Author: tecnavia
Ein Drohnenangriff hat an einem Atomkraftwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten am Sonntag, 17. Mai, einen Brand ausgelöst. Verletzte oder erhöhte Strahlenwerte wurden nach Angaben der Behörden nicht gemeldet.
Angaben zur Herkunft der Drohne machten sie nicht. Zuletzt hatten die Emirate den Iran für Angriffe auf Energieanlagen in dem Land verantwortlich gemacht. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) reagierte besorgt.
Durch den Drohnenangriff geriet ein Stromgenerator außerhalb des Sicherheitsbereichs des Atomkraftwerks Barakah in der Region Al-Dhafra in Brand, wie die Behörden des Emirats Abu Dhabi mitteilten.
Der Brand habe nach Angaben der Atomenergiebehörde FANR aber nicht die Sicherheit der Anlage gefährdet und alle vier Blöcke seien normal in Betrieb.
IAEA-Chef Rafael Grossi verurteilte den Angriff und bekundete seine „tiefe Besorgnis. „Militärische Aktivitäten, die die nukleare Sicherheit gefährden, sind inakzeptabel“, erklärte die IAEA im Onlinedienst X.
Das Atomkraftwerk Barakah, das 200 Kilometer westlich von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Emirate, nahe der Grenze zu Saudi-Arabien und Katar liegt, ist seit dem Jahr 2000 in Betrieb.
Der staatlichen Betreiberfirma zufolge deckte es 2024 etwa ein Viertel des Strombedarfs der Emirate.
Die Emirate waren nach dem Iran das zweite Land der Region, das ein Atomkraftwerk baute, und das erste in der arabischen Welt.
Seit Beginn des Iran-Krieges, den die USA und Israel Ende Februar mit Luftangriffen auf den Iran ausgelöst hatten, griff Teheran wiederholt Ziele in den Emiraten an, vor allem Energieinfrastruktur.
Trotz einer im April in Kraft getretenen Feuerpause im Iran-Krieg meldeten die Emirate weiterhin mehrere Raketen- und Drohnenangriffe. Die ölreichen Emirate sind ein wichtiger Verbündeter der USA in der Region. (afp/red)
Ein Internetvideo, das eine anlasslose Beleidigung von vier Bundeswehrsoldaten auf offener Straße zeigt, hat die Polizei in München auf den Plan gerufen.
Wie die Beamten in der bayerischen Hauptstadt am Sonntag, 17. Mai, mitteilten, ermitteln sie gegen den 46-jährigen mutmaßlichen Urheber; sie setzten die Löschung des Videos um.
Die Aufnahme des Verdächtigen war demnach zwischenzeitlich von mehr als 200.000 Nutzern aufgerufen worden.
Soldaten heimlich gefilmt
Nach Polizeiangaben ging der zunächst noch unbekannte Mann am Freitag auf einer Straße im Stadtteil Ludwigsvorstadt auf die uniformierten Soldaten zu und beleidigte sie.
Wie sich später herausstellte, filmte er dies heimlich mit seinem Mobiltelefon und veröffentlichte das Video mit den klar erkennbaren Bundeswehrangehörigen auf einer Videoplattform im Internet. Daraufhin nahm die Münchner Polizei die Ermittlungen auf.
Die Beamten identifizierten einen 36-jährigen kasachischen Staatsbürger als mutmaßlichen Urheber.
Polizei lässt Aufnahme löschen
Gegen ihn wird nun wegen Beleidigung sowie eines Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz ermittelt. Dies bezieht sich auf den Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der unfreiwillig abgebildeten Soldaten.
Das Video wurde vor diesem Hintergrund gelöscht, zum möglichen Motiv des Verdächtigen äußerten sich die Beamten nicht. (afp/red)
Stars wie Kristen Stewart, Adam Driver und Woody Harrelson präsentieren in Cannes ihre neuen Filme. Doch neben internationalen Größen sind in diesem Jahr bei dem glamourösen Filmfest auch viele deutsche Namen präsent.
Allen voran Sandra Hüller, die in „Vaterland“ als Erika Mann mit ihrem Vater Thomas Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland reist – und dafür gefeiert wird.
Hinzu kommen etwa Regie-Größe Volker Schlöndorff, die Schauspieler Lars Eidinger, Jella Haase, Hanns Zischler, August Diehl und Regisseurin Valeska Grisebach, die mit ihrem Film „Das geträumte Abenteuer“ ins Rennen um die Goldene Palme geht. Auffällig: Mehrere Produktionen beschäftigen sich mit deutscher Geschichte und Identität.
Produktionen beziehen sich auf deutsche Geschichte
So zählt „Vaterland“ des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski, ein minimalistisch in Schwarz-Weiß gehaltenes Drama, bei Kritikern zu den frühen Favoriten im Wettbewerb.
In „Moulin“ des ungarischen Filmemachers László Nemes über den französischen Widerstandskämpfer Jean Moulin verkörpert Lars Eidinger den Gestapo-Chef Klaus Barbie.
Und in Schlöndorffs Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“, der außerhalb des Wettbewerbs läuft, wird ein Haus zum Speicher eines ganzen Jahrhunderts.
Was macht das deutsche Kino für Cannes attraktiv? Aus Schlöndorffs Sicht sind Franzosen immer neugierig auf Deutschland gewesen.
„Das ist ja so eine sogenannte Hassliebe. Sie sehen das Beste und das Schlimmste in uns und mögen, wenn wir das in unseren eigenen Filmen dann auch reflektieren.“ Andersherum gebe es für die Branche hier „die größte Möglichkeit“, den Film in die ganze Welt zu vertreiben.
Schlöndorff: Cannes-Einladung damals wie „ein Ritterschlag“
Seine Günter Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ hatte 1979 bei dem Filmfestival die Goldene Palme gewonnen. Er sei damals gleich aufgenommen worden in die internationale Filmgemeinschaft, erinnert sich der 87-Jährige. Das sei etwas wie „ein Ritterschlag“ gewesen. „Jetzt gehörst du dazu. Ja, und wie bangt man, wenn man anfängt, ob man es schafft, dazuzugehören.“
Nun kehrt er mit „Heimsuchung“ zurück, eine Verfilmung von Jenny Erpenbecks gleichnamigem Roman. In dem Drama mit Martina Gedeck, Lars Eidinger und Ulrich Matthes erzählt er eine Generationengeschichte, angesiedelt in einem Haus am See in Brandenburg. Über mehrere Jahrzehnte – von der Weimarer Republik bis zum Abriss des Gebäudes – spiegeln sich hinter dessen Mauern die Katastrophen des 20. Jahrhunderts: NS-Diktatur, Krieg, DDR und die Umbrüche nach 1989.
„Irgendwie kommt die Politik immer bis auf diese entlegene kleine Enklave am See“, sagt Schlöndorff. Ihm gelingt ein eindringliches Panorama deutscher Geschichte, das Schrecken und Verlust ebenso zeigt wie die seltenen Momente von Glück und Menschlichkeit. Besonders die eindrucksvollen Naturbilder verleihen dem Film trotz aller Härte eine poetische, fast versöhnliche Atmosphäre.
„Vaterland“ hingegen verbindet politische Geschichte mit einer intimen Vater-Tochter-Beziehung zwischen dem berühmten Schriftsteller Thomas Mann (Hanns Zischler) und seiner Tochter Erika. Pawlikowski ist ein berührendes Porträt über Familie, Trauer, Identität, Exil und Heimat gelungen, das auf historischen Ereignissen beruht, aber keine historische Rekonstruktion sein soll.
Welche Szenen für Hüller in „Vaterland“ am schwierigsten waren
Die beiden Manns unternehmen für einen Besuch einen Roadtrip durch Deutschland im Jahr 1949. Thomas Mann hält anlässlich des 200. Geburtstags von Goethe im westdeutschen Frankfurt am Main sowie in Weimar in der sowjetischen Zone eine Rede. Doch die Reise wird durch den Tod von Klaus Mann (Diehl) überschattet.
Für sie seien die Szenen am schwierigsten gewesen, in der es um die tiefe Trauer der Figuren ging, sagt Hüller. „Und zwar nicht nur über den Verlust des Familienmitglieds Klaus Mann, sondern auch über den Verlust der Heimat. Das ist etwas, das mich persönlich die ganze Zeit begleitet hat.“
In Cannes wird die Schauspielerin für ihre Darstellung hochgelobt. Das Magazin „Variety“ schreibt etwa, ihr „GPS ist auf das Oscar-Rennen im nächsten Jahr eingestellt“. Schon 2023 feierte sie hier große Erfolge: Das Drama „Anatomie eines Falls“ gewann damals die Goldene Palme, später wurde sie für ihre Rolle für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.
Jella Haase: Europas Vielfalt im Film noch mehr feiern
Zum ersten Mal an der Croisette ist hingegen Schauspielerin Haase („Kleo“, „Fack ju Göhte“). Die 33-Jährige spielt in dem Wettbewerbsfilm „Gentle Monster“ der Österreicherin Marie Kreutzer an der Seite von Léa Seydoux, Laurence Rupp und Catherine Deneuve. Das vielschichtige Drama handelt von einer Frau, deren Leben aus den Fugen gerät, als sie ein dunkles Geheimnis ihres Mannes entdeckt.
Haase hält die deutsche Präsenz dieses Jahr generell für ein „europäisches Phänomen“. Tatsächlich bleiben große US-Studios dem renommierten Filmfest in diesem Jahr größtenteils fern, Europas Kino gewinnt international an Bedeutung. „Das ist ganz toll und wünschenswert, dass wir in Europa diese Vielfalt richtig nutzen und Co-Produktionen eingehen“, findet die Schauspielerin.
In „Gentle Monster“ wird Englisch, Französisch und Deutsch gesprochen. „Es ist schön zu sehen, dass das so funktioniert. Wir könnten das noch viel mehr ausnutzen und feiern, dass wir in Europa diese große Vielfalt haben.“ (dpa/red)
Nach der Verlängerung der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon hat Israel libanesischen Angaben zufolge den Süden und den Osten des Landes erneut angegriffen.
Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete von zwei israelischen Luftangriffen auf die Ortschaft Sohmor in der Bekaa-Region im Osten des Landes. Im Süden gab es weitere Luftangriffe in den Regionen Nabatijeh und Tyros.
