Eine Evakuierung wird es laut Stadt Monschau nicht geben. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
Waldbrände sind nicht nur durch ihre zerstörerischen Flammen gefährlich – der dabei entstehende Rauch stellt auch ein Gesundheitsrisiko dar. Die Stadt Monschau hat genau aus diesem Grund empfohlen, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen.
Was kann der Rauch verursachen?
Die bei Waldbränden entstehenden Rauchschwaden sind ein komplexes Gemisch aus verschiedenen Gasen und sehr feinen Teilchen, die entstehen, wenn Bäume, Sträucher, aber auch Gebäude und andere Materialien brennen.
Nach Angaben der WHO sind besonders Feinstaubpartikel namens PM2.5 besorgniserregend, weil sie eingeatmet werden und so tief in die Lunge gelangen können. Das wiederum kann demnach Husten, Augen- und Halsbeschwerden, Kopfschmerzen oder Atemlosigkeit auslösen.
Da die Teilchen in den Blutkreislauf gelangen können, können sie prinzipiell alle menschlichen Organe betreffen. Die Partikel lösen dem Umweltbundesamt zufolge Entzündungen und Stress in Zellen aus.
Je nachdem, wie lange dies anhält, können Erkrankungen die Folge sein. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Demenz oder Diabetes Typ II werden laut dem UBA mit Feinstaub in Verbindungen gebracht.
Was kann man tun, um sich zu schützen?
Die WHO rät:
Empfehlungen der lokalen Behörden befolgen.
Möglichst drinnen bleiben und Fenster und Türen geschlossen halten.
Klimaanlagen nicht in einem Modus nutzen, in dem sie Außenluft hineinlassen und in den Innenräumen zirkulieren lassen.
Draußen eine FFP2-Maske tragen.
Bei Symptomen medizinischen Rat suchen.
Wer ist besonders gefährdet?
Bei Menschen mit Asthma, chronischen Lungen- oder Herzkrankheiten könnten sich die Symptome verstärken, heißt es von der WHO. Zudem seien Ältere und Babys sowie Kinder stärker als andere gefährdet, bei den Kleinen entwickle sich die Lunge erst noch.
Auch Behinderte und Schwangere gehören zu den Risikogruppen – und Einsatzkräfte, die an vorderster Front die Brände bekämpfen.
Weil unterschiedliche Witterungsbedingungen – wie etwa Wind – aber auch verschiedene persönliche Reaktionen auf Schadstoffe eine Rolle spielen, lasse sich kein pauschal sicherer Abstand zu Waldbränden festlegen, schreibt das Umweltbundesamt.
Mit zunehmendem Abstand zum brennenden Bereich nehme jedoch die Wahrscheinlichkeit für akute Auswirkungen durch die Rauchbelastung ab. Ab einigen hundert Metern würden eher die oben beschriebenen Auswirkungen durch Feinstaub relevant.
DIe WHO weist darauf hin, dass der Rauch von Waldbränden sich über weite Regionen und sogar Länder oder Kontinente hinweg ausbreiten und die Luftqualität von Orten in der entsprechenden Windrichtung deutlich verschlechtern kann – auch für Menschen, die weit entfernt wohnen. (dpa/red)
Zahlreiche Menschen müssen sich auf eine Evakuierung vorbereiten. - Foto: Nicolas Lambert//dpa
Der große Waldbrand im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn ist noch etwa anderthalb Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.
1,8 Kilometer sind es von der Feuerfront bis zu den ersten Häusern auf deutscher Seite, wie die grenznahe Stadt Monschau in NRW am späten Sonntagvormittag mitteilte. Sie ging nach aktuellem Stand nicht davon aus, „dass das Brandgeschehen auf deutsches Territorium übergreifen wird“.
Wegen einer erwarteten „starken Belastung durch Brandrauch“ rief die Stadt Einwohner der grenznahen Bereiche aber dazu auf, ihre Häuser zu verlassen.
Waldbrand in Belgien: Gigantische Rauchwand über dem Hohen Venn
Foto: Christoph Reichwein/dpa
Feuerwehr: Lage hat sich entspannt
Die Gefahrenlage hat sich nach Einschätzung der Monschauer Feuerwehr entspannt. „Wir fahren zurück“, sagte Einsatzleiter Philipp Krüger der Nachrichtenagentur dpa am Morgen. In der Nacht habe man einen Großteil der rund 90 Einsatzkräfte abgezogen. „Aktuell sind wir noch mit 20 Personen auf Reserve vor Ort.
Man beobachte die Brand-Entwicklung weiter ganz genau und werde im Notfall angemessen reagieren und die Kräfte bei Bedarf wieder verstärken. Seit der Nacht habe sich die Feuerfront nicht mehr weiter auf Monschau zubewegt.
Die Feuerfront erstreckte sich am Sonntagmorgen über einen Kilometer, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender RTBF. Das Feuer änderte demnach in der Nacht wegen wechselnder Winde mehrmals seine Richtung. Unter Kontrolle ist das Feuer noch nicht.
Bis 10 Uhr sollten die Menschen raus
Am Sonntagmorgen teilte die Stadt Monschau noch mit, dass Einwohner der Ortschaften Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg dringend empfohlen wird, diese Bereiche bis 10 Uhr zu verlassen und bei Verwandtschaft und Freunden unterzukommen.
Für Menschen, die nicht eigenständig unterkommen, stellt die Stadt eine Anlaufstelle im Bürgercasino Imgenbroich zur Verfügung.
Der Deutsche Wetterdienst rechnet nicht mit Regen in der Region, der Wind sei schwach bis mäßig.
Das Feuer breitet sich in den Hautes Fagnes aus. Belgische Feuerwehrleute bekämpfen es mit Verstärkung aus Deutschland, den Niederlanden und Flandern.
Foto: Valentin Bianchi/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, erklärte die Stadt weiter. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen. Die Empfehlung gelte zunächst bis 18:00 Uhr.
Stadt Monschau: Notgepäck bereithalten
Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich, hieß es in der Nacht. Eine Sprecherin der Stadt sagte dpa, betroffen seien rund 5.000 Menschen. Sie betonte, es seien Vorsichtsmaßnahmen. Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus.
Die Stadt Monschau forderte die Einwohner dazu auf, Notgepäck bereitzuhalten und ihre Nachbarn zu informieren. Zudem wird den Angaben nach darum gebeten, die Notrufleitungen von Polizei und Feuerwehr nicht zu blockieren.
Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien.
Das Großfeuer in Belgien hat sich bis auf drei Kilometer der deutschen Grenze genähert.
Foto: Nicolas Lambert//dpa
Feuerwehr Monschau im Vollalarm
Die Feuerwehr Monschau ist im Vollalarm. Vorsorglich würden Löschmaßnahmen vorbereitet, damit im Falle eines Überspringens des Feuers auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten begonnen werden könne, erklärte die Stadt.
Die Feuerwehr rechnet nicht mit einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet. „Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick“, sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau, der dpa am frühen Morgen. Einheiten würden jetzt erst einmal in die Pause geschickt. „Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen.“
Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Das Technische Hilfswerk unterstützte.
Die belgischen Behörden ordneten die Evakuierung der unmittelbar westlich an den Ortsteil Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid bereits an.
„Bitte schließen Sie die Fenster“
Laut einer von der Polizei verbreiteten Mitteilung der Kreisverwaltung kommt es im gesamten Kreisgebiet Bernkastel-Wittlich zu einer starken Rauchentwicklung durch den Brand in Belgien.
Es komme zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase. „Bitte schließen Sie Fenster, Türen, und schalten sie Lüftungs- und Klimageräte aus“, hieß es.
Der Rauch sei auch in Trier angekommen, sagte der Polizeisprecher. Es rieche nach Brand und sei diesig.
Am Abend hatte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich mitgeteilt, der Waldbrand habe mittlerweile eine Fläche von 2.700 Hektar erfasst – was einer Fläche von umgerechnet fast 3.800 Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Der Waldbrand am 15. August 2026 im Naturschutzgebiet in Waimes / Belgien.
Foto: Dimitri Korczak/AFP via Getty Images
Der größte Brand, den Belgien je erlebt
Das Feuer war am Freitagnachmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und breitete sich in der Nacht und am Samstag rasch aus. „Es besteht die Gefahr, dass die Flammen die Wohngebäude erreichen, aber wir tun alles, um sie zu schützen“, sagte ein Behördensprecher der AFP.
Zur Bekämpfung löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden war bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollten nach Angaben der EU ab Sonntag die Löscharbeiten unterstützen.
Laut örtlicher Behörden sind auch deutsche Feuerwehrleute vor Ort. Weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden wurden mobilisiert, schrieb die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X.
Eine Rauchwolke, die am 14. August 2026 während des Brandes in Jalhay in den Himmel aufsteigt.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Ein AFP-Journalist, der in Begleitung von Einsatzkräften das Brandgebiet betreten konnte, sah dort eine riesige Fläche mit verkohlter Vegetation. Dichter Rauch hing in der Luft.
„Wenn man sieht, wie es heute Morgen aussah und wie es jetzt aussieht, kann man nur schockiert sein“, sagte der belgische Innenminister Bernard Quintin, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.
Das Feuer sei „der größte Brand, den Belgien je erlebt hat“, zitiert unter anderem der öffentlich-rechtliche Sender RTBF lokale Politiker.
Am 14. August 2026 sind Rettungskräfte am Ort einer Explosion am Treurenberg in der Brüsseler Innenstadt im Einsatz.
Foto: Emile Windal/Belga/AFP via Getty Images
Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums wurden vier Löschflugzeuge der neuesten Generation mobilisiert. Auch zahlreiche Landwirte machten sich auf den Weg, um die Feuerwehr zu unterstützen.
Rettungskräfte löschen auch im Naturschutzgebiet „Hautes Fagnes“ aus der Luft.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen
Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, aufgrund der Brände in Belgien und NRW in Verbindung mit dem aktuellen Wind und Wetterbedingungen breiteten sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag in der Region aus, insbesondere in der Eifel und an der Mosel. An vielen Orten sei deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise liege Asche in der Luft.
„Es sind derzeit keine Flächen- oder Waldbrände im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums bekannt und es droht derzeit keine Gefahr durch diese Brände“, hieß es allerdings weiter.
Wegen des Rauchs wurde am Samstag auch eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz unterbrochen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier mitteilte.
Die Verantwortlichen halten demnach die Entwicklung der Lage kontinuierlich im Blick. Bei der am Freitag gestarteten Säubrennerkrimes handelt es sich um eines der größten Feste in der Region.
Waldbrand im Hürtgenwald breitet sich nicht weiter aus
Auf der anderen Seite der Grenze breitete sich der Waldbrand in der Eifel nahe Hürtgenwald über Nacht nicht weiter aus.
1.800 Einsatzkräfte kämpften dort unter anderem mit Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. Der am Freitag evakuierte Ortsteil Gey blieb aus Sicherheitsgründen vorerst geräumt.
Feuerwehrleute am 15. August 2026 in der Nähe von Düeren beim Waldbrand im Huertgenwald.
Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Weitere Brände: Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Griechenland
Im Südwesten Frankreichs waren rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge weiter gegen einen Waldbrand in der Nähe des Dorfes Luglon im Einsatz. Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen und vernichtete seither mindestens 1.580 Hektar Vegetation. 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
In der Region südlich von Bordeaux hatte ein riesiger Waldbrand Ende Juli bereits mehr als 40.000 Hektar Vegetation zerstört, rund 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
In Spanien wüteten die Flammen in der Region Aragonien weiter. Dort vernichtete ein Feuer inzwischen 15.000 Hektar Wald. Die Feuerwehrleute haben die Flammen nach eigenen Angaben ausgebremst, sodass sie sich vorerst nicht weiter auf Wohngebiete und zwei alte Klöster zubewegen. 18 Dörfer blieben am Samstag evakuiert.
In Kroatien brachten Feuerwehrleute zwei größere Brände unter Kontrolle. Auf der Insel Dugi kämpften sie mit zwei Löschflugzeugen die ganze Nacht lang gegen die Flammen in einem Kiefernwald, die auf Wohngebiete zurückten.
Die Behörden ermitteln unterdessen zur Ursache für einen schweren Brand in der Region Omis im Süden der Küstenstadt Split. Dort war in der Nacht zum Freitag ein Mensch in den Flammen ums Leben gekommen. Rund 40 weitere Menschen wurden verletzt, zehn von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Anwohner vermuteten eine „kriminelle Ursache“ hinter dem Brand.
An der kroatischen Adriaküste südlich von Split hat ein heftiger Waldbrand gewütet. Mehr als 1.000 Menschen musste in Notunterkünften in Sicherheit gebracht werden.
Foto: Jakov Prkic/AP/dpa
Im Nachbarland Serbien zählten die Behörden am Samstag 25 aktive Brände. Der größte hat sich in den vergangenen Tagen auf eine Fläche von 2500 Hektar ausgebreitet. Im Naturschutzgebiet der Banater Sandwüste rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Belgrad kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Auch in Griechenland blieb die Waldbrandgefahr wegen heftiger Windböen hoch. Innerhalb von 24 Stunden brachen in dem Land mehr als 50 Brände aus, die meisten von ihnen konnten nach Angaben der Feuerwehr rasch gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. (afp/red)
Die Hitze geht, Wolken und Gewitter kommen. (Symbolbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa
Nach dem Wetterumschwung startet die neue Woche mit Wolken, Schauern und Gewittern.
Am Montag werden insbesondere im Süden und Südosten kräftige Schauer und Gewitter erwartet, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilt. Im Laufe des Tages ziehen diese allmählich in die Alpen oder nach Tschechien und Polen ab.
„Die Hitze ist dann auch dort Geschichte“, sagt DWD-Meteorologe Marcel Schmid. Im Norden und Osten seien ebenfalls Schauer möglich, im Westen, Südwesten und Teilen der Mitte sorge hingegen ein schwacher Hochdruckeinfluss für einen trockenen Sonne-Wolken-Mix. Die Höchstwerte erreichen demnach 20 bis 26 Grad.
Regenschirm findet wieder seine Daseinsberechtigung
„In den Folgetagen findet der oftmals schon eingestaubte Regenschirm endlich wieder seine Daseinsberechtigung“, so Schmid. Denn auch am Dienstag werde in der Südwesthälfte gebietsweise schauerartig verstärkter Regen erwartet, im Tagesverlauf seien vereinzelt Gewitter möglich.
In der Nordosthälfte und vom Breisgau bis zum Hochrhein zeige sich zeitweise die Sonne und es bleibe meist trocken. Im äußersten Südwesten klettere das Thermometer auf bis zu 28 Grad, sonst liege die Höchsttemperatur zwischen 19 und 25 Grad.
Auch am Mittwoch werde bei ähnlichen Temperaturen vor allem quer über der Mitte und im Nordosten schauerartiger Regen erwartet.
