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Weltweite Lebensmittelpreise steigen durch Wetter und Transportprobleme


In Kürze:

  • Weltweite Lebensmittelpreise steigen im September um 1,5 Prozent.
  • Getreide und Zucker treiben den Anstieg, Weizen verteuert sich um 6,3 Prozent.
  • El Niño und logistische Probleme erhöhen die Unsicherheit an den Agrarmärkten.

 
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) teilte Anfang Oktober mit, dass die weltweiten Lebensmittelpreise im September angesichts von Transportstörungen im Schwarzen Meer, Unsicherheiten beim Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und ungünstigen Wetterbedingungen gestiegen seien.
Der FAO-Lebensmittelpreisindex, der die monatlichen Veränderungen der internationalen Preise für einen Korb weltweit gehandelter Lebensmittelrohstoffe erfasst, lag im September bei durchschnittlich 136 Punkten.
Das entspreche einem Anstieg von 1,5 Prozent gegenüber dem revidierten Augustwert und einem Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, so die Organisation.
Der FAO-Bericht erschien zu einem Zeitpunkt, an dem die globalen Agrarmärkte weiterhin mit geopolitischen und wetterbedingten Risiken konfrontiert sind.

Geopolitik setzt Lebensmittelmärkte unter Druck

Russland und die Ukraine haben ihre Angriffe auf die Infrastruktur des jeweils anderen in den vergangenen Monaten verstärkt, darunter auch auf Getreideterminals in der Schwarzmeerregion.
Russland ist der weltweit größte Weizenexporteur, während die Ukraine weiterhin zu den weltweit größten Getreideproduzenten gehört. Damit ist die Region ein wichtiger Lieferant für die internationalen Getreidemärkte. Gleichzeitig bestehen weiterhin Sorgen über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel.
Unter normalen Bedingungen werden über diesen Korridor etwa ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels, rund 35 Prozent der weltweiten Seetransporte von Rohöl und etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas abgewickelt.
„Wir beobachten einen anhaltenden und zunehmend breit angelegten Anstieg der weltweiten Rohstoffpreise, da Störungen in der Straße von Hormus und im Schwarzen Meer mit Klimaschocks zusammentreffen und dadurch Energie, Transport und wichtige Lebensmittelrohstoffe unter Druck geraten“, sagte FAO-Chefökonom Maximo Torero.
„Wenn diese Belastungen anhalten, werden sie sich bald auf die Verbraucherpreise für Lebensmittel auswirken, insbesondere in Ländern, die von Lebensmittel- und Energieimporten abhängig sind“, so Torero.

Getreide und Zucker treiben den Anstieg

Getreide war für einen großen Teil des Anstiegs im September verantwortlich.
Die FAO teilte mit, dass die internationalen Weizenpreise gegenüber August um 6,3 Prozent gestiegen seien. Grund dafür seien Einschränkungen beim Transport in der Schwarzmeerregion sowie trockenes Wetter in Teilen Nordamerikas vor der Aussaat von Winterweizen.
Die Maispreise stiegen um 5,6 Prozent. Gründe dafür seien laut FAO Sorgen über die Aussichten für die US-Produktion, ein geringeres Exportangebot aus Brasilien und die anhaltenden Störungen des Handels über das Schwarze Meer. Auch die Unsicherheit über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus habe die Maispreise gestützt, teilte die Organisation mit.
Zucker verzeichnete unter den wichtigsten Rohstoffgruppen den stärksten monatlichen Anstieg und verteuerte sich um 6,1 Prozent.
Die FAO führte den Anstieg auf Erwartungen eines knapperen weltweiten Angebots in der Saison 2026/27 zurück. Genannt wurden niedrigere Produktionsprognosen für Thailand, Sorgen über die indischen Ernten aufgrund unterdurchschnittlicher Niederschläge und eines stärker werdenden El Niño, übermäßige Niederschläge in der brasilianischen Hauptanbauregion im Zentrum und Süden des Landes sowie eine geringere Zuckerrübenaussaat in der Europäischen Union.
Rückläufig waren dagegen unter anderem die Fleischpreise: Der Fleischpreisindex fiel um 1,1 Prozent. Laut FAO gingen die Preise für Schweine- und Geflügelfleisch angesichts eines reichlichen Exportangebots zurück. Die Preise für brasilianisches Rindfleisch stiegen aufgrund einer stärkeren US-Importnachfrage, während die Preise für Schaffleisch weitgehend stabil blieben.

