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EU und Philippinen erzielen Durchbruch bei Freihandelsabkommen

Die EU und die Philippinen haben in ihren Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen einen Durchbruch erzielt. Beide Seiten hätten sich darauf geeinigt, die Zölle auf zahlreiche Produkte zu senken oder abzuschaffen, sagte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am Dienstag in Brüssel.
Das Abkommen geht nun in die juristische Detailarbeit und soll „in den kommenden Monaten“ formal unterzeichnet werden.

Abkommen soll Handelsvolumen weitgehend abdecken

EU-Kommissar Sefcovic und die philippinische Handelsministerin Cristina Roque sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einem „wichtigen Meilenstein für beide Seiten“. Nach EU-Angaben umfasst das geplante Freihandelsabkommen mehr als 97 Prozent des aktuellen Handelsvolumens.
Es soll neue Exportmärkte für Unternehmen erschließen und Lieferketten stabiler machen.
Die EU exportiert nach Angaben aus Brüssel unter anderem Maschinen, Ausrüstung für den Verkehrssektor und Medikamente. Insgesamt handelten beide Seiten im vergangenen Jahr mit Gütern im Wert von rund 17,6 Milliarden Euro und Dienstleistungen im Wert von rund 10,3 Milliarden Euro.
Sefcovic sprach von einem „riesigen Wachstumspotenzial“.

DIHK sieht großes Marktpotenzial

Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sprach von einem „enormen Marktpotenzial“. Das finale Abkommen müsse für „vollständige Zollsenkungen in allen Industriebereichen“ sorgen, forderte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.
Deutsche Unternehmen hoffen auch auf einen Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen. Nach Angaben aus Brüssel wird die EU mit dem geplanten Abkommen der erste Handelspartner der Philippinen, der einen solchen Zugang bekommt.

Landwirtschaft erwartet Exportgewinne

Auch Landwirtschaftsvertreter begrüßten den Durchbruch in den Verhandlungen. Europäische Betriebe exportieren vor allem Schweinefleisch und Geflügel sowie Milchprodukte und alkoholische Getränke auf die Philippinen.
Der europäische Bauernverband Copa-Cogeca zeigte sich deshalb „ermutigt“ von den versprochenen Exportgewinnen.

EU will Zugang zu Rohstoffen sichern

Die europäische Wirtschaft will sich zudem Rohstoffe von den Philippinen sichern. Der Inselstaat verfügt unter anderem über große Nickel-, Kupfer- und Goldvorkommen.
Weil die Rohstoffe für neue Technologien und die Energiewende benötigt werden, bemüht sich die EU nach Sefcovics Worten inzwischen in allen Handelsgesprächen um einen besseren Zugang.
Die EU und die Philippinen hatten schon 2016 Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufgenommen, sie aber im Jahr darauf auf Eis gelegt. Seit März 2024 laufen die Verhandlungen wieder.
Beide Seiten betonten nun ihr „gemeinsames Interesse an einer offenen, inklusiven und regelbasierten internationalen Ordnung“.

EU sucht weitere Handelspartner

Die EU bemüht sich wegen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und der angespannten Beziehungen zu China um alternative Handelspartner.
Der Welthandel habe sich „grundlegend verändert“, sagte Sefcovic in Brüssel. Die EU sei für viele „ein willkommener Partner“, fügte er hinzu.
In den vergangenen Monaten unterzeichnete die EU bereits einen erweiterten Handelsvertrag mit Mexiko und schloss die Verhandlungen mit Indien ab. Ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist seit Mai vorläufig in Kraft. (afp/red)
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Brüssel: Verhandlungen über Verlängerung der EU-Sanktionen gegen Russland dauern an

Um die Pattsituation bei den Russland-Sanktionen zu lösen, sind die Botschafter der 27 EU-Staaten am Dienstagmorgen, den 22. September, erneut in Brüssel zusammengekommen. Nach Informationen aus Diplomatenkreisen wurde die Frist für eine schriftliche Bestätigung des Kompromissvorschlags bis zum Nachmittag verlängert.
Sollte Lettland bei seiner Position bleiben und eine Bestätigung des Kompromissvorschlags ausbleiben, käme es am Nachmittag zu weiteren Verhandlungen zwischen den EU-Ländern.

Der Streitpunkt: Oligarchen-Streichung gegen längere Laufzeit

Streitpunkt ist die Aufhebung der Sanktionen gegen zwei russische Oligarchen, die von Frankreich, der Slowakei und Luxemburg gefordert wird. Die Streichung des russisch-usbekischen Milliardärs Alischer Usmanow und des russischen Milliardärs Michail Fridman von der Sanktionsliste ist Teil eines Kompromisses, der die übrigen Russlandsanktionen gegen rund 3000 Menschen und Organisationen um 36 Monate verlängern würde – statt wie bisher üblich um sechs Monate.
Die nach dem Beginn des Ukrainekriegs vor mehr als viereinhalb Jahren verhängten Sanktionen müssen einstimmig von den EU-Ländern verlängert werden. Sie umfassen das Einfrieren der Vermögen sowie ein Einreise- und Geschäftsverbot. Die EU hatte eine Frist für die Verlängerung vergangene Woche wegen des Streits um die Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow und Friedman auf diesen Mittwoch um 00.00 Uhr verschoben. Die Frist läuft somit um Mitternacht aus.

Die Hintergründe der Forderungen aus Paris und Luxemburg

Frankreich begründet seine Forderung mit Angelegenheiten „nationaler Sicherheit“, ohne öffentlich Details zu nennen.
Die britische Zeitung „Financial Times“ berichtete über die möglichen Hintergründe. Demnach könnte es um ein Abkommen zur Freilassung französischer Staatsbürger gehen, die in Aserbaidschan festgehalten werden.
Diplomatenkreisen zufolge forderte Luxemburg die Streichung Fridmans von der Sanktionsliste für den Fall, dass die EU einer Streichung Usmanows zustimme. Fridman hat Luxemburg wegen des Einfrierens seiner dortigen Vermögenswerte in Höhe von rund 16 Milliarden Euro verklagt.

Widerstand aus dem Baltikum, Polen und der Ukraine

Die zunächst erzielte Einigung wurde am Montagabend von Lettland blockiert, das die Aufhebung der Sanktionen kategorisch ablehnt. „Die Haltung der lettischen Regierung ist unerschütterlich. Die EU-Sanktionen gegen Russland müssen verschärft, nicht abgeschwächt werden“, erklärte Außenministerin Baiba Braze im Onlinedienst X.
Mehrere EU-Staaten, allen voran Polen und die baltischen Länder, haben sich nachdrücklich gegen die Aufhebung jeglicher Sanktionen ausgesprochen.
Scharfe Kritik an den Plänen kam auch aus Kiew: Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete eine mögliche Streichung der Oligarchen auf X als „inakzeptabel“ und warnte vor einem „schlechten Signal in Richtung Russland“.
Rückendeckung erhielt er von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, die die Mitgliedstaaten am Montagabend in New York eindringlich aufforderte, die Sanktionen ohne Abstriche aufrechtzuerhalten.  (afp/red)
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Anteil von E-Autos bei Neuzulassungen in EU erreicht Rekord

Der Anteil der Elektro-Autos bei den Neuzulassungen in der EU ist 2025 auf Rekordniveau gestiegen. Pkw mit reinem Elektroantrieb kamen auf 17,3 Prozent an allen Neuzulassungen, wie das Statistische Bundesamt nach Ergebnissen der europäischen Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Damit sei gut jeder sechste neu zugelassene Pkw in der EU ein E-Auto gewesen. „Das war ein neuer Höchststand.“
Weitere 42,4 Prozent der neu zugelassenen Pkw waren demnach Hybridfahrzeuge, 27,3 Prozent reine Benzin- und 9,8 Prozent reine Dieselfahrzeuge. Andere Antriebsarten wie Flüssig- oder Erdgas spielten eine untergeordnete Rolle.
Der Anteil reiner Elektroautos an den jährlichen Neuzulassungen in der EU ist binnen zehn Jahren deutlich gestiegen – 2015 lag er erst bei 0,4 Prozent.

Dänemark und Niederlande bei E-Autos Spitzenreiter

Beim Anteil reiner E-Autos an den Neuzulassungen lag Deutschland 2025 mit 19,1 Prozent zwar leicht über dem EU-Schnitt, aber deutlich hinter einigen anderen Ländern. EU-weit am höchsten war der Anteil in Dänemark (67,8 Prozent), vor den Niederlanden (40,2) und Malta (37,6). Am geringsten war der E-Auto-Anteil an den Neuzulassungen in Kroatien (1,9 Prozent), der Slowakei (4,7) und Bulgarien (4,9).

Teurer Sprit und Prämie helfen der E-Mobilität

E-Autos haben zuletzt in Deutschland einen Aufwind erlebt – wegen der hohen Spritpreise, besserer Ladeinfrastruktur, günstigerer Einstiegsmodelle und der Förderprämie der Bundesregierung. Im August wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt 69.000 reine Elektroautos neu in Deutschland zugelassen, gut 75 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Europaweit führend ist ein Land außerhalb der EU: In Norwegen hatten gut 95 Prozent der neu zugelassenen Pkw 2025 einen reinen Elektroantrieb. Grund für die große Bandbreite zwischen den Ländern sind Unterschiede bei den Investitionen ins Ladenetz und der Förderpolitik.

Deutschland dominiert bei E-Autos in der EU

Beim Umstieg auf die E-Mobilität spielt Deutschlands als größter Automarkt in der EU eine wichtige Rolle: Rund 545.100 E-Autos wurden 2025 hierzulande neu zugelassen. Damit entfielen 28,9 Prozent der 1,89 Millionen Neuzulassungen von E-Autos in der EU auf Deutschland. Mit Abstand folgte Frankreich mit 330.900 neuen E-Autos und 17,5 Prozent an den EU-Zulassungen. (dpa/red)
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EU will Sanktionen gegen russische Milliardäre aufheben

Die EU will wegen einer drohenden Totalblockade von Russlandsanktionen durch einzelne Mitgliedstaaten ihre Strafmaßnahmen gegen die beiden Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman aufheben. Ein entsprechendes Beschlussverfahren sei am Abend in Brüssel eingeleitet worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur von Diplomaten.
Ohne diesen Schritt kann demnach die Verlängerung der Sanktionen gegen rund 3.000 Personen, Einrichtungen und Unternehmen nicht beschlossen werden. Ihnen wird vorgeworfen, Russland im Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen oder von der Politik des Kremls zu profitieren.
Ausgangspunkt für die Entwicklungen war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die Forderung der Slowakei, die Sanktionen gegen den Milliardär Usmanow aufzuheben. Ihr hatte sich vor kurzem überraschend auch Frankreich angeschlossen. Danach forderte nach Angaben von Diplomaten Luxemburg, dass bei einer Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow auch die Sanktionen gegen Fridman aufgehoben werden müssten.
Wegen des Einstimmigkeitsprinzips bei Sanktionsentscheidungen müssen die anderen EU-Staaten die Forderungen akzeptieren, ansonsten droht das Auslaufen aller anderen Sanktionsbeschlüsse. Nach Angaben von Diplomaten soll aber im Gegenzug immerhin eine Sanktionsverlängerung um 36 statt um nur 6 Monate vereinbart werden.

Gefangenendeal als Erklärung?

