Dienstag, 8. Oktober 1996. Die Hochphase einer Abendkultur, die bald Vergangenheit werden sollte. - Foto: Markus Langemann, Kevin Winter/Getty Images; Montage: Epoch Times
Es gibt Fernsehformate, die größer waren als ihr Format. Die amerikanische Late-Night-Show gehörte dazu. Sie war kein bloßes Unterhaltungsprogramm, keine zufällig spät platzierte Plauderei mit Band, Sofa, Prominenz und Witz. In ihrer klassischen Form war sie ein nächtlicher Klebstoff. Sie verband das Private mit dem Öffentlichen, das Tagesgeschäft mit der Pointe, die Müdigkeit mit einer letzten geistigen Bewegung, bevor das Licht ausging. Wer Late-Night sah, wollte nicht nur lachen. Er wollte sich mit dem Tag versöhnen.
Die große amerikanische Linie begann nicht mit Jay Leno, nicht mit David Letterman und auch nicht mit Stephen Colbert. Sie führt zurück zu Steve Allen, Jack Paar und vor allem zu Johnny Carson.
„The Tonight Show“ startete 1954. Carson prägte sie von 1962 bis 1992 und wurde damit zur maßgeblichen Figur des Genres. Es gab rund sechs Hauptmoderatoren der „Tonight Show“: Steve Allen, Jack Paar, Johnny Carson, Jay Leno, Conan O’Brien und Jimmy Fallon. Carson war nicht nur Moderator. Er war der Haushofmeister der amerikanischen Nacht. Er öffnete die Tür zum letzten Raum des Tages.
In Deutschland bekam diese Form ihren eigentümlichen Ableger mit Harald Schmidt. Nicht als Kopie, sondern als Übersetzung. Schmidt nahm die amerikanische Mechanik – Monolog, Schreibtisch, Band, Gast, Ironie und Timing – und setzte sie in den deutschen Sprach- und Bildungsraum.
Wo Carson verbindlich war, wurde Schmidt schärfer. Wo Leno massentauglich kalauerte, kultivierte Schmidt die gepflegte Arroganz des Fernsehstudios. Doch auch bei ihm blieb der Kern amerikanisch: Die Welt wurde noch einmal sortiert, bevor man sie für die Nacht ablegte.
Mitfiebern beim Late-Night-Krieg
Ich selbst war dieser Idee verfallen. In den 90er-Jahren, im fernen Deutschland, verfolgte ich den Late-Night-Krieg zwischen David Letterman und Jay Leno mit jener Ernsthaftigkeit, die nur der Fan für eine eigentlich nebensächliche Sache aufbringt.
Letterman war der Mann der Brechung, der Ironie, der urbanen Sprödigkeit. Leno war der Mann des Publikums, des breiten Zugriffs, des handwerklich zuverlässigen Monologs. Es war mehr als eine Quotenrivalität. Es war eine Charakterfrage des Fernsehens.
Gerne hätte Letterman die legendäre „Tonight Show“ übernommen, doch Leno bekam sie. Letterman lief dann mit der „Late Show with David Letterman“ auf gleichem Sendeplatz bei CBS. Letterman war cool. Leno,der Mann mit dem Kinn, war funny.
8. Oktober 1996 in Burbank, Kalifornien
Und dann saß ich dort. Nicht in der coolen Show, aber immerhin beim Funny Chin, in der originalen NBC-Show, die Carson geprägt hatte. Burbank, Kalifornien. 8. Oktober 1996, ein Dienstag.
Zwei Tage zuvor hatte ich in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal geheiratet. Am 8. Oktober besuchte ich zum ersten Mal eine amerikanische Late-Night-Show. Beides lag erstaunlich nah beieinander: der Eintritt in eine private Lebensform und der Eintritt in einen Fernsehmythos.
Die Karte habe ich bis heute. Sie ist nicht nur ein Souvenir. Sie ist ein Beleg. Ein kleines Stück Karton aus einer Zeit, in der Fernsehen noch einen Ort hatte, einen Beginn, ein Studio, einen Applausmann, eine Uhrzeit und eine Erwartung. In der Ausgabe: Schauspielerin Ellen DeGeneres als Talkgast und Sänger Luther Vandross als musikalischer Gast.
Foto: Markus Langemann
Wer nie bei einer solchen Aufzeichnung war, unterschätzt leicht die Tageszeit. Late-Night wird spät ausgestrahlt, aber nicht zwingend spät gemacht. Man sitzt am späten Nachmittag im Studio und spielt Nacht. Draußen ist Kalifornien noch hell, innen wird die amerikanische Fernsehmitternacht hergestellt.
Eine Fabrik der Leichtigkeit
Das Publikum wird gewärmt, eingetaktet, konditioniert. Lachen ist erwünscht, Applaus wird kanalisiert, Spontaneität professionell vorbereitet. Es ist eine Fabrik der Leichtigkeit. Und doch liegt darin kein Betrug. Fernsehen war immer schon die Kunst, eine Wirklichkeit so glaubwürdig herzustellen, dass sie später in Millionen Wohnzimmern wie Gegenwart erscheint.
An diesem 8. Oktober 1996 hatte die Produktion einen Schatten. Die Schauspielerin Lucy Lawless, damals durch die Fantasy-TV-Serie „Xena“ weltbekannt, war an diesem Tag bei einem Sketch-Dreh im Vorfeld der Aufzeichnung vom Pferd gestürzt. Leno kam vor Aufzeichnungsbeginn kurz auf die Bühne und erklärte.
Gast Ellen DeGeneres war damals selbst in einer Übergangszeit. Ihr großes öffentliches Coming-out in der „Puppy Episode“ ihrer Sitcom „Ellen“ folgte erst am 30. April 1997. Im Oktober 1996 war sie noch auf jener Schwelle, auf der amerikanische Popkultur häufig steht: Man spürt, dass etwas gesellschaftlich in Bewegung ist, aber die offizielle Geste ist noch nicht vollzogen. Luther Vandross wiederum stand für eine andere, weichere, musikalisch souveräne Fernsehwelt. Sein Album „Your Secret Love“ war gerade am 1. Oktober 1996 erschienen, eine Woche vor jener Sendung.
Die Welt zugänglicher machen
Auch der Tag selbst war historisch dicht. Am Vortag, dem 7. Oktober 1996, ging der „Fox News Channel“ erstmals auf Sendung. Am 8. Oktober 1996 unterzog sich Papst Johannes Paul II. einer Blinddarmoperation. Am selben Tag machte Jassir Arafat seinen ersten öffentlichen Besuch in Israel und traf Präsident Ezer Weizman in Caesarea. Zwei Tage zuvor hatte die erste TV-Debatte zwischen Bill Clinton und Bob Dole stattgefunden.
Ich saß also nicht nur in einer Show. Mein Leben nahm eine neue Wendung und ich erlebte eine Woche, in der Politik, Religion, Nahost, Mediengeschichte und Popkultur dicht nebeneinanderlagen. Late-Night war genau dafür gebaut: Sie nahm das Unübersichtliche des Tages und verwandelte es in eine Abfolge, die erträglich wurde.
Das war die große Leistung dieses Genres. Es machte die Welt nicht unbedingt klüger, aber zugänglicher. Es nahm der Nachricht die Starre. Der Monolog war die demokratische Nadel, mit der der Ballon der Wichtigkeit angestochen wurde. Präsidenten, Gouverneure, Schauspieler, Skandale, Umfragen, Sport, Moden und Pannen – alles wanderte durch dieselbe Mühle.
Am Ende stand nicht Wahrheit im philosophischen Sinn, sondern ein gemeinsamer Moment. Man hatte über dasselbe gelacht. Das war weniger, als Journalismus leisten sollte, aber mehr, als Unterhaltung üblicherweise vermag.
Gerade deshalb war Johnny Carson das ikonische Modell. Carson war nicht der Lauteste, nicht der Verletzendste, nicht der Politischste. Er war der große Temperaturregler. In einer Medienwelt mit wenigen Kanälen konnte er eine fast nationale Abendroutine schaffen. Seine letzte „Tonight Show“ wurde nach 30 Jahren Laufzeit am 22. Mai 1992 ausgestrahlt und über 50 Millionen Zuschauer schalteten ein.
Dass solche Zahlen und diese kulturelle Geschlossenheit heute kaum noch vorstellbar sind, sagt weniger über Carson aus als über unsere Gegenwart. Er war ein Gatekeeper in einer Gatekeeper-Ökonomie. Heute ist jeder Host nur noch ein Knoten in einem endlosen, nervösen Distributionsnetz.
Stephen Colbert: Ein Beben in der Branche
Mit Stephen Colberts Abschied in der vergangenen Woche ist nun ein weiterer Schnitt erfolgt. CBS hatte bereits im Juli 2025 angekündigt, „The Late Show with Stephen Colbert“ im Mai 2026 zu beenden, und die Entscheidung als finanziell begründet dargestellt. Schluss mit dem legendären Format überhaupt.
Ein Beben in der Branche. „Reuters“ berichtete, CBS habe erklärt, die Entscheidung stehe nicht mit Colberts Leistung, den Inhalten der Sendung oder Vorgängen bei Paramount in Verbindung. Die letzte Ausgabe lief am 21. Mai 2026; ein Finale mit Paul McCartney. Der „Guardian“ meldete 6,74 Millionen Zuschauer für die letzte Show.
Die Colbert-Causa ist deshalb interessant, weil sie zwei Wahrheiten zugleich zeigt. Die eine Wahrheit ist wirtschaftlich:
Das klassische Late-Night-Modell steht unter massivem Druck. „Reuters“ berichtete im Juli 2025 von stark gesunkenen Werbeerlösen, sinkenden Durchschnittszuschauerzahlen und erheblichen Verlusten des Formats.
Die andere Wahrheit ist politisch-kulturell: Colbert war einer der schärfsten satirischen Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Dass sein Ende in eine Phase von Paramount-, Skydance- und Trump-Debatten fiel, machte die Entscheidung zwangsläufig verdächtig.
Bewiesen ist eine politische Steuerung damit nicht. Aber der Verdacht wurde öffentlich breit diskutiert. Seriös bleibt nur diese Trennung: Die wirtschaftliche Begründung ist plausibel, der politische Beigeschmack ist real, aber nicht abschließend belegt.
Die ökonomische Heimat verloren
Das Ende der Late-Night-Ära bedeutet nicht, dass keine Witze mehr gemacht werden. Es bedeutet, dass der Ort verschwunden ist, an dem diese Witze eine gemeinsame Uhrzeit hatten.
Der Zuschauer wartet nicht mehr um 23:35 Uhr auf den Monolog. Er sieht morgens drei Clips auf YouTube, einen Ausschnitt auf X, eine Reaktion auf TikTok, vielleicht später den Podcast.
Marktforschungen belegen, dass Late-Night-Broadcast-Shows seit Anfang 2025 zusammen mehr als 17 Milliarden Views auf Social-Video-Plattformen erreicht hätten. Das Genre ist also nicht wirkungslos geworden. Es hat nur seine ökonomische Heimat verloren.
Für die TV-Generation ist das mehr als eine Branchenmeldung. Es ist ein biografischer Einschnitt. Wer mit linearem Fernsehen aufwuchs, lebte in Programmordnungen.
Nachrichten kamen zu bestimmten Zeiten, Shows hatten feste Plätze, ein Sender war nicht nur eine App, sondern eine Adresse. Late-Night war der letzte Raum in diesem Haus. Man konnte dort den Tag abgeben. Man konnte sich von einem Mann hinter einem Schreibtisch erklären lassen, dass die Welt zwar verrückt sei, aber immerhin noch Pointe und Rhythmus besitze.
Die Ordnung zersplittert
Heute ist diese Ordnung zersplittert. Der Witz kommt schneller, härter, segmentierter. Er ist zielgruppengenauer, aber selten verbindender. Die klassische Late-Night setzte voraus, dass es noch eine halbwegs gemeinsame Öffentlichkeit gab. Genau diese Voraussetzung ist beschädigt. Was früher ein nationales Lagerfeuer war, ist heute ein Set aus Milieuformaten. Colbert für die einen, Gutfeld für die anderen, Oliver für ein weiteres Segment, Podcasts für jene, die dem Fernsehen ohnehin entwachsen sind. Der Monolog lebt, aber die Nation sitzt nicht mehr gemeinsam davor.
Neil Postmans „Wir amüsieren uns zu Tode“ war keine kulturpessimistische Laune, sondern eine Diagnose über die Verwandlung öffentlicher Vernunft in eine fernsehtaugliche Darbietung. Postman schrieb nicht gegen Humor. Er schrieb gegen die Dominanz einer Form, in der alles zur Unterhaltung werden muss, sogar das Ernste. Die bittere Pointe unserer Gegenwart besteht darin, dass nicht einmal mehr diese alte Unterhaltungsordnung stabil ist. Wir stehen vor einem intellektuellen Scherbenhaufen, aber nicht, weil Late-Night allein daran schuld wäre. Eher war Late-Night eines der letzten Rituale, das den Zerfall noch charmant überdeckte.
