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Monatlich 15.000 Arbeitslose aus der Industrie

Deutschlands Industrie verliert immer mehr Arbeitsplätze. Im verarbeitenden Gewerbe gehen aktuell jeden Monat rund 15.000 Jobs verloren, über die zurückliegenden zwölf Monate waren es 174.000, wie die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, bei der Vorstellung der Juni-Statistik in Nürnberg berichtete.
Zusammen mit dem Handel sei die Industrie der größte Problemfaktor des Arbeitsmarktes und Ausweis der schwachen konjunkturellen Situation in Deutschland. Auch bei den derzeit erhöht eintrudelnden Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit kämen zwei Drittel aus dem verarbeitenden Gewerbe, sagte Nahles.
Industriearbeitsplätze gelten als vergleichsweise gut bezahlt – somit werden für die Bundesagentur auch höhere Zahlungen an Arbeitslosengeld fällig.
Der Handel leide besonders unter der Konsumzurückhaltung, insbesondere wegen des Krieges im Iran und dessen Folgen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gehe davon aus, dass die Iran-Krise in Deutschland 0,3 Prozentpunkte Wachstum gekostet habe.
„Das kann in anderen Branchen nicht mehr aufgefangen werden.“ Auch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) betont: „Die aktuelle wirtschaftliche Lage bleibt weiter angespannt und stellt vor allem unsere Industrie vor große Herausforderungen.“

Kaum Frühjahrsbelebung

So blieb auch im Juni die Frühjahrsbelebung am deutschen Arbeitsmarkt schwach: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni im Vergleich zum Mai um 15.000 auf 2,936 Millionen gesunken. Die Arbeitslosenquote sank im gleichen Zeitraum um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent, teilte die Bundesagentur in Nürnberg mit. Im Vergleich zum Juni 2025 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 22.000.
„Am Arbeitsmarkt ist kaum Veränderung zu sehen. Die Arbeitslosigkeit sinkt nur wenig und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung setzt ihre leichte Abwärtstendenz fort“, sagte Nahles.

Zahl der Bürgergeldempfänger nimmt ab

Eine erfreuliche Entwicklung stellt Nahles bei der Grundsicherung fest. Während aktuell 90.000 mehr Menschen als vor einem Jahr Arbeitslosengeld beziehen, ist die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldempfänger im gleichen Zeitraum um 104.000 gesunken.
Das liege vor allem daran, dass Menschen aus der Ukraine und aus den acht wichtigsten Asyl-Herkunftsländern Jobs gefunden hätten. Der Job-Turbo zeige Wirkung. „Da sind auch die Früchte der Sprachkurse zu sehen“, sagte Nahles.
Denn: Der deutsche Arbeitsmarkt bleibe vor allem ein deutschsprachiger Arbeitsmarkt. Insgesamt waren im Juni 7,0 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen im erwerbsfähigen Alter auf Hilfeleistungen angewiesen.
Gleichzeitig erwächst aber auch ein finanzielles Problem aus der Konstellation: Die beitragsfinanzierte Arbeitslosenversicherung trägt die Hauptlast der Entwicklung, das steuerfinanzierte Bürgergeld, künftig Grundsicherung, wird entlastet. Das ursprünglich prognostizierte Haushaltsdefizit der Bundesagentur könnte sich verdoppeln – auf satte acht Milliarden Euro oder sogar noch mehr.

DGB: Bundesagentur nicht im Stich lassen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund beugt verbal mit Stoßrichtung Bundesregierung bereits vor – denn das Haushaltsdefizit der Bundesagentur aufgrund der hohen Arbeitslosengeld-Zahlungen ist vorprogrammiert.
„Noch nie wurde in den vergangenen Krisen bei steigenden Arbeitslosenzahlen an der Arbeitsverwaltung gespart. Das darf auch diesmal nicht passieren“, sagt etwa Anja Piel, Vorstandsmitglied und Vorsitzende des Verwaltungsrats der Bundesagentur.
Die Bundesagentur sei während der Corona-Pandemie in Vorleistung gegangen, etwa bei der Zahlung von Kurzarbeitergeld. „Man darf sie nun nicht auf dem entstandenen Schuldenberg sitzen lassen“, betont Piel.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich den Angaben der Bundesagentur zufolge auf niedrigem Niveau weiter stabilisiert. Im Juni waren bei den Arbeitsagenturen 648.000 offene Stellen gemeldet.
Das sind 16.000 mehr als vor einem Jahr. Nach Angaben von Arbeitsmarktforschern schlägt die Demografie inzwischen auf den regionalen Arbeitsmärkten voll durch. Es gehen viele Beschäftigte der sogenannten Boomer-Jahrgänge in Rente, zu wenig passender Nachwuchs kommt nach.

Lücken auf dem Ausbildungsmarkt

Bei der Berufsausbildung klaffen weiterhin Lücken. Seit Oktober 2025 hätten sich bei den Arbeitsagenturen 400.000 junge Leute gemeldet, ein Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig wurden 409.000 Lehrstellen gemeldet.
181.000 hatten bis Juni noch keine Stelle oder eine Alternative zu einem Ausbildungsplatz gefunden. Der Ausbildungsmarkt ist jedoch über die Sommermonate noch stark in Bewegung. (dpa/red)
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Russische Behörden wehren 419 ukrainischen Drohnen ab – Baby nahe Moskau getötet

Die russische Luftabwehr hat in der Nacht zum Dienstag nach Angaben der Behörden landesweit mehr als 400 ukrainische Drohnen abgeschossen. Die Luftabwehrsysteme hätten im ganzen Land „419 ukrainische Festflügeldrohnen abgefangen und zerstört“, erklärte Russlands Verteidigungsministerium auf der staatlichen Online-Plattform Max.
In der Region Moskau wurde den Behörden zufolge ein sechs Monate altes Baby bei den Angriffen getötet. Laut dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj attackierte die Ukraine wichtige Kommunikationsanlagen.

Trümmer der Drohnen trafen Wohnhaus

Der Bürgermeister von Moskau, Sergej Sobjanin, erklärte, dass die Luftabwehr in der Nacht 61 auf die Hauptstadt zusteuernde „feindliche Drohnen“ abgeschossen habe. An den betroffenen Orten gingen Trümmer nieder, die Helfer der Rettungsdienste waren im Einsatz.
Später teilte der Regionalgouverneur von Moskau, Andrej Worobjow, im Onlinekanal Telegram mit, dass Drohnen in dem Dorf Jegorjewsk südöstlich von Moskau ein „Privathaus“ getroffen hätten.
„Leider ist ein sechs Monate altes Baby auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben“, schrieb er. Zudem seien zwei Erwachsene und ein weiteres Kind ins Krankenhaus gebracht worden.

Selensky: Satellitenanlage angegriffen

Selenskyj erklärte, seine Streitkräfte hätten zum zweiten Mal binnen einer Woche eine Satellitenkommunikationsanlage in der Region Moskau angegriffen. Dabei handelt es sich ihm zufolge um das Weltraumkommunikationszentrum Dubna.
Diese „spezielle Einrichtung zur Satellitenkommunikation“ werde „insbesondere für die Aufklärung und die Koordinierung der Aktivitäten des russischen Besatzungskontingents in der Ukraine genutzt“.
Am Donnerstag und Freitag hatte die russische Luftabwehr nach eigenen Angaben 660 ukrainische Drohnen abgeschossen, eine der höchsten Zahlen seit Beginn der großangelegten russischen Angriffe auf die Ukraine. Zudem verursachte ein ukrainischer Angriff in der vergangenen Woche einen Brand in einer Raffinerie im Südosten Moskaus. (afp/red)
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Nach deutschem WM-Aus Trost vom Kanzler – Feiertag für Paraguay

Nach dem blamablen WM-Aus hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Trost zugesprochen. „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel!“, schrieb der Kanzler in der Nacht zum Dienstag im Onlinedienst X.
„Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Für seine Äußerungen schlug dem Kanzler auch Spott entgegen.

Kritik von Strack-Zimmermann

Zuvor hatte die DFB-Elf im Sechzehntelfinale in Foxborough bei Boston gegen den Außenseiter Paraguay 3:4 nach Elfmeterschießen verloren und damit zum dritten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft das Achtelfinale verpasst. 2018 in Russland und 2022 in Katar war Deutschland bereits in der Gruppenphase ausgeschieden.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verfolgte das Spiel im Flugzeug – auf dem Weg zum „Kontrahenten“ nach Asunción, der Hauptstadt von Paraguay. Dort wollte er an einem Gipfeltreffen der Mercosur-Staaten teilnehmen. „Schade, dass es dieses Jahr nicht geklappt hat mit dem Sommermärchen“, schrieb das Auswärtige Amt nach der Niederlage im Onlinedienst Instagram.
Merz erhielt für seine lobenden Worte für die Nationalmannschaft Kritik: Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb bei X zu Merz‘ Eintrag, sie wisse gar nicht, was schlimmer sei – „das Spiel oder diese Analyse“.
„Diese Nationalmannschaft spielt, wie diese Bundesregierung regiert: viel Anspruch, wenig Entschlossenheit.“ AfD-Chef Tino Chrupalla schrieb, Merz scheine an die Nationalmannschaft „dieselbe Messlatte anzulegen wie an seine Regierungskoalition“.
Auch in Russland sorgte Merz‘ Beitrag für Häme: Der Kanzler verstehe es wie immer gut, „zum Scheitern zu ermutigen“, schrieb der Wirtschaftsbeauftragte des Kreml, Kirill Dmitrijew, bei X.

Feiertag für Paraguay: „Mit der Seele verteidigt“

Während in Deutschland die Enttäuschung groß war, sorgte der WM-Triumph der Albirroja („Weiß-Rote“ in Anlehnung an die Trikot-Farben) in Paraguay für frenetischen Jubel. Präsident Santiago Peña erklärte den Dienstag zum Feiertag. „Paraguay gibt niemals auf. Feiertag verdammt noch mal“, schrieb der Staatschef im Onlinedienst X.
In Asunción feierten ausgelassene Fans den Sieg über das deutsche Team mit Autokorsos. Paraguay habe „das getan, was es am besten kann: während des gesamten Spiels und auch in der Verlängerung mit der Seele verteidigt“, sagte der Bankangestellte Amado Salomón.
Asunción, Paraguay: Ausgelassene WM-Stimmung - Fans jubeln nach Spiel Deutschland gegen Paraguay .

Asunción, Paraguay: Ausgelassene WM-Stimmung – Fans jubeln nach Spiel Deutschland gegen Paraguay .

Foto: Jorge Saenz/AP/dpa

Der Hotelier Luis Espínola sagte, als Anhänger der Albirroja müsse man bis zur letzten Minute leiden. „Das ist Teil unserer Identität, unserer Art zu konkurrieren und Fußball zu verstehen. Heute hat sich dieses Leiden schließlich in eine ungeheure Freude verwandelt“, sagte er inmitten der jubelnden Anhänger auf den Straßen der Hauptstadt.
Für Paraguay war der Triumph gegen die deutsche Mannschaft erst der zweite K.o.-Sieg bei einer WM. „Wir haben einen viermaligen Weltmeister ausgeschaltet, und Paraguay hat gezeigt, dass man mit Organisation, Opferbereitschaft und einem enormen Teamgeist auch die größten Fußballmächte bezwingen kann“, sagte Espínola. „Es ist eine Nacht, die für immer im Gedächtnis des paraguayischen Volkes bleiben wird.“ (afp/red)
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TICKER | Erschütterung nach Gewalttat in Stade – Andacht am Abend

Bei Schüssen in Stade westlich von Hamburg sind sechs Menschen gestorben. „Es wurde in der Nähe einer Jugendeinrichtung in der Innenstadt geschossen“, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen laufen.

 
HEUTE12:57 Uhr

Die Stadt ist erschüttert

Nach den tödlichen Schüssen auf sechs Menschen im niedersächsischen Stade soll eine Andacht am Abend Raum für Trauer und Anteilnahme geben. Die evangelische Kirche lädt dafür um 18:00 Uhr in die Stader St.-Wilhadi-Kirche ein. Es gehe darum, mit dem Erschrecken, den Fragen und den Erlebnissen nicht allein zu sein, teilte der Sprengel Stade mit.
„Ich bin tief erschüttert über die Gewalttat in unserer Stadt“, sagte Regionalbischöfin Sabine Preuschoff laut der Mitteilung. „Menschen wurden getötet, so viel Leid ist über Familien gekommen“, sagte sie.
Auch Landesbischof Ralf Meister sowie Landrat Kai Seefried werden bei der Andacht vor Ort sein. Außerdem werden Notfallseelsorger und weitere Pastoren dabei sein.
Bei einer Andacht soll am Abend in Stade Raum für Trauer und Anteilnahme sein.

