Im ersten Halbjahr 2026 registrierten die Amtsgerichte 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Im Juni 2026 haben die deutschen Amtsgerichte 2.266 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert.
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte, waren das 15,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Bei den Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Anträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor.
Anstieg im ersten Halbjahr
Von Januar bis Juni 2026 wurden 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert. Das waren 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine höhere Zahl von Unternehmensinsolvenzen gab es zuletzt mit 13.253 Fällen im 1. Halbjahr 2013.
Die Forderungen der Gläubiger aus den im 1. Halbjahr 2026 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 18,5 Milliarden Euro. Von Januar bis Juni 2025 hatten die Forderungen bei rund 28,2 Milliarden Euro gelegen.
Dieser Rückgang der Forderungen trotz steigender Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass im 1. Halbjahr 2025 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als im 1. Halbjahr 2026.
Verkehrsbranche stark betroffen
Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im 1. Halbjahr 2026 insgesamt 36,2 Unternehmensinsolvenzen.
Am höchsten war die Insolvenzhäufigkeit im Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit 71,6 Fällen je 10.000 Unternehmen. Danach folgte das Gastgewerbe mit 59,6 Fällen und das Baugewerbe mit 53,4 Insolvenzen.
Im Juni 2026 gab es 6.839 Verbraucherinsolvenzen. Das waren 5,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für das 1. Halbjahr 2026 wurden 38.932 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Das bedeutet einen Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so die Statistiker. (dts/red)
Container und Frachtschiffe stehen sinnbildlich für Deutschlands exportorientierte Industrie. Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen eine Erholung, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Branchen. - Foto: Oliver Berg/dpa
In Kürze:
Die deutschen Industrieaufträge stiegen im Juli deutlich, allerdings vor allem durch Großbestellungen und eine stärkere Inlandsnachfrage.
Staatliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stützen die Konjunktur, während Konsum, Arbeitsmarkt und wichtige Industriebranchen weiter Schwächen zeigen.
Deutschlands Wirtschaft befindet sich auf Erholungskurs. Für einen breit getragenen Aufschwung müssten jedoch private Investitionen, Beschäftigung und Konsum stärker zulegen.
Die deutsche Industrie erhält wieder mehr Aufträge. Im Juli stieg der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 2,5 Prozent. Gegenüber Juli 2025 lag das Ordervolumen sogar 13,1 Prozent höher. Das zeigen die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis).
Für einen breit getragenen Aufschwung reichen die Zahlen allerdings noch nicht. Hinter dem Anstieg stehen vor allem einzelne Großbestellungen. Ohne sie wären die Auftragseingänge im Juli gegenüber Juni um 1,4 Prozent gesunken. Auch Konsum, Arbeitsmarkt und wichtige Industriebranchen zeigen weiterhin Schwäche.
Besonders deutlich ist der Effekt im sonstigen Fahrzeugbau, zu dem unter anderem Flugzeuge, Schiffe und Schienenfahrzeuge gehören. Dort erhöhten sich die Auftragseingänge gegenüber Juni um 126,4 Prozent. Das Statistische Bundesamt führt dies auf ein außergewöhnlich hohes Volumen an Großaufträgen zurück. Die Automobilindustrie verzeichnete dagegen ein Minus von 12,5 Prozent.
Auch der Dreimonatsvergleich relativiert den positiven Monatswert. Von Mai bis Juli lagen die gesamten Auftragseingänge zwar 2,9 Prozent über den vorangegangenen drei Monaten. Ohne Großaufträge ergibt sich jedoch ein Rückgang von 2,2 Prozent.
Staatliche Nachfrage stützt die Industrie
Auffällig ist zudem, woher die Bestellungen kommen. Die Inlandsaufträge stiegen im Juli um 9,1 Prozent, während die Auslandsbestellungen um 2,1 Prozent zurückgingen. Aus der Eurozone kamen 12,1 Prozent mehr Aufträge, aus Ländern außerhalb des Euroraums dagegen 10,1 Prozent weniger. Grundlage sind ebenfalls die Daten von Destatis.