Bis Donnerstagabend werden insgesamt flächendeckend 10 bis 30 Liter je Quadratmeter Niederschlag erwartet, so Schmid. Im äußersten Süden seien 30 bis 50 Liter möglich, lokal sogar über 80 Liter je Quadratmeter. (dpa/red)
Außenfassade des Oberlandesgerichts in Düsseldorf. - Foto: Marius Becker/dpa/dpa
Eine deutsche IS-Sympathisantin ist in Düsseldorf zu einer Haftstrafe verurteilt worden.
Das Oberlandesgericht sah es in seinem Urteil vom Freitag als erwiesen an, dass Nadine D. eine Initiative zur Gefangenenhilfe für Mitglieder und Unterstützer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) betrieb. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.
Die Initiative bestand dem Urteil zufolge seit Ende 2019. Bis August 2024 habe die 43 Jahre alte D. zu Spenden für den IS aufgerufen, Geld aus Verkäufen von IS-Literatur gesammelt und Briefaktionen gestartet, um inhaftierte IS-Mitglieder psychisch und finanziell zu unterstützen. So habe sie darum geworben, dass diese weiter für den IS arbeiteten.
Das Gericht nannte mehrere Beispiele. Einem dschihadistischen Prediger, der in Österreich zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt wurde, habe D. 4.200 Euro geschickt.
3.300 Euro soll sie an weibliche IS-Mitglieder übermittelt haben, die in einem syrischen Lager interniert waren. Einen aufmunternden Brief soll sie an eine Frau weitergegeben haben, die sich wegen des Todes eine versklavten jesidischen Mädchens vor Gericht verantworten musste.
Außerdem soll sie Geld an zwei weitere IS-Unterstützer gegeben haben. Das Gericht wertete das als strafbare Werbung um Mitglieder oder Unterstützer des IS. Es sei die erste strafrechtliche Verurteilung dieser Art, teilte es mit.
Urteil ist noch nicht rechtskräftig
D. war im September 2025 in Düsseldorf festgenommen worden und kam in Untersuchungshaft. Im Februar klagte die Bundesanwaltschaft sie an. Die Anklage beantragte dreieinhalb Jahre Haft, die Verteidigung einen Freispruch.
Das Gericht sprach D. nun wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland, einem Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz und wegen Werbens um Mitglieder oder Unterstützer für den IS schuldig.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dagegen kann noch Revision zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt werden. Das Gericht ordnete an, dass die Angeklagte in Untersuchungshaft bleibt. (afp/red)
Zu Ehren der Sängerin stimmte die Menge den Song „Total Eclipse of the Heart“ an. - Foto: Alastair Grant/AP/dpa
Mit Tränen, Applaus und Blumen haben Hunderte Fans und Freunde Abschied von der britischen Sängerin Bonnie Tyler genommen. Am Samstag wurde der mit einer walisischen Flagge bedeckte Sarg der Sängerin, begleitet von einem gerahmten Porträt, durch die Straßen der Stadt Mumbles in Swansea zu ihrem Haus gefahren.
Bonnie Tyler starb im Juli im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Portugal nach schwerer Krankheit. Zuvor war sie nach einer Operation am Darm in ein künstliches Koma versetzt worden.
Als der Sarg der Sängerin mit der unverkennbar rauchigen Stimme durch die Newton Road gefahren wurde, brach die Menge der Nachrichtenagentur PA zufolge unter Tränen in Gesang und Applaus aus. Hunderte stimmten bei dem Trauerzug den weltberühmten Song „Total Eclipse of the Heart“ an.
Hunderte Fans nahmen Abschied von Bonnie Tyler.
Foto: Alastair Grant/AP/dpa
Auch Fans aus Deutschland
Große Powerballaden und ihre unverkennbare Stimme machten Bonnie Tyler weltberühmt. Mit „Total Eclipse of the Heart“ und „Holding Out for a Hero“ sang sie zwei unvergessliche Pophymnen.
Mit der Single „Lost in France“ gelang ihr 1976 der erste Erfolg. Ein Jahr später machte „It’s a Heartache“ sie weltbekannt. Geboren wurde Bonnie Tyler als Gaynor Hopkins 1951 im walisischen Skewen.
Laut PA versammelten sich am Wochenende Fans aus mehreren Ländern in Swansea, auch aus Deutschland und Österreich. Viele Einheimische kannten Tyler persönlich.
In einem Leichenwagen wurde ihr Sarg durch Mumbles gefahren.
Foto: Alastair Grant/AP/dpa
In Mumbles war sie demnach etwa für ihre Weihnachtsfeiern bekannt, an denen nicht nur Prominente, sondern auch Einheimische teilnahmen. Eine Anwohnerin aus Swansea beschrieb Tyler laut PA als „einen ganz normalen Menschen, der eben zufällig berühmt war“.
Am Montag findet in der Kirche Swansea Minster eine Gedenkfeier für Tyler statt. Anschließend wird der Sarg der Sängerin ein letztes Mal durch ihren Geburtsort Skewen gefahren. Sie wird im Familien- und Freundeskreis beigesetzt.
Tyler wuchs in einem walisischen Bergarbeiterdorf nahe Swansea gemeinsam mit fünf Geschwistern auf. In den vergangenen Jahren lebte sie mit ihrem Mann abwechselnd an der portugiesischen Algarveküste und in ihrem Haus in Wales. (dpa/afp/red)
Beim Unfall eines polnischen Reisebusses starben im Osten Ungarns mindestens zwölf Menschen. - Foto: Zoltan Mathe/MTI/AP/dpa
Bei einem Unfall eines Reisebusses aus Polen sind im Osten Ungarns zwölf Menschen ums Leben gekommen. Zehn weitere Personen erlitten schwere, weitere 37 leichte Verletzungen, teilte der ungarische Rettungsdienst mit.
Der Bus war nach Polizeiangaben auf der Autobahn M3 bei Mezökeresztes, etwa 140 Kilometer östlich von Budapest, von der Fahrbahn abgekommen und in den Straßengraben gestürzt.
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei dürfte der Fahrer bei der Fahrt in der Nacht zum Sonntag am Lenkrad eingeschlafen sein. Die Behörde nahm ihn anschließend fest. Der Autobahnabschnitt zwischen Mezökeresztes und Emöd blieb auch am Sonntagvormittag in Richtung Miskolc gesperrt.
Pilgergruppe war auf dem Rückweg
Die Behörden der Woiwodschaft Karpatenvorland teilten nach Angaben der Agentur PAP mit, dass eine Pilgergruppe aus dem Karpatenvorland mit dem verunglückten Reisebus auf dem Rückweg aus Bosnien und Herzegowina gewesen sei.
Insgesamt hatten sich 59 Menschen an Bord des Fahrzeugs befunden. 14 Rettungswagen seien im Einsatz gewesen, um die Verletzten zu bergen, hieß es in den Berichten.
Bilder in ungarischen Medien zeigten Kräne, die dazu eingesetzt wurden, um das Wrack des Busses aus dem Straßengraben zu heben.
Polnischer Präsident: Unvorstellbare Tragödie
Der ungarische Ministerpräsident Peter Magyar brachte sein Mitgefühl im Zusammenhang mit der Tragödie zum Ausdruck.
„Den Familien der Opfer gilt mein aufrichtiges Beileid!“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Er dankte außerdem den Einsatz- und Rettungskräften am Unfallort.
Der polnische Präsident Karol Nawrocki zeigte sich erschüttert. „Im Angesicht dieser unvorstellbaren Tragödie, die uns alle berührt, bin ich im Gebet und tiefsten Mitgefühl mit den Familien und Nächsten der Opfer verbunden“, schrieb der 43-Jährige bei X. (dpa/red)
Zahlreiche Menschen müssen sich auf eine Evakuierung vorbereiten. - Foto: Nicolas Lambert//dpa
Wegen der Ausbreitung eines großen Waldbrandes von Belgien in Richtung Deutschland ist die Lage auch für die Menschen in der grenznahen nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angespannt.
Die Feuerfront im Hohen Venn befinde sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, teilte die Stadt nachts auf ihrer Webseite mit und rief weitere Bewohner dazu auf, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Zudem warnte die Stadt vor einer starken Rauchbelastung. Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt.
Bis 10 Uhr sollen die Menschen raus
Am Sonntagmorgen teilte die Stadt mit, dass Einwohner der Ortschaften Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg dringend empfohlen wird, diese Bereiche bis 10 Uhr zu verlassen und bei Verwandtschaft und Freunden unterzukommen. Für Menschen, die nicht eigenständig unterkommen, stellt die Stadt eine Anlaufstelle im Bürgercasino Imgenbroich zur Verfügung.
Das Feuer breitet sich in den Hautes Fagnes aus. Belgische Feuerwehrleute bekämpfen es mit Verstärkung aus Deutschland, den Niederlanden und Flandern.
Foto: Valentin Bianchi/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, erklärte die Stadt weiter. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen. Die Empfehlung gelte zunächst bis 18:00 Uhr.
Stadt Monschau: Notgepäck bereithalten
Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich, hieß es in der Nacht. Eine Sprecherin der Stadt sagte dpa, betroffen seien rund 5.000 Menschen. Sie betonte, es seien Vorsichtsmaßnahmen. Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus.
Die Stadt Monschau forderte die Einwohner dazu auf, Notgepäck bereitzuhalten und ihre Nachbarn zu informieren. Zudem wird den Angaben nach darum gebeten, die Notrufleitungen von Polizei und Feuerwehr nicht zu blockieren.
Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien.
Das Großfeuer in Belgien hat sich bis auf drei Kilometer der deutschen Grenze genähert.
Foto: Nicolas Lambert//dpa
Feuerwehr Monschau im Vollalarm
Die Feuerwehr Monschau ist im Vollalarm. Vorsorglich würden Löschmaßnahmen vorbereitet, damit im Falle eines Überspringens des Feuers auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten begonnen werden könne, erklärte die Stadt.
Die Feuerwehr rechnet nicht mit einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet. „Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick“, sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau, der dpa am frühen Morgen. Einheiten würden jetzt erst einmal in die Pause geschickt. „Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen.“
Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Das Technische Hilfswerk habe die Feuerwehr unterstützt.
Bereits einige Stunden vorher hatte die Stadt Monschau die Bewohner einzelner Siedlungen in Kalterherberg und Mützenich aufgerufen, sich auf eine mögliche Räumung einzustellen. Die belgischen Behörden hätten demnach die Evakuierung der unmittelbar westlich an den Ortsteil Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid bereits angeordnet.
„Bitte schließen Sie die Fenster“
Laut einer von der Polizei verbreiteten Mitteilung der Kreisverwaltung kommt es im gesamten Kreisgebiet Bernkastel-Wittlich zu einer starken Rauchentwicklung durch den Brand in Belgien.
Es komme zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase. „Bitte schließen Sie Fenster, Türen, und schalten sie Lüftungs- und Klimageräte aus“, hieß es.
Der Rauch sei auch in Trier angekommen, sagte der Polizeisprecher. Es rieche nach Brand und sei diesig.
Am Abend hatte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich mitgeteilt, der Waldbrand habe mittlerweile eine Fläche von 2.700 Hektar erfasst – was einer Fläche von umgerechnet fast 3.800 Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Der Waldbrand am 15. August 2026 im Naturschutzgebiet in Waimes / Belgien.
Foto: Dimitri Korczak/AFP via Getty Images
Der größte Brand, den Belgien je erlebt
Das Feuer war am Freitagnachmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und breitete sich in der Nacht und am Samstag rasch aus. „Es besteht die Gefahr, dass die Flammen die Wohngebäude erreichen, aber wir tun alles, um sie zu schützen“, sagte ein Behördensprecher der AFP.
Zur Bekämpfung löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden war bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollten nach Angaben der EU ab Sonntag die Löscharbeiten unterstützen.
Laut örtlicher Behörden sind auch deutsche Feuerwehrleute vor Ort. Weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden wurden mobilisiert, schrieb die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X.
Eine Rauchwolke, die am 14. August 2026 während des Brandes in Jalhay in den Himmel aufsteigt.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Ein AFP-Journalist, der in Begleitung von Einsatzkräften das Brandgebiet betreten konnte, sah dort eine riesige Fläche mit verkohlter Vegetation. Dichter Rauch hing in der Luft.
„Wenn man sieht, wie es heute Morgen aussah und wie es jetzt aussieht, kann man nur schockiert sein“, sagte der belgische Innenminister Bernard Quintin, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.
Das Feuer sei „der größte Brand, den Belgien je erlebt hat“, zitiert unter anderem der öffentlich-rechtliche Sender RTBF lokale Politiker.
Am 14. August 2026 sind Rettungskräfte am Ort einer Explosion am Treurenberg in der Brüsseler Innenstadt im Einsatz.
Foto: Emile Windal/Belga/AFP via Getty Images
Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums wurden vier Löschflugzeuge der neuesten Generation mobilisiert. Auch zahlreiche Landwirte machten sich auf den Weg, um die Feuerwehr zu unterstützen.
Die Auswirkungen durch den Rauch sind auch in Rheinland-Pfalz zu spüren.
Rettungskräfte löschen auch im Naturschutzgebiet „Hautes Fagnes“ aus der Luft.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen
Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, aufgrund der Brände in Belgien und NRW in Verbindung mit dem aktuellen Wind und Wetterbedingungen breiteten sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag in der Region aus, insbesondere in der Eifel und an der Mosel. An vielen Orten sei deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise liege Asche in der Luft.
„Es sind derzeit keine Flächen- oder Waldbrände im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums bekannt und es droht derzeit keine Gefahr durch diese Brände“, hieß es allerdings weiter.
Die starke Rauchentwicklung ist auch in Rheinland-Pfalz zu sehen.
Foto: Kevin Schößler/dpa
Wegen des Rauchs wurde am Samstag auch eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz unterbrochen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier mitteilte.
Die Verantwortlichen halten demnach die Entwicklung der Lage kontinuierlich im Blick. Bei der am Freitag gestarteten Säubrennerkrimes handelt es sich um eines der größten Feste in der Region.
Waldbrand im Hürtgenwald breitet sich nicht weiter aus
Auf der anderen Seite der Grenze breitete sich der Waldbrand in der Eifel nahe Hürtgenwald über Nacht nicht weiter aus.
1.800 Einsatzkräfte kämpften dort unter anderem mit Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. Der am Freitag evakuierte Ortsteil Gey blieb aus Sicherheitsgründen vorerst geräumt.
Feuerwehrleute am 15. August 2026 in der Nähe von Düeren beim Waldbrand im Huertgenwald.
Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Weitere Brände: Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Griechenland
Im Südwesten Frankreichs waren rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge weiter gegen einen Waldbrand in der Nähe des Dorfes Luglon im Einsatz. Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen und vernichtete seither mindestens 1.580 Hektar Vegetation. 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
In der Region südlich von Bordeaux hatte ein riesiger Waldbrand Ende Juli bereits mehr als 40.000 Hektar Vegetation zerstört, rund 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
In Spanien wüteten die Flammen in der Region Aragonien weiter. Dort vernichtete ein Feuer inzwischen 15.000 Hektar Wald. Die Feuerwehrleute haben die Flammen nach eigenen Angaben ausgebremst, sodass sie sich vorerst nicht weiter auf Wohngebiete und zwei alte Klöster zubewegen. 18 Dörfer blieben am Samstag evakuiert.
