Categories
gesellschaft ticker

Möglicher Puma in Bayern: Polizei sucht jetzt mit Hunden

Nach der möglichen Sichtung eines Pumas im bayerischen Landkreis Erding hat die Polizei am Donnerstag ihre Suche nach dem Tier fortgesetzt.
Die Beamten seien im Gemeindebereich Oberding nahe dem Münchner Flughafen auch mit Hunden unterwegs, um das gesichtete Tier aufzuspüren, teilte ein Sprecher in Ingolstadt mit. Er betonte, dass nach wie vor einem Verdacht nachgegangen werde.
Nachdem die Suche mit Einsatzkräften, Hubschraubern und Drohnen keine Spur des möglichen Pumas gebracht hatte, setzt die Polizei nun auf Hunde.

Rund 15 Einsatzkräfte vor Ort

Zwei Hundeführer sind mit ihren Schäferhunden im Einsatz, insbesondere um etwaige Beute oder Beuteteile zu finden, wie die Polizei mitteilte. Zudem suchen Beamte nach dem Tier.
Insgesamt seien derzeit rund 15 Personen vor Ort und sechs im Innendienst mit der Suche beschäftigt.
Dabei nehme man Rücksicht auf das Naturschutzgebiet und die dort lebenden Tiere, betonte der Leiter der Polizeiinspektion Erding, Sebastian Pinta. Die Hunde seien angeleint und suchten punktuell – ausgehend vom Ort der Sichtung.

Tierart weiterhin unklar

Bislang verlief die Suche im Notzinger Moos ohne Ergebnis. Auch Hinweise aus der Bevölkerung, von denen einige eingingen, haben bisher keine konkreten Spuren erbracht.
Bereits am Mittwoch hatten Einsatzkräfte das Naturschutzgebiet aus der Luft mit einem Hubschrauber und Drohnen sowie am Boden durchkämmt. Auch der Einsatz einer Wärmebildkamera in der Nacht blieb ohne Erfolg.
Ein Jäger hatte am späten Dienstagabend mit einem Nachtsichtgerät ein verdächtiges Tier gesehen und gefilmt. Ein Experte hält es nach Auswertung der Aufnahmen für möglich, dass es sich um einen Puma handelt.
Laut Landratsamt ist jedoch unklar, um welche Tierart es sich handelt. Auch woher das Tier stammen könnte, ist unbekannt. (dpa/afp/red)
Categories
ticker wissen

„Verrückt, aber ich wollte es versuchen“: Französin Huby entwickelt Raumkapsel

Falls in zwei Jahren wie geplant eine europäische Frachtkapsel an der Internationalen Raumstation ISS andockt, dann wird dies nicht zuletzt das Verdienst einer Französin sein.
Die Unternehmerin Hélène Huby hat vor fünf Jahren das Raumfahrtunternehmen The Exploration Company (TEC) gegründet, das Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag in Bordeaux besuchen wollen.
„Wir planen das erste Andocken des Frachtfahrzeugs an die ISS im November 2028“, sagte die 48 Jahre alte Huby im September bei einem internationalen Weltraum-Treffen in Paris. Macron hatte sie dafür zur Sonderbotschafterin ernannt.

Ein Unternehmen auf Erfolgskurs

The Exploration Company hat 450 Millionen Dollar bei Investoren eingeworben und einen Vertrag in Höhe von 760 Millionen Euro mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA unterzeichnet. Darin ist festgehalten, dass die Nyx-Kapsel an Bord einer Ariane-6-Rakete ins All befördert werden soll.
Doch Huby hat längst größere Pläne: Die Raumkapsel Nyx soll langfristig auch Astronauten ins All befördern, dabei mehrfach nutzbar sein und auf verschiedene Trägerraketen passen. Auch eine eigene Trägerrakete soll entwickelt werden.
„Mein Traum: In zehn Jahren starten wir von Kourou mit unseren Raketen, mit einer bemannten Kapsel an der Spitze. Wir landen in Australien, starten erneut, dann landen wir in Indien und starten wieder“, sagte sie im März in einem Interview. Sie habe das Unternehmen gegründet, „um Europa einen Platz am Tisch der Weltraumnationen zu sichern“.

Hélène Huby (2.r) bei einer Rede am 10. September in Paris. Neben ihr Daniel Neuenschwander (l.), Direktor für bemannte Raumfahrt und Robotik bei der Europäischen Weltraumorganisation, François Jacq (2.v.l), Geschäftsführer des Centre National d’Études Spatiales, und der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation, Josef Aschbacher (r).

Foto: Lou Benoist/AFP via Getty Images

Von Eliteschulen zum Orion-Raumschiff

Huby hat mehrere französische Eliteschulen durchlaufen und war am renommierten Lycée Henri IV zeitweise Mitschülerin von Macron. „Emmanuel war schon damals außergewöhnlich, er hatte eine große Ausstrahlung und innere Energie“, erinnerte sie sich später.
Ihre ersten Berufsjahre verbrachte sie unter anderem als Journalistin in Brüssel und bei einem Start-up in Deutschland, bis sie 2013 beim Luftfahrtunternehmen Airbus Vizechefin für die Raumfahrtstrategie wurde und sich fortan dem Weltall zuwandte.
Zeitweise war sie für das in Europa entwickelte Servicemodul des Orion-Raumschiffs der NASA zuständig, das wieder Astronauten zum Mond bringen soll. Das Servicemodul versorgt dabei die Raumkapsel mit Antrieb, Strom und Sauerstoff.

Eine europäische Alternative zu SpaceX

Huby sagte später, dass es frustrierend gewesen sei, auf alter Technologie aufzubauen und ein Modul zu entwickeln, das am Ende verglühen würde. Sie war fasziniert von SpaceX, das die teils wiederverwertbare Trägerrakete Falcon 9 auf den Markt brachte.
In ihr reifte die Idee, eine europäische Alternative zu SpaceX aufzubauen. „Ich wusste, dass es verrückt war, aber ich wollte es versuchen“, sagte sie 2024 dem Fachmagazin „Ars Technica“. Sie gründete The Exploration Company mit einem Team von vier Leuten und einem Startkapital von 50.000 Dollar.
Inzwischen ist sie ihrem Ziel ein großes Stück näher gekommen. Das Unternehmen brachte bereits zwei Testkapseln ins All: Die 40 Kilo schwere „Bikini“ wurde 2024 auf dem Jungfernflug der Ariane 6 ins All gebracht. Sie sollte die Rückkehr aus dem Orbit testen, verblieb aber wegen technischer Probleme der Ariane im All und wurde zu Weltraumschrott.
TEC-Chefin Hélène Huby im Jahr 2025. (Archiv)

TEC-Chefin Hélène Huby im Jahr 2025. (Archiv)

Foto: Matthias Balk/dpa

Auch Teilerfolge liefern Daten

Eine zweite Kapsel namens „Mission possible“ erreichte 2025 mit einer Falcon 9 den Orbit. Auch der kontrollierte Wiedereintritt in die Atmosphäre gelang. Doch dann gab es ein Problem mit dem Fallschirm, und die Kapsel ging im Pazifik verloren.
Für Huby waren es keine Fehlschläge, im Gegenteil: „Selbst ein Teilerfolg liefert Daten, die Risiken künftiger Flüge verringern“, betonte Huby, die es neben ihrer Arbeit auch noch schafft, vier Kinder großzuziehen, Tennis und Cello zu spielen.
Während die Raumfahrt ein Feld scharfer internationaler Konkurrenz geworden ist, vertritt Huby einen anderen Ansatz: „Unsere Mission ist es, Raumfahrzeuge über nationale Grenzen hinweg zu bauen, um Frieden und Kooperation im All zu fördern“, sagt sie. Auf der Website ihres Unternehmens prangt der Spruch: „Space for all“ – (Welt-) Raum für alle.  (afp/red)
Categories
ticker wissen

Bis nach Mitternacht am Draht: erstes Ferngespräch

Erst hörte Thomas Watson nichts, dann blieb er bis weit nach Mitternacht am Apparat. Sein berühmtes Telefonat mit Alexander Graham Bell jährt sich am Freitag zum 150. Mal. Das erste Ferngespräch über eine Telegrafenleitung fand am 9. Oktober 1876 statt.
Bell saß in seinem Labor in Boston (US-Staat Massachusetts), sein Assistent Watson rund zwei Meilen entfernt in Cambridge. Verbunden waren die beiden über eine private Telegrafenleitung der Walworth Manufacturing Company.

Erster Telefonsender und -empfänger, erfunden von Alexander Graham Bell (1876).

Foto: Hein Nouwens/iStock

So schilderte es Watson später in seinem Bericht über die Anfänge des Telefons. Als er das Gerät anschloss, blieb es zunächst still. Erst nachdem er ein weiteres Bauteil aus dem Stromkreis entfernt hatte, kam Bells Ruf durch: „Ahoi, ahoi!“ Watson antwortete – und der Versuch war geglückt.

Bis Mitternacht gequatscht

Die beiden Erfinder legten offenbar nicht gleich wieder auf. Watson schrieb, sie hätten aus Freude über die geglückte Verbindung bis weit nach Mitternacht weitergeredet.
Am nächsten Morgen habe die Vermieterin in Boston weniger nächtlichen Lärm verlangt – mit der Drohung, dass sie das Labor sonst räumen müssten.
Watson zufolge verbreitete sich der Ruf des Telefons rasch bis ins Ausland: Viele Neugierige pilgerten auf den Dachboden des billigen Wohnhauses, in dem Bell sein Labor hatte.
Die Liste der Wissenschaftler, die das Telefon dort sehen wollten, lese sich wie das Mitgliederverzeichnis der „American Association for the Advancement of Science“, witzelte er. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Nach Koalitionstreffen: Fraktionschefs für zügige Reformen und gegen Extremismus

Nach den mehr als vierstündigen Beratungen im Koalitionsausschuss haben sich die Fraktionsspitzen von Union und SPD zu einer zügigen Umsetzung der Reformvorhaben bekannt und sich klar von jeglichem politischen Extremismus abgegrenzt. „Wir sind uns bewusst, dass unsere Demokratie in diesen Tagen vor einer historischen Bewährungsprobe steht“, heißt es in einer gemeinsamen Nachricht von Unionsfraktionschef Thorsten Frei, SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann an die Bundestagsabgeordneten, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Wir sind fest entschlossen, unser Land nicht den Extremisten zu überlassen.“
Die Koalition sei sich einig, dass wirtschaftliches Wachstum, sichere Arbeitsplätze und der gesellschaftliche Zusammenhalt im Zentrum des weiteren Arbeitsprogramms der Koalition stehen müsse. „Deshalb hat der Koalitionsausschuss sämtliche aktuellen Themen besprochen, um die damit verbundenen Vorhaben zügig zum Abschluss zu bringen.“

Frei: „Gut war’s“

Die Spitzen von Union und SPD hatten ihre Beratungen am Abend gegen 22.00 Uhr beendet. Hauptthemen der Sitzung waren die weitere Umsetzung der im Juli bereits beschlossenen Reformvorhaben, der Haushalt 2027, aber auch die Nachwehen der Landtagswahlen im September, aus denen die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern und die Linke in Berlin jeweils als stärkste Parteien hervorgegangen sind.
Unionsfraktionschef Frei sagte beim Verlassen des Kanzleramts zum Verlauf der Beratungen: „Gut war’s.“ Schon am Abend war die Stimmung auch von anderer Seite als „gut“ und „sehr konstruktiv“ beschrieben worden.