Der jüngste Auftragsschub beruht damit nicht auf einer gleichmäßigen Belebung der weltweiten Nachfrage. Das Bundeswirtschaftsministerium verweist vielmehr auf mögliche Effekte der öffentlichen Beschaffung. Genannt werden die Modernisierung der Bundeswehr sowie Aufträge im Zusammenhang mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Das Ministerium kennzeichnet diesen Zusammenhang selbst als Vermutung.
Die Größenordnung der zusätzlichen Staatsausgaben erklärt, warum diese Einordnung naheliegt. Für die gesetzlich definierten Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit sind 2026 nach Angaben des Bundesfinanzministeriums aus dem Februar insgesamt 100,9 Milliarden Euro vorgesehen. Darin enthalten sind neben Verteidigung unter anderem Ausgaben für den Zivil- und Bevölkerungsschutz, Nachrichtendienste sowie die Unterstützung völkerrechtswidrig angegriffener Staaten. Gegenüber den tatsächlichen Ausgaben 2025 entspricht das einem Anstieg um 28,7 Milliarden Euro.
Hinzu kommt das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität mit einer Kreditermächtigung von bis zu 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre. Bereits 2025 flossen nach Angaben des Finanzministeriums 24 Milliarden Euro ab.
Das Geld soll unter anderem in Verkehrswege, Energieinfrastruktur, Krankenhäuser, Bildung und Digitalisierung fließen. Davon können Bauunternehmen, Ausrüster, Bahn- und Fahrzeughersteller sowie zahlreiche Zulieferer profitieren. Für die Konjunktur bedeutet das: Der Staat wird zu einem stärkeren Nachfrager. Ob daraus dauerhaft mehr Wachstum entsteht, hängt allerdings davon ab, ob diese Investitionen auch private Investitionen anstoßen und die Standortbedingungen verbessern.
Die Gesamtwirtschaft wächst wieder
Die jüngsten Daten zur Wirtschaftsleistung fallen positiver aus als noch zu Jahresbeginn erwartet. Das reale Bruttoinlandsprodukt stieg im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent. Im ersten Quartal hatte es bereits um 0,4 Prozent zugelegt. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 lag die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 1,0 Prozent höher, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Deutschland hat damit die Stagnation der vergangenen Jahre zunächst verlassen.
Die Bundesbank verweist in ihrem August-Monatsbericht auf die zuletzt robustere Wirtschaftsleistung und die nach oben revidierten Daten für die Zeit seit Ende 2023. „Zusammen spricht dies für eine etwas stärkere konjunkturelle Grundtendenz am aktuellen Rand“, schreiben die Ökonomen.
Die Zusammensetzung des Wachstums zeigt allerdings auch, dass die Erholung noch nicht von allen Teilen der Wirtschaft getragen wird. Nach der oben erwähnten Berechnung des Statistischen Bundesamtes entwickelten sich die Exporte stärker als in der ersten Schätzung angenommen. Für einen breiteren Aufschwung wäre jedoch wichtig, dass auch die Nachfrage im Inland stärker anzieht, vor allem der Konsum der privaten Haushalte.
Ein Hinweis darauf ist die Entwicklung im Einzelhandel. Im Juli gingen die realen, also um Preissteigerungen bereinigten Einzelhandelsumsätze gegenüber Juni saison- und kalenderbereinigt um 3,4 Prozent zurück. Gegenüber Juli 2025 lagen sie 2,5 Prozent niedriger. Besonders deutlich war der Rückgang bei Nicht-Lebensmitteln: Hier sanken die realen Umsätze gegenüber Juni um 4,8 Prozent, wie die jüngste Einzelhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt.
Die Einzelhandelszahlen bilden allerdings nur einen Teil des privaten Konsums ab. Ausgaben etwa für Dienstleistungen sind darin nicht enthalten. Auch lässt sich aus einem einzelnen Monat noch kein dauerhafter Trend ableiten. Der Rückgang im Juli spricht aber dafür, dass vom Einzelhandel derzeit noch kein kräftiger zusätzlicher Wachstumsimpuls ausgeht.
Inflation und Arbeitsmarkt bremsen
Zusätzlich belastet die wieder höhere Inflation die Kaufkraft. Nach der vorläufigen Schätzung des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im August 2,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Juni hatte die Inflationsrate noch 2,3 Prozent betragen.
