Matis Bloch, Urenkel des Historikers Marc Bloch, bei der Rückgabe von sieben restituierten Büchern in der Französischen Botschaft in Berlin (28. Mai 2026). - Foto: Tobias SCHWARZ / AFP via Getty Images
Mehr als 80 Jahre nach ihrem Raub durch die deutschen Nationalsozialisten sind mehrere Bücher aus der Pariser Privatbibliothek des berühmten jüdischen Historikers Marc Bloch an Frankreich zurückgegeben worden.
Bei einer Zeremonie in der französischen Botschaft in Berlin wurden der Familie am Donnerstagabend sieben Bände aus dem Eigentum Marc und Simonne Blochs überreicht.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete die Rückgabe als „eine wichtige Geste der Anerkennung des historischen Unrechts“.
Aus Sicht von Frankreichs Botschafter in Deutschland, François Delattre, ist die Rückgabe ein wichtiges Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft und Zusammenarbeit im Bereich der Erinnerungskultur.
Staatsbibliothek Berlin gibt vier Bücher zurück
Federführend bei der Rückgabe der Bücher ist die Berliner Staatsbibliothek. Aus ihrem Bestand wurden vier Bücher an Blochs Nachfahren zurückgegeben.
Zwei weitere Bücher stammen aus der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, eines aus der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung im thüringischen Greiz.
Katharina Scheibe von der Staatsbibliothek Berlin sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie könne es „nicht ausschließen, dass andere Bücher Marc Blochs in deutschen Bibliotheken sind“.
Sie könnten demnach auch „in Privatbesitz irgendwo auftauchen“. Die Forschung hierzu sei „lange nicht beendet“.
Die Bücher konnten vor allem durch handschriftliche Besitzeinträge der früheren Eigentümer identifiziert werden.
Entscheidend waren außerdem die Ergebnisse eines Forschungsprojekts an der Staatsbibliothek zu Berlin, das die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA) in der DDR beim Umgang mit NS-Raubgut untersucht hat.
Wer war Marc Bloch?
Marc Bloch galt als einer der bedeutendsten französischen Historiker des 20. Jahrhunderts. Der Mittelalter-Spezialist entstammte einer jüdischen Familie aus dem Elsass, auch sein Vater war ein bekannter Gelehrter.
Von 1919 bis 1936 lehrte Bloch mittelalterliche Geschichte an der Universität Straßburg. Er ist einer der Mitbegründer der Zeitschrift „Annales“. Sein zweibändiges Werk „Die Feudalgesellschaft“ gilt als Klassiker in der Geschichtsforschung.
Während des Zweiten Weltkriegs schloss sich Bloch der Résistance an, dem französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer. 1944 wurde er in Lyon von der Gestapo festgenommen und gefoltert und schließlich mit 29 seiner Kameraden hingerichtet.
Die Geschichte von Marc Blochs Bibliothek
Blochs umfangreiche Bibliothek enthielt knapp 7000 Bände in französischer, deutscher, englischer, und italienischer Sprache, darunter neben Literatur Werke zu Geschichte und politischer Ökonomie.
Nach der deutschen Besetzung von Paris versuchte Bloch zunächst, die Sammlung unter den Schutz des Bildungsministeriums zu stellen – was ebenso scheiterte wie eine Schenkung an die Universitätsbibliothek.
1941 wurde die Bibliothek von den deutschen Besatzern in Blochs Pariser Wohnung beschlagnahmt.
Blochs Familie bemühte sich nach Kriegsende um eine Rückgabe der Bücher. Zwischen 1948 und 1950 erhielten die Kinder von Marc und Simonne Bloch insgesamt 2144 Bände zurück.
Weitere 500 bis 700 Bände blieben verschollen. Auf Wunsch der Erbengemeinschaft sollen alle in Deutschland wiedergefundenen Bücher direkt an die Bibliothèque Halphen der Pariser Sorbonne-Universität übergeben werden. (afp/red)
Luises Eltern legten eine Zivilklage ein. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa
Der brutale Tod der zwölfjährigen alten Luise aus Freudenberg im Siegerland ist ein Schock gewesen – nicht nur für die Familien und die Menschen in ihrer Heimstadt.
Auch bundesweit war das Aufsehen groß. Luise verblutete nach einer Vielzahl an Messerstichen in einem Waldstück in Rheinland-Pfalz an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen.
Ebenso schockierend: Zwei Mädchen, die selbst erst 12 und 13 Jahre alt waren, gestanden die Tat.
Mehr als drei Jahre später hat das Landgericht Koblenz nun eine Entscheidung in einem Zivilverfahren unter anderem um Schmerzensgeld verkündet. Dabei ging es nicht um die Frage, wer Schuld trägt – ein Strafprozess fand wegen des jungen Alters der Beschuldigten nicht statt.
Was hat das Gericht entschieden?
Das Gericht hat entschieden, dass die geständigen Mädchen eine hohe Summe Schmerzensgeld an die Familie des Opfers zahlen müssen. Eine Grundlage dafür ist, dass die Kammer festgestellt hat, dass die Ansprüche auf einer „vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung beruhen“.
Dem Gericht zufolge stehen den Eltern und der Schwester insgesamt 85.000 Euro zu, für die Getötete kämen 40.000 Euro hinzu, insgesamt beträgt die Höhe des Schmerzensgelds damit 125.000 Euro.
Auch die Bestattungskosten in Höhe von rund 15.000 Euro sollen die Beschuldigten übernehmen. Hinzu kämen weitere Kosten wie Anwaltskosten der Familie in Höhe von rund 4.000 Euro.
Da der traumatische Verlust bei den Klägern anhaltende Gesundheitsschäden hervorgerufen habe, müssten die Beklagten darüber hinaus auch für entstandene und künftig noch entstehende materielle Schäden der Kläger einstehen.
Damit sprach die Kammer der Klage weitgehend zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
War es Mord?
„Nach dem Urteil der Kammer haben die beiden Beklagten am 11. März 2023 Luise heimtückisch und aus niederen Beweggründen ermordet“, sagte Gerichtssprecherin Eva Maria Kahn.
Bei den beiden beklagten Teenagern habe die Kammer die individuelle Verantwortungsreife und Einsichtsfähigkeit für das Unrecht ihrer Tat gesehen.
Wie lange kämpfte Luise mit dem Tod?
Für die Höhe des Schmerzensgelds gilt die Dauer und Schwere des Leidens als entscheidend. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Luise erhebliches Leid erfahren habe und mindestens wenige Minuten extreme Panik und Todesangst erlebt habe, wie der Richter sagte.
Es sei davon auszugehen, dass der Todeskampf maximal 30 Minuten gedauert habe. Das sei unter anderem an Spuren von Gegenwehr erkennbar.
Es sei ein heimtückischer und geplanter Mord gewesen, der die Kammer fassungslos mache.
Was war geschehen?
Luise wurde am 11. März 2023 nach einem Besuch bei einer Freundin als vermisst gemeldet. Es folgte eine Suchaktion mit Mantrailer-Spürhunden, einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera, Drohnen sowie Kräften von Polizei und Feuerwehr.
Die Leiche des Mädchens wurde am 12. März einige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt gefunden.
Nach Angaben des Gerichts führten die Beklagten – eine davon soll Luises beste Freundin gewesen sein – das arglose Mädchen unter dem Vorwand einer Überraschung in eine Schlucht.
Dort hätten sie zunächst versucht Luise mit einem Plastikbeutel zu erwürgen und dann mit 74 Messerstichen auf sie eingestochen.
Zu Prozessbeginn im Juli 2025 erklärte ein Richter, Luise sei an Blutverlust sowie einem Pneumothorax – einfach ausgedrückt: eine Luftansammlung im Brustraum – gestorben.
Wer hat Luise getötet?
Zwei tatverdächtige Mädchen von damals 12 und 13 Jahren gerieten in das Visier der Ermittler, weil ihre Aussagen aus einer ersten Anhörung im Widerspruch zu den Aussagen anderer Zeugen standen.
Bei einer nochmaligen Anhörung im Beisein von Erziehungsberechtigten und Psychologen seien sie mit den Widersprüchen konfrontiert worden und hätten die Tat gestanden.
Beide Mädchen seien der Polizei zuvor nicht aufgefallen. Später zeigten Chatverläufe dem Richter zufolge, dass sich die beiden beschuldigten Mädchen zuvor bereits über eine Tötung unterhalten hätten.
Die Ermittlungsbehörden hielten sich mit Aussagen zu möglichen Motiven zurück – es ist davon auszugehen, dass die Frage nach dem Warum für die Öffentlichkeit unbeantwortet bleiben wird.
Dahinter stecke vor allem der Schutz der jungen Beschuldigten, sagte der leitende Oberstaatsanwalt in Koblenz, Mario Mannweiler. „Was für Kinder möglicherweise ein Motiv ist für eine Tat, würde sich einem Erwachsenen möglicherweise nicht erschließen.“
Warum gab es keinen Strafprozess?
Wegen ihres Alters sind die Beschuldigten aus Sicht der Justiz strafunmündig. Kinder unter 14 Jahren sind grundsätzlich schuldunfähig – selbst bei einem so schlimmen Verbrechen wie Mord oder Totschlag.
Es wird davon ausgegangen, dass sie die Folgen ihres Handelns noch nicht ausreichend überblicken. Eine erste Maßnahme des Jugendamts war, dass die betroffenen Mädchen vorerst nicht mehr bei ihren Familien lebten, jedoch weiterhin Kontakt mit ihren Eltern hatten.
Was unterscheidet ein Strafverfahren von einem Zivilverfahren?
Anders als im Strafrecht können Kinder, die älter als sieben Jahre sind, im Zivilrecht für unerlaubte Handlungen haftbar gemacht werden, wenn sie eine sogenannte Verantwortungsreife besitzen. Dem Gericht in Koblenz zufolge besaßen die beiden Mädchen die erforderliche Einsichtsfähigkeit für das Unrecht ihrer Handlungen. (dpa/red)
In freier Wildbahn sind Rhesusaffen vor allem in Asien anzutreffen - hierzulande lassen sie sich in Zoos beobachten. (Symbolfoto) - Foto: Uwe Anspach/dpa
Eine Gruppe Rhesusaffen ist in Witten im Ruhrgebiet ausgebüxt. Die sehr intelligenten, aber scheuen Tiere hatten nach Angaben der Polizei am Mittwoch vermutlich Mörtel aus einer Backsteinmauer gekratzt und konnten so ausbrechen, wie ein Polizeisprecher sagte.
Der WDR hatte zuvor berichtet. Nach Angaben des Senders handelt es sich um sechs der sogenannten Tempelaffen.
Mehrere Affen weiter auf der Flucht
Sie seien aus Tierschutzgründen in einer Auffangstation untergebracht gewesen.
Die Verantwortlichen hätten der Polizei glaubhaft versichert, dass von den Tieren keine Gefahr ausgehe. Daher suchen die Einsatzkräfte auch nicht aktiv nach den Affen.
Bis zum Nachmittag seien nach Auskunft der Auffangstation drei der Ausreißer bereits wieder aufgetaucht, berichtete der Polizeisprecher. Wo sich die übrigen befinden, sei allerdings weiter unklar.
