Laut Miller weisen Heranwachsende, die ein spirituelles Fundament haben – also eine Beziehung über sie selbst hinaus zu etwas Größerem – nach Traumata eine schnellere Genesung auf. - Foto: yaruta/iStock
„Im Jahr 1994 begann ich, in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses in New York zu arbeiten. Jugendliche, die Traumata wie die Scheidung der Eltern oder den Tod eines Elternteils erlebt hatten, kamen in meine Klinik. Sie fühlten, dass ihre Welt zertrümmert war, oder litten unter Problemen wie Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Angstzuständen und Selbstmordgedanken“, sagte Lisa Miller, Professorin für klinische Psychologie an der Columbia University, in einem Interview.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten führte Miller umfangreiche Forschungen durch, die in renommierten Psychologie- und Psychiatrie-Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.
„An einem Punkt begann ich, ein interessantes Phänomen zu bemerken, das ich nicht zu erklären wusste – dass Heranwachsende und Jugendliche, die ein spirituelles Fundament hatten, eine Beziehung zu etwas Größerem als sie selbst, eine schnellere Genesung aufwiesen als diejenigen, denen dieselbe Verbindung fehlte“, stellte sie fest. „Aber im Jahr 1994 gab es nicht eine einzige wissenschaftlich begutachtete Studie zum Thema Spiritualität bei Jugendlichen und Teenagern.“
Dina Gordon: War ihre Spiritualität mit religiösem Glauben verbunden?
Lisa Miller: Nicht notwendigerweise. Ihre Spiritualität war verbunden mit einem persönlichen, inneren Gefühl der Wertschätzung und Anerkennung einer höheren Macht, die den Menschen transzendiert. Dies ist eine Kraft, die sich für verschiedene Menschen auf unterschiedliche Weise manifestieren kann. Es kann der Schöpfer der Welt sein, ein göttliches Wesen, die Natur, das Universum und mehr. Manche Menschen wenden sich an Gott, wenn sie auf Schwierigkeiten stoßen; andere meditieren, gehen in der Natur spazieren oder fragen, was die höhere Macht von ihnen will.
Metaphorisch gesprochen, durchschritten die von mir beobachteten Jugendlichen einen ‚Tunnel der Dunkelheit‘ voller schwerer Probleme, denen sie gegenüberstanden, und am anderen Ende des Tunnels fanden sie Licht. Sie gelangten zu einem tiefen spirituellen Verständnis.
Lisa Miller, Professorin für Psychologie und Pädagogik an der Columbia University.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Nina Subin
Einen Weg aus dem Tunnel finden
Gordon: Geben Sie mir ein Beispiel.
Miller: Ein 13-jähriges Mädchen namens Iliana (ein Pseudonym) ist eines der bemerkenswertesten Beispiele, denen ich begegnet bin. Ihr Vater besaß einen Feinkostladen. Eines Tages raubten zwei seiner Bekannten ihn aus und ermordeten ihn.
Iliana war ihrem Vater sehr nahe gewesen und verfiel in eine tiefe Depression. Sie vernachlässigte ihr Studium, weinte unaufhörlich und schloss sich vollkommen ab. Sie kam zu Sitzungen in die Klinik, kommunizierte aber nicht mit mir; sie saß nur zusammengekrümmt da, mit ausdruckslosen Augen, vollkommen in sich gekehrt.
Viele Monate lang halfen die akzeptiertesten psychologischen Behandlungsmethoden der damaligen Zeit – kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und interpersonelle Psychotherapie – ihr nicht, den Tunnel der Depression zu durchschreiten, und sie begann weiter zu schwinden.
Dann, eines Tages, kam sie mit einem Funkeln in den Augen und einem breiten Lächeln zu einer Sitzung. ‚Rate mal, was passiert ist‘, sagte sie aufgeregt. Sie berichtete, dass sie in der Schule einen freundlichen und sehr sanften, rücksichtsvollen Jungen getroffen habe, der ihr Herz wahrhaftig berührt habe. Der aufregendste Teil, soweit es Iliana betraf, war der ungewöhnliche und seltene Name des Jungen. Er hieß ‚Horatio‘ – was auch der Name ihres Vaters war.
