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Einblick in Chinas Albtraum der gewaltsamen Organentnahme

Wer sich an Ethan Gutmanns Buch „The Xinjiang Procedure“ herantraut, sei gewarnt: Das darin beschriebene Grauen ist weitaus beklemmender und abgründiger als alles, was Stephen King in seinen düstersten Thrillern zu Papier gebracht hat.
Es liefert zudem die am brillantesten recherchierte und eindringlichste Studie über ein kommunistisches Regime im Krieg gegen seine eigene Bevölkerung seit Alexander Solschenizyns „Der Archipel Gulag“.
Anders als bei Kings Romanen handelt es sich bei „The Xinjiang Procedure“ um eine wahre Horrorgeschichte über inhaftierte und versklavte Menschen, deren Körper für einen lukrativen Organhandel ausgebeutet werden.

Verstörende Handlungen Pekings

Im Geiste von Solschenizyns monumentalem Werk beschreibt Gutmann detailreich die menschenverachtende Kultur der Kommunistischen Partei Chinas. In dieser werden Falun-Gong-Praktizierende, uigurische Muslime in der Region Xinjiang, Tibeter, ethnische Kasachen und Christen, die in nicht genehmigten „Hauskirchen“ beten, systematisch gefoltert und getötet.
Die in diesem Buch beschriebenen Handlungen zeugen von einem abgründigen und verstörenden Umfeld, das mit nichts anderem in der heutigen Welt vergleichbar ist. Gutmann widmete sich diesem eklatanten Menschenrechtsmissbrauch erstmals in seinem Buch „The Slaughter“ aus dem Jahr 2014.

Enthüllungsjournalist Ethan Gutmann recherchierte sieben Jahre lang für sein Buch „The Slaughter“.

Foto: Florian Godovits

In seinem neuesten Buch interviewt er Flüchtlinge aus Xinjiang, die von den Leiden ihres Volkes unter dem Regime in ihrer Heimat berichten.

Eine Gelddruckmaschine

Das Buch beschreibt detailliert, wie der gewinnorientierte Organhandel Anfang der 1990er-Jahre entstand. Die „Spender“ sind Gefangene aus Bevölkerungsgruppen, die die Kommunistische Partei Chinas als Bedrohung betrachtet. Empfänger von Organen können bis zu 700.000 US-Dollar (597.000 Euro) für Transplantationen bezahlen.
Das chinesische Regime betreibt ein lukratives Geschäft mit dem „Organ-Tourismus“ aus dem Ausland. Chinesische Krankenhäuser, insbesondere solche mit Verbindungen zum Militär, bewerben diese Dienstleistungen auf englisch- und arabischsprachigen Websites und führen mindestens 60.000 Transplantationen pro Jahr durch.

„The Xinjiang Procedure“ von Ethan Gutmann belegt die Gräueltaten in der Provinz Xinjiang.

Foto: Armin Lear Press/Olli Torma

Die Tragödie von „The Xinjiang Procedure“ besteht darin, zu erkennen, dass diese grausame Praxis kein Geheimnis ist – und es auch seit Jahrzehnten nicht war. Gutmann hebt hervor, wie Falun-Gong-Praktizierende die Taten der KP Chinas dokumentiert haben.
Ebenso hebt er die Verdienste des israelischen Arztes Dr. Jacob Lavee hervor: Dieser hat aufgezeigt, wie ein System des „Tötens auf Bestellung“ es chinesischen Krankenhäusern ermöglicht, Notfallorganverpflanzungen innerhalb einer Wartezeit von gerade einmal 4 Stunden zu terminieren.

Zeugen des Wahnsinns

Um aktuelle Informationen für „The Xinjiang Procedure“ zu sammeln, suchte Gutmann den direkten Austausch mit Menschen, die diese Gräueltaten miterlebt hatten. Da ihm jedoch der direkte Zugang zu Xinjiang durch die KP Chinas verwehrt wurde, war Gutmann gezwungen, alternative Informationsquellen zu finden.
Er spürte Flüchtlinge aus Xinjiang unter den ethnischen Kasachen auf, die das Glück hatten, aus China in das benachbarte Kasachstan zu entkommen.
Gutmann beschreibt ausführlich seine Reise nach Kasachstan und seine Bemühungen, Interviewpartner für das Buch zu finden. Dies wird fast zu einem abenteuerlichen Reisebericht mit bizarren Begegnungen und Orientierungsschwierigkeiten, mit der kasachischen Landschaft und Kultur klarzukommen. Wenn das Buch einen Schwachpunkt hat, dann ist es dieser Abschnitt: Er zieht sich zu lange hin und lenkt von seiner Untersuchung ab.
Anschließend dokumentiert Gutmann die Berichte von Flüchtlingen aus Xinjiang. Sie schildern in erschütternder Ausführlichkeit die Demütigungen und Misshandlungen, die ihnen im chinesischen Gefängnissystem sowie durch das medizinische Fachpersonal, das für die Organentnahmen herangezogen wurde, zugefügt wurden.

Ethan Gutmann (M.) im Gespräch mit einem Flüchtling aus Xinjiang in Almaty, Kasachstan.

Foto: Josephine De Haan

Das Leben in Xinjiang sei laut den Flüchtlingen zu einer totalitären Hölle verkommen. Ein in China geborener kasachischer Flüchtling namens Tursynbek Qabi sagte: „Alle 700 Meter gibt es eine Polizeistation mit fünf Autos. Xinjiang ist zu einem perfekten Polizeistaat geworden.“
Andere Interviewpartner berichten von Gewalt, die ihnen aufgezwungen wird, von Vergewaltigungen (sowohl von Frauen als auch von Männern im Gefängnis) bis hin zur würdelosen Beseitigung der Leichen der Opfer der Organentnahmen.
Gutmann interviewt außerdem uigurische Flüchtlinge aus Xinjiang in Tadschikistan und der Türkei, deren schmerzliche Erfahrungen der Untersuchung zusätzliche Tiefe verleihen.

Die Gräueltaten gehen weiter

Gutmann schließt dieses außergewöhnliche Werk mit den Worten: „Bei einer derart düsteren Untersuchung kann es kein Happy End geben. Aber es war das Privileg meines Lebens, mit solch mutigen Menschen zu arbeiten.“
Die Fakten und Zeugenaussagen, die Gutmann zusammenträgt, sind herzzerreißend und beunruhigend. Nach der Lektüre des Buches ist es unmöglich, die Vorstellung aufrechtzuerhalten, dass die KP Chinas einen Platz unter den zivilisierten Regierungen der Welt verdient.
„The Xinjiang Procedure“ sollte Pflichtlektüre für jeden sein, der ein Gewissen hat und sich für Menschenrechte einsetzt.
„The Xinjiang-Procedure“
Autor: Ethan Gutmann
Herausgeber: Armin Lear Press
Erscheinungstermin: 2. März 2026
Sprache: Englisch
Taschenbuch, 446 Seiten
ISBN: 978-1968919207
Über den Autor Ethan Gutmann
In seinem vorherigen Buch „The Slaughter“ (2014) porträtierte Ethan Gutmann mehrere Ärzte, die direkt an der erzwungenen Organentnahme bei lebenden Menschen in China beteiligt waren. Er dokumentierte den Organraub bei Falun-Gong-Praktizierenden auf fundierte Weise und stellte fest, dass auch Uiguren, Tibeter und Hauschristen zu den Opfergruppen gehören. Für seine Berichterstattung erhielt er Morddrohungen. Im Jahr 2017 wurde er für den Friedensnobelpreis nominiert.
Nun setzt Gutmann seine Arbeit mit unbestreitbaren Belegen für den gewaltsamen Organraub an Uiguren fort. Er ist Senior Research Fellow bei der Victims of Communism Memorial Foundation in Washington, D.C. und hat international vor vielen Parlamenten über die Gräueltaten der KP Chinas ausgesagt.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‚The Xinjiang Procedure‘: Inside China’s Organ Harvesting Nightmare“. (deutsche Bearbeitung: ks)
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Warum Blockaden im Körper so viele Beschwerden verursachen können

In Kürze:

  • Drei einfache Akupressurpunkte können schnell helfen: Yin Tang (zwischen den Augenbrauen) beruhigt Emotionen, löst Sorgen und verbessert den Schlaf.
  • Nei Guan (am inneren Handgelenk) lindert Übelkeit und Überforderung.
  • Hegu (zwischen Daumen und Zeigefinger) wirkt gegen Schmerzen, Kopfschmerzen, Stress und stärkt das allgemeine Wohlbefinden.
  • Jeden dieser Punkte 1 bis 2 Minuten sanft massieren oder drücken – am besten mit ruhiger, tiefer Atmung.

 
Eines Tages kam eine junge Frau in ihren Zwanzigern in meine Praxis. Sie litt unter starkem Stress und Schlaflosigkeit, ausgelöst durch einen Berufswechsel.
Hätte sie eine westliche Klinik aufgesucht, hätte man ihr wahrscheinlich eine Psychotherapie oder Schlaftabletten verschrieben. Stattdessen kam sie zu mir, einer Ärztin für Traditionelle Chinesische Medizin. Ich bat sie lediglich, ihre Hand zu massieren.
Sie folgte dem Rat und massierte die Mitte ihrer Handfläche immer dann, wenn sie sich gestresst oder ängstlich fühlte. Bereits nach wenigen Tagen berichtete sie, dass ihr Geist klarer wurde, die Ängste nachließen und sie endlich wieder erholsam schlafen konnte.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gilt jede Form von Krankheit oder Stress – ob körperlich oder seelisch – als Zeichen einer Blockade der Lebensenergie Qi. Sobald der Qi-Fluss wiederhergestellt ist, kehren Gesundheit und Gleichgewicht von selbst zurück.
Solche schnellen und tiefgreifenden Besserungen erlebe ich täglich in meiner Praxis.
Um zu verstehen, warum dieser einfache Massagetrick so wirksam war, lohnt es sich, das Meridiansystem der TCM kennenzulernen – jene feinen Energiekanäle, durch die das Qi im Körper fließt. Sie eröffnen eine ganz neue Sicht auf Gesundheit und Heilung.

Die unsichtbaren Energiekanäle

Im ersten Artikel dieser Reihe wurde beschrieben, dass die TCM den menschlichen Körper als ein intelligentes, dynamisches System betrachtet, das in der Lage ist, sich selbst zu reparieren und wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Gesundheit wird durch das Qi aufrechterhalten, das durch die Meridiane des Körpers fließt.
Meridiane sind vergleichbar mit Nebenflüssen und Kanälen und bilden ein riesiges Netzwerk, das den Körper mit dem durch sie fließenden Qi „bewässert“ und so jeden Teil des Körpers nährt.
Genauso wie es an Flüssen Zugangspunkte gibt, gibt es an diesen Meridianen Akupunkturpunkte (auch Akupressurpunkte genannt). Akupunkturpunkte sind bestimmte Stellen entlang der Meridiane, an denen durch sanften Druck oder Massage auf das Qi zugegriffen, es beeinflusst und umgeleitet werden kann.
Der menschliche Körper verfügt laut TCM über zwölf Hauptmeridiane, die in sechs Paaren vorliegen, wobei jedes Paar mit einem bestimmten Organ verbunden ist und seinem eigenen spezifischen Verlauf folgt. Obwohl Meridiane im gesamten Körper vorhanden sind, lassen sich ihre Verläufe oft leichter in den Gliedmaßen wahrnehmen, wo die Empfindungen der Qi-Übertragung deutlicher spürbar sind.
Der Qi-Fluss innerhalb der Meridiane beeinflusst, wie Ihr Körper und sogar Ihre Emotionen funktionieren.
Die westliche Wissenschaft hat begonnen, das Konzept der Meridiane zu erforschen. CT- und MRT-Untersuchungen haben gezeigt, dass die Faszien – das Bindegewebe des Körpers – Muskeln, Knochen, Nerven, Blutgefäße und Organe umgeben und stützen. Dabei bilden sie linienartige Strukturen, die ähnlich verlaufen wie die traditionellen Meridianbahnen.
Einige Forscher haben die Hypothese aufgestellt, dass das Meridiansystem der Faszien des Körpers entsprechen könnte, doch die Forschung dazu ist noch nicht abgeschlossen. Auch wenn der Vergleich zwischen Faszien und Meridianen faszinierend ist, ist das gesamte Meridiansystem komplexer als die Faszien.