„Wer einen Affen in seinem Garten sieht, kann sich aber an die Polizei oder die Feuerwehr wenden“, so der Polizeisprecher. Man stehe in Kontakt mit den Verantwortlichen, die für das Einfangen der Tiere Sorge tragen würden. (dpa/red)
Bei einem „Sicherheitsgipfel“ hat die Deutsche Bahn mehr Sicherheitspersonal, bessere Ausrüstung und engere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei beschlossen. (Symbolbild). - Foto: RALF HIRSCHBERGER / AFP via Getty Images
Rund vier Monate nach der tödlichen Attacke auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz ist der 26-jährige Verdächtige wegen Mordes angeklagt worden.
Es sei von einer Tat aus niedrigen Beweggründen auszugehen, erklärte die Staatsanwaltschaft Zweibrücken am Donnerstag. 28. Mai.
Anklage nach Angriff auf Zugbegleiter erhoben
Der Beschuldigte soll den Zugbegleiter nach einer Fahrtkartenkontrolle am 2. Februar bei Landstuhl mehrere Schläge versetzt haben, als dieser ihn der Bahn verwies.
„Nach den durchgeführten Ermittlungen handelte der Angeschuldigte aus Verärgerung über eine alltägliche Ticketkontrolle“, teilte die Behörde weiter mit.
Der Beschuldigte habe das Tatgeschehen bei richterlichen Vernehmungen und gegenüber einem forensisch-psychologischen Gutachter objektiv eingeräumt, einen Tötungsvorsatz jedoch bestritten und sich teils auf Erinnerungslücken berufen.
Die Anklage erging zum Landgericht Zweibrücken. Es muss nun über die Eröffnung der Prozesses entscheiden.
Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus und trat eine Debatte über die Sicherheit des Zugpersonals los.
DB-Gipfel beschließt mehr Sicherheitspersonal
Die Deutsche Bahn hielt einen „Sicherheitsgipfel“ mit Gewerkschaftern sowie Vertretern aus Politik und Behörden ab.
Beschlossen wurden unter anderem die Einstellung von 200 zusätzlichen Kräften bei der DB Sicherheit, eine Verbesserung der Ausrüstung der Mitarbeiter sowie mehr Kooperation mit der Bundespolizei.
Die Attacke ereignete sich während der Fahrt eines Regionalzugs bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz. Laut Staatsanwaltschaft kontrollierte der Zugbegleiter den 26-Jährigen.
Da dieser keinen Fahrschein hatte, forderte ihn zur Vorlage seines Ausweises aus. Als der Angeklagte dies nicht tat, verwies er ihn des Zugs.
Daraufhin versetzte dieser dem Bahnmitarbeiter mehrere Faustschläge gegen den Kopf. Dieser stützte bewusstlos zu Boden und erlitt eine letztlich tödliche Hirnblutung. (afp/red)
Blumen und Kerzen am Unfallort: In Dinslaken ist die Trauer nach dem Unfalltod zweier Kinder groß. - Foto: Oliver Berg/dpa
Die 47 Jahre alte Autofahrerin, die am 27. Mai in Dinslaken am Niederrhein mit ihrem Wagen in eine Gruppe von Schülern gefahren ist, trug ein Gerät zur langfristigen Herzüberwachung, einen sogenannten Eventrecorder.
Sie hatte nach dpa-Informationen im Mai vergangenen Jahres wegen einer Ohnmacht am Steuer bereits einen Verkehrsunfall verursacht und deshalb das Gerät bekommen, das die Herzaktivität kontinuierlich überwacht. Ein Fahrverbot bestand nicht. Die „BILD“ hatte darüber zuerst berichtet.
Eventrecorder sollen Ohnmachten erkennen
Eventrecorder werden implantiert, um plötzliche Ohnmachtsanfälle oder Aussetzer der Herztätigkeit zu erkennen, die bei einem Langzeit-EKG möglicherweise nicht auffallen.
Die Frau war am Morgen kurz vor Schulbeginn mit ihrem Auto in eine Gruppe von drei zwölfjährigen Jungen gefahren – Schüler des Dinslakener Otto-Hahn-Gymnasiums, die auf Fahrrädern auf dem Weg zum Unterricht waren.
Zwei der Zwölfjährigen wurden so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starben. Der Dritte erlitt leichte Verletzungen. Die 47-Jährige hatte danach mit ihrem Wagen noch drei weitere Autos gerammt und beschädigt. Sie wurde selbst ebenfalls schwer verletzt.
Bei internistischen Notfällen wie einem kurzzeitigen Aussetzen des Herzens oder einem Ohnmachtsanfall könne es durchaus passieren, dass Autofahrer verkrampften und ungewollt das Gaspedal durchdrückten, sagte der bekannte Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung.
Eine aktuelle Studie der Stiftung vom Oktober vergangenen Jahres habe ergeben, dass medizinische Notfälle weit häufiger als bisher vermutet für Seniorenunfälle verantwortlich sind. Es könne durchaus aber auch jüngere Menschen treffen, sagte Brockmann.
Unfallgutachter prüft den Ablauf
Die Frau sei am Unfalltag nicht vernehmungsfähig gewesen, sagte die zuständige Staatsanwältin. Ob man heute mit ihr sprechen könne, müsse geprüft werden. Die Behörde habe ein Unfallgutachten zum Ablauf der Kollision in Auftrag gegeben. Dabei gehe es auch darum, ob die Frau in der Tempo-30-Zone vor der Schule zu schnell unterwegs war.
Am Gymnasium der drei verunglückten Jungen, an der Grundschule, vor der der Unfall passiert war, und in der ganzen Stadt herrschte am Tag danach große Betroffenheit. Zahlreiche Menschen legten an der Unfallstelle Kerzen, Blumen und Teddybären ab, um ihre Trauer auszudrücken.
Nach dem tödlichen Unfall in Dinslaken wird bekannt: Die Fahrerin trug wegen einer früheren Ohnmacht am Steuer ein Überwachungssystem für ihr Herz
Foto: Fabian Strauch/dpa
An der Schule der Jungen seien Schulpsychologen und Notfallseelsorger im Einsatz. Besondere Zuwendung erhalte dabei die Klasse, die um ihre zwei Mitschüler trauert, sagte eine Sprecherin der Stadt. Die Dinslakener Grundschule am Unfallort gab ihren rund 350 Schülerinnen und Schülern am frühen Mittag Hitzefrei.
Große Betroffenheit
NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hatte der weiterführenden Schule sowie der Grundschule, in deren Nähe sich der Verkehrsunfall ereignete, Hilfen etwa durch Schulpsychologen zugesichert. „Wir werden die Schulen mit allem unterstützen, was uns möglich ist“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
„Was in Dinslaken passiert ist, ist furchtbar. Ein Kind zu verlieren, ist das Schlimmste für Eltern“, erklärte Feller. Sie trauere mit den Familien, den Freunden und Bekannten und allen Menschen an den betroffenen Schulen.
Notfallseelsorger helfen Betroffenen und Mitschülern nach dem schweren Unfall in Dinslaken
Foto: Oliver Berg/dpa
Der Bürgermeister von Dinslaken, Simon Panke (SPD), sprach der Familie ebenfalls sein Beileid aus. „Unsere Gedanken sind vor allem bei den Kindern und ihren Eltern und Familien. Für sie ist das Schlimmste eingetreten, was überhaupt passieren kann“, schrieb er bei Facebook.
Auch bei Freunden, Mitschülern und Lehrkräften seien Schock und Schmerz riesig. Die Schule brauche jetzt Zeit und Ruhe zur Aufarbeitung, so Panke. „Dies gilt speziell für die Klassenkameraden der verstorbenen Kinder.“
„Bei aller öffentlichen Aufmerksamkeit bitten wir um Verständnis dafür, dass Schule, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern jetzt Zeit benötigen, um das Geschehene zu begreifen und zu verarbeiten, da es ein sehr schwerer Tag war und noch viele weitere sehr schwere Tage folgen werden“, sagte die Stadtsprecherin. (dpa/red)
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr stehen nach einem Unfall neben zwei Stadtbahnen. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Beim Zusammenstoß zweier Stadtbahnen in Hannover sind nach Angaben der Feuerwehr mehrere Menschen verletzt worden.
Es gebe eine zweistellige Zahl an Verletzten, die vom Rettungsdienst betreut würden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Zum Schweregrad der Verletzungen konnte er zunächst nichts sagen.
Leitstelle löste Massenanfall von Verletzten aus
Die beiden Stadtbahnen waren den Angaben zufolge gegen Mittag am Allerweg aus zunächst ungeklärter Ursache zusammengestoßen. Die Leitstelle löste einen sogenannten Massenanfall von Verletzten aus.
Mehrere Fahrgäste wurden vom Rettungsdienst versorgt.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Feuerwehr war mit zahlreichen Kräften vor Ort, darunter auch mit einem Großraumrettungswagen. Dabei handelt es sich um einen zum Rettungswagen umfunktionierten Bus, in dem mehrere Patienten gleichzeitig versorgt werden können.
Nach Beobachtungen eines dpa-Fotografen vor Ort entgleisten beide Stadtbahnen. Eine Bahn sei gegen die Haltestelle gedrückt worden, dabei seien Betonplatten hochgedrückt worden.
An einer der Stadtbahnen war demnach eine lange Schleifspur zu sehen, zudem waren Scheiben gesplittert.
Die beiden Bahnen waren kollidiert.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Einige Verletzte bereits in umliegenden Krankenhäusern
Zahlreiche Rettungswagen und Notärzte waren im Einsatz. Einige Verletzte seien bereits in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, andere würden noch vor Ort versorgt, berichtete der Fotograf.
Der Verkehrsunfalldienst der Polizei Hannover war den Angaben zufolge bereits vor Ort und begann mit den Ermittlungen zur Unfallursache. (dpa/red)
Der Wetterdienst rechnet mit schweren Gewittern (Symbolbild). - Foto: Patrick Pleul/dpa
Ende mit Knall: Am Freitag ziehen im Norden vermehrt Wolken auf und ab dem späten Nachmittag können sich dort teils starke Gewitter entwickeln, wie der Deutsche Wetterdienst berichtete.
„Stellenweise muss dann mit heftigem Starkregen, größeren Hagel und schweren Sturmböen gerechnet werden“, sagte Meteorologe Nico Bauer.
Die Gewitter breiten sich am Abend und in der Nacht zum Samstag nach Osten und Südosten aus. Erst im Verlauf der zweiten Nachthälfte schwächen sich die Gewitter langsam ab.
„In der Südhälfte merkt man von alldem aber noch nichts. Dort gibt es am Freitag nochmals bestes Badewetter“, sagte Bauer. In tiefliegenden Regionen im Südwesten und Westen dürfte sogar erneut die Marke von 30 Grad geknackt werden.
Spätestens am Wochenende ist das Sommerwetter dann aber landesweit vorbei. Am Samstag bilden sich vor allem in der Mitte und teils auch im Süden kräftige Gewitter aus.
„Lokal besteht dabei Unwettergefahr“, sagte der Meteorologe. Vor allem in der Südwesthälfte bleibt es schwülwarm bis heiß, im Tiefland wird erneut die 30-Grad-Marke erreicht. „Da die Luft im Vergleich zu den Vortagen deutlich feuchter ist, ist in diesen Regionen Schwitzen angesagt.“
Am Sonntag, dem letzten Tag im Mai, bleibt das Wetter wechselhaft und schwülwarm. In der Mitte und im Süden erwartet der Wetterdienst erneut kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial.