Nach Angaben von Diplomaten stand Frankreichs Positionierung in Verbindung mit einem Plan, in Aserbaidschan inhaftierte französische Staatsbürger freizubekommen. Die frühere Sowjetrepublik Aserbaidschan setzt sich schon länger selbst für die Streichung Usmanows von der EU-Liste ein. Die Regierung in Paris hatte sich bis zuletzt nicht zu den konkreten Gründen für ihre Positionierung geäußert, sondern lediglich auf eine Frage der nationalen Sicherheit verwiesen.
Als Risiko gilt nun, dass die mögliche Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow anderen Russen Argumente für Klagen gegen Strafmaßnahmen geben könnte. So hieß es bislang im Sanktionsbeschluss gegen Usmanow, dieser sei ein kremlfreundlicher Oligarch, „der besonders enge Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin“ unterhalte und als einer der von Putin besonders favorisierten Oligarchen betrachtet werde. Vom US-Magazin „Forbes“ wurde sein Vermögen zuletzt auf rund 14,1 Milliarden US-Dollar (12,3 Mrd. Euro) geschätzt.
In Europa ist Usmanow unter anderem als langjähriger Präsident des Fecht-Weltverbandes FIE und als früherer Anteilseigner des englischen Fußballclubs FC Arsenal bekannt. In Deutschland machte der 73-Jährige zuletzt Schlagzeilen, weil gegen ihn von der Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts auf zwei Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz und möglicher Sanktionsverstöße ermittelt wurde. Das Verfahren wurde erst im vergangenen Jahr gegen Zahlung einer Geldauflage von zehn Millionen Euro eingestellt.

Abwahl von Orban weckte Hoffnungen

Nach Angaben der Ermittler bestand der Verdacht, dass Usmanow im Zeitraum von April bis September 2022 über im Ausland ansässige Unternehmen rund 1,5 Millionen Euro für die Überwachung zweier Immobilien am Tegernsee bezahlt haben soll. Zudem soll er diverse Wertgegenstände – etwa Schmuck, Gemälde und Weine – nicht bei der zuständigen Behörde gemeldet haben.
Die genauen Gründe für die slowakische Unterstützung für Usmanow sind unklar. Der slowakische Außenminister Juraj Blanar hatte bereits im Frühjahr bestätigt, dass die Slowakei den Oligarchen im Kampf gegen die EU-Sanktionen unterstützt. Nach einem damaligen Bericht von Radio Free Europe soll der slowakische Ministerpräsident Robert Fico einen Brief des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan weitergeleitet haben, in dem dieser sich für Usmanow einsetzte.
Erdogan begründete dies demnach damit, dass sich Usmanow um eine stärkere Öffnung der turksprachigen Staaten gegenüber dem Westen verdient gemacht habe. Zu diesem Kreis zählt neben der Türkei auch Aserbaidschan.

Fridman gewann Gerichtsverfahren

Bei Fridman wurde von Luxemburg unter anderem argumentiert, dass der 62-Jährige bereits eine Klage gegen EU-Sanktionen gewonnen hat.
Fridman, dessen Vermögen von Forbes zuletzt auf 16,6 Milliarden Dollar (14,5 Mrd. Euro) geschätzt wurde, wurde in den EU-Dokumenten bis zuletzt ebenfalls als einer der wichtigsten russischen Financiers und Unterstützer des inneren Kreises von Putin bezeichnet.
Durch seine Verbindungen zur Regierung habe er Staatsvermögen erwerben können und Putin habe die Loyalität der Alfa Group gegenüber der Regierung Russlands mit politischer Unterstützung für ausländische Investitionspläne der Gruppe belohnt, heißt es im bisherigen Sanktionsbeschluss. Fridman ist laut EU der Gründer und einer der Anteilseigner der Alfa Group, zu der die wichtigste Bank Russlands, die Alfa Bank, gehört. (dpa/red)
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2027 startet Testphase für digitalen Euro – dann erhält jeder eine DEAN


In Kürze:

  • Das Europäische Parlament hat am 9. Juli 2026 grünes Licht für Trilog-Verhandlungen zum digitalen Euro gegeben.
  • Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 testet die EZB mit 36 Zahlungsdienstleistern ein zwölfmonatiges Pilotprojekt.
  • Kernelement ist die Digital Euro Account Number (DEAN), eine 18-stellige, IBAN-ähnliche Kontonummer.

 
2029 soll der digitale Euro kommen. So sehen es jedenfalls die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Endgültig beschlossen ist er noch nicht, doch der nächste Schritt in diese Richtung ist getan.
Das Europäische Parlament hat am 9. Juli 2026 grünes Licht für Verhandlungen über den Gesetzesvorschlag gegeben. Im Verlauf dieser Trilog-Verhandlungen mit den 27 EU-Staaten (EU-Rat) und der EU-Kommission werden alle offenen Punkte der Verordnung ausgehandelt.
Über die endgültige Einführung des digitalen Euro wird entschieden, wenn ein gemeinsamer Text vereinbart ist.

36 Zahlungsdienstleister sind an Testlauf beteiligt

In der zweiten Hälfte des Jahres 2027 startet die Europäische Zentralbank ein zwölfmonatiges Pilotprojekt zum digitalen Euro. Dafür hat die EZB 36 Zahlungsdienstleister aus dem gesamten Euro-Währungsgebiet ausgewählt, die daran teilnehmen.
Dieses Pilotprojekt sei von entscheidender Bedeutung, um die technische Funktionalität und die operativen Abläufe des digitalen Euro zu testen. Die Erfahrungen der Nutzer sollten ebenfalls einfließen und zu einer Optimierung beitragen, heißt es in einer EZB-Mitteilung.
Ein Bestandteil bei der technischen Umsetzung des digitalen Euro ist die Digital Euro Account Number, kurz DEAN. Sie dient als eindeutige Kennung eines digitalen Euro-Kontos und ist in ihrer Struktur an die IBAN angelehnt.
Bei der DEAN handelt es sich um die Kontonummer, die einem Nutzer automatisch bei der Einrichtung eines Kontos für den digitalen Euro zugewiesen wird. Sie soll der eindeutigen Identifizierung des Kontos dienen und die Abwicklung von Zahlungsvorgängen ermöglichen.
Die DEAN besteht aus einer auf 18 Zeichen festgelegten Länge. Neben den Ziffern 0 bis 9 enthält sie die Buchstaben E und U. Dieser Standard gilt für alle Länder, unabhängig vom Alphabet der jeweiligen Landessprache, heißt es in einer Erklärung (Seite 14).

Verschiedene Formen der Zahlungen

Die ersten beiden Zeichen sind die Buchstaben E und U. Es folgen zwei Prüfziffern, die ein Algorithmus nach ISO/IEC 7064 (MOD 97–10) erzeugt. Die Zeichen 5 bis 18 bestehen aus 14 Ziffern, der sogenannten Basic European Account Number (BEAN).
Die DEAN unterstützt die Funktion des digitalen Euro, die Kontonummer bei einem Wechsel des Nutzers von einem Zahlungsdienstleister zu einem anderen mitzunehmen („Portierung“). Darüber hinaus werden derzeit Umsetzungsspezifikationen für den Online-Handel (E-Commerce) oder Käufe mithilfe von mobilen Endgeräten (M-Commerce) ausgearbeitet. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Austausch zwischen Geschäftskunden und Zahlungsdienstleistern. Möglich sind Einmalzahlungen, wiederkehrende Zahlungen und die Vorabfreigabe von Zahlungen.
Neben der DEAN wird es auch einen Benutzer-Alias geben. Er ist eine leichter zu merkende Kennung, über die sich Nutzer für Zahlungen finden lassen. Voraussetzung dafür ist, dass der Alias registriert und mit der DEAN verknüpft ist.
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17. September: Explosionen in Frankfurt | Meloni will Kraftfahrzeugsteuer aussetzen | Kanada und die EU

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Explosionen in Frankfurt

In Frankfurt sind am frühen Morgen zwei Sprengsätze explodiert. Zuerst vor einem Cafe im Stadtteil Nordend. Wenige Minuten später folgte eine Explosion bei einer Shisha-Bar auf der Einkaufsstraße Zeil. Beide Gebäude wurden stark beschädigt. Laut Polizeiangaben kam es zu einer Festnahme, Verletzte gab es keine. Bereits Tage zuvor hatte es ähnliche Vorfälle gegeben.

Meloni will Kraftfahrzeugsteuer aussetzen

Die weltweit nach oben schießenden Kraftstoffpreise haben in vielen Ländern teilweise heftige Proteste ausgelöst. In Italien hat derweil Ministerpräsidentin Giorgia Meloni angekündigt, die Kraftfahrzeugsteuer ab 2027 teilweise für ein Jahr auszusetzen. Laut der italienischen Nachrichtenagentur „ANSA“ sollen Fahrzeuge „mit geringer und mittlerer Motorleistung bis zu 109 PS sowie Motorräder“ betroffen sein.

Kanada und die EU

Kanada ist offen für die Idee einer Art EU-Sondermitgliedschaft. Das sagte Premierminister Mark Carney in seiner Rede vor dem EU-Parlament. Ein engeres Bündnis von Kanada und der EU sei nicht gegen andere gerichtet. Eine Allianz würde ein „Leuchtfeuer für andere Demokratien“ schaffen.“

Social-Media-Verbot für Kinder

Geht es nach der EU-Kommission, so sollen soziale Medien für Kinder unter 13 Jahren verboten sein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat heute einen entsprechenden Gesetzentwurf namens „Kids Act“ vorgestellt. Auch für Minderjährige wird ein EU-weit einheitliches Mindestalter von 15 Jahren für die Eröffnung eines eigenen Online-Kontos festgelegt. Online-Anbieter müssen zudem nachweisen, dass ihre Dienste altersgerecht sind.

Türkei geht gegen LGBTQ-Aktivisten vor

Die Türkei geht seit dem 13. September massiv gegen LGBTQ-Aktivisten vor. Bei Razzien wurden über hundert Menschen festgenommen, bei darauf folgenden Protesten weitere. Die Behörden werfen ihnen die Verbreitung „obszöner Inhalte“ sowie „Beihilfe zur Prostitution“ vor. Außerdem wurden zahlreiche Websites und Konten in Onlinediensten gesperrt.
 
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Kanada als assoziiertes EU-Mitglied? Das ist jetzt der Stand

Wird Kanada das erste „assoziierte Mitglied“ der EU? Der kanadische Premierminister Mark Carney hat den überraschenden Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßt und deutlich gemacht, wie er sich ein neues transatlantisches Bündnis vorstellen könnte. Doch hat das Projekt wirklich Chancen auf Verwirklichung? Fragen und Antworten im Überblick:

Was hat Ursula von der Leyen vorgeschlagen?

Die EU-Kommissionspräsidentin will Kanada zum ersten „assoziierten Mitglied“ der Europäischen Union machen und die Beziehungen damit auf „das höchstmögliche Niveau“ bringen. Als konkrete Bereiche für eine mögliche engere Zusammenarbeit nennt sie Technologiefragen, die Rüstungsgüterproduktion sowie die Künstliche Intelligenz und die Arktispolitik.

Was sagt Carney?

Er begrüßt den Vorstoß. Umfragen zeigten, dass eine überwältigende Mehrheit der Kanadierinnen und Kanadier deutlich engere Beziehungen unterstützten, sagte er in seiner Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Europa und Kanada seien jeweils für sich stark. Gemeinsam sei man aber noch stärker.
Carney will aus der klassischen Handels- und Wertepartnerschaft eine strategische Allianz machen, in der Kanada und Europa ihre wirtschaftlichen, technologischen und sicherheitspolitischen Stärken bündeln, um gemeinsam unabhängiger, krisenfester und weniger erpressbar zu werden. Als weitere Felder für eine noch engere Zusammenarbeit mit der EU nannte er kritische Rohstoffe, Energie, Raumfahrt, Zahlungssysteme und Forschung.

Geht es dabei auch um die USA und deren Präsident Donald Trump?

Ja. Kanada und die EU haben seit dem Amtsantritt von Trump die bittere Erfahrung machen müssen, dass das mächtigste Land der Welt nicht mehr der Partner ist, der es früher einmal war. Eskalierte Zollkonflikte und die Kontrollansprüche auf die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland sind nur zwei Beispiele.

Gibt es schon eine Reaktion von Trump?

Auf von der Leyens Vorschlag einer „assoziierten Mitgliedschaft“ für Kanada angesprochen, sagte Trump am Mittwochabend (Ortszeit): „Ich halte das für lächerlich.“ Falls er das Vorgehen als „feindseligen Akt“ empfinden sollte, würde er „sehr hohe Zölle“ verhängen oder den Handel mit Europa in vielen Bereichen einstellen.
Der Präsident sagte allerdings auch, dass das Vorgehen in Ordnung sei, falls die Absicht dahinter gut sei – ohne genauer zu erläutern, woran er das festmachen würde. In der Vergangenheit hatte er wiederholt davon gesprochen, Kanada könne zum 51. US-Bundesstaat werden.

