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Berichterstattung über Nmecha-Gebet überschattet 7:1-Sieg


In Kürze:

  • Felix Nmecha startete mit seinem Treffer in der 6. Minute das deutsche 7:1-Torfestival gegen Curaçao.
  • In der öffentlichen Diskussion dominiert dennoch, was vor dem Spiel, nach seinem Tor und nach dem Abpfiff passierte.
  • Nmecha stieg mit der Bibel in der Hand aus dem Bus, verbeugte sich nach seinem Treffer vor Jesus und betete nach Spielende Arm in Arm mit dem Gegner im Anstoßkreis.
  • Der junge Spieler mit der Nummer 23 ist in der deutschen Nationalmannschaft nicht allein – und in Gesellschaft internationaler Fußballlegenden.

 
Nach seinem WM-Debüt inklusive Tor beim 7:1 gegen Curaçao nahm sich der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha Zeit für seinen christlichen Glauben. Zusammen mit dem ebenfalls bekennenden Christen und Nationalspieler Jonathan Tah ging Nmecha nach dem Spiel auf mehrere Spieler der unterlegenen Mannschaft zu.
Es bildete sich eine Gruppe von fünf Spielern von Curaçao und den beiden Deutschen auf dem Spielfeld, die mehrere Minuten lang die Arme umeinander legten und die Köpfe senkten. Die Sportwelt rätselte, was diese Geste wohl bedeuten möge. Später erfuhr alle Welt: Die Spieler beteten miteinander – und sorgten damit weltweit für Aufmerksamkeit. Nmecha erklärte später:
„Wir sind im Spiel Gegner. Nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder. Wir haben einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht, weil wir alle sehr dankbar sind – auch sie.“
Nmecha, der in der Bundesliga bei Borussia Dortmund spielt und das 1:0 erzielt hatte, sagte weiter: Vom Ergebnis her ist es natürlich schön für uns, aber auch im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird. Deswegen sind wir zusammengekommen und haben zusammen gebetet.“

„Ach, Gottchen!“

Am selben Abend fiel Nmecha bereits nach seinem Tor mit einer christlichen Geste auf. Er streckte beide Hände nach oben und nahm mit einer Geste eine imaginäre Krone in die Hand, die er kniend auf dem Rasen ablegte. Sein dazugehöriger Instagram-Post gefällt über 400.000 Menschen.
Eine Kommentatorin schrieb auf derselben Plattform zu dieser Szene: „In einer Sportart, in der Sportler oft versucht sind, den Ruhm für sich selbst zu beanspruchen, nutzte Nmecha einen der größten Momente seiner Karriere, um den Ruhm Jesus Christus zuzuschreiben.“
Doch statt in der Szene mit den Spielern von Curaçao eine schöne Geste des Fair Play zu erkennen, eckt Nmecha mit solcherart christlicher Öffentlichkeitsarbeit in deutschen Medien an. Die linksgerichtete Berliner Tageszeitung „taz“ etwa kritisiert: „Der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha trägt seinen Glauben wie eine Monstranz vor sich her. Dahinter steht ein finsteres Menschenbild.“ Zugleich fordert die Zeitung in ihrer Überschrift einen „Platzverweis für Jesus“.
Der Autor wirkte sichtlich verstört und beschreibt die Aktion des „Fußballprofis mit Christusfimmel“ mit den Worten: „Ach, Gottchen! Hat er das wirklich gesagt nach dem Spiel? […] Der Fußball mag ja vieles in Bewegung setzen können, aber wie bitte soll ein Kick wie jener der Deutschen gegen Curaçao Gottes Sohn verherrlichen. Na ja, wers glaubt.“ Als Kommentar ist der Artikel nicht gekennzeichnet.

Wie steht die Kirche dazu?

„Ich finde es ein starkes Zeichen, wenn Spieler unterschiedlicher Mannschaften miteinander beten können und so ein Zeichen dafür setzen, dass es auch im Spiel Wichtigeres gibt als das Gegnersein“, wird der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, von der in Münster veröffentlichten Kirchenwebsite „Kirche + Leben“ zitiert.
Latzel ist Sportbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland und gab sich überzeugt, dass es zur Religionsfreiheit gehöre, „dass Menschen ihren Glauben leben können, und das gilt auch im Sport“. Und er wünscht sich: Das „Miteinander und Verbindende sollte bei dieser WM noch viel stärker gelebt werden“.
Der Projektleiter der katholischen BVB-Gründerkirche in Dortmund, Stefan Magh, bezeichnete laut der Plattform Nmechas Aktion als „sehr unterstützenswerte Geste“. Magh weiter: Angesichts der Zerrissenheit in der Gesellschaft sei Nmechas Geste eine „ganz starke Botschaft“. Er beobachte, dass insgesamt in der Gesellschaft mehr Positionierung erwartet werde. Das könne sich auch auf den Sport auswirken, wird Magh wiedergegeben.

