlin und Brüssel auf, auch bei der EU-Agrarfinanzierung mehr Anreize für die Umstellung auf Ökolandbau zu schaffen. Immer mehr Verbraucher würden sich für eine Lebensmittelwirtschaft entscheiden, die „mit der Natur arbeitet, ohne chemisch-synthetische Pestizide und ohne Kunstdünger“, sagte die Vorstandvorsitzende Andres.
Hintergrund ist, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten, die meist etwas mehr kosten, bis auf einen Dämpfer 2022 wegen der hohen Inflation kontinuierlich wächst. Die heimische Öko-Produktion auf den Feldern und in den Ställen bleibt dahinter zurück. Die Umstellungsbereitschaft in der Landwirtschaft sei 2025 erneut äußerst verhalten gewesen, sagte der Bauernverband.
Die ökologisch bewirtschaftete Fläche wächst nur langsam. (Archivbild)
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Bio-Anteil auf dem Feld von 30 Prozent?
Bio bewirtschaftet werden nach jüngsten Daten des Bundesagrarministeriums von 2024 nun 11,5 Prozent der Agrarfläche – nach 11,4 Prozent 2023. Das Ziel eines Bio-Anteils von 30 Prozent bis 2030, das einst die Ampel-Koalition aufstellte, bleibt weit entfernt. Die Zahl der Öko-Betriebe ging 2024 sogar um 2,2 Prozent auf 35.881 zurück, ihr Anteil liegt nunmehr noch bei 14,1 Prozent.
Minister Alois Rainer hebt die wirtschaftlichen Chancen hervor. „Bei aller europäischen Solidarität will ich natürlich, dass vor allem unsere deutschen Landwirte von einem wachsenden Bio-Geschäft profitieren“, sagte der CSU-Politiker zu Jahresbeginn anlässlich der Agrarmesse Grüne Woche. „Wenn sich der Markt gut entwickelt, motiviert das mehr Betriebe, auf Bio umzustellen.“
Die Produktion müsse mit dem Markt mitwachsen, erläuterte der Minister. „Wenn sie schneller wächst als der Absatz und man am Markt vorbeiproduziert, dann fallen die Preise.“ Bio-Landwirte hätten höhere Kosten, und die wollten sie am Markt erlösen.
Generell ist es eine Kalkulationsfrage, ob Bauern auf Ökolandbau umstellen. So ist etwa der Aufwand bei der mechanischen Bodenbearbeitung höher, und da schlagen Treibstoffkosten für Traktoren zu Buche. Andererseits sind chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel bei Bio tabu, bei denen es infolge des Irankriegs gerade wieder Preissprünge gab. (dpa/red)
Alexander Kühnen ist seit dem 1. Januar 2023 Chef des Gebäckherstellers Bahlsen. - Foto: Michael Matthey/dpa
Die hohen Schokoladenpreise haben den Gebäckhersteller Bahlsen zuletzt stark belastet – nun zeichnet sich eine Entspannung ab. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die Abgabepreise für ausgewählte Produkte gegenüber dem Handel gesenkt. Erste Preissenkungen seien bereits im Handel sichtbar.
„Durch die stark gestiegenen Schokoladenpreise mussten wir unsere Preise anheben, weil der Schokoladenanteil in unseren Produkten höher ist als im Wettbewerb“, sagte Firmenchef Alexander Kühnen. Da sich die Preise inzwischen stabilisierten, werde eher über Preissenkungen nachgedacht als über weitere Erhöhungen.
Auch andere Hersteller reagieren auf die Entwicklung. So hat etwa der Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli die Preise einzelner Produkte gesenkt.
Nach Monaten hoher Preise deutet sich bei Schokolade eine Entspannung an. (Symbolbild)
Foto: Holger Hollemann/dpa
„Enkelfähigkeit“ statt kurzfristiger Einsparungen
Trotz der hohen Preise kam für Bahlsen eine Änderung der Rezeptur nicht infrage. Die Produkte seien stark von Gewohnheit und Vertrauen geprägt, viele Menschen äßen sie seit Jahrzehnten, sagte Kühnen. „Wenn jemand regelmäßig unsere Produkte kauft und plötzlich würde sich der Geschmack verändern, weil wir am Rezept sparen würden, dann verliert man diese Kunden sehr schnell und oft dauerhaft.“
Eine Anpassung am Produkt sei daher keine Option gewesen – auch wenn sie kurzfristig vielleicht geholfen hätte. „Aber langfristig wäre es nicht nachhaltig gewesen.“ Im Unternehmen, das zu 100 Prozent der Familie Bahlsen gehört, spiele dabei der Begriff „Enkelfähigkeit“ eine große Rolle – also die Frage, ob es Bahlsen in zwei Generationen noch in seiner heutigen Form geben wird.