Woher kommt die Idee einer „assoziierten Mitgliedschaft“?

In der aktuellen europäischen Debatte wurde der Begriff zuletzt vor allem durch Bundeskanzler Friedrich Merz prominent. Der CDU-Politiker hatte im Juni für die Ukraine eine „assoziierte Mitgliedschaft“ als Zwischenschritt auf dem Weg zum regulären EU-Beitritt vorgeschlagen.
Nach seinen Vorstellungen könnte die Ukraine schon vor dem Beitritt regelmäßig an Gipfeltreffen oder Fachministerräten teilnehmen. Denkbar seien außerdem ein ukrainischer Kommissar ohne Geschäftsbereich und Stimmrecht sowie ukrainische Abgeordnete, die ohne Stimmrecht an den Beratungen des Europäischen Parlaments teilnehmen.

Was will von der Leyen?

Bislang: nichts klar Definiertes. Einen offiziellen Status als „assoziiertes Mitglied“ kennt das EU-Vertragswerk nicht. Es gibt Vollmitglieder, Beitrittskandidaten und zahlreiche Formen enger Partnerschaft mit Drittstaaten – aber keine Mitgliedschaft zweiter Klasse mit diesem Namen. Die EU-Verträge erlauben allerdings sogenannte Assoziierungsabkommen mit Drittstaaten, die gegenseitige Rechte und Pflichten sowie gemeinsame Verfahren festlegen können.
Wie weit von der Leyen darüber hinausgehen will, muss sie noch erläutern. Denkbar wäre eine Konstruktion, bei der Kanada bei bestimmten Themen systematisch konsultiert wird oder an ausgewählten EU-Programmen und -Formaten teilnimmt. Solche Beteiligungen von Drittstaaten gibt es allerdings schon heute. Eine reguläre Mitgliedschaft ist nach den geltenden Verträgen nicht möglich, weil sie laut Artikel 49 des EU-Vertrags europäischen Staaten vorbehalten ist.

Wie eng sind Kanada und die EU schon heute verbunden?

Erheblich enger, als der neue Begriff zunächst vermuten lässt. Seit 2017 wird das Freihandelsabkommen Ceta vorläufig angewendet. Kanada ist zudem seit 2024 an einem wichtigen Teil des EU-Forschungsprogramms Horizon Europe beteiligt. 2025 schlossen beide Seiten eine umfassende Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft.

Wird Ceta in den EU-Staaten vollständig ratifiziert?

Das ist zumindest nicht ausgeschlossen. 17 der 27 EU-Staaten haben Ceta vollständig ratifiziert; in zehn Ländern – darunter Belgien, Frankreich, Irland, Italien und Polen – ist das nationale Zustimmungsverfahren allerdings bislang nicht abgeschlossen. Das verhindert den Großteil des Handelsabkommens nicht, zeigt aber, wie schwierig die politische Zustimmung zu weitreichenden Verträgen mit Drittstaaten sein kann.

Wie geht es nun weiter?

Zunächst müssen EU-Kommission und Kanada klären, wie aus dem politischen Vorschlag ein konkretes Modell werden kann. Welche Bereiche sollen dazugehören? Welche Mitspracherechte bekommt Kanada? Welche Verpflichtungen übernimmt es? Und welche Rechtsgrundlage wird genutzt? Eine erste wichtige Wegmarke dürfte der nächste EU-Kanada-Gipfel am 29. und 30. Oktober sein.
Dann stellt sich auch die große Frage, was die 27 EU-Mitgliedstaaten von dem Vorstoß von der Leyens halten. Ein neuer Sondermitgliedsstatus dürfte sich nicht ohne die einstimmige Zustimmung beschließen lassen und mehrere EU-Staaten hatten zuletzt immer wieder deutlich gemacht, dass für sie die EU-Erweiterung in Richtung Westbalkan oder Ukraine Priorität hat. (dpa/red)
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Klingbeil fordert EU-Strafzölle auch auf Hybridautos aus China

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) fordert EU-Strafzölle nicht nur auf Elektroautos aus China, sondern auch auf Plugin-Hybride. „Ich bin dafür, dass wir uns gegen unfaire Handelspraktiken wehren“, sagte Klingbeil am Donnerstag, den 17. September bei einem Besuch des Volkswagen-Stammwerks in Wolfsburg.

Druck auf europäischer Ebene

Er dränge auf europäischer Ebene darauf, sich gegen die Subventionierung von Exporten zu wehren, „dass wir auch beim Thema Plugin-Hybrid jetzt sehr schnell vorankommen, beim Thema Zölle gegen China“.
Robusterer Umgang mit Staaten, die die Industrie bedrohen.
Deutschland müsse „ein anderes Selbstbewusstsein, einen anderen Umgang, einen robusteren Umgang mit Staaten haben, die unsere Industrie bedrohen“, sagte Klingbeil.

Klarere Local-Content-Regeln

Er dränge innerhalb der Bundesregierung auch darauf, „dass wir beispielsweise beim Thema Local Content viel klarer werden“ – dass also ein bestimmter Teil der Wertschöpfung in Deutschland oder Europa stattfindet, bei staatlichen Aufträgen ebenso wie beim Verkauf von Produkten, die außerhalb Europas hergestellt werden.
„Wir dürfen am Ende nicht naiv sein im Umgang mit China“, betonte der Vize-Kanzler. „Das muss ein klares Zeichen jetzt auch von der europäischen Ebene sein. Und da muss die Bundesregierung eine klare unmissverständliche Haltung einnehmen.“

Auch VW-Betriebsrat für Zölle und Local Content

Auch die VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo plädierte für Zölle auf Hybridfahrzeuge aus China und für Local-Content-Regelungen, „die eben dafür sorgen, dass in Deutschland, in Europa Wertschöpfung passiert“. Cavallo nannte den Wettbewerb mit China „schwierig, hart und unfair“. „Wenn wir mit unfairen Rahmenbedingungen konfrontiert sind, dann müssen wir das verändern.“

Stark wachsender Absatz chinesischer Plugin-Hybride in der EU

Der Absatz von Plugin-Hybriden aus China in der EU wächst stark. Laut einer Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung wurden 2024 rund 27.000 solcher Fahrzeuge in Europa verkauft, 2025 waren es schon rund 160.000. Ein Grund dafür ist, dass auf den Import in die EU bislang keine Zusatzzölle fällig werden. (afp/red)
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Carney begrüßt Vorschlag für „assoziierte“ Mitgliedschaft in der EU

Der kanadische Premierminister Mark Carney hat positiv auf den Vorschlag einer „assoziierten“ Mitgliedschaft in der EU reagiert. „Kanada begrüßt dieses Bestreben“, sagte Carney bei einer Rede vor dem EU-Parlament in Straßburg.
Die Beziehung zwischen Kanada und der EU könne nicht nur an Handel und Wohlstand gemessen werden: „Wir sind verbunden durch eine Wahlverwandtschaft, bewusst gewählt, immer wieder erneuert und deswegen umso stärker“, betonte Carney.

Gemeinsam stärker für gemeinsame Werte

„Wir sind keine Schönwetterverbündeten“, sagte der Kanadier den Abgeordneten. „Wir stehen für gemeinsame Werte, für die wir immer gekämpft haben.“ Kanada und die EU seien jeweils stark, fuhr Carney fort, „gemeinsam sind wir stärker“.
Der kanadische Premier schlug „eine enge Zusammenarbeit über das gesamte Spektrum strategischer Fähigkeiten hinweg“ vor. Dazu gehörten kritische Mineralien, Verteidigungsindustrie, Künstliche Intelligenz, Energiesicherheit und Raumfahrt.
Anlässlich der Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Vertiefung der Partnerschaft zwischen Kanada und der EU hat sich Carney jegliche Einmischung in die Außen- und Handelspolitik seine Landes verbeten.
„Niemand wird uns vorschreiben, (…) mit wem wir international Vereinbarungen treffen dürfen“, sagte Carney in Straßburg. Die Allianz zwischen Ottawa und Brüssel sei „eine positive Initiative, das ist meine Antwort an den amerikanischen Präsidenten“.

Carney: Engeres Bündnis nicht gegen andere gerichtet

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte am 16. September an, Brüssel wolle „die Beziehung zu Kanada auf das höchstmögliche Niveau bringen“ und schlug vor, das nordamerikanische Land zum „assoziierten“ Mitglied der EU zu machen.
Carney nahm bei seiner Rede nicht direkt Bezug auf die Spannungen mit den USA. Er nannte jedoch „den Einsatz des Handels als Waffe“ als eine der Herausforderungen für die Gesellschaften Europas und Kanadas.
Ähnlich wie von der Leyen am Vortag betonte der kanadische Premier, dass ein engeres Bündnis zwischen Kanada und der EU nicht gegen andere gerichtet sei.
Carney sagte, Kanada und Europa sollten ihre strategische Autonomie durch eine enge Zusammenarbeit über das gesamte Spektrum strategischer Fähigkeiten hinweg sichern.
„Wir wollen widerstandsfähiger werden, damit niemand unsere offenen Märkte kontrollieren, unsere Souveränität beeinträchtigen, unsere territoriale Unversehrtheit bedrohen oder unsere Freiheiten, unsere Demokratien und unsere Rechtsstaatlichkeit untergraben kann“, erklärte er.
Es gehe nicht darum, einen dritten Block zu schaffen, der zu einem Rivalen der Großmächte werden solle. Man strebe nicht nach Macht, um andere zu beherrschen. Eine Allianz zwischen der EU und Kanada würde ein „Leuchtfeuer für andere Demokratien“ schaffen.
Kanada und die EU haben sich in den vergangenen Monaten weiter angenähert. Hintergrund ist unter anderem die Handels- und Außenpolitik der US-Regierung. Trump hatte zuletzt mit neuen Einfuhrsperren und Zöllen den Handelsstreit mit Kanada verschärft. (afp/dpa/red)
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Güterverkehr der Bahn wird auch 2026 Verluste machen

Die kriselnde Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo wird eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr die von der EU-Kommission vorgeschriebene „schwarze Null“ verfehlen – also weiterhin Verluste machen.
Grund dafür seien einmalig anfallende Verlustabschreibungen bei einer zum Verkauf stehenden britischen Tochtergesellschaft, wie Cargo-Chef Bernhard Osburg sagte.
Die daraus resultierenden Wertberichtigungen von rund 260 Millionen Euro belasteten das Ergebnis des Güterverkehrskonzerns, hieß es aus Unternehmenskreisen. Es werde daher absehbar in diesem Jahr eine schwarze Null kaum zu schaffen sein.

Sanierungskonzept: Abbau von 6.200 der rund 14.000 Vollzeitstellen geplant

Das Unternehmen muss somit erneut mit der EU in Verhandlungen gehen. Die Kommission hatte dem Konzern in einem sogenannten Beihilfeverfahren einen umfassenden Sanierungskurs auferlegt, mit dem Ziel, ab 2026 operativ wieder in die Gewinnzone zu kommen.
Das aktuelle Sanierungskonzept sieht unter anderem dem Abbau von rund 6.200 der rund 14.000 Vollzeitstellen in Deutschland vor.
Außerdem plant Cargo-Chef Bernhard Osburg eine stärkere Ausrichtung auf europäische Verkehre – dieser Prozess sorgt für Verzögerungen.
Das bisher auf Deutschland konzentrierte Sanierungskonzept müsse nun auf das gesamte europäische Geschäft mit insgesamt 16 Auslandstöchtern ausgeweitet werden, betonte Osburg. Dabei werde intensiv geschaut, welche dieser Gesellschaften für die Umsetzung der Europa-Strategie essenziell seien.