Vielleicht war das ihre schönste und zugleich gefährlichste Funktion: Sie versöhnte uns mit dem Tag. Sie machte das Unerträgliche leichter. Sie gab dem politischen Unsinn eine Pointe, dem Prominentenbetrieb ein Sofa, der Katastrophe eine Überleitung zur Band. Man konnte das als zivilisierende Kunst betrachten. Man konnte es auch als Sedierung lesen. Beides stimmt. Carson beruhigte. Letterman irritierte. Leno massierte. Schmidt sezierte. Colbert moralisierte. Jeder tat es auf seine Weise, aber alle arbeiteten an derselben Maschine: dem nächtlichen Umbau von Wirklichkeit in konsumierbare Form.
Das Verschwinden einer gemeinsamen Abendkultur
Wenn ich heute auf die Karte vom 8. Oktober 1996 blicke, sehe ich deshalb nicht nur einen Studiobesuch. Ich sehe eine Medienwelt, die noch an sich selbst glaubte. Sie glaubte an Sendeplätze, an Monologe, an Gäste, an Musiknummern, an den Applaus aus dem Off, an die Macht des großen Networks. Und ich sehe einen jungen Mann, frisch verheiratet, in Kalifornien, der in Burbank sitzt und glaubt, in einer Maschine der Zukunft Platz genommen zu haben. In Wahrheit saß er vielleicht schon in einer Hochphase, die bald Vergangenheit werden sollte.
Das ist die eigentliche Melancholie. Nicht, dass Stephen Colbert nicht mehr um 23:35 Uhr auf CBS erscheint, er hat mich sowieso nie erreicht. Nicht, dass Jay Lenos Burbank-Welt Geschichte ist. Nicht einmal, dass Johnny Carson nicht wiederholbar ist. Sondern dass eine ganze Form gemeinsamer Abendkultur verschwunden ist. Die Late-Night-Show war nie nur Nachtfernsehen. Sie war ein Vertrag: Wir schauen noch einmal gemeinsam auf diesen Tag, wir lachen über seine Zumutungen, wir tun für eine Stunde so, als ließe sich alles ordnen.
Dieser Vertrag ist gekündigt. Nicht feierlich, nicht abrupt, sondern schleichend: durch Plattformen, Fragmentierung, Werbeverschiebung, politische Milieus und Aufmerksamkeitsökonomie.
Am Ende bleibt die Karte. Ein kleines Dokument aus Burbank. Dienstag, 8. Oktober 1996. Jay Leno. Ellen DeGeneres. Luther Vandross. Ein Unfall im Hintergrund. Eine Ehe zwei Tage zuvor. Und eine Fernsehform, die damals noch nicht ahnte, dass sie eines Tages selbst zum Gegenstand des Nachrufs werden würde. Ich hätte das nie gedacht.
91 % der Erwachsenen und 87 % der Minderjährigen für einheitliche Bildungsstandards und mehr Förderung benachteiligter Schulen. (Symbolbild). - Foto: Maximilian von Klenze/dpa
Um benachteiligten Kindern bessere Chancen im Bildungssystem zu geben, fordert eine große Mehrheit in Deutschland einheitliche Bildungsstandards und mehr staatliche Investitionen.
Eine am Dienstag, 26. Mai veröffentlichte Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes zeigt, dass sowohl die große Mehrheit der Erwachsenen als auch Kinder und Jugendliche eine verbindliche Demokratiebildung in den Schulen als wichtig erachten.
Zudem sehen sie deutlich mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler als zentrale Maßnahme, um Teilhabe und demokratisches Lernen zu stärken.
Wie aus der in Berlin vorgestellten Umfrage des Instituts Forsa für den Kinderreport 2026 des Deutschen Kinderhilfswerks hervorgeht, sprach sich die große Mehrheit der Befragten dafür aus, dass die Bedingungen und Standards in Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland gleich sein sollten.
Das forderten 91 Prozent der Erwachsenen und 87 Prozent der Minderjährigen.
Beide Gruppen sprachen sich auch für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bildungseinrichtungen aus. Eine Mehrheit war dafür, dass Schulen mit vielen sozial benachteiligten Kindern finanziell gefördert werden sollten.
Große Mehrheit für faire Bildung und mehr Unterstützung
Forsa befragte für den Kinderreport 1002 Erwachsene sowie 1006 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren vom 7. bis zum 16. Januar online.
90 Prozent der erwachsenen Befragten und 88 Prozent der Kinder und Jugendlichen finden zudem, dass die Bildung in Kita und Schule kostenlos sein sollte. Das gelte auch für Lehrmaterialien.
Vor allem die Erwachsenen plädierten außerdem für mehr qualifiziertes Personal, das pädagogische Fachkräfte von Organisationsaufgaben entlasten sollte.
Sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder und Jugendlichen sprachen sich darüber hinaus für verbindliche Lern- und Sprachförderangebote sowie eine flächendeckende Schulsozialarbeit und mehr psychosoziale Beratungsmöglichkeiten aus, um insbesondere die Bildungschancen sozial benachteiligter Kinder zu verbessern.
Schicksalsfrage für unsere Nation
Mehr Investitionen in das Bildungssystem seien „kein Nice-to-have“, sie seien vielmehr „eine Art von Schicksalsfrage für unsere Nation“, sagte Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) bei der Vorstellung des Kinderreports 2026.
So könne das Fachkräfteproblem nur gelöst werden, wenn jedem Kind ein erfolgreicher Bildungsgang ermöglicht werde, „je nach seinen Talenten und Neigungen“.
80 Prozent der Erwachsenen und 78 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben außerdem an, dass geflüchtete Kinder die Möglichkeit haben sollten, schnell nach ihrer Ankunft in die Schule zu gehen.
Gefragt wurde auch nach möglichen Maßnahmen, um sozial benachteiligte Kinder direkt besser zu unterstützen. 94 Prozent der erwachsenen Befragten hielten dabei verbindliche Lern- und Sprachförderung für wichtig, 91 Prozent Unterstützungsangebote für Familien in belasteten Lebenslagen.
Bildungschancen hängen vom Geldbeutel ab
Ähnlich sahen es mit 88 beziehungsweise 86 Prozent die Kinder und Jugendlichen.
Bildungschancen in Deutschland seien nach wie vor ungleich verteilt, kritisierte die Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes, Anja Siegesmund. Sozialer Aufstieg hänge „heute mehr denn je vom Portemonnaie des Elternhauses“ ab.
„Fehlende Kita-Plätze, ein bundesweit ungleiches Bildungssystem und unzureichende Investitionen in Personal und Ausstattung sind auch im Jahr 2026 weiterhin Realität.“ Besonders betroffen von Barrieren im Bildungssystem seien „Kinder, die in Armut leben oder einen Migrationshintergrund haben“.
Eine große Mehrheit der Befragten war außerdem dafür, dass in Schulen gelernt werden sollte, wie der Staat und das Gemeinwesen zusammenspielen.
„Es darf uns auch nicht kalt lassen, wenn 94 Prozent der Kinder an der Schule lernen wollen, wie Demokratie funktioniert und Schule einfach keine Zeit findet“, kritisierte Siegesmund.
Prien sagte dazu, die Demokratie in Deutschland hänge „wahrscheinlich entscheidend davon ab, dass möglichst alle Kinder und Jugendlichen eine gute Bildung erfahren, die ihnen die Möglichkeit eröffnet, kritisch zu denken und politische, historische Sachverhalte auch kritisch bewerten zu können“. (afp/red)
Der Unfall in Belgien ereignete sich gegen 8:15 Uhr. - Foto: Dirk Waem/Belga/dpa
Beim Zusammenstoß zwischen einem Schulbus und einem Zug in Belgien sind zwei Kinder und zwei Erwachsene ums Leben gekommen. „Vier Menschen haben ihr Leben verloren, darunter zwei Kinder“, erklärte der belgische Außenminister Maxime Prévot am Dienstag im Onlinedienst X.
Belgiens Innenminister Bernard Quintin drückte sein Mitgefühl aus. „Meine Gedanken gelten den Opfern und ihren Angehörigen. Ich wünsche den Verletzten viel Kraft“, schrieb er auf der Plattform X. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb: „Heute trauert Europa mit Belgien.“
Kleinbus von Zug erfasst
Das Unglück ereignete sich um kurz nach 8:00 Uhr morgens an einem Bahnübergang in der Gemeinde Buggenhout nördlich der Hauptstadt Brüssel, wie ein Sprecher der Bahngesellschaft Infrabel mitteilte.
Demnach wurde ein Kleinbus etwa einen Kilometer vor dem Bahnhof von einem Zug erfasst. Der Aufprall sei „extrem heftig“ gewesen.
An Bord des Schulbusses waren sieben Schulkinder, eine Aufsichtsperson sowie der Fahrer, wie eine Polizeisprecherin dem Fernsehsender VRT sagte.
Busfahrer ignorierte geschlossene Schranken
Die Schranke sei geschlossen gewesen, als der Bus den Bahnübergang überqueren wollte, sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft.
Überwachungsvideos zeigen demnach, dass der Schulbus trotzdem auf den Bahnübergang fuhr. Der Zug sei trotz Notbremsung mit rund 120 Stundenkilometern auf den Bus geprallt und der Bus etwa 15 Meter weit gegen einen Kabelmast geschleudert worden.
Kinder und Angehörige werden nach Angaben der Polizeisprecherin in einer Schule in der Nähe der Unfallstelle betreut. Die Passagiere des Zuges blieben unverletzt, der Zug wurde geräumt. (afp/dpa/red)
Der Unfall in Belgien ereignete sich gegen 8:15 Uhr. - Foto: Dirk Waem/Belga/dpa
Beim Zusammenstoß zwischen einem Schulbus und einem Zug in Belgien sind zwei Kinder und zwei Erwachsene ums Leben gekommen. „Vier Menschen haben ihr Leben verloren, darunter zwei Kinder“, erklärte der belgische Außenminister Maxime Prévot am Dienstag im Onlinedienst X.
Belgiens Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke sprach von zwei Jugendlichen, die ums Leben gekommen seien. Ebenso sei der Fahrer sowie eine Begleitperson verunglückt. Zwei weitere Menschen seien schwer verletzt.
Belgiens Innenminister Bernard Quintin drückte sein Mitgefühl aus. „Meine Gedanken gelten den Opfern und ihren Angehörigen. Ich wünsche den Verletzten viel Kraft“, schrieb er auf der Plattform X. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb: „Heute trauert Europa mit Belgien.“
Kleinbus gegen Zug geprallt
Das Unglück ereignete sich um kurz nach 8:00 Uhr morgens an einem Bahnübergang in der Gemeinde Buggenhout nördlich der Hauptstadt Brüssel, wie ein Sprecher der Bahngesellschaft Infrabel mitteilte.
Demnach wurde ein Kleinbus etwa einen Kilometer vor dem Bahnhof von einem Zug erfasst. Der Aufprall sei „extrem heftig“ gewesen.
An Bord des Schulbusses waren sieben Schulkinder, eine Aufsichtsperson sowie der Fahrer, wie eine Polizeisprecherin dem Fernsehsender VRT sagte. Die Schranke sei geschlossen gewesen, als der Bus den Bahnübergang überqueren wollte.
Kinder und Angehörige werden nach Angaben der Polizeisprecherin in einer Schule in der Nähe der Unfallstelle betreut. (afp/dpa/red)
Lotze hat sich vor zwölf Jahren selbstständig gemacht. - Foto: Jacob Schröter/dpa
Schweigend und mit geübten Handgriffen ziehen sich Bernadeta Lotze und ihr Team die Schutzanzüge und Masken über, bevor sie nacheinander die enge Treppe hinaufsteigen.
Im Dachgeschoss des Hauses im Thüringer Wald bahnen sich die vier ihren Weg über Berge aus Verpackungen, verdorbenen Lebensmitteln und Unrat. Routiniert stopfen sie den Müll in große blaue Säcke. In der Luft hängt ein süßlicher Geruch nach Verdorbenem, der selbst durch die Masken wahrnehmbar ist. Auf dem Boden liegen teils verpuppte Maden. „Wir wissen nie, womit wir es zu tun haben“, sagt Lotze.
Die 47-Jährige arbeitet als zertifizierte Tatortreinigerin. Ihre Firma im südthüringischen Zella-Mehlis ist auf die Reinigung von Leichenfundorten spezialisiert. Sie beseitigt Blutspuren, Körperflüssigkeiten, Verwesungsrückstände und räumt zugemüllte Wohnungen.
Der einsame Tod in den heimischen vier Wänden geht Lotze auch nach ihren vielen Berufsjahren noch nach.