El Niño erhöht die Unsicherheit

Laut einem separaten, von der FAO unterstützten Bericht vom 2. Oktober erhöhen höhere Frachtraten, gestiegene Düngemittelpreise und anhaltende logistische Störungen die Unsicherheit auf den globalen Agrarmärkten.
Zudem schaffe dem Bericht zufolge ein stärker werdendes El-Niño-Wettermuster zusätzliche Unsicherheit für die Pflanzenproduktion, insbesondere für die Reisproduktion in Süd- und Südostasien.
Die weltweiten Erträge beim Reis lägen während El-Niño-Ereignissen typischerweise 1 bis 1,5 Prozent unter ihrem langfristigen Trend. Die Erträge von Weizen und Mais blieben im Allgemeinen nahe am Trend, während die Sojabohnenerträge häufig 1,5 bis 2 Prozent über dem Trend lägen.
Trotz zunehmender Sorgen über Wetter und Logistik teilte die Weltbank in ihrem am 28. September veröffentlichten „Food Security Update“ mit, dass die globalen Lebensmittelmärkte insgesamt stabil blieben und die Lebensmittelversorgung im Allgemeinen ausreichend sei.
Die Weltbank fügte hinzu, dass sich die El-Niño-Bedingungen voraussichtlich bis Ende 2026 verstärken und bis Anfang 2027 anhalten würden. Dadurch steige das Risiko extremer Wetterereignisse, die die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen könnten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Global Food Prices Climb as Shipping Snarls, Dry Weather Bites: UN“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Lebensmittelpreise steigen weltweit: Das sind die Gründe


In Kürze:

  • Weltweite Lebensmittelpreise sind im September um 1,5 Prozent gestiegen.
  • Getreide und Zucker treiben den Anstieg, Weizen verteuert sich um 6,3 Prozent.
  • El Niño und logistische Probleme erhöhen die Unsicherheit an den Agrarmärkten.

 
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) teilte Anfang Oktober mit, dass die weltweiten Lebensmittelpreise im September angesichts von Transportstörungen im Schwarzen Meer, den Unsicherheiten beim Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und ungünstigen Wetterbedingungen gestiegen seien.
Der FAO-Lebensmittelpreisindex, der die monatlichen Veränderungen der internationalen Preise für einen Korb weltweit gehandelter Lebensmittelrohstoffe erfasst, lag im September bei durchschnittlich 136 Punkten.
Das entspreche einem Anstieg von 1,5 Prozent gegenüber dem revidierten Augustwert und einem Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, so die Organisation.
Der FAO-Bericht erschien zu einem Zeitpunkt, an dem die globalen Agrarmärkte weiterhin mit geopolitischen und wetterbedingten Risiken konfrontiert sind.

Geopolitik setzt Lebensmittelmärkte unter Druck

Russland und die Ukraine haben ihre Angriffe auf die Infrastruktur des jeweils anderen in den vergangenen Monaten verstärkt, darunter auch auf Getreideterminals in der Schwarzmeerregion.
Russland ist der weltweit größte Weizenexporteur, und auch die Ukraine gehört zu den größten Getreideproduzenten der Welt. Damit ist die Region ein wichtiger Lieferant für die internationalen Getreidemärkte. Gleichzeitig bestehen weiterhin Sorgen über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel.
Unter normalen Bedingungen werden über diesen Korridor etwa ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels, rund 35 Prozent der weltweiten Seetransporte von Rohöl und etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas abgewickelt.
„Wir beobachten einen anhaltenden und zunehmend breit angelegten Anstieg der weltweiten Rohstoffpreise, da Störungen in der Straße von Hormus und im Schwarzen Meer mit Klimaschocks zusammentreffen und dadurch Energie, Transport und wichtige Lebensmittelrohstoffe unter Druck geraten“, sagte FAO-Chefökonom Máximo Torero.
„Wenn diese Belastungen anhalten, werden sie sich bald auf die Verbraucherpreise für Lebensmittel auswirken, insbesondere in Ländern, die von Lebensmittel- und Energieimporten abhängig sind“, so Torero.

