Karsten Wildberger und Bärbel Bas. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) kündigen die Schaffung eines „digitalen Sozialportals“ an.
Geplant sei „ein einheitlicher Zugang zur Sozialverwaltung für Bürgerinnen und Bürger – unabhängig davon, welche Behörde am Ende zuständig ist“, schreiben die beiden Bundesminister in einem gemeinsamen Gastbeitrag für das Nachrichtenportal „t-online“.
„Ohne Papierformulare. Ohne Postwege. Ohne unnötige Termine vor Ort.“
„Leistungen sollen künftig einfach von zu Hause beantragt werden können“, schreiben sie und weiter: „Der Stand eines Antrags soll jederzeit einsehbar sein. Ohne Papierformulare. Ohne Postwege. Ohne unnötige Termine vor Ort. (…) Ein digitaler Workflow macht aus vielen einzelnen Behördenschritten heute zukünftig ein schnelles bürgerfreundliches Verfahren.“
Dafür müssten die Verwaltungssysteme modernisiert und miteinander verbunden werden. So sollen sie etwa an das bundesweite Datenaustauschsystem NOOTS angeschlossen werden.
Ebenfalls eine wichtige Rolle soll das EUDI-Wallet, „die digitale Brieftasche auf dem Smartphone“, spielen. Künstliche Intelligenz solle zudem die Verwaltung entlasten.
Es gehe jedoch nicht darum, persönliche Beratung zu ersetzen. „Entscheidungen über Leistungen bleiben in menschlicher Hand“, schreiben Bas und Wildberger. Die Minister kündigen an: „Jetzt beginnt die Umsetzung.“
Ein Expertengremium unter der gemeinsamen Leitung beider Ministerien nimmt am 20. Mai die Arbeit auf.
„Wir werden den Sozialstaat nicht von heute auf morgen neu bauen“, so Bas und Wildberger. „Aber wir können ihn Schritt für Schritt einfacher, schneller und wirksamer machen.“
Am Mittwochnachmittag tagt zum ersten Mal das Expertengremium „Digitalisierung Sozialstaatsreform“. Zuvor wollen Bas und Wildberger vor die Presse treten. (dts/afp/red)
Karsten Wildberger und Bärbel Bas. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) kündigen die Schaffung eines „digitalen Sozialportals“ an.
Geplant sei „ein einheitlicher Zugang zur Sozialverwaltung für Bürgerinnen und Bürger – unabhängig davon, welche Behörde am Ende zuständig ist“, schreiben die beiden Bundesminister in einem gemeinsamen Gastbeitrag für das Nachrichtenportal „t-online“.
„Ohne Papierformulare. Ohne Postwege. Ohne unnötige Termine vor Ort.“
„Leistungen sollen künftig einfach von zu Hause beantragt werden können“, schreiben sie und weiter: „Der Stand eines Antrags soll jederzeit einsehbar sein. Ohne Papierformulare. Ohne Postwege. Ohne unnötige Termine vor Ort. (…) Ein digitaler Workflow macht aus vielen einzelnen Behördenschritten heute zukünftig ein schnelles bürgerfreundliches Verfahren.“
Dafür müssten die Verwaltungssysteme modernisiert und miteinander verbunden werden. So sollen sie etwa an das bundesweite Datenaustauschsystem NOOTS angeschlossen werden.
Ebenfalls eine wichtige Rolle soll das EUDI-Wallet, „die digitale Brieftasche auf dem Smartphone“, spielen. Künstliche Intelligenz solle zudem die Verwaltung entlasten.
Den Sozialstaat neu bauen
Es gehe jedoch nicht darum, persönliche Beratung zu ersetzen. „Entscheidungen über Leistungen bleiben in menschlicher Hand“, schreiben Bas und Wildberger. Die Minister kündigen an: „Jetzt beginnt die Umsetzung.“
Ein Expertengremium unter der gemeinsamen Leitung beider Ministerien nimmt am 20. Mai die Arbeit auf.
„Wir werden den Sozialstaat nicht von heute auf morgen neu bauen“, so Bas und Wildberger. „Aber wir können ihn Schritt für Schritt einfacher, schneller und wirksamer machen.“
Am Mittwochnachmittag tagt zum ersten Mal das Expertengremium „Digitalisierung Sozialstaatsreform“. Zuvor wollen Bas und Wildberger vor die Presse treten. (dts/afp/red)
Der italienische Journalist Ezio Gavazzeni stellte am 24. März 2026 in Rom sein Buch „Snipers of the weekend“ vor. Es dreht sich um ausländische „Wochenend-Scharfschützen“, die die bosnisch-serbische Armee dafür bezahlten, während der Belagerung von Sarajevo in den 1990er Jahren auf Zivilisten zu schießen. - Foto: Filippo Monteforte/AFP via Getty Images
Mehr als 30 Jahre nach dem Ende des Bosnienkriegs hat die Justiz in Österreich Ermittlungen gegen zwei Verdächtige aufgenommen, die als so genannte Wochenend-Scharfschützen auf Zivilisten im belagerten Sarajevo geschossen haben sollen.
Die Ermittlungen liefen seit dem 25. April gegen einen österreichischen Staatsbürger und einen weiteren bislang nicht identifizierten Verdächtigen, teilte das Justizministerium in Wien mit.
Seit dem Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ des slowenischen Regisseurs Miran Zupanic aus dem Jahr 2022 waren verstärkt Mutmaßungen über Reisen von „Wochenend-Scharfschützen“ in den Jahren 1993 bis 1995 angestellt worden.
Diese sollen während des Bosnienkriegs den damaligen bosnisch-serbischen Streitkräften hohe Summen gezahlt haben, um in Sarajevo einige Tage auf Zivilisten schießen zu können.
Frühere Bürgermeisterin erstattet Anzeige
Die ehemalige Bürgermeisterin von Sarajevo, Benjamina Karic, erstattete nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms in Bosnien Anzeige, die Staatsanwaltschaft in Sarajevo ermittelt wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen.
In seinem im März erschienen Buch „I Cecchini del Weekend“ (Wochenend-Scharfschützen) zitiert der italienische Journalist Ezio Gavazzeni einen Franzosen, der kleine Gruppen dieser zahlenden „Kriegstouristen“ begleitet haben will.
Diese stammten demnach aus Italien, Frankreich, Belgien, der Schweiz, Österreich und Russland. Organisiert wurden die Reisen dem Buch zufolge von einem Unternehmen in Mailand. Laut dem Franzosen waren die Kunden zumeist älter als 50 Jahre und wohlhabend.
Politikerin: Menschen bezahlten offenbar dafür, um auf Menschen zu schießen
Die ehemalige österreichische Justizministerin Alma Zadic begrüßte die Ermittlungen. „Bei den Vorwürfen handelt sich um schwerste Kriegsverbrechen, denen nachgegangen werden muss. Diese müssen lückenlos untersucht und verfolgt werden. Es darf keinen Platz für Straflosigkeit geben“, erklärte die Grünen-Politikerin laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
„Dass Menschen offenbar dafür bezahlt haben sollen, gezielt auf Zivilistinnen und Zivilisten, sogar auf Kinder, zu schießen, ist kaum vorstellbar in seiner Grausamkeit.“
Die vierjährige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo durch die bosnischen Serben gehört zu den Ereignissen des Bosnien-Krieges. Unter dem Dauerbeschuss von Heckenschützen und der serbischen Artillerie auf den umliegenden Hügeln wurden in der von der Außenwelt abgeschnittenen Stadt von April 1992 bis November 1995 etwa 11.500 Männer, Frauen und Kinder getötet und mehr als 50.000 Menschen verletzt.(afp/red)
Die Zollentscheidungen der USA sorgen bei Handelsunternehmen für Unsicherheit. - Foto: Sina Schuldt/dpa
Unter dem Druck wiederholter Drohungen von US-Präsident Donald Trump verhandeln Vertreter aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Länder in Straßburg über die Umsetzung einer Vereinbarung aus dem vergangenen Jahr.
Dabei geht es am Dienstagabend um eine Abschaffung europäischer Zölle auf US-Industriewaren, welche die EU Trump zugesagt hat. Mehrere Teilnehmer äußerten sich im Vorfeld optimistisch für eine Einigung.
In der EU müssen viele zustimmen
Grundlage für die Verhandlungen ist eine Vereinbarung zwischen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump aus dem vergangenen August. Die USA sagten darin zu, ihre Zölle auf EU-Produkte grundsätzlich auf nicht mehr als 15 Prozent zu erhöhen. Die EU versprach im Gegenzug die Abschaffung ihrer Industriezölle.
In der EU müssen das Europaparlament und der Rat der 27 Mitgliedsländer über einen solchen Schritt entscheiden, die Verhandlungen dauern nun schon mehrere Monate.
Die Abgeordneten setzten ihre Arbeit daran mehrfach aus, weil durch Trumps Drohungen im Streit um Grönland Anfang des Jahres und einem Urteil des Obersten US-Gerichtshofs gegen seine Zölle Unsicherheit aufkam.
Das Parlament will wegen dieser Unsicherheit Einschränkungen für die Zollabschaffung einführen: Die EU-Kommission soll sie rückgängig machen können, wenn die USA ihre Zölle wieder erhöhen oder ein EU-Mitglied bedrohen. Die Abschaffung soll zudem Ende März 2028 auslaufen, dieses Datum wird in den Verhandlungen noch diskutiert.
EU nahm einige Forderungen zurück
Vor den Verhandlungen am Dienstagabend ruderte das Parlament bereits in einigen Punkten zurück, wie aus einem Vorbereitungsdokument hervorgeht, das AFP vorlag.
So fordern die Abgeordneten nicht mehr, dass der Streit um die hohen Stahl- und Aluminiumzölle der USA geklärt ist, bevor die Zollabschaffung greifen kann. Außerdem sollen die 27 EU-Staaten mehr Mitspracherecht bekommen, wenn die Kommission die Abschaffung aussetzen will.
Nach Angaben mehrerer Beteiligter stehen Konservative, Sozialdemokraten und Liberale hinter den Vorschlägen. Die Linke ist strikt dagegen.
Die Abgeordneten gehen mit den Zugeständnissen auf einige EU-Regierungen zu, die befürchten, Trump mit den Einschränkungen zu verärgern. Auch die Europäische Volkspartei, der auch CDU und CSU angehören, drängt auf eine rasche Umsetzung. „Wir haben zu viel Zeit verloren“, sagte die dort zuständige Abgeordnete Zeljana Zovko.
Chefverhandler des Parlaments ist der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD). Er zeigte sich zuversichtlich für einen Abschluss der Verhandlungen am Dienstagabend.
Die Gespräche könnten sich bis spät in die Nacht ziehen. Kommt eine Einigung zustande, kann die EU eine von Trump auf den 4. Juli gesetzte Frist einhalten. (aafp/red)
Die „grünen Tunnel“ Chipping Warden und Greatworth sind zwei von fünf „Cut-and-Cover“-Tunneln, die im Rahmen der ersten Phase der HS2-Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zwischen London und den West Midlands gebaut werden (2025). - Foto: Ryan Jenkinson/Getty Images
Die geplante neue Schnellzugstrecke von London in den Norden Englands wird immer teurer. Die Kosten würden inzwischen auf 87,7 bis 102,7 Milliarden Pfund (101 bis 118 Milliarden Euro) geschätzt, sagte die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander im Unterhaus.
Ursprünglich waren nur 37,5 Milliarden Pfund (43 Milliarden Euro) eingeplant. Zudem wird sie am Ende wohl deutlich kürzer ausfallen und die Züge werden langsamer fahren.
Das HS2-Curzon-Viadukt 2 in Birmingham, auch bekannt als Bellingham Bridge, ist mit einer Höhe von ca. 40 m das höchste Viadukt auf der HS2-Strecke und prägt mittlerweile die Skyline der Stadt. Das Bauwerk überspannt eine bereits erhöhte bestehende Eisenbahnstrecke sowie den Fluss Rea, weshalb das Viadukt außergewöhnlich hoch sein muss – es entspricht in etwa einem siebenstöckigen Gebäude.