Warum Meridiane wichtig sind

In der chinesischen Medizin besteht die Hauptfunktion der Meridiane darin, einen gleichmäßigen und kontinuierlichen Qi-Fluss aufrechtzuerhalten.
Wenn der Qi-Fluss gestört oder aus dem Gleichgewicht gerät, kann dies auf einen Zustand der Disharmonie hindeuten. In solchen Fällen können bei den Betroffenen verschiedene körperliche oder emotionale Symptome auftreten. Zu den häufig beschriebenen Anzeichen, die mit einem Qi-Ungleichgewicht oder einer Qi-Stagnation in Verbindung gebracht werden, gehören:
  • Stress, Angstzustände oder Reizbarkeit
  • Verspannte Muskeln oder schmerzende Gelenke
  • Energielosigkeit, chronische Müdigkeit und Verdauungsprobleme
  • Schlaflosigkeit und wiederkehrende Kopfschmerzen
Um dies weiter zu vereinfachen, kehren wir zu der gestressten Patientin zurück, die ich zuvor erwähnt habe. Was genau geschah, als sie auf die Mitte ihrer Handfläche drückte?
Der Bereich, auf den sie Druck ausübte, ist als Akupunkturpunkt „Palast der Mühen“ (auch Lao Gong genannt) bekannt. Der Lao-Gong-Akupunkturpunkt steht in engem Zusammenhang mit der Regulierung von Emotionen und geistiger Klarheit. Die Stimulation dieses Punktes fördert einen reibungsloseren Fluss von Qi und Blut, insbesondere im Oberkörper und im Kopf.
Praktisch gesehen hilft die Akupressur dabei, den Körper aus einem Zustand von erhöhtem Stress und geistiger Überaktivität in einen ruhigeren, konzentrierteren und ausgeglicheneren Zustand zu versetzen – genau das, was in Zeiten intensiven Lernens oder Leistungsdrucks benötigt wird.

Akupressurpunkte zur Selbstbehandlung

Man kann einfache Akupressurmassagen in die persönliche Selbstfürsorgeroutine integrieren.
Beim Massieren von Akupunkturpunkten ist es normal, leichte Empfindungen wie Schmerzen, Schweregefühl oder leichten Druck zu spüren. Wenn der Druck jedoch unangenehm oder schmerzhaft wird, sollte der Druck verringert oder die Massage gestoppt werden. Akupressur soll dem Körper helfen, sich zu entspannen, und keine zusätzliche Anspannung erzeugen.
Es sollte vermieden werden, Druck auf Bereiche auszuüben, die verletzt, geschwollen oder entzündet sind oder Krampfadern aufweisen, da diese empfindlicher sind und sich durch die Stimulation verschlimmern können.
Die Stimulation sollte auf etwa 1 bis 2 Minuten beschränkt werden und der Druck sollte, sofern möglich, auf beiden Seiten des Körpers ausgeübt werden.
Dies sollte möglichst mit langsamer, entspannter Atmung kombiniert werden. Wichtig ist: Regelmäßigkeit und Sanftheit sind vorteilhafter als eine übermäßige oder zu kräftige Stimulation.

3 leicht zu findende Akupunkturpunkte

1. Bei Schlaflosigkeit, Sorgen und zur Regulierung der Emotionen

Ein leicht zu findender und häufig verwendeter Akupunkturpunkt zwischen den Augenbrauen heißt Yin Tang oder „Halle der Eindrücke“.
Nach alter Überlieferung ist dies der Ort des dritten Auges. Der Yin-Tang-Akupunkturpunkt steht in Verbindung mit der Zirbeldrüse und hilft, die Schlafqualität zu verbessern und emotionale Belastungen zu regulieren, was zu tiefer Entspannung führt.
Dieser Bereich sollte 1 bis 2 Minuten lang sanft mit den Fingern in kreisenden Bewegungen massiert werden.

2. Bei Übelkeit und Überforderung

Es gibt eine weiche Stelle am inneren Handgelenk, etwa drei Finger breit unterhalb der Handgelenksfalte und zwischen zwei hervortretenden Sehnen. Dieser Punkt, bekannt als „inneres Tor“ oder auf Chinesisch „Nei Guan“, wird in der traditionellen Praxis häufig zur Linderung von Symptomen wie Übelkeit und emotionaler Anspannung eingesetzt.
Auf diesen Punkt sollte man sanft Druck ausüben oder diesen Bereich 1 bis 2 Minuten lang mit dem Daumen massieren, während man langsam und gleichmäßig atmet.

3. Zur Schmerzlinderung und für das allgemeine Wohlbefinden

Auf dem Handrücken, zwischen Daumen und Zeigefinger, befindet sich ein sehr vielseitiger Akupunkturpunkt namens Hegu oder „Verbindungstal“. Er wird häufig bei Kopfschmerzen, Migräne und Zahnschmerzen sowie bei Erkältungen und Grippe eingesetzt. Er hilft auch, Stress abzubauen und die Verdauung anzuregen.
Diesen Bereich sollte man 1 bis 2 Minuten lang sanft massieren, und dabei langsam und tief einatmen.
Hinweis: Dieser Punkt sollte während der Schwangerschaft nicht stimuliert werden, da dies Wehen auslösen könnte.
Die Lebensenergie des Körpers liebt den Fluss. Flexibel und anpassungsfähig zu sein, ist das Geheimnis für Gesundheit und Langlebigkeit. Das lebensspendende Qi sollte frei durch den Körper fließen können – und dann wird man sich gesund fühlen und gesund bleiben.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Meridians: How a Myriad of Symptoms Result From Blockages in Your Body“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Alte Erkenntnisse über göttliche musikalische Ordnung bestätigt


In Kürze:

  • Dass es eine Verbindung zwischen Musik und Mathematik gibt, ist heute weithin anerkannt – nicht jedoch ein Zusammenhang mit der kosmischen Ordnung.
  • Die Theorie einer „Musica universalis“ ist bereits 2.500 Jahre alt und wurde erstmals von großen Gelehrten wie Pythagoras aufgestellt.
  • Jüngste Entdeckungen der NASA scheinen diese Idee zu bestätigen, was gegen die derzeit anerkannte Theorie vom Zufall spricht.

 
In dem Film „Die rote Violine“ wandert ein von einem italienischen Geigenbauer gefertigtes Instrument im Laufe der Jahrhunderte durch verschiedene Hände und gelangt schließlich während der Kulturrevolution nach China. Dort wird dieses Objekt von Schönheit und spiritueller Bedeutung beinahe wegen der dort herrschenden politischen Ideologie zerstört.
„Lasst uns die entartete westliche Kunst bekämpfen!“, sagt ein Sprecher der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) im Film, woraufhin ein Musiklehrer gezwungen wird, eines seiner Instrumente auf den Scheiterhaufen zu werfen. Eine Kultur, die keine göttliche Ordnung anerkennt, hat keinen Platz für Schönheit.
Umgekehrt haben sich große Künstler stets für mehr als nur Erschaffer von Schönem gehalten. Im Falle der großen klassischen Komponisten strahlt ihr Werk ein Gefühl göttlicher Proportionen aus.
Die Unterschriften von Johann Sebastian Bach (1685–1750) trugen etwa zusätzlich Zahlen, und er nutzte mathematische Prinzipien, um in seinen Werken Symmetrie zu schaffen. Die Musik von Mozart (1756–1791) wird mit dem Goldenen Schnitt in Verbindung gebracht. Die Zahl Drei spielt in mehreren Werken von Beethoven (1770–1827), die sich mit dem Thema Schicksal befassen, eine besondere Rolle.
Eine grundlegende Verbindung zwischen Musik und Mathematik macht dies möglich – fernab von akademischen Übungen in Tonleitern und Rhythmen. Stattdessen hat sie vielmehr tiefgreifende Auswirkungen auf die Organisation des Universums und auf die daraus folgende moralische Bedeutung. Und diese Verbindung kannten bereits die alten Griechen.

Pythagoras trifft Schmied

Stellen Sie sich einen bärtigen Mystiker vor, der immer zuerst seinen rechten Schuh anzog, vom Verzehr von Bohnen abriet und behauptete, in einem früheren Leben ein Krieger Trojas gewesen zu sein.
Diese seltsame Gestalt mit dem Namen Pythagoras von Samos (circa 570–510 v. Chr.) gründete im alten Griechenland eine Denkschule. Noch heute ist er jedem Schüler durch den Satz des Pythagoras aus der Geometrie bekannt. Seine Anhänger bezeichneten ihn als „Vater der Mathematik“, aber auch als „Vater der Musik“ und schrieben ihm grundlegende Entdeckungen in beiden Bereichen zu.
Leider ist keine seiner Originalschriften bis heute erhalten geblieben. Der Philosoph Porphyrios (circa 233–301/305 n. Chr.) berichtete über 800 Jahre später, dass „es Pythagoras war, der entdeckte, dass auch musikalische Intervalle zwangsläufig durch Zahlen entstehen“. Außerdem habe er erklärt, welche Faktoren für Harmonie und Disharmonie verantwortlich seien.
Der Legende nach entdeckte er diese harmonischen Verhältnisse, als er hörte, wie Hämmer auf Eisen schlugen. Der Arbeit eines Schmiedes lauschend, bemerkte Pythagoras, dass verschiedene Hämmer je nach ihrem Gewicht unterschiedliche Töne erzeugten.

Die vollkommene Zahl

Ähnlich wie Isaac Newtons Apfel verdeutlicht Pythagoras’ Schmied auf tiefere Weise, wie Inspiration funktioniert – auch wenn die Geschichte selbst vielleicht nicht wahr ist. Von der Harmonie in der Schmiede inspiriert, testete Pythagoras seine Idee mit Saiten.
Einer weiteren Erzählung zufolge schuf er Saiten in verschiedenen Längen, die proportional zu den unterschiedlichen Gewichten der Hämmer waren. Auf diese Weise angeschlagen, erzeugten die Saiten die gleichen musikalischen Intervalle: Ein Verhältnis von zwei zu eins ergab eine Oktave, ein Verhältnis von drei zu zwei eine reine Quinte und ein Verhältnis von vier zu drei eine reine Quarte.
Die Zahlen, die in diese Verhältnisse eingehen – eins, zwei, drei und vier – sind jeweils symbolisch. Für die Pythagoreer war die Eins der Punkt, die Quelle und Einheit aller Dinge. Aus der Zwei entstand die Linie und das Reich der Dualität. Die Drei löste die Dualität in Harmonie auf und bildete die Fläche. Die Vier schließlich stand für den im Raum ausgebreiteten festen Körper.
Eins plus zwei plus drei plus vier ergibt zehn, die vollkommene Zahl und den Abschluss der Zahlenreihe. Um diese Zahl herum bildeten die Pythagoreer eine dreieckige Figur, die sogenannte Tetraktys, die sie als das numerische Symbol des Universums verehrten.

Schema einer Tetraktys (griechisch für „Vierheit“).

Foto: PeterHermesFurian/iStock

Musica Universalis

Es war Pythagoras, der als Erster die „Musica universalis“ (deutsch: Sphärenmusik) konzipierte. Diese Idee besagt, dass dieselben Verhältnisse, die die Musik bestimmen, auch die Bewegung der Himmelskörper beeinflussen.
Im Gegensatz zu dem Philosophen Demokrit (460/459–370 v. Chr.), der sich den Kosmos gefüllt mit Atomen und Leere vorstellte, glaubte Pythagoras, dass die numerische Wahrheit auf eine ewige Struktur des Universums hinweise. Die Sphärenharmonie sollte fortan die westliche Musiktheorie für mehr als 2.000 Jahre prägen.
In der Vorstellung einiger antiker Griechen gab es eine göttliche musikalische Ordnung

Die Vorstellung der pythagoreischen „Sphärenharmonie“ dargestellt von dem englischen Astrologen Ebenezer Sibly (1751–1799).

Im 17. Jahrhundert schrieb Johannes Kepler das Buch „Harmonices mundi“ (deutsch: „Die Harmonie der Welt“), in dem er die These aufstellte, dass die Planeten bei ihrer Bewegung um die Sonne unterschiedliche Töne von sich geben. Er stellte sich vor, dass sie ähnlich wie ein Chor funktionierten, und stellte daher ihre „Stimmen“ in Tonleitern grafisch dar.
Merkur sang demnach einen hohen Sopran und deckte mehr als eine Oktave ab. Venus und Erde waren Altstimmen, deren Tonlage sich jedoch kaum veränderte. Mars war ein Tenor, während Jupiter und Saturn den Bass sangen, wobei Saturn das tiefste Register hatte. Auch wenn uns das heute lächerlich erscheinen mag, führten Keplers Studien ihn direkt zur Entdeckung der Gesetze der Planetenbewegung.

Göttliche Ordnung oder Zufall?

Wie die alten Griechen betrachten wir Zahlen auch heute noch als unverzichtbar für das Verständnis des Universums. In den Augen vieler moderner Wissenschaftler gilt der Kosmos jedoch nicht mehr als unveränderlich und ewig oder als Konstrukt göttlicher Proportionen.
Heute herrscht die Theorie vom Zufall vor – quasi eine neu verpackte Version von Demokrits Ideen über Atome und Leere. Da das Universum zufällig ist, ist es frei von innerem Wert. „Das Universum ist nicht verpflichtet, für dich Sinn zu ergeben“, sagte der US-amerikanische Astrophysiker Neil deGrasse Tyson.
Aber ist das wahr? Ein Universum ohne Sinn mag zwar ein idealer Ort für Gleichungen sein, für den Menschen jedoch ein entmutigender. Ist es da verwunderlich, dass die Selbstmordraten in den vergangenen Jahrzehnten im direkten Verhältnis zum zunehmenden Glauben an den existenziellen Nihilismus gestiegen sind?

