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Die Ritterlichkeit zurückbringen: Wie man im 21. Jahrhundert einen Gentleman großzieht

Fragt man einen männlichen Teenager: „Was ist ein Gentleman?“, werden die Antworten vermutlich in die bekannte Richtung gehen. „Das ist ein alter Mann, der einen Anzug trägt und einen Spazierstock bei sich hat.“ – „Das ist ein Mann, der Damen die Tür aufhält.“ – „Das ist jemand mit guten Manieren.“ Manche werden vielleicht auch einfach mit den Schultern zucken und mit „Keine Ahnung“ antworten.
Unterdessen beklagen viele Erwachsene das Ende des Gentlemans. Oder sie betrachten ihn bestenfalls als vom Aussterben bedrohte Spezies. Als Beweis führen sie das grobe Verhalten und die Ratschläge bestimmter Influencer der „Manosphere“ in den sozialen Medien an. Sie verweisen auch auf die mangelnden Tischmanieren, die in so vielen Restaurants zu beobachten sind. Und sie verweisen auf die Klagen zahlreicher Frauen, die nach Liebe, Beziehung und Ehe suchen.
Die Teenager offenbaren ihre Unwissenheit. Die Kritiker decken die Probleme auf. Doch selten bieten sie ein Heilmittel für den angeschlagenen Status des Gentlemans im 21. Jahrhundert an.
Das Heilmittel ist in beiden Fällen Erziehung. Kein Junge wird als Gentleman geboren. Man muss ihm zeigen, was das bedeutet. Es geht um viel mehr, als einer älteren Dame im Café die Tür aufzuhalten. Man muss ihm erklären, warum dieses Verhalten ihn zu einem besseren Menschen macht und die Welt zu einem besseren Ort.

Manieren machen Männer

„Höflichkeit ist ebenso ein Kennzeichen des Gentlemans wie Mut.“
Diese Bemerkung, die Präsident Theodore Roosevelt zugeschrieben wird, deckt mehr ab, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Höflichkeit und gutes Benehmen sind die äußeren Zeichen der Ritterlichkeit, während sich unter der Oberfläche dieses Anstands die Tugenden verbergen.
Betrachten wir zunächst diese äußeren Zeichen.
Ob wir nun Bücher wie „As a Gentleman Would Say“ (zu Deutsch: Wie ein Gentleman sagen würde) oder Websites wie „The Art of Manliness“ (zu Deutsch: Die Kunst der Männlichkeit) durchstöbern, wir finden immer die gleichen grundlegenden Ratschläge zur Höflichkeit im Alltag. Ein Großteil dieser Ratschläge ähnelt tatsächlich denen, die man bereits vor einem Jahrhundert in Büchern fand.
So verweisen uns Brett und Kate McKay von „The Art of Manliness“ beispielsweise auf „Hill’s Manual of Social and Business Forms“ (zu Deutsch: Hill’s Handbuch für gesellschaftliche und geschäftliche Umgangsformen). Ein Abschnitt des im Jahr 1880 erschienenen Werkes trägt den Titel „The Unclassified Laws of Etiquette“ (zu Deutsch: Die ungeschriebenen Regeln der Etikette). Zwar hat die Zeit die Notwendigkeit einiger dieser Regeln überholt, doch viele von ihnen stimmen mit den heutigen Grundregeln für das Verhalten eines Gentlemans überein. Hier einige Beispiele: „Biete einem Kranken, einer älteren Person oder einer Dame stets den bequemsten und besten Platz im Raum an“ und „Sei stets pünktlich zum vereinbarten Termin“.