‚Siehst du‘, sagte sie. ‚Der Junge, den ich getroffen habe, hat denselben Namen wie mein Vater. Das ist ein Zeichen. Mein Vater hat ihn mir geschickt; es ist ein Zeichen, dass er immer noch über mich wacht.‘
Von diesem Tag an verbesserte sich Ilianas Zustand rapide und sie trat aus ihrer Depression heraus. Miller schrieb in ihrem Buch, dass Iliana ihre Perspektive ganz aus eigenem Antrieb heraus änderte.
Sie gelangte laut Miller zu der Erkenntnis, dass es in den schlimmsten und dunkelsten Momenten, in Zeiten von Schmerz und Trauer, eine höhere Macht gebe, die es ihr ermöglicht habe, Licht und Liebe zu empfangen.
Bestimmung inmitten der Natur gefunden
Miller bot ein weiteres Beispiel. Da war ein junger Mann, der Arzt werden wollte und sich gegen Ende der Highschool bei sechs medizinischen Fakultäten bewarb.
Miller: Er wurde von allen abgelehnt, und wurde depressiv. Er fühlte sich wie ein Versager. Er fühlte, er würde niemals erfolgreich sein, da er niemals ein Arzt wie sein Vater und seine Mutter sein würde. Eines Tages, als er im Wald spazieren ging, sah er ein strahlendes Licht, das durch die Bäume schien, und fühlte eine tiefe Einheit mit der Natur. Dieses Licht transformierte sein Denken; er spürte plötzlich die Anwesenheit einer höheren Macht der Liebe und Unterstützung.
Er sagte: ‚In diesem Moment verstand und wusste ich, dass Gott einen Plan für mich hat, dass ich vielleicht kein Arzt wie meine Eltern sein werde, aber ich werde ein Heiler sein, auf die Art, die Gott für mich vorgesehen hat.‘
Ein zusätzliches Beispiel ist das einer jungen Frau, die kurz davor stand, ihren Highschool-Schatz zu heiraten. Sie waren drei Jahre zusammen gewesen und der junge Mann hatte ihr versprochen, dass sie heiraten würden. Eine Woche vor dem Abschluss machte er mit ihr Schluss, und sie verfiel in eine Depressionen.
Sie sagte zu mir, er habe ihr das Herz gebrochen. Sie sagte, sie fühle sich hässlich, der Liebe unwürdig, nicht gut genug. Aber später, als sie in der Synagoge neben ihren Eltern und Großeltern saß und jeder plötzlich auf sie sah, fühlte sie sich von deren Liebe umgeben. Und durch diese Liebe fühlte sie Gottes Liebe und verstand, dass sie nicht allein war.
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Forschung mit Kindern
Wie Miller sagte, habe es, als sie ihre Karriere als klinische Psychologin begonnen hatte, bereits wissenschaftliche Beweise für die positiven Effekte von Spiritualität bei Erwachsenen gegeben. Dazu gehörten Dinge wie höhere Genesungsraten von Krankheiten, niedrigere Raten von Depression und Sucht, sowie ein längeres Leben. Aber es habe nicht eine einzige wissenschaftliche Studie über die positiven Effekte von Spiritualität bei Kindern, Jugendlichen und Teenagern gegeben.
Und so begann sie, zusammen mit anderen Forschern, die Effekte von Spiritualität zu untersuchen, wenn es darum ging, Probleme zu lösen, die häufig bei Jugendlichen und Teenagern vorkommen.
Ihre wissenschaftlich begutachteten Studien fanden heraus, dass ein starker spiritueller Kern einen signifikanten Schutz für Jugendliche bietet, mit einem ungefähr 80-prozentig verringerten Risiko, eine Drogenabhängigkeit zu entwickeln, einem etwa 70 Prozent niedrigeren Risiko für Mädchen, sich auf beiläufige sexuelle Aktivitäten einzulassen, und einer 43-prozentigen Reduktion der Wahrscheinlichkeit von Depressionen bei heranwachsenden Mädchen.
