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Das Geheimnis vom Navigationssystem der Tauben


In Kürze:

  • Tauben finden ihre Heimat auch aus Hunderten Kilometern Entfernung, selbst wenn sie noch nie am Ausgangsort waren.
  • Das Geheimnis ihres Orientierungssinns vermuten Forscher in einem Organ, an das viele Menschen höchstens nach dem Weihnachtsessen denken.
  • Demnach liegt die Antwort möglicherweise nicht im Gehirn oder in den Augen der Vögel, sondern in der Leber verborgen.
  • Berge von verkrustetem Taubenkot auf öffentlichen Plätzen haben dem Ruf der Taube nicht gerade geholfen. Doch nicht nur ihr Orientierungssinn ist außergewöhnlich.
  • Tauben wurden für ihre Dienste im Krieg mit Ehrenmedaillen ausgezeichnet, können Picasso und Monet unterscheiden und Brustkrebs erkennen.

 
Tauben haben dem Menschen etwas voraus, und das kann durchaus frustrierend sein. Setzt man eine Taube Hunderte Kilometer von ihrem Heimatschlag entfernt aus, findet sie in den meisten Fällen trotzdem wieder zurück. Wissenschaftler vermuten inzwischen, dass ein Teil dieses erstaunlichen Orientierungssinns an einer unerwarteten Stelle verborgen liegt: in der Leber.
So deuten neue Forschungsergebnisse darauf hin, dass spezialisierte Immunzellen in der Leber das Erdmagnetfeld wahrnehmen könnten. Dadurch besäßen Tauben gewissermaßen einen eingebauten Kompass und wären weitaus raffinierter, als ihr Ruf als gefiederte Brotkrümelpicker vermuten lässt.

Kann die Leber der Taube das Erdmagnetfeld wahrnehmen?

Aktuelle Untersuchungen des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Konstanz legen nahe, dass eisenhaltige Immunzellen in der Leber von Tauben bei der Wahrnehmung des Erdmagnetfelds eine wichtige Rolle spielen. Diese Zellen, sogenannte Makrophagen, beseitigen normalerweise alte rote Blutkörperchen – ein Vorgang, bei dem sie Eisen einlagern, was ihnen wiederum Quanteneigenschaften verleiht.
Die Forscher stellten fest, dass diese Zellen außerdem ausgeprägte magnetische Eigenschaften besitzen. Das eröffnet die Möglichkeit, dass Tauben einen Teil ihres Navigationssystems in einem Organ tragen, an das die meisten Menschen höchstens nach dem Weihnachtsessen denken.
Mit anderen Worten: Der Mensch hat Satelliten ins All geschossen, den Planeten mit Mobilfunkmasten überzogen und nutzt kleine, mehr oder weniger zuverlässige Geräte, um sich zurechtzufinden. Die Taube dagegen hat einfach eine Leber und es scheint, als hätte die Natur darin einen Quantenkompass eingebaut.
Um die Bedeutung dieser Zellen zu untersuchen, wurden die Makrophagen von den Wissenschaftlern gezielt deaktiviert. Anschließend beobachtete man das Orientierungsvermögen der Vögel erneut. An sonnigen Tagen fanden die Tauben dennoch erstaunlich gut nach Hause, vermutlich mithilfe der Sonne als Orientierungshilfe. An bewölkten Tagen dagegen verloren sie deutlich häufiger die Orientierung. Offenbar verfügen selbst Tauben über einen Plan B, allerdings nur, wenn das Wetter mitspielt.
Außerdem fanden die Forscher die eisenreichen Zellen in unmittelbarer Nähe von Nervenfasern. Das deutet darauf hin, dass Informationen über das Erdmagnetfeld von der Leber an das Gehirn weitergeleitet werden könnten.
Wie dieser Informationsaustausch genau aussieht, weiß bislang niemand. Vermutlich sagt die Leber: „Nordosten.“ Darauf antwortet das Gehirn: „Bist du sicher?“ Glücklicherweise verbringt die Taube, anders als so manches Ehepaar im Mietwagen, anschließend keine 40 Minuten damit, darüber zu diskutieren, wessen Idee die landschaftlich reizvolle Umleitung war.