Bei einer Andacht soll am Abend in Stade Raum für Trauer und Anteilnahme sein.

Foto: Kai Moorschlatt/dpa

HEUTE12:27 Uhr

Für mehr Schutz

Der Bundesvorsitzende des Beamtenbundes, Volker Geyer, fordert mehr Schutz von Beschäftigten im öffentlichen Dienst.
„Wir sind tief erschüttert und wir sind wütend. Seit Jahren weisen wir auf die wachsende Zahl von Gewalttaten gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes hin“, sagte Geyer der „Rheinischen Post“ mit Blick auf den Vorfall, bei dem am Montag sechs Mitarbeiter einer Mutter-Kind-Einrichtung umgebracht wurden.
Das seien die Menschen, die für diesen Staat, die für uns alle den Kopf hinhalten. Deshalb schulde man ihnen besonderen Schutz. Das sei zuerst die Verantwortung der Dienststellenleiter und Politiker vor Ort, so Geyer.
Es sei aber auch die Verantwortung aller Bürger. „Die Sitten in Deutschland verrohen, der Egoismus marschiert und die Gewaltbereitschaft wächst“, kritisierte der Vorsitzende des Beamtenbundes.
 
HEUTE8:55 Uhr

CDU-Innenpolitiker: Absolute Sicherheit nicht möglich

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alexander Throm, fordert eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse in Stade. Zugleich warnt er vor der Illusion eines vollständigen Schutzes.
„Eine absolute Sicherheit, das müssen wir ehrlicherweise sagen, können wir nicht schaffen“, sagte Throm den Sendern RTL und ntv. Man müsse vielmehr früher hinschauen, ob es bei einem späteren Täter bereits Hinweise gegeben habe, „die in eine solche Richtung hindeuten“, und dann konsequenter handeln.
Throm forderte eine vollständige Aufklärung der Tat. Noch sei zu wenig über die Hintergründe des Täters sowie mögliche persönliche und kriminelle Hintergründe bekannt. Die Tat müsse „mit aller Härte des Gesetzes geahndet werden“.
Es sei fürchterlich und schrecklich, wenn Menschen morgens zur Arbeit gingen, um anderen helfen zu wollen, und dann Opfer einer solchen Tat würden. „Das berührt mich zutiefst“, so Throm.
 
GESTERN20:52 Uhr

Polizeipräsidentin: Vermutlich ein Sorgerechtsstreit

Erste Details zum mutmaßlichen Täter und seinem Motiv kommen ans Licht. Hintergrund der Tat war vermutlich ein Sorgerechtsstreit, wie die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz sagte.
Beim Verdächtigen – bereits festgenommen – handelt es sich demnach um einen in Deutschland geborenen, 45-jährigen Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover.
Der mutmaßliche Täter hatte den Angaben nach in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter – zusammen mit vielen seiner Opfer. Das Kind und die Mutter sind nicht unter den insgesamt sechs Toten.
Gegen den Mann lägen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich der Bedrohung, führte Schuol am Abend aus. Sie sagte, er habe bislang nicht als „absolut gewalttätig“ im polizeilichen System gegolten.
Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bisher kein Haftbefehl für den Mann erlassen. Es sei noch offen, ob und wann dieser am Dienstag beantragt werde. Das hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab.
Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. Über eine Website können Zeugen Hinweise sowie Fotos oder Videos direkt an die Ermittler übermitteln, wie die Polizei mitteilte. „Jeder Hinweis kann für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein.“

Die Spurensicherung der Polizei ist am Tatort im Einsatz, an dem am 29. Juni 2026 bei einer Schießerei in Stade; die Polizei erklärte, die tödliche Schießerei sei wahrscheinlich auf „eine Tragödie innerhalb einer Großfamilie“ zurückzuführen.

Foto: Ibrahim Ot/AFP via Getty Images

GESTERN20:50 Uhr

Innenministerin: „Kaltblütige“ Tat

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach auf der Pressekonferenz von einer „kaltblütigen“ Tat. Sie bezeichnete die Tat zudem als singulären Fall. Es gebe keine Verbindungen zu anderen Bereichen.
In der Stadt westlich von Hamburg hatten zuletzt im vergangenen Jahr Ausschreitungen zwischen zwei Großfamilien bei einem Mordprozess für Schlagzeilen gesorgt.
Dieser Fall habe nichts mit früheren Fällen zu tun, sagte die SPD-Politikerin am Abend und betonte: „Ich bin mir sicher, dass diese schreckliche Tat Stade lange beschäftigen wird. Und sie wird auch Spuren hinterlassen.“
 
GESTERN20:16 Uhr

Die Opfer: Zwei Männer und vier Frauen der Einrichtung

Die Polizei vermutet als Motiv hinter den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade einen Sorgerechtsstreit.
Wie die Lüneburger Polizei am Abend mitteilte, gilt ein 45-jähriger Mann als mutmaßlicher Täter. Der Mann soll in einem Mercedes geflüchtet sein, wurde jedoch von der Polizei gestellt.
Die Fahrerin des Fahrzeugs, eine Frau, habe laut Ermittlern eine enge Verbindung zur Familie des Täters.
Die Opfer der Tat sind zwei Männer und vier Frauen, die alle Mitarbeiter der Einrichtung waren.
Die Ermittler sprachen von einer „extrem kaltblütigen Gewalttat“ aus familiären Motiven. Der mutmaßliche Täter war polizeibekannt, jedoch bislang nicht als gewalttätig verzeichnet.
Er besaß keine Erlaubnis zum Führen einer Waffe, und die Herkunft der Tatwaffe ist bisher unbekannt.

Die Polizei setzt einen Hund ein, während sie am 29. Juni 2026 in der Nähe des Tatorts in Stade ermittelt.

Foto: Ibrahim Ot/AFP via Getty Images

 
GESTERN19:13 Uhr

Niedersachsens Ministerpräsident „tief betroffen“

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat den Schusswaffenangriff in Stade als „erschütternd“ bezeichnet. Die Tat mache „die gesamte Landesregierung tief betroffen“, erklärte Lies in Hannover.
Zugleich bat er darum, „jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben“. Es sei „die Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit und nicht für Spekulationen und Verunsicherung“.
„Wir sind in Gedanken bei den Opfern, deren Familien und Freunden und bei allen, die das furchtbare Geschehen miterleben mussten“, erklärte Lies und ergänzte: „Wir trauern um die Menschen, die ihr Leben verloren haben. Wir wünschen den Verletzten eine möglichst schnelle und vollständige Genesung.“
Lies dankte „allen Einsatzkräften, die in dieser schwierigen Situation, schnell und entschlossen gehandelt sowie Trost gespendet und Hilfe geleistet haben“. Die zuständigen Behörden arbeiteten „intensiv daran, die Hintergründe dieser schockierenden Tat aufzuklären“.
 
GESTERN17:34 Uhr

Polizei spricht von „Familientragödie“

Bei dem Schusswaffenangriff in Stade hat es sich nach Polizeiangaben um eine „erweiterte Familientragödie“ gehandelt.
Es gehe „nicht in Richtung Femizid oder auch politischer Hintergrund“, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg der Nachrichtenagentur AFP.
Das Motiv für die Gewalttat liege vielmehr „im Umfeld der Jugendhilfeeinrichtung begründet“.
Laut den Ermittlern wurde „ein Haupttäter“ festgenommen. Zwei weitere Menschen befänden sich „in polizeilichen Maßnahmen“, darunter auch eine „weibliche Begleitperson“. Ihre Tatbeteiligung sei Gegenstand der Ermittlungen.
Für den Abend wurde eine Pressekonferenz von Polizei, Staatsanwaltschaft und Landkreis mit Landesinnenministerin Daniela Behrens (SPD) in Stade angekündigt.
Wie geht es mit dem Hauptverdächtigen weiter?

Wie geht es mit dem Hauptverdächtigen weiter?

Foto: NWM-TV/dpa

 
GESTERN17:25 Uhr

Sechstes Todesopfer

Nach den Schüssen in Stade ist ein weiterer Mensch gestorben. Wie die Polizei mitteilte, starben fünf Menschen vor Ort, eine sechste Person erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen.
 
GESTERN16:41 Uhr

Was Zeugen berichten

Was genau sich gegen 12:10 Uhr in den Räumen der Einrichtung mit Mutter-Kind-Wohngruppen geschah, werden die Ermittler erst nach und nach rekonstruieren.
„Ich hab’ Schüsse gehört“, berichtet Zeuge Vitali Martens dem „Stader Tageblatt“. Zum Zeitpunkt des Geschehens sei er gerade vom Einkaufen gekommen.
Ein anderer Zeuge schildert „Focus Online“, was sich kurze Zeit später auf der Straße ereignet haben soll: Eine Frau und ein junger Mann hätten versucht, vom Tatort wegzufahren.
Ein Polizist habe gebrüllt: „Anhalten, stehen bleiben“, berichtet der Mann dem Magazin. Das Auto sei weitergefahren. Mehrere Beamte sollen das Feuer eröffnet haben. Mindestens zehn, fünfzehn Schüsse seien gefallen, schätzt der Zeuge.
Durch sein geöffnetes Fenster habe er den Polizeifunk aufgeschnappt, wie er weiter berichtet. Er habe nur Fetzen gehört wie „Brustschuss“ und „Kopfschuss“. Worte, die er nicht einordnen könne. Dann hätten Einsatzkräfte eine Person auf einer Trage aus dem Haus gehoben – und versucht zu reanimieren.
Kriminaltechniker der Polizei sind im Einsatz, um Spuren zu sichern.

Kriminaltechniker der Polizei sind im Einsatz, um Spuren zu sichern.

Foto: Fabian Höfig/NEWS5/dpa

 
GESTERN16:30 Uhr

Behörden warnen vor „Fehlinformationen“

Polizei und Stadt riefen die Menschen auf, keine ungeprüften Nachrichten mit Gerüchte zu verbreiten. Es kursierten bereits „Fehlinformationen“. „Die Ermittlungen zu den Hintergründen und zum genauen Tatablauf dauern an“, teilten die Beamten mit.
 
GESTERN15:43 Uhr

Stadtrat: Kita und Grundschule unversehrt

„Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage“, sagte Stades Stadtrat Carsten Brokelmann in einer Mitteilung.
Der Stadtrat sprach zudem im Namen der Stadtverwaltung seine Anteilnahme aus. „Gleichzeitig gilt unser tiefes Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen.“
Noch seien die Hintergründe der Tat nicht bekannt. Er vertraue darauf, dass diese bald ermittelt würden, sagte Brokelmann in der Mitteilung weiter.
 
GESTERN15:28 Uhr

Keine Hinweise auf Clankriminalität

Bei Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade sind fünf Erwachsene getötet worden. „Es gibt mehrere Menschen, die zum Teil schwer verletzt wurden“, sagte eine Polizeisprecherin der dpa. Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Todesopfer noch steige.
Auf Bildern von der Umgebung des Tatortes waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge und Rettungskräfte zu sehen. Auch Kriminaltechniker in weißen Overalls waren vor Ort.
 
GESTERN14:59 Uhr

Mutmaßlicher Schütze festgenommen

Neben fünf Toten seien mehrere weitere Menschen verletzt worden, teilte die Polizei über WhatsApp mit. Zwei Verdächtige, darunter der mutmaßliche Schütze, seien demnach festgenommen worden.
Weitere Einzelheiten des Geschehens waren zunächst unklar. „Die Ermittlungen zu den Hintergründen und zum genauen Tatablauf dauern an“, teilten die Beamten mit.
Die Polizei sprach unter Berufung auf erste Ermittlungserkenntnisse von einem „Tötungsdelikt in einer Jugendhilfeeinrichtung“.
Die Verdächtigen seien im Zuge sofort eingeleiteter Fahndungs- und Einsatzmaßnahmen festgenommen worden, hieß es weiter. Darunter sei auch der mutmaßliche Schütze. Details zur Identität wurden nicht genannt.
 
GESTERN14:45 Uhr

Keine Gefahr für Bevölkerung

Nach den Schüssen in Stade mit fünf Todesopfern besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Das teilte die Polizei mit.
Die Schüsse sind in einer Jugendeinrichtung gefallen. Dort sind Mutter-Kind-Wohngruppen untergebracht, wie eine Polizeisprecherin auf dpa-Anfrage bestätigte.
 
GESTERN14:01 Uhr

Polizei meldet Einsatz

Es komme zu einer „großen polizeilichen Einsatzlage“ im Bereich Dankersstraße, teilte die örtliche Polizei in den sozialen Netzwerken mit. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen, wie ein Polizeisprecher bestätigte.
 