Sanierung in Deutschland auf gutem Weg

Die EU will Osburg überzeugen, dass die Sanierung innerhalb Deutschlands auf einem guten Weg sei.
Ohne die Abschreibungen bei der englischen Tochter wäre die schwarze Null in diesem Jahr erreicht worden, betonte er. Schon im vergangenen Jahr lag das Ergebnis nach Steuern und Zinsen (Ebit) mit minus 58 Millionen Euro knapp vor dem Ziel. (dpa/red)
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Wirtschaftsministerin Reiche will Spritpreise per Steuerrabatt senken

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die hohen Spritpreise per Steuerrabatt senken. „Ein sinnvoller Ansatz wäre aus meiner Sicht eine vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer für Kraftstoffe von 19 auf sieben Prozent“, sagte Reiche am Mittwoch, den 16. September am Rande eines Treffens der G20-Staatengruppe in Houston im US-Bundesstaat Texas.
Zudem erneuerte sie ihren Vorschlag für Direktzahlungen an Geringverdiener. Diese würden nach ihren Worten aber erst Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten.
Zuvor hatte sich Unionsfraktionschef Thorsten Frei für eine Mehrwertsteuersenkung ausgesprochen. Dies bringe allerdings keine Entlastung für Gewerbetreibende, räumte Reiche ein. „Deshalb prüfen wir Wege, wie wir das mittelständische Transportgewerbe ebenfalls gezielt entlasten können.“

Spritpreisdeckel und Übergewinnsteuer abgelehnt

Einen Spritpreisdeckel halte sie „für den falschen Weg“, sagte die Bundeswirtschaftsministerin. Dies schwäche mittelständische Raffinerien. Zudem sei ein solcher Deckel bereits in anderen EU-Ländern gescheitert.
Auch eine Übergewinnsteuer überzeuge sie nicht, sagte Reiche. Sie sei mit rechtlichen Unsicherheiten behaftet und könne Innovationen und Investitionen in Deutschland verhindern.
Wegen der zuletzt massiv gestiegenen Spritpreise infolge der weiteren Eskalation des Iran-Krieges ist die Debatte um mögliche Entlastungen für Verbraucher wieder entbrannt. Die SPD forderte einen Preisdeckel, der vom Bundeswirtschaftsministerium umgesetzt werden müsste. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) setzt sich außerdem für eine Übergewinnsteuer auf EU-Ebene ein. (afp/red)
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16. September: Spritpreise auf Rekordniveau | Rückendeckung für Merz | Kopf-an-Kopf-Rennen

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Spritpreise auf Rekordniveau

Unions-Fraktionschef Thorsten Frei schlägt vor, angesichts der hohen Spritpreise die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel ab dem 1. Oktober zu senken. Super E10 kostet derzeit rund 2,30 Euro pro Liter, Diesel 2,42 Euro. Auch ein Tankrabatt, ein Spritpreisdeckel, eine Übergewinnsteuer oder eine Energiepauschale werden diskutiert. Kanzler Friedrich Merz kündigte einen Vorschlag zur Entlastung an.

Rückendeckung für Merz

Die acht Ministerpräsidenten der CDU-geführten Bundesländer haben Bundeskanzler Friedrich Merz in der Debatte über seine politische Zukunft den Rücken gestärkt. In einer gemeinsamen Erklärung wandten sie sich gegen Personaldiskussionen. Merz hat das CDU-Präsidium für Sonntagabend einberufen – den Wahlabend in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liefern sich AfD und SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die AfD liegt laut aktueller INSA-Umfrage bei 37, die SPD bei 35 Prozent. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig setzt im Wahlkampf als die „Frau gegen Blau“ auf Zuspitzung. Kleinere Parteien wie die Grünen bangen dagegen um den Einzug in den Landtag.

Neuer Anti-Terror-Plan

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig haben einen neuen Zehn-Punkte-Plan zum Schutz vor islamistischem Terrorismus vorgestellt. Gefährder sollen künftig stärker überwacht werden. Messerattacken werden härter bestraft und die Finanzierung der islamistischen Szene bekämpft. Änderungen gibt es auch beim Jugendstrafrecht.

EU-Alarmmechanismus

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert in ihrer Rede zur Lage der EU einen neuen Alarmmechanismus für Sicherheitskrisen, der bei hybriden Angriffen zum Tragen kommen soll – unabhängig von der NATO. Zudem plant sie einen Europäischen Sicherheitsrat sowie neue gemeinsame militärische Fähigkeiten.
 
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EU vor neuem Kurs: Von der Leyen setzt auf Unabhängigkeit


In Kürze:

  • Ursula von der Leyen stellt die Unabhängigkeit Europas ins Zentrum ihrer Rede zur Lage der EU.
  • EU will Energie, Wirtschaft und KI stärken und Abhängigkeiten von Drittstaaten verringern.
  • Neue Sicherheitsarchitektur mit Europäischem Sicherheitsrat und Mechanismus gegen hybride Angriffe geplant.

 
Am Mittwoch, 16. September, hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre jährliche Rede zur Lage der Europäischen Union im EU-Parlament in Straßburg gehalten. Dabei stellte sie die „Unabhängigkeit Europas“ in den Vordergrund und kündigte mehrere Schritte an, die dieser zuträglich sein sollen.
Dazu gehört, dass die EU eine Art Konsultationsmechanismus analog zu Artikel 4 des NATO-Vertrags schaffen will, der bei hybriden Angriffen zum Tragen kommen soll. Außerdem will von der Leyen Kanada, dessen Premierminister Mark Carney bei der Rede anwesend war, die erste „assoziierte EU-Mitgliedschaft“ anbieten.

Von der Leyen sieht EU-Wirtschaft resilient gegen Irankrieg

In ihrer Rede sprach die Kommissionspräsidentin von einem „Europa zwischen Stärke und Unsicherheit“. Die EU sei „stärker als je zuvor“, könne sich gleichzeitig aber auch „so verletzlich wie selten zuvor anfühlen“. In einer von Kriegen in der Nachbarschaft, Handelskonflikten, hybriden Angriffen und einem zunehmenden „Kampf der Narrative“ geprägten Gegenwart könne „nur ein geeintes Europa den Europäern echte Souveränität ermöglichen“.
Von der Leyen erklärte weiter, die europäische Wirtschaft habe die Folgen des Irankrieges bisher besser verkraftet als erwartet. Die Arbeitslosigkeit sei nicht signifikant gestiegen. Allerdings belasteten weiterhin hohe Treibstoff- und Energiekosten sowie eine zersplitterte Kaufkraft Unternehmen und Bürger.
Die Kommissionspräsidentin mahnte deshalb eine schnellere Umsetzung der geplanten Kapitalmarktunion an. Diese werde ihrer Auffassung nach als noch ausstehender Teil den Europäischen Binnenmarkt vollenden. Innovation, Kapital und Energie sollen sich innerhalb Europas leichter über Grenzen hinwegbewegen können, so von der Leyen.

Energiepreise mit Industriemacht-Ambitionen nicht vereinbar

Es müsse auch schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie geben. Die Kommission habe zwölf sogenannte Omnibus-Vorschläge zur Verringerung des Verwaltungsaufwands vorgelegt. Das sei ein wichtiger erster Schritt. Nun seien jedoch auch die Mitgliedstaaten gefragt, von denen von der Leyen sich eine stärkere Beteiligung an der Vereinfachung wünsche.
Mit Blick auf die Energiepolitik machte von der Leyen deutlich, dass Europa mit den derzeitigen Energiepreisen keine führende Industriemacht bleiben könne. Die EU wolle deshalb erneuerbare Energien und Kernkraft ausbauen. Aber auch die Anbindung an Stromnetze, der Bestand an Speichern und grenzüberschreitende Verbindungen müssten verstärkt werden.
Von der Leyen betonte, der Elektrifizierungsgrad Europas müsse sich zeitnah verdoppeln, um zum elektrifizierten Kontinent werden zu können. Mehr verfügbare Elektrizität und eine bessere Netzinfrastruktur sollten letztlich auch dazu beitragen, die Energiepreise zu senken. Wie wichtig Unabhängigkeit im Energiesektor sei, zeige der Umstand, dass man seit Beginn des Irankrieges für die gleiche Menge an fossilen Brennstoffimporten zusätzliche 90 Milliarden Euro zahlen habe müssen.

Sorge vor Handelsdefizit gegenüber China

Mit Sorge blickt von der Leyen unterdessen auf das hohe Handelsdefizit gegenüber China. Sie stellte einen Zusammenhang zwischen diesem Missverhältnis und zunehmender Deindustrialisierung in Europa her. Gleichzeitig wolle sie auf einen Dialog setzen – aber mit konkreten Ergebnissen. Man wolle „alle verfügbaren Instrumente nutzen, um unsere Beziehungen wieder ins Gleichgewicht zu bringen“, erklärte von der Leyen.
Ein Dialog liege in beiderseitigem Interesse, erklärte die Kommissionspräsidentin. Auch China sei aufgrund der stagnierenden Inlandsnachfrage auf den europäischen Markt angewiesen. Deshalb liege ein ausgewogeneres Verhältnis im Interesse beider Parteien. Für Europa seien zudem bestehende Abhängigkeitsverhältnisse besonders problematisch – unter anderem bei Rohstoffen, seltenen Erden und strategischen Technologien.
Die EU müsse deshalb ihre Bezugsquellen diversifizieren. Von der Leyen kündigte in diesem Zusammenhang die Schaffung einer neuen Europäischen Gesellschaft für kritische Rohstoffe an. Diese solle dazu beitragen, die Versorgung mit strategisch wichtigen Materialien abzusichern.

Klimaschutz und Folgenbewältigung als weiterer Schwerpunkt

Um europäischen Unternehmen bessere Wachstumschancen zu sichern, soll es ein neues Bankenpaket geben. Dieses sei Teil der angestrebten Spar- und Investitionsunion und soll Banken ermöglichen, mehr Risiken einzugehen – beispielsweise bei der Finanzierung von Start-ups. Mit den „Scale Up Europe Funds“ will man zusätzlich Wachstumskapital mobilisieren. Europa, so von der Leyen, habe zwar viele innovative Unternehmen. Man müsse aber besser darin werden, daraus große, international konkurrenzfähige Unternehmen zu entwickeln.
Ein weiterer Themenkomplex, dem die Kommissionspräsidentin ausführlich Raum schenkte, war jener von Klimaschutz und Klimaanpassung. Von der Leyen verwies auf die Bilanz des ausgehenden Sommers. Waldbrände, Dürre, Verödung, Niedrigwasser, extreme Hitze und mehr als 35.000 Hitzetote stellten die Gemeinschaft vor neue Herausforderungen.
Europa erwärme sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Die EU müsse vor diesem Hintergrund an ihren Klimazielen festhalten, so von der Leyen. Gleichzeitig sei es aber erforderlich, stärker in Anpassung und Resilienz zu investieren. Für den kommenden Monat kündigte die Kommissionspräsidentin einen neuen Rechtsrahmen für Klimaresilienz an. Zudem sollen die 100 am stärksten gefährdeten Gebiete in der EU identifiziert werden. Europa, so von der Leyen, solle jedoch nicht nur Schäden bekämpfen, sondern auch zum führenden Markt für Klimaanpassung werden.

Plan für Hitzevorsorge und europäische Wasserinitiative

Die Kommissionspräsidentin wies auch darauf hin, dass private Versicherungen derzeit lediglich rund 25 Prozent der Kosten von Naturkatastrophen abdecken. Brüssel fasst deshalb eine „Allianz für Klimaversicherung“, einen europäischen Plan für Hitzevorsorge und eine neue europäische Wasserinitiative ins Auge.
Dazu sollen Maßnahmen gegen Wasserverschwendung, neue Vorschläge zum Risikomanagement und Schritte in Abstimmung mit der Landwirtschaft kommen. Beim Thema Waldbrände kündigte von der Leyen ebenfalls eine engere europäische Zusammenarbeit an. Feuerwehrexperten aus verschiedenen europäischen Staaten sollen Vorschläge für eine EU-Löschflugzeugkette erarbeiten.
Großen Raum nahm in der Rede von der Leyen auch das Thema KI ein. Künstliche Intelligenz sei zunehmend eine tragende Säule von Europas Wohlstand und Sicherheit. Sie biete enorme Chancen für Lebensqualität, Produktivität, Industrie, Medizin, Verkehr, Landwirtschaft, Verteidigung und Raumfahrt.