Mehr Genie, als ihr Aussehen vermuten lässt

Das größte Problem bei der Wertschätzung von Tauben besteht darin, dass sie nicht gerade wie verborgene Genies aussehen. Beim Laufen wippen ihre Köpfe vor und zurück, als wären sie erst einige Minuten nach dem übrigen Körper montiert worden. Sie halten sich bevorzugt auf Plätzen und Denkmälern auf, wo Berge von verkrustetem Taubenkot ihrem Ruf nicht gerade geholfen haben.
Und doch ist dieser kleine graue Störenfried zu Leistungen fähig, die umso erstaunlicher wirken, je genauer man sich mit ihnen beschäftigt.

Tauben erkennen menschliche Gesichter

Tauben können Menschen tatsächlich wiedererkennen. In einem Experiment lernten sie, einer Forscherin aus dem Weg zu gehen, die sie schlecht behandelt hatte. Selbst nachdem sie ihre Kleidung gewechselt hatte, erkannten die Vögel sie weiterhin zuverlässig.
Man sollte sich das merken. Irgendwo in der Stadt könnte eine kleine graue Taube mit erstaunlicher neurologischer Präzision noch eine Rechnung mit Ihnen offen haben.

Tauben unterscheiden Monet von Picasso

Tauben lassen sich darauf trainieren, Gemälde von Claude Monet und Pablo Picasso auseinanderzuhalten. Manche Menschen beschäftigen sich jahrelang mit Kunstgeschichte und geraten dennoch ins Schwitzen, wenn sie ein Bild ohne Namensschild identifizieren sollen.
Eine Taube kann dagegen lernen, visuelle Muster zu erkennen und die Werke des einen Künstlers von denen des anderen zu unterscheiden.
Forscher haben Tauben sogar darauf trainiert, medizinische Aufnahmen auszuwerten. In Studien mit Brustgewebe lernten die Vögel, gutartige von bösartigen Gewebeproben mit bemerkenswerter Genauigkeit zu unterscheiden.

Tauben produzieren „Milch“

Sowohl männliche als auch weibliche Tauben füttern ihre Jungen mit der sogenannten Kropfmilch. Diese eiweiß- und fettreiche Nahrung sorgt dafür, dass die Küken schnell wachsen. Beide Eltern kümmern sich gemeinsam um Brut und Nachwuchs.
An diesem Punkt verfügt die Taube also über ein funktionierendes Navigationssystem, gleichberechtigte Kinderbetreuung und ein Verständnis für moderne Kunst. Langsam wird es unangenehm.

Tauben im Kriegseinsatz

Tauben dienten außerdem in Kriegen als Nachrichtenüberbringer, wenn andere Kommunikationswege versagten. Sie flogen durch Kugelhagel und unter schlimmsten Bedingungen und retteten dabei mitunter zahlreichen Menschen das Leben. Einige wurden sogar mit militärischen Ehren für ihre Tapferkeit ausgezeichnet.
Es ist bezeichnend für den Menschen, wie wir mit diesem Erbe umgehen. Eine Generation verleiht einer Taube eine Tapferkeitsmedaille. Wenige Generationen später scheucht man ihren Urenkel vor einer Bäckerei davon.
Die Beziehung zwischen Mensch und Taube ist seit Jahrhunderten eng und zugleich widersprüchlich. Einst galten Tauben als Statussymbol und wurden von wohlhabenden Familien in prächtigen Taubenschlägen gehalten. Mit der Französischen Revolution gerieten sie jedoch in den Strudel der Wut gegen die wohlhabende Oberschicht.

Bekannte Taubenliebhaber: Walt Disney, Elvis Presley und Mike Tyson

Tauben faszinierten zahlreiche berühmte Persönlichkeiten. Charles Darwin untersuchte sie eingehend, während er seine Evolutionstheorie entwickelte. Auch Walt Disney war ein begeisterter Taubenliebhaber und der frühere Boxchampion Mike Tyson züchtete bereits als Kind Tauben.
Vielleicht ist das die erstaunlichste Tatsache überhaupt, denn es dürfte nur wenige Themen geben, bei denen Charles Darwin, Walt Disney und Mike Tyson einer Meinung gewesen wären.
Vielleicht unterschätzen wir Tauben einfach deshalb, weil es so viele von ihnen gibt. Wenn also das nächste Mal eine Taube entschlossen auf Ihr Sandwich zustapft, sollten Sie einen Moment innehalten, bevor Sie sie als „Ratte mit Flügeln“ abtun.
Sie erkennt vielleicht Ihr Gesicht. Ihre Leber liest womöglich gerade still das Magnetfeld unseres Planeten. Und während Sie noch auf dem Parkplatz überlegen, wo Sie Ihr Auto eigentlich abgestellt haben, weiß die Taube längst ganz genau, wohin sie fliegt.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Secret Science of Pigeon Navigation“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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37 Proteine gegen das Altern: Haben Sie den Langlebigkeits-Schlüssel im Blut?