In Kroatien brachten Feuerwehrleute zwei größere Brände unter Kontrolle. Auf der Insel Dugi kämpften sie mit zwei Löschflugzeugen die ganze Nacht lang gegen die Flammen in einem Kiefernwald, die auf Wohngebiete zurückten.
Die Behörden ermitteln unterdessen zur Ursache für einen schweren Brand in der Region Omis im Süden der Küstenstadt Split. Dort war in der Nacht zum Freitag ein Mensch in den Flammen ums Leben gekommen. Rund 40 weitere Menschen wurden verletzt, zehn von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Anwohner vermuteten eine „kriminelle Ursache“ hinter dem Brand.
An der kroatischen Adriaküste südlich von Split hat ein heftiger Waldbrand gewütet. Mehr als 1.000 Menschen musste in Notunterkünften in Sicherheit gebracht werden.
Foto: Jakov Prkic/AP/dpa
Im Nachbarland Serbien zählten die Behörden am Samstag 25 aktive Brände. Der größte hat sich in den vergangenen Tagen auf eine Fläche von 2500 Hektar ausgebreitet. Im Naturschutzgebiet der Banater Sandwüste rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Belgrad kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Auch in Griechenland blieb die Waldbrandgefahr wegen heftiger Windböen hoch. Innerhalb von 24 Stunden brachen in dem Land mehr als 50 Brände aus, die meisten von ihnen konnten nach Angaben der Feuerwehr rasch gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. (afp/red)
Zahlreiche Menschen müssen sich auf eine Evakuierung vorbereiten. - Foto: Nicolas Lambert//dpa
Wegen der Ausbreitung eines großen Waldbrandes von Belgien in Richtung Deutschland ist die Lage auch für die Menschen in der grenznahen nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angespannt.
Die Feuerfront im Hohen Venn befinde sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, teilte die Stadt nachts auf ihrer Webseite mit und rief weitere Bewohner dazu auf, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Zudem warnte die Stadt vor einer starken Rauchbelastung. Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt.
Bis 10 Uhr sollen die Menschen raus
Am Sonntagmorgen teilte die Stadt mit, dass Einwohner der Ortschaften Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg dringend empfohlen wird, diese Bereiche bis 10 Uhr zu verlassen und bei Verwandtschaft und Freunden unterzukommen. Für Menschen, die nicht eigenständig unterkommen, stellt die Stadt eine Anlaufstelle im Bürgercasino Imgenbroich zur Verfügung.
Das Feuer breitet sich in den Hautes Fagnes aus. Belgische Feuerwehrleute bekämpfen es mit Verstärkung aus Deutschland, den Niederlanden und Flandern.
Foto: Valentin Bianchi/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, erklärte die Stadt weiter. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen. Die Empfehlung gelte zunächst bis 18:00 Uhr.
Stadt Monschau: Notgepäck bereithalten
Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich, hieß es in der Nacht. Eine Sprecherin der Stadt sagte dpa, betroffen seien rund 5.000 Menschen. Sie betonte, es seien Vorsichtsmaßnahmen. Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus.
Die Stadt Monschau forderte die Einwohner dazu auf, Notgepäck bereitzuhalten und ihre Nachbarn zu informieren. Zudem wird den Angaben nach darum gebeten, die Notrufleitungen von Polizei und Feuerwehr nicht zu blockieren.
Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien.
Das Großfeuer in Belgien hat sich bis auf drei Kilometer der deutschen Grenze genähert.
Foto: Nicolas Lambert//dpa
Feuerwehr Monschau im Vollalarm
Die Feuerwehr Monschau ist im Vollalarm. Vorsorglich würden Löschmaßnahmen vorbereitet, damit im Falle eines Überspringens des Feuers auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten begonnen werden könne, erklärte die Stadt.
Die Feuerwehr rechnet nicht mit einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet. „Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick“, sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau, der dpa am frühen Morgen. Einheiten würden jetzt erst einmal in die Pause geschickt. „Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen.“
Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Das Technische Hilfswerk habe die Feuerwehr unterstützt.
Bereits einige Stunden vorher hatte die Stadt Monschau die Bewohner einzelner Siedlungen in Kalterherberg und Mützenich aufgerufen, sich auf eine mögliche Räumung einzustellen. Die belgischen Behörden hätten demnach die Evakuierung der unmittelbar westlich an den Ortsteil Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid bereits angeordnet.
„Bitte schließen Sie die Fenster“
Laut einer von der Polizei verbreiteten Mitteilung der Kreisverwaltung kommt es im gesamten Kreisgebiet Bernkastel-Wittlich zu einer starken Rauchentwicklung durch den Brand in Belgien.
Es komme zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase. „Bitte schließen Sie Fenster, Türen, und schalten sie Lüftungs- und Klimageräte aus“, hieß es.
Der Rauch sei auch in Trier angekommen, sagte der Polizeisprecher. Es rieche nach Brand und sei diesig.
Am Abend hatte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich mitgeteilt, der Waldbrand habe mittlerweile eine Fläche von 2.700 Hektar erfasst – was einer Fläche von umgerechnet fast 3.800 Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Der Waldbrand am 15. August 2026 im Naturschutzgebiet in Waimes / Belgien.
Foto: Dimitri Korczak/AFP via Getty Images
Der größte Brand, den Belgien je erlebt
Das Feuer war am Freitagnachmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und breitete sich in der Nacht und am Samstag rasch aus. „Es besteht die Gefahr, dass die Flammen die Wohngebäude erreichen, aber wir tun alles, um sie zu schützen“, sagte ein Behördensprecher der AFP.
Zur Bekämpfung löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden war bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollten nach Angaben der EU ab Sonntag die Löscharbeiten unterstützen.
Laut örtlicher Behörden sind auch deutsche Feuerwehrleute vor Ort. Weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden wurden mobilisiert, schrieb die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X.
Eine Rauchwolke, die am 14. August 2026 während des Brandes in Jalhay in den Himmel aufsteigt.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Ein AFP-Journalist, der in Begleitung von Einsatzkräften das Brandgebiet betreten konnte, sah dort eine riesige Fläche mit verkohlter Vegetation. Dichter Rauch hing in der Luft.
„Wenn man sieht, wie es heute Morgen aussah und wie es jetzt aussieht, kann man nur schockiert sein“, sagte der belgische Innenminister Bernard Quintin, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.
Das Feuer sei „der größte Brand, den Belgien je erlebt hat“, zitiert unter anderem der öffentlich-rechtliche Sender RTBF lokale Politiker.
Am 14. August 2026 sind Rettungskräfte am Ort einer Explosion am Treurenberg in der Brüsseler Innenstadt im Einsatz.
Foto: Emile Windal/Belga/AFP via Getty Images
Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums wurden vier Löschflugzeuge der neuesten Generation mobilisiert. Auch zahlreiche Landwirte machten sich auf den Weg, um die Feuerwehr zu unterstützen.
Die Auswirkungen durch den Rauch sind auch in Rheinland-Pfalz zu spüren.
Rettungskräfte löschen auch im Naturschutzgebiet „Hautes Fagnes“ aus der Luft.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen
Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, aufgrund der Brände in Belgien und NRW in Verbindung mit dem aktuellen Wind und Wetterbedingungen breiteten sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag in der Region aus, insbesondere in der Eifel und an der Mosel. An vielen Orten sei deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise liege Asche in der Luft.
„Es sind derzeit keine Flächen- oder Waldbrände im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums bekannt und es droht derzeit keine Gefahr durch diese Brände“, hieß es allerdings weiter.
Die starke Rauchentwicklung ist auch in Rheinland-Pfalz zu sehen.
Foto: Kevin Schößler/dpa
Wegen des Rauchs wurde am Samstag auch eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz unterbrochen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier mitteilte.
Die Verantwortlichen halten demnach die Entwicklung der Lage kontinuierlich im Blick. Bei der am Freitag gestarteten Säubrennerkrimes handelt es sich um eines der größten Feste in der Region.
Waldbrand im Hürtgenwald breitet sich nicht weiter aus
Auf der anderen Seite der Grenze breitete sich der Waldbrand in der Eifel nahe Hürtgenwald über Nacht nicht weiter aus.
1.800 Einsatzkräfte kämpften dort unter anderem mit Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. Der am Freitag evakuierte Ortsteil Gey blieb aus Sicherheitsgründen vorerst geräumt.
Feuerwehrleute am 15. August 2026 in der Nähe von Düeren beim Waldbrand im Huertgenwald.
Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Weitere Brände: Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Griechenland
Im Südwesten Frankreichs waren rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge weiter gegen einen Waldbrand in der Nähe des Dorfes Luglon im Einsatz. Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen und vernichtete seither mindestens 1.580 Hektar Vegetation. 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
In der Region südlich von Bordeaux hatte ein riesiger Waldbrand Ende Juli bereits mehr als 40.000 Hektar Vegetation zerstört, rund 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
In Spanien wüteten die Flammen in der Region Aragonien weiter. Dort vernichtete ein Feuer inzwischen 15.000 Hektar Wald. Die Feuerwehrleute haben die Flammen nach eigenen Angaben ausgebremst, sodass sie sich vorerst nicht weiter auf Wohngebiete und zwei alte Klöster zubewegen. 18 Dörfer blieben am Samstag evakuiert.
In Kroatien brachten Feuerwehrleute zwei größere Brände unter Kontrolle. Auf der Insel Dugi kämpften sie mit zwei Löschflugzeugen die ganze Nacht lang gegen die Flammen in einem Kiefernwald, die auf Wohngebiete zurückten.
Die Behörden ermitteln unterdessen zur Ursache für einen schweren Brand in der Region Omis im Süden der Küstenstadt Split. Dort war in der Nacht zum Freitag ein Mensch in den Flammen ums Leben gekommen. Rund 40 weitere Menschen wurden verletzt, zehn von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Anwohner vermuteten eine „kriminelle Ursache“ hinter dem Brand.
An der kroatischen Adriaküste südlich von Split hat ein heftiger Waldbrand gewütet. Mehr als 1.000 Menschen musste in Notunterkünften in Sicherheit gebracht werden.
Foto: Jakov Prkic/AP/dpa
Im Nachbarland Serbien zählten die Behörden am Samstag 25 aktive Brände. Der größte hat sich in den vergangenen Tagen auf eine Fläche von 2500 Hektar ausgebreitet. Im Naturschutzgebiet der Banater Sandwüste rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Belgrad kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Auch in Griechenland blieb die Waldbrandgefahr wegen heftiger Windböen hoch. Innerhalb von 24 Stunden brachen in dem Land mehr als 50 Brände aus, die meisten von ihnen konnten nach Angaben der Feuerwehr rasch gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. (afp/red)
Zahlreiche Menschen müssen sich auf eine Evakuierung vorbereiten. - Foto: Nicolas Lambert//dpa
Die Gefahrenlage in Monschau an der belgischen Grenze hat sich nach Einschätzung der dortigen Feuerwehr entspannt. „Wir fahren zurück“, sagte Einsatzleiter Philipp Krüger der Nachrichtenagentur dpa am Morgen. In der Nacht habe man einen Großteil der rund 90 Einsatzkräfte abgezogen. „Aktuell sind wir noch mit 20 Personen auf Reserve vor Ort.“.
Der Feuerwehrsprecher rechnet damit, dass die Stadt ihre Evakuierungswarnung voraussichtlich in Kürze zurücknimmt. Man beobachte die Brand-Entwicklung weiter ganz genau und werde im Notfall angemessen reagieren und die Kräfte bei Bedarf wieder verstärken. Seit der Nacht habe sich die Feuerfront nicht mehr weiter auf Monschau zubewegt.
Die Feuerfront erstreckte sich am Sonntagmorgen über einen Kilometer, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender RTBF. Das Feuer änderte demnach in der Nacht wegen wechselnder Winde mehrmals seine Richtung. Unter Kontrolle ist das Feuer noch nicht.
Bis 10 Uhr sollten die Menschen raus
Am Sonntagmorgen teilte die Stadt Monschau mit, dass Einwohner der Ortschaften Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg dringend empfohlen wird, diese Bereiche bis 10 Uhr zu verlassen und bei Verwandtschaft und Freunden unterzukommen.
Für Menschen, die nicht eigenständig unterkommen, stellt die Stadt eine Anlaufstelle im Bürgercasino Imgenbroich zur Verfügung.
Der Deutsche Wetterdienst rechnet nicht mit Regen in der Region, der Wind sei schwach bis mäßig.
Das Feuer breitet sich in den Hautes Fagnes aus. Belgische Feuerwehrleute bekämpfen es mit Verstärkung aus Deutschland, den Niederlanden und Flandern.
Foto: Valentin Bianchi/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, erklärte die Stadt weiter. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen. Die Empfehlung gelte zunächst bis 18:00 Uhr.
Stadt Monschau: Notgepäck bereithalten
Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich, hieß es in der Nacht. Eine Sprecherin der Stadt sagte dpa, betroffen seien rund 5.000 Menschen. Sie betonte, es seien Vorsichtsmaßnahmen. Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus.
Die Stadt Monschau forderte die Einwohner dazu auf, Notgepäck bereitzuhalten und ihre Nachbarn zu informieren. Zudem wird den Angaben nach darum gebeten, die Notrufleitungen von Polizei und Feuerwehr nicht zu blockieren.
Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien.
Das Großfeuer in Belgien hat sich bis auf drei Kilometer der deutschen Grenze genähert.
Foto: Nicolas Lambert//dpa
Feuerwehr Monschau im Vollalarm
Die Feuerwehr Monschau ist im Vollalarm. Vorsorglich würden Löschmaßnahmen vorbereitet, damit im Falle eines Überspringens des Feuers auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten begonnen werden könne, erklärte die Stadt.
Die Feuerwehr rechnet nicht mit einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet. „Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick“, sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau, der dpa am frühen Morgen. Einheiten würden jetzt erst einmal in die Pause geschickt. „Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen.“
Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Das Technische Hilfswerk unterstützte.
Die belgischen Behörden ordneten die Evakuierung der unmittelbar westlich an den Ortsteil Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid bereits an.
„Bitte schließen Sie die Fenster“
Laut einer von der Polizei verbreiteten Mitteilung der Kreisverwaltung kommt es im gesamten Kreisgebiet Bernkastel-Wittlich zu einer starken Rauchentwicklung durch den Brand in Belgien.
Es komme zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase. „Bitte schließen Sie Fenster, Türen, und schalten sie Lüftungs- und Klimageräte aus“, hieß es.
Der Rauch sei auch in Trier angekommen, sagte der Polizeisprecher. Es rieche nach Brand und sei diesig.