Foto: Jacob Schröter/dpa
Sie wird etwa nach Gewaltverbrechen, Unfällen, Suiziden oder natürlichen Todesfällen beauftragt, um Räume wieder bewohnbar zu machen und diese von Bakterien, Schimmelpilzen, Viren oder Sporen zu befreien.
Eigentlich wollte Lotze zur Polizei. Als es mit diesem Berufswunsch nicht klappte, entschloss sie sich, statt Spuren zu sichern, diese zu beseitigen. „Wenn nach vorn nichts geht, musst du eben nach links oder rechts – irgendwo ist immer eine Tür, die sich öffnet.“
Die letzten Zeugen
Heute beschäftigt die staatlich geprüfte Desinfektorin elf Mitarbeiter im Familienbetrieb, mit dem sie sich vor zwölf Jahren selbstständig machte. Neben Bruder und Schwägerin arbeitet auch ihr ältester Sohn mit.
Tatortreiniger arbeiten in Ganzkörper-Schutzanzügen, mit Atemschutzmasken und Spezialhandschuhen, um sich vor Infektionen durch Krankheitserreger zu schützen.
Foto: Jacob Schröter/dpa
Bei ihren Einsätzen haben sie ein Ritual: Nicht nur aus Respekt vor den Verstorbenen begrüßen Lotze und ihr Team jede Wohnung mit einem „Guten Tag“. Tatortreiniger seien die letzten Zeugen, die einen Ort noch einmal so betreten, wie ihn die Verstorbenen hinterlassen haben. „Wir sehen Dinge, die nach uns keiner mehr sieht“, sagt Lotze. „Und wir behalten sie für uns.“
Doch nicht nur Diskretion verlangt ihr Job. Er ist gleichermaßen körperlich anstrengend wie emotional fordernd. „Das kann nicht jeder machen“, weiß die zierliche, blonde Frau. „Wenn ich Ekel hätte, wäre ich hier falsch“, fügt sie in ihrem unverkennbaren polnischen Akzent hinzu. Die Wohnungen, die sie räumt und reinigt, erzählen auch nach dem Tod viel über das Leben.
Spuren eines Alltags
Da ist das Regal, in dem – inmitten des ganzen Chaos und Schmutzes – ordentlich aufgereiht die Putzmittel stehen, die Notiz auf einer schwarzen Magnettafel am Kühlschrank für Kürbissuppe und Erdbeeren oder die auf dem Boden verteilte Wolle.
Lotze hebt einen kleinen schwarzen Teddy auf, der mit zahlreichen bunten Stecknadeln gespickt ist. „Wir wissen nicht, welche Bedeutung diese Dinge für die Menschen hatten. Wir bilden uns kein Urteil über sie und bewerten auch nicht ihr Leben.“
Immer wieder stoßen die Tatortreiniger bei ihrer Arbeit auf Gegenstände, die vom Alltag der Verstorbenen erzählen.
Foto: Jacob Schröter/dpa
Während Lotze sich weiter durch den Müll kämpft, deutet sie auf eine verschmutzte Matratze unter dem Fenster, auf der wochenlang die Leiche einer Frau lag. „So will keiner enden und vergessen werden.“
Dass Menschen einsam in ihren vier Wänden sterben und ihr Tod lange unbemerkt bleiben, damit kann sie sich auch nach all den Jahren nicht abfinden. „Daran gewöhne ich mich nie“, sagt die zweifache Mutter, die abseits ihres Jobs umso bewusster die Zeit mit ihrer Familie verbringt und zum Abschalten auch gerne mal einen Krimi liest.
Und dennoch will sie ihre Arbeit nicht missen. Gerade bei stark zugemüllten Wohnungen entschädige das Ergebnis am Schluss für die Anstrengungen.
Arbeit im Verborgenem
„Tatortreiniger brauchen eine gute, stabile Psyche – und vor allem ganz viel Fachwissen“, sagt Christopher Lücke, Sprecher des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks in Berlin. Der Berufsbegriff sei allerdings nicht geschützt, weshalb sich theoretisch jeder so nennen könne.
Seriöse Tatortreiniger seien meist ausgebildete Gebäudereiniger, die sich oft noch zusätzlich in Seminaren und Fortbildungen im Hinblick auf Hygiene und Desinfektion weiterbilden. Neben dem fachlichen Hintergrund für die sensiblen Einsatzorte müssten sie ebenso über eine gewisse Feinfühligkeit im Umgang mit den Angehörigen verfügen.
Der Beruf von Lotze ist psychisch und körperlich extrem anstrengend.
Foto: Jacob Schröter/dpa
Spätestens seit der preisgekrönten und schwarzhumorigen TV-Kultserie „Der Tatortreiniger“ mit Bjarne Mädel als Heiko „Schotty“ Schotte ist der Beruf einem breiten Publikum bekannt und fasziniert viele Menschen. Aber ihre Arbeit funktioniere im Stillen, wie Lücke betont. Zudem sei die Tatortreinigung innerhalb der Branche ein absolutes Nischenangebot.
Laut dem Verband beschäftigt das Gebäudereiniger-Handwerk in Deutschland nahezu 700.000 Beschäftigte in mehr als 30.000 Betrieben. „Auf unserer Dienstleistungsseite, wo Kunden nach Regionen und Anbietern schauen können, finden sich bundesweit 50 Unternehmen, die dezidiert die Tatortreinigung anbieten.“
Die Hinterlassenschaften kommen alle in die Müllverbrennung.
Foto: Jacob Schröter/dpa
Eine letzte Botschaft
Am Ende des Tages ist auch die Wohnung in Thüringen leer und gesäubert. Die Hinterlassenschaften eines ganzen Lebens sind im Container verschwunden und kommen in die Müllverbrennung.
Und doch ist da dieser Moment, der selbst einen gestandenen Profi wie Lotze sprachlos macht. Während des Räumens in den vermüllten Zimmern findet sie ein kariertes Blatt, auf dem mit schwarzem Filzstift in Druckbuchstaben eine letzte Botschaft steht: „Hilfe! Bitte helft mir! Ich sterbe“. (dpa/red)
Auch die belgische Polizei ist vor Ort (Symbolbild). - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Zug der belgischen Eisenbahnen und einem Schulbus in Buggenhout in der Region Flandern sind heute mehrere Menschen ums Leben gekommen.
Das berichtet der öffentlich-rechtliche Sender VRT unter Berufung auf den Schienenbetreiber Infrabel. Rettungskräfte waren vor Ort im Großeinsatz.
Der Unfall ereignete sich gegen 8:15 Uhr am Bahnübergang in Vierhuizen. Die genaue Unfallursache ist noch unklar, jedoch war der Bahnübergang ersten Berichten zufolge zum Zeitpunkt des Unfalls geschlossen.
Die rund 100 Passagiere des Zuges wurden evakuiert und im Anschluss in der örtlichen Feuerwache betreut. Die genaue Zahl der Toten war zunächst unklar. (dts/red)
Auch die belgische Polizei ist vor Ort (Symbolbild). - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Zug der belgischen Eisenbahnen und einem Schulbus in Buggenhout in der Region Flandern sind heute mehrere Menschen ums Leben gekommen.
Das berichtet der öffentlich-rechtliche Sender VRT unter Berufung auf den Schienenbetreiber Infrabel. Demnach wurde ein Kleinbus etwa einen Kilometer vor dem Bahnhof von einem Zug erfasst. Der Aufprall sei „extrem heftig“ gewesen. Rettungskräfte waren vor Ort im Großeinsatz.
Der Unfall ereignete sich gegen 8:15 Uhr am Bahnübergang in Vierhuizen. Die genaue Unfallursache ist noch unklar, jedoch war der Bahnübergang ersten Berichten zufolge zum Zeitpunkt des Unfalls geschlossen.
Die rund 100 Passagiere des Zuges wurden evakuiert und im Anschluss in der örtlichen Feuerwache betreut. Die genaue Zahl der Toten war zunächst unklar.
„Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Den Verletzten wünsche ich viel Kraft“, erklärte der belgische Innenminister Bernard Quintin im Onlinedienst X. (afp/dts/red)
Auch die belgische Polizei ist vor Ort (Symbolbild). - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Zug der belgischen Eisenbahnen und einem Schulbus in Buggenhout in der Region Flandern sind heute mehrere Menschen ums Leben gekommen.
Das berichtet der öffentlich-rechtliche Sender VRT unter Berufung auf den Schienenbetreiber Infrabel. Demnach wurde ein Kleinbus etwa einen Kilometer vor dem Bahnhof von einem Zug erfasst. Der Aufprall sei „extrem heftig“ gewesen. Rettungskräfte waren vor Ort im Großeinsatz.
Der Unfall ereignete sich gegen 8:15 Uhr am Bahnübergang in Vierhuizen. Die genaue Unfallursache ist noch unklar, jedoch war der Bahnübergang ersten Berichten zufolge zum Zeitpunkt des Unfalls geschlossen.
Die rund 100 Passagiere des Zuges wurden evakuiert und im Anschluss in der örtlichen Feuerwache betreut. Die genaue Zahl der Toten war zunächst unklar.
„Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Den Verletzten wünsche ich viel Kraft“, erklärte der belgische Innenminister Bernard Quintin im Onlinedienst X. (afp/dts/red)
Der Rettungsdienst rückt aus. (Symbolbild) - Foto: eka77/iStock
Bei der Kollision eines Lastwagens mit einer Brücke sind am Dienstagmorgen auf der Autobahn 2 bei Hannover zwei Menschen ums Leben gekommen. Der Lkw kam nach Polizeiangaben von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Pfeiler des Bauwerks.
Bei den Toten handelte es sich demnach um die Insassen des Fahrzeugs, zwei Männer im Alter von 28 und 53 Jahren. Das Unglück ereignete sich nach Angaben der Polizei gegen 4:45 Uhr kurz hinter der Anschlussstelle Hannover-Bothfeld.
Warum der 53-jährige Lkw-Fahrer mit seinem Gespann von der Autobahn abkam und in die Fußgängerbrücke fuhr, war zunächst noch unklar. Ermittlungen des Verkehrsunfalldiensts liefen.
Feuerwehr und Rettungsdienst bargen die toten Fahrer
Wie Polizei und Feuerwehr weiter mitteilten, waren beide Insassen bei Eintreffen der ersten Rettungskräfte bereits tot. Der 28-jährige Beifahrer wurde durch die Wucht des Aufpralls aus dem Lkw auf eine Grünfläche geschleudert, der Fahrer blieb im Wrack eingeklemmt.
Rund 40 Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst waren vor Ort, bei der Bergung des Fahrers kam technisches Gerät zum Einsatz. Die Autobahn war halbseitig gesperrt, Unfallzeugen sollten sich bei der Polizei melden. (afp/red)
Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland meint, dass Erwachsene ihre Smartphone-Zeit in der Freizeit reduzieren sollten. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland ist der Meinung, dass Erwachsene ihre Smartphone-Nutzung in der Freizeit reduzieren sollten. Das ergab eine Umfrage des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB).
73 Prozent der Befragten sprachen sich demnach dafür aus, dass Erwachsene weniger Zeit am Smartphone verbringen sollten, insbesondere in Gegenwart ihrer Kinder.
Diese Ansicht ist besonders bei Menschen mit Abitur (83 Prozent) und Über-50-Jährigen verbreitet (81 Prozent). 83 Prozent der Befragten sind zudem der Ansicht, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren generell weniger Zeit am Smartphone verbringen sollten.
Die Ergebnisse der Umfrage, die im Februar 2026 durchgeführt wurde, basierten auf einer Pilotstudie mit 415 Teilnehmern. Katharina Spieß, Direktorin des BiB, sagte, dass die Befunde den Wunsch der Bevölkerung nach weniger Smartphone-Zeit widerspiegeln. Dies gelte gleichermaßen für Kinder, Erwachsene im Allgemeinen und Eltern im Speziellen.
93 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Eltern in Gegenwart ihrer Kinder weniger Zeit am Smartphone verbringen sollten. Diese Meinung findet über alle Bildungs- und Altersgruppen hinweg breite Zustimmung.
Spieß sagte, dass ein bewussterer Medienumgang im Familienalltag vor allem dann glaubwürdig vermittelt werden könne, wenn Erwachsene ihn selbst vorlebten. (dts/red)
Die Polizei nach der Schießerei in Berlin-Kreuzberg am 25. Mai 2026. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Im Berliner Bezirk Kreuzberg sind am Pfingstmontagabend wieder Schüsse auf offener Straße gefallen.
Laut Zeugenangaben wurde kurz nach 21 Uhr aus mindestens einer Schusswaffe gefeuert, womöglich wurde das Feuer von anderen Beteiligten erwidert. Zuvor soll es eine Schlägerei gegeben haben.
Die Polizei riegelte den Tatort ab, zahlreiche Rettungskräfte waren im Einsatz, ob Menschen verletzt wurden, war zunächst nicht klar.