Das Unternehmen aus Hannover kämpfte zuletzt mit rückläufigen Absatzmengen und verlor Marktanteile. „Als ich zu Bahlsen kam, hatte das Unternehmen kein gutes Jahr hinter sich, und mein Auftrag war klar: Veränderung“, sagte Kühnen, der seit drei Jahren im Amt ist.
Der Umsatz der Bahlsen-Gruppe stieg 2024 auf 644,6 Millionen Euro, nach 607,9 Millionen im Jahr zuvor und 539,9 Millionen Euro 2022. Das operative Ergebnis lag bei 63,6 Millionen Euro, nach 40,5 Millionen 2023. 2022 hatte Bahlsen auf dieser Basis noch einen Verlust von 1,8 Millionen Euro ausgewiesen.
Mehr Biss im Markt
Jubeln will Kühnen aber nicht. „Wo ich nicht zufrieden bin, ist unsere Wettbewerbsposition.“ Er habe sich gewünscht, dass das Unternehmen stärker wachse und Marktanteile gewinne. Ein wesentlicher Grund dafür, dass das Wachstum hinter den Erwartungen blieb, seien auch die Schokoladenpreise gewesen.
„In drei Jahren möchte ich, dass wir im Wettbewerb gefürchtet werden“, sagte Kühnen. „Im Moment sind wir das noch nicht, aber genau dahin wollen wir.“ Der Konkurrenzdruck habe durch große Player wie Ferrero und den Milka-Hersteller Mondelez zugenommen. Künftig solle die Branche zuerst an Bahlsen denken, wenn es um starke Wettbewerber gehe.
„Und nach innen soll Bahlsen ein Unternehmen sein, bei dem junge Leute sagen: Das ist ein traditionelles Unternehmen, aber gleichzeitig richtig sexy“, sagte Kühnen. (dpa/red)
Braunkohletagebau in der Lausitz: Die Zukunft der Kohle steht erneut zur Debatte. - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
In Kürze:
Braunkohle-Debatte kehrt zurück: Energieunsicherheit stellt den Kohleausstieg erneut infrage.
LEAG bringt Vorschläge: Sonderregeln beim CO₂-Handel und günstiger Industriestrom.
Experten warnen: Ausnahmen könnten die Klimapolitik schwächen.
Lausitz betroffen: Tausende Arbeitsplätze hängen weiter an der Kohle.
Die deutsche Energiewende galt lange als gesellschaftlicher Konsens. Mit dem Beschluss des Bundestages zum Kohleausstieg sollte der Weg in eine klimaneutrale Energieversorgung unumkehrbar werden. Spätestens 2038 soll die Kohleverstromung enden.
Doch während die Politik am Zeitplan festhalten will, wachsen im Hintergrund Zweifel – sowohl in Teilen der Industrie als auch in einigen Landesregierungen. Eine interne Präsentation des ostdeutschen Energiekonzerns LEAG, über die die „Wirtschaftswoche“ berichtet, deutet darauf hin, dass in der Lausitz über eine Zukunft der Braunkohle jenseits der bisherigen Ausstiegspläne nachgedacht wird. Damit stellt sich eine Frage, die lange als geklärt galt: Kommt es zum Ausstieg aus dem Kohleausstieg?
Vom Klimaargument zu „Sicherheitsenergien“
Auslöser der neuen Debatte ist eine veränderte geopolitische und energiepolitische Lage. Die Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine hat Deutschland vor Augen geführt, wie verletzlich ein stark importabhängiges Energiesystem sein kann. Inzwischen wird die Diskussion durch weitere internationale Spannungen verstärkt. Konflikte im Nahen Osten und Unsicherheiten auf globalen Energiemärkten lassen die Frage der Versorgungssicherheit wieder stärker in den Vordergrund rücken. So äußerte sich die baden-württembergische Energieministerin Thekla Walker im März in einer Pressemitteilung dazu:
„Wenn wir weiter auf fossile Importe angewiesen sind, sind wir auch weiter einem unkalkulierbaren Preisroulette ausgesetzt.“
Anlass der Äußerung war damals ein gemeinsamer Brief der Energieministerinnen und Energieminister der Länder Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. In diesem Brief forderten sie vom Bund entschlossenes Handeln für bezahlbare und sichere Energie.
