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Veränderungen im Supermarkt: Die Krise der großen Marken

Ob Cola, Schokolade oder Ketchup: In Regalen von Supermärkten und Discountern stehen Markenprodukte und die preisgünstigeren Eigenmarken der Händler häufig nebeneinander.
Abgestimmt wird an der Kasse. Das Ergebnis war eindeutig: Während Umsatz und Absatz von Eigenmarken 2025 zulegten, taten sich Herstellermarken schwer. Deren Umsatz stieg nur wegen der gestiegenen Preise, die verkaufte Menge sank. Das zeigen Zahlen des Marktforschungsinstituts YouGov.

Das Besondere ging verloren

Verbraucher schauen beim Einkaufen derzeit stark auf die Preise und greifen deshalb häufig zu Eigenmarken wie Ja, Milsani oder Gut & Günstig.
„Die großen Herstellermarken sind austauschbarer geworden“, schreibt Marktforscher Robert Kecskes in einem aktuellen YouGov-Report. 15 der 17 reichweitenstärksten Dachmarken haben 2025 demnach Käufer verloren. Bei dem Besonderen, das sie im Kern ausmachen sollte, seien sie teilweise hinter andere Marken zurückgefallen, so Kecskes.
Laut YouGov sind 57 Prozent der Konsumenten Marken wichtig, mit zunehmendem Alter immer weniger. Jüngere hingegen unterscheiden oft kaum noch und sehen Eigenmarken vielfach auf dem gleichen Niveau wie Herstellermarken.
Die Grenzen verschwimmen Marktforschern zufolge. Einige Eigenmarken wie Balea, Isana oder dm Bio seien in der Wahrnehmung der Kunden bereits reguläre Marken. Wenn keine qualitativen Unterschiede mehr gesehen würden, bleibe als Differenzierungsmerkmal nur noch der Preis, sagte Kecskes.
Es sei wichtig, Marken wieder eine Seele zu geben, so der Marktforscher. Nur so ließen sich Konsumenten überzeugen, einen höheren Preis zu bezahlen. Vor allem Jüngere suchten nach einer Kommunikation, in der die Marke ihre Bedürfnisse ernst nehme. Als Positivbeispiele nennt er die Marken Fritz-Kola, Gustavo Gusto, Koro oder More Nutrition.

Hohe Preise schaden dem Image der Marken

Das Image vieler Markenhersteller hat laut YouGov Schaden erlitten – vor allem durch gestiegene Preise, die viele Verbraucher als unverschämt empfinden. Eigenmarken – auch Handelsmarken genannt – sind zwar ebenfalls teurer geworden, aber nach wie vor günstiger. Zudem ähneln sie bekannten Marken vielfach stark und das oft nicht nur geschmacklich.
In den Augen der Verbraucher sind Eigenmarken oft nicht schlechter. Viele sehen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Laut YouGov stieg der Marktanteil der Eigenmarken zwischen 2021 und 2025 von 41 auf 47 Prozent – so viel wie noch nie. Marktforscher sehen noch mehr Potenzial.
Eigenmarkenprodukte landen immer häufiger im Einkaufskorb der Kunden.

Eigenmarkenprodukte landen immer häufiger im Einkaufskorb der Kunden.

Foto: Thomas Banneyer/dpa

Starker Zuwachs bei Butter, Kaffee und Schokolade

Den höchsten Eigenmarkenanteil haben laut YouGov Kategorien wie Fleisch, Wurst und Geflügel, Papierwaren wie Toilettenpapier oder Papierservietten und Konserven. Am stärksten gewachsen ist der Anteil zuletzt bei Nahrungsfetten wie Butter und Ölen, Heißgetränken wie Kaffee und Süßwaren wie Tafelschokolade.
Viele Markenartikel kaufen Verbraucher hingegen oft nur noch im Angebot – besonders Kaffee, Sekt, Tiefkühlpizzen, Windeln und Tafelschokolade. Fast ein Drittel des Umsatzes mit Markenprodukten wurde 2024 im Sonderangebot erzielt.
Das Dilemma für Händler: Eine treue Käuferschaft, die das Produkt regelmäßig und auch zum Normalpreis kauft, entsteht dadurch nicht.
„Ohne die Promotion würden die Shopper nicht mehr bei der Stange bleiben“, schreibt Kecskes. Außer dem Sonderpreis hätten sie oft nicht mehr viel, was sie besonders mache.
Auf manche Marken können Händler dennoch kaum verzichten – wie etwa Nutella, Coca-Cola, Red Bull oder Kellogg’s. Kunden erwarten, dass diese Produkte angeboten werden – sonst kaufen sie woanders ein.