Erst im März hatten im gleichen Kiez zwei Männer auf einen 23-Jährigen geschossen, der mit einem Begleiter auf dem Gehweg der Graefestraße unterwegs war. Der 23-Jährige wurde schwer verletzt. Die Täter flüchteten. (dts/red)
Der amerikanische Jazz-Saxophonist Sonny Rollins am 11. Juli 2010 im Rahmen der 35. Ausgabe des niederländischen Jazzfestivals North Sea Jazz im Ahoy Rotterdam (Symbolbild). - Foto: Robert Vos/ ANP/AFP via Getty Images
Der legendäre Saxofonist und Jazz-Komponist Sonny Rollins ist tot. Rollins starb im Alter von 95 Jahren in seinem Zuhause in Woodstock im US-Bundesstaat New York, wie es in einem Post auf seiner offiziellen Facebook-Seite heißt. Eine Todesursache wurde zunächst nicht bekanntgegeben.
Wenn das Leben eines kreativen Menschen ende, setze es sich in der nächsten Existenz fort, zitierte Rollins Agentin Terri Hinte den Musiker in einer von mehreren US-Medien verbreiteten Mitteilung: „Ich gehöre zu den Menschen, die glauben, dass dieses Leben nicht alles bedeutet.“
„Größter Tenorsaxophonist aller Zeiten“
Rollins wurde 1930 im New Yorker Stadtteil Harlem geboren. Mit seinem unverwechselbaren Ton – voll, robust, rau, zugleich aber subtil und nuanciert – galt der vielfach ausgezeichnete Rollins in der Jazzwelt als „Saxofon-Koloss“.
So nannte er auch eines seiner Alben im Jahr 1956. Er arbeitete mit allen Großen seiner Szene zusammen – ob Charlie Parker, Thelonious Monk oder John Coltrane. Die meisten von ihnen überlebte er lange.
Die Jazzlegende Sonny Rollins bei einem Auftritt am 8. Mai 2011 im Rahmen des New Orleans Jazz & Heritage Festivals 2011 in Louisiana.
Foto: Rick Diamond/Getty Images
Von seinen Aufnahmen gehören unter anderem „Oleo“, „Doxy“ und „St. Thomas“ zum Jazzstandard. Der Trompeter Miles Davis, den Rollins in seinen Anfangsjahren in verschiedenen Gruppen begleitete, nannte ihn „den größten Tenorsaxofonisten aller Zeiten“. Atemwegserkrankungen zwangen Rollins vor einigen Jahren in den Ruhestand.
In einem Interview mit dem Radiosender NPR aus dem Jahr 2017 erinnerte sich Rollins an seine Anfänge mit dem Instrument, auf dem er später zum Meister wurde.
„Als meine Mutter mir ein Saxofon gab, das war damals die Great Depression“, sagte Rollins. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich sie überzeugen konnte, dass ich wirklich spielen will. Sie hat dann ein gebrauchtes Saxofon von meinem Onkel bekommen. Ich hatte dieses Instrument – ging in mein Zimmer, habe die Tür zugemacht und war im Himmel.“ (dpa/red)
Monatelange Isolation kann Konflikte in Gruppen verstärken, zeigt eine Studie aus der Antarktis. - Foto: Jessica Studer/EurekAlert/dpa
Wenn Menschen monatelang unter Extrembedingungen in einer kleinen Gruppe leben, hat das weitreichende Auswirklungen auf die Psyche. Das zeigt eine Studie an der Besatzung einer entlegenen Antarktis-Forschungsstation.
„Bei längerer Isolation stärkt ständige Nähe Beziehungen nicht unbedingt, sondern kann viel mehr Spannungen, Misstrauen und psychische Belastungen verstärken“, berichten Forschende mehrerer Universitäten, darunter Zürich, Bern und Würzburg, in der Fachzeitschrift „PNAS“ („Proceedings of the National Academy of Sciences“).
Dies sollte man bei künftigen Weltraummissionen berücksichtigen.
Das Autorenteam untersuchte zehn Monate lang die zwölfköpfige Besatzung der französisch-italienischen Antarktisstation Concordia, die an einem der entlegensten Orte der Erde auf etwa 3.200 Metern Höhe liegt. Dabei ging es unter anderem um Teamdynamik, soziales Miteinander, Misstrauen und Einsamkeit.
Fazit: „Unter Extrembedingungen nehmen Einsamkeit, Misstrauen und Konflikte zu, während Zusammenhalt und Leistungsfähigkeit sinken“, schreibt die maßgeblich beteiligte Universität Bern.
„Wir haben in der Gruppe deutliche Paranoia gemessen“
Weil ein Zugang im antarktischen Winter von Mitte Februar bis Mitte November nicht möglich ist, lebte und arbeitete die Besatzung in völliger Abgeschiedenheit.
Die zwölf Forscher trugen Sensoren, die erfassten, wann sie sich wie lange mit wem trafen, und sie füllten mehrfach Fragebögen aus.
Einige Teammitglieder hätten nach ein paar Monaten geglaubt, dass andere über sie sprechen oder sie beobachten würden, berichtet der Würzburger Psychiater Sebastian Walther. Diese Personen hätten angenommen, dass die anderen ihr Schaden wollten, sagte Walther der dpa.
Er wertet dies nach gängigen Kriterien als Paranoia, die es auch in leichter Ausprägung gebe: „Wir haben in der Gruppe der Expedition deutliche Paranoia gemessen. Aber das ist natürlich weit entfernt von einem paranoiden Verfolgungswahn wie bei schweren psychischen Erkrankungen.“
Wichtige Erkenntnisse für Langzeit-Weltraummissionen
Und auch mehr physische Nähe wirkte sich nicht automatisch positiv auf die Antarktiscrew aus. „Personen mit vielen Kontakten berichteten häufiger von Konflikten, wachsendem Misstrauen und geringerer Leistungsfähigkeit“, fast die federführend beteiligte Universität Zürich (UZH) ein Resultat zusammen.
Denkbar sei, dass einsame Personen zwar vermehrt Kontakt suchen, dieser ihnen jedoch nicht ausreichend Unterstützung geboten habe.
Das Team sieht in den Ergebnissen wichtige Erkenntnisse für geplante Langzeit-Weltraummissionen, etwas zu Mond und Mars, aber auch für andere extreme Arbeitsumgebungen wie etwa U-Boote und Offshore-Plattformen.
„Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, soziale Dynamiken früh zu erkennen und Teams gezielt zu unterstützen“, kommentierte UZH-Co-Autor Jan Schmutz. (dpa/red)
Immer wieder rückt die Polizei im Zusammenhang mit dem Clan-Milieu aus (Archivbild). - Foto: Jens Kalaene/dpa
Es vergeht fast keine Woche, kein Monat, ohne dass über sogenannte Clankriminalität in Deutschland berichtet wird. Diese Form von Verbrechen nimmt zu. Jüngster Aufreger in der „BILD“ vom 21. Mai: „Skandal in der JVA Euskirchen: Clanchef im Rolls-Royce geblitzt, als er im Knast sein sollte.“
Den arabischen, türkischen, kurdischen und Roma-„Clans“ wird oft vorgeworfen, dass sie für ihre Hunderte, manchmal auch Tausende an Personen zählenden sogenannten „Großfamilien“ Sozialhilfe beziehen, aber in Luxuslimousinen umherfahren und Villen in teuren Wohngegenden unterhalten.
Roma: Goman-Clan
Seit Jahrzehnten beschäftige der Name Goman zahlreiche Gerichte in Deutschland, berichtete „BILD“ am 22. Mai weiter. Michael Goman werde Teppichbetrug und die sogenannte „Enkeltrick“-Masche bei alten Menschen, mit der er sie um Millionen geprellt haben soll, vorgeworfen.
Der Clanchef Goman lebe mit seiner „Großfamilie“ „in Pomp und Protz“. Zuhause gebe es „goldene Türgriffe“, berichtete vor einem Jahr „SPIEGEL TV“. Dennoch hätten Goman und seine Verwandtschaft stets Sozialhilfe erhalten und damit möglicherweise Sozialbetrug begangen.
2019 war Goman vom Landgericht Köln wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Der „Goman-Clan“ ist die Bezeichnung für eine unter anderem in Deutschland, insbesondere in Leverkusen, ansässige Roma-Großfamilie, die ursprünglich aus Osteuropa stamme.
Arabische Clans
Seit Jahren schaffen es Angehörige meist arabischstämmiger Großfamilien mit spektakulären Verbrechen in die Schlagzeilen. Laut „Berliner Morgenpost“ sei neben Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen „Berlin dabei unumstritten eines der großen Clanzentren in Deutschland“. Besonders der Bezirk Neukölln gelte „hier als Revier der primär kurdisch- und arabischstämmigen Großfamilien, deren Mitglieder durch Verbrechen vielfach zu Reichtum, Macht und Einfluss gekommen sind“, so die Zeitung.
Viele Familien kämen aus dem Libanon. Der dortige Bürgerkrieg in den Jahren 1975 bis 1990 habe viele zur Flucht nach Deutschland veranlasst. Obwohl Mitglieder dieser Clans auch dort schon kriminell aktiv gewesen seien, sähen Kritiker deren „Hinwendung zum Verbrechen als Ergebnis verfehlter deutscher Integrationspolitik“, so die Zeitung weiter.
„Seit den großen Flüchtlingswellen seit 2015“ kämen neuere Clans aus Tschetschenien, Afghanistan und Syrien hinzu.
Syrer: Neue Clankriminalität
Am 22. April gab das Landeskriminalamt Sachsen bekannt, dass die Polizei „im Rahmen der Bekämpfung der Clankriminalität“ eine Großrazzia in acht Bundesländern durchgeführt habe.
Die fünf Verdächtigen, allesamt Syrer, sollen rund 1,7 Millionen Euro Schaden verursacht haben. Es gehe um Steuerhinterziehung und Hehlerei. Insgesamt seien 52 Immobilien durchsucht worden. Allerdings sei nur ein Haftbefehl vollstreckt worden, teilte das LKA mit.
Libanesen: Remo-Clan
Hierzulande wurde am bekanntesten der Remmo-Clan, von dem zahlreiche Mitglieder in den vergangenen 25 Jahren als Intensivtäter identifiziert wurden. Ursprünglich in Südostanatolien beheimatet, wanderten rund 500 bis 1.000 Familienmitglieder über den Libanon nach Deutschland ein.
Dies berichtete der „SPIEGEL“ im Jahr 2020. In dem Artikel wird zudem angesprochen, dass im Jahr 2017 „ein Staatsanwalt ihrer Sippe über 1.000 Straftaten – vorwiegend Einbrüche und Diebstähle – mit einer Schadenssumme von über 28 Millionen Euro“ zugeschrieben habe. Erstmals auffällig geworden sei der Remmo-Clan 1992, als zwei Mitglieder in Berlin einen jugoslawischen Gastwirt erschossen.
Im Oktober 2008 fuhr der damals 19-jährige Ibrahim Remmo mit einem BMW am Potsdamer Platz in Berlin einen Rentner tot und beging Fahrerflucht. Zwei Monate später brach er mit seinem Bruder Bilal in eine Drogerie ein. Bei der anschließenden Verfolgung durch die Polizei prallten die beiden Brüder mit ihrem Auto gegen einen Baum und starben.
„Die Beerdigung glich einem Prominentenbegräbnis: Intensivtäter aus Neukölln, Clanfreunde aus Schöneberg, Serienräuber aus Wedding“, erinnerte der „Tagesspiegel“ im Jahr 2018 an diesen Vorfall.
Zahlreiche Mitglieder des Remmo-Clans sind in den vergangenen 25 Jahren wegen schwerer Körperverletzung von Polizisten, Drogenhandel, „Schutzgeld“-Erpressung, Raub, Geldtransportüberfall, Geldwäsche, Hehlerei, illegalem Waffenbesitz und Waffenhandel und Terrorisierung ihrer Nachbarschaft angeklagt worden.
„Meisterdiebe“ im Museum
All dies wirkt gemessen an den Jahrhundertdiebstählen jedoch wie Bagatellen. Den ersten spektakulären Diebstahl führte Tofiq Remmo aus. Er brach im Jahr 2014 in eine Sparkasse in Berlin-Mariendorf ein und erbeutete mehr als 9 Millionen Euro.
Am 27. März 2017 wurde im Berliner Bode-Museum die 100 Kilogramm schwere Goldmünze „Big Maple Leaf“ im reinen Metallwert von fast 4 Millionen Euro gestohlen. Vier Verdächtige wurden gefasst – drei von ihnen waren Remmos. Die Münze ist bis heute verschwunden. Im Juli 2021 wurden die Täter zu Haftstrafen und der Clan zur Zahlung von 3,3 Millionen Euro verurteilt.
