Der Mythos von Theseus und dem Minotaur (r.) machte den Bildhauer Antonio Canova berühmt (l.). - Foto: gemeinfrei, Yair Haklai/Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0; Montage und Bearbeitung: Epoch Times
In Kürze:
Der italienische Bildhauer Antonio Canova galt im 18. Jahrhundert wegen seines großen Talentes als „moderner Phidias“.
Vor allem seine Skulptur „Theseus und der Minotaur“, angelehnt an einen griechischen Mythos, machte Canova berühmt.
Das 18. Jahrhundert war die Geburtsstunde eines großen Künstlers: des italienischen Bildhauers Antonio Canova (1757–1822). Heute ist Canova dafür bekannt, dass er das Erbe der antiken griechischen Bildhauerkunst wiederbelebte.
Manche bezeichneten ihn damals sogar als den „modernen Phidias“. Phidias (ca. 480–430 v. Chr.) war einer der größten Bildhauer der Antike und einer der Verantwortlichen beim Ausbau der berühmten Akropolis von Athen.
Der Legende nach soll der herausragende Bildhauer als Einziger jemals die griechischen Götter gesehen haben. Phidias verewigte das Antlitz der Götter schließlich mit den Skulpturen des Parthenon und machte es so für alle Griechen greifbar.
Canova dürfte dieser Gedanke gefallen haben, denn der italienische Künstler sagte einmal: „Die Werke des Phidias sind wahrhaftig aus Fleisch und Blut, wie die schöne Natur selbst“, so die Kunsthistorikerin Jane Martineau in ihrem Buch „The Glory of Venice: Art in the Eighteenth Century“.
Selbstportrait von Antonio Canova aus dem Jahr 1790.
Im Jahr 1779, als er Anfang 20 war, schuf Canova die Marmorskulptur „Daedalus und Ikarus“ im barocken Stil. Diese zeigt den mythischen griechischen Erfinder, Architekten und Bildhauer Daidalos mit seinem Sohn Ikaros.
In der Momentaufnahme ist Daidalos zu sehen, wie er sorgfältig seinen Sohn mit Flügeln ausstattet, indem er Federn mit Wachs an dessen Rücken befestigt. Daidalos fertigte auch für sich selbst gefiederte Flughilfen an, die beiden halfen, den Fängen von König Minos zu entfliehen.
Die Skulptur „Daedalus und Ikarus“ im Museo Correr, dem städtischen Museum von Venedig.
Bekanntlich kam Ikaros dabei ums Leben. Sein Vater hatte ihn gewarnt, nicht zu hoch zu fliegen, doch er ignorierte den Rat. Sein Übermut verleitete ihn dazu, näher an die Sonne heranzufliegen, wodurch das Wachs schmolz, das seine provisorischen Flügel zusammenhielt. Der junge Mann stürzte vor den Augen seines Vaters ins Meer und ertrank.
Das Gemälde „Der Sturz des Ikarus“ von Jacob Peter Gowy aus dem Jahr 1636.
Vater und Sohn flohen vor König Minos, nachdem Daidalos geholfen hatte, das Leben des jungen athenischen Prinzen Theseus zu retten. Zusammen mit Ariadne, der Tochter von König Minos, half Daidalos dem jungen Helden und verriet ihm, wie er erfolgreich aus dem Labyrinth des gefürchteten Minotaur entkommt. Das Fabelwesen hatte den Körper eines Menschen und den Kopf eines Stiers. Und tatsächlich: Theseus besiegte den Minotaur und fand den Weg aus dem Labyrinth.
Die künstlerische Darstellung von 1861 zeigt den athenischen Prinzen Theseus im Labyrinth mit dem Minotaur.
Canova stellte Theseus und den Minotaur im Jahr 1782 dar. In der neoklassizistischen Skulptur überragt Theseus den Minotaur, den er gerade getötet hat. Das Werk verkörpert den zielgerichteten Geist, für den Theseus steht, der über den materiellen Körper triumphiert, der durch den toten Minotaur repräsentiert wird, so der Kunsthistoriker David Bindman in einer Vorlesung über italienische Kunst im Jahr 2015.