Erstes Treffen seit mehr als drei Monaten

Der Koalitionsausschuss ist das wichtigste Gremium des schwarz-roten Bündnisses neben dem Kabinett. Der Kanzler hatte vor dem ersten Treffen der Spitzenrunde seit mehr als drei Monaten trotz teils drastischer Verluste von Union und SPD bei den Landtagswahlen ein neues Bekenntnis zum vereinbarten Reformkurs gefordert. Er gehe davon aus, dass der Koalitionsvertrag und das bestehende Reformpaket „unverändert die Geschäftsgrundlage für die Arbeit der Koalition“ bleiben, sagte der CDU-Chef bei einer Veranstaltung des „Handelsblatts“ und der „WirtschaftsWoche“ in Berlin.
Die SPD hatte nach den Landtagswahlen Änderungen an dem Paket angemahnt. Ihr geht zum Beispiel die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren gegen den Strich. Dass weitreichende inhaltliche Vereinbarungen getroffen wurden, gilt aber als unwahrscheinlich. Schon vor der Sitzung hatte es geheißen, dass man sich allenfalls auf einen Zeitplan für das weitere Vorgehen verständigen werde.
Merz hatte deutlich gemacht, dass er nicht mit einer kompletten Umsetzung der Pläne bis Weihnachten rechnet. Er hoffe aber, „dass wir das im Frühjahr nächsten Jahres in trockenen Tüchern haben“. Die Vorstände der Koalitionsfraktionen hatten sich noch Ende August bei einer Klausurtagung in Münster darauf verständigt, das ganze Paket bis Ende des Jahres durch den Bundestag zu bringen. Es enthält Regelungen für die Bereiche Rente, Pflege, Arbeitsmarkt und Steuern.

Nachwehen der Wahlen belasten Koalition

Schon vor der Sitzung war angekündigt worden, dass auch die Nachwehen der Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin Thema sein dürften. Am Dienstag wurde in Sachsen-Anhalt erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt – in geheimer Wahl. Es gibt den Verdacht, dass er auch Stimmen aus der CDU bekommen hat. Die SPD ist deswegen in Aufruhr.
In der Union wiederum gibt es Verärgerung darüber, dass die SPD möglicherweise eine Koalition mit der Linken in Berlin bilden wird. Die Berliner Linke wird von der Union als in Teilen antisemitisch und linksextrem ansehen. Laut CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann widerspricht das dem Koalitionsvertrag, der jede Zusammenarbeit mit „verfassungsfeindlichen“ und „demokratiefeindlichen“ Parteien ausschließt. (dpa/red)
Categories
ticker

Namen gesucht: Drei Tigerbabys in Niedersachsen vorgestellt

Im Tierpark Ströhen im niedersächsischen Wagenfeld sind am Mittwoch, 7. Oktober, drei knapp sieben Wochen alte Sibirische Tiger während ihrer tierärztlichen Untersuchung vorgestellt worden. Wie eine Sprecherin des Tierparks mitteilte, sind die zwei männlichen und eine weiblichen Tiger wohlauf. Sie seien nun vom Tierarzt geimpft, untersucht und gechippt worden.
Die Tigerbabys kamen am 20. August zur Welt und verbrachten die erste Zeit weitgehend ungestört in ihrer Wurfbox. Das Tierpflegeteam beobachtete die Tigerfamilie in dieser Zeit vor allem aus der Distanz. Für die Elterntiere Amara und Antaris ist es der dritte gemeinsame Wurf.

Erste Erkundungen der Tigerbabys

Inzwischen trägt Amara ihre Jungen auch in Bereiche, die von Besuchern eingesehen werden können. Immer häufiger wagen sich die Drillinge zudem auf eigenen Pfoten aus der Wurfbox und erkunden ihre nähere Umgebung. Noch haben die kleinen Tiger keine Namen; der Tierpark bittet um Vorschläge.
„Amara hat bereits zweimal Zwillinge großgezogen, diese Erfahrung merkt man ihr an. Dass es diesmal eins mehr ist, bringt sie nicht aus der Ruhe“, sagt Großkatzen-Tierpfleger Jürgen Grimberg.

Die Geburt fällt in eine Zeit, in der Tiger verstärkt in den Fokus des Artenschutzes rücken.

Foto: Tierpark Ströhen

Mittlerweile seien die Tiere auch im Gehege für Besucher zu sehen, wobei der Nachwuchs häufig in der Nähe der Mutter bleibe, sagte die Sprecherin des Tierparks. Die Tiger seien noch sehr klein und schliefen viel. Beim Heranwachsen entwickle sich der Spieltrieb erst allmählich.
Noch etwa ein halbes Jahr leben die Tigerbabys laut Sprecherin definitiv im Tierpark Ströhen. Im Anschluss werde geklärt, in welche anderen Zoos der Tigernachwuchs vermittelt werden könne.
Sibirische Tiger, auch Amurtiger genannt, gelten als stark gefährdet, Schätzungen zufolge lebten 2023 in freier Wildbahn noch rund 700 Tiere. Der Bestand in Zoos wird weltweit auf insgesamt 1.500 Tiere geschätzt. Mithilfe des internationalen Tigerzuchtbuchs, das im Zoo Leipzig geführt wird, wird die Aufzucht in Zoos und Tierparks weltweit koordiniert.

Erstmals wieder Tiger ausgewildert

Im Sommer 2026 wurde im kasachischen Ile-Balkhash-Naturreservat erstmals seit mehr als 70 Jahren wieder ein Tiger ausgewildert. Dort war einst der in den 1950er-Jahren ausgestorbene Kaspische Tiger heimisch. Genetische Untersuchungen zeigen, dass beide Tigerunterarten sehr eng miteinander verwandt sind und der Sibirische Tiger der nächste lebende Verwandte des Kaspischen Tigers ist.
Deshalb soll diese Unterart im wiederhergestellten Lebensraum langfristig eine neue Tigerpopulation begründen und die ökologische Rolle des verschwundenen Kaspischen Tigers übernehmen.
„Unsere drei Jungtiere sind kleine Botschafter einer großen Artenschutzgeschichte“, sagt Nils Ismer, Inhaber des Tierparks Ströhen.
Die Rückkehr des Tigers nach Kasachstan zeige, dass Auswilderungen selbst bei Arten möglich seien, die in ganzen Regionen bereits verschwunden waren, so Ismer. „Solche Entwicklungen machen Hoffnung und verdeutlichen zugleich, wie wichtig es bleibt, Lebensräume zu bewahren und die verbliebenen Tigerbestände zu schützen.“ (afp/ks)
Categories
deutschland ticker

Erbschaftsteuer auf dem Prüfstand: Bundesverfassungsgericht verhandelt ab Montag

Es ist eines der heißesten Eisen in Deutschland – nun landet die Steuer aufs Erbe vor dem Bundesverfassungsgericht. Am Montag und Dienstag verhandelt Karlsruhe über gleich zwei Aspekte. Es geht um die Vorteile, die Firmenerben gegenüber anderen Erben haben, und um regionale Unterschiede. Viele empfinden die aktuellen Regelungen als ungerecht, doch wie sie verbessert werden können, ist umstritten. Fragen und Antworten:

Worum geht es in Karlsruhe?

Das erste Verfahren wurde von der bayerischen Landesregierung begonnen. Diese hält die Freibeträge beim Erben und Schenken angesichts der gestiegenen Immobilienpreise für zu niedrig und die Steuern für zu hoch. Der Betrag, bis zu dem keine Steuer bezahlt werden muss, ist unterschiedlich – je nach Verwandtschaftsgrad. Witwer und Witwen beispielsweise erben bis zu 500.000 Euro steuerfrei vom verstorbenen Ehepartner, für Kinder gilt ein Freibetrag von 400.000 Euro.
Bayern findet, dass der Bund hier nicht die Gesetze machen sollte. Immobilienpreise seien regional unterschiedlich – das müsse berücksichtigt werden. Über diesen Fall verhandelt das Gericht am Montag. (Az. 1 BvF 1/23) Im zweiten Verfahren geht es um die Privilegien für Firmenerben. Denn wer betriebliches Vermögen erbt, muss meist deutlicher weniger Steuern darauf zahlen als die Erben von Privatvermögen. Darüber verhandelt das Gericht am Dienstag. (Az. 1 BvR 804/22)

Wie sehen diese Privilegien aus?

Wenn die Firma mindestens fünf Jahre lang fortgeführt wird und der an die Angestellten gezahlte Lohn insgesamt nicht zu stark sinkt, bleiben 85 Prozent des geerbten Betriebsvermögens steuerfrei. Wird die Firma sieben Jahre lang gehalten, entfällt die Erbschaftsteuer sogar ganz. Kleine Betriebe mit weniger als sechs Beschäftigten müssen die Lohnregelung nicht erfüllen.
Die Idee dahinter ist, dass Arbeitsplätze und Investitionen erhalten bleiben. Diese Regelungen gelten für Betriebsvermögen bis zu 26 Millionen Euro. Bei höheren Summen greift die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung. Wenn der Erbe nachweist, dass er sie aus seinem verfügbaren Vermögen nicht bezahlen kann, wird die Steuer erlassen. Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der Verschonungsbedarfsprüfung insgesamt 3,7 Milliarden Euro Steuern erlassen, wie das Statistische Bundesamt feststellte.

Wer wandte sich an das Verfassungsgericht?

Es handelt sich um einen Erben von Wertpapieren und Immobilieneigentum. Dieser erbte von seiner Tante und sollte etwa 47.000 Euro Steuern darauf zahlen. Seine Klage vor dem Finanzgericht in Münster hatte keinen Erfolg. Der Erbe reichte schließlich eine Verfassungsbeschwerde ein.

Wie bewerten Wissenschaft und Wirtschaft die Lage?

Die sogenannten Wirtschaftsweisen forderten in ihrem Jahresgutachten 2025/2026 eine Reform, „um für eine gleichmäßigere Besteuerung aller Vermögensarten zu sorgen“. Dazu sollte „die steuerliche Begünstigung von Betriebsvermögen deutlich verringert werden“, erklärte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Jahr.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist dagegen der Ansicht, dass die Privilegierung von Betriebsvermögen verfassungsgemäß ist und dem Gemeinwohl dient. „Der Erhalt von Unternehmen, ihrer Investitionskraft und der mit ihnen verbundenen Arbeitsplätze ist ein legitimes Ziel“, erklärte der BDI vor einigen Tagen.

