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Das bringt die Frankfurter Buchmesse

Bessere Orientierung auf dem Gelände, maßgeschneiderte Angebote für Fans: Die Frankfurter Buchmesse erfindet sich jedes Jahr ein Stück weit neu. Die 78. Ausgabe ist aus verschiedenen Gründen besonders. Die wichtigsten Fakten:

Früherer Termin mit Folgen

Die Buchmesse findet in diesem Jahr früher als sonst statt: vom 7. bis 11. Oktober. Nach der Eröffnungsfeier am Dienstagabend sind die ersten zwei Tage Fachbesuchern vorbehalten. Ab Freitag ist jeder willkommen, der gern liest.
Der frühere Termin hat zur Folge, dass in Stockholm der Literatur-Nobelpreis verkündet wird, während die Messe läuft (8. Oktober).
Die Zahl der Aussteller bewege sich „auf dem Niveau der Vorjahre“, sagt Buchmessen-Sprecher Torsten Casimir. Zuletzt waren 4.350 Aussteller aus mehr als 100 Ländern und 238.000 Besucher nach Frankfurt gekommen.

Wer kommt?

Zu den prominentesten Gästen gehört der Musiker und Autor Wolf Biermann, der im Oktober den ersten Band seiner Tagebücher, einen neuen Gedichtband und die Neuauflage eines Kinderbuchs herausbringt. Er wird in diesem Jahr 90 Jahre alt, vor 50 Jahren wurde er aus der DDR ausgebürgert. Die Veranstaltung „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ auf der Buchmesse (7. Oktober) ist der Auftakt seiner Tournee.
Parallel tritt am Mittwochabend Gisèle Pelicot auf. Mit den Worten „Die Scham muss die Seite wechseln“ wurde sie im Prozess gegen ihren Ex-Mann und über 50 weitere Täter vom Opfer zur Heldin. Der Satz ist auch der Titel ihres Buches, das sie in der Nationalbibliothek vorstellt.
Ein internationales Schwergewicht ist der US-Autor Colson Whitehead. Für „Underground Railroad“ bekam er 2017 den Pulitzer-Preis. Er ist am Messe-Freitag auf der Bühne von ARD, ZDF und 3sat zu erleben, wo er über seinen neuen Roman „Cool Machine“ spricht.
Bekannte deutsche Autoren sind zum Beispiel Charlotte Link, Sebastian Fitzek, Jenny Erpenbeck oder Cornelia Funke. Auch Politiker wie Robert Habeck oder Filmemacher wie Volker Schlöndorff werden erwartet. Gleich mehrere Astronauten sind dabei und ein japanischer Jodler.

Tschechien sagt Ahoi

Ehrengast ist in diesem Jahr Tschechien. Der Gastland-Auftritt steht unter dem Motto „Ein Land an der Küste“. Wer jetzt an seinen Geografie-Kenntnissen zweifelt: Gemeint ist „eine Küste, an der Sprache, Geschichten und Ideen anlanden“, wie der Direktor des Ehrengastauftritts, Martin Krafl, erklärt.
75 tschechische Autorinnen und Autoren reisen für die Messe nach Frankfurt. 150 Neuerscheinungen tschechischer Autorinnen und Autoren erscheinen in deutschsprachigen Verlagen. 100 Veranstaltungen sind geplant.
Im Ehrengast-Pavillon soll Künstliche Intelligenz (KI) eine große Rolle spielen. Aufblasbare Elemente dienen als Raumteiler, Sitzgelegenheiten und Leinwände zugleich. Aus einem Leuchtturm und Bojen werden mit Hilfe von KI Zitate tschechischer Literatur projiziert.

Gelände neu geordnet

Das Messegelände wurde für die 78. Ausgabe neu geordnet. Hintergrund ist, dass die Halle 6 wegen Baumängeln nicht mehr genutzt werden kann. Die dadurch nötige Umplanung nutzte die Buchmesse, um für mehr Übersichtlichkeit, kürzere Wege und hoffentlich weniger Gedränge zu sorgen, wie Buchmessen-Sprecherin Ines Bachor erklärt.
Alle Publikumsverlage sind diesmal in den Erdgeschoss-Ebenen untergebracht. Während oben Geschäfte gemacht werden, finde unten „ein riesiges Literaturfestival“ statt, sagt Bachor. Auf der Freifläche in der Mitte des Geländes kann man Autoren treffen, Selfies machen und Autogramme sammeln.
Das Event-Programm wurde noch mal erweitert. Auf zehn Bühnen sind mehr als 1.000 Sprecher zu erleben. Neu sind thematische „Erlebniswelten“, etwa für Krimifans (am Publikumswochenende mit realen Polizisten), Podcast-Hörer (mit Podcasts, die in Studios auf dem Messegelände aufgezeichnet werden) oder Comic-Liebhaber (zum Beispiel mit Manga-Zeichen-Kursen).