Mit dem Alter verlieren wichtige Proteine unserer Zellen meist ihre Kraft, doch bei Hundertjährigen bleiben 37 entscheidende Proteine jugendlich fit. Eine neue Schweizer Studie zeigt: Dies könnte ein wesentlicher Faktor für ein langes, gesundes Leben sein.

Die Biologie des Alterns – warum sie variiert

Das Altern wirkt sich auf jeden Menschen unterschiedlich aus. Während viele ältere Erwachsene mit chronischen Krankheiten und Gebrechlichkeit zu kämpfen haben, bleiben einige bis weit über 100 Jahre hinaus bemerkenswert gesund.
Wissenschaftler vermuten seit Langem, dass dies vor allem den Genen zu verdanken ist. Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Antwort spezifischer und umsetzbarer ist als bisher angenommen.
Die in „Aging Cell“ veröffentlichte Studie analysierte das Blut von Hundertjährigen und verglich deren Immun- und kardiometabolische Proteinprofile mit denen gesunder Erwachsener im Alter von 30 bis 60 Jahren sowie mit denen hospitalisierter älterer Erwachsener im Alter von 80 bis 90 Jahren.
Mithilfe der Proteomik, einer Technik, die Hunderte Proteine gleichzeitig misst, untersuchte das Team, wie sich die Proteinkonzentrationen im Laufe des Lebens verändern, um Signalwege zu identifizieren, die die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit im hohen Alter erklären könnten.
Bei den Hundertjährigen wurden 583 Proteine in anderen Konzentrationen exprimiert als bei den beiden anderen Gruppen.
Unter diesen Proteinen stachen 37 hervor, deren Konzentrationen eher denen jüngerer Erwachsener als denen typischer älterer Erwachsener entsprachen.
Dies ist ein Muster, das mit den Ergebnissen anderer groß angelegter Studien an Hundertjährigen und etablierten Alterungsbiomarkern übereinstimmt.
„Diese Studie untermauert ein zentrales Prinzip der Langlebigkeitsforschung: Außergewöhnliches Altern bedeutet nicht, dem biologischen Verfall zu entkommen, sondern selektiv wichtige Regulationsmechanismen zu bewahren“, sagte Sou Ahdjoudj Orlando, Langlebigkeitsforscher und Gründer von AION Life, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber The Epoch Times.

Die biologischen Systeme, die sich dem Altern widersetzen

Die 37 Proteine gruppierten sich um fünf zentrale biologische Prozesse:

1. Zellbeseitigung

Sechs der Proteine gruppierten sich um die Apoptose, den Prozess, der beschädigte Zellen beseitigt. Eine effiziente Entfernung dysfunktionaler „Zombie“-Zellen könnte dabei helfen, chronische Entzündungen zu verhindern und das Krebsrisiko zu senken.

2. Oxidativer Stress

Fünf Proteine, die mit oxidativem Stress in Verbindung stehen, wurden bei Hundertjährigen in geringeren Mengen exprimiert – ein zunächst kontraintuitiv erscheinender Befund.
Niedrigere Konzentrationen an antioxidativen Proteinen deuten wahrscheinlich darauf hin, dass die Zellen von vornherein weniger Stress ausgesetzt sind, und nicht darauf, dass ihre Abwehrmechanismen versagen, sagte Orlando und bezeichnete dies als „ein Zeichen von Resilienz statt von Resistenz“.
Dr. Gabriel Alizaidy, Experte für Langlebigkeit und Präzisionsmedizin, stellte fest, dass vier der 37 Proteine – SOD1, PRDX3, HMOX1 und GLRX – auf den Schutz der Mitochondrien hindeuten.
Mitochondrien erzeugen Energie, produzieren aber auch reaktive Sauerstoffspezies, die sich ansammeln und die Zellen im Laufe der Zeit schädigen.
Wenn sie effizient arbeiten, liefern sie konstante Energie und produzieren dabei weniger schädliche Moleküle. Das trägt dazu bei, Zellschäden zu begrenzen, insbesondere in energieintensiven Geweben wie den Gehirnzellen.
„Diese vier Proteine beseitigen diese durch verschiedene Mechanismen. Die Tatsache, dass alle vier bei Hundertjährigen gemeinsam auf einem jugendlichen Niveau gehalten wurden, zeigt, dass die Widerstandsfähigkeit der Mitochondrien kein Nebenaspekt des außergewöhnlichen Alterns ist, sondern ein zentrales und durchgängiges Thema“, sagte Alizaidy.