Gordon: Woher wissen Sie, dass es die Spiritualität war, die diesen Jugendlichen geholfen hat, und nicht Charaktereigenschaften wie Selbstvertrauen oder Werte, die sie zu Hause lernten?
Miller: In Studien dieser Art wird der Grad der Spiritualität der Probanden gemessen und Charaktereigenschaften wie Entschlossenheit, Willenskraft, Großzügigkeit, Optimismus und emotionale Belastbarkeit werden untersucht. Es zeigte sich, dass Spiritualität einen größeren Einfluss hatte als jede andere Charaktereigenschaft.
Wir sahen, dass Jugendliche ohne ein solides spirituelles Fundament dazu neigten, sich mehr nach ihren äußeren Leistungen, bestimmten Fähigkeiten, die sie besitzen, oder nach ihrem physischen Erscheinungsbild zu beurteilen. Sie haben eine stärkere Tendenz, sich selbst als eine Ansammlung separater Teile zu sehen, von denen sie einige mögen und einige nicht.
Zum Beispiel: ‚Ich bin gut in Mathe, ich bin nicht gut im Sport, ich habe Pickel, ich bin nicht beliebt, ich habe es nicht aufs College geschafft, andere sind erfolgreicher als ich.‘ Selbstbeurteilung, Vergleich mit anderen und ständiger Wettbewerb können das Leben für Jugendliche sehr schwer machen.
Im Gegensatz dazu sehen sich Jugendliche mit einem soliden spirituellen Fundament als ein Ganzes, als eine Seele mit einem bestimmten Sinn im Leben. Daher ist ihre gesamte Weltanschauung anders.
Sie mögen denken: ‚Alle Fähigkeiten, die ich habe, sind Geschenke, und durch sie muss ich den Zweck erfüllen, für den ich hier bin.‘ Die Aufgabe mag sein, anderen menschlichen Wesen zu dienen oder Gott zu dienen. Dies spiegelt sich darin wider, die Sichtweise zu haben, dass ein schwieriger Tag nur ein schwieriger Tag ist oder ein schwieriger Beginn in Richtung eines höheren Ziels.
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Ist Spiritualität angeboren?
Millers Forschung wurde teilweise durch die bahnbrechende Arbeit von Kenneth Kendler, einem Psychiater und Genetikforscher, inspiriert. Im Jahr 1997 veröffentlichten Kendler und seine Kollegen eine breite Studie, die 1.902 eineiige und zweieiige Zwillinge untersuchte.
Diese waren im Durchschnitt 30 Jahre alt. Einige von ihnen waren zusammen und einige getrennt aufgewachsen. Eine der revolutionären Schlussfolgerungen seiner Forschung war: Spiritualität ist eine angeborene Eigenschaft, die durch Vererbung weitergegeben wird.
Gordon: Wie kann man bestimmen, dass Spiritualität eine angeborene Eigenschaft ist?
Miller: Wenn man eineiige Zwillinge, die zusammen aufgewachsen sind, mit Zwillingen vergleicht, die getrennt aufgewachsen sind, kann man bestimmen, zu welchem Grad eine bestimmte Eigenschaft angeboren oder ein Ergebnis von Umwelteinflüssen ist.
Zum Beispiel wurde herausgefunden, dass der IQ zu ungefähr 60 Prozent eine angeborene Eigenschaft ist und zu 40 Prozent von der Umwelt abhängt, während Temperamente wie Introvertiertheit oder Extrovertiertheit zu 50 Prozent vererbt und zu 50 Prozent von der Umwelt abhängen. In Kendlers Studie wurden Zwillinge über den Grad religiösen und/oder spirituellen Glaubens in der Umgebung, in der sie aufgewachsen waren, befragt, und nach statistischen Berechnungen wurde herausgefunden, dass jeder Mensch bei der Geburt ungefähr 29 Prozent Spiritualität besitzt.