Rewe-Chef: Markenartikel müssen Mehrwert haben

Rewe-Chef Lionel Souque sagte bereits 2024, Markenartikel müssten einen Mehrwert haben. „Die Leute sind nicht bereit, nur wegen der Marke das Doppelte zu bezahlen.“
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten kauften Verbraucher nicht einfach nur ein Produkt, sondern Verlässlichkeit, sagt Markenverbands-Hauptgeschäftsführer Patrick Kammerer. Eine starke Marke entstehe durch dauerhaft eingelöstes Vertrauen – nicht durch einen günstigen Preis.
Sinnbildlich dafür steht Milka. Der Schokoladenhersteller Mondelez hatte 2025 die Packungsgrößen vieler Sorten reduziert und die Preise erhöht. Die Verbraucherzentrale Hamburg klagte wegen Irreführung – und bekam Recht.
Der Marketing-Experte Andreas Baetzgen sieht dadurch das Marken-Image beschädigt. Milka habe jahrzehntelang von Vertrauen, Wiedererkennbarkeit und emotionaler Nähe gelebt. Dieses Vertrauen sei ausgenutzt worden. (dpa/red)
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Die Nation der Kaffeetrinker: Genuss, Gewohnheit und Inflation

Gut 160 Liter Kaffee trinken die Menschen in Deutschland durchschnittlich pro Kopf und Jahr. Trotz gestiegener Preise bleibt das Getränk beliebt. Was bewegt Kaffeetrinker und wie konsumieren sie?
Antworten liefert der neue Kaffeereport von Tchibo, dem Magazin „Brand Eins“ und der Statistik-Plattform Statista. Darin enthalten ist auch eine repräsentative Umfrage. Dafür wurden im Januar 1.500 Kaffeetrinker zwischen 18 und 75 Jahren online von Statista befragt. Ein Überblick:

Mehr als drei Tassen pro Tag

Die Kaffeetrinker in Deutschland trinken im Schnitt 3,2 Tassen täglich. Die 56- bis 65-Jährigen kommen auf 3,6, Konsumenten zwischen 18 und 21 auf 2,3. Bei Männern sind es 3,4, bei Frauen 3,0.
Fast jeder Zwölfte trinkt täglich mehr als fünf Tassen. Zwei Drittel können sich ein Leben ohne Kaffee nicht vorstellen. Bei Frauen ist der Anteil etwas höher (72 Prozent) als bei Männern (62 Prozent). 18 Prozent geben an, jederzeit Kaffee trinken zu können.

Vollautomat knapp hinter Filterkaffeemaschine

47 Prozent bevorzugen Filterkaffee, gefolgt von Caffè Crema (38 Prozent), Cappuccino (34 Prozent) und Latte Macchiato (26 Prozent). Letzterer ist bei Frauen deutlich beliebter als bei Männern.
Bei den Zubereitungsgeräten steht möglicherweise eine Wachablösung bevor: 43 Prozent verwenden eine Filterkaffeemaschine, 42 Prozent einen Vollautomaten. Die Unterschiede sind regional groß.
So kommt die Filterkaffeemaschine in Ostdeutschland auf 55 Prozent, im Süden hingegen auf 35 Prozent. Der Vollautomat gewinnt seit Jahren an Bedeutung. 2015 kam er noch auf einen Anteil von 19 Prozent, die Filtermaschine auf 72 Prozent.
Tchibo-Sprecherin Karina Schneider führt die Entwicklung nicht nur auf Bequemlichkeit zurück, sondern auch auf den Trend zur Nutzung ganzer Bohnen und frischer Zubereitung sowie einen bewussteren Umgang mit dem Produkt. Beim Gerätekauf zählen für Konsumenten laut Statista vor allem einfache Reinigung, einfache Bedienung und Langlebigkeit.