Während die Energiewende ursprünglich vor allem unter klimapolitischen Gesichtspunkten geführt wurde, gewinnt nun ein klassisches energiepolitisches Argument an Gewicht: Erneuerbare Energien als „Sicherheitsenergie“. So machte Bundesumweltminister Carsten Schneider im März deutlich:
„Erneuerbare Energien sind Sicherheitsenergien, die Deutschlands und Europas fatale Abhängigkeit von fossilen Energien schon stark verringert haben. “
Der Irankrieg, so Schneider weiter, sei eine „schmerzhafte Erinnerung“ daran, wie „verwundbar wir immer noch sind durch solche Schocks auf den Öl- und Gasmärkten“.
Braunkohle als strategischer Vorteil
In dieser Perspektive erscheint die Braunkohle manchen Akteuren wieder als strategischer Vorteil. Anders als Erdgas oder Steinkohle muss sie nicht importiert werden. Die gesamte Wertschöpfungskette – vom Tagebau über den Transport bis zur Stromproduktion – liegt innerhalb Deutschlands. Für Unternehmen wie die LEAG, die ihre Kraftwerke und Tagebaue in der Lausitz betreibt, ist dies ein zentraler Punkt der Argumentation. In der internen Präsentation wird laut „Wirtschaftswoche“ Braunkohle ausdrücklich als „Made in Germany“ bezeichnet und damit als Bestandteil einer energiepolitischen Sicherheitsstrategie dargestellt.
Ökonomisch sieht sich der Konzern allerdings unter Druck. Der entscheidende Faktor ist der europäische Emissionshandel. Stromerzeuger müssen für jede ausgestoßene Tonne Kohlendioxid Zertifikate erwerben, deren Gesamtmenge schrittweise reduziert wird. Dadurch steigen die Preise. Für besonders emissionsintensiven Technologien wie die Braunkohle wird die Stromproduktion zunehmend teurer. Nach Angaben der LEAG musste das Unternehmen im Jahr 2024 Zertifikate für etwa 36 Millionen Tonnen CO₂ kaufen. Bei durchschnittlichen Preisen von rund 65 Euro pro Zertifikat summieren sich die Kosten auf mehr als 2 Milliarden Euro.
Forderung nach Sonderrolle für nationale Energiequellen
Die Präsentation, die nach außen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, enthält deshalb weitreichende Vorschläge. Eine zentrale Idee besteht darin, die Braunkohleverstromung von der Pflicht zum Erwerb von CO₂-Zertifikaten auszunehmen. In der Logik des Papiers würde die Kohle damit als nationale Energiequelle eine Sonderrolle erhalten. Ergänzend wird vorgeschlagen, den Preis für Emissionszertifikate zeitweise durch europäische Verwaltungsmaßnahmen zu senken. Außerdem könnten einzelne Kraftwerke in einen Status der Sicherheitsbereitschaft überführt werden. In einem solchen Modell würden sie nur bei Bedarf Strom produzieren, während der Tagebau weiterhin betrieben würde.
Als Gegenleistung stellt der Konzern einen staatlich unterstützten Industriestrom in Aussicht. Dieser könnte etwa zum halben Marktpreis angeboten werden, sofern der Staat die CO₂-Kosten übernimmt. Die LEAG verweist darauf, dass in Europa ohnehin über Modelle eines günstigen Industriestroms diskutiert wird, um energieintensive Unternehmen zu entlasten und Abwanderung zu verhindern.
Das Primat des Marktes wird infrage gestellt
Politisch wären solche Maßnahmen höchst umstritten. Der europäische Emissionshandel gilt als zentrales Instrument der Klimapolitik. Sein Grundprinzip besteht darin, CO₂-Emissionen einen Preis zu geben, der mit der Zeit steigt und damit klimafreundliche Technologien wirtschaftlich attraktiver macht. Eine Ausnahme für die emissionsintensivste Form der Stromproduktion würde dieses System grundsätzlich infrage stellen.