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Stade gehört zur Metropolregion Hamburg und ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Die Hansestadt liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt. Sie hat knapp 50.000 Einwohner.
(mit Material der Nachrichtenagenturen)
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Paketbombe in Monaco: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs

Einen Tag nach der Explosion einer Paketbombe in Monaco, bei der ein ukrainischer Oligarch und zwei seiner Familienmitglieder verletzt wurden, suchen die Sicherheitskräfte in dem Fürstentum und in Südfrankreich nach dem Täter.
Das Paket explodierte nach Angaben der monegassischen Behörden am 29. Juni gegen 21:00 Uhr. Demnach wurde bei der Explosion ein Paar im Alter zwischen 50 und 60 Jahren schwer verletzt, ein 13 Jahre alter Jugendlicher erlitt leichtere Verletzungen. Alle drei wurden ins benachbarte Nizza in Krankenhäuser gebracht.

Ermittlungen wegen Mordversuch aufgenommen

Die Staatsanwaltschaft geht zunächst nicht von einem Terroranschlag aus. Es gebe zurzeit keine Hinweise für eine solche Einstufung, sagte der monegassische Staatsanwalt Stéphane Thibault. Ermittelt werde wegen Mordversuch und einer Sprengstoffstraftat, sagte Staatsanwalt Stéphane Thibault.
An der Suche nach dem Täter seien auch französische Sicherheitskräfte beteiligt, sagte Thibault. Nach ersten Ermittlungen handle es sich um einen Einzeltäter, der ein Paket im Eingang des Wohnhauses abgelegt habe.
Kurz nachdem die drei Bewohner an der Tür erschienen seien, sei ein Sprengsatz detoniert. Es gebe zwei weitere Verletzte, die von Splittern durch berstende Schaufensterscheiben getroffen worden seien, sagte der Staatsanwalt.
Noch immer schwebt nach der Explosion in Monaco eine Frau in Lebensgefahr.

Noch immer schwebt nach der Explosion in Monaco eine Frau in Lebensgefahr.

Foto: Philippe Magoni/AP/dpa

Die Identität der Opfer wurde bislang nicht offiziell bekannt. Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln.
Jermolajew ist von Kiew mit Sanktionen belegt und hat einen Wohnsitz in Monaco. Nach Medienberichten war er mit der ukrainischen Regierung in Konflikt geraten, weil er auf der Halbinsel Krim mit Alkohol Geschäfte machte.

Mann nicht mehr in Lebensgefahr

Die Verletzten seien noch nicht verhört worden, sagte der Staatsanwalt. Die Frau schwebe weiterhin in Lebensgefahr, der Mann nicht mehr und auch das Kind nicht. Alle drei kamen in eine Klinik ins südfranzösische Nizza.
Der Staatsanwalt sagte, dass der Mann seit spätestens 2021 in Monaco lebt und das gegen ihn im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig sind und dass er auch nicht von ausländischen Behörden gesucht wird.

Mitglieder eines Bombenräumkommandos am Tag nach einem mutmaßlichen Anschlag mit einem Sprengkörper in der Eingangshalle eines Wohngebäudes in Monaco am 30. Juni 2026 im Einsatz.

Foto: Valery Hache/AFP via Getty Images

Verdächtiger floh Richtung Frankreich

Die Regierung des Fürstentums erklärte, die „starke Explosion“ sei durch eine „Paketbombe“ verursacht. „Ein Verdächtiger wurde von der Videoüberwachung aufgenommen, wie er in Richtung der Gemeinde Beausoleil in Frankreich floh“, hieß es in der im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung.
Aus dem Umfeld des französischen Innenministers Laurent Nuñez verlautete, es sei eine Fahndung eingeleitet worden.
In Frankreich waren zwei Hubschrauber und etwa 30 Polizisten im Einsatz. Spezialkräfte seien in Alarmbereitschaft.

Am 29. Juni 2026 sind Rettungskräfte in Monaco in der Nähe des Ortes einer Explosion in einem Wohnhaus in Monaco, nahe der französischen Grenze, im Einsatz.

Foto: Valery Hache/AFP via Getty Images

Schock für Monaco

Fürst Albert II. bezeichnete den Vorfall als „abscheuliches Verbrechen“ und „Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“. Der Staatsminister und Regierungschef des Fürstentums, Christophe Mirmand, sagte, der Sprengsatz habe offenbar Schrauben und Schrot enthalten.
„Dies ist meines Wissens das erste Mal in der Geschichte, dass eine solche Tat im Fürstentum verübt wurde“, sagte Mirmand.
Nun komme es darauf an, mit den Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten, „um das Umfeld der Opfer zu identifizieren“ und um festzustellen, ob womöglich weitere Menschen bedroht sein könnten, sagte er.
Der Bürgermeister von Nizza, Eric Ciotti, sprach auf X von einer „Tragödie“ für Monaco. (afp/red)
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20 Millionen Euro weniger: Erträge aus Rundfunkbeitrag 2025 leicht gesunken

Die Erträge aus dem Rundfunkbeitrag sind im vergangenen Jahr leicht gesunken. ARD, ZDF, Deutschlandradio und die Landesmedienanstalten erhielten 2025 von den Beitragszahlern 8,72 Milliarden Euro, wie der Beitragsservice am Dienstag in Köln mitteilte.
Das waren rund 20 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Die Zahl der zum Rundfunkbeitrag angemeldeten Wohnungen sei leicht zurückgegangen, hieß es.

Zahl der angemeldeten Wohnungen ist gesunken

Der Rundfunkbeitrag ist die wichtigste Einnahmequelle der öffentlich-rechtlichen Sender. Aktuell beträgt er 18,36 Euro pro Haushalt und Monat.
Ende 2025 waren den Angaben nach 46.922.005 Beitragskonten beim Beitragsservice registriert, ein Rückgang um 0,15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der zum Rundfunkbeitrag angemeldeten Wohnungen sei um 0,18 Prozent auf 40.445.105 Wohnungen gesunken.
„Die rückläufige Entwicklung der wichtigsten Kennzahlen beim Beitragseinzug war so erwartet worden und ist typisch für die letzte Phase des alle vier Jahre stattfindenden bundesweiten Meldedatenabgleichs, bei dem die Beitragsdaten mit den Melderegistern der Kommunen abgeglichen werden“, erklärte Bernd Roßkopf vom Beitragsservice.
Auch die Zahl der Mahnungen und Vollstreckungen ging den Angaben zufolge zurück. Ende 2025 seien noch 3,65 Beitragskonten im Mahnverfahren gewesen – nach 3,73 Millionen Ende 2024.

Verfassungsgericht muss zum Finanzbedarf entscheiden

Aktuell läuft vor dem Bundesverfassungsgericht ein von ARD und ZDF angestrengtes Verfahren zum Rundfunkbeitrag.
Die Sender wehren sich dagegen, dass der Beitrag 2025 nicht angehoben wurde – anders als die zuständige Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) es zunächst empfohlen hatte.
Die KEF änderte diese Empfehlung im Februar. Der Rundfunkbeitrag soll demnach erst ab 2027 steigen. Noch setzten die Länder die Empfehlung nicht um. Die Sender hoffen darauf, dass das Gericht das anordnet. (afp/red)
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Der Hügel – von Christian Morgenstern

Der Hügel

Wie wundersam ist doch ein Hügel,
der sich ans Herz der Sonne legt,
indes des Winds gehalt’ner Flügel
des Gipfels Gräser leicht bewegt.
Mit bunten Faltertanz durchwebt sich,
von wilden Bienen singt die Luft
und aus der warmen Erde hebt sich
ein süßer hingeb’ner Duft.
 
Christian Morgenstern (1871-1914)
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Studien zeigen: Homeoffice kann die Psyche belasten

In Kürze:

  • Homeoffice bietet Flexibilität und spart Pendelzeit, kann bei dauerhaftem Arbeiten aus der Distanz aber auch psychisch belasten.
  • Weniger soziale Kontakte und verschwimmende Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit können das Wohlbefinden beeinträchtigen – besonders bei Menschen mit wenig sozialer Unterstützung.
  • Klare Arbeitszeiten, Pausen, Bewegung und regelmäßiger Austausch helfen, die Vorteile des Homeoffice zu nutzen und Belastungen zu reduzieren.

 
Millionen Beschäftigte in Deutschland haben ihren Arbeitsweg gegen den Küchentisch eingetauscht. Homeoffice und mobiles Arbeiten gelten für viele als Gewinn an Flexibilität und Vereinbarkeit.
Gleichzeitig mehren sich Hinweise darauf, dass die vollständige Verlagerung der Arbeit ins eigene Zuhause langfristige Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden haben kann.
Aktuelle Studien, darunter eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Science“, zeigen: Wer dauerhaft im Homeoffice arbeitet, verbringt häufiger Zeit allein, pflegt nach Feierabend weniger soziale Kontakte und berichtet öfter von psychischen Belastungen als Beschäftigte, die regelmäßig vor Ort arbeiten.
Besonders ausgeprägt waren diese Effekte bei Personen, die allein leben. Dort nahmen sowohl psychische Belastungssymptome als auch die Nutzung psychologischer und psychiatrischer Unterstützungsangebote stärker zu.
Für die Untersuchung wurden Daten von 588.322 Beschäftigten aus fünf repräsentativen US-amerikanischen Bevölkerungsstudien ausgewertet.
Die Analyse umfasst den Zeitraum von 2011 bis 2024. Die pandemiegeprägten Jahre 2020 und 2021 wurden bewusst ausgeschlossen, um langfristige Entwicklungen unabhängig von den unmittelbaren Auswirkungen der COVID-19-Pandemie betrachten zu können.
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Vorteile des Homeoffice – etwa größere zeitliche Flexibilität und der Wegfall von Pendelzeiten – mit potenziellen sozialen und psychischen Kosten verbunden sein können.
Dies ist auch für Deutschland relevant: Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) weist darauf hin, dass mobiles Arbeiten gesundheitsförderlich gestaltet werden muss und soziale Einbindung, Austausch im Team sowie eine ausgewogene Arbeitsorganisation wichtige Voraussetzungen für langfristiges Wohlbefinden sind.

Isolation fordert ihren Tribut

Für die Studie, die in der Fachzeitschrift „Science“ erschien, verglichen die Forscher die psychische Gesundheit von Beschäftigten in Berufen, die sich vollständig oder überwiegend aus der Ferne ausüben lassen – etwa in der Softwareentwicklung oder im Marketing –, mit der von Beschäftigten in Berufen, die eine physische Anwesenheit erfordern, beispielsweise in der Pflege oder im Maschinenbau.
Das Ergebnis: Der Anstieg psychischer Belastungen fiel bei Arbeitnehmern in den sogenannten „remotable“ Berufen etwa doppelt so hoch aus wie bei Beschäftigten in „nonremotable“ Berufen.
Seit Beginn der Pandemie verbrachten Arbeitnehmer in den „remotable“ Berufen an jedem Arbeitstag durchschnittlich etwa eine Stunde mehr allein.
Gleichzeitig pflegten sie nach Feierabend weniger soziale Kontakte und berichteten häufiger von Tagen, die sie vollständig isoliert verbrachten.
Die Wahrscheinlichkeit, einen ganzen Tag ohne persönlichen Kontakt zu verbringen, stieg in dieser Gruppe auf 83 Prozent – ein Zuwachs von sieben Prozentpunkten.
„Diese Isolation ist besonders gravierend angesichts der Erkenntnisse, dass selbst die kürzesten sozialen Interaktionen das psychische Wohlbefinden verbessern können – oft stärker, als Menschen erwarten“, schreiben die Autoren der Studie.
„Menschen, die aufgrund von Introvertiertheit, Ängsten oder ihres Persönlichkeitsstils ohnehin dazu neigen, sich zurückzuziehen, empfinden Remote-Arbeit möglicherweise als angenehm oder beruhigend“, sagte Dr. Alex Dimitriu, Facharzt für Psychiatrie und Schlafmedizin sowie Gründer von Menlo Park Psychiatry & Sleep Medicine, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
„Aber langfristig ist sie möglicherweise nicht die beste Lösung für sie.“
Die Beschäftigten, die ihre Berufe überwiegend von zu Hause ausüben, berichteten zudem häufiger von Gefühlen der Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Nervosität und Traurigkeit.
Gleichzeitig nahmen sie häufiger psychologische Unterstützung in Anspruch und erhielten öfter verschreibungspflichtige Medikamente gegen Angstzustände oder Depressionen.
Nach Schätzung der Forscher könnte Telearbeit rund ein Drittel des seit Beginn der Pandemie beobachteten Anstiegs psychischer Probleme erklären.