Auch die Menschen im Norden müssen teils mit schauerartigen Niederschlägen rechnen. „Die besten Chancen auf längeren Sonnenschein gibt es im Nordosten“, sagt der Wetterdienst voraus. Die Temperaturen gehen insgesamt etwas zurück, liegen aber meist immer noch im sommerlichen Bereich. (dpa/red)
Birgit Schattling (rechts) vermittelt ihr Wissen seit Jahren in Online-Kursen, nun auch live. - Foto: Anja Sokolow/dpa /dpa
„Hier sind noch ein paar Quadratzentimeter frei“, freut sich Elke Schmude und setzt Kapuzinerkresse in ein Vertikalbeet. Auf sieben Etagen wachsen dort bereits unter anderem Asiasalate, Schnittlauch, Erdbeeren und Kornblumen. „Man muss sich einfach mal trauen, wenn es nicht wächst, dann eben nicht“, sagt die Berlinerin.
Ein Kurs im Balkongärtnern von Birgit Schattling ist in vollem Gange. Seit Jahren vermittelt sie Balkonbesitzern im deutschsprachigen Raum in Online-Kursen und -Kongressen, wie sich auch kleinste Flächen bepflanzen lassen.
Mit der Balkonschule in Berlin hat sie ihr Angebot nun um einen physischen Ort ergänzt. „Hier kann man fühlen, sehen, kosten“, sagt Schattling.
Auch die Anzucht – hier von Mangold – wird in der Schule von Birgit Schattling geübt.
Foto: Anja Sokolow/dpa /dpa
Hände in die Erde stecken statt vor dem Bildschirm sitzen
Auf dem Gelände der Atelier Gardens, einem historischen Film- und Fernsehcampus, wird das ganze Jahr über gemeinsam gesät, pikiert, gepflanzt und geerntet. Die Teilnehmer schätzen vor allem den direkten Austausch.
„Das ist viel besser als ein Online-Kurs, hier kann ich die Hände in die Erde stecken und muss nicht im dunklen Kämmerlein vor dem Bildschirm sitzen“, sagt Bettina Schäfer.
Mitgärtnerin Bärbel Schäfer hat der Kurs wieder zu neuem Schwung verholfen. Neben einem Balkon hat sie auch einen Garten. Doch zuletzt fehlte der Antrieb. „Ich wollte mich schon gar nicht mehr damit beschäftigen“, sagt die Rentnerin. Doch das gemeinsame Gärtnern in der Balkonschule habe ihr wieder neue Motivation gebracht.
Vertikalbeete bieten viel Platz auf kleinem Raum.
Foto: Anja Sokolow/dpa-Zentralbild/dpa
Obstbäume? Alles geht, außer Walnüsse
In der Balkonschule wächst und gedeiht vieles: Johannisbeeren, Glockenblumen, Kletterrosen und selbst Aprikosen. „Man lernt hier, dass man auch Sträucher gut auf Balkonen pflanzen kann“, sagt Elke Schmude. Auch Obstbäume seien möglich, nur keine Walnüsse, ergänzt Schattling.
Genutzt wird jeder Zentimeter: Neben klassischen Töpfen dienen auch eine Sauciere oder ein Wäschekorb als Pflanzgefäße. Besonders stolz ist Schattling auf die sogenannte Klimaterrasse, eine Kombination aus Vertikalbeeten und begrünter Pergola. Klettererbsen, Feuerbohnen, Kiwis, Passionsblumen und Wein spenden Schatten und liefern Erträge.
„Das ist die Lösung für überhitzte Terrassen und Balkone. Ab Mai bleiben Südlagen oft ungenutzt – Menschen ziehen sich hinter Jalousien in den Innenraum zurück“, sagt Schattling, die auf dem Gelände auch einzelne Workshops, Teamnachmittage und Vorträge anbietet.
Das Gärtnern auf Balkonen habe in der Corona-Zeit einen Boom erlebt, weil alle Zuhause gewesen seien, sagt eine andere Balkon-Gärtnerin, die Journalistin, Podcasterin und Autorin Melanie Öhlenbach aus Bremen. Seit 2020 hat sie fünf Bücher zum Thema veröffentlicht, zuletzt „Klimahelden auf dem Balkon“.
„Inzwischen beschäftigen sich auch viele Menschen mit der Frage, wo die Lebensmittel überhaupt herkommen und wie sie produziert wurden“, so Öhlenbach. Der Wunsch nach Selbstversorgung spiele zunehmend eine Rolle und auch die Preise seien ein Grund, selbst zu gärtnern.
Auch Öhlenbach gibt Kurse. „Wissen und Fertigkeiten gehen verloren, wenn man sie nicht mit anderen teilt und weitergibt“, betont sie. Es sei noch einmal etwas anderes, das unmittelbar, zusammen, vor Ort, also ohne Bildschirm und Smartphone, zu tun.
„Es braucht daher Orte, wo solche Begegnungen möglich sind – sei es selbst organisiert in der Nachbarschaft, im Kleingartenverein, an den Volkshochschulen und Bildungseinrichtungen generell, in urbanen Stadtgartenprojekten oder eben der Balkonschule“, meint die Bremerin, die neben ihrem Balkon mittlerweile auch einen Garten bewirtschaftet.
Töpfe können auch bepflanzt werden.
Foto: Anja Sokolow/dpa
120 Pflanzen auf neun Quadratmetern
Schattling treibt das Balkongärtnern auf die Spitze: Auf neun Quadratmetern wachsen bei ihr 120 Pflanzen, darunter Sträucher und Obstbäume. Zudem nutzt sie fünf Fensterbretter und schafft Lebensräume für Insekten, Vögel und Eichhörnchen. „Ich bin mitten in Berlin und erlebe die Natur hautnah“, sagt die Buchautorin und Bloggerin.
Stadtgrün-Referentin Janna Einöder vom Naturschutzbund hat Schattling mal als „Balkon-Ultra“ bezeichnet. Aus ihrer Sicht seien die von ihr bepflanzten Balkone ökologisch wertvoll. „Doch nicht jeder muss eine Birgit Schattling sein“, sagt Einöder.
Man könne das Balkongärtnern auch im kleineren Maßstab betreiben, zum Beispiel mit Küchenkräutern. „Wenn viele kleine Flächen genutzt werden, ergibt das ein Mosaik in der ganzen Stadt“, so die Expertin. Und das komme zahlreichen Arten zugute, zum Beispiel Wildbienen, die einen Flugradius von nur wenigen Hundert Metern hätten.
Das Potenzial sei aus Naturschutzsicht noch längst nicht ausgenutzt. Viele Balkone würden leider mit Pflanzen wie Petunien oder Geranien begrünt, die für Insekten nicht nützlich und oft auch noch mit Pestiziden belastet seien. Mehrjährige Stauden oder auch Wildblumen seien viel geeigneter, erklärte Einöder.
Der Nabu hat Pflanzlisten veröffentlicht. Passend zur jeweiligen Ausrichtung eines Balkons werden passende Arten empfohlen. „Geranien gehen gar nicht“, findet auch Schattling. Immerhin gebe es aber Bemühungen, ursprünglichere Varianten zu züchten, die auch attraktiver für Insekten seien. (dpa/red)
Die Halle der Namen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpa
Die weltbekannte Holocaustgedenkstätte Yad Vashem eröffnet in der bayerischen Landeshauptstadt München ihr erstes Bildungszentrum außerhalb Israels. Zudem sei eine zusätzliche kleinere Außenstelle in Leipzig in Sachsen geplant, teilten Yad Vashem sowie die Landesregierungen Bayerns und Sachsens am Mittwoch in Jerusalem, München und Dresden mit.
„München wurde aufgrund seiner strategisch günstigen Lage und seiner Bildungslandschaft ausgewählt, was die Stadt zu einem idealen Standort für die Holocaust-Bildung macht“, teilte die Gedenkstätte weiter mit.
Yad Vashem will mit dem Bildungszentrum eigenen Angaben zufolge „sein weltweites Engagement in der Holocaust-Bildung und Erinnerungsarbeit verstärken“. Die Gedenkstätte erklärte: „Dies geschieht in einer Zeit, in der weltweit verzerrte Darstellungen der Geschichte des Holocaust zunehmen und der Antisemitismus sich weiter ausbreitet.“
Bildungszentrum soll Dimension des Massenmordes verdeutlichen
Das Bildungszentrum soll die jüdische Perspektive in der deutschen Erinnerungskultur stärken.
„Wir möchten mit dem Bildungszentrum ein größeres Bild als bisher in den Dialog der Erinnerungskultur in Deutschland einbringen. Das wird vor allem Stimmen der Opfer beinhalten und weniger der Täter“, sagte Yael Richler-Friedman, Pädagogische Direktorin des internationalen Instituts für Holocaust-Bildung von Yad Vashem, Ende vergangenen Jahres. Die deutsche Erinnerungskultur sei bisher von lokalen Geschichten geprägt gewesen.
Ziel sei es, im geplanten Bildungszentrum die Dimension des Massenmordes zu verdeutlichen. Besucher sollen dazu angeregt werden, sich mit den komplexen menschlichen Fragen hinter den Erfahrungen der Opfer auseinanderzusetzen. Das solle eine Reflexion der eigenen Identität anregen und Empathie kreieren.
Bildungsministerin: Kampf gegen Antisemitismus stärken
Laut Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) ist Ziel der Einrichtung auch, den Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland und Europa weiter zu stärken.
„Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern. Dabei wissen gerade junge Menschen in Deutschland zu wenig über die Shoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus“, sagte sie.
Der Leiter der Gedenkstätte, Dani Dayan, teilte mit: „Da wir uns immer weiter von der Ära der Zeitzeugenberichte entfernen, ist eine historisch fundierte Holocaust-Bildung wichtiger denn je.“
Einrichtung in Leipzig – Sachsens Ministerpräsident spricht von „großer Ehre“
Die kleinere Einrichtung in Leipzig soll interaktive Lernräume etablieren und ihre Angebote vor allem an Pädagogen und junge Menschen in der Region und in den Nachbarländern richten.
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach von einer „großen Ehre und zugleich Verpflichtung“.
Weiter sagte er: „Tatsächlich sind Bildung und Begegnung ganz entscheidend, um das Gedenken wachzuhalten und Geschichte begreifbar zu machen. Bildung und die neuen Bildungsorte sind notwendig und wichtig, um Antisemitismus, Vorurteilen, Desinformation und jeder Form der Relativierung des Holocaust ganz entschieden und klar entgegenzutreten.“
Yad Vashem mit Sitz in Jerusalem ist die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt. Im September 2025 hatten der Leiter der Gedenkstätte und die Bundesbildungsministerin mitgeteilt, dass es eine Außenstelle in Deutschland geben soll.
Als mögliche Standorte waren Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen genannt worden. Seine Arbeit aufnehmen könnte das Zentrum in zwei bis drei Jahren. (dpa/red)
Seit rund zwei Wochen liegt der Kadaver aufgebläht am Strand von Anholt. - Foto: Marcus Golejewski/dpa
Der Kadaver des als „Timmy“ bekannten Buckelwals bleibt nun doch auf der dänischen Insel Anholt und wird direkt am Strand obduziert. Dort liegt das Tier seit rund zwei Wochen im flachen Wasser.
„Der Wal wird im Laufe dieses Wochenendes an Land gezogen“, teilte Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde mit. Obduktion, wissenschaftliche Untersuchungen und Entsorgung des Kadavers sollen demnach Ende kommender Woche stattfinden.