Mehr als nur Umgangsformen

In seinem Onlinebeitrag „What It Means to Be a Gentleman Today“ (zu Deutsch: Was es heute bedeutet, ein Gentleman zu sein) zählt Sven Raphael Schneider elf Merkmale höflicher Umgangsformen auf. Dazu gehören nicht nur ein gepflegtes Erscheinungsbild und gute Manieren, sondern auch traditionelle Verhaltensweisen. Ein Gentleman beispielsweise „begegnet anderen mit Respekt“ und „geht zunächst vom Guten im Menschen aus“.
Liest man diese Artikel und fasst die Regeln und Empfehlungen zusammen, gelangt man zu einer allgemeinen Definition eines Gentlemans: Er ist jemand, der danach strebt, es seinen Mitmenschen so angenehm wie möglich zu machen, ohne sich dabei von anderen ausnutzen zu lassen. Dies lernen Kinder, wenn sie zu Hause gute Umgangsformen erlernen und diese in der Schule sowie im Freundeskreis üben.
Doch das ist nur eine unvollständige Definition. Genauso wie ein Auto mit polierter Karosserie und glänzenden Scheiben nutzlos ist, wenn der Motor nicht anspringt, so verhält es sich auch mit dem Gentleman. Seine Umgangsformen bedeuten wenig ohne Charakter. Werfen wir also einen Blick unter die Motorhaube.

Der schlimmste Feind des Gentlemans

Der ehemalige US-Präsident Thomas Jefferson schrieb 1814 einen Brief an seinen Freund Thomas Law zum Thema Moral. Darin hieß es: „Selbstliebe ist daher kein Teil der Moral. Tatsächlich ist sie genau ihr Gegenstück. Sie ist der einzige Gegenspieler der Tugend. Sie führt uns durch unsere Neigung zur Selbstbelohnung ständig dazu, unsere moralischen Pflichten gegenüber anderen zu verletzen.“
Die heutige kulturelle Betonung des Individuums, des Eigeninteresses und der Selbstbelohnung geht oft zulasten von Familie und Gemeinschaft. Angesichts dessen sind Jeffersons Worte heute weitaus relevanter als zu der Zeit, in der er sie schrieb. „Sich um die eigene Person kümmern“ ist das Motto vieler Menschen in unserer Zeit.
Wenn extreme Selbstbezogenheit „der einzige Gegenspieler der Tugend“ ist, dann haben diejenigen, die Jungen zu Gentlemen erziehen wollen, alle Hände voll zu tun. Unsere Gesellschaft ist überschwemmt von Influencern – im Internet und anderswo –, die das Ego und das Individuum als oberstes Gut preisen.

Eine tiefere Höflichkeit

Tim Goeglein und Craig Osten sind die Autoren des kürzlich erschienenen Buches „What Really Matters: Restoring a Legacy of Faith, Freedom, and Family“ (zu Deutsch: Was wirklich zählt: Die Wiederherstellung eines Erbes aus Glauben, Freiheit und Familie). In der Einleitung verweist Goeglein auf den radikalen Individualismus des Mottos „Du machst dein Ding“ als eine der größten und zerstörerischsten Kräfte in unserem Land.
Später, im Abschnitt „Restoring the American Male“ (zu Deutsch: Die Wiederbelebung des amerikanischen Mannes), findet sich sein Essay „The Gentleman Gap – What Is Wrong with America’s Sons?“ (zu Deutsch: Die Gentleman-Lücke – Was ist falsch mit Amerikas Söhnen?). Unser Versagen dabei, Jungen zu Gentlemen zu erziehen, schreibt er, „kann auf einen Mangel an hervorragenden männlichen Vorbildern zurückgeführt werden, die ihnen Orientierung geben und ihnen den richtigen Weg weisen“.
Der Gentleman alter Schule trägt Anzug und öffnet Türen, doch hinter diesen Höflichkeiten verbirgt sich ein tieferes Bekenntnis zu Tugend, Verantwortung und Hilfsbereitschaft. Foto: Rachel Li

Um Jungen und jungen Männern moralische Werte zu vermitteln, bedarf es des Engagements von Eltern, Mentoren und Lehrern.