Die Skulptur „Theseus und der Minotaur“ von Antonio Canova (1757–1822) aus dem Jahr 1782 im britischen Victoria and Albert Museum.
Den Betrachtern jener Zeit fiel es schwer zu glauben, dass „Theseus und der Minotaur“ ein zeitgenössisches Werk und keine Kopie einer antiken griechischen Skulptur war. Dieses Werk trug zusammen mit Canovas erstem päpstlichen Auftrag in Rom – dem Grabmal von Papst Clemens XIV. (fertiggestellt 1787) – dazu bei, seinen Ruhm in ganz Europa zu festigen.
Obwohl es sich um eine der am wenigsten bekannten und unterschätzten Unterkategorien des Kinos handelt, gehören Filme, die historische Ereignisse aus einer neuen Perspektive erzählen, zu meinen Favoriten. In diese Unterkategorie fallen Filme, die ein oder mehrere historische Ereignisse im Rahmen einer originellen, fiktiven Geschichte neu interpretieren.
Nach Angaben der Online-Filmdatenbank IMDb gibt es fast 100 solcher Filme, aber nur wenige sind wirklich sehenswert, wie „Forrest Gump“, „Braveheart“, „Inglourious Basterds“, „Argo“ und „Once Upon a Time in … Hollywood“.
Robin Hood (Hugh Jackman) wird in „The Death of Robin Hood“ von Schwester Brigid (Jodie Comer) gepflegt.
Gern würde ich auch den gerade angelaufenen Film „The Death of Robin Hood“ als eine Neuinterpretation der bekannten Geschichte bezeichnen, aber das ist er nicht.
Die Figur des Robin Hood, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, hat in der Literatur, auf der Bühne und auf der Leinwand zahlreiche Varianten durchlaufen – allesamt reine Fiktion. Seit 1908 gab es weit über 100 Spielfilme, Kurzfilme und Fernsehproduktionen, die sich mit dieser Figur befassten. Das Bemerkenswerte ist, dass all diese Versionen Robin Hood als einen kontaktfreudigen, selbstlosen Verfechter des einfachen Volkes darstellen, nach dem Motto „Nimm von den Reichen und gib den Armen“.
Diese Darstellung entspricht jedoch nicht dem Robin Hood Ihrer Eltern oder gar Ihrer Großeltern. In den erfahrenen Händen des Drehbuchautors und Regisseurs Michael Sarnoski („Pig“), der bereits zum dritten Mal ein Drehbuch verfasst und Regie geführt hat, bricht „The Death of Robin Hood“ mit allen bisherigen Interpretationen dieses legendären Helden.
Der Film beginnt im Jahr 1247 an einem nicht näher bezeichneten Ort (wahrscheinlich in England; gedreht wurde jedoch in Nordirland) und erinnert sofort an den Anfang von „Braveheart“. Inmitten von felsigen Bergen, die in eisigen Nebel gehüllt sind, erbarmt sich der ergraute, langhaarige und vom Kampf gezeichnete Robin (Hugh Jackman) einer hungernden und erschöpften Seele. Der Geruch des Lagerfeuers hat ihr Interesse geweckt, und sie bittet um ein Stück von dem, was gerade am Spieß brät – es scheint Kaninchen zu sein.
Robin erfüllt diesen Wunsch – und wird dafür im Gegenzug fast im Schlaf getötet. Doch er kommt der Person zuvor. Der Körpergeruch sowie der auffällige, unsichere Gang hätten sie verraten, sagt Robin. Dann beseitigt er sie auf eine Art, wie die meisten von uns Ungeziefer im Haushalt vernichten würden.
Robin Hood (Hugh Jackman) in „The Death of Robin Hood“.
Dies ist das erste Anzeichen dafür, dass der von Jackman gespielte Robin ein Mann ist, der sich ganz auf das Wesentliche konzentriert, ganz ohne Schnickschnack. Wer offen und dankbar ist, bleibt am Leben. Wer ihm vertraut, genießt seine Gastfreundschaft. Wer ihn jedoch nur im Geringsten bedroht, wird von ihm gnadenlos und ohne Zögern erledigt.