Luxusgut Kaffee

Vielen Konsumenten ist es wichtig, immer genügend Kaffee zu haben. 63 Prozent haben eine bis drei Packungen als Reserve zu Hause, jeder Sechste mehr. 85 Prozent bevorraten sich gezielt, wenn Kaffee im Angebot ist. Nur vier Prozent kaufen unabhängig von Rabattaktionen.
Dass Vorräte angelegt werden, dürfte auch mit den in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Kaffeepreisen zusammenhängen. Grund dafür waren höhere Rohstoffpreise infolge von Trockenheit und schwachen Ernten.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kostete Bohnenkaffee im April 2026 im Schnitt 57 Prozent mehr als 2020. Zuletzt haben die großen Lebensmittelhändler die Preise ihrer Eigenmarken zwar wieder etwas gesenkt. Kaffee ist jedoch nach wie vor deutlich teurer als vor einigen Jahren. Laut Marktforscher YouGov greifen Verbraucher deshalb vermehrt zu den günstigeren Eigenmarken.
Für fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) ist Kaffee mittlerweile ein Luxusgut. 22 Prozent widersprechen. Knapp ein Drittel (31 Prozent) legt sich nicht eindeutig fest, räumt aber ein, inzwischen stärker auf den Preis zu achten.

Was ist ein Kilo Kaffee wert?

Gut ein Drittel (35 Prozent) ist bereit, 10 bis 12,99 Euro pro Kilo zu bezahlen, 26 Prozent würden 13 bis 15,99 Euro ausgeben, 12 Prozent 16 bis 19,99 Euro. Jeder Fünfte (21 Prozent) würde höchstens 9,99 Euro ausgeben.
Lediglich 7 Prozent würden mehr zahlen, ein Prozent davon sogar über 40 Euro pro Kilo. Knapp 40 Prozent geben allerdings an, weiterhin Kaffee zu trinken, auch wenn er teurer wäre, als ihnen lieb ist.
Wichtig beim Kaffeekauf sind Verbrauchern laut Statista vor allem Geschmack, ein niedriger Preis, die Art der Kaffeebohnen sowie die Marke.

4,50 Euro: Schmerzgrenze für einen Espresso

Im Restaurant liegt die Schmerzgrenze für einen Espresso bei 4,50 Euro. 46 Prozent würden darauf verzichten, wenn er teurer wäre. Bei 66- bis 75-Jährigen liegt die Grenze bei 4 Euro, bei 18- bis 21-Jährigen sind es 5 Euro.
Innerhalb der EU variieren die Preise stark. In Italien kostet ein Cappuccino im Restaurant laut der Datenbank Numbeo im Schnitt 1,74 Euro, in Dänemark hingegen 5,65 Euro. In Finnland und Schweden sind es 4,37 Euro. Deutschland liegt mit 3,57 Euro im oberen Mittelfeld. In fast allen 27 EU-Staaten sind die Preise höher als 2025.

Ein Kaffee-Wunsch frei

„Wenn Sie eine Sache verändern könnten – was wäre Ihnen beim Kaffee am wichtigsten?“ – das wurden die Teilnehmer der Umfrage gefragt.
Das Ergebnis: 20 Prozent wünschen sich, dass Kaffee insgesamt günstiger wird, jeweils 16 Prozent erschwinglichere Preise für nachhaltigen Kaffee und bessere Arbeitsbedingungen in den Anbauländern. 11 Prozent nennen höhere Verdienste für Kaffeefarmer, 10 Prozent besseren Geschmack und höhere Qualität.
Schmeckt Kaffee aus einem Trinkgefäß besser als aus einem anderen? Drei Vierteln der Befragten ist es wichtig, Kaffee aus ihrer Lieblingstasse zu trinken. 20 Prozent sagen sogar, dass er ohne nicht richtig schmeckt. Lediglich 11 Prozent ist die Tasse nicht wichtig.
Was, wenn der Kaffee mal ausgeht? 51 Prozent würden zu Tee greifen, 32 Prozent zu Wasser, 22 Prozent zu Kakao oder heißer Schokolade und 20 Prozent zu Cola oder anderen koffeinhaltigen Softdrinks.

Kaffee ans Bett liefern – oder als Pille?