Foto: Rachel Li

Im Gespräch mit der Epoch Times ging Goeglein näher auf diesen Essay ein. Er stellte zunächst eine Frage: „Was unternimmt die Kirche, um junge Gentlemen zu formen? Was tun Schulen, ob privat oder öffentlich, um junge Gentlemen zu formen? Was leisten Sport und Leichtathletik? Was leistet Populärkultur?“
„Nicht genug“, merkte Goeglein an.
Um diesen Wandel ernsthaft anzugehen, müssten Eltern, Lehrer und Mentoren seiner Meinung nach drei Dinge einbringen: Zielstrebigkeit, eine tiefe persönliche Beziehung zwischen Vätern und Söhnen sowie eine Weltanschauung, die auf Kirche und Familie basiert. Alle drei hätten eine Rolle dabei gespielt, wie er und seine Frau ihre beiden Söhne erzogen hätten. Er betonte insbesondere die Rolle des Vaters bei der Erziehung seiner Söhne zu Gentlemen.

Gentlemen sind auch gute Bürger

„Wir verwenden das Wort ‚Elternschaft‘, was ich für sehr gut halte. Ich habe jedoch begonnen, die Begriffe ‚Vaterschaft‘ und ‚Mutterschaft‘ zu verwenden, weil ich denke, dass Väter und Mütter etwas Einzigartiges und Unterschiedliches in die Elternschaft und in unsere Zeit einbringen“, sagte er.
Goeglein stellt zudem einen wichtigen Zusammenhang zwischen dem Dasein als Gentleman und dem Dasein als guter Bürger her – ein Zusammenhang, den viele Kommentatoren übersehen.
In seinem Buch „What Really Matters“ (zu Deutsch: Was wirklich zählt) schrieb er: „Um zu beheben, was den amerikanischen Mann bedrückt, müssen wir Jungen einen Lebenssinn vermitteln. Wenn junge Männer einen Lebenszweck finden, werden sie diszipliniert und zielstrebig. Sie erkennen, dass ihr Leben nicht nur ihnen selbst gehört. Sie lernen, den Menschen in ihrem Umfeld Selbstlosigkeit und bedingungslose Liebe vorzuleben. Sie werden zu dem, was man einen ‚guten Bürger‘ nennt. Sie werden zu Gentlemen.“
Im Gespräch griff Goeglein die Gedanken Jeffersons auf.
„Die Gründerväter und -mütter waren fest davon überzeugt, dass man, wenn man in einer konstitutionellen Republik Freiheit und Unabhängigkeit genießen wolle, moralische Vortrefflichkeit und Tugend pflegen müsse“, sagte er. „Man müsste Tugend bei den Bürgern und bei den Führern fördern. Und ich glaube, dass diese moralische Vortrefflichkeit die zentrale Eigenschaft ist, die Damen und Herren gemeinsam haben.
„Die Eigenschaften, die wir brauchen und dieser Generation vermitteln wollen, sind Vortrefflichkeit, Integrität, Ehrlichkeit, Glaube, Demut, Geduld, Dankbarkeit und Mut.“

Was wir tun können

Um diese und andere Tugenden weiterzugeben, bedarf es der Anstrengung von Eltern und Lehrern – genau wie vor 250 Jahren. Zwar war die damalige Kultur für eine solche Erziehung förderlicher, doch heute stehen uns auch weitaus mehr Ressourcen zur Verfügung. Videos und Artikel im Internet, Bücher in den öffentlichen Bibliotheken sowie ältere Menschen in unserem Umfeld sind eine wahre Fundgrube an Beispielen für Männer und Frauen aus der amerikanischen Geschichte. Sie wussten, was Opferbereitschaft und Verantwortung bedeuten, und lebten – und starben manchmal sogar – im Namen der alten Tugenden, die einen guten Bürger und einen Gentleman ausmachen.
Wenn wir unsere Söhne anhand dieser Geschichten erziehen, ihnen Umgangsformen lehren, diese vorleben und selbst ein tugendhaftes Leben führen, dann verbinden wir Etikette und Moral miteinander – die eigentliche Definition des Begriffs „Gentleman“.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Bringing Back Chivalry: How to Raise a Gentleman in the 21st Century“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Angenehm, aber … – der verborgene Preis des Komforts

