Der Heilige Kelch von Jesus Christus soll sich in der Kathedrale von Valencia befinden. - Foto: RomoloTavani/iStock
In Kürze:
Bis heute gibt es die Debatte, ob es den Heiligen Gral – jenen Kelch, aus dem Jesus während des letzten Abendmahls trank – jemals gab.
Zahlreiche Legenden und Geschichten lieferten bislang Einblicke rund um den bedeutungsvollen Gegenstand.
Bei einer in der Kathedrale von Valencia ausgestellten Reliquie soll es sich um dieses Gefäß handeln.
Der Heilige Gral ist seit jeher Inspiration für Legenden, Mythen und Gedichte. Nur wenige Gegenstände haben das literarische und kulturelle Bewusstsein des Westens so tiefgreifend geprägt wie er.
So ist er der Mittelpunkt von fantasievollen Romanzen wie „Perceval“ des mittelalterlichen Schreibers Chrétien de Troyes oder eines üppigen Gemäldes von Dante Rossetti. Sie alle scheinen die Grenzen zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt zu verwischen.
In unserer kollektiven Vorstellung gilt der Gral als Symbol für moralische Prüfungen und spirituelle Sehnsucht an der Grenze zwischen den Welten. Was jedoch nur wenige wissen, ist, dass die Geschichten über die Suche nach ihm nicht gänzlich fiktiv sind.
„Die Jungfrau vom Heiligen Gral“ (1874) von dem britischen Maler und Dichter Dante Gabriel Rossetti (1828–1882).
Die ursprüngliche Vorstellung von einer Suche nach dem Heiligen Gral wird oft der blühenden Fantasie eines mittelalterlichen Autors und Sängers zugeschrieben: Chrétien de Troyes (um 1140–1190). Einigen wird er vielleicht durch seine Werke über König Artus und Ritter Lancelot bekannt sein. Doch die letzte Geschichte, die er schrieb, handelte vom Heiligen Gral.
In „Perceval“, auch „Li Contes del Graal“ genannt, geht es um den jungen Ritter Perceval, der auf der Burg des „Fischerkönigs“ verweilt. Dort wird er Zeuge einer seltsamen Prozession prächtiger Gegenstände, darunter ein aufleuchtender goldener Gral oder Kelch.
Perceval versucht, herauszufinden, für wen und wozu der geheimnisvolle Gral bestimmt ist. Eine Antwort erhält der Leser jedoch nicht, denn Troyes starb, bevor er seine Erzählung vollenden konnte.
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Diese Gravur entstand 1530 von einem unbekannten Künstler und soll Chrétien de Troyes bei seiner Arbeit zeigen.
Diese mittelalterliche Bilderhandschrift von Évrard d’Espinques zeigt die am Tisch versammelten Ritter von König Artus mit dem Heiligen Gral in der Tischmitte.
Andere Schreiber versuchten, die Geschichte zu vervollständigen, wodurch die heutige Gral-Literatur entstand. Diese prägte wiederum die uns heute geläufige Artus-Sage. Der spanische Kunsthistoriker Joan Duran-Porta von der Universität Barcelona stellte fest:
„Die Suche nach dem Gral, sei er nun physisch oder symbolisch, spielt seitdem eine große Rolle in diesem lebendigen Literaturkanon über magische Abenteuer.“
Durch die verschiedenen Weiterentwicklungen der Geschichte setzten viele Menschen im Laufe der Zeit diesen geheimnisvollen Kelch mit dem Gefäß gleich, das Jesus Christus beim letzten Abendmahl benutzte.
Aber ist das schon die ganze Geschichte? Ist der Gral, wie Duran-Porta argumentiert, einfach „ein literarisches Objekt“ und damit „das Produkt der Fantasie eines Dichters“?
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„Die Suche nach dem Heiligen Gral“, ein Wandteppich des britischen Malers Edward Burne-Jones (1833–1898).
Foto: gemeinfrei
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Die Illustration von 1882 zeigt Perceval, der den Heiligen Gral in den Händen hält.
Zugegebenermaßen sind die Erzählungen von britischen Rittern, die auf der Suche nach dem schwer fassbaren Kelch magische, nebelverhangene Moorlandschaften durchqueren, reine Erfindung.
Andererseits gibt es jedoch stichhaltige historische Belege dafür, dass eine „Suche“ nach dem Gral oder, um einen korrekteren Begriff zu verwenden, nach dem Heiligen Kelch tatsächlich stattgefunden hat. Mehr noch: Sie soll erfolgreich gewesen sein.
