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Mahjong-Boom in den USA: Wie ein altes Spiel neue Freundschaften schafft

Während viele Menschen im Alter mit Einsamkeit und einem kleiner werdenden sozialen Umfeld kämpfen, entsteht in den USA eine ungewöhnliche Gemeinschaft rund um ein jahrhundertealtes Spiel aus China: Mahjong. In einem Vorort von Memphis treffen sich Frauen regelmäßig zum gemeinsamen Spielen, Lachen und Austauschen – nicht nur wegen der Spielsteine, sondern vor allem wegen der Verbindung untereinander.
Es ist ein Donnerstagnachmittag in einem Barbecue-Restaurant. Dutzende Frauen sitzen an Tischen, vor sich Reihen kleiner Spielsteine, und legen konzentriert Muster. Sie lachen, sprechen miteinander und bleiben ständig in Bewegung. „Lunch and Play“ nennt die Gruppe MahJ Squad 901 dieses gemeinsame Ritual.
Gegründet wurde die Gemeinschaft von den Schwestern Patricia Ford und Sandy Sissom kurz nach der Corona-Pandemie in der Nähe von Memphis. „Wir haben einfach angefangen zu spielen, und die Runde wurde immer größer und größer“, sagt Sissom. Heute bringen sie Mahjong auch anderen Menschen in der gesamten Region Mid-South näher.
Der Anstoß dafür kam aus einer persönlichen Erfahrung innerhalb der eigenen Familie. Die Schwestern beobachteten, wie ihre Mutter im Alter immer mehr Freunde verlor. „Wenn man älter wird, wird der Kreis kleiner“, sagt Sissom. Deshalb wollten sie eine Gemeinschaft schaffen, die groß und vielfältig genug ist, damit niemand das Gefühl hat, am Ende allein zurückzubleiben.
Mahjong ist dabei weniger das eigentliche Ziel als vielmehr das verbindende Element. Das Spiel schafft einen festen Anlass für regelmäßige Treffen, gemeinsame Erlebnisse und neue soziale Kontakte.
Mahjong – ausgesprochen etwa „Ma-dschong“ – entstand im China des 19. Jahrhunderts, vermutlich in der Region um Ningbo und Shanghai gegen Ende der Qing-Dynastie. Der Name bedeutet wörtlich „Sperling“. Einer verbreiteten Erklärung zufolge geht die Bezeichnung auf das Geräusch der Spielsteine beim Mischen zurück, das an das Klappern und Zwitschern einer aufgescheuchten Spatzenschar erinnert.

Mitglieder des MAHJ Squad 901 spielen Mahjong in einem Gemischtwarenladen in Memphis, Tennessee. Die Gruppe wurde von zwei Schwestern nach der COVID-19-Pandemie gegründet, um soziale Kontakte zu etablieren.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Patricia Ford, Jacki Thrapp/The Epoch Times

In Memphis wird allerdings nicht die klassische chinesische Variante gespielt, sondern American Mah Jongg, eine im 20. Jahrhundert in den USA entwickelte Form des Spiels. Sie unterscheidet sich unter anderem durch zusätzliche Jokersteine und eine jährlich wechselnde Spielkarte, auf der die gültigen Gewinnkombinationen festgelegt sind. Gespielt wird in der Regel zu viert. Ziel ist es, eine Hand aus 14 Steinen zusammenzustellen, die exakt einer der vorgegebenen Kombinationen auf der Karte entspricht.
Was zunächst einfach klingt, erfordert viel Übung und Konzentration. Da die Karte jedes Frühjahr erneuert wird, können sich die Spielerinnen nicht dauerhaft auf einmal gelernte Muster verlassen. Mit jeder neuen Saison müssen sie neue Kombinationen verstehen, Strategien anpassen und sich wieder auf die veränderten Regeln einstellen.

Ordnung aus dem Chaos

Am Anfang jeder Partie steht der sogenannte „Charleston“: Dabei geben die Spielerinnen reihum nicht benötigte Steine weiter – drei nach rechts, drei an die gegenüberliegende Spielerin und drei nach links. Dieses kreisförmige Tauschen dient dazu, die eigene Hand zu ordnen und erste Strategien zu entwickeln, bevor der eigentliche Wettkampf mit Ziehen und Ablegen der Steine beginnt.
Wer als Erste eine gültige Kombination vervollständigt, ruft „Mahjong“ und gewinnt die Runde. Spielerinnen vergleichen das Spiel häufig mit einer Mischung aus Schach, Bridge und Rommé – kombiniert mit der sozialen Atmosphäre eines regelmäßigen Treffens, bei dem Strategie, Austausch und Geselligkeit zusammenkommen.
Die Schauspielerin Julia Roberts, die Mahjong bereits lange vor dem aktuellen Trend für sich entdeckte, beschrieb den Reiz des Spiels einmal als den Versuch, aus zufällig gezogenen Steinen Ordnung zu schaffen. Da sich die Spielsituation mit jedem Zug verändert, erfordert jede Runde neue Entscheidungen, Anpassungsfähigkeit und Konzentration.
Mahjong Spielerinnen in einem Restaurant in Memphis, Tennesse im Juni 2026.