KI soll „Ärzte unterstützen, aber nicht ersetzen“

Gleichzeitig warnte sie vor neuen Risiken. Moderne KI-Modelle verfügten über bislang unbekannte Fähigkeiten beim Hacking. Auch autonom handelnde beziehungsweise „ausbrechende“ KI-Agenten könnten Risiken darstellen. Deshalb müsse Europa eigene KI entwickeln – aber auch deren Risiken kontrollieren. Darüber wolle man auch mit internationalen Partnern und führenden KI-Laboren sprechen.
Europa, so von der Leyen, brauche eigene KI-Modelle, eigene Technologien, eigene Rechenzentren und mehr private Investitionen. Europa dürfe sich nicht ausschließlich auf die großen sogenannten Frontier-Modelle konzentrieren und es sei auch kein Grund zur Sorge, dass man in diesem Bereich bisher kaum eine Rolle gespielt habe.
Entscheidend sei, was man auf die Vorarbeiten aufbauen könne. KI müsse konkret in den Alltag und die Wirtschaft gebracht werden. Von der Leyen nannte als Beispiel die Medizin: KI-gestützte Mammografie könne dabei helfen, mehr Brustkrebsfälle frühzeitig zu erkennen. KI solle mit ihren Datenanalysefähigkeiten auch Ärzte unterstützen, diese aber nicht ersetzen. Es werde schon bald ein „ehrgeiziges europäisches KI-Projekt“ geben, das dennoch ressourcenschonend und unter menschlicher Kontrolle bleiben solle.

Kanada soll assoziiertes EU-Mitglied werden

Von der Leyen kündigte neue europäische Rechtsakte und Initiativen unter anderem in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Pflege an. Ziel sei es, den Menschen auch in ihren jeweiligen Regionen Perspektiven zu bieten und ihnen zu ermöglichen, dort zu bleiben. „In Europa stehen Menschen immer an erster Stelle“, so die Kommissionspräsidentin.
Gleichzeitig warb von der Leyen für eine engere internationale Zusammenarbeit. Die EU verfüge bereits über Freihandelsabkommen mit mehr als 80 Ländern. In einer zunehmend fragmentierten Welt müsse Europa daher nicht auf Abschottung setzen, sondern auf neue Partnerschaften und bessere Verbindungen. Im Rahmen des sogenannten Global Gateway soll eine weitere Konnektivitätsinitiative mit Schwerpunkt auf Zentralasien entstehen. Auch die Beziehungen zu Kanada sollen auf eine neue Stufe gehoben werden. Von der Leyen schlug deshalb vor, Kanada zum ersten assoziierten Mitglied der EU zu machen.
Besonders weitreichend waren von der Leyens Ankündigungen zur europäischen Sicherheit. Gemeinsam mit der Hohen Vertreterin der EU will sie eine neue Sicherheitsdoktrin erarbeiten. Angesichts hybrider Angriffe und anderer neuer Bedrohungen seien bestehende Strukturen möglicherweise nicht mehr ausreichend. Deshalb wolle man einen europäischen Mechanismus schaffen, der bei hybriden Angriffen eine gemeinsame Reaktion ermöglichen solle. Von der Leyen verglich den geplanten Mechanismus mit Artikel 4 des NATO-Vertrags beziehungsweise einem europäischen Notfallsicherheitsprotokoll.

Von der Leyen kündigt Europäischen Sicherheitsrat an

Die Kommissionspräsidentin kündigte außerdem die Einrichtung eines Europäischen Sicherheitsrats an. Dieser soll eine engere Abstimmung der Mitgliedstaaten in Sicherheitsfragen ermöglichen. Von der Leyen verwies in diesem Zusammenhang auch auf den starken Anstieg der europäischen Verteidigungsausgaben. Diese seien seit ihrem Amtsantritt um 80 Prozent gestiegen. Investitionen in die Verteidigung könnten zugleich Arbeitsplätze schaffen und die europäische Industrie stärken.
Eine zentrale Rolle sollen dabei sogenannte strategische Enabler spielen – also Fähigkeiten und Systeme, die für eine eigenständigere europäische Verteidigungsfähigkeit erforderlich sind. Die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten müsse deshalb weiter vertieft werden. Die neue europäische Sicherheitsarchitektur solle dabei ausdrücklich mit der NATO zusammenarbeiten.
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Für Kinder tabu: EU-Kommission will Social Media erst ab 13

Die EU-Kommission will den Zugang zu sozialen Netzwerken für Kinder unter 13 Jahren in Deutschland und anderen Mitgliedsländern beschränken. „Keine sozialen Netzwerke unter dem Alter von 13 Jahren. Kein eigenes Nutzerkonto unter dem Alter von 15 Jahren“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im EU-Parlament in Straßburg. Auch für Deutschland ist das wichtig. Worum es geht.

Heißt das, ein Social-Media-Verbot kommt?

Nein, das ist noch lange nicht beschlossene Sache. An diesem Donnerstag will von der Leyen einen Gesetzestext mit den Details des Vorschlags vorstellen. Anschließend müssen sich das EU-Parlament und die Mitgliedsländer damit befassen. Bis es zu einer Einigung kommt und ein Mindestalter tatsächlich eingeführt wird, könnten Monate oder sogar Jahre vergehen.

Was schlägt die EU-Kommission vor?

Eigene Konten auf TikTok, Snapchat, Instagram und Co. sollen für Kinder unter 13 Jahren nach von der Leyens Plänen komplett tabu sein. Die großen Plattformen sehen schon jetzt in ihren Geschäftsbedingungen ein Mindestalter von 13 Jahren vor. Die Internetwächter in Brüssel kritisierten jedoch wiederholt, dass diese Altersgrenze nicht richtig durchgesetzt werde. Das soll sich durch die neuen Vorgaben ändern – die Plattformen sollen in die Pflicht genommen werden.
Die Beweislast solle umgekehrt werden, sagte von der Leyen: „Die Plattformen müssen beweisen, dass sie sicher sind. Es geht nämlich nicht darum, dass unsere Minderjährigen auf soziale Medien zugreifen. Es geht darum, wann und in welchem Ausmaß wir sozialen Medien den Zugang zu Minderjährigen erlauben.“
Ab 13 Jahren dürfen Jugendliche künftig nach von der Leyens Vorstellung etwas mehr: Dann sollen sie „Mini-Konten“ nutzen dürfen, die von den Eltern eingerichtet und beaufsichtigt werden, mit begrenzten Funktionen und zeitlicher Einschränkung.

Welche Sicherheitsvorgaben soll es geben?

Jugendliche ab 15 Jahren sollen dann auch auf soziale Medien zugreifen dürfen und eigene Konten haben können – falls das Design sicher ist. Dies müssten die Plattformen dann nachweisen.
Die EU-Kommission versteht unter „safety by design“ etwa, dass Social-Media-Plattformen keine suchtfördernden Algorithmen haben und Funktionen wie endloses Scrollen oder das automatische Abspielen von Videos deaktiviert sind.
Die Online-Angebote sollen demnach Sicherheitsvorkehrungen zum Kinder- und Jugendschutz grundsätzlich „verbaut“ haben. Auch Beschränkungen für Bildschirmzeiten oder andere Maßnahmen zum Kinder- und Jugendschutz zählen dazu.

Ist das für Deutschland wichtig?

Ja, denn was die EU-Kommission vorhat, ist auch für die deutsche Debatte über ein Social-Media-Verbot entscheidend. Die Brüsseler Behörde hat in Teilen der Digitalpolitik ein Vorrecht. Deutschland darf zwar grundsätzlich selbst der Bevölkerung vorschreiben, ab welchem Alter Social Media erlaubt ist. Dann müssten Eltern kontrollieren, ob sich ihre Kinder an die Regeln halten.
Sollen die großen Plattformen wie TikTok, Snapchat, Instagram und Co. in die Verantwortung genommen werden, kann das aber nur die EU-Kommission durchsetzen. Genau das wollen viele Politiker in Mitgliedsländern der EU, sie wollen quasi den Plattformen die Rolle der Türsteher geben. Doch nur die EU kann per Gesetz von den Online-Riesen eine Alterskontrolle verlangen. Die Europäische Kommission setzt die Digitalgesetze ihnen gegenüber durch.

Was plant die Bundesregierung?

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat sich für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren ausgesprochen. Sie hatte eine Expertenkommission eingesetzt, die im Sommer umfangreiche Vorschläge für einen besseren Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt vorlegte. Darin geht es etwa um die Option einer „gesetzlichen Mindestaltersgrenze von 13 Jahren“ für die eigenständige Nutzung von Social-Media-Konten.
Prien sprach sich zudem für „abgestufte Schutzkonzepte“ bei der Nutzung von TikTok, Instagram und Co. für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren aus.
Zuletzt hatte sie eingeschränkt, der Schlüssel liege „ein bisschen in Brüssel“. Es gebe Grenzen dessen, was man in Deutschland regeln könne. Man müsse auf eine europäische Lösung drängen und gleichzeitig Übergangslösungen für Deutschland in Gesetzesform gießen. Prien kündigte Eckpunkte für Regelungen in Deutschland für Oktober an, ohne zunächst weitere Details zu nennen.
Im Nachbarland Frankreich sind die Pläne bereits weiter fortgeschritten. Dort ist ein Social-Media-Verbot für alle unter 15 Jahren geplant. Ein erster Gesetzesvorschlag war aus Sicht der EU-Kommission nicht mit EU-Recht kompatibel, just am Montag reichte Paris eine überarbeitete Fassung ein.

Wie soll das praktisch funktionieren?

Bei der technischen Umsetzung der Alterskontrolle dürfte auch eine App der EU-Kommission eine große Rolle spielen. Die digitale Brieftasche EUDI-Wallet soll Anfang 2027 auch in Deutschland verfügbar sein. Darin soll es dann eine Möglichkeit der Altersverifikation geben.
Vorgesehen ist, dass Nutzer ein bestimmtes Mindestalter nachweisen, ohne dabei persönliche Daten wie Name oder Geburtsdatum zu speichern oder an die großen Online-Plattformen weiterzugeben. Kommt das Gesetz wie geplant, müssten voraussichtlich alle Nutzer beliebter Online-Angebote regelmäßig auf diese Weise ihr Alter verifizieren. (dpa/red)
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Von der Leyen spricht zur Lage der EU

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält heute ab 9 Uhr ihre jährliche Rede zur Lage der Union im Europaparlament. Darin wird sie die Prioritäten ihrer Politik für das kommende Jahr und darüber hinaus skizzieren.
Es wird erwartet, dass von der Leyen unter anderem sagt, welche Regeln sie für Kinder und Jugendliche im Internet einführen will. Anschließend steht sie den Abgeordneten in Straßburg Rede und Antwort.

Kindheit mit Internet und Social Media

„Wir müssen uns nicht mit einer Kindheit abfinden, die von Algorithmen geprägt ist. Wir müssen uns nicht mit einem System abfinden, das unsere Kinder im Stich lässt“, schrieb die Politikerin vorab auf der Plattform X. Europa habe die Macht, zu handeln.
„Um Kindern die Zeit zu geben, die sie in der realen Welt brauchen.“ In ihrer Rede zur Lage der Union werde sie den Vorschlag der EU-Kommission für Social Media näher erläutern, der dann am Donnerstag offiziell vorgestellt werden soll.
Was die EU-Kommission plant, ist für die deutsche Debatte über ein Social-Media-Verbot entscheidend. Die Brüsseler Behörde hat in Teilen der Digitalpolitik ein Vorrecht.
Deutschland darf sich grundsätzlich selbst vorschreiben, ab welchem Alter Social Media erlaubt ist. Dann müssten Eltern kontrollieren, ob sich ihre Kinder an die Regeln halten. Sollen die großen Plattformen wie TikTok, Snapchat, Instagram und Co. in die Verantwortung genommen werden, kann das nur die EU-Kommission durchsetzen.