3. Gewebeintegrität und Glukosekontrolle

Proteine, die Zellen stützen und dabei helfen, sie an ihrem Platz zu halten, bildeten eine weitere Gruppe, die potenziell zur strukturellen Gewebeintegrität und möglicherweise zur Krebsabwehr beiträgt.
Innerhalb dieser Gruppe war DPP4, ein Enzym, das GLP-1 abbaut – ein Hormon, das die Insulinfreisetzung stimuliert –, bei Hundertjährigen gut erhalten geblieben.
Obwohl dies auf den ersten Blick kontraintuitiv wirkt – schließlich senkt Insulin den Blutzuckerspiegel –, vermuten die Autoren, dass Hundertjährige möglicherweise ihr Glukosegleichgewicht ohne übermäßige Insulinsignale aufrechterhalten können. Dies deutet auf einen fein abgestimmten statt überaktiven Stoffwechsel hin.

4. Energieregulierung

Eine weitere Gruppe umfasste die Stoffwechselregulation, einschließlich Proteinen, die bei der Steuerung des Energiehaushalts und der Glukosekontrolle helfen.
Eines davon, die Adenylatkinase 1 (AK1), reguliert AMPK, einen zellulären Energiesensor, der bei niedrigem Energiehaushalt aktiviert wird und den Zellen hilft, Ressourcen zu sparen.
„Wenn man schon einmal von Metformin, Berberin oder den metabolischen Vorteilen von Bewegung und Kalorienrestriktion gehört hat, dann kennt man Beispiele, die teilweise über die AMPK-Aktivierung wirken“, sagte Alizaidy.

5. Gesundheit von Gehirn und Immunsystem

Andere Cluster standen im Zusammenhang mit neurotropischer Signalübertragung – Signalwegen, die das Überleben von Nervenzellen und die Gehirnfunktion unterstützen – sowie mit der Immunregulation.
Dies untermauert die Vorstellung, dass außergewöhnliche Langlebigkeit davon abhängen könnte, das Gleichgewicht über mehrere biologische Systeme hinweg gleichzeitig aufrechtzuerhalten.
Alizaidy merkte an, dass es sich um eine kleine Beobachtungsstudie handelte, was bedeutet, dass sie keinen kausalen Zusammenhang nachweisen kann. Die Proteinprofile beschränkten sich zudem auf Entzündungen und den kardiometabolischen Bereich.
„Wir wissen nicht, ob diese Proteine eine außergewöhnliche Langlebigkeit bewirken oder lediglich ein biologisches System widerspiegeln, das aus anderen Gründen bereits gut funktionierte“, sagte er.
Doch die Richtung der Ergebnisse stimmt mit anderen unabhängigen Datensätzen zu Hundertjährigen überein.