Wie sich herausstellt, gibt es noch viele andere, die sich an Robin rächen wollen. Die Angehörigen seiner früheren Opfer sind aktiv und unermüdlich auf der Suche nach ihm. Dessen ist sich Robin nur allzu bewusst, sodass er ständig in Alarmbereitschaft ist.
Nach einer besonders heftigen Begegnung mit einem solchen Clan wird Robin schwer verletzt und fällt in Ohnmacht. Als er erwacht, befindet er sich auf einer scheinbar fernab gelegenen Insel in der Obhut einer Nonne, Schwester Brigid (Jodie Comer).
Schwester Brigid (Jodie Comer) in „The Death of Robin Hood“.
Schnell wird klar, dass Brigid Robin helfen will, wieder zu Kräften zu kommen – allerdings auf schonungslose Weise. Dass sie nicht gerade Samthandschuhe anlegt, trifft auf seine Bewunderung. Wenn Robin also dortbleiben wolle, müsse er sich seinen Platz erst verdienen. Auch das findet er an ihr beeindruckend. So entwickelt sich zwischen den beiden ein gegenseitiger, wenn auch noch etwas zurückhaltender Respekt.
Das relativ idyllische Leben währt jedoch nur kurz. Zunächst taucht ein problembehaftetes Mädchen namens Margaret (Faith Delaney) auf, dann kommt der unheilvolle, verwundete Landstreicher Godwyn (Noah Jupe) dazu. Beide haben bereits in dem historischen Drama „Hamnet“ mitgespielt. Diese neuen Figuren werfen Robin wieder in seine ursprüngliche Achtsamkeit zurück.
Auch die letzte Hauptfigur, lediglich als „der Aussätzige“ (Murray Bartlett) bezeichnet, hat eine Verbindung zu Robin aus der Vergangenheit, wie sich jedoch erst im dritten Abschnitt deutlich herausstellt.
Keine Reue, aber ein Lichtblick
Sarnoski begibt sich während des gesamten Films auf eine Gratwanderung, indem er Robin als einen Mann darstellt, der nicht danach strebt, seine Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen. Seine zahlreichen Sünden sind ihm gleichgültig, er zeigt keinerlei Reue. Zwar gesteht Robin seine Sünden ein, bittet jedoch weder um Vergebung noch um Absolution.
Robin Hood (Hugh Jackman) in „The Death of Robin Hood“.
Wer sich für den Film interessiert, sollte beachten: Das Werk ist sehr gewalttätig, jedoch nicht drastischer als das, was in gleichartigen früheren Produktionen wie „Erbarmungslos“, „The Green Knight“, „Braveheart“ und „Gladiator“ gezeigt wurde.
In seinem Wesen und seinem Ansatz ähnelt Jackmans Robin Hood stark seiner Rolle in „Logan: The Wolverine“: Er ist unzufrieden mit dem Mann, zu dem er geworden ist, hinterfragt seine früheren Entscheidungen jedoch nicht. Zwar zeigt er keine Reue, ist sich jedoch durchaus der schwerwiegenden Folgen seiner fragwürdigen Taten aus der Vergangenheit bewusst.
Zu Beginn der zweiten Hälfte scheint Robin einen Neuanfang zu wagen. Er kehrt seinen kriminellen Machenschaften den Rücken zu und wird zum Beschützer von Brigid, dem Aussätzigen, Margaret und mehreren anderen heimatlosen Kindern.
Der einstige Bösewicht beschließt, wenn schon kein guter, zumindest ein ehrenhafter Mensch zu sein – für einen Mann mit einer derart dunklen Vergangenheit ist dies zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung.
„The Death of Robin Hood“ Regie und Drehbuch: Michael Sarnoski Darsteller: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård Altersfreigabe: FSK 16 Laufzeit: 2 Stunden, 3 Minuten Bewertung: 4 von 5 Sternen