Zunächst hatten die Dänen versucht, den von Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn anschließend in einen Hafen zu bringen. Der Versuch war letzte Woche jedoch gescheitert.
Neugierige sollen sich fernhalten
„Das Wetter war nicht günstig für einen Transport in den Hafen von Grenaa, und der Wal hat sich bewegt und liegt nun noch näher am Land“, so Hansen. „Gleichzeitig stört der Wal weiter sehr am Strand und muss deshalb entfernt werden.“
Anwohner und Badegäste rief die Umweltbehörde erneut auf, sich von dem Tier fernzuhalten. Der Bereich rund um den Wal werde abgesperrt. „Es ist wichtig, dass das respektiert wird, denn es besteht weiter Ansteckungsgefahr“, so die Behörde. (dpa/red)
Selbst wenn der Himmel trüb und bewölkt erscheint, ist die Sonne dahinter immer gleich. - Foto: vvita/iStock
„Als Teenager habe ich mich manchmal mit meinen Geschwistern über Leute ausgelassen, die uns das Leben mitunter etwas weniger angenehm machten. Normalerweise verspürt man nach ein paar Beschwerden ein Gefühl der Genugtuung“, schreibt Epoch-Times-Autorin Angelica Reis rückblickend über ihre Kindheit. „Aber jedes Mal, wenn meine Mutter so ein Gespräch mitbekam, fing sie an, sanft und natürlich, etwas Gutes über diese Person zu sagen, über die wir uns beschwerten“, so Reis. Es sei eine erstaunliche Strategie gewesen, die immer funktioniert habe, schreibt sie, obwohl sie als Kinder das nicht wirklich gemocht hätten.
„Als die Jahre vergingen, kam ich immer mehr dazu, diese Eigenschaft an meiner Mutter zu schätzen, bis zu dem Punkt, an dem es sich in Respekt verwandelte. Ist es nicht die richtige Art zu leben – das Gute in Situationen zu sehen, selbst wenn sie düster erscheinen mögen, und das Gute in Menschen zu sehen, selbst wenn sie unangenehm erscheinen mögen?“ Reis schreibt noch, dass sie im Laufe der Zeit erkannt habe, „dass es das ist, worum es bei höherer, göttlicher Liebe teilweise geht.“ Es gehe darum, Beleidigungen nicht gleichermaßen zu erwidern und Liebe für andere zu haben, ganz gleich, wie man selbst behandelt werde.
Einen Blick für das Gute haben
Die Geschichte von Angelica Reis deckt sich mit einem bedeutenden Denkansatz, der heute selten praktiziert wird: die Wichtigkeit, das Gute in anderen zu sehen. Das ist kein neues Konzept. Das ist eine Idee, die bereits in antiken Zeiten von Philosophen, Schriftstellern, Psychologen und prominenten Denkern erforscht wurde.
Der römische Kaiser und Philosoph Mark Aurel sagte, dass, selbst wenn man einen Fehler in einer anderen Person finde, man es sich zweimal überlegen sollte, bevor man ein hartes Urteil fällt. Als ein Schlüsselphilosoph der stoischen Schule sah Aurel inhärenten Wert und Würde in jedem Menschen. In seinen Schriften reflektierte er die Idee, dass wir, wenn wir jemandem begegnen, der sich schlecht verhält, versuchen sollten, die Dinge aus dessen Perspektive zu sehen und uns daran zu erinnern, dass er möglicherweise aus fehlerhaften Wahrnehmungen heraus handelt und nicht aus Boshaftigkeit. Auf diese Weise können wir tolerant ihnen gegenüber sein, so wie wir hoffen würden, dass andere es uns gegenüber wären.
„Denn wie jede Seele ungern auf die Wahrheit verzichtet, so auch auf das geziemende Betragen gegen jedermann“, schrieb Mark Aurel in seinen „Selbstbetrachtungen“. Er sagte später: „Jeder Fehlende aber irrt, insofern er sein Ziel verfehlt.“
Auf dieser Grundlage definierte Aurelius die Rolle des „Weisen“ als die eines Führers, der den Sünder leiten und ihn so vor sich selbst retten muss, denn ein Sünder, der vom rechten Weg abgekommen ist, ist seiner Schuld nicht entzogen. Man muss mit Liebe und Mitgefühl zu ihm sprechen, um sein Herz zu erweichen.
Reiterstandbild von Marcus Aurelius auf der Piazza del Campidoglio in Rom.
Foto: scubabartek/iStock
„Denn was kann dir der boshafteste Mensch anhaben, wenn du in Freundlichkeit gegen ihn verharrst, ihn bei passender Gelegenheit sanftmütig warnst und gerade in dem Augenblick, wo er dir Böses anzutun versucht, ihn in ruhigem, zurechtweisendem Tone etwa so anredest: ‚Nicht doch, mein Lieber! Wir sind zu etwas anderem geboren. Mir zwar wirst du damit nicht schaden, dir selbst aber schadest du damit, mein Lieber‘“, schrieb Aurel. „Zeige ihm dann in schonendster Weise und mit gutem Bedacht, dass sich dies also verhält“, fügte der Kaiser und Philosoph hinzu.
Aurels Rat spiegelt sich auch in einer Lektion über Liebe und Mitgefühl in einem berühmten Roman des französischen Schriftstellers Victor Hugo wider: „Les Misérables“. Der Protagonist, Jean Valjean, stiehlt einen Laib Brot, um seine verwitwete Schwester und ihre Kinder zu ernähren. Die Justiz verurteilt ihn zu einem Jahr Gefängnis. Aufgrund verschiedener Umstände sitzt Valjean letztendlich 20 Jahre ein. Als er schließlich aus dem Gefängnis kommt, ist sein Herz mit Groll und Hass erfüllt. Er gerät auf die schiefe Bahn eines Kleinkriminellen.
Als Valjean Silberbesteck aus dem Haus eines Bischofs stiehlt und man ihn dabei erwischt, erkennt der Geistliche dessen Potenzial zu einem guten Manne. Daraufhin erklärt der Bischof gegenüber der Gendarmerie, Valjean das Silberbesteck als Geschenk gegeben zu haben. Das Mitgefühl des Priesters bewegt Valjean im Herzen und er beschließt, seine Wege zu ändern. Mit dem Geld, welches er für das Silber erhalten hat, gründet Valjean eine Fabrik und wird ein wohlhabender und großzügiger Mann, der gern für wohltätige Zwecke spendet. Auf dem Höhepunkt des Romans rettet Valjean dann auch noch das Leben jenes Polizeiinspektors, der ihn zeitlebens als Kriminellen betrachtet und verfolgt hatte.
Albert Schweitzer, ein deutscher Arzt, Philosoph und Musiker, der 1952 den Friedensnobelpreis gewann, handelte mit Mitgefühl, Liebe und Wertschätzung gegenüber jeder Person, der er begegnete. Er hatte ein tiefes Gefühl von Respekt und lebte den Leitsatz „Ehrfurcht vor dem Leben“ – seinem eigenen und dem jedes anderen Wesens.
Der aus dem Elsass stammende deutsche Theologe, Arzt und Musiker Albert Schweitzer (1875–1965) mit einer Antilope auf dem Gelände des von ihm gegründeten Krankenhauses in Lambarene, Französisch-Äquatorialafrika, 1944.
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Schweitzer sah es als seine ethische Pflicht an, das Leben jedes Menschen zu schützen und es jedem Individuum zu ermöglichen, sein volles Potenzial zu entwickeln und zu realisieren. Im Einklang mit diesen Erkenntnissen beschloss er im Alter von 30 Jahren, sein Leben einer großen Aufgabe zu widmen: „Ein Arzt im Dienste der Menschheit“ zu sein. Im Jahr 1913 gründete er ein Krankenhaus in der Stadt Lambaréné in Gabun, Westafrika. Dort behandelte er Tausende Menschen, einschließlich jener mit Lepra, Malaria und Ruhr. Jeder Patient erhielt Pflege mit Liebe und Respekt, ungeachtet seines wirtschaftlichen oder sozialen Status.
Der österreichisch-israelische Denker und Pädagoge Martin Buber artikulierte philosophisch, was Schweitzer intuitiv verstanden hatte. Buber betrachtete zwischenmenschliche Beziehungen als von höchster Wichtigkeit und als das Fundament für richtiges Verhalten in der Welt. In seinem Buch „Ich und Du“ beschrieb er zwei Typen von Beziehungen: Ich-Es-Beziehungen und Ich-Du-Beziehungen.
Ich-Es-Beziehungen sind funktional, in denen eine Person eine andere als ein Objekt benutzt, um ein bestimmtes physisches, mentales oder emotionales Ziel zu erreichen. Ich-Du-Beziehungen sind jene, in denen man den anderen in seiner Gesamtheit sieht, in allen Aspekten seines Seins; solche Beziehungen stellen eine echte zwischenmenschliche Bindung dar, die in tiefer Liebe begründet ist. „Liebe ist Verantwortung eines Ich für ein Du“, schrieb er.
Laut Buber entspringt die Fähigkeit, andere menschliche Wesen zu lieben, nicht aus Anstrengung oder Streben, sondern eher aus einer inneren Entleerung von Emotionen oder Gedanken und einem vollständigen und totalen Fokus auf den anderen. „Das Du begegnet mir von Gnaden – durch Suchen wird es nicht gefunden“, schrieb er. Solche Liebe erfordert laut Buber auch Mut, weil sie ein tiefes Loslassen des Selbst beinhaltet. Er argumentierte, dass eine wahre Liebe für menschliche Wesen die mutigste Tat von allen darstellt.
Der Psychologe Abraham Maslow, einer der zentralen Denker der humanistischen Psychologiebewegung in den 1960er-Jahren, sah ebenfalls großen Wert darin, das Gute in anderen zu erkennen und zu kultivieren. Er formulierte die revidierte „Hierarchie der Bedürfnisse“, an deren Basis die grundlegendsten Bedürfnisse liegen, wie Nahrung, und an deren Spitze das höchste menschliche Bedürfnis liegt: Selbsttranszendenz.
Indem man das Selbst transzendiere und sich mit einem breiteren Bewusstsein verbinde, sagte Maslow, erkenne eine Person die Einheit des Universums und fühle eine natürliche Bindung zu allen menschlichen Wesen. Anstelle von selbstzentrierten Gedanken erfahre man Selbstlosigkeit, Fürsorge und Besorgnis um das Wohlergehen anderer.
Maslow war ein leidenschaftlicher Verfechter des inhärenten Guten in menschlichen Wesen. „Maslow zufolge verschwindet das „Gute“ nur selten vollständig aus dem Herzen eines Menschen, obwohl es „schwach und zart und subtil ist und leicht durch Gewohnheit, kulturellen Druck und falsche Einstellungen ihm gegenüber überwältigt wird“. Daher ist es wichtig, die gute Seite des menschlichen Wesens zu kultivieren und zu fördern.
YouTube verschärft den Umgang mit KI-generierten Inhalten auf der Plattform. (Archivbild) - Foto: Christophe Gateau/dpa
Die zum US-Internetriesen Google gehörende Videoplattform YouTube will mit Künstlicher Intelligenz (KI) generierte Inhalte künftig automatisch kennzeichnen.