Nmecha und die Ballers in God

Felix Nmecha gehört der internationalen christlichen Fußballorganisation Ballers in God an und wird auf der Website prominent gezeigt. Auch Trevoh Chalobah vom FC Chelsea, Nathanael Obgbeta vom FC Barnsley, Anthony Elanga von Newcastle United und zahlreiche andere werden dort aufgeführt.
Den Ballers in God wirft die taz“ vor, sie seien eine „evangelikale Sekte“, die zudem homophob sei. Der Gründer von Ballers in God, der ehemalige englische Fußballprofi John Bostock, unterhalte Verbindungen zu führenden Aktivisten der „fundamentalistischen Awakening-Bewegung in Europa, die Homosexualität für eine krankhafte Abart hält“, ist die „taz“ überzeugt. Auf der Website von Ballers in God finden sich indes keine Hinweise darauf. Dennoch vermutet die Berliner Tageszeitung, dass Nmecha ebenfalls in diese Richtung denkt.

Christliche Fußballer nichts Neues

Bei aller Medienaufgeregtheit um den deutschen Nationalspieler ist er nicht der erste, der sich offen zu seinem Glauben bekennt. Neben Jonathan Tah bekannte auch der deutsche Nationalspieler Chris Führich, der jedoch von Bundestrainer Nagelsmann nicht in den Kader für die WM aufgenommen wurde, im Juni 2024 in einem Interview gegenüber RTL: „Der Glaube und das Gebet geben mir Kraft.“
Und auch hinter den Kulissen spielt der Glaube an den christlichen Gott beim Deutschen Fußballbund (DFB) eine Rolle. Der DFB-Torwarttrainer Andreas Kronenberg sagte am 11. Juni vor dem WM-Start: „Glaube gibt mir Orientierung.“ Er gab auch preis, dass es innerhalb der deutschen Nationalmannschaft einen Gebetskreis gebe. Kronenberg machte jedoch deutlich: Obwohl Werte wie Fairness und Respekt auch christliche Werte seien, habe der christliche Glaube keinen direkten Einfluss auf seine Arbeit als Torwarttrainer.
Der bekannteste bekennende Christ unter deutschen Fußballspielern aus der jüngeren Vergangenheit dürfte indes der einstige Offensiv-Mittelfeldspieler Wolfgang Overath sein. Er wurde 1974 bei der Fußball-WM in Deutschland an der Seite von Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Günter Netzer und Gerd Müller Weltmeister. Overath, der zeit seiner Profikarriere stets für den 1. FC Köln spielte, wurde im deutschen Fußballmuseum in die „Hall of Fame“ aufgenommen. Auffallend an seiner Profikarriere war in den 1960er- und 1970er-Jahren, dass er sich vor Spielbeginn des Öfteren bekreuzigte.
In einem Interview mit der christlichen Zeitung „Pro“ anlässlich seines 80. Geburtstages wird Overath mit den Worten wiedergegeben: Der Glaube gebe Regeln vor, die das Zusammenleben deutlich erleichtern würden. Und es brauche Menschen, die offensiv über ihren Glauben reden. Der Weltmeister redet indes nicht nur über Glauben, er handelt auch. So engagiert er sich seit Langem für Obdachlose und hat dafür den „Wolfgang Overath Fonds“ gegründet.