Vor allem Energie verteuerte sich. Die Preise lagen im August voraussichtlich 10,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel betrug dagegen 2,4 Prozent. Für Haushalte bedeuten höhere Energiekosten weniger finanziellen Spielraum für andere Ausgaben. Für Unternehmen erhöhen sie zugleich einen Teil der Produktions- und Transportkosten.
Auch vom Arbeitsmarkt kommt bislang kein kräftiger Impuls. Im August waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 3,061 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Gegenüber August 2025 waren es 36.000 mehr. Im zweiten Quartal waren rund 45,7 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 212.000 oder 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
In einem breit getragenen Aufschwung steigen normalerweise nicht nur Produktion und Investitionen. Auch Beschäftigung und Einkommen ziehen an und stärken wiederum den Konsum. Dieses Muster ist bislang nur teilweise zu erkennen.
Wichtige Industriebranchen bleiben schwach
Auch innerhalb der Industrie zeigt sich kein einheitliches Bild. Neben dem kräftigen Plus im sonstigen Fahrzeugbau meldete das Bundeswirtschaftsministerium im erwähnten Bericht steigende Auftragseingänge bei der Metallerzeugung (plus 9,2 Prozent), bei elektrischen Ausrüstungen (plus 5,1 Prozent) und bei pharmazeutischen Erzeugnissen (plus 1,5 Prozent).
Gleichzeitig gingen die Bestellungen in mehreren wichtigen Branchen zurück. Neben der Autoindustrie verloren Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen 11,3 Prozent. Im Maschinenbau betrug das Minus 8,4 Prozent.
Gerade Automobilindustrie und Maschinenbau sind für Deutschland von besonderer Bedeutung. Beide verfügen über weitverzweigte Lieferketten und sind stark vom Auslandsgeschäft abhängig. Eine Erholung einzelner Großauftragssparten erreicht deshalb nicht automatisch die gesamte Industrie.
Zudem vergeht zwischen Auftrag und Produktion häufig Zeit. Bei Flugzeugen, Schiffen oder Schienenfahrzeugen können Jahre zwischen Bestellung und Auslieferung liegen. Der Auftragseingang ist deshalb ein Frühindikator, aber kein Maß für die aktuelle Wertschöpfung.
Dazu passt, dass der reale Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes im Juli gegenüber Juni um 1,5 Prozent sank. Gegenüber Juli 2025 lag er kalenderbereinigt 0,6 Prozent niedriger. Auch diese Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt.
Etwas günstiger entwickelt sich die Stimmung. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August von 86,7 auf 88,8 Punkte. Im Verarbeitenden Gewerbe verbesserten sich sowohl die Bewertung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen. Mit ihrer Auftragslage blieben die Unternehmen allerdings unzufrieden.
Staatsausgaben allein reichen nicht
Für Deutschland kommt es nun darauf an, was aus dem staatlichen Nachfrageimpuls folgt. Investitionen in Verkehrswege, digitale Netze oder Energieinfrastruktur schaffen zunächst Aufträge. Sie können aber auch die Bedingungen für Unternehmen verbessern, wenn etwa Transportwege leistungsfähiger oder Strom- und Datennetze zuverlässiger werden. Nicht jede staatliche Ausgabe führt jedoch automatisch zu dauerhaft höherem Wachstum. Entscheidend ist, ob sie die Produktivität erhöht und private Investitionen erleichtert.
Hinzu kommt die Finanzierung. Das Sondervermögen erlaubt bis zu 500 Milliarden Euro zusätzliche kreditfinanzierte Investitionen. Die Europäische Kommission rechnete in ihrer Frühjahrsprognose vom Mai für Deutschland mit einem staatlichen Defizit von 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 und 4,1 Prozent 2027.
Die Schuldenquote könnte nach dieser Prognose von 63,5 Prozent des BIP im Jahr 2025 auf 68,0 Prozent im Jahr 2027 steigen. Höhere Schulden können wirtschaftlich anders wirken, wenn damit produktive Investitionen finanziert werden, als wenn sie lediglich kurzfristige Nachfrage schaffen.