Mahjong-Spielerinnen in einem Restaurant in Memphis, Tennesse, am 19.Juni 2026.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Patricia Ford, Jacki Thrapp/The Epoch Times

Mahjong hat Amerika schon einmal erobert

Dass ausgerechnet Mahjong diese Rolle übernimmt, ist in den USA nicht neu. Als das Spiel in den 1920er-Jahren nach Amerika gelangte, löste es eine landesweite Begeisterung aus, die den heutigen Aufschwung noch deutlich übertraf.
Joseph Park Babcock, ein Vertreter des Ölkonzerns Standard Oil, gehörte zu den Personen, die Mahjong in den Vereinigten Staaten populär machten. Er vereinfachte die Regeln für amerikanische Spieler und trug dazu bei, dass das Spiel schnell in wohlhabenden Gesellschaftskreisen Fuß fasste. Selbst im Weißen Haus spielten Präsident Warren G. Harding und seine Frau Mahjong.
Auch in Hollywood fand das Spiel Anhänger. Berichten zufolge gehörten Stummfilmstars wie Mildred Davis und Bessie Love zu den begeisterten Spielerinnen. In Los Angeles veranstaltete ein Gastronom für seine prominenten Gäste sogar eigene „Mahjong-Tees“, für die sie zeitgenössischen Berichten zufolge teilweise ihre Studioverpflichtungen unterbrachen.
Der Import nahm bald enorme Ausmaße an. Im Jahr 1923 waren Mahjong-Sets aus Shanghai das sechstgrößte Exportgut der Stadt in die Vereinigten Staaten. Die Nachfrage war so hoch, dass sogar Rinderknochen aus Kansas und Chicago nach China geliefert wurden, um daraus Spielsteine für den amerikanischen Markt herzustellen.
Der Revenue Act von 1924 belegte Mahjong-Sets mit einer zehnprozentigen Steuer. Diese Maßnahme sorgte für Unmut in der Branche. Die Bostoner Spielefirma Hillson legte sogar eine Petition dagegen ein – jedoch ohne Erfolg.
Doch die große Mahjong-Welle verschwand fast so schnell, wie sie entstanden war. Mit dem Börsencrash von 1929 und der folgenden Weltwirtschaftskrise verlor das Spiel seinen Status als gesellschaftliches Symbol der Wohlhabenden. Teure Spielsets und aufwendige Mahjong-Abende passten nicht mehr in eine Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit.
Mahjong verschwand jedoch nie vollständig. Es überlebte in kleineren Gemeinschaften, besonders unter jüdischen Frauen in New York. Dort wurde es nicht als vorübergehender Trend, sondern als soziales Ritual über Generationen hinweg weitergegeben. Man traf sich regelmäßig, spielte gemeinsam, tauschte sich aus und pflegte Freundschaften.

Die Rückkehr

Nach der Corona-Pandemie nahm die Begeisterung für Mahjong erneut zu. Gruppen wie jene in Memphis trafen offenbar ein Bedürfnis vieler Frauen, ihre sozialen Kontakte wieder auszubauen und regelmäßige persönliche Begegnungen zurück in ihren Alltag zu holen.
Im April 2026 ermittelte die Spieleplattform Bam Good Time anhand öffentlicher Verzeichnisse 1.026 Mahjong-Clubs in den gesamten Vereinigten Staaten. Private Spielrunden und kleinere Gruppen dürften in dieser Zahl allerdings nicht vollständig erfasst sein.
Neben dem sozialen Aspekt bietet Mahjong auch eine geistige Herausforderung. Eine im Jahr 2020 veröffentlichte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass ältere Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung nach zwölf Wochen regelmäßigem Mahjong-Spielen bei Tests zu exekutiven Funktionen bessere Ergebnisse erzielten als eine Vergleichsgruppe.
Mit der wachsenden Popularität entdecken auch Händler und Luxusmarken das Potenzial des Spiels. Marken wie Tiffany & Co., Prada und Coach bieten eigene Mahjong-Sets an. Hermès verkaufte beispielsweise Sets aus Palisanderholz und Kalbsleder für 42.000 US-Dollar. Louis Vuitton bietet ein handgefertigtes „Vanity Mahjong“-Set aus Corian und Holz für rund 63.000 US-Dollar an, das ausschließlich über einen Concierge-Service erhältlich ist.
Für die Freude am Spiel ist solcher Luxus jedoch nicht notwendig. Ein ansprechendes Set für vier Personen ist in den USA bereits ab etwa 50 US-Dollar und in Deutschland ab etwa 40 Euro erhältlich. Der eigentliche Wert von Mahjong liegt ohnehin weniger im Material der Steine als in der Regelmäßigkeit, mit der Menschen zusammenkommen.
„Es ist nicht nur etwas für alte Damen“, sagt Sissom und lacht. „Wir bringen es vielen jungen Frauen bei.“
Jüngere Spielerinnen lernen die Regeln von erfahrenen Mahjong-Spielerinnen, neue Teilnehmerinnen kommen hinzu – und aus einem einfachen Treffen an einem Donnerstagnachmittag entsteht allmählich ein festes Ritual.
Auch in Deutschland gibt es Freunde des chinesischen Gesellschaftsspiels Mahjong (oder auch Mah-Jongg geschrieben).