Nur ging es hier weniger darum, den Gral zu finden, als vielmehr darum, ihn Jahrhundert für Jahrhundert vor den Gefahren von Krieg, Tyrannen und Katastrophen zu bewahren. Dies ist die Geschichte des Heiligen Kelches von Valencia.
In einem Buntglasfenster in der Kathedrale Saint-Corentin, Frankreich, ist der Heilige Gral dargestellt.
Die Evangelien berichten davon, wie Jesus am Abend vor seiner Kreuzigung und seinem Tod mit seinen Jüngern das Passahfest feierte.
„Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Matthäus 26, 26–28)
Der Überlieferung zufolge brachte der heilige Petrus († um 64–67) oder sein Nachfolger, der heilige Markus, den Kelch von Jerusalem nach Rom, wo er Teil der päpstlichen Liturgie wurde. Immer wieder taucht in den Gebeten und Messen dieser Zeit, die sich auf das Abendmahl beziehen, die Zeile „hoc praeclarum calicem“ („Ich nehme diesen herrlichen Kelch“) auf.
Aus anderen Zeiten und Orten ist dieser lobende Ausdruck dagegen nicht bekannt, womit er spezifisch für Rom zu sein scheint. Für viele deutet dies daher darauf hin, dass sich der Kelch Christi in Rom befand.
Einer Legende zufolge blieb der Heilige Kelch bis zur Zeit von Papst Sixtus II. († 258) im Besitz der frühen Päpste. Sixtus II. soll den Kelch sogar mehr als sein eigenes Leben geschätzt haben. Während der Christenverfolgung durch Kaiser Valerian schmiedete er einen Plan, damit der Kelch nicht in die Hände der Römer fiel. Einen derartigen Rettungsversuch unternahm er für sich selbst nicht und er starb später den Märtyrertod.
Sixtus vertraute die kostbare Reliquie seinem Diakon, dem heiligen Laurentius, an. Sein Auftrag: den Kelch außer Reichweite des römischen Kaisers zu bringen. Der aus Spanien stammende heilige Laurentius folgte der Anweisung und brachte den Kelch nach Huesca im Norden Spaniens.
Doch einige Jahrhunderte später geriet das heilige Relikt erneut in Gefahr. Als die Muslime 713 in Spanien einfielen, wurde der Kelch im Kloster San Juan de la Peña in den spanischen Pyrenäen versteckt. Erst 1399 übergaben die Mönche das Gefäß an König Martin I. von Aragon (1356–1410). Dieser bewahrte ihn zunächst in seinem Palast in Saragossa und später im Palast in Barcelona auf.
Replik des Heiligen Kelches von Valencia im Kloster San Juan de la Peña.
Sein zweiter Nachfolger, König Alfons der Großmütige (1396–1458), brachte den Kelch schließlich nach Valencia. Um seinen Krieg zu finanzieren, lieh sich der König Geld von der Kirche und gab den Kelch 1437 als Teil der Rückzahlung an die Kathedrale von Valencia.
Obwohl seine Reise 1437 endete, war der Kelch noch nicht außer Gefahr. Er überstand einen Sturz am Karfreitag 1744 und die Schändung der Kathedrale während des Spanischen Bürgerkriegs. Heute ruht der Kelch für alle sichtbar in dieser Kathedrale.
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Die Kathedrale von Valencia.
Foto: VitalyEdush/iStock
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Die Kapelle mit dem Heiligen Kelch von Valencia in der Kathedrale von Valencia.
Foto: Mltz/iStock
Der Heilige Kelch
Dieser Heilige Kelch besteht aus zwei Teilen: einem goldenen Sockel mit Henkeln und einem Becher. Der Becher selbst gilt als die Reliquie, die Jesus verwendet hat. Er besteht aus rotbraunem Achat, dessen natürliches Muster der gebänderten und mit Wirbeln versehenen Oberfläche des Jupiters ähnelt.
Eine archäologische Untersuchung aus den 1960er-Jahren ergab, dass der Kelch aus dem 1. oder 2. Jahrhundert v. Chr. stammt. Zudem sei er in der Nähe von Palästina und Ägypten – der einzigen Region, in der diese Art von Achat vorkommt – von Hand gefertigt worden. Er hat dieselbe Größe wie ein traditioneller jüdischer Kiddusch-Kelch (ein Segenskelch), und genau ein solcher sei beim letzten Abendmahl verwendet worden.
