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Staatseinstieg bei Evonik: Steuerzahlerbund warnt vor 800-Millionen-Risiko


In Kürze:

  • Der Bund der Steuerzahler NRW warnt vor finanziellen Risiken einer staatlichen Beteiligung an Evonik.
  • Die NRW-SPD will, dass das Land gemeinsam mit der RAG-Stiftung die Mehrheit am Essener Chemiekonzern übernimmt, um eine Übernahme durch BASF zu verhindern.
  • BASF hatte Evonik mit rund 10,3 Milliarden Euro bewertet. Der Konzern lehnte das Angebot als zu niedrig ab.

 
Der Bund der Steuerzahler (BdSt) in NRW warnt vor einer staatlichen Beteiligung am Chemiekonzern Evonik. Die dortige SPD hatte einen Einstieg des Landes bei dem Essener Unternehmen angeregt, um eine mögliche Übernahme durch den Konkurrenten BASF zu verhindern. Sie begründete den Vorstoß mit der Sorge, dass infolge einer Übernahme Arbeitsplätze verloren gehen könnten.

Steuerzahlerbund sieht unkalkulierbare Risiken

Der Vorsitzende des BdSt NRW, Rik Steinheuer, sagte gegenüber der „Rheinischen Post“, die Sorge um die Arbeitsplätze sei berechtigt. Ein Einstieg des Landes sei jedoch für die Steuerzahler mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Zugleich würde er den Erhalt der Arbeitsplätze nicht garantieren. Dafür komme es nicht darauf an, in wessen Eigentum Evonik stehe, sondern auf die Wettbewerbsbedingungen und die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle.
Auch einen als Option ins Feld geführten Aktientausch lehnt der Steuerzahlerbund ab. Dabei würde die RAG-Stiftung ihre Evonik-Beteiligung gegen BASF-Aktien tauschen. Steinheuer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Stiftungsvermögen dadurch weiterhin stark auf die angeschlagene Chemiebranche konzentriert bliebe. Stattdessen sei es erforderlich, es breit zu streuen.
BASF hatte Ende September bestätigt, dass es zwischen dem Konzern, Evonik und der RAG-Stiftung Sondierungen gebe. Laut der „Financial Times“ belief sich das unverbindliche Angebot von BASF auf rund 22,15 Euro je Aktie, also rund 10,3 Milliarden Euro für sämtliche Aktien. Evonik lehnte die Offerte als zu niedrig ab. Eine Einigung über eine Übernahme gibt es deshalb noch nicht.

Ministerpräsident Wüst hat Mitsprache durch Position im Kuratorium

Eine Schlüsselrolle in dem Übernahmepoker kommt der RAG-Stiftung zu. Sie hält rund 43,8 Prozent der Evonik-Aktien. Die Stiftung wurde 2007 gegründet, um die sogenannten Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus abzusichern. Zugleich ist es ihre Aufgabe, über ihre Beteiligung an Evonik die Entwicklung des Konzerns mitzubestimmen.
Das Kuratorium der Stiftung befasste sich am Freitag, 9. Oktober, mit dem Angebot von BASF. Zu den Ergebnissen verweist die Stiftung auf Vertraulichkeit. Dem Kuratorium gehört unter anderem NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) an. Der Nachrichtenagentur „Reuters“ zufolge erwägt BASF nach der Ablehnung ein höheres Angebot. Förmliche Verhandlungen zwischen den Unternehmen gibt es jedoch auch mit Stand vom Freitag weiterhin nicht.
Hinter dem Interesse von BASF steht der Wunsch nach einer strategischen Ergänzung des Geschäfts. Während der Ludwigshafener Konzern stark in der Basischemie aufgestellt ist, hat sich Evonik auf Spezialchemikalien spezialisiert. Vor allem bei Hochleistungskunststoffen, Futtermittelzusätzen und chemischen Inhaltsstoffen für verschiedene Industrien könnte BASF sein Produktportfolio erweitern.
Zudem würden gemeinsame Beschaffung, Produktion, Verwaltung und Vertrieb Einsparungen ermöglichen – und nicht zuletzt wäre der gemeinsame Konzern durch Größe und Synergien gegenüber der chinesischen Konkurrenz besser aufgestellt. Zugleich drohen im Zuge eines Zusammenschlusses Werksschließungen und Stellenabbau.

SPD will Evonik als eigenständigen Konzern erhalten

Die SPD in NRW will Evonik als eigenständigen Konzern mit Hauptsitz in Essen erhalten. Deshalb plädiert sie dafür, dass das Land zusammen mit der RAG-Stiftung die Mehrheit an dem Konzern hält. Zur Finanzierung soll die landeseigene Förderbank NRW.BANK eingeschaltet werden. Nach Schätzung der SPD-Fraktion könnte dies rund 800 Millionen Euro kosten.
Sollte doch eine Übernahme zustande kommen, will die SPD Druck ausüben, um verbindliche Zusagen zum Schutz von Beschäftigten, Standorten und Investitionen zu erreichen. So sollen betriebsbedingte Kündigungen und Standortverlagerungen für einen längeren Zeitraum ausgeschlossen werden. Aus Sicht der Sozialdemokraten würde eine Landesbeteiligung Arbeitsplätze, den Hauptsitz und die Entscheidungshoheit in Essen sichern.

