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Der Sozialismus und seine Versprechen: Warum mehr Staat die Bürger ärmer macht

Während viele ihre finanziellen Schwierigkeiten auf den Kapitalismus zurückführen, ist der Etatismus die eigentliche Ursache.
Dabei eignet sich die politische Klasse den Reichtum und die Freiheit von Familien und Unternehmen an, um ihre Macht zu sichern, abhängige Klienten zu belohnen und ihre Kontrolle über die Gesellschaft auszuüben.
Ein allgegenwärtiger Staat, hohe Steuern, ständige Geldschöpfung und Vetternwirtschaft sind jedoch nicht charakteristisch für den Marktkapitalismus. Auch die Amerikaner tappen in die Falle des Sozialismus, ohne zu erkennen, dass es gefährlich ist, die Probleme eines allgegenwärtigen Staates mit einem noch größeren Staat zu lösen.
Der räuberische Staat, den ich in meinem Buch „The New Global Economic Order: America, China, Europe and The Rise of Global Discontent“ (auf Deutsch etwa: Die neue Weltwirtschaftsordnung) analysiere, ist die extremste Ausprägung des Etatismus. Etatismus beschreibt den schrittweisen Ersatz von Zivilgesellschaft, Märkten, Ersparnissen und individueller Wahlfreiheit durch politische Kontrolle, öffentliche Ausgaben, Regulierung, Besteuerung und monetäre Intervention.

Sozialismus ist verführerisch

Der Sozialismus verkauft sich gut, weil Wissenschaftler und Politiker sozialistische Politik oft nur anhand ihrer erklärten Absichten beurteilen und nicht anhand ihrer katastrophalen Folgen. Daher ist der Sozialismus die ideale Ideologie für die Eliten. Er bietet eine Rhetorik von moralischer Überlegenheit und Mitgefühl, macht aber diejenigen, die er zu verteidigen vorgibt, tatsächlich ärmer, abhängiger und weniger frei.
Wenn man schließlich erkennt, dass das Versprechen eine Falle war, ist der Staat bereits zu groß und zu mächtig geworden. Er geht dann mit Repressionen gegen genau jene vor, die er zu schützen versprochen hatte.

Ein allgegenwärtiger Staat

Ein allgegenwärtiger Staat, Interventionismus, Geldschöpfung und eine hohe Besteuerung haben die Wirtschaft ruiniert und die Erfolgschancen der Mittelschicht und der Kleinunternehmen zerstört. Mehr Staat, mehr Steuern, mehr Geldschöpfung und mehr Interventionismus werden die Situation nur noch verschlimmern.
Wenn ein allgegenwärtiger Staat, massive Subventionen, eine hohe Besteuerung und die politische Kontrolle der Wirtschaft die Lösung für die aktuellen finanziellen Herausforderungen wären, dann wäre Frankreich nicht von Stagnation, sozialer Unzufriedenheit sowie abgrundtiefen Verschuldungs- und Defizitproblemen geplagt.
Zudem gibt es kein Beispiel für eine Volkswirtschaft, die ihre Probleme der Wirtschaftlichkeit, der Ungleichheit und der Lebenshaltungskosten durch politische Kontrolle und monetäre Finanzierung der öffentlichen Schulden gelöst hat.
Der öffentliche Sektor gehört nicht der „Öffentlichkeit“, sondern ist eine von den Steuerzahlern finanzierte Struktur, die von Politikern kontrolliert und verwaltet wird. Diese fordern ständig mehr Steuern und höhere Ausgaben, um identische oder sogar geringere Dienstleistungen zu erbringen. Die Verstaatlichung ist lediglich eine Form der Politisierung.

Die dominante Kraft ist nicht der freie Marktkapitalismus

Vielen jungen Amerikanern wurde eingeredet, dass ihre Frustration über die Wohnungssituation, das geringe Reallohnwachstum, die niedrigen Sparrenditen und den Rückgang der Aufstiegsmöglichkeiten das Scheitern des Kapitalismus beweise. Die Fakten belegen jedoch etwas ganz anderes.
In den meisten entwickelten Volkswirtschaften – seit 2008 zunehmend auch in den USA – ist nicht der freie Marktkapitalismus die dominierende Kraft, sondern ein Modell des allgegenwärtigen Staates mit chronischen Haushaltsdefiziten, hoher Verschuldung, steigenden Steuern, Geldentwertung, regulatorischen Hürden und politischen Eingriffen. Dieses Modell schützt die Privilegierten und benachteiligt gleichzeitig neue Marktteilnehmer.
Deshalb unterstützen so viele Millionäre und wohlhabende Menschen den Sozialismus. Er ist das ideale Mittel, um leistungsorientierte Systeme zu beseitigen, den Wettbewerb auszuschalten und die mit der politischen Zugehörigkeit verbundenen Privilegien zu bewahren, während gleichzeitig eine noch stärkere staatliche Kontrolle gefordert wird. Vetternwirtschaft ist eine direkte Folge des Etatismus und ein Schritt in Richtung Sozialismus.