Weizen, Mais und Zucker deutlich teurer

Getreide war für einen großen Teil des Anstiegs im September verantwortlich.
Die FAO teilte mit, dass die internationalen Weizenpreise gegenüber August um 6,3 Prozent gestiegen seien. Grund dafür seien Einschränkungen beim Transport in der Schwarzmeerregion sowie trockenes Wetter in Teilen Nordamerikas vor der Aussaat von Winterweizen.
Die Maispreise stiegen um 5,6 Prozent. Gründe dafür seien laut FAO Sorgen über die Aussichten für die US-Produktion, ein geringeres Exportangebot aus Brasilien und die anhaltenden Störungen des Handels über das Schwarze Meer. Auch die Unsicherheit über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus habe die Maispreise gestützt, teilte die Organisation mit.
Zucker verzeichnete unter den wichtigsten Rohstoffgruppen den stärksten monatlichen Anstieg und verteuerte sich um 6,1 Prozent.
Die FAO führte den Anstieg auf Erwartungen eines knapperen weltweiten Angebots in der Saison 2026/27 zurück. Genannt wurden niedrigere Produktionsprognosen für Thailand, Sorgen über die indischen Ernten aufgrund unterdurchschnittlicher Niederschläge und eines stärker werdenden El Niño, übermäßige Niederschläge in der brasilianischen Hauptanbauregion im Zentrum und Süden des Landes sowie eine geringere Zuckerrübenaussaat in der Europäischen Union.
Rückläufig waren dagegen unter anderem die Fleischpreise: Der Fleischpreisindex fiel um 1,1 Prozent. Laut FAO gingen die Preise für Schweine- und Geflügelfleisch angesichts eines reichlichen Exportangebots zurück. Die Preise für brasilianisches Rindfleisch stiegen aufgrund einer stärkeren US-Importnachfrage, während die Preise für Schaffleisch weitgehend stabil blieben.

El Niño erhöht die Unsicherheit

Laut einem separaten, von der FAO veröffentlichten Bericht vom 2. Oktober verstärken höhere Frachtraten, gestiegene Düngemittelpreise und anhaltende logistische Störungen die Unsicherheit auf den globalen Agrarmärkten.
Zudem schaffe dem Bericht zufolge ein stärker werdendes El-Niño-Wettermuster zusätzliche Unsicherheit für die Pflanzenproduktion, insbesondere für die Reisproduktion in Süd- und Südostasien.
Die weltweiten Reiserträge lägen während El-Niño-Ereignissen typischerweise 1 bis 1,5 Prozent unter ihrem langfristigen Trend. Die Erträge von Weizen und Mais blieben im Allgemeinen nahe am Trend, während die Sojabohnenerträge häufig 1,5 bis 2 Prozent über dem Trend lägen.
Trotz zunehmender Sorgen über Wetter und Logistik teilte die Weltbank in ihrem am 28. September veröffentlichten „Food Security Update“ (Lagebericht zur Ernährungssicherheit) mit, dass die globalen Lebensmittelmärkte insgesamt stabil blieben und die Lebensmittelversorgung im Allgemeinen ausreichend sei.
Die Weltbank fügte hinzu, dass sich die El-Niño-Bedingungen voraussichtlich bis Ende 2026 verstärken und bis Anfang 2027 anhalten würden. Dadurch steige das Risiko extremer Wetterereignisse, die die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen könnten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Global Food Prices Climb as Shipping Snarls, Dry Weather Bites: UN“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Zuckersteuer – wer bezahlt, wie viel und wofür genau?


In Kürze

  • 650 Millionen Euro soll die geplante Zuckersteuer einbringen.
  • Die Regierung hofft, dass Hersteller ihre Rezepturen ändern und den Zuckergehalt senken.
  • Die Einnahmen sollen finanziellen Spielraum für den Bund schaffen.
  • Noch ist offen, welche Getränke tatsächlich erfasst werden.
  • Auch Haferdrinks, Fertigkaffees und Biermischgetränke könnten betroffen sein.
  • Eine Steuer auf zuckerfreie Zero- und Light-Getränke soll es nicht geben.