Foto: Christopher Furlong/Getty Images
Das Projekt führt zu den nördlichen Großstädten
Großbritannien verfügt bislang über eine einzige Hochgeschwindigkeitsstrecke: von London zum Eurotunnel durch den Ärmelkanal. Das Projekt High Speed 2 (HS2) soll die Hauptstadt besser mit Großstädten wie Birmingham, Manchester und Leeds im Norden verbinden.
Die Fertigstellung verzögert sich jedoch seit Jahren, zugleich schießen die Kosten in die Höhe.
Ursprünglich sollte die Strecke in diesem Jahr in Betrieb genommen werden und die Züge bis zu 360 Kilometer pro Stunde fahren können.
Geplant waren ein erster Streckenteil bis Birmingham und von dort zwei weitere Teilstrecken: eine bis nach Manchester und die andere bis nach Leeds.
Das HS2-Colne-Valley-Viadukt am 25. September 2025 in Chalfont St Peter, Buckinghamshire.
Foto: Leon Neal/Getty Images
Mit 320 Stundenkilometern unterwegs
Inzwischen wird frühestens 2036 für die Fertigstellung anvisiert und die Maximalgeschwindigkeit wurde auf 320 Stundenkilometer reduziert – um weitere Kostensteigerungen zu verhindern.
Zudem wird die HS2 wohl nur bis nach Birmingham führen, ihre Gesamtlänge wäre dann weniger als halb so lang wie ursprünglich geplant. Sie gilt – pro Schienenkilometer – als eines der teuersten Bahnprojekte weltweit.
Verkehrsministerin Alexander verwies auf Verfehlungen der vorherigen konservativen Regierungen. Die bisherigen Pläne bezeichnete sie als „massiv überdimensioniertes Wahnprojekt“ für das Ego konservativer Minister.
Die Möglichkeit, das Projekt schlichtweg aufzugeben, wurde geprüft. Doch dies könnte laut Alexander „fast genauso viel kosten wie die Fertigstellung“. (afp/red)
Vor zwei Jahren wurden Ermittlungen gegen Christian Haub aufgenommen. (Archivbild) - Foto: Matthias Balk/dpa
Die Staatsanwaltschaft Köln hat Anklage gegen Tengelmann-Chef Christian Haub erhoben. Der Vorgang steht im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub in den Schweizer Alpen.
Ein Sprecher des Landgerichts Köln bestätigte dpa den Eingang der Anklageschrift vom 13. April, ohne den Namen des Beschuldigten zu nennen. Zuvor hatte das „Manager Magazin“ berichtet.
Christian Haub wird vorgeworfen, 2021 im Verschollenheitsverfahren um seinen Bruder – den früheren Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub – eine falsche Versicherung an Eides statt abgegeben zu haben.
Nach dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub hatte Christian Haub die alleinige Geschäftsführung des milliardenschweren Handelskonzerns übernommen, zu dem unter anderem der Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi gehören.
Im April 2018 von einer Skitour nicht mehr zurückgekehrt: Karl-Erivan Haub.
Foto: Roland Weihrauch/dpa
Was der Anwalt sagt
Mark Binz, der Anwalt von Christian Haub, bestätigte den Eingang der Anklageschrift. Er erwartet, dass das Landgericht sie nicht zulässt.
Bei den Vorwürfen gegen Christian Haub geht es laut „Manager Magazin“ um Bilder von Überwachungskameras, die seinen Bruder nach dessen vermeintlichem Skiunfall in Moskau zeigen sollen.
„Der Vorwurf der Anklage beschränkt sich darauf, dass Christian Haub ein Foto nicht erwähnt hat, auf dem er selbst Wochen zuvor seinen Bruder nicht erkannt hatte, für das es keine Metadaten gibt“, teilte Binz mit.
Laut einem Behördengutachten liege die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung mit dem Gesicht des Verschollenen bei lediglich 50 Prozent. Das Foto sei damit wertlos, so Binz.
Anwalt legt Beschwerde ein
Laut Anwalt fehlt es seinem Mandanten „an jeglichem Motiv, etwas zu verschweigen, zumal er die Versicherung aus freien Stücken, also unaufgefordert abgeben hat“. Binz hat nach eigenen Angaben im März Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den leitenden Ermittler, Oberstaatsanwalt Tim Engel, erhoben. „Wegen einseitiger Ermittlungen“, wie es heißt.
Die Beschwerde werde geprüft, habe aber keinen Anlass zu vorläufigen Maßnahmen gegeben, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Sie habe auch keinen Ablauf auf den zeitlichen Ablauf des Verfahrens.
Die offenbar aufgestellte Behauptung des Verteidigers, der Ermittler habe „noch schnell Anklage erhoben – aus Trotz?“ liege nicht nur völlig neben der Sache, sondern sei geradezu abenteuerlich, erklärte der Sprecher.
Eine Sprecherin von Tengelmann teilte mit: „Das ist eine private Angelegenheit von Herrn Haub, daher nehmen wir unternehmensseitig keine Stellung.“
Die Staatsanwaltschaft hatte 2024 wegen Anfangsverdachts ein Ermittlungsverfahren gegen Christian Haub eingeleitet. In der Strafanzeige war unter anderem vorgebracht worden, dass dem Beschuldigten – entgegen seinen Angaben – belastbare Hinweise darauf vorgelegen hätten, dass sein Bruder noch leben könnte.
Karl-Erivan Haub 2021 für tot erklärt
Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war im April 2018 in Zermatt allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt.
Die Familie geht davon aus, dass der damals 58-Jährige am Klein Matterhorn tödlich verunglückte. 2021 wurde er vom Kölner Amtsgericht für tot erklärt. Immer wieder kursieren seitdem aber Medienberichte mit Zweifeln am Tod des erfahrenen Skiläufers. Das Gericht hielt sie nicht für belegbar.
Im laufenden Zwischenverfahren prüft das Gericht nun, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht und die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Erst danach kann das Hauptverfahren eröffnet werden. Einen Zeitrahmen für die Entscheidung nannte der Gerichtssprecher nicht. (dpa/red)
Pakistanische Soldaten stehen am 19. März 2026 an der pakistanisch-afghanischen Grenze in Chaman in der Provinz Belutschistan. - Foto: Abdul Basit/AFP via Getty Images
Bis Ende des Jahres werden nach Schätzungen der UNO fast drei Millionen Afghanen aus dem Ausland in ihr Land zurückkehren. Einem UN-Bericht zufolge handelt es sich bei mehr als der Hälfte von ihnen um Frauen und Kinder.
Seit September 2023 sind bereits 5,9 Millionen afghanische Staatsbürger – vorwiegend aus den Nachbarländern Iran und Pakistan – in ihre Heimat zurückgekehrt. Das entspricht zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung.
In den ersten vier Monaten 2026 kehrten demnach bereits etwa 600.000 Afghanen aus Pakistan und dem Iran zurück. Für die kommenden acht Monate werden laut dem Bericht „schätzungsweise 1,7 Millionen Rückkehrer aus dem Iran und 1,1 Millionen aus Pakistan erwartet“.
Die meisten sind in den Nachbarstaaten geboren
Die meisten von ihnen seien in den Nachbarländern geboren und aufgewachsen oder hätten zumindest seit Jahren nicht mehr in ihrer Heimat gelebt.
Sie hätten „entweder schwache oder keine Verbindungen zu ihren Herkunftsgemeinden“, erklärte der für Afghanistan zuständige humanitäre UN-Koordinator Tajudeen Oyewale.
Die UNO und NGOs fordern 100,7 Millionen US-Dollar (rund 86 Millionen Euro) für Sofortmaßnahmen an den Grenzen zum Iran und zu Pakistan, um dort lebensrettende Hilfe zu leisten.
Dem Bericht zufolge sind für die Wiedereingliederungsmaßnahmen der Rückkehrer 428,5 Millionen Dollar nötig. (afp/red)
Der ausgebrannte Grenfell Tower wenige Tage nach der Katastrophe: In dem Hochhaus waren Untersuchungen zufolge Brandschutzauflagen ignoriert worden. - Foto: David Mirzoeff/PA Wire/dpa
Neun Jahre nach dem tödlichen Hochhausbrand im Londoner Grenfell Tower will die Polizei nach jahrelangen Ermittlungen 57 Personen und 20 Unternehmen vor Gericht bringen. Die Vorwürfe lauteten auf fahrlässige Tötung, Amtsmissbrauch und Betrug, teilte die Londoner Polizei mit.
Bei dem Feuer im Juni 2017 waren 72 Menschen ums Leben gekommen, das Unglück gilt als der schwerste Wohnungsbrand in der jüngeren britischen Geschichte
Die Polizei will nun bis zum Herbst der Staatsanwaltschaft Beweismittel vorlegen.
Polizei: Es ist eine der komplexesten Ermittlungen
Demnach könnten noch bis zum Juni 2027 Anklagen erhoben werden, zehn Jahre nach der Katastrophe. Überlebende hatten den Behörden und der Regierung in der Vergangenheit Zögerlichkeit bei den Ermittlungen und bei Reformen im Wohnungsbau vorgeworfen.
Die Organisation „Grenfell United“ zeigte sich nun erleichtert und erklärte, die Ankündigung der Polizei sei „ein wichtiger Schritt in einem Prozess, der schon viel zu lange andauert.“
Kevin Southworth von der Londoner Polizei sagte, es habe „lange gedauert, um zu diesem Punkt zu kommen“. Dennoch sei die Polizei im Zeitrahmen geblieben. „Das Grenfell-Tower-Feuer bleibt eine der komplexesten Ermittlungen, die je von einer britischen Strafverfolgungsbehörde unternommen wurde“, sagte Southworth.
Der Grenfell-Tower brannte wie eine Fackel.
Foto: Guilhem Baker/dpa
Am frühen Morgen des 14. Juni 2017 war in der vierten Etage des 24-stöckigen Hochhauses im Londoner Stadtteil North Kensington ein durch einen defekten Kühlschrank ausgelöstes Feuer ausgebrochen.
Über eine hoch brennbare Fassadenverkleidung breiteten sich die Flammen innerhalb einer halben Stunde bis zum obersten Stockwerk aus.
Ein 2024 veröffentlichter Untersuchungsbericht sah in dem Brand eine Folge von „jahrzehntelangem Versagen“ der Regierung und „systematischer Unehrlichkeit“ von Baustofffirmen. Dem Bericht zufolge wären alle 72 Todesfälle vermeidbar gewesen. (afp/red)
Der britische Staatsminister für Handel, Chris Bryant, am 19. Mai 2026 im EU-Parlament in Straßburg. - Foto: Sebastien Bozon/AFP via Getty Images
Der britische Staatsminister für Handelspolitik, Chris Bryant, will „zu Lebzeiten“ noch den Wiedereintritt seines Landes in die Europäische Union erleben.
„Aber das machen wir nicht diesen Sommer“, sagte der 64-Jährige im AFP-Interview. Er hoffe, dass die Briten „als vollwertige Mitglieder der EU wieder fest im Herzen Europas begrüßt werden“.
„In der Nacht des Brexit-Referendums ist mir das Herz gebrochen“, sagte Bryant. Seitdem habe der Austritt aus der EU „der britischen Wirtschaft enorme Probleme bereitet“. Das wüssten „alle in der Labour-Partei, ganz sicher in der Regierung“, fügte er hinzu.
Handelsminister für Annäherung an die EU
Bryant warb deshalb für eine Annäherung an die EU – auch wenn das bedeute, dass Großbritannien wieder einige europäische Regeln übernehmen müsse.
„Ich bin sehr gerne bereit, den Menschen in Großbritannien zu erklären, dass wir uns an Europa angleichen müssen, wo es nötig ist, um mehr Handel treiben zu können.“
Auch in der Verteidigungspolitik will Bryant enger mit der EU zusammenarbeiten. „Unsere Sicherheit, die Sicherheit Großbritanniens, ist europäische Sicherheit, und umgekehrt“, sagte er.