Die Arbeitnehmer, die am stärksten gefährdet sind

Sanam Hafeez, Neuropsychologin und Leiterin von „Comprehend the Mind“ in New York, identifizierte vier Gruppen, die sie als besonders gefährdet ansieht:
  • Menschen, die allein leben oder nur über begrenzte soziale Unterstützung verfügen
  • Jüngere Mitarbeiter und Berufseinsteiger, denen Mentoren und Beziehungen am Arbeitsplatz fehlen
  • Menschen mit Angstzuständen, Depressionen oder einem starken Bedürfnis nach sozialer Interaktion
  • Menschen, denen es schwerfällt, Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen
„Sie pflegen ohnehin schon kaum soziale Kontakte“, so Hafeez, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times über die vier aufgelisteten Gruppen.
„Daher könnte es hilfreich sein, dass sie physisch zur Arbeit gehen sollten. Auf diese Weise sind sie von anderen umgeben und haben die Chance, Freundschaften zu schließen.“
Neben der zunehmenden sozialen Isolation kann Homeoffice auch die Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben erschweren.
Anders als im Büro fehlen zu Hause häufig die räumlichen und visuellen Grenzen, die den Arbeitstag klar vom Feierabend trennen. Wenn der Küchentisch gleichzeitig Arbeitsplatz ist, verschwimmen die Übergänge zwischen Arbeits- und Freizeit schnell.
Diese Entgrenzung kann dazu führen, dass Beschäftigte gedanklich länger bei der Arbeit bleiben und sich nach Feierabend schwerer erholen. Das Gehirn erhält weniger Signale dafür, dass der Arbeitstag beendet ist und nun eine Phase der Erholung beginnt.
Hinzu kommt, dass die tägliche Pendelzeit als natürlicher Übergang zwischen Berufs- und Privatleben entfällt.
Der Arbeitsweg bietet vielen Menschen die Möglichkeit, gedanklich abzuschalten, Erlebnisse des Arbeitstags zu verarbeiten und sich auf die nächste Rolle im privaten Umfeld einzustellen.
Auch die dauerhafte Präsenz von Arbeitsmitteln im Wohnraum kann die mentale Distanz zur Arbeit erschweren.
Sichtbare Erinnerungen an unerledigte Aufgaben – etwa der Laptop auf dem Esstisch oder Unterlagen im Wohnzimmer – können dazu beitragen, dass Beschäftigte gedanklich im Arbeitsmodus bleiben und sich weniger gut erholen.

Praktische Schritte für Remote-Mitarbeiter

Für Menschen, die überwiegend im Homeoffice arbeiten, gibt es praktische Möglichkeiten, potenzielle Belastungen für die psychische Gesundheit zu reduzieren.
Der Psychiater und Schlafmediziner Dr. Alex Dimitriu empfiehlt, das Haus regelmäßig zu verlassen und soziale Kontakte zu pflegen – idealerweise ein- bis zweimal pro Woche. Ebenso wichtig sei es, klare Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu ziehen.
„Gehen Sie aus dem Haus und schaffen Sie klare Übergänge zwischen Arbeit und Erholung“, sagte Dimitriu.
Während der Pandemie, als vermehrt Menschen ihre Arbeit nach Hause verlegen mussten, habe sich gezeigt, wie leicht die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen können. Viele Menschen telefonierten während der Hausarbeit, beantworteten E-Mails nebenbei oder wechselten ständig zwischen beruflichen und privaten Aufgaben.
Dadurch seien sie oft weder bei der Arbeit noch in ihrer Freizeit vollständig präsent gewesen.
„Sie fühlen sich ständig schuldig, weil sie beides nicht gut hinbekommen haben“, so Dimitriu.
Seiner Ansicht nach liegt die Lösung darin, bewusste Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben zu setzen und Eingriffe der Arbeit in die Freizeit möglichst zu begrenzen.
Dazu gehört, Ablenkungen während der Arbeitszeit zu reduzieren und zwischen Arbeitsende und Freizeit einen klaren Übergang zu schaffen – etwa durch Bewegung oder einen Spaziergang im Freien.
Klare Grenzen und regelmäßige Erholungsphasen können dazu beitragen, Stress zu reduzieren, einem Burnout vorzubeugen und die nötige Energie für soziale Kontakte und andere Aktivitäten bereitzustellen.
„Grenzen und ein gewisses Maß an Disziplin können das Arbeiten von zu Hause aus gut bewältigbar machen“, so Dimitrius’ Einschätzung.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Your Mental Health May Be Paying the Price of Working From Home“. (deutsche Bearbeitung: vm)  
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Explosion in Monaco – ukrainischer Oligarch nicht mehr in Lebensgefahr

Einen Tag nach der Explosion einer Paketbombe in Monaco, bei der ein ukrainischer Oligarch und zwei seiner Familienmitglieder verletzt wurden, suchen die Sicherheitskräfte in dem Fürstentum und in Südfrankreich nach dem Täter.
Das Paket explodierte nach Angaben der monegassischen Behörden am 29. Juni gegen 21:00 Uhr. Demnach wurde bei der Explosion ein Paar im Alter zwischen 50 und 60 Jahren schwer verletzt, ein 13 Jahre alter Jugendlicher erlitt leichtere Verletzungen. Alle drei wurden ins benachbarte Nizza in Krankenhäuser gebracht.
Die Identität der Opfer wurde bislang nicht offiziell bekannt. Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln.
Jermolajew ist von Kiew mit Sanktionen belegt und hat einen Wohnsitz in Monaco. Nach Medienberichten war er mit der ukrainischen Regierung in Konflikt geraten, weil er auf der Halbinsel Krim mit Alkohol Geschäfte machte.

Mann nicht mehr in Lebensgefahr

Die Verletzten seien noch nicht verhört worden, sagte der Staatsanwalt. Die Frau schwebe weiterhin in Lebensgefahr, der Mann nicht mehr und auch das Kind nicht. Alle drei kamen in eine Klinik ins südfranzösische Nizza.
Der Staatsanwalt sagte, dass der Mann seit spätestens 2021 in Monaco lebt und das gegen ihn im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig sind und dass er auch nicht von ausländischen Behörden gesucht wird.
Die Staatsanwaltschaft geht zunächst nicht von einem Terroranschlag aus. Es gebe zurzeit keine Hinweise für eine solche Einstufung, sagte der monegassische Staatsanwalt Stéphane Thibault. Ermittelt werde wegen versuchter Tötung und einer Sprengstoffstraftat, sagte Staatsanwalt Stéphane Thibault.

Verdächtiger floh Richtung Frankreich

Die Regierung des Fürstentums erklärte, die „starke Explosion“ sei durch eine „Paketbombe“ verursacht. „Ein Verdächtiger wurde von der Videoüberwachung aufgenommen, wie er in Richtung der Gemeinde Beausoleil in Frankreich floh“, hieß es in der im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung.
Aus dem Umfeld des französischen Innenministers Laurent Nuñez verlautete, es sei eine Fahndung eingeleitet worden.

Polizisten aus Monaco patrouillieren am 29. Juni 2026 in der Nähe des Ortes einer Explosion in einem Wohnhaus in Monaco, nahe der französischen Grenze.

Foto: Valery Hache/AFP via Getty Images

In Frankreich waren zwei Hubschrauber und etwa 30 Polizisten im Einsatz. Spezialkräfte seien in Alarmbereitschaft.

Schock für Monaco

Fürst Albert II. bezeichnete den Vorfall als „abscheuliches Verbrechen“ und „Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“. Der Staatsminister und Regierungschef des Fürstentums, Christophe Mirmand, sagte, der Sprengsatz habe offenbar Schrauben und Schrot enthalten. „Dies ist meines Wissens das erste Mal in der Geschichte, dass eine solche Tat im Fürstentum verübt wurde“, sagte Mirmand.
Nun komme es darauf an, mit den Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten, „um das Umfeld der Opfer zu identifizieren“ und um festzustellen, ob womöglich weitere Menschen bedroht sein könnten, sagte er.
Der Bürgermeister von Nizza, Eric Ciotti, sprach auf X von einer „Tragödie“ für Monaco. (afp/red)
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Satellitendaten: Mehr als 58.000 Gebäude in Venezuela beschädigt oder zerstört

Durch die schweren Erdbeben sind in Venezuela vermutlich mehr als 58.000 Gebäude beschädigt oder zerstört worden. Das ergab eine vorläufige Auswertung von Satellitendaten, die von der US-Raumfahrtbehörde NASA veröffentlicht wurde.
Bei dem Doppel-Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 starben in der vergangenen Woche mindestens 1.700 Menschen. Zehntausende weitere Menschen werden vermisst. Es handelte sich um das schwerste Erdbeben in den südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert.

„Rund 58.870 Gebäude beschädigt oder zerstört“

„In der betroffenen Region wurden wahrscheinlich rund 58.870 Gebäude beschädigt oder zerstört“, erklärten die Wissenschaftler Corey Scher und Jamon Van Den Hoek von der Oregon State University auf Grundlage von Satellitendaten vom 25. Juni – dem Tag nach den Beben.
Sie bezogen sich auf Daten der hochauflösenden radargestützen Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-1 der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA.
Es handele sich um eine vorläufige, schnelle Einschätzung, betonten die Wissenschaftler. „Sie deutet auf eine plötzliche Veränderung der Oberfläche hin, die mit Schäden vereinbar ist.“ Die Zahl sei lediglich ein Anhaltspunkt und nicht vor Ort überprüft worden.
Der Präsident der venezolanischen Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, hatte am Montag mitgeteilt, dass 855 Gebäude zerstört worden seien. 189 seien „komplett eingestürzt“.
Die NASA erklärte, ihre Satelliten seien eine „entscheidende Unterstützung, indem sie Bilder und Daten erfassen, um Teams vor Ort bei der Schadensermittlung und der Koordination der Hilfsmaßnahmen zu helfen“. (afp/red)
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London will Asylbewerber zur Kasse bitten

Asylbewerber in Großbritannien sollen künftig mehrere tausend Euro zu den Kosten für ihre Unterbringung und Unterstützung beitragen. Das geht aus Plänen des britischen Innenministeriums hervor.
Demnach sollen Betroffene bis zu 10.000 Pfund – umgerechnet mehr als 11.000 Euro – pro Person zurückzahlen, sobald sie über ein Einkommen verfügen, wie britische Medien unter Berufung auf das Innenministerium berichten.
Der Betrag soll den Plänen zufolge in monatlichen Raten entrichtet werden, ähnlich wie bei einem Kredit. Erst wenn der Betrag vollständig beglichen ist, gibt es demnach Anspruch auf einen dauerhaften Aufenthaltsstatus.

Erste Lesung im Unterhaus

Die Pläne sind Teil der sogenannten „Immigration and Asylum Bill“, die am Dienstag zunächst für eine erste Lesung ins Unterhaus eingebracht wird. Das Thema Migration ist in Großbritannien seit Jahren politisch stark aufgeladen.
Auch beim Austritt des Landes aus der EU spielte es eine große Rolle. Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage liegt auch deshalb mit seiner Partei Reform UK in den Umfragen vor der Regierungspartei Labour.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Der Nachrichtenagentur PA zufolge wurden im vergangenen Jahr etwa vier Milliarden Pfund für die Unterkünfte und Unterstützung von Asylsuchenden ausgegeben. Innenministerin Mahmood bezeichnete diesen Betrag als zu hoch.
„Sobald Menschen einen Beitrag leisten und die Großzügigkeit der britischen Bevölkerung zurückzahlen können, erwarten wir von ihnen, dass sie dies tun“, sagte sie demnach. Eine Unterstützung für Asylsuchende sei ein Recht, aber „auch mit Verantwortung verbunden“.
Kritik an den Plänen kommt etwa von der Direktorin des Migration Observatory von der Universität Oxford, Madeleine Sumption. Nur ein kleiner Teil der Geflüchteten verdiene genug, um einen Beitrag leisten zu können, sagte sie.
Zoe Dexter von der Menschenrechtsorganisation Helen Bamber Foundation bezeichnete das Vorhaben als „zutiefst ungerecht und völlig kontraproduktiv“. (dpa/red)
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„AfD wird stärkste Kraft“ – Prof. Patzelt befürchtet „bürgerkriegsähnliche Umstände“

In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stehen Landtagswahlen mit viel Sprengkraft vor der Tür. In einem Interview mit Epoch Times bespricht Prof. Werner Patzelt (CDU) aktuelle Umfragewerte und mögliche Koalitionsszenarien. Der Politikwissenschaftler diskutiert dabei die Ursachen für den Aufstieg der AfD, die Schwäche der etablierten Parteien und die möglichen Folgen der Wahlergebnisse für die Landes- und Bundespolitik. Patzelt greift dabei auch die Debatte um ein mögliches AfD-Verbotsverfahren auf.