Am Abend hatte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich mitgeteilt, der Waldbrand habe mittlerweile eine Fläche von 2.700 Hektar erfasst – was einer Fläche von umgerechnet fast 3.800 Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Der Waldbrand am 15. August 2026 im Naturschutzgebiet in Waimes / Belgien.
Foto: Dimitri Korczak/AFP via Getty Images
Der größte Brand, den Belgien je erlebt
Das Feuer war am Freitagnachmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und breitete sich in der Nacht und am Samstag rasch aus. „Es besteht die Gefahr, dass die Flammen die Wohngebäude erreichen, aber wir tun alles, um sie zu schützen“, sagte ein Behördensprecher der AFP.
Zur Bekämpfung löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden war bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollten nach Angaben der EU ab Sonntag die Löscharbeiten unterstützen.
Laut örtlicher Behörden sind auch deutsche Feuerwehrleute vor Ort. Weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden wurden mobilisiert, schrieb die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X.
Eine Rauchwolke, die am 14. August 2026 während des Brandes in Jalhay in den Himmel aufsteigt.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Ein AFP-Journalist, der in Begleitung von Einsatzkräften das Brandgebiet betreten konnte, sah dort eine riesige Fläche mit verkohlter Vegetation. Dichter Rauch hing in der Luft.
„Wenn man sieht, wie es heute Morgen aussah und wie es jetzt aussieht, kann man nur schockiert sein“, sagte der belgische Innenminister Bernard Quintin, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.
Das Feuer sei „der größte Brand, den Belgien je erlebt hat“, zitiert unter anderem der öffentlich-rechtliche Sender RTBF lokale Politiker.
Am 14. August 2026 sind Rettungskräfte am Ort einer Explosion am Treurenberg in der Brüsseler Innenstadt im Einsatz.
Foto: Emile Windal/Belga/AFP via Getty Images
Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums wurden vier Löschflugzeuge der neuesten Generation mobilisiert. Auch zahlreiche Landwirte machten sich auf den Weg, um die Feuerwehr zu unterstützen.
Rettungskräfte löschen auch im Naturschutzgebiet „Hautes Fagnes“ aus der Luft.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen
Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, aufgrund der Brände in Belgien und NRW in Verbindung mit dem aktuellen Wind und Wetterbedingungen breiteten sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag in der Region aus, insbesondere in der Eifel und an der Mosel. An vielen Orten sei deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise liege Asche in der Luft.
„Es sind derzeit keine Flächen- oder Waldbrände im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums bekannt und es droht derzeit keine Gefahr durch diese Brände“, hieß es allerdings weiter.
Wegen des Rauchs wurde am Samstag auch eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz unterbrochen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier mitteilte.
Die Verantwortlichen halten demnach die Entwicklung der Lage kontinuierlich im Blick. Bei der am Freitag gestarteten Säubrennerkrimes handelt es sich um eines der größten Feste in der Region.
Waldbrand im Hürtgenwald breitet sich nicht weiter aus
Auf der anderen Seite der Grenze breitete sich der Waldbrand in der Eifel nahe Hürtgenwald über Nacht nicht weiter aus.
1.800 Einsatzkräfte kämpften dort unter anderem mit Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. Der am Freitag evakuierte Ortsteil Gey blieb aus Sicherheitsgründen vorerst geräumt.
Feuerwehrleute am 15. August 2026 in der Nähe von Düeren beim Waldbrand im Huertgenwald.
Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Weitere Brände: Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Griechenland
Im Südwesten Frankreichs waren rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge weiter gegen einen Waldbrand in der Nähe des Dorfes Luglon im Einsatz. Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen und vernichtete seither mindestens 1.580 Hektar Vegetation. 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
In der Region südlich von Bordeaux hatte ein riesiger Waldbrand Ende Juli bereits mehr als 40.000 Hektar Vegetation zerstört, rund 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
In Spanien wüteten die Flammen in der Region Aragonien weiter. Dort vernichtete ein Feuer inzwischen 15.000 Hektar Wald. Die Feuerwehrleute haben die Flammen nach eigenen Angaben ausgebremst, sodass sie sich vorerst nicht weiter auf Wohngebiete und zwei alte Klöster zubewegen. 18 Dörfer blieben am Samstag evakuiert.
In Kroatien brachten Feuerwehrleute zwei größere Brände unter Kontrolle. Auf der Insel Dugi kämpften sie mit zwei Löschflugzeugen die ganze Nacht lang gegen die Flammen in einem Kiefernwald, die auf Wohngebiete zurückten.
Die Behörden ermitteln unterdessen zur Ursache für einen schweren Brand in der Region Omis im Süden der Küstenstadt Split. Dort war in der Nacht zum Freitag ein Mensch in den Flammen ums Leben gekommen. Rund 40 weitere Menschen wurden verletzt, zehn von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Anwohner vermuteten eine „kriminelle Ursache“ hinter dem Brand.
An der kroatischen Adriaküste südlich von Split hat ein heftiger Waldbrand gewütet. Mehr als 1.000 Menschen musste in Notunterkünften in Sicherheit gebracht werden.
Foto: Jakov Prkic/AP/dpa
Im Nachbarland Serbien zählten die Behörden am Samstag 25 aktive Brände. Der größte hat sich in den vergangenen Tagen auf eine Fläche von 2500 Hektar ausgebreitet. Im Naturschutzgebiet der Banater Sandwüste rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Belgrad kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Auch in Griechenland blieb die Waldbrandgefahr wegen heftiger Windböen hoch. Innerhalb von 24 Stunden brachen in dem Land mehr als 50 Brände aus, die meisten von ihnen konnten nach Angaben der Feuerwehr rasch gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. (afp/red)
In Kanada und den USA wüten häufig verheerende Waldbrände. - Foto: Haven Daley/AP/dpa
Je schneller Wälder brennen, desto intensiver brennen sie einer Studie zufolge auch. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die eine Gruppe um Jonathan Coop von der Western Colorado University in Gunnison (Colorado) im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht hat, die Waldbrände in Kanada und den USA intensiv untersucht hat.
So nehmen mit einer sich erhöhenden Ausbreitungsgeschwindigkeit auch die Intensität der Feuer, der Anteil der stark verbrannten Fläche sowie die Entfernung zu überlebenden Samenbäumen zu.
Waldbrände breiten sich unterschiedlich schnell aus
Die aktuelle Brandsaison habe die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie sich die Entwicklung von Waldbränden verändere, darunter, wie sie sich ausbreiten, schreiben die Studienautoren.
Wie diese Faktoren zusammenhängen, untersuchten sie bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen von 3.499 größeren Waldbränden in Kanada und in den westlichen USA, einschließlich Alaskas, im Zeitraum von 2012 bis 2023.
Sie bestimmten die tägliche verbrannte Fläche mit einer Auflösung von 30 Metern. Dabei unterschieden sie auch Flächen, die von Nadelbäumen dominiert wurden, von anderen Waldflächen.
Mit einer sich erhöhenden Ausbreitungsgeschwindigkeit nimmt auch die Intensität der Feuer zu.
Foto: Darryl Dyck/The Canadian Press via AP/dpa
Im Untersuchungszeitraum betrug die verbrannte Gesamtfläche der betrachteten Brände 43,2 Millionen Hektar. Davon waren 32,1 Millionen Hektar von Nadelbäumen dominiert, wobei mehr als ein Drittel mit hoher Intensität abbrannte.
Die Feuer entwickelten sich sehr unterschiedlich: So reichte die Fläche, die bei einem einzelnen Brand an einem Tag verbrannte, von 25 bis 141.257 Hektar. Die Ausbreitungslänge in gerader Linie lag bei 131 bis 61.878 Metern.
Die zehn Ereignisse mit der schnellsten täglichen Brandausbreitung, bei denen jeweils eine Strecke von mehr als 32 Kilometern innerhalb von 24 Stunden zurückgelegt wurde, verbrannten zusammen 547.000 Hektar Nadelwald. Sieben dieser Ereignisse fanden 2023 in Kanada und zwei im Jahr 2020 im Westen der USA statt.
Die schnellsten Brände in Wäldern breiten sich bei großer Trockenheit und starkem Wind über Baumkronen aus. „Da Kronenfeuer die Baumkronen vernichten, sind sie für die Bäume in den meisten nordamerikanischen Nadelwäldern im Allgemeinen tödlich und können nach dem Brand Landschaften mit großen, stark verbrannten Flächen hinterlassen“, schreibt das Team um Coop.
Mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit steigen neben der Intensität des Feuers auch der Anteil der stark verbrannten Fläche, in der so gut wie keine Bäume überleben, wie die Forscher mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit feststellten. Da auf diesen Flächen auch die Samen der Bäume verbrannt sind, erhöht sich die Entfernung zum nächsten samentragenden Baum.
Durch die Vernichtung der Samen können sich auf lange Sicht die Ökosysteme ändern. Es gibt Baumarten, die besser als andere an die Situation nach einem Waldbrand angepasst sind. So lösen Brände, die nicht ganze Bäume vernichten, etwa bei der Unterart Latifolia der Küstenkiefer (Pinus contorta) und bei der Schwarzfichte (Picea mariana) die Verbreitung von Samen aus.
Auch Laubbäume wie Gambel-Eiche (Quercus gambelii) oder die Amerikanische Zittelpappel (Populus tremuloides), die Samen über einen großen Bereich streuen kann, können zu den Gewinnern nach Waldbränden gehören.
„Unsere Ergebnisse unterstreichen den wachsenden Bedarf, unerwünschte Auswirkungen wirksam zu reduzieren, die nach Bränden entstandenen Landschaften so zu gestalten, dass die Funktionen des Waldökosystems erhalten bleiben, und die sozioökologische Anpassung zu fördern“, betonen die Wissenschaftler.
Coop zufolge können die Studienergebnisse auch auf Europa übertragen werden. „Insbesondere lässt sich beobachten, dass das Brennen von Nadelwäldern unter zunehmend warmen und trockenen Bedingungen zu explosiven Waldbränden führen kann – also zu solchen, die sich sowohl schnell ausbreiten als auch eine hohe Brandintensität aufweisen“, teilte er der dpa auf Anfrage mit.
Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) schließt ähnliche Effekte, wie sie in der Studie gefunden wurden, für große, zusammenhängende Waldgebiete in Europa nicht aus.
„Der Unterschied in Europa liegt in der besseren Zugänglichkeit der Standorte“, sagt die Forscherin. „Hier könnten Maßnahmen zur unterstützenden Wiederaufforstung – etwa durch Pflanzungen oder das Abwerfen von Samenbomben aus der Luft – hilfreicher sein“, sagt die Potsdamer Forscherin. (dpa/red)
Psychologe Hinterhuber: Narzissten als Führungskräfte sind schlicht ein „Risiko“ (Symbolbild). - Foto: Paul Bradbury/iStock
In Kürze
Leichter Narzissmus bei Führungskräften geht einher mit Zufriedenheit des Teams.
Zu viel Narzissmus führt zu Rivalität und Unzufriedenheit der Mitarbeiter.
Narzisstische CEOs berufen tendenziell weitere Narzissten in den Vorstand.
Studie rät die Auswahlverfahren für Führungskräfte zu überprüfen und neu zu bewerten.
Ein bisschen Narzissmus kann in einer leistungsorientierten Arbeits- und Wirtschaftswelt vorteilhaft sein. Das zeigt eine Studie, geleitet von Professor Gerhard Blickle, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Bonn.
In dieser wurden aus einer breiten Schicht vom produzierenden Gewerbe über den öffentlichen Dienst bis zu Handel und Logistik untersucht, wie sich verschiedene Dosierungen von Narzissmus auf die Beschäftigten auswirken.
Blickles Überlegungen hierzu: „Es gibt auch in diesem Phänomen Aspekte, die funktional sein können. Etwa, wer wirkliche Probleme lösen will, der braucht Selbstbewusstsein, das Gefühl einer Berufung ‚Ich kanns‘ und die Bereitschaft, etwas durchzufechten“.
Insgesamt beteiligten sich 1259 direkt unterstellte an der Umfrage. Die Studie zeigt, dass ein weniger stark ausgeprägter Narzissmus bei Führungskräften mit einer guten Zufriedenheit des Teams einhergeht.
Dagegen führt ein Zuviel an Narzissmus zu aggressiver Rivalitätsneigung und Unzufriedenheit der Mitarbeiter.
Museums-Direktorin Ortrud Westheider vor dem Caravaggio-Gemälde «Narziss».
Foto: Jörg Carstensen/dpa
Laut dem umfassenden medizinischen Nachschlagewerk „MSD-Manual“, zeichnet sich die narzisstische Persönlichkeitsstörung durch ein anhaltendes Gefühl der eigenen Wichtigkeit (Grandiosität) gepaart mit einem extremen Bedürfnis nach Bewunderung und einen eklatanten Mangel an Empathie aus.
Die Ursachen des Narzissmus
Der Begriff und Name Narziss stammt aus der griechischen Mythologie. Er bezeichnet einen schönen Jüngling, der sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebte, vor Sehnsucht starb und in eine Narzisse verwandelt wurde.
„Narzisstische Menschen fühlen sich anderen gegenüber überlegen, schwelgen in Fantasien über persönliche Erfolge und sind der Überzeugung, dass ihnen eine Sonderbehandlung zusteht. Wenn sie sich gedemütigt fühlen, reagieren sie oft aggressiv oder sogar gewalttätig.“
Die Wurzeln des Narzissmus sind vielfältig und komplex. Genetische Veranlagung trifft dabei auf prägende frühkindliche Erlebnisse. Doch laut den Studienautoren, entwickeln Kinder vor allem dann narzisstische Züge, wenn sie von ihren Eltern vergöttert und auf ein Podest gehoben werden.
Unter Narzissmus wird demnach zumeist dessen grandiose Form verstanden, welche mit den bekannten Verhaltensweisen wie Selbstidealisierung, Anspruch Haltung, Arroganz und Dominanz einhergeht.
Weniger bekannt hingegen, ist die vulnerable Form des Narzissmus. Er zeichnet sich aus durch Verhaltensweisen wie Introvertiertheit und eine hohe Ausprägung neurotizistischer Eigenschaften wie Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Depressivität, Gefühlslabilität, Impulsivität und Empfindlichkeit gegenüber Stress. Menschen mit dieser Prägung zeigen sich im Verhalten wegen ihrer leichten Beschämbarkeit und Ängsten eher zurückhaltend und defensiv.
Professor Dr. Claas-Hinrich Lammers, der zwei Bücher über narzisstische Störungen und den Umgang damit geschrieben hat, erklärt:
„Erst wenn die narzisstischen Eigenschaften mit einem ausgeprägten vulnerablen Selbst einhergehen und die betreffenden Personen zu Aggressivität und Abwertung neigen, muss man von einer maladaptiven bzw. krankhaften Form des Narzissmus sprechen.“
Der narzisstische Führungsstil
In klassischen Bewerbungsverfahren können narzisstische Persönlichkeiten durch exzellente Selbstdarstellung herausragen. Sie nutzen mitunter strategische Manipulation und umgehen damit häufig Hierarchien.