Heute Morgen bin ich mit einem Gerstenkorn im Auge aufgewacht.
Es ist druckempfindlich und geschwollen. Es ist unangenehm. Aber es ist auch keine große Sache.
Es ist nicht das erste Gerstenkorn in meinem Leben. Ich hatte schon einige. Sie schmerzen ein paar Tage lang, sie sind lästig und sie verschwinden schließlich wieder. Das weiß ich alles. Und dennoch: Diese winzige Unannehmlichkeit nimmt einiges meiner Aufmerksamkeit in Anspruch.
Wenn ich am Spiegel vorbeigehe, fällt mir jedes Mal die Schwellung auf. Jedes Mal, wenn ich blinzle, erinnert mich die Befindlichkeit meines Auges daran. Heute Morgen ertappte ich mich dabei, wie ich nach Heilmitteln recherchierte, Kompressen auftrug, Kamillenteebeutel vorbereitete, Rizinusöl mit Weihrauch und Calendula mischte und generell weit mehr mentale Energie auf diese kleine Reizung verwendete, als die Situation objektiv verdient hätte.
Als mir dies bewusst wurde, fragte ich mich, ob ich bei allem so reagiere.

Selbstreflektionen

Vielleicht ist es ein unangenehmes Gespräch mit meinem Ehemann. Vielleicht ist es finanzieller Stress – oder eine Belastung, die ich nicht haben möchte. In welcher Form es sich auch zeigt: Unbehagen hat eine unglaubliche Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit zu beherrschen.
Tatsächlich vermute ich, dass Unbehagen oft mehr Raum in unseren Gedanken einnimmt als Freude.
Hundert gute Dinge können an einem Tag passieren, und dennoch kann eine unangenehme Sache unsere Gedanken verzehren. Eine Kritik kann zehn Komplimente überdecken. Eine Unannehmlichkeit kann ein Dutzend Segnungen in den Schatten stellen.
Kürzlich schrieb ich, dass Zucker die Droge sein könnte, die wir in Amerika nicht beim Namen nennen wollen. Heute Morgen stellte ich mir eine andere Frage:
Was, wenn Komfort die Sucht ist, die wir nicht beim Namen nennen wollen? Was, wenn unsere Besessenheit nach Komfort uns stillschweigend geschwächt hat?

Unbehagen und Komfort

Für den Großteil der Menschheitsgeschichte war Unbehagen einfach Teil des Lebens. Die Menschen froren im Winter. Im Sommer war ihnen heiß. Sie wurden nass, wenn es regnete, und wateten durch Schlamm. Sie mussten schwere Dinge schleppen und körperliche Arbeit war ein normaler Teil des täglichen Daseins. Manchmal mussten sie Langeweile, Hunger und Ungewissheit ertragen.
Heute wechseln viele von uns von einem klimatisierten Haus in ein klimatisiertes Auto und von dort in ein klimatisiertes Büro, ohne großartig vom Wetter betroffen zu sein.
Bei mir auf der Ranch ist es ähnlich. Wenn ich nach dem Vieh sehen muss und es regnet, kann ich das normalerweise aus einem Fahrzeug heraus tun, das mit Heizung, Klimaanlage, Scheibenwischern und einem bequemen Sitz ausgestattet ist. Die Tatsache, dass ich diese Aufgabe erledigen kann, ohne nass zu werden, ist ein außergewöhnlicher Luxus, der den Großteil der Menschheit vor nicht allzu langer Zeit in Erstaunen versetzt hätte.
Doch wir erleben diese Annehmlichkeiten kaum noch als Luxus. Wir erleben sie als Notwendigkeiten.
Die Schwelle für Unbehagen ist so niedrig geworden, dass gewöhnliche Erfahrungen sich unerträglich anfühlen können.
Ich sehe das ständig auf der Ranch.
Leute kommen zu Besuch und sind überwältigt von dem Schmutz, dem Schlamm, den Gerüchen, den Fliegen und dem Wetter. Nichts davon ist ungewöhnlich. Es sind einfach Realitäten der natürlichen Welt. Doch viele Menschen haben sich so sehr von der Natur entfremdet, dass ihnen grundlegende Elemente der menschlichen Existenz extrem erscheinen.
Ich verurteile niemanden dafür, dass er Komfort möchte.
Mein geschwollenes Auge ist der Beweis dafür, dass ich über all dem nicht erhaben bin.