Die Wiederbelebung einer alten Theorie

 
Wie sich herausstellt, hält die starre materialistische Sichtweise des Universums einer genauen Prüfung nicht stand. Viele neuere wissenschaftliche Entdeckungen scheinen auf eine spirituelle Dimension hinzudeuten.
Nehmen wir noch einmal die veraltete Vorstellung von der Sphärenmusik. Oberflächlich betrachtet scheint die Tatsache, dass der Weltraum ein Vakuum ist, dieser alten Theorie zu widersprechen.
Interessanterweise verstand Pythagoras die Sphärenmusik jedoch als unhörbar, als etwas, das in einem Bereich jenseits der menschlichen Sinne existiert. Wie Kepler schrieb, ist der Chor der Planeten „vom Verstand wahrzunehmen, nicht vom Ohr“.
Auch der Astronom Kepler schrieb in seinem Werk „Harmonices Mundi“ von einer göttlich-musikalischen Ordnung des Kosmos

Titelblatt von „Harmonices Mundi“ von Johannes Kepler.

Tatsächlich haben Instrumente an Raumfahrzeugen von Himmelskörpern ausgestrahlte Radiowellen aufgefangen. Diese wurden später in hörbare Klänge umgewandelt. Große Sterne erzeugten tiefe, niederfrequente Schwingungen (ähnlich einer Tuba), während kleine Sterne Töne mit kürzeren Wellenlängen (ähnlich einer Flöte) erzeugten. Diese Daten ähneln Keplers Planetentönen, bestehen jedoch aus Instrumenten statt Gesangsstimmen.
Im Jahr 2001 sammelte die NASA-Raumsonde „Cassini“ Radiowellen in der Nähe des Jupiters. Anstatt eines singenden Basses, wie Kepler vermutete, deuten viele Menschen den Klang als „Windspiele am Meer“.

Musik des Kosmos ist kein Zufall

In seinem Buch „Light of the Mind, Light of the World“ schreibt der Gelehrte Spencer A. Klavan: „Die von der Wissenschaft beschriebene Welt ähnelt zunehmend der Welt, die der Glaube offenbart.“
Die alten Modelle des Universums sollten „Darstellungen einer höheren und reineren Realität sein, deren Wesen nur indirekt erkannt werden konnte […] [wie] sinnliche Schimmer einer unsichtbaren Wahrheit“.
Die unsichtbare – und unhörbare – Wahrheit ist, dass die ergreifende Musik des Kosmos kein Zufall ist, sondern auf etwas Größeres hinweist. Wenn Sie einen alltäglichen und monotonen Job haben, denken Sie einfach an den bescheidenen Schmied, der einst Pythagoras inspirierte. Wenn Ihnen das einen Sinn gibt, könnte es Ihnen vielleicht das Leben retten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Scientists Confirming Ancient Revelations of a Musical Divine Order“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Der wahre Verlust im Leben: Wenn das Vertrauen bricht


In Kürze:

  • Viele schwerwiegende Konflikte entstehen nicht aus Aggression, sondern durch den Wegfall von Vertrauen.
  • Dieser Zustand ist nicht mit Gewalt reparabel, sondern muss geschützt werden, bevor er zusammenbricht.
  • Empfindliche Formen der Ordnung wie Vertrauen und Respekt sind damit am leichtesten zu zerstören, aber auch am schwersten wiederherzustellen.

 
Als Herakles seine neunte Aufgabe in Angriff nimmt, hat sich die Art seiner Herausforderungen entscheidend gewandelt. Zunächst galt es, die positiven Charaktereigenschaften wie Mut, Einfallsreichtum und Demut zu entwickeln sowie den Umgang mit Macht zu lernen, bevor es an die Korruption, das Chaos und deren Folgen ging.
Nun jedoch betritt Herakles ein Reich, in dem weder rohe Gewalt noch disziplinierte Stärke ausreichen. Das Problem, mit dem er konfrontiert ist, ist weder ein Ungeheuer noch ein verdorbener Trieb, sondern etwas weitaus Zerbrechlicheres und schwerer Fassbares: Vertrauen.

Schmuckstück der Zwietracht

Die neue Aufgabe von Herakles besteht darin, den Gürtel von Hippolyta, der Königin der Amazonen, zu erlangen. Die kriegerischen Amazonen werden jenseits der griechischen Welt für ihre Stärke bewundert und brechen mit den konventionellen Geschlechterrollen.
Amazonen demonstrieren ihre Unnachgiebigkeit und Feindseligkeit gegenüber Männern unter anderem, indem sie kleinen Jungen die Arme und Beine verstümmelten, damit diese niemals kämpfen konnten. Angeblich schnitten sie sich sogar ihre rechte Brust ab, um besser im Bogenschießen zu sein.

Die Statue einer Amazone in den Kapitolinischen Museen Roms.

Bevor wir fortfahren, sei angemerkt, dass diese Aufgabe nicht allein die Idee von König Eurystheus war, der sich bereits alle vorangegangenen Prüfungen ausgedacht hatte. Dieses Mal hatte er Unterstützung von seiner Tochter Admete, die sich den Gürtel als Hochzeitsgeschenk wünschte.
Diese Tatsache ist aufschlussreich. Was für Hippolyta ein Symbol für Autorität und Identität ist, wird für Admete zu einem Schmuckstück – etwas, das man besitzt, anstatt es zu verdienen und zu respektieren. Die Bitte selbst enthält den Keim der Zwietracht.
Die darauffolgende Kette von Ereignissen wird ebenso sehr von weiblicher Handlungsmacht wie von männlichem Befehl geprägt sein: Das Verlangen einer jungen Frau bringt die Aufgabe ins Rollen, doch es ist die Göttermutter Hera, welche letztlich eine friedliche Begegnung in Gewalt verwandelt.

Eine Aufgabe läuft aus dem Ruder

Der Gürtel selbst ist also kein gewöhnliches Schmuckstück. Er ist nicht nur ein Symbol für Hippolytas Autorität, sondern auch ein Geschenk ihres Vaters, des Kriegsgottes Ares, und damit ein Zeichen von Tapferkeit und legitimer Herrschaft.
Herakles kommt nicht als Eindringling, sondern als Gesandter. In einigen Versionen des Mythos ist die Amazone sogar bereit, ihm den Gürtel freiwillig zu übergeben, da sie in dem Helden eine verwandte Stärke erkennt.
Herakles hatte das Vertrauen der Amazonenkönigin Hippolyta

Mosaik der Amazonenkönigin Hippolyta, die die Tochter des Kriegsgottes Ares ist.

In diesem Moment steht die Aufgabe auf Messers Schneide. Sie könnte ohne Blutvergießen vollendet werden – als eine Begegnung, die von gegenseitigem Respekt statt von Gewalt geprägt ist. Doch die Harmonie ist nur von kurzer Dauer.
Die als Amazone verkleidete Hera sät Misstrauen unter den Kriegerinnen. Sie überzeugt sie davon, dass Herakles beabsichtigt, ihrer Königin schaden zu wollen. Das Vertrauen bricht. Was eine friedliche Begegnung war, verwandelt sich in einen Konflikt. In der folgenden Schlacht wird Hippolyta getötet und der Gürtel wechselt gewaltsam seinen Besitzer.
Symbolisch steht diese Aufgabe im Tierkreiszeichen der Waage, dem Symbol für Gleichgewicht, Gerechtigkeit und Beziehung. Die Waage regiert den empfindlichen Raum zwischen dem Selbst und dem Anderen, wo Harmonie von Gegenseitigkeit und beidseitiger Anerkennung abhängt. Wenn dieses Gleichgewicht kippt, weicht das Missverständnis schnell dem Konflikt.

Die neunte Aufgabe des Herakles entspricht dem Tierkreiszeichen Waage, das für Gleichgewicht, Gerechtigkeit und Beziehung steht.

Sieg mit hohem Preis

Indem Herakles den Gürtel mit Gewalt an sich nimmt, erreicht er zwar das Ziel der Aufgabe, doch zu einem moralischen Preis. Dies ist kein einfacher Sieg. Etwas ist verloren gegangen – nicht nur Hippolytas Leben, sondern auch die Möglichkeit einer anderen Lösung.
Diese Geschichte zeigt, wie schnell Misstrauen Ereignisse außer Kontrolle geraten lassen kann. Misstrauen schürt Angst, Angst provoziert Abwehrreaktionen und Abwehr erscheint als Aggression. Was als Missverständnis beginnt, wird zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Vertrauen verwandelte sich schnell in Misstrauen und Gewalt

„Herakles gelangt an den Gürtel der Hippolyta“ – ein Gemälde von Nikolaus Knüpfer (1609–1655).

Entscheidend ist dabei die Anwesenheit von Hera. Sie schwingt keine Waffe, sondern sät Zweifel. Und Zweifel, einmal gesät, erweisen sich als zerstörerischer als Gewalt. Sie verändern die Wahrnehmung, formen Absichten neu und verwandeln Verbündete in Feinde.
In diesem Sinne werden wir an ein älteres, ursprünglicheres Ereignis aus dem Buch Genesis erinnert. Die Schlange verleitet Eva dazu, das, was als Wahrheit gegeben wurde, infragezustellen, bis Vertrauen dem Misstrauen weicht. Von diesem Moment an ist das Paradies verloren.

Gewalt bringt Vertrauen nicht zurück

Auf diese Weise markiert die Aufgabe eine weitere Stufe in Herakles’ Ausbildung. Er hat gelernt, sich selbst zu beherrschen und Macht zu lenken – nun begegnet er dem zerbrechlichen Bereich menschlicher Beziehungen.
Für moderne Leser ist die Relevanz klar. Viele schwerwiegende Konflikte entstehen nicht aus absichtlicher Aggression, sondern durch den Wegfall von Vertrauen. Diplomatische Bemühungen scheitern, wenn Absichten falsch gedeutet werden – Gemeinschaften zerbrechen, wenn Misstrauen den guten Willen ersetzt. Ist das Vertrauen einmal untergraben, lässt sich der Weg in den Konflikt kaum noch abwenden.
Und doch bietet der Mythos eine Orientierungshilfe. Einmal gebrochenes Vertrauen lässt sich nicht mit Gewalt wiederherstellen. Vielmehr muss es geschützt werden, bevor es zerbricht. Wenn seine achte Aufgabe zeigte, dass verdorbene Gier sich selbst verschlingt, so zeigt seine neunte Prüfung, dass Misstrauen zerstört, was andernfalls hätte gedeihen können. Herakles geht mit dem Gürtel fort, doch der Preis bleibt bestehen – eine Mahnung, dass Erfolg ohne Harmonie ein verminderter Sieg ist.

Das Gemälde „Kampf der Amazonen“ von Peter Paul Rubens (1577–1640) und Jan Brueghel der Ältere (1568–1625).

Der wahre Verlust

Dieses Gefühl des Verlusts vertieft sich, wenn wir das endgültige Schicksal des Gürtels betrachten. Nachdem er unter so hohen Kosten erobert wurde, geht er stillschweigend in Admetos’ Besitz über, wobei seine tiefere Bedeutung fast vergessen ist. Das Symbol der Autorität wird auf ein Schmuckstück reduziert.
Hier ist die Ironie unverkennbar: Der Gürtel wird nicht nur an sich genommen, sondern auch missverstanden. Der wahre Verlust ist nicht bloß politischer oder persönlicher Natur, sondern betrifft die Beziehungen. Ein Moment, in dem sich zwei Welten im Gleichgewicht hätten begegnen können, geht stattdessen ins Ungleichgewicht über.
Diese Frage ist von großer Bedeutung, wenn wir die Rolle des Herakles in der griechischen Mythologie betrachten. Als Sohn des Göttervaters Zeus besteht seine eigentliche Aufgabe darin, das Werk seines Vaters fortzusetzen. Er muss die wahre Ordnung im Kosmos wiederherstellen. Bei dieser Aufgabe erfüllt er zwar die kleinere Aufgabe, verfehlt jedoch die höhere Harmonie.
Und das ist vielleicht die bleibende und schwierigere Lehre der Geschichte: Die empfindlichsten Formen der Ordnung – Vertrauen, Gleichgewicht und Respekt – sind auch am leichtesten zu zerstören und am schwersten wiederherzustellen.
In seiner zehnten Aufgabe kehrt Herakles zu einer altbekannten Herausforderung zurück und muss die Rinder des Geryoneus fangen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Herakles and the Girdle of Hippolyta: When Trust Breaks Down“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Einfache Wege zu mehr Leichtigkeit im Alltag

Manchmal erscheint uns das Leben schwer. Wir fühlen uns erdrückt von Sorgen, Verpflichtungen und Ballast – verstärkt durch unsere inneren Monologe sowie die ständige Informationsflut. Doch auch wenn das Leben anspruchsvoll sein kann, müssen wir uns von dieser Last nicht überwältigen lassen. Wir können uns bewusst dazu entscheiden, mehr Leichtigkeit in unseren Alltag einzuladen. Dadurch verbessern wir nicht nur unser eigenes Wohlbefinden, sondern schenken diese positive Energie auch unseren Mitmenschen.
Hier sind elf einfache Wege, um „leichter zu Leben“:

1. Lachen Sie mehr

Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, könnten Sie ein herzhaftes Lachen sicher gut gebrauchen. Lachen wirkt befreiend, macht glücklich und ist gesund. Es klärt die Luft, löst Spannungen und erinnert uns daran, uns selbst nicht zu ernst zu nehmen. Schon ein leises Kichern kann Ihnen sofort ein Gefühl der Erleichterung verschaffen.
Erinnern Sie sich an eine lustige Begebenheit, schauen Sie sich einen Comedy-Sketch an oder rufen Sie jemanden an, der Sie immer zum Lächeln bringt. Achten Sie auf die absurden und albernen Seiten des Lebens. Wenn Sie die Dinge lockerer nehmen können, löst sich die Schwere fast wie von selbst.

