Die Zahlungen für die Pflege im Heim aus eigener Tasche steigen weiter. (Archivbild) - Foto: Bernd Thissen/dpa
Immer mehr Pflegebedürftige, zu wenige Pflegekräfte und Milliardendefizite – die gesetzliche Pflegeversicherung steht vor großen Herausforderungen. Die Bundesregierung plant deshalb eine große Pflegereform. Für einen ersten Entwurf hat die damalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) viel Kritik geerntet – auch weil die Eigenanteile für Pflegebedürftige weiter steigen dürften. Nach dem Kabinettsumbau muss nun Warkens Nachfolger Carsten Linnemann trotz starkem Gegenwind das Vorhaben zu Ende bringen.
Wie funktioniert die Pflegeversicherung?
Die Pflegeversicherung gehört wie die Kranken- und die Rentenversicherung zur Sozialversicherung. Dabei gilt eine Versicherungspflicht: Gesetzlich Versicherte sind automatisch in der gesetzlichen Pflegeversicherung versichert, privat Versicherte müssen eine private Pflegeversicherung abschließen.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen paritätisch Beiträge in die gesetzliche Pflegeversicherung ein: Dies sind bundesweit – bis auf Sachsen – jeweils 1,8 Prozent des Bruttolohns. Für Kinderlose gibt es noch einen Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten, den nur die Arbeitnehmer zahlen.
Von der Versicherung bekommen Pflegebedürftige Leistungen bezahlt, die unter anderem vom Pflegegrad und der Art der Pflege abhängen. Die Pflegeversicherung ist dabei explizit als Teilversicherung angelegt: Sie übernimmt nur einen Teil der Kosten, zum Beispiel für die Unterbringung in einem Pflegeheim. Den Rest, die sogenannten Eigenanteile, müssen die Betroffenen oder deren Angehörige selbst bezahlen.
Dem Medizinischen Dienst des Bundes zufolge erhielten Ende 2025 rund sechs Millionen Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich damit in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt und dürfte weiter ansteigen.
Dies liegt daran, dass die Gesellschaft immer älter wird, und dass nach einer Reform im Jahr 2017 mehr Bedürftige erfasst werden. Die Folge sind enorm gestiegene Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung: Diese kletterten von rund 24 Milliarden Euro 2013 auf mehr als 73,8 Milliarden im vergangenen Jahr.
In diesem Jahr erwarten die gesetzlichen Krankenkassen ein Defizit von 4,2 Milliarden Euro. Für 2027 geht das Gesundheitsministerium von einem Fehlbetrag von 7,6 Milliarden Euro aus, für das Jahr darauf von über 15 Milliarden Euro.
Immer mehr Bedürftigen stehen gleichzeitig zu wenige Pflegekräfte gegenüber: Bis 2034 könnten bis zu 500.000 Pfleger fehlen, warnte der Deutsche Pflegerat.
Wie viel muss für das Pflegeheim aus eigener Tasche bezahlt werden?
3364 Euro pro Monat müssen Betroffene im Durchschnitt für das erste Jahr im Pflegeheim selbst zahlen. Im zweiten Jahr sind es noch rund 3000 Euro, ab dem vierten Jahr 2100 Euro. Grund sind mit der Aufenthaltsdauer ansteigende Zuschüsse der Pflegeversicherung.
Die sogenannten Eigenanteile steigen seit Jahren kontinuierlich an – seit 2018 um 76 Prozent laut Arbeitgeberverband Pflege. Grund für die Entwicklung ist vor allem eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte. Sowohl Verbände als auch Politiker von Opposition und Koalition halten die aktuellen Eigenanteile für nicht mehr tragbar und fordern eine Begrenzung.
Als Notfallmaßnahme hat der Bund die Pflegeversicherung kurzfristig mit Milliardendarlehen stabilisiert: 2025 mit 0,5 Milliarden Euro und 2026 mit 3,2 Milliarden Euro. Dadurch sollten Beitragserhöhungen verhindert werden. Damit ist das grundsätzliche Problem bei der Pflege aber nicht gelöst – dass die Ausgaben viel schneller steigen als die Einnahmen. Deshalb soll eine umfassende Strukturreform kommen.
Was könnte die Reform konkret bedeuten?
Erste Pläne sehen erhebliche Mehrbelastungen für Bedürftige und ihre Angehörigen vor. So sollen die Voraussetzungen für die Einstufung in einen Pflegegrad verschärft werden. Damit dürfte es auch schwieriger werden, überhaupt als pflegebedürftig anerkannt zu werden. Die Regierung erhofft sich davon geringere Ausgaben für die Pflegeversicherung.
Deren Zuschüsse zu den Heimkosten sollen zudem zeitlich gestreckt werden. Damit würde es länger dauern, bis die Betroffenen von den schrittweise steigenden Zuschüssen profitieren. Die Folge wären zumindest anfangs noch höhere Eigenanteile. Umgekehrt könnte die Pflegeversicherung Ausgaben in Milliardenhöhe sparen.
Pflegestation. (Archivbild).
Foto: Elisa Schu/dpa
Was würde sich für Familien und Kinderlose ändern?
Wie in der Krankenversicherung geplant soll auch bei der Pflege die beitragsfreie Mitversicherung eingeschränkt werden: Ab 2028 sollen Versicherte für bisher beitragsfrei versicherte Ehegatten oder Lebenspartner einen Beitragszuschlag in Höhe von 0,52 Prozentpunkten zahlen. Ausnahmen davon sind bei der Betreuung kleiner Kinder oder der Pflege von Angehörigen geplant.
Mehr zahlen sollen künftig über eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze Gutverdienende sowie Kinderlose. Bei Letzteren soll der Beitragszuschlag um nochmals 0,1 Prozentpunkte auf dann insgesamt 0,7 Prozent steigen. (afp/red)
Die Bundeswehr unterstützt bei der Brandbekämpfung. - Foto: Thomas Banneyer/dpa
Hunderte Feuerwehrkräfte kämpfen im Hürtgenwald in der Eifel weiter gegen den großen Waldbrand. In der Nacht wurde in besonders gefährdeten Bereichen der Personaleinsatz am Boden fast verdoppelt, wie der Sprecher der Feuerwehren im Kreis Düren, Peter Berndgen, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Viele zusätzliche Löschzüge wurden in diese Bereiche geführt.
Die Wetterbedingungen sorgten in der Nacht für vorsichtigen Optimismus. Der Wind habe die Löscharbeiten zuletzt begünstigt, heißt es in einem Beitrag auf X:
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Im Fokus steht die am frühen Freitagmorgen evakuierte Ortschaft Gey, deren rund 2.000 Bewohner bei Verwandten und Freunden unterkamen. Zwei Bergepanzer der Bundeswehr schlugen nach Angaben Berndgens auch in der Nacht Schneisen im Bereich des Ortsteils. Damit sollte ein Übergreifen des Feuers möglichst verhindert werden.
Die Feuerwehr stelle sich auf einen tagelangen Einsatz ein, sagte Berndgen. Alle zwölf Stunden machten sich rund 500 Einsatzkräfte aus NRW auf den Weg zum Schichtwechsel ins Brandgebiet. Die Einsatzplanung reiche derzeit bis Montag.
Der Einsatz der Löschhubschrauber wurde bei Tageslicht wieder aufgenommen. Mit Einbruch der Dunkelheit mussten die Helikopter am Boden bleiben. Heute Nachmittag will sich auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) vor Ort ein Bild von der Lage im Brandgebiet machen.
Der Waldbrand ist nach Einschätzung der Landesregierung wohl der größte in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) ging bei einem Besuch der Einsatzkräfte von einer betroffenen Fläche von 200 Hektar bis 300 Hektar aus.
Bei Tageslicht sollen die Löschhubschrauber wieder fliegen.
Foto: Thomas Banneyer/dpa
Mehrere Feuerwehrleute verletzt
Bei dem großen Waldbrand gab es bislang fünf Verletzte. Eine ältere Person habe Herzprobleme bei der Evakuierung bekommen, sagte der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU) Landrat Nolten der dpa. Außerdem seien vier Einsatzkräfte leicht verletzt worden. Darunter seien eine Schnittverletzung und Kreislaufprobleme.
Die Löscharbeiten werden durch Weltkriegsmunition auf dem Gelände erschwert. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen. Hürtgenwald liegt im Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze und hat knapp 9.000 Einwohner.
In Zusammenhang mit mehreren aktuellen Waldbränden in NRW übernahm das Landesinnenministerium die Koordinierung. Die sogenannte Koordinierungsgruppe des Krisenstabs der Landesregierung wurde aktiviert. Sie koordiniert auch die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte und Spezialgeräte. Neben Hubschraubern der NRW-Polizei waren auch Helikopter aus Hessen und Rheinland-Pfalz sowie der Bundespolizei und Bundeswehr zur Brandbekämpfung im Einsatz.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und Gorißen appellierten an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. „Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden“, mahnten sie.
Auch in der Nacht kämpfen Feuerwehrleute gegen die Flammen.
Foto: Thomas Banneyer/dpa
Weiterer Brand nur 60 Kilometer entfernt
Nur rund 60 Kilometer Luftlinie entfernt von Hürtgenwald brach am Freitag ein größerer Wald- und Wiesenbrand im rheinland-pfälzischen Landkreis Mayen-Koblenz aus. Dort brannten rund 50 Hektar, wie ein Sprecher des Landkreises sagte. Mehrere Häuser eines Ortsteils wurden evakuiert – die Evakuierung zweier anderer Orte wurde aber abgewandt. Bei der Bekämpfung waren etwa 300 Kräfte stundenlang im Einsatz. Nach offiziellen Angaben wurden sieben Feuerwehrleute leicht verletzt.
Auch an anderen Orten in Deutschland waren kleinere Waldbrände aktiv. (dpa/red)
Wir alle treffen im Leben viele verschiedene Entscheidungen. Manchmal ändern wir unseren Weg, manche gehen aber auch immer denselben. - Foto: LeManna/iStock
Gebt mir eine Kristallkugel, und ich werde vorhersagen, welche Entscheidungen die heutigen schwedischen Schüler beim Wechsel in die Oberstufe später im Leben treffen werden. Es geht um ihr Studium, ihre Arbeitsplätze, ihre Rentenentwicklung und nicht zuletzt ihr zukünftiges Wahlverhalten. Natürlich handelt es sich dabei nur um grobe Trends auf Makroebene, und es gibt Einzelpersonen, die aus dem Muster ausbrechen. Das war schon immer so. Doch die Grundzüge scheinen sowohl in Schweden als auch in Finnland, zwei vergleichbaren Ländern mit ähnlichen Schulsystemen, dieselben zu sein. Interessant ist, dass sich diese Trends offenbar im letzten Jahrzehnt, vielleicht sogar noch länger, gehalten haben.
Der erste Trend
Dieser betrifft die Wahl des Gymnasialzweigs. Als besonders anspruchsvoll gelten die Gymnasialzweige Naturwissenschaften und Technik. In Finnland sind es die Fächer „Mathematik für Fortgeschrittene“ und „Physik“, die die höchsten Anforderungen stellen.
Neben den auf ein Hochschulstudium vorbereitenden Zweigen gibt es in Schweden berufsbildende Gymnasien und in Finnland entsprechende Berufsschulen. In Schweden besteht der Ausbildungsgang „Pflege und Betreuung“ zu etwa 14 Prozent aus Männern und zu 86 Prozent aus Frauen. Der Ausbildungsgang „Elektrotechnik und Energie“ weist 96 Prozent Männer und nur 4 Prozent Frauen auf. Die berufliche Bildung der Sekundarstufe II in Finnland weist entsprechende Unterschiede auf: 15–20 Prozent Männer und 80–85 Prozent Frauen im Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens. In den technischen Berufsausbildungen sind etwa 75–80 Prozent Männer und 20–25 Prozent Frauen. Auch die Ausbildungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) werden von Männern dominiert: 75 Prozent.
Nach dem hochschulvorbereitenden Gymnasium nehmen etwa 70–85 Prozent der Schüler in Schweden und 75–85 Prozent in Finnland ein Studium an einer Universität oder Hochschule auf. Die übrigen treten direkt ins Berufsleben ein, wobei etwa drei Viertel im privaten Sektor und ein Viertel im öffentlichen Sektor arbeiten.
Aus internationaler Sicht gehören sowohl Schweden als auch Finnland zu den OECD-Ländern mit der stärksten geschlechtsspezifischen Segregation bei der Berufswahl. Gleichzeitig gehören sie aber auch zu den Ländern mit der größten Gleichstellung beim Bildungsniveau. Das bedeutet, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede in erster Linie damit zusammenhängen, welche Ausbildungsgänge die Menschen wählen – und nicht mit dem Zugang zu Bildung.
In Finnland absolvieren weniger Männer eine Ausbildung im Gesundheitswesen als in Schweden, während in Schweden etwas mehr Frauen eine technische Ausbildung absolvieren als in Finnland. Dennoch ist die Geschlechterverteilung deutlich ungleicher als in vielen südeuropäischen Ländern. Dies wird gemeinhin als das nordische Gleichstellungsparadoxon bezeichnet und stellt ein interessantes Forschungsgebiet dar.
Junge schwedische Absolventen im Sommer 2017.
Foto: HasseChr/iStock
Die Wahl des Arbeitsplatzes
Bei der Berufswahl sowie der Lohn- und Rentenentwicklung zeigen sich ebenfalls Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nach dem Abschluss einer Ausbildung im Gesundheitswesen arbeitet der Großteil der Absolventen sowohl in Schweden als auch in Finnland im öffentlichen Sektor. In Schweden ist diese Dominanz am größten: Über 80 Prozent sind im öffentlichen Sektor tätig. Ärzte beider Geschlechter arbeiten etwas häufiger im privaten Sektor: 20–30 Prozent in beiden Ländern.
Es ist überraschend, dass das Wahlverhalten so stark von Geschlecht und Tätigkeit im öffentlichen oder privaten Sektor abhängt.
In den Bereichen Technik und Informations- und Kommunikationstechnologie zeigt sich ein gegenteiliges Bild: Diplom-Ingenieure und Technologie-Magister arbeiten sowohl in Schweden als auch in Finnland zu 85–90 Prozent im privaten Sektor, unter anderem in der Industrie, in Technologieunternehmen, in der IT, in Beratungsunternehmen und in der Telekommunikation. Der öffentliche Sektor umfasst das Verteidigungswesen, Universitäten sowie staatliche und kommunale Behörden. Etwa 4–5 Prozent der Absolventen sind Diplom-Ingenieure.
Das Gehaltsniveau liegt im öffentlichen Sektor im Allgemeinen niedriger, während die Privatwirtschaft je nach Branche deutlich höhere Gehälter für Hochqualifizierte sowie größere Möglichkeiten zum Branchen- oder Unternehmenswechsel bietet, wodurch sich andere Aufstiegsmöglichkeiten ergeben. Entsprechend verläuft natürlich auch die Rentenentwicklung anders: Die Männer und die wenigen Frauen, die in der Privatwirtschaft tätig sind, können tendenziell mit höheren Einkommen und damit auch besseren Renten rechnen. Die Frauen und die wenigen Männer, die sich für das Gesundheits- und Pflegewesen – oder den Lehrerberuf, der mit dem Gesundheitswesen vergleichbar ist – entschieden haben, arbeiten dagegen in stark regulierten Vergütungssystemen mit geringeren Aufstiegsmöglichkeiten und vergleichsweise niedrigeren Renten, obwohl die Studiendauer bei akademischen Berufen ähnlich lang sein kann.