Flankierend zwei Preise

Vor Beginn der Messe wird der Deutsche Buchpreis für den besten Roman des Jahres bekanntgegeben (5. Oktober). Auf der Shortlist nominiert sind Shida Bazyar („Die Lücken“), Franziska Gänsler („Orca“), Valeria Gordeev („Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“), Elias Hirschl („Schleifen“), Peggy Mädler („Selbstregulierung des Herzens“) und Dana Vowinckel („Anton und Alma“).
Zum Abschluss wird in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen (11. Oktober). Er geht in diesem Jahr an den französisch-britischen Menschenrechtsanwalt Philippe Sands. Der Preisträger setzt sich „für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein“, wie Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz die Ehrung begründet.

Getrübte Stimmung

Die Buchbranche kriselt unterdessen. Der Umsatz lag 2025 mit 9,62 Milliarden Euro 2,7 Prozent unter dem von 2024. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz um 4,1 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Die Zahl der Buchkäuferinnen und Buchkäufer schrumpft – insgesamt von 2024 auf 2025 um knapp fünf Prozent.
Ein Grund: „Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt“, sagt Börsenvereins-Vorsteher Guggolz. „Aufmerksamkeit ist zunehmend umkämpft“, sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Für Boos ist diese Messe nach 21 Jahren die letzte. Er geht in Ruhestand. Neuer Buchmessen-Chef wird Joachim Kaufmann, langjähriger Geschäftsführer des Carlsen Verlags. (dpa/red)
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C. H. Beck darf Mehrheit am Buchverlag dtv übernehmen

Der Buchverlag C. H. Beck darf die Mehrheit an der dtv Verlagsgesellschaft übernehmen. Diese Entscheidung zu den beiden Münchner Verlagen gab das Bundeskartellamt in Bonn bekannt. C. H. Beck ist schon jetzt Miteigentümer, nun bekommt es den bisherigen dtv-Unternehmensanteil der Ganske Verlagsgruppe hinzu und wird dadurch Mehrheitseigentümer.
Der Carl Hanser Verlag und eine andere Firma bleiben als Co-Gesellschafter an Bord. C. H. Beck wird aber „die alleinige Kontrolle über dtv ausüben“, wie das Kartellamt es formuliert. Nach Verlagsangaben erfolgt die Übernahme zum 1. Juli. Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt.
dtv wurde 1960 als reiner Taschenbuchverlag für Zweitveröffentlichungen gegründet, der Unternehmensname geht auf Deutscher Taschenbuchverlag zurück.
Schon seit längerem hat er auch Hardcover im Sortiment. Es geht um Belletristik, Biografien, Sachbücher, Ratgeber sowie um Kinder- und Jugendbücher.
Zu aktuellen Verkaufserfolgen von dtv gehören eine Thomas-Mann-Biografie von Tilmann Lahme sowie „Der Weg“ von Wolfgang Büscher, eine Reiseerzählung aus der Sahara. Der Verlag veröffentlicht pro Jahr rund 400 Buchtitel. dtv gehört laut Kartellamt zu den größten konzernunabhängigen Publikumsverlagen im deutschsprachigen Raum.

Wettbewerbshüter sieht Übernahme gelassen

C. H. Beck hat eigenen Angaben zufolge gut 900 Mitarbeiter, die Firma kommt auf circa 1.200 Neuerscheinungen pro Jahr. Neben Literatur geht es auch um die Bereiche Recht, Steuern, Wirtschaft, Sachbuch und Wissenschaft.
Von dem Münchner Verlag wurde etwa die „Balkan-Odyssee“ von Marie-Janine Calic verlegt, für diesen Titel gab es in diesem Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sachbuch-Kategorie. Das Buch wirft einen Blick auf die Flucht von Künstlern vor den Nazis zwischen 1933 und 1941.
„C. H. Beck verfügt insbesondere im Bereich juristischer Fachinformationen über eine starke Marktstellung“, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. Der Zusammenschluss betreffe vor allem die Bereiche Belletristik, Sachbuch, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbuch. „In diesen Segmenten stehen die Beteiligten im Wettbewerb mit einer Vielzahl weiterer Verlage.“