 
650 Millionen Euro soll die geplante Zuckersteuer im Jahr 2027 in die Staatskasse bringen. So lautet die Prognose von der ehemaligen Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU).
Im Frühjahr 2026 noch plante die Bundesregierung eine „Abgabe auf zuckergesüßte Getränke“ ab 2028. Das geht aus den Eckwerten für den Bundeshaushalt 2027 und den Finanzplan bis 2030 hervor, die das Bundeskabinett am 29. April beschlossen hatte. Auch die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage im Bundestag vom Juni spricht noch ausdrücklich von einer „Zuckerabgabe“.

Abgabe oder Steuer?

Die von Warken eingesetzte Finanzkommission Gesundheit hatte zuvor ein Modell für eine solche Abgabe vorgeschlagen, dessen Einnahmen zur Entlastung des Gesundheitsfonds und zur Finanzierung von Präventionsmaßnahmen beitragen sollten.
Danach sollten Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter unbelastet bleiben. Für fünf bis unter acht Gramm waren 26 Cent je Liter vorgesehen, ab acht Gramm 32 Cent. Der Steuersatz steigt stufenweise mit dem Zuckergehalt des Getränks. Je mehr Zucker also ein Getränk enthält, desto teurer wird es.
Das soll den Anreiz für Hersteller bieten, ihre Rezepturen zu überarbeiten und den Zuckergehalt zu reduzieren. Für Verbraucher soll dadurch die Variante mit weniger Zucker attraktiver werden.
Die Kommission rechnete, zusätzlich zu den Steuereinnahmen, mit langfristigen Einsparungen bei den Krankenkassen, weil weniger Zuckerkonsum Krankheiten und damit Behandlungskosten reduzieren könnte.
Der ursprüngliche Gedanke war damit klar: Die Abgabe sollte das Verhalten der Hersteller und Verbraucher beeinflussen und zugleich direkt die gesetzliche Krankenversicherung finanziell entlasten.

Was aus den Einnahmen wird

Inzwischen ist die ursprüngliche Zuckerabgabe vom Tisch, ersetzt vom Finanzministerium durch eine neue Steuer. Statt einer zweckgebundenen Abgabe soll nun eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt werden – und zwar bereits 2027 statt, wie ursprünglich vorgesehen, ab 2028.
Im Unterschied zu einer zweckgebundenen Abgabe sind Steuereinnahmen grundsätzlich nicht an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden. Auch das Aufkommen aus einer Zuckersteuer kann deshalb prinzipiell zur Finanzierung staatlicher Ausgaben verwendet werden.
Das Bundesfinanzministerium bezeichnet dieses Prinzip als Gesamtdeckungsprinzip: Steuereinnahmen dienen der Finanzierung der staatlichen Ausgaben, ohne dass „bestimmte Einnahmen für spezielle Zwecke reserviert“ sind.
Wie das Geld im konkreten Fall eingesetzt werden soll, geht inzwischen aus einer Bundestags-Drucksache hervor. Dort heißt es, der durch die Erhebung einer „Lenkungssteuer auf zuckergesüßte Getränke“ entstehende „finanzielle Spielraum“ solle genutzt werden, um die vorgesehene Absenkung des Bundeszuschusses an den Gesundheitsfonds zu verringern.
Vereinfacht gesagt: Die Zuckersteuer bringt dem Staat zusätzliches Geld. Die Millionen aus der Zuckersteuer fließen damit nicht als zusätzlicher, zweckgebundener Betrag in den Gesundheitsfonds.
Stattdessen kann der Bund damit die ursprünglich geplante Kürzung seines Zuschusses an die gesetzliche Krankenversicherung kleiner ausfallen lassen. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bekommt dadurch mehr Geld, als sie bei der zunächst vorgesehenen Kürzung bekommen hätte.
Der Start soll auch bereits im nächsten Jahr erfolgen. Für dieses erste Jahr rechnet die Bundesregierung mit 650 Millionen Euro Steueraufkommen. Ab 2028 sollen es noch etwa 450 Millionen Euro jährlich sein. Als Grund für den Rückgang wird angegeben, dass die Getränkehersteller ihre Rezepturen verändern und den Zuckergehalt senken werden.

Wer zahlt die Zucker-Zeche?