Entschied das Bundesverfassungsgericht schon einmal über die Erbschaftsteuer?

Schon dreimal – in den Jahren 1995, 2006 und 2014 – stufte es zu dem Zeitpunkt geltende Regelungen als verfassungswidrig ein. Das Gesetz wurde daraufhin jeweils reformiert.

Wann wird diesmal eine Entscheidung erwartet?

Entschieden wird nicht am Montag oder Dienstag. Die Urteilstermine stehen noch nicht fest. Meist werden Urteile in Karlsruhe einige Wochen bis Monate nach der mündlichen Verhandlung verkündet.

Welche politischen Folgen könnten die Urteile haben?

Wenn das Gericht die aktuellen Regeln beanstandet, müssten sie geändert werden. Das könnte kompliziert werden, weil die Koalitionspartner Union und SPD hier unterschiedlicher Meinung sind – tendenziell ist die SPD für eine Reform und die Union dagegen. Auch innerhalb der Parteien, vor allem der CDU, herrscht aber beim Thema Erbschaftsteuer keine Einigkeit. Berlin dürfte am Montag und Dienstag gespannt und womöglich nervös nach Karlsruhe schauen. (afp/red)
Categories
etplus gesellschaft ticker

PISA-Ergebnisse im Einbruch – andere Leistungstests zeigen besseres Bild


In Kürze:

  • Die PISA-Ergebnisse haben sich international verschlechtert – eine Ausnahme ist Estland.
  • Migration und soziale Medien erklären den Rückgang nur teilweise.
  • Hinterfragt wird, wie wichtig der PISA-Test für die 15-Jährigen ist – der keine Folgen für sie hat.
  • Ähnliche Tests mit 16- bis 19-Jährigen zeigen deutliche Verbesserungen der Teilnehmer.
  • Der Unterschied ist die Motivation: Die jungen Erwachsenen werden für ihre Teilnahme bezahlt.

 
Die PISA-Ergebnisse in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen bei 15-Jährigen haben deutlich nachgelassen. Doch andere Leistungstests bestätigen den Absturz nicht in gleichem Maße.
Forscher suchen nach einer Erklärung – und stoßen dabei auch auf die Frage, wie ernst Jugendliche einen Test nehmen, der keine Folgen für sie hat.

Ein deutlicher Rückgang

Der Rückgang ist international zu beobachten. Im Lesen ist das durchschnittliche PISA-Ergebnis seit 2018 um 28 Punkte gesunken. Das entspricht etwa anderthalb Jahren Lernfortschritt. In Mathematik entspricht der Rückgang etwa einem Jahr.
Länder wie Frankreich, Deutschland und die Niederlande verzeichnen ihre bisher niedrigsten Ergebnisse. In diesen Ländern ist der Anteil der 15-Jährigen, die grundlegende Kenntnisse in Leseverständnis und Mathematik nicht erreichen, auf fast jeden Dritten gestiegen.
An der Spitze stehen vor allem asiatische Bildungssysteme: Singapur, Taiwan, China, Südkorea und Japan. Estland ist das bestplatzierte europäische Land.
„Die Esten nehmen diese Prüfungen sehr ernst“, sagt Eve Eisenschmidt, Professorin für Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Tallinn, gegenüber Epoch Times.
PISA wird von der OECD seit 2000 durchgeführt und untersucht unter anderem die Kompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Ein allgemeiner Abwärtstrend begann 2018.

Andere Tests zeigen ein anderes Bild

Wie viel des PISA-Rückgangs tatsächlich auf schlechtere Leistungen zurückgeht, ist nicht eindeutig.
Bildungsforscher Gabriel Heller Sahlgren weist auf zwei Auffälligkeiten hin: Zum einen zeigen andere, vergleichbare Leistungsmessungen keinen ebenso markanten Rückgang. Zum anderen sind die Veränderungen bei PISA in einigen Ländern innerhalb weniger Jahre ungewöhnlich groß.
In Dänemark beispielsweise sind die PISA-Ergebnisse im Lesen seit 2022 um das Äquivalent von anderthalb Jahren Lernzeit gesunken. Heller Sahlgren, der für das schwedische Institutet för Näringslivsforskning tätig ist, erklärt:
„Es ist nicht möglich, dass sich etwas in der Schule innerhalb von drei Jahren so stark verschlechtert hat.“
Auch zehn führende norwegische Sozialwissenschaftler kommen zu einem ähnlichen Schluss. Nationale Tests in Norwegen, die dieselben Inhalte wie PISA messen, zeigen keinen entsprechenden Einbruch. Das spreche dafür, dass bessere Messmethoden erforderlich sind, schreiben die Wissenschaftler in einem Gastbeitrag der Zeitung „Aftenposten“.

Migration erklärt den Rückgang nur teilweise

Eine allgemein anerkannte Ursache für die schlechteren Ergebnisse ist ein gestiegener Anteil neu zugewanderter Schüler.
In Ländern wie Deutschland und Schweden fallen die Ergebnisse deutlich besser aus, wenn nur Schüler mit einheimischem Hintergrund betrachtet werden. Eine Studie kommt etwa zu dem Ergebnis, dass Migration fast ein Drittel des Rückgangs in Schweden zu Beginn der 2000er Jahre erklären könnte.
Für die jüngste Entwicklung reicht diese Erklärung jedoch offenbar nicht aus. Auch Schüler mit einheimischem Hintergrund erzielten schlechtere Ergebnisse.
Eine naheliegende Erklärung ist die rasante Verbreitung sozialer Medien und die stark gestiegene Bildschirmzeit von Jugendlichen. Die intensive Nutzung digitaler Medien könnte insbesondere das Lesen verändern.
Heller Sahlgren verweist darauf, dass Digitalisierung und die intensive Handynutzung dazu führen können, dass längere Texte weniger konzentriert und stärker fragmentiert gelesen werden. Auch die OECD diskutiert den Zusammenhang von Mediennutzung und Aufmerksamkeitsspanne von Jugendlichen.
Eine weitere Ursache könnte überraschend banal sein: Die Motivation, den Test überhaupt ernst zu nehmen.

Wenn eine Prüfung keine Folgen hat

PISA-Ergebnisse fließen nicht in die Schulnoten der Teilnehmer ein. Für die Jugendlichen hat es deshalb normalerweise keine unmittelbaren Konsequenzen, ob sie eine Aufgabe richtig oder falsch beantworten.
„Vieles deutet darauf hin, dass sich die Prüfungsmotivation in mehreren Ländern verändert hat“, sagt Heller Sahlgren. Schüler könnten demnach weniger bereit sein, sich bei einer Prüfung anzustrengen, von der sie keinen persönlichen Vorteil erwarten. Der Forscher sagt weiter:
„Es gibt Anzeichen dafür, dass die Schüler keine Zeit für eine Prüfung aufwenden wollen, die für ihre Noten keine Rolle spielt. Der Anteil derjenigen, die falsch antworten, weil sie zu schnell antworten, steigt. In Schweden nimmt er lawinenartig zu.“
Auch in den OECD-Zahlen zeigt sich, dass immer mehr Schüler den Test besonders schnell ablegen und gleichzeitig ungewöhnlich viele Fehler machen. Von 2018 bis 2025 stieg dieser Anteil von 3,9 Prozent auf 11,1 Prozent.
Ein Teil der schlechten PISA-Ergebnisse könnte damit nicht auf einen entsprechenden Verlust von Wissen und Fähigkeiten zurückgehen, sondern darauf, dass Schüler weniger Energie in die Prüfung stecken.

Was finanzielle Anreize verändern können

Ein schwedisch-deutsches Forschungsteam untersuchte 2024 die Ergebnisse der Schüler im PISA-Test mit Ergebnissen in benotungsrelevanten Prüfungen. Sie stellten fest, dass Schüler sich bei PISA zwar „in hohem Maße angestrengt haben, sich jedoch noch mehr angestrengt hätten, wenn dies Auswirkungen auf ihre Note gehabt hätte.“ Eine der untersuchten Schülergruppen schnitt im Vergleich zu ihren Ergebnissen in den nationalen Prüfungen unterdurchschnittlich ab.
Ein weiteres Experiment liefert einen ähnlichen Hinweis. In einer Untersuchung des amerikanischen Forschungsinstituts National Bureau of Economic Research absolvierten einige chinesische und amerikanische Schulklassen einen PISA-Test. Einigen Schülern wurde mitgeteilt, dass sie – basierend auf ihrer Leistung – bezahlt würden, während andere keinen besonderen Anreiz erhielten.
In den USA erzielten die Schüler mit finanzieller Belohnung im Durchschnitt rund 20 Punkte mehr als diejenigen ohne finanziellen Anreiz. Das entspricht ungefähr einem Jahr Lernfortschritt. Bei den chinesischen Schülern gab es keinen Unterschied.

Ein Vergleich mit anderem Test

Auch ein anderer von der OECD durchgeführter Test liefert Hinweise. PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) misst die Lese- und Rechenfähigkeiten von Erwachsenen über 16 Jahren.
Heller Sahlgren hat sich insbesondere die Testergebnisse schwedischer 16- bis 19-Jähriger angesehen – also einer Altersgruppe, die etwas älter ist als die PISA-Teilnehmer. Er sagt:
„Es handelt sich um ungefähr dieselbe Art von Fragen, und bei PIAAC sehen wir eine deutliche Verbesserung von 2012 bis 2023.“
Der entscheidende Unterschied liegt in den Rahmenbedingungen: Die Teilnehmer an PIAAC erhalten für ihre Teilnahme 900 schwedische Kronen (rund 80 Euro). Der Test wird zu Hause unter Aufsicht eines Prüfers durchgeführt.
Der Vergleich ist kein Beweis dafür, dass finanzielle Anreize Testergebnisse verbessern. Er wirft jedoch die Frage auf, welchen persönlichen Stellenwert die Teilnehmer dem PISA-Test beimessen.