Nilüfer Aydin, Professorin für Sozialpsychologie an der Alpen-Adria Universität, verdeutlicht die Wechselwirkungen von Neid, kontraproduktivem Arbeitsverhalten und narzisstischen Führungskräften. Sie assoziiert „ideale Vorgesetzte“ mit wertschätzendem, gerechtem Verhalten gegenüber Mitarbeitern. Das Aussprechen von Lob und Anerkennung gehört dazu.
Der narzisstische Führungsstil kennzeichnet sich hingegen „durch eher ausgrenzendes, nicht mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten. Narzisstische Führungskräfte verbuchen gerne Erfolge oder Ideen anderer als ihre eigenen und interessieren sich kaum für die Wünsche und Interessen anderer. Machtstreben, Selbstzentriertheit und eine gewisse Rücksichtslosigkeit prägen ihr Verhalten“.
Der Gleich- und Gleich-Effekt
Ein Forschungsteam um Professor Lorenz Graf Vlachy von der technischen Universität Dortmund fand heraus: Narzisstische CEOs berufen tendenziell weitere Narzissten in den Vorstand. Für die Analyse untersuchten die Wissenschaftler tausende LinkedIn-Profile von US-amerikanischen Top-Managern. Die Studie ist 2024 in der Fachzeitschrift Journal of Management veröffentlicht worden.
Die Untersuchung offenbart für die Forscher eine erstaunliche Tendenz: „CEOs mit einem höheren Maß an Narzissmus berufen Mitglieder in ihr Vorstandsteam, die ihre eigenen Charaktereigenschaften widerspiegeln – also ebenfalls narzisstische Züge zeigen.“ Die Forscher zeigten, ein höherer Grad an Narzissmus des CEO ist mit einem um 18 Prozent stärker ausgeprägten Narzissmus jeder neu eingestellten Führungskraft verbunden.
Studienleiter Graf Vlachy erklärt, dass Vorstandsteams mit narzisstischen Managern eine deutlich höhere Fluktuation aufweisen, was zu erheblichen Kosten für ein Unternehmen führen kann. Weiterhin wirke sich diese Problematik auf die Dynamik und Stabilität des Teams aus.
Narzisstische Persönlichkeiten agierten in der Interaktion untereinander mit Dominanzverhalten. Dies könne weiterhin zu Konflikten und einer hohen Fluktuation in den Vorständen führen.
Studienleiter Graf Vlachy resümiert, dass ein Verständnis der Dynamiken in den Vorstandsteams wesentlich sei und CEOs sowie Aufsichtsräte das Auswahlverfahren für Führungskräfte mit einer entsprechenden Überprüfung neu bewerten sollten.
Die sogenannte „Workplace Victimization Theory“ (Theorie der Viktimisierung am Arbeitsplatz) postuliert, dass manche Beschäftigte ein höheres Risiko haben, Opfer destruktiver Führung zu werden. Die Psychologinnen Theresa Fehn und Astrid Schütz schreiben:
„Zum einen werden besonders zurückhaltende, unterwürfige Personen als ‚einfache Opfer‘ für Aggression und Abwertung wahrgenommen. Andererseits nehmen Führungskräfte mit hoher narzisstischer Rivalität dominantes oder provokatives Verhalten von Beschäftigten leicht als Angriff auf ihre vermeintliche Überlegenheit und ihren Status wahr und reagieren mit destruktivem Führungsverhalten, um ihr angekratztes Selbstbild wieder herzustellen. “
Die Psychologinnen raten zu proaktiver Stressbewältigung (Coping) oder Resilienztrainings, um mit destruktivem Führungsverhalten klarzukommen.
Emotionales Coping: Hier liegt der Fokus auf dem Reduzieren oder Regulieren der eigenen emotionalen Reaktionen.
Kognitives Coping: Beinhaltet, die eigenen Gedanken und Denkmuster über den Stressor zu verändern.
Problemorientiertes Coping: Eine Strategie, die den aktiven Umgang mit dem Stressor aufzeigt.
Psychologe Hinterhuber: Narzissten sind schlicht ein „Risiko“
Für Psychologe und Professor Dr. Hans Hinterhuber bedeutet Führen, „den Mitarbeitern zu helfen, das Beste aus dem zu machen, was sie am besten können“.
Hinterhuber und Kollegen haben im Buch „Persönlichkeit und Führungsverantwortung“ zahlreiche Bilder narzisstischer Führung unterschiedlichster Ausprägungen skizziert. Für den Professor sind Narzissten schlicht ein „Risiko“.
Die Dimension des Narzissmus reicht von der äußerst negativen über unterschiedlichste Zwischenschattierungen bis zur leicht ausgeprägten positiven Variante. Je nach Gewichtung mit entsprechend hohen oder geringem Risiko für das Unternehmen.
Zahlreiche Menschen müssen sich auf eine Evakuierung vorbereiten. - Foto: Nicolas Lambert//dpa
Wegen der Ausbreitung eines großen Waldbrandes von Belgien in Richtung Deutschland ist die Lage auch für die Menschen in der grenznahen nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angespannt.
Die Feuerfront im Hohen Venn befinde sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, teilte die Stadt nachts auf ihrer Webseite mit und rief weitere Bewohner dazu auf, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Zudem warnte die Stadt vor einer starken Rauchbelastung. Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt.
Bis 10 Uhr sollen die Menschen raus
Am Sonntagmorgen teilte die Stadt mit, dass Einwohner der Ortschaften Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg dringend empfohlen wird, diese Bereiche bis 10 Uhr zu verlassen und bei Verwandtschaft und Freunden unterzukommen. Für Menschen, die nicht eigenständig unterkommen, stellt die Stadt eine Anlaufstelle im Bürgercasino Imgenbroich zur Verfügung.
Das Feuer breitet sich in den Hautes Fagnes aus, und die belgischen Feuerwehrleute bekämpfen es mit Verstärkung aus Deutschland, den Niederlanden und Flandern.
Foto: Valentin Bianchi/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, erklärte die Stadt weiter. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen. Die Empfehlung gelte zunächst bis 18:00 Uhr.
Stadt Monschau: Notgepäck bereithalten
Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich, hieß es in der Nacht. Eine Sprecherin der Stadt sagte dpa, betroffen seien rund 5.000 Menschen. Sie betonte, es seien Vorsichtsmaßnahmen. Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus.
Die Stadt Monschau forderte die Einwohner dazu auf, Notgepäck bereitzuhalten und ihre Nachbarn zu informieren. Zudem wird den Angaben nach darum gebeten, die Notrufleitungen von Polizei und Feuerwehr nicht zu blockieren.
Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien.
Das Großfeuer in Belgien hat sich bis auf drei Kilometer der deutschen Grenze genähert.
Foto: Nicolas Lambert//dpa
Feuerwehr Monschau im Vollalarm
Die Feuerwehr Monschau ist im Vollalarm. Vorsorglich würden Löschmaßnahmen vorbereitet, damit im Falle eines Überspringens des Feuers auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten begonnen werden könne, erklärte die Stadt.
Die Feuerwehr rechnet nicht mit einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet. „Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick“, sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau, der dpa am frühen Morgen. Einheiten würden jetzt erst einmal in die Pause geschickt. „Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen.“
Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Das Technische Hilfswerk habe die Feuerwehr unterstützt.
Bereits einige Stunden vorher hatte die Stadt Monschau die Bewohner einzelner Siedlungen in Kalterherberg und Mützenich aufgerufen, sich auf eine mögliche Räumung einzustellen. Die belgischen Behörden hätten demnach die Evakuierung der unmittelbar westlich an den Ortsteil Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid bereits angeordnet.
„Bitte schließen Sie die Fenster“
Laut einer von der Polizei verbreiteten Mitteilung der Kreisverwaltung kommt es im gesamten Kreisgebiet Bernkastel-Wittlich zu einer starken Rauchentwicklung durch den Brand in Belgien.
Es komme zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase. „Bitte schließen Sie Fenster, Türen, und schalten sie Lüftungs- und Klimageräte aus“, hieß es.
Der Rauch sei auch in Trier angekommen, sagte der Polizeisprecher. Es rieche nach Brand und sei diesig.
Am Abend hatte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich mitgeteilt, der Waldbrand habe mittlerweile eine Fläche von 2.700 Hektar erfasst – was einer Fläche von umgerechnet fast 3.800 Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Der Waldbrand am 15. August 2026 im Naturschutzgebiet in Waimes / Belgien.
Foto: Dimitri Korczak/AFP via Getty Images
Der größte Brand, den Belgien je erlebt
Das Feuer war am Freitagnachmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und breitete sich in der Nacht und am Samstag rasch aus. „Es besteht die Gefahr, dass die Flammen die Wohngebäude erreichen, aber wir tun alles, um sie zu schützen“, sagte ein Behördensprecher der AFP.
Zur Bekämpfung löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden war bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollten nach Angaben der EU ab Sonntag die Löscharbeiten unterstützen.
Laut örtlicher Behörden sind auch deutsche Feuerwehrleute vor Ort. Weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden wurden mobilisiert, schrieb die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X.
Eine Rauchwolke, die am 14. August 2026 während des Brandes in Jalhay in den Himmel aufsteigt.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Ein AFP-Journalist, der in Begleitung von Einsatzkräften das Brandgebiet betreten konnte, sah dort eine riesige Fläche mit verkohlter Vegetation. Dichter Rauch hing in der Luft.
„Wenn man sieht, wie es heute Morgen aussah und wie es jetzt aussieht, kann man nur schockiert sein“, sagte der belgische Innenminister Bernard Quintin, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.
Das Feuer sei „der größte Brand, den Belgien je erlebt hat“, zitiert unter anderem der öffentlich-rechtliche Sender RTBF lokale Politiker.
Am 14. August 2026 sind Rettungskräfte am Ort einer Explosion am Treurenberg in der Brüsseler Innenstadt im Einsatz.
Foto: Emile Windal/Belga/AFP via Getty Images
Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums wurden vier Löschflugzeuge der neuesten Generation mobilisiert. Auch zahlreiche Landwirte machten sich auf den Weg, um die Feuerwehr zu unterstützen.
Die Auswirkungen durch den Rauch sind auch in Rheinland-Pfalz zu spüren.
Rettungskräfte löschen auch im Naturschutzgebiet „Hautes Fagnes“ aus der Luft.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen
Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, aufgrund der Brände in Belgien und NRW in Verbindung mit dem aktuellen Wind und Wetterbedingungen breiteten sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag in der Region aus, insbesondere in der Eifel und an der Mosel. An vielen Orten sei deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise liege Asche in der Luft.
„Es sind derzeit keine Flächen- oder Waldbrände im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums bekannt und es droht derzeit keine Gefahr durch diese Brände“, hieß es allerdings weiter.
Die starke Rauchentwicklung ist auch in Rheinland-Pfalz zu sehen.
Foto: Kevin Schößler/dpa
Wegen des Rauchs wurde am Samstag auch eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz unterbrochen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier mitteilte.
Die Verantwortlichen halten demnach die Entwicklung der Lage kontinuierlich im Blick. Bei der am Freitag gestarteten Säubrennerkrimes handelt es sich um eines der größten Feste in der Region.
Waldbrand im Hürtgenwald breitet sich nicht weiter aus
Auf der anderen Seite der Grenze breitete sich der Waldbrand in der Eifel nahe Hürtgenwald über Nacht nicht weiter aus.
1.800 Einsatzkräfte kämpften dort unter anderem mit Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. Der am Freitag evakuierte Ortsteil Gey blieb aus Sicherheitsgründen vorerst geräumt.
Feuerwehrleute am 15. August 2026 in der Nähe von Düeren beim Waldbrand im Huertgenwald.
Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Weitere Brände: Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Griechenland
Im Südwesten Frankreichs waren rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge weiter gegen einen Waldbrand in der Nähe des Dorfes Luglon im Einsatz. Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen und vernichtete seither mindestens 1.580 Hektar Vegetation. 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
In der Region südlich von Bordeaux hatte ein riesiger Waldbrand Ende Juli bereits mehr als 40.000 Hektar Vegetation zerstört, rund 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
In Spanien wüteten die Flammen in der Region Aragonien weiter. Dort vernichtete ein Feuer inzwischen 15.000 Hektar Wald. Die Feuerwehrleute haben die Flammen nach eigenen Angaben ausgebremst, sodass sie sich vorerst nicht weiter auf Wohngebiete und zwei alte Klöster zubewegen. 18 Dörfer blieben am Samstag evakuiert.
In Kroatien brachten Feuerwehrleute zwei größere Brände unter Kontrolle. Auf der Insel Dugi kämpften sie mit zwei Löschflugzeugen die ganze Nacht lang gegen die Flammen in einem Kiefernwald, die auf Wohngebiete zurückten.
Die Behörden ermitteln unterdessen zur Ursache für einen schweren Brand in der Region Omis im Süden der Küstenstadt Split. Dort war in der Nacht zum Freitag ein Mensch in den Flammen ums Leben gekommen. Rund 40 weitere Menschen wurden verletzt, zehn von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Anwohner vermuteten eine „kriminelle Ursache“ hinter dem Brand.
An der kroatischen Adriaküste südlich von Split hat ein heftiger Waldbrand gewütet. Mehr als 1.000 Menschen musste in Notunterkünften in Sicherheit gebracht werden.
Foto: Jakov Prkic/AP/dpa
Im Nachbarland Serbien zählten die Behörden am Samstag 25 aktive Brände. Der größte hat sich in den vergangenen Tagen auf eine Fläche von 2500 Hektar ausgebreitet. Im Naturschutzgebiet der Banater Sandwüste rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Belgrad kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Auch in Griechenland blieb die Waldbrandgefahr wegen heftiger Windböen hoch. Innerhalb von 24 Stunden brachen in dem Land mehr als 50 Brände aus, die meisten von ihnen konnten nach Angaben der Feuerwehr rasch gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. (afp/red)
Zahlreiche Menschen müssen sich auf eine Evakuierung vorbereiten. - Foto: Nicolas Lambert//dpa
Wegen der Ausbreitung eines großen Waldbrandes von Belgien in Richtung Deutschland ist die Lage auch für die Menschen in der grenznahen nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angespannt.
Die Feuerfront im Hohen Venn befinde sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, teilte die Stadt in der Nacht auf ihrer Webseite mit und rief weitere Bewohner dazu auf, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Zudem warnte die Stadt vor einer starken Rauchbelastung. Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt.
Bürgern von drei Ortsteilen wurde am frühen Morgen wegen möglicherweise gesundheitsgefährdender Rauchbelastung empfohlen, ihre Häuser und Wohnungen vorübergehend zu verlassen. Die Einwohner der Ortsteile Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg westlich des Messewegs sollten versuchen, bei Verwandten und Freunden unterzukommen, hieß es.
Die Feuerfront befindet sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.
Foto: Max Lametz/dpa
Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, erklärte die Stadt weiter. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen. Die Empfehlung gelte zunächst bis 18:00 Uhr.