Großbritannien, Frankreich und Deutschland arbeiten in Sicherheitsfragen bereits eng zusammen und beraten etwa im Rahmen der sogenannten Koalition der Willigen über Hilfen für die Ukraine.
Rücktrittsforderungen in London
Bryant gehört zur Regierung von von Labour-Premierminister Keir Starmer, der nach einem Debakel seiner Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen mit Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert ist.
Gesundheitsminister Wes Streeting trat zurück und fordert Starmer nun offen heraus. Bryant erklärte, er wolle Minister bleiben, „wer auch immer das Sagen hat“.
2016 hatten der damalige konservative Premier David Cameron und seine Tory-Regierung über den Brexit abstimmen lassen, Labour warb für einen Verbleib in der EU. In einem knappen Referendum setzten sich die Brexit-Befürworter durch.
Vier Jahre später trat Großbritannien als erstes Land aus der Europäischen Union aus. Labour-Premier Starmer treibt seit seinem Amtsantritt einen „Neustart“ der Beziehungen voran. (afp/red)
BioNTech galt während der Pandemie als Symbol deutscher Innovationskraft. Nun plant der Konzern die Schließung mehrerer Produktionsstandorte in Deutschland. (Archivbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa
In Kürze:
BioNTech hat angekündigt, Werke in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein zu schließen.
Trotz öffentlicher Förderung in Höhe von 375 Millionen verfügt der Konzern weiter über hohe Finanzreserven.
Der Fall entfacht neue Kritik an Deutschlands Industrie- und Standortpolitik.
Es galt als eine der wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten während der Corona-Zeit. Die Erzählung besagte: Ein kleines Mainzer Unternehmen rettet mit staatlicher Hilfe die Welt.
Gleichzeitig profitierten die angeschlagenen kommunalen Haushalte enorm von den Gewerbesteuereinnahmen des inzwischen zum globalen Konzern aufgestiegenen Unternehmens. So meldeten Medien im Jahr 2021, dass die Stadt Mainz statt eines geplanten Minus von 36 Millionen Euro einen historischen Überschuss von 1,09 Milliarden Euro verbuchen konnte.
Es war BioNTech, der Hersteller des mRNA-Impfstoffes Comirnaty, der der Stadt damals das Milliarden-Plus bescherte.
Der damaligen schwarz-roten Bundesregierung unter Angela Merkel (CDU) galt der Biotechnologiekonzern als Beweis dafür, dass der Standort Deutschland durch gezielte Subventionen zukunftsfähig gemacht werden könne.
In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der damaligen FDP-Fraktion verwies die Bundesregierung auf BioNTech und erklärte, gerade im Bereich der Wirkstoffentwicklung müssten lange Entwicklungszeiten, hohe Kosten und erhebliche Risiken berücksichtigt werden.
Bis zu 1.860 Stellen betroffen
Doch die gerade erst getätigte Ankündigung von BioNTech bricht nun mit dieser Erzählung: Bis Ende 2027 sollen die deutschen Produktionsstandorte in Marburg und Idar-Oberstein sowie des vom Konzern im vergangenen Jahr gekauften ehemaligen Konkurrenten CureVac in Tübingen geschlossen werden.
Zusammen mit der Schließung des Standorts in Singapur könnten bis zu 1.860 Stellen betroffen sein.
Hintergrund der Entscheidung sei laut einer Pressemitteilung des Konzerns, der anhaltende Einbruch des Geschäfts mit COVID-19-Impfstoffen.
So sank im ersten Quartal der Umsatz von 182,8 auf 118,1 Millionen Euro, zugleich weitete sich der Nettoverlust auf 531,9 Millionen Euro aus. BioNTech investiert zugleich in den Umbau zum Onkologieunternehmen.
BioNTech erwarte durch die „Konsolidierung von Produktionsstandorten“ ab 2029 jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro.
Für die Politik ist die Ankündigung von BioNTech ein Offenbarungseid. Aus der Bilderbuchgeschichte ist nun eine Grundsatzfrage über die Grenzen staatlicher Industriepolitik geworden.
Der Bund unterstützte BioNTech 2020 im Rahmen des Sonderprogramms zur Impfstoffentwicklung mit rund 375 Millionen Euro, wie aus einer Antwort der schwarz-roten Bundesregierung aus dem Jahr 2021 hervorgeht. Das war damals die mit Abstand höchste Fördersumme.
Zum Vergleich: Für Curevac wurden damals rund 251 Millionen Euro bewilligt und die Firma IDT Biologika aus Dessau-Roßlau erhielt eine Fördersumme in Höhe von rund 114 Millionen Euro.
Damals war die Förderung eine riskante Wette auf eine neue Technologie. Niemand wusste mit letzter Sicherheit, ob der mRNA-Impfstoff funktionieren würde, ob die Zulassung rechtzeitig käme oder ob sich die Milliardeninvestitionen jemals auszahlen würden. Laut offizieller Lesart ging die Wette auf.
Seit dieser Zeit wurde das „Wunder“ BioNTech von der Politik öfters hervorgehoben. So betonte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) anlässlich der Grundsteinlegung für ein neues Forschungszentrum der Firma Merck im April 2024 in Darmstadt, auch mit Blick auf BioNTech:
„Ja, wir haben hier in Deutschland und Europa führende Biotechunternehmen und Technologien, um die China, die USA und andere uns beneiden.“
Politische Lobreden und dann der Rückzug
Im März dieses Jahres äußerte sich der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Clemens Hoch (SPD) anlässlich der Ankündigung der BioNTech-Gründer und Forscherpaars Ugur Sahin und Özlem Türeci, das Unternehmen bis 2026 verlassen zu wollen.
Hoch würdigte die beiden Forscher, die im Jahr 2022 zu Ehrenbürgern von Mainz ernannt wurden, als prägende Persönlichkeiten der internationalen Biomedizin.
Er lobte ihren wissenschaftlichen Pioniergeist sowie ihren unternehmerischen Mut. Mit der Gründung von Ganymed und später BioNTech hätten sie gezeigt, wie aus „exzellenter Grundlagenforschung bahnbrechende medizinische Innovation“ entstehen könnte. Hoch sagte damals:
„Rheinland-Pfalz bleibt Heimat, in der wissenschaftlicher Mut, unternehmerisches Denken und medizinischer Fortschritt zusammenfinden.“
Nach der BioNTech-Ankündigung steht die Politik nun aber vor einem Problem, das sie lange verdrängt hat: Staatliche Förderung garantiert keinen dauerhaften industriellen Verbleib.
Wirtschaftlich ist BioNTech, ausweislich seiner Quartalszahlen für das erste Vierteljahr, keineswegs ein Sanierungsfall. Zum Ende des ersten Quartals lagen die liquiden Mittel und Wertpapieranlagen bei rund 16,8 Milliarden Euro.
Gleichzeitig kündigte der Konzern, wenige Tage nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen, ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 1 Milliarde Dollar an. Ziel sei eine höhere „Kapitaleffizienz“ und „langfristige Wertschöpfung“ für Aktionäre.
Millionenhilfe ohne Gegenleistung?
Der deutsche Steuerzahler trug einst einen erheblichen Teil des Entwicklungsrisikos. Nun fließt überschüssiges Kapital an die Kapitalmärkte zurück, während in Deutschland Werke geschlossen und Stellen gestrichen werden. Genau hier liegt die Sprengkraft des Falls.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt erklärt auf Anfrage von Epoch Times, dass die 2020 gewährten Fördermittel in Höhe von rund 375 Millionen Euro an BioNTech ausschließlich der beschleunigten Entwicklung von Corona-Impfstoffen dienten. Standortgarantien, Produktionsmindestlaufzeiten oder Rückzahlungsklauseln bei einer möglichen Verlagerung ins Ausland seien nicht Bestandteil der Förderbescheide gewesen.
Dies entspreche der üblichen Praxis in der Forschungsförderung, bei der die wirtschaftliche Verwertung der Ergebnisse ausdrücklich erwünscht sei. Zugleich betonte das Ministerium, die Bundesregierung wolle biotechnologische Innovationen und Wertschöpfung langfristig in Deutschland halten und den Standort mit der „Hightech Agenda Deutschland“ weiter stärken.
BioNTech ließ eine Anfrage von Epoch Times unbeantwortet, wie es die geplanten Schließungen der Werke in Deutschland mit Blick auf die massive Förderung durch die deutschen Steuerzahler rechtfertigt. Auf der Hauptversammlung am 15. Mai, am vergangenen Freitag, äußerte sich noch-CEO Ugur Sahin in seiner Rede vor den Aktionären zu den Schließungsplänen.
Sahin sprach von einer „Phase des Übergangs“. Durch einen sinkenden Herstellungsbedarf seien Veränderungen notwendig geworden, die auch Beschäftigte und Standorte beträfen. Die Entscheidung zur Schließung einzelner Werke sei „schweren Herzens“ und „nach sorgfältiger Analyse“ getroffen worden.
Zugleich betonte Şahin, man sei sich der „tiefgreifenden“ Folgen für Mitarbeiter und deren Familien bewusst. Den Betroffenen würden „sozialverträgliche Lösungen“ angeboten.
Deutschlands Standortprobleme
Wenn Sahin von einer „Phase des Übergangs“ spricht, dann wird deutlich, dass Deutschland trotz milliardenschwerer Förderungen nicht attraktiv genug geblieben ist, um industrielle Wertschöpfung im Land zu halten.
In der Biotechnologiebranche wird seit Jahren über genau diese Schwäche geklagt. Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa) beklagt, dass in Deutschland „Vertragsverhandlungen und einige Genehmigungsverfahren vor Studienbeginn oftmals viel zu lange“ dauerten. Zudem fordert die Branche „bundesweit harmonisierte Vorgaben für den Datenschutz“ sowie „zügigere Vertragsabschlüsse“ mit Kliniken und Praxen.
Gleichzeitig verliere Deutschland laut vfa international an Boden: Während die Bundesrepublik 2016 noch Platz zwei bei der Anzahl der klinischen Studien belegte, lag sie 2024 nur noch auf Rang fünf.
Ein Lehrstück über den wirtschaftlichen Niedergang
Der Fall BioNTech wirkt deshalb wie ein Lehrstück über die Grenzen deutscher Förderpolitik. Der Staat stellte Milliarden bereit, versäumte dabei jedoch, verbindliche Produktionsgarantien zu vereinbaren oder Mechanismen zu entwickeln, mit denen öffentliche Förderung langfristig an heimische Wertschöpfung gekoppelt werden könnte. Entsprechend scharf fallen die Reaktionen aus den betroffenen Regionen aus.
Der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) kritisierte die Entscheidung öffentlich als „falsch“ und sprach von mangelndem Respekt gegenüber den Beschäftigten, die die „horrenden Gewinne“ des Unternehmens erst ermöglicht hätten. Zugleich erinnerte er daran, dass BioNTech massiv von öffentlichen Fördermitteln profitiert habe und daher auch gesellschaftliche Verantwortung gegenüber der Region und Öffentlichkeit trage.
Auch die Gewerkschaft IGBCE kritisiert den Umgang des Unternehmens mit den Standorten scharf. „Im Konzern haben offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen“, sagte Landesbezirksleiter Roland Strasser. „Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen.“
Der Fall trifft die Politik auch deshalb so empfindlich, weil BioNTech über Jahre als Beleg für die Innovationskraft des Standorts Deutschland galt. Während Chemie-, Stahl- und Automobilkonzerne regelmäßig über Energiepreise und Standortnachteile klagten, schien die Biotechnologiebranche die Hoffnung auf eine neue wissensbasierte Industrie zu verkörpern.