Ob aus den höheren Staatsausgaben mehr als ein vorübergehender Konjunkturimpuls wird, dürfte sich daher erst mit zeitlichem Abstand zeigen. Für den Standort Deutschland wird dabei nicht allein die Höhe der Investitionen entscheidend sein. Maßgeblich ist, ob neue Verkehrswege, Energienetze oder digitale Infrastruktur Unternehmen tatsächlich produktiver machen und zusätzliche private Investitionen auslösen. Die kommenden Konjunkturdaten werden deshalb auch zeigen müssen, ob der Staat lediglich eine Nachfragelücke füllt – oder ob sich daraus eine wirtschaftliche Dynamik entwickelt, die zunehmend ohne diesen Impuls auskommt.
Bundeskanzler Friedrich Merz. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
In Kürze:
12.900 Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2026.
Viele Startups geben innerhalb der ersten beiden Jahre wieder auf.
Die Softwarebranche wächst weiterhin am stärksten.
Institut fürchtet Versorgungsengpässe durch Niedrigwasser auf Flüssen.
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht mit Blick auf die Wirtschaft eine ermutigende Entwicklung. So hätten sich zwischen Januar und Juni 2026 mehr als 3.000 neue Firmen gegründet, sagte er in seiner Regierungserklärung im Juli. Er berief sich dabei auf die aktuellen Zahlen des Startup-Verbands. Das seien fast so viele wie im gesamten Vorjahr. Positiv wertete Merz auch die Voraussage des Statistischen Bundesamtes, dass für die Monate Mai und Juni einen „deutlich höheren Produktionsanstieg“ erwartet.
KI ein Treiber bei Startups
Laut destatis zeigte sich im Mai kurzfristig eine leichte Belebung bei der Produktion. Gegenüber dem Vormonat stieg die Produktion um 0,9 Prozent. Im Vergleich zum Mai 2025 gab es allerdings keine Veränderung. Die Entwicklung hätte vor allem Zuwächse in der Automobilindustrie beeinflusst, die bei 3,6 Prozent Plus gegenüber dem Vormonat lagen. Auch im Baugewerbe war mit 0,9 Prozent eine Zunahme zu registrieren.
Der Startup-Verband nennt in seinem Bericht vom 7. Juli 2026 exakt 3.053 Neugründungen zwischen Januar und Juni. Dies seien 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres und mehr Gründungen als in den zwölf Monaten des Jahres 2024.
Die Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Verena Pausder nannte die Entwicklung eine in Deutschland noch nie dagewesenen Gründungsdynamik. „KI senkt die Hürden fürs Gründen deutlich und immer mehr Menschen nutzen diese Chance. Damit aus dem Gründungsboom auch ein Wachstumsboom wird, muss die Politik jetzt beim Thema Kapital liefern – sonst entstehen die Ideen hier und die Champions woanders.“
Dem Bericht des Verbandes zufolge haben 1.038 der 3.53 Neugründungen einen „klaren KI-Bezug“. Die weiterhin stärkste Branche sei der Softwaresektor mit 844 Neugründungen. Die Bereiche Medizin (244) und Lebensmittel (181) zählen laut Bericht zu den gründungsstärksten.
Um Existenzgründungen zu fördern, hat das Bundeskabinett am 22. Juli 2026 eine „Startup- und Scaleup-Strategie“ beschlossen. Die Strategie verfolgt laut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) drei Ziele: Gründungen zu erleichtern, das Wachstum junger Unternehmen zu beschleunigen und Innovationen in Deutschland zu halten.
Viele Startups geben nach kurzer Zeit wieder auf
So ermutigend wie Merz die Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland sieht, ist sie allerdings nicht. Das zeigen die Zahlen aus einer Analyse der Creditreform Wirtschaftsforschung. Demnach ist die Zahl der Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. 12.900 Insolvenzen bedeuten den höchsten Stand seit 2013. Besonders betroffen sind der Studie zufolge junge Unternehmen.
So stieg die Zahl der Insolvenzen von Firmen, die höchstens zwei Jahre am Markt waren, um 25,3 Prozent. Bei drei bis vier Jahre alten Unternehmen registrierte Creditreform mit 11,1 Prozent einen zweistelligen Anstieg. Dies erkläre sich mit einer zunehmenden „Gründungsdynamik“, erläutert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
„Nach jahrelangem Rückgang werden nun wieder mehr Unternehmen gegründet. Viele Menschen suchen ihr Heil in der Selbstständigkeit, weil die Spannungen am Arbeitsmarkt signifikant zunehmen. Mehr Gründungen heißt aber auch, dass mehr scheitern. Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen.“
Insgesamt setzte sich die Erholung der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal fort, jedoch mit geringerem Tempo. Nach einem Plus von 0,4 Prozent im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal nur noch um 0,2 Prozent zu, vermeldet destatis.