Zusätzliche Studien, die an Zwillingen durchgeführt wurden, produzierten ähnliche Ergebnisse.
Die Bedeutung der Forschung sei, erklärte Miller, dass die Art und Weise, in der sich Spiritualität im Leben einer Person entwickeln werde, oder ob sie überhaupt ausgedrückt werde, zu ungefähr 70 Prozent von der Umwelt abhänge. Dazu zählten die Eltern, die erweiterte Familie, das, was in der Schule gelehrt werde, die Gemeinschaft, die allgemeine Kultur und die Freunde, mit denen man verkehre.
Miller: Da nur ungefähr ein Drittel der spirituellen Eigenschaft angeboren ist und ungefähr zwei Drittel von der Umwelt abhängen, haben die ersten zwei Jahrzehnte des Lebens einer Person einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und Kultivierung von Spiritualität.
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Spiritualität und religiöser Glaube
Kendlers Forschung kam zu einer weiteren Schlussfolgerung: Spiritualität und religiöser Glaube sind zwei unterschiedliche Begriffskomplexe. Spiritualität ist das Gefühl einer persönlichen Verbindung zu Gott, zur Natur oder einer anderen höheren Macht.
Demgegenüber sei der Grad, in dem eine Person einer bestimmten Religion anhänge, eine separate Erfahrung. Kendler fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Spiritualität und religiösem Glauben. Manche Menschen sind sehr spirituell und zutiefst religiös, andere sind sehr spirituell ohne religiösen Glauben.
Miller stellte zudem fest, dass „Spiritualität einen starken Schutz vor Drogenkonsum bieten kann, während eine strenge Einhaltung [religiöser Vorschriften] ohne das Gefühl einer heiligen Verbindung den Drogenkonsum nicht verhindert.“
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Gordon: Wenn Eltern die Spiritualität ihrer Kinder vernachlässigt haben, lässt sich diese Lücke dann im Jugendalter noch schließen?
Miller: Ja, das ist möglich. Der Grund ist, dass die Adoleszenz ein Alter spirituellen Erwachens ist. Wenn die Adoleszenz in der Vergangenheit nur als eine turbulente Übergangsphase angesehen wurde, die in Richtung sexueller, physischer, mentaler und emotionaler Reife führt, wird sie jetzt auch als ein spirituelles Erwachen, Suchen und Wachsen verstanden.
In diesem Alter tauchen zum ersten Mal existenzielle Fragen auf: Was ist der Sinn des Lebens, was ist meine Rolle in der Welt, wer bin ich als ein separates Wesen, und mehr. Diese erhöhte spirituelle Wachheit, die das Suchen, Überlegen und den Zweifel mit sich bringt, bietet Eltern die Chance, ihre Jugendlichen bei der Entwicklung und Stärkung ihres spirituellen Kerns zu unterstützen.
Dieses spirituelle Erwachen während der Adoleszenz ist universell. In Interviews, die mit 6.725 Jugendlichen aus acht Ländern durchgeführt wurden, unter anderen aus den Vereinigten Staaten, Australien, Indien und Kamerun, fanden Forscher tendenziell ein wachsendes Interesse an Spiritualität, ungeachtet der Religion oder des Landes, in dem die Jugendlichen lebten.
Miller: Ein solches spirituelles Erwachen tritt wieder in der Lebensmitte auf, ungefähr im Alter von 45 Jahren, wenn man im Rückblick zur Selbstprüfung ansetzt: ‚Habe ich meine Rolle in der Welt bisher gut erfüllt?‘, ‚Bin ich ein guter Vater/Mutter?‘, ‚Habe ich regen Gebrauch von den Geschenken gemacht, die ich von Gott erhalten habe?‘ und so weiter. Gegen Ende des Lebens, vielleicht in den späten 70ern, findet ein weiteres spirituelles Erwachen statt.
