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Shein will mit Börsengang Milliardenbetrag einsammeln

Die Onlineplattform Shein will bei ihrem geplanten Gang an die Hongkonger Börse einen Milliardenbetrag akquirieren. Der Ultra-Fast-Fashion-Verkäufer plant nach eigenen Angaben, knapp 280 Millionen Anteile zwischen 47,60 und 49,50 Hongkong-Dollar je Aktie anzubieten und damit bis zu 13,86 Milliarden Hongkong-Dollar (derzeit etwa 1,5 Milliarden Euro) einzusammeln.
Den finalen Preis will das in China gegründete Unternehmen, das seinen Hauptsitz mittlerweile nach Singapur verlegt hat, am 31. August bekanntgeben. Das Börsendebüt ist laut Mitteilung für den 1. September geplant.
Mit ihrem lange erwarteten Börsengang könnte die für besonders günstige Modeartikel bekannte Plattform nach eigenen Schätzungen eine Marktkapitalisierung von 210,2 Milliarden Hongkong-Dollar (derzeit 22,9 Milliarden Euro) erreichen.
Das wäre deutlich weniger als in der Bewertung von fast 100 Milliarden US-Dollar (derzeit rund 85,6 Milliarden Euro) aus dem Jahr 2022, die sich Berichten von damals zufolge aus privaten Finanzierungsrunden ergeben hatte.

Weltlage belastet Geschäft

Asiatische Shoppingplattformen wie Shein, Temu und AliExpress haben nicht nur in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen in den vergangenen Jahren. Politiker, Handelsvertreter und Verbraucherschützer monieren allerdings fragwürdige Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen.
Shein lässt seine Fracht aus China direkt von den Herstellern und in der Regel per Flugzeug in alle Welt verschicken. Die Waren werden zu besonders niedrigen Preisen angeboten.
Neue Zollregelungen in den USA und Europa sowie die Folgen der Krise im Nahen Osten beeinträchtigten das Geschäft der Shoppingplattform jedoch zuletzt.
Ende Juli hatte Shein in einem Börsenprospekt einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar in den ersten drei Monaten dieses Jahres publik gemacht. Nach eigenen Angaben hatte das Unternehmen Stand 2025 geschätzt 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Ländern.
Mit dem Börsengang und dem dadurch eingenommenen Geld will Shein unter anderem seine technologische Infrastruktur verbessern und mehr in die globale Vermarktung investieren. (dpa/red)
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Altersvorsorge 2027: Was sich für ETF-Sparer und Riester-Kunden ändert


In Kürze:

  • ETFs haben sich in Deutschland zu einem wichtigen Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau entwickelt.
  • Niedrige Kosten und die breite Streuung machen ETF-Sparpläne für viele Anleger attraktiv.
  • Ab 2027 soll ein neues staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot Investitionen in Aktienfonds und ETFs erleichtern.
  • Bestehende Riesterverträge werden nicht automatisch umgewandelt und sollten vor einem Wechsel individuell geprüft werden.

 
Über lange Jahre galt die Aktien- und Geldanlagekultur in Deutschland als chronisch unterentwickelt. Ein großer Teil der Bevölkerung war in seinem Sparverhalten risikoscheu. Sichere, aber renditearme Anlagen wie Sparbücher oder Kapitallebensversicherungen dominierten den Markt. Vor allem in politischen Kreisen, bei Gewerkschaften oder Verbänden werden Aktien nach wie vor mit „Spekulation“ oder „Zockerei“ in Verbindung gebracht. In den vergangenen Jahren hat sich der Wind jedoch in der Bevölkerung zunehmend gedreht. Vor allem die Möglichkeit, mit ETFs Vermögen aufzubauen, erscheint immer mehr Menschen in Zeiten von Rentenunsicherheit und Wirtschaftskrise attraktiv.
Seit 2010 hat sich die Anzahl der in Deutschland erhältlichen ETFs von 759 auf 2.804 fast vervierfacht. Das verwaltete Vermögen in ETFs stieg im gleichen Zeitraum auf mehr als das Vierzehnfache. Im Vorjahr erreichte es 2,27 Billionen Euro. Das Phänomen des Sparens mit ETFs ist kein isoliert deutsches, sondern ein weltweites.

ETF als Alternative zu Sparbuch und gemanagten Fonds

Zu den entscheidenden Vorteilen von ETFs gehört, dass sie preisgünstig sind, Sparpläne jederzeit geändert, pausiert oder beendet werden können und die Wertentwicklung transparent ist. Üblicherweise bildet ein ETF einen börsen­gehandelten Index 1:1 ab. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Aktienindizes wie DAX, Dow Jones oder NASDAQ. Mittlerweile gibt es ETFs aber auch in Nischenbereichen oder zu speziellen Themen.
Die Wertentwicklung von ETFs ist jederzeit einfach mitzuverfolgen. Sie entspricht den Bewegungen des jeweiligen Referenzindex. Auch die Kosten sind gering, da kein aktives Management erfolgt. Das ist in den meisten Fällen kein Nachteil: Schon vor 20 Jahren hieß es in Fachzeitschriften, dass nur die wenigsten aktiv gemanagten Fonds ihren Benchmarkindex übertreffen. Als Benchmarks gelten meist etablierte Indizes, die ein repräsentatives Bild der Entwicklung der Wirtschaft im jeweiligen Anlagegebiet geben. Eine beliebte Benchmark ist etwa der S&P 500, der die Wertentwicklung von 500 großen, an Börsen in den USA notierten Unternehmen abbildet. Ein anderer, der beispielsweise als Referenzbenchmark des legendären Templeton Growth dient, ist der MSCI ACWI (All Country World Index). Dieser ist globaler ausgerichtet.
Im Fall von krisenhaften Entwicklungen könnten Manager aktiv betreuter Fonds Abwärtsbewegungen kurzfristig gegensteuern. ETFs folgen hingegen dem Referenzindex: Stürzt beispielsweise der DAX ab, geht der Kurs des ETFs mit. Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Potenziale gemanagter Fonds auch in solchen Fällen nicht überschätzt werden sollten.

Nur wenige aktiv betreute Fonds schlagen ihre Benchmark

Eine Erhebung aus jüngerer Zeit ergab, dass langfristig nach wie vor nur knapp ein Fünftel aller aktiv gemanagten Fonds besser abschneidet als der Index, der ihrem Schwerpunkt entspricht. Die verhältnismäßig beste Performance erzielen dabei Schwellenländerfonds. Am schlechtesten sind die Vergleichswerte bei deutschen Aktienfonds. Hier schlagen nur 2 Prozent die Benchmarks – wobei aktiv betreute Fonds oft Ausgabeaufschläge von 5 Prozent und mehr verlangen.
Demgegenüber liegen die laufenden Kosten breit gestreuter ETFs im Null-Komma-Bereich – regelmäßig zwischen 0,07 und 0,3 Prozent. Zusätzlich können Gebühren für die Sparplanausführung, Depotgebühren, den sogenannten Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs), Verkaufskosten oder enthaltene Fondskosten (TER) anfallen. Die Gesamtkosten können dadurch steigen, allerdings müssen Anbieter ausweisen, welche Gebühren für welche Leistungen in welchem Zeitraum anfallen.
Auch die Wahl des Anbieters kann die Höhe der Kosten – und damit in weiterer Folge die Rendite – beeinflussen. Diese Wahl sollte aber nicht nur nach den Kosten getroffen werden, sondern auch danach, wie man insgesamt mit seiner Sparanlage verfahren möchte.

Wo lässt sich ein ETF-Sparplan abschließen?

Der Weg zur Hausbank ist vor allem dann sinnvoll, wenn man Wert auf persönliche Ansprechpartner, eine vertraute Infrastruktur und die Einbindung in bestehende Geschäftsbeziehungen legt. Allerdings sind die Depot- und Orderkosten dort erfahrungsgemäß etwas höher. Bei kleineren Sparraten kann das ins Gewicht fallen.
Außerdem kann die Auswahl der zur Verfügung stehenden ETFs eingeschränkt sein. Zudem ist es denkbar, dass provisionsgesteuerte Beratung Verkaufsdruck zugunsten bestimmter Produkte erzeugt.
Eine weitere Option ist die Betreuung durch einen Vermögensmanager. Das könnte vor allem bei einer größeren und umfassenderen Vermögensstruktur sinnvoll sein. Wer eine Vertrauensperson hat, die auch schon mit anderen Fragen wie Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Erbschaftsplanung, mehreren Depots oder komplexen steuerlichen Fragen befasst ist, wird sinnvollerweise auch ETF-Sparpläne dort platzieren.
Demgegenüber erscheint diese Option als unverhältnismäßig teuer, wenn es um einen simplen monatlichen Sparplan geht. In diesen Fällen kann die regelmäßige Vermögensverwaltungsgebühr den Kostenvorteil günstiger ETFs konterkarieren. Zu dieser kommen noch laufende Verwaltungsgebühren, zusätzliche ETF-Kosten, manchmal auch erfolgsabhängige Vergütungen, Ausgabe- und Abschlusskosten oder Kosten für Umschichtungen.