Warum Estland besser abschneidet

Bei PISA ist Estland ein auffälliges Gegenbeispiel zu vielen westeuropäischen Ländern. Das Land hatte bis 2006 ähnliche Ergebnisse wie das oft gelobte Finnland, seither überholt es sein Nachbarland, das gleichzeitig absackt.
Eve Eisenschmidt sieht einen Teil der Erklärung in kulturellen Faktoren. Sie sagte Epoch Times: „Bildung ist stark kulturell geprägt. Im Allgemeinen herrscht in Estland die Einstellung, dass man hart arbeiten muss. Wenn man etwas tut, dann macht man es ernsthaft.“
Nur ein sehr geringer Teil der Schüler breche die Prüfung ab. Auch historische Erfahrung spielen ihrer Einschätzung nach eine Rolle. Und weiter:
„Man muss auch unsere frühere lange Zeit der Besetzung durch eine fremde Macht berücksichtigen. Wir sagen oft, dass Bildung der Schlüssel zu einer besseren Zukunft ist.“
Hinzu kommen strukturelle Faktoren. Bildung habe in den vergangenen Jahren für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit an Bedeutung gewonnen. „Der Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaft ist mittlerweile allgemein anerkannt.“ Außerdem gebe es Kooperationen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor.
Als weitere Gründe nennt Eisenschmidt die weitgehende Autonomie der Schulen und den anspruchsvollen nationalen Lehrplan. „Bestimmte Lerninhalte der 5. Klasse in Estland werden in anderen Ländern erst in der 7. Klasse vermittelt. Dies bringt jedoch auch Herausforderungen und Stress mit sich.“

Bildungsdebatte gefordert

Eine eindeutige Erklärung für den internationalen PISA-Rückgang gibt es bislang nicht.
Bildungsforscher Gabriel Heller Sahlgren sagt, dass die ehrliche Antwort auf die Frage nach den Ursachen des PISA-Phänomens darin besteht, dass niemand wirklich Bescheid weiß.
Er hält deshalb die Diskussion über Schulreformen, die in vielen Ländern geführt werden, grundsätzlich für sinnvoll. Ein reformiertes Bildungssystem könnte Schülern auf unterschiedliche Weise dazu anregen, bessere Leistungen zu erbringen.
„Doch diese Reformen werden die Anreize, bei Tests zu bestehen, die keine Bedeutung haben, nicht beeinflussen.“
 
Dieser Artikel erschien im Original bei der schwedischen Epoch Times unter dem Titel „Brett ras i kunskapstest skakar om Europas länder“. (deutsche Bearbeitung ks)
Categories
deutschland ticker

Bundestag debattiert über Einkommensteuerreform

Der Bundestag debattiert am Donnerstag (9.00 Uhr) über die geplante Einkommensteuerreform. Die Abgeordneten befassen sich in erster Lesung mit dem Vorhaben, das innerhalb der Koalition kontrovers diskutiert wird und vorsieht, vor allem kleine und mittlere Einkommen und insbesondere Familien zu entlasten. In erster Lesung wird außerdem über die geplante Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Neuregelung des Wohngeldes debattiert.

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

Für die Debatte sind 70 Minuten eingeplant, nach der Debatte sollen Gesetzentwürfe und ein eingereichter Antrag der Grünen den Ausschüssen zur weiteren Beratung überwiesen werden. (afp/red)
Categories
deutschland ticker

Schlag gegen Goldschmuggler – Durchsuchungen bei Juwelieren

Mit Durchsuchungen in Deutschland und den Niederlanden ist die Polizei gegen eine international operierende Goldschmuggler-Bande vorgegangen. Drei Hauptverdächtige seien festgenommen und neben Gold auch mehrere zehntausend Euro Bargeld sichergestellt worden, teilten die federführende Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln mit. Es gehe um den Verdacht der Geldwäsche.
Am Morgen durchsuchten Ermittler den Angaben zufolge rund 40 Wohn- und Geschäftsräume, vor allem von Juwelieren. Durchsuchungen gab es in mehreren nordrhein-westfälischen Städten wie Köln, Düsseldorf, Wuppertal und Gelsenkirchen sowie in Berlin und den Niederlanden.

Gold für über 200 Millionen Euro in die Türkei geschmuggelt?

Nach bisherigen Ermittlungen sollen Mitglieder einer Bande mit Geld, das vor allem aus Drogengeschäften stammte, bei involvierten Juwelieren Altgold angekauft haben. Das Gold soll anschließend eingeschmolzen und zu Schmelzgoldbarren verarbeitet worden sein, die dann per Flugzeug oder mit speziell präparierten Fahrzeugen in die Türkei gebracht wurden.
Auf diese Weise sollen in einem Zeitraum von sechs Jahren bis zu vier Tonnen Gold mit einem Wert bis zu 210 Millionen Euro in die Türkei geschmuggelt worden sein.

Geldwäschetaten als Auftragsarbeit

Die Goldbarren sollen in der Türkei weiterverarbeitet oder zum Ankauf hochwertigen Goldschmucks verwendet worden sein. Anschließend wurde die Auszahlung der Vermögenswerte an die Auftraggeber veranlasst, ein Teil des aufbereiteten Goldes soll auch wieder nach Deutschland gebracht und den beteiligten Juwelieren übergeben worden sein. Die Bande soll die Geldwäschehandlungen als Dienstleistungen für Dritte – einem sogenannten Crime-as-a-Service – angeboten haben.
Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Goldfund im Jahr 2023 in Niederbayern. Bei einer Kontrolle an der Autobahn 3 hatten Polizisten damals den Angaben zufolge in einem Fahrzeug über 55 Kilogramm Gold und knapp eine halbe Million Euro Bargeld entdeckt. Im Zuge der weiteren Ermittlungen geriet dann eine Gruppe von überwiegend türkischstämmigen Männern zwischen 43 und 59 Jahren in den Fokus.

Haftbefehle gegen drei Hauptverdächtige vollstreckt

Bei den heutigen Durchsuchungen wurden laut Kölner Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen drei Hauptverdächtige vollstreckt. Dabei handele es sich um einen 45-Jährigen aus dem Kreis Heinsberg, einen 46-Jährigen aus dem Raum Wuppertal und einen 43-Jährigen aus dem Raum Remscheid. Insgesamt werde in dem Verfahrenskomplex gegen 24 Beschuldigte ermittelt.
Die Ermittler stellten unter anderem 800 Gramm Schmelzgold sowie zwölf Fahrzeuge – teils mit professionell eingebauten Schmuggelverstecken – sicher. An den Durchsuchungen seien insgesamt 450 Beamten von Polizei und Zoll beteiligt gewesen.
Bereits im Februar hatte das Zollfahndungsamt Essen bei mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppe rund fünf Kilo Goldschmuck beschlagnahmt. Im September sei ein Verdächtiger in Hamm festgenommen worden. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Hamburger Hafen: Bund untersagt Verkauf von Logistikfirma an China-Reederei

Nach dem umstrittenen Einstieg der chinesischen Staatsreederei Cosco an einem Terminal im Hamburger Hafen hat die Bundesregierung eine weitere Beteiligung in Deutschland untersagt. Die Großreederei darf das Hamburger Logistikunternehmen Zippel-Gruppe nicht übernehmen, wie die Bundesregierung am Mittwochmorgen entschieden hat.
Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit: „Grund für die Untersagung sind Sicherheitsbedenken.“ Nach Einschätzung der Bundesregierung hätte der Verkauf Zippels an Cosco Abhängigkeiten vertieft und die Stabilität der Lieferketten Deutschlands und der Europäischen Union gefährdet.
Deutschland heiße als größte Volkswirtschaft Europas ausländische Investitionen zwar willkommen, hieß es vom Ministerium. „Gleichzeitig kann es Investitionen geben, die die Sicherheit des Landes gefährden.“ Die Behörde kündigte an, einen sogenannten Untersagungsbescheid zu erlassen.

Transporte wichtig für Ostdeutschland

Zippel transportiert unter anderem Container und sogenanntes Stückgut – das sind beispielsweise Paletten, Maschinen und Möbel – von den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven zu Industrie- und Handelszentren in Ostdeutschland und ins europäische Ausland. Hamburg und Bremerhaven sind gemessen am Umschlag Deutschlands wichtigste Seehäfen. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben 350 Mitarbeiter.
Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ soll Zippel an Terminals in Berlin, Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Elsterwerda (Brandenburg) einen Umschlagsanteil zwischen 35 und 90 Prozent haben.

Geschäftsführer bedauert Entscheidung

Cosco beabsichtigte, 80 Prozent der Anteile des Logistikers zu kaufen. Zippel-Geschäftsführer Axel Plaß wollte nach eigener Aussage 20 Prozent der Anteile behalten und Geschäftsführer des Unternehmens bleiben.
Plaß sagte, er nehme den Beschluss der Regierung zur Kenntnis. „Wir hätten uns ein anderes Ergebnis gewünscht und halten unsere unternehmerische Entscheidung nach wie vor für richtig.“ Das Tagesgeschäft laufe unverändert weiter. Für die Kunden und die Beschäftigten ändere sich nichts.

Terminalbeteiligung in Hamburg

Von der chinesischen Reederei Cosco lag zunächst keine Stellungnahme vor. Cosco gehört zu den größten Linienreedereien der Welt und läuft regelmäßig deutsche Häfen an. Gemessen an dem Transportvolumen liegt sie weltweit auf Rang vier – vor der größten deutschen Reederei Hapag-Lloyd.
Cosco ist bereits mit 24,99 Prozent am Hamburger Containerterminal Tollerort beteiligt. In der Bundesregierung entbrannte 2022 ein heftiger Streit über die Frage, ob eine chinesische Beteiligung erlaubt werden soll. Ursprünglich wollte Cosco 35 Prozent der Anteile übernehmen.
Das Kabinett beschloss letztlich, einen Anteilserwerb unter 25 Prozent zuzulassen. Der Vertrag wurde im Juni 2023 unterzeichnet.
Cosco ist in mehreren europäischen Ländern wie Griechenland, Spanien und Belgien an Terminals beteiligt. Seit Jahren versorgt China über den Hafen Piräus weite Teile Osteuropas mit eigenen Produkten. Piräus dient China als Hebel für Pekings wachsenden Einfluss in Europa.

Kartellamt erlaubt Übernahme

Dass Zippel an Cosco verkauft werden sollte, war Ende des vergangenen Jahres bekanntgeworden. Grund für den angedachten Verkauf war, dass sich Plaß‘ Geschäftspartner aus dem Unternehmen zurückziehen wollte, wie damals das „Hamburger Abendblatt“ berichtete. Plaß bestätigte das.
Im Februar wurde bekannt, dass das Bundeskartellamt den Verkauf gutheißt – wobei sicherheitspolitische Aspekte nicht geprüft wurden. „Aus wettbewerblicher Sicht bestehen gegen das Vorhaben keine Bedenken“, sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt.
Das Kartellamt begründete die Entscheidung damit, dass Zippel nur einen Bruchteil der Ladung in Hamburg und Bremerhaven bewege.

Verfassungsschutz mit Bedenken

Ende April wurden Bedenken des Bundesamts für Verfassungsschutz gegen die Übernahme publik. Wie aus Sicherheitskreisen verlautet, brachte der Inlandsnachrichtendienst seine Einwände auch schriftlich vor. Die Verfassungsschützer hätten Sorge wegen der „kumulativen Erwerbsvorhaben“ des chinesischen Staatskonzerns in Deutschland und der Europäischen Union.