Der Lebensstil spielt nach wie vor eine Rolle

Auch wenn die genetische Veranlagung die Weichen stellen mag, ist die Art und Weise, wie Menschen über Jahrzehnte hinweg leben, nach wie vor ein entscheidender Faktor.
„Die Hundertjährigen in dieser Studie waren das Ergebnis eines jahrzehntelang überdurchschnittlich gut funktionierenden Systems“, sagte Alizaidy, „und das hängt größtenteils davon ab, wie sie gelebt haben.“
Orlando identifizierte drei biologische Prinzipien, die sich direkt auf die bei den Hundertjährigen festgestellten erhaltenen biologischen Muster übertragen lassen:
Stoffwechselstabilität: Krafttraining, tägliche Bewegung, eine ausreichende Proteinzufuhr und die Vermeidung chronischer Überernährung tragen dazu bei, eine stabile Blutzuckerkontrolle und ein hormonelles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Reduzierte Entzündungslast: Erholsamer Schlaf, eine gesunde Körperzusammensetzung und eine ballaststoffreiche, nährstoffdichte Ernährung tragen dazu bei, die systemische Entzündungslast im Laufe der Zeit zu verringern.
Mitochondriale Gesundheit: Regelmäßige körperliche Aktivität, Stressbewältigung sowie der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum unterstützen eine Verringerung des oxidativen Stresses und die zelluläre Widerstandsfähigkeit.
„Einige von der FDA zugelassene Therapien wirken bereits auf Signalwege, die mit der Widerstandsfähigkeit in Verbindung stehen“, fügte Alizaidy hinzu.
Er verwies auf das Peptid SS-31, ein Prüfpräparat, das die Mitochondrienfunktion unterstützt, sowie auf niedrig dosierte GLP-1-Agonisten.
Diese sind von der FDA für Diabetes und Gewichtsmanagement zugelassen und können dazu beitragen, das Stoffwechselgleichgewicht aufrechtzuerhalten, wobei Verbesserungen bei den Blutfettwerten, dem Blutzucker und Entzündungen zu beobachten sind – auch ohne Gewichtsverlust.
Orlando merkte an, dass die Ergebnisse einer größeren, langfristigen Validierung bedürfen, aber zu den wachsenden Hinweisen beitragen, dass Langlebigkeit davon abhängt, wichtige biologische Systeme über die Zeit hinweg zu erhalten.
„Langlebigkeit hängt letztlich vielleicht weniger davon ab, das Altern zu beseitigen, als vielmehr davon, die biologischen Systeme zu identifizieren und zu erhalten, die langsamer altern.“

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Makes Some People Live to 100? Scientists Find Clues in Their Blood“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Immun-Cocktail: Neue Superkraft von Ameisengift entdeckt


In Kürze:

  • Alte Annahme: Bislang galt Ameisensäure als alleiniger Bestandteil von Ameisengift.
  • Neue Erkenntnis: Forscher aus Halle/Saale und Berlin haben jüngst herausgefunden, dass das Toxin auch gesundheitswirksame Eiweiße enthält.
  • Künftiger Nutzen: Diese Entdeckung könnte dazu beitragen, wirksame Mittel gegen Krankheitserreger wie Pilze zu entwickeln.

 
Das Gift von Schuppenameisen, zu denen auch die Waldameisen gehören, galt bislang als vergleichsweise einfach zusammengesetzt: Ameisensäure wurde seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert als zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff dieser Ameisengifte betrachtet.
„Wir sind in unserem Projekt einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation nachgegangen, in der erwähnt wurde, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe [Peptide] enthalten“, sagte Timo Niedermeyer, Professor für Pharmazeutische Biologie der Freien Universität Berlin. Er ergänzte:
„Wir haben nun zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen. Diese sind einzigartig in diesen Ameisen, kommen dort aber weit verbreitet vor. Ihr Gift ist wesentlich komplexer als bisher angenommen.“

Ameisengift schützt Brut vor Pilzerkrankungen

Die im Gift identifizierten Peptide leisten offenbar einen Beitrag zur Nesthygiene. So schmieren die Ameisen ihre Brut mit ihrem Gift ein – die Peptide bleiben nach dem Verdunsten der Ameisensäure auf den Puppen zurück und wirken dort Infektionen entgegen.
„Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das ist interessant vor dem Hintergrund einer Bedrohung sozialer Gemeinschaften durch Umweltmikroben und Krankheitserreger sowie zunehmender Resistenzen dieser Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe“, betonte Dr. Simon Tragust, beteiligter Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Mit über 3.700 Arten eröffnet die Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen.“
Die Forschungsergebnisse untermauern, dass das Gift von Schuppenameisen vielfältige Funktionen erfüllt. Die Ameisen verwenden es nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Desinfektion, zur Steuerung ihrer Darmflora und zur Kommunikation mit Artgenossen.

Internationale Spitzenforschung

Für ihre Arbeit kombinierten die Forscher Methoden aus Biologie, Chemie und Pharmazie. Mithilfe modernster Technik wurden Protein- und RNA-Daten zusammengeführt, um die im Gift enthaltenen Peptide und ihre Gensequenzen zu identifizieren. Ergänzend kamen chemische Analysen, synthetische Verfahren, biophysikalische Experimente und Genomanalysen zum Einsatz.
Durch die interdisziplinäre Herangehensweise und die Untersuchung der Giftsekrete mehrerer Ameisenkolonien verschiedener Ameisenarten zählt die Arbeit zu den bisher umfassendsten vergleichenden Analysen von Ameisengiften.
Die Studie erschien am 13. Mai 2026 im Fachmagazin „Science Advances“.
(Mit Material der Freien Universität Berlin.)