Pia Heikkilä vom „Hufvudstadsbladet“, der auflagenstärksten schwedischsprachigen Tageszeitung in Finnland, sieht Gefahren darin, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung bestimmte Bereiche meidet. Denn es geht potenzielles Fachwissen verloren, wenn das Geschlecht die Berufswahl bestimmt. Der dadurch segregierte Arbeitsmarkt ist weniger flexibel und trägt zum Lohngefälle zwischen Frauen und Männern bei. Da weniger Frauen IT und Technik studieren, haben sie weniger Einfluss auf die rasante digitale Entwicklung, auch im Bereich der KI, während gleichzeitig Kindern, Patienten und Senioren männliche Pädagogen und Pflegekräfte fehlen. Ihre Schlussfolgerungen sind zutreffend und verdienen sowohl in Schweden als auch in Finnland Beachtung.
Betrachten wir die Unterschiede bei den nationalen Wahlen auf allen drei Ebenen: Laut dem schwedischen Statistikamt (SCB) wählt eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Schweden die linken Parteien. Da der öffentliche Sektor stark von Frauen dominiert wird, ist dies ein deutliches Muster.
In Finnland verteilen sich die Stimmen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ziemlich gleichmäßig auf die Sozialdemokratische Partei Finnlands (SDP) und die Nationale Sammlungspartei (KOK), gefolgt von den Grünen, der Linkspartei sowie den kleineren Parteien. Blockübergreifende Regierungen sind eher die Regel als die Ausnahme.
In Schweden tendieren die Beschäftigten im privaten Sektor und Unternehmer größtenteils zu den Moderaten, dicht gefolgt von den Schwedendemokraten und den Sozialdemokraten. Die Zentrumspartei genießt unter Unternehmern nach wie vor eine stärkere Unterstützung als in vielen anderen Gruppen, doch historisch gesehen hat die Partei ihre frühere Sonderstellung eingebüßt. Gleichzeitig gewinnen die Schwedendemokraten bei den Kleinunternehmern an Boden.
Was bedeutet dies langfristig für die Entwicklung dieser Länder? Was bedeutet es für den Fachkräftemangel im Vergleich zum Mangel an hochtechnologischen Fachkräften, für die Ambivalenz der freien Wahl und für den Grundsatz, dass jeder Einzelne das Recht auf Wahlfreiheit und Selbstverwirklichung hat?
Schweden und Finnland sind nicht das autokratische China oder kommunistische Diktaturen, in denen die familiäre Herkunft und der Bedarf des Staates an hochtechnologischen Ausbildungen und fachkundigen Fachkräften die Zulassung zu Ausbildungsgängen bestimmen könnten. Doch auch in demokratischen Ländern kann der Staat die Studienplätze in Ausbildungsgängen für Berufe mit hohem Arbeitskräftebedarf erhöhen und ebenso beschließen, die Plätze in gefragten Ausbildungsgängen für Berufe zu reduzieren, bei denen eine verstärkte Ausbildung von der Gesellschaft nicht als Priorität angesehen wird.
Der Staat soll in einer Demokratie die freie Wahl der Schüler oder Studenten nicht lenken, kann aber vielleicht durch Anreize einen größeren Teil von ihnen in Mangelberufe und hochtechnologische Fachrichtungen lenken. Dies erfordert jedoch andere Wahlmöglichkeiten als die derzeitigen Entscheidungen in der Oberstufe. Wir müssen zudem berücksichtigen, wie KI die Spielregeln verändert. Bestimmte Berufe könnten dezimiert oder ersetzt werden, während Handwerksberufe, Pflegeberufe und die Medizin stets handwerkliches Geschick und berufliche Fachkompetenz erfordern werden. Eine solche Steuerung birgt zudem die Gefahr, dass Schüler von den Geisteswissenschaften und den bildenden Künsten abgehalten werden, die seit der Antike als Garanten einer kulturell und gesellschaftlich hochstehenden Gesellschaft gelten.
Tragen die Wahl der Oberstufe und des Berufs sowie künftige Arbeitsplätze im öffentlichen oder privaten Sektor zu einer zunehmenden Polarisierung in Schweden und Finnland bei? Gibt es einen Einfluss auf das Wahlverhalten, der sich von dem in den mittel- oder südeuropäischen Ländern und wahrscheinlich auch von der Entwicklung in Norwegen und Dänemark unterscheidet?
Es ist überraschend, dass das Wahlverhalten so stark nach Geschlecht und Tätigkeit im öffentlichen oder privaten Sektor gespalten ist. Schweden nimmt dabei aufgrund der langen Regierungszeit der Sozialdemokraten eine besondere Stellung ein. Vor der bevorstehenden Wahl hält die SAP zudem eine Einparteienregierung für möglich, die sich im Parlament auf wechselnde Mehrheiten stützen würde. Dass eine solche Regierung vermutlich schwächer ist als eine Mehrheitsregierung, versteht sich von selbst, doch mit Blockaden und roten Linien entstehen Probleme, ebenso wie durch die Polarisierung in der heutigen schwedischen Gesellschaft.
Das Wahlsystem mit den von den Parteihierarchien aufgestellten Listen ist an sich schon ein demokratisches Problem. In einigen vergleichbaren europäischen Ländern ermöglichen stärker personenbezogene Wahlsysteme eine größere persönliche Rechenschaftspflicht der gewählten Abgeordneten. Dort können Wähler stärker über die persönliche Unterstützung einzelner Kandidaten Einfluss auf die Zusammensetzung des Parlaments nehmen, anstatt ausschließlich über von den Parteien vorgegebene Listen.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass spielerische Aktivitäten Erwachsenen helfen können, Stress abzubauen und soziale Bindungen zu stärken. - Foto: monkeybusinessimages/iStock
Kinder verbringen einen großen Teil ihrer Zeit mit Spielen. Und das zu Recht. Laut dem National Institute for Play (NIP) mit Sitz in Kalifornien ist „das Spielen entscheidend dafür, wie sich Menschen und andere Spezies entwickeln, funktionieren und innovativ sind“.
Das NIP erklärt, dass das Spielen tief in unseren Nervenstrukturen verankert ist. Es ist fest in unserer Biologie verwurzelt. Affektive Neurowissenschaftler haben sieben primäre emotionale Systeme identifiziert, mit denen wir geboren werden. Dazu gehört auch das Spielen. Spielkreisläufe im Mittelhirn aktivieren weitreichende neuronale Netzwerke und stärken somit die neuronalen Verbindungen, die mit Sozialisation, Bewegung und emotionaler Regulierung zusammenhängen.
Das Gehirn entwickelt sich spielend
Für Kinder ist die Spielzeit entscheidend für ihre Entwicklung und ihr Lernen – vom Kleinkind bis in die Jugend hinein und darüber hinaus. Spielen hilft Säuglingen dabei, ihre Koordination und ihre Blickverfolgungsfähigkeiten zu entwickeln, während Kleinkinder dadurch sowohl körperliche als auch emotionale Widerstandsfähigkeit aufbauen. Kinder, denen beim Spielen ein angemessenes Maß an Freiheit gewährt wird, entwickeln zudem Kreativität. Denn ihre grenzenlose Vorstellungskraft kann dann frei schweifen und sie können an allem in ihrer Umgebung Spaß haben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Förderung spielerischer Neugier die Lernergebnisse verbessert, während ein Mangel an Spiel mit emotionalen und Verhaltensproblemen in Verbindung gebracht wird.
Durch Fantasie und Spiel beginnen Kinder, die Welt zu begreifen, zu träumen, zu gestalten und zu experimentieren. Sie lernen, dass einige der wichtigsten menschlichen Aktivitäten Dinge sind, die wir um ihrer selbst willen tun – aus purer Freude daran und nicht unbedingt, um praktische Ergebnisse zu erzielen. Das Spielen weckt zudem Interessen und Neigungen, die den Charakter prägen und sich zu lebenslangen Beschäftigungen oder sogar Berufen entwickeln können. Das Kind, das sich leidenschaftlich für Ritterspiele begeistert, studiert später vielleicht Geschichte, während dasjenige, das von Legosteinen fasziniert ist, einen Weg in Richtung Ingenieurwesen einschlägt. Auf diese Weise kann das Spielen zu einem Torzur Berufung werden.
Auch Erwachsene dürfen spielen
Aber nicht nur Kinder brauchen Verspieltheit in ihrem Leben. Die biologische Veranlagung zum Spielen verschwindet nicht einfach mit dem Alter; wir alle brauchen ein gewisses Maß an Spaß im Leben. Das NIP stellt fest: „Spielen ist ein grundlegender biologischer, psychologischer und sozialer Mechanismus, der prägt, wie wir über die gesamte Lebensspanne hinweg lernen, uns anpassen, Beziehungen knüpfen und uns entfalten. […] Wenn Spielen fehlt oder dauerhaft unterdrückt wird, sehen Forscher einen Zusammenhang zwischen diesem Mangel und Depressionen, einer beeinträchtigten sozialen Entwicklung sowie Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation und beim Lernen.“
Die konkreten Vorteile für Erwachsene sind vielfältig. Unter anderem regt das Spielen die Kreativität an, baut stressbedingte Anspannung ab, verbessert die Gehirnfunktion und vertieft die Beziehungen zu anderen.
In seinem Buch „Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less“ („Essentialismus: Die konsequente Suche nach Weniger“) empfiehlt der US-amerikanische Autor und Unternehmensstratege Greg McKeown Erwachsenen, insbesondere Berufstätigen, regelmäßig Zeit zum Spielen einzuplanen. Dazu müssen wir die Vorstellung ablehnen, dass Spielen trivial sei – ein Konzept, das wir uns aneignen, wenn wir die Kindheit hinter uns lassen.
Warum legt McKeown so großen Wert auf das Spielen? Zum einen hilft es uns, neue Denkweisen zu entwickeln. Das kann uns dabei unterstützen, Probleme zu lösen und in jedem Unterfangen herausragende Leistungen zu erbringen. McKeown schrieb über eine Studie mit Grizzlybären, die ergab, dass die Bären, die am meisten spielten, im Allgemeinen am längsten überlebten, da das Spielen sie darauf vorbereitet hatte, kreativ zu denken und Probleme zu lösen. Das Gleiche gilt für uns.
McKeown schreibt: „Spielen erweitert unseren Horizont auf eine Weise, die es uns ermöglicht, Neues zu erkunden: neue Ideen zu entwickeln oder alte Ideen in einem neuen Licht zu betrachten. Es macht uns neugieriger, aufgeschlossener für Neues und engagierter.“
Spielen ermöglicht es Menschen jeden Alters, neue Fähigkeiten zu erlernen, und fördert gleichzeitig Experimentierfreude und lebenslange Neugier.
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Spielen für mehr Wohlbefinden
Aristoteles sagte bekanntlich: „Wir arbeiten, um Muße zu haben.“ Spiel und Muße sind zwar etwas unterschiedliche Kategorien, stehen aber in Zusammenhang, da beide als Ziel der Arbeit verstanden werden können – und nicht nur als Pausen von der Arbeit. Aristoteles vertritt hier die Ansicht, dass die wichtigsten, zutiefst menschlichen Dinge, die wir tun – zum Beispiel nach Wahrheit streben, mit anderen in Verbindung treten oder Schönheit schätzen –, nicht direkt mit den praktischen Aspekten der Arbeit verbunden sind. Vielmehr arbeiten wir, um die Möglichkeit zu haben, uns diesen befreienden, humanisierenden Aktivitäten zu widmen.
Das Spiel – auch wenn es weniger ernst ist als das, was Aristoteles als „Muße“ betrachtete – hilft uns dennoch dabei, uns daran zu erinnern, dass das Leben mehr zu bieten hat, als nur Ein- und Ausstempeln und sich anschließend auf das Sofa fallen zu lassen.
Beim Spielen geraten wir oft in einen „Flow-Zustand“, in dem die Zeit verschwindet und praktische Sorgen, Nöte und Ziele in den Hintergrund treten. Wir sind, wie ein Kind, einfach nur lebendig.
Spielen ist keine Frage des Alters.
Foto: koldo studio/iStock
Auch der gemeinschaftliche Aspekt des Spielens verdient besondere Beachtung. Die Teilnahme an interaktiven, unbeschwerten Aktivitäten bietet etwas, das eine Familie oder eine Gruppe von Freunden gemeinsam erleben kann. Aufgrund dieser Interaktivität entstehen durch das Spielen viel leichter Bindungen als durch das gemeinsame Starren auf einen Bildschirm oder, was wahrscheinlicher ist, auf getrennte Bildschirme.
Wie könnte das in der Praxis aussehen? Hier ein paar Ideen:
Organisieren Sie einen Spieleabend mit der Familie oder Freunden.
Verbringen Sie Zeit nicht nur damit, Ihre Kinder oder Enkelkinder zu beobachten, sondern tatsächlich mit ihnen zu spielen.
Nehmen Sie eine Sportart wieder auf, die Sie in Ihrer Jugend ausgeübt haben, oder probieren Sie eine neue aus.
Nehmen Sie sich Zeit, einfach nur mit jemandem, den Sie lieben, zusammen zu sein – ganz ohne geplante Aktivitäten – und schauen Sie, was Ihnen gemeinsam einfällt.
Probieren Sie ein neues Hobby oder Handwerk aus.
Spielen oder hören Sie Musik.
Erkunden Sie die Natur.
Erzählen Sie sich Geschichten und lachen Sie gemeinsam.
Spielen ist die wilde Welt, in der man sich skurrilen und unnötigen Dingen hingibt – was sich letztlich doch als ziemlich notwendig für unser Wohlbefinden herausstellt. Ein gewisses Maß an Freude an den Dingen um ihrer selbst willen, einfach das Leben durch Aktivitäten zu genießen, die Freude bereiten, bleibt unser ganzes Leben lang unverzichtbar.
Waldbrand im Hürtgenwald: Ortsteil Gey evakuiert - Foto: Federico Gambarini/dpa
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Ein sich rasend schnell ausbreitender Waldbrand hat bei Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen fast 2000 Menschen in die Flucht getrieben und einen Großeinsatz mit hunderten Helfern ausgelöst. Wegen der herannahenden Flammen räumten die Behörden in der Nacht zu Freitag den Ortsteil Gey mit etwa 1800 Einwohnern, wie der Kreis Düren und die Gemeinde Hürtgenwald mitteilten. Der am Donnerstag ausgebrochene Waldbrand weitete sich demnach inzwischen auf eine Fläche von rund 300 Hektar aus.
Lage in Hürtgenwald stabilisiert sich
Am Freitag entspannte sich die Lage nach Angaben der örtlichen Behörden etwas. Zusätzliche Evakuierungen seien „erstmal“ nicht nötig, sagte der Dürener Landrat Ralf Nolten vor Ort. Das gelte, solange der Wind nicht wieder auffrische. Das Brandgeschehen beschränke sich derzeit auf den bereits betroffenen Bereich.
Im Zentrum des Brandes sei inzwischen alles „heruntergebrannt“. Die Einsatzkräfte konzentrierten sich laut Nolten darauf, das Feuer an den Flanken einzudämmen und heiße Glutnester im Boden zu bekämpfen. Der Einsatz werde jedoch noch längere Zeit dauern: „Wir sind noch lange nicht durch.“
Erschwert werden die Löscharbeiten durch Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Laufe der Nacht habe es immer wieder „geknallt“, sagte Nolten. Im Hürtgenwald südöstlich von Aachen hatten während des Zweiten Weltkriegs schwere Kämpfe stattgefunden.
Mehr als 200 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Bundeswehr und weiteren Organisationen waren am Freitag im Einsatz. Hubschrauber unterstützten die Brandbekämpfung durch Wasserabwürfe aus der Luft, drei weitere Helikopter der Bundeswehr und des Landes befanden sich nach Behördenangaben auf dem Weg. Auch zwei Panzer der Bundeswehr waren demnach im Einsatz. In den brennenden Wald wurden in der Nacht zudem Schneisen gezogen, um die weitere Ausbreitung der Flammen einzudämmen.