Der goldene Ständer ist dagegen deutlich jünger und stammt aus dem 11. Jahrhundert. Heute gehen Forscher davon aus, dass man im Mittelalter einen angemessenen Rahmen schaffen wollte, um den Kelch, den man als Reliquie betrachtete, zu präsentieren. Heute ruht er still im kühlen, schattigen Inneren einer besonderen Kapelle in der Kathedrale von Valencia und schimmert sanft in einer Kristallvitrine.
Der 17,5 Zentimeter hohe Kelch in seiner Vitrine.
Foto: Catalin Daniel Ciolca/iStock
Jahrhundert für Jahrhundert, von einem Hüter zum nächsten weitergereicht, immer wieder die Gefahren von Verfolgung und Krieg bestehend, ist der Kelch bis in unsere Tage erhalten geblieben. Für viele ist er damit eine greifbare Verbindung zur Zeit Jesu und eines der bestgehüteten Geheimnisse Valencias.
„Wenn es einen Kelch gibt, der der Überlieferung zufolge in den Händen Jesu war, dann ist der Heilige Kelch der Kathedrale von Valencia zweifellos der einzige, der alle Anforderungen erfüllt […]“, so die Kunsthistorikerin Dr. Ana Mafé.
Der Mythos von Theseus und dem Minotaur (r.) machte den Bildhauer Antonio Canova berühmt (l.). - Foto: gemeinfrei, Yair Haklai/Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0; Montage und Bearbeitung: Epoch Times
In Kürze:
Der italienische Bildhauer Antonio Canova galt im 18. Jahrhundert wegen seines großen Talentes als „moderner Phidias“.
Vor allem seine Skulptur „Theseus und der Minotaur“, angelehnt an einen griechischen Mythos, machte Canova berühmt.
Das 18. Jahrhundert war die Geburtsstunde eines großen Künstlers: des italienischen Bildhauers Antonio Canova (1757–1822). Heute ist Canova dafür bekannt, dass er das Erbe der antiken griechischen Bildhauerkunst wiederbelebte.
Manche bezeichneten ihn damals sogar als den „modernen Phidias“. Phidias (ca. 480–430 v. Chr.) war einer der größten Bildhauer der Antike und einer der Verantwortlichen beim Ausbau der berühmten Akropolis von Athen.
Der Legende nach soll der herausragende Bildhauer als Einziger jemals die griechischen Götter gesehen haben. Phidias verewigte das Antlitz der Götter schließlich mit den Skulpturen des Parthenon und machte es so für alle Griechen greifbar.
Canova dürfte dieser Gedanke gefallen haben, denn der italienische Künstler sagte einmal: „Die Werke des Phidias sind wahrhaftig aus Fleisch und Blut, wie die schöne Natur selbst“, so die Kunsthistorikerin Jane Martineau in ihrem Buch „The Glory of Venice: Art in the Eighteenth Century“.
Selbstportrait von Antonio Canova aus dem Jahr 1790.
Im Jahr 1779, als er Anfang 20 war, schuf Canova die Marmorskulptur „Daedalus und Ikarus“ im barocken Stil. Diese zeigt den mythischen griechischen Erfinder, Architekten und Bildhauer Daidalos mit seinem Sohn Ikaros.
In der Momentaufnahme ist Daidalos zu sehen, wie er sorgfältig seinen Sohn mit Flügeln ausstattet, indem er Federn mit Wachs an dessen Rücken befestigt. Daidalos fertigte auch für sich selbst gefiederte Flughilfen an, die beiden halfen, den Fängen von König Minos zu entfliehen.
Die Skulptur „Daedalus und Ikarus“ im Museo Correr, dem städtischen Museum von Venedig.
Bekanntlich kam Ikaros dabei ums Leben. Sein Vater hatte ihn gewarnt, nicht zu hoch zu fliegen, doch er ignorierte den Rat. Sein Übermut verleitete ihn dazu, näher an die Sonne heranzufliegen, wodurch das Wachs schmolz, das seine provisorischen Flügel zusammenhielt. Der junge Mann stürzte vor den Augen seines Vaters ins Meer und ertrank.
Das Gemälde „Der Sturz des Ikarus“ von Jacob Peter Gowy aus dem Jahr 1636.