Auch in Deutschland gibt es Freunde des chinesischen Gesellschaftsspiels Mahjong (oder auch Mah-Jongg geschrieben).

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mahjong in Deutschland

Viele Menschen in Deutschland verbinden mit Mahjong vor allem ein Computerspiel, bei dem gleiche Steine paarweise vom Bildschirm entfernt werden. Mit dem traditionellen Mahjong, das von vier Personen mit Spielsteinen gespielt wird, hat diese digitale Variante jedoch nur wenig gemeinsam.
In Deutschland ist Mahjong bislang vor allem durch Vereine, Regionalgruppen und den Turnierbetrieb sichtbar. Seit 2002 gibt es die Deutsche Mah-Jongg Liga, die neue Spielrunden fördern und verschiedene Spielvarianten vermitteln möchte. Eine mit den USA vergleichbare Welle gemeinschaftlicher Mahjong-Treffen ist derzeit zwar nicht erkennbar, aber auch nicht ausgeschlossen – denn private Spielrunden erscheinen in keiner offiziellen Statistik.
Ob die neue amerikanische Begeisterung für Mahjong auch nach Deutschland überspringt, bleibt abzuwarten. Gesellschaftsspiele erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit, und für eine Partie braucht es nicht viel: vier Spieler, einen Satz Steine und die Bereitschaft, einige Stunden gemeinsam ohne Bildschirm zu verbringen.
In East Memphis wird derweil weiter gemischt, getauscht und überlegt. Aus den Steinen entstehen neue Kombinationen – und aus einzelnen Spielerinnen wächst eine Gemeinschaft.
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Plädoyer für die Wiederbelebung lokalen Lebens

„Es ist nicht unsere Aufgabe, alle Strömungen der Welt zu beherrschen, sondern das zu tun, was in unserer Macht steht, um in den Jahren, in die wir gestellt sind, Hilfe zu leisten und das Böse auf den Feldern, die wir kennen, auszurotten, damit diejenigen, die nach uns kommen, sauberen Boden zum Bebauen vorfinden.“
„It is not our part to master all the tides of the world, but to do what is in us for the succour of those years wherein we are set, uprooting evil in the fields that we know so that those who come after may have clean earth to till.“
Diese wunderschönen Zeilen aus J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ geben uns sowohl Hoffnung als auch Orientierung in schweren Zeiten. Es ist leicht, sich von dem Bösen in der Welt überwältigen zu lassen, von den Problemen der Welt verwirrt und bedrängt zu werden.
Wir wünschen uns Veränderungen. Vielleicht wünschen wir uns sogar die Macht, das zu heilen, woran die Welt krankt. Doch allzu oft fühlen wir uns machtlos.
Tolkiens Zitat hebt zwei wichtige Wahrheiten hervor. Erstens können wir nicht die Last der ganzen Welt auf uns nehmen. Wir können nicht versuchen, „alle Strömungen zu beherrschen“. Aber gleichzeitig sind wir nicht machtlos. Wir mögen vielleicht nicht in der Lage sein, geopolitische Probleme zu lösen, aber wir können unseren Blick auf „die Felder, die wir kennen“ richten – unsere örtlichen Gemeinschaften – und die Probleme angehen, die wir dort vorfinden.
Wer Einfluss auf sein Umfeld nehmen möchte, sollte in seiner eigenen Nachbarschaft beginnen. Foto: Liudmila Chernetska/iStock

Wer Einfluss auf sein Umfeld nehmen möchte, sollte in seiner eigenen Nachbarschaft beginnen.

Foto: Liudmila Chernetska/iStock

Das ist ein Lichtblick in dunklen Zeiten. Indem wir uns den Aufgaben in unserem unmittelbaren Umfeld widmen, ebnen wir den Weg zu einem kulturellen Wandel, der durchaus erreichbar ist. Wenn genügend Menschen Zeit, Energie und Geld in die Verbesserung und den Wiederaufbau ihrer lokalen Gemeinschaften investieren, könnte die ganze Welt zum Besseren verändert werden.

Eine bewusste Anstrengung

Vielleicht ist die Zeit gekommen, sich wieder dem eigenen Umfeld zu widmen, statt den nationalen und internationalen Schauplätzen. „Normale Menschen wollen Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen“, schreibt Dale Ahlquist in der Einleitung zu seinem Buch „Localism“ aus dem Jahr 2024, „doch sie fühlen sich zunehmend frustriert und entfremdet, weil alles außerhalb ihrer Kontrolle liegt und sie nicht einmal wissen, wer die Kontrolle ausübt. … Lokalismus bedeutet, bei den Dingen mitreden zu können, die das eigene Leben betreffen.“

„Normal people want to take responsibility for their own lives, and they are increasingly frustrated and alienated by the fact that everything is out of their control and they cannot really say who is in control. …Localism means having a say in what happens to you.“

Unser größter Einflussbereich liegt vor unserer Haustür. Dort wirken sich Entscheidungen am unmittelbarsten auf uns und unsere Familien aus. Die wahre Gestaltungskraft gewöhnlicher Menschen entfaltet sich in ihrer Gemeinde, ihrer Nachbarschaft und ihrem direkten Umfeld. Ob sie davon Gebrauch machen, liegt bei ihnen selbst.