Wenn ein Kind die Adoleszenz erreicht, während seine Eltern in der Lebensmitte sind und sich ebenfalls in einer Phase erhöhten spirituellen Erwachens befinden, können sie sich gemeinsam auf eine Reise spiritueller Ermächtigung begeben – um die Fragen zu diskutieren, die aufkommen, und zu verstehen, dass dies letztendlich eine sehr persönliche Reise ist und jede Person ihren eigenen Weg geht.
Falun-Dafa-Praktizierende führen am 13. Mai 2015 im Rahmen der Feierlichkeiten zum Welt-Falun-Dafa-Tag auf dem Times Square in New York City Falun-Dafa-Übungen durch.
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Spiritualität bei Kindern fördern
Gordon: Wir haben über die Bedeutung von Spiritualität gesprochen, wie sie in Ihrer Forschungsarbeit deutlich wird. Wie kann sie bei Kindern kultiviert werden, sodass sie widerstandsfähig gegen die Stürme der Adoleszenz sind?
Miller: Es gibt mehrere Arten, sie zu kultivieren, und alle von ihnen sind sehr wichtig. Erstens müssen Eltern ihre spirituellen Erfahrungen in ihrem täglichen Verhalten ausdrücken. Es ist wichtig, Kindern von einem jungen Alter an zu zeigen, dass Spiritualität ein Teil des Lebens ist und dass es eine spirituelle Realität gibt.
Zum Beispiel, als meine Mutter Schabbatkerzen anzündete, überstürzte sie das Ritual nicht und murmelte das Gebet nicht einfach, um eine Verpflichtung zu erfüllen. Nach all den hektischen Vorbereitungen für den Schabbat schaltete sie um auf einen sehr langsamen, ruhigen Modus, zündete die Kerzen an und rezitierte das Gebet mit voller Inbrunst und einem gefühlvollen Herzen. Tränen der Dankbarkeit benetzten ihre Wangen, als sie Gott dankte, der in ihrem Leben gegenwärtig war und ihr alles gegeben hatte, was sie besaß. Ihr ganzes Wesen strahlte die spirituelle Erfahrung aus, die sie empfand.
Miller: Gleichermaßen können Eltern ihre Kinder einladen, sich ihnen anzuschließen, indem sie Anerkennung und Wertschätzung der höheren Macht in ihrem Leben zum Ausdruck bringen.
Zum Beispiel, indem sie ihre Kinder einladen, an Gebet, Meditation oder einem ruhigen Spaziergang in der Natur teilzunehmen, oder an einer anderen spirituellen Praxis, die in ihrem Leben präsent ist. Ein komplementärer Aspekt ist, wie sie andere menschliche Wesen behandeln, indem sie Liebe oder Mitgefühl ihnen gegenüber durch Hilfe und Rücksicht ausdrücken.
Etwa, indem sie für einen Nachbarn kochen, der sich schwierigen medizinischen Behandlungen unterzieht, oder in einem Pflegeheim freiwillig arbeiten. Es ist wichtig für Eltern, ihren Kindern zu erklären, wie diese Handlungen ein Ausdruck von Anerkennung und Wertschätzung der höheren Macht in ihrem Leben sind.
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Miller: Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Eltern ihren Kindern erzählen, wie Spiritualität in ihrem eigenen Leben präsent ist. Erklären Sie, dass der Pfad zur Entdeckung von Spiritualität eine Reise ist und die Jugendlichen ihre eigene Reise machen könnten.
Auf jener Reise mag es Höhen und Tiefen, Kämpfe und Zweifel, Erfolge und Misserfolge geben. Aber sie werden niemals allein sein; es wird immer eine Präsenz einer höheren Macht geben, selbst wenn sie sich zu manchen Zeiten wirklich isoliert fühlen.
Und schließlich erwähnt Miller eine Studie, die herausfand, dass bedingungslose Liebe und Akzeptanz Kindern hilft, ihre eigene Spiritualität zu entwickeln und zu kultivieren.