Sparen als Frage von Disziplin und langem Atem

Online-Broker oder Direktbanken bieten, wenn es speziell um ETF-Sparpläne geht, häufig kostenfreie Depots an. Viele Anbieter verlangen auch für Sparplanausführungen kein separates Entgelt. Allerdings gibt es auch Anbieter, die für Produkte aus bestimmten ETF-Listen oder Standardtarifen Gebühren verlangen. Zudem sind die kostenlosen Leistungen manchmal nur befristet – bei Inaktivität kann auch eine Depotgebühr anfallen.
Außerdem stellt sich auch hier die Frage nach Details wie Verkaufsgebühren, Einschränkungen bei Bruchstücken und Unwägbarkeiten bei einem Depotübertrag. Auch kann es eine Rolle spielen, an welchen Handelsplätzen und zu welchen Ausführungskosten gekauft wird. Von Bedeutung könnte zudem die Frage der Abwicklung von Freistellungsaufträgen und Steuerbescheinigungen sein.
Eine risikofreie Geldanlage sind ETFs nicht – wer sie wählt, sollte sich stets darüber im Klaren sein, dass es sich um eine langfristige Anlage handeln sollte. Vorteile wie der Cost-Average-Effekt kommen regelmäßig erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten in vollem Umfang zum Tragen. Kurzfristige Kurseinbrüche wie 2008 infolge der Weltfinanzkrise oder 2020 wegen der Corona-Pandemie sollten kein Anlass für Panikverkäufe sein. Langfristig kann die Marktentwicklung solche Rückgänge wieder ausgleichen. Erfolg bei der Geldanlage ist auch eine Frage der Disziplin, der Nervenstärke und des langen Atems.

Stets eine hinreichende Liquiditätsreserve sicherstellen

Auch sollen Anleger in der Lage sein zu erklären, welches Produkt sie erworben haben und wie es funktioniert. Eine Identifikation mit dem Titel und ein Vertrauen in dessen Erfolg sind ebenfalls unabdingbar. Warren Buffett äußerte einst, man solle einen Titel, den man nicht bereit ist, zehn Jahre zu halten, auch keinen einzigen Tag besitzen. Entscheidend ist auch, ETFs nicht mit Geld zu bezahlen, das man in absehbarer Zeit benötigen könnte. Es sollte zu jeder Zeit eine hinreichende Liquiditätsreserve vorhanden sein.
Mit dem neuen geförderten Altersvorsorgedepot soll im Übrigen ab 2027 eine deutlich renditeorientiertere Form der privaten Altersvorsorge möglich werden. Statt einer vollständigen Beitragsgarantie wie bei der klassischen Riester-Rente können Anleger stärker in Aktienfonds und ETFs investieren. Dafür gibt es eine staatliche Grundzulage von bis zu 540 Euro jährlich, ergänzt um mögliche Kinder- und Berufseinsteigerzulagen.
Die Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei und werden erst bei der späteren Auszahlung nachgelagert besteuert. Für Menschen, die sich nicht selbst um die Auswahl und Umschichtung ihrer Anlagen kümmern wollen, ist zudem ein standardisiertes Depot mit breit gestreuter Anlage und einer vorgesehenen Effektivkostenobergrenze von 1 Prozent geplant.

Was mit alten Riesterverträgen geschieht

Für bestehende Riesterverträge bedeutet die Reform allerdings keinen automatischen Wechsel. Sie werden nicht gekündigt oder zwangsweise in das neue Modell übertragen. Grundsätzlich können sie sogar nach den bisherigen Regeln weiterbespart werden. Dies macht allerdings nur dort Sinn, wo in älteren Verträgen bereits erhebliche Guthaben angespart oder Garantien erworben wurden.
Eine Kündigung ist im Regelfall nicht zu empfehlen, da diese mit einer Rückzahlungspflicht für staatliche Zulagen und Steuervorteile verbunden sein kann. Sinnvoller ist es, Riester-Altverträge, die man nicht mehr weiterbesparen will, beitragsfrei zu stellen. Bei kurzer Laufzeit, hohen Kosten, langem Anlagehorizont und einer die Rendite stark begrenzenden Garantie lässt sich bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen das vorhandene Kapital auch in ein neues gefördertes Produkt übertragen. In jedem Fall sollte gerade in solchen Fällen eine fachliche Beratung oder ein umfangreicher Vergleich erfolgen.
Einer der Unterschiede zwischen der ab 2027 verfügbaren geförderten Altersvorsorge und einem herkömmlichen ETF-Sparplan, wie er bereits jetzt jederzeit verfügbar ist, besteht neben der Förderung auch in der Auszahlungsphase. Sparer können bei der geförderten Vorsorge künftig zu Beginn der Auszahlungsphase zwischen zwei Möglichkeiten wählen: Eine Option ist eine lebenslange Leibrente. Die andere ist ein befristeter Auszahlungsplan, der allerdings mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr laufen muss. Demgegenüber sind angesparte Mittel im nicht geförderten Sparplan jederzeit in vollem Umfang verfügbar.
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DAX-Rekord trotz schwacher Konjunktur: Was treibt den Anstieg?


In Kürze:

  • Der DAX hat erstmals die Marke von 26.000 Punkten überschritten, trotz einer weiterhin schwachen deutschen Konjunktur.
  • Starke Unternehmenszahlen, Exportzuwächse und Hoffnungen auf geopolitische Entspannung stützen die Kurse.
  • Steigende Zinsen, Niedrigwasser, geopolitische Unsicherheit und die schwache Industrie beeinflussen die Entwicklung des DAX.

 
Am vergangenen Montag überschritt der deutsche Leitindex DAX erstmals in seiner Geschichte die Marke von 26.000 Punkten. Zwei Handelstage später folgte mit rund 26.403 Punkten zum Handelsbeginn die nächste Bestmarke. Zum Börsenschluss am Mittwoch fiel der DAX auf rund 26.144 Punkte. Am Freitag lag er bei etwa 26.300 Punkten.
Der DAX und die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft sind nicht unmittelbar gleichzusetzen. Der Aktienindex bildet die Entwicklung der im DAX enthaltenen Unternehmen und die Erwartungen der Anleger hinsichtlich ihrer künftigen Gewinne ab. Diese werden unter anderem von Zinsentscheidungen, geopolitischen Risiken und der Entwicklung der Industrie beeinflusst.

DAX-Rekord bei steigenden Zinsen und Inflation

Die jüngste Rally wurde unter anderem von der Hoffnung auf eine diplomatische Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran begleitet. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang der Woche einen geplanten Großangriff auf den Iran ausgesetzt und Verhandlungen angekündigt. Zudem legten DAX-Unternehmen wie Fresenius und Siemens Energy starke Halbjahreszahlen vor. Beide Aktien stiegen nach der Veröffentlichung der Zahlen.
Im internationalen Vergleich entwickelte sich der DAX weniger stark: Während einzelne asiatische Indizes wie der südkoreanische KOSPI oder der japanische NIKKEI in diesem Jahr zeitweise Zuwächse im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich verzeichneten, bewegte sich der deutsche Leitindex seit Jahresbeginn moderater.
Die Entwicklung des DAX steht auch im Zusammenhang mit dem geldpolitischen Umfeld: Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen nach fast einjähriger Pause im Juni erstmals seit knapp drei Jahren wieder angehoben, um 25 Basispunkte auf einen Einlagesatz von 2,25 Prozent. Nach Darstellung der Notenbank war die Entscheidung eine Reaktion auf neu aufgeflammten Inflationsdruck, den die EZB selbst mit dem Energiepreisschock infolge des Nahost-Kriegs begründet. Die Inflationsrate im Euroraum lag im Juni laut Eurostat bei rund 2,9 Prozent und damit über dem mittelfristigen Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank.
Steigende Zinsen verteuern normalerweise die Finanzierung von Unternehmen und schmälern rechnerisch den Gegenwartswert künftiger Gewinne, was Aktienbewertungen tendenziell belastet. Der Anstieg des DAX lässt sich unter anderem mit unternehmensspezifischen Sondereffekten erklären.

Die Entwicklung von Börse und Realwirtschaft

Das ifo Institut, dessen Geschäftsklimaindex als Frühwarnsystem für die deutsche Konjunktur gilt, meldete für Juli einen Anstieg auf 86,6 Punkte nach 85,6 im Juni. Das war der dritte Zuwachs in Folge seit dem Tiefpunkt von 84,5 im April. Bei Betrachtung der wirtschaftlichen Teilbereiche zeigt sich ein unterschiedliches Bild: Der gesamte Anstieg speiste sich aus verbesserten Erwartungen der befragten Unternehmen, während die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage im Vergleich zum Vormonat sogar leicht nachgab. Optimismus über die Zukunft bei gleichzeitig schwächerer Einschätzung der Gegenwart ist ein Muster, das sich in der deutschen Konjunkturgeschichte wiederholt und sowohl vor tatsächlichen Trendwenden als auch vor Rückschlägen auftrat.

Mit Blick auf die Realwirtschaft zeigt sich folgendes Bild: Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im Juni 2026 nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat, im Dreimonatsvergleich lag sie 0,7 Prozent über dem Niveau der drei Vormonate.
Das Bundeswirtschaftsministerium wertete dies als Zeichen dafür, dass sich die Industrieproduktion „ungeachtet der außenwirtschaftlichen Belastungen im vergangenen Quartal als recht widerstandsfähig erwiesen“ habe. Das Ministerium nannte als Erklärung eine „relative Verbesserung der Wettbewerbsposition bei den energieintensiven Industrien in Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Konkurrenten“.
Die Entwicklung der deutschen Industrie steht dabei auch im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten. Die relative Wettbewerbsposition der energieintensiven Industrien in Deutschland gegenüber asiatischen Konkurrenten kann sich dabei verbessern, wenn diese stärker von den Auswirkungen des Konflikts betroffen sind.

Exportrekord im Schatten der Straße von Hormus

Eine wichtige Zahl dieser Woche stammt aus der Außenhandelsstatistik: Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Juni 2026 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert, 0,9 Prozent mehr als im Mai und 6,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das ist der höchste je in einem Monat gemessene Wert seit Beginn der saisonbereinigten Erhebung und liegt über dem bisherigen Rekord vom September 2022. Für das erste Halbjahr 2026 meldet die Behörde insgesamt ein Exportwachstum von 3,7 Prozent auf 816,6 Milliarden Euro, bei einem gleichzeitig überproportionalen Importzuwachs von 4,4 Prozent auf 711,6 Milliarden Euro. Der Außenhandelsüberschuss schrumpfte dadurch im Juni auf 15,4 Milliarden Euro, nach 19,3 Milliarden Euro im Mai.