Diese ordnungspolitische Sorge wird durch das aktuelle Gutachten des Expertenrats für Klimafragen (ERK) zum „Klimaschutzprogramm 2026“ massiv gestützt. Die Experten warnen eindringlich vor einer Erosion marktwirtschaftlicher Prinzipien: Ein „besonderes Problem“ stellt laut Gutachten die „mangelnde Berücksichtigung der möglicherweise kompensierenden Wirkungen der Emissionshandelssysteme EU-ETS 1 und BEHG/EU-ETS 2“ dar.
Der Rat rügt, dass die Bundesregierung zunehmend auf dirigistische Einzelmaßnahmen setzt, statt auf die Kraft des Preissignals zu vertrauen. In der Stellungnahme heißt es kritisch, dass „ökonomische Erwägungen und effiziente Anreizstrukturen bei der Maßnahmengestaltung weiterhin keine prioritäre Rolle zu spielen“ scheinen. Wenn die Politik durch Sonderregelungen fossile Energieträger im Markt hält, deren Vermeidungskosten „weit oberhalb der relevanten CO₂-Preise liegen dürften“, konterkariert sie die Logik des Emissionshandels. Der Expertenrat mahnt daher eine Rückkehr zur ökonomischen Vernunft an und empfiehlt, „innovative, anreizorientierte Maßnahmen stärker in den Blick zu nehmen“, um den Klimaschutz nicht zum haushaltspolitischen Fass ohne Boden werden zu lassen.
Tausende Arbeitsplätze hängen an der Braunkohle
Gleichzeitig lässt sich die politische Brisanz der Debatte nicht allein aus klimapolitischer Perspektive erklären. In der Lausitz hängen noch immer Tausende Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Kohleindustrie. Die LEAG beschäftigt derzeit rund 6.300 Menschen. Zwar sind nicht alle Beschäftigten im Kohlebereich tätig, dieser bleibt jedoch ein zentraler Unternehmenszweig. Für eine strukturschwache Region wäre ein schneller wirtschaftlicher Einbruch kaum zu verkraften. Bund und Länder versuchen deshalb seit Jahren, den Wandel mit milliardenschweren Förderprogrammen zu begleiten. Allein der Bund stellt mehr als 10 Milliarden Euro für Strukturprojekte in der Region bereit.
Die Leag selbst hatte noch vor wenigen Jahren eine andere Strategie verfolgt. Unter dem früheren Vorstandschef Thorsten Kramer kündigte das Unternehmen den Bau einer sogenannten Gigawatt Factory an. Bis 2030 sollten große Kapazitäten an Wind- und Solarenergie entstehen, ergänzt durch Speicher und neue Kraftwerke. Die Lausitz sollte zu einer Modellregion der Energiewende werden. Der Konzern stellte Investitionen in Milliardenhöhe in Aussicht und präsentierte eine Zukunftsvision, in der erneuerbare Energien das bisherige Kohlegeschäft Schritt für Schritt ersetzen sollten.
Konzern könnte Spielraum ausloten
Nach dem Führungswechsel im Jahr 2024 scheint sich die strategische Gewichtung im Unternehmen verschoben zu haben. Der neue Vorstandschef Adolf Roesch setzt offenbar stärker auf eine pragmatische Anpassung an die energiepolitischen Realitäten. Während der Ausbau erneuerbarer Energien weiterhin Teil der Unternehmensstrategie bleibt, wird die Rolle der Braunkohle wieder offensiver diskutiert.
Die offizielle Linie des Unternehmens bleibt allerdings vorsichtig. Die Leag verweist in der Präsentation darauf, dass der gesetzlich beschlossene Kohleausstieg weiterhin gilt und es keine anderslautenden politischen Beschlüsse gibt. Gleichzeitig betont der Konzern die Bedeutung eines kontinuierlichen Austauschs mit den Landesregierungen in Brandenburg und Sachsen. In beiden Bundesländern betreibt die Leag ihre Tagebaue und Kraftwerke.
Auch die Frage möglicher Stromimporte spielt in der Debatte eine Rolle. Deutschland hat in den vergangenen Jahren seine Kraftwerkskapazitäten reduziert und gleichzeitig den Anteil erneuerbarer Energien erhöht. Kritiker warnen deshalb, dass das Land künftig stärker auf Strom aus dem Ausland angewiesen sein könnte. In der Präsentation wird dieses Szenario ausdrücklich erwähnt. Sollte Deutschland nicht genügend Strom erhalten, könnte die Versorgungssicherheit gefährdet sein.