Ungleichheiten

Selten gibt es reichere und mächtigere Menschen als sozialistische Tyrannen und ihre Komplizen. Gleichzeitig benötigt der Sozialismus arme Menschen, die arm bleiben und dem Staat unterworfen sind.
Der Sozialismus ersetzt leistungsbedingte Ungleichheiten durch politisch motivierte Ungleichheiten. In einem staatlich gelenkten System ist Ungleichheit jedoch eine Frage des Preises, nicht der Verfügbarkeit.
Der Sozialismus führt zu Hyperinflation und Knappheit, da er die Wirtschaftsrechnung ignoriert und Geldentwertung nutzt, um den vom verbleibenden Privatsektor geschaffenen Reichtum zu enteignen und die Bürger in Abhängigkeit und Unterwerfung zu halten, während politische Führer von Privilegien profitieren.
Indem der Sozialismus die Anreize zum Geldverdienen, zum Wohlstand und zur Selbstverwirklichung beseitigt, bewirkt er das Gegenteil des Beabsichtigten. Doch wenn man dies erkennt, ist es bereits zu spät.

Rhetorik von Wohlwollen und Moral, aber mehr Armut und Abhängigkeit

Deshalb tappen die Amerikaner in die Falle des Sozialismus, obwohl sie eigentlich den Etatismus und nicht den Kapitalismus dafür verantwortlich machen sollten. Der Sozialismus ist die ideale Ideologie für die Eliten, da er Zwang mit einer scheinheiligen Moral verschleiert. Er bietet wohlklingende Rhetorik und eine Haltung moralischer Überlegenheit, während er diejenigen, die er angeblich verteidigt, ärmer, abhängiger und weniger frei macht.
Die Katzen versprechen den Mäusen kostenlosen Käse, ohne dass diese verstehen, warum er „kostenlos“ ist. Die Falle funktioniert, weil sie wohlwollend erscheint.
Die Anziehungskraft des Sozialismus liegt nicht in seiner Effizienz, sondern darin, dass er tugendhaft erscheint. Doch das ist er nicht. Er verspricht Sicherheit, Gerechtigkeit, Würde und Schutz vor der Instabilität des Marktes.
Wenn die Bürger jedoch erkennen, dass dieses Versprechen eine Falle war, ist der Staat bereits zu groß, zu kostspielig, zu interventionistisch und zu mächtig, um leicht reformiert werden zu können.

Staatliche Eingriffe in den entwickelten Volkswirtschaften

Die Tendenz zu staatlichen Eingriffen ist in allen entwickelten Volkswirtschaften offensichtlich. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass die öffentlichen Gesamtausgaben der fortgeschrittenen Volkswirtschaften im Jahr 2026 bei 40,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen werden.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gab an, dass die durchschnittlichen öffentlichen Ausgaben jener OECD-Länder, die zugleich der Europäischen Union angehören, im Jahr 2024 bei 49,3 Prozent des BIP lagen.
In Ländern wie Frankreich übersteigen die öffentlichen Ausgaben sogar 57 Prozent des BIP. Dies führt zu Stagnation, sozialer Unzufriedenheit und steigenden Lebenshaltungskosten.
Die sogenannten kostenlosen Dienstleistungen sind langfristig sehr teuer. Ständig verschlechterte „kostenlose“ Dienstleistungen im Austausch gegen Steuererhöhungen, unbezahlbare Wohnungen und sinkende Chancen sind ein sehr schlechtes Geschäft.
Das sind nicht die Zahlen eines minimalistischen Systems. Es sind die Zahlen einer politischen Ressourcenverteilung in sehr großem Maßstab.
Wenn ein stärker intervenierender Staat, höhere Steuern und eine verstärkte Präsenz der öffentlichen Hand der Weg zur sozialen Gerechtigkeit wären, dann würden junge Menschen aufblühen und sozialistische Volkswirtschaften wären weltweit führend.
Doch stattdessen erleben junge Menschen eine Inflation der Vermögenspreise, unerschwingliche Wohnkosten, eine Wertminderung ihrer Ersparnisse und einen immer schwierigeren Zugang zur Mittelschicht. Dieses Phänomen lässt sich nicht durch übermäßige Freiheit der Märkte erklären, sondern durch eine übermäßige Dominanz der Regierungen.