Nach dem Modell der Finanzkommission sollte die Abgabe beim Hersteller ansetzen. Das war ausdrücklich so vorgesehen, damit die Steuer nicht nur Geld einbringt, sondern die Hersteller zu einer Änderung ihrer Rezepturen bewegt werden.
Wer weniger Zucker einsetzt, zahlt entsprechend weniger. Wer die Steuer am Ende wirtschaftlich trägt, ist eine andere Frage. Gibt ein Hersteller die Kosten über den Verkaufspreis weiter, findet der Kunde die neue Zusatzbelastung auf seinem Supermarktbon wieder.
In anderen Ländern mit einer ähnlichen Gesetzgebung wurde ein solcher Lenkungseffekt bereits beobachtet. In Großbritannien etwa sank nach Einführung der dortigen Abgabe auf Limonaden und Süßgetränke sank der Anteil der Getränke mit mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter deutlich. Zugleich ging der durchschnittliche Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken zurück.
Allerdings wurde die Abgabe vielfach an die Verbraucher abgegeben. Am Tag der Einführung kam es zu einer sprunghaften Preiserhöhung von Getränken mit viel Zucker.
Durchschnittlich kosteten diese 4,9 Pence (etwa 5,7 Cent) pro 100 Milliliter mehr als vorher. Die Abgabe kostete die Hersteller allerdings nur 2,4 Pence pro 100 Milliliter, was einer Weitergabequote von 204 Prozent entsprach.

Welche Getränke sind gemeint?

Noch ist auch der Umfang der von der Steuer betroffenen Produkte nicht festgelegt. Ein im August bekannt gewordenes Arbeitspapier des Bundesfinanzministeriums ging deutlich über die Besteuerung zuckeriger Limonaden hinaus.
Darin wurden unter anderem Nektare, Smoothies, Haferdrinks, Fertigkaffees, Biermischgetränke sowie Getränke mit Zucker oder Süßungsmitteln genannt.
100-prozentige Fruchtsäfte und reine Milch sollten dem Papier zufolge ausgenommen werden. Wellen schlug der Vorschlag, auch zuckerfreie Getränke mit Süßungsmitteln einzubeziehen.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ruderte an diesem Punkt zurück: Eine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke werde es nicht geben. Das Papier aus seinem Ministerium sei lediglich ein interner Arbeitsstand und weder politisch geeint noch beschlossen.
Mit einer Zuckersteuer wäre Deutschland weder Einzel- noch Sonderfall: In über 100 Ländern gibt es so etwas wie eine Limo-Abgabe – etwa in Großbritannien, Frankreich, Ungarn oder Südafrika.
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Zuckerabgabe: Viele Limo-Hersteller müssten zur Vermeidung Rezeptur stark verändern

Sollte eine Zuckersteuer nach britischem Vorbild auch in Deutschland kommen, könnte der Zuckergehalt in vielen bei Kindern beliebten Getränken um fast die Hälfte sinken.
Wie ein Marktcheck der Verbraucherorganisation Foodwatch von zehn Produkten wie Fanta, Durstlöscher und Capri-Sun ergab, enthalten die Trinkpäckchen, Dosen und Flaschen aktuell im Schnitt zehn Zuckerwürfel. Die Bundesregierung plant ab 2028 eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke.
Im Gespräch ist eine gestaffelte Abgabe nach britischem Vorbild. Dort hatten Hersteller oftmals ihre Zutaten angepasst, um die Abgabe nicht zahlen zu müssen.
Nach Empfehlung einer von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission zur Krankenkassenreform könnte hierzulande eine Abgabe von umgerechnet 26 Cent pro Liter fällig werden, wenn Getränke mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten, wie Foodwatch erklärte. Enthalten sie mehr als acht Gramm Zucker, müssen die Hersteller 32 Cent bezahlen.
Davon ausgehend errechnete Foodwatch, wie stark Hersteller in Deutschland den Zuckergehalt ihrer Getränke zur Vermeidung der Abgabe senken müssten.
Das 500-Milliliter-Trinkpäckchen Durstlöscher enthält demnach 60 Gramm Zucker oder 20 Zuckerwürfel – um der Abgabe zu entgehen, müsste der Produzent den Gehalt um mehr als die Hälfte auf 24,5 Gramm oder acht Würfel pro Päckchen reduzieren.
Fanta müsste der Berechnung zufolge neun Gramm weniger Zucker in seiner 330-Milliliter-Dose verwenden, um keine Zuckersteuer zahlen zu müssen. Capri-Sun Orange müsste dafür pro 200-Milliliter-Trinkpäckchen sechs Gramm Zucker einsparen.
Foodwatch fordert seit langem eine Zuckerabgabe für Getränke. „Die Zuckersteuer ist eine Wohltat für die Kindergesundheit“, erklärte am Freitag Luise Molling von Foodwatch. „Die Steuer muss jetzt schnellstmöglich und ohne Verwässerungen der Limo-Lobby umgesetzt werden.“(afp/red)
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Das Zucker-Paradoxon: Warum Süßes den Geist beruhigt, aber den Körper stresst