Israel und der Libanon hatten sich am 15. Mai unter US-Vermittlung auf eine Verlängerung ihrer Waffenruhe um 45 Tage geeinigt. Die beiden Nachbarländer unterhalten offiziell keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.
Hisbollah: Libanesische Regierung kann nicht umsetzen, was die Hisbollah betrifft
Die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt sowohl die direkten Gespräche zwischen den Nachbarländern als auch die Waffenruhe ab.
Ein Abgeordneter der Hisbollah erklärte am Sonntag, die „direkten Verhandlungen“ mit Israel hätten nicht zu einer Waffenruhe geführt und die libanesischen Behörden „in eine Sackgasse getrieben, die sie von Kompromiss zu Kompromiss führen wird, ohne Ergebnis“.
Die libanesische Regierung habe „das Land in eine sehr schwere Krisen gestürzt“, da sie nicht umsetzen könne, was Israel wolle – „insbesondere, was die Entwaffnung der Hisbollah betrifft“, fügte der Abgeordnete Hussein Hadsch Hassan hinzu.
Ungeachtet der Feuerpause hatten Israel und die Hisbollah ihre gegenseitigen Angriffe bereits in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Waffenruhe-Abkommen vor. (afp/red)
Milchprodukte gelten als häufiger Auslöser von Autoimmun- und chronische Erkrankungen. Deshalb verzichten manche Menschen auf Milchprodukte, um ihre Gesundheit zu verbessern.
Ich selbst habe etwa fünf Jahre lang keine Milchprodukte konsumiert, während ich meine rheumatoide Arthritis behandelte. Aus meiner Sicht war dieser Verzicht ein wichtiger Teil meines Heilungswegs.
Wer jedoch nicht vollständig auf Käse oder andere Milchprodukte verzichten möchte, sollte wissen: Nicht jedes Milcheiweiß ist gleich.
Milch enthält das Protein Kasein, das mit Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose in Verbindung gebracht wird. Dabei unterscheidet man vor allem zwischen zwei Formen: A1- und A2-Kasein.
Diese beiden Kaseinarten wirken unterschiedlich auf den Körper. Während A1-Kasein im Verdacht steht, gesundheitliche Probleme zu fördern, wird A2-Kasein eher mit möglichen gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Welche Form enthalten ist, hängt davon ab, ob die Milch von A1- oder A2-Milch stammt.
Was ist A1-Milch?
Die meisten Milchkühe in den Vereinigten Staaten sowie in Europa produzieren genetisch bedingt eine Milchsorte namens A1-Milch. Es handelt sich in der Regel um Holstein-Kühe, die ursprünglich aus Nordeuropa stammen und vor allem wegen ihrer hohen Milchleistung in vielen Ländern für Züchtungen zum Einsatz kamen.
A1-Milch enthält im Allgemeinen sowohl A1- als auch A2-Kasein. Obwohl der chemische Unterschied gering ist, wird A1-Kasein im Gegensatz zu der ursprünglich verbreiteten A2-Variante eng mit der Entstehung von Autoimmun- und chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. So kam beispielsweise eine 2017 in „Nutrition & Diabetes“ veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass A1-Milch „ein primärer ursächlicher Auslöser für Typ-1-Diabetes ist“.
Den Forschern zufolge könnte der Verzicht auf A1-Milch in der Ernährung „die Häufigkeit von Typ-1-Diabetes erheblich beeinflussen“.
Ebenso wurde berichtet, dass der Konsum von A1-Kasein die Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen erhöht, wie aus einer Studie hervorgeht, die 2001 in „Medical Hypotheses“ veröffentlicht wurde.
A1-Kasein kann auch problematisch sein, wenn man an einer Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie leidet, da A1-Kasein strukturell einem bestimmten Protein ähnelt, das auch im Glutenkomplex vorkommt.
Durch einen Prozess namens molekulare Mimikry wird der Körper verwirrt und kann den Unterschied zwischen A1-Kasein und Gluten nicht klar erkennen.
In diesem Fall identifiziert der Körper A1-Kasein als fremden Eindringling, so wie er es bei Gluten tun würde, was eine entzündliche Immunreaktion im Körper auslösen kann.
Was ist A2-Milch?
A2-Milch stammt meist von älteren Rinderrassen wie Jersey-Kühen. Doch der Begriff „A2-Milch“ kann irreführend sein: Nicht jede A2-Milch enthält ausschließlich A2-Kasein. Manche Produkte enthalten trotzdem noch eine Mischung aus A1- und A2-Kasein.
Wer sicher sein möchte, nur A2-Kasein zu konsumieren, sollte auf Bezeichnungen wie „100 % A2“ oder „A2/A2“ achten. Das bedeutet, dass die Milch von Kühen stammt, die genetisch bedingt ausschließlich A2-Kasein produzieren.
A2-Kasein bietet im Vergleich zu A1-Kasein mehrere Vorteile
Im Gegensatz zu A1-Kasein ähnelt A2-Kasein Gluten strukturell weniger, was die Wahrscheinlichkeit für eine Immunreakation durch molekulare Mimikry wesentlich geringer macht.
Zudem enthält A2-Milch nicht die gleichen morphinähnlichen Verbindungen, die in A1-Milch vorkommen. A1-Kasein enthält ein Unterprotein namens Casomorphin, das freigesetzt wird, wenn A1-Kasein vom Körper verdaut wird.
Wie der Name schon sagt, sieht Casomorphin aus wie Morphin und wirkt auch so, indem es Schmerzen unterdrückt. Daher kann es beim Verzehr von A1-Milchprodukten ein „Wohlgefühl“ auslösen, das leichter süchtig macht – selbst wenn die Milch zu Entzündungen im Körper führt.
Wenn A1-Kasein Entzündungen auslöst, die zu Schmerzen führen, diese Schmerzen jedoch durch Casomorphin überdeckt werden, weiß man möglicherweise nicht, dass Milchprodukte die Ursache sind.
Mein Mann ist ein perfektes Beispiel für dieses Phänomen. Er trank regelmäßig jeden Abend ein Glas A1-Milch, ohne dass sofort oder erkennbar Symptome einer Allergie oder Unverträglichkeit auftraten.
Mit der Zeit entwickelte er Lupus, und ich schlug ihm vor, Milchprodukte aus seiner Ernährung zu streichen.
Er lehnte diese Idee vehement ab, da er keine offensichtlichen Symptome hatte und sich nach dem abendlichen Glas Milch „gut“ fühlte. Schließlich gab er widerwillig Milchprodukte sowie andere Lebensmittel auf, die Entzündungen auslösten, und der Lupus bildete sich zurück.
Hätte mein Mann, anstatt auf alle Milchprodukte zu verzichten, einfach von A1- auf A2-Milch umsteigen und trotzdem genesen können? Möglicherweise.
Auswirkungen auf den Körper
Eine Studie, die 2021 im „International Journal of Environmental Research and Public Health“ veröffentlicht wurde, berichtete, dass A2-Kasein bei der Verdauung andere Casomorphin-Verbindungen mit anderen Funktionen bildet als die Verbindungen, die bei der Verdauung von A1-Kasein entstehen.
Beispielsweise entstehen bei der Verdauung von A1-Kasein Verbindungen, die zu Krankheiten und Alterungsprozessen beitragen können, während bei der Verdauung von A2-Kasein nützliche Verbindungen entstehen, die blutdrucksenkende und antioxidative Eigenschaften besitzen.
Laut einer weiteren Studie, die 2016 im „Nutrition Journal“ veröffentlicht wurde, wurde beim Verzehr von Milch, die A1-Kasein enthält, eine bestimmte Art von Casomorphin (Beta-Casomorphin-7) gebildet, das den Glutathion-Spiegel im menschlichen Magen-Darm-Trakt und in den Nervenzellen senkte.
Im Gegensatz dazu stieg die Produktion des Antioxidans Glutathion an, wenn die Probanden Milch konsumierten, die ausschließlich A2-Kasein enthielt.
Glutathion ist ein starkes Antioxidans, das eine wichtige Rolle bei zahlreichen Prozessen im Körper spielt, wie zum Beispiel der Genexpression, der Immunantwort und der Abwehr von oxidativem Stress.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass „Milch, die ausschließlich A2-Beta-Kasein und kein A1-Beta-Kasein enthält, das Potenzial hat, die Produktion des Antioxidans Glutathion beim Menschen zu fördern.“
Ein weiterer Vorteil von A2-Milchprodukten ist die geringere Häufigkeit von berichteten Magen-Darm-Beschwerden im Vergleich zum Verzehr von A1-Milchprodukten.
Laut einer in „Advances in Nutrition“ veröffentlichten Studie ist der Verzehr von A1-Milchprodukten beispielsweise mit einer verzögerten Durchlaufzeit durch den Magen-Darm-Trakt, weicherem Stuhl und Verdauungsbeschwerden verbunden, die mit Entzündungsmarkern korrelieren, was bei A2-Milchprodukten nicht beobachtet wurde.

Beim Konsum von A1-Milch stiegen bei Vorschulkindern sowohl der Beta-Casomorphin-7-Spiegel als auch Entzündungsmarker im Magen-Darm-Trakt an.
Foto: Organic Media/iStock
Interessanterweise führte der Wechsel von A1- zu A2-Milch bei Vorschulkindern mit einer Milchunverträglichkeit zu einer Verringerung der Magen-Darm-Symptome, was laut einer im „Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition“ veröffentlichten Studie mit „signifikanten Verbesserungen“ der kognitiven Fähigkeiten einherging.
Wenn Vorschulkinder A1-Milch konsumierten, stieg ihr Beta-Casomorphin-7-Spiegel zusammen mit einem Anstieg der Entzündungsmarker im Magen-Darm-Trakt an.
Im Gegensatz dazu stieg bei Verzehr von A2-Milch der Glutathion-Spiegel deutlich an, und es wurden Verbesserungen der Magen-Darm-Funktion gemessen, wie beispielsweise höhere Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl.
Diese Ergebnisse deuten laut den Forschern auf eine verbesserte Darmgesundheit hin, da kurzkettige Fettsäuren „Fermentationsprodukte der Darmmikrobiota sind, denen entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden und die die Funktion der Darmzellen verstärken können.“
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass A1-Milch „einen Entzündungszustand hervorruft, der die mit Laktoseintoleranz verbundenen Symptome verschlimmert“.