Dies ist einer der Grundgedanken des Lokalismus (Anm. d. Red.: Orientierung an lokalen Gemeinschaften). Er beruht auf der Überzeugung, dass sich das wirtschaftliche, kulturelle, soziale und religiöse Engagement eines Menschen in erster Linie auf seine unmittelbare Gemeinschaft und Region richten sollte.
Größere Institutionen und staatliche Ebenen sollten diese lokalen Strukturen achten, fördern und stärken. Auf vielfältige Weise schaffen solche Gemeinschaften die Kraft, Widerstände zu überwinden, und sie spielen eine entscheidende Rolle dabei, Gesellschaften zu bewahren, zu erneuern und lebendig zu halten.

Die „Unbesiegbaren“

G. K. Chesterton schrieb in einem Artikel vom 21. Juli 1928 für seine Zeitung „G.K.’s Weekly“:
„Es kommt in der Geschichte oft vor, dass sich extrem kleine und lokale oder gar rückständige und barbarische Dinge mit großem Erfolg gegen Imperien und Konzerne verteidigen, einfach weil sie zu abgelegen sind, um sich von bloßen kosmopolitischen Gerüchten und Reputationen einschüchtern zu lassen. Es gibt einige glückliche Gemeinschaften, die zu unwissend sind, um eingeschüchtert zu werden, zu abergläubisch, um sich erschrecken zu lassen, zu arm, um bestochen zu werden, und zu klein, um zerstört zu werden. Wahrscheinlich wird gerade an diesen winzigen und verborgenen Orten der Same der Zivilisation für künftige Zeitalter bewahrt bleiben – inmitten der stümperhaften Gesetzlosigkeit von großen, wahrscheinlich auf uns zukommenden Veränderungen.“

„It often happens in history that things intensely small and local, or even backward and barbaric, defend themselves with great success against empires and combines, simply because they are too remote to have been overawed by mere cosmopolitan rumour and reputation. There are some fortunate communities that are too ignorant to be bullied, too superstitious to be frightened, too poor to be bribed, and too small to be destroyed. It is probably in these minute and secret places that the seed of civilization will be preserved for future ages, through the blundering anarchy of big things which seems to be coming upon us.“

Ehrenamtliches Engagement auf Gemeindeebene steht in Zusammenhang mit einem verbesserten sozialen Zusammenhalt und messbaren Vorteilen für die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden. Foto: nortonrsx/iStock

Ehrenamtliches Engagement auf Gemeindeebene steht in Zusammenhang mit einem verbesserten sozialen Zusammenhalt und messbaren Vorteilen für die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden.

Foto: nortonrsx/iStock

Wie sieht Lokalismus in der Praxis aus?

Wie sieht Lokalismus in der Praxis aus? Einige allgemeine Merkmale lassen sich hier skizzieren. Ahlquist hilft uns, einige der zugrunde liegenden Prinzipien zu verstehen: „Unter Lokalismus verstehen wir eine Wirtschaft und ein politisches System, das auf der Familie basiert.“

„By localism, we mean an economy and a political system based on the family.“

Die Familie ist die unmittelbarste und lokalste Form der Gesellschaft. Lokalismus sollte sich darauf konzentrieren, ein soziales und wirtschaftliches Umfeld zu schaffen, das die Familie begünstigt. Ahlquist schreibt:
„Wenn wir damit beginnen, die Würde darin zu sehen, für unsere eigenen Familien zu sorgen, sie zu schützen und zu lieben, dann ist der nächste natürliche Schritt, auch unseren Nachbarn mit derselben Achtung und Nächstenliebe zu begegnen, damit ihre Familien das genießen können, was auch wir genießen.“

„If we begin with the dignity of providing for and protecting and loving our own families, the next natural step is to treat our neighbors with the same respect and charity so that their families can enjoy what we enjoy.“

Wenn Familien glücklich sind und sich geborgen fühlen, ist der Grundstein für eine starke Gesellschaft gelegt.

Das Dorf braucht Dorfbewohner

Der familiäre Aspekt des Lokalismus ermutigt Eltern, auf die Einflüsse auf ihre Kinder zu achten. So könnte Bildung im „lokalen Stil“ beispielsweise darin bestehen, dass sich Eltern zusammenschließen, um eine eigene Schule oder Mikroschule zu gründen. Ziel wäre es, Kinder unter Nutzung lokaler Ressourcen zu unterrichten und dabei lokale Werte, Geschichte und Bräuche zu respektieren.
Leere Gasse in Stolberg im Harz, 2024. Foto: ChrisRinckes/iStock

Leere Gasse in Stolberg im Harz, 2024.

