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Veränderungen im Supermarkt: Die Krise der großen Marken

Ob Cola, Schokolade oder Ketchup: In Regalen von Supermärkten und Discountern stehen Markenprodukte und die preisgünstigeren Eigenmarken der Händler häufig nebeneinander.
Abgestimmt wird an der Kasse. Das Ergebnis war eindeutig: Während Umsatz und Absatz von Eigenmarken 2025 zulegten, taten sich Herstellermarken schwer. Deren Umsatz stieg nur wegen der gestiegenen Preise, die verkaufte Menge sank. Das zeigen Zahlen des Marktforschungsinstituts YouGov.

Das Besondere ging verloren

Verbraucher schauen beim Einkaufen derzeit stark auf die Preise und greifen deshalb häufig zu Eigenmarken wie Ja, Milsani oder Gut & Günstig.
„Die großen Herstellermarken sind austauschbarer geworden“, schreibt Marktforscher Robert Kecskes in einem aktuellen YouGov-Report. 15 der 17 reichweitenstärksten Dachmarken haben 2025 demnach Käufer verloren. Bei dem Besonderen, das sie im Kern ausmachen sollte, seien sie teilweise hinter andere Marken zurückgefallen, so Kecskes.
Laut YouGov sind 57 Prozent der Konsumenten Marken wichtig, mit zunehmendem Alter immer weniger. Jüngere hingegen unterscheiden oft kaum noch und sehen Eigenmarken vielfach auf dem gleichen Niveau wie Herstellermarken.
Die Grenzen verschwimmen Marktforschern zufolge. Einige Eigenmarken wie Balea, Isana oder dm Bio seien in der Wahrnehmung der Kunden bereits reguläre Marken. Wenn keine qualitativen Unterschiede mehr gesehen würden, bleibe als Differenzierungsmerkmal nur noch der Preis, sagte Kecskes.
Es sei wichtig, Marken wieder eine Seele zu geben, so der Marktforscher. Nur so ließen sich Konsumenten überzeugen, einen höheren Preis zu bezahlen. Vor allem Jüngere suchten nach einer Kommunikation, in der die Marke ihre Bedürfnisse ernst nehme. Als Positivbeispiele nennt er die Marken Fritz-Kola, Gustavo Gusto, Koro oder More Nutrition.

Hohe Preise schaden dem Image der Marken

Das Image vieler Markenhersteller hat laut YouGov Schaden erlitten – vor allem durch gestiegene Preise, die viele Verbraucher als unverschämt empfinden. Eigenmarken – auch Handelsmarken genannt – sind zwar ebenfalls teurer geworden, aber nach wie vor günstiger. Zudem ähneln sie bekannten Marken vielfach stark und das oft nicht nur geschmacklich.
In den Augen der Verbraucher sind Eigenmarken oft nicht schlechter. Viele sehen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Laut YouGov stieg der Marktanteil der Eigenmarken zwischen 2021 und 2025 von 41 auf 47 Prozent – so viel wie noch nie. Marktforscher sehen noch mehr Potenzial.
Eigenmarkenprodukte landen immer häufiger im Einkaufskorb der Kunden.

Eigenmarkenprodukte landen immer häufiger im Einkaufskorb der Kunden.

Foto: Thomas Banneyer/dpa

Starker Zuwachs bei Butter, Kaffee und Schokolade

Den höchsten Eigenmarkenanteil haben laut YouGov Kategorien wie Fleisch, Wurst und Geflügel, Papierwaren wie Toilettenpapier oder Papierservietten und Konserven. Am stärksten gewachsen ist der Anteil zuletzt bei Nahrungsfetten wie Butter und Ölen, Heißgetränken wie Kaffee und Süßwaren wie Tafelschokolade.
Viele Markenartikel kaufen Verbraucher hingegen oft nur noch im Angebot – besonders Kaffee, Sekt, Tiefkühlpizzen, Windeln und Tafelschokolade. Fast ein Drittel des Umsatzes mit Markenprodukten wurde 2024 im Sonderangebot erzielt.
Das Dilemma für Händler: Eine treue Käuferschaft, die das Produkt regelmäßig und auch zum Normalpreis kauft, entsteht dadurch nicht.
„Ohne die Promotion würden die Shopper nicht mehr bei der Stange bleiben“, schreibt Kecskes. Außer dem Sonderpreis hätten sie oft nicht mehr viel, was sie besonders mache.
Auf manche Marken können Händler dennoch kaum verzichten – wie etwa Nutella, Coca-Cola, Red Bull oder Kellogg’s. Kunden erwarten, dass diese Produkte angeboten werden – sonst kaufen sie woanders ein.