Dies hielt den Intensivtäter-Clan jedoch nicht davon ab, im November 2019 einen noch spektakuläreren Raubzug im Dresdner „Grünen Gewölbe“ des Residenzschlosses zu begehen. Aus der Staatlichen Kunstsammlungen stahlen sie Teile von drei historischen Juwelengarnituren aus der Zeit August des Starken, deren Wert von Kunstexperten von mindestens Hunderte Millionen bis zu 1 Milliarde eingeschätzt wurde.
Fünf Remmo-Mitglieder, die allesamt die deutsche Staatsangehörigkeit haben, wurden festgenommen und im Mai 2023 zwischen vier und sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Einer der Täter war auch am Raub im Bode-Museum beteiligt und nennt sich laut „Sächsischer Zeitung“ selbst „Meisterdieb“.
Palästinenser: Abou-Chaker
Große Bekanntheit erlangte auch der palästinensische Abou-Chaker-Clan. Vor allem in Verbindung mit dem Rapper Bushido, der in Wahrheit Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt.
Zunächst gründete der Clanchef Arafat Abou-Chaker im Jahr 2004 gemeinsam mit Bushido ein Plattenlabel, 2007 wurde Arafat auch Manager des Rappers. 2018 kam es zum Bruch und es begann ein Rechtsstreit zwischen beiden, der erst im Januar dieses Jahres zum vorerst letzten Urteil zwischen Bushido und Abou-Chaker führte. Arafat muss 1,78 Millionen Euro an den einstigen Rapper zahlen. Ginge es nur um diese Geschichte, läge keine Clankriminalität vor.
Aber: Auch die Abou-Chaker-„Großfamilie“ zog während des libanesischen Bürgerkriegs nach West-Berlin. Eine Reihe von Mitgliedern wurde bald polizeibekannt: durch „Schutzgeld“-Erpressungen, Drogen- und Waffenhandel, Geldwäsche, Raubüberfälle, Diebstähle und Zuhälterei sowie durch auffällig viele Körperverletzungsdelikte.
Arafat Abou-Chaker stellt sich gerne in der Öffentlichkeit als „Opfer“ dar. Am 22. Mai etwa stand er dem Podcaster Ben Berndt zu einem ausführlichen Gespräch zur Verfügung und behauptete: „Der Staat ist der größte Clan.“
Der Abou-Chaker-Clan löst fast monatlich in Berlin groß angelegte Polizeieinsätze aus. Zum Beispiel am 19. April. Die „BILD“ titelte: „Polizei-Großeinsatz. Clanschlägerei nach Boxkampf in Berlin“ und berichtete über eine öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung des Abou-Chaker-Clans mit dem Miri-Clan.
Kurden: Miri-Clan
Laut „Berliner Morgenpost“ kam der kurdisch-stämmige Miri-Clan ebenfalls infolge des Libanon-Krieges nach Deutschland und sei neben Berlin vor allem in Niedersachsen aktiv.
Clanchef Ibrahim Miri geriet in die Schlagzeilen, „als er nach seiner Abschiebung 2019 medienwirksam wieder nach Deutschland zurückkehrte und Asyl beantragte, berichtete damals der „Deutschlandfunk“, „trotz eines siebenjährigen Einreiseverbots“.
Der Kölner Sender damals weiter: „Miri ist Oberhaupt einer Großfamilie, von denen mehrere Hundert Mitglieder schon im Visier der Justiz standen. Er war Chef des verbotenen Rockerclubs Mongols, wird mit Erpressung, Waffenhandel und anderen Delikten in Verbindung gebracht. 2014 wurde er wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu sechs Jahren Haft verurteilt. Vor einem Jahr kam er auf Bewährung frei.“
Vor drei Jahren berichtete die „tagesschau“ über ein weiteres Clanmitglied: Heisem Miri. „Sein Fall gilt als beispielhaft“, ist in dem Artikel zu lesen: „17 Staatsanwaltschaften hatten den Mann, der in Deutschland mit zahlreichen Aliasnamen agierte, über die Jahre zur Fahndung ausgeschrieben.“
Er wird verdächtigt, 2009 im Auftrag seiner Familie einen sogenannten Ehrenmord bei Bremen begangen zu haben. Danach verschwand er in die Türkei. Doch der türkischen Polizei soll es dreimal nicht gelungen sein, ihn festzunehmen. Rechtshilfeersuchen seitens Deutschlands seien aus der Türkei unbeantwortet geblieben. Laut der „tagesschau“ sei die Türkei ein „Exil für Clankriminelle“.
„Urvater der Clankriminalität“: Al-Zayn
Ins gleiche Profil passt der zweite kurdisch-libanesische Al-Zayn-Clan, auch El-Zein genannt. Beide, der Miri- und der Al-Zayn-Clan, begingen 2014 einen spektakulären Raub im Berliner Luxuskaufhaus „KaDeWe“.
Mahmoud Al-Zayn gilt als Clanchef der Al-Zayns. Nach zahlreichen Haftstrafen reiste er 2021 nicht in den Libanon, den er als Geburtsland angegeben hatte, aus. Vielmehr flog er in die Türkei, plötzlich „ausgestattet mit einem türkischen Pass auf seinen im türkischen Melderegister eingetragenen Namen“, berichtete der Berliner „Tagesspiegel“.
Ende 2024 setzte er vor einem Berliner Gericht seine Wiedereinreise durch, obwohl laut „Tagesspiegel“ seit 2005 70 Strafverfahren gegen den Clanchef geführt worden seien.
Das Blatt weiter: „El-Zein ist gewissermaßen der Urvater der Clankriminalität in Berlin, hatte in der Unterwelt großen Einfluss und Macht. Er steht zugleich für das jahrzehntelange Versagen der Behörden im Umgang mit kriminellen Clanmitglieder.“ Laut „Berliner Morgenpost“ ist der Al-Zayn-Clan in Berlin „einer der größten“.
Sie sind Deutsche
„Wo liegen die Schwierigkeiten im Kampf gegen die Clans?“, fragte vergangenes Jahr die „Morgenpost“ und gab als Antwort: „In der Regel sind die Clanmitglieder deutsche Staatsbürger, die man schlicht nicht abschieben kann. Viele andere sind außerdem staatenlos, sie können also nach deutschem Recht selbst als verurteilte Straftäter nur ausgewiesen werden, wenn man ihnen ihr Herkunftsland auch zweifelsfrei nachweisen kann – was in der Praxis kaum möglich ist.“
Die „Rheinische Post“ in Düsseldorf recherchierte zu den Hintergründen des Aufstiegs der Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen und kam vor drei Jahren zu dem Schluss: „Der Aufstieg der kriminellen arabischen Clans“ habe mit dem Abstieg des Ruhrgebiets begonnen. Mit den Schließungen von Zechen und Hüttenwerken seien viele Menschen weggezogen. Ganze „Straßenzüge und Wohnungen standen plötzlich leer“, so die Zeitung. Die großen arabischen „Familienverbände“ hätten diese für „einen Spottpreis“ erwerben und dort einziehen können.
Clan – was ist das?
Im August 2023 hatte die damalige Innenministerin Nancy Faeser (SPD) vorgeschlagen, „kriminellen Großfamilien“ Einhalt zu gebieten – und auch Menschen abzuschieben, die nicht straffällig geworden sind. FDP und Grüne hielten das für unrechtmäßig, die Union – heute selbst in Regierungsverantwortung – hielt Faesers Vorschlag für Heuchelei.
Während sich in der Politik, bei der Polizei und bei zahlreichen Medien der Begriff „Clankriminalität“ weitgehend eingebürgert hat, machen nun der „SPIEGEL“ und der „Deutschlandfunk“ darauf aufmerksam, dass diese Bezeichnung umstritten sei, weil sie nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Einwanderungshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisieren und diskriminieren könnte.
Unter dem Begriff „Clankriminalität“ fällt nach Definition des Landeskriminalamts NRW unter anderem folgendes: die „vom Gewinn- oder Machtstreben bestimmte Begehung von Straftaten unter Beteiligung Mehrerer, wobei in die Tatbegehung bewusst die gemeinsame familiäre oder ethnische Herkunft als verbindende, die Tatbegehung fördernde oder die Aufklärung der Tat hindernde Komponente einbezogen wird.“
Den Tätern fehle es zudem an der „Akzeptanz der deutschen Rechts- oder Werteordnung“. Von einer familiär organisierten Zusammenarbeit bei der Tatausführung könne laut LKA „ausgegangen werden, da sie zum Wohle des Clans begangen“ werde.
Neben den eigentlichen Straftaten fände durch die Clans auch eine „Besetzung des öffentlichen Raumes“ statt. Es fehle an Respekt gegenüber Polizei und Rettungsdienst.
Außerdem: „Im Gegensatz zu Strukturen der italienischen Mafia in Deutschland neigen kriminelle Clanmitglieder stets dazu, ihren Reichtum zu zeigen und mit Besitztümern zu provozieren“, berichtet das LKA.
Die mutmaßliche Räuberbande wurde 2025 nahe der deutschen Grenze in Belgien festgenommen. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
In Brüssel beginnt am Dienstag ein Prozess gegen zehn Angeklagte wegen eines geplanten Raubüberfalls in Deutschland.
Laut der Staatsanwaltschaft hatte die Gruppe einen Überfall mit schweren Waffen auf den Tresorraum eines Werttransportunternehmens in Bochum geplant.
Zu den Angeklagten gehört der in Frankreich als „Ausbrecherkönig“ bekannte Antonio Ferrara. Den Beinamen erhielt er, weil ihm dort zwei Mal die Flucht aus dem Gefängnis gelungen war.
Zu dem Raubüberfall in Bochum kam es laut der Staatsanwaltschaft nicht, weil die Verdächtigen im Februar 2025 im belgischen Eupen nahe der Grenze zu Deutschland festgenommen wurden.
(Im Uhrzeigersinn von oben links) Grace Jin Drexel, Gao Pu, Liu Zhitong und Doria Liu. Ihre Eltern wurden wegen ihrer religiösen Überzeugungen in China vom kommunistischen Regime inhaftiert. - Foto: Madalina Kilroy und Jonny Liu/Epoch Times; mit freundlicher Genehmigung von Doria Liu
In Kürze:
Religiöse Minderheiten in China werden systematisch überwacht und verfolgt.
Dazu zählen Angehörige christlicher Hauskirchen, tibetische Buddhisten, uigurische Muslime und Falun-Gong-Praktizierende.
Auch Angehörige in den USA stehen unter Druck, da ihre Aktivitäten Auswirkungen auf Angehörige in China haben können.
Betroffene schwanken zwischen Schweigen und öffentlichem Protest.
Monatelang verschanzte sich Gao Pu in seiner Wohnung, überwältigt von einer Welle der Hoffnungslosigkeit. Er hatte keine Beziehungen, keine politische Macht und keinen Einfluss. Das Einzige, was er tun konnte, war, Beiträge in den sozialen Medien zu veröffentlichen, doch er glaubte nicht, dass dies viel bewirken würde.
Seine beiden Eltern saßen in China im Gefängnis. Sie waren Leiter einer christlichen Gemeinde und gingen auf die 70 zu. Er selbst war Tausende Kilometer entfernt – in den Vereinigten Staaten.
„Sei vorsichtig und gib gut auf dich acht“, hatte seine Mutter gesagt, als die Polizei zunächst seinen Vater mitnahm. Einige Wochen später wurde auch sie festgenommen.
Das Ehepaar Gao Quanfu und Pang Yu leitete die Kirche Light of Zion Church in Zentralchina. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Gemeinde zu einem wichtigen Treffpunkt für Christen, die Gottesdienste außerhalb der Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) feiern wollten, berichtete Gao Pu.
Glaube unter Kontrolle der Partei
Sie stellten keine Bedrohung dar, sagte Gao – sie wollten einfach ihrem Gott in Frieden dienen. Doch für Peking ist gerade der unabhängige religiöse Glaube ein Problem.
Das chinesische kommunistische Regime erlaubt offiziell nur fünf Religionen. Religiöse Organisationen müssen sich bei den Behörden registrieren, sich an sozialistischen Werten orientieren und ihre Loyalität gegenüber der KPCh demonstrieren. Wer diese engen Grenzen überschreitet, riskiert Schikanen durch die Polizei, Gefängnis oder Schlimmeres.
Gao Pu in Washington, D.C. am 5. Februar 2026. Im Mai 2025 nahmen chinesische Behörden seine Eltern, Gao Quanfu und Pang Yu, fest. Sie leiteten die Kirche Light of Zion Church in Xi’an, China.
Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times.
Millionen Gläubige in China leben täglich mit dieser Gefahr – Angehörige von christlichen Hauskirchen, tibetische Buddhisten, uigurische Muslime und Falun-Gong-Praktizierende.
Gao steht damit vor einem Dilemma – genau wie andere im Westen lebende Kinder religiöser Dissidenten. Er lebt unter dem Schutz der in der amerikanischen Verfassung garantierten Freiheiten. Doch er muss dieselbe schwere Entscheidung treffen wie Menschen in China: Schweigen oder sich öffentlich äußern und dadurch seine Familie gefährden.