100% Jesus“ und die „Hand Gottes“

Im lateinamerikanischen Fußball, der tief im katholischen Glauben verwurzelt ist, ist häufiger als anderswo zu sehen, dass Kicker vor einem Spiel oder vor einer Einwechslung das Kreuzzeichen schlagen. Zu den für dieses Ritual bekannten Fußballern zählen etwa der Argentinier und Fußballweltmeister Lionel Messi und der brasilianische Nationalspieler Neymar da Silva Santos Júnior. Neymar geht mit seinem Glauben zudem offensiv an die Öffentlichkeit. Er spielt des Öfteren mit einem weißen Stirnband, auf dem steht: „100% Jesus“.
22. Juni 1986, Fußball-WM im Aztekenstadion von Mexico City, Viertelfinalspiel Argentinien gegen England: In der 51. Minute taucht der argentinische Nationalspieler Diego Maradona vor dem englischen Tor auf. Englands Torwart Peter Shilton stürmt heraus, um den Ball abzufangen. Obwohl Shilton deutlich größer ist als der nur 1,65 Meter kleine Maradona, „köpft“ dieser den Ball an dem Torwart vorbei ins Tor.
Wie sich später herausstellt, nutzte Maradona jedoch nicht seinen Kopf, sondern seine linke Faust. Der Schiedsrichter übersah das Handspiel und gab das Tor zum 1:0. England schied aus. Argentinien kam weiter und wurde schließlich Weltmeister.
Maradona dazu später verschmitzt: Es war „ein bisschen mit dem Kopf von Maradona und ein bisschen mit der Hand Gottes“. Und laut FIFA weiter: „Sie, England, haben eine Weltmeisterschaft mit einem Tor gewonnen, das nicht gegen Deutschland war.“ Damit bezog er sich auf das WM-Endspiel von 1966, bei dem England gegen Deutschland ein Tor zuerkannt wurde, das keines war. „Sie sollten also nichts über Maradona sagen – denn sie haben vor mir betrogen“, fügte Maradona hinzu.
Diego Armando Maradona (3.v.l.) erzielte im Viertelfinale der WM 1986 ein Tor – „mit ein bisschen Kopf von Maradonna und der Hand Gottes“.

Diego Armando Maradona (3. v. l.) erzielte im Viertelfinale der WM 1986 ein Tor – „ein bisschen mit dem Kopf von Maradona und ein bisschen mit der Hand Gottes“.

Foto: AFP via Getty Images

Gott ist nicht bestechlich

Dass angeblich Gott seine Hand im Spiel gehabt haben sollte, missfiel dem inzwischen verstorbenen Papst Franziskus, der ebenfalls aus Argentinien stammte. Laut der Nachrichtenplattform „katholisch.de“ habe Papst Franziskus im Jahr 2024 gesagt, Maradonas Tor sei „nicht gut“ gewesen und habe ihm keine Freude bereitet.
Wir dürfen nun alle gespannt sein, wie die gerade laufende Fußball-WM mit oder ohne Gott und Jesus Christus weiter verläuft. Zumindest in der Bibel steht unter 2. Chronik 19,7: „Gebt auf das, was ihr tut, wohl acht! Denn bei dem Herrn, unserm Gott, findet sich weder Ungerechtigkeit noch Ansehen der Person und keine Bestechlichkeit.“
Dieser Artikel wurde am 16. Juni aktualisiert, um ein mögliches Missverständnis im Titel auszuräumen.
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„So wahr mir Gott helfe“: Gott in der Politik

„Was ist aus Gott geworden?“, fragte am 16. Mai im kanadischen Calgary der ehemalige Ministerpräsident von Neufundland, Alfred Brian Peckford, die Zuhörer auf einer Konferenz für Anwälte. Er warf den kanadischen Juristen eine zunehmende Säkularisierung von Justiz und Verfassung in Kanada vor.

Die meisten Deutschen sind Kirchenmitglieder

In Deutschland sind Staat und Kirche offiziell voneinander getrennt. Dennoch kooperiert der Staat mit den beiden christlichen Großkirchen. Das bekannteste Beispiel ist der Einzug der Kirchensteuer für die evangelische sowie für die katholische Kirche. Hier tritt der Staat jedoch nur als Dienstleister auf und lässt sich von den Kirchen dafür auch bezahlen.
Evangelische Freikirchen und andere christliche religiöse Gemeinschaften hingegen, wie die Neuapostolische Kirche, Baptisten, Mennoniten, Pfingstler, Adventisten, Mormonen oder die Heilsarmee, finanzieren sich über freiwillige Spenden und sind vom Staat bewusst unabhängig. Insgesamt bekennen sich laut „Statista“ knapp 900.000 Christen in Deutschland zu Freikirchen.
Zum katholischen Glauben bekennen sich 19,4 Millionen Deutsche, zum evangelischen Glauben 17,4 Millionen. Zusammengenommen bekennen sich unter den 83,4 Millionen Deutschen 37,7 Millionen zum Christentum und stellen damit eine leichte Mehrheit dar.