Diese Verschlimmerung kann durch die Entfernung von A1-Beta-Kasein (durch Ersatz durch A2-Beta-Kasein) verringert werden, was zu einer anschließenden Verbesserung der Magen-Darm-Symptome und bestimmter Aspekte der kognitiven Funktion führt.
Das Fazit
A1- und A2-Milch sind nicht gleich. A2-Milch unterscheidet sich chemisch von A1-Milch und hat folglich andere biologische Auswirkungen auf den Körper.
Wenn Kasein der einzige problematische Bestandteil von Milchprodukten ist, könnten A2-Milchprodukte daher eine sinnvolle Option sein, falls man nicht zu 100 Prozent auf Milchprodukte verzichten möchte. Wenn man jedoch in der Vergangenheit umfassende Probleme mit Milchprodukten hatte, sollte man mit einem Arzt sprechen, bevor Milchprodukte wieder in die Ernährung aufgenommen werden.
Aktuell findet man A2-Milch durch zunehmenden Bekanntheitsgrad immer leichter in Lebensmittelgeschäften und bei lokalen Bauernhöfen. A2-Milch kann von Ziegen und Schafen sowie von Kühen mit dem A2/A2-Genotyp, wie beispielsweise Jersey-Kühen, gewonnen werden.
Meine persönlichen Richtlinien für Milchprodukte
Auch wenn ich gesund und frei von Krankheiten bin, konsumiere ich dennoch selten Milchprodukte. Wenn ich es jedoch tue, halte ich mich an folgende Richtlinien:
- Die Kuh muss zu 100 Prozent A2 oder A2/A2 sein, was bedeutet, dass sie nur Milch produziert, die A2-Kasein enthält; sie produziert kein A1-Kasein.
- Das Tier muss zu 100 Prozent grasgefüttert sein, nicht mit Getreide gefüttert oder mit Getreide gemästet. Eine 1987 veröffentlichte Studie kam zu dem Schluss, dass bei Menschen Glutenproteine aus der Ernährung der Mutter in die Muttermilch übergehen. Obwohl dieses Phänomen bei Kühen noch nicht untersucht wurde, könnte es möglich sein, dass Gluten auch in die Milch von Kühen übergeht. Wenn dies geschieht, könnte es eine Immunreaktion im Körper auslösen. Da ich glutenempfindlich bin, konsumiere ich daher nur Milch von zu 100 Prozent grasgefütterten Kühen.
- Das Tier muss nach biologischen oder regenerativen Methoden aufgezogen werden, was bedeutet, dass es keine gentechnisch veränderten Organismen oder Weidegras erhalten darf, das mit Pestiziden oder Herbiziden besprüht wurde. Zudem dürfen keine Hormone verabreicht werden, und die meisten Antibiotika müssen vermieden werden.
- Ich konsumiere ausschließlich rohe, unpasteurisierte Milchprodukte von lokalen Bauern, denen ich vertraue. Meine Familie isst keine pasteurisierten Milchprodukte mehr, da die „guten“ Mikroben (auch als Probiotika bekannt) und andere nützliche Verbindungen wie Cofaktoren und Verdauungsenzyme, die dem Körper helfen, die Milch zu verdauen und Nährstoffe aufzunehmen, bei der Pasteurisierung weitgehend zerstört werden.
- Man muss jedoch sicherstellen, dass der Betrieb vertrauenswürdig ist. Es empfiehlt sich, den Betrieb zu besuchen, Fragen zu stellen und den Melk- und Lagerungsprozess selbst zu beobachten.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Critical Differences Between A1 and A2 Milk“. (deutsche Bearbeitung: vm)
Deutschland hat im internationalen Vergleich des kindlichen Wohlbefindens erneut unterdurchschnittlich abgeschnitten. Das ergab eine Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef, in der das Wohlbefinden von Kindern in 37 Ländern der EU und der OECD untersucht wurde. Deutschland belegte Platz 25.
Die Studie zeigt, dass in Ländern mit hoher Einkommens- und Vermögensungleichheit viele Kinder unter Bedingungen aufwachsen, die ihre körperliche und mentale Gesundheit sowie ihre schulischen Kompetenzen beeinträchtigen.
Die Kinderarmutsquote in Deutschland stagniert seit Jahren bei 15 Prozent, und die Einkommensungleichheit hat sich verschärft. Menschen im wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung verfügen heute über fünfmal so viel Einkommen wie Menschen im ärmsten Fünftel.
Bildung: 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen Mindestkompetenzen
Im Bildungsbereich schnitt Deutschland ebenfalls schlecht ab: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichten die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik, was Platz 34 von 41 Ländern bedeutet.
Besonders groß ist der Abstand zwischen Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten und privilegierten Familien. Unter den Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen. In privilegierten Familien sind es 90 Prozent.
Unicef will „Top-Priorität“ gegen Kinderarmut
Unicef Deutschland fordert daher entschlossenes politisches Handeln, um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen und in benachteiligte Kinder zu investieren.
„Die Bekämpfung der Kinderarmut muss politische Top-Priorität werden“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.
Die Bundesregierung solle ein Maßnahmenpaket zur finanziellen Absicherung von benachteiligten Kindern entwickeln und die Zugänglichkeit von Leistungen verbessern, so das Kinderhilfswerk. Zudem sollten Bund, Länder und Kommunen sicherstellen, dass alle Kinder Zugang zu Ressourcen wie gut ausgestatteten Schulen, Arztpraxen und Spielplätzen haben. (dts/red)
Eine Expertenkommission unter Beteiligung des ehemaligen deutschen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) fordert die WHO auf, die eskalierende Klimakrise umgehend als globalen Gesundheitsnotstand einzustufen. Das geht aus einem Bericht hervor, über den der „Spiegel“ berichtet.
Die elfköpfige, unabhängige „Paneuropäische Kommission Klima und Gesundheit“ war vor einem Jahr vom Europa-Büro der WHO eingesetzt worden.
Sie steht unter Leitung der früheren isländischen Premierministerin Katrin Jakobsdottir. Zu ihren Mitgliedern gehören neben Lauterbach etwa die dänische Ex-EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard.
Alarmstufe wie bei Covid
Die Kommission verlangt von der WHO die Ausrufung eines „gesundheitlichen Notstandes von internationaler Tragweite“ – jener höchsten Alarmstufe, die zuletzt zu Beginn der Covid-Pandemie erklärt worden war.
Lauterbach sagte dem „Spiegel“, der Klimawandel müsste eigentlich schon lange ganz oben auf der Agenda der WHO stehen. „Denn was macht ihn denn so gefährlich? Abgesehen von den ökonomischen Folgen sind es die Gesundheitskonsequenzen.“
In seinem 54-seitigen Bericht warnt das Gremium, dass der Klimawandel bereits heute Gesundheit und Leben von Millionen Menschen bedrohe. Allein im Rekordhitzejahr 2024 seien in Europa rund 63.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben. Die Temperaturen auf dem Kontinent seien in den vergangenen Jahrzehnten doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt.
„Die Klimakrise stellt eine Bedrohung für Sicherheit, sozialen Zusammenhalt, Menschenrechte und Gesundheit dar“, heißt es in dem Bericht. „Zu lange wurde sie als ein Problem künftiger Generationen betrachtet.“
Argumentationshilfen gegen Klimaleugner und Staaten bewerten
Die Kommission schlägt unter anderem den Aufbau eines WHO-Informationszentrums für Klima und Gesundheit vor, das Regierungen mit Daten und Argumentationshilfen gegen Klimaleugner versorgen soll.
Außerdem solle die WHO alle zwei Jahre bewerten, wie gut Mitgliedstaaten ihre Gesundheitssysteme auf den Klimawandel vorbereiten. Nationale Regierungen werden aufgefordert, Subventionen für fossile Brennstoffe zu streichen.
Bisher sehen die Regularien der WHO nicht vor, dass sie wegen Erwärmung einen Notfall deklarieren kann. Die Kommission hält es für notwendig, dies zu ändern, damit die WHO in die Lage versetzt wird, etwa bei katastrophalen Hitzewellen koordinierte Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
Der Bericht wird am Sonntagnachmittag in Genf vorgestellt, wo ab Montag die Weltgesundheitsversammlung tagt, das höchste WHO-Entscheidungsgremium. Bis Samstag beraten dort Vertreter der 193 Mitgliedsstaaten über die weitere Ausrichtung der Organisation. (dts/red)
Führende Ökonomen haben die Reformbereitschaft der Bundesregierung infrage gestellt. „Als Realist fehlt mir die Fantasie“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der „Welt am Sonntag“ mit Blick auf die Umsetzung wichtiger Reformen. Der Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, führt das Zögern auf den nach wie vor robusten Arbeitsmarkt zurück.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) persönlich traue er den großen Wurf bei Subventionen, Steuern und Rente zu, sagte Fratzscher. Er sehe jedoch nicht, „dass die Parteien bereit sind, das mitzutragen. CDU, CSU und SPD sind die größten Hürden“.
„Noch ist der Druck offenkundig nicht hoch genug“, sagte IWH-Vizepräsident Holtemöller der „Welt am Sonntag“ mit Blick auf den nach wie vor stabilen Arbeitsmarkt. Anders als zu den Agenda-Zeiten zu Beginn der 2000er Jahre sei Massenarbeitslosigkeit bislang kein Thema.
Linnemann: Alle Berichtspflichten sollten wegfallen – sofern der Staat nicht belegt, dass sie unabdingbar sind
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann erhöhte den Druck auf den Koalitionspartner SPD, Reformen zuzustimmen. In der „Bild am Sonntag“ schlug er eine radikale Kehrtwende beim Bürokratie-Abbau vor.
„In einem ersten Schritt müssen etwa alle Berichte, Dokumentations- und Statistikpflichten für den Mittelstand und das Handwerk zum 31.12.2026 ersatzlos auslaufen, wenn der Staat nicht ausdrücklich belegen kann, dass sie unabdingbar notwendig sind“, sagte Linnemann.