Eine positive Entwicklung des ohnehin schon schwachen BIP könnte nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) durch das Niedrigwasser in deutschen Flüssen in diesem Jahr zunichtemachen. Ein „längerer Ausfall der Schiffbarkeit auf dem Rhein könnte das ganz klitzekleine Pflänzchen Wachstum, das wir haben, komplett ersticken“, sagte IW-Ökonom Thilo Schäfer der „Bild“-Zeitung. Demnach könnte das Wachstum um 0,4 Punkte niedriger ausfallen als bisher erwartet.
„Das hatten wir schon einmal 2018“, so Schäfer weiter. Damals sei etwa 0,4 Prozent des Wirtschaftswachstums betroffen gewesen. „Das ist eine Größenordnung, wo wir uns im Moment überhaupt, wenn es gut läuft, befinden.“
Das Niedrigwasser im Rhein hatte aufgrund von Hitze und Trockenheit am Wochenende in Köln, Bonn und weiteren Orten neue Tiefststände erreicht. Bei Niedrigwasser können deutlich weniger Waren transportiert werden, die Produktion in zahlreichen Branchen muss daher gedrosselt werden.
„Für die Wirtschaft bedeutet das echte Lieferengpässe, denn die Schiffe können schon seit einiger Zeit nur noch mit geringerer Beladung den Rhein runterfahren“, sagte Schäfer der Zeitung. In Köln finde beispielsweise gar keine Schifffahrt mehr statt. „Das heißt, dass wichtige Waren für die Chemie, die Stahlindustrie, für Raffinerien nicht mehr an ihrem Bestimmungsort ankommen.“ Auch andere Flüsse seien derzeit von Niedrigwasser betroffen.
Deutschland, das Land der Bücher und Leser. Hier erfand 1454 Johannes Gutenberg den Buchdruck und eröffnete dadurch Bildungsmöglichkeiten für die breite Bevölkerung.
Und jetzt ein Aufschrei aus der Buchbranche: „Die Lesekrise hat nun auch den Buchmarkt erreicht: Der sich immer weiter verschlechternde Zustand der Lesekompetenz in Deutschland schlägt sich erstmalig deutlich in den Buchkäufen nieder“, beklagte am 9. Juli der Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Hierzulande gab es mit Stand 2024 nach Auskunft des Sprachrohrs der deutschen Buchbranche etwa 3.000 Buchverlage mit 30.100 Beschäftigten. Insgesamt erwirtschafteten die Verlage einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro.
Ein Viertel der Buchläden in fünf Jahren geschlossen
Ende 2025 zeigte sich die Buchhandelsbranche alarmiert aufgrund einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes (Destatis).
Das Amt teilte im Oktober mit, dass innerhalb von fünf Jahren zwischen 2018 und 2023 die Zahl der Bucheinzelhändler um knapp ein Viertel gesunken sei. Demnach gab es vor drei Jahren nur noch 2.980 Unternehmen im Bucheinzelhandel.
Als „mögliche Gründe“ für diesen Negativtrend führte Destatis „steigende Mieten und Personalkosten“ sowie „ein geändertes Kaufverhalten“ an. Gemeint sind damit die Online-Bestellmöglichkeiten. Worauf das Amt, das zum Bundesinnenministerium gehört, nicht einging, hat nun der Börsenverein benannt:
Sebastian Guggolz, Vorsteher des Verbands: „Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt – das Ergebnis lässt sich nun unmittelbar an den Marktzahlen ablesen.“
Diese Zahlen müssten seiner Meinung nach „auch ein Weckruf an die Politik sein“. Guggolz forderte „umgehend konsequente Maßnahmen, um Bildung und Lesekompetenz zu verbessern“. Dies müsse zur obersten Priorität für Bund, Länder und Kommunen werden. „Denn Lesen ist immaterielle Infrastruktur“, so der Verbandsvorsitzende.
