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Warten Sie nicht mit dem Vergeben: Der beste Zeitpunkt ist jetzt


In Kürze:

• Wer mit der Vergebung wartet, macht sich den ersten Schritt mit jedem Tag schwerer.
• Selbstmitleid fühlt sich zwar kurzfristig leichter an als Vergebung, trübt aber den klaren Blick.
• Kinder beobachten genau, wie ihre Eltern mit Konflikten umgehen.
• Jeder Akt der Vergebung erleichtert den nächsten.

 
Es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, eine Beziehung könnte wiederhergestellt werden, aber meine Gefühle sind zu verletzt, um den ersten Schritt zu tun.
Wir alle befinden uns hin und wieder in dieser Lage. Manchmal geraten wir in emotionale Konflikte oder fühlen uns von Freunden oder Familienmitgliedern verletzt – das alles gehört zum Menschsein.
Ich habe kürzlich zwei solche Situationen in meiner eigenen Familie erlebt, und ich wusste in beiden Fällen, dass ich den Beteiligten verzeihen würde. Für mich war es keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“. Und ich glaube, genau darin liegt die Herausforderung, den ersten Schritt zu machen. Ich verspürte keine Dringlichkeit, die Dinge schnell wieder in Ordnung zu bringen, und genoss mein Selbstmitleid auf die verdrehte Art, wie wir Menschen das eben so tun.
Selbstmitleid muss uns in irgendeiner Weise nützen – zumindest kurzfristig –, sonst würden wir uns nicht immer wieder darin suhlen. Vielleicht fühlt es sich gut an, weil es uns als ein emotionaler Schutzschild dient. Er ermöglicht es uns, uns zurückzuziehen, uns im Recht zu sehen oder empört darüber zu sein, dass wir uns von anderen ungerecht behandelt fühlen.
Wenn wir uns im Zustand des Selbstmitleids befinden, glauben die wenigsten, dass sie dann besonders klar denken können. Aber es fühlt sich einfacher an als Vergebung, und wie Wasser folgen unsere Handlungen meist dem Weg des geringsten Widerstands.
Der erste Schritt ist entscheidend – und umso schwieriger, je länger man wartet. Foto: Dima Berlin/iStock

Der erste Schritt ist entscheidend – und fällt umso schwerer, je länger das Schweigen dauert.

Foto: Dima Berlin/iStock

Warum wir mit der Vergebung nicht warten sollten

Je länger man wartet, desto schwieriger wird der erste Schritt. Mir ist aufgefallen, dass der ursprüngliche Grund für die Verärgerung mit der Zeit in Vergessenheit gerät. Konkrete Probleme werden dann durch vage Gefühle von Kälte und Ärger ersetzt. Diese sind tatsächlich schwerer zu überwinden, weil sie weitaus stärker emotional aufgeladen sind.
Jeder Tag des Schweigens hinterlässt eine kleine Narbe. Es ist, als würde man sich auf die Innenseite der Wange beißen. Die Stelle schwillt ein wenig an und ist dann anfälliger dafür, immer wieder gebissen zu werden. Ich glaube, etwas Ähnliches passiert, wenn wir Vergebung zurückhalten. Lässt man einen Konflikt ein oder zwei Tage schwelen, sind es beim nächsten Mal vielleicht schon zwei oder drei Tage. Und die Emotionen vertiefen sich.
Wenn man sich bereits entschlossen hat zu vergeben, zögert man durch das Warten nur das Gute hinaus. So viel von unserem Leid rührt von Dingen her, von denen wir zwar wissen, dass wir sie irgendwann tun werden. Aber stattdessen entscheiden wir uns zunächst dafür, in Selbstmitleid zu schwelgen oder die Sache aufzuschieben. Ich wünschte, ich hätte eine einfache Lösung, wie man diesen emotionalen Zustand überwinden kann. Mein einziger Rat ist, sich gelegentlich vor Augen zu führen, wie albern das eigentlich ist.
Sich vor jedem Handeln erst bereit fühlen zu wollen, ist eine Angewohnheit, die sich nur schwer ablegen lässt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie oft ich viel zu lange im Planungsmodus verharrt habe. In der Regel folgen positive Gefühle auf gesunde Handlungen – und nicht umgekehrt.

Machen Sie den ersten Schritt!