Der CDU-Politiker nahm für die anstehenden Reformen SPD-Chef Lars Klingbeil persönlich in die Pflicht. Klingbeil habe Ende März eine „vielgelobte Rede“ für Strukturreformen gehalten, sagte Linnemann. „Nun muss er diesen Worten aber auch Taten folgen lassen. Die Union steht jedenfalls bereit.“
Fratzscher: „Rente mit 70 wird kommen“
Besonders deutliche Kritik äußerten die Ökonomen zur Rentenpolitik. Fratzscher hält ein höheres Renteneintrittsalter für unvermeidlich: „Die Rente mit 70 wird kommen“, sagte er. Andere Länder wie Dänemark machten es vor. „Und Beispiele wie Japan zeigen: Längeres Arbeiten muss weder krank noch unglücklich machen, auch über 67 oder 70 Jahre hinaus.“
Holtemöller sieht Änderungen im Bereich der Altersversorgung ebenfalls als zwingend an. „Eine Konsolidierung des Bundeshaushalts ohne Leistungskürzungen bei der Rente als größtem Einzelposten dürfte kaum möglich sein.“
Beide Ökonomen sehen erheblichen Konsolidierungsbedarf im Bundeshaushalt. Holtemöller warb für einen Paradigmenwechsel: weg von pauschalen Subventionen für Branchen, hin zu gezielter Förderung Bedürftiger.
Ziele ließen sich so oft kostengünstiger erreichen. „Nicht die Theaterkarte sollte subventioniert werden, sondern der Theatergänger, der sich den Eintritt sonst nicht leisten kann.“
Sparen bei Subventionen
Auch DIW-Präsident Fratzscher würde bei Subventionen sparen. „Dieselprivileg, Dienstwagenprivileg, Pendlerpauschale – das sind Milliardenbeträge, die einzelne Gruppen bevorzugen. Das ist weder effizient noch gerecht.“
Holtemöller plädiert bei der Infrastruktur für eine Nutzerfinanzierung, etwa bei Autobahnen. Digitale Mautsysteme machten dies heute möglich.
Mehr Zeit einplanen
Nach Ansicht von CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann kann sich die schwarz-rote Koalition für die großen Sozial- und Steuerreformen notfalls mehr Zeit nehmen als bis zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause. „Wir haben auch noch Puffer“, sagte der CSU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Das Kabinett tage den ganzen Sommer hindurch. Zum Selbstverständnis des Koalitionsausschusses gehöre es zudem, „dass wir uns jederzeit zusammensetzen können“.
Es sei ein großes Gesamtpaket denkbar, wenn sich die SPD bei einem Thema bewege und die Union bei einem anderen, sagte Hoffmann. Zu einem Gesamtpaket gehörte auch, dass die Union eine Erhöhung der Reichensteuer mitmache, „wenn auch die SPD einen Schritt auf uns zugeht“. Die Union brauche dafür „Änderungen in der Arbeitsmarktpolitik“. (afp/red)
Ausgerechnet in den Vereinigten Staaten, dem Land, in dem es am schwierigsten war, das Buch zu veröffentlichen, wollte es zunächst niemand herausbringen. Das Manuskript lag praktisch auf Eis, und manche freuten sich sogar darüber, dass es unveröffentlicht blieb. Dank eines Freundes – eines Kubaners, der in einem Verlag arbeitete – und einer kleinen Verschwörung gelang es schließlich, das Buch fast kostenlos zu veröffentlichen. Ich hätte es jedoch auch ohne jedes Honorar veröffentlicht.
„Castro’s Daughter“
Sie hatten 1998 Ihre Memoiren mit „Castro’s Daughter“ veröffentlicht. Wie war die Erfahrung, sie zu veröffentlichen? Warum glauben Sie, gab es Widerstand?
Weil Sympathisanten des kommunistischen Regimes überall präsent waren. Damals reichte der Einfluss von Fidel Castro noch sehr weit – nicht nur bis in die Vereinigten Staaten, sondern in viele Teile der Welt.
2014, Alina, kehrten Sie zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten nach Havanna zurück. Warum sind Sie zurückgekehrt und wie haben Sie das Land damals empfunden?
Ich kehrte zurück, weil meine Mutter schwer krank wurde. Ich hatte das Gefühl, es würde mich innerlich zerreißen, wenn ich nicht wenigstens versuchen würde, sie in den letzten Monaten ihres Lebens zu sehen und mich um sie zu kümmern. Die Erfahrung war überwältigend. Weil ich es zuvor so sehr gehasst hatte, dort zu sein, hatte ich die Stadt nie wirklich bewusst wahrgenommen. Als ich zurückkehrte, erkannte ich plötzlich die Schönheit von Havanna – eine zerfallende, von Ruinen gezeichnete Stadt, die dennoch ihre einzigartige Schönheit bewahrt hat.
Und wie haben Sie sich gefühlt, als Sie vom Tod Fidel Castros hörten?
Persönlich empfand ich dabei nichts Besonderes. Ich habe mich stets stärker als Kubanerin, als Frau und als Mutter definiert als in meiner Rolle als Tochter. Dennoch hoffte ich, dass Fidel Castro das Regime mit ins Grab nehmen würde. Doch dazu kam es nicht. Das zeigt, wie tief dieses System verwurzelt ist: Es hat sogar seinen eigenen Schöpfer überdauert.
Sie haben darüber gesprochen, Fidel nie wirklich zu hassen, selbst während Sie das ablehnten, was er Kuba angetan hat.
Lassen Sie mich einen Moment darüber nachdenken. Hass ist ein sehr starkes Wort, und ich glaube nicht, dass ich ein Mensch bin, der zum Hassen fähig ist. Viele Menschen haben mir aus den unterschiedlichsten Gründen Schaden zugefügt, doch ich konnte keinen Hass für sie empfinden. In diesem Sinne hasse ich auch Fidel Castro nicht. Ich hasse nicht einmal den Mann, der meinem Land so großen Schaden zugefügt hat. Was ich für ihn empfinde, ist vielmehr Mitleid. So würde ich es beschreiben.
Meine beste Freundin – Aleida Guevara
In Ihren Memoiren erwähnten Sie die Begegnung mit Che Guevara.
Ich erinnere mich, Che Guevara einige Male getroffen zu haben, als ich noch sehr klein war – bevor er nach Bolivien und in andere Länder geschickt wurde, um dort als Guerillakämpfer zu agieren.
Er war ein harter, wenig zärtlicher Mensch. Seine älteste Tochter, Aleida Guevara, war eine enge Freundin von mir. Wir waren beste Freundinnen, und sie war eine sehr melancholische junge Frau. Ich glaube nicht, dass Che Guevara besonders für ein Familienleben geeignet war.
Zugleich denke ich, dass auch er ein Opfer der Launen von Fidel Castro wurde. Er wurde rasch aus Kuba entfernt, fast so, als sei er zu einem unbequemen Schatten geworden.
Che Guevara war in Kuba äußerst populär. Viele Menschen bewunderten ihn, auch wegen seines Charismas und seines Aussehens. Für Fidel Castro könnte eine so prominente Figur an seiner Seite durchaus eine Herausforderung dargestellt haben. Es gab mehrere Personen dieses Typs, die schließlich aus dem Blickfeld verschwanden.
Was denken Sie, wenn Sie Bilder von Che und Fidel in westlichen Ländern sehen?
Es gibt nichts Wirkungsvolleres als ein gutes Bild. Das Tragische an Che Guevara ist, dass er zu Beginn der kubanischen Revolution für zahlreiche Hinrichtungen in Kuba verantwortlich war. Wer ihn glorifiziert, feiert damit aus meiner Sicht einen Mann, der Blut an den Händen hatte.
Doch vielen Menschen ist diese historische Seite nicht bekannt. Sie sehen vor allem das ikonische Porträt – und für sie ist es einfach ein starkes, faszinierendes Bild.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 trat Kuba in eine sogenannte „Spezialperiode“ ein, als die sowjetischen Subventionen endeten. Wie war das Leben in Kuba während dieser Zeit?
In Kuba gingen viele davon aus, dass das Regime zusammenbrechen würde, weil das Land vollständig von Subventionen abhängig war. Doch das geschah nicht. Stattdessen entwickelte sich eine Art sozialer Zusammenbruch, der in dieser Form kaum vorhersehbar war. Jetzt schreiben wir das Jahr 2026, und die Lage ist ähnlich – wenn nicht sogar schlimmer. Wie lässt sich das erklären? Wie kann man so etwas rechtfertigen? Und warum passiert das überhaupt?
Über die Jahrzehnte haben mehr als ein Dutzend US-Regierungen versucht, das kubanische Regime herauszufordern oder zu stürzen. Warum sind sie Ihrer Meinung nach gescheitert – trotz des anhaltenden Drucks und der Sanktionen?
Die kubanische Revolution hat bereits 14 amerikanische Präsidentschaften überdauert. Ich glaube nicht, dass die USA wirklich ein Interesse daran hatten, das kubanische Problem zu lösen, denn es erscheint widersprüchlich, dass ein Akteur, der als Bedrohung wahrgenommen wird, über so lange Zeit hinweg bestehen bleibt. Ich verstehe das nicht.
Warum funktioniert der Kommunismus für die Menschen nicht?
Kommunismus funktioniert für Menschen nicht, weil sie unter einem kommunistischen Regime keine Rechte haben. Es gibt keine Freiheit, keine Wahlmöglichkeiten und oft auch keine religiöse Freiheit. Das System wirkt stark unterdrückend und erkennt kein Privateigentum an. Der Wunsch nach Eigentum, nach persönlichem Besitz und nach individuellem Fortschritt ist jedoch ein zentraler Teil des menschlichen Antriebs. In diesem Sinne steht das System im Widerspruch zu grundlegenden menschlichen Bedürfnissen.
Was kann man derzeit vom kubanischen Volk erwarten? Viele Menschen haben keinen zuverlässigen Zugang zu Strom, Nahrung oder Medikamenten. Unter solchen Bedingungen stellt sich weniger die Frage nach Erwartungen, sondern eher nach dem Verständnis des Leidens. Ich habe keine Erwartungen – ich beobachte die Situation lediglich und nehme das Leid wahr.
Und was ist Ihr Traum für Kuba?
Mein Traum für Kuba ist, dass wir gemeinsam einen Weg finden, beim Wiederaufbau der Gesellschaft zu helfen. Mein Traum für Kuba ist, dass die Menschen dort nach fast 70 Jahren endlich in Freiheit leben und frei atmen können.
Hoffen Sie, zurückzukehren?
Oh ja.