Eine Altersgruppe steche laut Börsenverein besonders hervor: Die Zahl der Kunden im Alter zwischen 10 und 15 Jahren sei zwischen 2024 und 2025 um 30,6 Prozent zurückgegangen. Damit seien auch die Ausgaben in dieser Altersgruppe um 23,8 Prozent gesunken. Aber auch insgesamt habe der Branchenumsatz mit 9,62 Milliarden Euro um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr abgenommen.
Wie sieht es konkret vor Ort aus? Epoch Times besuchte die Buchhandlung Reuffel im rheinland-pfälzischen Mayen. Die von Handwerkern und Autoverkäufern geprägte Kleinstadt im Süden der Eifel, dort, wo das karge Land sich allmählich zum sonnigen Moseltal weitet, hat rund 20.000 Einwohner.
Bekanntester Mayener war der am 8. April in Paris verstorbene Schauspieler Mario Adorf, der der Babyboomer-Generation der 50er- und 60er-Jahre durch die Karl-May-Filme als Bösewicht Santer, der „Mörder von Winnetous Schwester“, bekannt ist. Karl-May-Bücher verkauft Reuffel aber heutzutage nicht mehr, sagt Meike Steinmetz, Filialleiterin in Mayen. Es bestehe für diese Bücher keine Nachfrage mehr.
Der Klage des Börsenvereins über den Abwärtstrend bei 10- bis 15-jährigen Käufern kann sich Steinmetz nur „bedingt anschließen“. Richtig sei, dass diese Lesergruppe nicht so stark vertreten sei wie andere. Sie relativiert dies jedoch: Kinder in diesem Alter würden generell viel „ausprobieren“. In späteren Jahren kehrten sie zurück. Das zeige etwa folgendes Kaufverhalten:
„Wir haben sehr viele Kunden aufgrund des neuen Genrebereichs „New Adult“. Davon fühlten sich junge Erwachsene im Alter von 18 bis Ende zwanzig angezogen. New Adult bezeichnet den Belletristikbereich Romanze – das sind in erster Linie Liebesromane für junge Erwachsene.
Die jungen Autoren würden jene Themen behandeln, die diese Generation interessiert, sagt Steinmetz: „Liebe. Findung. Wer bin ich?“ Dieser Trend schlage sich auch in ihrer englischsprachigen Abteilung nieder.
Als weitere Kundengruppe lässt sich die Seniorengeneration identifizieren. Sie kauft Bücher für ihre Enkelkinder und deckt sich mit Campingführern und Reiseführern ein, weiß Steinmetz zu berichten. Entgegen den vom Börsenverein beklagten Trends laufe ihr Buchgeschäft gut.
Auch bezüglich der weiteren Reuffel-Niederlassungen in Koblenz und Montabaur „sind wir unternehmensweit zufrieden“. Die kleine Reuffel-Kette „tut auch viel dafür. Wir sehen zu, dass wir wettbewerbsfähig bleiben“, so Steinmetz. Als Beispiel nennt die Teamleiterin Leseförderung, etwa Besuche von Schulklassen.
Eine Kollegin würde zum Beispiel erklären, wie ein Buch entsteht. Im Haus gebe es eine alte Buchpresse, die an alle Filialen ausgegeben werde. Mit dieser könnten sich die Schüler ein eigenes Buch herstellen. Damit werde ein Buch zum unmittelbaren Erlebnis.
Aber das Buchgeschäft setzt aktiv viel früher an, etwa mit einem eigenen Kita-Portal. Und die Mayener Filiale beliefert Kindergärten mit Bücherkisten. In der Weihnachtszeit kämen Bücherkisten für Bibliotheken hinzu. Und auch Buchausstellungen würden organisiert.
Seit Mai boome das Schulbuchgeschäft. „Im Mai kommen schon die ersten Eltern von den ganz Kleinen, die eingeschult werden, mit Schulbuchlisten.“
Das Städtchen Mayen bietet für das weite Umland eine Reihe von Schulen an: mehrere Grundschulen, eine Gesamtschule, eine Berufsschule, eine Realschule sowie ein Gymnasium. Das schlage sich auch im Buchgeschäft nieder. Trotz ihrer Kita-Initiative kämen Kinder oft erst zur Einschulung mit den Eltern in den Buchladen und würden sich erstmals „umschauen“. Das sei für viele Kinder „der erste Kontakt mit Büchern“.