Ministerium untersucht Verkauf

Das Bundeswirtschaftsministerium unterzog den Verkauf einer Überprüfung. Die Regierung kann in Einzelfällen den Verkauf deutscher Unternehmen untersuchen. Maßstab sei, ob der Erwerb voraussichtlich die öffentliche Ordnung oder Sicherheit gefährde. Die Bundesregierung prüft den Angaben nach jährlich im Durchschnitt circa 300 Fälle. In acht Fällen sei ein Kauf untersagt worden.
Plaß verteidigte während der Prüfung des Ministeriums den angedachten Verkauf. „Das Geschäft bleibt in Hamburg, alle Arbeitsplätze werden erhalten“, sagte er dem Fachmedium „Deutsche Verkehrs-Zeitung“. Es gehe darum, Ladung zu gewinnen und zu halten. (dpa/red)
Categories
ticker wirtschaft

Dieser Plan soll Porsche wieder erfolgreich machen

Michael Leiters hat sich seit seinem Amtsantritt im Januar Zeit genommen, die Zukunft von Porsche neu zu ordnen. Nun hat der Manager seine Pläne vorgestellt – mitten in der Herzkammer des Konzerns. So bezeichnet Porsche sein Entwicklungszentrum im schwäbischen Weissach bei Stuttgart gerne selbst. Mitunter ist auch von der Denkfabrik die Rede. Wo sonst erste Zeichnungen für neue Fahrzeuge entstehen, Prototypen entwickelt und PS-Geschosse auf der hauseigenen Teststrecke erprobt werden, steckte der Porsche-Chef den Kurs für die kommenden Jahre ab.
Der 55-Jährige skizzierte das Bild eines Unternehmens, das wieder so kraftvoll auftreten will wie das Ross im eigenen Wappen. Denn Porsche war zuletzt ins Straucheln geraten. Die Gewinneinbrüche hatten auch die Konzernmutter Volkswagen mehrfach in Bedrängnis gebracht – und die Eignerfamilien Porsche und Piëch viel Geld gekostet. Nun steht die Sanierung an.
Der Plan, der „Sportwagenschmiede ’35“ heißt, setzt auf mehr Exklusivität, neue Modelle und höhere Erträge – aber auch auf harte Einschnitte bei Kosten, Organisation und Belegschaft. Ein Überblick.

Mit weniger Autos mehr verdienen

Der Sportwagenbauer war in den vergangenen Jahren stark gewachsen – und will sich nun angesichts der sinkenden Absatzzahlen unabhängiger von hohen Stückzahlen machen. Die Gewinnschwelle soll künftig bei weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen liegen. Zuletzt seien viele Teile des Konzerns eher auf die Produktion von 350.000 Autos ausgelegt gewesen, sagte Leiters. Dazu, bei welcher Stückzahl die Gewinnschwelle zuletzt lag, machte er keine Angaben.
Klar ist aber, dass er das Unternehmen auf weniger Masse trimmen will. Das gilt in der Autobranche als schwierig, weil in aller Regel Größenvorteile zum Tragen kommen. Leiters will daher die Marke höher positionieren und das Angebot in besonders teuren Bereichen ausbauen. „Die oberen Marktsegmente verbinden eine stark wachsende Kundennachfrage mit hoher Exklusivität und attraktiver Profitabilität“, sagte Leiters. Porsche setzt daher auf teure Individualisierung: Der Umsatz des Sonderwunsch-Programms, bei dem sich Kunden ihr Fahrzeug hochgradig personalisieren können, soll sich mittelfristig versechsfachen.

Neue Modelle für die teuren Segmente

Der Anteil besonders teurer Modelle soll daher von rund einem Drittel auf fast die Hälfte ausgebaut werden. Das soll bis 2030 den Durchschnittspreis der teuersten 10.000 verkauften Autos von 270.000 Euro auf 330.000 Euro heben. Neben Luxus-Varianten des Klassikers 911 prüft Porsche auch ein SUV, das größer und teurer als der Cayenne sein soll. Ein Zweitürer-Supersportwagen über dem 911er dürfte ebenfalls dazukommen. Damit die Expedition in neue Höhen handelbar bleibt, soll die Zahl der Modellvarianten an anderer Stelle um rund 20 Prozent gekürzt werden.
In den nächsten Jahren muss Porsche auch Lücken im Angebot schließen: Die E-Version des Mittelmotor-Sportwagens 718 (Boxster und Cayman) kündigte Leiters für 2027 an. Ein Jahr später soll ein neues SUV mit Verbrenner oder als Plug-in-Hybrid neben den E-Macan treten. Für die Ikone der Schwaben hatte sich Leiters aber bereits festgelegt: „Der 911er wird niemals elektrisch sein“.

Die Kosten sollen runter

Porsche will seine Entwicklungskosten für künftige Modellreihen den Angaben nach um bis zu 20 Prozent senken. Die Personalkosten in der Fertigung sollen mittelfristig um bis zu 30 Prozent runter. Verkaufs- und Vertriebskosten sollen um 20 Prozent sinken, unter anderem durch weniger Vertriebsregionen. Bei den Materialeinzelkosten für neue Fahrzeugprojekte peilt der Konzern ein Minus von rund zehn Prozent gegenüber den bisherigen Planungen an.
„Wir müssen dort schlanker werden, wo die Kunden keinen Unterschied sehen, damit wir dort mehr investieren können, wo sie ihn sehen“, sagte Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner. Die Entwicklungszeit soll um bis zu 40 Prozent sinken. Helfen sollen mehr Simulationen, weniger Komplexität und Synergien im VW-Konzern – zum Beispiel bei gemeinsamen Bauteilen.
Porsche konzentriert sich zudem auf sein Kerngeschäft: Dazu gehören der Verkauf von Beteiligungen an Bugatti und der Management- und IT-Beratung MHP sowie die geplante Schließung mehrerer Tochter-Firmen.

Der Umbau trifft die Beschäftigten

Ein wesentliches Ziel der Strategie ist ein schlankeres Unternehmen. Das heißt: Viele Porsche-Mitarbeiter müssen gehen. Insgesamt werde die Belegschaft mittelfristig um 25 Prozent reduziert – bei einem strategischen Ziel von 30 Prozent, hieß es. Überproportional abgebaut werden soll in Verwaltung und Entwicklung. Wegfallen sollen daher auch 40 Prozent der Management-Stellen. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende 2025 noch rund 41.800 Menschen.
Dabei spielt das sogenannte Zukunftspaket eine zentrale Rolle. Darauf hatten sich im Sommer Unternehmen und Gesamtbetriebsrat geeinigt. Unter anderem sieht es den Abbau von weiteren 5.000 Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 vor. Im Gegenzug wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. In der Porsche-Heimat fallen insgesamt rund 9.000 Stellen weg. Hinzu kommen Abbauprogramme im Leipziger Werk und bei Tochterunternehmen.

Porsche muss mehrere Probleme gleichzeitig lösen

Porsche hatte zuletzt zu kämpfen – unter anderem mit sinkenden Absatzzahlen, vor allem in China, einer geringeren Nachfrage nach E-Modellen und den US-Zöllen. Hinzu kamen die Milliardenkosten für das länger als geplante Festhalten am Verbrenner, die den Gewinn 2025 zum größten Teil aufgezehrt haben. Das Ergebnis nach Steuern brach im Vorjahresvergleich um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Im ersten Halbjahr stabilisierte sich das Ergebnis.
In China stellt sich Porsche Leiters zufolge darauf ein, künftig höchstens noch ein Zehntel seiner Fahrzeuge zu verkaufen. Der Markt sei sehr anspruchsvoll und habe sich grundlegend verändert. Die Planung für China sei daher „sehr konservativ“. Im Spitzenjahr 2020 wurden fast 35 Prozent der Fahrzeuge von Porsche in die Volksrepublik verkauft. 2025 waren es noch knapp 15 Prozent. Aufgeben werde man China aber nicht, sagte Leiters.

Die Rechnung der Strategie

Die Zweifel an der Ertragskraft der früheren VW-Renditeperle soll die Strategie entkräften: „Das Umsatzwachstum soll das Absatz-Wachstum übertreffen, das Ergebniswachstum soll das Umsatzwachstum übertreffen“, hieß es.
Mittelfristig soll von 100 Euro Umsatz wieder ein operativer Gewinn von 10 bis 15 Euro übrig bleiben. Im ersten Halbjahr waren es 7,80 Euro. Absolut strebt Porsche in einigen Jahren einen Umsatz zwischen 41 und 45 Milliarden Euro an. 2025 waren es 36,3 Milliarden. Das obere Ende der Ziele sei aber auch von einem besseren wirtschaftlichen, geopolitischen und regulatorischen Umfeld oder von weiteren Wertschöpfungsinitiativen abhängig.

Wann kommt der Schub?

„Was wir hier vorhaben, wird nicht über Nacht geschehen“, sagte Leiters. Es werde zunächst eine Übergangsphase geben, in der man wettbewerbsfähiger werden müsse. Bereits im kommenden Jahr soll die Gewinnschwelle unter die Marke von 200.000 Fahrzeugen fallen. Von 2028 an sollen die elektrischen 718-Modelle den Absatz stützen. Vom neuen Verbrenner-SUV erwartet Porsche ab 2029 einen spürbaren Beitrag zu Umsatz und Profitabilität.
Das nächste Kapitel sei dann der Start der neuen Produktgeneration. „Dann erwarten wir, dass die Entwicklung richtig an Fahrt gewinnt“, sagte Leiters. Doch selbst wenn die Strategie aufgeht: Mit einem langfristigen Renditeziel von 15 Prozent bleibt Porsche unter Werten früherer Top-Jahre. (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

[Live ab 15:00 Uhr]: Witwe eines Opfers spricht zum Jahrestag des Angriffs auf Israel

Am dritten Jahrestag des Hamas-Großangriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 sind am Mittwoch mehrere Demonstrationen in Berlin angemeldet. Unter dem Motto „7. Oktober. Nie vergessen. Niemals schweigen“ ist für 15:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz für die Opfer des Angriffs geplant.
Unter anderem sollen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der israelische Botschafter Ron Prosor und Cornelia Seibeld, Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin sprechen. Noga Friedmann, Witwe des am 7. Oktober gefallenen Ido Rosenthal spricht ein Grußwort. Die Epoch Times berichtet mit einem Livestream von der Veranstaltung.

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

In Mitte sowie in Kreuzberg und Neukölln sind außerdem pro-palästinensische Proteste angekündigt.