Vater und Sohn flohen vor König Minos, nachdem Daidalos geholfen hatte, das Leben des jungen athenischen Prinzen Theseus zu retten. Zusammen mit Ariadne, der Tochter von König Minos, half Daidalos dem jungen Helden und verriet ihm, wie er erfolgreich aus dem Labyrinth des gefürchteten Minotaur entkommt. Das Fabelwesen hatte den Körper eines Menschen und den Kopf eines Stiers. Und tatsächlich: Theseus besiegte den Minotaur und fand den Weg aus dem Labyrinth.
Die künstlerische Darstellung von 1861 zeigt den athenischen Prinzen Theseus im Labyrinth mit dem Minotaur.
Canova stellte Theseus und den Minotaur im Jahr 1782 dar. In der neoklassizistischen Skulptur überragt Theseus den Minotaur, den er gerade getötet hat. Das Werk verkörpert den zielgerichteten Geist, für den Theseus steht, der über den materiellen Körper triumphiert, der durch den toten Minotaur repräsentiert wird, so der Kunsthistoriker David Bindman in einer Vorlesung über italienische Kunst im Jahr 2015.
Die Skulptur „Theseus und der Minotaur“ von Antonio Canova (1757–1822) aus dem Jahr 1782 im britischen Victoria and Albert Museum.
Den Betrachtern jener Zeit fiel es schwer zu glauben, dass „Theseus und der Minotaur“ ein zeitgenössisches Werk und keine Kopie einer antiken griechischen Skulptur war. Dieses Werk trug zusammen mit Canovas erstem päpstlichen Auftrag in Rom – dem Grabmal von Papst Clemens XIV. (fertiggestellt 1787) – dazu bei, seinen Ruhm in ganz Europa zu festigen.
Obwohl es sich um eine der am wenigsten bekannten und unterschätzten Unterkategorien des Kinos handelt, gehören Filme, die historische Ereignisse aus einer neuen Perspektive erzählen, zu meinen Favoriten. In diese Unterkategorie fallen Filme, die ein oder mehrere historische Ereignisse im Rahmen einer originellen, fiktiven Geschichte neu interpretieren.
Nach Angaben der Online-Filmdatenbank IMDb gibt es fast 100 solcher Filme, aber nur wenige sind wirklich sehenswert, wie „Forrest Gump“, „Braveheart“, „Inglourious Basterds“, „Argo“ und „Once Upon a Time in … Hollywood“.
Robin Hood (Hugh Jackman) wird in „The Death of Robin Hood“ von Schwester Brigid (Jodie Comer) gepflegt.
Gern würde ich auch den gerade angelaufenen Film „The Death of Robin Hood“ als eine Neuinterpretation der bekannten Geschichte bezeichnen, aber das ist er nicht.
Die Figur des Robin Hood, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, hat in der Literatur, auf der Bühne und auf der Leinwand zahlreiche Varianten durchlaufen – allesamt reine Fiktion. Seit 1908 gab es weit über 100 Spielfilme, Kurzfilme und Fernsehproduktionen, die sich mit dieser Figur befassten. Das Bemerkenswerte ist, dass all diese Versionen Robin Hood als einen kontaktfreudigen, selbstlosen Verfechter des einfachen Volkes darstellen, nach dem Motto „Nimm von den Reichen und gib den Armen“.
Diese Darstellung entspricht jedoch nicht dem Robin Hood Ihrer Eltern oder gar Ihrer Großeltern. In den erfahrenen Händen des Drehbuchautors und Regisseurs Michael Sarnoski („Pig“), der bereits zum dritten Mal ein Drehbuch verfasst und Regie geführt hat, bricht „The Death of Robin Hood“ mit allen bisherigen Interpretationen dieses legendären Helden.
Der Film beginnt im Jahr 1247 an einem nicht näher bezeichneten Ort (wahrscheinlich in England; gedreht wurde jedoch in Nordirland) und erinnert sofort an den Anfang von „Braveheart“. Inmitten von felsigen Bergen, die in eisigen Nebel gehüllt sind, erbarmt sich der ergraute, langhaarige und vom Kampf gezeichnete Robin (Hugh Jackman) einer hungernden und erschöpften Seele. Der Geruch des Lagerfeuers hat ihr Interesse geweckt, und sie bittet um ein Stück von dem, was gerade am Spieß brät – es scheint Kaninchen zu sein.
Robin erfüllt diesen Wunsch – und wird dafür im Gegenzug fast im Schlaf getötet. Doch er kommt der Person zuvor. Der Körpergeruch sowie der auffällige, unsichere Gang hätten sie verraten, sagt Robin. Dann beseitigt er sie auf eine Art, wie die meisten von uns Ungeziefer im Haushalt vernichten würden.