Sieben Generationen, ein Verlag

Der Rückzug der Ganske-Gruppe aus dem dtv-Eigentümerkreis wird damit begründet, dass diese Firma ihre strategische Ausrichtung weiter schärfen und Ressourcen gezielt auf zukünftige Wachstumsfelder konzentrieren wolle.
„Für C. H. Beck ergibt sich dadurch die erfreuliche Möglichkeit, unser langjähriges Engagement als Gesellschafter des dtv auszubauen und die erfolgreiche Entwicklung des dtv weiter konstruktiv zu begleiten“, sagte Jonathan Beck, Mitglied der Geschäftsführung des 1763 gegründeten Verlags. Beck kommt aus der siebten Generation der Verlegerfamilie. (dpa/red)
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Kulturpolitischer Paukenschlag: S. Fischer verlässt Frankfurt

Frankfurt am Main: Die Buchmessen-Stadt Frankfurt verliert ein weiteres literarisches Schwergewicht: Nach dem Suhrkamp-Verlag verlegen auch die traditionsreichen S. Fischer Verlage ihren Hauptsitz nach Berlin.
Wie die Geschäftsführung am Dienstag mitteilte, ist der Umzug für Sommer 2027 geplant. Ziel der Maßnahme sei es, die wirtschaftliche und verlegerische Zukunftsfähigkeit zu stärken.

Aufteilung zwischen Spree und Main

Künftig sollen die marktnahen Bereiche des Hauses – darunter die Geschäftsführung, das Marketing, der Vertrieb sowie die Presseabteilung – in der Bundeshauptstadt gebündelt werden.
Der Standort Frankfurt bleibt jedoch als Dependance erhalten: Neben dem Lektorat verbleiben die kaufmännischen Bereiche am Main. Allen betroffenen Mitarbeitern soll ein Angebot für den Wechsel nach Berlin gemacht werden.
Für den 1886 in Berlin gegründeten und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Frankfurt übergesiedelten Verlag schließt sich damit ein historischer Kreis.
„Die Rückkehr nach Berlin ist für uns Anknüpfungspunkt und Aufbruch zugleich“, erklärte CEO Christina Dohmann, betonte jedoch, dass Frankfurt ein wichtiger Anker bleibe.

Der Niedergang der „Stadt des Geistes“

Der Wegzug des Hauses, das mit Autoren wie Thomas Mann und Franz Kafka Weltruhm erlangte, trifft die hessische Metropole hart. Bereits 2010 hatte der Suhrkamp Verlag Frankfurt in Richtung Berlin verlassen.
Mit dem jetzigen Teilabzug von Fischer verliert die Mainmetropole ein weiteres Aushängeschild ihrer Nachkriegsidentität als Stadt des Buches.
Entsprechend alarmiert reagierte die Politik. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zeigte sich tief betroffen: „Für die Verlags- und Literaturstadt Frankfurt am Main ist der Weggang von S. Fischer keine gute Nachricht.“
Die Leitung der Frankfurter Buchmesse lehnte eine Stellungnahme zu der unternehmerischen Entscheidung ab. (dpa/red)
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So präsentiert sich Ehrengast Tschechien auf der Buchmesse

Ehrengastland Tschechien will nicht nur seine Literatur während der Frankfurter Buchmesse im Oktober präsentieren: Geplant ist ein ganzes Jahr der tschechischen Kultur, wie die Organisatoren des Gastland-Auftritts in der Deutschen Nationalbibliothek ankündigten.
Rund 100 Veranstaltungen – auch zu anderen Kunstgattungen – sollen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein stattfinden.
Die 78. Frankfurter Buchmesse ist vom 7. bis zum 11. Oktober für das Publikum geöffnet. Rund 75 Autoren aus Tschechien würden dafür anreisen, wie der Programmdirektor des tschechischen Ehrengastauftritts, Martin Krafl, ankündigte. 212 Bücher aus Tschechien seien anlässlich der Messe neu in deutscher Übersetzung erschienen.