Kaum Bewegung auf politischer Bühne
Ob diese Argumente politisch durchdringen, ist jedoch offen. Die Bundesregierung hält weiterhin an den Klimazielen fest, und auch auf europäischer Ebene wird der Emissionshandel als zentrales Instrument verteidigt.
Die Braunkohle, lange Zeit Symbol einer vergangenen Industrieepoche, bleibt trotzdem ein politischer Faktor. Ob sie tatsächlich eine zweite Karriere im deutschen Energiesystem erlebt, ist ungewiss. Doch die Tatsache, dass darüber wieder diskutiert wird, zeigt, wie sehr sich die energiepolitischen Rahmenbedingungen verändert haben.
Weil es in China und den USA schlecht lief, sind die weltweiten Elektroautoneuzulassungen im ersten Quartal gesunken. (Symbolbild) - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Die weltweiten Verkäufe von Elektroautos schwächeln im ersten Quartal. In 43 wichtigen Märkten, die das Beratungsunternehmen PwC ausgewertet hat, lag ihre Zahl mit knapp 2,7 Millionen um 1 Prozent niedriger als im Vergleichszeitraum 2025. Das ist ungewöhnlich – zuletzt hatten die Zahlen stets deutliche Zuwächse aufgewiesen, im Gesamtjahr 2025 war es beispielsweise fast ein Drittel nach oben gegangen.
Entscheidend für die schwachen Zahlen ist die Entwicklung im mit Abstand größten Markt China. Mit 1,32 Millionen Stromern zählte PwC dort 20 Prozent weniger als vor einem Jahr. In den USA fiel der Rückgang mit 23 Prozent auf knapp 233.000 sogar noch etwas stärker aus.
Zuwächse in anderen Teilen der Welt konnten die Entwicklung nicht kompensieren, auch wenn es in Europa – genauer gesagt in der EU plus Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz – um 26 Prozent auf knapp 724.000 Autos nach oben ging. Treiber waren unter anderem starke Verkäufe in Deutschland und Frankreich.
Trotz des Rückgangs in absoluten Zahlen haben Elektroautos allerdings weltweit weiter an Bedeutung gewonnen – unter anderem, weil der Absatz reiner Verbrenner mit einem Minus von 8 Prozent deutlich stärker war. Der Marktanteil der Stromer lag laut PwC mit 16 Prozent so hoch wie noch nie in einem ersten Quartal.
Zudem geht man bei PwC davon aus, dass der Rückgang in China vor allem an Einmaleffekten wie reduzierten Förderprämien liegt. Der Trend zeige dort bereits wieder nach oben. Die Unternehmensberatung geht daher davon aus, dass der Absatz der reinen Stromer im zweiten Quartal wieder zulegen wird.
Das Umfeld sei schwierig, aber die europäischen Hersteller hätten aufgeholt, sagte PwC-Partner Harald Wimmer. „Ihre neuen Modelle sind technologisch ausgereift und treffen den Geschmack der Kundschaft. In ihren Heimatmärkten spiegelt sich das bereits jetzt in steigenden Verkaufsvolumen, die durch einen potenziellen Nachfrageschub aufgrund des aktuellen Spritpreises weiter gestützt werden könnten.“ Allerdings sieht er für die europäischen Autobauer weiter Handlungsbedarf bei Kosten und Innovationsgeschwindigkeit. (dpa/red)
Um knapp 17 Cent sank die Steuer auf Benzin und Diesel - komplett ist dies bisher nicht an den Zapfsäulen angekommen. (Archivbild) - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Am ersten Tag des Tankrabatts ist die Steuersenkung zur Entlastung der Autofahrer nach Marktbeobachtungen noch nicht komplett an den Zapfsäulen angekommen. Nach Berechnungen des Autofahrerclubs ADAC fiel der Preisrückgang bei Diesel und Benzin am 1. Mai um etwa 3 Cent geringer aus als die am selben Tag greifende Steuersenkung von 16,7 Cent.
Am Freitag gab es laut ADAC Tagesdurchschnittspreise bei Super E10 von 1,989 Euro, bei Diesel lag der Literpreis im Schnitt bei 2,079 Euro. Dies seien 13,7 und 13,6 Cent weniger als am Vortag gewesen. Das Bundeskartellamt teilte mit, dass die Preise vom 30. April auf den 1. Mai im bundesweiten Schnitt um knapp 13 Cent gefallen seien. Dabei gebe es große Preisunterschiede zwischen verschiedenen Tankstellen und zwischen unterschiedlichen Regionen.