„Die Löscharbeiten laufen auf Hochtouren“, erklärte der Landkreis in Düren. Die Situation sei „dynamisch und abhängig von der Richtung des Windes“. Für die Betroffenen wurden Anlaufstellen in einer Grundschule und einem Sportheim eingerichtet. Evakuierte sollten nur das Nötigste mitnehmen, hieß es in der Nacht. Der Kreis richtete einen Krisenstab ein. Bereits am Vortag war eine Großschadenslage ausgerufen worden.
Löschhubschrauber holten den Behörden zufolge Wasser aus umliegenden Talsperren und aus einem großen Becken. „Landwirte helfen und besorgen Wasser“, hieß es vom Kreis. Auch Forstarbeiter seien im Brandeinsatz.
Ein Löschhubschrauber bekämpft am Donnerstagabend die Flammen des Waldbrandes Nahe Hürtgenwald.
Foto: Jan Ohmen/dpa
Spezialeinheiten aus ganz NRW
Die Einsatzleitung zog Kräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammen, auch ein spezielles Landes-Waldbrandbekämpfungsmodul der Feuerwehren war im Einsatz. Nach Angaben der Feuerwehr Düsseldorf besteht es aus zwölf Fahrzeugen mit 32 Einsatzkräften. Das Modul war zuletzt unter anderem bei Waldbränden in Spanien und den Niederlanden im Einsatz.
Der Berufsfeuerwehr Düsseldorf zufolge aktivierte der Kreis Düren am Freitag darüber hinaus ein spezielles Landeskonzept zur überregionalen Unterstützung. Feuerwehrkräfte aus der Landeshauptstadt sowie dem Kreis Mettmann und dem Rhein-Kreis Neuss machten sich daraufhin auf den Weg.
Die Landespolizei entsandte vier Wasserwerfer zur Unterstützung der Löscharbeiten ins Brandgebiet, wie die Beamten in Köln am Freitag mitteilten. Dort standen demnach auch zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei für Absperr- und Verkehrslenkungsmaßnahmen bereit. Im Löscheinsatz befanden sich demnach zwei Polizeihubschrauber, zwei weitere Hubschrauber von Landes- und Bundespolizei waren verfügbar.
Der Waldbrand im Hürtgenwald bei Düren südwestlich von Köln war am Donnerstag ausgebrochen. Zunächst hatten sich die Flammen auf 25 Hektar ausgebreitet, bevor sich die Entwicklung bei böigen Winden in der Nacht massiv beschleunigte. Aufgrund der sich nähernden Flammen mussten die Bewohner von Gey dann in der Nacht ihre Häuser und Wohnungen verlassen.
Der Brand hat bereits rund 25 Hektar Wald in Beschlag genommen.
Foto: Nord-West-Media TV/dpa
Auch Möhnesee von Waldbrand betroffen
Bundesweit kämpfen Einsatzkräfte bei anhaltend heißem und trockenem Wetter seit Tagen gegen zahlreiche Wald- und Flächenbrände. In weiten Teilen des Landes herrschen aktuell Temperaturen von weit mehr als 30 Grad. Die Hitzewelle dauerte laut Wetterdienst noch bis zum Wochenende.
Auch am Möhnesee bei Soest in Nordrhein-Westfalen kämpfen Helfer die ganze Nacht über weiter gegen einen größeren Waldbrand. Nach Angaben der örtlichen Feuerwehren waren dabei etwa 100 Helfer verschiedener Organisationen im Einsatz und verhinderten eine weitere Ausbreitung. Die Bedingungen im Brandgebiet seien schwierig, hieß es. Ein sicherer Einsatz sei dort aufgrund der Topografie und massiv geschädigter Bäume nicht möglich gewesen, teils müsse auch der Waldboden umgegraben werden. (afp/red)
Feuerwehrfahrzeuge stehen am 13. August 2026 nahe eines Waldbrandes in Dannes, Nordfrankreich. 230 Feuerwehrleute sind im Einsatz. - Foto: Sameer Al-DOUMY / AFP via Getty Images
Im Südwesten Frankreichs hat ein neuer Waldbrand 1100 Hektar Land erfasst. Die Ausbreitung des am Donnerstag in einem Kiefernwald im Département Landes ausgebrochenen Feuers sei zwar „gebremst“ worden, erklärte Feuerwehrchef Arnaud Fabre am Freitag. Der Präfekt des Départements, Gilles Clavreul, warnte jedoch angesichts von Temperaturvorhersagen von 36 Grad Celsius, bei der Brandbekämpfung seien die „nächsten 15 Stunden entscheidend“.
Der Brand, dessen Ursache noch unklar ist, hatte sich am Abend aufgrund wechselnder Winde sehr schnell ausgebreitet. Insgesamt 525 Menschen wurden bisher vor den Flammen in Sicherheit gebracht. Clavreul zufolge waren rund 500 Feuerwehrleute im Einsatz.
Bislang wurde den Behörden zufolge kein Wohnhaus zerstört, auch wenn manche nur wenige Dutzend Meter von dem Feuer entfernt sind. Eine mögliche Verbesserung der Wetterbedingungen ist für Samstag angekündigt.
Frankreich leidet derzeit, wie viele andere Länder in Europa, unter extremer Hitze. Zuletzt loderten in dem Land zahlreiche große Brände. Besonders stark betroffen war das Département Gironde, wo Behördenangaben zufolge der größte Waldbrand in dem Land seit 1949 wütete.
Die französischen Behörden nahmen am Donnerstag einen 15-jährigen Jugendlichen fest, der verdächtigt wird, einen Waldbrand nahe Bordeaux gelegt zu haben, bei dem zwei Feuerwehrleute ums Leben kamen. Gegen den Jugendlichen seien Ermittlungen eingeleitet worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen. Der Verdächtige wurde demnach in Jugendhaft genommen.
Europa ist der Kontinent, der sich weltweit am schnellsten erwärmt. Die Monate Juni und Juli waren in Westeuropa laut dem EU-Beobachtungsprogramm Copernicus so heiß wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Frankreich und Spanien erlebten Ende Juli die schlimmsten Waldbrände seit langem. (afp/red)
Der Einsatz sei «dramatisch» gewesen, Menschen standen am Fenster und drohten zu springen, sagte ein Feuerwehrsprecher. - Foto: Christophe Gateau/dpa
Ein dramatischer Wohnungsbrand in Berlin-Friedrichshain ist am Morgen glimpflich ausgegangen. Eine Person habe bei Eintreffen der Feuerwehrkräfte schon auf dem Fensterbrett des betroffenen Hochhauses gesessen, hinter ihr schwarzer Rauch, sagte Feuerwehrsprecher Adrian Wenzel. Da die Drehleiter nicht bis in den 11. Stock, sondern nur etwa bis in den 9. Stock reichte, musste die Person in den etwa ein bis zwei Quadratmeter großen Drehleiterkorb springen. Dort sei sie von Feuerwehrleuten aufgefangen worden.
Auf einem Video eines Bewohners war zu sehen, wie Teile der Fassade nach unten fielen. Er filmte auch den Drehleiterkorb und den Moment des Sprungs – auf den Bildern ist der Korb von unten zu sehen und wie beim Aufkommen der Person wackelt. Kurz darauf ist zu hören, wie Leute „Ja“ und „Jawoll“ rufen, einige klatschen. In dem Drehleiterkorb, der anschließend nach unten gelassen wird, ist eine Frau zu erkennen.
„Das war wirklich auf Messers Schneide“, sagte Feuerwehrsprecher Adrian Wenzel. Es hätte auch leicht zu einem großen Unglück kommen können. Die Frau sei leicht verletzt worden.
Eine Person habe bei Eintreffen der Feuerwehrkräfte schon auf dem Fensterbrett gesessen, hinter ihr schwarzer Rauch, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.
Foto: Christophe Gateau/dpa
13 Menschen leicht verletzt
Insgesamt wurden Wenzel zufolge 13 Menschen leicht verletzt, 5 von ihnen wurden per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Auch ein Rettungshubschrauber stand bereit, wurde aber nicht für den Transport benötigt. Viele Menschen wurden durch das Treppenhaus nach draußen geführt.
Das Feuer war am frühen Morgen gegen 6.27 Uhr auf dem Balkon einer Wohnung im 11. Stock in der Straße der Pariser Kommune ausgebrochen, nahe dem Berliner Ostbahnhof. Sehr schnell habe das Feuer auf die Wohnung übergegriffen, sagte Wenzel. Insgesamt hat das Wohnhaus 21 Stockwerke. Am Vormittag wurden 113 Menschen durch die Feuerwehr betreut. Es würden etwaige Verletzungen abgeklärt, es sei aber auch Kräfte für eine psychosoziale Betreuung vor Ort, unter anderem durch das Bezirksamt, das sich auch um die Unterbringung derjenigen kümmere, deren Wohnungen nicht mehr bewohnbar seien.
Der Brand war am Vormittag gelöscht, Nachlöscharbeiten liefen aber noch. Der Einsatz sei „dramatisch“ gewesen, sagte Wenzel. „Das muss man nicht alle Tage erleben.“ Auch Sprungpolster hatte die Feuerwehr vor Ort.
Der Rauch hatte sich in dem Hochhaus stark ausgebreitet. Es gebe Nachlöscharbeiten und umfangreiche Kontroll- und Belüftungsmaßnahmen, sagte Wenzel. Die Feuerwehr ist mit mehr als 130 Einsatzkräften vor Ort. Brände in Hochhäusern seien immer herausfordernd, auch weil Material in hohe Stockwerke gebracht und viele Menschen in Sicherheit gebracht werden müssen, sagte Wenzel.
Die Straße der Pariser Kommune wurde zwischen An der Ostbahn und Rüdersdorfer Straße in beide Richtungen gesperrt. Die Polizei bat darum, den Bereich weiträumig zu umfahren.
Zweiter Brand bindet weitere Kräfte
Herausfordernd war für die Feuerwehr auch, dass es am frühen Morgen einen weiteren Großeinsatz gab: Im Märkischen Viertel war im 4. Stock eines zehngeschossigen Wohnhauses ein Feuer ausgebrochen. Bei Eintreffen der Feuerwehr hatte der Brand auf das darüberliegende Geschoss übergegriffen. Dort wurden etwa 70 Personen aus dem Gebäude geführt. Eine Person wurde leicht verletzt.
Insgesamt seien 300 Kräfte der Berliner Feuerwehr durch die beiden Einsätze gebunden gewesen, weshalb die Freiwilligen Feuerwehren für weitere, kleinere Einsätze dazugerufen wurden. (dpa/red)
Waldbrand im Hürtgenwald: Ortsteil Gey evakuiert - Foto: Federico Gambarini/dpa
Ein sich rasend schnell ausbreitender Waldbrand hat bei Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen fast 2000 Menschen in die Flucht getrieben und einen Großeinsatz mit hunderten Helfern ausgelöst. Wegen der herannahenden Flammen räumten die Behörden in der Nacht zu Freitag den Ortsteil Gey mit etwa 1800 Einwohnern, wie der Kreis Düren und die Gemeinde Hürtgenwald mitteilten. Der am Donnerstag ausgebrochene Waldbrand weitete sich demnach inzwischen auf eine Fläche von rund 300 Hektar aus.
Mehr als 200 Kräfte von Feuerwehr, Technischen Hilfswerk, Bundeswehr und weiteren Organisationen waren am Freitag im Einsatz. Hubschrauber unterstützten die Brandbekämpfung durch Wasserabwürfe aus der Luft, drei weitere Helikopter der Bundeswehr und des Landes befanden sich nach Behördenangaben auf dem Weg. Auch zwei Panzer der Bundeswehr waren demnach im Einsatz. In den brennenden Wald wurden in der Nacht zudem Schneisen gezogen, um die weitere Ausbreitung der Flammen einzudämmen.
„Die Löscharbeiten laufen auf Hochtouren“, erklärte der Landkreis in Düren. Die Situation sei „dynamisch und abhängig von der Richtung des Windes“. Für die Betroffenen wurden Anlaufstellen in einer Grundschule und einem Sportheim eingerichtet. Evakuierte sollten nur das Nötigste mitnehmen, hieß es in der Nacht. Der Kreis richtete einen Krisenstab ein. Bereits am Vortag war eine Großschadenslage ausgerufen worden.
Löschhubschrauber holten den Behörden zufolge Wasser aus umliegenden Talsperren und aus einem großen Becken. „Landwirte helfen und besorgen Wasser“, hieß es vom Kreis. Auch Forstarbeiter seien im Brandeinsatz.
Ein Löschhubschrauber bekämpft am Donnerstagabend die Flammen des Waldbrandes Nahe Hürtgenwald.
Foto: Jan Ohmen/dpa
Spezialeinheiten aus ganz NRW
Die Einsatzleitung zog Kräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammen, auch ein spezielles Landes-Waldbrandbekämpfungsmodul der Feuerwehren war im Einsatz. Nach Angaben der Feuerwehr Düsseldorf besteht es aus zwölf Fahrzeugen mit 32 Einsatzkräften. Das Modul war zuletzt unter anderem bei Waldbränden in Spanien und den Niederlanden im Einsatz.
Der Berufsfeuerwehr Düsseldorf zufolge aktivierte der Kreis Düren am Freitag darüber hinaus ein spezielles Landeskonzept zur überregionalen Unterstützung. Feuerwehrkräfte aus der Landeshauptstadt sowie dem Kreis Mettmann und dem Rhein-Kreis Neuss machten sich daraufhin auf den Weg.
Die Landespolizei entsandte vier Wasserwerfer zur Unterstützung der Löscharbeiten ins Brandgebiet, wie die Beamten in Köln am Freitag mitteilten. Dort standen demnach auch zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei für Absperr- und Verkehrslenkungsmaßnahmen bereit. Im Löscheinsatz befanden sich demnach auch zwei Polizeihubschrauber, zwei weitere Huschrauber von Landes- und Bundespolizei waren verfügbar.
Der Waldbrand im Hürtgenwald bei Düren südwestlich von Köln war am Donnerstag ausgebrochen. Zunächst hatten sich die Flammen auf 25 Hektar ausgebreitet, bevor sich die Entwicklung bei böigen Winden in der Nacht massiv beschleunigte. Aufgrund der sich nähernden Flammen mussten die Bewohner von Gey dann in der Nacht ihre Häuser und Wohnungen verlassen.
Der Brand hat bereits rund 25 Hektar Wald in Beschlag genommen.
Foto: Nord-West-Media TV/dpa
Auch Möhnesee von Waldbrand betroffen
Bundesweit kämpfen Einsatzkräfte bei anhaltend heißem und trockenem Wetter seit Tagen gegen zahlreiche Wald- und Flächenbrände. In weiten Teilen des Landes herrschen aktuell Temperaturen von weit mehr als 30 Grad. Die Hitzewelle dauerte laut Wetterdienst noch bis zum Wochenende.