Rewe-Chef: Markenartikel müssen Mehrwert haben

Rewe-Chef Lionel Souque sagte bereits 2024, Markenartikel müssten einen Mehrwert haben. „Die Leute sind nicht bereit, nur wegen der Marke das Doppelte zu bezahlen.“
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten kauften Verbraucher nicht einfach nur ein Produkt, sondern Verlässlichkeit, sagt Markenverbands-Hauptgeschäftsführer Patrick Kammerer. Eine starke Marke entstehe durch dauerhaft eingelöstes Vertrauen – nicht durch einen günstigen Preis.
Sinnbildlich dafür steht Milka. Der Schokoladenhersteller Mondelez hatte 2025 die Packungsgrößen vieler Sorten reduziert und die Preise erhöht. Die Verbraucherzentrale Hamburg klagte wegen Irreführung – und bekam Recht.
Der Marketing-Experte Andreas Baetzgen sieht dadurch das Marken-Image beschädigt. Milka habe jahrzehntelang von Vertrauen, Wiedererkennbarkeit und emotionaler Nähe gelebt. Dieses Vertrauen sei ausgenutzt worden. (dpa/red)
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13. Mai: Neues Heizungsgesetz | 1.000-Euro-Prämie vom Tisch | Fast eine Viertel Million Jobs gefährdet

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Neues Heizungsgesetz

Das Bundeskabinett hat heute das neue Heizungsgesetz beschlossen. Es soll am 1. Juli 2026 in Kraft treten. Hauseigentümer können damit wieder frei über die Art ihrer Heizungsanlage entscheiden. Doch bei neuen fossilen Heizanlagen müssen Vermieter tiefer in die Tasche greifen. Öl- und Gasheizungen sollen zunehmend mit alternativen Brennstoffen betrieben werden.

1.000-Euro-Prämie vom Tisch

Union und SPD haben gestern sechs Stunden über Energiepreise und Reformen beraten. Vereinbart wurde ein Fahrplan für die Projekte, weitere Entscheidungen sollen Anfang Juni fallen. Die geplante 1.000-Euro-Prämie wird nach dem Aus im Bundesrat nicht weiter verfolgt. Der Preis für CO2 soll im kommenden Jahr wieder zwischen 55 und 65 Euro liegen.

Fast eine Viertel Million Jobs gefährdet

Die deutsche Autoindustrie steckt in einer anhaltenden Standortkrise – verursacht durch hohe Energiepreise, Bürokratie und Steuern. Viele große Unternehmen haben mit Sparprogrammen begonnen. Der Verband der Automobilindustrie warnt vor einer neuen Eskalationsstufe, auch durch den Umstieg auf E-Mobilität. Bis 2035 könnten bis zu 225.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Trump erreicht Peking

US-Präsident Donald Trump ist heute Abend Ortszeit zu seinem China-Besuch in Peking angekommen. Begleitet wird Trump von 16 Spitzenmanagern großer US-Konzerne – darunter Tech-Milliardär Elon Musk und Nvidia-Chef Jensen Huang. Morgen Vormittag ist das offizielle Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping geplant. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die Themen Iran und Handel.

Versteckte Preiserhöhung

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat ihre Klage gegen den Milka-Hersteller Mondelez gewonnen. Das Landgericht Bremen wertete die Reduzierung bei einer Tafel Schokolade von 100 auf 90 Gramm bei gleichbleibender Verpackung als „relative Mogelpackung“. Mondelez hätte vier Monate lang deutlich auf die geringere Füllmenge hinweisen müssen.
 