Miller: Es ist an der Zeit, dass die Psychologie die Spiritualität als eine zentrale Komponente im Leben von Jugendlichen behandelt.
Kein äußerer Erfolg kann mit der Wichtigkeit spirituellen Erwachens während der Adoleszenz verglichen werden, weil dieses Erwachen den inneren Kompass baut, unsere angeborene Kapazität zur Verbindung mit einer höheren Macht durch das Leben hindurch stärkt und Jugendliche während einer turbulenten Periode in ihrem Leben schützt – einer Periode, in der es eine größere Chance für Selbstmord oder das Verfallen in Depressionen gibt, als von einem Auto angefahren zu werden oder COVID-19 zu bekommen.
Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann sind durch eine Leihmutterschaft in den USA Eltern geworden. Dies löste in Deutschland eine Kontroverse zum Thema Ersatzmutterschaft aus. Hierzulande ist sie verboten.
Darüber, was kontrovers diskutiert wird und was aus ethischer und rechtlicher Sicht problematisch ist, haben wir mit Cornelia Kaminski, der Bundesvorsitzenden der Aktion Leben…
Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mädchens feststellen. (Symbolbild) - Foto: Lino Mirgeler/dpa
Ein Familienhund hat ein vier Jahre altes Mädchen in der Gemeinde Osternienburger Land beim Spielen angegriffen und tödlich verletzt. Der American Stafford habe das Mädchen gebissen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Das Tier habe der Familie gehört.
Als der Hund das Mädchen angriff, hätten mehrere Personen versucht, das Tier von dem Kind zu trennen, hieß es. Dennoch habe die Vierjährige schwerste Verletzungen erlitten.
Ein Notarzt konnte den Angaben nach vor Ort nur noch den Tod des Kindes feststellen. Der Vorfall ereignete sich demnach am Mittwochnachmittag.
Ermittlungen gegen die Mutter und einen Bekannten
Nach dem Vorfall seien Ermittlungen gegen die 32 Jahre alte Mutter und einen 30 Jahre alten Bekannten der Familie wegen fahrlässiger Tötung zur Aufklärung des Geschehens eingeleitet worden. Sie dauerten derzeit noch an, so Polizei und Staatsanwaltschaft.
Notfallseelsorger kümmerten sich laut Polizei um die Mutter des Mädchens. Beamte der Polizei seien von einem Kriseninterventionsteam betreut worden.
Weitere Angaben dazu, wie es zu dem Vorfall kam, machten Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Der Hund wurde nach dem Vorfall in ein Tierheim gebracht, wie es hieß. (dpa/red)
Studien zur kindlichen Entwicklung legen nahe, dass regelmäßiger Kontakt mit Tieren Empathie, Verantwortungsbewusstsein und die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern fördern kann. - Foto: FamVeld/iStock
Kürzlich hatte ich ein herzzerreißendes Erlebnis als Vater: Ich musste meiner 3-jährigen Tochter eine sehr schlechte Nachricht überbringen. Mit schleppenden Schritten, wie ein Mann mit Fesseln an den Knöcheln, ging ich langsam in das Gartenzimmer, in dem meine Tochter spielte.
Ich rief den Namen meiner Tochter. Wir setzten uns zusammen auf die Couch, und ich fasste all meinen Mut zusammen und sagte: „Schatz, Daisy ist letzte Nacht gestorben.“ Es dauerte ein paar Sekunden, bis meine Tochter realisierte, was ich gesagt hatte, nämlich, dass unser Familienhund nicht mehr da war. Sie fiel mir in die Arme, löste sich in Tränen auf und wimmerte: „Ich will meinen Hund zurück, ich will sie zurück.“
Einige Minuten vor diesem Gespräch war meine Frau mit besorgtem Blick in mein Arbeitszimmer gekommen und hatte mir erzählt, dass Daisy draußen im Garten liege und sich nicht bewege. Ich ging nachsehen. Sie lag nicht weit von der Tür entfernt im Schnee am Fuße eines kleinen Hügels. Ihr warmes, nussbraunes Fell hob sich stark vom Weiß ab. Ich wusste, ohne sie zu berühren, dass sie tot war.