Nur etwa jeder Dritte (32 Prozent) würde sich Kaffee morgens mit einem Lieferdienst direkt ans Bett bringen lassen. 36 Prozent wären bereits, einen Kaffee zu probieren, den eine künstliche Intelligenz gemischt hat.
20 Prozent würden einen Kaffee trinken, der nicht natürlich gewachsen ist, sondern im Labor hergestellt wurde. 15 Prozent können sich vorstellen, auf das Kaffeetrinken zu verzichten und Koffein stattdessen etwa über eine Tablette aufzunehmen. Bei den 18- bis 35-Jährigen gibt das mehr als jeder Dritte an. (dpa/red)
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Trinken Sie noch aus To-go-Bechern? Warum Sie damit ab heute aufhören sollten

Der warme Kaffee im To-go-Becher – praktisch, aber vielleicht nicht so ganz unbedenklich: Genau dieser Becher könnte das Getränk ungesund werden lassen.

Eine neue Studie zeigt: Durch Wärme werden Tausende bis Hunderttausende Mikroplastikpartikel aus dem Bechermaterial in Kaffee oder Tee abgegeben.

Hitze und die Wahl des Bechers spielen eine Rolle

Die im „Journal of Hazardous Materials: Plastics“ veröffentlichte Studie ergab, dass Hitze ein entscheidender Faktor für die Freisetzung von Mikroplastik aus Einwegbehältern ist.
Zwar wurde Mikroplastik unabhängig von der Temperatur, bei der das Getränk aufbewahrt wurde, freigesetzt, doch stieg die Freisetzungsmenge mit zunehmender Temperatur an.
Die Forscher analysierten zunächst Daten aus 30 begutachteten Studien zur Freisetzung von Mikroplastik aus verschiedenen Kunststoffprodukten und konzentrierten sich dabei auf Faktoren wie Temperatur und Einweichzeit.
Produkte aus Materialien wie:
  • Polyethylen (PE),
  • Polyethylenterephthalat (PET),
  • Polypropylen (PP),
  • Polystyrol (PS),
zeigten mit steigender Temperatur einen signifikanten Anstieg der Mikroplastikfreisetzung, wobei die Auswirkungen im für Heißgetränke typischen Hochtemperaturbereich am ausgeprägtesten waren.
PE wird häufig in Plastikbechern und -einlagen verwendet, PP in Mitnahmebehältern und Deckeln, PS in Schaumstoffbechern und Lebensmittelverpackungen und PET in Getränkeflaschen.
Unter diesen zeigte PET im Allgemeinen den geringsten Anstieg der Freisetzung bei steigender Temperatur, was auf eine höhere thermische Stabilität als bei den anderen Typen hindeutet.

Hitze beschleunigt Freisetzung

In allen Studien waren höhere Temperaturen, insbesondere über 60 °C, mit einem stärkeren Anstieg sehr kleiner Partikel – unter 1 Mikrometer – im Vergleich zu größeren Partikeln verbunden, was darauf hindeutet, dass Hitze den Oberflächenabbau beschleunigt.
Becher und Lebensmittelbehälter zeigten einen deutlich stärkeren temperaturbedingten Anstieg der Mikroplastikfreisetzung als Flaschen, die in der Regel aus hitzebeständigerem Kunststoff bestehen und seltener für heiße Flüssigkeiten verwendet werden.
Das Ausmaß der Auswaschung variierte stark je nach Material und Studiendesign, wobei einzelne Studien unter bestimmten Bedingungen bei hohen Temperaturen Hunderte oder sogar Hunderttausende von Partikeln pro Liter Wasser feststellten.
Die Verweildauer eines Getränks im Behälter war jedoch kein so konsistenter Einflussfaktor für die Mikroplastikauswaschung wie die Temperatur.

Das Becher-Experiment

Für eine praxisnahe Untersuchung sammelten die Forscher Hunderte Kaffeebecher zweier Haupttypen: PE-Kunststoffbecher und Papierbecher mit einer Polyethylenbeschichtung, die wie Papier aussehen, aber eine dünne innere Kunststoffschicht haben, um sie wasserdicht zu machen.
Die Studie bestand aus zwei Teilen. Der erste Teil umfasste die Analyse bestehender Forschungsergebnisse, während der zweite Teil das Experiment unter realen Bedingungen betraf.