„Wenn ein Videokünstler nicht angibt, ob er KI verwendet hat oder nicht, unsere Systeme jedoch einen erheblichen Einsatz fotorealistischer KI erkennen, werden wir nun automatisch eine Kennzeichnung anbringen“, erklärte das Unternehmen am Mittwoch, 27. Mai, in einem Blogbeitrag.
Bislang hatte sich YouTube bei der Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten vor allem auf die Angaben der Urheber gestützt.
Zugleich hatten sich viele Plattformen und Online-Netzwerke zuletzt mit einer massiven Zunahme von KI-generierten Inhalten konfrontiert gesehen, die sich aufgrund immer leistungsfähigerer KI-Tools immer schwerer von menschlichen Werken unterscheiden lassen.
Wie YouTube am Mittwoch weiter ausführte, sollen Nutzer im Falle einer falschen KI-Kennzeichnung aber die Möglichkeit erhalten, dies anzufechten. Außerdem solle die Kennzeichnung keinen Einfluss auf den Empfehlungsalgorithmus der Plattform haben, erklärte das Unternehmen. (afp/red)
Nach dem schweren Unfall in Dinslaken ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft zur Ursache. (Symbolbild) - Foto: Lino Mirgeler/dpa
Nach einem schweren Verkehrsunfall im nordrhein-westfälischen Dinslaken sind zwei zwölfjährige Radfahrer gestorben.
Eine 47-jährige Autofahrerin kam am Mittwochmorgen aus zunächst ungeklärter Ursache von der Fahrbahn ab und erfasste drei radfahrende Kinder im Alter von jeweils zwölf Jahren, wie die Polizei in Wesel und die Staatsanwaltschaft Duisburg mitteilten.
Am Nachmittag berichteten die Ermittler, dass die beiden Zwölfjährigen in einem Krankenhaus an ihren Verletzungen gestorben sind. Das dritte Kind erlitt den Angaben zufolge leichte Verletzungen. Die Autofahrerin kam schwer verletzt in ein Krankenhaus.
Mehrere Rettungswagen sowie ein spezialisiertes Unfallaufnahmeteam waren im Einsatz. Die umliegenden Straßen waren während der Unfallaufnahme gesperrt. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauerten an. (afp/red)
Neue Verbraucherregeln und Preisänderungen treten im Juni in Kraft. - Foto: Moritz Frankenberg/dpa
In Kürze:
Die Steuervergünstigung für Sprit endet Ende Juni
Widerrufsrecht für Versicherungen und Finanzdienstleistungen beschränkt
Die Bahn wirbt mit einem Familienticket
Ein Ende der Steuerabsenkung für Benzin und Diesel steht im Juni ebenso an wie eine ganze Reihe weiterer Änderungen. So sollen Onlinekäufe leichter rückgängig gemacht werden können, und Verbraucher sollen künftig einfacher erkennen können, woher ihr Honig stammt. Nachfolgend ein Überblick:
Ende Juni müssen sich Autofahrer voraussichtlich wieder auf höhere Preise an den Zapfsäulen einstellen. Denn dann läuft die Absenkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um jeweils rund 17 Cent pro Liter nach aktuellem Stand aus. Damit enden die zwei Monate, in denen die Bundesregierung die Verbraucher bei den durch den Irankrieg deutlich gestiegenen Spritpreisen entlasten wollte.
Widerrufsbutton, Widerrufsrecht und Barrierefreiheit im Internet
Wer einen Onlinekauf oder einen im Internet abgeschlossenen Vertrag widerrufen will, kann das künftig ganz einfach tun: Ein Klick auf den Widerrufsbutton genügt. Bis zum 19. Juni müssen Anbieter dafür eine leicht auffindbare, jederzeit verfügbare und einfach nutzbare Schaltfläche auf ihren Websites bereitstellen. Verträge sollen damit genauso unkompliziert widerrufen werden können, wie sie online abgeschlossen wurden.
Der Gesetzgeber begrenzt auch das sogenannte „ewige Widerrufsrecht“ für neue Verträge. Für die meisten Finanzdienstleistungen endet das Widerrufsrecht künftig spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Beginn der Frist. Für Lebensversicherungen gilt eine Sonderfrist von 24 Monaten und 30 Tagen.
Die Neuregelung tritt am 19. Juni 2026 in Kraft. Für Verträge, die vor diesem Datum geschlossen wurden, bleibt die bisherige Rechtslage grundsätzlich erhalten.
Ausnahmen bleiben bestehen: Fehlt die gesetzlich vorgeschriebene Widerrufsbelehrung vollständig oder enthält sie gravierende Fehler, die den Anforderungen nicht genügen, bleibt ein unbefristetes Widerrufsrecht bestehen. Die verkürzten Fristen greifen nur, wenn die Belehrung zumindest in der vorgeschriebenen Form erteilt wurde.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist am 28. Juni 2025 in Kraft getreten. Die Anforderungen werden gestaffelt umgesetzt und müssen bis zum 28. Juni 2026 abgeschlossen sein. Ab dann müssen Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher barrierefrei nutzbar sein. Damit setzt der Gesetzgeber die europäische Richtlinie 2019/882 in deutsches Recht um. Unternehmen sollen ihre digitalen Angebote so gestalten, dass Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen diese ohne zusätzliche Hürden nutzen können.
Onlineshops, Apps und digitale Kundendienste müssen eine klare Navigation, ausreichende Kontraste, Tastaturbedienbarkeit und Screenreader-Kompatibilität bieten. Banken müssen Geldautomaten, Onlinebanking-Oberflächen und andere digitale Dienste barrierefrei bereitstellen. Auch Ticket- und Check-in-Automaten, E-Reader, Smartphones, Computer und Betriebssysteme fallen unter die neuen Vorgaben, sofern sie sich an Verbraucher richten. Die Regeln betreffen sowohl die technische Gestaltung als auch die Bereitstellung verständlicher Informationen.
Mehr Transparenz bei Honig
Auf Honiggläsern müssen künftig genauere Angaben zum Ursprungsland gemacht werden. Ab dem 14. Juni greift die Reform der sogenannten EU-Frühstücksrichtlinien, die für mehr Transparenz für Verbraucher sorgen soll. Die Angabe „Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ reicht dann nicht mehr aus. Das Etikett muss Auskunft darüber geben, wie viel Prozent des Honigs aus welchem Land stammen. Das Gesetz sieht zudem einen geringeren Zuckergehalt für Marmelade sowie eine neue Kennzeichnung für Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz vor.
Bis zum 7. Juni muss die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Ihr Ziel ist es, durch verpflichtende Angaben Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern zu verringern und so für mehr Fairness am Arbeitsmarkt zu sorgen. Arbeitgeber müssen demnach unter anderem Gehaltsspannen in Stellenanzeigen angeben.
Günstig in die Sommerferien mit der Bahn
Überschüssiger Solarstrom soll künftig einfacher an Nachbarn weitergegeben werden können. Ab dem 1. Juni gelten neue Regeln, die dieses sogenannte Energy Sharing ermöglichen. Dafür ist eine vertragliche Vereinbarung mit dem Nachbarn oder der Hausgemeinschaft sowie die Ausstattung mit einem Smart Meter nötig. Laut Verbraucherschützern kann das Modell für Betreiber von Solaranlagen eine zusätzliche Einnahmequelle sein und die Abhängigkeit vom Energiemarkt verringern.
Für die Sommerferienwochen in allen Bundesländern – also von Ende Juni bis Mitte September – bietet die Deutsche Bahn (DB) ein günstiges Familienticket an: Eine Familie kann zum Pauschalpreis von 99,99 Euro mit Fernverkehrszügen hin und zurück reisen. Die Sitzplatzreservierung ist demnach inklusive. Das Angebot ist „ab Mitte Juni“ buchbar. Das Familienticket gilt für bis zu fünf Reisende.
Von Mitte Juni bis Ende September ist zudem die Jugend BahnCard 25 kostenlos erhältlich. Damit gibt es ein Jahr lang 25 Prozent Rabatt auf alle Super Spar-, Spar- und Flexpreise der 1. und 2. Klasse im ICE sowie im IC/EC. Die Jugend-BahnCard 25 kostet regulär 7,90 Euro.
Der Grenzverkehr zwischen Italien und Österreich rückt vor der geplanten Brenner-Blockade in den Fokus. (Archivbild) - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn
Kurz vor der geplanten Brenner-Blockade bereitet der Betreiber der Brennerautobahn A22 in Italien auf die erwarteten Verkehrsbehinderungen vor.
Fahrten auf dem Abschnitt von Trient in Richtung Norden nach Österreich sollten auf das „unbedingt notwendige Minimum“ beschränkt werden, empfiehlt der Autobahnbetreiber auf seiner Webseite.
Am Samstag ist für Autos und Motorräder bereits ab 10:30 Uhr kein Durchkommen auf der Fahrt von Italien nach Österreich. Für Lastwagen gilt die Sperre bereits ab 7:00 Uhr. Von Österreich in Richtung Süden nach Italien gilt die Sperre wiederum von 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr. Für Lastwagen schon ab 9:00 Uhr.
Auf italienischer Seite ist der Abschnitt zwischen Brennerautobahn-Mautstelle bis zur Staatsgrenze betroffen. Allen, die am Samstag die Grenze überqueren müssen, empfiehlt der Betreiber, dies über den Grenzübergang Tarvis zu tun.
Touristen in Südtirol passen nach Angaben des Hoteliers- und Gastwirteverbands ihren Urlaub angesichts der Blockade an.
„Viele Gäste haben ihre Buchungen um einen Tag vor oder einen Tag nach hinten verschoben“, zitierte die Nachrichtenagentur „Ansa“ den Verbandspräsidenten Klaus Berger. Die Menschen versuchten, die Sperre am Samstag zu umgehen.
Wegen einer Demonstration wird der Brenner in Österreich am 30. Mai gesperrt. Damit ist die wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Alpen zeitweise unpassierbar.
Initiiert hat den Protest der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger. Grund ist die Verkehrsflut am Brenner.
Die 15.000 Bewohner des Wipptales, von denen viele in unmittelbarer Nähe von Autobahn und Bundesstraße leben, leiden unter Lärm, Feinstaub und vielen Beeinträchtigungen im täglichen Leben durch häufige Staus auf allen Strecken.
In dem achtstündigen Zeitraum passieren normalerweise Zehntausende Fahrzeuge den Brenner.
Die Blockade fällt etwa mitten in den Pfingstferien von Bayern und Baden-Württemberg sowie ans Ferienende in Sachsen-Anhalt. Die Polizei rechnet mit einer sehr schwierigen Situation auf den Straßen. (dpa/red)
Im Hintergrund steigt Rauch von einem Brand auf, der am 27. Mai 2026 in einem Supermarkt im Stadtteil Golders Green im Norden Londons ausgebrochen war. - Foto: Toby Shepheard/AFP via Getty Images
In einem koscheren Supermarkt im Londoner Stadtteil Golders Green ist am Mittwoch Medienberichten zufolge ein Feuer ausgebrochen.
Die Feuerwehr bestätigte einen Brand „in einem Geschäft im Erdgeschoss und in einem Lagerraum hinter dem Geschäft“, ohne nähere Angaben zu dem betroffenen Unternehmen zu machen.
Rund 100 Feuerwehrleute im Einsatz
Die Brandursache sei noch unklar, erklärte die Feuerwehr. Im jüdisch geprägten Nord-Londoner Stadtteil Golders Green hatte es zuletzt eine Reihe von Angriffen gegen jüdische Einrichtungen gegeben.