Ich bückte mich und strich mit den Fingern über ihr glänzendes Fell, das sich noch genauso weich anfühlte wie immer. Sie war nicht verletzt worden, und sie war auch nicht krank gewesen. Sie war einfach alt geworden und eines Morgens kam ihr müder Körper schließlich zur Ruhe, aus der er nie wieder erwachte.
Haustiere haben die Tendenz, sich in unser Leben und unsere Herzen vorzuarbeiten, ohne dass wir es wirklich bemerken. Daisy war ein Hund für draußen, spielte aber dennoch eine große Rolle in unserer Familie und begrüßte uns stets mit der unerschütterlichen Fröhlichkeit und Freude, die nur Hunde besitzen.
Sie liebte es, uns auf Spaziergängen zu begleiten oder neben der Schaukel zu sitzen, während meine Tochter spielte. Sie jagte für ihr Leben gern Tiere – besonders unsere armen, verdutzten Schafe.
Hunde fügen sich nahtlos in den Alltag der Menschen ein, zufrieden damit, einfach in unserer Nähe zu sein und uns zu begleiten. Sie verlangen wenig und geben viel.
Meine Frau und ich waren traurig über den Verlust von Daisy, doch diese Trauer wurde noch verstärkt, als wir unsere Tochter weinen sahen.
Für mich gehören Hunde einfach zur Kindheit dazu. Ich bin mit Hunden aufgewachsen und wünsche mir das Gleiche für meine Kinder. Das hat natürlich seinen Preis – einen Preis, den ich selbst hautnah miterleben musste.
Gleichzeitig war dies eine Gelegenheit für mein Mädchen, innerlich zu wachsen. Die Erfahrung, die Kinder beim Verlust ihres Haustieres machen, bringt ihnen das Geheimnis des Todes in einem übergeordneten Sinne näher. Der Kreislauf des Lebens in der Tierwelt spiegelt auch den Kreislauf des Lebens in der Menschenwelt wider.
Ich freue mich, berichten zu können, dass sich meine Tochter schnell vom Verlust von Daisy erholt hat. Sie spricht bereits davon, dass sie einen neuen Hund möchte. Ich denke, dass wir einen bekommen werden. Es gibt eine Reihe von Gründen, die ich so intuitiv begreife, dass ich sie nie wirklich durchdacht und artikuliert habe. Die Notwendigkeit eines Hundes scheint mir eine der unhinterfragbaren, ursprünglichen Wahrheiten der Welt zu sein.
Ein Bindeglied zwischen Mensch und Natur
Um mit den unsterblichen Worten des englischen Schriftstellers G. K. Chesterton aus seinem Essay „On Keeping a Dog“ zu sprechen: „Irgendwie hat dieses Geschöpf mein Mannsein vervollständigt; irgendwie – ich kann nicht erklären, warum – sollte ein Mann einen Hund haben. Ein Mann sollte sechs Beine haben; jene anderen vier Beine sind ein Teil von ihm. Unser Bündnis ist älter als all die flüchtigen und besserwisserischen Erklärungen, die man über uns beide abgegeben hat. Bevor es die Evolution gab, gab es uns.“
Lassen Sie mich genauer ausführen, warum Familien Hunde haben sollten.
Für viele Kinder bieten frühe Beziehungen zu Haustieren eine der ersten Möglichkeiten, Zuneigung, Fürsorge und emotionale Bindung gemeinsam mit Eltern und Geschwistern zu erleben.
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Hunde sind ein wesentliches Bindeglied zwischen Mensch und Natur. Einen Hund um sich zu haben, hat einen erdenden Effekt. Dieser erdende Effekt ist schwer zu beschreiben, aber Hundebesitzer werden wissen, was ich meine.