2. Organisieren Sie sich

Unordnung kann uns auf subtile Weise Kraft rauben. Wenn man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren, wirkt das Chaos im Außen oft belastend. Es kann eine große Erleichterung sein, sich nur ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um einen kleinen Bereich neu zu strukturieren.
Nutzen Sie täglich nur 10 Minuten für Ihre Organisation: Löschen Sie überflüssige E-Mails, misten Sie eine Schublade aus oder bereiten Sie Ihre Kleidung für den nächsten Tag vor. Wenn Sie dies konsequent tun, werden Sie erstaunt sein, wie viel befreiter Sie sich bereits nach kurzer Zeit fühlen werden.

3. Bitten Sie um Hilfe

Mut und Klarheit zu beweisen und um Hilfe zu bitten, verschafft Ihnen nicht nur Unterstützung, sondern stärkt auch die Verbindung zu Ihren Mitmenschen. Oft zögern wir, weil wir niemandem zur Last fallen möchten. Doch tatsächlich fühlen sich viele Menschen geehrt, wenn man sich ihnen anvertraut. Wenn Sie Hilfe benötigen, zögern Sie nicht, danach zu fragen.

4. Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf

Schlaf ist das Fundament Ihrer Regeneration. Er hilft Ihnen, klar zu denken, reduziert Stress und stärkt Ihr Immunsystem. Gehen Sie ein wenig früher ins Bett. Bereits 15 Minuten zusätzlicher Schlaf können einen spürbaren Unterschied machen, damit Sie den nächsten Tag entspannter angehen können.

5. Achten Sie auf Ihre Ernährung

Körper und Geist bilden eine Einheit. Wer seinen Körper nicht optimal nährt, kann sein volles Potenzial nur schwer ausschöpfen. Wählen Sie vollwertige, nährstoffreiche Lebensmittel und reduzieren Sie verarbeitete Produkte sowie übermäßigen Zucker. Geben Sie Ihrem Körper die Energie, die er für eine optimale Vitalität benötigt.

6. Erzielen Sie kleine Fortschritte

Perfektionismus tarnt sich oft als Ehrgeiz, führt jedoch häufig zu Stillstand. Wenn Perfektion der einzige Maßstab ist, erscheint das Ziel oft unerreichbar.
Konzentrieren Sie sich stattdessen auf kleinste Fortschritte. Senken Sie bewusst Ihre Ansprüche, wenn Sie etwas Neues beginnen – sei es ein Fitnessprogramm oder ein berufliches Projekt. Fragen Sie sich: „Was ist der kleinste Schritt, den ich heute tun kann?“ Gehen Sie diesen Schritt, und die Dynamik wird sich von selbst entwickeln.

7. Deaktivieren Sie Benachrichtigungen

Ihre digitalen Geräte sollten Werkzeuge sein, keine Herren über Ihre Zeit. Jede unnötige Benachrichtigung unterbricht Ihren Fokus und steigert das Stressempfinden. Wenn Sie wieder selbst entscheiden, wann Sie digitale Medien nutzen, gewinnen Sie Ihre Selbstbestimmung zurück. Deaktivieren Sie alle nicht notwendigen Push-Meldungen und steuern Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder bewusst selbst.

8. Überprüfen Sie Ihren inneren Dialog

Niemand kommuniziert so intensiv mit Ihnen wie Sie selbst. Welche Geschichten erzählen Sie sich? Wir neigen dazu, negativen Urteilen in unserem Kopf unhinterfragt Glauben zu schenken.
Notieren Sie sich zur Übung wiederkehrende negative Gedanken und formulieren Sie das genaue Gegenteil daneben. Wenn Sie etwa denken: „Ich bringe nie etwas zu Ende“, setzen Sie dem bewusst den Gedanken entgegen: „Ich besitze die Kraft, meine Projekte erfolgreich abzuschließen.“ Lesen Sie diese neuen Sätze regelmäßig, bis sie die alten Muster ersetzen.

9. Verstehen Sie Ihre Emotionen

Gefühle sind flüchtig und können unseren Blick trüben. Nicht jede emotionale Laune erfordert eine sofortige Reaktion. Lernen Sie, Ihre Stimmungen neugierig zu beobachten, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen. Wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen, verändern Sie Ihre Physiologie: Gehen Sie spazieren oder legen Sie Musik auf. Sie werden überrascht sein, wie schnell Bewegung belastende Gefühle vertreiben kann.

10. Erlauben Sie sich Freude

Wann haben Sie das letzte Mal etwas rein zum Vergnügen getan? Besonders leistungsorientierte Menschen vergessen oft, sich unbeschwerte Momente zu erlauben. Überlegen Sie, was Ihnen wirklich Freude bereitet, und integrieren Sie diese kleinen „Inseln des Glücks“ bewusst in Ihren Alltag.

11. Finden Sie Vertrauen

Das Leben ist selten ohne Herausforderungen. Doch gerade an diesen Hindernissen können wir wachsen. Vertrauen Sie darauf, dass auch schwierige Phasen einen Sinn haben und Ihnen die Chance bieten zur Weiterentwicklung bieten. Mit dieser neugierigen und offenen Geisteshaltung begegnen Sie Widrigkeiten nicht mehr mit Widerstand, sondern mit wahrer innerer Leichtigkeit.
 
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „11 Simple Ways to Lighten Your Life“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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meinung

Fieber ist keine Krankheit – es ist ein Symptom


In Kürze:

  • Eine Körpertemperatur von 37 Grad Celsius gilt als normal – ein Wert aus dem 19. Jahrhundert. Heute sind die Menschen meist „kühler“.
  • Fieber ist eine gesteuerte Reaktion des Immunsystems und damit zunächst keine Krankheit, sondern ein Heilmittel.
  • Wer nur auf die Temperatur schaut, läuft Gefahr, eine sinnvolle Körperreaktion zu unterdrücken.
  • Bei Säuglingen, Schwerkranken oder Fieber nach einer Fernreise gelten strengere Maßstäbe.

 
Früher bekam man Fieber und ging ins Bett. Heute bekommt man zuerst ein Thermometer, dann eine Tablette, mit dem Gedanken, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Nächstes Problem: Kaum zeigt die Anzeige 38,5 Grad Celsius, beginnt im Kopf das Notfallprotokoll.
„Was senkt die Temperatur am schnellsten? Paracetamol, Ibuprofen oder ein Wadenwickel? Vielleicht gleich ein Antibiotikum?“ Dabei ist Fieber zunächst keine Krankheit. Es ist erst mal nur ein Symptom – und eigentlich auch ein Heilmittel.

Der Körper heizt nicht ohne Grund

Der Körper erhöht seine Temperatur nicht aus Willkür. Fieber ist eine gesteuerte Reaktion des Immunsystems. Bei einem Infekt melden Botenstoffe dem Gehirn: Es gibt etwas zu tun. Im Hypothalamus, der zentralen Schaltstelle für die Temperaturregulation, wird der Sollwert nach oben gesetzt.
Deshalb friert man am Anfang oft, obwohl die Temperatur bereits steigt. Die Gefäße ziehen sich zusammen, die Hände und Füße werden kalt, die Muskeln beginnen zu zittern. Damit will der Körper Wärme erzeugen.
Später, wenn die Abwehrarbeit nachlässt und der Sollwert wieder sinkt, beginnt der Körper zu schwitzen. Dann gibt er Wärme ab. Wer das versteht, behandelt Fieber ganz anders, nämlich nicht mit Panik, sondern mit genauer Beobachtung.

Sind wir heute „kühler“ als früher?

Die Sache mit der Körpertemperatur ist spannender, als viele denken. Lange galt 37 Grad Celsius als normale Körpertemperatur. Dieser Wert stammt aus dem 19. Jahrhundert und hat sich tief in die Köpfe eingebrannt. Inzwischen zeigen größere Untersuchungen jedoch, dass die durchschnittliche Körpertemperatur vieler Menschen heute niedriger liegt als früher. Der Mensch scheint im Mittel etwas „kühler“ geworden zu sein.
Natürlich ist nicht jeder mit 36,2 Grad Celsius krank. Die Körpertemperatur schwankt je nach Tageszeit, Messort, Alter, Bewegung, Zyklus, eingenommenen Medikamenten und persönlicher Konstitution. Trotzdem sehe ich in der Praxis häufig Menschen, die nicht nur auf dem Thermometer kühl wirken: kalte Füße, kalte Hände, wenig Schwitzen, geringe Wärmebildung, niedrige Energie.
Interessant ist dabei noch etwas anderes: Aus der Altersmedizin kennt man das Phänomen, dass vor allem ältere Menschen bei Infekten oft keine kräftige Fieberreaktion mehr entwickeln. Eine Lungenentzündung kann dann mit Verwirrtheit, Schwäche oder Appetitlosigkeit beginnen, aber ohne hohes Fieber. Das zeigt: Fieber ist nicht nur ein Symptom, sondern auch Ausdruck von Reaktionskraft.

Die Körpertemperatur einer Person kann je nach Tageszeit, Messort, Alter, Bewegung, Zyklus, Medikamenten und persönlicher Konstitution schwanken.

Foto: metamorworks/iStock

Nicht die Zahl behandeln, sondern den Menschen

Genau deshalb ist der erste Fehler bei Fieber oft dieser: Man schaut nur auf die Zahl. Ich schaue zuerst auf den Menschen. Ist er „klar“? Trinkt er? Friert er? Sind Hände und Füße kalt oder warm? Schwitzt er? Wie lange besteht das Fieber bereits? Gibt es Warnzeichen wie starke Benommenheit, Atemnot, Nackensteife, Austrocknung, sehr hohes oder lang anhaltendes Fieber?
Bei Säuglingen, Schwerkranken oder Fieber nach einer Fernreise gelten ohnehin strengere Maßstäbe. Naturheilkunde heißt nicht, Warnzeichen zu übersehen. Sie heißt aber auch nicht, jede sinnvolle Körperreaktion sofort zu unterdrücken.

Wenn der Infekt beginnt: Wärme geben

Besonders wichtig ist die Frühphase eines Infekts. Man spürt es oft, bevor man es wahrhaben will. Die Füße werden kalt, der Rücken fröstelt, der Hals kratzt und die Glieder werden schwer. Was der Körper dann benötigt, sind Wärme, Ruhe und Schlaf.
Eine der besten Anwendungen in dieser Situation ist das temperaturansteigende warme Fußbad, genauer gesagt ein Unterschenkelbad. Dazu stellt man eine Fußbadewanne in die Dusche oder Badewanne und füllt sie mit Wasser, das „indifferent temperiert“ ist.
„Indifferent“ bedeutet: Mit einer Hand fassen Sie den Fuß an, mit der anderen Hand prüfen Sie das Wasser. Beides sollte sich gleich warm anfühlen. Das Wasser ist also weder kühl noch heiß, sondern entspricht ungefähr dem Wärmeempfinden der Füße.
Über den Brauseschlauch lässt man dann sehr warmes bis heißes Wasser zufließen. Die Wassertemperatur soll innerhalb von etwa 20 Minuten langsam auf ungefähr 41 Grad Celsius ansteigen, also grob um 1 Grad alle 2 Minuten. Wichtig ist: langsam steigern, nicht überfordern, nicht verbrühen.
Fußbad

Bei einem Fußbad sollten Sie nicht sofort mit heißem Wasser starten, sondern die Temperatur langsam steigern.

Foto: Mukhina1/iStock

Nach dem Bad werden die Füße gut abgetrocknet. Nicht kalt abgießen. Danach warme Socken anziehen und mindestens eine halbe Stunde zugedeckt ruhen, am besten mit einem heißen Lindenblütentee und ohne Handy, Fernseher oder sonstige Dauerbeschallung.
Dieses temperaturansteigende Fußbad eignet sich besonders bei chronisch kalten Füßen und bei beginnenden Erkältungskrankheiten. Genau in dieser Phase sucht der Körper Wärme. Man gibt sie ihm, statt mit Fiebersenkern oder kalten Anwendungen dazwischenzufunken.
Nicht geeignet ist es bei deutlichen Durchblutungsstörungen, diabetischer Nervenschädigung, schweren Herz-Kreislauf-Problemen, offenen Hautstellen oder Thromboseverdacht. Vorsicht ist auch bei kleinen Kindern, gebrechlichen Menschen und gestörtem Wärmeempfinden geboten.