Da war noch etwas …

Heute Morgen wollte ich, dass das Gerstenkorn sofort verschwindet. Ich wollte, dass das Unbehagen weg ist. Ich wollte, dass die Schwellung weg ist. Ich wollte vor der Kamera normal aussehen.
Tatsächlich sagte ich eine Podcast-Aufnahme ab, weil ich nicht unbedingt Videoaufnahmen von mir wollte, auf denen ein Auge halb zugeschwollen ist.
Eitelkeit und Komfort sind keine Probleme, die andere Menschen betreffen. Sie gehören auch zu mir.
Aber ich frage mich, ob Komfort nur die halbe Geschichte ist.
Vor ein paar Tagen telefonierte ich mit jemandem, der sagte: „Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Ich beobachte nur die Uhr.“
Der Kommentar blieb an mir haften, weil mir klar wurde, dass ich mich selten so gefühlt habe.
Den Großteil meines Erwachsenenlebens habe ich für mich selbst gearbeitet. Noch wichtiger ist, dass ich für etwas gearbeitet habe, das größer ist als ich selbst. Meine Arbeit war nie einfach nur ein Austausch einer gearbeiteten Stunde gegen eine bezahlte Stunde. Sie war damit verbunden, Kinder großzuziehen, Land zu bewirtschaften, Menschen zu ernähren, Tiere zu pflegen, Unternehmen aufzubauen und dem nachzugehen, wozu ich glaube, dass Gott mich berufen hat.

Mit Bestimmung durch das Unbehagen

Die Leute fragen mich oft, wie ich das alles schaffe. Die Wahrheit ist, dass ich nicht alles schaffe. Vieles läuft schief. Viele Dinge bleiben liegen. Es gibt kein Patentrezept.
Was mich am Laufen hält, ist Bestimmung. Ein Mensch mit Bestimmung kann ein außergewöhnliches Maß an Unbehagen ertragen.
Eine Mutter wacht die ganze Nacht, weil sie ihr Kind liebt. Ein Rancher trotzt dem eiskalten Regen, weil die Tiere Pflege brauchen. Ein Geschäftsinhaber arbeitet an Wochenenden, weil die Vision wichtig ist. Eheleute arbeiten sich durch schwierige Zeiten, weil es wert ist, für ihre Ehe und Beziehung einzustehen.
Bestimmung macht Unbehagen erträglich.
Vielleicht ist das die wahre Gefahr, der unsere Kultur gegenübersteht. Es ist nicht einfach nur so, dass wir süchtig nach Komfort geworden sind. Es ist so, dass viele von uns den Kontakt zu ihrer Bestimmung verloren haben.
Wir bewegen uns durch die Welt auf der Suche nach einem guten Job, ein bisschen mehr Geld, einer besseren Erfahrung, einem einfacheren Weg. Wir optimieren auf Komfort, ohne jemals innezuhalten und zu fragen, was wir hier zu tun haben.
Die Frage ist nicht, was sich gut anfühlt.
Die Frage ist, was wir berufen sind aufzubauen, zu beschützen, zu erschaffen, zu bewahren und zu werden.
Wenn die Bestimmung verschwindet, können sich selbst kleine Unannehmlichkeiten überwältigend anfühlen. Wenn sie vorhanden ist, schaffen Menschen immer wieder Dinge, die einst unmöglich erschienen.