Der Rekord steht im Zusammenhang mit der Entwicklung des internationalen Handels. Der Schiffsverkehr durch die für den globalen Öltransport zentrale Straße von Hormus war infolge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran zeitweise nahezu zum Erliegen gekommen. Der ING-Analyst Carsten Brzeski formulierte im Juli die Vermutung, einige deutsche Branchen und Unternehmen hätten „vom Krieg im Nahen Osten profitiert“, weil asiatische Wettbewerber von der Sperrung stärker betroffen gewesen seien als europäische Exporteure. Diese Einschätzung stammt von einem einzelnen Marktbeobachter und ist keine amtlich bestätigte Analyse. Hinzu kommt, dass die Zahlen nominal ausgewiesen werden und damit die im Juni erneut gestiegenen Importpreise für Energie und Vorleistungsgüter nicht herausrechnen; ein Teil des Anstiegs könnte daher auf höhere Preise und nicht auf größere Liefermengen zurückzuführen sein.

Zwischen Börsenrekord und Niedrigwasser

Während der DAX neue Rekorde erreicht, steht die Industrie vor einem weiteren Problem: dem historischen Niedrigwasser auf dem Rhein. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnete die niedrigen Pegelstände als „Herausforderung für die regionale Rohstoff- und Materialversorgung von Industrieunternehmen“ und schloss bei anhaltend geringen Transportkapazitäten „temporäre Einschränkungen bei der Produktionstätigkeit von betroffenen Unternehmen“ nicht aus.
Ein anhaltend hoher Exportüberschuss kann kurzfristig Beschäftigung in exportorientierten Branchen sichern. Eine sich aufhellende Erwartungshaltung der Unternehmen kann sich mittelfristig in höheren Investitionen niederschlagen, sofern sie sich verstetigt. Für Anleger mit breit gestreuten Portfolios bedeutet der Rekordstand einen Buchgewinn.

DAX-Rekord und Konjunktur

Das Niedrigwasser am Rhein bleibt ein wetterabhängiges Risiko für die Produktion. Die Konzentration des DAX auf einzelne Schwergewichte bedeutet, dass Kursbewegungen bei Technologie- oder Energiewerten den Gesamtindex überproportional beeinflussen können. Die Entwicklung an der Straße von Hormus sowie die geldpolitischen Entscheidungen der EZB können ebenfalls Einfluss auf die Aktienmärkte haben. Die nächsten Zinsentscheide fallen am 10. September und 29. Oktober 2026.
Die Entwicklung der ifo-Erwartungskomponente sowie die Belastbarkeit des Exportrekords vom Juni hängen unter anderem von der weiteren Entwicklung der deutschen Wirtschaft, der internationalen Handelsbedingungen und der geopolitischen Lage ab. Der DAX bildet die Entwicklung der im Index enthaltenen Unternehmen und nicht die gesamte deutsche Volkswirtschaft ab.
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SpaceX auf Billionen-Kurs: Musk setzt auf KI, Starlink und Starship


In Kürze:

  • SpaceX steigerte den Umsatz deutlich und sieht Künstliche Intelligenz als wichtigen Wachstumstreiber.
  • Elon Musk erwartet bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar und setzt auf Starlink sowie Starship.
  • Hohe Investitionen, Verluste und Kursschwankungen zeigen die Risiken der ambitionierten Zukunftspläne.

 
Elon Musk ist bekannt für große Zukunftsvisionen. Auch bei SpaceX setzt der Unternehmer die Messlatte hoch: Das Raumfahrt- und Technologieunternehmen rechnet nach Angaben von Musk damit, bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar zu erreichen. In einer Telefonkonferenz mit Analysten erklärte Musk, dass dieses Ziel nun bereits ein Jahr früher als bisher erwartet erreichbar sein könnte.
Aktuell liegt SpaceX von dieser Marke allerdings noch weit entfernt. Im vergangenen Quartal erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar (rund 6,75 Milliarden Euro). Das entspricht zwar einem Wachstum von 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, zeigt aber auch die enorme Dimension des angestrebten Ziels.
Musk sieht vor allem das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz als einen entscheidenden Wachstumstreiber. Die KI-Sparte von SpaceX erzielte im vergangenen Quartal einen Umsatz von rund 2,56 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig investierte das Unternehmen erhebliche Summen in den Ausbau von Rechenzentren und die notwendige Infrastruktur. SpaceX plant, seine KI-Rechenleistung in den kommenden Jahren massiv auszubauen und setzt dabei unter anderem auf Hochleistungschips von Nvidia.
Zum Vergleich: Unter den großen Technologieunternehmen kommt derzeit vor allem Amazon der Umsatzmarke von einer Billion US-Dollar nahe. Der Handels- und Cloud-Konzern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 717 Milliarden US-Dollar (rund 620 Milliarden Euro).

Eine SpaceX Falcon-9-Rakete startet mit 22 Starlink-Satelliten vom Vandenberg Space Force Base in Kalifornien am 1. April 2024.

Foto: Mario Tama/Getty Images

Starlink bleibt wichtigster Umsatzbringer

Der wichtigste Geschäftsbereich von SpaceX ist derzeit weiterhin Starlink. Der Satelliteninternetdienst erreichte im vergangenen Quartal einen Umsatz von rund 4,3 Milliarden US-Dollar und verzeichnete damit ein Wachstum von fast zwei Dritteln gegenüber dem Vorjahr.
Starlink wird inzwischen von Millionen Kunden genutzt, darunter zunehmend auch Fluggesellschaften und Unternehmen. Die Zahl der Nutzer stieg innerhalb von drei Monaten von 10,3 auf 12 Millionen. Das operative Ergebnis des Geschäftsbereichs legte nach Unternehmensangaben um 80 Prozent auf rund 1,66 Milliarden US-Dollar (etwa 1,44 Milliarden Euro) zu.
SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell sieht weiteres Wachstumspotenzial. Sie erklärte, Starlink könne mit leistungsfähigeren Satelliten künftig stärker mit klassischen Mobilfunkanbietern konkurrieren. Besonders in großen Ländern mit lückenhafter Netzabdeckung könnten Satellitenverbindungen eine wichtige Rolle spielen.
Musk selbst erklärte, dass Starlink langfristig einen erheblichen Anteil der weltweiten Internetversorgung übernehmen könnte – zumindest in Regionen, in denen der Dienst zugelassen ist.

Starship als Grundlage für die nächste Wachstumsphase

Neben Starlink gilt die Schwerlastrakete Starship als eines der wichtigsten Zukunftsprojekte von SpaceX. Das Unternehmen entwickelt die Rakete, um deutlich größere Nutzlasten ins All transportieren zu können als mit bisherigen Systemen.
Musk erklärte, dass SpaceX mit der Falcon-9-Rakete derzeit jährlich etwa 2.500 Tonnen Nutzlast ins All bringe. Mit Starship solle diese Kapazität langfristig auf rund eine Million Tonnen pro Jahr steigen – möglicherweise sogar auf zehn Millionen Tonnen.
Nach Musks Einschätzung könnte Starship bereits innerhalb eines Jahres regelmäßig starten. Allerdings gelten die Zeitpläne des Unternehmers bei früheren Projekten häufig als ambitioniert und wurden teilweise nicht eingehalten.

Starlink-Werbung von Elon Musk am Times Square in New York nach dem SpaceX-Börsengang am 12. Juni 2026.

Foto: ANGELA WEISS / AFP via Getty Images

Hohe Investitionen und Druck auf die Aktie

Der Ausbau von Starship und der KI-Infrastruktur erfordert enorme Investitionen. Nach Angaben von SpaceX lagen die Ausgaben für diese Bereiche zuletzt über den Gewinnen aus dem Starlink-Geschäft. Das Unternehmen schloss das Quartal mit einem Verlust von 541 Millionen US-Dollar ab, nachdem der Verlust im Vorjahreszeitraum noch bei rund einer Milliarde US-Dollar gelegen hatte.
Auch an der Börse verlief die Entwicklung nach dem Börsengang zunächst positiv, bevor die Aktie wieder unter Druck geriet. SpaceX startete im Juni mit einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie (rund 117 Euro) und einer Bewertung von fast 1,8 Billionen US-Dollar (rund 1,56 Billionen Euro). In den ersten Wochen stieg der Kurs zeitweise auf über 225 US-Dollar (rund 195 Euro), fiel anschließend jedoch wieder unter den Ausgabepreis.
Ein weiterer Faktor für die Kursentwicklung könnte das Ende von Haltefristen für Aktien von Mitarbeitern und frühen Investoren sein. Mehr als 91 Millionen Aktien könnten dadurch zusätzlich handelbar werden. Ein größeres Angebot bei gleichbleibender Nachfrage kann den Aktienkurs belasten.
Die Bewertung von SpaceX hängt damit stark von den Erwartungen an die Zukunft ab. Entscheidend werden vor allem die Entwicklung von Starlink, der Ausbau der KI-Infrastruktur und der Erfolg von Starship sein.
Mit Material der Deutschen Presse Agenturen
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „SpaceX Delivers 1st Earnings Report Since Blockbuster Wall Street Debut“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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SpaceX-Börsengang: 1,8 Billionen trotz Defizit

Obwohl das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk im vergangenen Jahr weniger als 19 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete und deutliche Verluste schrieb, peilt es für den bevorstehenden Börsenstart einen Marktwert von fast 1,8 Billionen Dollar an.
Mit erwarteten Einnahmen von rund 75 Milliarden Dollar bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar pro Aktie wird dies der bislang größte Börsengang weltweit.
Aufgrund der sehr hohen Investorennachfrage wird im Markt allgemein erwartet, dass die Bewertung nach dem offiziellen Handelsstart am Freitag noch weiter klettern könnte.