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Guten Tag, Herr Patzelt. Der Leiter des Forsa-Instituts, Manfred Güllner, sagte kürzlich, die Stärke der AfD sei vor allem Ausdruck der Schwäche von CDU und SPD. In Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut Umfragen bei rund 42 Prozent und steht damit möglicherweise vor einer absoluten Mehrheit. Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario aus Ihrer Sicht? Und worin sehen Sie die Ursachen dafür, dass CDU und SPD ihr Wählerpotenzial nicht ausschöpfen?
Die AfD wird mit großem Abstand stärkste Kraft werden. Sollte sie keine absolute Mehrheit erreichen, wird es aller Voraussicht nach ein Bündnis der übrigen Parteien gegen die AfD geben – selbst zwischen Parteien, die inhaltlich nur schwer zusammenpassen, etwa CDU und Linke.
Solche Bündnisse werden kaum harmonischer funktionieren als die frühere Ampelregierung. Das dürfte der AfD bei künftigen Wahlen eher zusätzlichen Rückenwind verschaffen.
Der eigentliche Hintergrund liegt darin, dass die Politik von CDU, SPD und Grünen aus Sicht vieler Bürger ihren Nutzen weitgehend ausgeschöpft hat. Viele Menschen haben den Eindruck, dass die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgekosten inzwischen größer sind als der politische Nutzen. Deshalb wünschen sie sich keine Mitte-links-, sondern eine Mitte-rechts-Politik.
Da die CDU einen solchen Kurswechsel aus Sicht vieler Wähler nicht anbietet und SPD sowie Grüne ihn möglichst verhindern wollen, bleibt für diese Wähler vielfach nur die AfD als Alternative. Deshalb wächst deren Wählerpotenzial, während CDU und SPD an Unterstützung verlieren.
Sollte die AfD die absolute Mehrheit verfehlen, wäre vermutlich eine Drei- oder sogar Vierparteienkoalition nötig. Wie stabil und erfolgversprechend wären solche Bündnisse?
Ich halte sie nicht für besonders erfolgversprechend. Eine solche Regierung kann man zwar bilden und eine Zeit lang zusammenhalten, ob sie jedoch die Probleme des Landes lösen kann, ist eine andere Frage.
Die Erfahrung mit der Ampelregierung hat gezeigt, dass selbst Koalitionen mit großen Reformansprüchen letztlich an internen Konflikten scheitern können. Wenn sehr unterschiedliche Parteien allein mit dem Ziel zusammenarbeiten, die AfD von der Regierung fernzuhalten, dürfte das kaum erfolgreicher verlaufen. Sollten die Probleme ungelöst bleiben, könnte die AfD bei der nächsten Wahl weiter profitieren.
Welche Auswirkungen hätte eine absolute Mehrheit der AfD in Sachsen-Anhalt auf die Bundespolitik?
Vor allem würde die Mehrheitsbildung im Bundesrat schwieriger werden. Viele Bundesgesetze benötigen die Zustimmung des Bundesrates. Wenn die Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin ausgeschlossen bleibt, müssen CDU, SPD, Grüne und Linke noch enger kooperieren. Das könnte wiederum weitere CDU-Wähler zur AfD treiben.
Darüber hinaus wird häufig befürchtet, mit einer AfD-Regierung gehe automatisch die Demokratie unter. Diese Einschätzung halte ich für überzogen.
Ein Bundesland verfügt nur über begrenzte Kompetenzen, etwa in der Bildungs-, Polizei- oder Kommunalpolitik. Es kann die Bundesrepublik nicht eigenständig in eine Diktatur verwandeln.
Außerdem ist jede Landesregierung an Bundesgesetze gebunden. Sollte sie diese missachten, besteht mit dem sogenannten Bundeszwang ein verfassungsrechtliches Instrument, um die Einhaltung des Bundesrechts sicherzustellen. Hinzu kommen Gerichte, parlamentarische Opposition und freie Medien, die ihre Kontrollfunktion weiterhin wahrnehmen würden.
Deshalb bleiben die demokratischen Sicherungsmechanismen auch bei einer von der AfD geführten Landesregierung bestehen. Zudem ist keineswegs bewiesen, dass die AfD tatsächlich das Ziel verfolgt, die Demokratie abzuschaffen.
Welchen Umgang mit einer möglichen AfD-Alleinregierung erwarten Sie?
Politik ist grundsätzlich vom Wettbewerb geprägt. Parteien versuchen stets, politische Gegner zu schwächen – das war schon lange vor der AfD so.
Viele der derzeit diskutierten Maßnahmen gegen eine AfD-geführte Landesregierung müssten allerdings zunächst auf ihre rechtliche Zulässigkeit geprüft werden. Vieles dürfte juristisch kaum Bestand haben.
Ich erinnere an Österreich, als die FPÖ erstmals mitregierte. Damals wurde ebenfalls versucht, das Land politisch zu isolieren. Nach kurzer Zeit wurde diese Strategie jedoch aufgegeben, während die FPÖ politisch sogar gestärkt daraus hervorging.
Sollte eine AfD-Regierung keine gravierenden Fehler machen, könnten ähnliche Strategien in Deutschland ebenfalls zu einer weiteren Stabilisierung ihrer Wählerschaft führen.
Gleichzeitig rechne ich im Falle eines Wahlsiegs der AfD mit erheblichen gesellschaftlichen Spannungen. Aus dem linken Spektrum sind bereits Ankündigungen bekannt geworden, im Falle eines Wahlsieges der AfD Protestaktionen bis hin zur Besetzung des Landtags zu organisieren. Gewinnt die AfD die Wahl, dann ist nach dem, was mir mein politisches Gefühl und meine politischen Erfahrungen sagen, mit einem wochenlangen Streit auf den Straßen mit wochenlangen bürgerkriegsähnlichen Umständen zu rechnen, bis hin zu Attentatsversuchen, ob sie gelingen oder nicht gelingen.
Kommen wir zu Mecklenburg-Vorpommern. Dort entwickelt sich laut Umfragen ein Zweikampf zwischen AfD und SPD. Besonders auffällig ist der Absturz der CDU, die im Vergleich zu 2016 deutlich verloren hat. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Die Ursachen sind dieselben wie in Sachsen-Anhalt oder Sachsen. Ein großer Teil der heutigen AfD-Wähler stammt ursprünglich aus der CDU.
Viele dieser ehemaligen CDU-Wähler haben den Eindruck gewonnen, dass ihre Sorgen, etwa bezüglich Migration, Energiewende oder wirtschaftlicher Entwicklung, von der Parteiführung lange Zeit nicht ernst genommen wurden. Viele Wähler wenden sich von der CDU ab, weil sie den Eindruck haben, dass frühere Versprechen und Prognosen nicht eingetreten sind.
Zudem wird das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern stark davon beeinflusst werden, wie die Wahl in Sachsen-Anhalt ausgeht und welche politischen Konsequenzen daraus gezogen werden.
Sollte die bisherige Koalition aus SPD und Linken ihre Mehrheit verlieren, wären wohl Drei- oder Vierparteienbündnisse notwendig. Welche Regierungsbildung halten Sie für wahrscheinlich? 
Sollte die AfD keine absolute Mehrheit erreichen, rechne ich erneut mit einem Bündnis aller übrigen Parteien gegen sie.
Ein solches Bündnis würde aus meiner Sicht vor allem der CDU schaden und ihre inneren Konflikte verschärfen. Langfristig könnte dies zu weiteren Stimmenverlusten führen.
Auch in Berlin wird gewählt. Dort liegen mehrere Parteien dicht beieinander. Die CDU führt zwar die Umfragen an, doch die Zufriedenheit mit der aktuellen rot-schwarzen Regierung ist gering. Wie erklären Sie sich diese Situation?
Berlin ist traditionell eher links geprägt, wobei sich die politischen Mehrheiten je nach Stadtteil deutlich unterscheiden.
Selbst ein CDU-geführter Senat muss in einem überwiegend linken politischen Umfeld regieren. Dadurch sind viele Vorhaben nur eingeschränkt umsetzbar. Hinzu kommen aus meiner Sicht persönliche Schwächen der politischen Führung.
Vor dem Hintergrund möglicher AfD-Erfolge in Ostdeutschland könnte sich in Berlin zudem der Wunsch verstärken, bewusst ein linkes Gegengewicht zu bilden. Deshalb halte ich einen künftig klar links geprägten Senat für wahrscheinlich.
Rechnen Sie also mit einer linken Regierungsmehrheit?
Ja, ich gehe davon aus, dass SPD, Grüne und Linke gemeinsam regieren werden, da dies den politischen Präferenzen eines großen Teils der Berliner Bevölkerung entspricht.
Wird die CDU dafür abgestraft werden, dass sie zentrale Wahlversprechen – etwa in den Bereichen Sicherheit und Verkehr – nicht erfüllen konnte?
Das dürfte Auswirkungen haben. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Wahlversprechen nur umgesetzt werden können, wenn dafür parlamentarische Mehrheiten vorhanden sind.
Wenn die Wähler gleichzeitig eine linke Mehrheit wählen, kann die CDU ihre Vorstellungen selbst als stärkste Einzelpartei nur begrenzt durchsetzen. Dieses Spannungsverhältnis werden viele Wähler bei der nächsten Wahl berücksichtigen.
Zum Abschluss noch eine Frage zur aktuellen Debatte um ein mögliches AfD-Verbot. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat ein Gutachten veröffentlicht, das zu dem Schluss kommt, die AfD sei verfassungswidrig. Welche Auswirkungen könnte diese Veröffentlichung auf die bevorstehenden Wahlen haben?
Meiner Einschätzung nach erweitert dieses Gutachten die bisherige Beweislage gegen die AfD nicht wesentlich. Im Kern stützt es sich erneut auf den Vorwurf eines völkisch-kulturellen Volksbegriffs.
Neu hervorgehoben wird der Vorwurf, Teile der AfD wollten politische Gegner mit strafrechtlichen Mitteln ausschalten. Tatsächlich gibt es Äußerungen einzelner AfD-Politiker, die etwa Haftstrafen für politische Gegner fordern.
Allerdings gibt es keinen Straftatbestand für schlechte oder unliebsame Politik. Politische Fehlentscheidungen sind grundsätzlich nicht strafbar. Deshalb halte ich diese Argumentation nur begrenzt für tragfähig.
Ich glaube nicht, dass dieses Gutachten die Erfolgsaussichten eines Verbotsverfahrens wesentlich erhöht. Vielmehr sehe ich es als Bestandteil der politischen Kommunikationsstrategie im Vorfeld der Landtagswahlen, um die Kritik an der AfD nochmals zu verstärken.
Das Interview führte Erik Rusch.
Werner J. Patzelt (geb. 1953) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und emeritierter Professor der Technischen Universität Dresden. Er lehrte dort ab 1991 Politikwissenschaft mit den Schwerpunkten politische Systeme, Parlamentarismus und politische Kommunikation. Patzelt wurde durch seine Analysen zur deutschen Parteienlandschaft, zur AfD sowie zu politischen Protestbewegungen auch über die Wissenschaft hinaus bekannt.
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Streit um Höcke-Interview: Landesmedienanstalt fordert „Einordnungen“ von YouTuber Ben Berndt


In Kürze:

  • Die Landesmedienanstalt NRW fordert den YouTuber Ben Berndt auf, ein Interview mit Björn Höcke nachträglich zu ändern und weitere Inhalte auf journalistische Sorgfalt zu prüfen.
  • Berndt lehnt dies ab, da er darin einen Eingriff in die Pressefreiheit sowie eine Einschränkung unabhängiger Medien sieht.
  • Sein Anwalt Joachim Steinhöfel kündigt einen Musterprozess an, der die Befugnisse der Landesmedienanstalten klären soll.

 
Ein Schreiben der Landesmedienanstalt NRW an den YouTuber Ben Berndt könnte zur Grundlage eines Musterprozesses über die Rolle und Kompetenzen der Landesmedienanstalten werden. Das hat der Anwalt des YouTubers, Joachim Steinhöfel, in einem Gespräch mit WELT TV angekündigt.
Wie Berndt seinem Publikum mitteilte, hatte die Landesmedienanstalt seine Firma ungeskriptet media GmbH angeschrieben und zur Anpassung oder Ergänzung einer Sendung aufgefordert. Betroffen ist sein Gespräch vom 29. April 2026 im Rahmen seiner Reihe „ungeskriptet“ mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke.