Das Interview führte Epoch-Times-White-House-Korrespondentin Emel Akan. Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Exclusive Interview: Fidel Castro’s Daughter“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
Nach Jahren der Armut, Gewalt und politischen Unterdrückung unter Fidel Castros Regime entzündete sich ein Funke. Anfang April 1980 suchten Tausende Kubaner politisches Asyl in der peruanischen Botschaft in Havanna. Dies begann einen sechsmonatigen Massenexodus von etwa 125.000 Kubanern vom Hafen von Mariel aus nach Süd-Florida. Die Boote waren überfüllt. Man nannte die Leute „Mariel-Bootsflüchtlinge“.
Sie erkannten die Realitäten des Kommunismus früh im Leben. Wann begannen Sie das zu sehen und was hat Ihre Ansichten geprägt?
Mein Kindermädchen, das ich erwähnte, und meine Großmutter hassten Fidel Castro. Das mit der Hingabe und der Liebe zu vergleichen, die meine Mutter für ihn empfand, war für mich sehr aufschlussreich, weil ich die zwei Positionen und die zwei Arten sah, wie Menschen über ihn denken konnten. Ich hatte das zu Hause, und ich denke, das half mir, meine Augen für verschiedene Realitäten zu öffnen. Ich war geschockt.
Zum Beispiel sind sie Meister darin, Menschen mit Worten zu manipulieren. Wir leisteten also stundenlang freiwillige Arbeit, die verpflichtend war. Man konnte sich also nicht weigern. Und in Kuba ist alles so. Dinge werden so gesagt, dass sie etwas völlig anderes bedeuten oder eben das Gegenteil. Zu Beginn der Revolution etablierten sie die sogenannte „freiwillige Arbeit“, um die Revolution aufzubauen. Anstatt das Wochenende in der Kirche zu verbringen – was verboten war – oder an den Strand zu gehen, mussten die Leute auf dem Feld arbeiten.
Und Sie waren Teil davon?
Ich war Teil davon.
Wurden Sie bezahlt?
Nein, nein, nein. In Kuba sind deine Hingabe und dein Opfer umsonst. Du tust das aus ideologischen Gründen. Bis heute wird nichts bezahlt. Die Leute bekommen vielleicht ein Gehalt von 10, 12, 15 Dollar im Monat.
Bootsflüchtlinge und eine Dissidentin
Was war Ihre Erfahrung während der Mariel-Bootsflüchtlingswelle 1980?
Es war wirklich ein Skandal. Es war wirklich, wirklich ein Skandal. Nachdem sich zwei oder drei Tage lang das Gerücht verbreitet hatte, dass die Botschaft Leute aufnimmt, die das Land verlassen wollten, begannen Tausende von Menschen, sich um die Botschaft zu versammeln. Fidel war gezwungen, einen Deal zu machen. Die Menschen wurden hier in den USA von Jimmy Carter empfangen. Ich glaube, das hat ihn damals seine zweite Amtszeit gekostet.
Während der Mariel-Krise, als sich zeigte, dass Tausende Menschen öffentlich und offensichtlich das Land verlassen wollten, kamen sie auf die Idee des „Repudiation Acts“ (Verleugnungsgesetz). Sie mobilisierten sogar die Nachbarn, um diejenigen zu schlagen, die das Land verlassen wollten. Wenn du in Mariel das Land verlassen wolltest, musstest du öffentlich in deine Schule, an deinen Arbeitsplatz oder deine Universität gehen und vor allen erklären, dass du ein Verräter der Revolution geworden bist und das Land verlassen willst. Die Menschen wurden richtig, richtig gewalttätig.
Ich glaube, das hat mich wirklich zum Schreien und Weinen gebracht und zur Verzweiflung getrieben. Das war definitiv ein Wendepunkt für mich – die Mariel-Krise und die Art und Weise, wie sie die Leute behandelten: mit Eiern beworfen, sie schlugen, bedrohten, sie aus ihren Häusern vertrieben.
Sie wurden in den späten 1980er Jahren Dissidentin. Wie sah dieser Übergang persönlich und politisch für Sie aus?
Was passierte, war, dass man auf mich aufmerksam wurde, weil ich für ein Modehaus oder Ähnliches modelte. Und plötzlich tauchte ein Journalist auf und entdeckte, dass Fidel Castro eine Tochter hat, die Model ist. Das war eine Art Überraschung, irgendwie bizarr. Also fing ich an, Interviews zu geben, und ich sagte: „Okay, das ist der Deal. Ich werde sagen, was ich sagen will.“ Ich sollte über Mode sprechen, aber das tat ich nicht. Ich sprach über die kubanischen Realitäten. Und da wurde ich öffentlich zur Dissidentin. Das bedeutet nicht, dass ich es vorher nicht war. Es bedeutet nur, dass es niemand wusste, außer meinem Umfeld. Sagen wir also, dass ich zu dieser Zeit öffentlich Dissidentin wurde.
Fühlten Sie sich isoliert?
Als ich auf der Seite der Dissidenten anfing, fühlte ich mich sehr isoliert. Ich hatte Angst, ich konnte nicht schlafen. Es ist ein sehr repressives System. Und man hat Angst, so einfach ist das. Man kann ins Gefängnis kommen, nur weil man sagt, dass einem etwas nicht gefällt. Sie ermutigen die Leute in deiner Nachbarschaft, dich anzugehen und gegen dich zu protestieren, weil du ein Dissident bist. Du denkst nicht wie sie. Du bist kein Revolutionär, du bist ein Verräter oder ein „Wurm“.
Und wie hat das Ihr tägliches Leben, Ihre Sicherheit und Ihre Beziehung zu Ihrer Tochter beeinflusst?
Meine Tochter ist ein ganz besonderer Mensch, mit einer Sensibilität, die ich nicht beschreiben oder überhaupt begreifen kann. Sie hat mich immer verstanden, immer, und hat mich unterstützt. Sie ist bedingungslos loyal zu den Menschen, die sie liebt. Aber es hat sie natürlich beeinflusst. Ich war isoliert. Ich konnte nirgendwo arbeiten. Ich empfing nur Besucher, die sich über etwas beschweren wollten oder etwas brauchten. Es war also die Seite des Lebens, die man seinem Kind nicht zeigen will. Es ist die dunkle Seite des Lebens.
Und das hat wahrscheinlich großen Druck auf Sie ausgeübt.
Ja. Die Art und Weise, wie sie zur Jugendlichen heranwuchs und einfach miterlebte, was für ein Leben ich mir aufgebaut hatte, nachdem ich Dissidentin geworden war, hat mich wirklich dazu gebracht, überall nach einem Weg zu suchen, sie da herauszuholen – und zu entkommen.
Die Flucht aus Kuba
Alina Fernández plante ihre waghalsige Flucht über Monate. Sie beinhaltete eine Verkleidung und einen gefälschten Pass. Aber es gab einen Haken: Sie musste ihre Tochter zurücklassen, die damals etwa 16 Jahre alt war. Alina benutzte den gefälschten Pass, um nach Spanien zu fliegen, wo sie am 20. Dezember 1993 ankam. Sie beantragte sofort politisches Asyl bei der US-Botschaft, das ihr gewährt wurde. Am 21. Dezember 1993 landete sie in Atlanta, Georgia.
Ich hatte versucht, Kuba über viele, viele Jahre zu verlassen, und konnte es nicht. Aber in diesem Fall war es etwas, das von Freunden hier organisiert wurde, Menschen, die mit dem sympathisierten, was ich tat, und die wussten, dass sie Fidel Castro in gewisser Weise verletzen würden, wenn sie seiner Tochter halfen, herauszukommen. Es wäre eine beschämende Position für ihn gewesen. Und ich war sehr froh, dem zuzustimmen. Ich war 38, als ich das Land verlassen konnte, und ich musste meine Tochter zurücklassen, aber es war der einzige Weg. Es war der einzige Weg. Wir konnten nicht beide gleichzeitig entkommen. Und ich wusste, mit dem richtigen Druck könnte ich sie herausholen.
Meine Flucht wurde durch den Pass eines spanischen Mädchens möglich, das bereit war, mir zu helfen, ohne mich überhaupt zu kennen. Es ist ein Zeichen von Solidarität, wie ich es in meinem Leben nie wieder erlebt habe. Ich stieg mit ihrem Pass, mit meinem Bild an ihrer Stelle ins Flugzeug. Das war an einem Wochenende. Es war ein Wunder, weil wir Fotos für den Pass brauchten. Einige Frauen, die uns bereits geholfen hatten, hatten den Pass nach Mexiko gebracht und dort gefälscht. Es war eine sehr komplizierte Operation. Jedes Detail wurde berücksichtigt.
Erzählen Sie uns mehr darüber, wie Sie es geschafft haben, sich mit Ihrer Tochter wieder zu vereinen.
Als ich floh, geschah ein weiteres Wunder. Reverend Jesse Jackson flog nach Kuba, um Fidel Castro zu überzeugen, seine Enkelin freizugeben. Er stellte zwei Bedingungen: Meine Mutter und der Vater des Mädchens müssten ihr erlauben zu gehen… Ich bin sicher, er war überzeugt, dass einer von ihnen „Nein“ sagen würde. Aber beide sagten „Ja“. Beide sagten, dass meine Tochter bei ihrer Mutter sein müsse. Ich denke, es war göttliche Intervention, denn alles fügte sich zusammen, und ich konnte meine Tochter bereits wenige Tage später zu mir holen.
Wie fühlte sich Ihre Mutter bei Ihrer Flucht?
Ich glaube, tief in ihrem Inneren verstand meine Mutter, dass ich gehen musste. Und ich bin ihr wirklich dankbar, weil sie meiner Tochter erlaubte zu gehen. Sie hätte „Nein“ sagen können, weil sie meine Tochter natürlich liebte – ihr einziges Enkelkind.
Nach der Ankunft in Miami, was waren die größten Herausforderungen, denen Sie sich beim Einstieg in ein neues Leben stellen mussten?
Ich versuche nachzudenken, weil es natürlich anders war. Wissen Sie, als ich 1993 Kuba verließ, existierte das Internet nicht. Ich war also völlig ahnungslos. Es war, als würde man vom Mond auf der Erde landen. Ich wusste nicht, was es mit Geld auf sich hat. Ich wusste nicht, dass eine Kreditkarte existiert. Ich wusste nicht, wie man mit einem Bankkonto umgeht. Ich wusste nicht einmal, dass Konsequenzen drohen, wenn man seine Rechnungen nicht bezahlt. Wir wussten nicht, dass man sich ein Jahr im Voraus für die Universität bewerben muss. Wir wussten gar nichts. Und wir haben für diese Unwissenheit bezahlt, indem wir viele Fehler gemacht haben. Aber wir haben uns schließlich angepasst.