Auch am Möhnesee bei Soest in Nordrhein-Westfalen kämpfen Helfer die ganze Nacht über weiter gegen einen größeren Waldbrand. Nach Angaben der örtlichen Feuerwehren waren dabei etwa 100 Helfer verschiedener Organisationen im Einsatz und verhinderten eine weitere Ausbreitung. Die Bedingungen im Brandgebiet seien schwierig, hieß es. Ein sicherer Einsatz sei dort aufgrund der Topografie und massiv geschädigter Bäume nicht möglich gewesen, teils müsse auch der Waldboden umgegraben werden. (afp/red)
Waldbrand im Hürtgenwald: Ortsteil Gey evakuiert - Foto: Federico Gambarini/dpa
Ein sich rasend schnell ausbreitender Waldbrand hat bei Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen fast 2000 Menschen in die Flucht getrieben und einen Großeinsatz mit hunderten Helfern ausgelöst. Wegen der herannahenden Flammen räumten die Behörden in der Nacht zu Freitag den Ortsteil Gey mit etwa 1800 Einwohnern, wie der Kreis Düren und die Gemeinde Hürtgenwald mitteilten. Der am Donnerstag ausgebrochene Waldbrand weitete sich demnach inzwischen auf eine Fläche von rund 300 Hektar aus.
Mehr als 200 Kräfte von Feuerwehr, Technischen Hilfswerk, Bundeswehr und weiteren Organisationen waren am Freitag im Einsatz. Hubschrauber unterstützten die Brandbekämpfung durch Wasserabwürfe aus der Luft, drei weitere Helikopter der Bundeswehr und des Landes befanden sich nach Behördenangaben auf dem Weg. Auch zwei Panzer der Bundeswehr waren demnach im Einsatz. In den brennenden Wald wurden in der Nacht zudem Schneisen gezogen, um die weitere Ausbreitung der Flammen einzudämmen.
„Die Löscharbeiten laufen auf Hochtouren“, erklärte der Landkreis in Düren. Die Situation sei „dynamisch und abhängig von der Richtung des Windes“. Für die Betroffenen wurden Anlaufstellen in einer Grundschule und einem Sportheim eingerichtet. Evakuierte sollten nur das Nötigste mitnehmen, hieß es in der Nacht. Der Kreis richtete einen Krisenstab ein. Bereits am Vortag war eine Großschadenslage ausgerufen worden.
Löschhubschrauber holten den Behörden zufolge Wasser aus umliegenden Talsperren und aus einem großen Becken. „Landwirte helfen und besorgen Wasser“, hieß es vom Kreis. Auch Forstarbeiter seien im Brandeinsatz.
Ein Löschhubschrauber bekämpft am Donnerstagabend die Flammen des Waldbrandes Nahe Hürtgenwald.
Foto: Jan Ohmen/dpa
Spezialeinheiten aus ganz NRW
Die Einsatzleitung zog Kräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammen, auch ein spezielles Landes-Waldbrandbekämpfungsmodul der Feuerwehren war im Einsatz. Nach Angaben der Feuerwehr Düsseldorf besteht es aus zwölf Fahrzeugen mit 32 Einsatzkräften. Das Modul war zuletzt unter anderem bei Waldbränden in Spanien und den Niederlanden im Einsatz.
Der Berufsfeuerwehr Düsseldorf zufolge aktivierte der Kreis Düren am Freitag darüber hinaus ein spezielles Landeskonzept zur überregionalen Unterstützung. Feuerwehrkräfte aus der Landeshauptstadt sowie dem Kreis Mettmann und dem Rhein-Kreis Neuss machten sich daraufhin auf den Weg.
Die Landespolizei entsandte vier Wasserwerfer zur Unterstützung der Löscharbeiten ins Brandgebiet, wie die Beamten in Köln am Freitag mitteilten. Dort standen demnach auch zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei für Absperr- und Verkehrslenkungsmaßnahmen bereit. Im Löscheinsatz befanden sich demnach auch zwei Polizeihubschrauber, zwei weitere Huschrauber von Landes- und Bundespolizei waren verfügbar.
Der Waldbrand im Hürtgenwald bei Düren südwestlich von Köln war am Donnerstag ausgebrochen. Zunächst hatten sich die Flammen auf 25 Hektar ausgebreitet, bevor sich die Entwicklung bei böigen Winden in der Nacht massiv beschleunigte. Aufgrund der sich nähernden Flammen mussten die Bewohner von Gey dann in der Nacht ihre Häuser und Wohnungen verlassen.
Der Brand hat bereits rund 25 Hektar Wald in Beschlag genommen.
Foto: Nord-West-Media TV/dpa
Auch Möhnesee von Waldbrand betroffen
Bundesweit kämpfen Einsatzkräfte bei anhaltend heißem und trockenem Wetter seit Tagen gegen zahlreiche Wald- und Flächenbrände. In weiten Teilen des Landes herrschen aktuell Temperaturen von weit mehr als 30 Grad. Die Hitzewelle dauerte laut Wetterdienst noch bis zum Wochenende.
Auch am Möhnesee bei Soest in Nordrhein-Westfalen kämpfen Helfer die ganze Nacht über weiter gegen einen größeren Waldbrand. Nach Angaben der örtlichen Feuerwehren waren dabei etwa 100 Helfer verschiedener Organisationen im Einsatz und verhinderten eine weitere Ausbreitung. Die Bedingungen im Brandgebiet seien schwierig, hieß es. Ein sicherer Einsatz sei dort aufgrund der Topografie und massiv geschädigter Bäume nicht möglich gewesen, teils müsse auch der Waldboden umgegraben werden. (afp/red)
Wegen des Waldbrandes in der Gemeinde Hürtgenwald musste der Ortsteil Gey evakuiert werden. - Foto: Jan Ohmen/dpa
Ein sich ausbreitender Waldbrand bedroht den Ortsteil Gey in Hürtgenwald im Kreis Düren. Rund 1.800 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Inzwischen ist die Evakuierung vollständig abgeschlossen, wie eine Sprecherin des Kreises Düren der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Wegen der zunehmenden Gefahr wurde der Krisenstab des Kreises Düren einberufen. Er soll die aktuelle Lage bewerten und über das weitere Vorgehen beraten.
Die Warn-App NINA zeigt die höchste Warnstufe „Extreme Gefahr“ an. Auch der benachbarte Ortsteil Großhau mit rund 500 Einwohnern gilt als gefährdet.
Nach Angaben der Einsatzkräfte waren die Flammen zunächst etwa 500 Meter von Gey entfernt. Durch eine Änderung der Windrichtung verschärfte sich die Situation jedoch. Das Feuer rückte bis auf rund 400 Meter an die Ortschaft heran. Daraufhin wurde die Evakuierung angeordnet.
Insgesamt stehen nach Angaben der Gemeinde rund 25 Hektar Wald in Flammen. Das entspricht einer Fläche von etwa 35 Fußballfeldern. Die Gemeinde spricht von einer Großschadenslage.
Der Waldbrand rückt näher: Seit dem Morgen läuft die Evakuierung in Gey. (Symbolbild)
Foto: Michael Matthey/dpa
Bundeswehr mit Panzer im Einsatz
Auch die Bundeswehr unterstützt die Einsatzkräfte und ist Medienberichten zufolge mit Pionierpanzern vor Ort. Sie sollen Wege für die Einsatzkräfte im Wald freiräumen und so die Löscharbeiten unterstützen.
Guten Morgen, sind bei Freunden untergekommen. Mittlerweile ist die Artillerie angekommen. #Hürtgenwald bin froh, mal 3h Schlaf bekommen zu haben 🫠. Verschafft mir mal einen Überblick. Schaut nicht gut aus, zu sehen. pic.twitter.com/FefsAhPAxq
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Zusätzlich ist ein speziell ausgebildetes Vegetationsbrand-Modul aus Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Nach Angaben des „Westen“ gehören dazu zwölf Spezialfahrzeuge und 32 Einsatzkräfte aus Bonn, Königswinter, Düsseldorf und Leverkusen.
Pionierpanzer der Bundeswehr. (Archivbild).
Foto: Bundeswehr/Michael Mandt/flickr
Auch Pflegeheim evakuiert
Demnach wurde inzwischen auch ein Pflegeheim geräumt. Die Bewohner wurden vorübergehend in einer nahegelegenen Grundschule untergebracht.
Die Evakuierung des Ortsteils Gey selbst ist mittlerweile abgeschlossen. Alle Bewohner hätten ihre Häuser und Wohnungen verlassen, teilte eine Sprecherin des Kreises Düren mit.
Straßen gesperrt
Die B399 und die L25 sind wegen des Waldbrandes gesperrt. Die Gemeinde ruft außerdem dazu auf, die Bereiche um Gey und Kleinhau großräumig zu meiden.
Seit Donnerstagnachmittag sind zahlreiche Feuerwehrkräfte im Einsatz. Unterstützt wurden die Löscharbeiten unter anderem durch einen Löschhubschrauber, der bei Dunkelheit nicht mehr eingesetzt werden konnte. Die Einsatzkräfte arbeiteten auch während der Nacht weiter.
Die Brandursache ist bislang unklar.
Anlaufstelle für Betroffene
Wegen der Rauchentwicklung sollen Bewohner Mund und Nase gegebenenfalls mit einem Stofftuch, Kleidung oder einer Maske bedecken. Eine Anlaufstelle für Betroffene wird in der Grundschule Straß eingerichtet.
Wer bei der Evakuierung Unterstützung benötigt, kann sich unter 02429 3090 melden. (dpa/afp/red)
Der Brand hat bereits rund 25 Hektar Wald in Beschlag genommen. Nun bedroht er einen Ortsteil von Hürtgenwald. - Foto: Nord-West-Media TV/dpa
Wegen eines sich ausbreitenden Waldbrandes im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald wird der Ortsteil Gey evakuiert. Die Gemeinde forderte die rund 1.800 Einwohner am frühen Morgen auf, den Ortsteil „sofort“ zu verlassen. Das Feuer bewegt sich weiter auf Gey zu.
Weil sich der Waldbrand immer weiter auf die Gemeinde zubewegt, wurde inzwischen der Krisenstab des Kreises Düren einberufen. Eine Sprecherin des Kreises bestätigte dies der Deutschen Presse-Agentur. Der Krisenstab soll nun die aktuelle Lage bewerten und über das weitere Vorgehen beraten.
Die Evakuierung von Gey mit gut 1.800 Einwohnern hat am frühen Morgen begonnen.
Die Warn-App NINA zeigt inzwischen die höchste Warnstufe „Extreme Gefahr“ an. Die Behörden rufen die Bevölkerung dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen und den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen.
Nach Angaben der Einsatzkräfte waren die Flammen zunächst etwa 500 Meter von Gey entfernt. Durch eine Änderung der Windrichtung verschärfte sich die Situation jedoch: Das Feuer rückte bis auf rund 400 Meter an die Ortschaft heran. Daraufhin wurde kurz vor 4 Uhr die Evakuierung angeordnet.
Insgesamt stehen nach Angaben der Gemeinde rund 25 Hektar Wald in Flammen. Das entspricht einer Fläche von etwa 35 Fußballfeldern. Die Gemeinde spricht von einer Großschadenslage.
Rund 1.800 Menschen betroffen
Die Evakuierung von Gey verlief nach Angaben der Polizei zunächst ruhig und ohne Zwischenfälle. Die betroffenen Einwohner sollen nur die nötigsten persönlichen Gegenstände, Ausweisdokumente und Medikamente mitnehmen.
Neben Gey ist auch der Ortsteil Großhau mit rund 500 Einwohnern gefährdet. Die Gemeinde hatte außerdem dazu aufgerufen, die Bereiche Kleinhau und Gey sowie die L25 zu meiden. Die B399 ist gesperrt.
Einsatzkräfte kämpfen gegen den Brand
Seit Donnerstagnachmittag sind zahlreiche Feuerwehrkräfte im Einsatz. Unterstützt wurden die Löscharbeiten unter anderem durch einen Löschhubschrauber, der bei Dunkelheit nicht mehr eingesetzt werden konnte. Die Einsatzkräfte arbeiteten auch während der Nacht weiter. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.
Die Brandursache ist weiterhin unklar. Wegen der sich zuspitzenden Lage wurde nun zusätzlich der Krisenstab des Kreises Düren einberufen. Dort sollen die weitere Entwicklung und die notwendigen Maßnahmen beraten werden.
Der Waldbrand rückt näher: Seit dem Morgen läuft die Evakuierung in Gey. (Symbolbild)
Foto: Michael Matthey/dpa
Anlaufstelle für Betroffene
Wegen der Rauchentwicklung sollen Bewohner Mund und Nase gegebenenfalls mit einem Stofftuch, Kleidung oder einer Maske bedecken. Eine Anlaufstelle für Betroffene wird in der Grundschule Straß eingerichtet.
Wer bei der Evakuierung Unterstützung benötigt, kann sich unter 02429 3090 melden. (dpa/afp/red)
Der Brand hat bereits rund 25 Hektar Wald in Beschlag genommen. Nun bedroht er einen Ortsteil von Hürtgenwald. - Foto: Nord-West-Media TV/dpa
Wegen eines sich ausbreitenden Waldbrandes im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald wird der Ortsteil Gey evakuiert. Die Gemeinde forderte die rund 1.800 Einwohner am frühen Morgen auf, den Ortsteil „sofort“ zu verlassen. Das Feuer bewegt sich weiter auf Gey zu.
Die Warn-App NINA zeigt inzwischen die höchste Warnstufe „Extreme Gefahr“ an. Die Behörden rufen die Bevölkerung dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen und den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen.
Flammen rücken näher
Nach Angaben der „WELT“ waren die Flammen zunächst etwa 500 Meter von Gey entfernt. Durch eine Änderung der Windrichtung verschärfte sich die Situation jedoch: Das Feuer rückte bis auf rund 400 Meter an die Ortschaft heran. Daraufhin wurde kurz vor 4 Uhr die Evakuierung angeordnet.
Insgesamt stehen nach Angaben der Gemeinde rund 25 Hektar Wald in Flammen. Das entspricht einer Fläche von etwa 35 Fußballfeldern. Die Gemeinde spricht von einer Großschadenslage.
Die Evakuierung von Gey verlief nach Angaben der Polizei zunächst ruhig und ohne Zwischenfälle, so die Zeitung. Die betroffenen Einwohner sollen nur die nötigsten persönlichen Gegenstände, Ausweisdokumente und Medikamente mitnehmen.
Neben Gey ist auch der Ortsteil Großhau mit rund 500 Einwohnern gefährdet. Die Gemeinde hatte außerdem dazu aufgerufen, die Bereiche Kleinhau und Gey sowie die L25 zu meiden. Die B399 ist gesperrt.
Einsatzkräfte kämpfen gegen den Brand
Seit Donnerstagnachmittag sind zahlreiche Feuerwehrkräfte im Einsatz. Unterstützt wurden die Löscharbeiten unter anderem durch einen Löschhubschrauber, der bei Dunkelheit nicht mehr eingesetzt werden konnte. Die Einsatzkräfte arbeiteten auch während der Nacht weiter. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.
Die Brandursache ist weiterhin unklar. Gleichzeitig wurde wegen der sich zuspitzenden Lage der Krisenstab des Kreises Düren einberufen, um die weitere Entwicklung und das Vorgehen zu beraten.
Der Waldbrand rückt näher: Seit dem Morgen läuft die Evakuierung in Gey. (Symbolbild)
Foto: Michael Matthey/dpa
Anlaufstelle für Betroffene
Wegen der Rauchentwicklung sollen Bewohner Mund und Nase gegebenenfalls mit einem Stofftuch, Kleidung oder einer Maske bedecken. Eine Anlaufstelle für Betroffene wird in der Grundschule Straß eingerichtet.
Wer bei der Evakuierung Unterstützung benötigt, kann sich unter 02429 3090 melden. (dpa/afp/red)
Kliniken meldeten Dutzende Patienten, die mit Schmerzen Rat suchten. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Dutzende Menschen haben nach der Sonnenfinsternis wegen Augenschmerzen ein Krankenhaus aufgesucht. Das melden mehrere Kliniken in Baden-Württemberg, wo das Naturschauspiel besonders gut zu beobachten war: Die stärkste Bedeckung der Sonne gab es im äußersten Südwesten, in Freiburg waren es gut 90 Prozent.