„Ein Land an der Küste“

Der Ehrengastauftritt steht unter dem Motto „Tschechien: ein Land an der Küste“ – ein Titel, der absichtlich für Verwirrung sorgen soll, wie die Organisatoren erklärten.
Buchmessen-Direktor Juergen Boos, für den 2026 die letzte Messe sein wird, interpretierte das Shakespeare-Zitat als „eine Küste, an der Sprache, Geschichten und Ideen anlanden“. Krafl sprach von „Wellen der Inspiration“ und „Gedanken, die zu neuen Ufern aufbrechen“.
Dieser poetische Ansatz soll sich auch im Ehrengast-Pavillon spiegeln, wie das verantwortliche Architekturbüro berichtete. Die 2.300 Quadratmeter große Ausstellungshalle werde „in eine verspielte und verträumte Landschaft“ verwandelt.
Runde, aufblasbare Elemente unterschiedlicher Größen dienen als Raumteiler, Sitzgelegenheiten und Leinwände zugleich. Aus einem Leuchtturm und Bojen heraus werden mit Hilfe von KI Zitate tschechischer Literatur projiziert. Ein Roboter soll live Comics zeichnen. (dpa/red)
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Darf eine Waffe „Obelix“ heißen? EU-Gericht urteilt

Im Streit um die Marke „Obelix“ verkündet das Gericht der Europäischen Union sein Urteil. Eine polnische Waffenfirma will die Wortmarke für Waffen und Munition nutzen.
Dagegen hat der französische Verlag geklagt, der hinter der bekannten Asterix-Comicreihe mit der Figur Obelix steht. Zugunsten des Verlags ist seit 1998 „Obelix“ als Marke eingetragen, zum Beispiel für Bücher, Kleidung und Spiele.
2022 hatte das Europäische Markenamt die Marke darüber hinaus für Waren der polnischen Firma eingetragen. Der Verlag kritisiert, dass das Rüstungsunternehmen die Bekanntheit sowie das Ansehen der älteren Marke ausnutzen und dem Ruf schaden könnte.

Nutzt das polnische Unternehmen Obelix‘ Ansehen aus?

Obelix, eine der Hauptfiguren des Kult-Comics von René Goscinny und Albert Uderzo, ist für seine Stärke und Größe bekannt. Es gibt wohl kaum einen Comicfan, der den Gallier nicht kennt.
Nach Angaben des Verlags im Verfahren vor dem Markenamt wurden die Bücher in 111 Sprachen übersetzt und weltweit 375 Millionen Mal verkauft. Die Rüstungsfirma wählte aus Sicht des Verlags die Marke für ihre Produkte als Anspielung auf die „Unbesiegbarkeit und übermenschliche Stärke“ der Obelix-Figur.
Normalerweise würde selbst bei einer identischen Marke im Falle der Waffenfirma und des Comicverlags keine Markenverletzung vorliegen, da die betroffenen Produktbereiche „nicht einmal entfernt ähnlich“ seien, erklärt Markenrechtsexperte Jens Fusbahn aus Düsseldorf.
Bei bekannten Marken reiche der Schutz aber weiter. Die Nutzung solcher Marken, auch für gänzlich andere Waren und Dienstleistungen, sei nämlich verboten, wenn damit die Unterscheidungskraft oder Wertschätzung in unlauterer Weise ausgenutzt oder beeinträchtigt werde.
Für eine unlautere Nutzung spreche, wenn ein Unternehmen eine starke Assoziation mit den Merkmalen, die Obelix zugeschrieben werden, quasi als „Trittbrettfahrer“ zu seinem Vorteil ausnutze, so der Rechtsanwalt. Außerdem habe die Comicfigur einen positiven, humoristischen Familiencharakter. Dieser kann laut Fusbahn durch eine Verbindung mit Waffen und Munition durchaus beschädigt werden.

Markenamt stellt sich gegen Verlag

Das Europäische Markenamt hält die Argumentation des Verlags nicht für plausibel. Zunächst sei die Bekanntheit der älteren Marke nicht sicher.
Darüber hinaus sei zweifelhaft, dass Käufer von Waffen deren Eigenschaften gedanklich mit denjenigen der Comicfigur in Verbindung bringen würden, heißt es von der Behörde.
Das Angebot des polnischen Unternehmens richte sich schließlich an ein ganz spezielles Publikum, „im Prinzip militärisches Personal, Jäger, Sicherheits- und Polizeibeamte“. Nur in seltenen Fällen und nur unter strikten Regeln würden die Waren von Teilen der breiten Öffentlichkeit erworben. (dpa/red)