Ihre Kinder beobachten, wie Sie mit Konflikten umgehen, und saugen Lektionen wie Schwämme auf. Wenn Sie Kinder oder Enkelkinder um sich herum haben, unterschätzen Sie nicht, wie viel sie von Ihnen aufnehmen. Es geht nicht nur um Ihre Worte und Taten, sondern auch um Ihre Einstellungen und Werte. Als ich vor ein paar Wochen Schwierigkeiten hatte, einem meiner Kinder zu vergeben, fragte dieses Kind meine Frau: „Ist Papa immer noch sauer auf mich?“ Das brach mir das Herz und machte mir klar, dass ich meinen Kindern ein großartiges Vermächtnis hinterlassen möchte, statt ihnen zu zeigen, wie man an Verletzungen festhält.
Den ersten Schritt zu machen, ist das Einzige, was Sie kontrollieren können. Es gibt so vieles im Leben, was wir nicht kontrollieren können. Das Verhalten anderer Menschen gehört sicherlich dazu. Die Lösung besteht darin, mit gutem Beispiel voranzugehen.
Jeder Tag in einer festgefahrenen Situation ist ein weiterer Tag, der nie zurückkommt. Je älter ich werde – vor allem, seit ich fünf Kinder habe –, desto stärker spüre ich, wie schnell die Zeit vergeht. Wie viele gemütliche Wochenenden zu Hause mit meiner ganzen Familie unter einem Dach werde ich noch verbringen können, wenn alle bei guter Gesundheit sind? Weit weniger, als ich mir wünschen würde. Es wäre eine Tragödie, auch nur eines davon zu verschwenden.
Wenn Sie sich entscheiden, sofort zu vergeben, machen Sie sich selbst das größte Geschenk. Jeder Akt der Vergebung schafft eine Grundlage, die die nächste Entscheidung erleichtert. Ich nenne das eine Aufwärtsspirale. Es ist, als würde man in die Richtung, in die man gehen möchte, nach oben fallen. Jede positive Entscheidung gibt einem einen kleinen Motivationsschub, um eine weitere und noch eine zu treffen. Der beste Zeitpunkt, um damit anzufangen, ist jetzt.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Don’t Wait to Forgive“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Wenn Verliebtsein nicht mehr ausreicht – Diskussion über die Ehe

Im Jahr 2024 gab es laut Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland 349.200 Eheschließungen. Dies ist der letzte Stand der Erhebung. Die Heiratszahlen befinden sich damit auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik im Jahr 1950, als sich noch 750.452 Paare das Ja-Wort gaben. Im Jahr 2024 ließen sich zudem 129.300 Ehepaare scheiden. Ehen halten hierzulande im Durchschnitt 14 Jahre und 7 Monate.
Außerdem leben in Deutschland rund 17 Millionen als Singles. Das ist umgerechnet jede fünfte Person. Dieser Trend sei in den vergangenen 20 Jahren signifikant gestiegen, erklärte das Destatis. Im Jahr 2004 lebten 14 Millionen Menschen allein.

„Nieder mit dem Patriarchat“

Vor diesem Hintergrund ist es an sich nicht verwunderlich, dass für die Ehe die Sinnfrage gestellt wird.
Doch den Berliner Jungsozialisten der SPD geht es nicht um gesellschaftliche Trends. Sie forderten vielmehr auf dem SPD-Landesparteitag Anfang Mai in der kämpferischen Art des vergangenen Jahrhunderts ein Ende des „Patriarchats“. Wörtlich lautete der Juso-Antrag Nr. 108/II/2025 auf Seite 194 des Antragsbuches: „Nieder mit dem Patriarchat, auch wenn es sich romantisch anfühlt: Zivilehe abschaffen, Verantwortungsgemeinschaften umsetzen.“
Um es vorwegzunehmen: Das Juso-Ansinnen wurde auf Empfehlung der Antragskommission von der Tagesordnung genommen und auf das Jahr 2027 vertagt. Denn parteiintern stieß der Vorstoß der Jusos auf Kritik. Möglicherweise war den Genossen das Thema kurz vor der Berliner Landtagswahl zu heikel. Berlin wählt am 20. September 2026 ein neues Abgeordnetenhaus sowie Bezirksverordnetenversammlungen.
Und so äußerte denn auch der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach gegenüber dem „Tagesspiegel“: „Die Idee kenne ich noch aus meinen eigenen Juso-Zeiten. Schon damals hatte ich dazu eine andere Haltung als die Jusos. Ich war sehr für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, aber sie abzuschaffen, ist nicht mein Thema. Ich bin sehr gern verheiratet und das war die beste Entscheidung“, wird vom Medium zitiert.
Das Thema steht aber im kommenden Jahr erneut zur Debatte und auch mindestens eine Forderung der Jusos – Abschaffung des Ehegattensplittings – wurde von der SPD-Parteispitze als ernsthaftes Vorhaben für die Bundespolitik aufgegriffen. Daher sei dem „Patriarchats“-Papier der Jungsozialisten eine nähere Betrachtung gegönnt.

Worum es geht

„Das Patriarchat ist eines der Kernunterdrückungssysteme unserer Gesellschaft“, beginnt der Juso-Antrag. „Um die Unterdrückung von Frauen durch Cis-Männer abzusichern, haben sich über Jahrtausende Institutionen entwickelt, die systematische Machtgefälle in die gelebte Praxis umsetzen und normalisieren“, heißt es weiter. Unter Cis-Männern wird im Gegensatz zu Trans-Männern ein Mann verstanden, der sich selbst aufgrund seines angeborenen Geschlechts als Mann versteht.
Eine der Institutionen, in der die Frau unterdrückt werde, sei die Ehe, so der Wortlaut des Antrags weiter. Die Ehe sehen die Jusos weiterhin als Machtinstrument des Staates, „um durch das Zeugen von Kindern […] verlässlich neue Arbeitskräfte durch die Arbeiter*innenklasse selbst sicherzustellen“.
Hieraus hätten sich „viele Privilegien für Verheiratete“ ergeben, „die sich heute beispielsweise mit dem Ehegattensplitting noch in Steuervergünstigungen niederschlagen“. Diese steuerliche Besserstellung von Ehepaaren soll entfallen, da sie nach Juso-Ansicht Frauen in die finanzielle Abhängigkeit treibe.