In Kürze:

  • Zucker beruhigt nur das Gehirn, lässt den Körper aber unbemerkt unter Stress.
  • Der Blutzuckeranstieg und -abfall löst eine doppelte hormonelle Stressreaktion aus.
  • Das System schaltet fälschlicherweise auf Aktivität statt auf echte Erholung.
  • Dieser Kreislauf führt langfristig zu chronischem Heißhunger und höheren Krankheitsrisiken.

Es ist der weltweit am meisten akzeptierte Bewältigungsmechanismus: Nach einem langen Arbeitstag greifen wir zu heißer Schokolade, brechen eine Stück Schokolade ab oder öffnen ein zuckerhaltiges Getränk – und fühlen uns tatsächlich besser.
Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich zwar das Gehirn ruhiger anfühlt, der Körper aber im Hintergrund weiter unter Stress steht.

Die Versuchsanordnung

Wie stark signalisiert Zucker Erholung und was passiert tatsächlich im Körper? Das untersuchte eine neue Studie im International Journal of Psychophysiology an 94 gesunden Erwachsenen.
Die Forscher teilten die Teilnehmer per Zufall in vier Gruppen ein: Glukose plus Massage, Glukose plus Ruhe, Wasser plus Massage oder Wasser plus Ruhe. Als Finale mussten alle eine Aufgabe zur anhaltenden Aufmerksamkeit lösen.

Die Zucker-Dosis

Das verabreichte Glukosegetränk enthielt 75 Gramm in Wasser aufgelöste Glukose – eine massive Zuckermenge, die etwa zwei Dosen Limonade oder etwa 20 Teelöffeln Zucker entspricht.
Während des gesamten Experiments überwachten die Wissenschaftler den Blutzucker, den Blutdruck, die Herzaktivität sowie die körpereigenen Signale aus dem Wachsamkeits- und dem Entspannungssystem.
Die Blutzuckermessung erfolgte vor dem Getränk, vor der Entspannungsphase und direkt vor dem Aufmerksamkeitstest.

Das verblüffende Ergebnis

Zwar wirkten Massage und Ruhephase wie erwartet – die Teilnehmer fühlten sich spürbar gelöster und ihre Körper zeigten klare Entspannungszeichen.
Doch bei der Glukose-Gruppe gab es einen Haken: Ein Teil des körpereigenen Wachsamkeitssystems kam einfach nicht vollständig zur Ruhe. Das eindeutige Signal der Daten: Zucker kann den Körper aktiv daran hindern, sich vollkommen zu entspannen.
„Zucker leiht sich einen Moment der Ruhe vom Dopaminsystem und belastet damit die Stoffwechselgesundheit“, sagte Grant Antoine, Naturheilkundler und klinischer Leiter für Präzisionsernährung bei Viome über die Studienergebnisse, gegenüber Epoch Times.
Während das Gehirn ein Gefühl des Wohlbefindens registriert, kann im Körper im Hintergrund weiterhin eine Stressreaktion ablaufen.

Ruhe ist nicht gleich Ruhe: Die Belohnungs-Illusion

Das empfundene Wohlbefinden nach dem Zuckerkonsum entspringt einer Täuschung: Es wird primär vom Belohnungssystem des Gehirns gesteuert – und eben nicht von einer echten Entspannungsreaktion des gesamten Körpers.
„Die Ruhe, die Menschen durch Zucker empfinden, ist ein neurochemischer Vorgang im Belohnungssystem“, sagte Antoine, der nicht an der Studie beteiligt war.
Dieses Gefühl der Ruhe erstrecke sich jedoch keineswegs auf das Herz-Kreislauf- und Nervensystem oder auf die Stresshormone. Diese blieben im Hintergrund weiterhin aktiv.
„Deshalb kann ein zuckerhaltiger Snack die Wirkung von Atemübungen oder Meditation stillschweigend zunichte machen“, sagt Antoine.
Während das Gehirn im Moment ein Gefühl des Wohlbefindens registriere, „hört der Körper nie auf, sein Stressprogramm ablaufen zu lassen“.