Nun zeigt ausgerechnet ihr prominentester Vertreter, wie mobil und global dieses Geschäft tatsächlich geworden ist. Das eigentliche Dilemma lautet deshalb: Der Staat kann Innovationen fördern. Aber er kann Unternehmen nicht dauerhaft an einen Standort binden, wenn die strukturellen Bedingungen nicht stimmen.
Ein F16-Kampfjet über Nordpolen (Symbolbild). - Foto: Damien Simonart/AFP/Getty Images
Ein NATO-Kampfjet hat über Estland eine ukrainische Drohne abgeschossen. Nach Angaben des estnischen Verteidigungsministers Hanno Pevkur wurde die Drohne von einem russischen Störsystem vom Kurs abgebracht und zunächst von Lettland entdeckt.
Anschließend wurde sie von einem in Litauen stationierten rumänischen F-16-Kampfjet abgeschossen.
Nahe der ländlichen Gemeinde in Poltsamaa im Zentrum Estlands gingen einem Medienbericht zufolge Trümmerteile nieder.
Das erste Mal: NATO fing Drohne im baltischen Luftraum ab
Es war das erste Mal seit dem Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022, dass die NATO eine ausländische Drohne über dem Luftraum der baltischen Staaten abgefangen hat. In Estland findet in dieser Woche das NATO-Manöver „Spring Storm 2026“ statt.
Die estnische Armee teilte mit, die Drohne sei mit einer einzigen Rakete des Jagdflugzeugs abgeschossen worden.
Verteidigungsminister Pevkur sagte, er habe mit seinem ukrainischen Kollegen Mychailo Fedorow gesprochen, der sich für den Vorfall entschuldigt habe.
Estland habe keine Genehmigung dafür erteilt, dass sein Luftraum genutzt werden dürfe, und die Ukraine habe „nicht nach einer solchen Genehmigung gefragt“, sagte Pevkur weiter.
Moskau wirft den Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen immer wieder vor, dass sie der Ukraine als Basis für Angriffe auf russisches Territorium dienten. Die Länder weisen dies zurück.
Kiew beschuldigte Moskau derweil, absichtlich ukrainische Drohnen in die Baltenstaaten umzuleiten.
Im Zuge des Ukrainekriegs sind bereits mehrere Drohnen aus Russland und der Ukraine in den Baltenstaaten abgestürzt. In Lettland löste ein Drohnenabsturz indes eine Regierungskrise aus, Regierungschefin Evika Silina trat in der vergangenen Woche zurück. (afp/red)
Was passiert, wenn einem das Leben dazwischenkommt? Für Per Lundin war es der Beginn einer Reise zurück zu dem, was wirklich zählt. - Foto: Anton Anderberg
Per Lundins Weg zur Arbeit mit der Persönlichkeitsentwicklung begann beim Militär. Dort absolvierte er eine einwöchige, obligatorische Ausbildung mit Fokus auf Gruppendynamik, Führung und Selbsterkenntnis. Das Ziel war, sich seiner eigenen Verhaltensweisen bewusster zu werden. Es ging darum, zu erkennen, wie man unter Druck reagiert und wie das eigene Handeln andere beeinflusst.
Die Ausbildung handelte jedoch nicht nur von praktischer Führung. Sie öffnete ihm auch einen Zugang zu einem tieferen Verständnis für die Vielfältigkeit der Menschen. Er verstand besser, wie Menschen die Welt unterschiedlich interpretieren und zu völlig verschiedenen Auffassungen gelangen können – selbst in grundlegenden Fragen.
„Das ist entscheidend dafür, dass wir einander verstehen können. Kriege werden geführt, weil Menschen unterschiedlich denken und nicht die Fähigkeit haben, zu verstehen, warum [das so ist]“, sagt Per Lundin.
Per Lundin verändert sein Leben
Wir treffen uns vor Lundins Zuhause. Es ist ein ausgebautes rotes Ferienhaus auf einem abschüssigen Grundstück mit hohen Eichen. Auf dem angrenzenden Grundstück steht ein neu gebautes grünes Haus, Wand an Wand.
Es ist nicht lange her, da hatten Lundin und seine Frau noch die Wände zwischen dem Ferienhäuschen und dem Neubau herausgerissen. Doch dazu später mehr. In seinem roten Ferienhaus im Bohème-Stil erzählt Per Lundin aus seinem Leben …
Nach seiner Militärzeit arbeitete Per Lundin in Unternehmen, die sich auf Persönlichkeitsentwicklung und Führungskräftetraining spezialisiert hatten. Sein Schwerpunkt lag dabei auf Firmenkunden, denen er Kurse und Weiterbildungen anbot. Die Kurse waren damals wie heute erlebnisbasiert, und er war ein gefragter Dozent.
Per Lundin leitet das Unternehmen Potential, in dem er Teilnehmer zu mehr Selbstbewusstsein führt.
Foto: Anton Anderberg
Aber irgendetwas passte nicht. Er hatte nicht das Gefühl, wirklich mit dem verbunden zu sein, worüber er sprach. Nach zwölf Jahren im Beruf schrieb er eine Abschiedsrede und hörte auf. Zusammen mit seiner Frau, die Gartengestalterin ist, begann er, im Landschaftsbau zu arbeiten.
In seiner Abschiedsrede ging Per Lundin auf einige grundlegende Dinge ein, die für ihn auch heute noch aktuell sind. Er sprach über die Idee, dass wir selbst – wenn auch unbewusst – die Vorlage dafür schaffen, wie wir uns glücklich fühlen sollen.
Die Gesellschaft, die Medien, Freunde und soziale Medien schaffen einen Maßstab dafür, was als ein gutes Leben angesehen wird. Dies sei dann das, was wir erreichen müssten, um uns mit uns selbst im Reinen zu fühlen. Die Liste der Ideale wird ständig erweitert. Den Pool, der sich jetzt unentbehrlich anfühlt, kannten wir vor 15 Jahren nicht einmal, geschweige denn, dass wir ihn gebraucht haben.
Wenn wir unsere Ziele erreichen, stellt sich auch nicht unbedingt ein Gefühl von langanhaltendem Glück ein. Denn der Maßstab ist veränderlich, weil wir ständig nach mehr streben. Diese äußeren Ideale schaffen auch eine Angst, nicht dazuzugehören. Lundin meint:
„Die vielleicht größte Angst, die wir in uns tragen, ist nicht das Scheitern, sondern nicht dazuzugehören. Als falsch, anders oder unzulänglich in den Augen anderer entlarvt zu werden. Diese Angst steuert uns oft mehr, als wir selbst verstehen. Wir passen uns an, spielen bestimmte Seiten herunter, verstärken andere und wählen Wege, die sich eher sicher als wahr anfühlen. Schließlich kann man ein ganzes Leben führen, das nach außen hin funktioniert – aber bei dem im Inneren etwas nicht stimmt.“
Das Schicksal hatte andere Pläne
Es sollte mehr als 15 Jahre dauern, bis Per Lundin Ende 2025 wieder anfing, in der Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Wahrscheinlich war der entscheidende Grund dafür sein grüner Neubau.
Das Haus wurde von seiner Frau Cajsa entworfen und von ihm selbst gebaut. Sie hatten den Plan, von Stockholm wegzuziehen. Sie wollten auf die schwedische Ostseeinsel Öland, dorthin, wo sie ihr Haus gebaut hatten. Doch das Schicksal wollte es anders.
Während der Bauzeit des Hauses stiegen die Zinsen auf das Vierfache an und die Auftragslage im Garten- und Landschaftsbau brach ein. Die Eheleute standen mit einem neugebauten Haus und hohen Zinsen da – und sie hatten nur geringe Einkommensmöglichkeiten. So entschieden sie sich, das neue Haus zu verkaufen und in die ältere Kate daneben einzuziehen. Dort fehlte allerdings der Abwasseranschluss, da dieser auf dem anderen Grundstück war.
„Wir gingen von dem Punkt, an dem wir unser Traumhaus gebaut hatten, dazu über, es zu verkaufen und in eine kleine Kate von 32 Quadratmetern zu ziehen. Wir konnten uns Geld für einen Anbau leihen und haben jetzt eine Toilette im Haus. Diese krisengetriebene Reise hat mich stärker in meinen Idealen verankert. Sonst würde ich jetzt nicht hier sitzen und mit dir sprechen. Das ist auch der Grund, warum ich wieder im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung arbeite“, so Per Lundin.
Einen Teil der Veränderung beschreibt Per Lundin als eher existentiell. Nach der Wirtschaftskrise und der Zeit ohne Aufträge erlebte er eine deutliche Verschiebung seines Lebensgefühls: Er müsse nicht auf die gleiche Weise wie früher kämpfen.
Das innere Erleben, am richtigen Platz im Leben zu sein, habe die mentalen und emotionalen Hürden in seiner Arbeit verringert. Dinge hätten begonnen, sich natürlich zu fügen, Kontakte seien geknüpft worden und neue Möglichkeiten seien entstanden. Er sagt:
„Früher war es, als würde man stromaufwärts rudern. Jetzt ist es, als würde ich in einem Boot mit Segeln sitzen und nur steuern. Es fühlt sich an, als würde ich mich mit der Strömung bewegen.“
In seinen neuen Kursen wendet sich Per Lundin in erster Linie an Privatpersonen statt an Unternehmen.
Drei zwischenmenschliche Ängste
Laut Lundin gebe es drei grundlegende Ängste, die unser Verhalten im Umgang mit anderen Menschen beeinflussen. Seine Argumentation basiere auf den Theorien des amerikanischen Psychologen Will Schutz über zwischenmenschliche Bedürfnisse.
Es gehe um die Angst, ignoriert, entlarvt oder abgewiesen zu werden – nicht bedeutungsvoll zu sein, nicht auszureichen oder nicht gemocht zu werden. Diese Antriebe würden oft im Stillen wirken, aber in hohem Maße steuern, wie wir uns anpassen, reagieren und unsere Leben formen.
Per Lundin erzählt davon, wie der Mensch langsam aber sicher Konzepte und Abwehrmechanismen aufbaut; Verhaltensweisen, die sowohl konstruktiv als auch hemmend sein können.
„Unser Verhalten wird von unserer inneren Geschichte gesteuert. Wenn es mir sehr wichtig ist, rücksichtsvoll zu sein, werde ich in die Defensive gehen, sobald jemand das infrage stellt. Denn wenn ich nicht rücksichtsvoll bin, wer bin ich dann?“
Er nennt sie Anhaftungen: jene Aspekte in uns, die wir für unsere Identität als wichtig erachten. Sie müssen nicht zwangsläufig negativ interpretiert werden, doch wenn wir uns ihrer bewusst sind, widerstehen wir dem Instinkt, in die Defensive zu gehen. Dieses Bewusstsein schenkt uns mehr Freiheit bei der Wahl dessen, wer wir sein wollen.
Hier kommt auch der soziale Aspekt ins Spiel. Die Angst, infrage gestellt zu werden, kann Hindernisse im sozialen Zusammenspiel schaffen. Wenn das Infragestellen zudem mit einem Infragestellen der gesamten eigenen Identität verknüpft ist, kann es schwierig sein, entspannt und offen zu sein. Man tastet ab und folgt, anstatt sich selbst treu zu sein.
Per Lundin spricht darüber, wie er dies durch verschiedene Übungen bewusst machen möchte. Wir alle tragen eine innere Geschichte in uns und suchen oft unbewusst nach Bestätigung dafür, dass diese Geschichte wahr ist. Er sagt:
„Wir suchen Bestätigung für die Konzepte, die wir innerlich von uns erschaffen. Sehe ich mich selbst als unattraktiv, werde ich die Blicke anderer negativ interpretieren. Sehe ich mich stattdessen als attraktiv, werden die Blicke anderer dies bestätigen. Auch wenn die anderen gar nichts mit mir zu tun haben.“
Sich selbst kennenzulernen, hat viel damit zu tun, seine Gedanken und Gefühle zu beobachten. Innezuhalten und einen Schritt zurückzutreten, anstatt instinktiv zu reagieren. Aber man kann sich auch täuschen, wenn man glaubt, dass sich alles nur um innere Konzepte oder äußere Erwartungen dreht.
Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sind zu einem großen Teil angeboren. Per Lundin greift insbesondere die Begriffe „Introvertiertheit“ und „Extrovertiertheit“ auf, die ihren Ursprung in den Theorien von Carl Gustav Jung haben.
Demnach neigt das extrovertierte Individuum dazu, Energie in sozialen Kontexten und durch äußere Reize zu gewinnen, während das introvertierte Individuum in höherem Maße durch Stille und Zeit für sich selbst Kraft schöpft. Es geht also auch darum, seine angeborenen Charakterzüge zu verstehen – Dinge, die wir nicht ändern können.
Nach einer Krise wandte sich Per Lundin wieder seinem Interesse an Selbsterkenntnis zu. Nun mit einer tieferen Verankerung in sich selbst und einer stärkeren Überzeugung von deren Bedeutung.
Foto: Anton Anderberg
Einen Kurs zu belegen, ist jedoch nicht der einzige Weg. Per Lundin erzählt von einem Treffen mit einem Handwerker, der sich nie für Persönlichkeitsentwicklung oder Selbsterkenntnis interessierte. Dennoch ist diese Person einer der genuinsten und echtesten Menschen, die er je getroffen habe.
„Du musst keinen Kurs besuchen, um dich selbst zu verstehen. Du kannst dein ganzes Leben ohne Kurse leben und trotzdem zu denselben Dingen kommen. Es gibt Menschen, die nie ein Buch darüber gelesen und nie eine Ausbildung absolviert haben, und dennoch haben sie eine tiefe Selbsterkenntnis. Es geht nicht darum, was du tust, sondern darum, wie aufmerksam du dir selbst gegenüber bist, in dem, was du tust.“
Ein Zeichen für Veränderung
Wenn im Inneren etwas unstimmig ist, kann es ein Zeichen und an der Zeit sein, sich selbst zu erforschen. Es kann sich bemerkbar machen, indem man spürt, dass man nicht in Übereinstimmung mit seinen Werten lebt, oder indem man das Gefühl hat, am falschen Platz zu sein. Diese Reibung ist nicht immer deutlich. Es kann sich als ein vages Gefühl der Unzufriedenheit zeigen, als Rastlosigkeit oder mit dem wiederkehrenden Gedanken, dass etwas fehlt.
Per Lundin meint dazu:
„Du musst nichts tun. Du musst nicht einmal deinem Herzen folgen. Aber spürst du eine Sehnsucht, eine Neugier, die an dir zieht, dann finde ich, dass du sie ernst nehmen solltest. Ich glaube sogar, dass man krank werden kann, wenn man das ignoriert.“
„Das ist entscheidend dafür, dass wir einander verstehen können. Kriege werden geführt, weil Menschen unterschiedlich denken und nicht die Fähigkeit haben zu verstehen, warum [das so ist]“, sagt Per Lundin.
Per Lundin verändert sein Leben
Wir treffen uns vor Lundins Zuhause. Es ist ein ausgebautes rotes Ferienhaus auf einem abschüssigen Grundstück mit hohen Eichen. Auf dem angrenzenden Grundstück steht ein neu gebautes grünes Haus, Wand an Wand.
Es ist nicht lange her, da hatten Lundin und seine Frau noch die Wände zwischen dem Ferienhäuschen und dem Neubau herausgerissen. Doch dazu später mehr. Sobald ich das rote Ferienhaus betrete, beeindruckt mich der Bohème-Stil – und bald schon erzählt Per Lundin aus seinem Leben …
Nach seiner Militärzeit arbeitete Per Lundin in Unternehmen, die sich auf Persönlichkeitsentwicklung und Führungskräftetraining spezialisiert hatten. Sein Schwerpunkt lag dabei auf Firmenkunden, denen er Kurse und Weiterbildungen anbot. Die Kurse waren damals wie heute erlebnisbasiert, und er war ein gefragter Dozent.
Per Lundin leitet das Unternehmen Potential, in dem er Teilnehmer zu mehr Selbstbewusstsein führt.
Foto: Anton Anderberg
Aber irgendetwas passte nicht. Er hatte nicht das Gefühl, wirklich mit dem verbunden zu sein, worüber er sprach. Nach zwölf Jahren im Beruf schrieb er eine Abschiedsrede und hörte auf. Zusammen mit seiner Frau, die Gartengestalterin ist, begann er im Landschaftsbau zu arbeiten.
In seiner Abschiedsrede ging Per Lundin auf einige grundlegende Dinge ein, die für ihn auch heute noch aktuell sind. Er sprach über die Idee, dass wir selbst – wenn auch unbewusst – die Vorlage dafür schaffen, wie wir uns glücklich fühlen sollen.
Die Gesellschaft, die Medien, Freunde und soziale Medien schaffen einen Maßstab dafür, was als ein gutes Leben angesehen wird. Dies sei dann das, was wir erreichen müssten, um uns mit uns selbst im Reinen zu fühlen. Die Liste der Ideale wird ständig erweitert. Den Pool, der sich jetzt unentbehrlich anfühlt, kannten wir vor 15 Jahren nicht einmal, geschweige denn, dass wir ihn gebraucht haben.
Wenn wir unsere Ziele erreichen, stellt sich auch nicht unbedingt ein Gefühl von langanhaltendem Glück ein. Denn der Maßstab ist veränderlich, weil wir ständig nach mehr streben. Diese äußeren Ideale schaffen auch eine Angst, nicht dazuzugehören. Lundin meint:
„Die vielleicht größte Angst, die wir in uns tragen, ist nicht das Scheitern, sondern nicht dazuzugehören. Als falsch, anders oder unzulänglich in den Augen anderer entlarvt zu werden. Diese Angst steuert uns oft mehr, als wir selbst verstehen. Wir passen uns an, spielen bestimmte Seiten herunter, verstärken andere und wählen Wege, die sich eher sicher als wahr anfühlen. Schließlich kann man ein ganzes Leben führen, das nach außen hin funktioniert – aber bei dem im Inneren etwas nicht stimmt.“
Das Schicksal hatte andere Pläne
Es sollte mehr als 15 Jahre dauern, bis Per Lundin Ende 2025 wieder anfing, in der Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Wahrscheinlich war der entscheidende Grund dafür sein grüner Neubau.
Das Haus wurde von seiner Frau Cajsa entworfen und von ihm selbst gebaut. Sie hatten den Plan, von Stockholm wegzuziehen. Sie wollten auf die schwedische Ostseeinsel Öland, dorthin, wo sie ihr Haus gebaut hatten. Doch das Schicksal wollte es anders.
Während der Bauzeit des Hauses stiegen die Zinsen auf das Vierfache an und die Auftragslage im Garten- und Landschaftsbau brach ein. Die Eheleute standen mit einem neugebauten Haus und hohen Zinsen da – und sie hatten nur geringe Einkommensmöglichkeiten. So entschieden sie sich, das neue Haus zu verkaufen und in die ältere Kate daneben einzuziehen. Dort fehlte allerdings der Abwasseranschluss, da dieser auf dem anderen Grundstück war.
„Wir gingen von dem Punkt, an dem wir unser Traumhaus gebaut hatten, dazu über, es zu verkaufen und in eine kleine Kate von 32 Quadratmetern zu ziehen. Wir konnten uns Geld für einen Anbau leihen und haben jetzt eine Toilette im Haus. Diese krisengetriebene Reise hat mich stärker in meinen Idealen verankert. Sonst würde ich jetzt nicht hier sitzen und mit dir sprechen. Das ist auch der Grund, warum ich wieder im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung arbeite“, so Per Lundin.
Einen Teil der Veränderung beschreibt Per Lundin als eher existentiell. Nach der Wirtschaftskrise und der Zeit ohne Aufträge erlebte er eine deutliche Verschiebung seines Lebensgefühls: Er müsse nicht auf die gleiche Weise wie früher kämpfen.
Das innere Erleben, am richtigen Platz im Leben zu sein, habe die mentalen und emotionalen Hürden in seiner Arbeit verringert. Dinge hätten begonnen, sich natürlich zu fügen, Kontakte seien geknüpft worden und neue Möglichkeiten seien entstanden. Er sagt:
„Früher war es, als würde man stromaufwärts rudern. Jetzt ist es, als würde ich in einem Boot mit Segeln sitzen und nur steuern. Es fühlt sich an, als würde ich mich mit der Strömung bewegen.“
In seinen neuen Kursen wendet sich Per Lundin in erster Linie an Privatpersonen statt an Unternehmen.
Drei zwischenmenschliche Ängste
Laut Lundin gebe es drei grundlegende Ängste, die unser Verhalten im Umgang mit anderen Menschen beeinflussen. Seine Argumentation basiere auf den Theorien des amerikanischen Psychologen Will Schutz über zwischenmenschliche Bedürfnisse.
Es gehe um die Angst, ignoriert, entlarvt oder abgewiesen zu werden – nicht bedeutungsvoll zu sein, nicht auszureichen oder nicht gemocht zu werden. Diese Antriebe würden oft im Stillen wirken, aber in hohem Maße steuern, wie wir uns anpassen, reagieren und unsere Leben formen.
Per Lundin erzählt davon, wie der Mensch langsam aber sicher Konzepte und Abwehrmechanismen aufbaut; Verhaltensweisen, die sowohl konstruktiv als auch hemmend sein können.
„Unser Verhalten wird von unserer inneren Geschichte gesteuert. Wenn es mir sehr wichtig ist, rücksichtsvoll zu sein, werde ich in die Defensive gehen, sobald jemand das infrage stellt. Denn wenn ich nicht rücksichtsvoll bin, wer bin ich dann?“
Er nennt sie Anhaftungen; jene Aspekte in uns, die wir für unsere Identität als wichtig erachten. Sie müssen nicht zwangsläufig negativ interpretiert werden, doch wenn wir uns ihrer bewusst sind, widerstehen wir dem Instinkt, in die Defensive zu gehen. Dieses Bewusstsein schenkt uns mehr Freiheit bei der Wahl dessen, wer wir sein wollen.
Hier kommt auch der soziale Aspekt ins Spiel. Die Angst, infrage gestellt zu werden, kann Hindernisse im sozialen Zusammenspiel schaffen. Wenn das Infragestellen zudem mit einem Infragestellen der gesamten eigenen Identität verknüpft ist, kann es schwierig sein, entspannt und offen zu sein. Man tastet ab und folgt, anstatt sich selbst treu zu sein.
Per Lundin spricht darüber, wie er dies durch verschiedene Übungen bewusst machen möchte. Wir alle tragen eine innere Geschichte in uns und suchen oft unbewusst nach Bestätigung dafür, dass diese Geschichte wahr ist. Er sagt:
„Wir suchen Bestätigung für die Konzepte, die wir innerlich von uns erschaffen. Sehe ich mich selbst als unattraktiv, werde ich die Blicke anderer negativ interpretieren. Sehe ich mich stattdessen als attraktiv, werden die Blicke anderer dies bestätigen. Auch wenn die anderen gar nichts mit mir zu tun haben.“
Sich selbst kennenzulernen, hat viel damit zu tun, seine Gedanken und Gefühle zu beobachten. Innezuhalten und einen Schritt zurückzutreten, anstatt instinktiv zu reagieren. Aber man kann sich auch täuschen, wenn man glaubt, dass sich alles nur um innere Konzepte oder äußere Erwartungen dreht.
Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sind zu einem großen Teil angeboren. Per Lundin greift insbesondere die Begriffe Introvertiertheit und Extrovertiertheit auf, die ihren Ursprung in den Theorien von Carl Gustav Jung haben.
Demnach neigt das extrovertierte Individuum dazu, Energie in sozialen Kontexten und durch äußere Reize zu gewinnen, während das introvertierte Individuum in höherem Maße durch Stille und Zeit für sich selbst Kraft schöpft. Es geht also auch darum, seine angeborenen Charakterzüge zu verstehen – Dinge, die wir nicht ändern können.