Selbst die Freiheiten Amerikas können ihn nicht vor dem Schmerz schützen, zu wissen, dass seine Angehörigen in China leiden.
Bei einer Pressekonferenz im März in Washington stellte der republikanische Kongressabgeordnete John Moolenaar zwei Töchter vor: Grace Jin Drexel und Claire Lai, die sich in einer ähnlichen Lage befinden.
„Es ist so wichtig, dass wir unsere Freiheiten in diesem Land schätzen und zugleich erkennen, dass dies in China nicht der Fall ist“, sagte Moolenaar, der Vorsitzender des Sonderausschusses des Repräsentantenhauses zur Kommunistischen Partei Chinas ist.
In China würden Menschen „wegen ihrer Liebe zu Gott, ihrer Liebe zur Freiheit und ihres Respekts für die Würde des Menschen zu Unrecht eingesperrt“. Die Partei glaube nicht an Religions- und Meinungsfreiheit. „Sie hat kein Vertrauen in diese Ideale. Sie fürchtet Menschen des Glaubens und zensiert die Wahrheit.“
Wie „eine leere Hülle“
Gao sagte, dass er sich in den ersten Monaten nach der Verhaftung seiner Eltern wie „eine leere Hülle“ gefühlt habe. Mehrere andere Pastoren in China waren bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden – ein düsteres Vorzeichen für seine Eltern. „Bereiten Sie sich auf einen langen Kampf vor“, erinnerte er sich an die Worte des Anwalts seiner Eltern.
Die Eltern von Gao Pu, Gao Quanfu und Pang Yu, in Chicago im Jahr 2018. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Light of Zion Church zu einem bedeutenden Treffpunkt für Christen, die außerhalb der Kontrolle der KPCh Gottesdienste feiern wollten.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Gao Pu
Im Oktober des vergangenen Jahres wurde Grace Jin Drexel, die in den USA lebt, am Morgen durch eine Nachricht ihres Vaters, des Pastors Ezra Jin, geweckt. Es handelte sich um einen Gebetsbrief, den er kurz zuvor an seine Gemeinde in Peking versendet hatte. Darin brachte er seine Sorge über die Festnahme eines anderen Pastors am Vortag zum Ausdruck.
Im Laufe des Tages versuchten Drexel und ihre Mutter wiederholt, ihn zu erreichen – vergeblich, denn jede Antwort blieb aus.
Schließlich bestätigte sich, dass auch Jin verhaftet worden war – einer von 28 Menschen, die bei einer groß angelegten Razzia gegen Hauskirchen in Peking festgenommen wurden.
Weihnachten kam und ging, dann das chinesische Neujahrsfest und Ostern. Eine Gelegenheit nach der anderen, sich als Familie zu treffen, verstrich. Sowohl Drexel als auch Gao verbrachten diese Tage in Sorge um ihre Eltern.
Ezra Jin (r.), Gründer der Zion Church in Peking. (Archivfoto)
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Grace Jin Drexel.
Weder sie noch ihre Angehörigen in China durften die Inhaftierten besuchen. Die Gefangenen können keine Briefe empfangen und keine Telefonate führen. Die spärlichen Informationen über ihre Haftbedingungen waren erschütternd.
Illegale Kirchenmusik
Gaos Mutter, die an Herzproblemen und Angstzuständen litt, hatte keinen Zugang zu Medikamenten. Drexels Vater musste zusammen mit Dutzenden anderen Gefangenen auf einer Matte auf dem Boden schlafen. Da das Fenster der Zelle keine Scheiben hatte, drangen Wind und Regen herein, sodass die Häftlinge nachts froren.
Den Eltern von Gao wurde zunächst vorgeworfen, durch „Aberglauben die Strafverfolgung behindert“ zu haben. Später wurde die Anklage in Betrug geändert. Jin wird die „illegale Nutzung von Informationsnetzwerken“ vorgeworfen. Sowohl Gao als auch Drexel bezeichnen diese Anschuldigungen als haltlos.
„Wenn man nachfragt und wissen will, welche illegalen Informationen verbreitet wurden, können sie nur auf Predigten und Kirchenmusik verweisen, die weiterhin auf YouTube verfügbar sind“, sagte Drexel. „Warum ist das in China illegal? Was genau an einer normalen Predigt oder an geistlicher Musik soll gesetzeswidrig sein?“
(v. l.) Claire Lai, Tochter des Hongkonger Verlegers und Aktivisten Jimmy Lai, der zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, während einer Pressekonferenz mit dem US-Abgeordneten John Moolenaar und Grace Jin Drexel, Tochter des Pastors Ezra Jin, in Washington, D.C. am 19. März 2026.
Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times
Religiöse Menschen können in China über Nacht zu Staatsfeinden werden, sobald sie in Ungnade fallen.
Als das KP-Regime 1999 eine landesweite Kampagne zur Auslöschung von Falun Gong startete, waren die Praktizierenden schockiert. Viele reisten nach Peking, um die Führung zu einem Einlenken zu bewegen. Stattdessen wurden sie verhaftet und misshandelt.
Chinesische Polizisten nehmen Falun-Gong-Praktizierende auf dem Tian’anmen-Platz in Peking fest. (Archivfotos)
Foto: Chien-Min Chun/AP Photo, Minghui.
Nur kurze Zeit zuvor hatten chinesische Staatsmedien viele dieser Menschen als vorbildliche Bürger gefeiert – als Helfer bei Überschwemmungen, Leistungsträger in ihren Betrieben, Studenten von Elite-Universitäten, Veteranen und Wissenschaftler. Über Nacht wurden sie zu Staatsfeinden erklärt.
Ein ähnliches Schicksal traf Jahre später chinesische Christen, erklärte Pastor Bob Fu, Gründer der Menschenrechtsorganisation ChinaAid.
„Entweder du kapitulierst oder du stirbst“
Nach dem verheerenden Erdbeben in der Provinz Sichuan im Jahr 2008 organisierten Hunderttausende chinesische Christen Hilfsgüter und errichteten provisorische Schulen für obdachlose Kinder.
Doch selbst während der Rettungsarbeiten verfolgten die Behörden sie weiter. Ein Mann, der eine Gruppe christlicher Freiwilliger beherbergt hatte und später zum Christentum konvertierte, wurde laut ChinaAid beschuldigt, „illegale Versammlungsräume bereitgestellt“ und „rechtswidrige Predigttätigkeiten ausgeübt“ zu haben. Er wurde fünf Tage lang festgehalten.
Bob Fu, Präsident von ChinaAid, spricht am 2. Mai 2019 bei einer Veranstaltung in Washington, D.C.
Foto: Epoch Times
„Aus Sicht der Kommunistischen Partei ist alles politisch“, sagte Fu. Wenn die Partei „Gott spielen“ wolle, werde jede Weigerung, sich vor der Führung oder ihrer Ideologie zu verbeugen, als Verrat betrachtet.
Drexels Vater zahlte den Preis dafür, dass er Nein sagte. 2018 schlossen die Behörden die Zion Church, nachdem er sich geweigert hatte, Überwachungskameras im Kirchenraum zu installieren. Zudem erhielt er ein Ausreiseverbot. „Entweder du kapitulierst oder du stirbst“, sagte Drexel. So funktioniere das Regime.
Ezra Jin, Gründer der Zion Church, in Peking im Jahr 2018.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Grace Jin Drexel
Maureen Ferguson, Mitglied des US-Ausschusses für internationale Religionsfreiheit, erklärte, dass alle Glaubensgemeinschaften in China betroffen seien – von uigurischen Muslimen über Falun-Gong-Praktizierende und Tibeter bis zu katholischen und evangelischen Untergrundgemeinden und Hauskirchen.
Die Methode sei systematisch und bewusst darauf ausgerichtet, dass die KPCh jeden Bereich des religiösen Lebens kontrolliere. Seit 1999 stufen die Vereinigten Staaten China wegen schwerer Verletzungen der Religionsfreiheit regelmäßig als „Land von besonderer Besorgnis“ ein.
Maureen Ferguson, Mitglied des US-Ausschusses für internationale Religionsfreiheit, spricht bei einer Veranstaltung in Washington, D.C., am 4. März 2026.
Foto: Bildschirmfoto via Epoch Times
Teigtaschen, die die Mutter zubereitete
Liu Zhitongs Stimme versagte, als sie über ihre 60-jährige Mutter Kong Qingping sprach.
Ihr letztes Wiedersehen fand Ende 2019 statt. Kong besuchte ihre Tochter, die in San Francisco lebt, und blieb bis zum chinesischen Neujahrsfest. Jeden Tag nach der Arbeit eilte Liu nach Hause und öffnete die Tür zu den vertrauten Düften ihrer Heimat: geschmortes Rindfleisch, knusprig-süßsaures Schweinefleisch und gebratene Garnelen.
Monate später dachte Liu noch immer an die prallen, saftigen Teigtaschen, die ihre Mutter im Gefrierschrank hinterlassen hatte. Jeder Bissen ließ sie fühlen, als sei ihre Mutter noch bei ihr.
Diese glücklichen Wochen waren viel zu kurz.
Etwa einen Monat nach Kongs Rückkehr nach China durchsuchte die Polizei ihre Wohnung und beschlagnahmte Flugblätter und Bücher über ihren Glauben, Falun Gong. Kong tauchte mehr als zwei Jahre unter, bevor die Behörden sie aufspürten und zu sieben Jahren Gefängnis verurteilten.
Das Urteil traf Liu wie ein Schlag. „Das ist so lange“, sagte sie. „Sieben Jahre – ich kann es kaum ertragen, daran zu denken.“
Falun-Gong-Praktizierende Liu Zhitong in San Francisco am 8. April 2026. Ein chinesisches Gericht verurteilte ihre Mutter zu sieben Jahren Haft wegen ihres Glaubens an Falun Gong.
Foto: Jonny Liu/Epoch Times
Zweimal änderte die Polizei Aussagen von Kongs Nachbarin ab, um zu behaupten, Kong habe in der Wohnanlage Flugblätter verteilt. Die Nachbarin weigerte sich, die Aussagen zu unterschreiben, doch sie wurden dennoch in die Gerichtsakten aufgenommen.
Sogar Neujahrssprüche, die Kong an ihren Türrahmen gehängt hatte, führte das Urteil als belastendes Beweismaterial auf. Einer davon lautete: „Sei wahrhaftig, sei gütig, Nachsicht steht an erster Stelle.“ Diese Worte beziehen sich auf die drei Grundsätze von Falun Gong: Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht.
Liu bezeichnet die Rechtfertigung der Behörden als vollkommen unverständlich. „Welches dieser Worte verstößt gegen das Gesetz?“, fragte sie. „Es sagt den Menschen doch nur, dass sie bessere Menschen werden sollen.“
Ein Foto der Falun-Gong-Praktizierenden Liu Zhitong und ihrer Mutter wird auf einem Computerbildschirm in San Francisco am 8. April 2026 angezeigt.
Foto: Jonny Liu/Epoch Times
Repression über Grenzen hinweg
Noch schmerzhafter ist es, unter dem Schutz des ersten Verfassungszusatzes, der die Meinungsfreiheit garantiert, zu leben und dennoch zu wissen, dass die Ausübung dieser Freiheit Konsequenzen für die geliebten Menschen in China hat.
Die Aktivistin Rushan Abbas sprach öffentlich über die Verfolgung der Uiguren in der Region Xinjiang. Kurz darauf wurde ihre Schwester Gulshan verhaftet und sitzt bis heute im Gefängnis.
Nachdem auf die Hongkonger Dissidentin Anna Kwok ein Kopfgeld ausgesetzt worden war, wurde ihr Vater verurteilt, weil er versucht hatte, Gelder abzuheben, die mit ihr in Verbindung gebracht wurden.
Auch Liu wurde bedroht.
Kurz nachdem sie bei einer Demonstration die Geschichte ihrer Mutter erzählt hatte, zeigten chinesische Behörden dem Anwalt ihrer Mutter ein Foto von Liu, auf dem sie ein Banner hielt. Die Botschaft war eindeutig: Wir beobachten dich. Zugleich erhielt sie eine direkte Warnung: „Komm niemals nach China zurück.“
Rushan Abbas, die Gründerin der Organisation Campaign for Uyghurs, spricht am 7. Mai 2025 in Washington, D.C. über den „Stop Forced Organ Harvesting Act“. Sie sagte, die Repression in Xinjiang habe zur Festnahme ihrer Schwester Gulshan geführt, die weiterhin in Haft ist.
Foto: Madalina Vasiliu/Epoch Times
Die Angst ist real.
Drexel sagte, dass sie sich verfolgt und überwacht fühlt, wenn sie sich mit Menschen trifft, mit denen sie über den Fall ihres Vaters spricht. Die Autoreifen ihrer Mutter wurden in der Garage aufgeschlitzt – möglicherweise als Einschüchterungsmaßnahme.