Ein Blick nach vorn

Die Zukunft wird uns zweifellos vor schwierige Aufgaben stellen. Das war schon immer so.
Es wird wirtschaftliche Not, persönlichen Verlust, Enttäuschung, Krankheit und Ungewissheit geben sowie Herausforderungen, die wir nicht vorhersehen können. Die Frage ist nicht, ob Unbehagen kommt. Die Frage ist, ob wir noch die Fähigkeit besitzen, es zu ertragen.
Ich behaupte nicht, alle Antworten zu haben. Ich behaupte nicht einmal, das erforderliche Durchhaltevermögen zu haben.
Aber eines weiß ich: Die Dinge, die mich im Leben am stärksten werden ließen, waren fast nie komfortabel.
Eine Ranch zu betreiben, ist unbequem.
Mutterschaft ist unbequem.
Ehe ist unbequem.
Ein Unternehmen aufzubauen ist unbequem.
Glaube zu leben ist unbequem.
Die besten Teile meines Lebens sind nicht dadurch entstanden, dass ich Unbehagen vermieden habe, sondern dadurch, dass ich gelernt habe, es zu tragen, ohne zuzulassen, dass es mir die Richtung diktiert.
Das Gerstenkorn wird heilen.
Die Frage ist, ob ich mich an die Lektion erinnern werde, nachdem es ausgeheilt ist.
Denn vielleicht liegt die Lektion nicht darin, wie schnell ich das Unbehagen beseitigen kann, sondern darin, ob ich meinen Blick bewusst auf mein Ziel gerichtet halten kann, auch während es noch unbehaglich ist.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Cost of Comfort“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Die Bergpredigt ist brandaktuell

Es gibt Texte, die altern, und es gibt Texte, an denen ein jedes Zeitalter altert. Die Bergpredigt, überliefert in den Kapiteln 5 bis 7 des Matthäusevangeliums, gehört zur zweiten Art.
Seit nahezu 2.000 Jahren liegt sie wie ein stiller Maßstab über jeder Epoche, die sich für aufgeklärt, fortgeschritten oder vollendet hält – und stets ist es die Epoche, die sich an ihr blamiert, nicht der Text. Wer diese Rede ernst liest, der wird sie nicht als ferne Frömmigkeit empfinden, sondern als eine Provokation, die ihn unmittelbar meint. Lassen Sie uns ihren Inhalt in seiner ganzen Breite betrachten und ihn anschließend gegen die Strömungen halten, die unsere Gegenwart bestimmen.
Jesus eröffnet seine Rede nicht mit einem Gebot, sondern mit einer Reihe von Seligpreisungen (Mt 5,3–12), und schon hier vollzieht sich die eigentliche Sprengung. Selig, so heißt es, sind die Armen im Geiste, die Trauernden, die Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit Hungernden, die Barmherzigen, die Reinen im Herzen, die Friedensstifter und die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten. Man muss sich die Ungeheuerlichkeit dieser Sätze vergegenwärtigen. Sie stellen die gesamte Wertordnung der Welt vom Kopf auf die Füße – oder, je nach Standpunkt, vom Kopf auf den Kopf.
Nicht die Starken, die Lauten, die Erfolgreichen und die Sichtbaren werden gepriesen, sondern jene, die nach den Maßstäben der Macht als Verlierer gelten.
Halten Sie diese Umwertung einen Augenblick gegen das, was unsere Gesellschaft tatsächlich verehrt. Eine Kultur, die Sichtbarkeit mit Bedeutung verwechselt, die Reichweite für Recht hält und die Lautstärke einer Stimme mit dem Gewicht ihrer Argumente gleichsetzt, steht zu diesen Sätzen in vollkommenem Widerspruch. Wir feiern die Durchsetzungsfähigen und belächeln die Sanftmütigen; wir nennen Demut bestenfalls naiv und Trauer ein zu therapierendes Defizit. Die Bergpredigt aber behauptet das Gegenteil, nämlich dass im Verzicht auf Selbstbehauptung eine Würde liegt, die keine Karriere und keine Followerzahl verleihen kann.
Es folgt das Wort vom Salz der Erde und vom Licht der Welt. (Mt 5,13–16) Der Mensch ist berufen, Geschmack und Helligkeit in eine fade und finstere Umgebung zu tragen, aber, und das ist entscheidend, nicht um seiner selbst willen. Das Licht soll leuchten, damit die Menschen das Gute sehen, nicht den, der es tut. Hier kündigt sich bereits ein Motiv an, das die gesamte Rede durchzieht und das in unserer Gegenwart von beklemmender Brisanz ist: die Unterscheidung zwischen einer Tugend, die wirkt, und einer Tugend, die sich zeigt.