Nach einer Krise wandte sich Per Lundin wieder seinem Interesse an Selbsterkenntnis zu. Nun mit einer tieferen Verankerung in sich selbst und einer stärkeren Überzeugung von deren Bedeutung.
Foto: Anton Anderberg
Einen Kurs zu belegen, ist jedoch nicht der einzige Weg. Per Lundin erzählt von einem Treffen mit einem Handwerker, der sich nie für Persönlichkeitsentwicklung oder Selbsterkenntnis interessierte. Dennoch ist diese Person einer der genuinsten und echtesten Menschen, die er je getroffen habe.
„Du musst keinen Kurs besuchen, um dich selbst zu verstehen. Du kannst dein ganzes Leben ohne Kurse leben und trotzdem zu denselben Dingen kommen. Es gibt Menschen, die nie ein Buch darüber gelesen und nie eine Ausbildung absolviert haben, und dennoch haben sie eine tiefe Selbsterkenntnis. Es geht nicht darum, was du tust, sondern darum, wie aufmerksam du dir selbst gegenüber bist, in dem, was du tust.“
Ein Zeichen für Veränderung
Wenn im Inneren etwas unstimmig ist, kann es ein Zeichen und an der Zeit sein, sich selbst zu erforschen. Es kann sich bemerkbar machen, indem man spürt, dass man nicht in Übereinstimmung mit seinen Werten lebt oder das Gefühl hat, am falschen Platz zu sein. Diese Reibung ist nicht immer deutlich. Es kann sich als ein vages Gefühl der Unzufriedenheit zeigen, als Rastlosigkeit oder mit dem wiederkehrenden Gedanken, dass etwas fehlt.
Per Lundin meint dazu:
„Du musst nichts tun. Du musst nicht einmal deinem Herzen folgen. Aber spürst du eine Sehnsucht, eine Neugier, die an dir zieht, dann finde ich, dass du sie ernst nehmen solltest. Ich glaube sogar, dass man krank werden kann, wenn man das ignoriert.“
Die Bundesregierung will Elektromobilität födern. - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
In Kürze:
Bereits während der Vorstellung der neuen Förderung gingen fast 2.000 Anträge ein.
Reine E-Autos können mit bis zu 6.000 Euro gefördert werden.
Kritik gibt es an der Beschränkung auf Neufahrzeuge und an den hohen Kosten des Programms.
Das Förderprogramm läuft zunächst bis 2029 und umfasst 3 Milliarden Euro.
Wer sich ein neues Elektroauto anschafft und dabei auf Geld vom Staat setzt, kann das seit Dienstag beantragen. Am Vormittag wurde das entsprechende Online-Portal während einer Pressekonferenz mit Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) freigeschaltet. Bereits 1.858 Anträge sollen eingegangen sein.
Schneider betonte, man verspreche sich von der neuen Förderung mehr Erfolg, mehr Effizienz und mehr Ausgewogenheit als von früheren Programmen. Immerhin seien diese stärker darauf ausgerichtet, einkommensschwächeren Haushalten einen Weg in die Elektromobilität zu eröffnen.
Allerdings gilt die Prämie nicht für gebrauchte Elektroautos. Förderfähig sind nur der Kauf und das Leasing von Neufahrzeugen, die ab dem 1. Januar 2026 in Deutschland zugelassen wurden.
Umweltminister Schneider hob hervor, dass mit der Prämie ein „industriepolitischer Impuls“ gesetzt werden solle, um den Absatz von Neuwagen anzukurbeln. Dies werde „im Nachgang“ auch den Gebrauchtmarkt stärken, der zuletzt ohnehin bereits stark angezogen habe. Dies hat für Kritik gesorgt.
Viele Haushalte könnten sich trotz der Prämie keinen Neuwagen leisten, argumentierte Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).
Die Linksfraktion im Bundestag kritisierte, dass die neue E-Auto-Prämie „an der sozialen Realität vieler Menschen vorbei“ gehe, wie der verkehrspolitische Sprecher Jorrit Bosch erklärte. „Besonders absurd ist, dass Plug-in-Hybride und importierte Fahrzeuge gefördert werden, günstigere gebrauchte E-Autos aber außen vor bleiben.“
Wie viel Geld kann man bekommen?
Die Höhe des staatlichen Zuschusses hängt von Fahrzeug, Einkommen und Familiengröße ab und kann bei bis zu 6.000 Euro liegen.
Die Basisförderung liegt bei 3.000 Euro für reine Elektroautos. Für Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4.000 Euro, für Haushalte mit einem Maximaleinkommen von 45.000 Euro 5.000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1.000 Euro. Wer Geld bekommen will, muss sein Fahrzeug ab Kauf mindestens drei Jahre behalten.
Wer zu viel verdient, geht allerdings leer aus. Die Fördergrenze liegt bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro. Das entspreche ungefähr einem monatlichen Nettoeinkommen von 4.800 Euro bei Ledigen und 5.400 Euro bei Paaren, so das Bundesumweltministerium. Die maximale Fördergrenze liegt bei 90.000 Euro Haushaltseinkommen, falls zwei Kinder vorhanden sind, durch die sich die Grenze um jeweils 5.000 Euro nach oben verschiebt.
Weniger Geld gibt es für sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können. Für diese Autos und Fahrzeuge mit einem Reichweitenverlängerer liegt die Basisförderung bei 1.500 Euro. Damit Autos mit diesen Technologien förderfähig sind, dürfen sie nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen oder müssen eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern haben.
Das Programm ist vorerst bis 2029 angelegt, es hat ein Volumen von 3 Milliarden Euro. Die Anträge sind über die Förderzentrale Deutschland zu stellen. Das BAFA setzt das Programm um.
Autohändler wollen Schutz gegen mögliche Haftungsrisiken
Derzeit reichen die Fördermittel für bis zu 800.000 Fahrzeuge. Die Förderung kann bis zu einem Jahr nach der Zulassung beantragt werden. Minister Schneider erklärte, es bleibe demzufolge noch genügend Zeit.
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) fordert jedoch eine „einheitliche, rechtssichere Haftungsfreistellungsklausel, die direkt im Zuge der Antragstellung integriert wird“. Dies sei erforderlich, um Betrieben bei der Erfassung von Daten und Voraussetzungen, die sie nicht selbst überprüfen können, Rechtssicherheit zu geben.
Autoexperte: „Markt hätte Nachfrage nach E-Autos ohnehin gestärkt“
Kritik an dem Programm hatte der bekannte Automobilmarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Bochumer Center Automotive Research geäußert. Er erklärte gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“, es sei „schade um das Steuergeld, das nun an anderer Stelle wieder eingespart werden muss“.
Dudenhöffer geht davon aus, dass der Markt selbst für einen Nachfrageschub bei E-Autos sorgen wird. Immerhin seien diese preisgünstiger geworden, was viele zuvor Zögernde überzeuge. Außerdem würden Reichweiten und Batterien besser. Die hohen Spritpreise würden die Bereitschaft zur Elektromobilität erhöhen.
Ökonomen wie Michael Bräuninger von Economic Trend Research in Hamburg zufolge setzt dies jedoch einen anhaltend großen Abstand der Ladekosten zu den Treibstoffkosten voraus. Vor allem aber müssen Menge und Verfügbarkeit von Strom hinreichend gewährleistet sein, um auch eine stärkere Nachfrage nach E-Autos auffangen zu können.
Darstellung des geplanten Batterieparks von GESI am stillgelegten Kernkraftwerk Grohnde. - Foto: GESI
In Kürze:
Am ehemaligen Kernkraftwerk Grohnde soll der Energiecluster Emmerthal entstehen.
Mit bis zu 1.870 Megawatt Leistung ist er größer als bisher alle Stromspeicherprojekte Deutschlands.
Trotz höherer Leistung als das benachbarte ehemalige Kraftwerk ist der Jahresenergieertrag des Speichers deutlich geringer.
Derweil geht der Rückbau des Kernkraftwerks weiter voran. Bis 2037 soll das KKW Grohnde verschwinden.
Deutschland wandelt seine einstigen Kernkraftstandorte zunehmend in Standorte für Stromspeicher um. Nach Philippsburg, Brokdorf und Gundremmingen folgt nun auch der niedersächsische Ortsteil Grohnde diesem Plan.
Hier soll in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Kernkraftwerks Grohnde bis 2028 einer der größten Stromspeicher der Bundesrepublik entstehen: der Energiecluster Emmerthal.
Dafür vorgesehen sind bis zu drei große Batteriespeichersysteme (BESS) auf einer Fläche von insgesamt 35 Hektar. Die Betreiber dieser Batterieparks sind die Betreiber Green Energy Storage Initiative (GESI), FRV Deutschland und Elements Green. Wenn das Projekt fertiggestellt ist, dürfte es das größte Batterieprojekt Deutschlands sein. In unmittelbarer Umgebung existieren weitere Energieprojekte und -anlagen
Laut dem Lageplan der Gemeinde Emmerthal ist in diesem Rahmen auch eine neue Photovoltaikanlage geplant. Daneben befindet sich ein bestehender Windpark mit acht Windkraftanlagen. Eine überregionale Stromtrasse verläuft ebenfalls durch das Gebiet. Ebenso sind auf dem Plan zwei weitere BESS eingezeichnet, wozu es aber keine genauen Informationen gibt.
Standortplan des Energieclusters Emmerthal und der Batteriespeicherprojekte (BESS), Stand: 01.03.2026.
Laut den Angaben wird der künftige Energiecluster eine Leistung von mindestens 1.470 Megawatt (MW) aufweisen, die sich aus dem Batteriepark von GESI und FRV Deutschland ergibt. Diese beiden sind bereits festgelegt.
Wenn auch der Speicher von Elements Green eine Baugenehmigung erhält, steigt die Gesamtleistung auf rund 1.870 MW und die gesamte Speicherkapazität auf rund 7.800 Megawattstunden (MWh). Das ist mehr als die aktuell bestehende bundesweite Großspeicherkapazität von 5.380 MWh.
Die Leistungen und Kapazitäten der einzelnen Projekte sehen wie folgt aus:
GESI: 870 MW Leistung / 3.840 MWh Kapazität
FRV Deutschland („Grohnde III“): 600 MW/2.400 MWh (plus benachbarte Solaranlage)
Elements Green: bis zu 400 MW (noch nicht final festgelegt)
Die Gesamtleistung liegt damit klar über der des im Jahr 2021 stillgelegten Kernkraftwerks, das eine Leistung von 1.360 MW hatte.
Doch das ist der einzige technische Punkt, in dem der geplante Energiecluster das KKW übertrifft. Während der Druckwasserreaktor seine Leistung – bis auf seltene Wartungen – dauerhaft und grundlastfähig abgeben konnte, beinhaltet der Prozess der Batteriespeicher Lade- und Entladezyklen.
Das bedeutet, dass der Energiecluster Emmerthal nur für wenige Stunden seine Leistung abgeben kann. Anschließend müssen die Akkus erneut geladen werden – vorzugsweise mit überschüssigem Strom aus Wind- oder Photovoltaikkraftwerken. Diesen Strom geben die Speicher zeitversetzt ab.
Die Batterieparks von GESI und FRV sind sogenannte 4-Stunden-Anlagen, bezogen auf die Dauer für ihre komplette Entladung bei Volllast. Bei halber Last, also wenn sie konstant statt 1.470 MW nur 735 MW abgeben, würde die vollgeladene Anlage 8 Stunden bis zur Entladung laufen.
In Emmerthal setzt GESI auf moderne LiFePO4-Großspeicher, also Lithium-Eisenphosphat-Akkumulatoren. Die theoretische Anzahl ihrer Ladezyklen liegt bei 3.000 bis 6.000. Damit übertreffen sie andere Batterietypen teilweise um ein Vielfaches. Die tatsächliche Zyklenzahl hängt allerdings vom Betriebsmodus ab.