Stadt Monschau: Notgepäck bereithalten
Auf eine Evakuierung einstellen sollten sich die Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich, hieß es in der Nacht. Eine Sprecherin der Stadt sagte der Nachrichtenagentur dpa, betroffen seien rund 5.000 Menschen. Sie betonte, es seien Vorsichtsmaßnahmen. Stand jetzt gehe man von keiner Evakuierung aus.
Die Stadt Monschau forderte die Einwohner dazu auf, Notgepäck bereitzuhalten und ihre Nachbarn zu informieren. Zudem wird den Angaben nach darum gebeten, die Notrufleitungen von Polizei und Feuerwehr nicht zu blockieren.
Die Eifelstadt Monschau mit ihren rund 12.000 Einwohnern gilt als Touristenmagnet in der Region. Sie ist besonders für ihre mit Fachwerkhäusern geschmückte Altstadt bekannt, die auch immer wieder als Filmkulisse dient. Monschau liegt direkt am Hohen Venn, einem Hochmoor zwischen Deutschland und Belgien.
Das Großfeuer in Belgien hat sich bis auf drei Kilometer der deutschen Grenze genähert.
Foto: Nicolas Lambert//dpa
Feuerwehr Monschau im Vollalarm
Die Feuerwehr Monschau ist im Vollalarm. Vorsorglich würden Löschmaßnahmen vorbereitet, damit im Falle eines Überspringens des Feuers auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten begonnen werden könne, erklärte die Stadt.
Die Feuerwehr rechnet nicht mit einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet. „Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick“, sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau, der dpa am frühen Morgen. Einheiten würden jetzt erst einmal in die Pause geschickt. „Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen.“
Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Das Technische Hilfswerk habe die Feuerwehr unterstützt.
Bereits einige Stunden vorher hatte die Stadt Monschau die Bewohner einzelner Siedlungen in Kalterherberg und Mützenich aufgerufen, sich auf eine mögliche Räumung einzustellen. Die belgischen Behörden hätten demnach die Evakuierung der unmittelbar westlich an den Ortsteil Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid bereits angeordnet.
Am 15. August 2026 begannen die Bewohner zweier Dörfer im Osten Belgiens mit der Evakuierung.
Foto: Laurent Cavenati/Belga/AFP via Getty Images
„Bitte schließen Sie die Fenster“
Laut einer von der Polizei verbreiteten Mitteilung der Kreisverwaltung kommt es im gesamten Kreisgebiet Bernkastel-Wittlich zu einer starken Rauchentwicklung durch den Brand in Belgien.
Es komme zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase. „Bitte schließen Sie Fenster, Türen, und schalten sie Lüftungs- und Klimageräte aus“, hieß es.
Der Rauch sei auch in Trier angekommen, sagte der Polizeisprecher. Es rieche nach Brand und sei diesig.
Am Abend hatte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich mitgeteilt, der Waldbrand habe mittlerweile eine Fläche von 2.700 Hektar erfasst – was einer Fläche von umgerechnet fast 3.800 Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Der größte Brand, den Belgien je erlebt
Das Feuer war am Freitagnachmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und breitete sich in der Nacht und am Samstag rasch aus. „Es besteht die Gefahr, dass die Flammen die Wohngebäude erreichen, aber wir tun alles, um sie zu schützen“, sagte ein Behördensprecher der AFP.
Zur Bekämpfung löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden war bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollten nach Angaben der EU ab Sonntag die Löscharbeiten unterstützen.
Laut örtlicher Behörden sind auch deutsche Feuerwehrleute vor Ort. Weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden wurden mobilisiert, schrieb die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X.
Eine Rauchwolke, die am 14. August 2026 während des Brandes in Jalhay in den Himmel aufsteigt.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Ein AFP-Journalist, der in Begleitung von Einsatzkräften das Brandgebiet betreten konnte, sah dort eine riesige Fläche mit verkohlter Vegetation. Dichter Rauch hing in der Luft.
„Wenn man sieht, wie es heute Morgen aussah und wie es jetzt aussieht, kann man nur schockiert sein“, sagte der belgische Innenminister Bernard Quintin, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.
Das Feuer sei „der größte Brand, den Belgien je erlebt hat“, zitiert unter anderem der öffentlich-rechtliche Sender RTBF lokale Politiker.
Am 14. August 2026 sind Rettungskräfte am Ort einer Explosion am Treurenberg in der Brüsseler Innenstadt im Einsatz.
Foto: Emile Windal/Belga/AFP via Getty Images
Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums wurden vier Löschflugzeuge der neuesten Generation mobilisiert. Auch zahlreiche Landwirte machten sich auf den Weg, um die Feuerwehr zu unterstützen.
Die Auswirkungen durch den Rauch sind auch in Rheinland-Pfalz zu spüren.
Rettungskräfte löschen auch im Naturschutzgebiet „Hautes Fagnes“ aus der Luft.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen
Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, aufgrund der Brände in Belgien und NRW in Verbindung mit dem aktuellen Wind und Wetterbedingungen breiteten sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag in der Region aus, insbesondere in der Eifel und an der Mosel. An vielen Orten sei deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise liege Asche in der Luft.
„Es sind derzeit keine Flächen- oder Waldbrände im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums bekannt und es droht derzeit keine Gefahr durch diese Brände“, hieß es allerdings weiter.
Die starke Rauchentwicklung ist auch in Rheinland-Pfalz zu sehen.
Foto: Kevin Schößler/dpa
Wegen des Rauchs wurde am Samstag auch eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz unterbrochen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier mitteilte.
Die Verantwortlichen halten demnach die Entwicklung der Lage kontinuierlich im Blick. Bei der am Freitag gestarteten Säubrennerkrimes handelt es sich um eines der größten Feste in der Region.
Waldbrand im Hürtgenwald breitet sich nicht weiter aus
Auf der anderen Seite der Grenze breitete sich der Waldbrand in der Eifel nahe Hürtgenwald über Nacht nicht weiter aus.
1.800 Einsatzkräfte kämpften dort unter anderem mit Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. Der am Freitag evakuierte Ortsteil Gey blieb aus Sicherheitsgründen vorerst geräumt.
Feuerwehrleute am 15. August 2026 in der Nähe von Düeren beim Waldbrand im Huertgenwald.
Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Weitere Brände: Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Griechenland
Im Südwesten Frankreichs waren rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge weiter gegen einen Waldbrand in der Nähe des Dorfes Luglon im Einsatz. Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen und vernichtete seither mindestens 1.580 Hektar Vegetation. 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
In der Region südlich von Bordeaux hatte ein riesiger Waldbrand Ende Juli bereits mehr als 40.000 Hektar Vegetation zerstört, rund 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
In Spanien wüteten die Flammen in der Region Aragonien weiter. Dort vernichtete ein Feuer inzwischen 15.000 Hektar Wald. Die Feuerwehrleute haben die Flammen nach eigenen Angaben ausgebremst, sodass sie sich vorerst nicht weiter auf Wohngebiete und zwei alte Klöster zubewegen. 18 Dörfer blieben am Samstag evakuiert.
In Kroatien brachten Feuerwehrleute zwei größere Brände unter Kontrolle. Auf der Insel Dugi kämpften sie mit zwei Löschflugzeugen die ganze Nacht lang gegen die Flammen in einem Kiefernwald, die auf Wohngebiete zurückten.
Die Behörden ermitteln unterdessen zur Ursache für einen schweren Brand in der Region Omis im Süden der Küstenstadt Split. Dort war in der Nacht zum Freitag ein Mensch in den Flammen ums Leben gekommen. Rund 40 weitere Menschen wurden verletzt, zehn von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Anwohner vermuteten eine „kriminelle Ursache“ hinter dem Brand.
An der kroatischen Adriaküste südlich von Split hat ein heftiger Waldbrand gewütet. Mehr als 1.000 Menschen musste in Notunterkünften in Sicherheit gebracht werden.
Foto: Jakov Prkic/AP/dpa
Im Nachbarland Serbien zählten die Behörden am Samstag 25 aktive Brände. Der größte hat sich in den vergangenen Tagen auf eine Fläche von 2500 Hektar ausgebreitet. Im Naturschutzgebiet der Banater Sandwüste rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Belgrad kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Auch in Griechenland blieb die Waldbrandgefahr wegen heftiger Windböen hoch. Innerhalb von 24 Stunden brachen in dem Land mehr als 50 Brände aus, die meisten von ihnen konnten nach Angaben der Feuerwehr rasch gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. (afp/red)
Ein großer Waldbrand im Hohen Venn könnte auch auf Nordrhein-Westfalen übergreifen. - Foto: Thomas Banneyer/dpa
Ein Waldbrand im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze hat sich weiter ausgebreitet.
Der in Belgien wütende Waldbrand hat laut der Nachrichtenagentur Belga mittlerweile etwa eine Fläche von 1.600 Hektar. Zum Vergleich: Im rund 50 Kilometer entfernten Brand bei Hürtgenwald sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald von dem Brand betroffen.
Die Behörden von Monschau ordneten die Evakuierung von Ortschaften an. Betroffen seien die Menschen in Ruitzhof, Leyloch, Vennhof, Haus Sonnentau und Plattevenn, teilte die Stadt an der deutsch-belgischen Grenze auf ihrer Facebook-Seite mit.
Auf belgischer Seite sei am Samstag die Evakuierung der Ortschaften Küchelscheid und Leykaul eingeleitet worden.
Am 15. August 2026 begannen die Bewohner zweier Dörfer im Osten Belgiens mit der Evakuierung.
Foto: Laurent Cavenati/Belga/AFP via Getty Images
„Bitte schließen Sie Fenster“
Laut einer von der Polizei verbreiteten Mitteilung der Kreisverwaltung kommt es im gesamten Kreisgebiet Bernkastel-Wittlich zu einer starken Rauchentwicklung durch den Brand in Belgien.
Es komme zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase. „Bitte schließen Sie Fenster, Türen, und schalten sie Lüftungs- und Klimageräte aus“, hieß es.
Der Rauch sei auch in Trier angekommen, sagte der Polizeisprecher. Es rieche nach Brand und sei diesig.
Das Feuer war am Freitagnachmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und breitete sich in der Nacht und am Samstag rasch aus.
„Es besteht die Gefahr, dass die Flammen die Wohngebäude erreichen, aber wir tun alles, um sie zu schützen“, sagte ein Behördensprecher der AFP.
Eine Rauchwolke, die am 14. August 2026 während des Brandes in Jalhay in den Himmel aufsteigt.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Ein AFP-Journalist, der in Begleitung von Einsatzkräften das Brandgebiet betreten konnte, sah dort eine riesige Fläche mit verkohlter Vegetation. Dichter Rauch hing in der Luft.
„Wenn man sieht, wie es heute Morgen aussah und wie es jetzt aussieht, kann man nur schockiert sein“, sagte der belgische Innenminister Bernard Quintin, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.
Das Feuer sei „der größte Brand, den Belgien je erlebt hat“, zitiert unter anderem der öffentlich-rechtliche Sender RTBF lokale Politiker. Zuvor hatte Belgien am Samstag andere Länder der Europäischen Union um Unterstützung gebeten.
Nach Angaben örtlicher Behörden sind auch deutsche Feuerwehrleute vor Ort. Weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden wurden mobilisiert, schrieb die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X.
Am 14. August 2026 sind Rettungskräfte am Ort einer Explosion am Treurenberg in der Brüsseler Innenstadt im Einsatz.
Foto: Emile Windal/Belga/AFP via Getty Images
Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministeriums wurden vier Löschflugzeuge der neuesten Generation mobilisiert. Auch zahlreiche Landwirte machten sich auf den Weg, um die Feuerwehr zu unterstützen.
Die Auswirkungen durch den Rauch sind auch in Rheinland-Pfalz zu spüren.
Rettungskräfte löschen auch im Naturschutzgebiet „Hautes Fagnes“ aus der Luft.
Foto: Nicolas Lambert/BELGA MAG/Belga/AFP via Getty Images
Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen
Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, aufgrund der Brände in Belgien und NRW in Verbindung mit dem aktuellen Wind und Wetterbedingungen breiteten sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag in der Region aus, insbesondere in der Eifel und an der Mosel. An vielen Orten sei deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise liege Asche in der Luft.
„Es sind derzeit keine Flächen- oder Waldbrände im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums bekannt und es droht derzeit keine Gefahr durch diese Brände“, hieß es allerdings weiter.
Die starke Rauchentwicklung ist auch in Rheinland-Pfalz zu sehen.
Foto: Kevin Schößler/dpa
Wegen des Rauchs wurde am Samstag auch eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz unterbrochen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier mitteilte.
Die Verantwortlichen halten demnach die Entwicklung der Lage kontinuierlich im Blick. Bei der am Freitag gestarteten Säubrennerkrimes handelt es sich um eines der größten Feste in der Region.
Waldbrand im Hürtgenwald breitet sich nicht weiter aus
Auf der anderen Seite der Grenze breitete sich der Waldbrand in der Eifel nahe Hürtgenwald über Nacht nicht weiter aus.
1.800 Einsatzkräfte kämpften dort unter anderem mit Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. Der am Freitag evakuierte Ortsteil Gey blieb aus Sicherheitsgründen vorerst geräumt.
Feuerwehrleute am 15. August 2026 in der Nähe von Düeren beim Waldbrand im Huertgenwald.
Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Weitere Brände: Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Griechenland
Im Südwesten Frankreichs waren rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge weiter gegen einen Waldbrand in der Nähe des Dorfes Luglon im Einsatz. Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen und vernichtete seither mindestens 1.580 Hektar Vegetation. 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
In der Region südlich von Bordeaux hatte ein riesiger Waldbrand Ende Juli bereits mehr als 40.000 Hektar Vegetation zerstört, rund 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
In Spanien wüteten die Flammen in der Region Aragonien weiter. Dort vernichtete ein Feuer inzwischen 15.000 Hektar Wald. Die Feuerwehrleute haben die Flammen nach eigenen Angaben ausgebremst, sodass sie sich vorerst nicht weiter auf Wohngebiete und zwei alte Klöster zubewegen. 18 Dörfer blieben am Samstag evakuiert.
In Kroatien brachten Feuerwehrleute zwei größere Brände unter Kontrolle. Auf der Insel Dugi kämpften sie mit zwei Löschflugzeugen die ganze Nacht lang gegen die Flammen in einem Kiefernwald, die auf Wohngebiete zurückten.
Die Behörden ermitteln unterdessen zur Ursache für einen schweren Brand in der Region Omis im Süden der Küstenstadt Split. Dort war in der Nacht zum Freitag ein Mensch in den Flammen ums Leben gekommen. Rund 40 weitere Menschen wurden verletzt, zehn von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Anwohner vermuteten eine „kriminelle Ursache“ hinter dem Brand.
An der kroatischen Adriaküste südlich von Split hat ein heftiger Waldbrand gewütet. Mehr als 1.000 Menschen musste in Notunterkünften in Sicherheit gebracht werden.