Lindenblüten, Holunder, Thymian und Salbei

Lindenblüten sind eine klassische Pflanze bei Fieber. Sie passen besonders bei beginnendem Infekt, Frösteln und fieberhafter Erkältung. Ein bis zwei Teelöffel Lindenblüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, etwa 10 Minuten ziehen lassen, heiß trinken und danach ruhen. Lindenblütentee wirkt nicht besonders überzeugend, wenn man ihn trinkt und anschließend weiter durch den Alltag rennt. Er braucht das Bett als Verstärker.
Holunderblüten sind ähnlich wertvoll. Sie unterstützen den Körper ebenfalls bei der Schwitzreaktion und passen gut zu Lindenblüten. Eine einfache Mischung aus beiden Pflanzen, zu gleichen Teilen, reicht oft völlig aus. Ein bis zwei Teelöffel pro Tasse, acht bis 10 Minuten ziehen lassen, warm bis heiß trinken.
Wenn Husten dazukommt, besonders zäher Schleim oder ein belegtes Bronchialgefühl, kommt Thymian ins Spiel. Thymian ist keine reine Fieberpflanze, sondern eine Atemwegspflanze. Ein Teelöffel Thymiankraut auf eine Tasse heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, zwei bis drei Tassen täglich. Auch eine vorsichtige Inhalation kann sinnvoll sein. Dabei gilt: nicht verbrühen und nicht bei kleinen Kindern unbeaufsichtigt anwenden.
Salbei passt vor allem bei Halsschmerzen, entzündeter Mundschleimhaut und gereiztem Rachen. Hier ist Gurgeln oft besser als literweises Trinken. Einen Teelöffel Salbeiblätter mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abkühlen lassen und mehrmals täglich gurgeln. Als Tee nur maßvoll verwenden, denn Salbei kann austrocknend wirken.

Salbeitee wirkt gesünder, wenn er gegurgelt statt getrunken wird.

Foto: iStock/soniabonet

Erst frösteln, dann schwitzen: Die Phase entscheidet

Ist das Fieber bereits da, entscheidet die Phase. Friert der Kranke noch? Sind Hände und Füße kalt? Gibt es Schüttelfrost? Dann steigt das Fieber. In dieser Phase sind kalte Anwendungen falsch. Der Körper will Wärme aufbauen. Also Wärme geben: Bett, Tee, warme Füße, Ruhe.
Ist der Körper dagegen heiß, sind Beine und Füße warm, schwitzt der Mensch oder empfindet die Hitze als belastend, dann kann man Wärme ableiten. Jetzt kommen die guten alten Wadenwickel ins Spiel. Aber bitte richtig.
Auf einen halben Liter Wasser gibt man einen Esslöffel Essig. Zwei Leinentücher oder Küchenhandtücher eintauchen, leicht auswringen und um die Waden legen. Ein dickes Badetuch unter die Beine, damit das Bett trocken bleibt. Die Wickel werden je nach Fieber recht rasch warm. Dann können sie ein bis dreimal erneuert werden. Dabei immer wieder die Temperatur kontrollieren. Die Beine dürfen nicht kalt werden. Merke: Wadenwickel sollen das Fieber senken, nicht den Kranken auskühlen.
Auch kalte Abreibungen mit einem feuchten Waschlappen können hilfreich sein, wenn der Körper heiß ist und Wärme abgeben kann. Bei Frösteln lässt man das bleiben. Kneipp war kein Vertreter von Kälte um jeden Preis. Seine Wasseranwendungen beruhen auf Reiz und Antwort. Die Anwendung muss zum Zustand des Menschen passen.

Essen nur, wenn Hunger da ist

Beim Essen gilt eine einfache Regel: Nur wenn Hunger da ist. Bei Fieber verschwindet der Appetit häufig nicht aus Laune, sondern weil der Körper Verdauungsenergie spart. Niemand wird schneller gesund, weil man ihm bei 39 Grad Celsius noch eine schwere Mahlzeit aufdrängt.
Sinnvoll sind Tee, Wasser bei Durst, etwas Gemüsebrühe, eine leichte Suppe, vielleicht Reis, Kartoffeln oder gedünsteter Apfel, wenn Appetit vorhanden ist. Weniger sinnvoll sind Alkohol, Süßigkeiten, schwere Milchprodukte und die berühmte, angeblich wieder zu Kräften bringende, kräftige Kost, während der Körper gerade alles andere als Verdauungsarbeit bestellt hat.

Unterstützung, aber keine Wunderwaffe: Vitamin C und Zink

Vitamin C und Zink können unterstützen. Vitamin C gehört zuerst auf den Teller: Hagebutte, Sanddorn, Beeren, Paprika, Zitrusfrüchte, Sauerkraut. Ergänzend kann man während eines Infekts versuchen, über den Tag verteilt 500 bis 1.000 Milligramm einzunehmen, sofern es gut vertragen wird. Manche nehmen deutlich mehr und schwören darauf.
Zink ist vor allem in der Frühphase interessant, möglichst in den ersten 24 Stunden. Kurzfristig kann es sinnvoll sein, dauerhaft hochdosiert dagegen nicht. Und: Zink-Nasensprays würde ich meiden.

Fazit

Fieber ist kein Feind, den man sofort niederringen muss. Es ist ein Zeichen, dass der Körper arbeitet, und es ist auch ein Heilmittel, mit dem sich der Körper selbst helfen will. Entscheidend ist nicht nur die Zahl auf dem Thermometer, sondern der Mensch, der vor einem liegt: frierend oder schwitzend, klar oder benommen, durstig oder erschöpft.
Die vergessene Kunst besteht heute darin, nicht jede Reaktion des Körpers sofort zu unterbrechen, sondern sie richtig zu begleiten. Gute Medizin beginnt nicht mit dem stärksten Mittel, sondern mit genauer Beobachtung und Beurteilung.
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meinung wirtschaft

Neuer Steuerhammer trifft strategische Anleger

Anleger, die im sicheren Hafen mit Käufen von Edel- und Technologiemetallen ihr Vermögen langfristig sichern wollen, nutzen für ihre Käufe oftmals ein Zollfreilager. Besondere Rohstoffe, insbesondere die Weißmetalle wie Palladium und Platin, sowie Technologiemetalle und seltene Erden wurden wie selbstverständlich fester Bestandteil der Diversifikation, ohne dass Umsatzsteuer anfiel. Die aktuelle Umsatzsteuer von 19 Prozent wird erst dann fällig, wenn im Inland die Metalle das Lager verlassen.
Also gab es für strategische Anleger nur eine Handlungsmaxime: Verkauf zurück an den Händler. Dann sind nach zwölf Monaten alle Kursgewinne steuerfrei, ohne die Umsatzsteuer berücksichtigen zu müssen, denn die Steuern werden nur fällig, wenn die Ware beim Verkauf das Lager im Inland verlässt.
Viele Käufer haben in den vergangenen Jahren auch Silber als spannendes Investment für sich entdeckt – zeitweise mit höheren Kursgewinnen als beispielsweise bei Gold. Im hohen zweistelligen Prozentbereich können sich mitunter die Wertsteigerungen sehen lassen – steuerfrei und ohne fiskale Belastungen.
Damit ist nun Schluss! Aufgrund einer Neuregelung entfällt diese Art der Umsatzsteuerbefreiung per sofort. Mit einem Rundschreiben aus dem Haus von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) vom 9. April wurde dieses beliebte Anlegermodell abrupt beendet.
Der Kauf wird nun direkt mehrwertsteuerpfllichtig. Somit wird die Hürde für Anleger zum Gewinnbereich deutlich höher und die Einstiegskosten steigen überproportional. Beim aktuellen Silberpreis bedeutet dies für die Unze, um in den Gewinnbereich zu drehen, etwa ein Fünftel mehr an Wertvermehrung.

Neue Regelungen treffen Gold vorerst nicht

Diese neuen Regelungen treffen Gold – vorerst – nicht. Viele Investoren denken nun über einen Wechsel zu Gold nach. Investmentgold hat in der gesamten Europäischen Union eine Mehrwertsteuerbefreiung. Erhält Gold nun einen Attraktivitätsschub? Eher nicht.
Anleger, die einen sicheren Hafen suchen, zweifeln ohnehin an der Rechtssicherheit, wenn es um ihre Vermögenswerte geht. Die neue Regelung für Zollfreilager liefert einen guten Beweis, dass Anleger zu Recht die Vertrauenswürdigkeit der deutschen Steuerpolitik zunehmend kritisch beäugen.
Kein Wunder, denn entgegen vollmundiger Aussagen zur Schuldenbremse zeigt sich das politische Elend täglich mehr. Haushaltsdefizite, neue Schulden, Sondervermögen, Rentendesaster, Reichensteuer, Vermögensregister, digitaler Euro und Angriffe auf das Bargeld – der Staat zeigt starke Tendenzen zur Übergriffigkeit.
Aber es gibt auch die gute Nachricht. Die neue Lösung greift nicht für Zollfreilager im EU-Ausland. Mit einer Lagerlösung in der Schweiz beispielsweise kann man weiterhin effektiv und ohne Steuersorgen Edelmetalle, Technologiemetalle und Seltene Erden lagern – zugriffsgeschützt und maximal diskret.
Wie schon die Börsenlegende André Kostolany gesagt haben soll: „Es ist keine gute Idee, in dem Land, in dem man sein Einkommen bezieht, den Großteil seines Vermögens zu haben.“ Wie recht er hat!
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meinung

„Nürnberg“: Russell Crowe und Rami Malek sorgen für jede Menge Spannung

Sechs Monate nach Ende der Kampfhandlungen in Europa im Zuge des Zweiten Weltkriegs schlossen sich die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion zusammen, um 22 Mitglieder der NS-Führung wegen Kriegsverbrechen zu verfolgen. Dies führte schließlich zu den Nürnberger Prozessen.
Seit den Nürnberger Prozessen ist die Hauptfigur der Prozesse, Hermann Göring, in mittlerweile 44 Filmen, Fernsehproduktionen und Dokumentationen zu sehen. Merkwürdigerweise wich der prominenteste Film über die Nürnberger Prozesse, „Urteil von Nürnberg“ aus dem Jahr 1961, so stark von den Fakten ab, dass die Namen aller Hauptfiguren geändert wurden, einschließlich dem von Göring.
Russell Crowe liefert in James Vanderbilts großangelegtem Film „Nürnberg“ seine wohl beste Leistung seit fast einem Jahrzehnt und verkörpert Göring. Man könnte meinen, es sei nahezu unmöglich, einer solch geschichtsträchtigen, bereits vielfach verfilmten Figur noch etwas Neues abzugewinnen – doch Crowe gelingt genau das und sogar noch mehr.
Statt – wie viele frühere Darstellungen – stark zu überzeichnen, zeigt Crowe Göring als sorgfältig kontrollierte, in sich gespannte Figur, eine bedrohliche Präsenz mit ausdruckslosem Gesicht. Nur eine Woche nach dem Tod Adolf Hitlers ergab sich Göring den alliierten Soldaten, da er wusste, dass ein Weiterkämpfen oder eine Flucht mit ziemlicher Sicherheit zu seinem – vermutlich gewaltsamen – Tod führen würden.

Russell Crowe spielt Hermann Göring in „Nürnberg“.

Foto: Vivien Killilea/Getty Images for Sony Pictures Classics

Selbsttäuschung

Von einem Selbstvertrauen erfüllt, das bis zur Verblendung reicht, ist Hermann Göring fest davon überzeugt, dass er aus dem fast zehnmonatigen internationalen Prozess als Sieger hervorgehen kann und wird. Göring ist sich seiner Freisprechung von den vier Anklagepunkten so sicher, dass er als einer der drei Angeklagten während des Prozesses eine Militäruniform trägt.
Noch bevor das Verfahren im November 1945 beginnt, wird Göring mehrere Monate lang von mehreren Psychiatern, vor allem dem Oberstleutnant Douglas Kelley (Rami Malek), beobachtet und befragt. Ziel ist es, seine Verhandlungsfähigkeit zu prüfen. Göring täuscht dabei zu keinem Zeitpunkt eine psychische Erkrankung oder Unzurechnungsfähigkeit vor.

Regisseur James Vanderbilt nimmt am 24. Oktober 2025 an der Premiere von „Nürnberg“ in Hollywood teil.

Foto: Vivien Killilea/Getty Images für Sony Pictures Classics

Andererseits gewährt Göring kaum Einblicke in seine Psyche, die über das hinausgehen, was Kelley und andere bereits wissen. Kelley, der Göring in dem sich langsam zuspitzenden Wortgefecht Schlag auf Schlag pariert, betrachtet ihn als die ultimative berufliche Herausforderung. Dem Arzt geht es weniger darum, seinen Patienten zu bezwingen, als vielmehr darum, ihn dazu zu bewegen, sich freiwillig zu öffnen.

Endlich überzeugt Malek

Rami Malek, den ich bisher für stark überbewertet gehalten habe, liefert in diesem Kinofilm endlich eine sehenswerte Leistung ab. Ähnlich gut wie in der Fernsehserie „Mr. Robot“, wenn auch auf ganz andere Weise, zeigt Malek eine emotionale und intellektuelle Bandbreite, die er bisher nur angedeutet hatte. Die Szenen, in denen er an der Seite von Crowe zu sehen ist, sind Gold wert und machen den Großteil der ersten Hälfte des 148-minütigen Films aus.
Obwohl sich die beiden Hauptdarsteller die Leinwandzeit teilen, ist „Nürnberg“ in erster Linie ein Ensemblefilm. Vier männliche Nebendarsteller liefern Oscar-würdige Darbietungen ab. Am beeindruckendsten ist dabei Michael Shannon in der Rolle des Richters am Obersten Gerichtshof der USA, Robert H. Jackson.

Rami Malek bei der britischen Premiere von „Nürnberg“ am 6. November 2025 in London.