Bundesregierung warnt vor wachsendem Antisemitismus

Die Bundesregierung hat vor einer Zunahme des Antisemitismus in Deutschland gewarnt und einen entschlossenen Einsatz gegen Judenfeindlichkeit bekräftigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte am Mittwoch: „Die Bundesregierung wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um Antisemitismus in all seinen neuen und alten Formen konsequent zu bekämpfen“.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) beklagte einen „entsetzlichen Anstieg von Antisemitismus“ seit dem Hamas-Überfall auf Israel vor drei Jahren. Dieser sei auch in Deutschland zu beobachten, sagte er in einem am Dienstag veröffentlichten Video.
„Antisemitische Straftaten nehmen erschreckend zu“, erklärte auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). „Wir alle müssen Antisemitismus klar benennen und entschieden bekämpfen.“
Warnende Worte kamen auch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Auch in unserem Land ist seit dem 7. Oktober antisemitische Hetze auf unerträgliche Weise aufgeflammt“, erklärte er im Onlinedienst X.
Bei ihrem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hatten nach israelischen Angaben rund 6.000 Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen insgesamt 1.221 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Israel reagierte mit einem massiven Militäreinsatz im Gazastreifen, bei dem nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 74.200 Menschen getötet worden seien. Trotz einer im Oktober vergangenen Jahres vereinbarten Waffenruhe greift die israelische Armee weiterhin Ziele im Gazastreifen an.
Mit Material der Nachrichtenagenturen.
Categories
deutschland ticker

Politiker rätseln nach AfD-Wahl in Magdeburg: Wer gab Rausch die vier Extrastimmen?


In Kürze:

  • Tobias Rausch erhielt vier Stimmen mehr als AfD und BSW zusammen.
  • CDU-Politiker weisen auf den Unvereinbarkeitsbeschluss mit der AfD hin.
  • Wegen der geheimen Wahl bleibt offen, wer Rausch zusätzlich unterstützt hat.

 
Die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt sorgt über die Landespolitik hinaus für Diskussionen. Rausch erhielt bei der geheimen Abstimmung am Dienstag, 6. Oktober, 48 von 82 gültigen Stimmen. AfD und BSW verfügen zusammen über 44 Sitze. Woher die vier zusätzlichen Stimmen kamen, ist nicht bekannt.
Besonders die CDU gerät deshalb unter Druck. Führende Christdemokraten sagen, dass die Partei keine Unterstützung für die AfD wolle, könnten aber wegen der geheimen Abstimmung nicht sagen, welche Abgeordneten Rausch ihre Stimme gegeben haben.

CDU fordert Aufklärung

CDU-Vize und Bundesfamilienministerin Karin Prien äußerte sich besorgt über die Wahl. Es sei noch nicht geklärt, wer in der geheimen Abstimmung für Rausch gestimmt habe, sagte Prien dem Sender rbb. „Aber ich will deutlich sagen: Sollten es Kolleginnen und Kollegen der CDU-Landtagsfraktion gewesen sein, dann ist das natürlich vollkommen inakzeptabel.“
Die CDU habe dazu „klare Beschlüsse“, so Prien. Dazu gehöre auch die Stimmabgabe für Anträge der AfD.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann bezeichnete die Wahl von Rausch als „schweren Schlag“ für „unsere freiheitlichen Werte“. „Für die CDU Deutschlands ist klar, dass die Unterstützung einer extremistischen Partei oder einer von ihr geführten Regierung nicht mit den Werten unserer Partei vereinbar ist“, sagte Hoppermann den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Es sei ein „politisch-historischer Einschnitt für unser Land, dass mit der AfD in Sachsen-Anhalt erstmals eine rechtsextreme Partei in der Geschichte der Bundesrepublik den Präsidenten eines Landtages“ stelle.
Vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses sagte Hoppermann: „Die Wahl war geheim. Wir können nicht sagen, woher die weiteren Stimmen kamen.“ Eine vorherige interne Abstimmung in der CDU-Landtagsfraktion habe ein Votum von Enthaltung beziehungsweise Nein-Stimmen ergeben. „Wie und ob die Aufklärung einer geheimen Wahl gelingen kann, wird in den Landtagsfraktionen zu klären sein.“

CDU weist Vorwurf einer Unterstützung zurück

Auch die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion im Bundestag, Catarina dos Santos-Wintz, verwies die Aufarbeitung an die Landtagsfraktion.
Mögliche Abweichler müssten sich hinterfragen, sagte dos Santos-Wintz den Sendern RTL und ntv. „Man muss sich die Frage stellen, wie man das mit seinem Gewissen vereinbaren kann, so eine Entscheidung zu treffen.“
Den Vorwurf, die Union habe einem AfD-Politiker an die Spitze des Landtages verholfen, wies sie zurück. Es sei eine geheime Wahl gewesen. Woher die zusätzlichen Stimmen kämen, wisse sie nicht.
Konsequenzen für einzelne Abgeordnete, etwa einen Ausschluss aus der Fraktion, forderte dos Santos-Wintz nicht.

Keine CDU-Stimmen für Siegmund?

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die bevorstehende Wahl des Ministerpräsidenten. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat die Absicht, sich im Dezember zur Wahl zu stellen.
Dos Santos-Wintz schloss aus, dass Siegmund bei der Ministerpräsidentenwahl Stimmen aus der Union bekommen werde. „Ich weiß aus den Landtagsfraktionen und aus der Landespartei, dass das nicht der Fall sein wird“, sagte sie. Darauf verlasse sie sich.
Am Kurs der CDU ändere die Wahl Rauschs zum Landtagspräsidenten nichts. Die Partei habe einen Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der AfD, der weiterhin gelte.

Linke sieht CDU in der Verantwortung

Die Linke kritisierte die CDU unterdessen scharf. Deren Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek, sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Wer einem Rechtsextremen seine Stimme gibt, hat jedes Recht verloren, sich als Demokrat zu bezeichnen.“ Wer sich enthalte, habe „keine Haltung“.
Sollte Siegmund bei der Ministerpräsidentenwahl „auch nur eine Stimme aus der Union“ erhalten, werde Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) „endgültig als derjenige Parteivorsitzende in die Geschichte eingehen, der den Rechtsextremen den Weg zur Macht geebnet hat“, sagte Reichinnek.

AfD erstmals mit Landtagspräsidenten

Mit Rauschs Wahl stellt die AfD erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik einen Landtagspräsidenten. Der 35-Jährige war bislang parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion. Nach Angaben des Landtages erhielt er 48 Ja-Stimmen, 29 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen.
Damit erhielt er vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen Sitze haben. Das BSW hatte zuvor angekündigt, den AfD-Kandidaten zu unterstützen. SPD, Grüne und Linke hatten angekündigt, gegen Rausch zu stimmen.
Zudem wurde der AfD-Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider zum Vizepräsidenten gewählt. Der CDU-Abgeordnete Carsten Borchert erhielt ebenfalls einen Posten als Vizepräsident.
Die AfD selbst wertete Rauschs Wahl als „historischen Schritt“. Die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla teilten mit, Rausch habe neben den Stimmen von AfD und BSW auch Unterstützung aus anderen Fraktionen erhalten.

Proteste in Berlin

Die Wahl löste auch im Bundestag Reaktionen aus. Die SPD-Bundestagsfraktion veranstaltete am Dienstagabend eine Protestmarsch im Zentrum Berlins. Mehrere Abgeordnete, inklusive der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, zogen vom Bundestag durch das Brandenburger Tor und versammelten sich auf dem Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung im Nationalsozialismus.
Die zentrale Frage bleibt unterdessen offen: Wer gab Tobias Rausch die vier Stimmen, die über die gemeinsame Sitzzahl von AfD und BSW hinausgingen?
(AFP/dpa/dts/red)
Categories
deutschland ticker

Spionageverdacht: Früherer BND-Präsident Hanning in Untersuchungshaft

Der frühere Chef des Bundesnachrichtendiensts (BND), August Hanning, muss wegen Spionageverdachts in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl gegen ihn wurde am Mittwoch in Vollzug gesetzt, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Der inzwischen 80 Jahre alte ehemalige Chefspion soll von seinem früheren Büroleiter geheime BND-Erkenntnisse gekauft und teils weitergegeben haben.
Unter anderem soll er mithilfe des Materials eine Analyse für einen Mitarbeiter eines fremden Geheimdienstes verfasst haben – wobei unklar ist, ob diese ankam. Offiziell ist nicht bekannt, um welchen Geheimdienst es sich mutmaßlich handelte. Der „Spiegel“ berichtete am Dienstagabend, es gebe den Verdacht, dass Hanning mit einem Agenten der Kaukasusrepublik Aserbaidschan in Verbindung gestanden habe.
Der Bundesanwaltschaft zufolge soll Hanning aus dem geheimen Material politische Informationen gezogen haben, die er einem Mitarbeiter eines anderen staatlichen Geheimdiensts gegeben habe. Mit diesem soll er sich jahrelang intensiv ausgetauscht haben.

Razia im vergangenen Jahr

Die mutmaßliche Spionage flog bei einer Razzia bei Hanning im vergangenen Jahr auf. Dabei ging es ursprünglich um ganz andere Vorwürfe im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Entführung der Kinder von Steakhauskettenerbin Christina Block. Was bei der Durchsuchung gefunden wurde, rief die Bundesanwaltschaft auf den Plan.
Hanning und sein früherer Büroleiter Manfred D. wurden schließlich am Dienstag in Nordrhein-Westfalen und Bayern festgenommen. D. wurde bereits wenige Stunden später dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt und kam in Untersuchungshaft. Er soll Hanning etwa 2000 Dokumente weitergegeben haben. Hanning selbst wurde am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt.
Der Fall sorgte im politischen Berlin für Entsetzen. Hanning war während seiner Laufbahn jahrzehntelang in wichtigen Positionen tätig, er arbeitete auch im Bundeskanzleramt und im Bundesinnenministerium. Bis Ende 2005 leitete er den Auslandsnachrichtendienst BND.
Die Bundesanwaltschaft verdächtigt Hanning unter anderem wegen Spionage und versuchten Landesverrats. Gegen seinen mutmaßlichen Komplizen D. wird wegen des Verdachts der Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zu landesverräterischer Ausspähung ermittelt. Die Ermittlungen liefen am Mittwoch weiter.
(afp/red)
Categories
deutschland ticker

Thüringen: Zwei Stimmen außerhalb der AfD stimmen für Neuwahlen

Die AfD ist in Thüringen mit einem Vorstoß für Neuwahlen gescheitert. Für einen Antrag der Partei zur Auflösung des Landtags stimmten am Mittwoch in Erfurt 34 Abgeordnete – mindestens 59 Stimmen wären notwendig gewesen. Neben den AfD-Abgeordneten stimmten damit auch zwei Abgeordnete außerhalb der Partei für die Auflösung des Landtags.
Die AfD als stärkste Fraktion im Parlament stellt 32 Abgeordnete. Für die Annahme des Antrags müssten mindestens 59 der 88 Abgeordneten stimmen. Dem Landtag gehören die Koalitionsfraktionen von CDU, SPD, dem BSW-Nachfolger Thüringen Gerecht sowie die Linke und mehrere fraktionslose Abgeordnete an.

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

Die Thüringer AfD um ihren Fraktions- und Parteichef Björn Höcke hatte den Vorstoß mit dem Ziel einer Neuwahl unter anderem damit begründet, dass die CDU-geführte Landesregierung nach dem Zerfall der BSW-Fraktion keine Legitimation mehr habe.