Unverzichtbar fürs US-Militär

Die von Musk bereits 2002 gegründete Firma ist vor allem bekannt für ihre Raketen. Der Plan des Tech-Milliardärs war, die Kosten von Raketenstarts drastisch zu senken und irgendwann eine Kolonie auf dem Mars aufzubauen.
Raumfahrt war damals die Domäne von Supermächten – und entsprechend wurden seine Aktivitäten zunächst belächelt. Doch SpaceX gelang es, günstigere Raketen zu bauen – und sie auch noch wiederverwendbar zu machen, was die Kosten noch einmal senkte.
Insbesondere seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms ist SpaceX aktuell praktisch unverzichtbar für die US-Raumfahrt und das Militär.

Mobiles Internet direkt aus dem All

Den Großteil der Erlöse – rund elf Milliarden Dollar – brachte im vergangenen Jahr der Satelliteninternet-Dienst Starlink ein. SpaceX brachte dafür rund 9.600 Satelliten in die Umlaufbahn.
Aktuell braucht man meist noch spezielle Antennen und Empfangsgeräte am Boden, mit den nächsten Generationen der Technik sollen Smartphones verstärkt direkt auf das Netz aus dem All zugreifen können.
Damit hätte man mobiles Internet auch überall dort, wo es kein Mobilfunk-Netz gibt. Starlink kam Ende März auf gut zehn Millionen Kunden.
Amazon baut einen Konkurrenzdienst auf, hat aber noch deutlich weniger Satelliten. Vor einigen Monaten ließ Musk zudem SpaceX seine KI-Firma xAI übernehmen, in der zuvor auch die Online-Plattform X aufging.

Rekord-Bewertung durch KI-Pläne

Die beim Börsengang angestrebte Bewertung ist mehr als 90 Mal höher als der vergangene Jahresumsatz – und das ist außergewöhnlich viel.
Beim derzeit wertvollsten Unternehmen, dem knapp fünf Billionen Dollar teuren Chipkonzern Nvidia liegt dieser Wert bei etwa 20, bei Apple bei rund 10. SpaceX erklärt die hohe Bewertung mit der Aussicht auf künftiges Geschäft.
Laut Börsenprospekt sieht das Unternehmen allein für Satelliten-Konnektivität einen Gesamtmarkt von 1,6 Billionen Dollar – für alle Anbieter allerdings.
Zudem kommt hier auch xAI ins Spiel: SpaceX will sich ein Stück des Geschäfts mit KI-Anwendungen für Unternehmen sichern, das insgesamt auf mehr als 22 Billionen Dollar geschätzt wird.
Musk plant unter anderem Rechenzentren in der Umlaufbahn – wobei bisher offen ist, ob das technisch funktioniert.
Musk ist oft zu optimistisch bei seinen Ankündigungen, die manchmal erst Jahre nach von ihm genannten Fristen erfüllt werden.
Bei dem ebenfalls von ihm geführten Elektroauto-Hersteller Tesla etwa funktioniert das autonome Fahren immer noch nicht so wie von ihm im Laufe der vergangenen zehn Jahre versprochen.

SpaceX: Musk setzt auf private Anleger

Bei traditionellen Börsengängen kommt meist vor allem institutionelle Investoren wie Banken und Fonds zum Zuge. Musk verlässt sich aber schon seit Jahren stark auf eine Armee von Fans unter privaten Anlegern.
Beim Börsengang von SpaceX soll ihnen voraussichtlich rund ein Fünftel der knapp 555,6 Millionen Aktien vorbehalten bleiben, wie das „Wall Street Journal“ berichtete. Üblicherweise liegt der Anteil bei fünf bis sieben Prozent.
Die Nachfrage der privaten Anleger dürfte das Angebot trotzdem weit übertreffen. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg kamen von ihnen bereits Order im Volumen von 70 Milliarden Dollar.
Musk behält auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten.
Er dürfte auch zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar werden. Aktuell schätzt etwa Bloomberg sein Vermögen auf rund 700 Milliarden Dollar.

Index-Anbieter machen Ausnahme für SpaceX

Das SpaceX-Papier wird schnell in mehrere wichtige Aktienindizes einziehen. Die Index-Anbieter Nasdaq und FTSE Russell änderten dafür ihre Vorgaben kurzfristig, MSCI verwies im Mai auf 2007 eingeführte Regeln für große Börsengänge.
Die Aufnahme bedeutet automatisch eine frühzeitige zusätzliche Nachfrage von Fonds, die die Index-Zusammensetzung abbilden.
S&P Dow Jones unterdessen hält dagegen und bleibt dabei, dass die Aktie erst nach zwölf Monaten auf dem Markt in den Auswahlindex S&P 500 einziehen kann. (dpa/red)
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Milliarden-Hype um SpaceX: Sollten Anleger jetzt zugreifen?


In Kürze:

  • Größter Börsengang aller Zeiten: SpaceX will mehr Geld einsammeln als jedes Unternehmen zuvor.
  • Hohe Bewertung: Anleger zahlen hauptsächlich für künftiges Wachstum, nicht für heutige Gewinne.
  • Vorsicht geboten: Viele Börsenneulinge starten stark, bleiben langfristig aber hinter den Erwartungen zurück.

 
Der Kapitalmarkt liebt große Geschichten. Kaum eine ist derzeit größer als die von SpaceX. Wenn das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk wie angekündigt am kommenden Freitag, 12. Juni, an die Nasdaq geht, könnte dies nicht nur der größte Börsengang der Finanzgeschichte werden. Es wäre zugleich ein Testfall dafür, wie viel Anleger derzeit bereit sind, für Tech-Aktien zu bezahlen.
Mit einer angestrebten Bewertung von bis zu 1,8 Billionen US-Dollar (1,56 Billionen Euro) würde SpaceX auf Anhieb zu den wertvollsten Unternehmen zählen. Die Gesellschaft läge damit in einer Größenordnung von Microsoft, Apple oder Nvidia – alles Unternehmen, die jährlich Hunderte Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften und seit Jahren hohe Gewinne erzielen.
SpaceX dagegen steht trotz beeindruckender technologischer Fortschritte noch immer am Anfang eines Geschäftsmodells, dessen langfristige Ertragskraft der Markt erst beweisen muss. Die entscheidende Frage für Anleger lautet daher nicht, ob SpaceX ein außergewöhnliches Unternehmen ist. Daran bestehen kaum Zweifel. Die Frage lautet vielmehr: Ist die Aktie zum Börsenstart ein attraktives Investment?

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Die Größenordnung des Börsengangs ist außergewöhnlich. SpaceX plant nach eigenen Angaben, rund 555 Millionen Aktien zu einem Preis von jeweils 135 US-Dollar (117 Euro) zu verkaufen.
Durch den Verkauf dieser Aktien würde SpaceX rund 75 Milliarden Dollar von Investoren einsammeln. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem Gegenwert von mehr als 65 Milliarden Euro. Sollten die beteiligten Banken zusätzlich weitere Aktien verkaufen, könnte die Summe sogar auf knapp 86 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) steigen.
Die Dimension wird im historischen Vergleich deutlich: Der bisher größte Börsengang der Welt stammt vom saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco, der Ende 2019 rund 29,4 Milliarden Dollar bei Investoren einsammelte. SpaceX würde diesen Rekord mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar mit mehr als dem Doppelten übertreffen. Selbst die Wall Street hat einen Börsengang dieser Größenordnung bislang nicht erlebt.

Die Bewertung als zentrale Frage

Das Kapital soll, laut dem bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Börsenprospekt vorrangig in drei Bereiche fließen: den weiteren Ausbau des Satelliteninternetdienstes Starlink, die Entwicklung der Schwerlastrakete Starship sowie den Aufbau zusätzlicher KI- und Recheninfrastruktur. Weiter plant das Unternehmen, einen Überbrückungskredit über 20 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) zurückzuführen.
Bemerkenswert ist auch die Eigentümerstruktur. CEO und Gründer Elon Musk wird trotz der erstmaligen Aktienausgabe die Kontrolle behalten. Nach dem Börsengang soll er, laut Angaben von SpaceX, weiterhin rund 83,6 Prozent der Stimmrechte halten.
Anleger erwerben somit zwar Anteile an einem börsennotierten Unternehmen, erhalten jedoch kaum Einfluss auf dessen strategische Ausrichtung. Möglich wird das durch eine Aktienstruktur mit unterschiedlichen Stimmrechten, bei der die von Musk gehaltenen Class-B-Aktien jeweils zehn Stimmen verleihen.