Foto: Eamonn M. McCormack/Getty Images für Sky Cinema

Jackson, den Präsident Harry S. Truman zum Chefankläger der USA bei den Prozessen ernannte, passt mit seiner eisernen Entschlossenheit perfekt zu Shannons intensiver, oft finsterer Ausstrahlung. Shannons Darstellung von Jacksons umfangreichen Eröffnungs- und Schlussplädoyers gehört zu den besten, die je in einem Gerichtsdrama zu sehen waren.
Was zunächst wie eine undankbare Nebenrolle wirkt, gewinnt durch die Darstellung des Dolmetschers, Unteroffizier Howie Triest von Leo Woodall, nach und nach an Bedeutung und Intensität. Seine überwiegend alleinige Szene mit Malek im dritten Akt stellt den emotionalen Höhepunkt des Films dar.

Ein unnötiger Fehlgriff

Vanderbilts einziger erzählerischer Fehltritt – und zwar ein erheblicher – ist die Aufnahme von Lydia Peckham in Gestalt der fiktiven Journalistin Lila McQuaide – obgleich es keineswegs ungewöhnlich ist, in dokumentarisch geprägten Filmen fiktive oder aus mehreren Vorbildern zusammengesetzte Figuren einzuführen.
Zunächst scheint es, als könne sich zwischen McQuaide und Kelley eine Romanze entwickeln, doch dieser Handlungsstrang wird nie wirklich aufgelöst. Darüber hinaus ist McQuaide in ein „Nachrichtenereignis“ verwickelt, das in Wirklichkeit nie stattgefunden hat. Dies führt zu einer Wendung, die den weiteren Verlauf der Erzählung grundlegend verändert.
Wie schon bei seinem Drehbuch zum ebenso umfangreichen Film „Zodiac – Die Spur des Killers“ nimmt sich Vanderbilt Zeit für die Ausarbeitung der Handlung und die Entwicklung der Charaktere. Dabei streut er immer wieder historische Details ein, wie zum Beispiel die technischen Einzelheiten der Verabschiedung der „Nürnberger Gesetze“ von 1935, die Teil von Görings Verteidigungsstrategie waren.
Wer das Schicksal der im Film dargestellten Personen noch nicht kennt, sollte sich einen Gefallen tun und sich erst nach dem Anschauen des Films darüber informieren.
Die Vergangenheit ist nur der Anfang. Was sich zwischen den einzelnen Bildern in „Nürnberg“ abspielt, hätte eine Lektion sein sollen, die die Menschheit niemals vergessen sollte – und doch ist sie irgendwie in Vergessenheit geraten. Wenn wir nicht aufpassen, könnte sich all das durchaus jederzeit wiederholen.
Ab dem 7. Mai 2026 deutschlandweit im Kino.
„Nürnberg“
Regie: James Vanderbilt
Darsteller: Rami Malek, Russell Crowe, Michael Shannon, Leo Woodall
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 2 Stunden, 28 Minuten
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‘Nuremberg’: Russell Crowe and Rami Malek Generate Major Sparks“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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meinung

Wenn sich unsere Begierden gegen uns selbst richten


In Kürze:

  • In Zeiten der Versuchung können Begierden schnell die Kontrolle übernehmen und Schaden anrichten – doch das muss nicht sein.
  • Die 8. Aufgabe des griechischen Helden Herakles zeigt, dass Gewissen und Moral die Selbstzerstörung verhindern können.
  • Bleiben diese Einsichten aus, kann sich Schwäche schnell in menschliche Grausamkeit verwandeln.

 
Die Aufgaben des Herakles bilden in ihrer Gesamtheit so etwas wie eine moralische Erziehung – nicht bloß eine Abfolge von Abenteuern, sondern eine schrittweise Prüfung des Charakters des Helden.
In den ersten Aufgaben sah er sich mit dem Nemeischen Löwen und der Lernäischen Hydra Gefahren gegenüber, die die natürliche Ordnung bedrohten. Spätere Prüfungen verfeinerten die zunächst grob wirkende Natur des Helden, indem er Demut, Selbstbeherrschung, ganzheitliches Denken, Wahrhaftigkeit und Verantwortung lernte. So betrachtet, bilden die Aufgaben eine Art ethischen Lehrplan.
Doch in der achten Aufgabe sieht sich Herakles mit etwas noch Dunklerem konfrontiert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Bedrohungen, denen er ausgesetzt war, größtenteils äußerer Natur: wilde Tiere, Monster oder außer Kontrolle geratene Naturgewalten. Nun begegnet er einer Verdorbenheit, die unverkennbar menschlicher Natur ist.
Das Problem ist nicht mehr bloß Stärke oder Chaos, sondern ein bewusst auf Grausamkeit ausgerichtetes Verlangen. Es ist dieser Abstieg in die moralische Verzerrung, der der Geschichte von den Stuten des Diomedes ihre beunruhigende Kraft verleiht.

Von wilden Tieren zur menschlichen Verdorbenheit

Das Ziel dieser Aufgabe ist kein Drache oder ein Tier mythischen Ursprungs, sondern vier Stuten. Diese gehören König Diomedes, einem Sohn des Kriegsgottes Ares, dessen Herrschaft in Barbarei versunken ist.
Doch die Pferde sind keine gewöhnlichen Tiere. Sie wurden darauf trainiert, oder besser gesagt, dazu verdorben, sich von Menschenfleisch zu ernähren. Ihre Namen variieren in verschiedenen Überlieferungen, doch ihr Charakter ist einheitlich: Sie sind wild, unkontrollierbar und erschreckend hungrig.
Auf den ersten Blick erscheint die Aufgabe einfach. Herakles muss die Stuten einfangen und sie lebendig zu König Eurystheus bringen, der ihm diese Aufgabe auferlegt hat. Doch wie so oft liegt die tiefere Bedeutung nicht nur in der Aufgabe selbst, sondern in der moralischen Welt, die das Problem hervorgebracht hat: Die Stuten sind nicht deshalb monströs, weil Pferde von Natur aus gefährlich sind, sondern weil menschliche Grausamkeit sie zu Raubtieren gemacht hat.
Diomedes fütterte sie mit menschlichen Opfern – Fremden, Gefangenen und Reisenden –, bis ihr Geschmack für Blut zur Gewohnheit wurde. Gewalt ist zur Normalität geworden – ihr Appetit wurde auf Zerstörung trainiert. In diesem Sinne sind die Stuten nicht einfach nur Tiere, sondern Verkörperungen der moralischen Verwirrung eines Herrschers.
An dieser Stelle ist es erwähnenswert, dass es vier Stuten gibt – was kein Zufall ist. Die Zahl Vier symbolisiert seit Langem die Struktur der irdischen Welt: die vier Elemente, die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten. Das Bild deutet daher auf ein Verderbnis hin, das sich über das gesamte Feld des menschlichen Lebens ausbreitet. Diese zerstörerischen Gelüste sind also nicht lokal begrenzt, sondern breiten sich in alle Richtungen aus.

Begierden ohne Gewissen

Pferde symbolisieren normalerweise Lebenskraft, Bewegung und die Energien, die die Zivilisation vorantreiben. Doch wenn diese Energien bewusst fehlgeleitet werden, verwandeln sie sich in gefährliche Kräfte, die das Leben verschlingen, anstatt es zu erhalten.
Symbolisch steht diese Aufgabe im Einklang mit dem Skorpion, dem achten Zeichen des Tierkreises, das mit Intensität, Tabus und Transformation assoziiert wird. Außerdem ist 8 doppelt so viel wie die Vier und damit doppelt so intensiv, was sein Potenzial zur Verderbnis angeht.
Der Skorpion lotet die Schattenseiten der menschlichen Erfahrung aus – Macht, Begierde, Besessenheit und die Kräfte, die unter der Oberfläche der Zivilisation schlummern. Wenn sie weise gelenkt werden, können diese Energien zu Erneuerungen führen. Doch wenn sie verdorben werden, werden sie zerstörerisch. Die Stuten des Diomedes verkörpern letzteres: ein von keinem Gewissen gezügelter Appetit.
Im Laufe der Aufgaben des Herakles offenbart sich eine weitere Dimension des Heldentums. Der Held begegnet nicht mehr nur dem Chaos oder beherrscht seine eigene Kraft – er wird mit ihren Folgen konfrontiert.
Herakles nimmt sich daher zunächst die Wachen des Diomedes vor, denn das Böse ist, wie so oft in der Geschichte, von treuen Vollstreckern umgeben. Erst überwältigt er sie, bevor der König an der Reihe ist.

Die 8. Aufgabe des Herakles steht im Zeichen des Skorpions.

Nach innen gerichtete Gerechtigkeit

Was folgt, ist einer der erschütterndsten Momente aller Aufgaben. Herakles wirft Diomedes seinen eigenen Pferden zum Fraß vor. Hier bietet die Geschichte eine brutale, aber unmissverständliche Form der Gerechtigkeit.
Das zerstörerische System bricht über seinem Ursprung zusammen. Der Appetit, der andere verschlang, wendet sich nach innen. Gewalt verzehrt die Autorität, die sie genährt hat. Das Verspeisen ihres eigenen Herrn – was sich für sie als widerwärtig erweist – heilt die Stuten von ihrer wilden Gewohnheit.
Im Deutschen gibt es passend dazu eine Redewendung: „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ Shakespeare drückt dieselbe Wahrheit durch seine vielleicht bösartigste Figur, Macbeth, aus:
„Dies Recht, mit unabweislich fester Hand,
Setzt unsern selbstgemischten, giftgen Kelch
An unsre eignen Lippen.“ – Macbeth, 1. Akt, 7. Szene
Sind die Begierden unmoralisch, richten sie sich gegen ihren Herren

Bereits Macbeth in Shakespeares gleihnamiger Tragödie wusste, dass sich unmoralische Taten irgendwann gegen ihren Herren richten.

Die Geschichte bietet viele Beispiele für dasselbe Muster. Die Französische Revolution, die im Namen der Gerechtigkeit und Befreiung entstand, verschlang bald viele ihrer eigenen Akteure, als sich der Terror gegen sie selbst richtete. Der einmal entfesselte Appetit ließ sich nicht leicht zügeln, und die Revolution begann, jene zu verschlingen, die zu ihrer Entstehung beigetragen hatten. Es ist eine düstere Lektion, aber eine bleibende.

Diener des Lebens, nicht dessen Herren

Gesellschaften kultivieren manchmal Kräfte, die Stärke oder Vorteile versprechen, nur um festzustellen, dass diese irgendwann eine Eigendynamik entwickeln. Sind sie einmal auf Ausbeutung statt auf Verantwortung ausgerichtet, beginnen sie, sich von genau jenen Gemeinschaften zu ernähren, denen sie eigentlich dienen sollten.

Diomedes, König von Thrakien, wurde von Herkules getötet und von seinen eigenen Pferden gefressen, wie das Gemälde von Jean-Baptiste Marie Pierre (1714–1789) zeigt.

Die Stuten des Diomedes erinnern uns daran, dass ein Appetit ohne moralische Zurückhaltung niemals gestillt wird. Er wächst, breitet sich aus und verschlingt schließlich das, was ihn nährt. Dabei sollte die Moral als Leitprinzip für alle menschlichen Bestrebungen gelten. Wenn wir versuchen, ohne sie auszukommen – oder unsere eigenen Moralvorstellungen zu erfinden –, sind wir dazu verdammt, uns selbst zu verzehren.
Für Herakles vertieft diese Aufgabe das Verständnis des Helden von Macht. Stärke allein reicht nicht aus – Weisheit muss sie leiten. Energie allein reicht nicht aus – ein Ziel muss sie lenken. Und Begierden – ob persönlicher oder politischer Natur – müssen Diener des Lebens bleiben, nicht dessen Herren. Herakles setzt das Werk seines Vaters Zeus fort, indem er dafür sorgt, dass der Kosmos ein moralischer Ort ist. Nur dann kann Macht kreativ statt zerstörerisch werden.
In seiner neunten Aufgabe wird Herakles mit etwas Zerbrechlicherem und Schwererfassbarem konfrontiert: Vertrauen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Herakles and the Mares of Diomedes: When Appetite Turns Against Itself“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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10 Sekunden, die Ihren Tag verändern können … und Ihr Leben

Im Jahr 1997 erhielt der US-amerikanische TV-Moderator und Pfarrer Fred Rogers, bekannt als Mister Rogers aus der Kindersendung „Mister Rogers’ Neighborhood“, für sein Lebenswerk einen Emmy Award. Seine Dankesrede war 153 Wörter lang. Hier ist die Rede, die Sie auch heute noch auf YouTube ansehen können:
„So viele Menschen haben mir geholfen, diesen Abend zu erleben. Einige von euch sind hier, einige sind weit weg, einige sind sogar im Himmel. Wir alle haben besondere Menschen, die uns mit Liebe ins Leben hineinbegleitet haben. Würden Sie sich einfach zusammen mit mir 10 Sekunden Zeit nehmen, um an die Menschen zu denken, die Ihnen geholfen haben, der zu werden, der Sie sind? An diejenigen, denen Sie am Herzen lagen und die das Beste für Sie im Leben wollten? 10 Sekunden Stille. Ich werde auf die Zeit achten.“
Während der damals 69-Jährige auf seine Uhr schaute, zoomte die Kamera ins Publikum. Mehrere Personen hatten Tränen in den Augen. Und Rogers fuhr fort:
„An wen auch immer Sie gerade gedacht haben – wie glücklich muss diese Person wohl sein, zu wissen, welchen Unterschied sie Ihrer Meinung nach bewirkt hat. Sie wissen, dass genau diese Art Mensch, das Fernsehen unserer Welt bieten kann. Ein besonderer Dank gilt meiner Familie, meinen Freunden und meinen Kollegen bei Public Broadcasting Family Communications sowie dieser Akademie dafür, dass sie mich all die Jahre ermutigt und mir ermöglicht haben, Ihr Nachbar zu sein. Möge Gott mit Ihnen sein. Vielen Dank.“
Obwohl er das Wort nie erwähnte, sprach Rogers natürlich über Dankbarkeit.