Klarer Unterschied zwischen den Bechertypen

Während die Auswertung mehrere gängige Kunststoffe wie PE, PET, PP und PS umfasste, konzentrierte sich der experimentelle Teil der Studie speziell auf zwei Kunststofftypen, die als die am häufigsten verwendeten Arten von Take-away-Bechern identifiziert wurden.
Im Experiment wurden die Becher mit gereinigtem Wasser befüllt, aus dem Mineralien und Ionen entfernt worden waren, um Hintergrundverunreinigungen zu vermeiden. Die Temperatur betrug 41 °F (5 Grad Celsius) oder 140 °F (60 Grad Celsius), um die typischen Temperaturen von Eiskaffee beziehungsweise heißem Kaffee zu simulieren.
Das Wasser wurde 30 Minuten lang stehen gelassen – eine Zeitspanne, die gewählt wurde, um die typische Kontaktzeit mit dem Getränk widerzuspiegeln und nicht die Langzeitlagerung –, wobei die Becher abgedeckt waren, um Verunreinigungen aus der Luft zu vermeiden.
Die ins Wasser ausgelösten Mikroplastikpartikel wurden anschließend durch Filtration gesammelt und analysiert.
Die Autoren merkten an, dass die Temperatur allein möglicherweise nicht vollständig die realen Bedingungen bei Getränken widerspiegelt, da Faktoren wie der Säuregehalt des Kaffees oder Milchfett die Partikelabgabe von Kunststoffen zusätzlich beeinflussen könnten.
Bei beiden Temperaturen lösten sich aus beiden Becherarten Mikroplastikpartikel, jedoch setzten PE-Kunststoffbecher mehr Partikel frei als PE-beschichtete Papierbecher.
Die Erhöhung der Wassertemperatur von kalt auf heiß steigerte die Mikroplastikfreisetzung aus PE-Bechern um etwa ein Drittel, während der Anstieg bei PE-beschichteten Papierbechern deutlich geringer ausfiel.
Bei der Untersuchung der Innenflächen unter dem Mikroskop stellten die Forscher fest, dass die Hitzeeinwirkung die Oberflächenrauheit der Polyethylenbecher erhöhte und so eine unebenere, beschädigte Oberfläche schuf, die dazu neigte, Partikel abzugeben.
Die chemischen Analysen lieferten kaum Hinweise darauf, dass die Hitze die chemische Zusammensetzung der Kunststoffe veränderte, was darauf hindeutet, dass der Anstieg eher auf eine physikalische Oberflächenzerstörung als auf einen chemischen Abbau zurückzuführen war.
Die Autoren schätzen, dass der tägliche Genuss eines 300-ml-Heißgetränks dazu führen könnte, dass pro Jahr etwa 360.000 Mikroplastikpartikel aus PE-Bechern aufgenommen werden, verglichen mit etwa 240.000 Partikeln pro Jahr aus PE-beschichteten Papierbechern.

Komplexer als ein Etikett

Lisa Zimmermann, eine der Hauptautorinnen einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 über Mikroplastik aus Lebensmittelverpackungen, die nicht an der aktuellen Studie beteiligt war, sagte, dass die Freisetzung von Mikroplastik von mehr abhänge als nur davon, ob ein Produkt als PE oder PET gekennzeichnet ist.
Selbst zwei Kunststoffe, die als Polyethylen identifiziert wurden, können sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und ihren Herstellungsverfahren erheblich unterscheiden, was die Anzahl der Partikel beeinflussen kann, die sie abgeben.
„Das einzelne Produkt und seine Handhabung bestimmen die Freisetzung von Mikroplastik“, erklärte sie gegenüber The Epoch Times.
Sie merkte an, dass stärkeres Schütteln und höhere Temperaturen tendenziell mehr Partikel freisetzen als schonendere Handhabung und niedrigere Temperaturen.
Jane Muncke, Geschäftsführerin und wissenschaftliche Leiterin des Food Packaging Forum in Zürich, Schweiz, sagte gegenüber The Epoch Times, dass Papier-Kaffeebecher während des Transports und der Lagerung typischerweise gestapelt werden, was ein zusätzliches Problem auslösen kann.
Wenn die Außenseite bedruckt ist, kann die Außenseite eines Bechers die Innenseite eines anderen Bechers berühren – ein Vorgang, der als Abdruckmigration bekannt ist –, wodurch Druckfarben auf die Oberfläche, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommt, übertragen werden und möglicherweise in heiße Getränke gelangen können.
„Da Druckfarben oft bedenkliche Chemikalien enthalten, kann dies gesundheitliche Bedenken aufwerfen.“

Warum Wissenschaftler über Mikroplastik besorgt sind

Weltweit werden jedes Jahr schätzungsweise 250 bis 300 Milliarden Einwegbecher entsorgt. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass diese Alltagsprodukte eine bedeutende Quelle für die Exposition gegenüber Mikroplastik sein könnten.