Foto: ChrisRinckes/iStock

Vielleicht betrifft der herausforderndste, aber auch transformativste Teil einer lokalen Vision die Wirtschaft. In der globalisierten Wirtschaft fließt Geld typischerweise aus lokalen Gemeinschaften heraus und in die Kassen entfernter Unternehmen.
Selten bleibt dieses Geld in der lokalen Gemeinschaft, um sie zu stärken und ihre Bewohner zu erhalten. Ein Ziel des Lokalismus ist es, stärkere lokale Wirtschaftskreisläufe zu schaffen. Denn wo wir unsere Geschäfte erledigen, ist ein großer Teil unseres Lebens.
Wendell Berry stellte in seinem Aufsatz „The Work of Local Culture“ den Zusammenbruch der lokalen Kultur fest. Teilweise liege das daran, dass aufgrund unseres globalen Wirtschaftsmodells kaum noch Menschen ihren Lebensunterhalt in ihren lokalen Gemeinschaften verdienen können.
Dale Ahlquist sah die Wiederherstellung der lokalen Wirtschaft als zentral für das Vorhaben, lokaler zu werden. Er sagt: „[Lokalismus] bedeutet, deine Dollars in deiner Gemeinschaft zu behalten, von deinem Nachbarn zu kaufen und dadurch deinen Nachbarn zu unterstützen. Es bedeutet, dein eigenes Stück der Gemeinschaft zu besitzen. Es bedeutet, dein eigener Chef zu sein.“

„[Localism] means keeping your dollars in your community, buying from your neighbor, and thereby supporting your neighbor. It means owning your own piece of the community. It means being your own boss.“

Das lokal-regionale Modell ermutigt zahlreiche Kleinunternehmer, Landwirte und lokale Hersteller, miteinander Geschäfte zu machen. Dadurch entsteht eine autarke und in sich selbst investierende Gemeinschaft.
Wichtige Gespräche: Vier ältere Frauen in einem italienischen Dorf. Foto: angeluisma/iStock

Zusammen statt allein: vier ältere Frauen in einem italienischen Dorf.

Foto: angeluisma/iStock

Örtliche Gemeinschaften und Kultur im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des Ganzen steht natürlich die örtliche Gemeinschaft und ihre Kultur. Der Lokalismus versucht, Nachbarn wieder miteinander in Verbindung zu bringen. Er versucht, örtliche Vereine, Sportklubs, Glaubensgemeinschaften und gemeinnützige Organisationen neu zu beleben. [Anmerkung der Redaktion: So wie es heute in manchen ländlichen Gegenden Deutschlands noch gelebt wird.]
Lokalismus hat zum Ziel, das soziale Gefüge von Grund auf wieder zu knüpfen. Der Lokalismus misst echten Begegnungen von Mensch zu Mensch einen hohen Wert bei. Menschliche Beziehungen bilden das Herzstück des Lokalismus.
Das lokalistische Ideal klingt in unserer Zeit ein wenig veraltet. Doch es ist gar nicht so weit entfernt von den ursprünglichen Idealen der Unabhängigkeit, Nachbarschaftlichkeit, des Unternehmertums, der Resilienz und des Respekts vor der Tradition. Diese haben alle dazu beigetragen, unsere Nation überhaupt erst groß zu machen.
Es gab eine Zeit in Amerika, als ein Mann durch die Straßen seiner Stadt gehen und ein Gefühl von Stolz und Zufriedenheit empfinden konnte, dass alles, was er brauchte, genau hier war, direkt vor seinen Füßen, sowohl wirtschaftlich als auch sozial.
Er fühlte sich keinen entfernten, unpersönlichen finanziellen oder industriellen Kräften verpflichtet. Er kannte die Gesichter und die Namen der Männer und Frauen, die viele der Dinge herstellten, die er im täglichen Leben benutzte. Und er kannte sowohl die Menschen als auch die Philosophie der Menschen, die seine Kinder unterrichteten. Ihre Philosophie war seine eigene.
Er konnte zu Fuß zu seiner Kirche gehen, wo er dieselben Gesichter sah, mit denen er Geschäfte machte oder Baseball spielte. Er kannte die Leute, die in der Stadt- und Kreisverwaltung tätig waren; er hatte ihnen geholfen und sie ihm.
Die Geschichte seiner Stadt und der darin lebenden Familien war ihm auch bekannt. Er konnte auch den Zweig seiner Familie am Stammbaum seiner Gemeinschaft zurückverfolgen, der in der Gegend und Landschaft verwurzelt war. Er war Teil von etwas Lebendigem und Ganzem.
So könnte es wieder sein.
Der persönliche Kontakt ist nach wie vor einer der stärksten Indikatoren für Vertrauen in der Gemeinschaft und bürgerschaftliches Engagement. Foto: monkeybusinessimages/iStock

Der persönliche Kontakt ist nach wie vor einer der stärksten Indikatoren für Vertrauen in der Gemeinschaft und bürgerschaftliches Engagement.