Christliche Grundsätze in der Politik

So verwundert es nicht, dass sich auf den ersten Blick in der Politik und in manchen staatlichen Einrichtungen ein christliches Grundverständnis der deutschen Gesellschaft abbildet. Etwa in christlich-religiösen Grundsätzen und Symbolen. Die Partei Christlich Demokratische Union (CDU) zum Beispiel definiert ihre Politik laut eigenem Grundsatzprogramm von 2024 über „das christliche Verständnis vom Menschen“.
Theologisch konkret wird die CDU mit dieser Aussage jedoch nicht. Vielmehr fühlt sie sich auch „den Traditionen der Aufklärung verpflichtet und erklärt, allen Menschen offen zu stehen, die – unabhängig von der eigenen religiösen Überzeugung“ die Grundwerte der Partei teilen.
Damit ist die CDU trotz Namensgebung keine explizit christliche Partei. Da sie sich zudem auf das Zeitalter der Aufklärung beruft, deren Grundgedanke der Humanismus ist, gibt es Christen, die der Partei ihr vermeintliches „Christsein“ gänzlich absprechen.
Nach jeder Bundeskanzlerwahl sind in erster Linie Christen daran interessiert, welche Eidesformel der neue Bundeskanzler spricht. Der Amtseid des Bundeskanzlers ist in Artikel 56 des Grundgesetzes (GG) in Verbindung mit Artikel 64, Absatz 2 GG festgelegt und entspricht dem Eid des Bundespräsidenten. Die Schlussworte „So wahr mir Gott helfe“ am Ende der Eidesformel sind ein freiwilliger Zusatz. Diese Option drückt damit Respekt vor der Glaubensfreiheit gemäß Artikel 4 GG aus.
Während Friedrich Merz (CDU) den Amtseid mit dem religiösen Zusatz ablegte, nutzte sein Vorgänger Olaf Scholz (SPD) den weltlichen Zusatz „Ich schwöre es“. Gerhard Schröder (SPD) war der erste Bundeskanzler, der auf Gottes Hilfe bei seinem Amtseid verzichtete.
Auch Bundesminister sowie Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit schwören einen ähnlichen Eid, bei dem der religiöse Zusatz optional ist.
Laut der einstigen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die als Pfarrerstochter aufwuchs, war der Zusatz ein selbstverständliches Bekenntnis. „Die Formel ‚So wahr mir Gott helfe‘ macht uns Menschen bewusst, dass all unser Handeln und Bestreben fehlbar und begrenzt ist“, wird sie auf dem von katholischen Kirche betriebenen Onlineportal „katholisch.de“ zitiert.

Gott im Grundgesetz

Im Grundgesetz sticht die Präambel mit einem Gottesbezug hervor: Dort heißt es im ersten Satz: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen […] hat sich das Deutsche Volk […] dieses Grundgesetz gegeben.“ In diesem ersten Satz wird eine Selbstbegrenzung der staatlichen Macht ausgedrückt. Die letzte Instanz sei nicht der Mensch, sondern Gott.
Obwohl die Gründerväter und -mütter der Bundesrepublik höchstwahrscheinlich bei dem Begriff „Gott“ an den christlich-jüdischen Gott der Bibel bzw. der Thora dachten, kann Gott heute auch für die dritte abrahamitische Glaubensrichtung, den Islam, gelten und grenzt Muslime nicht aus. Denn im Arabischen nutzen auch Christen den Begriff „Allah“ für den biblischen Gott.

Staatliche Neutralität

Wie aber steht es um die weltanschauliche Neutralität des Staates? Dazu hatten die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages im Jahr 2016 eine Stellungnahme herausgegeben.
Darin heißt es: „Ein Widerspruch der Präambel zu der religiös-weltanschaulichen Neutralität des Staates läge nur dann vor, wenn die Präambel sich für einen christlichen Staat ausspräche oder den Einzelnen auf den christlichen Glauben festlegen würde.“
Insbesondere wird in diesem Zusammenhang auf Artikel 4, Absatz 1 des GG verwiesen: Das dort verankerte Grundrecht der Glaubens- und Gewissensfreiheit schütze die innere Freiheit des Einzelnen, religiöse und weltanschauliche Überzeugungen zu bilden und diese nach außen zu bekennen und zu verbreiten. Zudem sei auch das Recht, keinen Glauben oder keine Weltanschauung zu teilen, geschützt.