Er bezieht sich auf die einfache Direktheit, die Aufrichtigkeit und den Enthusiasmus der Hundenatur. Hunde sind im wahrsten Sinne des Wortes bodenständig. Sie helfen uns, den gesunden Menschenverstand und die einfachen Dinge des Alltags nicht aus den Augen zu verlieren. Und sie helfen uns, mit der Natur verbunden zu bleiben.
Ich bin sicherlich nicht der Erste, der über die Loyalität eines Hundes schreibt, aber das Thema verdient eine gewisse Wiederholung. An regnerischen und an sonnigen Tagen sind sie da – am Fußende Ihres Bettes oder wartend vor Ihrer Tür, sanft mit ihren Schwänzen wedelnd. Sie bieten stetige, verlässliche Gefährtenschaft und bleiben unbeeindruckt von Wolken, Regen, Politik oder was auch immer sonst vor sich geht.
Da sie so unkomplizierte Wesen sind, neigen sie dazu, sich an den Menschen zu binden, der „ihr“ Mensch ist. Ihrer Zuneigung fehlt es völlig an Verurteilung, und unsere Fehler schmälern ihre Anhänglichkeit selten. Ob Sie gut aussehen oder nicht, gesund sind oder nicht, intelligent sind oder nicht – es spielt keine Rolle: Ihr Hund liebt Sie genauso. Vielleicht ist es diese bedingungslose Zuneigung, die uns so sehr für sie einnimmt – und uns wichtige Lektionen lehrt.
Hunde sind besonders wichtig für Kinder. Durch einen Hund können sie auf sichere und vertraute Weise mit der faszinierenden Tierwelt in Kontakt treten. Sie lernen außerdem, Verantwortung zu übernehmen und wie man für ein anderes Geschöpf sorgt. Sie entdecken die Freude, die sich aus dieser treuen Fürsorge ergibt.
Am wichtigsten ist vielleicht, dass die Interaktion mit Hunden in prägenden Phasen dabei hilft, Zuneigung und Bindung zu entwickeln, wie die Fülle an Literatur über Jungen und Mädchen und ihre Hunde zeigt. Der Pädagoge John Senior sah die Verbindung zu Tieren als notwendigen Bestandteil der kindlichen Entwicklung hin zu tiefergehenden Formen der Liebe.
Wie Francis Bethel in „John Senior and the Restoration of Realism“ (John Senior und die Wiederherstellung des Realismus) darlegte, schrieb Senior aus der Perspektive eines Jungen, dass „Liebe in fünf aufeinander aufbauenden (nicht voneinander unabhängigen) Stufen wächst, die jeweils durch ihr Objekt definiert sind: Eltern, Tiere, Jungen, Mädchen und Gott.“ Aus dieser Sicht ist der Besitz eines Hundes ein wesentlicher Bestandteil der kindlichen Erziehung.
Zeit im Freien mit Tieren zu verbringen, kann das Naturverbundenheitsgefühl eines Kindes stärken.
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Es gibt wahrscheinlich keine tiefgreifendere Beziehung zu anderen Tierarten als die zwischen Hund und Mensch. Hunde „verstehen“ uns auf eine Weise, wie es andere Tiere nicht tun.
Wie Chesterton schrieb: „Mein Hund weiß, dass ich ein Mann bin, und Sie werden die Bedeutung dieses Wortes in keinem Buch so deutlich geschrieben finden, wie sie in seiner Seele geschrieben steht.“ Auf eine komische und doch wahre Weise sehen wir uns in unseren hündischen Gefährten widergespiegelt. Unsere Identitäten sind durch sie klarer.
Tun Sie sich also selbst einen Gefallen: Holen Sie sich einen Hund. Dann werden Sie eines Abends nach einem langen Arbeitstag müde, erschöpft und deprimiert nach Hause kommen. Doch Ihr Zuhause wird sich noch mehr wie ein Zuhause und ein Zufluchtsort anfühlen, wenn Sie eintreten und ein vierbeiniger Freund Ihnen mit seinem Schwanz wedelnd einen Gruß entgegenbringt. Für ihn ist es der Höhepunkt des Tages – und vielleicht auch für Sie …