Wie haben Sie Englisch gelernt?
Miami ist das, was einer Heimat am nächsten kommt, das man in Amerika oder irgendwo sonst auf der Welt haben kann; und ich bin davon überzeugt, dass es gut für einen Menschen ist, nah an dem Ort zu sein, an dem die Nabelschnur durchtrennt wurde. Es ist eine andere Energie.
Erzählen Sie uns mehr über Ihren Aktivismus in Miami.
Ich war viele, viele Jahre als Rednerin unterwegs und habe über Kuba gesprochen, auf jedem Campus, zu dem ich eingeladen wurde. Ich bin nicht Aktivistin per se, weil ich damals immer in zwei oder drei Jobs arbeitete. Aber ich habe getan, was ich konnte – für Leute, die zuhören wollten –, ihnen die kubanische Realität zu erklären. Denn Kuba ist Gegenstand vieler, vieler Legenden. Aber niemand ist wirklich an der Wahrheit interessiert.
Es ist seit Jahren ein politisches Argument. Also wieder: „Du bist von der Linken, du bist von der Rechten.“ Wenn du von der Linken bist, unterstützt du Kuba. Es ist unbegreiflich, aber so ist es. Und in der Tat – den Alltag des kubanischen Lebens… niemand weiß davon. Ich glaube nicht, dass sie überhaupt ermessen können, wie es ist, in Kuba zu leben: kein Strom, kein Essen, nichts. Nichts von dem, was Sie als selbstverständlich ansehen – nicht das Recht, ein Haus zu besitzen, nicht das Recht, ein Auto zu besitzen, nicht das Recht, ein Geschäft zu besitzen.
Fortsetzung folgt…
Das Interview führte Epoch-Times-White-House-Korrespondentin Emel Akan. Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Exclusive Interview: Fidel Castro’s Daughter“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
Zwei nepalesische Bergsteiger haben ihre Rekorde beim Erklimmen des Mount Everest ausgebaut. Der 56-jährige Kami Rita Sherpa – Spitzname „Everest Man“ – bestieg den höchsten Berg der Welt am Sonntag zum 32. Mal, wie das nepalesische Tourismusministerium mitteilte.
Das ist mehr als jeder andere Mensch. Die 52-jährige Lhakpa Sherpa, Rekordhalterin bei den Frauen, bestieg den 8.849 Meter hohen Mount Everest derweil zum elften Mal.
„Das ist ein weiterer Meilenstein in der Bergsteiger-Geschichte Nepals“, sagte ein Sprecher des Tourismusministeriums.
Die Rekorde seien auch gut für andere Bergsteiger: „Indem sie durch einen gesunden Wettbewerb am Everest Rekorde brechen, helfen sie, das Bergsteigen sicherer, würdevoller und besser gemanagt zu machen.“

Seit 1994 hat Kami Rita Sherpa fast jedes Jahr den Mount Everest bestiegen – inzwischen 32 Mal.
Foto: Niranjan Shrestha/AP/dpa
Fast jedes Jahr auf der Bergspitze
Kami Rita Sherpa hatte den Mount Everest 1994 zum ersten Mal bestiegen. Seitdem hat er andere Bergsteiger fast jedes Jahr auf die Spitze des Berges geführt. Die als „Mountain Queen“ (Berg-Königin) bekannte Lhakpa Sherpa hatte den Mount Everest im Jahr 2000 erstmals bestiegen.
Der Bergsteiger-Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für Nepal. Es gibt aber immer wieder auch Kritik an einem zu großen Ansturm auf den Mount Everest.
Für diese Saison hat das Land am Himalaya eine Rekordzahl von 492 Genehmigungen für das Erklimmen des höchsten Berges der Erde erteilt. (afp/red)
In Lettland soll nach dem Rücktritt von Regierungschefin Evika Silina der konservative Oppositionspolitiker Andris Kulbergs eine neue Regierung bilden.
Präsident Edgars Rinkevics beauftragte Kulbergs am Samstag mit der Zusammenstellung einer neuen Koalition bis zu den Parlamentswahlen im Oktober. Er habe zuvor Vertreter aller im Parlament vertretenen Parteien getroffen, erklärte Rinkevics.
„Gemäß der lettischen Verfassung fordere ich Herrn Kulbergs auf, die Aufgabe der Bildung eines neuen Ministerkabinetts zu übernehmen“, erklärte Staatschef Rinkevics. Kulbergs gehört der konservativen Opposition an.
Auslöser waren zwei ukrainische Drohnen
Silina hatte am 14. Mai ihren Rücktritt erklärt, nachdem ihre Koalition im Streit über den Umgang mit ukrainischen Drohnen in Lettland zerbrochen war. Die linksgerichteten Progressiven hatten die Koalition verlassen, nachdem Silina den Rücktritt von Verteidigungsminister Andris Spruds herbeigeführt hatte. Spruds gehört den Progressiven an.
Auslöser der Regierungskrise waren zwei ukrainische Drohnen, die am 7. Mai von Russland aus die lettische Grenze überquerten und in Lettland abstürzten.
Nach ukrainischen Angaben waren sie auf dem Weg zu Zielen in Russland und wurden von der russischen Luftabwehr elektronisch abgelenkt. Eine Drohne traf ein Öllager bei Rezekne im Osten Lettlands, wo ein Brand ausbrach. Opfer gab es nicht, größere Schäden wurden nicht gemeldet.
Silina warf Spruds vor, die lettischen Abwehrsysteme gegen Drohnen seien nicht schnell genug eingesetzt worden. Ohne die neun Abgeordneten der Progressiven verlor ihre Koalition die Mehrheit im Parlament.
In Lettland waren bereits vor der aktuellen Krise mehrfach ukrainische und russische Drohnen abgestürzt. Die Vorfälle machten Schwächen in der lettischen Luftabwehr sichtbar. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angekündigt, Fachleute nach Lettland zu entsenden, um beim Schutz des lettischen Luftraums zu helfen. (afp/red)
Russland und die Ukraine überziehen sich nach Ende der von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenruhe wieder gegenseitig massiv mit Luftangriffen. Nicht nur in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sterben viele Zivilisten, auch in Russland gibt es Tote.
Ein Krieg der Drohnen prägt das Geschehen. Dabei gibt es am Boden kaum Bewegung. Schon jetzt ist die Front keine Linie mehr, sondern eine „graue Zone“ des Todes von mehr als 1.000 Kilometern Länge und stellenweise bis über 20 Kilometer Breite.
Nicht nur Kämpfe am Boden stecken in der Sackgasse, weil sich die Gegner auflauern und auf jeden Versuch eines Vorstoßes von Truppen mit Drohnenschlägen reagieren.
Auch die Verhandlungen zu einem Kriegsende stecken fest – nicht nur, weil die USA als Vermittler mit dem Irankrieg beschäftigt sind. Moskau und Kiew setzen nach Meinung vieler Beobachter selbst weiter auf Kampf und Sieg.
Zwar hatte der russische Präsident Wladimir Putin noch vor einer Woche in einem Nebensatz fallen lassen, er denke, dass sich der Krieg dem Ende zuneige. Er bezog das, wie der Kreml klarmachte, auf Erwartungen Moskaus, dass sich Präsident Wolodymyr Selenskyj den russischen Bedingungen beuge – und seine Truppen früher oder später aus dem Gebiet Donezk abziehe. Selenskyj lehnt solche Geschenke ab. Deshalb stehen die Zeichen auf Kampf.
Abnutzungskrieg geht weiter
„Im Moment wird sich der Abnutzungskrieg erst einmal fortsetzen“, sagt der Russland-Fachmann und Historiker Matthias Uhl. Er zeigt in seinem neuen Buch „Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht“ (Herder) mögliche Entwicklungen auf.
Es gebe in der Geschichte viele Beispiele, dass Kriege trotz Erschöpfung und Bekundung einer Friedensbereitschaft noch Jahre dauerten, weil jede Seite glaubte, kurz vor einem Sieg zu stehen.
„Auch der russisch-ukrainische Krieg birgt die Gefahr, dass eine der beiden Seiten zu spät erkennt, wann der Endpunkt erreicht ist“, sagt Uhl. Er lebte mehr als 20 Jahre lang in Russland und war dort am inzwischen für „unerwünscht“ erklärten Deutschen Historischen Institut tätig.
„Russland ist aufgrund seiner Ressourcen durchaus in der Lage, noch weiter Krieg zu führen“, sagt Uhl, der am Max Weber Netzwerk Osteuropa arbeitet und Russland weiter bereist. Zwar gebe es zunehmend wirtschaftliche Probleme – nicht zuletzt durch die Sanktionen. Doch der im Westen erwartete Systemkollaps bleibe aus.
Übermacht der Drohnen verhindert echte Bewegung der Front
Der russische Militärexperte Dmitri Kusnez von der kremlkritischen Nachrichtenplattform „Meduza“ sieht durch die hohen Ölpreise aktuell eine Entspannung für Putins Kriegskasse.
Allerdings bezweifelt er, dass der russische Generalstab unter den Umständen eines Drohnenkriegs und dem geringen Tempo beim Vormarsch der Truppen bis Ende Herbst den Donbass erobern kann. Kusnez sieht die Ukraine mit ihren technologischen Fortschritten besser aufgestellt für den Drohnenkrieg als die Russen.
„Gegen die Übermacht der Drohnen scheint es gegenwärtig noch kein Instrument zu geben“, betont auch Uhl. „Die müssten erst einmal auf dem Gefechtsfeld eliminiert werden, damit wieder ein erfolgreicher Vorstoß möglich ist. Dafür kämen wegen der Kosten nur Laser oder Maschinenwaffen infrage“, sagt er.
„Hinzu kommt, dass die Ukrainer zunehmend die russische Luftabwehr zerlegen und versuchen, die Krim und die von dort laufende Versorgung der Truppen abzuschneiden“, erklärt er.