Höcke kündigte Volksbegehren an

Höcke hatte zuvor ein Volksbegehren mit dem Ziel von Neuwahlen angekündigt, sollte die erforderliche Zweidrittelmehrheit bei der heutigen Abstimmung im Landtag nicht erreicht werden. Ein Volksbegehren kann den Thüringer Landtag jedoch nicht unmittelbar auflösen. Es kann lediglich einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg bringen. Lehnt der Landtag diesen ab, könnte es anschließend zu einem Volksentscheid kommen. (afp/red)
Categories
deutschland ticker

Kranken- und Rentenbeiträge steigen für Gutverdiener

Wer mehr als 5.812,50 Euro brutto im Monat verdient und gesetzlich versichert ist, muss im kommenden Jahr mehr Geld für die Krankenversicherung zahlen. Ab einem Verdienst von 8.450 Euro brutto steigt auch der Beitrag für die Rentenversicherung. Das Bundeskabinett hat in Berlin eine entsprechende Verordnung des zuständigen Bundessozialministeriums beschlossen. Der Bundesrat muss der jährlichen Anpassung noch zustimmen, was als Formsache gilt. Eine Zustimmung im Bundestag ist nicht nötig.
Die sogenannten Beitragsbemessungsgrenzen werden jedes Jahr entlang der Lohnentwicklung im vergangenen Jahr fortgeschrieben. Sie definieren, bis zu welcher Grenze des Monatsgehalts Beiträge fällig werden, vom darüber liegenden Gehalt werden dann keine Beiträge mehr abgezogen.

Ausrichtung an Lohnanstieg im vergangenen Jahr

In der Krankenversicherung steigt die Grenze von aktuell 5.812,50 auf 6.375 Euro, bei der Rente von heute 8.450 auf 8.850 Euro. Wer also mehr als 5.812,50 Euro brutto verdient, zahlt künftig mehr für die Krankenkasse, wer mehr als 8.450 Euro brutto hat, auch mehr für die Rente.
Das Ministerium verweist auf die gesetzliche Pflicht, die Werte fortzuschreiben. 2025 legten die Bruttolöhne demnach um 4,38 Prozent zu. So werde sichergestellt, dass sich die Versicherten entsprechend der Lohnentwicklung an der Finanzierung der Sozialversicherung beteiligten, da auch Leistungen, wie die Rente jährlich insbesondere mit der Lohnentwicklung angepasst würden.
Beim Wert für die Krankenversicherung ist dieses Mal allerdings eine zusätzliche Anhebung um 300 Euro enthalten, die auf das vor dem Sommer in der Koalition vereinbarte Gesundheitssparpaket zurückgeht. Dieses soll die Krankenkassen wegen ständig steigender Gesundheitsausgaben entlasten. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Ifo: Tankrabatt bisher nur teilweise weitergegeben

Der Tankrabatt wird laut Ifo-Institut und ADAC bisher nur teilweise an die Verbraucher weitergegeben. „Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 15 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin E5 waren es durchschnittlich gut 16 Cent und bei Super E10 15 Cent“, sagt Ifo-Experte Florian Neumeier.
Auch der ADAC sieht – vor allem bei E10 noch eine „deutlichere Lücke gegenüber dem rechnerisch möglichen Preisrückgang von rund 17 Cent je Liter“. Bei Diesel komme die steuerliche Entlastung dagegen „zu einem großen Teil bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an“, heißt es vom Verkehrsclub. Er sieht aber weiter Spielraum für niedrigere Preise.
Wie sehr der Rabatt weitergegeben wird, schwankt laut Ifo von Tag zu Tag: „Am ersten Oktober wurde der Rabatt vollständig weitergegeben, während die Weitergabe am Wochenende unvollständig blieb“, sagt Neumeier. Insbesondere bei Superbenzin der günstigsten Sorte E10 gib es dabei viel Bewegung. Die errechnete Weitergabe sinkt dort von Donnerstag bis Sonntag um rund 7 Cent. Am Montag – die aktuelle Untersuchung geht bis dahin – zeigt sich dann wieder eine weitgehende Weitergabe von mehr als 15 Cent. Bei Diesel verläuft die Kurve ähnlich – wenn auch mit geringeren Ausschlägen nach unten und oben.

Spritpreise geben nach

Zuletzt haben die Spritpreise nach Daten des ADAC nachgegeben. Demnach kostete ein Liter E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Dienstags 2,126 Euro. Das waren 0,6 Cent weniger als am Montag – aber immer noch mehr als ersten Tag des Tankrabatts. Diesel kostete am Dienstag 2,233 Euro pro Liter. Das waren 1,2 Cent weniger als am Montag – und auch weniger als am ersten Tag des Tankrabatts.
Auch am Mittwoch könnte es etwas weiter nach unten gehen. Darauf deuteten zumindest Zahlen des Portals Tankerkönig vom Vormittag hin.

Vergleich mit Frankreich

Die Einschätzungen von ADAC und Ifo sind nicht ganz deckungsgleich. Das liegt daran, dass sie einerseits nicht ganz gleiche Zeiträume vergleichen – beim ADAC wird auch der Dienstag noch einbezogen, zum anderen an der Methodik.
So betrachtet der ADAC die Entwicklung der Preise in Deutschland unter den aktuellen Marktbedingungen. Basis der vom Ifo berechneten Weitergabe ist dagegen ein Vergleich der Preise in Deutschland mit Preisen in Frankreich. Dadurch sollen die üblichen allgemeinen Schwankungen der Spritpreise – unter anderem durch den Ölpreis – ausgeglichen werden. Der Grundgedanke dabei ist, dass die Preisentwicklung in Frankreich abbildet, was unter normalen Umständen auch in Deutschland passiert wäre.
Der Tankrabatt gilt seit dem 1. Oktober. Der Bund verzichtet dabei auf Energie- und Mehrwertsteuer in Höhe von 16,7 Cent pro Liter. Neumeier sieht die Maßnahme – wie viele Wirtschaftswissenschaftler – kritisch. Unter anderem, weil der dämpfende Effekt hoher Preise auch den Verbrauch reduziert. Zudem verzerre der Rabatt Kaufentscheidungen: Wer einen Benziner kaufe, mache sich von der Golfregion abhängig. Das solle der Preis auch zeigen.

„Wenig zielgenau“

„Der Tankrabatt ist außerdem wenig zielgenau“, betont sein Ifo-Kollege Christian Gréus. „Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Kilometerleistung profitieren kaum von diesem Entlastungspaket.“
Das Ifo will – wie beim ersten Tankrabatt wieder einen Tracker für die Weitergabe online stellen. Im Mai und Juni waren die Wirtschaftsforscher zum Ergebnis gekommen, dass der Rabatt nicht vollständig weitergegeben wurde.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) hat dem stets widersprochen. Am Montag hieß es von dort: „Ohne den Tankrabatt wären die Tankstellenpreise seit Anfang Oktober an ihren Stationen zu jedem Zeitpunkt 17 Cent je Liter höher.“ Man könne allerdings keine Aussage zum deutschen Gesamtmarkt von rund 14.000 Tankstellen treffen. Die en2x-Mitglieder vertreten etwa die Hälfte davon. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Thüringer Landtag stimmt über Auflösung des Parlaments ab

Im Thüringer Landtag stimmen die Abgeordneten am Mittwoch (12.00 Uhr) über einen Antrag der AfD-Fraktion zur Auflösung des Parlaments ab. AfD-Fraktionschef Björn Höcke begründete den Vorstoß mit dem Zerfall der BSW-Fraktion, womit aus Sicht der AfD auch die CDU-geführte Landesregierung keine Legitimation mehr hat.
Live ab 12 Uhr:

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

Mit der Auflösung des Parlaments will die AfD eine Neuwahl ermöglichen. Allerdings dürfte der Antrag kaum Erfolg haben. Eine Auflösung des Landtags müsste mit einer Mehrheit von zwei Dritteln seiner Mitglieder beschlossen werden.
Die AfD als stärkste Fraktion im Parlament stellt 32 Abgeordnete. Für die Annahme des Antrags müssten mindestens 59 der 88 Abgeordneten stimmen. Dem Landtag gehören die Koalitionsfraktionen von CDU, SPD, dem BSW-Nachfolger Thüringen Gerecht sowie die Linke und mehrere fraktionslose Abgeordnete an.
Bereits zweimal in diesem Jahr blieb ein Misstrauensvotum der AfD gegen Voigt im Landtag erfolglos. (afp/red)
Categories
deutschland ticker

Kreise: Mario Voigt will Entzug der Doktorwürde akzeptieren

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt will nach Angaben aus Koalitionskreisen seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Chemnitz gegen den Entzug seines Doktortitels zurückziehen. Das bestätigten mehrere Abgeordnete übereinstimmend, die von Voigt über diesen Schritt informiert wurden. Der 49-Jährige besuchte vor der Landtagssitzung die Fraktionen von SPD, Thüringen.Gerecht und CDU. Dem Vernehmen nach ging es bei den Gesprächen unter anderem um die Rücknahme der Klage.

Voigt sieht sich in einem Dilemma

Voigt hatte im Zusammenhang mit dem Doktortitel bereits von einem innerlichen Dilemma gesprochen, in dem er stecke: Einerseits wolle er seine wissenschaftliche Arbeit verteidigen, andererseits sehe er, dass er damit politische Angriffsfläche biete, hatte Voigt beim CDU-Landesparteitag in Eisenach gesagt. Dort war er mit einem guten Ergebnis als Thüringer CDU-Vorsitzender im Amt bestätigt worden.
Voigt soll in seiner Dissertation mit dem Titel „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“ aus dem Jahr 2008 unsauber gearbeitet haben. Die Technische Universität Chemnitz entzog ihm wegen Plagiatsvorwürfen den Doktortitel. Der CDU-Politiker scheiterte mit einem Widerspruch und wandte sich an das Verwaltungsgericht Chemnitz. Nun will er offenbar die Klage zurücknehmen, bevor das Gericht eine Entscheidung trifft.

AfD hält politischen Druck aufrecht

Die oppositionelle AfD-Fraktion mit ihrem Chef Björn Höcke hatte Voigt wegen der Sache politisch massiv unter Druck gesetzt. Mit zwei Misstrauensanträgen gegen Voigt in diesem Jahr war die AfD gescheitert.
Heute entscheidet der Landtag über einen Antrag zur Auflösung des Parlaments, der von der AfD eingebracht wurde. Eine Selbstauflösung mit anschließender Neuwahl gilt aber als unwahrscheinlich – dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Ex-BND-Chef Hanning unter Spionageverdacht: Jetzt geht es um Haft und Geheimdienstregeln

Die Festnahme des früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, wegen des Verdachts auf Spionage und Landesverrat sorgt für politische Reaktionen. Politiker von Grünen, SPD und CDU fordern eine umfassende Aufklärung und stellen zugleich die bisherigen Regeln für ehemalige Spitzenkräfte der Nachrichtendienste infrage. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie verhindert werden kann, dass ehemalige Geheimdienstmitarbeiter ihr während der Dienstzeit erworbenes Wissen nach dem Ausscheiden für private oder ausländische Interessen nutzen.
Hanning war am Dienstag gemeinsam mit seinem früheren Büroleiter beim BND, Manfred D., festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft Hanning unter anderem geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor. Gegen D. wird wegen des Verdachts der Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung ermittelt. Er befindet sich bereits in Untersuchungshaft.