Allein an der Mannheimer Augenklinik gab es in den Stunden nach dem Himmelsspektakel rund 20 Anfragen, wie Robert Patrick Finger, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Mannheim, mitteilte.
Die Betroffenen hätten über Kopfschmerzen geklagt, einigen sei schwindelig gewesen. „Bei all diesen Fällen rechnen wir aber damit, dass das spurlos verschwindet“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Ähnlich sieht es in Stuttgart aus: „In unserer Augenklinik haben sich bis heute Mittag rund 20 Patienten vorgestellt, die meinten, sie hätten einen Schaden aufgrund der Sonnenfinsternis“, sagte eine Sprecherin des Klinikums Stuttgart. „Bei keinem Patienten konnte ein Schaden festgestellt werden.“
In Freiburg waren noch in der Nacht acht Menschen wegen Schmerzen in den Augen zur Universitätsklinik gekommen, am Tag danach hätten nochmal eine Handvoll über ein Brennen, Kopfschmerzen oder Flecken beim Sehen geklagt, sagte ein Sprecher. „Das wird in den kommenden Tagen auch so weitergehen, schätzen wir“, sagte er.
„Wir konnten bislang aber bei keinem von ihnen eine objektive Verschlechterung beim Sehen feststellen.“
Augenärzte hatten im Vorfeld der partiellen Sonnenfinsternis davor gewarnt, die „So-Fi“ mit ungenügendem Schutz oder mit gänzlich ungeschützten Augen anzuschauen. Das könne die Netzhaut beschädigen, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnte.
Innerhalb von kürzester Zeit könne das Sonnenlicht an dieser lichtempfindlichen Schicht im Auge bleibende Schäden verursachen. Tückisch dabei: Für drohende Netzhautschäden gibt es keine Warnsignale. Bemerkt man Probleme beim Sehen, ist es schon zu spät. (dpa/red)
Im Greifswalder Bodden ist ein toter Wal entdeckt worden. - Foto: Philip Dulian/dpa
Erneut ist ein Buckelwal vor der deutschen Ostseeküste verendet. Am Donnerstagmorgen, um 08:16 Uhr, sei der Wasserschutzpolizei gemeldet worden, dass ein lebloser Wal im Greifswalder Bodden treibe, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) in Schwerin mit. Eine Mitarbeiterin des Deutschen Meeresmuseums habe daraufhin den Tod des etwa sieben Meter langen Buckelwals, der nahe der Fahrrinne auf dem Rücken im Wasser trieb, festgestellt.
Schiff zieht toten Wal zur Insel Dänholm
Ein Behördenschiff hat laut dem Deutschen Meeresmuseum in Stralsund damit begonnen, den toten Wal an Gurten in Richtung Stralsund zu ziehen. Vor der Hansestadt liegt die kleine Insel Dänholm, auf der sich das Nautineum befindet, eine Außenstelle des Deutschen Meeresmuseums. Am späteren Abend soll der Transport dort eintreffen, wie eine Sprecherin des Museums sagte. Am Freitag sei geplant, dass Wissenschaftler den Meeressäuger sezieren.
Große Wale sind in der Ostsee selten, das Randmeer gehört nicht zu ihrem natürlichen Lebensraum. Das relativ salzarme Wasser der Ostsee belastet sie. Warum schwimmen sie dann in diese für sie lebensfeindliche Umgebung? Minister Backhaus sagte: „Es gibt Hinweise, dass sich die Buckelwalpopulation im Atlantik in den letzten Jahren gut erholt hat. Mehr Tiere bedeuten aber offenbar auch mehr Irrläufer, die in die Ostsee einschwimmen.“
„Dennoch betrübt es mich, dass wir nun schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Tod eines Buckelwals in der Ostsee feststellen müssen, diesmal direkt in den Hoheitsgewässern des Landes“, so Backhaus weiter.
Aus der Sektion des Tiers erhoffe er Informationen, „woran solche hier nicht heimischen Tiere in unseren Gewässern sterben“. Er würde sich wünschen, mehr über diese Tierart zu erfahren, um solchen Ereignissen in Zukunft vielleicht entgegenwirken zu können.
Mehrere Walsichtungen in letzten Wochen
In den vergangenen Wochen war immer wieder ein Wal an der Küste gesichtet worden, zuerst vor Kiel, dann immer weiter östlich: im Hafenbecken von Wismar, vor dem Ostseebad Wustrow und zuletzt am vergangenen Samstag in der Nähe des polnischen Badeortes Miedzyzdroje. Experten des WWF Polen überprüften den Zustand des Meeressäugers. Er schwamm frei, hatte sich nicht in Fischernetze verfangen.
Ein Boot der polnischen Wasserrettung hatte den Wal anschließend auf seinem Weg nach Osten in die Nähe des Küstenortes Wiselka eskortiert. „Ob es sich bei dem jetzt im Greifswalder Bodden aufgetauchten Wal um das gleiche Exemplar handelt, wissen wir nicht“, sagte Sprecher Stanislaw Poplochodzki vom WWF Polen der Deutschen Presse-Agentur.
Ob es sich bei all den Sichtungen um ein und dasselbe Tier handelte, ist bislang unklar. Möglicherweise könne man mehr sagen, wenn der Meeressäuger aus dem Wasser komme und man seinen Rücken sehen könne, sagte die Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums mit Blick auf die geplante Obduktion am Freitag. Fotos von den Sichtungen zeigen den Rücken des Wals.
Timmy-Hope starb Anfang Mai
Im Frühjahr hatte das Schicksal des unter dem Namen Timmy bekannt gewordenen Buckelwals Öffentlichkeit und Behörden in Atem gehalten. Er irrte wochenlang vor der deutschen Ostseeküste umher und strandete dabei mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Trotz mehrerer Rettungsversuche starb er Anfang Mai. (dpa/afp/red)
Laut „Financial Times“ nutzten mutmaßlich China verbundene Hacker erstmals ein weitgehend autonomes KI-Hacking-Werkzeug. (Symbolbild) - Foto: Joao Luiz Bulcao / Hans Lucas / AFP via Getty Images
Taiwan hat einen KI-gestützten Cyberangriff aus dem Ausland auf staatliche Behörden bestätigt. Die Cyberüberwachung habe den „ungewöhnlichen Angriff“ im Juli entdeckt, teilte das Digitalministerium mit. Seit dem 20. Juli seien Warnungen herausgegeben sowie Untersuchungen und Gegenmaßnahmen eingeleitet worden.
Die Hacker hätten manuelles Vorgehen mit KI-Agenten wie Open Claw kombiniert. Welche Behörden betroffen waren und ob Daten gestohlen wurden, teilte das Ministerium nicht mit.
Auch China, dem Taiwan immer wieder Hackerangriffe vorwirft, wurde nicht erwähnt. Die betroffenen Stellen hätten ihre Maßnahmen inzwischen abgeschlossen.
KI-Agenten arbeiten wie ein Hackerteam
Die britische Zeitung „Financial Times“ hatte einen Tag zuvor unter Berufung auf das israelische Cybersicherheitsunternehmen Dream über einen neuartigen Angriff mutmaßlich mit China verbundener Hacker berichtet.
Dream zufolge bauten die Angreifer aus frei verfügbaren KI-Agenten ein weitgehend autonom arbeitendes Werkzeug, das sich wie ein koordiniertes Hackerteam verhalten habe.
Anfang Juli habe das System über vier Tage zeitweise bis zu acht KI-Agenten gleichzeitig eingesetzt. Sie hätten 21 Netzwerke staatlicher Stellen erfasst, nach Schwachstellen gesucht und bei Widerstand ihre Vorgehensweise verändert.
Mindestens 85 Regierungskonten seien geknackt und mehr als 2.500 Personaldatensätze abgezogen worden. Der Angriff habe sich auch gegen Taiwans Atomaufsicht und mindestens sieben Energieunternehmen gerichtet.
Verdacht auf Verbindung nach China
Dream ordnete die Attacke keiner bestimmten Hackergruppe zu. Vereinfachte chinesische Schriftzeichen in der internen Kommunikation deuteten den Forschern zufolge jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Betreiber mit Verbindung zur Volksrepublik hin.
China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und will die demokratisch regierte Insel notfalls mit militärischer Gewalt mit dem Festland vereinigen. (dpa/red)
Überwiegend können die Menschen im Euroraum mit Schein und Münze zahlen, wenn sie das wollen. (Symbolbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa
Einzelhandel, Restaurants, Hotels: 92 Prozent aller Unternehmen im Euroraum akzeptieren Bargeld. Allerdings gibt es einen Trend zu bargeldlosen Bezahlmethoden, wie eine Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) ergab – und das sieht die Notenbank nicht nur positiv.
„Um eine breite Akzeptanz von Bargeld sicherzustellen, ist es entscheidend, dafür zu sorgen, dass die zunehmende Automatisierung des Zahlungsverkehrs Bargeld als praktikable Zahlungsoption nicht unbeabsichtigt behindert oder untergräbt“, mahnt die EZB.
Machen SB-Kassen Bargeld unattraktiv?
In der Umfrage gab ein Viertel der 8.205 Unternehmen aus den 21 Eurostaaten an, dass sie beispielsweise in Kassen investiert haben, die bargeldlose Zahlungen akzeptieren oder die Anzahl der Kassen reduzieren, an denen Scheine und Münzen angenommen werden.
13 Prozent haben Selbstbedienungskassen eingeführt. Fast die Hälfte (48 Prozent) dieser Unternehmen akzeptiert an keinem der SB-Terminals Bargeld.
Die EZB warnt vor unbeabsichtigten Nebenwirkungen dieser Entwicklung:
„Auch wenn die meisten Unternehmen Bargeld akzeptieren und dies auch so kommunizieren, könnte die wahrgenommene Akzeptanz von Bargeld bei den Verbrauchern sinken, da die Unternehmen die Bequemlichkeit des Barzahlens eingeschränkt haben.“
Die EZB fordert Maßnahmen, damit Bargeld auch künftig in allen Ländern und Branchen akzeptiert bleibt. (Symbolbild)
Foto: Denis Lovrovic/AFP via Getty Images
Werden Schein und Münze in fünf Jahren noch akzeptiert?
Zwar planen die meisten Unternehmen, die Bargeld akzeptieren, dies auch in den nächsten fünf Jahren zu tun (92 Prozent). Allerdings gab in Zypern (51 Prozent), Griechenland (23 Prozent) und Bulgarien (18 Prozent) ein erheblicher Anteil der Umfrageteilnehmer an, dies in Zukunft möglicherweise nicht mehr zu tun.
In Deutschland, wo sich 904 Unternehmen an der Erhebung beteiligten, liegt dieser Anteil bei unter 10 Prozent. Die Daten wurden im Zeitraum 23. Februar bis 10. April 2026 erhoben.
„Die zuständigen Behörden müssen mit ihrer Politik und ihren Maßnahmen proaktiv vorgehen, um sicherzustellen, dass Euro-Banknoten und -Münzen auch in den kommenden Jahren in allen Ländern und Branchen ein attraktives und akzeptiertes Zahlungsmittel bleiben“, fordert die EZB.
Die Akzeptanz von Kartenzahlungen blieb im Vergleich zu einer EZB-Erhebung aus dem Jahr 2024 mit 88 Prozent weitgehend stabil.
Fast verdoppelt von 36 auf 68 Prozent hat sich von 2024 auf 2026 die Zahl der Unternehmen, die mobile Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch ermöglichen. (dpa/red)
Die Organisation HateAid möchte Datenbrillen verbieten lassen, mit denen man heimlich Videoaufnahmen erstellen kann. (Symbolbild) - Foto: Christoph Dernbach/dpa
Die gemeinnützige Organisation HateAid hat juristische Schritte eingeleitet, um den Vertrieb von Datenbrillen zu stoppen, mit denen man heimlich Fotos und Videos aufnehmen kann. Die Strafanzeigen der Organisation richten sich nach eigenen Angaben gegen Vorstände und Führungskräfte des Digitalkonzerns Meta, der Brillenhersteller Ray-Ban und Oakley sowie großer deutscher Retail- und Optikerketten wie MediaMarktSaturn, Fielmann, Apollo-Optik und Mister Spex. Über die Aktion von HateAid hat der „Spiegel“ zuerst berichtet.
Vorwurf verdeckter Spionagekameras
HateAid argumentiert, dass das Design aktueller Smart Glasses – insbesondere jener, die in Kooperation mit der Marke Ray-Ban vertrieben werden – optisch kaum von herkömmlichen Korrektur- oder Sonnenbrillen zu unterscheiden sei.
Die Organisation beruft sich dabei auf das Gesetz über den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre in der Telekommunikation und bei digitalen Diensten (TDDDG), welches die Herstellung und Vertrieb von getarnten Sende- oder Spionageanlagen verbietet.
Laut HateAid-Geschäftsführerin Josephine Ballon bestehe bei unzureichend erkennbaren Aufnahmen das Risiko eines permanenten Überwachungsdrucks im öffentlichen Raum. Neben den Anzeigen fordert die Organisation über eine Petition technische Nachbesserungen („Safety by Design“) sowie eine striktere Regulierung durch die Bundesnetzagentur und das Bundesministerium der Justiz.
Hinweis auf Aufnahmen im Alltag
Smart Glasses weisen in der Regel mit einer integrierten Hardwarekomponente auf eine laufende Videoaufzeichnung hin. An der Vorderseite der Meta-Brille etwa befindet sich eine kleine weiße LED-Leuchte, die während der Aufnahme pulsierend blinkt, um Personen in der Umgebung auf die Videofunktion aufmerksam zu machen. Kritiker bezweifeln jedoch, ob dieses Signal unter typischen Alltagsbedingungen – etwa bei hellem Tageslicht oder größerer Distanz – ausreichend wahrnehmbar ist.
Meta und Händler verweisen auf Standards und Prüfungen
Der Meta-Konzern weist die Anschuldigungen zurück. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte, dass die Datenbrillen bereits 2022 von der deutschen Bundesnetzagentur geprüft worden seien. Die in Europa entwickelten Brillen seien von Grund auf mit Datenschutzvorkehrungen ausgestattet, die über das hinausgingen, was jedes Smartphone biete. Meta verwies darauf, dass die Aufnahme-LED hell-weiß blinke, wenn man ein Foto oder Video aufnehme.
„Diese Funktion lässt sich nicht ausschalten, damit sich sowohl die Brillenträger als auch die Personen in ihrer Umgebung wohlfühlen.“ Außerdem verfügten die Brillen über eine Manipulationserkennungstechnologie: Sollte jemand die LED abdecken oder beschädigen, werde die Kamera deaktiviert.
Auch die betroffenen Handelsunternehmen reagierten überrascht auf die gegen ihre Führungsriege gerichteten Anzeigen. Ein Sprecher von MediaMarktSaturn betonte, dass der Konzern ausschließlich rechtlich geprüfte und legal handelsfähige Ware vertreibe und sich die Einhaltung der Vorschriften von den Lieferanten bestätigen lasse.
Beim Brillenhändler Mister Spex hieß es, man werde amtliche Mitteilungen der Behörden abwarten und gegebenenfalls vollumfänglich mit den Ermittlungsstellen kooperieren. (dpa/red)
Das Fachmagazin „BMJ Public Health“ (BMJ) zog die Veröffentlichung einer Studie zur Übersterblichkeit in der Corona-Zeit zurück. (Archivbild) - Foto: Owen Humphreys/PA Wire/dpa
In Kürze:
Das BMJ hat eine Studie zur Übersterblichkeit in 47 westlichen Ländern zurückgezogen.