Das physiologische Paradoxon

Glukose kurbelt die Stressaktivität aktiv an und macht es in der Studie dem Körper extrem schwer, herunterzufahren – selbst während einer tiefenentspannenden Maßnahme wie einer Massage.
Kara Seidman, Ernährungswissenschaftlerin und Leiterin für Partnerschaften bei Resbiotic Nutrition, brachte das Problem gegenüber Epoch Times auf den Punkt: „Dies deutet auf eine Diskrepanz zwischen gefühlter Ruhe und tatsächlichem physiologischem Stress hin.“

Zucker sendet dem Körper ein Stresssignal

Der Körper reagiert auf das, was sich in seinem Blutkreislauf befindet. „Ein Zuckeranstieg an sich ist ein Stressor“, betont Antoine.
Ein steigender Blutzuckerspiegel aktiviert die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion des Körpers, jagt die Herzfrequenz nach oben und treibt den Blutdruck in die Höhe.
„Normalerweise beobachten wir diese Veränderungen nur in Zeiten erhöhten Stresses, wie zum Beispiel beim Sport, aber die Studie zur menschlichen Reaktion auf Glukose hat gezeigt, dass dies sogar in Ruhe geschieht“, fügte er hinzu.
Doch was auf diesen rasanten Anstieg folgt, ist oft noch schlimmer: Sobald der Blutzucker unter den Ausgangswert fällt, schaltet der Körper auf Notfallmodus.
Zur Kompensation schüttet er massiv Cortisol und Adrenalin aus – beides Stresshormone. Antoines Fazit ist: „Eine einzige Dosis Zucker kann tatsächlich zwei Stressreaktionen auslösen: eine beim Anstieg und eine beim Abfall.“

Der Faktor Kontext

Dabei gibt es keinen universellen Grenzwert, ab wie viel Gramm der Blutzucker wie oben beschrieben eskaliert. Der Effekt ist extrem abhängig von Dosis und Kontext.
Ob und wie stark das System anspringt, bestimmen Faktoren wie die restliche Nahrungsaufnahme, die individuelle Insulinsensitivität, das aktuelle Aktivitätsniveau und bereits vorhandener Stress.
Wer Zucker direkt vor einem ohnehin stressigen Ereignis konsumiert, verstärkt die hormonelle Stressreaktion des Körpers mit großer Wahrscheinlichkeit noch zusätzlich.
Zum Kontext der aktuellen Untersuchung: In der Studie wurde eine Glukosedosis verwendet, die exakt der Menge eines oralen Glukosetoleranztests entspricht – eine große, schnell resorbierte Zuckermenge, die den Blutzuckerspiegel bewusst extrem ansteigen lassen soll. Vergleichsstudien zu Zuckermengen in verschiedenen Snacks und Lebensmitteln sind bisher noch ausständig.

Der Härtetest im Labor

In einer Studie wiesen Personen, die vor einem sozialen Stresstest – wie dem Halten einer Rede oder dem lauten Kopfrechnen – Glukose zu sich nahmen, einen stärkeren Cortisolanstieg auf als diejenigen, die dies nicht taten.
Personen mit bereits belastetem Stresssystem sind von diesem Effekt möglicherweise am stärksten betroffen. Dazu gehören Menschen mit
  • chronischem Stress,
  • Schlafmangel,
  • Burn-out.
Bei diesen Personen steigt der Cortisolspiegel tendenziell noch stärker an und bleibt zudem länger erhöht.

Das biologische Missverständnis

Auf biologischer Ebene signalisiert ein hoher Blutzuckerspiegel dem Organismus, dass sofort Energie verfügbar ist.
Das bedeutet für das System: Die aktuellen Bedingungen laden eher zum Handeln als zur Ruhe ein. Das Gehirn reagiert prompt auf dieses Signal und versetzt den Körper in einen wachen, bereiten Zustand.