Weitere Themen von der Leyens

Weitere Themen dürften Sicherheit und Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit und der nächste mehrjährige EU-Haushalt sein. Es wird erwartet, dass sie auch über die Themen Klima, Künstliche Intelligenz, Europas Wettbewerbsfähigkeit, Migration und den Ukrainekrieg spricht. 
Als erster Regierungschef überhaupt wird der kanadische Premierminister Mark Carney der Rede beiwohnen. Ottawa nähert sich angesichts angespannter Beziehungen zu Washington derzeit Brüssel an.
Ursula von der Leyen ist seit 2019 Präsidentin der Europäischen Kommission. Die Europäische Kommission ist in der EU die einzige Institution, die neue EU-Gesetze vorschlagen kann.
Damit sie verabschiedet werden, ist sie auf Mehrheiten in Europäischem Parlament und unter den 27 Mitgliedstaaten angewiesen. (afp/dpa/red)
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Engere Zusammenarbeit mit der EU: Wie europäisch ist Kanada?

Der zweitägige Besuch des kanadischen Premierministers Mark Carney im Europaparlament in Straßburg steht unter dem Vorzeichen engerer Verbindungen zwischen Ottawa und Brüssel. Carney strebt eine „einzigartige Allianz“ mit der EU an – dabei kennt Brüssel bereits eine Vielzahl an Varianten institutionalisierter Zusammenarbeit.

Vollmitgliedschaft in der EU

Artikel 49 des EU-Vertrags besagt, dass „jeder europäische Staat“, der die Werte der EU achtet, eine Mitgliedschaft beantragen kann. Diese sind „die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte“. Geographische Kriterien für einen „europäischen Staat“ werden darin zwar nicht genannt.
Es ist jedoch nur schwer vorstellbar, dass Kanada für diese Kategorie infrage kommt – auch wenn der Europaabgeordnete Javier Moreno Sánchez scherzhaft auf die Nähe Kanadas zu Grönland verweist.
Zur Orientierung: 1987 wurde dem Mittelmeeranrainer Marokko eine EU-Mitgliedschaft mit der Begründung verweigert, dass er kein europäischer Staat sei.

Carneys „einzigartige Allianz“

Der kanadische Premierminister Carney hatte einer Mitgliedschaft in der EU jüngst von sich aus eine Absage erteilt. Stattdessen möchte er eine „einzigartige Allianz“ mit der EU schmieden.
Konkret könnte dies heißen, dass Kanada – ähnlich wie Großbritannien – das bestehende Freihandelsabkommen nach und nach mit Vereinbarungen über die Zusammenarbeit in anderen Bereichen ergänzt.
So ist Kanada bereits jetzt das einzige nicht-europäische Land, dass sich am 150 Milliarden Euro schweren EU-Verteidigungsfonds Safe beteiligt. Medienberichten zufolge würde Kanada sich auch an den Kosten des EU-Darlehens für die Ukraine beteiligen.

Londons „Freihandel Plus“

Nach dem Brexit schlossen Großbritannien und die EU ein Handels- und Kooperationsabkommen, das über ein traditionelles Freihandelsabkommen hinausgeht.
Seitdem wurden mehrere zusätzliche Abkommen unterzeichnet, etwa für die Bereiche Sicherheit und Verteidigung sowie für den weiteren Abbau von Handels- und Aufenthaltsbeschränkungen. London beteiligt sich zudem an den Kosten des 90-Milliarden-Euro-Darlehens der EU an die Ukraine.

Europäischer Wirtschaftsraum und Freihandelsassoziation

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) bezeichnet die Freihandelszone, der alle 27 EU-Länder angehören. Zudem haben drei Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) Zugang zum EU-Binnenmarkt: Norwegen, Liechtenstein und Island.
Sie bekennen sich damit zu „vier Grundfreiheiten“ – freier Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital – sind aber nicht Teil der Agrar- oder Handelspolitik der EU und können bei Entscheidungen in Brüssel nicht mitreden.
Dem Efta-Vertrag zufolge kann „jeder Staat“ beitreten, sofern das zuständige Gremium zustimmt. Im EWR-Abkommen ist allerdings von „europäischen Staaten“ die Rede.
Auch ist fraglich, ob Kanada bereit wäre, allen Bedingungen des EWR zuzustimmen, etwa dem Prinzip der Personenfreizügigkeit. Für Ottawa wäre zudem abzuwägen, welche Vorteile eine Mitgliedschaft im EWR im Verhältnis zum bestehenden EU-kanadischen Freihandelsabkommen Ceta hätte.

Sonderfall Schweiz

Die Schweiz ist zwar Efta-Mitglied, hat sich aber gegen einen Beitritt zum EWR entschieden. Stattdessen ist der Zugang der Schweizer zum EU-Binnenmarkt über ein Vielzahl bilateraler Einzelabkommen geregelt.

„Assoziierte Mitgliedschaft“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte angesichts des langwierigen EU-Beitrittsprozesses im Mai vorgeschlagen, die Ukraine ohne Stimmrecht als „assoziiertes Mitglied“ in die EU aufzunehmen.
Auch für die Westbalkanstaaten forderte er eine Art Beobachterstatus und eine engere Einbindung in die Institutionen und Entscheidungsprozesse der EU. Trotz zum Teil positiver Reaktionen gibt es aber bisher keine solche Regelung.

Zollunion

Seit 1996 sind die EU und der ewige Beitrittskandidat Türkei in einer Zollunion vereint. Das bedeutet grundsätzlich freien Warenverkehr sowie Angleichungen in Bereichen wie Handelspolitik und Wettbewerbsvorschriften.
In den vergangen Jahren gab es immer wieder Debatten um eine Modernisierung der Zollunion in Verbindung mit Visa-Erleichterungen für türkische Bürger. (afp/red)
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Frankreich: Korruptionsprozess gegen Spitzenpolitikerin und Ex-Automanager

In Frankreich müssen sich die frühere Ministerin Rachida Dati und der Ex-Chef des Autokonzerns Renault-Nissan, Carlos Ghosn, von Mittwoch an wegen einer Korruptionsaffäre vor einem Pariser Gericht verantworten. Die 60-jährige Konservative, die seit zwei Jahrzehnten in der französischen Politik präsent ist, steht im Verdacht, 900.000 Euro von einer Renault-Filiale für Lobbyarbeit im EU-Parlament angenommen zu haben – was sie bestreitet.

Zwei schillernde Figuren im Rampenlicht

Dati und Ghosn verbindet der Hang zu ungewöhnlichen Auftritten: So posierte Dati als Justizministerin in einer Dior-Robe für eine Klatschzeitschrift und drehte während des Kommunalwahlkampfs Ende 2025 eine Runde mit der Müllabfuhr.
Ghosn floh seinerseits vor der japanischen Justiz, die ihn wegen der Veruntreuung von Geldern suchte, in einem Privatjet in den Libanon – versteckt in einer Transportkiste für Musikinstrumente. Der ehemalige Unternehmer hält sich weiterhin im Libanon auf und wird nicht vor Gericht erscheinen. Kürzlich beantragte er einen Aufschub des Prozesses und erklärte sich zu einer Aussage per Video bereit.

Ein Vertrag mit 1.000 Euro Stundenlohn

Der von Dati und Ghosn unterzeichnete Vertrag fiel der französischen Justiz 2019 in die Hände: Er umfasst ein Jahresgehalt in Höhe von 300.000 Euro für eine Arbeitszeit von 300 Stunden – also einen Stundenlohn von tausend Euro. Dati hatte ihn kurz nach ihrer Wahl ins Europaparlament unterzeichnet.
Den Ermittlern erklärte sie, dass sie in ihrer Zeit als EU-Abgeordnete nebenher als Anwältin für eine Filiale von Renault-Nissan gearbeitet habe. Dies ist grundsätzlich legal. Allerdings wurde Dati erst vier Monate nach Abschluss des Vertrags als Anwältin vereidigt.

Fehlende Belege und „autofreundliches“ Engagement

Die Anklage verweist darauf, dass es kaum Belege für Datis Anwaltstätigkeit gebe – wohl aber mehrere für ihr autofreundliches Engagement im EU-Parlament. Dazu zählt sie mehrere parlamentarische Anfragen. So forderte Dati 2012 in der Debatte um Grenzwerte für den Lärmpegel von Autos, „alles zu tun, um kostspielige und unnötige Normen zu vermeiden“. Nach Informationen des Magazins „Nouvel Obs“ lag diese Anfrage dem Sekretariat von Ghosn bereits vor, als Dati sie noch nicht im EU-Parlament eingereicht hatte.
Datis lukrativer Vertrag wurde zwei Mal verlängert, was die Gesamtsumme von 900.000 Euro ergibt. Zum Vertragsende fasste Dati im Februar 2013 ihre Stellungnahmen, die den Interessen der Autobranche entsprachen, in einem Bericht für Ghosn zusammen. Sie erklärte dies später damit, dass es sich lediglich um eine Beobachtung der Rechtsentwicklung gehandelt habe.

Drohende Haftstrafen und politische Konsequenzen

Der Prozess soll bis zum 28. September dauern. Im Fall einer Verurteilung wegen Korruption und Einflussnahme drohen beiden Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft.
Das Gericht könnte Dati auch mit sofortiger Geltung das passive Wahlrecht entziehen. In diesem Fall müsste Dati ihren derzeitigen Posten als Bezirksbürgermeisterin im schicken siebten Arrondissement von Paris aufgeben, selbst wenn sie in Berufung geht.

Vom Aufstieg aus einfachen Verhältnissen zu weiteren Ermittlungen

Dati beeindruckte in Frankreich viele mit ihrer Aufsteigergeschichte: Sie stammt aus einer kinderreichen Einwandererfamilie und arbeitete sich zur Justiz- und später zur Kulturministerin nach oben, häufig mit Hilfe einflussreicher Menschen, die ihr die Türen zur Pariser Polit-Elite öffneten.
Mit der Justiz geriet sie jedoch mehrfach ins Gehege: In ihrer Zeit als EU-Abgeordnete soll sie auch knapp 300.000 Euro von dem Energiekonzern GDF Suez erhalten haben. Zudem ist sie mit dem Vorwurf konfrontiert, Schmuck im Wert von 410.000 Euro bei ihrer Vermögenserklärung unterschlagen zu haben – Geschenke des Geschäftsmannes Henri Proglio. In beiden Fällen laufen noch Ermittlungen. Dati weist alle Vorwürfe zurück. (afp/red)
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Nach der Wahl: Was ein Regierungswechsel in Schweden für Deutschland und Europa bedeutet


In Kürze:

  • Das Mitte-Links-Lager um Magdalena Andersson verfügt in Schweden nach Auszählung der letzten Stimmen über eine hauchdünne Mehrheit.
  • Die Schwedendemokraten verlieren deutlich und sind erstmals seit ihrem Einzug in den Reichstag 2010 nicht weiter auf dem Vormarsch.
  • Ein Regierungswechsel dürfte vor allem die Klima- und Energiepolitik verändern, während Migration und Sicherheit weniger stark betroffen wären.
  • Das schwedische Modell der Einbindung der Schwedendemokraten könnte auch für Deutschland politische Lehren bereithalten.

 
Am Ende bestimmten erst die sogenannten Mittwochsstimmen, welche künftigen Optionen auf eine Regierungsbildung die Reichstagswahlen in Schweden ermöglichen würden. Dabei handelte es sich vor allem um Briefstimmen, die im Vorfeld der Wahlen oder von Auslandsschweden abgegeben wurden.
An den grundlegenden Trends, die sich bereits am Sonntag, 13. September, abgezeichnet hatten, änderte sich wenig. Die Sozialdemokraten büßen an Stimmen ein, bleiben aber stimmenstärkste Partei. Die rechten Schwedendemokraten sind die großen Wahlverlierer und erstmals seit ihrem Parlamentseinzug im Jahr 2010 ist ihr Vormarsch gestoppt.