Die rund 3,1 Millionen zusätzlichen Todesfälle werden als Befund nicht infrage gestellt.
Kritisiert wurde vor allem eine einseitige Diskussion möglicher Ursachen wie Impfungen und Eindämmungsmaßnahmen.
Autorin sagte im Juni vor dem US-Kongress aus.
Das wissenschaftliche Fachjournal „BMJ Public Health“ hat eine Studie zur Entwicklung von Übersterblichkeit in der Zeit der Corona-Pandemie zurückgezogen. Dies vermerkte das Journal am Dienstag, 11. August, an der Stelle, an der sich der ursprüngliche Beitrag befunden hatte.
Bei diesem handelte sich um die Studie eines Forscherteams um Saskia Mostert. Die vorwiegend auf Kinderheilkunde und Gesundheitsmanagement spezialisierte niederländische Forscherin ist mittlerweile am VU University Medical Center in Amsterdam tätig. Eine ursprüngliche Fassung des zurückgezogenen Artikels ist nach wie vor online verfügbar.
Übersterblichkeit in den Corona-Jahren
Zur Begründung für die Zurückziehung erklärte die Publikation, der Artikel enthalte „irreführende Informationen in der Diskussion über die möglichen Ursachen der Übersterblichkeit“. Zudem habe die korrespondierende Autorin den „begrenzten Umfang der eigenen Forschungsleistung nicht ausreichend beschrieben“.
Die Studie unter Leitung Mosterts befasste sich mit der Entwicklung der Übersterblichkeit in den Corona-Jahren 2020 bis 2022 in 47 Ländern der westlichen Welt. Dabei gingen die Autoren von einer errechneten Übersterblichkeit von rund 3,1 Millionen Todesfällen aus. Der deskriptive Befund, nämlich, dass es in der Zeit der Pandemie eine erhebliche Übersterblichkeit gab, stellt „BMJ Public Health“ (BMJ) nicht infrage.
Die Studie wertete vorhandene Sterblichkeitsdaten aus und berechnete deren Abweichung von einer modellierten erwartbaren Sterblichkeit. Dabei bezog man sich unter anderem auf das sogenannte Schätzungsmodell von Karlinsky und Kobak für das World Mortality Dataset. Zudem griff man auf Daten von „Our World In Data“ zurück. Diese setzte man in Relation zu Daten eines Vergleichszeitraums der Jahre 2015 bis 2019.
Auffallend starke Betonung von Impfung und Maßnahmen
Im eigenen Diskussionsteil räumt das Forschungsteam mögliche Unschärfen und Unklarheiten hinsichtlich denkbarer Ursachen für die Entwicklung ein. Auch gab man zu bedenken, dass die Aktualität des Rohdatenbestandes nicht für jede Quelle zu jedem Zeitpunkt gleich sei. Zudem seien die Bevölkerungsstruktur und deren Entwicklung nicht in jedem der untersuchten Länder gleich.
In der Studie heißt es auch, ein nächster Forschungsschritt müsse darin bestehen, zwischen verschiedenen möglichen Ursachen zu unterscheiden. In diesem Kontext erwähnten die Autoren COVID-19-Infektionen, aber auch indirekte Folgen von Eindämmungsmaßnahmen und Impfungen.
In diesem Kontext wurden möglichen Schäden durch Eindämmungsmaßnahmen oder möglichen Impfnebenwirkungen ein aus Sicht mehrerer Kollegen auffallend breiter Raum gewidmet. Insbesondere führte das Papier zahlreiche Studien zu möglichen Impfnebenwirkungen an.
Kritik und Distanzierung als Folge
Bereits im Abstract hieß es, die Übersterblichkeit sei „trotz“ der Einführung von Eindämmungsmaßnahmen und COVID-19-Impfungen hoch geblieben. Dies gebe „ernsten Anlass zur Sorge“. Diese starke Betonung einer zeitlichen Koinzidenz erweckte vielfach den Eindruck, diese Faktoren seien eine wesentliche Erklärung für die beobachtete Übersterblichkeit.
Schon zeitnah nach der Veröffentlichung des Textes sah sich das BMJ dazu veranlasst, vor möglichen Fehlinterpretationen zu warnen. In einer „Expression of Concern“ hieß es, die Autoren der Studie hätten lediglich Trends im Bereich der Übersterblichkeit untersucht. Eine Ursachenanalyse hätte explizit nicht stattgefunden und deshalb belege die Arbeit auch keinen kausalen Zusammenhang zwischen Impfungen, Maßnahmen und Mortalität.
Wissenschaftler kritisierten bereits im Juni 2024 die Arbeit. So veröffentlichten Lone Simonsen und Rasmus Kristoffer Pedersen bei „CIDRAP“ einen Kommentar. Darin bemängelten sie eine aus ihrer Sicht einseitige Diskussion möglicher Impf- oder Maßnahmenfolgen. Aus ihrer Sicht habe die Mostert-Studie COVID-19 als Ursache der Übersterblichkeit in unzureichender Weise berücksichtigt.
Institutionelle Untersuchung der Studie
Außerdem sei die wissenschaftliche Eigenleistung gering. Ferner habe die Studie Literatur, die der eigenen Argumentation zupassgekommen sei, in irreführender Weise verwendet. Relevante Arbeiten zu alternativen Erklärungen habe man hingegen nicht ausreichend berücksichtigt. Simonsen und Pedersen argwöhnten, Studien wie diese sollten als „Trojanische Pferde“ in Fachjournalen untergebracht werden, um Desinformation zu normalisieren.
Eine institutionelle Untersuchung durch das Princess-Máxima-Zentrum in den Niederlanden, wo drei der vier Autoren der Studie arbeiteten, kam bezüglich der Eigenleistung zu ähnlichen Ergebnissen. So stammten die verwendeten Daten weitgehend aus bereits bestehenden Datenbanken und dem Karlinsky-Kobak-Modell. Auch hätten die Autoren das Ausmaß der Wiederverwendung von Daten nicht ausreichend transparent gemacht. Das Forscherteam räumte im Zuge der Untersuchung selbst ein, dass große Teile der Arbeit auf der Vorarbeit von Dritten beruhten. Plagiate oder Datenfälschungen habe es jedoch nicht gegeben.
Das BMJ kam am Ende zu dem Schluss, die Studie sei „unausgewogen, nicht hinreichend rigoros und teilweise irreführend“. Während einige Autoren der Zurückziehung zustimmten, gleichzeitig jedoch bestritten, dass die Arbeit Desinformation enthalte, lehnte Saskia Mostert sowohl die Entscheidung als auch deren Begründung ab.
Im Juni sagte sie vor einem Komitee des US-Senats aus zum Thema „Plausible Mechanismen von COVID-19-Injektionen als Ursache von Krebs sowie Angriffe auf wissenschaftliche Veröffentlichungen und Forschung“. Sie beklagte dabei einen angeblichen „Tunnelblick“ und „Zensurmaßnahmen“, um die „Toleranz für Vernunft und abweichende Stimmen“ zu verringern. Diese hätten die Debatte in Politik und Wissenschaft während der Corona-Pandemie geprägt.
Ihre Studie zur Übersterblichkeit habe „blinden und irrationalen Zorn” nach sich gezogen und eine behauptete Unterscheidung in „würdige und unwürdige Opfer“.
Institutionelle Reaktionen würden „zunehmend als Taktiken ‚offizieller Kanäle‘ genutzt werden, um diejenigen zu diskreditieren, zu intimidieren, zu isolieren und mundtot zu machen, die unwillkommene wissenschaftliche Fragen aufwerfen“. Dies habe zu ihrem Rücktritt vom Princess-Máxima-Zentrum in Utrecht geführt.
Hühner, Puten und Kühe auf der „Polyface Farm“ in Swoope, Virginia, und dem Bauernhof „The Family Cow“ in Chambersburg, Pennsylvania – Archivfotos. Die regenerativen Landwirtschaftsbetriebe sind Teil einer wachsenden Bewegung der „Lebensmittelbefreiung“ – Nachbarn versorgen Nachbarn. - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Polyface Farms und The Family Cow.
Joel Salatin möchte die Amerikaner durch den Handel mit Lebensmitteln von Nachbar zu Nachbar von übermäßiger Regulierung befreien. Salatin betreibt die „Polyface Farm“ in den Hügeln des Shenandoah-Tals in Virginia. Er wirbt für das Konzept einer „Erklärung zur Lebensmittelbefreiung“.
Es wäre eine Erklärung auf Bundesebene. Sie würde mündigen Erwachsenen gestatten, selbst hergestellte und bäuerlich erzeugte Lebensmittel direkt zu kaufen und zu verkaufen. Dabei würde man die kostspielige kommerzielle Infrastruktur und die derzeit geltenden schwerfälligen staatlichen Vorschriften umgehen.
Salatins Mission spiegelt das Bestreben von Selbstversorgern und unabhängigen Landwirten wider, lokale Lebensmittelnetzwerke aufzubauen. Es sollen Lebensmittel ohne Chemikalien angebaut und gezüchtet und Verbrauchern ein transparenter Einblick in die Produktionsweise geboten werden.
Im Kern geht es bei der Lebensmittelbefreiung und lokalen Lebensmittelnetzwerken darum, dass Nachbarn Nachbarn versorgen und so ein System umgehen, dem viele nicht mehr vertrauen.
Salatin erklärte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, dass sich das amerikanische Ernährungssystem an einem historischen Wendepunkt befinde. Er verweist auf alternde Landwirte; der durchschnittliche amerikanische Landwirt ist mittlerweile etwa 60 Jahre alt.
Etwa die Hälfte des landwirtschaftlichen Vermögens in den USA werde voraussichtlich in den nächsten 15 Jahren den Besitzer wechseln. „Das ist ein historisch beispielloser friedlicher Übergang in der modernen Geschichte“, sagte er.
Im Jahr 2025 gaben die Amerikaner 56,3 Prozent ihrer Lebensmittelkosten in Restaurants, bei Fast-Food-Ketten oder Lieferdiensten aus. Insgesamt erreichten die Ausgaben für Außer-Haus-Verpflegung einen Rekordwert von 1,41 Billionen US-Dollar. Landesweit lagen die Lebensmittelausgaben bei insgesamt 2,51 Billionen US-Dollar (rund 2,18 Billionen Euro), so das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) .
Menschen stehen am 12. März 2026 bei „Raising Cane’s Chicken Fingers“ in Washington Schlange. Im Jahr 2025 gaben die Amerikaner rund 55 Prozent ihrer Ausgaben für Lebensmittel für Speisen aus, die sie außer Haus in Restaurants und Fast-Food-Ketten aßen oder über Lieferdienste bezogen.
Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times
Unterdessen ist der Anteil der Landwirte am Lebensmittel-Dollar im Einzelhandel nach Abzug der Produktionskosten laut USDA heute auf etwa 5,8 Cent gesunken. Mitte des 20. Jahrhunderts lag dieser Wert noch bei 40 Cent. Die Idee der „Lebensmittelbefreiung“ ist einfach: Kleine Erzeuger sollen legal und frei direkt an die Menschen verkaufen dürfen, die ihre Lebensmittel kaufen möchten. Salatin merkt an, dass das eigentliche Hindernis für junge Menschen, in die Landwirtschaft einzusteigen, nicht allein der Zugang zu Land ist, sondern die Unmöglichkeit, unter den bestehenden Vorschriften mit einer kleinräumigen, wertschöpfenden Lebensmittelproduktion Gewinne zu erzielen.
Er veranschaulicht diese Kluft mit einer einfachen Rechnung.
Auf ein paar Hektar könnte ein Landwirt 1.200 Freilandhühner aufziehen und diese als ganze Tiere oder zerlegt zu einem Durchschnittspreis von etwa 30 Dollar (ca. 26 Euro) pro Tier verkaufen, was ein Bruttoeinkommen von 36.000 Dollar (ca. 31.300 Euro) einbringen würde, sagte er. Könnte derselbe Landwirt diese Hühner legal zu hausgemachten Hühnerpasteten verarbeiten – frei von Farbstoffen, Saatöl und industriellen Zusatzstoffen – und sie als hochwertige Fertiggerichte vermarkten, könnte der durchschnittliche Wert pro Tier auf rund 200 Dollar (ca. 175 Euro) steigen, wodurch dieselbe Herde auf derselben Fläche einen Umsatz von 240.000 Dollar (ca. 208.500 Euro) erzielen würde.
Sobald jedoch ein Landwirt von Rohzutaten auf Fertiggerichte umsteigt, steigen die regulatorischen Anforderungen deutlich an – von einer privaten Küche mit vorhandener Ausstattung hin zu dem, was er als „eine halbe Million Dollar, die man aufbringen muss, um eine Hühnerpastete zu verkaufen“ beschrieb.
Joel Salatin, Inhaber der „Polyface Farm“, setzt sich vehement für eine naturnahe Landwirtschaft ein.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung der „Polyface Farm“
Rettung des Familienbetriebs
Der Milchbauer Edwin Shank aus Pennsylvania berichtete der Epoch Times, dass seine Familie beinahe einen seit vier Generationen bestehenden Betrieb verloren hätte, nachdem sie auf Anraten der Universität, die Quantität über alles gestellt und ihre Herde von 40 auf 300 Kühe vergrößert hatte.
Obwohl sie alle zwei Tage einen Sattelzug mit Milch füllten, standen die Shanks kurz vor dem Bankrott.
Die Milchschecks kamen einmal im Monat – je nachdem, wie viel der Verarbeiter gerade zahlen wollte. Sein Bankberater warnte, dass der Hof verloren sei, wenn sich in drei bis vier Monaten nichts ändere.
Ein Familienporträt aus dieser Zeit, so sagte er, wirke idyllisch – Blumen, sechs Kinder, ein gepflegter Hof – doch hinter dem Lächeln „verloren sie gerade den Hof“.
Edwin Shank, Inhaber von „Family Cow“, und seine Familie auf diesem Archivfoto. Das Unternehmen aus Chambersburg, Pennsylvania, liefert Weidefleisch vom Rind, Schweine- und Geflügelfleisch aus Freilandhaltung, Rohmilchprodukte und andere regenerative Produkte an Tausende von Haushalten. Mit freundlicher Genehmigung von „Family Cow“.
„Innerhalb des Zauns liegt die Hoffnung auf die Welt außerhalb des Zauns“, sagte er und zitierte damit einen konventionellen Milchbauern, der die Situation als „schwere Zeiten für Landwirte heutzutage“ beschrieb.
Die Antwort der Shanks bestand darin, den Zaun zu öffnen.
Sie stellten ihren Betrieb auf zertifizierten Bio-Anbau um; dann begannen sie mit geliehenem Geld und wenig Eigenkapital, Rohmilch direkt vom Hof im Rahmen des Genehmigungssystems von Pennsylvania zu verkaufen. Da sie sich keine moderne Verarbeitungsanlage leisten konnten, kauften sie gebrauchte Kühl-Sattelauflieger – sogenannte „Reefer“ – für jeweils ein paar tausend Dollar und verbanden sie zu einem provisorischen Kühlkomplex.
Das Geschäft begann zu florieren, nachdem ein Anruf aus dem Nachbarstaat New Jersey eingegangen war. Eine Mutter aus Trenton fragte, ob Shank Rohmilch über die Staatsgrenze hinweg liefern könne. Rechtlich gesehen war das nicht erlaubt, aber er nahm sich Salatin als Beispiel.
„Ich sagte ihr: ‚Ich kann nicht nur für Sie allein liefern, aber wenn Sie genug Freunde haben, kann ich Sie an der Staatsgrenze treffen’“, erinnerte sich Shank. Die Kundin organisierte fünf Familien. Das reichte Shank, um seinen Minivan zu beladen und die dreistündige Fahrt anzutreten.