Foto: monkeybusinessimages/iStock

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Case for Restoring Local Life“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Warum zwanglose Begegnungen gut für die psychische Gesundheit sind

Sie hören das Klirren von Tassen, das erdige Aroma von Kaffee, das Gemurmel von Gesprächen und die gedämpfte Musik aus dem Radio, während die Barista Sie mit Namen begrüßt. „Das Übliche?“, fragt sie mit einem Lächeln. Sie nicken zustimmend, lassen sich an Ihrem Lieblingstisch mit Blick auf den Bauernmarkt draußen auf der Straße nieder und öffnen Ihr Buch.
Doch bevor Sie zu lesen beginnen, bemerken Sie einen anderen Stammgast, der in einem Polstersessel am Kamin sitzt. „Wie geht es den Kindern, Hans?“, fragen Sie. Er blickt lächelnd auf und erzählt Ihnen von den neuesten Eskapaden seiner Söhne. Das sind die Freuden, die jemandem vorbehalten sind, der innerhalb seiner Gemeinschaft lose Beziehungen aufgebaut hat: Verbindungen zu Menschen vor Ort, die warmherzig, vertraut und berechenbar sind, auch wenn sie nicht besonders tief gehen.
Dazu gehören der Friseur, den Sie jeden Monat besuchen, der Barkeeper, der Ihr Lieblingsgetränk kennt, der Typ im Gym, der Sie beim Krafttraining absichert, und eben auch der Nachbar von gegenüber, der Ihre Pflanzen gießt, wenn Sie im Urlaub sind. Sie alle sind Beispiele für Menschen, zu denen Sie lose Verbindungen aufbauen können. Sie sind nicht Ihre engsten Freunde, aber die vertraute Beziehung zu ihnen bringt dennoch etwas Wertvolles – vielleicht sogar etwas Unverzichtbares – in Ihr Leben und das dieser Personen.

Der Wert alltäglicher Verbindungen

Arkadiy Volkov, Psychotherapeut und klinischer Leiter von Feel Your Way Therapy, erklärt gegenüber der Epoch Times, dass Studien gezeigt hätten, dass Menschen mit mehr sozialen Bindungen eine höhere Lebenszufriedenheit und weniger Einsamkeit verspürten als Menschen mit weniger Verbindungen. Das gelte auch, wenn sie die gleiche Anzahl an engen Freunden haben.
„Wenn wir an psychische Gesundheit denken, denken wir an Beziehungen zu Partnern, Familie und Freunden“, so Volkov. „Wir neigen dazu, die Bedeutung loser Verbindungen zu übersehen.“
„Beziehungen, die nicht zu intim, aber prägnant und vertraut sind, zum Beispiel zum Friseur, zum Priester oder zum Nachbarn, sind jedoch ebenfalls wichtig. Diese Beziehungen sind emotional nicht allzu tief, aber sie schaffen etwas Stabilisierendes und vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit im Alltag.“ Volkov erklärt, dass unser Gehirn auf diese Art von Verbindungen programmiert ist. Selbst so einfache Dinge wie Blickkontakt, kurze Gespräche und das Hören des eigenen Namens können unser Identitätsgefühl und unser Wohlbefinden steigern.
Lose soziale Bindungen helfen uns, ein Gefühl für unseren Platz innerhalb einer größeren Gemeinschaft zu entwickeln.
Regelmäßige Dienstleistungen wie Friseurbesuche und Fitnesskurse können als kleine soziale Ankerpunkte dienen, bei denen Menschen wieder mit bekannten Gesichtern aus ihrer Nachbarschaft in Kontakt treten. Foto: nd3000/iStock

Regelmäßige Dienstleistungen wie Friseurbesuche und Fitnesskurse können als kleine soziale Ankerpunkte dienen, bei denen Menschen wieder mit bekannten Gesichtern aus ihrer Nachbarschaft in Kontakt treten.

Foto: nd3000/iStock

„Lose Bindungen senden uns beständige Signale, dass wir in einer Gemeinschaft existieren, dazugehören und von Bedeutung sind“, sagt Volkov. Die stetige Ansammlung solcher Beziehungen innerhalb einer Gemeinschaft bilde ein viel festeres Fundament für die Gemeinschaft als Ganzes – wie Sediment in einem Fluss. Die Widerstandsfähigkeit werde gestärkt.
Rabbi Shlomo Slatkin, ein lizenzierter klinischer Berater und Mitbegründer des Marriage Restoration Project, bringt es auf den Punkt: „Je vernetzter Menschen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich in guten wie in schweren Zeiten gegenseitig unterstützen. Es ist wichtig, Menschen zu haben, mit denen man feiern kann. Es ist eine Kettenreaktion. Man verbindet sich mit einer Person, die mit einer anderen verbunden ist, und so weiter. Dies breitet sich auf eine ganze Gemeinschaft aus, die miteinander vernetzt ist und ein Unterstützungssystem füreinander sein kann.“

Eine starke Gemeinschaft mitgestalten

Volkov äußert sich ähnlich und merkt an, dass Gemeinschaften, die dicht mit diesen Bindungen durchzogen sind, besser auf Krisen reagieren. „Nachbarn mit stärkeren Bindungen reagieren besser auf Stressfaktoren oder Krisen“, sagt er. „Man weiß, dass es eine Basis an Vertrauen und Anerkennung gibt.“
Einfache, alltägliche Interaktionen summieren sich im Laufe der Zeit und bilden ein Geflecht miteinander verbundener Gemeinschaftsmitglieder, die in dramatischen Situationen sowohl gemeinsam feiern als auch trauern können. Wir sind dann in der Lage, diesen Momenten vor dem Hintergrund von Vertrautheit und Solidarität zu begegnen.
„Unser Gehirn mag Beständigkeit, weil sie sich sicher anfühlt“, sagt Volkov. „Wenn wir dieselben Leute in der Nachbarschaft oder im Fitnessstudio sehen und sie uns grüßen, entspannt sich unser Nervensystem, weil wir uns in einer geschützten Umgebung befinden.“
Diese „geschützte Umgebung“ ist besonders wichtig für die Resilienz in schweren Zeiten, sie kann aber auch das Leben generell mit größerer Verbundenheit, Ruhe und Bedeutung erfüllen.
Doch wie entwickeln wir diese losen Bindungen?