Drexel erwartet inzwischen ihr drittes Kind. Sie und ihr Ehemann haben Sicherheitskameras rund um ihr Haus installiert. Ihr Mann schläft mit einem Baseballschläger neben dem Bett, um sie und die Kinder zu schützen.
„Sie wollen, dass wir still sind“, sagte Drexel über das chinesische Regime. „Ich bin nur eine einzelne Person, und doch versuche ich, offenzulegen, was in der zweitmächtigsten Nation der Welt geschieht.“ Peking verfüge über alle Mittel, sagte sie. „Sie haben das Justizsystem. Sie haben die Polizei. Ich bin einfach nur ich selbst.“ Und: „Es ist sehr beängstigend, daran zu denken.“
Grace Jin Drexel, Tochter des Pastors Ezra Jin, spricht während einer Veranstaltung der Stiftung Victims of Communism Memorial Foundation am 27. Oktober 2025 in Washington, D.C.
Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times
Von Freude zu Trauer
Für die Kinder chinesischer religiöser Dissidenten ist das Konzept der kindlichen Pietät – die Eltern zu ehren, zu respektieren und für sie zu sorgen – so tief in der chinesischen Kultur verwurzelt, dass sie es kaum ausdrücklich erwähnen würden. Doch es verstärkt ihr Gefühl von Ohnmacht, Trennung und Schuld.
Im Mai 2023 feierten Doria Liu und ihr Ehemann den Welt-Falun-Dafa-Tag, der an die öffentliche Einführung ihres Glaubens und an die Widerstandskraft der Falun-Gong-Gemeinschaft erinnert. Während eines Videoanrufs zeigte Liu ihrer Mutter, Meng Zhaohong, ein Foto von sich und ihrem wenige Monate alten Sohn. Beide strahlten in leuchtend gelben T-Shirts.
Meng, die zahlreiche Foltersitzungen in chinesischen Gefängnissen überlebt hatte, wischte sich still die Tränen aus den Augen.
Doria Liu mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in San Francisco im Juli 2024. Ihre Mutter, Meng Zhaohong, wurde in China zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie auf einem Markt mit Menschen über Falun Gong gesprochen hatte.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Doria Liu
Sie versprachen, am nächsten Tag erneut miteinander zu sprechen. Dazu kam es nie. Meng wurde verhaftet, weil sie auf einem Markt mit Menschen über Falun Gong gesprochen hatte.
In den elf Jahren, seit Liu aus China geflohen war, hatte Meng die Hochzeit ihrer Tochter, die Geburt ihres Enkels und all die kleinen Freuden des Heranwachsens des Jungen verpasst.
Schuldgefühle überkamen Liu, als sie mit ihrem Sohn am Lake Tahoe in Kalifornien einen Schneemann baute, in Japan in heißen Quellen badete oder Grillabende veranstaltete – all das sind Dinge, die ihre Mutter ebenfalls liebt.
Wenn alle lachen und die Freude groß ist, tut es plötzlich besonders weh.
„Ich habe das Gefühl, dass ich mir nicht erlauben darf, zu glücklich zu sein“, sagte sie. „Sobald ich glücklich bin, erinnere ich mich daran, dass meine Mutter in China leidet.“
Doria Liu, begleitet von ihrem Ehemann und ihrem Sohn, fordert am 19. Juni 2023 vor dem Generalkonsulat der Volksrepublik China in San Francisco die Freilassung ihrer inhaftierten Mutter Meng Zhaohong.
Foto: Yu Yuan/Epoch Times
Glaube in der Dunkelheit
In den vergangenen sechs Jahren, seit der Inhaftierung ihres Vaters Jimmy Lai in Hongkong, hat Claire Lai miterlebt, wie sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte.
Das Gehör und das Sehvermögen des 78-Jährigen haben nachgelassen. Seine Fingernägel wurden trocken, verfärbten sich und fielen teilweise aus. Seine Zähne verfaulten, und seine Haut ist eingefallen. „Das Einzige, was sich nicht verändert hat, ist sein Lächeln“, sagte Claire Lai.
Sie bezeichnet sich selbst als die „Sorgenvollste“ der Familie. Bei der Pressekonferenz im März holte sie tief Luft, während sie den Zustand ihres Vaters beschrieb, und ihre Stimme geriet dabei zeitweise ins Stocken.
Claire Lai, Tochter von Jimmy Lai, spricht während einer Pressekonferenz in Washington, D.C. am 19. März 2026.
Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times
Ihr Vater, ein Medienunternehmer, der sich für Demokratie in Hongkong eingesetzt hatte, wurde auf Grundlage des sogenannten Nationalen Sicherheitsgesetzes zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Er habe keinen direkten Zugang zu Sonnenlicht oder frischer Luft. Anstatt verbittert zu werden, habe ihr Vater, ein gläubiger Katholik, sein Leiden mit Würde angenommen, sagte sie. Er habe sie, sein „sanftmütiges, aber hartnäckiges Kind“, gebeten, für diejenigen zu beten, die ihn misshandeln.
„Wärter, die hart zu ihm sind, sollen ihm Demut lehren. Die Zwangsarbeit – das Falten von Umschlägen –, die ihm starke Rückenschmerzen bereitet, sollen ihn in Standhaftigkeit wachsen lassen. Die Fahrten zum Gericht, bei denen er angekettet im Dunkeln sitzt und sich nicht bewegen kann, sollen ihn Geduld lehren.“
Gottes ausgestreckter Arm gegenüber Sündern stehe in scharfem Kontrast zur geballten Faust der Partei sowie zu Hammer und Sichel, sagte sie.
Menschen protestieren am 14. Februar 2026 vor dem chinesischen Generalkonsulat in Los Angeles gegen die Verurteilung von Jimmy Lai. Seine Tochter Claire Lai sagte, seine Gesundheit habe sich in der Haft deutlich verschlechtert.
Foto: Apu Gomes/Getty Images
Drexel, die sich die Tränen abwischte, erklärte, sie glaube, dass das Leiden letztlich einem höheren Zweck dienen könne. „Ich glaube, dass Gott uns in dieser Zeit prüft – wie Silber, das im Feuer geläutert wird: schmerzhaft, aber voller Liebe“, sagte sie im Februar auf einer Konferenz zur internationalen Religionsfreiheit.
Der atheistische Kommunismus habe nicht verstanden, dass Religion unter Druck oft noch stärker werde, sagte David Stilwell, ehemaliger Abteilungsleiter für Ostasien und den Pazifik im US-Außenministerium. Stilwell, der früher an der US-Botschaft in Peking tätig gewesen war, erinnerte daran, dass noch vor Beginn der massiven Verfolgung von Falun Gong im Jahr 1999 sogar Familienangehörige hochrangiger Funktionäre diese spirituelle Praxis ausübten.
„Dass das Regime so hart gegen Falun Gong vorging, war ein Fehler“, sagte er.
Der damalige Partei- und Staatschef Jiang Zemin kündigte an, Falun Gong innerhalb von drei Monaten auszulöschen. Das ist nicht gelungen. Ebenso wenig sind die christlichen Hauskirchen aus China verschwunden.
Die Verfolgung des Glaubens sei „selbstzerstörerisch“, so Stilwell. Mehr Unterdrückung führe zu mehr Widerstand. „Das liegt in der menschlichen Natur. Und auch in der spirituellen Natur.“
Der ehemalige Abteilungsleiter für Ostasien und Pazifik im US-Außenministerium, David Stilwell, in Washington, D.C. am 21. Juni 2022. Stilwell, der zuvor zwei Jahre an der US-Botschaft in Peking tätig war, bemerkte, dass vor Beginn der Verfolgung von Falun Gong vor 27 Jahren sogar Familien hochrangiger Funktionäre diese spirituelle Praxis angenommen hatten.
Foto: Matthew Pearson/CPI Studios
Ein Funken Hoffnung
Am Vorabend des chinesischen Neujahrsfestes bereitete Liu Zhitongs Familie Teigtaschen mit Rindfleisch und Paprika zu – genau jene, die ihre Mutter sechs Jahre zuvor gemacht hatte, als sie noch in Freiheit war.
Einige Monate nach ihrer Festnahme hatte ihre Mutter mehr als 15 Kilogramm Gewicht verloren, sagte Liu. Im Gefängnis muss sie Zwangsarbeit leisten und Näharbeiten verrichten.
Es fällt Liu schwer, nicht ständig an ihre Mutter zu denken. Wenn sie es tut, schmerzt ihr Herz, als laste ein schwerer Stein darauf. Sie sucht Trost in ihrem Glauben und erinnert sich daran, dass alles Weltliche vorübergeht.
Während ihre Eltern in chinesischen Gefängnissen ausharren, klammern sich ihre Kinder in Amerika an einen Funken Hoffnung.
Der Abgeordnete Moolenaar schrieb kürzlich an US-Präsident Donald Trump über die „systematische“ und zunehmende Verfolgung von Gläubigen in China.
„Das Ausmaß und die Intensität der willkürlichen und unrechtmäßigen Inhaftierungen durch die KPCh sowie weiterer Missbräuche wie Trennungen von Familien und Zwangsarbeit stellen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar“, schrieb er. Er forderte den Präsidenten auf, das Thema bei seiner Reise nach Peking anzusprechen und die Freilassung religiöser Gefangener zu verlangen.
Eine Illustration eines Zwangsarbeitslagers in China.
Foto: Minghui.org
Die Verhaftung ihrer Eltern, die gute Freunde sind, hat Drexel und Gao in den Vereinigten Staaten enger zusammengeführt und ihren Kampf weniger einsam gemacht. „Wir brauchen einen Erfolg auf unserer Seite, egal, wie klein er ist“, sagte Gao.
Sie fühlen sich verletzlich. Doch sie wünschen sich ihre Eltern zurück. Und sie sehen keine andere Möglichkeit, als weiterhin ihre Stimme zu erheben.
Doria Liu erinnert sich an glücklichere Zeiten, als sie noch regelmäßig mit ihrer Mutter telefonieren konnte.
Doria Liu und ihre Eltern in Heilongjiang, China, um 1992. Ihre Mutter, Meng Zhaohong, wurde 2024 von einem chinesischen Gericht zu vier Jahren Haft verurteilt, weil sie Falun Gong praktiziert.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Doria Liu
Ihre Familie war gerade in ein neues Haus eingezogen. Ihre Mutter sprach davon, welche Gemüsesorten sie pflanzen würde: hier grüne Bohnen, dort Auberginen, „sobald ich zu euch komme“, hatte sie gesagt.
Das Gartenbeet liegt bis heute weitgehend brach. Ein paar junge Bäume stehen hinter einem sorgfältig gepflegten Rasenstreifen. „Es wartet darauf, dass sie die Samen aussät“, sagte Liu.
Die schwer verletzte Kletterin wurde wegen des schwierigen Geländes per Hubschrauber gerettet. (Symbolbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
In Rheinland-Pfalz hat eine 54-jährige Kletterin einen sieben Meter tiefen Sturz überlebt.
Der Unfall ereignete sich am Sonntagnachmittag am Burghalderfelsen in Hauenstein, wie am Montag das Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern mitteilte.
Die schwerverletzt Frau sei „aufgund der schwierigen Geländelage“ mittels eines Rettungshubschraubers geborgen worden, hieß es. Dieser brachte die Kletterin aus dem Raum Saarbrücken in ein Krankenhaus.
Eine Fremdeinwirkung lag den Angaben zufolge nicht vor. Der Burghalderfelsen ist ein bei Kletterern beliebter Felsen im Süden von Rheinland-Pfalz. (afp/red)
Die WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, weil der Ausbruch wochenlang unbemerkt blieb. (Archivbild) - Foto: Jerome Delay/AP/dpa
Nach dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen mehr als 900 Verdachtsfälle gemeldet worden.
Wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Sonntagabend mitteilte, wurden in dem zentralafrikanischen Land mittlerweile 101 Ebola-Infektionsfälle bestätigt.
Neue Angaben zu Todesfällen machte er nicht. Das kongolesische Gesundheitsministerium hatte am Samstag von 204 Todesfällen bei insgesamt 867 Verdachtsfällen gesprochen.
Uganda: Zwei neue Fälle – Anstieg auf sieben
In Uganda sind nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums zwei weitere Ebola-Fälle nachgewiesen worden. Damit ist die Zahl der bestätigten Fälle in dem ostafrikanischen Land auf sieben gestiegen. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich bei den neuen Fällen um zwei Mitarbeiter einer privaten Klinik in Kampala. Sie seien in Behandlung, hieß es. Alle Kontaktpersonen würden überwacht und mit Blick auf ihre Kontakte nachverfolgt.
Zuvor hatte das Ministerium über eine Frau aus der Demokratischen Republik Kongo berichtet, die mit einem Flugzeug in die ugandische Hauptstadt Kampala gereist war. Sie wurde dort mit Bauchbeschwerden in einer privaten Klinik behandelt und sei dann zurückgereist. Eine Probe von ihr sei inzwischen positiv auf Ebola getestet worden, hieß es.