Er fuhr auf der I-95-Autobahn – der großen Nord-Süd-Lebensader der Ostküste – nordwärts und erreichte die Ausfahrt zu dem kleinen Grenzort New Hope.„Genau in diesem Moment ging es mir durch und durch“, sagte er. „Gott, willst du mir damit etwas sagen?“
Aus dieser ersten Abholstelle entwickelte sich ein Netzwerk von 55 Lieferorten. Shanks Unternehmen, „The Family Cow“, liefert an fünf Tagen in der Woche Rohmilchprodukte, grasgefüttertes Rindfleisch, Schweinefleisch und Geflügel aus Weidehaltung sowie weitere Produkte aus regenerativer Landwirtschaft an Tausende Haushalte.
Etwa 90 Prozent des Geschäfts laufen mittlerweile online, erklärte Shank, während etwa zehn Prozent über einen neuen Hofladen und ein Café verkauft werden. Dort gibt es auch Sauerteig-Sandwichs, noch mit echter Butter bestrichen und deftig belegt mit Bio-Fleisch aus Weidehaltung.
Shank gab die Vorstellung auf, dass sein Hof alles selbst produzieren müsse, was er verkauft. Er entschied sich dafür, das zu entwickeln, was er „Überleben der Kooperierenden“ nennt.
Mehrere Familienbetriebe teilen sich die Produktion.
Zwei Milchviehbetriebe liefern Rohmilch, sieben Familien produzieren Eier aus Freilandhaltung und elf Familien ziehen Rinder in Weidehaltung auf. Andere Familien haben sich auf Schweinefleisch aus Freilandhaltung, Puten und Ferkel spezialisiert.
„The Family Cow“ holte drei junge Familien mit ins Boot, um Geflügel aus Freilandhaltung zu züchten. Der Hof stellte den Markt, die Schlachtung und das Marketing-Know-how zur Verfügung, während die Familien die Arbeitskraft und das Land beisteuerten. Im ersten Jahr produzierte die Gruppe 10.000 Hühner.
Shank ist offen für Vorschläge von Unternehmern. Eine Mutter und ihre Tochter kamen auf ihn zu und boten Wasserkefir zum Preis von fünf Dollar pro Einmachglas an. Shank räumte ein, dass er anfangs bezweifelte, dass die Kunden diesen Preis zahlen würden.
Innerhalb von sechs Monaten verkauften sie 10.000 Gläser über das Netzwerk von „The Family Cow“.
Joel Salatin, Inhaber der „Polyface Farm“, hält im Juni 2024 auf dem „Food Independence Summit“ in Walnut Creek, Ohio, einen Kurs zum Thema Hühnerschlachtung ab.
Foto: Everitt Townsend
Gesund durch Rückzug aus dem industriellen Lebensmittelsystem
Max Kane, ein Rohmilch-Aktivist und Landwirt aus Wisconsin, hat durch eine Ernährungsumstellung eine lebensbedrohliche Krankheit überwunden und sich zu einer führenden Stimme im Kampf für Ernährungssouveränität, den Zugang zu Rohmilch und lokale, auf landwirtschaftlichen Betrieben basierende Wirtschaftssysteme entwickelt. Mit 11 Jahren wurde bei ihm eine degenerative Form von Morbus Crohn diagnostiziert; mehr als ein Jahrzehnt lang durchlief er einen Kreislauf aus Operationen, Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten, ohne dass sich sein Zustand nennenswert verbesserte.
Kane lehnte den konventionellen medizinischen Weg ab und stellte auf eine ausschließlich unverarbeitete Ernährung um, die er direkt von lokalen Erzeugern bezog. Seinen Angaben zufolge stellte die Ernährungsumstellung seine Gesundheit wieder her. Sie habe ihm ermöglicht, die staatliche Erwerbsunfähigkeitshilfe aufzugeben und Mitte 20 wieder zu dem zu werden, was er als „ein funktionsfähiges, beitragendes Mitglied der Gesellschaft“ bezeichnet. Heute betreibt Kane einen rund 85 Hektar großen Bauernhof im Südwesten von Wisconsin und einen Rohmilch-Einkaufsclub, der seit rund zwei Jahrzehnten Familien im Großraum seiner Geburtsstadt Chicago versorgt.
Im Jahr 2009, so berichtete er, versuchten das US-Landwirtschaftsministerium (USDA), die Food and Drug Administration (FDA) und staatliche Behörden, ihn wegen seiner Rohmilchlieferungen nach Chicago für 18 Monate ins Gefängnis zu bringen. Diese Erfahrung beflügelte sein Engagement für die Legalisierung von Rohmilch und bestärkte ihn in seiner Ansicht, dass Amerikaner die Freiheit haben müssen, sich aus dem industriellen Lebensmittelsystem zurückzuziehen und private Lebensmittelnetzwerke zwischen Landwirten und Verbrauchern zu bilden.
Er gründete „Farm Match“, einen Online-Marktplatz, den er als „Etsy für lokale Lebensmittel“ bezeichnete. Die Plattform verbindet Verbraucher direkt mit geprüften Bauernhöfen und Einkaufsgemeinschaften.
„Selbstversorgung in jeglicher Form – sei es auf vollständigen ländlichen Gehöften, in Balkongärten in städtischen Hochhäusern oder in Vorstadtgärten – nimmt aufgrund der Versäumnisse des derzeitigen industriellen Lebensmittelsystems zu, das durch hochverarbeitete Lebensmittel und unberechenbare Lieferketten gekennzeichnet ist,“ erklärte Kane gegenüber der Epoch Times. Industriellen Lieferketten mangelt es an echter Transparenz und Rückverfolgbarkeit, was es ermöglicht, Inhaltsstoffe legal auf Etiketten zu verbergen, und es den Verbrauchern erschwert, zu verstehen, was sie essen, oder die Quelle einer Kontamination zurückzuverfolgen, wenn etwas schiefgeht, merkte Kane an.
Wirtschaftlich gesehen „entzieht dies der lokalen Wirtschaft Geld und leitet es weit weg, was ländliche Gemeinden und kleine Erzeuger untergräbt“, sagte er. „Einfach ausgedrückt: Die Lebensmittel, die Menschen zu sich nehmen, sind der wichtigste Einzelfaktor für ihre Lebensfähigkeit, ganz gleich, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen“, sagte Kane. „Wenn Bürger nicht legal private Ernährungssysteme aufbauen können, die Körper und Geist nähren, laufen sie Gefahr, dauerhaft von einer Infrastruktur abhängig zu werden, die sie krank, machtlos und wirtschaftlich an den Rand drängt.“
Basis-Strategie zur Umgehung der Konzern-Lieferketten
Sally Fallon Morell stimmt dem zu. Die Gründungspräsidentin der Weston A. Price Foundation – einer gemeinnützigen Organisation, die traditionelle Ernährungsweisen, Vollwertkost und den Verzehr von tierischen Fetten fördert – stellte in ihrem Gespräch mit der Epoch Times eine einfache Basisstrategie vor, die die Lieferketten der Konzerne umgeht und kleine, auf Weidehaltung setzende Erzeuger stärkt.
„Wenn wir die Menschen dazu auffordern würden, die Hälfte ihres Lebensmittelbudgets für Direktkäufe bei Bauernhöfen auszugeben, würde das alles verändern, und wir würden zu der Art der Landwirtschaft zurückkehren, die wir fördern wollen“, sagte Fallon Morell. Zu ihrer Vision gehört es, Rohmilch, Eier und Fleisch direkt von regenerativ wirtschaftenden Landwirten zu kaufen und lokale Handwerker sowie Kleinproduzenten von Sauerteigbrot, Sauerkraut und anderen traditionell zubereiteten Lebensmitteln zu unterstützen.
Dies fördere gegenseitige Unterstützung und lokale Netzwerke, fügte sie hinzu.
„Das Ziel ist ein widerstandsfähiges lokales Netzwerk aus Erzeugern und Verbrauchern, nicht ein von der Außenwelt abgeschnittener Selbstversorgerhof“, sagte sie.
Im Rahmen ihrer „Campaign for Real Milk“ setzt sich die Weston A. Price Foundation für einen universellen Zugang zu zertifizierter, roher, unverarbeiteter Milch ein.
Fallon Morell ist außerdem Autorin des Ernährungs-Kochbuchs „Nourishing Traditions“. Sie plädiert für eine Rückkehr zu nährstoffreicher Ernährung, die tierische Fette, Knochenbrühen, Innereien, milchsauer vergorene Lebensmittel und Rohmilch umfasst.
Die Stiftung unterhält rund 500 lokale Ortsgruppen, die über aktuelle Listen lokaler Lebensmittelanbieter verfügen.
„Nehmen wir an, Sie sind nach Akron, Ohio, gezogen und möchten Rohmilch, Hähnchen und Eier finden. Dann rufen Sie einfach Ihren Ortsverband an, und der weiß, wo es all das gibt“, sagte sie.
Ruth Ann Zimmerman und ihr Ehemann Elvin leben auf einem Gehöft von rund 8,5 Hektar im Nordosten von Iowa. Als Autorin mehrerer Bücher zum Thema Selbstversorgung, darunter „The Heart of the Homestead“, wuchs sie in einer Kultur auf, in der die Familie mit der Pferdekutsche in die Stadt fuhr und ihre Lebensmittel noch selbst anbaute.
Später verließen die Zimmermans die mennonitische Gemeinschaft und nahmen moderne Annehmlichkeiten wie Auto, Fernsehen und Fertiggerichte an.
Als ihre 5-jährige Tochter krank wurde und der Arzt eine Mandelentfernung empfahl, stellte die Familie ihre Ernährung komplett um und verzichtete auf Fertiggerichte zugunsten dessen, was sie als „echte Lebensmittel“ bezeichnet.
Nach Angaben der Familie verbesserte sich der Gesundheitszustand des Kindes. Seitdem haben sich die Zimmermans gesunder Ernährung und der Selbstversorgung verschrieben.
„Unser Bauernhof dient nicht dem Gewinn, sondern der Ernährung“, erklärte Zimmerman gegenüber der Epoch Times. „Nichts verlässt den Hof, bevor es nicht zuerst die Familie ernährt hat.“
Die Lebensprinzipien der Zimmermans drehen sich darum, „saisonal und regional zu essen, Zeit statt Geld für die Beschaffung von Nährstoffen aufzuwenden und teure Nahrungsergänzungsmittel durch traditionelle Lebensmittel zu ersetzen“.
„Unsere Hauptnahrungsquelle, der Großteil unserer Mahlzeiten, stammt vom Hof, ebenso wie unsere Vitamine und Mineralstoffe, die im Laden viel kosten würden“, sagte Zimmerman.
Selbst eingelegtes Sauerkraut und fermentierte Gurken ersetzen teure probiotische Nahrungsergänzungsmittel, fügte sie hinzu. Geschmorte Hühnerfüße und Knochenbrühe ersetzen Kollagenpeptide. Anstatt Proteinpulver zu bestellen, gewinnt die Familie Molke aus Käse und Joghurt.
Eine Auswahl an Käse und Wurstwaren in der Metzgerei „Main Street Meats“ in Chattanooga, Tennessee. Das Geschäft bezieht seine Produkte von lokalen Bauernhöfen. Das Foto entstand am 23. Juni 2017.
Foto: Crystal Shi/Epoch Times
Eine Kuh als „Lehrer“ des Lebens
Die Kinder der Zimmermans lernen durch das Vorbild und entwickeln eine Mentalität der Selbstversorgung.
Zum Beispiel hält die Familie zwei Milchkühe, vor allem damit die Söhne früh aufstehen und Verantwortung übernehmen.
„Wenn wir nur eine Milchkuh hätten, würde ich sie melken“, sagte Zimmerman. „Die andere Kuh dient einfach dem Zweck, aus unseren Jungen Männer zu machen.“
Neue Selbstversorger seien oft irgendwann mit Burnout konfrontiert, so Zimmerman, weil sie versuchten, zu viel anzubauen. Sie forderte Familien dazu auf, ihre Ernährung zu vereinfachen und weniger auf Fertigprodukte zurückzugreifen.
„Wenn ich in Versuchung gerate, das Unkrautjäten zu überspringen oder fertige Nudelsauce im Laden zu kaufen, schalte ich in den ‚Kein-Plan-B‘-Modus um und stelle mir vor, es gäbe keinen Rückgriff auf den Supermarkt. Mich nicht um den Garten zu kümmern, bedeutet, meiner Familie mit Herbiziden behandelte Kartoffeln und hochverarbeitete Saucen zu servieren“, sagte sie.
„Was wäre, wenn ein Gehalt nicht immer ausreicht, um eine Familie zu ernähren? Was wäre, wenn wir für gesunde Familien die Fähigkeit brauchen, unsere eigenen Lebensmittel anzubauen, mehr noch als die Fähigkeit, ein Gehalt zu verdienen?“
Eine Frau kauft am 7. Januar 2024 in einem Lebensmittelgeschäft in Columbia, Maryland, ein. Die Expertin für Selbstversorgung, Ruth Ann Zimmerman, ermutigt Supermarktkunden, zu fragen: „Wo ist das gewachsen, wer hat es angebaut und wie wurde es angebaut?“
Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times
Zimmerman ermutigt Verbraucher im Supermarkt, zu fragen: „Wo ist das gewachsen, wer hat es angebaut und wie wurde es angebaut?“, und jeden Einkauf nicht als Routinekauf im Supermarkt, sondern als Investition in die Ernährung zu betrachten.
Geld, so schlug sie vor, sollte als „Kauf von Ernährung“ betrachtet werden und nicht als „gedankenloses Auf-den-Tisch-Bringen von Essen“. Dieser Mentalitätswandel kann Familien dazu inspirieren, ihre Abhängigkeit von Lieferketten zu minimieren und auf den Anbau sowie die lokale Beschaffung von Lebensmitteln umzusteigen.
„Es ist wichtig zu wissen, wie man seine eigenen Lebensmittel anbaut, und es ist ebenso wichtig, Beziehungen zu lokalen Landwirten und Selbstversorgern aufzubauen, damit man gesunde Lebensmittel bekommt, die man nicht selbst anbaut“, sagte sie.
Gesellschaftliche Zusammenkünfte können für manche Menschen anregend, für andere hingegen mental anstrengend sein. Daher ist es hilfreich, mit realistischen Erwartungen und einer persönlichen Strategie an solche Veranstaltungen heranzugehen. - Foto: monkeybusinessimages/iStock
Abschlussfeiern, Hochzeiten, Straßenfeste, Festivals, Familientreffen. Der Sommer bringt bekanntlich mehr soziale Termine im Kalender mit sich als alle anderen Jahreszeiten. Nicht für jeden ist das angenehm.
Insbesondere Introvertierte und Menschen mit sozialen Ängsten empfinden dahingehend einen intensiven Druck. Ein Ereignis, das ein Extrovertierter als fantastische Party betrachtet, lässt bei einem introvertierten Menschen die Hors d’oeuvres im Magen umdrehen, während er oder sie sich nervös in der Menge umschaut, um ein bekanntes Gesicht zu finden.
Angst vor gesellschaftlichen Anlässen verringern
„Große Menschenmengen sind normalerweise laut, was nicht mein Vibe ist“, erklärt Lori Downs gegenüber Epoch Times. Die Autorin, Ingenieurin und selbsternannte „Introvertierte mit einem Hauch von Angst“ sagt: „Ich mache mir auch Sorgen, dass ich Aufmerksamkeit auf mich ziehe, wenn ich am Ende alleine herumstehe und mit niemandem interagiere. Ich fühle mich genauso, wenn ich mit jemandem gekommen bin oder andere dort kenne.“
Introvertierte kämpfen sich auf Partys aus vielen Gründen ab, unter anderem wegen des Bombardements der vielen gleichzeitig stattfindenden Gespräche und des Drucks, Smalltalk machen zu müssen. Introvertierte fühlen sich auch unwohl bei dem Gedanken, dass (möglicherweise) viele Augen auf sie gerichtet sind, weil sie es nicht mögen, so „aufzutreten“, wie es Extrovertierte tun.