Robin Hood (Hugh Jackman) in „The Death of Robin Hood“.
Dies ist das erste Anzeichen dafür, dass der von Jackman gespielte Robin ein Mann ist, der sich ganz auf das Wesentliche konzentriert, ganz ohne Schnickschnack. Wer offen und dankbar ist, bleibt am Leben. Wer ihm vertraut, genießt seine Gastfreundschaft. Wer ihn jedoch nur im Geringsten bedroht, wird von ihm gnadenlos und ohne Zögern erledigt.
Wie sich herausstellt, gibt es noch viele andere, die sich an Robin rächen wollen. Die Angehörigen seiner früheren Opfer sind aktiv und unermüdlich auf der Suche nach ihm. Dessen ist sich Robin nur allzu bewusst, sodass er ständig in Alarmbereitschaft ist.
Nach einer besonders heftigen Begegnung mit einem solchen Clan wird Robin schwer verletzt und fällt in Ohnmacht. Als er erwacht, befindet er sich auf einer scheinbar fernab gelegenen Insel in der Obhut einer Nonne, Schwester Brigid (Jodie Comer).
Schwester Brigid (Jodie Comer) in „The Death of Robin Hood“.
Schnell wird klar, dass Brigid Robin helfen will, wieder zu Kräften zu kommen – allerdings auf schonungslose Weise. Dass sie nicht gerade Samthandschuhe anlegt, trifft auf seine Bewunderung. Wenn Robin also dortbleiben wolle, müsse er sich seinen Platz erst verdienen. Auch das findet er an ihr beeindruckend. So entwickelt sich zwischen den beiden ein gegenseitiger, wenn auch noch etwas zurückhaltender Respekt.
Das relativ idyllische Leben währt jedoch nur kurz. Zunächst taucht ein problembehaftetes Mädchen namens Margaret (Faith Delaney) auf, dann kommt der unheilvolle, verwundete Landstreicher Godwyn (Noah Jupe) dazu. Beide haben bereits in dem historischen Drama „Hamnet“ mitgespielt. Diese neuen Figuren werfen Robin wieder in seine ursprüngliche Achtsamkeit zurück.
Auch die letzte Hauptfigur, lediglich als „der Aussätzige“ (Murray Bartlett) bezeichnet, hat eine Verbindung zu Robin aus der Vergangenheit, wie sich jedoch erst im dritten Abschnitt deutlich herausstellt.
Keine Reue, aber ein Lichtblick
Sarnoski begibt sich während des gesamten Films auf eine Gratwanderung, indem er Robin als einen Mann darstellt, der nicht danach strebt, seine Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen. Seine zahlreichen Sünden sind ihm gleichgültig, er zeigt keinerlei Reue. Zwar gesteht Robin seine Sünden ein, bittet jedoch weder um Vergebung noch um Absolution.
Robin Hood (Hugh Jackman) in „The Death of Robin Hood“.
Wer sich für den Film interessiert, sollte beachten: Das Werk ist sehr gewalttätig, jedoch nicht drastischer als das, was in gleichartigen früheren Produktionen wie „Erbarmungslos“, „The Green Knight“, „Braveheart“ und „Gladiator“ gezeigt wurde.
In seinem Wesen und seinem Ansatz ähnelt Jackmans Robin Hood stark seiner Rolle in „Logan: The Wolverine“: Er ist unzufrieden mit dem Mann, zu dem er geworden ist, hinterfragt seine früheren Entscheidungen jedoch nicht. Zwar zeigt er keine Reue, ist sich jedoch durchaus der schwerwiegenden Folgen seiner fragwürdigen Taten aus der Vergangenheit bewusst.
Zu Beginn der zweiten Hälfte scheint Robin einen Neuanfang zu wagen. Er kehrt seinen kriminellen Machenschaften den Rücken zu und wird zum Beschützer von Brigid, dem Aussätzigen, Margaret und mehreren anderen heimatlosen Kindern.
Der einstige Bösewicht beschließt, wenn schon kein guter, zumindest ein ehrenhafter Mensch zu sein – für einen Mann mit einer derart dunklen Vergangenheit ist dies zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung.
„The Death of Robin Hood“ Regie und Drehbuch: Michael Sarnoski Darsteller: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 2 Stunden, 3 Minuten Bewertung: 4 von 5 Sternen