Selbst gleiche Kunststofftypen (z. B. Polyethylen) können sehr unterschiedlich viel Mikroplastik abgeben.

Foto: MargJohnsonVA/iStock

Während einige Studien darauf hindeuten, dass die Exposition gegenüber Mikroplastik Entzündungen, oxidativen Stress und Immunreaktionen auslösen kann, warnen Forscher, dass es noch keinen klaren Konsens darüber gibt, wie viel sich im Körper anreichert oder welche langfristigen Folgen dies haben könnte.
„Es gibt genügend Hinweise, um besorgt zu sein“, sagte Desiree LaBeaud, Ärztin, Wissenschaftlerin und Epidemiologin an der Stanford Medicine und eine der Gründerinnen der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Plastics and Health“ an der Stanford University, gegenüber The Epoch Times.
„Kunststoffe sind allgegenwärtig, daher ist eine vollständige Vermeidung für die meisten Menschen nicht realistisch“, erklärte Sophia Young, Mikroplastikforscherin an der University of Alberta, gegenüber The Epoch Times.
Der effektivste Weg, die Mikroplastikbelastung zu reduzieren, sei es, den direkten Kontakt mit Kunststoffen zu verringern.

Den Kaffee mit weniger Schadstoffen genießen

Praktische Tipps zur Verringerung der Belastung bei der Verwendung von Kunststoffen:
  • Speisen oder Getränke nicht in Plastikbehältern erhitzen.
  • Heiße Speisen oder Getränke etwas abkühlen lassen, bevor sie in Plastikbecher umgefüllt werden.
  • Nach Möglichkeit wiederverwendbare Materialien verwenden, die kein Plastik enthalten, wie Glas, Keramik oder Edelstahl.
  • Die Abnutzung von Kunststoffpartikeln minimieren, da zerkratzte oder beschädigte Kunststoffe mehr Partikel abgeben.
  • Plastik sowohl bei Tassen als auch bei Zubereitungsutensilien vermeiden. Wasserkocher aus Edelstahl verwenden und Kaffeemaschinen ohne Kunststoffteile sowie Metallfilter anstelle von Kapseln.
  • Teebeutel aus Papier wählen oder zu losem Tee wechseln, da einige Teebeutel Plastik enthalten.
Viele Menschen meiden Kunststoffe wegen BPA (Bisphenol A), einer Chemikalie, die Bedenken hinsichtlich einer potenziell hormonstörenden Wirkung aufkommen lässt.
Samantha Romanick, wissenschaftliche Mitarbeiterin für analytische Chemie bei der Environmental Working Group und Molekularbiologin, die die gesundheitlichen Auswirkungen der Mikroplastikbelastung untersucht, sagte gegenüber The Epoch Times, dass viele Kunststoffe zwar als BPA-frei gekennzeichnet seien, dies jedoch nicht bedeute, dass sie frei von anderen Bisphenolen wären.
Aus diesem Grund, so sagte sie, seien Metall, Glas oder Keramik nach wie vor die sichersten Optionen für Heißgetränke.

Recycling-Code und kompostierbare Becher

Wenn Einwegkunststoffe unvermeidbar sind, sei eine der einfachsten Möglichkeiten, um Kunststoffarten zu identifizieren, die Überprüfung des Recycling-Codes – eine auf dem Produkt aufgedruckte Zahl von 1 bis 7, so Young.
Diese Zahlen entsprechen im Allgemeinen bestimmten Polymeren wie Polyethylen, Polypropylen oder Polystyrol, was einen ungefähren Eindruck davon vermitteln kann, wie sich ein Material bei Hitzeeinwirkung verhält.
Einige Experten verweisen auf kompostierbare Becher als Alternative. Zimmermann merkte jedoch an, dass selbst Einwegbecher aus kompostierbarem Kunststoff immer noch Kunststoff sind und daher genauso anfällig für die Freisetzung von Mikroplastik seien wie herkömmlicher Kunststoff.
„In manchen Fällen kann sogar noch mehr freigesetzt werden, da kompostierbare Materialien so konzipiert sind, dass sie sich mit der Zeit zersetzen“, fügte sie hinzu.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Scientists Measured Microplastics in Coffee Served in To-Go Cups. Here’s What They Found“. (deutsche Bearbeitung: vm)