Ein tentakelartiger Staat

China und die nordischen Länder beweisen nicht, dass der Sozialismus funktioniert. Sie zeigen vielmehr, dass Länder, die eine sozialistisch-dirigistische Wirtschaftspolitik aufgeben und das annehmen, was im Westen oft als „ungebremster Kapitalismus“ bezeichnet wird, Wachstum und Wohlstand erzeugen.
Die schlechte Nachricht ist, dass sich dieses auf einem ausufernden Staat basierende Haushaltsmodell trotz seiner Misserfolge weiter ausbreitet. Der IWF schätzt das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit der fortgeschrittenen Volkswirtschaften für das Jahr 2025 auf 4,4 Prozent des BIP und prognostiziert für das Jahr 2026 einen Wert von 4,8 Prozent.

Staatsschulden – Politiker als neue Aristokraten

Die weltweite Bruttostaatsverschuldung erreichte 2025 einen Wert von 93,9 Prozent des BIP und dürfte bis 2029 auf 100 Prozent steigen. Gleichzeitig verharrt die Staatsverschuldung in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften auf einem historisch hohen Niveau.
Anstatt die Exzesse der Vergangenheit zu korrigieren, verschuldet sich das politische System weiterhin auf Kosten der Zukunft, um die Privilegien der Gegenwart zu bewahren.
So schieben die Politiker, die zu den neuen Aristokraten geworden sind, die Verantwortung für die aktuelle Lage den Millionären und Wohlhabenden zu, obwohl die Enteignung immer größerer Teile ihres Vermögens die Wirtschaftslage nur noch verschlimmert.
Das ist der räuberische Etatismus, den ich in meinen Arbeiten anspreche. Die Politiker beanspruchen Jahr für Jahr einen immer größeren Teil des nationalen Reichtums und machen dann die Schöpfer dieses Reichtums zu Sündenböcken, um Neid, Hass und Abhängigkeit zu schüren.

Zentralbanken schützen die Regierungen

Dieses Modell wurde von den Zentralbanken unterstützt, die immer wieder die Regierungen und die Staatsverschuldung vor den Folgen übermäßiger Ausgaben und verantwortungsloser Haushaltspolitik geschützt haben.
Vergleichsdaten zeigen, dass die Bilanzsumme der Federal Reserve im April 2022 einen Höchststand von 8.970 Milliarden US-Dollar (rund 7.980 Milliarden Euro) erreichte, die des Eurosystems 8.840 Milliarden Euro (Juni 2022) und die der Bank of Japan im August 2024 764.800 Milliarden Yen (rund 4.310 Milliarden Euro).
Diese Beträge stellten auf ihrem Höhepunkt 34,5 Prozent, 64,2 Prozent beziehungsweise 125,8 Prozent des BIP dar. Selbst im Jahr 2026 bleiben diese Bilanzen im Vergleich zur nationalen Wirtschaftsleistung außergewöhnlich hoch.
Hier handelt es sich nicht um eine neutrale Technokratie. Es ist ein Mechanismus, der das Sparen bestraft, die Verschuldung subventioniert, die Preisbildung behindert, den Wert von Finanzanlagen in die Höhe treibt, indem er das mit Staatsschulden verbundene Risiko verschleiert, und eine unauffällige Vermögensumverteilung von Sparern, Arbeitern und Arbeitnehmern hin zu überschuldeten Regierungen bewirkt.
Wenn der Staat übermäßig Geld ausgibt und die Zentralbank die Folgen davon verschleiert, wird den Bürgern vorgegaukelt, sie seien geschützt. In Wirklichkeit verarmen sie jedoch durch die Geldentwertung und den Anstieg der Vermögenspreise.

Künstliche Geldschöpfung

Künstliche Geldschöpfung ist niemals neutral. Sie kommt überproportional den Regierungen und den Vermögensbesitzern zugute, die sich gegen die Geldentwertung absichern können. Gleichzeitig schadet sie systematisch den Reallöhnen, den Bankersparnissen und den Menschen ohne Vermögen.
Politiker versuchen, den Eindruck zu erwecken, als könnten sie diese Auswirkungen durch Steuern, staatliche Transferleistungen und Enteignung neutralisieren.
Dies ist jedoch nur ein Trick, um Arbeitnehmer und Geringverdiener stärker von einem Staat abhängig zu machen, der sein Versprechen von leicht verdientem Geld niemals einhält. Denn die Verarmung verlangsamt sich nicht – sie beschleunigt sich.