Zu schaffen machten Russland auch die vielen ukrainischen Angriffe auf Anlagen der russischen Ölindustrie. Selenskyj hat angekündigt, diese Angriffe im Hinterland noch zu intensivieren, damit Moskaus Kriegskasse nicht weiter so stark vom Energieexport profitiert.
Putin könnte Einsatz im Krieg erhöhen
Hardliner in Russland verstärken derweil den Druck auf den Kreml, den Einsatz im Krieg zu erhöhen. Uhl hält es auch für möglich, dass Moskau bei einem möglichen Rückgang der Freiwilligen, die mit viel Geld geködert werden, andere Möglichkeiten nutzt, um Personal für die Front heranzuziehen.
Denkbar seien eine weitere Teilmobilmachung oder auch die Umwandlung der „militärischen Spezialoperation“, wie der Krieg offiziell genannt wird, in eine „Anti-Terror-Operation“. Damit werde der Einsatz von Wehrpflichtigen möglich, sagt Uhl.
Dagegen sieht er die Ukraine personell mit ihrer deutlich kleineren demografischen Basis im Nachteil. „Der Mangel an Soldaten und hier vor allem an Infanterie wird sich höchstwahrscheinlich noch weiter verstärken“, sagt er.
„Letzter Ausweg wäre wahrscheinlich die Mobilisierung der 18 bis 25 Jahre alten Männer, die bisher vom verpflichtenden Kriegsdienst ausgeschlossen sind.“ Personell sei Kiew aktuell nicht in der Lage, großangelegte Offensiven wie in den ersten drei Kriegsjahren zu absolvieren.
Zwar weite das Land seine eigene Rüstungs- und Drohnenfertigung aus. Aber angewiesen sei Kiew für den Kampf weiter auf westliche Präzisionswaffen, Luftverteidigungssysteme und Aufklärungsdaten der Geheimdienste, die es inzwischen vor allem von den Franzosen bekomme.
Insgesamt sei die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Ukraine wegen der Flucht aus dem Land und der Mobilmachung langfristig reduziert, schreibt Uhl.
Experte: Auch „unvorhersehbares Ereignis“ möglich
Neben dem Abnutzungskrieg zeichnet er noch drei weitere Szenarien, wie es zu einem Kriegsende kommen könnte: das Einfrieren des Konflikts ohne einen Frieden. Oder ein erzwungener Kompromiss, ein von außen erwirkter Waffenstillstand, wie ihn die USA wollten.
Als letztes Szenario nennt der Historiker ein „unvorhersehbares Ereignis“. „Es ist nicht auszuschließen, dass das System Putin durch den fortdauernden Krieg zu einem vorzeitigen Ende kommt, weil dessen Wille, eine militärische Entscheidung herbeizuführen, Kraft und Moral des Landes erschöpfen.“ (dpa/red)
Diesel ist zum ersten Mal seit Anfang März wieder billiger als die günstigste gängige Benzinsorte E10. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Samstags kostete ein Liter Diesel 1,990 Euro, ein Liter E10 1,994 Euro, wie der ADAC mitteilt. Diesel verbilligte sich dabei um 0,9 Cent im Vergleich zu Freitag. E10 blieb unverändert.
Noch Anfang April – zur Zeit der Höchststände bei den Spritpreisen – war Diesel zwischenzeitlich mehr als 25 Cent teurer als E10 – obwohl der Kraftstoff niedriger besteuert wird.
Seither ist Diesel um gut 45 Cent pro Liter billiger geworden. Super E10 verbilligte sich um knapp 20 Cent. Der Tankrabatt spielt zwar bei der Verbilligung einer Rolle, hat den Preisabstand von Diesel und E10 nicht direkt geändert. Er beträgt bei beiden Kraftstoffen 16,7 Cent pro Liter.
Diesel ist krisensensibler
Diesel gilt beim Preis als krisensensibler als Benzin, unter anderem weil Deutschland bei Diesel teilweise auf Importe angewiesen ist. Auch zu Beginn des Ukrainekrieges hatte sich Diesel sehr viel schneller verteuert als Benzin und monatelang mehr gekostet.
Im langjährigen Schnitt vor Beginn des Ukrainekrieges war Diesel mehr als 15 Cent billiger als E10. Auf dieses Niveau ist der Abstand seither nicht mehr über längere Zeit gestiegen – möglicherweise, weil bis 2022 auch viel relativ günstiger Diesel aus Russland importiert wurde. In den Jahren 2024 und 2025 war Diesel im Schnitt etwas mehr als 8 Cent billiger als E10.
Grundsätzlich wird in Deutschland deutlich mehr Diesel als E10 verbraucht, was insbesondere daran liegt, dass die große Mehrheit aller Lastwagen mit dem Kraftstoff betrieben werden.
Bei Privatpersonen sind allerdings Autos mit Benzinmotor deutlich verbreiteter. Die beiden wichtigsten Superbenzinsorten sind E5 und E10. Letzteres zeichnet sich durch einen höheren Anteil an Biosprit aus und war zuletzt meist etwa 6 Cent billiger als E5. E5 wird insgesamt noch häufiger getankt – obwohl die allermeisten Autos das günstigere E10 vertragen. (dpa/red)
Wegen Brandgefahr haben Rettungskräfte einen Zug im oberbayerischen Traunstein evakuiert. Der Großalarm ging laut Bayerischem Roten Kreuz um 5:11 Uhr morgens ein.
Trotz der frühen Stunde befanden sich 200 Fahrgäste in dem Zug, der von Salzburg nach München unterwegs war. Laut den Rettungskräften waren die Bremsen eines Waggons so heiß geworden, dass ein Brand befürchtet wurde.
Die Passagiere wurden in einer Turnhalle untergebracht und auch von Notärzten in Augenschein genommen. Sie sollten ihre Weiterfahrt dann im Laufe des Morgens mit anderen Zügen fortsetzen. (dpa/red)
In Bolivien sind Sicherheitskräfte gegen Demonstranten vorgegangen, die Zufahrten zur Verwaltungshauptstadt La Paz blockieren. Die Sicherheitskräfte setzten am Samstag unter anderem Tränengas ein, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
Medienberichten zufolge nahmen an dem Einsatz rund 3.500 Polizisten und Soldaten teil. Nach offiziellen Angaben gab es mindestens 57 Festnahmen. Viele Blockaden wurden nach dem Abzug der Sicherheitskräfte wieder aufgenommen.
Proteste wegen der schweren Wirtschaftskrise
Arbeiter, Bauern, Lehrer und Indigene blockieren schon seit zwei Wochen die Zufahrten zu La Paz, dem Regierungssitz des südamerikanischen Andenstaats. Sie fordern angesichts der schweren Wirtschaftskrise höhere Löhne, eine Stabilisierung der Wirtschaft und einen Verzicht auf Privatisierungen.
Die Regierung des im vergangenen Oktober gewählten konservativen Präsidenten Rodrigo Paz konnte Vereinbarungen mit einigen Protestgruppen abschließen. Andere Gruppen riefen dazu auf, die Blockaden zu verstärken, die eine Lieferung von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Gütern nach La Paz verhindern.
Bolivien befindet sich in der schwersten Wirtschaftskrise seit vier Jahrzehnten. Dem Land fehlen unter anderem Devisen und Treibstoff. Präsident Paz hat als eine Maßnahme Subventionen für Treibstoff gestrichen. (afp/red)
Seit Ende Januar hat kein Bundesland von der Bundespolizei ein Passersatzpapier erhalten, um einen ausreisepflichtigen Syrer abschieben zu können.
Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Beamte der Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern. Eine entsprechende Anfrage wollte das Bundespolizeipräsidium in Potsdam, das Innenminister Alexander Dobrindt untergeordnet ist, demnach weder dementieren noch bestätigen.
Rund 11.000 Syrer ausreisepflichtig
Wie die Bundespolizei der Zeitung mitteilte, sind rund 11.100 Syrer in Deutschland ausreisepflichtig – zum Stand Ende März.
Nachdem seit 2011 kein einziger der rund eine Million syrischen Asylzuwanderer zurückgebracht worden war, gelangen unter Minister Dobrindt im Dezember 2025 und im Januar dieses Jahres die ersten vier Abschiebungen.
Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vor einem Jahr angekündigt: Nach Syrien werde man abschieben – beginnend mit Straftätern und Gefährdern.
Bayerns Innenministerium teilte der „Welt am Sonntag“ mit, die Organisation von Rückführungen nach Syrien unterscheide sich derzeit von regulären Verfahren vor allem dadurch, dass der Bund in der Anfangsphase für den gesamten Prozess einschließlich der Passersatzpapierbeschaffung beim Herkunftsstaat die Federführung übernommen habe, um tragfähige Rückführungswege aufzubauen.
Hessen hat keine Ersatzdokumente bekommen
Laut Roman Poseck (CDU), dem Innenminister Hessens, ist von den dort 533 ausreisepflichtigen Syrern derzeit keine Person kurzfristig rückführbar, weil Passersatzdokumente zum Zweck der Rückführung im Jahr 2026 von der syrischen Seite nicht ausgestellt worden seien.
Sein Land sei gut auf regelhafte Rückführungen nach Syrien vorbereitet. Poseck sagte der Zeitung, er könne die Bundesregierung nur ermutigen, in direkten Gesprächen mit der Regierung in Syrien dafür die Voraussetzungen zu schaffen.
3.850 Syrer stellten im laufenden Jahr bis Ende April Asylerstanträge in Deutschland. Laut einem vertraulich eingestuften Bericht des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums Illegale Migration vom Februar, sind seit der Wiederanbindung syrischer Flughäfen an den internationalen Flugverkehr 2025 anhaltende Schleusungen auf dem Luftweg belegt – insbesondere durch Direktflüge der europäischen Fluggesellschaften Dan Air und Air Mediterranean nach Rumänien beziehungsweise Griechenland.
„Nach hier vorliegenden Informationen ist die Einrichtung von Direktflugverbindungen nach Deutschland seitens der Lufthansa AG, im Nachgang zu entsprechenden Erkundungsmissionen, bereits in konkreter Planung“, heißt es in dem internen Bericht zur illegalen Migration. (dts/red)
Artisten fliegen durch die Luft, Clowns tröten schräge Melodien, bunte Kostüme entfalten sich zu riesigen Blumen – und über allem liegt ein Duft von Popcorn: Im Circus Roncalli kann das Publikum für zweieinhalb Stunden in eine heile Welt entfliehen.