Momentan sei das Preisniveau in weiten Teilen Süddeutschlands um etwa 5 bis 7 Cent geringer als in Mittel- und Norddeutschland, erläuterte die Bonner Wettbewerbsbehörde am Samstag. Der Grund seien Unterschiede in Raffinerie- und Großhandelspreisen zwischen den Regionen. Mit Stand 10.30 Uhr lagen die Durchschnittspreise am Samstag demnach für Diesel bei 2,06 Euro pro Liter, für Super E5 bei 2,03 Euro und für Super E10 bei 1,97 Euro.
Der ADAC wies darauf hin, dass der Ölpreis seit kurzfristigen Höchstständen Ende April wieder deutlich nachgegeben habe. Dadurch gebe es zusätzlichen Spielraum für Preisreduzierungen. Die Steuersenkung müsse nun im Laufe des Samstags vollständig an die Verbraucher weitergegeben werden, sagte eine Sprecherin.
Der Branchenverband Fuels und Energie hatte zum Start des Tankrabatts angekündigt, dass die volle Steuersenkung bei den Kunden ankommen soll.
Die Branche hatte zuvor aber auch darauf hingewiesen, dass sich in den Tanks vieler Tankstellen noch Kraftstoff befindet, der nach den alten Steuersätzen abgerechnet wurde. Entscheidend für den Steuernachlass ist nicht der Verkauf an der Tankstelle, sondern der Moment, in dem der Kraftstoff das Tanklager beziehungsweise die Raffinerie verlassen hat. (dpa/red)
Büroarbeit in Frankfurt - Foto: Boris Roessler/dpa
Der Arbeitsmarkt verschiebt sich mit der Verbreitung sogenannter „Künstlicher Intelligenz“ (KI) zulasten klassischer Büroberufe, während handwerkliche Tätigkeiten vergleichsweise stabil gefragt bleiben.
Das zeigt eine Auswertung des Stellenmarktforschers Index, über die die „Welt am Sonntag“ berichtet. Demnach ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen in Büro- und Verwaltungsberufen zuletzt deutlich gesunken. Im Sekretariat und Office Management lag das Minus bei 22 Prozent, im Personalwesen bei 19 Prozent. Im Bau, Handwerk und im Bereich Umwelt fiel der Rückgang mit 14 Prozent deutlich geringer aus.
Noch klarer zeigt sich der Trend bei den Tätigkeitsprofilen, die von Industrieunternehmen ausgeschrieben werden: 2025 brach die Zahl offener Stellen für Geschäftsführer um 30 Prozent ein und für akademische Fachkräfte um 22 Prozent, aber bei Fachkräften mit Berufsausbildung betrug das Minus nur acht Prozent.
Die Daten basieren auf einer breiten Analyse von 197 Printmedien, 321 Onlinebörsen, dem Stellenportal der Bundesagentur für Arbeit sowie rund 969.000 Firmenwebsites. Die Auswertung deutet darauf hin, dass Berufe mit hohem Anteil an Routinetätigkeiten stärker unter Druck geraten. Neben Konjunktureffekten scheint auch der Einsatz generativer KI eine Rolle zu spielen.
„Akademiker sind nicht mehr immun“, sagte Enzo Weber, Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Gleichzeitig sei die Lage grundsätzlich angespannt. „In der aktuellen Konjunkturkrise gibt es insgesamt wenig neue Jobs.“
Vertreter des Handwerks sehen in der Entwicklung dennoch eine Chance. Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), sagte, während KI zunehmend standardisierte Tätigkeiten im Büro- und Wissensbereich übernehme, wachse zugleich die Nachfrage nach dem, was sie nicht leisten könne: handwerkliches Können, Erfahrung und Verantwortung.
„KI treibt das Handwerk um“, sagte auch Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Viele junge Menschen prüften ihre beruflichen Optionen neu und entdeckten dabei auch die Stabilität handwerklicher Tätigkeiten. „Es gibt keinen Automatismus: KI kommt und alle gehen ins Handwerk“, so Esser. Dennoch schärfe die Entwicklung den Blick für die Sicherheit praktischer Berufe. (dts/red)