Das radikalste ethische Vermächtnis des Abendlandes und seine unbequeme Gegenwart

Im Zentrum des fünften Kapitels stehen die sogenannten Antithesen. (Mt 5,21–48) Jesus stellt klar, dass er nicht gekommen sei, das Gesetz aufzulösen, sondern es zu erfüllen. Und diese Erfüllung bedeutet keine Erleichterung, sondern eine radikale Verinnerlichung. Es genügt nicht, nicht zu töten; schon der Zorn wird gerichtet.
Es genügt nicht, nicht zu brechen, was eingegangen wurde; schon der begehrliche Blick verfehlt das Maß. Der Eid wird überflüssig, denn das Ja soll ein Ja sein und das Nein ein Nein.
Dem Bösen soll man nicht mit Gleichem vergelten, sondern die andere Wange hinhalten. Und schließlich, in der äußersten Zuspitzung: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“
Dieser letzte Satz ist die schärfste Klinge der ganzen Rede, und er schneidet quer durch alles, was unsere öffentliche Auseinandersetzung heute prägt. Wir leben in einer Zeit, die das Gegenteil zur Methode erhoben hat.
Der politische Gegner ist nicht mehr der Andersdenkende, sondern der moralisch Disqualifizierte; die Debatte ist nicht mehr Ringen um die Sache, sondern Feststellung der Schuld. Die Empörung hat den Status einer Tugend angenommen und das Verzeihen gilt beinahe als Verrat an der eigenen Position. Die Bergpredigt mutet uns das Unmögliche zu und entlarvt damit, wie weit wir uns von der bloßen Vorstellung entfernt haben, dem Gegner Gutes zu wünschen. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Zumutung kein politisches Lager verschont. Sie trifft den Zorn der einen ebenso wie die Selbstgerechtigkeit der anderen.

Das Verborgene gegen das Schaufenster

Mit dem sechsten Kapitel (Mt 6,1–18) wendet sich die Rede dem Verborgenen zu. Und hier liegt aus meiner Sicht der entscheidende Berührungspunkt mit unserer Gegenwart. Wer Almosen gibt, soll es im Verborgenen tun, sodass die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. Wer betet, soll in seine Kammer gehen und die Tür schließen, nicht an den Straßenecken stehen, um gesehen zu werden. Wer fastet, soll sein Gesicht waschen, damit niemand es bemerke. In der Mitte dieses Abschnitts steht das Vaterunser – ein Gebet von solcher Knappheit und Wucht, dass es jede fromme Geschwätzigkeit beschämt.
Die Diagnose, die Jesus hier stellt, ist von prophetischer Genauigkeit: Es gibt eine Tugend, die ihren Lohn bereits empfangen hat, sobald sie gesehen wurde. Sie ist nicht falsch, weil sie nichts Gutes täte, sondern weil sie das Gute zum Mittel der Selbstdarstellung macht. Und nun fragen Sie sich, in welcher Epoche dieser Befund je dringlicher war als in der unseren. Wir haben uns eine Architektur des permanenten Schaufensters errichtet, in der die Haltung öffentlich getragen wird wie ein Abzeichen.
Die gute Gesinnung wird zur Schau gestellt, das richtige Bekenntnis verkündet, die moralische Überlegenheit dokumentiert und geteilt. Es ist die vollkommene Umkehrung der Bergpredigt: nicht das Tun im Verborgenen, sondern das Bekennen vor aller Augen; nicht die stille Barmherzigkeit, sondern die laute Pose. Eine Gesellschaft, die das Zeigen der Tugend mit dem Üben der Tugend verwechselt, hat ihren Lohn bereits erhalten. Sie weiß es nur nicht.