Der Feuerwehr zufolge waren rund 100 Brandschützer im Einsatz. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP vor Ort sah eine schwarze Rauchwolke über dem Brandort, der von der Polizei abgeriegelt war.
Mehreren Medienberichten zufolge handelt es sich um den Supermarkt „Kosher Kingdom“, der auf seiner Webseite als „der größte koschere Supermarkt in Europa“ bezeichnet wird und eine Fläche von rund 7.000 Quadratmetern haben soll. Demnach zählt er wöchentlich mehr als 9.500 Kunden.
Ende April waren im Stadtteil Golders Green bei einem Angriff zwei Männer mit einem Messer verletzt worden. Die Anti-Terror-Polizei übernahm die Ermittlungen. Am Tatort wurde ein 45 Jahre alter Mann festgenommen.
In den vergangenen Monaten wurde in London eine Serie von Angriffen auf jüdische und israelische Einrichtungen verübt, in den meisten Fällen handelte es sich um Brandanschläge oder versuchte Brandanschläge.
Nach Angaben der Organisation SITE Intelligence Group bekannte sich die pro-iranische Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (Hayi) zu fast allen Angriffen. (afp/red)
Washington, D.C., 16. Mai 2026 – Torsten Trey, Gründer und Geschäftsführer von Doctors Against Forced Organ Harvesting (DAFOH), (l.), Weldon Gilcrease, außerordentlicher Professor für Onkologie an der University of Utah School of Medicine und stellvertretender Direktor von DAFOH (M.), und Keith Wahrer, Filmregisseur und CEO von Dig Deep Film (r.). - Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times
In Kürze
Dokumentarfilm thematisiert Vorwürfe zu Organraub in China
Ärzte und Experten warnen vor Transplantationstourismus
Film fordert internationales Umdenken und Aufklärung
Eine erdrückende Gewissheit liegt im Raum: das große Tabuthema, das die Kommunistische Partei Chinas in ihrem Herrschaftsgebiet und weit darüber hinaus mit aller Macht zu unterdrücken versucht. Untersuchungen deuten auf ein Verbrechen erschreckenden Ausmaßes hin, dem Gewissensgefangene zum Opfer gefallen sein sollen – getötet, um mit ihren Organen massive Gewinne zu erzielen. Organraub in China ist ein Thema, das die Welt für zu schrecklich hält, um es wahrhaben zu wollen. Nun hofft ein neuer, investigativer Dokumentarfilm, einen Wendepunkt herbeizuführen und das unerträgliche Schweigen zu durchbrechen.
Wenn unschuldige Leben geopfert werden
Der Dokumentarfilm „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ (Lautlose Ernte: Der Mut, es auszusprechen), der am 16. Mai in einem angesehenen Club in Washington Premiere feierte, beleuchtet die sensible Thematik anhand medizinischer Datenanalysen sowie Interviews mit fast zwei Dutzend Medizinern, China-Analysten und Überlebenden der Verfolgung durch die Kommunistische Partei Chinas.
Heute, 20 Jahre nachdem dieses Thema erstmals in das öffentliche Bewusstsein trat, sei es an der Zeit, das Schweigen zu brechen, sagte Torsten Trey, Gründer und Direktor von Doctors Against Forced Organ Harvesting (DAFOH) (Ärzte gegen Organraub). In seinen Augen ist das Schweigen der „größte Komplize bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.
Weltweit stünden Patienten, so Trey, in der Versuchung, für eine schnelle Organtransplantation nach China zu reisen. Man müsse ihnen jedoch klarmachen, dass sie damit womöglich zur Tötung eines unschuldigen Menschen beitragen könnten – eine Belastung, die sie ein Leben lang begleiten könne.
„Ein Problem von enormem Ausmaß“
Zehn Jahre lang wurde an dem Film gearbeitet. Nun feiert er sein Debüt. Gleichzeitig rückt der 20. Jahrestag der Gründung von DAFOH näher. Im Jahr 2006 traten erstmals Whistleblower aus China an die Öffentlichkeit. Gegenüber der Epoch Times berichteten sie von der systematischen Tötung inhaftierter Falun-Gong-Praktizierender in unterirdischen Einrichtungen.
Als Dr. Trey damals erstmals davon hörte, reagierte er fassungslos und beinahe ungläubig. „Ich dachte, kein Arzt könnte so etwas tun. Das übersteigt die Vorstellungskraft“, sagte er der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Doch in den folgenden Monaten kamen immer mehr Informationen ans Licht. Im Mai 2006 reiste der damalige Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Edward McMillan-Scott, im Rahmen einer Untersuchungsmission nach Peking. Parallel dazu führten ein kanadischer Menschenrechtsanwalt und ein ehemaliger kanadischer Kabinettsminister gemeinsame Untersuchungen durch. Wenig später traf Dr. Trey in Boston zwei Ärzte aus China – und alles deutete auf dieselbe Schlussfolgerung hin.
Im Juli desselben Jahres stand für Dr. Trey fest: „Das ist echt.“
Auch Dr. Weldon Gilcrease, stellvertretender Direktor von DAFOH, beschrieb im Film einen ähnlichen Prozess. Anfangs habe er gehofft, beweisen zu können, dass die Vorwürfe nicht wahr seien.
„Doch wenn man sich intensiv mit den Beweisen und Daten beschäftigt – was für die meisten Menschen in der Medizin entscheidend ist – wird einem schnell bewusst, dass es sich um ein Problem enormen Ausmaßes handelt“, sagte er.
Torsten Trey, Gründer und Geschäftsführer von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht während der Premierevorstellung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.
Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times
Millionen Menschen in Gefahr
Die betroffenen Gemeinschaften zählen inzwischen viele Millionen Menschen. Falun Gong ist eine spirituelle Praxis, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht basiert. In den späten 1990er-Jahren praktizierten schätzungsweise 70 bis 100 Millionen Menschen in China Falun Gong. Zur gleichen Zeit begann das chinesische Regime mit der systematischen Verfolgung der Glaubensgemeinschaft.
Ein unabhängiges China-Tribunal in London kam 2019 zu dem Schluss, dass Falun-Gong-Praktizierende zu den Hauptopfern des mutmaßlichen Missbrauchs zählen. Seither sind weitere Vorwürfe hinzugekommen. Berichten zufolge sollen die Verbrechen auch auf Uiguren und andere verfolgte Minderheiten ausgeweitet worden sein.
Bei einer Anhörung im US-Kongress am 14. Mai sagte die aus China geflüchtete Uigurin Kalbinur Sidik aus. Sie hatte zuvor als Chinesischlehrerin in uigurischen Internierungslagern gearbeitet. Dabei sei ihr aufgefallen, dass gesunde Männer aus den Lagern in Xinjiang plötzlich verschwanden.
Sidik berichtete, den Inhaftierten sei wöchentlich Blut abgenommen worden. Zudem hätten sie Injektionen und weiße Pillen erhalten. Nach ihren Angaben hörte sie außerdem Gespräche zwischen einem Polizisten einer Spezialeinheit und dessen Fahrer über einen florierenden Halal-Organhandel – ein möglicher Hinweis auf Berichte über gezielte Organbeschaffung unter muslimischen Minderheiten für Empfänger in islamischen Ländern.
Das Schweigen durchbrechen
Es sei eine Lektion, dass „wenn man bei etwas so Schrecklichem nicht Stellung bezieht, man sehen wird, wie es auf andere Bevölkerungsgruppen übergreift“, sagte Gilcrease bei einer Podiumsdiskussion im Anschluss an die Filmpremiere.
Weldon Gilcrease, außerordentlicher Professor für Onkologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Utah und stellvertretender Direktor von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.
Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times
Die westliche medizinische Gemeinschaft habe – in der Hoffnung, China auf eine höhere ethische Ebene zu bringen – chinesische Ärzte ausgebildet und mit dem chinesischen medizinischen System interagiert, erklärte Gilcrease. Aber das chinesische Regime sei „ein fauler Apfel“, sagte er. Man glaubte: „Wenn man einen Haufen guter Äpfel und einen faulen Apfel hat, wird das den faulen Apfel gutmachen. Aber was man tatsächlich sieht, ist das Gegenteil.“
Filmregisseur Keith Wahrer, der an der Entstehung des Dokumentarfilms mitgewirkt hatte, erklärte, dass die Arbeit an dem Projekt „augenöffnend“ gewesen sei.
Wahrer meinte gegenüber der Epoch Times: „Es ist ernüchternd. Es ist etwas, worüber man nicht nachdenken möchte, aber es ist wichtig, darüber nachzudenken.“ Er fügte hinzu: „Es spornt mich an, mehr zu tun.“ Er habe „sehr wenig Macht“, fügte er hinzu, aber eine Sache, die er tun könne, sei, das Wort zu verbreiten und ein Licht auf das zu werfen, was passiert.
Die Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ fand am 16. Mai 2026 in Washington statt.
Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times
Horror und Betroffenheit im Publikum
Während der Premiere sah auch Dr. Gilcrease zum ersten Mal die endgültige Fassung des Dokumentarfilms. Im hinteren Teil sitzend, schloss er plötzlich die Augen. Kurz zuvor waren drei Fotos auf der Leinwand erschienen. Jedes von ihnen zeigte einen zu Tode gefolterten Falun-Gong-Praktizierenden – mit Blutergüssen und Narben auf dem Körper.
Dr. Gilcrease bemerkte, wie Zuschauer um ihn herum in diesem Moment „entsetzt zurückwichen“.
„Ich denke, das ist der Horror, von dem ich glaube, dass er die meisten von uns trifft, wenn man zum ersten Mal vom Organraub hört“, so der Mediziner.
Medizinische Fachkräfte im Publikum sagten, sie hofften, der Film werde seinen Weg in die breite Öffentlichkeit finden. „Mir war ganz flau im Magen“, sagte ein Augenarzt während der Podiumsdiskussion. Er bat die Filmcrew, eine kürzere Version des Dokumentarfilms zu erstellen und für den Oscar einzureichen. Er meinte, das Werk liege jenseits von allem, was er je gesehen habe.
Kathleen Leber, eine Dermatologin aus Tampa, stellte fest, dass in Amerika das aktuelle Bewusstseinsniveau für dieses Thema alles andere als ausreichend sei. Sie habe ihr ganzes Leben der Hilfe für andere Menschen gewidmet, erklärte sie der Epoch Times. Es habe ihr das Herz gebrochen, zu sehen, dass „solche Fähigkeiten für das Böse eingesetzt werden“.
„Es ist wirklich schwer, das überhaupt in Worte zu fassen, weil es eine derart gravierende Verletzung von Moral und Menschlichkeit darstellt“, sagte Leber.
Kathleen Leber, Dermatologin aus Tampa, Florida, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.
Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times
Es wird jemand ermordet: eine Mutter, ein Vater, ein Sohn
Die Philanthropin Rebecca Dunn sagte, das Thema Organraub sei kürzlich bei einem Gespräch mit einer Freundin zur Sprache gekommen, deren Ehemann auf eine Nierentransplantation wartete. „Du könntest in China eine andere Niere bekommen. Du könntest sie wahrscheinlich in zwei Wochen bekommen“, erinnerte sie sich, habe sie ihrer Freundin gesagt. Sie habe ihr jedoch auch gesagt, dass dies bedeuten könne, „jemanden zum Tode zu verurteilen – einen kerngesunden Menschen“. Der Gesichtsausdruck ihrer Freundin habe von völligem Schock gezeugt.