„Unter dem Vorwand des Verliebtseins“

Als weiterer historisch gewachsener Grund gegen die Ehe wird angeführt: „Unter dem Vorwand des Verliebtseins wurde verschleiert, dass Frauen, die heirateten, viele ihrer Selbstbestimmungsrechte mit aufgaben. Sie durften lange ohne Zustimmung des Ehemannes keine Arbeit aufnehmen, kein Bankkonto eröffnen.“
Frauen seien zudem „oft Gewalt und Missbrauch schutzlos ausgesetzt“. So sei „Vergewaltigung in der Ehe erst 1997 strafbar gemacht“ worden. „Die Institution der Ehe hat eine jahrtausendelange Geschichte der Unterdrückung der Frau“, geben sich die Jungsozialisten überzeugt.

Grundgesetzänderung nötig

Deshalb schlagen sie ein neues Modell des Zusammenlebens vor. Menschen sollen unabhängig von Geschlecht, Verwandtschaftsgrad oder Anzahl der Beteiligten rechtlich verbindlich Verantwortung füreinander übernehmen, und zwar in sogenannten „Verantwortungsgemeinschaften“.
Themen wie Erbrecht, Fürsorge und Aufenthaltsrechte sollen in der Verantwortungsgemeinschaft selbst geregelt werden. Weil das Grundgesetz in Artikel 6 jedoch der Ehe und Familie einen besonderen Schutz gewährt, fordern die Jusos eine Streichung des Absatzes 1. Bestehenden Ehen räumen die Jungsozialisten indes so etwas wie einen Bestandsschutz während einer „Übergangsphase“ ein.

Digitale Kommunikation bevorzugt?

Die Geschäftsführerin einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in den USA, die sich der Förderung von wirtschaftlich benachteiligten Familien verschrieben hat, zitiert in einem Onlinebeitrag das US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center. Dieses sei im Jahr 2025 zu dem Schluss gekommen, dass die Generation Z im Alter von 18 bis 29 Jahren von allen bisherigen Generationen jene sei, die am wenigsten geneigt sei, „romantische Partnerschaften zu suchen oder einzugehen“, schreibt Lauren Hall.
In dem Beitrag wird außerdem die Psychologin Jean Twenge zitiert, die als mögliche Gründe für dieses Verhalten auf die zunehmende Abhängigkeit von Smartphones und sozialen Medien verweist. Diese würden die persönlichen Interaktionen für viele beängstigend oder sogar überflüssig machen. Digitale Kommunikation hingegen biete eine sicherere, kontrollierte Umgebung, die junge Erwachsene vor der Verletzlichkeit schütze, die mit traditionellen Liebesbeziehungen einhergehe, so die Psychologin.
Auch wirtschaftliche Faktoren spielten eine bedeutende Rolle. Die Anthropologin Helen Fisher wird in dem Beitrag mit der Ansicht zitiert, dass finanzielle Unsicherheit ein abschreckender Faktor für Beziehungen sei. Angesichts eines unsicheren Arbeitsmarkts legen Angehörige der Generation Z Wert auf finanzielle und persönliche Stabilität, bevor sie sich auf eine Beziehung einlassen, so die Anthropologin.

Was Ehe heute wertvoll macht

Die Ehe ist zwar nicht veraltet geworden, aber es ist offenkundig, dass sich ihr Charakter in den vergangenen Jahrzehnten in der gesamten westlichen Welt stark verändert hat.
Sie hat zunehmend eine symbolische Bedeutung gewonnen; sie ist das, was die Jusos kritisieren: eine Institution der Liebe und emotionalen Verbindlichkeit. Auch wenn die Eheschließungen zurückgehen – was auch mit dem Bevölkerungsschwund zu tun hat – bleibt das offizielle Ja-Wort unter Zeugen für zwei Verliebte weiterhin populär.
Denn die vermeintliche finanzielle Abhängigkeit der Frau – wie in dem Juso-Antrag mehrfach betont – gibt es so nicht mehr. Frauen sind heutzutage weit überwiegend finanziell unabhängig und auch die rechtlichen Absicherungen für Kinder in nicht ehelichen Partnerschaften sind bereits möglich.
Es stimmt: Die Ehe ist keine zwingende Voraussetzung mehr für das Zusammenleben oder eine Familiengründung. Aber die Eheschließung bleibt ein besonderes Bekenntnis für Verlässlichkeit und gegenseitige Verpflichtung eines Paares.