Ausbruch erstmals am 15. Mai gemeldet
Der Ebola-Ausbruch war am 15. Mai in der von bewaffneten Konflikten betroffenen kongolesischen Provinz Ituri gemeldet worden. Nach Einschätzung der WHO hatte sich das Virus zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon seit Monaten unentdeckt ausgebreitet.
Die Übertragung des Ebola-Virus erfolgt durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten, die Inkubationszeit kann bis zu drei Wochen betragen.
Die aktuelle Epidemie wird von der erstmals 2007 nachgewiesenen seltenen Bundibugyo-Variante verursacht, gegen die es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie gibt. Die Sterblichkeitsrate bei dieser Ebola-Variante liegt bei etwa 30 bis 50 Prozent.
Die WHO hat wegen der Epidemie eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen – ihre zweithöchste Alarmstufe. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (Africa CDC) rief wegen des „hohen Risikos einer regionalen Ausbreitung“ für den gesamten Kontinent den Notstand aus. Auch aus Uganda wurden bereits Infektionsfälle gemeldet. (afp/dpa/red)
Der Jugendliche wurde bereits vor mehreren Tagen festgenommen. (Symbolbild) - Foto: Marcus Brandt/dpa
In Düsseldorf ist ein Mann erstochen worden. Zwei Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mitteilten. Erste Ermittlungen deuteten auf einen Streit hin, es wird aber noch weiter zu den Hintergründen ermittelt.
Am Sonntagabend wurde den Angaben nach zunächst die Feuerwehr wegen eines Schwerverletzten in den Stadtteil Friedrichstadt gerufen. In der Wohnung eines Mehrfamilienhauses fanden die Einsatzkräfte das Opfer. Der 38-Jährige sei noch am Tatort gestorben. Der Mann hatte keinen festen Wohnsitz, wie die Polizei mitteilte.
Die beiden Festgenommenen sind 35 und 45 Jahre alt. Einer von ihnen wurde noch vor dem Haus gefasst, der andere wenig später nach einer Fahndung in Duisburg. Beide sollen einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. (afp/red)
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz legt nach seiner Wahl in einer Sondersitzung des Bundestages am 6. Mai 2025 in Berlin seinen Amtseid ab. Der Amtseid mit der Formel „So wahr mir Gott helfe“ steht laut den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages nicht im Widerspruch zur religiös-weltanschaulichen Neutralität des Staates. - Foto: Sean Gallup/Getty Images
„Was ist aus Gott geworden?“, fragte am 16. Mai im kanadischen Calgary der ehemalige Ministerpräsident von Neufundland, Alfred Brian Peckford, die Zuhörer auf einer Konferenz für Anwälte. Er warf den kanadischen Juristen eine zunehmende Säkularisierung von Justiz und Verfassung in Kanada vor.
Die meisten Deutschen sind Kirchenmitglieder
In Deutschland sind Staat und Kirche offiziell voneinander getrennt. Dennoch kooperiert der Staat mit den beiden christlichen Großkirchen. Das bekannteste Beispiel ist der Einzug der Kirchensteuer für die evangelische sowie für die katholische Kirche. Hier tritt der Staat jedoch nur als Dienstleister auf und lässt sich von den Kirchen dafür auch bezahlen.
Evangelische Freikirchen und andere christliche religiöse Gemeinschaften hingegen, wie die Neuapostolische Kirche, Baptisten, Mennoniten, Pfingstler, Adventisten, Mormonen oder die Heilsarmee, finanzieren sich über freiwillige Spenden und sind vom Staat bewusst unabhängig. Insgesamt bekennen sich laut „Statista“ knapp 900.000 Christen in Deutschland zu Freikirchen.
Zum katholischen Glauben bekennen sich 19,4 Millionen Deutsche, zum evangelischen Glauben 17,4 Millionen. Zusammengenommen bekennen sich unter den 83,4 Millionen Deutschen 37,7 Millionen zum Christentum und stellen damit eine leichte Mehrheit dar.
Christliche Grundsätze in der Politik
So verwundert es nicht, dass sich auf den ersten Blick in der Politik und in manchen staatlichen Einrichtungen ein christliches Grundverständnis der deutschen Gesellschaft abbildet. Etwa in christlich-religiösen Grundsätzen und Symbolen. Die Partei Christlich Demokratische Union (CDU) zum Beispiel definiert ihre Politik laut eigenem Grundsatzprogramm von 2024 über „das christliche Verständnis vom Menschen“.
Theologisch konkret wird die CDU mit dieser Aussage jedoch nicht. Vielmehr fühlt sie sich auch „den Traditionen der Aufklärung verpflichtet und erklärt, allen Menschen offen zu stehen, die – unabhängig von der eigenen religiösen Überzeugung“ die Grundwerte der Partei teilen.
Damit ist die CDU trotz Namensgebung keine explizit christliche Partei. Da sie sich zudem auf das Zeitalter der Aufklärung beruft, deren Grundgedanke der Humanismus ist, gibt es Christen, die der Partei ihr vermeintliches „Christsein“ gänzlich absprechen.
Nach jeder Bundeskanzlerwahl sind in erster Linie Christen daran interessiert, welche Eidesformel der neue Bundeskanzler spricht. Der Amtseid des Bundeskanzlers ist in Artikel 56 des Grundgesetzes (GG) in Verbindung mit Artikel 64, Absatz 2 GG festgelegt und entspricht dem Eid des Bundespräsidenten. Die Schlussworte „So wahr mir Gott helfe“ am Ende der Eidesformel sind ein freiwilliger Zusatz. Diese Option drückt damit Respekt vor der Glaubensfreiheit gemäß Artikel 4 GG aus.
Während Friedrich Merz (CDU) den Amtseid mit dem religiösen Zusatz ablegte, nutzte sein Vorgänger Olaf Scholz (SPD) den weltlichen Zusatz „Ich schwöre es“. Gerhard Schröder (SPD) war der erste Bundeskanzler, der auf Gottes Hilfe bei seinem Amtseid verzichtete.
Laut der einstigen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die als Pfarrerstochter aufwuchs, war der Zusatz ein selbstverständliches Bekenntnis. „Die Formel ‚So wahr mir Gott helfe‘ macht uns Menschen bewusst, dass all unser Handeln und Bestreben fehlbar und begrenzt ist“, wird sie auf dem von katholischen Kirche betriebenen Onlineportal „katholisch.de“ zitiert.
Im Grundgesetz sticht die Präambel mit einem Gottesbezug hervor: Dort heißt es im ersten Satz: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen […] hat sich das Deutsche Volk […] dieses Grundgesetz gegeben.“ In diesem ersten Satz wird eine Selbstbegrenzung der staatlichen Macht ausgedrückt. Die letzte Instanz sei nicht der Mensch, sondern Gott.
Obwohl die Gründerväter und -mütter der Bundesrepublik höchstwahrscheinlich bei dem Begriff „Gott“ an den christlich-jüdischen Gott der Bibel bzw. der Thora dachten, kann Gott heute auch für die dritte abrahamitische Glaubensrichtung, den Islam, gelten und grenzt Muslime nicht aus. Denn im Arabischen nutzen auch Christen den Begriff „Allah“ für den biblischen Gott.
Staatliche Neutralität
Wie aber steht es um die weltanschauliche Neutralität des Staates? Dazu hatten die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages im Jahr 2016 eine Stellungnahme herausgegeben.
Darin heißt es: „Ein Widerspruch der Präambel zu der religiös-weltanschaulichen Neutralität des Staates läge nur dann vor, wenn die Präambel sich für einen christlichen Staat ausspräche oder den Einzelnen auf den christlichen Glauben festlegen würde.“
Insbesondere wird in diesem Zusammenhang auf Artikel 4, Absatz 1 des GG verwiesen: Das dort verankerte Grundrecht der Glaubens- und Gewissensfreiheit schütze die innere Freiheit des Einzelnen, religiöse und weltanschauliche Überzeugungen zu bilden und diese nach außen zu bekennen und zu verbreiten. Zudem sei auch das Recht, keinen Glauben oder keine Weltanschauung zu teilen, geschützt.
Dennoch bleibt die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, bei der Vereidigung der höchsten Staatsvertreter und bei der Verbeamtung einen Eid anzubieten, bei dem die Option besteht, auf Gott zu schwören oder nicht. Schließlich erleben alle christlichen Religionsgemeinschaften jedes Jahr massive Austritte und die deutsche Gesellschaft wird zunehmend säkular.
Außerdem verbietet das Neue Testament der christlichen Bibel sogar ausdrücklich das Schwören. In der Bergpredigt (Matthäus 5,34) stellte Jesus eine Forderung auf: „Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt.“ Und wenig später (Matthäus 5, 37) mahnte er: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“
Kurzum: Wer schwört, um seine Worte zu untermauern, dessen normale Worte scheinen offenbar weniger glaubwürdig. Jesus aber ermahnt oder ermutigt dazu, dass auch ohne Schwur die Worte eines Menschen glaubhaft gemeint sein sollen.
In einer Auslegung der katholischen Kirche, dem „Katechismus“ heißt es, Jesu Worte würden nur das „mitmenschliche Verhalten“ betreffen „und nicht unmittelbar die Eidesableistung vor Gericht“. Und weiter: „Die katholische Kirche sucht der Forderung der Heiligen Schrift dadurch zu entsprechen, dass sie die Eidesleistung möglichst einschränkt und sie nur für erlaubt ansieht, wenn schwerwiegende Gründe dafür sprechen.“
Zudem wird in dem Katechismus darauf hingewiesen, dass auch die evangelische Theologie „die sittliche Erlaubtheit des Eides, der ein Bekenntnis zu Gott zum Ausdruck bringt“, bekräftige. Unter zahlreichen Freikirchen wird indes jegliche Form von Eid oder Schwur abgelehnt. Die ältesten christlichen Glaubensrichtungen dieser Art sind die Mennoniten, die Herrnhuter Brüdergemeine und die Quäker.
In sechs Bundesländern – Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern – gibt es in den Landesverfassungen keinen Bezug zu Gott. Ähnlich uneinheitlich wie in Deutschland sieht es auch bei den Mitgliedsstaaten der EU aus. Neben Deutschland finden sich nur in Dänemark, Griechenland und Irlands in den Verfassungen ausdrücklich ein direkter Gottesbezug.
In Großbritannien, das immerhin drei Kreuze in der Nationalflagge des Vereinigten Königreichs, dem „Union Jack“, führt, ist staatliches Schwören auf Gott häufiger verbreitet. Wer etwa in England eingebürgert werden will, muss einen Eid schwören, der folgendermaßen beginnt: „Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen“.
Parlamentarier des Ober- und Unterhauses haben – wie in Deutschland – die Option, bei ihrer Vereidigung zu sagen „So help me God“ oder diesen Zusatz wegzulassen. Britische Monarchen haben bisher ihren Krönungseid ebenfalls mit der Formulierung „So help me God“ abgeschlossen.
Bei so wenig Gottesbezug in Europa muss gefragt werden: Wie christlich ist das „christliche Abendland“? Die katholische Kirche hat darauf eine klare Antwort. In einem Beitrag von „katholisch.de“ heißt es: „Das christliche Abendland ist Fiktion.“
Der Theologe der Hochschule Vallendar, Manfred Becker-Huberti erklärte im Jahr 2016 vor dem Hintergrund der Pegida-Bewegung in Deutschland, der Begriff „christliches Abendland“ sei ab dem 5. Jahrhundert „ursprünglich als Bezeichnung für die ehemaligen römischen Provinzen des westlichen Europas verwendet“ und als „Kampfbegriff“ gegen die griechisch-orthodoxe Kirche von Byzanz gebraucht worden.
In ähnlicher Weise werde der Begriff heute wieder angewandt, um „sich gegen eine drohende Islamisierung“ zu verteidigen. Wer den Begriff „Christliches Abendland“ in dieser Weise benutze, wolle „etwas verteidigen, was es so in der Form nie gegeben hat“, erklärt der katholische Theologe.
Die Frage nach einem Leben mit oder ohne Gott ist eine der ältesten Fragen der Menschheit. Leben mit einem Gott gibt Milliarden von Menschen auf der Welt Sinn und Halt, spendet Trost in Krisen und dient meist als gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Leben ohne Gott – oft bezeichnet als Atheismus, Agnostizismus oder Humanismus – stellt die Selbstbestimmung des Menschen in den Vordergrund. Mit dieser Weltanschauung wird jeder Mensch zu seines Glückes Schmied. Säkulare Personen empfinden dies oft als die ultimative Freiheit der Menschheit.
Am Ende sind jedoch beide Weltanschauungen stets für ihr Handeln selbst verantwortlich. Zumindest in dieser Hinsicht gibt es Einigkeit unter religiösen und nichtreligiösen Menschen.