„Das ist es, was die Leute erkennen müssen, und das ist es, was dieser Film den Menschen zu sagen versucht: Wenn du diese Transplantation machst, wird jemand ermordet, damit du vielleicht dein Leben verlängern kannst.“
Sie sagte, sie wünsche sich, dass die Menschen „aufwachen und etwas fühlen“. Jedes entnommene Organ bedeute den Tod des geliebten Menschen eines anderen – einer Mutter, eines Vaters, einer Tochter, eines Sohnes, eines Bruders oder einer Schwester, sagte sie.
Rebecca Dunn, Philanthropin und Treuhänderin der Dunn Foundation, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.
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„Die dystopische Zukunft ist jetzt“
Der Filmemacher und Menschenrechtsaktivist Jason Jones sagte, er habe Exemplare des sich mit der Thematik befassenden Buches „Killed to Order“ (Auf Bestellung getötet) von Jan Jekielek, einem leitenden Redakteur der Epoch Times, an jeden Bischof in den Vereinigten Staaten geschickt.
„Dies ist das große Geheimnis, das die KPCh hat. Ihre Verbrechen sind so ungeheuerlich, dass sie schlicht unfassbar sind“, sagte Jones der Epoch Times. Er bot zudem an, Vorführungen des Films in den Diözesen zu organisieren. „Wir denken, solche Dinge seien nur in der Vergangenheit geschehen oder in einer dystopischen Zukunft, die sich wiederholen könnte, aber heute wird das niemals passieren“, sagte er. Doch: „Die dystopische Zukunft ist jetzt, und die schreckliche Vergangenheit ist jetzt.“
Jason Jones, amerikanischer Filmproduzent und Menschenrechtsaktivist, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.
Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times
Auch Rebecca Dunn denkt darüber nach, konkrete Maßnahmen zu ergreifen.
„Wenn man bedenkt, dass jeder, der diesen Film sieht, nur eine Sache tun könnte und diese eine Sache ein Leben retten könnte, dann ist das schon ziemlich tiefgründig“, sagte sie. Diese „eine Sache“ könne darin bestehen, einen Senator oder Abgeordneten anzuschreiben oder das Thema im Gespräch mit Freunden weiterzugeben.
„Ich möchte mehr als eine Person retten“, sagte sie, „also möchte ich viel mehr als das tun“. Sie erklärte, sie wolle das Thema in ihrer Gemeinschaft stärker bekannt machen und „mit vielen Menschen sprechen“.
Ein zwei Meter großer und 200 kg schwerer weiblicher Delfin schwimmt am 24. April 2026 in der Bucht von Saint-Jean-de-Luz im Südwesten Frankreichs zwischen Badegästen in Strandnähe. - Foto: Gaizka Iroz/AFP via Getty Images
Während hochsommerliche Temperaturen in weiten Teilen Europas die Menschen in Scharen an die Strände locken, erregt ein neugieriger Delfin im französischen Baskenland große Aufmerksamkeit bei Einheimischen und Touristen.
Das über zwei Meter lange Delfin-Weibchen hält sich seit Mitte Oktober in der Badebucht von Saint-Jean-de-Luz auf und sucht regelmäßig die Nähe zu Schwimmern und Stand-up-Paddlern.
Während diese von der ungewöhnlichen Zutraulichkeit des Tieres fasziniert sind, sorgen sich Tierschützer um dessen Wohlergehen.
Meeresforscherin warnt
„Das Verhalten vieler Menschen ist leider problematisch. Es kommt immer wieder zu Ansammlungen, bei denen der Delfin umzingelt wird“, berichtet die Meeresforscherin und städtische Umweltbeauftragte Pascale Fossecave. Dies könne zu gefährlichen Situationen führen.
Das größte Problem bestehe darin, dass das Tier sich an den Umgang mit Menschen gewöhne und seine Fluchtreflexe verliere, etwa mit Blick auf Boote und Jetskis. Deshalb solle der Delfin nicht zur Interaktion ermutigt werden, selbst wenn er sich von selbst nähere.
Tatsächlich kommt dies häufig vor: Zahlreiche im Internet verbreitete Fotos und Videos zeigen, wie der Delfin sich in aller Ruhe zwischen Schwimmern bewegt oder den Rand eines Stand-up-Paddleboards streift.
„Erstaunlich, bewegend, verrückt“, schreibt eine Besucherin auf Instagram: „Auf Korsika haben wir einen Tag auf dem Boot verbracht, um Delfine zu sehen, und hier kommen sie direkt zu uns geschwommen, als wollten sie ‚Guten Tag‘ sagen“, kommentiert sie unter einem Video, auf dem sich das Tier inmitten von Badegästen tummelt.
Der zwei Meter große und 200 kg schwere weibliche Delfin schwimmt am 24. April 2026 im Südwesten Frankreichs zwischen Badegästen.
Foto: Gaizka Iroz/AFP via Getty Images
Wie „Flipper“
Bei dem gut 200 Kilo schweren Tier handelt es sich um ein Weibchen der Art Großer Tümmler, die einst durch die Fernsehserie „Flipper“ bekannt wurde. Die Form ihres Mauls verleiht ihnen einen lächelnden Ausdruck.
Lange Zeit wurden Große Tümmler in Freizeitparks gehalten, bis diese wegen nicht artgerechter Haltung in die Kritik gerieten und an vielen Orten schließen mussten.
In Frankreich ist das Halten von Walen und Delfinen seit Jahresanfang verboten. Die beiden letzten Orcas Wikie und Keijo aus dem ehemaligen „Marineland“ in Antibes sollen im Juni in einen Freizeitpark nach Teneriffa gebracht werden – was heftige Kritik von Tierschützern ausgelöst hat.
Das Delfinweibchen von Saint-Jean-de-Luz ist nach Einschätzung von Experten sechs bis acht Jahre alt und damit noch nicht ausgewachsen. Warum das Tier sich allein in der Bucht aufhält, ist bislang unklar. Große Tümmler leben üblicherweise in sozialen Verbänden von bis zu 15 Tieren, die Schulen genannt werden.
Möglicherweise sei das junge Weibchen aus seiner Gruppe ausgeschlossen worden, glaubt Ozean-Forscherin Fossecave. Sie schließt aus, dass der Delfin sich verirrt haben könne. „Die Tiere verirren sich nicht, sie können über eine Entfernung von 20 Kilometern miteinander kommunizieren“, erklärt sie.
Der Delfin kommt von selbst
Die Stadtverwaltung von Saint-Jean-de-Luz hat inzwischen Hinweisschilder am Strand aufgestellt und ruft Badegäste zur Zurückhaltung auf.
„Auch wenn das Tier sich von allein nähert, bleibt es ein Wildtier“, heißt es dort. „Wiederholte Interaktion mit Menschen kann sein natürliches Verhalten stören und seine Überlebensfähigkeit gefährden“, mahnen die Behörden.
Konkret ist es verboten, sich dem Tier auf weniger als 100 Meter zu nähern, mit ihm zu schwimmen, es einzukreisen, es anzufassen, zu füttern oder ihm mit einem Boot den Weg abzuschneiden. Wer sich nicht daran hält, dem droht eine Geldstrafe in Höhe von 750 Euro.
Fossecave hofft, dass das Tier die Bucht irgendwann von selbst verlässt. Idealerweise sollte das noch vor den Sommerferien gelingen, denn dann wird der breite Sandstrand von Saint-Jean-de-Luz täglich von tausenden Urlaubern bevölkert werden. (afp/red)
Börsengewinne haben die Vermögen kräftig steigen lassen - Reiche profitieren besonders. (Symbolbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
Rund 5.000 Superreiche besitzen nach Berechnungen der Unternehmensberatung BCG mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland.
Demnach ist die Zahl der Menschen in Deutschland, die mehr als 100 Millionen Dollar (rund 86 Mio. Euro) besitzen, 2025 um rund 1.100 gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Ihnen gehören 27,3 Prozent des Finanzvermögens von 12,4 Billionen Dollar, also knapp 3,4 Billionen, wie die 26. Ausgabe des „Global Wealth Report“ der Boston Consutling Group zeigt.
Laut BCG profitierten Superreiche im vergangenen Jahr vor allem von Gewinnen an den Aktienmärkten. Bis 2030 werde ihr Anteil am deutschen Finanzvermögen auf 29 Prozent steigen, prognostiziert die Unternehmensberatung.
„Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu – wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren“, sagte Michael Kahlich, BCG-Partner in Zürich und Co-Autor der Studie.
700.000 Multimillionäre
Den Superreichen gegenüber stehen rund 66 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Finanzvermögen von unter 250.000 Dollar.
Dieser großen Mehrheit gehört ein Drittel (35,9 Prozent) des Finanzvermögens. Dazwischen: rund 3,2 Millionen Menschen mit einem Vermögen zwischen einer Viertelmillion und einer Million Dollar, auf die 11,3 Prozent entfällt.
Mehr als 700.000 Multimillionäre halten zusammen mit den rund 5.000 Superreichen über die Hälfte (52,8 Prozent) des Finanzvermögens.
BCG analysiert jährlich die weltweite Entwicklung privater Vermögen. Die Studie umfasst 97 Märkte, auf die 98 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung entfallen, und berücksichtigt Daten von mehr als 100 Banken und Vermögensverwaltern.
Zum Finanzvermögen zählen Bargeld, Kontoguthaben, Aktien, Anleihen, Lebensversicherungen, Fonds und Pensionen. Zudem werden Sachwerte wie Immobilien und Edelmetalle sowie Verbindlichkeiten betrachtet.
Scheu vor Aktien bremst Vermögensaufbau
Das Nettovermögen der Deutschen stieg 2025 laut Studie um rund 15 Prozent auf 23,3 Billionen Dollar. Dabei legten die Finanzvermögen dank starker Börsen um fast 18 Prozent zu. Sachwerte – vor allem Immobilien – wuchsen auf 13,4 Billionen Dollar und machten mehr als die Hälfte der Vermögen aus. Die Schulden stiegen leicht auf 2,5 Billionen Dollar.
„Die Deutschen bleiben vorsichtige Anleger. Einlagen und Bargeld dominieren weiterhin die Vermögensstruktur privater Haushalte. Gleichzeitig sehen wir, dass ETFs, Aktien und kapitalmarktorientierte Anlagen stetig an Bedeutung gewinnen“, sagt Kahlich.
Die schwächelnde Wirtschaft, die alternde Bevölkerung und die relativ schwache Aktienkultur dämpften den Vermögensaufbau.
Weltweit legten die Nettovermögen laut BCG 2025 kräftig zu, um gut 9 Prozent auf 550 Billionen Dollar.
Dabei stiegen besonders die Finanzvermögen 2025 um fast 11 Prozent – das stärkste Plus seit 2021. Im globalen Vergleich liegen die USA mit 147 Billionen Dollar Finanzvermögen unangefochten vorn. Es folgen China (41,5 Billionen), Japan (15,6) und Deutschland (12,4). (dpa/red)
EU lockert Gentechnik-Regeln: Fortschritt oder Angriff auf die Wahlfreiheit? Foto iStock AlexRaths
In Kürze:
Entscheidung im Juni erwartet: Die EU will Pflanzen aus neuen Genomtechniken künftig teilweise wie konventionelle Züchtungen behandeln.
Für viele dieser Pflanzen könnte die bisherige Kennzeichnungspflicht im Supermarkt entfallen.