Foto: Jakov Prkic/AP/dpa
Im Nachbarland Serbien zählten die Behörden am Samstag 25 aktive Brände. Der größte hat sich in den vergangenen Tagen auf eine Fläche von 2500 Hektar ausgebreitet. Im Naturschutzgebiet der Banater Sandwüste rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Belgrad kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Auch in Griechenland blieb die Waldbrandgefahr wegen heftiger Windböen hoch. Innerhalb von 24 Stunden brachen in dem Land mehr als 50 Brände aus, die meisten von ihnen konnten nach Angaben der Feuerwehr rasch gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. (afp/red)
Ein Hubschrauber wirft am 15. August 2026 bei Düren Wasser auf den Waldbrand im Hürtgenwald ab. Das Feuer hat bereits mehr als 200 Hektar vernichtet und ist der größte jemals in NRW verzeichnete Waldbrand. Gestern wurden 2000 Bewohner aus Gey evakuiert. - Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Nach dramatischem Kampf der Einsatzkräfte gegen die Flammen hat sich die Lage in den NRW-Waldbrandgebieten stabilisiert. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach am Samstag bei einem Besuch in Hürtgenwald von einer „ersten Hoffnung, dass der Brand unter Kontrolle gebracht werden kann“. Menschen seien glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, kein Haus sei abgebrannt.
1400 Einsatzkräfte im Einsatz
Insgesamt kämpften 1400 Einsatzkräfte unter anderem mit Hilfe von Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland, wie der Landkreis Düren mitteilte. Der Waldbrand sei „in seiner Dimension historisch für unser Bundesland“, sagte NRW-Vizeministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne).
„Er hat eine Fläche wie alle Waldbrände der letzten fünf Jahre zusammen.“ Die Bekämpfung sei besonders schwierig – „bei schwierigstem Gelände, bei größter Hitze, bei drehenden Winden“.
Der in der Nacht zum Freitag geräumte Ortsteil Gey blieb vorerst aus Sicherheitsgründen evakuiert – rund 1800 Menschen waren betroffen. Laut Regierungschef Wüst bestand aber Hoffnung, „dass die evakuierten Menschen aus der Ortschaft Gey bald wieder in ihre Häuser zurückkehren können, wenn es weiter gut läuft“. Geys Bürgermeister Stephan Cranen dankte allen Helferinnen und Helfern: „Ich kann mich nur dafür verneigen, für diese Arbeit, die hier geleistet wird. Alleine hätten wir das nicht stemmen können.“
Reul vermutet menschliches Fehlverhalten
Innenminister Herbert Reul (CDU) machte Fahrlässigkeit oder gar böse Absicht für den Brand verantwortlich. „Das Feuer ist entstanden durch irgendeinen Idioten“, sagte er bei einem Besuch der Einsatzkräfte. „Darum muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen. Das ist das eigentliche Problem.“ Einen Waldbrand wie im Hürtgenwald habe er noch nicht gesehen.
Unverständnis zeigte Reul für Kritik, dass Nordrhein-Westfalen keine eigenen Löschflugzeuge habe. „Diese Nörgeleien, ich habe keine Lust mehr darauf. Bitte nachher nörgeln, Ende, aus.“ Nun sei es das Wichtigste, das Feuer unter Kontrolle zu halten. „Die Leute interessiert, ob wir deren Häuser sichern können.“
Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen.
Foto: Malte Krudewig/dpa
Warnung vor dem Betreten der Wälder
Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) warnte die Bürgerinnen und Bürger eindringlich: „Bleiben Sie bitte einfach aus den Wäldern raus.“ Oft reiche schon eine weggeworfene Kippe oder zurückgelassenes Glas, um einen Brand auszulösen – besonders wegen der extremen Trockenheit.
Es gebe zudem Hinweise auf mögliche Brandstiftung. „Wir sehen durchaus, wenn verschiedene Brandstellen relativ gleichzeitig oder in enger Abfolge hochkommen. Es macht einen stutzig.“ Gesicherte Erkenntnisse lägen aber noch nicht vor.
Wüst: Brand als Folge des „Klimawandels“
wertete den Waldbrand auch als Beleg dafür, wie wichtig der Kampf gegen den „Klimawandel“ sei. „Wir erleben das hier in dieser Art eines großen Feuers zum ersten Mal, aber wir erleben eben nicht zum ersten Mal diese Extremwetterlage. Und das hat eben auch was mit Klimawandel zu tun. Das wird nun ernsthaft keiner mehr leugnen.“ Das Land werde künftig häufiger mit Extremwetterereignissen zu tun haben.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Brand am Donnerstag ausgebrochen
Der Waldbrand im Hürtgenwald bei Düren war am Donnerstag ausgebrochen. Zunächst hatten sich die Flammen schnell ausgebreitet, massiv beschleunigt vom böigen Wind. In der Nacht zum Samstag wurde die Ausbreitung gestoppt. Am Samstagnachmittag fiel leichter Regen, der die Löscharbeiten begünstigen dürfte.
Bundesweit kämpfen Einsatzkräfte bei anhaltend heißem und trockenem Wetter seit Tagen gegen zahlreiche Wald- und Flächenbrände. In weiten Teilen des Landes herrschen Temperaturen von weit mehr als 30 Grad.
Forstwirtschaftsrat fordert Waldumbau
Angesichts der zunehmenden Zahl an Bränden forderte der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) gezielten Waldumbau und eine bessere Früherkennung. „Wir müssen in diesem Jahr feststellen, dass Waldbrände häufiger auftreten und inzwischen auch Regionen erreichen, die wir bislang nicht zu den klassischen Waldbrandgebieten Deutschlands gezählt haben“, sagte DFWR-Präsident Christian Haase.
Die langfristig wichtigste Antwort laute deshalb: Waldumbau. Nötig seien strukturreiche, mehrschichtige Mischwälder mit höherem Laubholzanteil. (afp/red)
Eine Rauchwolke steigt am 14. August 2026 während eines Waldbrands im Naturschutzgebiet Hohes Venn (Hautes Fagnes) bei Jalhay in den Himmel. (Archivbid) - Foto: Nicolas Lambert / Belga / AFP via Getty Images / Belgien OUT
Im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze breitet sich ein Waldbrand rasch aus. Bis zum frühen Samstagnachmittag verwüsteten die Flammen nach Behördenangaben mindestens 1600 Hektar Wald – rund 50 Kilometer entfernt vom Brandgebiet in der deutschen Eifel bei Hürtgenwald. Die Löscharbeiten dauerten an, ebenso wie im Südwesten Frankreichs und auf dem Balkan.
Belgien: Feuer nahe Monschau außer Kontrolle
Das Feuer in Belgien war am Freitagnachmittag nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und breitete sich in der Nacht und am Vormittag rasch aus. Ein AFP-Journalist sah in der nahegelegenen Stadt Eupen, wie in der Ferne Rauch aufstieg und den Himmel gelb färbte.
Die Behörden riefen bislang noch nicht offiziell zu Evakuierungen auf. Dörfer wie Surbrot, nur eine Viertelstunde von der deutschen Grenze entfernt, könnten am Samstag aber evakuiert werden. „Es besteht die Gefahr, dass die Flammen die Wohngebäude erreichen, aber wir tun alles, um sie zu schützen“, sagte ein Behördensprecher.
Verstärkung aus ganz Belgien und Deutschland wurde mobilisiert. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib teilte mit, dass zwei Hubschrauber aus den Niederlanden, einer aus Tschechien sowie zwei Löschflugzeuge aus Schweden auf dem Weg seien.
Deutschland: Brand im Hürtgenwald vorerst gestoppt
Auf der anderen Seite der Grenze breitete sich der Waldbrand in der nordrhein-westfälischen Eifel über Nacht nicht weiter aus. 1400 Einsatzkräfte kämpften unter anderem mit Löschhubschraubern gegen den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. Der am Freitag geräumte Ortsteil Gey blieb aus Sicherheitsgründen vorerst evakuiert.
Ein Hubschrauber wirft am 15. August 2026 bei Düren Wasser auf den Waldbrand im Hürtgenwald ab. Das Feuer hat bereits mehr als 200 Hektar vernichtet und ist der größte jemals in NRW verzeichnete Waldbrand. Gestern wurden 2000 Bewohner aus Gey evakuiert.
Foto: Sascha Schuermann/Getty Images
Frankreich: Neues Feuer im Kiefernwald der Landes
Im Südwesten Frankreichs war am Donnerstag in einem trockenen Kiefernwald ein neues Feuer ausgebrochen. Es verwüstete inzwischen mindestens 1580 Hektar. Die Einsatzkräfte konnten die Flammen am Freitag zunächst ausbremsen, in der Nacht zum Samstag flammten sie aber wieder auf. Insgesamt 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Rund 500 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge waren nahe dem Dorf Luglon im Einsatz, knapp hundert Kilometer südlich von Bordeaux. Ende Juli hatte ein riesiger Brand in der Region mehr als 40.000 Hektar zerstört und rund 220.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Die Einsatzkräfte rechnen damit, das Gebiet noch Wochen und Monate beobachten zu müssen.
Ein Feuerwehrmann steht auf seinem Einsatzfahrzeug, während ein Löschflugzeug am 15. August 2026 über dem Waldbrand nahe Luglon im Südwesten Frankreichs fliegt. Das Feuer hat bereits fast 1600 Hektar vernichtet.
Foto: Gaizka Iroz / AFP via Getty Images
Spanien: Brand in Aragonien ausgebremst
In Spanien wüteten die Flammen in der Region Aragonien weiter. Der Waldbrand hat inzwischen 15.000 Hektar Vegetation vernichtet. Die Feuerwehrleute haben die Flammen nach eigenen Angaben aber ausgebremst, sodass sie sich vorerst nicht weiter auf Wohngebiete und zwei alte Klöster zubewegen. 18 Dörfer blieben am Samstag evakuiert.
Kroatien und Serbien: Mehrere Brände unter Kontrolle
In Kroatien brachten Feuerwehrleute zwei größere Brände unter Kontrolle. Auf der Insel Dugi kämpften sie mit zwei Löschflugzeugen die ganze Nacht gegen Flammen in einem Kiefernwald. Drei weitere Löschflugzeuge waren über den Oliven- und Weinbergen der Halbinsel Pelješac im Einsatz.
In der Region Omiš südlich von Split ermitteln die Behörden die Ursache eines schweren Brandes. Dort war in der Nacht zum Freitag ein Mensch ums Leben gekommen, rund 40 weitere wurden verletzt.
Im Nachbarland Serbien zählten die Behörden am Samstag 25 aktive Brände. Der größte hat sich auf 2500 Hektar ausgebreitet. Im Naturschutzgebiet der Banater Sandwüste kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen.
Griechenland: Hohe Brandgefahr durch starke Winde
Auch in Griechenland blieb die Waldbrandgefahr wegen heftiger Windböen hoch. In den vergangenen 24 Stunden brachen mehr als 50 Brände aus. Die meisten konnten rasch gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. (afp/red)
Jason Arday trat vergangene Woche von seinem Posten an der Uni Cambridge zurück. - Foto: Joe Giddens/PA Wire/dpa
Nach dem Tod des früheren Professors der renommierten Universität Cambridge, Jason Arday, herrscht in Großbritannien Bestürzung und Trauer. Der 41-Jährige war zuletzt im Zuge von Plagiatsvorwürfen von seinem Posten an der weltbekannten Universität zurückgetreten.
Der britische Premierminister Andy Burnham sprach der Nachrichtenagentur PA zufolge bei einem Besuch in Cornwall von einer „Tragödie auf so vielen Ebenen, vor allem aber für alle, die Jason kannten“. Jetzt sei nicht die Zeit für „voreilige Urteile“. „Es ist ein Moment der Reflexion“, sagte er, „wir alle denken heute an Jason, sein Wirken und an seine Familie und seine Freunde“.
Bildungsministerin Lucy Powell sprach auf der Plattform X von einer „schockierenden“ Nachricht, Cambridge-Leiterin Deborah Prentice von einer „unglaublich schweren Zeit“. Indes wurden auch kritische Stimmen am öffentlichen Umgang mit den gegen Arday erhobenen Vorwürfen laut, darunter etwa von Londons Bürgermeister Sadiq Khan.
Arday wurde am Freitag leblos in London aufgefunden. Die Metropolitan Police teilte mit, ein 41 Jahre alter Mann sei am Einsatzort im Südwesten der britischen Hauptstadt für tot erklärt worden. Zum jetzigen Zeitpunkt werde sein Tod als unerwartet eingestuft, es gebe jedoch keinen Grund zu der Annahme, dass ein Verbrechen vorliege, zitierte die Nachrichtenagentur PA die Polizei, die in Großbritannien grundsätzlich keine Namen nennt. Der Fall werde untersucht. Zur Todesursache gibt es bisher keine offiziellen Angaben.
Was Jason Arday vorgeworfen wurde
2023 war Arday im Alter von 37 Jahren zum jüngsten schwarzen Professor in der langen Geschichte der weltweit renommierten Universität Cambridge geworden. Seine Ernennung wurde als progressiver Meilenstein gefeiert, seine Lebensgeschichte bestaunt. Arday wuchs in einfachen Verhältnissen in London auf. Als Kind wurde er eigenen Angaben zufolge mit einer Form von Autismus diagnostiziert. Laut der Cambridge-Universität war er an mehreren Universitäten im Bereich der Soziologie tätig.
Doch in den vergangenen Wochen bekam das Image des oft als Star seines Fachs bezeichneten Akademikers Risse. Zahlreiche Medien berichteten ausführlich über Plagiatsvorwürfe mit Blick auf die Doktorarbeit des Professors an der Liverpool John Moores Universität. Auch in anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen solle er plagiiert haben, lauteten die Vorwürfe. Eine frühere Untersuchung der Uni in Liverpool stellte laut PA allerdings kein wissenschaftliches Fehlverhalten fest.
Schließlich wurde auch an der Glaubwürdigkeit von Teilen seiner Lebensgeschichte gezweifelt. Infrage gestellt wurden unter anderem Angaben zu Millionenspenden für wohltätige Zwecke sowie zu sportlichen Leistungen.
Vergangene Woche trat der 41-Jährige schließlich von seiner Cambridge-Professur zurück. Zuvor hatte die Uni eine Untersuchung zu seiner Ernennung und Tätigkeit angekündigt. Nach Angaben von BBC und PA sagte Arday zuletzt mehrere Veranstaltungen ab.
In einem Rücktrittschreiben wies er die gegen ihn erhobenen Plagiatsvorwürfe zurück. Sein Rücktritt sei „der einzige Weg, dieses Kapitel zu beenden“, heißt es in dem Schreiben. Dieser solle nicht als „Zustimmung zu den Darstellungen verstanden werden“. „Kritik ist zwar ein unvermeidlicher Bestandteil des akademischen Lebens, doch was ich erlebt habe, geht weit über wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten hinaus.“
Durch den Fall war auch die Universität Cambridge massiv in die Kritik geraten. Leiterin Deborah Prentice hatte zuletzt mitgeteilt, eine Untersuchung rund um Arday werde „unabhängig durch hochrangige Wissenschaftler aus Cambridge und von außerhalb“ durchgeführt.