Der Mammon und die Sorge

Es schließt sich die Warnung vor den irdischen Schätzen an. (Mt 6,19–34) „Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost sie zerfressen“, sondern „Schätze im Himmel“. „Niemand kann zwei Herren dienen […] ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Und dann jenes große, fast zärtliche Wort: „Sorgt euch nicht um euer Leben“, um Essen und Kleidung; schaut auf die Vögel des Himmels und die Lilien auf dem Felde.
Man darf diese Sätze nicht zur Aufforderung zur Sorglosigkeit verharmlosen. Sie sind etwas Schärferes: eine Absage an die Vergötzung der Sicherheit. Unsere Gegenwart aber hat aus der Sorge ein Daseinsprinzip gemacht. Wir leben in einer beinahe ununterbrochenen Folge von Krisen, von denen jede die nächste ablöst, und in einem Dauerton der Beunruhigung, der uns gefügig hält. Die Angst ist zur politischen und kommerziellen Ressource geworden. Wer sie zu schüren versteht, beherrscht den Menschen. Der Mammon hat dabei längst neue Gestalten angenommen. Er heißt heute Konsum, Statussymbol, Optimierung des eigenen Ich.
Die Bergpredigt durchschneidet diesen Knoten mit einer Frage, die unbequem bleibt: Wem dienen wir eigentlich? Und sie behauptet, was kaum jemand mehr zu sagen wagt: dass ein Leben, das sich gänzlich der Absicherung des Vergänglichen verschreibt, am Wesentlichen vorbeigeht.

Richtet nicht – und prüfet die Früchte

Das siebte Kapitel beginnt mit einem Satz, der wie kaum ein anderer aus dem Zusammenhang gerissen wird: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Mt 7,1) Es folgt das berühmte Bild vom Splitter im Auge des Bruders und vom Balken im eigenen. Dann die Goldene Regel: „Wie immer ihr wollt, dass die Leute mit euch umgehen, so geht auch mit ihnen um!“ Es folgen das Wort von der engen Pforte und dem schmalen Weg, die Warnung vor den „falschen Propheten“, an deren Früchten man sie erkennen werde. Und schließlich das Gleichnis vom klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen baut, und vom törichten, der auf Sand baut – auf dass es einstürze, wenn die Stürme kommen.
Auch hier öffnet sich ein doppelter Blick auf unsere Zeit. Das Wort vom Nicht-Richten wird heute gern als Lizenz zur Beliebigkeit missverstanden. Dabei meint es etwas Strengeres: die Demut, sich nicht zum letzten Richter über den Menschen aufzuschwingen. Gerade darin versagt eine Kultur, die das Urteil über andere zur Freizeitbeschäftigung gemacht hat, die Verfehlungen archiviert und die Vergebung verlernt.
Zugleich aber – und das ist kein Widerspruch – fordert die Bergpredigt sehr wohl das Urteilsvermögen: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Sie verlangt, die falschen Propheten von den wahren zu unterscheiden, das Wort vom Geschwätz, die Substanz von der Fassade. In einer Zeit, in der wir täglich mit Behauptungen, mit Narrativen und mit professionell erzeugter Empörung überschüttet werden, ist diese Aufforderung zur nüchternen Prüfung der Früchte vielleicht das aktuellste Vermächtnis der ganzen Rede. Sie ruft nicht zum bequemen Glauben auf, sondern zur wachen Unterscheidung – und sie warnt davor, das Haus des eigenen Denkens auf den Sand der jeweils herrschenden Stimmung zu bauen.
Wer die Bergpredigt zu Ende liest, der versteht, weshalb das Volk, wie es am Schluss heißt, über diese Lehre erschrak. Sie redet mit Vollmacht und sie schmeichelt niemandem. Sie ist kein Programm für eine Partei, kein Werkzeug einer Ideologie und kein bequemer Trost. Sie lässt sich von keiner Macht vereinnahmen, weil sie jede Macht überragt – die der Herrschenden ebenso wie die der lautstark Empörten, die der Reichen ebenso wie die der selbstgewissen Frommen. Sie hält uns allen denselben Spiegel vor, und das Bild, das er zurückwirft, ist selten schmeichelhaft.
Vielleicht liegt genau darin ihre bleibende Aufgabe an unsere Gegenwart. In einer Epoche, die das Vorläufige zur Dauer und die Pose zur Haltung erklärt, erinnert die Bergpredigt an die Vorrangstellung des Wesentlichen vor dem Sichtbaren, der Substanz vor der Oberfläche, des stillen Tuns vor dem lauten Bekenntnis. Man muss kein gläubiger Mensch sein, um diese Mahnung zu hören.
Man muss nur bereit sein, den Spiegel nicht wegzudrehen.