Sie empfinden es als ermüdend und zehrend, ein Lächeln auf dem Gesicht zu behalten, sich wiederholt vorzustellen, sich Sorgen darüber zu machen, wie sie aussehen oder ob sie etwas Falsches gesagt haben. Sie mögen es auch nicht, sich mit Smalltalkthemen zu beschäftigen, die sie nicht besonders interessant finden.
Nicht jeder fühlt sich bei gesellschaftlichen Anlässen wohl in seiner Haut. Doch dieser Zustand lässt sich durchbrechen.
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Diese Angst vor gesellschaftlichen Anlässen lässt sich jedoch verringern. Dazu bedarf es eines klaren Planes, bevor man sich in die soziale Situation begibt. Zunächst sollte man die Angelegenheit in überschaubare soziale Ziele unterteilen und sich mögliche Fragen und Antworten im Voraus überlegen. Dabei sollte man die Erwartungen an sich selbst auf ein realistisches und erreichbares Maß beschränken.
„Ein Großteil davon spielt sich in unseren Köpfen ab“, sagt Downs. „Spiele es, wenn nötig, um in Gang zu kommen. Sei nicht unecht, aber wenn du dich selbst aufpuschst, dich von den anfänglichen Schwierigkeiten des Kennenlernens distanzierst oder deine schauspielerischen Fähigkeiten einsetzt, kannst du leichter in den natürlichen Fluss der Dinge kommen, sobald es läuft.“
Viele Experten raten dazu, eine einschüchternde soziale Interaktion in kleinere, besser handhabbare Stücke zu zerlegen. Der Psychologe und klinische Leiter Rod Mitchell gab im Gespräch mit Epoch Times ein paar Tipps für Introvertierte.
Er rät, zu Beginn der Party zu erscheinen, innerhalb der ersten 20 bis 30 Minuten. Zu dieser Zeit bilden sich noch kleine Gruppen von zwei oder drei Personen. Es ist weniger einschüchternd, ein Gespräch mit nur wenigen anderen zu beginnen, anstatt mit einer größeren Gruppe.
Dies ist eine Möglichkeit, es „aufzuteilen“. Mitchell schlägt außerdem vor, dass sich Introvertierte kleine Aufgaben stellen, wie etwa ein Wasserglas nachzufüllen. So haben sie einen vorgefertigten Einstieg und vermeiden unangenehmes Herumstehen.
Frühzeitiges Erscheinen kann gesellschaftliche Veranstaltungen weniger einschüchternd wirken lassen. Gespräche beginnen meist in kleinen Gruppen, noch bevor die Gruppe größer wird.
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Ein Teil der Partynervosität bei Introvertierten entsteht aus dem Gefühl, in einem Raum voller fremder Leute zu sein. Mit denen müsse man dann auch noch irgendwie interagieren. Wenn man dies jedoch in erreichbarere Ziele unterteilt, kann die Angst reduziert werden. „Lass es langsam angehen“, rät der Psychiater Dr. Vinay Saranga von der Saranga Comprehensive Psychiatry in einem Interview mit Epoch Times.
„Es gibt keinen Grund, zum Mittelpunkt der Party werden zu wollen. Und du musst auch nicht jeden im Raum treffen. Setze dir ein kleines Ziel, ein Gespräch mit zwei oder drei Personen zu beginnen, anstatt mit jedem auf der Party.“
Das Festlegen dieses realistischeren Ziels nimmt viel Druck weg – und das Erreichen eines Ziels kann es erleichtern, mehr zu erreichen.
„Die andere Sache, an die man sich erinnern sollte, ist, dass mit jedem Erfolg deine Angst nachlässt“, sagt Saranga.
In ähnlicher Weise ermutigt Diane Brandon Moody, eine Datingtrainerin für Frauen über 50, Introvertierte, ihr anfängliches Unbehagen zu überwinden.
„Das Erlernen einer neuen Fähigkeit verursacht ein gewisses Unbehagen, egal ob du lernst, wie man auf andere zugeht, oder ob du versuchst, Surfen oder Schlittschuhlaufen zu lernen“, erläutert Moody.
Auch hier erleichtert das Aufteilen des Prozesses in kleinere Häppchen und das Festlegen von Zwischenzielen den Prozess. Sie empfiehlt, eine Mindestzeit festzulegen, die man auf einer Party bleibt, beispielsweise 1 Stunde. Natürlich, wenn man Spaß hat, kann die Stunde auch verlängert werden. Wenn man sich aber die Erlaubnis gibt, nach 1 Stunde zu gehen, nimmt das den Druck weg.
Schon eine kurze Vorbereitung kann vieles erleichtern. Wer sich vorab Gedanken über mögliche Gespräche und sogar über die räumliche Situation macht, kann seine Anspannung deutlich verringern.
Partys – ob Grillfeste im Sommer oder ein Silvestertanz – folgen im Allgemeinen einem gleichen räumlichen Schema. Vanessa Van Edwards hat ein wissenschaftlich fundiertes System zur Entwicklung von zwischenmenschlichen Fähigkeiten entwickelt. Sie identifizierte drei Zonen bei diesen Arten von Veranstaltungen: die Startzone, die Sozialzone und die Nebenzone.
Die Startzone ist der Bereich am Eingang, in dem Menschen dazu neigen, am nervösesten zu sein, während sie sich auf die Situation einstellen. Die Sozialzone befindet sich in der Nähe von Essen und Trinken, denn dort fühlen sich Menschen tendenziell wohler. Die Nebenzone umfasst alle Bereiche, in denen Gäste ins Abseits geraten und es versäumen, neue Leute kennenzulernen.
Van Edwards empfiehlt einen Platz am Ende der Essensschlange oder an der Bar – dort, wo die anderen hinströmen werden, wenn sie sich einen Martini oder ein Stück Bruschetta geholt haben. Partygänger sind eher entspannt und bereit für ein Gespräch, sobald sie ein Getränk in der Hand haben.
Im Gegensatz dazu sollten Introvertierte vermeiden, die ganze Nacht direkt beim Essen zu bleiben oder in der Nähe des Badezimmers herumzuhängen. Beide sind klassische Nebenzonen. Eine weitere zu vermeidende Nebenzonenfalle – und vielleicht die hinterlistigste von allen – ist es, nur mit Leuten zu sprechen, die man bereits kennt.
Kleinere Gruppen fördern oft längere Gespräche und ermöglichen es den Teilnehmern, sich ausführlicher über Erfahrungen auszutauschen.
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Es ist wichtig, sich schnell aus der Startzone herauszubewegen. Introvertierte könnten durch im Voraus überlegte Gesprächsstrategien die potenzielle Unbeholfenheit der ersten Sekunden beim Eintreten vermeiden, dann, wenn man von einer (scheinbar) feindseligen Ansammlung von Gesichtern umgeben ist.
Die Vorbereitung einiger Einstiegsvarianten in Gespräche und entsprechende Folgefragen können die Unbeholfenheit am Anfang und die Kluft zu einem substanzielleren Gespräch überbrücken.
Viele Introvertierte mögen keinen Smalltalk, weil sie tiefere Verbindungen suchen und es als erschöpfend empfinden, thematisch ständig an der Oberfläche zu kratzen. Während der Introvertierte eher eine ruhige Ecke und einen einzelnen Gesprächspartner sucht, mit dem er sich intensiver über Werte, Philosophie oder persönliche Geschichten austauschen kann, entstehen auf vielen Partys vor allem größere Gesprächsgruppen, die über oberflächlichere Themen reden.
Der klinische Psychologe Matthew „Dr. Matt“ Zakreski von The Neurodiversity Collective hat ein Mittel gegen diese Art von Frustration. Er schlägt vor, sich daran zu erinnern, dass Smalltalk nur ein Schritt zum größeren Ziel ist, nämlich tiefere Freundschaften und Nähe aufzubauen.
„Für einen introvertierten Menschen gehört es zum Umgang mit sozialen Kontakten im Sommer, zu verstehen, dass Smalltalk ein Mittel zum Zweck für tiefere soziale Verbindung ist. Wir versuchen, dabei eine Regel zu befolgen: die des kleinsten gemeinsamen Nenners“, sagt Zakreski.
Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, über Smalltalk hinauszugehen und in anregendere Gesprächsbereiche einzutauchen.
„Wenn du den Smalltalk hinter dir lassen und zu den tiefgehenderen Themen kommen willst, empfehle ich, dem Gesprächspartner eine etwas größere Frage zu stellen“, rät der Psychologe Rod Mitchell. „Man kann die Frage auch selbst beantworten. ‚Was hat dich in letzter Zeit am meisten beschäftigt?‘ ist eine gute Frage, die man ausprobieren kann. Eine solche tiefgründige Frage lädt zu einer echten Antwort ein.“
Andere gewichtige Fragen, die man stellen kann, sind: „Was war das Highlight deines Tages?“ und „An welchem persönlichen Projekt arbeitest du?“ Weitere Beispiele von Fragen, mit deren Hilfe man tiefgründigere Gespräche anregen kann, findest du hier.
Stell dich deiner sozialen Paranoia
Manchmal aber brauchen Introvertierte einfach einen Realitätscheck, um sich zu beruhigen.
Da sie dazu neigen, in sich zu gehen, verschwenden Introvertierte viel Energie damit, sich Gedanken darüber zu machen, was andere von ihnen denken könnten und ob sie einen guten Eindruck hinterlassen oder nicht. Die Wahrheit ist laut Psychiater Saranga, dass der Introvertierte wahrscheinlich mehr über sich selbst nachdenkt als jeder andere.
„Eine der größten Sorgen von Introvertierten auf Partys oder in großen Gruppen ist, dass sie denken, dass die Leute jede ihrer Bewegungen und Worte beurteilen würden“, erklärt er.
„Erinnere dich daran, dass das einfach nicht stimmt.“
Saranga ergänzt zudem, dass er Introvertierte dazu auffordere, von sich selbst keine perfekte soziale Kompetenz zu erwarten.
„Sei realistisch mit dir selbst. Was ist schon dabei, wenn du über deine Worte stolperst? Was ist schon dabei, wenn dich jemand nicht mag? Lass den Druck los und erkenne, dass es in Ordnung ist, nicht immer perfekt zu sein. Und du musst auch nicht immer jeden beeindrucken, den du triffst“, sagt er.
Soziales Selbstvertrauen entwickelt sich durch wiederholtes Üben. Man muss nicht warten, bis man sich vollkommen wohlfühlt.
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Soziale Unvollkommenheit zu akzeptieren, kann tatsächlich zum Vorteil des Introvertierten werden – eine Art sozialer Judotrick: Der Introvertierte kann sich durch soziale Fehltritte daran erinnern lassen, er selbst zu sein, was letztendlich der reibungsloseste Weg zu sozialem Selbstvertrauen und Verbundenheit ist. Es geht natürlich nicht darum, soziale Signale zu ignorieren, Manieren aufzugeben oder ungesittete Gewohnheiten auszuleben. Vielmehr geht es um Authentizität.
„Echte Beziehungen entstehen daraus, dass man der ist, der man ist“, sagt Saranga.
Also ist manchmal der effektivste Weg, soziale Angst zu bekämpfen, sie anzuerkennen. Rod Mitchell bringt ein konkretes Beispiel: „Einer meiner Klienten erzählt mir gern, dass er sich auf Partys unwohl fühlt. Solche kleinen, aber verletzlichen Offenbarungen helfen anderen, sich wohler zu fühlen und selbst offener ihre Verletzlichkeit zu zeigen“, sagt er.
Nutze deine natürlichen Stärken
Ein Teil des Drucks für Introvertierte, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, stammt aus den kulturellen Verschiebungen der letzten Jahrhunderte, die extrovertierte Geselligkeit höher bewerten als ruhige Reflexion. Extrovertiertheit wird heute gesellschaftlich erwartet. Und das kann Introvertierte verängstigen.
Das Erreichen dieser Art von Verletzlichkeit erfordert ein gewisses Maß an Selbstakzeptanz, was wiederum ein gewisses Maß an Selbstverständnis voraussetzt. Sowohl Introvertierte als auch Extrovertierte können von einem besseren Verständnis dieser beiden Persönlichkeitsarchetypen in sozialen Situationen profitieren.
C. G. Jung führte 1921 die Begriffe „Introvertierter“ und „Extrovertierter“ ein. Er beobachtete, dass Introvertierte von einer inneren Welt des Denkens, der Reflexion und der Emotion angezogen werden, während Extrovertierte nach externer Stimulation dürsten. Heute wird dies oft damit beschrieben, wie man sich „auflädt“. Introvertierte „laden ihre Batterien“ in der Abgeschiedenheit auf, während Extrovertierte Energie aus dem Umgang mit Menschen und Gruppen schöpfen.
Extrovertiertheit hat in den letzten Jahrzehnten mehr Anerkennung gefunden – schließlich ziehen Extrovertierte fast per Definition mehr Aufmerksamkeit auf sich. Allerdings gibt es in letzter Zeit auch Kritik an dieser Betonung des Nach-außen-gerichtet-Seins.
Die gesellschaftliche Bewunderung für Extrovertiertheit mag mit einem kulturellen Wandel um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert zusammenhängen.
Der Kulturhistoriker Warren Susman argumentierte, dass ein Übergang von einer „Kultur des Charakters“ zu einer „Kultur der Persönlichkeit“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts stattfand – parallel zum Wandel von der Agrar- zur Industrie- und Städtegesellschaft.
Vor einem Jahrhundert, als die Menschen von beschaulichen Bauernhöfen in überfüllte Städte zogen, verschoben sich auch die Qualitäten, die die Gesellschaft schätzte. Anstatt Menschen dafür zu loben, ruhig, ernst und fleißig zu sein (Charakter), belohnte die Kultur diejenigen, die laut, charmant und geschickt im Selbstmarketing waren (Persönlichkeit). Deshalb wirkt die moderne Gesellschaft oft wie geschaffen für Extrovertierte.
Natürlich haben beide Temperamentsarchetypen ihren Wert und ihre Bedeutung, ebenso wie ihre Fehler und Schwächen. Introvertierte können ein größeres Selbstvertrauen aufbauen, indem sie verstehen, wie sie ticken, und dies akzeptieren, während sie gleichzeitig daran arbeiten, ihre Schwächen wie etwa eine übermäßige Schüchternheit zu überwinden.
Laut Saranga lohnt sich die Mühe durchaus.
„Wenn sich Introvertierte wirklich bemühen, ihre natürliche Schüchternheit zu überwinden, warten oft viele wunderbare Dinge auf der anderen Seite, wie Freundschaften, Romantik, berufliche Möglichkeiten und – vielleicht am wichtigsten – gesteigertes Selbstvertrauen“, führt er aus.
Introvertiertheit muss nicht bedeuten, ungesellig und schüchtern zu sein. Ängste zu überwinden und echte menschliche Beziehungen aufzubauen – etwas, das Introvertierte in der Regel sehr schätzen –, ist durchaus möglich.
Indem man den Prozess in überschaubare Schritte unterteilt, im Voraus ein paar einfache Pläne schmiedet und realistische Erwartungen formuliert, kann man die Freude an den diesjährigen Sommerpartys und Geselligkeiten rundum genießen.