Steinmetz verkauft persönlich am liebsten Belletristik. „Das ist mein Steckenpferd“, sagt sie. Von den Kollegen habe jeder seine „Nische“. In Mayen arbeiten dauerhaft sieben Mitarbeiter. Die Reuffel-Kette beschäftigt insgesamt circa 100 Mitarbeiter.
Die Buchhandlung Reuffel im rheinland-pfälzischen Mayen im Juli 2026.
Foto: Tom Goeller
10.000 Bücher ständig vorrätig
Erstaunlich für die Kleinstadt ist, dass Reuffel viele Sachbücher aus dem Bereich Geschichte und Politik anbietet. „Wir haben eine große Klientel, die sich für den Bereich Geisteswissenschaften und Philosophie interessiert.“
Sie selbst lebe seit 18 Jahren in Mayen und könne keine bestimmte Tendenz unter den Kunden wahrnehmen. Vielmehr stelle sie fest, dass Kunden thematisch generell breit interessiert seien. Das Geschäft in Mayen hält deshalb rund 10.000 Bücher vorrätig.
Betritt man den Buchladen, fällt auf, dass die Regale übersichtlich in viele Einzelkategorien unterteilt sind. Das hilft der raschen Orientierung. Gleich rechts neben dem Eingang steht in roter Schrift mit einer weißen Zielfernrohrmarkierung: „Tödliche Verbrechen“. Hier geht es also um Kriminalromane.
Die Buchhandlung Reuffel im rheinland-pfälzischen Mayen im Juli 2026.
Foto: Tom Goeller
Woanders wird mit einem Bogen-Pfeil auf „Spannung“ hingewiesen. Ein altes, aufgemaltes Uhrwerk zeigt „Vergangenheit“ an – also Bücher mit historischen Inhalten. Bei der Kinderbuchabteilung heißt es: „Hier gibts was zu entdecken“. Daneben ist ein Fernrohr aufgemalt.
Direkt neben der Kasse befindet sich eine Ecke, die mit den Regalbeschriftungen „Eifel & Co“, „Eifel entdecken“ und „Natur pur“ gekennzeichnet ist. Bücher über die Region seien stark gefragt, sagt Steinmetz. Das läge teilweise auch an den vielen Touristen.
Die Buchhandlung Reuffel im rheinland-pfälzischen Mayen im Juli 2026.
Foto: Tom Goeller
Neuer Trend: „Non-Books“
Ein weiterer Bereich, der für das Buchgeschäft zunehmend wichtig geworden sei, sei die Kategorie „Non-Books“ – also Artikel, die keine Bücher sind, „sich aber gut mit Büchern kombinieren lassen“, erklärt Steinmetz.
Bei Erwachsenen seien dies etwa Trinkgläser mit buchbezogenen Glashaltern. Im Kinderbuchbereich ergänzen Kuscheltiere die Bücher für die Kleinen. Warum kaufen Leser solche „Non-Books“? Sie böten den Kunden einen „Mehrwert als Verkaufserlebnis“, sagt die Buchhändlerin. „Das wird immer mehr im Buchhandel. Wir finden das gut.“
Psychologisch erklärt die Fachfrau diesen neuen Trend damit, dass Buchhandel „ein Erlebnis“ biete.
„Wir verkaufen Emotionen. So möchten wir auch wahrgenommen werden. Gerade Artikel wie Stofftiere sind ja schon emotionsbeladen.“ Ihre Kunden möchten zunehmend „nicht nur einfach ein Buch“ kaufen, sondern interessieren sich zudem für weitere Artikel, „die wir für sie aussuchen“.
Die Buchhandlung Reuffel im rheinland-pfälzischen Mayen im Juli 2026.
Foto: Tom Goeller
Mehr wert als nur ein Buch
Der Buchhandel sei heutzutage „nicht mehr ein reiner Wissensvermittler“. Steinmetz: „Als ich in der Branche angefangen habe, verkauften wir nur Bücher, und das Höchste der Gefühle damals war mal ein Lesezeichen dazu.“ Heute aber, so ist Steinmetz überzeugt, würden durch die Non-Books-Artikel „absolute Mehrwerte geschaffen“.