Landesmedienanstalt fordert nachträgliche Prüfung aller 300 Interviews

Demnach soll Berndt der Rechtsabteilung der Landesmedienanstalt bis zum 30. Juni mitteilen, ob er den Inhalt auf den verschiedenen Plattformen entsprechend der Aufforderung geändert hat. Außerdem habe man ihn im Schreiben dazu aufgefordert, sein Angebot generell nachträglich auf die Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht zu prüfen. Dieses umfasst rund 300 mehrstündige Gespräche mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Bereichen.
Grund für die Intervention ist eine Passage in dem Gespräch, in der Höcke über seine gerichtlichen Verurteilungen nach Paragraf 86a StGB sprach. Darin äußerte er Unmut darüber, dass er wegen der Verwendung der Parole „Alles für Deutschland“ verurteilt wurde. Höcke, der vor seinem Eintritt in die Politik Geschichtslehrer war, gab an, diese nicht als Parole der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) gekannt zu haben. Das Gericht schenkte dieser Einlassung keinen Glauben.
Im Gespräch mit „ungeskriptet“ erläuterte Höcke, warum er das Urteil für absurd hält. Dabei äußerte er, die SA habe kein Motto gehabt. Tatsächlich fand sich die Parole unter anderem auf einem Dolch der nationalsozialistischen Kampforganisation. Weil Berndt im Interview nicht auf diese Aussage von Höcke intervenierte, soll er die bereits von mehr als 6 Millionen Nutzern gesehene Sendung nachträglich ändern.

Definierte Sorgfaltspflichten in Paragraf 19 MStV als Grundlage

Die Landesmedienanstalt beruft sich bei ihrem Vorgehen auf ihre Kompetenzen nach dem Medienstaatsvertrag (MStV) und dessen Paragraf 19. Dieser erstreckt sich auf dort definierte Formen von „Telemedien mit journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten“. Gemeinsamer Nenner ist, dass diese „regelmäßig Nachrichten oder politische Informationen enthalten“.
Ist das der Fall, sind diese Inhalte „vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen“. Da es sich bei Höckes Aussage über die SA um eine „Tatsachenbehauptung, die dem Beweis zugänglich ist“, handelt, sieht sich die Landesmedienanstalt zu ihrem Vorgehen legitimiert.
Ursprünglich kontrollierten die Landesmedienanstalten private Rundfunksender. Mittlerweile fallen auch Internetangebote und damit ebenso Podcasts darunter. Dass Ben Berndt selbst angibt, kein Journalist zu sein, und Gespräche „wie bei einem Kaffee“ zu führen, die er „roh, ungeschnitten und unzensiert“ veröffentlicht, ist aus Sicht der Landesmedienanstalt nicht relevant.

Landesmedienanstalt: „Journalistisches Angebot“ bemisst sich nach realer Tätigkeit

Justiziarin Laura Braam erklärte gegenüber „t-online“, ob ein journalistisches Angebot vorliege, ergebe sich aus der Tätigkeit des Betreibers. Dabei genüge es, wenn dieser „Themen auswählt, Gespräche führt, Rückfragen stellt, Inhalte aufbereitet und präsentiert“. Es sei nicht erforderlich, dass eine große Redaktion dahinterstehe.
Berndt hat sein Gespräch mit Höcke bislang an zwei Stellen verändert. Dies geschah aus rechtlichen Gründen, da er sich andernfalls dem Risiko einer rechtlichen Verfolgung ausgesetzt hätte. Offenbar ging es dabei um Äußerungen Höckes über die frühere AfD-Parteisprecherin Frauke Petry.
Braam erklärte zudem, bei dem Schreiben handele es sich lediglich um einen „Hinweis“, der auf mögliche Defizite aufmerksam machen und dem Anbieter Gelegenheit geben solle, diese einzuordnen oder zu korrigieren, bevor ein Verwaltungsverfahren eingeleitet werde.
Der Medienstaatsvertrag enthält in Paragraf 109 allerdings keine ausdrückliche Bußgeld- oder Strafvorschrift für Verstöße gegen Paragraf 19. Auch die Untersagung von Inhalten ist nicht zulässig, wenn „die Maßnahme außer Verhältnis zur Bedeutung des Angebots für den Anbieter und die Allgemeinheit steht“. Eine Sperrung ist ebenfalls nur unter den Voraussetzungen des Paragraf 97 Abs. 5 Satz 2 und des Paragraf 98 der Strafprozessordnung zulässig. Möglich bleiben jedoch aufsichtsrechtliche Maßnahmen wie Beanstandung, Rücknahme oder Widerruf.

Steinhöfel: Hoheitliche Eingriffsbefugnisse würden Pressefreiheit verletzen

Ben Berndt will keine weiteren Anpassungen des Gesprächs mehr vornehmen. Er sieht insbesondere die Aufforderung, sämtliche von ihm bislang veröffentlichten Gespräche erneut zu überprüfen, als Einschüchterungsmaßnahme. Gegenüber „t-online“ sagte er, es werde „die Büchse der Pandora geöffnet“, sollte er der Aufforderung nachkommen. Zudem würde er damit nach eigener Darstellung „deren Auffassung akzeptieren, dass ich ein journalistisches Angebot mache und eine Behörde das regulieren darf“.
Auch sein Anwalt Joachim Steinhöfel betonte, die Landesmedienanstalt NRW sei „keine staatliche Schlussredaktion für mediale Inhalte“. Der Staat habe keine Befugnis, seine Vorstellungen journalistischer Sorgfalt hoheitlich gegenüber unabhängigen Medien durchzusetzen. Eine Behörde, die einem Presseanbieter mitteile, welche Aussagen eines politischen Gesprächspartners zu kommentieren, richtigzustellen oder zu ergänzen seien, übernehme „die Funktion einer Zensurbehörde“. Dies stelle einen Eingriff in die verfassungsrechtlich geschützte Pressefreiheit dar.
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Kimmich will keine Ausreden und sucht die Schuld bei sich: „Wir haben es verbockt“

Wieder stand Joshua Kimmich in den Katakomben eines WM-Stadions – und sollte das auch für ihn erneut Unerklärliche erklären. Und doch war es bei seiner dritten WM, die wieder im sportlichen Desaster endete, anders als noch vor vier Jahren im Al-Bayt-Stadion in der Wüste Katars.
Damals sprach der Anführer einer vermeintlich goldenen Fußball-Generation vom „schwersten Tag“ seiner Karriere und befürchtete, er könne mental „in ein Loch“ fallen.
„Schlimm“ fühlte sich der 31-Jährige auch vier Jahre später im Football-Stadion der New England Patriots in Foxborough, als er sich den bohrenden Reporter-Fragen stellte.

„Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf“

Der Kapitän tat es mit durchgedrücktem Kreuz, reif und schonungslos in der Analyse. Und auch in eigener Sache traf er nach seinem 114. Länderspiel eine klare Aussage: Das war’s noch nicht! „Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf. Was ich niemals tun werde, ist: Aufgeben!“
In einem längeren Monolog ließ der ehrgeizige Profi, der mit dem FC Bayern das Gewinnen gewohnt ist und eine reichhaltige Titelsammlung vorweisen kann, in sein Inneres blicken. „Als Kind, wenn man die Nationalmannschaft geguckt hat, war bei Turnieren immer Halbfinale, Finale, Weltmeister. Es waren immer große Erfolge. Das hat einen auch sehr geprägt, da mitzufiebern.“
Das sei etwas, „was man auch den Kindern und Menschen zu Hause geben und bieten möchte“, fuhr er fort: „Und wir haben es wieder nicht geschafft, eine Euphorie zu entfachen und eine Mannschaft auf dem Feld zu sein, mit der sich die Menschen identifizieren können.“ Der Kapitän entschuldigt sich beim Volk.
Russland 2018, Katar 2022, Amerika 2026 – keinmal schaffte es Kimmich mit unterschiedlichen Teambesetzungen ins Achtelfinale unter die besten 16.
„In den acht Jahren wächst man in seiner Rolle, seiner Verantwortung. Deshalb ist es nochmal bedeutender, als Kapitän auszuscheiden, weil man eine große Verantwortung für die Gruppe trägt. Die Verantwortung fühle ich“, sagte der Anführer. Er haderte nicht, er sprach mit fester Stimme.

Keine Ausreden: „Wir haben es verbockt“

Und es folgte ein Satz, der zum Lesen zwischen den Zeilen animierte: „Die sollten wir alle fühlen, die auf dem Platz standen und nicht die Schuld bei einem anderen suchen. Wir haben es verbockt.“
Kimmich ehrte, dass er keine Ausreden bemühte nach dem Ausscheiden, nicht das aberkannte 2:1 von Jonathan Tah anprangerte, nicht fehlendes Glück beim mit 3:4 verlorenen Elfmeterschießen.
„Wir sollten den Anspruch haben – und die Qualität -, dass wir Gegner wie Paraguay schlagen können. Es darf auch keiner auf die Idee kommen, den Schiedsrichter verantwortlich zu machen oder das Elfmeterschießen. Wenn du es über 120 Minuten nicht schaffst, gegen so einen Gegner zu gewinnen, darfst du von Glück nicht abhängig sein.“
„Wenn man die vier Spiele übereinanderlegt, haben wir gegen keinen Top-Gegner gespielt. Wir hatten dreimal Probleme gegen keine Weltklasse-Teams, das ist Fakt.“
Auch er hat kein gutes Turnier gespielt. Doch er hat sich wieder in den Dienst der Mannschaft gestellt, die vom Bundestrainer zugewiesene Rolle als Rechtsverteidiger angenommen. Obwohl sich im letzten WM-Spiel nach Julian Nagelsmanns Umstellung in der Endphase zeigte, wo der Kapitän von Anfang hingehört hätte: ins zentrale Mittelfeld.

Neuers Fazit: Ich habe alles gegeben

Auch für Manuel Neuer war es die dritte Frust-WM nacheinander. Aber der 40-Jährige, dessen viel diskutiertes DFB-Comeback nach zwei Jahren abrupt endete, als er gerade drauf und dran schien, womöglich doch noch ein Erfolgsfaktor werden zu können, hat im Gegensatz zu Kimmich auch zwei tolle WM-Turniere erlebt. Neuer ist 2014 Weltmeister geworden. „Ich habe alles gegeben“, sagte er.
Als er Elfmeter Nummer zehn von Fabian Balbuena parieren konnte, blitzte für einen Moment die „Aura“ auf, die ihm immer wieder zugeschrieben worden war und auf die alle so lange warten mussten. Kurz darauf war es vorbei. Nach 128 Länderspielen war’s das jetzt dann wohl endgültig für den WM-Rekordtorhüter.
„Enttäuschend ist das richtige Wort“, sagte Neuer zu seiner Gemütslage. „Jeder ist traurig. Jeder muss mit der Situation klarkommen.“ Auch er.
Auch sein Fazit fiel eindeutig aus. „Wir hatten nicht den Punch. Du musst so eine Mannschaft schlagen. Das ist Fakt, wenn du dich messen willst mit Mannschaften wie Frankreich“, sagte Neuer. Das war sein Ziel, dieses doch programmierte Achtelfinale. „Es ist extrem bitter, so aufzuhören.“ Das galt für den früheren Kapitän Neuer – aber auch für den aktuellen Kapitän Kimmich. (dpa/red)
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NATO-Abschreckung an der Ostflanke: neues Hauptquartier

Deutschland und die Niederlande stellen eine Woche vor dem NATO-Gipfel ein neues Hauptquartier für eine verstärkte Abschreckung an der NATO-Ostflanke. Das Deutsch-Niederländische Korps übernahm dazu mit seinem Stab die Führung über Landstreitkräfte des Bündnisses, die Estland und Lettland gegen Bedrohungen oder einen militärischen Angriff verteidigen sollen.
„Dies zeigt: Wir sind bereit, größere Verantwortung für Europas Sicherheit zu übernehmen“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei der Kommandoübergabe in der estnisch-lettischen Grenzstadt Valga.