Kritiker warnen vor weniger Transparenz für Verbraucher; Befürworter hoffen auf klimaresistentere und robustere Nutzpflanzen.
Die Europäische Union steht vor der größten Reform ihres Gentechnikrechts seit mehr als 20 Jahren. Pflanzen aus neuen Genomtechniken wie CRISPR/Cas sollen künftig teilweise nicht mehr als Gentechnik gekennzeichnet werden müssen. Befürworter aus Politik und Industrie versprechen klimaresistentere Pflanzen, weniger Pestizide und höhere Erträge. Die EU selbst – vertreten durch Maria Panayiotou – wirbt vor der Verabschiedung mit den Worten: „Unsere Landwirte brauchen praktische Lösungen, um sich an den Klimawandel anpassen zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Die neuen Vorschriften gäben ihnen Zugang zu Innovationen.
Kritiker warnen dagegen vor einem Verlust an Transparenz, wachsender Konzernmacht und unkalkulierbaren Folgen für Landwirtschaft und Umwelt. Am Ende dieser Nahrungskette steht der Verbraucher. Für ihn stellt sich eine einfache Frage: Was bedeutet das künftig konkret auf dem Teller?
Bald Realität? Die Lockerung der Gentechnik-Regeln in der EU
Die Entscheidung könnte Europas Lebensmittelmarkt grundlegend verändern. Nach jahrelangen Verhandlungen steht die Europäische Union kurz davor, ihre bisherigen Gentechnikregeln deutlich zu lockern. Im Zentrum steht eine neue Verordnung zu sogenannten „Neuen Genomtechniken“ (NGT).
Gemeint sind Verfahren wie CRISPR/Cas, mit denen sich DNA gezielt verändern lässt. Der Kern der Verordnung: Pflanzen, die mithilfe neuer genomischer Verfahren verändert wurden und kein fremdes Erbgut enthalten, sollen künftig weitgehend herkömmlichen Pflanzen gleichgestellt werden.
Ein zentraler Unterschied zur klassischen Gentechnik liegt darin, wie stark in das Erbgut eingegriffen wird. Bei herkömmlicher Gentechnik werden häufig Gene anderer Arten in eine Pflanze eingebaut – etwa ein Bakteriengen in Mais. Verfahren wie CRISPR/Cas arbeiten dagegen meist präziser: Vorhandene DNA wird gezielt verändert, entfernt oder „umgeschrieben“, ohne zwingend fremdes Erbgut einzusetzen.
Seit Jahrzehnten in Arbeit
Der bisherige Rechtsrahmen stammt im Wesentlichen aus dem Jahr 2001. Seitdem gelten in der EU strenge Regeln für gentechnisch veränderte Organismen: umfassende Risikoprüfungen, Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette und eine verpflichtende Kennzeichnung im Supermarkt. Genau diese Vorgaben sollen nun teilweise entfallen.
Die EU-Kommission hatte ihren Reformvorschlag bereits 2023 vorgelegt. Im April 2024 verabschiedete das Europäische Parlament seine erste Position. Ende 2025 erzielten Parlament, EU-Kommission und Mitgliedstaaten im sogenannten Trilog eine politische Einigung. Der Rat der EU-Mitgliedstaaten nahm die Verordnung am 21. April 2026 formal an.
Damit fehlt im Wesentlichen nur noch die endgültige Zustimmung des Europäischen Parlaments. Nach aktuellem Stand wird die Schlussabstimmung für Juni 2026 erwartet. Stimmt das Parlament zu, könnte die neue Verordnung ab etwa 2028 gelten.
Und das, obwohl sich viele Verbraucher weiterhin eine klare Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte wünschen. Selbst unter Befürwortern der Gentechnik gibt es laut der Initiative Save Our Seeds breite Unterstützung für transparente Kennzeichnungspflichten. Auch in Deutschland zeigen Umfragen von Organisationen wie Foodwatch, dass viele Menschen Gentechnik in Lebensmitteln kritisch sehen – ebenso den Einsatz auf Feldern oder in der Tierhaltung. Statt Lockerungen wünschen sich viele strengere Sicherheits- und Risikoprüfungen sowie eine eindeutige Kennzeichnung. Für den Verbraucherzentrale Bundesverband ist genau diese Transparenz die Grundlage für Wahlfreiheit und Vertrauen der Verbraucher.
Das neue Zwei-Klassen-System
Die Reform teilt gentechnisch veränderte Pflanzen künftig in zwei Gruppen ein. Dabei geht es um sogenannte GVO – also „gentechnisch veränderte Organismen“. Gemeint sind Pflanzen, deren Erbgut gezielt im Labor verändert wurde. Bislang galten in der EU für solche Pflanzen strenge Regeln: Sicherheitsprüfungen, Zulassungsverfahren, Rückverfolgbarkeit und eine verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln. Genau das soll sich nun ändern.
Künftig will die EU zwischen zwei Arten moderner Gentechnik unterscheiden. Zur ersten Gruppe, „NGT-1“, sollen Pflanzen gehören, deren Erbgut gezielt verändert wurde, ohne fremde Gene anderer Arten einzubauen. Die EU argumentiert: Solche Veränderungen könnten theoretisch auch durch natürliche Mutationen oder klassische Pflanzenzüchtung entstehen – allerdings deutlich langsamer und ungezielter.
Deshalb sollen für diese NGT-1-Pflanzen viele der bisherigen Gentechnikregeln wegfallen. Besonders umstritten ist dabei die Kennzeichnung: Lebensmittel aus solchen Pflanzen müssten nach den aktuellen Plänen künftig nicht mehr im Supermarkt als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden.
Verbraucher könnten dann häufig nicht mehr direkt auf der Verpackung erkennen, ob etwa Tomaten, Kartoffeln oder Weizen mithilfe moderner Geneditierungsverfahren wie CRISPR/Cas verändert wurden. Informationen dazu sollen stattdessen nur noch in Saatgutregistern, Datenbanken oder Sortenkatalogen verfügbar sein.
Anders wäre es bei der zweiten Gruppe, den sogenannten „NGT-2“-Pflanzen. Dabei handelt es sich um weitergehende genetische Veränderungen. Für sie würden die bisherigen strengen Gentechnikregeln weiterhin gelten – einschließlich Risikoprüfung, Zulassungsverfahren und Kennzeichnungspflicht.
Wird das Steak gekennzeichnet, wenn das Rind Genfutter bekommt?
Die Reform betrifft zunächst ausschließlich Pflanzen. Diskutiert werden unter anderem pilzresistente Kartoffeln, trockenheitsresistenter Weizen, klimaresistente Tomaten oder Olivenbäume, die besser gegen Krankheiten geschützt sind. Doch auch wenn die geplante Reform vordergründig nur Pflanzen betrifft, könnte sie indirekt Folgen für Fleisch, Milch, Eier und Käse haben.
Denn in der Europäischen Union müssen tierische Produkte bislang grundsätzlich nicht gekennzeichnet werden, wenn die Tiere mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden. Ein Huhn kann etwa gentechnisch verändertes Soja fressen, ohne dass dies später auf dem Ei oder dem Fleisch angegeben werden muss. Genau daran würde sich durch die neue Reform voraussichtlich nichts ändern.
Kritiker befürchten nun: Wenn künftig mehr geneditierte Pflanzen ohne Kennzeichnung angebaut oder importiert werden dürfen, könnten solche Futtermittel leichter in die Lieferketten gelangen. Für Verbraucher wäre dann kaum noch nachvollziehbar, ob Tiere mit geneditierter Nahrung gefüttert wurden. Befürworter halten dagegen, dass Produkte von Tieren nicht automatisch „veränderte Gene“ enthielten. DNA aus Futtermitteln werde im Verdauungssystem weitgehend zerlegt.
Die eigentliche Debatte dreht sich deshalb weniger um akute Gesundheitsgefahren als um Transparenz, Wahlfreiheit und die Frage, welche Form der Landwirtschaft Verbraucher künftig unterstützen wollen.
Die EU-Kommission begründet die Reform vor allem mit Klimawandel und Ernährungssicherheit. Neue Genomtechniken könnten helfen, Pflanzen schneller an Dürren, Krankheiten und Extremwetter anzupassen. Gleichzeitig solle der Einsatz von Pestiziden sinken. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit erklärte bereits früh, dass neue Genomtechniken zu nachhaltigeren Lebensmittelsystemen beitragen könnten.
Was Verbraucher künftig nicht mehr sehen könnten
Mit der neuen Regelung könnte der Begriff „Gentechnik“ faktisch weitgehend aus dem Supermarkt verschwinden. Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik kritisiert, Verbraucher könnten gentechnikfreie Produkte künftig „praktisch nur noch über freiwillige Siegel erkennen“.
Als Orientierung blieben dann oft nur noch Bio-Siegel oder freiwillige Kennzeichnungen wie „Ohne Gentechnik“. Genau darin sehen Kritiker die konkrete Folge der Reform: Wer gentechnisch veränderte Lebensmittel bewusst vermeiden möchte, könnte das künftig deutlich schwerer tun.
Kritiker warnen vor weniger Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit bei Gen-Gemüse.
Foto: iStock gorodenkoff
Wem nützt die Reform? Die Macht der Saatgutkonzerne wächst
Der globale Saatgutmarkt ist stark konzentriert. Wenige Großunternehmen kontrollieren einen erheblichen Teil des weltweiten kommerziellen Saatgutgeschäfts. Zu den dominierenden Akteuren zählen Bayer, Corteva und Syngenta.
Das Geschäftsmodell ist milliardenschwer. Patente auf bestimmte Genveränderungen ermöglichen Lizenzgebühren und langfristige Kontrolle über Saatgut. Gegner der Gentechnik-Deregulierung – darunter auch die Initiative Save Our Seeds – warnen davor, dass das geplante Gesetz zu einer weiteren Ausbreitung patentierten Saatguts führen könnte. Dadurch könnte der Einfluss weniger großer Saatgutkonzerne auf Landwirte und kleinere Züchter weiter wachsen.
Auch die Initiative Ohne Gentechnik kritisiert mögliche Folgen für Landwirtschaft und Umwelt. Sie argumentiert, dass die Patentierung gentechnisch veränderter Pflanzen und das Verbot, Teile der Ernte als Saatgut für das nächste Jahr wiederzuverwenden, Landwirte zunehmend abhängig von großen Agrarkonzernen mache. Verstärkt werde dies zusätzlich dadurch, dass häufig auch passende Herbizide desselben Herstellers eingesetzt würden. Zudem betonen Kritiker, gesundheitliche Risiken ließen sich langfristig nicht vollständig ausschließen.
Sind genveränderte Lebensmittel gesundheitsschädlich?
Laut der Weltgesundheitsorganisation haben alle derzeit zugelassenen gentechnisch veränderten Lebensmittel die vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen bestanden. Bislang gebe es keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass sie grundsätzlich gesundheitsschädlicher seien als konventionelle Lebensmittel.
Doch die Debatte dreht sich längst nicht mehr nur um gesundheitliche Risiken oder die Frage, was Menschen essen möchten. Kritiker sehen vielmehr Themen wie Profite, Kontrolle und Transparenz im Mittelpunkt.
Damit wird die EU-Reform am Ende zu einer Grundsatzfrage: Wie viel Transparenz schuldet der Staat seinen Verbrauchern – und wer entscheidet künftig darüber, was noch als „natürlich“ gilt?