Zentrum gegen Regierungsbeteiligung der Linken – Liberale gegen Ministerposten für Schwedendemokraten

Nach Auszählung der letzten noch offenen Stimmen steht fest, dass das Mitte-Links-Bündnis unter Magdalena Andersson über eine hauchdünne Mehrheit im Reichstag verfügt. Ob es zu einem Regierungsbündnis reichen wird, ob Andersson ein Minderheitskabinett bilden oder eine gänzlich neue Konstellation suchen wird, ist ungewiss. Grund dafür ist, dass es Uneinigkeit über die Art und Weise der Einbindung der Linken (Vänsterpartiet) gibt.
Die Linke, die innerhalb des Mitte-Links-Lagers die größten Zugewinne verbuchte und sich als zweitstärkste Kraft im Bündnis etablierte, besteht auf einer Regierungsbeteiligung. Die agrarisch geprägte Zentrumspartei lehnt dies kategorisch ab. Ohne die Stimmen der Linken verfügt das Andersson-Bündnis allerdings über keine parlamentarische Mehrheit.
Im sogenannten Tidö-Bündnis von Ministerpräsident Ulf Kristersson besteht ein ähnliches Problem. Dort haben die Liberalen durch eine Aufholjagd auf den letzten Metern noch den Einzug in den Reichstag geschafft. Ihre Vorsitzende Simona Mohamsson lehnt Ministerämter für die Schwedendemokraten ab – Kristersson hatte im Vorfeld der Wahl jedoch angekündigt, diese offiziell in die Regierung aufnehmen zu wollen.

Koalitionen zwischen Sozialdemokraten und Konservativen in Schweden unüblich

Die rechnerisch naheliegende Option, die Zentrumspartei aus dem Mitte-Links-Bündnis loszueisen, würde an deren Unwillen scheitern, mit der Rechtsaußenpartei zusammenzuarbeiten. Umgekehrt hätte das Mitte-Links-Bündnis keinen Nutzen davon, die Linke auszubooten und stattdessen um die Liberalen zu werben. Die Vänsterpartiet verfügt gleich über zehn Sitze mehr als die Mohamsson-Fraktion.
Abhilfe würde einzig eine Einigung mit Kristersson versprechen. Er ist aus der Wahl gestärkt hervorgegangen und innerhalb seines Bündnisses, dem nun eine eigene Mehrheit fehlt, wieder klar stärkste Kraft. Mit etwa 20 Prozent liegt er gleichzeitig deutlich hinter den Sozialdemokraten – zu deutlich, um in einem Bündnis mit diesen den Führungsanspruch geltend zu machen.
Ein Bündnis zwischen Sozialdemokraten und Moderaten würde nur noch eine der kleinen Parteien der Mitte – Zentrum, Liberale oder Christdemokraten – benötigen, um eine stabile Mehrheit zu bilden. Dennoch gilt eine solche Konstellation nur als Notlösung. Sie ist vor allem nicht mit der bisherigen schwedischen Tradition vereinbar, als es lediglich in den Jahren des Zweiten Weltkrieges ein Allparteienbündnis mit Ausnahme der Kommunisten gab. Koalitionen mit knappen Mehrheiten, Minderheitskabinette oder punktuelle Abreden etwa über den Haushalt sind üblicher.

Sozialdemokraten trugen einige Verschärfungen der Migrationspolitik mit

Was aber wäre für Deutschland und Europa von einem Regierungswechsel hin zu Magdalena Andersson zu erwarten? Fundamentale Veränderungen in der Europa- oder Außenpolitik zeichnen sich nicht ab. Galt Schweden noch bis in die 2010er-Jahre als EU-weit eines der Länder mit großzügiger Einwanderungspolitik, ist diese mittlerweile eine der restriktivsten.
Verglichen mit der Regierung Kristersson ist zu erwarten, dass ein Mitte-Links-Bündnis auf gewisse Härten gegenüber Einwanderern verzichten würde – etwa bei der Familienzusammenführung oder Assimilationsvorgaben. Auch ist aggressive Rhetorik wie im Fall der Schwedendemokraten nicht zu erwarten. Allerdings haben die Sozialdemokraten einige deutliche Verschärfungen der Regierung Kristersson in der Einwanderungspolitik mitgetragen – und Maßnahmen, die sich vor allem gegen kriminelle Jugendbanden aus Einwanderermilieus richten.
Zuletzt stimmten die Sozialdemokraten für die Absenkung des Strafmündigkeitsalters von 15 auf 14 Jahre – und für die Streichung der automatischen Strafmilderung für Jugendliche. Außerdem trugen sie eine Reform mit, die Arbeitserlaubnisse an strengere Lohnanforderungen und höhere Qualifikationen knüpft. Die Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte ist in Schweden nun ein eigener Straftatbestand – und wurde auch mit Unterstützung durch die Sozialdemokraten beschlossen.

Auch Andersson würde EU-Asylpolitik mittragen

Bereits Mitte der 2010er-Jahre verschärfte Schweden auch den Kurs bei der Asylmigration – unter sozialdemokratisch geführten Regierungen. Die grundlegende Ausrichtung der Asylpolitik war gekennzeichnet durch begrenzte Aufnahmezahlen, stärker regulierte Migration, strengere Anforderungen an Sprachkenntnisse und die Ausweisung von Straftätern oder sogenannten Integrationsverweigerern.
Für die Migrationspolitik auf EU-Ebene bedeutet dies, dass Schweden auch unter sozialdemokratischer Führung Projekte wie die Gemeinsame Europäische Asylpolitik (GEAS) weiterhin mittragen wird. Das bedeutet Rückendeckung für schärfere Kontrollen an den Außengrenzen und beschleunigte Rückführungen. Gleichzeitig ist es wahrscheinlich, dass ein sozialdemokratisch geführtes Schweden einen stärkeren Fokus auf verbindliche Integrationsstandards und soziale Investitionen legen wird.
Deutlich größer als in der Einwanderungspolitik dürfte der Unterschied zwischen Kristersson und Andersson in der Klima- und Energiepolitik sein. Die Regierung Kristersson hatte die Treibstoffsteuern gesenkt, Förderungen für E-Autos zurückgenommen und den Ausbau der Kernenergie angekündigt.

Rückkehr zu ambitionierterer Klimapolitik zu erwarten

Eine von den Sozialdemokraten geführte Regierung wird – insbesondere unter dem Einfluss der Grünen – hingegen wieder einer ambitionierteren Klimapolitik das Wort reden. Es ist zu erwarten, dass Schweden EU-weit künftig wieder ambitioniertere Klimaziele verfolgen wird. Dies dürfte unter anderem auch Druck auf die Weiterentwicklung des europäischen Emissionshandels bedeuten.
Unter sozialdemokratischer Führung ist damit zu rechnen, dass Schweden Investitionen in erneuerbare Energien wieder priorisieren wird. Dazu kommen Schwerpunkte in Bereichen wie der klimabewussten Stadtplanung und der Förderung umweltfreundlicher Transportmöglichkeiten. Anders als im Fall von Deutschland ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass die schwedischen Sozialdemokraten die von der Regierung Kristersson veranlasste Renaissance der Kernkraft stoppen werden.
Auch in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist eine grundlegende Wende unwahrscheinlich. Schweden wird weiterhin eine engere Zusammenarbeit mit den NATO-Partnern im Ostseeraum anstreben und die Koordinierung der Nordflanke verstärken wollen. Gemeinsame Interessen mit Deutschland bestehen auch bei der Sicherung kritischer Infrastruktur und von Unterseekabeln sowie der Abwehr von Cyberangriffen und hybriden Bedrohungen.

Ende der „Brandmauer“ beendete Höhenflug der Rechten

Eine mögliche Lehre für Deutschland bietet das Abschneiden der Schwedendemokraten. Während es in Schweden noch in den 2000er- und 2010er-Jahren eine Art „Brandmauer“ gegen die Partei gegeben hatte, ging Kristersson das Wagnis einer kontrollierten Einbindung in die politische Verantwortung ein.
In einem ersten Schritt sollte ein Tolerierungsmodell der Mitte-Rechts-Minderheitsregierung eine Mehrheit sichern. Die Schwedendemokraten sollten damit ihre Fähigkeit zu pragmatischer Politik und Kompromissen unter Beweis stellen können. In einem zweiten Schritt – der im Bündnis weiterhin umstritten war – wollte Kristersson ihnen Ministerposten anvertrauen.
Dazu sollte es nicht kommen: Die Rechtsaußen-Partei büßte knapp drei Prozentpunkte ein und damit mehr, als die leichten Zugewinne der Koalitionsparteien egalisieren konnten. Sie verlor dabei vor allem in ihren früheren Hochburgen an Terrain – und das, obwohl die Regierung Kristersson wesentliche Inhalte ihrer Migrations- und Klimapolitik umsetzte.

Warum Regierungsbeteiligung der Rechten schadete

Insgesamt scheint jedoch ein ähnlicher Effekt wie nach der Regierungsbildung 2000 in Österreich eingetreten zu sein.
Der Eintritt der Rechten in Schweden in eine Regierungskoalition hatte zur Folge, dass sie auch potenziell unpopuläre Maßnahmen mittragen musste. So trafen Verschärfungen in der Sozialpolitik nicht nur Einwanderer, sondern auch ärmere schwedische Haushalte ohne Migrationsgeschichte, die vielfach Schwedendemokraten gewählt hatten.
Gleichzeitig konnte die konservative Regierungspartei politische Erfolge als ihre ausgeben – auch im Bereich der Einwanderungspolitik. Darüber hinaus mussten Funktionäre und Wähler damit umgehen, dass die Schwedendemokraten nicht in der Lage waren, alle ideologischen Maximalforderungen in den Tolerierungsverhandlungen durchzusetzen. Das sorgte ebenfalls für Ernüchterung. Am Ende des Tages schadete die Konstruktion, die der Partei einen Einfluss auf die Regierungspolitik ermöglichte, stärker als es die „Brandmauer“-Politik je bewerkstelligt hätte.
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Nach der Wahl: Was ein Regierungswechsel in Schweden für Deutschland und Europa bedeutet


In Kürze:

  • Das Mitte-Links-Lager um Magdalena Andersson verfügt in Schweden nach Auszählung der letzten Stimmen über eine hauchdünne Mehrheit.
  • Die Schwedendemokraten verlieren deutlich und sind erstmals seit ihrem Einzug in den Reichstag 2010 nicht weiter auf dem Vormarsch.
  • Ein Regierungswechsel dürfte vor allem die Klima- und Energiepolitik verändern, während Migration und Sicherheit weniger stark betroffen wären.
  • Das schwedische Modell der Einbindung der Schwedendemokraten könnte auch für Deutschland politische Lehren bereithalten.

 
Am Ende bestimmten erst die sogenannten Mittwochsstimmen, welche künftigen Optionen auf eine Regierungsbildung die Reichstagswahlen in Schweden ermöglichen würden. Dabei handelte es sich vor allem um Briefstimmen, die im Vorfeld der Wahlen oder von Auslandsschweden abgegeben wurden.
An den grundlegenden Trends, die sich bereits am Sonntag, 13. September, abgezeichnet hatten, änderte sich wenig. Die Sozialdemokraten büßen an Stimmen ein, bleiben aber stimmenstärkste Partei. Die rechten Schwedendemokraten sind die großen Wahlverlierer und erstmals seit ihrem Parlamentseinzug im Jahr 2010 ist ihr Vormarsch gestoppt.