Für „NATO 3.0“

Das Korps stehe für militärische Integration in Europa. Er sprach von einer „Erfolgsgeschichte“ und sagte: „Das Korps ist ein Vorbild für die europäische Verteidigungszusammenarbeit und beweist, dass multinationale Integration uns stärker, leistungsfähiger und effektiver macht.“
US-Präsident Donald Trump und seine Regierung haben die europäischen NATO-Verbündeten wiederholt kritisiert, sie unternähmen zu wenig für die eigene Verteidigung und verließen sich weiter auf die USA. Mehrfach gab es aus Washington den Vorwurf einer europäischen Trittbrettfahrerei.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte eine umfassende Untersuchung der US-Truppenpräsenz in Europa während einer sechsmonatigen Überprüfungsphase angekündigt. Er kritisierte dabei, es gebe Rückschläge bei der Stärkung der NATO, auch wenn einige Staaten ihr Engagement und ihre Militärausgaben deutlich gesteigert hätten.
„Und deshalb verstärken wir unsere Bemühungen, die Nato zu dem zu machen, was sie immer sein sollte: ein ausgewogenes Bündnis, in dem Europa die Führung für seine eigene Verteidigung übernimmt: NATO 3.0“, sagte er. Dies könnte auch den Ton für das Gipfeltreffen kommende Woche in Ankara setzen.

Der Stab des Korps sitzt im westfälischen Münster

Das Deutsch-Niederländische Korps wird den Angaben zufolge nun verantwortlich sein für militärische Übungen sowie im Ernstfall für die Verteidigung der Ostflanke. Es stellt dazu mit seinem Stab ein zweites taktisches Hauptquartier für die Region.
Bisher ist dafür das NATO-Hauptquartier in Polen zuständig. Die Kommandoübergabe erfolgt am Dienstag in der Stadt Valga an der estnisch-lettischen Grenze. Die Einrichtung und Leitung eines Hauptquartiers für die baltischen Staaten war seit dem Nato-Gipfel 2023 im Gespräch.
Das deutsch-niederländische Korps war 1995 errichtet worden und hat seinen Standort in Münster. Das Kommando wechselt turnusmäßig zwischen beiden Ländern. Außer den Niederlanden und Deutschland stellen derzeit 14 weitere NATO-Verbündete Personal.
Das Hauptquartier kann eine internationale Truppe von rund 50.000 Soldaten befehligen und hat in der Vergangenheit mehrere internationale Einsätze geleitet.

Enge Zusammenarbeit mit Deutschland

Deutschland hat sein militärisches Engagement im Baltikum mit Beginn des Ukrainekriegs deutlich ausgebaut. Die intensivste Zusammenarbeit gibt es mit Litauen, wo die Bundeswehr bis 2027 eine gefechtsbereite Brigade einer Gesamtstärke von bis zu 5.000 Soldaten stationiert.
Doch auch mit Estland und Lettland ist die Zusammenarbeit eng. Regelmäßig übernimmt die Luftwaffe die NATO-Luftraumüberwachung über dem Baltikum und verlegt dazu Kampfjets samt Personal auf Stützpunkte in der Region.
Auch im Rüstungsbereich wurde die Kooperation mit Deutschland ausgebaut. Gemeinsam haben Estland und Lettland etwa den Kauf des deutschen Flugabwehrsystems Iris-T vereinbart.
Die Regierungen in Tallinn und Riga rüsten ihre Armeen massiv auf und werden in diesem Jahr 5,4 Prozent (Estland) und 4,73 Prozent (Lettland) des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben.
Der Großteil davon soll in die Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten, die Modernisierung der Armeen, die Beschaffung neuer und moderner Waffensysteme sowie den Ausbau der militärischen Infrastruktur fließen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Luftverteidigung, die als eine Schwachstelle der baltischen Staaten gilt.

Wiederholte Vorfälle mit Drohnen

Im Zuge des Ukrainekrieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Estland und Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren mehrfach fehlgeleitete unbemannte Flugkörper in den Luftraum der beiden Baltenstaaten eingedrungen und abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte.
Größere Schäden oder Verletzte gab es nicht. Die Vorfälle lösten eine politische Krise in Lettland aus und führten zu einem Regierungswechsel.
Russland hatte den Baltenstaaten nach den Angriffen auf die Hafen- und Militäranlagen mehrfach vorgeworfen, der Ukraine ihren Luftraum zur Verfügung zu stellen. Lettland drohte es mit Vergeltung.
Die Regierungen in Tallinn, Riga und Vilnius wiesen die unbelegten Behauptungen entschieden als Desinformation zurück und verurteilten die Drohungen. Auch EU und NATO bekundeten Beistand. (dpa/red)
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Rumäne in Deutschland festgenommen – wegen mutmaßlicher Terrorpläne

In Baden-Württemberg ist ein junger Rumäne festgenommen worden, der von Deutschland aus versucht haben soll, den rumänischen Staat zu bekämpfen. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe versuchte er, eine rechtsextremistische Gruppe zu gründen, die in Rumänien einen „Krieg des Terrors“ entfachen sollte.
Das sollte den Ermittlern zufolge zum Untergang des rumänischen Staats beitragen. Dem Festgenommenen, Nichita P., habe ein neuer Staat nach nationalsozialistischem Vorbild vorgeschwebt. Auch zur Errichtung eines solchen Staats habe die Gruppe beitragen sollen.

Aufruf zu Straftaten

Ab 2023 soll P. versucht haben, sie zu gründen. Dazu betrieb er zwei Kanäle in einem Messengerdienst, wie die Bundesanwaltschaft ausführte. Diese hätten sich vor allem an junge Rumänen gerichtet. P. habe Abonnenten und Mitglieder dazu aufgefordert, Straftaten zu begehen.
Dabei ging es den Angaben zufolge unter anderem um das Töten von Menschen und um Brandanschläge auf Gebäude, die von Migranten oder queeren Menschen genutzt werden. Er habe auch dazu aufgefordert, junge Mädchen zur Selbstverletzung zu verleiten.
Auf den Kanälen soll er außerdem Anleitungen zur Herstellung von Gift und Sprengstoffen sowie zum Bau von Molotowcocktails und Autobomben veröffentlicht haben. Im Tatzeitraum sei P. teils noch Heranwachsender gewesen, also unter 21 Jahren alt, erklärte die Bundesanwaltschaft.

Festnahme im Enzkreis

Festgenommen wurde er von Polizeikräften aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Enzkreis. Noch am Montag sollte er dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe zur Entscheidung über die Untersuchungshaft vorgeführt werden.
Vorgeworfen wird P. der Versuch, als Rädelsführer eine ausländische terroristische Vereinigung zu gründen. Hinzu kommt die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. (afp/red)
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Wadephul trifft Rubio: Freie Schiffspassage durch Straße von Hormus nötig

Nach dem Treffen mit seinem US-Kollegen Marco Rubio hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) auf eine freie Schiffspassage durch die Straße von Hormus bestanden.
„Jetzt kommt es darauf an, eine tragfähige Lösung zur sicheren, freien Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu erreichen“, schrieb Wadephul im Onlinedienst X mit Blick auf die laufenden Verhandlungen über eine dauerhafte Friedenslösung zwischen den USA und dem Iran.

Wadephul: Iran-Verhandlungen „wichtiger Schritt“

Auch die Frage des iranischen Atomprogramms müsse gelöst werden, schrieb Wadephul. Von dem Programm dürfe „keine Gefahr mehr ausgehen“. Die nun laufenden Verhandlungen seien „ein wichtiger Schritt“ und eröffneten „eine Chance für Diplomatie in einer weiter fragilen Lage“.
Laut US-Präsident Donald Trump werden die Verhandlungen mit dem Iran heute in Katar fortgesetzt. Teheran habe um das Treffen gebeten, schrieb Trump gestern im Onlinedienst Truth Social.
„Es findet morgen in Doha statt“, fügte er hinzu. Dem Sender CNN zufolge ist Trumps Sonderberater Steve Witkoff auf dem Weg nach Katar. Der Iran hatte zuvor bestritten, dass neue Gespräche geplant seien.

Jubiläum zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit

Zur Lage der Beziehung zu Washington erklärte Wadephul auf X: „Die transatlantische Partnerschaft ist unverzichtbar.“ Dies habe sein Gespräch mit Rubio am Montag gezeigt.
Bezogen auf die am 4. Juli anstehenden Feierlichkeiten zum 250. Unabhängigkeitstag der USA unterstrich Wadephul, das Jubiläum sei für Deutschland Anlass, „daran zu erinnern, was unsere Länder verbindet: Freiheit und Demokratie“.
„Unsere freiheitliche Art zu leben wird massiv herausgefordert“, erklärte Wadephul weiter. Der Außenminister schrieb von „Multi-Krisen“ auf „beiden Seiten des Atlantik“, die „unsere Sicherheit bedrohen und eine Stabilität der Weltwirtschaft gefährden“.
In unsicheren Zeiten seien starke Partnerschaften „besonders wichtig“. Er sei „dankbar für den guten und konstruktiven Austausch“ mit seinem US-Kollegen.
Mit Blick auf den bevorstehenden NATO-Gipfel in der Türkei erklärte Wadephul: „Gemeinsam werden wir auch weiterhin als Nato-Verbündete und darüber hinaus zusammenstehen.“

USA unterstützen weiterhin Kiew

Wadephul hatte Rubio am Montag in Washington getroffen. Im Anschluss hatte er vor Journalisten gesagt, im Ukrainekrieg unterstützten die USA „nach wie vor“ die Regierung in Kiew.
Insbesondere US-Präsident Donald Trump habe „viel versucht“, um Friedensverhandlungen in Gang zu bringen. Der russische Präsident Wladimir Putin fehle allerdings weiterhin bei den Verhandlungen und solle sich „gut überlegen, was er als nächsten Schritt tut“. (afp/red)
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Schotten, Norweger und Federvieh schreiben WM-Geschichte

Ob auf Rolltreppen oder an Statuen, in Stadien oder sogar im Parlament – die Fußballfans aus aller Welt hinterlassen deutliche Spuren bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Nordamerika. Eine garantiert unvollständige Übersicht der Fan-Momente aus der WM-Vorrunde haben wir für Sie zusammengestellt.

„Ohne Schottland keine Party“ – Fangemeinde feiert in Boston

28 Jahre mussten schottische Fans darauf warten, ihre Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft anzufeuern. Die Freude der Fans ist groß. Sie machen daraus eine riesige Party. In Boston zog die „Tartan Army“ ein, die Fangemeinde der schottischen Fußballnationalmannschaft, benannt nach den von vielen Anhängern getragenen Kilts mit dem berühmten Tartanmuster.
Zehntausende Mitglieder reisten mit Dudelsäcken und (Verkehrs-)Kegel nach Massachusetts, wobei ihre Anzahl in den Medien von 20.000 bis zu 50.000 reichte. Plus mindestens eine Ente. Bei einer Fan-Parade der „Tartan Army“ am 18. Juni 2026 in der Innenstadt von Providence, USA, watschelte Ente Donny vor den Dudelsackspielern her.
„Wir sind seit über 30 Jahren hier und haben so etwas noch nie erlebt“, sagte Noelle Somers, Geschäftsführerin der Hennessy´Bar im Zentrum von Boston, gegenüber dem „Boston Globe“. Die Fans hatten die Biervorräte leergetrunken. Der Umsatz vom St. Patrick´s Day – dem größten irisch-amerikanischen Volksfest der Stadt – sei verdreifacht worden. Das Trinkgeld nach stundenlangem Gelage sei großzügig und die Stimmung energiegeladen gewesen. „Sie haben den Spaß zurückgebracht, der verloren gegangen war“, so Somers.
Doch die Schotten beschränkten sich weder auf Boston noch ließen sie sich von Wasserwegen abhalten. Lautstark machten sie auch in Miami und von Ausflugsbooten auf sich aufmerksam.
Schottische Fans in Miami Beach.

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Entlang ihres Weges krönten die Fans gemäß ihrer schottischen Art diverse Statuen symbolisch mit einem Verkehrskegel, als Zeichen: „Du bist jetzt einer von uns“.  Von dieser außergewöhnlichen Geste blieb auch die Statue von Georg Washington in der Nähe des Fenway-Parks, Baseballstadion und Heimspielstätte der Boston Red Sox, nicht verschont.

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Selbst die brasilianische Mannschaft zollte der fröhlichen Stimmung der „Tartan Army“, die trotz Niederlage ihrer Mannschaft am 25. Juni im Miami-Stadion ungebrochen war, ihren Respekt. Nach dem 3:0-Sieg applaudierten die Spieler für die schottischen Fans.