Die Lehren früherer Börsengänge

In der öffentlichen Wahrnehmung wird SpaceX häufig mit spektakulären Raketenstarts, Plänen für Marsmissionen und anderen futuristischen Visionen verbunden. Für Investoren ist jedoch ein anderer Geschäftsbereich entscheidend: Starlink.
Das Satellitennetzwerk hat sich innerhalb weniger Jahre vom ambitionierten Nebenprojekt zur wirtschaftlichen Grundlage des Konzerns entwickelt. Über 12 Millionen Kunden weltweit beziehen inzwischen Internetdienste über das Satellitennetzwerk. Anders als das klassische Startgeschäft liefert Starlink wiederkehrende Umsätze und kalkulierbare Zahlungsströme.
Gerade diese wiederkehrenden Einnahmen erklären einen erheblichen Teil der hohen Bewertung. Die Börse ist grundsätzlich bereit, für Infrastruktur- und Plattformgeschäfte hohe Preise zu zahlen – oft ein Vielfaches der aktuellen Umsätze oder Gewinne.
Chipkonzern NVIDIA wird nicht wegen seiner aktuellen Gewinne so hoch bewertet, sondern weil Anleger auf eine langfristige Dominanz im KI-Markt setzen. Bei SpaceX beruht die Hoffnung auf einer ähnlichen Logik. Starlink könnte sich zu einer globalen Kommunikationsplattform entwickeln.
Doch genau an diesem Punkt beginnt die Unsicherheit. Der Markt für satellitengestützte Kommunikation wird zunehmend umkämpft. Neben traditionellen Telekommunikationsunternehmen investieren auch Amazon und andere Technologiekonzerne Milliardenbeträge in vergleichbare Systeme. Gleichzeitig bleibt unklar, wie hoch die langfristigen Margen tatsächlich ausfallen werden.
Die größte Herausforderung für Anleger liegt jedoch weniger im Geschäftsmodell als in der Bewertung. SpaceX erzielte im vergangenen Jahr, laut dem Börsenprospekt, rund 18,7 Milliarden Dollar Umsatz (16,2 Milliarden Euro). Dem steht eine Börsenbewertung von bis zu 1,8 Billionen Dollar (1,56 Billionen Euro) gegenüber. Das entspricht einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von annähernd 100.

Der Musk-Faktor

Zum Vergleich: Selbst viele der erfolgreichsten Technologieunternehmen der vergangenen Jahre wurden an der Börse deutlich niedriger bewertet. Unternehmen mit einem derart hohen Verhältnis zwischen Unternehmenswert und Umsatz müssen über viele Jahre außergewöhnlich stark wachsen, um die Erwartungen des Marktes zu erfüllen.
Hinzu kommt die Ertragslage. Zwar erwirtschaftete SpaceX zeitweise Gewinne. Insgesamt bleibt das Unternehmen jedoch hochgradig investitionsintensiv. Die Entwicklung neuer Raketensysteme, der Ausbau der Satellitenflotte und die geplanten KI-Investitionen verschlingen enorme Summen.
Für Anleger bedeutet das: Sie kaufen heute nicht die gegenwärtigen Erträge des Unternehmens. Sie kaufen die Hoffnung auf künftige Erträge. Das ist kein ungewöhnliches Phänomen an der Börse. Gerade Wachstumsunternehmen werden häufig auf Basis ihrer Zukunftsaussichten bewertet. Doch je höher die Bewertung bereits zum Börsenstart ausfällt, desto kleiner wird die Fehlertoleranz.
Historisch betrachtet sind Börsengänge für Privatanleger häufig weniger attraktiv, als es die öffentliche Aufmerksamkeit vermuten lässt. Kaum jemand hat Börsengänge so intensiv untersucht wie der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Jay Ritter. Seine Auswertungen zeigen ein wiederkehrendes Muster: Viele Neuemissionen starten mit kräftigen Kursgewinnen. Langfristig können jedoch nur wenige Unternehmen die hohen Erwartungen erfüllen, die Anleger zu Beginn in sie gesetzt haben.

Warum der Börsenhype riskant sein kann

Der Grund liegt in der Mechanik des Börsengangs. Investmentbanken und Altaktionäre bringen Unternehmen meist dann an die Börse, wenn die Marktstimmung günstig ist und hohe Bewertungen durchsetzbar erscheinen. Für die bisherigen Eigentümer ist das rational. Für neue Anleger bedeutet es häufig, dass ein erheblicher Teil der Zukunftserwartungen bereits eingepreist ist.
Beispiele dafür gibt es zahlreiche. Uber galt beim Börsengang 2019 als dominierende Mobilitätsplattform der Zukunft. Dennoch dauerte es Jahre, bis das Unternehmen nachhaltig profitabel wurde. Die Aktie entwickelte sich lange Zeit enttäuschend.
Ähnliches gilt für Uber-Konkurrent Lyft, das Softwareunternehmen UiPath oder zuletzt Zahlungsanbieter Klarna. Viele dieser Unternehmen verfügten zweifellos über innovative Geschäftsmodelle. Die Aktien erwiesen sich dennoch über längere Zeiträume als schlechte Investments, weil die Erwartungen der Anleger zu hoch waren.
Kein anderer Aspekt dürfte die Bewertung von SpaceX so stark beeinflussen wie Musk selbst. Für Befürworter ist Musk der erfolgreichste Technologieunternehmer seiner Generation. Kaum jemand hat so viele Industrien gleichzeitig verändert – von Elektroautos über Raumfahrt bis zu künstlicher Intelligenz.
Musk ist nicht nur Chef von SpaceX, sondern zugleich in zahlreiche weitere Projekte involviert. Seine politischen Aktivitäten und öffentlichen Kontroversen haben bereits mehrfach direkte Auswirkungen auf die Bewertung seiner Unternehmen gehabt.
Der Börsenprospekt weist ausdrücklich darauf hin, dass SpaceX eng mit Musk verbunden bleiben wird. Anleger investieren damit nicht nur in Raketen und Satelliten, sondern auch in die Fähigkeit eines einzelnen Unternehmers, seine ambitionierten Pläne umzusetzen.

Warum Tesla kein Maßstab ist

Viele Privatanleger hoffen auf eine Wiederholung der Tesla-Geschichte. Allerdings ist das eine der großen Ausnahmen der Börsengeschichte. Anleger, die die Aktie beim Börsengang 2010 zeichneten und über Jahre hielten, wurden mit Kursgewinnen belohnt, wie sie selbst im Technologiesektor selten sind. Allerdings startete Tesla damals mit einer Börsenbewertung von 1,7 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro). SpaceX startet mit einer Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar – also mehr als tausendmal höher.
Der Unterschied ist fundamental. Tesla musste seinen Erfolg zunächst beweisen. SpaceX erhält den Vertrauensvorschuss bereits im Voraus. Auch wenn das Unternehmen operativ ähnlich erfolgreich wäre wie Tesla in den vergangenen 16 Jahren, dürfte das Kurspotenzial allein aufgrund der Ausgangsbewertung deutlich geringer ausfallen. Die Mathematik der Kapitalmärkte setzt hier enge Grenzen.
SpaceX ist zweifellos eines der weltweit innovativsten Unternehmen. Mit Starlink verfügt der Konzern über ein wachsendes Infrastrukturgeschäft. Im Raketenmarkt besitzt er eine technologische Führungsposition. Die langfristigen Perspektiven sind beeindruckend.
Für Anleger ergibt sich daraus jedoch nicht automatisch ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Die geplante Bewertung verlangt nahezu perfekte Entwicklung in mehreren Geschäftsbereichen gleichzeitig. Starlink muss seine Marktposition verteidigen, Starship muss technisch und wirtschaftlich funktionieren, und die milliardenschweren Investitionen in neue Technologien müssen sich auszahlen. Schon kleinere Enttäuschungen könnten ausreichen, um die hohen Erwartungen des Marktes zu korrigieren.
Die Geschichte von SpaceX mag erst am Anfang stehen. Für die Aktie gilt das möglicherweise nicht. Ein großer Teil der Zukunft scheint bereits im Ausgabepreis enthalten zu sein. Wer den Börsengang verpasst, verpasst deshalb womöglich nicht die Chance seines Lebens. Er vermeidet vor allem das Risiko, für eine Vision den denkbar höchsten Preis zu bezahlen.
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US-Investor erwägt Übernahme von Billigflieger easyJet

Der britische Billigflieger easyJet steht möglicherweise vor einer Übernahme durch die US-Investmentgesellschaft Castlelake. Sie bestätigte am Freitag, dass sie über ein Kaufgebot nachdenke.
EasyJet pochte daraufhin auf möglichst gute Konditionen für die eigenen Aktionäre. Die Reaktion der Börse fiel deutlich aus: In London stieg der Kurs der easyJet-Aktie zeitweise um elf Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang März. Experten sehen in den Eigentumsregeln für Airlines mit Flugbetrieb in der EU aber eine große Hürde für einen solchen Deal.
Über die Übernahmegedanken von Castlelake hatte die britische Webseite „Betaville“ berichtet. Castlelake betonte später, es gebe keine Gewissheit, dass es ein Gebot geben werde. Die Überlegungen befänden sich noch in einem frühen Stadium. Man habe noch nicht mit dem Verwaltungsrat gesprochen.
Es ist nicht das erste Mal, dass easyJet in den Fokus gerät. Zuletzt war im Oktober 2025 über ein Übernahmeangebot der schweizerischen Großreederei MSC für easyJet spekuliert worden. Letztlich kam es aber zu keiner Offerte für die britische Konkurrentin von Europas größtem Billigflieger Ryanair.

Hohe Hürden für Airline-Übernahmen

Grenzüberschreitende Übernahmen im Airline-Sektor sind wegen rechtlicher Hürden schwierig. Start-, Lande- und Überflugrechte sind in der Regel daran gebunden, aus welchen Ländern die Eigentümer der Fluggesellschaft stammen und wer die Kontrolle über das Unternehmen ausübt.
Innerhalb der EU und seit dem Brexit auch innerhalb der EU und Großbritanniens sind die Regeln zwar lockerer. Doch bei einer Übernahme durch einen US-Investor könnte easyJet wichtige Rechte für den Betrieb innerhalb der EU verlieren.
„Airlines müssen mehrheitlich im Besitz und unter der Kontrolle von EU-Bürgern sein, um die Betriebslizenz in der Region zu erhalten“, schreibt Analyst Harry Gowers von der US-Bank JPMorgan.
„Eine nicht aus der EU kontrollierte Firma wie Castlelake kann daher theoretisch keinen Mehrheitsanteil an easyJet übernehmen und zugleich die Rechte für Flüge innerhalb der EU behalten.“ Allerdings seien alternative Strukturen für einen Deal denkbar.
Zudem halte easyJet-Gründer Stelios Haji-Ioannou etwa 15 Prozent der easyJet-Aktien und erhalte jährlich Lizenzzahlungen für die Markenrechte.