Dankbarkeit – eine bescheidene Kardinalstugend

Der römische Philosoph und Staatsmann Cicero sagte einst über Dankbarkeit: „Diese eine Tugend ist nicht nur die größte, sondern auch die Mutter aller anderen Tugenden.“[frei übersetzt]
Mut, Gerechtigkeit und all die anderen Tugenden werden uns als Geschenke anderer zuteil, ebenso wie das Leben, die Freiheit und das Streben nach Glück. Diese drei letzten sind natürliche Grundrechte, aber genau wie die Tugenden haben unsere Vorfahren sie geschützt und bewahrt und an uns weitergegeben. Ihrer Fürsorge gebührt unser Dank.
Dankbarkeit ist das Anerkennen des Guten in unserem Leben, selbst an jenen Tagen, an denen alles durcheinander zu sein scheint. Dankbarkeit ist sozusagen ein Stärkungsmittel für Herz, Seele und Verstand, das uns hilft, diese drei bei guter Gesundheit zu erhalten.
Andererseits wirkt sie auch wie ein kraftvolles Gegenmittel zu Wut oder Frustration, wenn die Dinge schiefgehen. Dankbarkeit kann uns durch einen harten Tag bringen und den nächsten Morgen mit einem Paukenschlag einleiten, wenn wir daran denken, „Danke“ zu sagen.
Wenn Dankbarkeit Mangelware ist, nur sporadisch hervorgerufen wird oder, schlimmer noch, gar nicht vorhanden ist, ist die Welt ein trostloser und viel öderer Ort.

30 Jahre blind gekämpft – und dann …

Das kann ich aus Erfahrung bestätigen. In den ersten 30 Jahren meines Erwachsenenlebens begann ich meine Tage mit einer To-do-Liste und zu schlagenden Schlachten. Sobald ich aus dem Bett war, stürzte ich mich in meine Verpflichtungen und Aufgaben. Ich betrieb zwei Unternehmen, half dabei, vier Kinder aufzuziehen und zu Hause zu unterrichten, und rannte dem Geld hinterher.
Nur selten hielt ich inne, um für meine Frau, meine wunderbaren Kinder, meine Freiheit, mein Leben in Amerika und das Leben selbst dankbar zu sein.
Der bekannte britische Schriftsteller und Journalist G. K. Chesterton hat diese weit verbreitete Einstellung einmal treffend beschrieben: „Wenn es um das Leben geht, ist das Entscheidende, ob man die Dinge als selbstverständlich betrachtet oder sie in Dankbarkeit annimmt.“
Ich betrachtete sie als selbstverständlich.
Das änderte sich schlagartig im Jahr 2004, als meine Frau an einem Gehirn-Aneurysma starb. Ihr Verlust entriss mir meine blinde Selbstgefälligkeit. Es dauerte einige Jahre, doch schließlich wurde die Dankbarkeit für die Menschen und Dinge, die ich liebe, zu einem vertrauten Begleiter.

10 alles verändernde Sekunden

Seit vielen Jahren beginne ich nun jeden Tag mit einem Kaffee und einem gesprochenen Gedanken, der nicht einmal 10 Sekunden dauert: „Danke, Herr, für einen weiteren Tag. Hilf mir, das zu tun, was ich tun soll.“
In letzter Zeit hat dieser Gedanke für mich eine noch tiefere Bedeutung bekommen. Wenn man mein Alter erreicht hat, ist das Wertschätzen eines weiteren Tages kein leeres Gebet mehr.
Diese tägliche Übung hat, glaube ich, mein Leben verändert. Natürlich bin ich manchmal immer noch entmutigt oder niedergeschlagen, aber nicht mehr so wie früher. Einmal verinnerlicht, scheint Dankbarkeit ein fester Bestandteil zu sein, ein Bollwerk gegen die tieferen Verwüstungen vergänglicher Gefühle und Enttäuschungen.

Was die Wissenschaft dazu sagt

Eine Onlinestudie auf der Harvard-Publikationsplattform „Harvard Health Publishing“ untermauert diesen Einzelfallbericht. Die Forscher haben herausgefunden, dass bewusste Dankbarkeit das emotionale Wohlbefinden steigert, das Risiko für Depressionen senkt und sogar günstige kardiovaskuläre Marker liefert.
Für diejenigen, die nicht daran gewöhnt sind, Dankbarkeit zu praktizieren, und dies ändern möchten, empfiehlt der Artikel mehrere Fragen, die sie sich selbst stellen könnten. Hier sind vier davon:
  • Was ist heute Gutes passiert?
  • Was halte ich für selbstverständlich, wofür ich eigentlich dankbar sein könnte?
  • Für welche Menschen in meinem Leben bin ich dankbar?
  • Was war das Freundlichste, das jemand in letzter Zeit gesagt oder getan hat?
Zu dieser Liste können wir eine beliebige Anzahl von Gründen für Dankbarkeit hinzufügen, vom Dach über dem Kopf bis hin zur Wertschätzung des Landes, in dem wir leben. Was den letztgenannten Grund betrifft, so ist die diesjährige Feier zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der perfekte Anlass, um für die vielen Vorteile und Segnungen zu danken, die uns durch das Opfer und die harte Arbeit vergangener Generationen zuteil wurden. [Respektive auf andere Länder anzuwenden, Anm. d. Red.]

Erinnern Sie sich wieder an den Zauber im Leben

Nun zurück zu Chesterton, dem Meister des Aphorismus: „Ich würde behaupten, dass Dank die höchste Form des Denkens ist; und dass Dankbarkeit Glückseligkeit ist, verdoppelt durch Wunder.“
Probieren Sie die Methode von Mr. Rogers einmal aus. Beginnen Sie mit 10 Sekunden, in denen Sie sich an eine Person erinnern, die Ihnen geholfen hat, das zu werden, was Sie sind.
Versuchen Sie es am nächsten Tag erneut, und gehen Sie dann zu anderen Segnungen in Ihrem Leben über. Geben Sie diesem Experiment etwa einen Monat lang täglich 10 Sekunden. Wenn Sie möchten, können Sie es auch drei- oder viermal pro Tag tun – und die Chancen stehen gut, dass sich Ihre Glückseligkeit bald durch Wunder verdoppeln wird.
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „10 Seconds That May Change Your Day … and Your Life“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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meinung

„Michael“: Der King of Pop ist zurück – aber nur mit der halben Geschichte

Einer der wohl am sehnlichsten erwarteten Filme dieses Jahrzehnts ist im Kino angelaufen: die Biografie von Michael Jackson. Ursprünglich war er als eine von der Wiege bis zur Bahre reichende Erzählung konzipiert, wurde jedoch aus strategischen Gründen gekürzt.
Die turbulente Zeit von Michael und seinen Brüdern bei den Jackson Five unter der Fuchtel ihres Vaters Joseph (gespielt von Colman Domingo) wird noch authentisch dargestellt. Der Rest seines Lebens erscheint überwiegend positiv, ist aber deutlich unvollständig – was nicht unbedingt ein Nachteil ist.

Teure Nachdreharbeiten

Wie im Januar 2025 berichtet wurde, musste der dritte Abschnitt des Films neu gedreht werden. Warum? Aus rechtlichen Gründen wurden die Szenen um Jordan Chandler gekürzt. Dieserhatte den King of Pop im Jahr 1993 des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Jackson beteuerte stets seine Unschuld. Der Fall endete damals mit einem Vergleich von rund 17 Millionen Euro. Laut diesem Vergleich sind Darstellungen wie die für den Film gedrehten Szenen untersagt.

Jaafar Jackson als Michael Jackson und Regisseur Antoine Fuqua.

Foto: Glen Wilson © 2025 Lionsgate

Zwei Monate später, im März 2025, begannen die Nachdreharbeiten, die sich bis Juli hinzogen. Infolgedessen soll das Budget auf 170 Millionen Euro angewachsen sein. Die neuen Szenen fügten dem Film ein neues Ende hinzu und verursachten Kosten von rund 43 Millionen Euro. Aus vertraglichen Gründen wurde dieser Betrag aus dem Jackson-Nachlass finanziert.
Die ursprüngliche Fassung sollte am 18. April 2025 in die Kinos kommen, wurde jedoch auf den 3. Oktober 2025 verschoben. Laut Berichten könnten 30 Prozent des Materials aus dem dreieinhalbstündigen Originalfilm Stoff für einen weiteren Film bieten.

Ein cleverer Schachzug

Für die Rolle der Titelfigur war die Besetzung entscheidend. Wie bei Elvis Presley (Michaels einstigem Schwiegervater) gibt es Tausende sogenannte Tribute-Sänger, die ausschließlich Michael Jackson imitieren. Sie hätten wahrscheinlich alles dafür gegeben, um eine Rolle in diesem Film zu ergattern. Die Wahl lag jedoch bei den Produzenten, zu denen fünf von Michaels Geschwistern sowie sein ältester Sohn Prince gehörten.
Nach einem umfassenden Casting mit 200 Bewerbern entschieden sie sich für den cleversten Schachzug, den man machen konnte: Sie besetzten eine der beiden Hauptrollen mit Jaafar, dem Sohn von Michaels älterem Bruder Jermaine.
Dank des passenden Stylings steht Jaafar seinem Onkel in nichts nach und liefert eine nahezu makellose Darbietung ab – sowohl mit seiner Sprech- und Gesangsstimme als auch mit seinen Tanzschritten. Sollte Jaafar jemals vorhaben, als Michael-Jackson-Imitator auf Tour zu gehen, wird er damit einen Riesenerfolg landen. Er ist das Beste, was dieser Film zu bieten hat – und das wird auch dem Publikum sicherlich nicht verborgen bleiben.

Michael Jackson (Jaafar Jackson) in „Michael“.

Foto: © 2025 Lionsgate

Der junge Michael, gespielt von Juliano Valdi, ist nicht weniger beeindruckend. Zwar ist er nur in den ersten 25 Minuten des Films zu sehen, dominiert jedoch jede Szene – selbst jene an der Seite des beeindruckenden Domingo als Vater Joseph.

Schauspieler auf Oscarniveau

Domingos Rolle als Joseph stellt in seiner Karriere einen Höhepunkt dar: Er ist kalt, berechnend und absolut gnadenlos. Wenn es darum geht, seinem eigenen Nachwuchs Schaden zuzufügen, ist Joseph der ultimative Bühnenvater aus der Unterwelt – ehrgeizig und entschlossen, seine Kinder zu Stars zu machen. Die grünen Kontaktlinsen, die Domingo trägt, verleihen seiner Rolle eine zusätzliche Nuance von Bedrohung und Schrecken, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Nia Long als Katherine Jackson in „Michael“.

Foto: Glen Wilson © 2025 Lionsgate

Sowohl die Massen als auch die treuen MJ-Fans werden bei „Michael“ auf ihre Kosten kommen – weniger wegen des Inhalts, sondern vor allem aufgrund dessen, was darin fehlt.
Nach dem überwältigenden Erfolg des Albums „Thriller“ ahnte Joseph Jackson insgeheim, dass nur noch wenige Menschen die Jacksons live sehen wollten, solange Michael nicht im Rampenlicht stand. Obwohl der Junge zögerte, auf Welttournee zu gehen, gab er schließlich dem Druck seines Vaters nach – eine Entscheidung, die er schon bald bereute.
Ein Blick auf die Songliste der „Victory“-Tournee von 1984 zeigt: vier Stücke von Jermaine, ein kurzes Jackson-Five-Medley sowie mehrere Solohits von Michael. Zu spät erkannte Joseph, dass er Michael für immer verloren hatte. Als er seinen Sohn ein letztes Mal unter Druck setzte, beschleunigte er das Unvermeidliche. Michael trennte sich endgültig von der Gruppe.

Die Schattenseite des Ruhms

Angesichts der ursprünglichen Schnittfassung von 210 Minuten, der kostspieligen Nachdreharbeiten und weniger ruhmreicher Details aus Michaels letzten 20 Lebensjahren ist eine mögliche Fortsetzung dieses Films in vielerlei Hinsicht fragwürdig.
Zwischen 1991 und 2001 veröffentlicht Michael drei weitere erfolgreiche Alben: „Dangerous“, „HIStory“ und „Invincible“. Gleichzeitig gerät sein gut dokumentiertes Privatleben unter die Lupe. Es häufen sich Vorwürfe wegen unangemessenen oder gar rechtswidrigen Verhaltens, sodass die Pop-Ikone außergerichtliche Vergleichszahlungen in unbekannter Höhe leistet, um die Sache aus der Welt zu schaffen.

Jaafar Jackson als Michael Jackson.