Wenn der Energiecluster sich einmal pro Tag auf- und entlädt, hält die Anlage 8,2 bis 16,4 Jahre. Allerdings gibt es über das Jahr immer wieder einige Tage am Stück, in denen es keinen Überschussstrom gibt. Diese summieren sich auf mehrere Wochen im Jahr. Bleiben die Batterieparks leer, können sie auch nicht zur Energieversorgung beitragen.
Wie viel Strom bringt der Energiecluster pro Jahr?
Um nun die Jahresenergiemenge zu ermitteln, ist die Kapazität relevant. Bekannt sind nur die Daten der Speicherprojekte von GESI und FRV. In Summe kommen sie auf 6.240 MWh. Angenommen, diese Batterieparks hätten 350 Vollzyklen pro Jahr, würde sich daraus eine jährliche Energiemenge von 2.184.000 MWh oder 2.184 Gigawattstunden ergeben.
Davon sind rund 10 Prozent als Verluste abzuziehen, da der Wirkungsgrad einer Großbatterie bei rund 90 Prozent liegt. Somit dürfte die Jahresenergie dieser beiden Batterieparks voraussichtlich knapp 2 Millionen MWh betragen.
Während seiner 32-jährigen Betriebsdauer hat der Kernreaktor Grohnde pro Jahr rund 10 Millionen MWh Grundlastkapazität bereitgestellt. Das ist fünfmal mehr Energie, als beim Energiecluster zu erwarten ist. Diese Lücke könnte auch der dritte Batteriespeicher nicht schließen.
Wie Kernkraftwerke zuvor zur stabilen Stromversorgung beigetragen haben, sollen auch die Batteriespeicher für mehr Netzstabilität sorgen. Sie können Stromspitzen reduzieren und können so die Nutzbarkeit von Windkraft- und Solaranlagen erhöhen.
Aktuell müssen die Netzbetreiber diese Anlagen bei viel Strom regelmäßig drosseln oder komplett abschalten, um einen Zusammenbruch der Netze zu vermeiden. Der teils hohe Überschuss an Strom drückt zudem immer öfter den Börsenstrompreis nach unten. Auch Minusstunden kommen bei viel Sonnenschein in den Sommermonaten vermehrt vor.
Den gespeicherten Überschussstrom können die Batterien in den Abendstunden abgeben. Bei diesem zweiten Tageshochpunkt beim bundesweiten Verbrauch kommt oftmals zu wenig Strom von den deutschen Kraftwerken. Diesen Strommangel gleichen die Netzbetreiber häufig mit teuren Stromimporten aus.
Rückbau des Kernkraftwerks läuft weiter
Währenddessen hat Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) am Freitag, 15. Mai, dem Betreiber PreussenElektra die zweite und letzte Rückbaugenehmigung für den Atommeiler symbolisch übergeben.
Somit seien laut dem Energieunternehmen alle rechtlichen Voraussetzungen für den weiteren Rückbau erfüllt. PreussenElektra geht davon aus, dass die Rückbauarbeiten der Anlage noch bis zum Jahr 2037 andauern. Ab Herbst ist vorgesehen, mit der Demontage der Einbauten des Reaktordruckbehälters anzufangen.
Der Rückbau begann Ende 2023 an Komponenten des primären Kühlkreislaufs. Bei den Abbauarbeiten ist bereits schwach und mittel radioaktiver Atommüll angefallen. Dieser darf auf dem Kraftwerksgelände lagern, da das vorgesehene Endlager Konrad noch nicht fertiggestellt ist.
Die Bundesregierung will Elektromobilität födern. - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
In Kürze:
Bereits während der Vorstellung der neuen Förderung gingen fast 2.000 Anträge ein.
Reine E-Autos können mit bis zu 6.000 Euro gefördert werden.
Kritik gibt es an der Beschränkung auf Neufahrzeuge und an den hohen Kosten des Programms.
Das Förderprogramm läuft zunächst bis 2029 und umfasst 3 Milliarden Euro.
Wer sich ein neues Elektroauto anschafft und dabei auf Geld vom Staat setzt, kann das seit Dienstag beantragen. Am Vormittag wurde das entsprechende Online-Portal während einer Pressekonferenz mit Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) freigeschaltet. Bereits 1.858 Anträge sollen eingegangen sein.
Schneider betonte, man verspreche sich von der neuen Förderung mehr Erfolg, mehr Effizienz und mehr Ausgewogenheit als von früheren Programmen. Immerhin seien diese stärker darauf ausgerichtet, einkommensschwächeren Haushalten einen Weg in die Elektromobilität zu eröffnen.
Allerdings gilt die Prämie nicht für gebrauchte Elektroautos. Förderfähig sind nur der Kauf und das Leasing von Neufahrzeugen, die ab dem 1. Januar 2026 in Deutschland zugelassen wurden.
Umweltminister Schneider hob hervor, dass mit der Prämie ein „industriepolitischer Impuls“ gesetzt werden solle, um den Absatz von Neuwagen anzukurbeln. Dies werde „im Nachgang“ auch den Gebrauchtmarkt stärken, der zuletzt ohnehin bereits stark angezogen habe. Dies hat für Kritik gesorgt.
Viele Haushalte könnten sich trotz der Prämie keinen Neuwagen leisten, argumentierte Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).
Die Linksfraktion im Bundestag kritisierte, dass die neue E-Auto-Prämie „an der sozialen Realität vieler Menschen vorbei“ gehe, wie der verkehrspolitische Sprecher Jorrit Bosch erklärte. „Besonders absurd ist, dass Plug-in-Hybride und importierte Fahrzeuge gefördert werden, günstigere gebrauchte E-Autos aber außen vor bleiben.“
Wie viel Geld kann man bekommen?
Die Höhe des staatlichen Zuschusses hängt von Fahrzeug, Einkommen und Familiengröße ab und kann bei bis zu 6.000 Euro liegen.
Die Basisförderung liegt bei 3.000 Euro für reine Elektroautos. Für Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4.000 Euro, für Haushalte mit einem Maximaleinkommen von 45.000 Euro 5.000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1.000 Euro. Wer Geld bekommen will, muss sein Fahrzeug ab Kauf mindestens drei Jahre behalten.
Wer zu viel verdient, geht allerdings leer aus. Die Fördergrenze liegt bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro. Das entspreche ungefähr einem monatlichen Nettoeinkommen von 4.800 Euro bei Ledigen und 5.400 Euro bei Paaren, so das Bundesumweltministerium. Die maximale Fördergrenze liegt bei 90.000 Euro Haushaltseinkommen, falls zwei Kinder vorhanden sind, durch die sich die Grenze um jeweils 5.000 Euro nach oben verschiebt.
Weniger Geld gibt es für sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können. Für diese Autos und Fahrzeuge mit einem Reichweitenverlängerer liegt die Basisförderung bei 1.500 Euro. Damit Autos mit diesen Technologien förderfähig sind, dürfen sie nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen oder müssen eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern haben.
Das Programm ist vorerst bis 2029 angelegt, es hat ein Volumen von 3 Milliarden Euro. Die Anträge sind über die Förderzentrale Deutschland zu stellen. Das BAFA setzt das Programm um.
Autohändler wollen Schutz gegen mögliche Haftungsrisiken
Derzeit reichen die Fördermittel für bis zu 800.000 Fahrzeuge. Die Förderung kann bis zu einem Jahr nach der Zulassung beantragt werden. Minister Schneider erklärte, es bleibe demzufolge noch genügend Zeit.
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) fordert jedoch eine „einheitliche, rechtssichere Haftungsfreistellungsklausel, die direkt im Zuge der Antragstellung integriert wird“. Dies sei erforderlich, um Betrieben bei der Erfassung von Daten und Voraussetzungen, die sie nicht selbst überprüfen können, Rechtssicherheit zu geben.
Autoexperte: „Markt hätte Nachfrage nach E-Autos ohnehin gestärkt“
Kritik an dem Programm hatte der bekannte Automobilmarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Bochumer Center Automotive Research geäußert. Er erklärte gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“, es sei „schade um das Steuergeld, das nun an anderer Stelle wieder eingespart werden muss“.
Dudenhöffer geht davon aus, dass der Markt selbst für einen Nachfrageschub bei E-Autos sorgen wird. Immerhin seien diese preisgünstiger geworden, was viele zuvor Zögernde überzeuge. Außerdem würden Reichweiten und Batterien besser. Die hohen Spritpreise würden die Bereitschaft zur Elektromobilität erhöhen.
Ökonomen wie Michael Bräuninger von Economic Trend Research in Hamburg zufolge setzt dies jedoch einen anhaltend großen Abstand der Ladekosten zu den Treibstoffkosten voraus. Vor allem aber müssen Menge und Verfügbarkeit von Strom hinreichend gewährleistet sein, um auch eine stärkere Nachfrage nach E-Autos auffangen zu können.
An der Frankfurter Börse. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Am Dienstag hat der DAX zugelegt. Zum Xetra-Handelsschluss wurde der Index mit 24.400 Punkten berechnet, ein Plus in Höhe von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vortagesschluss.
Besonders gefragt waren die Aktien von SAP, die über sieben Prozent zulegten. Der Softwarekonzern hatte zuletzt ein Quartalsergebnis über den Erwartungen sowie einen optimistischen Jahresausblick vorgelegt. Zudem orientierten sich die Anleger seit Neustem von Hardware- stärker zu Softwarewerten.
Rohölpreise weiterhin hoch
„Zunächst einmal waren heute auch die Anleger in Frankfurt erleichtert über die Verschiebung des US-Angriffs auf den Iran und hofften weiter auf eine baldige Entspannung der Lage im Nahen Osten“, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.
„Die Rohölpreise verweilen jedoch weiter auf ihrem hohen Preisniveau und spiegeln diese Hoffnungen nicht wirklich wider.“
Die Situation bleibe äußerst fragil und könne sich jederzeit wieder ändern. Der springende Punkt bleibe die Einstellung des iranischen Atomprogramms, das aus Sicht der USA als unumstößlich für einen erfolgreichen Verlauf der Friedensverhandlungen gelte.
„Zudem eröffnete auch die Wall Street mit deutlichen Verlusten, was den Dax wieder den Rückwärtsgang einlegen ließ. Die am Vormittag erreichten Kurse von knapp 24.700 Punkten konnte der Index nicht halten.“
Deutsche Unternehmen holen auf
„Doch ist insgesamt in den vergangenen Tagen eine Abkopplung des DAX von den Indizes in New York erkennbar. Investoren sehen erhebliches Nachholpotential der deutschen gegenüber den US-Unternehmen, sollte sich die Situation im Nahen Osten tatsächlich nachhaltig entschärfen. Das Sentiment hatte sich durch den Krieg verschlechtert und DAX-Aktien sahen zeitweise nur noch die Rücklichter ihrer Konkurrenten an der Wall Street.“
„Die jetzt einsetzende Abkopplung des DAX ist insofern interessant, als sich beim eigentlichen Belastungsfaktor, den höheren Energiepreisen, keine Entwarnung abzeichnet. Das zeigt das hohe Maß an Optimismus der Investoren, dass es zeitnah zu einer Rückkehr zur Normalisierung im Rohstoffmarkt kommen wird.“
„Die höheren Ölpreise entfalten allerdings beim Konsumverhalten der Verbraucher und in vielen Branchen bereits ihre Wirkung. Sollten sich die Preise noch einige Wochen auf dem hohen Niveau halten, dürften auch die nächsten Quartalszahlen der Unternehmen davon nicht unmaßgeblich beeinflusst werden“, sagte Lipkow.
Die europäische Gemeinschaftswährung war am Dienstagnachmittag schwächer: Ein Euro kostete 1,1600 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8621 Euro zu haben.
Der Goldpreis ließ deutlich nach, am Nachmittag wurden für eine Feinunze 4.503 US-Dollar gezahlt (-1,4 Prozent). Das entspricht einem Preis von 124,81 Euro pro Gramm.