Airlines wegen Iran-Krieg unter Druck

Derzeit belasten die Unsicherheit durch den Iran-Krieg und die extrem gestiegenen Kerosinpreise Fluggesellschaften. Im April gab easyJet deshalb eine Gewinnwarnung ab.
Auch bei den Quartalszahlen im Mai wagte Unternehmenschef Kenton Jarvis keine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Für das wichtige Sommerquartal von Juli bis September seien erst 40 Prozent der Tickets verkauft und damit drei Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr, hieß es zur Begründung.
Die Last-Minute-Buchungen seien jedoch weiterhin stark. Das Management hat den Preis für die billigsten Tickets erhöht und setzt bei den hauseigenen Kosten den Rotstift an.
Im gewöhnlich reiseschwachen ersten Geschäftshalbjahr bis Ende März hatte easyJet den Umsatz zwar um zwölf Prozent auf 3,95 Milliarden britische Pfund (rund 4,56 Mrd Euro) gesteigert.
Wegen deutlich höherer Betriebskosten wuchs der saisontypische Winterverlust vor Steuern aber um 40 Prozent auf 552 Millionen Pfund. Unter dem Strich schwoll der Fehlbetrag von 297 Millionen auf 377 Millionen Pfund an. (dpa/red)
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Tankrabatt: Verbraucherschützer gegen Verlängerung, CDU und SPD uneins


In Kürze:

  • Kontroverse Diskussionen um eine Verlängerung des Tankrabatts.
  • Die Verbraucherzentrale hält den Tankrabatt für ineffizient und teuer.
  • ADAC: Spritpreise müssten niedriger sein.
  • Ifo: Vollständiger Rabatt bei Diesel immer noch nicht weitergegeben.

 
Deutschlands oberste Verbraucherschützer haben sich deutlich gegen eine Verlängerung des Tankrabatts ausgesprochen. Dieser sei „teuer, ineffizient und anfällig für Mitnahme-Effekte“, sagte die Chefin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands (VZBV), Ramona Pop, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagsausgaben). „Eine Verlängerung lehnen wir deshalb klar ab.“

Verbraucherzentrale sieht Vorteile für Ölkonzerne

Der Tankrabatt habe die Erwartungen „wenig überraschend verfehlt“, sagte Pop. Ein erheblicher Teil der durch die Regierungsmaßnahme erhofften Entlastung sei zunächst nicht bei den Verbrauchern angekommen, sondern in den Kassen der Mineralölkonzerne versickert. „Erst unter massivem öffentlichem Druck sind die Preise an den Zapfsäulen gesunken.“
Die als Tankrabatt bekannte Senkung der Steuern auf Diesel und Benzin hatte die Regierung Anfang Mai eingeführt, um die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Benzinpreise abzufedern. Der Tankrabatt beträgt rund 17 Cent je Liter.
Zurückhaltend äußerte sich die Union zu einer möglichen Verlängerung der Steuersenkung. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sieht den Staat in diesem Zusammenhang „irgendwann an der Grenze seiner Möglichkeiten“. Unionsfraktionsvize Sepp Müller sieht das ebenso: „Dauerhafte Subventionen kann der Staat nicht leisten“, sagte Müller den Funke-Zeitungen. Der „Steuereuro“ müsse gezielt eingesetzt werden.
„Hält die Blockade der Straße von Hormus an, werden wir über zielgerichtete Maßnahmen sprechen“, fuhr der Politiker fort, der gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Armand Zorn die Taskforce im Bundestag zu den Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Preise in Deutschland leitet.
Im Fokus stünden dann aber „gezielte Hilfen“ für Mittelstand, Logistik und Pendler. Wie diese aussehen könnten, führte Müller nicht aus.
Der brandenburgische Regierungschef Dietmar Woidke plädiert hingegen für eine Fortsetzung des Tankrabatts. Im Gespräch mit WELT TV betonte der SPD-Politiker, dass Beschäftigte finanziell entlastet werden müssten. Dazu gehöre auch, die Kosten für Kraftstoffe bezahlbar zu halten.

ADAC: Zeitverzögerte Weitergabe des Rabatts

Kritik äußerte Woidke erneut an den Mineralölkonzernen. Die Senkung der Abgaben auf Kraftstoffe sei anfangs nur eingeschränkt bei den Verbrauchern angekommen. Er sieht darin einen Beleg dafür, dass eine strengere Kontrolle der Branche notwendig sei. Die Preisentwicklung müsse weiterhin genauer beobachtet werden.
Der ADAC merkte an, dass die Preise für Diesel und Benzin angesichts der staatlichen Subventionierung niedriger sein müssten. Demnach geben die Ölkonzerne den Tankrabatt nicht vollständig an die Verbraucher weiter, betonte der ADAC und lieferte Zahlen. So habe das Barrel Brent-Öl vor einer Woche noch etwa 111 US-Dollar gekostet, sei mittlerweile aber deutlich unter 100 US-Dollar gefallen.
Erneut zeige sich, dass sinkende Einkaufskosten bei Mineralölunternehmen nur verzögert an die Endkunden weitergegeben werden, während steigende Rohölpreise sich in der Regel deutlich schneller auf den Tankstellenpreis auswirkten.
Der Euro-US-Dollar-Kurs hat sich im Vergleich zur Vorwoche kaum verändert. Da Rohöl international in US-Dollar gehandelt wird, verbessert ein starker Euro grundsätzlich die Einkaufsbedingungen. Angesichts der zuletzt starken Schwankungen am Ölmarkt spielt der Wechselkurs derzeit jedoch nur eine untergeordnete Rolle bei der Preisentwicklung.
Das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) zeigt anhand eines Tankrabatt-Trackers anschaulich, wie schleppend der Verlauf bei der Weitergabe der Subvention verläuft. So ist anhand der Verlaufskurve des Trackers deutlich zu sehen, dass die Konzerne den Rabatt für Super (E5) erstmals um den 10. Mai voll weitergegeben haben. Der Nachlass für E10 kam erst in dieser Woche vollständig zum Tragen, beim Diesel ist er noch nicht vollständig weitergegeben.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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Nach Präsentation des ersten Elektromodells: Ferrari-Aktie verliert an der Börse

Nach der Vorstellung seines ersten vollelektrischen Modells hat Ferrari an der Börse deutliche Verluste erlitten. Die Aktie des italienischen Luxusautobauers war am Dienstag zeitweise der schwächste Wert an der Mailänder Börse und verlor am Mittag gut sechs Prozent.
Ferrari hatte am 25. und 26. Mai in Rom sein erstes Elektromodell „Luce“ vorgestellt. Der Name bedeutet auf Italienisch „Licht“. Der Grundpreis wurde mit 550.000 Euro angegeben, Analysten rechnen nach Individualisierung mit mehr als 700.000 Euro.

Höhere Stückzahlen werden nicht erwartet

Anleger zeigten sich skeptisch, ob Ferrari mit dem späten Einstieg in das vollelektrische Segment größere Stückzahlen erzielen kann.
„Wir bleiben bei der Einschätzung, dass ein Elektromodell mit hohem Preis (…) keine bedeutenden Volumina erzeugen wird“, erklärten die Analysten von Equita. Entscheidend sei aber, dass Ferrari bei seinem ersten Modell mit neuer Antriebsart das Image von Qualität und Leistung bewahre.
Etwas positiver äußerte sich die Bank Akros. Zwar könne der Umstieg auf Elektroantriebe die Margen belasten, der extrem hohe Preis gleiche dies
aber „mehr als aus“. Zudem könne der Luce neue Kundengruppen zu Ferrari bringen. Ferrari-Chef Benedetto Vigna erwartet laut Akros etwa die Hälfte der Bestellungen von Neukunden.

In 2,5 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde

Der Luce ist ein Fünfsitzer und nach dem Purosangue erst das zweite viertürige Modell in der Geschichte der Marke. Nach Ferrari-Angaben beschleunigt das Auto in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde und erreicht mehr als 310 Stundenkilometer.
Die Reichweite liegt bei mehr als 530 Kilometern. Mit einer 122-Kilowattstunden-Batterie wiegt der Wagen 2,26 Tonnen und ist damit der schwerste Ferrari der Unternehmensgeschichte.

Der Papst auf dem Fahrersitz

Ferrari-Verwaltungsratschef John Elkann erklärte, das neue Modell trage die Werte, die Ferrari weltweit erkennbar machten, in die Zukunft. Er präsentierte den Wagen am Dienstag auch Papst Leo XIV. in dessen Sommerresidenz Castel Gandolfo, das Oberhaupt der Katholiken setzte sich dabei auf den Fahrersitz.
Gebaut wird der Luce in einem neuen Werk in Maranello. Die ersten Fahrzeuge sollen im letzten Quartal 2026 ausgeliefert werden.
Ferrari ist spät dran mit einem E-Modell – andere Luxusautohersteller treten bei Elektrofahrzeugen bereits wieder auf die Bremse, weil die Nachfrage geringer ist als erwartet.
Ferrari verkauft bereits fast die Hälfte seiner Autos als Hybridmodelle. Das Unternehmen hatte zunächst erklärt, im Jahr 2030 sollten 40 Prozent seiner Modelle elektrisch sein – dieses Ziel wurde im vergangenen Jahr auf 20 Prozent gesenkt. (afp/red)
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DAX startet im Minus – Keine Panik nach neuen US-Angriffen im Iran

Der DAX ist am Dienstag mit leichten Kursverlusten in den Handelstag gestartet. Gegen 9:30 Uhr wurde der Leitindex mit rund 25.310 Punkten berechnet und damit 0,3 Prozent unter dem Schlussniveau vom Vortag.
An der Spitze der Kursliste rangierten die Deutsche Börse, die Deutsche Bank und die Allianz, am Ende Merck, Infineon und Scout24.