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Dankbarkeit der Schotten

Aus Dank für die Gastfreundschaft richtete sich Martin Riddell, der Vorsitzende der schottischen Fangemeinde, mit einer einseitigen Anzeige im „The Herald“ an die Stadt Boston. Darin hieß es:
Liebes Boston,
vielen Dank, dass ihr uns mit offenen Armen, offenen Bars und offenem Geist empfangen habt. Wo immer wir hinkommen, haben wir Tartan, Dudelsäcke, Farbe, Verkehrskegel und eine Party im Gepäck. Eure Einwohner, Barkeeper, Baseballstadien, Ordnungskräfte und alle anderen waren von unserer Ankunft bis zum Abschied so freundlich zu uns. Boston, du hast uns aufgenommen wie längst verlorene Cousins, die unangekündigt auftauchten, dein ganzes Bier tranken, deine Statuen dekorierten und trotzdem willkommen sind.
Ihr seid alle herzlich zu uns eingeladen, um diese Party fortzusetzen. Wir haben gern gemeinsam Erinnerungen geschaffen. Die Geschichten werden in Boston und Schottland über Generationen hinweg weitergegeben werden. Bis zum nächsten Mal, Boston.
Ohne Schottland keine Party.
Tartan Army

Ruder-Kult aus Norwegen greift um sich

Legendär für diese Fußball-WM ist auch das Trockenrudern der norwegischen Fans – egal, ob auf den Rängen im Stadion, auf der Straße oder der Rolltreppe.

Norwegische Fans feuern ihre Mannschaft beim Spiel gegen Frankreich im Boston Stadium am 26. Juni 2026 an.

Foto: Buda Mendes/Getty Images

Nach dem Sieg gegen Senegal setzt sich der gesamte Kader auf den Rasen und rudert mit den Fans im Stadion.

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Auch heftiger Regen kann sie nicht abhalten:

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Die Geste greift um sich und wird auch anderenorts praktiziert:
Auf der Rolltreppe:

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In der U-Bahn

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Am Arbeitsplatz

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Im Pflegeheim in Norwegen

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Im Kindergarten

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In der Politik

Mitglieder des norwegischen Parlaments vollführen die „Wikinger-Ruderbewegung“ im Storting in Oslo am 18. Juni 2026.

Foto: Håkon Mosvold Larsen/NTB/AFP via Getty Images

 
Während eines Kulturaustauschs in Boston bringt ein Norweger einem Polizisten und einem England-Fan das Rudern bei.

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Tierische Momente

Aber nicht nur die Ente Donny der Schotten wurde während der Fußball-WM berühmt. In Mexiko dreht sich alles um die Peking-Ente Merlin, genauer gesagt den Peking-Erpel. Er ist das inoffizielle Maskottchen der Nationalmannschaft und wurde sogar von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum zur morgendlichen Pressekonferenz in den Nationalpalast eingeladen.

Eine saubere Sache

Die japanischen Fans hingegen haben sich indes des Rufs als Saubermacher verdient gemacht – und inzwischen andere damit angesteckt. Für die Japaner ist es indes kein Novum: Schon bei der WM 2018 griffen sie zum blauen Sack.
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Mehr Geld für Rentner, höhere Spritpreise und neue Regeln fürs Bürgergeld: Das ändert sich im Juli


In Kürze

  • Tanken wird teurer, Renten und Pflegelöhne steigen.
  • Neue Regeln für Grundsicherung, Verkehr und Online-Bestellungen.
  • Mehr Verbraucherschutz durch Reparaturrecht und Rücknahmepflicht.

 
Der Juli bringt zahlreiche Neuerungen für Verbraucher. Während Autofahrer an der Zapfsäule voraussichtlich mehr bezahlen müssen, dürfen sich Rentner über eine Rentenerhöhung freuen. Auch Pflegekräfte erhalten mehr Geld, während Online-Shopper wegen neuer Gebühren für Pakete aus Nicht-EU-Ländern mit höheren Kosten rechnen müssen. Zudem wird das Bürgergeld zum 1. Juli durch die Grundsicherung ersetzt. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen.

Tanken wird wieder teurer

Für Autofahrer endet zum Monatswechsel eine Entlastung: Mit dem Auslaufen des sogenannten Tankrabatts steigen die Energiesteuern wieder auf das reguläre Niveau. Damit dürften Anfang Juli auch die Spritpreise steigen. Die Energiesteuer erhöht sich dann wieder um rund 14 Cent pro Liter. Einschließlich der Umsatzsteuer werden Diesel und Benzin damit um knapp 17 Cent pro Liter teurer. Wie stark die Preise an den Tankstellen letztlich steigen, hängt unter anderem auch von der Entwicklung auf dem Ölmarkt ab.

Flugtickets könnten günstiger werden

Wer eine Flugreise plant, darf auf niedrigere Ticketpreise hoffen. Zum 1. Juli wird die Luftverkehrsteuer wieder auf das Niveau vor der Erhöhung im Jahr 2024 abgesenkt. Für Kurzstrecken sinkt die Abgabe von 15,53 auf 13,03 Euro, für Mittelstrecken von 39,34 auf 33,01 Euro und für Langstrecken von 70,83 auf 59,43 Euro. Die Bundesregierung will damit die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Fluggesellschaften stärken. Ob die Airlines die Entlastung an ihre Kunden weitergeben, wird sich zeigen.

Werden Temu & Co. teurer? Neue Abgabe für kleine Pakete aus Nicht-EU-Ländern

Bestellungen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union werden teurer. Für Paketsendungen mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro wird künftig eine pauschale Zollgebühr von drei Euro erhoben. Betroffen sind unter anderem Lieferungen aus China, aber auch aus den USA oder Großbritannien. Bislang konnten Anbieter aus Nicht-EU-Ländern günstige Kleinsendungen in die EU verkaufen, ohne dass darauf Zollabgaben anfielen. Online-Shopper müssen nun damit rechnen, dass die zusätzlichen Kosten über den Verkaufspreis oder bei der Lieferung weitergegeben werden. Mit der Maßnahme reagiert die EU auf den stark gestiegenen Versand günstiger Waren über Online-Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress. Dadurch sollen Wettbewerbsnachteile für europäische Händler verringert werden. Die Regelung gilt zunächst als Übergangslösung bis zu einer umfassenden Reform des EU-Zollsystems.

Renten steigen um fast fünf Prozent

Für rund 21 Millionen Rentner gibt es ab Juli mehr Geld. Die gesetzlichen Renten werden bundesweit um 4,24 Prozent angehoben. Hintergrund ist die positive Lohnentwicklung des vergangenen Jahres, an welche die Rentenanpassung gekoppelt ist. Wer 45 Jahre lang Durchschnittsverdienst erzielt hat, erhält dadurch monatlich rund 77,85 Euro mehr.

Höhere Mindestlöhne in der Pflege

Beschäftigte in Pflegeberufen profitieren ab Juli von steigenden Lohnuntergrenzen. Pflegehilfskräfte erhalten künftig mindestens 16,52 Euro pro Stunde, qualifizierte Pflegehilfskräfte 17,80 Euro. Für Pflegefachkräfte steigt der Mindestlohn auf 21,03 Euro je Stunde.

„Recht auf Reparatur“ wird ausgeweitet

Ende Juli tritt eine weitere Verbraucherschutzregelung in Kraft, das neue „Recht auf Reparatur“ setzt dann eine EU-Richtlinie in nationales Recht um. Es verpflichtet Hersteller dazu, viele haushaltsübliche Elektrogeräte auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung reparieren zu lassen, um Elektromüll zu reduzieren.

Erweiterte Rücknahmepflicht für E-Zigaretten

Auch ausgediente E-Zigaretten können künftig an deutlich mehr Stellen kostenlos abgegeben werden. Neben Wertstoffhöfen und größeren Einzelhändlern müssen ab Juli auch Kioske, Tankstellen und andere Verkaufsstellen entsprechende Altgeräte zurücknehmen. Die Rückgabe ist dabei nicht an einen Neukauf gebunden.

Umbenennung: Bürgergeld wird zur Grundsicherung

Zum 1. Juli löst die neue Grundsicherung das bisherige Bürgergeld ab. Für Empfänger ändert sich zunächst wenig: Bereits bewilligte Leistungen werden weitergezahlt, ein neuer Antrag ist in der Regel nicht erforderlich. Nach der Umbenennung gibt es aber einen anderen Schwerpunkt. Künftig gilt wieder stärker der Vorrang der Arbeitsvermittlung. Wer wiederholt Termine im Jobcenter versäumt, eine zumutbare Arbeit ablehnt, sich nicht um Bewerbungen bemüht oder Fördermaßnahmen abbricht, muss ab Juli schneller mit Leistungskürzungen rechnen.

Steuererklärung per App

Mit „MeinELSTER+“ soll die Steuerverwaltung weiter digitalisiert werden: Das nach dem diebischen Vogel benannte Programm bietet jetzt die automatische Erstellung einfacher Steuererklärungen mit einem Klick. Mit dem neuen Programm werden bereits bei den Finanzbehörden gespeicherte Daten, etwa aus Lohnsteuerbescheinigungen oder von Sozialversicherungsträgern, automatisch in die Einkommensteuererklärung übernommen. Nutzer müssen die Angaben anschließend nur prüfen, ergänzen und elektronisch übermitteln – geeignet vorwiegend für Menschen mit einfachen Steuerfällen. Viele steuerlich relevante Angaben aber müssen weiterhin manuell ergänzt werden.

Digitalisierte Tickets und strengere Regeln für Verkehrssünder

Auch Verkehrssündern will man ab Juli auf digitale Weise beikommen: Kommunen dürfen dann Scan-Cars einsetzen, um Parkverstöße digital zu erfassen. Kennzeichen parkender Autos werden dann automatisch erfasst und mit digitalen Parkberechtigungen abgeglichen.
Außerdem beträgt künftig die Verfolgungsverjährung für die meisten Verkehrsordnungswidrigkeiten sechs statt bisher drei Monate. Damit erhalten Bußgeldbehörden mehr Zeit, Verstöße zu ahnden. Zudem wird der sogenannte Punktehandel – also die falsche Benennung eines anderen Fahrers, um Punkte in Flensburg zu vermeiden – deutlich schärfer sanktioniert. In besonders schweren Fällen sind Bußgelder von bis zu 30.000 Euro möglich. Die Neuregelungen sind Teil einer Änderung des Straßenverkehrsgesetzes.

Start am 1. Juli: Erleichterungen bei der Wolfsbejagung

Auch im Naturschutzrecht gibt es Änderungen. Unter bestimmten Voraussetzungen sollen Wölfe künftig leichter bejagt werden können. Maßgabe ist, dass sich die Population in einem sogenannten günstigen Erhaltungszustand befindet und die zuständigen Behörden einen revierübergreifenden Managementplan aufgestellt haben. In diesem Fall ist eine reguläre Jagdzeit vom 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen, die jetzt startet. Mit der Reform des Bundesjagdgesetzes vom 2. April 2026 sollen Weidetierhalter besser geschützt und der Umgang mit der wachsenden Wolfspopulation vereinfacht werden.
(Mit Material von Agenturen)
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Studie: Fußballturniere haben Einfluss auf die Gesellschaft

Sportliche Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft haben einer Studie zufolge einen messbaren Wohlfühl-Effekt auf die Gesellschaft.
Dieser fällt vor allem dann stark aus, wenn die eigene Nationalmannschaft erfolgreich spielt und im Turnier weit kommt, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten sogenannten SKL-Glücksatlas hervorgeht.
Die Mitteilung wurde vor dem Ausscheiden Deutschlands bei der WM 2026 in der Nacht zum Dienstag versendet.

Lebenszufriedenheit bei Frauen stieg deutlicher

Der Erhebung zufolge lag die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der Deutschen während der Europameisterschaft 2024 um 0,15 Prozentpunkte höher als vor und nach dem Turnier.
Dabei profitierten Frauen emotional stärker als Männer: Ihre Lebenszufriedenheit stieg durchschnittlich um 0,19 Punkte, die der Männer um 0,10 Punkte.
Eine mögliche Erklärung ist den Studienautoren zufolge, dass Frauen positive Emotionen intensiver erleben und häufig mit geringeren sportlichen Erwartungen in ein Turnier gehen.
„Für sie stehen eher Gemeinschaft, Stimmung und Geselligkeit im Vordergrund“, hieß es. Männer identifizierten sich dagegen häufiger direkt mit der Leistung der Nationalmannschaft.
„Das frühe Ausscheiden Deutschlands und das als unfair empfundene Spiel gegen Spanien könnten daher die Stimmung stärker belastet haben.“
Der positive Effekt der Europameisterschaft 2024 war allerdings zeitlich begrenzt: Bereits wenige Wochen nach dem Turnier lag die Lebenszufriedenheit wieder auf dem Niveau der Monate vor der EM.
Für die Analyse wertete das Institut für Demoskopie Allensbach Daten von insgesamt 38.781 Menschen aus. Der Erhebungszeitraum lag zwischen Januar 2023 und Dezember 2025. Auftraggeber war die Kassenlotterie SKL. (afp/red)