Erste Schritte

Der erste Schritt ist Beständigkeit. Wenn Sie wiederholt zur gleichen Zeit am gleichen Ort erscheinen, werden Sie bestimmten Gesichtern aus der Nachbarschaft begegnen, zu denen Sie nach und nach einen Draht aufbauen können. Aber Beständigkeit allein reicht nicht aus.
„Beständigkeit ist wichtig, aber auch die Interaktion“, sagt Slatkin. „Man kann nicht einfach nur auftauchen und sich nicht einbringen. Je mehr man sich einbringt, desto besser wird man sich fühlen.“
Volkov empfiehlt außerdem, aktiv mit bekannten Gesichtern in Kontakt zu treten, indem Sie ihre Namen lernen und sie nach ihrer Woche oder ihren Wochenendplänen fragen. Diese Gespräche müssen nicht kompliziert sein. Denn schon ein wenig Mühe kann viel bewirken.
Man könnte argumentieren, dass wir diese losen Bekanntschaften heute mehr denn je brauchen. Wenn so viel unserer sozialen Aktivität in den digitalen Raum abgewandert ist, verlieren wir den Kontakt zu den greifbaren, realen Verbindungen.
Es sind die Blickkontakte, der Klang von Stimmen und die unerwarteten Begegnungen an der Straßenecke, die unsere körperliche Existenz in einer bestimmten lokalen Gemeinschaft festigen. Ein integraler Bestandteil einer Gemeinschaft zu sein, bedeutet, Leute zu kennen und von anderen gekannt zu werden.
„Viele Online-Transaktionen sind anonym“, sagt Volkov. „Aber lose Bindungen erfordern eine bestimmte Absicht und Nähe. Das ist gerade jetzt [in einer digitalen Welt] von Bedeutung.“
„Wir brauchen Menschen, die unseren Namen, unser Lieblingsgetränk und so weiter kennen“, konstatiert er. „Menschen brauchen ein Ökosystem, in dem sie gedeihen können. Lose Bekanntschaften sind ein großartiger Weg, um dies zu erreichen.“
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why You Should Know Your Neighbors: Why Casual Connections Matter for Mental Health“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Wie Hilfsbereitschaft das Altern des Gehirns verlangsamen kann

Wahrscheinlich kennt jeder die üblichen Empfehlungen, wie man sein Gehirn fit halten kann: regelmäßig Sport treiben, sich gesund ernähren und jede Nacht 7 bis 8 Stunden schlafen. Nun gibt es einen neuen und überraschenden Tipp zur Förderung der kognitiven Gesundheit: anderen Menschen helfen.
Das war zumindest das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2025, die in der Fachzeitschrift „Social Science & Medicine“ erschien. Demnach kann es die kognitiven Funktionen verbessern und den kognitiven Verfall verlangsamen, wenn man anderen Menschen hilft.

Helfen und kognitive Funktionen

Die Forscher untersuchten, wie sich zwei Arten von Hilfsaktivitäten sowie Veränderungen im Zeitaufwand auf die kognitiven Funktionen im Alter auswirken. Dabei betrachteten sie Daten zu Gedächtnis, Aufmerksamkeit und geistiger Verarbeitungsfähigkeit von mehr als 30.000 Amerikanern im Alter ab 51 Jahren. Die Daten wurden über zwei Jahrzehnte hinweg gesammelt.
Im Rahmen der wiederholten Befragungen sollten die Probanden angeben, ob sie im vorangegangenen Jahr eine der beiden Arten von ehrenamtlicher Aktivität ausgeübt hatten: 
  1. formelle Freiwilligenarbeit, beispielsweise für religiöse, bildungsbezogene, gesundheitsbezogene oder andere gemeinnützige Organisationen
  2. informelle Hilfe wie die Unterstützung von Freunden, Nachbarn oder Verwandten, die nicht im selben Haushalt leben
Für beide Arten der Tätigkeit gaben die Befragten zudem ihren jährlichen Zeitaufwand an: gar nicht, 1 bis 99 Stunden, 100 bis 199 Stunden oder mehr als 200 Stunden.
Die Ergebnisse standardisierter kognitiver Tests zeigten, dass, wenn eine Person eine gemeinnützige Tätigkeit aufnahm, in welcher Form auch immer, sich im Allgemeinen ihre kognitiven Funktionen verbesserten und sich der kognitive Verfall verlangsamte. Wenn sie diese Tätigkeit aufgab, hatte das den gegenteiligen Effekt.
Auch Veränderungen im Zeitaufwand spielten eine Rolle. Bei Personen, die eine helfende Aktivität begannen, verbesserte ein steigender Zeitaufwand die kognitiven Funktionen.
Bei Personen, die etwas weniger Zeit für ihre Aktivität aufwendeten, ohne mit ihr aufzuhören, zeigten sich keine negativen Auswirkungen. Negative kognitive Veränderungen waren jedoch in den Fällen ersichtlich, in denen die Probanden die Zeit für formelle Freiwilligenarbeit drastisch, das heißt von mehr als 200 Stunden pro Jahr auf 1 bis 99 Stunden, reduzierten.