Geopolitische Dimension

Wieder einmal müssten sich Anleger fragen, ob sie einen Friedensvertrag zwischen den USA und dem Iran verfrüht eingepreist haben, sagte Thomas Altmann von QC Partners.
„Die neuen US-Angriffe sorgen auf dem Parkett zwar nicht für Panik. Die Auswirkungen sind eher gering. Trotzdem werden Teile der jüngsten Kursgewinne wieder abgegeben.“
Zum jetzigen Zeitpunkt sei offen, ob diese Angriffe der Beginn einer neuen Eskalation seien. „Oder ob die Verhandlungen durch diese Angriffe nur verzögert werden.“ Viel werde jetzt davon abhängen, wie der Iran auf die neuen Angriffe reagiere.

DAX am Feiertag

„Der gestrige Kursgewinn beim DAX war beeindruckend“, so Altmann. „Das Handelsvolumen war es allerdings nicht.
Erwartungsgemäß verlief der Handel am Feiertag ohne viel Volumen. Tatsächlich wurden in diesem Jahr noch nie so wenige Aktien an einem Tag gehandelt wie gestern.“
Entsprechend folge heute der Bewährungstest für den gestrigen Kursgewinn. „Und es muss angezweifelt werden, dass auf dem jetzigen Kursniveau viele zum Kaufen bereit sind.“
Die europäische Gemeinschaftswährung war am Dienstagmorgen etwas schwächer: Ein Euro kostete 1,1632 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8597 Euro zu haben.
Der Ölpreis stieg unterdessen stark: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete gegen 9 Uhr deutscher Zeit 99,04 US-Dollar; das waren 3,0 Prozent mehr als am Schluss des vorherigen Handelstags. (dts/red)
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DAX: Frankfurt entkoppelt sich von Wall Street

Am Dienstag hat der DAX zugelegt. Zum Xetra-Handelsschluss wurde der Index mit 24.400 Punkten berechnet, ein Plus in Höhe von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vortagesschluss.
Besonders gefragt waren die Aktien von SAP, die über sieben Prozent zulegten. Der Softwarekonzern hatte zuletzt ein Quartalsergebnis über den Erwartungen sowie einen optimistischen Jahresausblick vorgelegt. Zudem orientierten sich die Anleger seit Neustem von Hardware- stärker zu Softwarewerten.

Rohölpreise weiterhin hoch

„Zunächst einmal waren heute auch die Anleger in Frankfurt erleichtert über die Verschiebung des US-Angriffs auf den Iran und hofften weiter auf eine baldige Entspannung der Lage im Nahen Osten“, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.
„Die Rohölpreise verweilen jedoch weiter auf ihrem hohen Preisniveau und spiegeln diese Hoffnungen nicht wirklich wider.“
Die Situation bleibe äußerst fragil und könne sich jederzeit wieder ändern. Der springende Punkt bleibe die Einstellung des iranischen Atomprogramms, das aus Sicht der USA als unumstößlich für einen erfolgreichen Verlauf der Friedensverhandlungen gelte.
„Zudem eröffnete auch die Wall Street mit deutlichen Verlusten, was den Dax wieder den Rückwärtsgang einlegen ließ. Die am Vormittag erreichten Kurse von knapp 24.700 Punkten konnte der Index nicht halten.“

Deutsche Unternehmen holen auf

„Doch ist insgesamt in den vergangenen Tagen eine Abkopplung des DAX von den Indizes in New York erkennbar. Investoren sehen erhebliches Nachholpotential der deutschen gegenüber den US-Unternehmen, sollte sich die Situation im Nahen Osten tatsächlich nachhaltig entschärfen. Das Sentiment hatte sich durch den Krieg verschlechtert und DAX-Aktien sahen zeitweise nur noch die Rücklichter ihrer Konkurrenten an der Wall Street.“
„Die jetzt einsetzende Abkopplung des DAX ist insofern interessant, als sich beim eigentlichen Belastungsfaktor, den höheren Energiepreisen, keine Entwarnung abzeichnet. Das zeigt das hohe Maß an Optimismus der Investoren, dass es zeitnah zu einer Rückkehr zur Normalisierung im Rohstoffmarkt kommen wird.“
„Die höheren Ölpreise entfalten allerdings beim Konsumverhalten der Verbraucher und in vielen Branchen bereits ihre Wirkung. Sollten sich die Preise noch einige Wochen auf dem hohen Niveau halten, dürften auch die nächsten Quartalszahlen der Unternehmen davon nicht unmaßgeblich beeinflusst werden“, sagte Lipkow.

Goldpreis bei 4.503 Dollar

Die europäische Gemeinschaftswährung war am Dienstagnachmittag schwächer: Ein Euro kostete 1,1600 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8621 Euro zu haben.
Der Goldpreis ließ deutlich nach, am Nachmittag wurden für eine Feinunze 4.503 US-Dollar gezahlt (-1,4 Prozent). Das entspricht einem Preis von 124,81 Euro pro Gramm.
Der Ölpreis sank unterdessen deutlich: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Dienstagnachmittag gegen 17 Uhr deutscher Zeit 110,70 US-Dollar, das waren 141 Cent oder 1,3 Prozent weniger als am Schluss des vorherigen Handelstags. (dts/red)
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DAX stürzt weiter ab – positive Impulse aus China fehlen

Der DAX ist am Freitag, 15. Mai, nach einem bereits schwachen Start in den Handelstag bis zum Mittag weiter ins Minus gerutscht. Gegen 12:30 Uhr wurde der Leitindex mit rund 24.065 Punkten berechnet, 1,6 Prozent unter dem Schlussniveau vom Vortag.
Am unteren Ende der Kursliste rangierten Heidelberg Materials, Infineon und Siemens Energy. Nur wenige Aktien konnten dem allgemeinen Trend trotzen, darunter SAP, Münchener Rück und Rheinmetall.

Anleger reagieren nervös

„Die Blicke der Börsenwelt sind auch heute nach China gerichtet“, sagte Thomas Altmann von QC Partners. „Die ganz großen positiven Meldungen sind bislang allerdings ausgeblieben. Auch beim Handel bleiben einige Deals hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück.“
„Insbesondere beim Iran-Thema scheint es keine nennenswerten Fortschritte zu geben. Während Trump hier zwar von chinesischer Unterstützung spricht, gibt es aus China keine entsprechende Bestätigung.“
„Die Börsen reagieren, wie sie aktuell immer reagieren, wenn Fortschritte im Iran-Konflikt ausbleiben. Aktienkurse fallen, Zinsen und der Ölpreis steigen. Solange es hier keinen dauerhaft tragfähigen Frieden gibt, werden die Schwankungen in allen Assetklassen hoch bleiben. Und solange wird die Risikoneigung der Investoren am Zustand der Straße von Hormus ablesbar sein“, sagte Altmann.

Ölpreis zieht stark an

Die europäische Gemeinschaftswährung war am Freitagnachmittag schwächer: Ein Euro kostete 1,1637 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8593 Euro zu haben.
Der Goldpreis war stark im Rückwärtsgang, am Nachmittag wurden für eine Feinunze 4.554 US-Dollar gezahlt (-2,1 Prozent). Das entspricht einem Preis von 125,81 Euro pro Gramm.
Der Ölpreis stieg unterdessen stark: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitagnachmittag gegen 12 Uhr deutscher Zeit 108,80 US-Dollar, das waren 2,9 Prozent mehr als am Schluss des vorherigen Handelstags. (dts/red)
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wirtschaft

Dax legt an Christi Himmelfahrt zu

An Christi Himmelfahrt hat der Dax zugelegt. Zum Xetra-Handelsschluss wurde der Index mit 24.455 Punkten berechnet, ein Plus in Höhe von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vortagesschluss.
An der Spitze der Kursliste rangierten Infineon, SAP und Siemens, am Ende BMW, Scout24 und Eon, wobei die Papiere von BMW mit einem Dividendenabschlag gehandelt wurden.
Der Feiertagshandel war wie üblich von einem eher geringen Handelsvolumen gekennzeichnet.

Wall-Street treibt Märkte – Euro und Öl schwächer

Etwas Rückenwind kam am Nachmittag vom Handelsstart an der Wall Street, wo die Rekordjagd zunächst weiterging. Derweil blicken die Anleger weiter gespannt auf den laufenden Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump und etwaige geopolitische Auswirkungen.
Die europäische Gemeinschaftswährung war am Donnerstagnachmittag schwächer: Ein Euro kostete 1,1678 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8563 Euro zu haben.
Der Ölpreis sank unterdessen: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete gegen 17 Uhr deutscher Zeit 105,20 US-Dollar; das waren 45 Cent oder 0,4 Prozent weniger als am Schluss des vorherigen Handelstags. (dts/red)
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Die offene Milliarden-Frage zur VW-Dieselaffäre

Investorenprozess – Für Volkswagen vielleicht das letzte Stichwort, das in der Wolfsburger Konzernzentrale nach der Dieselaffäre noch Unruhe auslöst.
Denn mehr als zehn Jahre nach Auffliegen der Abgasmanipulation könnte der Ausgang dieses Verfahrens noch richtig viel Geld kosten. Anleger wollen für Verluste entschädigt werden und verlangen Milliarden. Nach einer langen Pause wird nun am Dienstag und Mittwoch weiter verhandelt.

Worum geht es in dem Prozess?