Foto: © 2025 Lionsgate

Der zweiteilige, vierstündige Dokumentarfilm „Leaving Neverland“, der 2019 auf HBO veröffentlicht wurde, wirkt wie eine ungewollte Vorgeschichte und Fortsetzung des neuen Films „Michael“. In der Doku geht es um Missbrauchsvorwürfe, die gegen Michael Jackson erhoben werden. Das sorgte für kontroverse Diskussionen. Das Material ist derart belastend, dass der Jackson-Nachlass den Zugang zu der Dokumentation weitgehend erschwert. HBO hat die Doku inzwischen von seiner Plattform gelöscht. [Anm. d. Red.: In den USA ist der Inhalt nicht mehr verfügbar, in Deutschland weiterhin zugänglich.]
Ich habe mir die HBO-Dokumentation am Tag ihrer Erstausstrahlung angesehen und fand sie äußerst seriös und glaubwürdig.

Das Problem wird vertagt

Die HBO-Produzenten und Filmemacher umgehen jedoch das Problem, indem sie im Abspann des Films eine Fortsetzung andeuten. Wie diese allerdings entsprechend den Tatsachen entstehen soll, ohne den Großteil von Michaels Fangemeinde zu verprellen, ist fraglich. Viele glauben nicht an die ihm vorgeworfenen Taten.
Sollte man sich den Film ansehen? An sich ist „Michael“ sehr gut gemacht, auch wenn die Biografie auf dem Bewertungsportal „Rotten Tomatoes“ wegen der ausgeblendeten Missbrauchsvorwürfe lediglich 39 Prozent beträgt und damit ein schlechtes Ergebnis erzielt. Dem gegenüber stehen 95 Prozent beim Publikum. Ich tendiere hier eher zur Einschätzung der Zuschauer.
Mein einziger größerer Kritikpunkt: Im Film wird allein La Toya als Jackson-Schwester gezeigt. Die ältere Schwester Rebbie und die jüngste, Janet, werden nicht erwähnt. Abgesehen davon ist alles historisch korrekt – und die Musik, die schauspielerischen Leistungen, die Produktionsqualität und vor allem die Arbeit des über 50-köpfigen Haar- und Make-up-Teams sind geradezu grandios.
Wer sich den Film ansehen möchte, sollte dies auf der größtmöglichen Leinwand tun, die zu finden ist – er ist jeden Cent wert.
„Michael“
Regisseur: Antoine Fuqua
Darsteller: Jaafar Jackson, Juliano Valdi, Colman Domingo, Nia Long
Filmlänge: 128 Minuten
FSK 6
Bewertung: 4 von 5 Sternen
„Michael“ ist derzeit in den deutschen Kinos zu sehen.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‚Michael‘: The „King of Pop‘ Biopic Is Only Half of the Story“. (redaktionelle Bearbeitung: sua)
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meinung

Wir sehen mehr als jemals zuvor, und verstehen so wenig wie nie


In Kürze

  • Regensburger Forscher können mit einem neuartigen Mikroskop Dinge auf atomarer Ebene sichtbar machen.
  • Das James-Webb-Teleskop liefert nie dagewesene Bilder des Universums.
  • Immer präzisere Instrumente zeigen in erster Linie, wie wenig wir wirklich wissen. Grundfragen bleiben unbeantwortet, im Großen wie im Kleinen.
  • Wahre Erkenntnisse entstehen durch neue Perspektiven, die nicht durch bessere Technik zu erreichen sind.

 
Atomare Eigenschaften konnten bisher nur berechnet oder gemessen werden. Physikern um Felix Schiegl von der Universität Regensburg ist es 2025 gelungen, die feinsten Strukturen erstmals rein optisch abzubilden. Das verwendete Nahfeld-optische Tunnelmikroskop (NOTE) ermöglicht durch Quanteneffekte Messungen bis etwa 0,1 Nanometer (nm). Im Vergleich zur herkömmlichen Lichtmikroskopie verbessert dies die Auflösung um mehr als das Tausendfache. Deren theoretische Auflösungsgrenze liegt bei 177 bis 488 nm.
Am anderen Ende der Größenskala zeigen James-Webb- und andere Teleskope das Universum in einer Klarheit, die vor Jahrzehnten noch unvorstellbar gewesen wäre. Galaxien, einst optisch nur als schwache Flecken sichtbar, treten als gewaltige, fein strukturierte Systeme hervor. Gaswolken leuchten in pastellenen Schichten, und selbst die Regionen um Schwarze Löcher, einst nur theoretisch greifbar, sind inzwischen wahrnehmbar und formen die Materie um sie herum.
Doch wenn wir mehr sehen, bedeutet dies zwangsläufig auch, dass wir mehr verstehen?
Es ist kaum möglich, Bilder aus den Tiefen des Universums zu betrachten, ohne ein demütiges Staunen zu empfinden. Hier handelt es sich um reale Beobachtungen, entstanden aus Licht, das Milliarden von Jahren durch den Weltraum gereist ist, bevor es uns erreichte. Die Bilder sind ohne Frage eine Errungenschaft menschlichen Erfindungsreichtums, und doch sind sie für einige Wissenschaftler etwas beunruhigend: Sie zeigen etwas, was niemand erwartet hätte.

Bessere Bilder erweitern, was wir nicht wissen

Eine der überraschendsten Entdeckungen, die das James-Webb-Teleskop ermöglichte, ist die Erkenntnis, dass Galaxien scheinbar deutlich früher entstanden sein müssen, als theoretische Modelle prognostizierten. Strukturen, die einst als langwierig in ihrer Entstehung eingestuft worden waren, schienen sich rasant entwickelt zu haben. Das frühe Universum, das lange als einfach und spärlich galt, erscheint nun komplex und hochgradig organisiert.
Über Dekaden gingen wir davon aus, dass ein detaillierteres Bild des Universums auch zu einem tieferen Verständnis desselben führen müsste. Mit der Entwicklung einer immer noch verbesserten Auflösung unserer Teleskope glaubten wir, dass sich die Geschichte des Kosmos endlich offenbaren werde. Aber das Gegenteil ist der Fall. Was einst für eine einfache Struktur gehalten wurde, offenbart sich heute als fein abgestimmtes, hochdynamisches System.
Schwarze Löcher erzählen eine ähnliche Geschichte: Das James-Webb-Teleskop hat gezeigt, dass es keine seltenen kosmischen Kuriositäten sind. Sie sind zahlreich, einflussreich und formen ganze Regionen des Weltalls. Und dann wäre da noch das größte Rätsel von allen: Ein fundamentaler Teil des Universums scheint aus Materie zu bestehen, die wir nicht unmittelbar sehen können. Dunkle Materie und dunkle Energie sind Bezeichnungen, die wir unbekannten Kräften geben, die wir nur anhand ihrer Auswirkungen ableiten können.
Trotz jahrzehntelanger Forschung und zunehmend detaillierterer Bilder wissen wir nach wie vor nicht, um welche Energien und Kräfte es sich handelt, die doch alles zu beherrschen scheinen.
Die grundlegenden Fragen bleiben auch hier offen: Warum bestehen die Gesetze der Physik so, wie sie bestehen? Was hält das Universum schließlich zusammen? Und auch das gilt ebenso im Mikroskopischen: Obwohl wir beschreiben können, was das Gehirn tut, wissen wir nicht, warum Bewusstsein überhaupt existiert.
Wieder und wieder zeigen uns unsere Werkzeuge, wie sich die Dinge verhalten – aber nicht, warum sie existieren.

An der Grenze des Erkennbaren angekommen

Lange Zeit haben wir angenommen, dass sich die Antworten automatisch offenbaren würden, wenn wir noch genauer hinschauen, noch mehr Details oder das noch größere Ganze sehen können. Wir haben uns vorgestellt, dass sich der Vorhang bald vollständig lüftet und damit Erkenntnisse wie selbstverständlich hinter der nächsten, verbesserten technischen Auflösung in Erscheinung treten werden. Doch die Zeit hat uns lediglich vor Augen geführt, dass wir von beispiellosen Details, Strukturen und Daten umringt sind, während die tiefsten Geheimnisse weiterhin unergründlicher erscheinen als je zuvor.
Unsere modernen Apparaturen sind außerordentlich gut im Messen und Kartieren, doch sie wurden nicht dafür entwickelt, uns die Bedeutung des Untersuchten in ihrem Wesen zu erläutern. Wir besitzen keine visuelle Vorstellungskraft dafür, wie die Existenz physikalischer Gesetze oder deren fein abgestimmtes Gleichgewicht zu erklären sein könnten. Damit haben wir eine Grenze unserer Forschung erreicht, die wir längst hätten erkennen müssen.
Aus historischer Sicht resultierten die wichtigsten Erkenntnisse der Menschheit nicht aus der Anwendung präziserer Werkzeuge. Sie offenbarten sich in Perspektivwechseln. Durch Menschen, die neue Fragen zu den vorhandenen Wahrnehmungen und Daten stellten.
Das heliozentrische Weltbild, das die Sonne anstatt die Erde ins Zentrum gestellt hat, hat das Verständnis über den Kosmos grundlegend verändert. Buddha hat durch tiefe Selbstreflexion Einsicht in die Ursachen des Leidens gewonnen. Und Sokrates hat durch konsequentes Hinterfragen erkannt, dass wahre Weisheit im Bewusstsein der eigenen Unwissenheit liegt. In allen drei Fällen hat nicht die Technik, sondern eine neue Sichtweise zu grundlegender Erkenntnis geführt.
Beobachtung war schon immer wichtig, aber Einsicht und Weisheit waren früher noch wichtiger.

Wissen ist Macht, doch welche Macht haben wir wirklich?

Heute sind wir außerordentlich versiert darin, Informationen zu sammeln; doch ist uns häufig nicht klar, zu welchem Resultat dies jeweils führen wird. Sollte uns nicht genau das zu denken geben? Denn der optische Eindruck, den das James-Webb-Teleskop letztlich vermittelt, fußt nicht auf irgendeinem spontanen Zufall, sondern bildet sich in einer bemerkenswerten Präzision ab.
Auf jeder Ebene schauen wir auf ein Gleichgewicht, eine Struktur und eine so exakte Feinabstimmung, dass selbst kleinste Veränderungen ganze Systeme zerstören würden. Von Galaxien bis zu den Bestandteilen der Materie selbst wirkt die Realität sorgfältig und bis ins kleinste Detail geplant.
Wir leben in einer Kultur, die Wissen oft als Mittel zur Kontrolle einordnet. Wir nehmen an, dass Verständnis gleichbedeutend mit Beherrschung ist und diese naturgemäß auf immer klarerem Sehen beruht. Und wieder und wieder widersetzt sich das Universum dieser Vorstellung. Je genauer wir optisch wahrnehmen, desto deutlicher stoßen wir auf Grenzen. Nicht nur in unseren Theorien, sondern auch in dem, was unsere technischen Apparate leisten.
Unsere neuen Mikroskope und Teleskope sind in ihrer Reichweite außergewöhnlich. Dies ermöglicht, feiner und ferner zu sehen als jemals zuvor. Doch keines dieser Geräte hat uns den Antworten auf unsere größten Fragen nähergebracht. Sie haben uns lediglich gezeigt, dass Antworten nicht durch neue Werkzeuge oder eine engere Sichtweise gefunden werden können. Sie haben uns gezeigt, woher die Antworten nicht kommen werden. Das schmälert keineswegs die menschlichen Leistungen. Es relativiert sie.

Der Kern neuer Erkenntnisse … liegt in uns

Irgendwann in der Geschichte haben wir begonnen, von unseren Messgeräten und Maschinen zu erwarten, dass sie uns Sinn stiften. Uns nicht nur Informationen, sondern auch bedeutungsvoll Essenz vermitteln. Doch als sie uns ein ums andere Mal enttäuscht haben, hat sich die Gesellschaft dazu entschieden – anstatt innezuhalten und nachzudenken –, dass Bedeutung selbst eine Illusion sein müsse und die menschliche Wahrnehmung das Problem sei.
Was, wenn das Gegenteil der Fall ist?
Was wäre, wenn das menschliche Sehen selbst, als perfektes Konstrukt und geprägt von Erfahrung, Erinnerung, Gewissen und Ehrfurcht, in Wahrheit ein wesentlicher Erkenntnisweg zum wahren Bewusstsein wäre? Wenn Nachdenken, Ehrfurcht und sogar das Gebet nicht durch irgendeine Technik ersetzbare Wege der Realitätswahrnehmung sind?
In diesem Sinne erweitert das James-Webb-Teleskop nicht nur unsere Sicht, es rückt sie wieder gerade.
Wenn uns diese neuen Bilder etwas lehren, dann vielleicht nicht, dass das Universum endlich erklärt ist. Sondern dass die Realität sorgfältiger gestaltet, großartiger und geheimnisvoller ist, als wir es uns jemals hätten vorstellen können.
Vielleicht besteht der nächste Schritt nicht darin, genauer hinzuschauen, sondern klüger hinzuschauen. Neu zu lernen, wie wir mit den Augen sehen, die uns gegeben wurden. Möglicherweise ist es das, wozu das Sehen als Kern der Wahrnehmung, in seiner reinsten Form, schon immer gedient hat.
Dieser Artikel erschien im Original in der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times unter dem Titel: „Seeing More Than Ever but No Closer to Understanding“. (redaktionelle Bearbeitung sj/ts)