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wirtschaft

Bahlsen senkt Preise – und will „enkelfähig“ bleiben

Die hohen Schokoladenpreise haben den Gebäckhersteller Bahlsen zuletzt stark belastet – nun zeichnet sich eine Entspannung ab. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die Abgabepreise für ausgewählte Produkte gegenüber dem Handel gesenkt. Erste Preissenkungen seien bereits im Handel sichtbar.
„Durch die stark gestiegenen Schokoladenpreise mussten wir unsere Preise anheben, weil der Schokoladenanteil in unseren Produkten höher ist als im Wettbewerb“, sagte Firmenchef Alexander Kühnen. Da sich die Preise inzwischen stabilisierten, werde eher über Preissenkungen nachgedacht als über weitere Erhöhungen.
Auch andere Hersteller reagieren auf die Entwicklung. So hat etwa der Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli die Preise einzelner Produkte gesenkt.
Nach Monaten hoher Preise deutet sich bei Schokolade eine Entspannung an. (Symbolbild)

Nach Monaten hoher Preise deutet sich bei Schokolade eine Entspannung an. (Symbolbild)

Foto: Holger Hollemann/dpa

„Enkelfähigkeit“ statt kurzfristiger Einsparungen

Trotz der hohen Preise kam für Bahlsen eine Änderung der Rezeptur nicht infrage. Die Produkte seien stark von Gewohnheit und Vertrauen geprägt, viele Menschen äßen sie seit Jahrzehnten, sagte Kühnen. „Wenn jemand regelmäßig unsere Produkte kauft und plötzlich würde sich der Geschmack verändern, weil wir am Rezept sparen würden, dann verliert man diese Kunden sehr schnell und oft dauerhaft.“
Eine Anpassung am Produkt sei daher keine Option gewesen – auch wenn sie kurzfristig vielleicht geholfen hätte. „Aber langfristig wäre es nicht nachhaltig gewesen.“ Im Unternehmen, das zu 100 Prozent der Familie Bahlsen gehört, spiele dabei der Begriff „Enkelfähigkeit“ eine große Rolle – also die Frage, ob es Bahlsen in zwei Generationen noch in seiner heutigen Form geben wird.

Zurück auf Wachstumskurs

Das Unternehmen aus Hannover kämpfte zuletzt mit rückläufigen Absatzmengen und verlor Marktanteile. „Als ich zu Bahlsen kam, hatte das Unternehmen kein gutes Jahr hinter sich, und mein Auftrag war klar: Veränderung“, sagte Kühnen, der seit drei Jahren im Amt ist.
Der Umsatz der Bahlsen-Gruppe stieg 2024 auf 644,6 Millionen Euro, nach 607,9 Millionen im Jahr zuvor und 539,9 Millionen Euro 2022. Das operative Ergebnis lag bei 63,6 Millionen Euro, nach 40,5 Millionen 2023. 2022 hatte Bahlsen auf dieser Basis noch einen Verlust von 1,8 Millionen Euro ausgewiesen.

Mehr Biss im Markt

Jubeln will Kühnen aber nicht. „Wo ich nicht zufrieden bin, ist unsere Wettbewerbsposition.“ Er habe sich gewünscht, dass das Unternehmen stärker wachse und Marktanteile gewinne. Ein wesentlicher Grund dafür, dass das Wachstum hinter den Erwartungen blieb, seien auch die Schokoladenpreise gewesen.
„In drei Jahren möchte ich, dass wir im Wettbewerb gefürchtet werden“, sagte Kühnen. „Im Moment sind wir das noch nicht, aber genau dahin wollen wir.“ Der Konkurrenzdruck habe durch große Player wie Ferrero und den Milka-Hersteller Mondelez zugenommen. Künftig solle die Branche zuerst an Bahlsen denken, wenn es um starke Wettbewerber gehe.
„Und nach innen soll Bahlsen ein Unternehmen sein, bei dem junge Leute sagen: Das ist ein traditionelles Unternehmen, aber gleichzeitig richtig sexy“, sagte Kühnen. (dpa/red)