Ermittler werfen Hanning jahrelange Nutzung geheimer BND-Informationen vor

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen sollen Hanning und D. bereits 2010 vereinbart haben, dass der frühere Büroleiter seinem ehemaligen Chef gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle Erkenntnisse aus dem BND zur Verfügung stellt. Bis Juni 2022 soll D. seinem früheren Chef annähernd 2.000 Dokumente übergeben haben.
D. hatte lange mit Hanning zusammengearbeitet. Zunächst war er dessen Büroleiter beim BND. Als Hanning Ende 2005 als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium wechselte, folgte D. ihm dorthin als Assistent. Ab März 2012 arbeitete D. erneut beim BND, diesmal als Büroleiter für nachfolgende Präsidenten. In dieser Funktion hatte er Zugriff auf geheimhaltungsbedürftige Informationen.
Damit soll Hanning über Jahre Zugang zu Informationen gehabt haben, die ihm nach seinem Ausscheiden aus dem BND nicht mehr hätten zur Verfügung stehen dürfen.

Analyse für ausländischen Nachrichtendienst?

Besonders schwer wiegt der Verdacht, dass Hanning die erhaltenen Informationen für eine Analyse für einen ausländischen Nachrichtendienst nutzte.
Die Bundesanwaltschaft teilte mit, Hanning habe in einem Fall geheime Informationen verwendet, um eine Analyse für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates zu erstellen. Welcher Staat dahinterstand, nannte die Behörde zunächst nicht.
Nach einem Bericht des „Spiegel“ soll es sich beim mutmaßlichen Auftraggeber um einen Geheimdienstmitarbeiter aus Aserbaidschan gehandelt haben. Ermittler gehen demnach dem Verdacht nach, dass Hanning mit einem Agenten der Kaukasusrepublik in Verbindung stand.
Noch ist allerdings unklar, ob die Analyse tatsächlich beim mutmaßlichen Auftraggeber angekommen ist. Die Bundesanwaltschaft erklärte, dass sich dies bislang nicht feststellen lasse. Die Ermittlungen laufen weiter.

Hanning wechselte nach dem BND in die Privatwirtschaft

Hanning leitete den BND von 1998 bis 2005. Anschließend wurde er Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Später wechselte er in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.
Gerade dieser berufliche Wechsel steht nun im Zentrum der politischen Debatte. Mehrere Politiker sehen ein grundsätzliches Problem darin, dass ehemalige Spitzenkräfte der Nachrichtendienste nach ihrem Ausscheiden Beratertätigkeiten im Sicherheitsbereich übernehmen können.
Der Fall wirft die Frage auf, wie das während einer langjährigen Tätigkeit im Staatsdienst erworbene Wissen geschützt werden kann, wenn ehemalige Spitzenbeamte anschließend für private Unternehmen oder andere Auftraggeber tätig werden.

Nouripour fordert Prüfung von Anschlussjobs

Der Grünen-Politiker und Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour fordert Konsequenzen. Der Fall Hanning zeige, wie sensibel privatwirtschaftliche Beratungsjobs ehemaliger höchster Geheimnisträger seien, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Die Bundesregierung müsse Anschlussjobs hoher Geheimdienstmitarbeiter prüfen und ihnen nach dem Ausscheiden aus dem Amt Lobby-Tätigkeiten im Sicherheitsbereich untersagen.
Zugleich würdigte Nouripour die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Mit der Entlarvung Hannings sei ein gravierendes Sicherheitsleck entdeckt und geschlossen worden. Nun müsse dringend geklärt werden, welcher Schaden durch den möglichen Informationsabfluss entstanden sei.
Auch der Grünen-Politiker Konstantin von Notz verwies auf eine bereits im Mai 2023 vom Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) ausgesprochene Warnung vor problematischen Nebentätigkeiten ehemaliger höchster Geheimnisträger. Die damaligen Sicherheitsprobleme seien aus seiner Sicht nicht ausreichend beseitigt worden. Die Bundesregierung müsse solche Praktiken umgehend unterbinden.

SPD fordert strengere Regeln und längere Karenzzeiten

Auch die SPD sieht Handlungsbedarf. Der Bundestagsabgeordnete und Geheimdienstkontrolleur Daniel Baldy sprach sich dafür aus, ehemaligen BND-Präsidenten und anderen Personen in besonders sicherheitsempfindlichen Funktionen bestimmte Tätigkeiten in der Privatwirtschaft zu untersagen.
Es müsse verhindert werden, dass während der staatlichen Tätigkeit entstandene Vertrauensverhältnisse nach dem Ausscheiden weitergenutzt würden – insbesondere zur Weitergabe geheimer Informationen oder zur Wahrnehmung privater Interessen.
Noch weiter geht die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sonja Eichwede. Sie fordert eine lebenslange Karenzzeit für ehemalige Führungskräfte der Nachrichtendienste.
Der Fall zeige deutlich, dass die bisherigen Regeln weiter verschärft werden müssten. Die Karenzzeit war in der vergangenen Legislaturperiode bereits verlängert worden. Eichwede hält dies jedoch nicht für ausreichend und fordert eine lebenslange Karenzzeit für ehemalige führende Mitarbeiter der Nachrichtendienste.
Zugleich betonte sie die Bedeutung der parlamentarischen Kontrolle und des Unabhängigen Kontrollrats. Auch bei der anstehenden Reform der Nachrichtendienste müsse sichergestellt werden, dass diese Kontrollgremien über weitreichende Rechte verfügen. Außerdem müsse geklärt werden, mit wem Hanning Kontakt hatte und welche geheimen Informationen er möglicherweise weitergegeben habe.

Henrichmann fordert zunächst vollständige Aufklärung

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), fordert ebenfalls eine umfassende Aufklärung. Die Frage nach den Treuepflichten ehemaliger Spitzenkräfte gegenüber dem Staat müsse neu betrachtet werden.
Sollten sich die Vorwürfe gegen Hanning erhärten, brauche es eine deutliche Reaktion, auch als Signal an mögliche Nachahmer.
Gleichzeitig warnt Henrichmann davor, bereits jetzt politische Konsequenzen zu ziehen. Einen Untersuchungsausschuss hält er derzeit für verfrüht. Zunächst müsse geklärt werden, was tatsächlich passiert sei und ob sich ein solcher Fall trotz der bereits erfolgten Reformen beim Geheimschutz und bei Sicherheitsüberprüfungen wiederholen könne.
Eine unmittelbare Gefahr für die staatliche Sicherheit Deutschlands sieht Henrichmann derzeit nicht. Die bei den Durchsuchungen gefundenen Informationen hätten nach seiner Einschätzung nicht die Qualität, Deutschland „in den Grundfesten“ zu erschüttern. Die Tatsache, dass ein ehemaliger BND-Chef in einen solchen Vorgang verwickelt sein soll, habe jedoch eine besondere Dimension.

Kiesewetter warnt vor Folgen für die Nachrichtendienste

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter warnt vor möglichen Folgen für die internationale Zusammenarbeit der Nachrichtendienste. In Nachrichtendienstkreisen gelte ein solcher Vorgang sogar als „Supergau“, sagte er RTL und ntv.
Ausländische Nachrichtendienste teilten Informationen nur, wenn sie darauf vertrauen könnten, dass diese beim Partnerdienst sicher behandelt werden. Ein Fall wie der von Hanning könne deshalb die Zusammenarbeit des BND in bestimmten Bereichen gefährden.
Kiesewetter fordert eine schnelle Aufklärung und Schadensbegrenzung. Es müsse ermittelt werden, welche Informationen abgeflossen sein könnten und welche Folgen dies für die deutsche und internationale Nachrichtendienstzusammenarbeit habe.
Er verwies zudem auf die angespannte sicherheitspolitische Lage und den russischen Kriegs gegen die Ukraine. Gerade vor diesem Hintergrund sei es problematisch, wenn die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Nachrichtendiensten durch Informationslecks beeinträchtigt werde.

Kritik an der Nutzung früherer Kontakte

Kiesewetter fordert außerdem einen kritischeren Umgang mit ausgeschiedenen Spitzenbeamten von Sicherheitsbehörden. Diese sollten bestimmte Themenbereiche nach ihrem Ausscheiden meiden und ihr während der Dienstzeit erworbenes Wissen nicht wirtschaftlich verwerten.
Bereits 2023 habe das Parlamentarische Kontrollgremium thematisiert, dass ausgeschiedene Spitzenbeamte in Consulting-Netzwerke wechselten und ihre früher aufgebauten Kontakte wirtschaftlich nutzten. Im Fall Hanning zeige sich nun erneut die Problematik einer solchen Verbindung zwischen früherer Spitzenposition im Nachrichtendienst und späterer Beratertätigkeit.

Welche Informationen tatsächlich abgeflossen sind, ist offen

Ein zentraler Punkt der weiteren Ermittlungen ist die Frage, welche Informationen tatsächlich außerhalb des BND verwendet oder weitergegeben wurden.
Nach den bisherigen Angaben soll D. annähernd 2.000 Dokumente an Hanning übermittelt haben. Welche dieser Dokumente für Hanning relevant waren und ob daraus Informationen an ausländische Stellen gelangten, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.
Ebenso muss geklärt werden, ob die mutmaßlich für einen ausländischen Nachrichtendienst erstellte Analyse tatsächlich übermittelt wurde. Die Antworten auf diese Fragen sind entscheidend für die Bewertung des möglichen Schadens.

Ermittlungen gegen Hanning und D. dauern an

Hanning soll nach seiner Festnahme einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt werden. Dort soll über den Haftbefehl und eine mögliche Untersuchungshaft entschieden werden. Gegen D. wurde bereits Untersuchungshaft angeordnet.
Die Ermittler müssen nun klären, welche Dokumente D. an Hanning weitergegeben hat, wie diese Informationen verwendet wurden, mit welchen Personen ausländischer Nachrichtendienste Hanning Kontakt hatte und ob Informationen tatsächlich ins Ausland gelangten.
Der Fall Hanning hat damit nicht nur strafrechtliche Konsequenzen. Er stellt auch die bisherigen Regeln für ehemalige Spitzenkräfte der Nachrichtendienste auf den Prüfstand. (afp/dts/dpa/red)