Konstantes Engagement und bequeme Zeiteinteilung wichtig

Beharrlichkeit war laut den Untersuchungen besonders wichtig. Teilnehmer, die sich unaufhörlich ehrenamtlich engagierten, verzeichneten einen kumulativen Nutzen. Ihre kognitiven Funktionen hatten eine „um etwa 15 bis 20 Prozent niedrigere Abnahmerate, abhängig von der Art der Tätigkeit und dem Umfang des Zeitaufwands“, sagte der Alterswissenschaftler Sae Hwang Han, Hauptautor der Studie, gegenüber Epoch Times.
Dabei war mehr aber nicht immer besser. Die größten kognitiven Gewinne traten auf, wenn die Probanden einen angenehmen Zeitaufwand beibehielten. Laut der Studie war ein moderates Maß an Engagement – etwa 2 bis 4 Stunden pro Woche – durchweg mit robusten kognitiven Gewinnen verbunden.
Bemerkenswert ist, dass diese kognitiven Trends auch dann anhielten, nachdem die Forscher andere mögliche Erklärungen wie demografische, soziale und gesundheitliche Merkmale ausgeschlossen hatten. Das deutet darauf hin, dass die Vorteile tatsächlich mit der helfenden Aktivität selbst zusammenhingen.
„In meiner laufenden Arbeit finden wir Hinweise darauf, dass Helfen den beschleunigten kognitiven Verfall, der mit dem genetischen Risiko für Alzheimer verbunden ist, abmildern kann. Das weist darauf hin, dass es selbst bei Hochrisikogruppen als schützender Lebensstilfaktor wirken könnte“, sagte Han.

Wie Helfen hilft

Anderen zu helfen, sei es durch ehrenamtliche Arbeit oder informelle Hilfe, bietet ein sinnvolles gemeinnütziges Engagement. Es unterscheidet sich damit von anderen das Gehirn anregenden Aktivitäten, die man allein machen kann, wie Lesen und Rätseln.
„Es ist nicht nur kognitiv anregend, sondern beinhaltet auch menschliche Interaktion in Echtzeit, emotionalen Austausch und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit – alles Elemente, die zusammenwirken, um die kognitive Gesundheit zu fördern“, meinte der Alterswissenschaftler.
Aus neurobiologischer Sicht können helfende Verhaltensweisen miteinander verbundene Systeme aktivieren. Dazu gehören unter anderem 
  • die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, das Stresshormonsystem zur Stressregulation
  • das sympathische Nervensystem, das den Körper bei Stress und Gefahr auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorbereitet und dabei hilft, das innere Gleichgewicht aufrechtzuerhalten
  • das Immunsystem, das vor Krankheiten und Entzündungen schützt
Werden diese Systeme aktiviert, unterstützt dies sowohl die kognitive als auch die körperliche Gesundheit.
Das stellte Han bereits in seinen früheren Forschungen fest. Ihm zufolge kann ehrenamtliches Engagement chronischen Stress ausgleichen, Entzündungen reduzieren, die Herzgesundheit fördern und den körperlichen Verfall verlangsamen.

Nachhaltiges Helfen: Wie man anfängt

Menschen, die anfangen möchten, anderen zu helfen, stehen möglicherweise vor Herausforderungen wie langen Arbeitszeiten und Arbeitswegen sowie Verpflichtungen zu Hause. Das alles macht es schwierig, noch etwas zusätzlich auf sich zu nehmen.
„Ich würde den Menschen raten, klein anzufangen und Formen der Hilfe zu wählen, die sinnvolle zwischenmenschliche Interaktion beinhalten und zudem nachhaltig sind“, sagte Han.
Es gehe weniger um die zeitliche Struktur als vielmehr um ein beständiges Engagement über einen längeren Zeitraum hinweg, erklärte er. Daher könne es für viel beschäftigte Personen eine durchaus vernünftige und wirksame Strategie sein, alle ein bis zwei Wochen einen Nachmittag am Wochenende dafür zu opfern, so der Alterswissenschaftler.
Für ältere Personen können körperliche Einschränkungen zusätzliche Herausforderungen bei der Hilfe für andere darstellen. Han zufolge muss Helfen jedoch nicht körperlich anstrengend sein.
„Aktivitäten wie Mentoring, Nachhilfe und das Sehen nach anderen Menschen können sozial sehr bedeutsam sein“, sagte er.
Ob es darum geht, junge Menschen zu betreuen, in einer örtlichen Bibliothek auszuhelfen oder an einer Reinigungsaktion im Stadtteil teilzunehmen – anderen zu helfen, bietet mehr als nur ein befriedigendes Gefühl. Es kann langfristig dazu beitragen, das Gehirn zu schützen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Helping Others May Slow Brain Aging“. (redaktionelle Bearbeitung: as)