Aktionäre fordern in dem Musterverfahren Schadenersatz in Milliardenhöhe. Es geht in diesem Prozess aber nicht um den Betrug selbst. Die entscheidende Frage ist eher: Hat VW die Märkte rechtzeitig über die Affäre rund um die millionenfach manipulierten Dieselmotoren informiert?
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Skandals Ende September 2015 war der Kurs der VW-Aktie eingebrochen – zeitweise verloren die Vorzugspapiere des Konzerns fast die Hälfte ihres Werts. Für die Verluste wollen Anleger bis heute entschädigt werden.

Musterverfahren – Was bedeutet das?

Mit dem Prozess wird kein strafrechtliches Handeln einzelner Personen überprüft. Es handelt sich um ein Zivilverfahren, bei dem um viel Geld in Form von Schadenersatz gestritten wird. Während sich im Normalfall dabei zwei Parteien gegenüberstehen, erlaubt das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) eine Ausnahme.
In dem Musterprozess können viele Parallelverfahren für eine einheitliche Entscheidung gebündelt werden. Derzeit warten rund 2.000 ausgesetzte Ausgangsverfahren mit rund 3.400 Klageparteien.
Am Ende des Verfahrens am Oberlandesgericht Braunschweig soll es einen Musterentscheid geben. Wenn dieser rechtskräftig ist, sind die Feststellungen für die Gerichte aller ausgesetzten Verfahren bindend.

Wer streitet eigentlich vor Gericht?

Der Braunschweiger Zivilsenat hat die Deka Investment GmbH als Musterkläger bestimmt. Musterbeklagte sind die Volkswagen AG und der VW-Hauptaktionär Porsche SE.
Während sich Volkswagen mit Blick auf die vielen Strafprozesse und Hafturteile gegen frühere Konzern-Manager betont unbeteiligt gibt, ist das für dieses Verfahren nicht möglich. Die Schadenersatzansprüche richten sich gegen den Autobauer und die Porsche SE.

Ist das nach so langer Zeit überhaupt noch wichtig?

Von Bedeutung ist der Prozess vor allem, weil es um sehr viel Geld geht. Den Streitwert beziffert das OLG Braunschweig derzeit mit rund 4,3 Milliarden Euro. Nach Einschätzung von Branchenexpertin Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule Wolfsburg, ist der Ausgang relevant für VW, weil damit Zahlungen und Vergleiche im Raum stehen, deren finanzielle Rückstellungen die Bilanz belasten.
Die Aufarbeitung der Affäre hat den VW-Konzern nach eigenen Angaben bereits mehr als 32 Milliarden Euro gekostet. Im schlimmsten Fall würden dem Unternehmen also weitere Milliarden für Investitionen fehlen.

Wie argumentieren die Kläger?

Die Klägerseite meint, dass dem VW-Vorstand spätestens seit 2007 klar war: Die strengen US-Vorgaben zum Stickoxidausstoß können nicht eingehalten werden. Danach habe VW betrogen – und weil die Anleger das nicht wussten, hätten sie Aktien viel zu teuer gekauft.
Das Musterverfahren in Braunschweig hat demnach gezeigt, dass der Vorstand mit dem damaligen Chef Martin Winterkorn ab einem sogenannten High-Level-Meeting im November 2007 wusste, dass VW nicht in der Lage war, regelkonforme Dieselfahrzeuge herzustellen.
„Die einschlägigen Unterlagen zu diesem Termin, insbesondere die dort gehaltene Präsentation, enthalten nach unserer Überzeugung unzweideutige Hinweise auf die geplante Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen“, sagt Klägeranwalt Axel Wegner.

Was entgegnen die Beklagten?

Sie streiten die Vorwürfe ab. In einer Klageerwiderung vor Verfahrensbeginn betonte VW, dass es aus Sicht des Konzerns keine konkreten Anhaltspunkte für eine Kursrelevanz der Affäre gab, bis die US-Umweltbehörden am 18. September 2015 unerwartet mit ihren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit gingen.
„Die Volkswagen AG ist überzeugt, zu jeder Zeit die kapitalmarktrechtlichen Informationspflichten erfüllt zu haben“, sagt ein Konzernsprecher. Fast wortgleich lautet die Einschätzung aus Stuttgart: „Die Porsche SE ist überzeugt, jederzeit ihren kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten entsprochen zu haben“, teilt ein Sprecher von dort mit.
Nach fast acht Jahren Verhandlungszeit sieht sich bei VW niemand genötigt, von dieser Sichtweise abzurücken. „Vor dem Hintergrund der laufenden Beweisaufnahme und den bisherigen Zeugenbefragungen sehen wir uns in unserer Überzeugung bestätigt“, sagt der Konzernsprecher.

Warum dauert das Verfahren so unendlich lang?

Schon 2020 – nach zwei Jahren Verhandlung – erklärte eine OLG-Sprecherin, dass in dem komplexen und umfangreichen Verfahren kein Ende absehbar sei. Damals sprach sie von rund 5.500 Blatt Akten, zahlreichen Anlagen und 21 Privatgutachten.
2023 verkündete das Gericht, dass es eine Beweisaufnahme durchführen und dafür rund 80 Zeugen hören sowie eine Vielzahl an Dokumenten sichten will. Auf der Zeugenliste fanden sich unter anderem die Namen der früheren VW-Konzernchefs Martin Winterkorn, Matthias Müller und Herbert Diess.
Von September 2023 bis September 2025 wurden nach einer Auflistung des Gerichts 63 Zeugen und drei Parteien vernommen. Zu der schwierigen Bewertung der Aussagen kommt, dass einige der eingeplanten Zeugen sich auf ein aus ihrer Sicht umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht beriefen.

Kommt bald die Entscheidung?

Für die beiden Termine in dieser Woche werden weitere Zeugenbefragungen erwartet. Spannend könnte dabei werden, was der mittlerweile rechtskräftig verurteilte ehemalige Audi-Motorenchef Wolfgang Hatz aussagt.
Alle Beteiligen erhoffen sich zudem eine Einschätzung der Richter, was die Beweisaufnahme bisher erbracht hat und wie es im Prozess weitergehen soll. Der Musterentscheid ist und bleibt aber nicht absehbar. (dpa/red)
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china

Chinesischer Anta-Konzern will größter Anteilseigner bei Puma werden

Der chinesische Konzern Anta Sports will groß beim deutschen Sportartikelhersteller Puma einsteigen. Wie die Muttergesellschaft von Marken wie Jack Wolfskin an der Hongkonger Börse mitteilte, werde die Anta Sports Products Limited einen Anteil von 29,06 Prozent an der Puma SE erwerben.
Die Chinesen hätten dafür eine Vereinbarung mit der Groupe Artémis geschlossen, die der französischen Familie des Milliardärs François Pinault gehört. Behörden und Aktionäre müssen noch zustimmen.
Seit Monaten kursierten schon Gerüchte um den Einstieg der Chinesen, nachdem die französische Familie Berichten zufolge einen Verkauf ihres Anteils an Puma in Erwägung gezogen hatte. Die Pinaults hielten ihre 29 Prozent an Puma über ihre Finanzholding Artémis.

Chinesen wollen in den Aufsichtsrat

Durch den Einstieg wird Anta größter Anteilseigner bei der deutschen Traditionsmarke und strebt laut eigenen Angaben nach Abschluss des Geschäfts eine „angemessene Vertretung“ im Aufsichtsrat an. Anta erwarte, mit der Beteiligung seine Präsenz und Markenbekanntheit im globalen Sportartikelmarkt auszubauen, teilte das Unternehmen mit.
Puma, mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach, hatte zuletzt Verluste gemacht und Boden gegenüber Konkurrenten wie Adidas und Nike verloren. Das Unternehmen verzeichnete im dritten Quartal des vergangenen Jahres einen Umsatzrückgang von mehr als 15 Prozent.

Abbau von 900 Stellen bei Puma

Pumas Geschäftsführer Arthur Hoeld, der 2025 die Unternehmensführung übernommen hatte, sagte, die Marke sei „zu kommerziell“ geworden und habe im vergangenen Jahr einen „Reset“ vollzogen, um Markenattraktivität, Vertriebsqualität und Produktangebot zu verbessern. Er kündigte den Abbau von 900 Stellen bis Ende dieses Jahres und die Straffung des Produktportfolios an.
Anta wiederum setzt seine Expansion fort. Im vergangenen April hatte der Konzern den deutschen Outdoor-Spezialisten Jack Wolfskin übernommen, nachdem dessen vorheriger Eigentümer Topgolf Callaway aus Kalifornien die Marke weiterverkauft hatte.

Was die Puma-Anteile kosten

Konkret sieht der Deal zwischen Anta und Artémis vor, dass die Chinesen für ihre 29 Prozent 1,5 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Denn Anta will laut Börsenmitteilung rund 43 Millionen Aktien zu je 35 Euro erwerben. Die Transaktion soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.
„Damit werden wir die Globalisierung von Anta Sports weiter beschleunigen und das nächste Wachstumskapitel in den globalen Sportmärkten – einschließlich China – schreiben“, sagte Anta-Geschäftsführer Ding Shizhong laut Mitteilung. Pumas Aktienkurs in den vergangenen Monaten spiegele „das langfristige Potenzial der Marke nicht vollständig wider“.
Anta erklärte, es gebe keine Pläne für eine vollständige Übernahme Pumas. Jedoch werde „die Möglichkeit einer weiteren Vertiefung der Partnerschaft zwischen beiden Parteien in Zukunft sorgfältig“ geprüft werden.
Das chinesische Unternehmen mit Sitz in der südöstlichen Provinz Fujian ist einer der größten Sportartikelhersteller der Welt.
Durch seine Tochtergesellschaft Amer Sports ist Anta Mutterunternehmen vieler globaler Marken, darunter Wilson, Arcteryx und Salomon. Zudem kontrolliert es die Rechte im riesigen chinesischen Markt für ausländische Sportbekleidungsfirmen wie Fila und Descente. (afp/dpa/ks)