Warum wir unter Stress nach Zucker verlangen

Mehrere biologische und psychologische Faktoren treiben uns in Stresssituationen direkt in Richtung Zucker:
  • Cortisol steigert laut Untersuchungen den Appetit und weckt gezielt das Verlangen nach kalorienreichen Lebensmitteln.
  • Stress erhöht den Spiegel von Ghrelin (dem Hungerhormon), was den Drang zu essen verstärkt.
  • Chronischer Stress kann das Gehirn zudem gegenüber Leptin (dem Hormon, das Sättigung signalisiert) laut Untersuchungen „teilweise taub“ machen.
Das bittere Ergebnis der hormonellen Kettenreaktion: „Man ist also hungriger als normal und weniger in der Lage zu erkennen, wann man genug gegessen hat.“

Die kurzfristige Täuschung im Stresssystem

Dabei wirkt Zucker im ersten Moment tatsächlich und sorgt vorübergehend für Linderung. Studien zeigen, dass er die Stressreaktion dämpfen kann, indem er die Aktivität der HPA-Achse unterdrückt. Das ist der Teil des Stresssystems, der uns bei anhaltendem Stress wachsam und voller Energie hält.
Dieser beruhigende Effekt ist jedoch nur von kurzer Dauer. Die Linderung hält nur kurz an, bevor der Kreislauf wieder von vorn beginnt und eine weitere Dosis verlangt, so Antoine.
Zucker wird zudem selten isoliert konsumiert. Er wird oft mit beruhigenden Aktivitäten kombiniert, wie zum Beispiel:
  • Sich hinsetzen
  • Etwas anschauen
  • Zeit mit anderen verbringen
Diese Kombination verstärkt das Gefühl der Erleichterung zusätzlich. Da Zucker den Stress – wenn auch nur kurzzeitig – abschwächt, greift man beim nächsten Mal, wenn man sich überfordert fühlt, eher wieder danach. Dieses Verlangen, sagt Antoine, kehrt jedes Mal stärker zurück.

Die Stressfalle: Kurze Erleichterung durch Zucker verstärkt das Verlangen beim nächsten Mal.

Foto: Doucefleur/iStock

Die langfristigen Folgen: Der hormonelle Push-Pull-Effekt

Mit der Zeit fordert dieser Kreislauf seinen Tribut. Wird Zucker wiederholt zur Stressbewältigung eingesetzt, können sowohl Insulin als auch Cortisol gleichzeitig ansteigen.
Das führt zu einem gefährlichen Push-Pull-Effekt: Ein Hormon versucht, Energie zu speichern, während das andere versucht, sie im Kreislauf zu halten.
Dieses Chaos im Hormonsystem hat langfristig ernste Konsequenzen für den Organismus:
  • Insulinresistenz: Zellen können weniger empfindlich auf Insulin reagieren.
  • Entzündungen: Ein anhaltend erhöhter Blutzuckerspiegel kann zu Entzündungen im Körper beitragen.
  • Krankheitsrisiken: Das Risiko für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen steigt.
Dr. Deepak Bhatt, interventioneller Kardiologe und Direktor des Mount Sinai Fuster Heart Hospital, erklärte dazu gegenüber The Epoch Times: Zuckerhaltige Getränke, Fast Food wie Burger und Pommes, Pizza und Desserts enthalten in der Regel leere Kalorien und ungesunde Fette.
Wenn dieses Stressessen zur Gewohnheit wird, kann es zudem zu einer Gewichtszunahme führen – einem weiteren wichtigen Risikofaktor für Diabetes und Herzerkrankungen.

Kein Grund für Schuldgefühle – aber für Bewusstsein

Das bedeutet jedoch nicht, dass man Zucker komplett weglassen muss – oder sich schuldig fühlen sollte, wenn man von Zeit zu Zeit danach greift. Der Trost, den Zucker bietet, ist real, aber eben nur teilweise, und hat einen hohen Preis.
Zu verstehen, wie Zucker sowohl das Gehirn als auch den Körper beeinflusst, kann Menschen helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen – insbesondere in stressigen Zeiten.
Denn sich besser zu fühlen, bedeutet nicht nur momentanen Trost. Es geht vor allem darum, dem Körper zu ermöglichen, vollständig in einen echten Ruhezustand zurückzukehren.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Why Sugar Makes You Feel Calmer but Your Body More Stressed“. (deutsche Bearbeitung: vm)