„Ich weiß, dass es im Zusammenhang mit diesem belastenden und schwierigen Fall Wut und Besorgnis gibt“, sagte sie. Den Fall bezeichnete sie als Ausnahme und betonte, dass dieser nicht dazu genutzt werden sollte, die Legitimität der wissenschaftlichen Arbeit nicht-weißer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter infrage zu stellen.
Auch die Universitäten Durham und Glasgow, an denen Arday tätig war, kündigten Untersuchungen an. Eine Professorin der Universität Cambridge bezeichnete den Fall zuletzt laut PA als „Geschenk“ für alle, die gegen Vielfalt an Hochschulen vorgehen würden.
Wenige Stunden nachdem britische Medien am Freitagabend zahlreiche Eilmeldungen zu dem Tod von Arday verschickt hatten, äußerte sich auch die Angehörigen der Nachrichtenagentur PA zufolge.
Seit seiner Professur an der Universität Cambridge sei Arday „einer anhaltenden Hetzkampagne“ ausgesetzt gewesen, heißt es demnach in dem von seinem Verlag Simon & Schuster UK verschickten Statement der Familie. Auch von einer „Kampagne der Falschinformationen“ ist die Rede. Arday sei ein „sanftmütiger Mann“ gewesen, der „immer das Beste in jedem sehen wollte“.
Kritik am öffentlichen Umgang mit den Vorwürfen kam auch von Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Arday sei öffentlich bloßgestellt worden und einer „Welle von Beschimpfungen“ ausgesetzt gewesen, behauptete der Labour-Politiker in einem X-Beitrag. Die Labour-Abgeordnete für den Londoner Wahlkreis Clapham und Brixton Hill, Bell Ribeiro-Addy, sprach beim Sender Sky von einer medialen „Hexenjagd“.
Ende August sollen die Memoiren von Arday in Großbritannien erscheinen. Der Verlag Simon & Schuster UK bezeichnete „Great and Unfortunate Things“ als ein Buch über „Widerstandsfähigkeit und Liebe“. (dpa/red)
Beschädigte Häuser in Ruteng (Manggarai, Ost-Nusa Tenggara) nach dem Erdbeben der Stärke 7,7 am 15. August 2026. Das Beben vor der Insel Flores löste eine Tsunami-Warnung aus und führte zur Evakuierung Hunderter Menschen. - Foto: Selo / AFP via Getty Images
Ein schweres Erdbeben hat die indonesische Insel Flores erschüttert und mindestens 38 Menschen unter den Trümmern getötet. Mindestens 13 weitere Personen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer, sagte der Leiter der Nationalen Katastrophenschutzbehörde, Suharyanto, am Samstag bei einer Pressekonferenz. Rund 2000 Menschen brachten sich aus eigener Initiative in Sicherheit.
Tsunami-Warnung ausgelöst und wieder aufgehoben
Nach dem Erdstoß der Stärke 7,7 lösten die Behörden einen Tsunami-Alarm aus, hoben die Warnung später jedoch wieder auf. Die indonesische Wetter- und Erdbebenbehörde hatte unmittelbar nach dem Beben vor möglichen Wellen mit bis zu drei Metern Höhe gewarnt. Die Katastrophenschutzbehörde rief die Bewohner der Küstengebiete dringend auf, sich unverzüglich in Sicherheit zu bringen. Auf den Straßen bildeten sich lange Staus.
Anwohner in der Region Nagekeo nahe dem Epizentrum rannten auf Hügel. Das Meer zog sich zurück – ein typisches Warnzeichen für einen Tsunami. Die amtliche Warnung wurde später aufgehoben. Die Behörden mahnten aber, nicht in beschädigte Häuser zurückzukehren, solange Nachbeben andauern.
Bewohner fliehen am 15. August 2026 aus ihren Häusern im Dorf Talibura (Regierungsbezirk Sikka, Ost-Nusa Tenggara), nachdem ein Erdbeben der Stärke 7,7 vor der Insel Flores eine Tsunami-Warnung ausgelöst hatte.
Foto: Arnold Welianto ARNOLD / AFP via Getty Images
Epizentrum und starke Nachbeben
Das Epizentrum lag nach Behördenangaben rund 70 Kilometer vor der Nordküste der Insel im Osten Indonesiens. Auf den ersten Erdstoß am frühen Morgen (Ortszeit, um 23.30 Uhr MESZ) folgten mehrere starke Nachbeben, darunter eines mit der Stärke 6,1.
Augenzeugen berichten von Panik
„Plötzlich begann es zu beben, und ich geriet in Panik“, sagte Lukas Lotar, der in einem Krankenhaus in Maumere arbeitet, der Nachrichtenagentur AFP. Auch Patienten flohen aus dem Krankenhaus. „Der Stoß war heftig. Ich sah Risse in einigen Wänden.“
Yulian Yuita Ekalia aus Ruteng im Inselinneren erklärte: „Ich habe noch nie so ein starkes Erdbeben erlebt. Es hat sich angefühlt wie auf einem Trampolin, es war sehr beängstigend.“ Alles im Haus sei heruntergefallen – der Fernseher, Pokale ihres Sohnes, Geschirrregale und Koffer.
Später holte sie ihren Herd heraus und kochte auf der Straße. Auch die Universität, an der sie arbeitet, wurde schwer beschädigt. Sie sei froh, dass das Beben an einem Samstagmorgen passiert sei: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn wir alle da gewesen wären.“
Rettungskräfte suchen nach Verschütteten
Rettungskräfte suchten in den Trümmern nach Verschütteten. Das volle Ausmaß der Zerstörung war am Samstag noch nicht absehbar. Die am stärksten betroffene Region ist ländlich geprägt und hat nur wenige hohe Häuser.
Wegen seiner Lage auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring wird Indonesien häufig von Erdbeben erschüttert. 2004 hatte eine Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe die Provinz Aceh schwer zerstört – allein in Indonesien starben damals 170.000 Menschen. (afp/red)
Eine schief heraushängende Zunge, Glupschaugen und Falten im Gesicht: eine Mops-Hündin namens Jinny Lu hat es damit zu der Auszeichnung „hässlichster Hund der Welt“ gebracht. Hundebesitzerin Michelle Grady kann sich nach dem traditionellen Wettbewerb im nordkalifornischen Santa Rosa nun über ein Preisgeld von 5.000 Dollar freuen.
Jinny Lu, die einst von Tierschützern in Südkorea gerettet und in die USA gebracht wurde, hatte im vorigen Jahr den zweiten Platz beim „World’s Ugliest Dog“-Wettbewerb gewonnen.
Eine schief heraushängende Zunge hat die Chancen von Mops Jinny Lu wohl verbessert.
Foto: Noah Berger/AP/dpa
Schiefes Grinsen, nackte Haut
Diesmal ging der zweite Rang an den zehnjährigen Pinky, eine Mischung aus Chihuahua und Zwergspitz. Der Albino-Hund mit riesigen rosa Ohren, pinkfarbener Nase und wässrigblauen Augen, der früher im Tierheim an einer Hautkrankheit litt, nahm zum ersten Mal an dem Wettbewerb teil – und holte auf Anhieb ein Preisgeld von 3.000 Dollar.
Auf Platz Drei schaffte es der zweijährige Chihuahua-Mischling Otto, der mit einer beidseitigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren wurde. Mit seinem schiefen Grinsen punktete Otto aus dem US-Bundesstaat Oklahoma wohl bei den Juroren. Sein Auftritt wurde mit 2000 Dollar belohnt.
Zu den Anwärtern gehörten unter anderem eine Französische Bulldogge mit starkem Unterbiss, ein Chinesischer Schopfhund mit schiefer Zunge und verbogenen Hinterbeinen, ein fast haarloser Dackelmischling oder die aus Polen angereiste Hündin Klara, mit struppigem Fell und schief sitzendem Kopf.
Um einen Platz auf dem Sieger-Treppchen zu sichern, mussten sich die Vierbeiner auf einer Bühne vor klatschenden Zuschauern präsentieren. Eine Gruppe von Juroren stimmte dann ab, wobei Aussehen, Persönlichkeit und die Reaktion des Publikums in ihre Entscheidung einflossen.
Mops-Rettungshündin Jinny Lu ist der hässlichste Hund der Welt
Foto: Noah Berger/AP/dpa
Siegerauftritt in der Morning-Show
Auf die Gewinnerin Jinny Lu kommt noch ein weiterer Auftritt zu. Neben der Siegerprämie wird Hund und Frauchen auch ein Flug nach New York spendiert, wo der Champion im Morgenmagazin des Senders NBC präsentiert wird.
Man wolle sich bei dem Wettbewerb nicht über die „hässlichen“ Hunde lustig machen, sondern vielmehr ihre liebenswerten und schönen Seiten herausstellen, erklärten die Organisatoren des seit 50 Jahren ausgetragenen Events. Viele der Vierbeiner stammen aus Tierheimen. Mit der Aktion wird auch dazu aufgerufen, ausgesetzten Tieren ein neues Zuhause zu geben. (dpa/red)
Die Zahlungen für die Pflege im Heim aus eigener Tasche steigen weiter. (Archivbild) - Foto: Bernd Thissen/dpa
Immer mehr Pflegebedürftige, zu wenige Pflegekräfte und Milliardendefizite – die gesetzliche Pflegeversicherung steht vor großen Herausforderungen. Die Bundesregierung plant deshalb eine große Pflegereform. Für einen ersten Entwurf hat die damalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) viel Kritik geerntet – auch weil die Eigenanteile für Pflegebedürftige weiter steigen dürften. Nach dem Kabinettsumbau muss nun Warkens Nachfolger Carsten Linnemann trotz starkem Gegenwind das Vorhaben zu Ende bringen.
Wie funktioniert die Pflegeversicherung?
Die Pflegeversicherung gehört wie die Kranken- und die Rentenversicherung zur Sozialversicherung. Dabei gilt eine Versicherungspflicht: Gesetzlich Versicherte sind automatisch in der gesetzlichen Pflegeversicherung versichert, privat Versicherte müssen eine private Pflegeversicherung abschließen.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen paritätisch Beiträge in die gesetzliche Pflegeversicherung ein: Dies sind bundesweit – bis auf Sachsen – jeweils 1,8 Prozent des Bruttolohns. Für Kinderlose gibt es noch einen Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten, den nur die Arbeitnehmer zahlen.
Von der Versicherung bekommen Pflegebedürftige Leistungen bezahlt, die unter anderem vom Pflegegrad und der Art der Pflege abhängen. Die Pflegeversicherung ist dabei explizit als Teilversicherung angelegt: Sie übernimmt nur einen Teil der Kosten, zum Beispiel für die Unterbringung in einem Pflegeheim. Den Rest, die sogenannten Eigenanteile, müssen die Betroffenen oder deren Angehörige selbst bezahlen.
Dem Medizinischen Dienst des Bundes zufolge erhielten Ende 2025 rund sechs Millionen Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich damit in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt und dürfte weiter ansteigen.
Dies liegt daran, dass die Gesellschaft immer älter wird, und dass nach einer Reform im Jahr 2017 mehr Bedürftige erfasst werden. Die Folge sind enorm gestiegene Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung: Diese kletterten von rund 24 Milliarden Euro 2013 auf mehr als 73,8 Milliarden im vergangenen Jahr.
In diesem Jahr erwarten die gesetzlichen Krankenkassen ein Defizit von 4,2 Milliarden Euro. Für 2027 geht das Gesundheitsministerium von einem Fehlbetrag von 7,6 Milliarden Euro aus, für das Jahr darauf von über 15 Milliarden Euro.
Immer mehr Bedürftigen stehen gleichzeitig zu wenige Pflegekräfte gegenüber: Bis 2034 könnten bis zu 500.000 Pfleger fehlen, warnte der Deutsche Pflegerat.
Wie viel muss für das Pflegeheim aus eigener Tasche bezahlt werden?
3364 Euro pro Monat müssen Betroffene im Durchschnitt für das erste Jahr im Pflegeheim selbst zahlen. Im zweiten Jahr sind es noch rund 3000 Euro, ab dem vierten Jahr 2100 Euro. Grund sind mit der Aufenthaltsdauer ansteigende Zuschüsse der Pflegeversicherung.
Die sogenannten Eigenanteile steigen seit Jahren kontinuierlich an – seit 2018 um 76 Prozent laut Arbeitgeberverband Pflege. Grund für die Entwicklung ist vor allem eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte. Sowohl Verbände als auch Politiker von Opposition und Koalition halten die aktuellen Eigenanteile für nicht mehr tragbar und fordern eine Begrenzung.
Als Notfallmaßnahme hat der Bund die Pflegeversicherung kurzfristig mit Milliardendarlehen stabilisiert: 2025 mit 0,5 Milliarden Euro und 2026 mit 3,2 Milliarden Euro. Dadurch sollten Beitragserhöhungen verhindert werden. Damit ist das grundsätzliche Problem bei der Pflege aber nicht gelöst – dass die Ausgaben viel schneller steigen als die Einnahmen. Deshalb soll eine umfassende Strukturreform kommen.
Was könnte die Reform konkret bedeuten?
Erste Pläne sehen erhebliche Mehrbelastungen für Bedürftige und ihre Angehörigen vor. So sollen die Voraussetzungen für die Einstufung in einen Pflegegrad verschärft werden. Damit dürfte es auch schwieriger werden, überhaupt als pflegebedürftig anerkannt zu werden. Die Regierung erhofft sich davon geringere Ausgaben für die Pflegeversicherung.
Deren Zuschüsse zu den Heimkosten sollen zudem zeitlich gestreckt werden. Damit würde es länger dauern, bis die Betroffenen von den schrittweise steigenden Zuschüssen profitieren. Die Folge wären zumindest anfangs noch höhere Eigenanteile. Umgekehrt könnte die Pflegeversicherung Ausgaben in Milliardenhöhe sparen.
Pflegestation. (Archivbild).
Foto: Elisa Schu/dpa
Was würde sich für Familien und Kinderlose ändern?
Wie in der Krankenversicherung geplant soll auch bei der Pflege die beitragsfreie Mitversicherung eingeschränkt werden: Ab 2028 sollen Versicherte für bisher beitragsfrei versicherte Ehegatten oder Lebenspartner einen Beitragszuschlag in Höhe von 0,52 Prozentpunkten zahlen. Ausnahmen davon sind bei der Betreuung kleiner Kinder oder der Pflege von Angehörigen geplant.
Mehr zahlen sollen künftig über eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze Gutverdienende sowie Kinderlose. Bei Letzteren soll der Beitragszuschlag um nochmals 0,1 Prozentpunkte auf dann insgesamt 0,7 Prozent steigen. (afp/red)