Jesus mahnte, nicht zu schwören

Dennoch bleibt die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, bei der Vereidigung der höchsten Staatsvertreter und bei der Verbeamtung einen Eid anzubieten, bei dem die Option besteht, auf Gott zu schwören oder nicht. Schließlich erleben alle christlichen Religionsgemeinschaften jedes Jahr massive Austritte und die deutsche Gesellschaft wird zunehmend säkular.
Außerdem verbietet das Neue Testament der christlichen Bibel sogar ausdrücklich das Schwören. In der Bergpredigt (Matthäus 5,34) stellte Jesus eine Forderung auf: „Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt.“ Und wenig später (Matthäus 5, 37) mahnte er: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“
Kurzum: Wer schwört, um seine Worte zu untermauern, dessen normale Worte scheinen offenbar weniger glaubwürdig. Jesus aber ermahnt oder ermutigt dazu, dass auch ohne Schwur die Worte eines Menschen glaubhaft gemeint sein sollen.
In einer Auslegung der katholischen Kirche, dem „Katechismus“ heißt es, Jesu Worte würden nur das „mitmenschliche Verhalten“ betreffen „und nicht unmittelbar die Eidesableistung vor Gericht“. Und weiter: „Die katholische Kirche sucht der Forderung der Heiligen Schrift dadurch zu entsprechen, dass sie die Eidesleistung möglichst einschränkt und sie nur für erlaubt ansieht, wenn schwerwiegende Gründe dafür sprechen.“
Zudem wird in dem Katechismus darauf hingewiesen, dass auch die evangelische Theologie „die sittliche Erlaubtheit des Eides, der ein Bekenntnis zu Gott zum Ausdruck bringt“, bekräftige. Unter zahlreichen Freikirchen wird indes jegliche Form von Eid oder Schwur abgelehnt. Die ältesten christlichen Glaubensrichtungen dieser Art sind die Mennoniten, die Herrnhuter Brüdergemeine
und die Quäker.

Christliches Abendland – eine Fiktion?

In sechs Bundesländern – Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern – gibt es in den Landesverfassungen keinen Bezug zu Gott. Ähnlich uneinheitlich wie in Deutschland sieht es auch bei den Mitgliedsstaaten der EU aus. Neben Deutschland finden sich nur in Dänemark, Griechenland und Irlands in den Verfassungen ausdrücklich ein direkter Gottesbezug.
In Großbritannien, das immerhin drei Kreuze in der Nationalflagge des Vereinigten Königreichs, dem „Union Jack“, führt, ist staatliches Schwören auf Gott häufiger verbreitet. Wer etwa in England eingebürgert werden will, muss einen Eid schwören, der folgendermaßen beginnt: „Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen“.
Parlamentarier des Ober- und Unterhauses haben – wie in Deutschland – die Option, bei ihrer Vereidigung zu sagen „So help me God“ oder diesen Zusatz wegzulassen. Britische Monarchen haben bisher ihren Krönungseid ebenfalls mit der Formulierung „So help me God“ abgeschlossen.
Bei so wenig Gottesbezug in Europa muss gefragt werden: Wie christlich ist das „christliche Abendland“? Die katholische Kirche hat darauf eine klare Antwort. In einem Beitrag von „katholisch.de“ heißt es: „Das christliche Abendland ist Fiktion.“
Der Theologe der Hochschule Vallendar, Manfred Becker-Huberti erklärte im Jahr 2016 vor dem Hintergrund der Pegida-Bewegung in Deutschland, der Begriff „christliches Abendland“ sei ab dem 5. Jahrhundert „ursprünglich als Bezeichnung für die ehemaligen römischen Provinzen des westlichen Europas verwendet“ und als „Kampfbegriff“ gegen die griechisch-orthodoxe Kirche von Byzanz gebraucht worden.
In ähnlicher Weise werde der Begriff heute wieder angewandt, um „sich gegen eine drohende Islamisierung“ zu verteidigen. Wer den Begriff „Christliches Abendland“ in dieser Weise benutze, wolle „etwas verteidigen, was es so in der Form nie gegeben hat“, erklärt der katholische Theologe.

Jeder ist seines Glückes Schmied

Die Frage nach einem Leben mit oder ohne Gott ist eine der ältesten Fragen der Menschheit. Leben mit einem Gott gibt Milliarden von Menschen auf der Welt Sinn und Halt, spendet Trost in Krisen und dient meist als gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Leben ohne Gott – oft bezeichnet als Atheismus, Agnostizismus oder Humanismus – stellt die Selbstbestimmung des Menschen in den Vordergrund. Mit dieser Weltanschauung wird jeder Mensch zu seines Glückes Schmied. Säkulare Personen empfinden dies oft als die ultimative Freiheit der Menschheit.
Am Ende sind jedoch beide Weltanschauungen stets für ihr Handeln selbst verantwortlich. Zumindest in dieser Hinsicht gibt es Einigkeit unter religiösen und nichtreligiösen Menschen.