Der Ölpreis sank unterdessen deutlich: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Dienstagnachmittag gegen 17 Uhr deutscher Zeit 110,70 US-Dollar, das waren 141 Cent oder 1,3 Prozent weniger als am Schluss des vorherigen Handelstags. (dts/red)
Foto: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images; Montage: Epoch Times
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AfD-Chefin beliebter als Söder
Alice Weidel ist im aktuellen INSA-Politikerbarometer beliebter als Markus Söder. Im Vergleich zur Vorwoche verbessert sich die AfD-Chefin um vier Plätze und erreicht Rang 4. Das Ergebnis der Umfrage steht damit im Einklang mit den jüngsten politischen Trends in Deutschland. An der Spitze bleibt alles unverändert: Boris Pistorius führt weiterhin vor Cem Özdemir und Hendrik Wüst.
Wer ein neues Elektroauto kauft, kann jetzt staatliche Förderung beantragen. Die Bundesregierung stellt drei Milliarden Euro bereit, um die kriselnde Branche zu stützen. Es gibt jedoch auch Kritik: Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält die Kaufprämie für Steuerverschwendung. Die Nachfrage nach E-Autos steige ohnehin, der Markt hätte sich seiner Einschätzung nach selbst reguliert.
US-Präsident Donald Trump hat einen geplanten Angriff auf den Iran kurzfristig gestoppt. Grund sei die Einschätzung, dass ein „Deal mit Teheran“ zustande kommen könnte. Trump machte jedoch deutlich: Scheitern die Gespräche, seien militärische Schritte weiterhin möglich.
Am ehemaligen niedersächsischen Kernkraftwerk Grohnde soll ein neuer Batteriepark entstehen. Bis 2028 soll er leistungsmäßig der größte Stromspeicher Deutschlands werden. Währenddessen schreitet der Rückbau des Kernkraftwerks weiter voran. Bis 2037 soll das KKW Grohnde vollständig zurückgebaut sein.
KI-Gefahr für Jugendliche
Das Kompetenzzentrum für Jugendschutz hat 2025 über 15.000 Verstöße im Internet registriert – zum Großteil im Bereich sexualisierte Gewalt. Neue KI-Funktionen schafften auf jugendaffinen Plattformen Risiken in einer neuen Dimension, sagte ihr Leiter, Stefan Glaser. Problematisch seien vor allem frei gestaltbare KI-Gesprächspartner, die Minderjährige beraten, coachen oder mit ihnen Beziehungen simulieren.
Der Buckelwal vor der dänischen Insel Anholt wurde anhand eines gefundenen Senders identifiziert. (Archivbild) - Foto: Marcus Golejewski/dpa
Die dänischen Behörden wollen den Kadaver des als „Timmy“ bekannten Buckelwals vor der Insel Anholt entfernen und eine Obduktion ermöglichen.
Das Tier liege an einem gut besuchten Strand im flachen Wasser und werde dort Badegäste und Einheimische voraussichtlich stark stören, hieß es von der dänischen Umweltbehörde zur Begründung.
Deshalb solle der Wal geborgen werden. „Derzeit wird an einer Lösung gearbeitet, die es gleichzeitig ermöglicht, eine Obduktion durchzuführen und wertvolle wissenschaftliche Proben für Forschungszwecke zu sichern“, so Jane Hansen von der Umweltbehörde.
Die Bergung des Wals, die Obduktion und die Probeentnahme übernehmen den Angaben zufolge dänische Forscher und Tierärzte.
„Die dänischen Behörden sind zugleich in engem Austausch mit den deutschen Behörden über die Situation, und es findet eine laufende Abstimmung zwischen dänischen und deutschen Forschungseinrichtungen statt“, sagte Hansen laut einer Mitteilung.
Abtransport wohl kommende Woche
Ein Sprecher des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern bestätigte auf Nachfrage den von den Dänen geplanten Abtransport des Walkadavers. Die Aktion sei voraussichtlich für die kommende Woche geplant.
Die dänische Umweltbehörde forderte Bürger auf, sich dem Wal weiterhin nicht zu nähern, da Ansteckungsgefahr bestehen könne. Das mehrfach an Ostseeküsten gestrandete Tier war vor mehr als zwei Wochen von einer privaten Initiative zur Nordsee transportiert worden, wurde dann aber tot vor der Insel Anholt angeschwemmt. (dpa/red)
Es ist Merz' erster Besuch in der SPD-Fraktion als Kanzler. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat seine schwarz-rote Regierungskoalition nach den Streitereien der vergangenen Wochen zu Mut und Kompromissbereitschaft auf dem Weg zu den großen Reformen aufgerufen.
Vor seinem ersten Besuch in der SPD-Fraktion als Bundeskanzler appellierte er an den Koalitionspartner, aber auch an die eigenen Reihen, in der Reformdebatte darauf zu verzichten, sich „gegenseitig öffentlich rote Linien“ aufzuzeigen. „Wir brauchen jetzt Ruhe, wir brauchen Vertrauen, wir brauchen aber auch Mut in der Regierung.“
Entweder gemeinsam erfolgreich sein oder gemeinsam scheitern
Die Koalition eine das Ziel, „miteinander nachzuweisen, dass aus der politischen Mitte unseres Landes heraus Entscheidungen möglich sind, dass Regierung möglich ist“, sagte der Kanzler.
In der Fraktionssitzung erteilte er nach Angaben von Teilnehmern allen Spekulationen über eine Minderheitsregierung erneut eine klare Absage und beschwor die Kompromissfähigkeit. „Entweder wir haben gemeinsam Erfolg oder wir scheitern zusammen“, wird er zitiert.
Die Atmosphäre und der Applaus wurden anschließend als „gut“ beschrieben. SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas nahm an der Sitzung teil, Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) ließ sich entschuldigen. Er ist beim G7-Finanzministertreffen in Paris.
Merz war zuletzt vor seiner Wahl zum Bundeskanzler vor gut einem Jahr in der SPD-Fraktion. Sein jetziger Besuch war eigentlich für die Fraktionssitzung am 5. Mai unmittelbar vor dem ersten Jahrestag der Regierung geplant. Wegen der gleichzeitigen Wiederwahl von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef wurde der Auftritt aber um zwei Wochen verschoben.
Merz: Ein „Streit muss zu Ergebnissen führen“
Die Koalition hat schwere Wochen hinter sich. Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März, die für die SPD desaströs verliefen und für die CDU durchwachsen, hat sie sich immer weiter in Streitigkeiten verstrickt.
In den Umfragen ist die Zufriedenheit mit der Regierung auf einen Tiefststand abgerutscht. Die AfD hat die Union als stärkste Partei inzwischen abgehängt.
Zuletzt wurden Zweifel daran laut, ob die Achse zwischen Merz und Vizekanzler Klingbeil noch funktioniert. Der Kanzler sah sich um den Jahrestag der Regierung herum genötigt, Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Koalition zurückzuweisen.
Auf dem Katholikentag in der vergangenen Woche räumte er die Defizite des ersten Jahres offen ein. „Zur Demokratie gehört Streit. Aber der Streit muss zu Ergebnissen führen. Und vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse.“
Am 30. Juni will Koalition über Reformpaket entscheiden
Nun will Merz das Ruder herumreißen. Die nächsten sechs Wochen werden entscheidend. Der Fahrplan für das große Reformpaket, das sich die Koalition vorgenommen hat, steht. Unions-Fraktionsgeschäftsführer Steffen Bilger nannte den 30. Juni als Datum für die entscheidende Sitzung des Koalitionsausschusses.
Bis dann dürften die Grundzüge stehen. Es geht um die Einkommensteuer, Rente, Pflege, die Arbeitskosten und den Bürokratieabbau.
Vorher ist am 10. Juni ein Treffen mit Arbeitgebern und Gewerkschaftern geplant. Die Stimmung ist gereizt – vor allem bei den Gewerkschaften. Das bekam Merz beim DGB-Bundeskongress zu spüren, wo er ausgepfiffen wurde.
In der SPD-Fraktion versucht der Kanzler die Stimmung Richtung Zuversicht zu drehen. Er bedankt sich bei den Regierungsmitgliedern, betont das Gemeinsame, adressiert die Reformen und spricht sich klar für diese Koalition aus.
„Auch wenn wir im Augenblick stimmungsmäßig nicht in der besten Verfassung sind, ich bin mir sicher, dass wir da rauskommen“, sagt Merz schon vor der Fraktionssitzung.
Zumindest für diesen einen Tag läuft es erstmal wieder in der Koalition. Das gab es schon öfter, dann kippte die Stimmung wieder. Die großen Momente der Wahrheit kommen erst noch.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch nennt den Besuch des Kanzlers aber erst einmal „ein starkes Zeichen der Gemeinsamkeit“. Ähnlich äußert sich Unions-Fraktionschef Spahn.
Auf die Frage, ob er im Gegenzug demnächst auch die in der Unionsfraktion nicht besonders beliebte SPD-Vorsitzende Bas zu einem Gegenbesuch einladen wolle, antwortete Spahn, man sei beständig im Austausch miteinander. „Ich würde jetzt Einladungen nicht über die Presse erklären. Aber grundsätzlich können wir uns das natürlich gut vorstellen.“ (dpa/red)
Der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, Alexus Grynkewich, erwartet kurzfristig keine weiteren Ankündigungen - langfristig aber schon. - Foto: Elisa Schu/dpa
Der US-General und NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich hat bestätigt, dass die Vereinigten Staaten vorerst keine weitreichenden Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationieren werden.
Die zuvor geplante Verlegung eines sogenannten „Long Range Fires Battalion“ werde nicht beginnen, sagte der US-General, der gleichzeitig auch Befehlshaber des für Europa zuständigen US-Militärkommandos Eucom ist.
Grynkewich erklärte zudem, dass der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Abzug von rund 5.000 Soldaten aus Europa zu einem beträchtlichen Teil über die Rückkehr eines sogenannten Brigade Combat Teams erfolgen werde.
Zu möglichen weiteren Anpassungen der US-Truppenstärke in Europa sagte Grynkewich, kurzfristig erwarte er keine anderen Ankündigungen. Langfristig sollte man durchaus mit weiteren Rückverlegungen rechnen, da Europa seine Fähigkeiten und Kapazitäten weiter ausbaue und mehr Verantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas übernehme.
Es ging um Tomahawk-Raketen und Hyperschallwaffen
Eine Abmachung aus dem Jahr 2024 hatte eigentlich vorgesehen, dass die USA von 2026 an in Deutschland wieder Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen stationieren, die weit bis nach Russland reichen.
Darunter sollten Marschflugkörper vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern sein, Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen.
Zuletzt hatten sich allerdings Hinweise verdichtet, dass sich die Trump-Regierung nicht an die von der Vorgängerregierung getroffene Absprache halten will. Vorausgegangen war ein verbaler Schlagabtausch zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Trump.
Merz hatte bei einer Diskussion mit Schülern gesagt, die USA könnten den Krieg nicht schnell beenden, „weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben“.
Trump attackierte Merz im Anschluss persönlich und warf ihm vor, keine Ahnung zu haben, wovon er spreche. Danach kündigte er den Abzug von Soldaten aus Deutschland an.
Auf die Frage, ob die USA die 2024 von Präsident Joe Biden zugesagten Tomahawk-Mittelstreckenraketen an Deutschland liefern, sagte Merz dann wenig später in der ARD: „Wie ich es im Augenblick sehe, gibt es auch aus den USA heraus ganz objektiv kaum eine Möglichkeit, Waffensysteme dieser Art abzugeben.“
Die Hoffnung der Bundesregierung ist nun, dass Deutschland Tomahawk-Marschflugkörper zumindest kaufen kann.
Zudem wird geprüft, ob nicht ein Joint Venture zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen geschaffen werden könnte, um Tomahawk-Marschflugkörper künftig auch in Deutschland produzieren zu können. Darüber hatte zunächst die „Welt“ berichtet. (dpa/red)