Zentrum gegen Regierungsbeteiligung der Linken – Liberale gegen Ministerposten für Schwedendemokraten

Nach Auszählung der letzten noch offenen Stimmen steht fest, dass das Mitte-Links-Bündnis unter Magdalena Andersson über eine hauchdünne Mehrheit im Reichstag verfügt. Ob es zu einem Regierungsbündnis reichen wird, ob Andersson ein Minderheitskabinett bilden oder eine gänzlich neue Konstellation suchen wird, ist ungewiss. Grund dafür ist, dass es Uneinigkeit über die Art und Weise der Einbindung der Linken (Vänsterpartiet) gibt.
Die Linke, die innerhalb des Mitte-Links-Lagers die größten Zugewinne verbuchte und sich als zweitstärkste Kraft im Bündnis etablierte, besteht auf einer Regierungsbeteiligung. Die agrarisch geprägte Zentrumspartei lehnt dies kategorisch ab. Ohne die Stimmen der Linken verfügt das Andersson-Bündnis allerdings über keine parlamentarische Mehrheit.
Im sogenannten Tidö-Bündnis von Ministerpräsident Ulf Kristersson besteht ein ähnliches Problem. Dort haben die Liberalen durch eine Aufholjagd auf den letzten Metern noch den Einzug in den Reichstag geschafft. Ihre Vorsitzende Simona Mohamsson lehnt Ministerämter für die Schwedendemokraten ab – Kristersson hatte im Vorfeld der Wahl jedoch angekündigt, diese offiziell in die Regierung aufnehmen zu wollen.

Koalitionen zwischen Sozialdemokraten und Konservativen in Schweden unüblich

Die rechnerisch naheliegende Option, die Zentrumspartei aus dem Mitte-Links-Bündnis loszueisen, würde an deren Unwillen scheitern, mit der Rechtsaußenpartei zusammenzuarbeiten. Umgekehrt hätte das Mitte-Links-Bündnis keinen Nutzen davon, die Linke auszubooten und stattdessen um die Liberalen zu werben. Die Vänsterpartiet verfügt gleich über zehn Sitze mehr als die Mohamsson-Fraktion.
Abhilfe würde einzig eine Einigung mit Kristersson versprechen. Er ist aus der Wahl gestärkt hervorgegangen und innerhalb seines Bündnisses, dem nun eine eigene Mehrheit fehlt, wieder klar stärkste Kraft. Mit etwa 20 Prozent liegt er gleichzeitig deutlich hinter den Sozialdemokraten – zu deutlich, um in einem Bündnis mit diesen den Führungsanspruch geltend zu machen.
Ein Bündnis zwischen Sozialdemokraten und Moderaten würde nur noch eine der kleinen Parteien der Mitte – Zentrum, Liberale oder Christdemokraten – benötigen, um eine stabile Mehrheit zu bilden. Dennoch gilt eine solche Konstellation nur als Notlösung. Sie ist vor allem nicht mit der bisherigen schwedischen Tradition vereinbar, als es lediglich in den Jahren des Zweiten Weltkrieges ein Allparteienbündnis mit Ausnahme der Kommunisten gab. Koalitionen mit knappen Mehrheiten, Minderheitskabinette oder punktuelle Abreden etwa über den Haushalt sind üblicher.

Sozialdemokraten trugen einige Verschärfungen der Migrationspolitik mit

Was aber wäre für Deutschland und Europa von einem Regierungswechsel hin zu Magdalena Andersson zu erwarten? Fundamentale Veränderungen in der Europa- oder Außenpolitik zeichnen sich nicht ab. Galt Schweden noch bis in die 2010er-Jahre als EU-weit eines der Länder mit großzügiger Einwanderungspolitik, ist diese mittlerweile eine der restriktivsten.
Verglichen mit der Regierung Kristersson ist zu erwarten, dass ein Mitte-Links-Bündnis auf gewisse Härten gegenüber Einwanderern verzichten würde – etwa bei der Familienzusammenführung oder Assimilationsvorgaben. Auch ist aggressive Rhetorik wie im Fall der Schwedendemokraten nicht zu erwarten. Allerdings haben die Sozialdemokraten einige deutliche Verschärfungen der Regierung Kristersson in der Einwanderungspolitik mitgetragen – und Maßnahmen, die sich vor allem gegen kriminelle Jugendbanden aus Einwanderermilieus richten.
Zuletzt stimmten die Sozialdemokraten für die Absenkung des Strafmündigkeitsalters von 15 auf 14 Jahre – und für die Streichung der automatischen Strafmilderung für Jugendliche. Außerdem trugen sie eine Reform mit, die Arbeitserlaubnisse an strengere Lohnanforderungen und höhere Qualifikationen knüpft. Die Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte ist in Schweden nun ein eigener Straftatbestand – und wurde auch mit Unterstützung durch die Sozialdemokraten beschlossen.

Auch Andersson würde EU-Asylpolitik mittragen

Bereits Mitte der 2010er-Jahre verschärfte Schweden auch den Kurs bei der Asylmigration – unter sozialdemokratisch geführten Regierungen. Die grundlegende Ausrichtung der Asylpolitik war gekennzeichnet durch begrenzte Aufnahmezahlen, stärker regulierte Migration, strengere Anforderungen an Sprachkenntnisse und die Ausweisung von Straftätern oder sogenannten Integrationsverweigerern.
Für die Migrationspolitik auf EU-Ebene bedeutet dies, dass Schweden auch unter sozialdemokratischer Führung Projekte wie die Gemeinsame Europäische Asylpolitik (GEAS) weiterhin mittragen wird. Das bedeutet Rückendeckung für schärfere Kontrollen an den Außengrenzen und beschleunigte Rückführungen. Gleichzeitig ist es wahrscheinlich, dass ein sozialdemokratisch geführtes Schweden einen stärkeren Fokus auf verbindliche Integrationsstandards und soziale Investitionen legen wird.
Deutlich größer als in der Einwanderungspolitik dürfte der Unterschied zwischen Kristersson und Andersson in der Klima- und Energiepolitik sein. Die Regierung Kristersson hatte die Treibstoffsteuern gesenkt, Förderungen für E-Autos zurückgenommen und den Ausbau der Kernenergie angekündigt.

Rückkehr zu ambitionierterer Klimapolitik zu erwarten

Eine von den Sozialdemokraten geführte Regierung wird – insbesondere unter dem Einfluss der Grünen – hingegen wieder einer ambitionierteren Klimapolitik das Wort reden. Es ist zu erwarten, dass Schweden EU-weit künftig wieder ambitioniertere Klimaziele verfolgen wird. Dies dürfte unter anderem auch Druck auf die Weiterentwicklung des europäischen Emissionshandels bedeuten.
Unter sozialdemokratischer Führung ist damit zu rechnen, dass Schweden Investitionen in erneuerbare Energien wieder priorisieren wird. Dazu kommen Schwerpunkte in Bereichen wie der klimabewussten Stadtplanung und der Förderung umweltfreundlicher Transportmöglichkeiten. Anders als im Fall von Deutschland ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass die schwedischen Sozialdemokraten die von der Regierung Kristersson veranlasste Renaissance der Kernkraft stoppen werden.
Auch in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist eine grundlegende Wende unwahrscheinlich. Schweden wird weiterhin eine engere Zusammenarbeit mit den NATO-Partnern im Ostseeraum anstreben und die Koordinierung der Nordflanke verstärken wollen. Gemeinsame Interessen mit Deutschland bestehen auch bei der Sicherung kritischer Infrastruktur und von Unterseekabeln sowie der Abwehr von Cyberangriffen und hybriden Bedrohungen.

Ende der „Brandmauer“ beendete Höhenflug der Rechten

Eine mögliche Lehre für Deutschland bietet das Abschneiden der Schwedendemokraten. Während es in Schweden noch in den 2000er- und 2010er-Jahren eine Art „Brandmauer“ gegen die Partei gegeben hatte, ging Kristersson das Wagnis einer kontrollierten Einbindung in die politische Verantwortung ein.
In einem ersten Schritt sollte ein Tolerierungsmodell der Mitte-Rechts-Minderheitsregierung eine Mehrheit sichern. Die Schwedendemokraten sollten damit ihre Fähigkeit zu pragmatischer Politik und Kompromissen unter Beweis stellen können. In einem zweiten Schritt – der im Bündnis weiterhin umstritten war – wollte Kristersson ihnen Ministerposten anvertrauen.
Dazu sollte es nicht kommen: Die Rechtsaußen-Partei büßte knapp drei Prozentpunkte ein und damit mehr, als die leichten Zugewinne der Koalitionsparteien egalisieren konnten. Sie verlor dabei vor allem in ihren früheren Hochburgen an Terrain – und das, obwohl die Regierung Kristersson wesentliche Inhalte ihrer Migrations- und Klimapolitik umsetzte.

Warum Regierungsbeteiligung der Rechten schadete

Insgesamt scheint jedoch ein ähnlicher Effekt wie nach der Regierungsbildung 2000 in Österreich eingetreten zu sein.
Der Eintritt der Rechten in Schweden in eine Regierungskoalition hatte zur Folge, dass sie auch potenziell unpopuläre Maßnahmen mittragen musste. So trafen Verschärfungen in der Sozialpolitik nicht nur Einwanderer, sondern auch ärmere schwedische Haushalte ohne Migrationsgeschichte, die vielfach Schwedendemokraten gewählt hatten.
Gleichzeitig konnte die konservative Regierungspartei politische Erfolge als ihre ausgeben – auch im Bereich der Einwanderungspolitik. Darüber hinaus mussten Funktionäre und Wähler damit umgehen, dass die Schwedendemokraten nicht in der Lage waren, alle ideologischen Maximalforderungen in den Tolerierungsverhandlungen durchzusetzen. Das sorgte ebenfalls für Ernüchterung. Am Ende des Tages schadete die Konstruktion, die der Partei einen Einfluss auf die Regierungspolitik ermöglichte, stärker als es die „Brandmauer“-Politik je bewerkstelligt hätte.
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EU-Parlament stimmt für Änderungen am Emissionshandel

Das Europaparlament hat sich für Änderungen am Emissionshandel (ETS) in der EU ausgesprochen. Die Abgeordneten stimmten in Straßburg dafür, mehr CO2-Zertifikate in Reserve zu halten.
Mit den Änderungen reagiert die EU auf Forderungen aus der Industrie, sie gehen nun in die Beratungen mit den 27 EU-Ländern. Auch die Verhandlungen über eine umfassende Reform des ETS laufen noch.

Grenzen im Emissionshandel anheben

Der Emissionshandel ist das wichtigste Mittel der EU, um ihre Klimaziele zu erreichen. Er deckelt die Menge an Kohlendioxid, die bestimmte Branchen insgesamt ausstoßen dürfen.
Unternehmen müssen für ihren CO2-Ausstoß Zertifikate kaufen und können damit untereinander handeln. Im Laufe der Jahre sinkt die Menge der Zertifikate, damit die Emissionen ebenfalls sinken.
Der CO2-Preis hängt davon ab, wie viele Zertifikate auf dem Markt sind. Damit er nicht zu stark schwankt, gibt es die sogenannte Marktstabilitätsreserve. Sinkt der Preis zu sehr, werden Zertifikate vom Markt genommen, steigt er stark, können zusätzliche Zertifikate ausgegeben werden.
Bisher darf die Reserve maximal Zertifikate für 400 Millionen Tonnen CO2 umfassen, alle weiteren werden automatisch ungültig. Nach der Änderung soll die Reserve größer werden.
Die Kommission hatte vorgeschlagen, gar keine Zertifikate mehr zu löschen. Das Parlament will die Obergrenze nun ab Februar 2027 auf 650 Millionen anheben.

Importeure sollen zahlen

Eine weitere Änderung betrifft die CO2-Einfuhrgebühr (CBAM). Sie ist als Kostenausgleich für den Emissionshandel gedacht: Wer in der EU produziert, muss CO2-Zertifikate kaufen und hätte im internationalen Wettbewerb damit einen Nachteil. Importeure sollen bei der Einfuhr in der EU deshalb die entsprechende Summe als Gebühr entrichten.
Bislang war dieser Mechanismus für Produkte wie Stahl, Aluminium, Zement und Strom vorgesehen. Nun soll er auf Produkte ausgeweitet werden, die zu großen Teilen aus Stahl und Aluminium bestehen. Die EU will damit verhindern, dass Unternehmen wegen der ETS-Kosten ins Ausland abwandern.
In Brüssel laufen derweil die Verhandlungen über eine umfassende ETS-Reform. Die Kommission hat vorgeschlagen, dass die Zahl der CO2-Zertifikate langsamer sinken soll als bislang vorgesehen.
Das würde bedeuten, dass die Industrie in Europa länger und mehr Kohlendioxid ausstoßen darf. (afp/red)