Landesregierung sieht keine Notwendigkeit für Staatseinstieg

Die schwarz-grüne Landesregierung sieht keine Notwendigkeit für eine Staatsbeteiligung an Evonik. Eine bestimmte Eigentümerstruktur bevorzugt sie nicht. Allerdings betont auch die Staatskanzlei die Bedeutung des Konzerns für Nordrhein-Westfalen. Eine Sprecherin sagte gegenüber der „Rheinischen Post“, Evonik beschäftige nicht nur 11.000 Menschen in NRW, sondern sei auch ein wesentlicher Bestandteil der industriellen Basis des Landes.
Skeptisch gegenüber einer möglichen Übernahme ist die Chemiegewerkschaft IGBCE. Sie lehnt einen Kauf von Evonik durch BASF zwar nicht kategorisch ab, verlangt aber klare Aussagen über die Zukunft der Beschäftigten. Die Gewerkschaft fordert konkrete Investitionszusagen und den Erhalt der industriellen Substanz. Es sei fraglich, ob Evonik als eigenständiges Unternehmen eine Zukunft habe.
Für die RAG-Stiftung sind bei wirtschaftlichen Entscheidungen nicht allein betriebswirtschaftliche Erwägungen relevant. Sie muss auch ihre eigene finanzielle Basis im Blick behalten, um ihrer satzungsgemäßen Aufgabe nachkommen zu können. Dazu gehört es unter anderem, die Folgen des Steinkohlebergbaus zu bewältigen – etwa durch Grubenwasserhaltung, Maßnahmen gegen Bergsenkungen und Grundwasserreinigung.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Commerzbank weist Übernahmeangebot der UniCredit zurück

Die Commerzbank lehnt das jüngste Übernahmeangebot der italienischen UniCredit ab.
„Die UniCredit bietet den Aktionären der Commerzbank keine angemessene Prämie und hat keinen nachvollziehbaren und belastbaren strategischen Plan für einen Zusammenschluss vorgelegt“, heißt es in einer Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat, die der Dax-Konzern in Frankfurt veröffentlichte.
Der Plan sei vage und berge „erhebliche Risiken“. Die UniCredit unterschätze Ertragsverluste, überschätze Synergien und rechne mit einer „unrealistischen Umsetzungsdauer“.
Das betreffe besonders den von der UniCredit geplanten Personalabbau, die komplexe IT-Integration sowie Ertragsverluste aus Überschneidungen im Firmenkundengeschäft. „Die von der UniCredit erwarteten Synergieannahmen sind in Summe weder belastbar noch überzeugend.“
Vorstand und Aufsichtsrat raten den Commerzbank-Aktionären, das Umtauschangebot nicht anzunehmen. Beide Gremien seien überzeugt, dass die eigenständige Umsetzung der jüngsten Strategie mit erhöhten Gewinnzielen mehr Wert schaffe. Aktionäre, die investiert bleiben, profitierten davon.
„Was die UniCredit als Zusammenschluss bezeichnet, erweist sich als Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes und profitables Geschäftsmodell eingreifen würde“, sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann ergänzte, die „unausgereiften Vorstellungen“ der UniCredit gefährdeten die Kundenbeziehungen der Commerzbank ebenso wie die Motivation der Beschäftigten.

UniCredit sichert sich Zugriff auf mehr Anteile

Unterdessen sicherte sich die UniCredit den Kaufpreis für weitere Anteile an der Commerzbank. Nach Angaben vom Montag verfügten die Italiener über 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien und hatten über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 3,22 Prozent.
Mit zusammen 29,99 Prozent blieben sie somit knapp unter der Schwelle von 30 Prozent. Insgesamt melden sie jetzt allerdings eine Steigerung der Stimmrechte von 32,64 auf 38,87 Prozent. Darin enthalten sind Kaufpreis-Sicherungen für 8,88 Prozent der Aktien.

Übernahmepoker spitzt sich zu

Die UniCredit aus Mailand hatte Anfang Mai ein freiwilliges Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt. Sie bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue UniCredit-Aktien.
So will die UniCredit bis zum 16. Juni weitere Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen, was deutlich teurer wäre. Die Offerte kann bis 3. Juli verlängert werden.
Der rechnerische Angebotswert weise einen erheblichen Abschlag zum langfristigen Wertschöpfungspotenzial und dem aktuellen Kurs auf, kritisierte die Commerzbank. „Die Commerzbank-Aktie notierte nach der Ankündigung des Angebots zu jedem Schlusskurs oberhalb des Angebotswerts.“
Die UniCredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv und erwartet bei einer Commerzbank-Übernahme Milliarden-Einsparungen. Die Commerzbank sieht das Vorgehen der UniCredit als feindlich an und erhält Unterstützung vom Bund, der gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile hält.
Die Bank will ihre Aktionäre mit ambitionierten Gewinn- und Renditezielen bis 2030 von einem eigenständigen Kurs überzeugen. Erst kürzlich verkündete die Commerzbank den Abbau von rund 3.000 Stellen. (dpa/red)