„Dies ist einer der wenigen Orte, wo Kleinkinder und Intellektuelle gemeinsam lachen können“, sagt Direktor Bernhard Paul, der die Zuschauer in Köln begrüßt. Dort, an seinem Stammsitz, gastiert der Zirkus auch während seines 50-jährigen Jubiläums.
Ein paar Tage zuvor sitzt Paul an dem mächtigen dunklen Tisch in seinem mit allerlei Nippes und Kuriositäten ausgestatteten Haus, das sich auf dem Gelände des Zirkus-Winterquartiers in Köln-Mülheim befindet. Im Gespräch mit dpa blickt der Mann mit der wilden Mähne zurück auf den 18. Mai 1976, als der Circus Roncalli seine Welturaufführung in Bonn feierte.
Noch am Premierentag den Kassenwagen gestrichen
„Ich kann mich noch an alles genau erinnern, jedes Detail, die Gesichter der Menschen, den Geruch von Sägemehl“, schwärmt der 78-Jährige. „Es war unwirklich. Ich habe seit meiner Kindheit davon geträumt Zirkus zu machen – und dann ist es tatsächlich passiert.“
Alles sei erst auf den letzten Drücker fertig geworden – am Premierentag habe er noch den Kassenwagen gestrichen. „Ich hatte so viele Gefühle, die haben mich fast erschlagen.“
Als kleiner Junge sei er wegen seines Aussehens mit roten Haaren, Sommersprossen und Brille oft gehänselt worden, erzählt er. Ein Lichtblick sei es für ihn immer gewesen, wenn in seiner österreichischen Heimatstadt ein Zirkus Station machte.
Die Zirkuskinder gingen für ein paar Tage mit ihm zur Schule. „Sie luden mich zu sich zum Essen ein, und der Vater saß als Clown geschminkt am Tisch. Ich habe mich auf einmal Zuhause gefühlt und wusste: Da gehöre ich eigentlich hin.“
Nach einer Durststrecke gelingt in Köln der Neustart
Nach seinem Grafikdesign-Studium schmeißt Paul seinen Job als Art Director und setzt seinen Kindheitstraum um. Zusammen mit dem Multimedia-Künstler André Heller entwirft er ein neuartiges Konzept aus konventionellen Zirkus-Elementen, Poesie und absurdem Theater. Doch schon kurz nach dem verheißungsvollen Auftakt in Bonn trennen sich die beiden Macher im Streit.
Für Paul beginnt eine längere Durststrecke, bis ihm der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger als Geldgeber zu Hilfe kommt. Mit der Premiere des Programms „Reise zum Regenbogen“ gelingt Roncalli 1980 in Köln der Neustart.
Als erster westlicher Zirkus Gastspiel in Moskau
Anders als viele Konkurrenten setzt Paul verstärkt auf Nostalgie und Romantik. Er verziert Zirkuswagen mit goldenen Schnörkeln, überlegt sich ein Lichtkonzept, verpasst den Artisten maßgeschneiderte Kostüme und stellt Orchestermusiker ein.
Im Programm gibt es neben Action auch verträumte Elemente: So ist der Schweizer Pantomime Pic mit seiner „Seifenblasen-Poesie“ jahrelang der Star des Zirkus.
Roncalli wird schnell größer und macht sich auch international einen Namen. 1986 gastiert er als erster westlicher Zirkus in Moskau. Später folgen Stationen in Sevilla, Brüssel, Amsterdam und schließlich New York. Eine Metropole steht noch auf Pauls Wunschliste: „Ich würde gerne mal in Paris spielen.“
Von Anfang an zieht es immer wieder Prominente zu Roncalli – nicht nur als Zuschauer, sondern teils auch in die Manege. Schauspieler Heinz Rühmann etwa singt dort 1984 sein „Lied vom Clown“.
1986 tritt die damalige Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth (CDU) als Clown auf, nachdem sie in der TV-Show „Wetten, dass…?“ eine Wette verloren hat. Ex-FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß mimt 2010 im Zirkusrund einen Ritter.

Auch Prominente traten über die Jahre in der Manege auf, wie Uli Hoeneß im Jahr 2010.
Foto: picture alliance / dpa
Seit 2018 gibt es bei Roncalli keine Tier-Nummern mehr
Anfangs gehören noch Löwen oder Tiger zum Programm. Doch schon in den 1990er Jahren schafft Roncalli Raubtiere und 2018 auch Pferde und Ponys ab. „Tiere im Zirkus – das war irgendwann aus der Zeit gefallen“, meint Paul. „Es gab dauernd Proteste von Tierschützern, das war einfach nichts mehr.“
Die meisten seiner Kollegen dagegen setzen nach wie vor auf Tier-Dressuren. „Tiere gehören zum klassischen Zirkus einfach dazu“, sagt Ralf Huppertz, Vorsitzender des Verbands deutscher Circusunternehmen.
Das Tierwohl sei gesichert: „Das Veterinäramt kommt auf jeden Platz und kontrolliert.“ Bundesweit gibt es nach Schätzung von Huppertz noch etwa 250 Zirkus-Unternehmen.

Vor einigen Jahren hat Roncalli alle Tiere abgeschafft.
Foto: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa
Direktor Paul wollte immer ein Clown sein
Roncalli – der offizielle Name lautet seit einiger Zeit Circus-Theater Roncalli – konzentriert sich seit Abschaffung der Tiere noch stärker auf Artisten und natürlich Clowns. Diese bildeten von Anfang an einen Schwerpunkt – wohl auch, weil der Chef ein besonderes Faible dafür hat: „Ich wollte immer ein Clown sein“, sagt Paul, der früher oft selbst als Clown „Zippo“ auftrat.
Der italienische Star-Clown Francesco Caroli spielte bis kurz vor seinem Tod mehrere Jahre bei Roncalli, Weißclown „Gensi“ (Fulgenci Mestres) ist seit mehr als 20 Jahren dabei.
Aus dem Zirkus ist inzwischen längst ein großes Eventunternehmen mit mehreren Standbeinen geworden, etwa dem Düsseldorfer „Apollo“-Varieté. Roncalli veranstaltet Weihnachtsmärkte unter anderem in Hamburg und Hannover sowie Shows mit anderen Künstlern.
Zur Ruhe setzen will der umtriebige Paul sich absehbar nicht. „So lange ich klar denken kann und gesund bin, mache ich weiter“, sagt er. Die Nachfolge ist gesichert: Seine drei Kinder Adrian, Vivian und Lili sind bereits mit im Geschäft und sollen irgendwann ganz in die großen Fußstapfen ihres Vaters treten. (dpa/red)
Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf die Region Moskau sind russischen Angaben zufolge mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Mindestens vier weitere Menschen seien in der Nacht verletzt worden, schrieb der Gouverneur des Moskauer Umlands, Andrej Worobjow, in seinem Telegramkanal.
Darüber hinaus seien mehrere Häuser und Wohnungen beschädigt worden und in Brand geraten. In mehreren Gemeinden seien auch Infrastruktureinrichtungen attackiert worden.
Über 500 Drohnen abgefangen – davon 120 bei Moskau
Russland hat in der Nacht auf Sonntag nach eigenen Angaben mehr als 500 ukrainische Drohnen abgefangen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftabwehr habe über mehr als einem Dutzend russischer Regionen insgesamt 556 Drohnen „abgefangen und zerstört“.
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete am frühen Morgen auf Telegram, in den vergangenen 24 Stunden seien mehr als 120 Drohnen abgeschossen worden.
In der Hauptstadt seien mindestens zwölf Menschen verletzt worden, vor allem Arbeiter in der Nähe einer Ölraffinerie. Mehrere Häuser seien beschädigt worden.
Auch Drohnenangriffe auf Krim gemeldet
Die Ukraine griff in der Nacht auch die russisch besetzte Marinestadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim an und beschädigte nach Behördenangaben mehrere Wohnblocks und Häuser.
Zudem hätten Trümmer einer abgeschossenen Drohne eine Hochspannungsleitung getroffen, wodurch Stromausfälle verursacht worden seien, schrieb der Verwaltungschef der Stadt, Michail Raswoschajew, auf der Plattform Telegram. Das Kraftwerk der Stadt sei nicht getroffen worden.
Insgesamt seien 25 Drohnen über mehreren Stadtteilen und dem Schwarzen Meer abgeschossen worden, schrieb Raswoschajew weiter. Verletzt worden sei nach vorläufigen Informationen niemand.
Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. (dpa/red)
Der aus dem Iran-Krieg abgezogene US-Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ ist nach seinem 326 Tage dauernden Einsatz auf See wieder in den USA angekommen.
Kriegsminister Pete Hegseth nahm den größten Flugzeugträger der Welt am 16. Mai in dessen Heimathafen in Norfolk im US-Bundesstaat Virgina in Empfang, wie die US-Armee im Onlinedienst X mitteilte.
Das Schiff hatte die Golfregion vor rund zwei Wochen verlassen, nachdem es zuvor an Militäreinsätzen gegen den Iran beteiligt war.
Über zehn Monate befand sich die „USS Gerald R. Ford“ auf See. Das ist laut dem Marine-Institut der Vereinigten Staaten die längste Mission eines US-Flugzeugträgers seit Ende des Kalten Krieges.
Nun sind noch zwei Flugzeugträger im Nahen Osten
Der Flugzeugträger war vor seinem Einsatz im Irankrieg bereits in der Karibik im Kampf gegen Drogenschmuggelboote im Einsatz. Auch bei der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar wurde er genutzt. Mitte Februar beorderte US-Präsident Donald Trump die „USS Gerald R. Ford“ in die Golfregion.
Im März war auf dem Schiff in einem Waschraum ein Feuer ausgebrochen, bei dem zwei Matrosen verletzt wurden. Außerdem traten Probleme mit den Sanitäranlagen auf. US-Medien berichteten von verstopften Toiletten und langen Schlangen vor den Sanitäranlagen.
Nach US-Angaben vom vergangener Woche sind mit der „USS Abraham Lincoln“ und der „USS George Bush“ noch zwei US-Flugzeugträger in der Golfregion stationiert, sowie etwa 20 weitere Schiffe der US-Marine. (afp/red)












