Sozialismus stärkt die Eliten, nicht die Bürger

Der Sozialismus wird oft als Aufstand gegen Privilegien dargestellt, aber in der Praxis ist er eines der effektivsten Werkzeuge, die je entwickelt wurden, um diese zu festigen.
Ein großer Staat macht Sie arm, und ein noch größerer Staat macht Sie noch ärmer.
Je größer der Staat ist, desto wertvoller wird der Zugang zur Politik. In interventionistischen Systemen fällt es etablierten Großunternehmen, Bürokratien und gut vernetzten Interessengruppen leichter, Vorschriften durchzusetzen, Subventionen zu erhalten, die Konkurrenz auszuschalten und zu entscheiden, wer von Begünstigungen profitiert.
Deshalb übt der Sozialismus eine so große Anziehungskraft auf die Eliten aus. Er ermöglicht es ihnen, sich auf Mitgefühl und Menschlichkeit zu berufen, während sie gleichzeitig Strukturen der Abhängigkeit aufbauen.
Zudem bietet er eine moralische Rechtfertigung für steigende Ausgaben, höhere Steuern, mehr Kontrolle und Bürokratie, obwohl diese Politik die Produktivität mindert, Arbeit und Investitionen benachteiligt und Millionen Menschen in Stagnation gefangen hält. Die Eliten leiden nicht unter dem Sozialismus.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf epochtimes.fr unter dem Titel „Socialisme contre le capitalisme : tomber dans le piège de l’étatisme“. (deutsche Bearbeitung: ks)
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Zitelmann: „Wir sehen jetzt in Frankreich das, was wir in einigen Jahren in Deutschland erleben werden“

Brennende Autos, geplünderte Läden, demolierte Gebäude, Straßenschlachten mit der Polizei – was als Schülerprotest begann, ist zum Teil in Gewaltexzesse ausgeartet, an denen sich Anarchisten, Linksextreme und migrantische Gruppen beteiligen. Darüber sprach Epoch Times mit dem Historiker und Soziologen Dr. Dr. Rainer Zitelmann.
In Frankreich haben sich aus Schülerprotesten landesweite Ausschreitungen mit Plünderungen entwickelt, hinter denen laut Regierung und Polizei ein Zweckbündnis aus kommunistischen Organisationen, radikalen Linken und migrantischen Gruppen aus den Vororten steht. Was treibt diese Gruppen an?
Die ursprünglichen Schülerproteste gegen schlechte Schulbedingungen werden inzwischen von zahlreichen politischen Organisationen unterstützt und für ganz andere Ziele genutzt. Recherchen haben 54 beteiligte oder unterstützende Organisationen identifiziert, darunter die Französische Kommunistische Partei (PCF), die linksextreme Partei La France Insoumise (LFI), die trotzkistischen Gruppen Révolution Permanente und die Neue Antikapitalistische Partei (NPA) sowie die Gewerkschaft CGT. Von den 54 Organisationen sind lediglich 16 Schüler- oder Jugendgruppen. Es ist ein Bündnis von Antikapitalisten und Islamisten, denen es um den Sturz des Kapitalismus geht, nicht um die Schulfragen. Als neues „revolutionäres Subjekt“ haben die Linksextremen Migranten entdeckt, besonders aus dem arabischen Raum.
Sind die jetzigen Ausschreitungen noch mit einer Unzufriedenheit über die eigene Lebenssituation und dem Wunsch nach Reformen zu erklären?
Die Verhältnisse in Frankreich schreien nach Protesten. Aber diese sollten sich besser gegen den Sozialismus richten, denn die Staatsquote in Frankreich beträgt 57,2 Prozent (2025) und gehört damit zu den höchsten in Europa. Hinzu kommt eine Staatsverschuldung von 115,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – ein Ergebnis jahrzehntelanger staatlicher Ausgabenpolitik und Verschwendung von Steuergeldern. Das Problem: Das Versagen des Staates wird als Versagen des Kapitalismus geframt. Hinzu kommt, dass in Frankreich der Sozialneid so groß ist wie in kaum einem anderen Land. Eine Befragung, die ich bei Ipsos MORI beauftragt habe, ergab, dass in keinem der untersuchten Länder der Sozialneid gegen Reiche so groß ist wie in Frankreich (Deutschland war an zweiter Stelle). Dieser Hass gegen Reiche entlädt sich in den Plünderungen und Brandschatzungen in Luxusgeschäften.
In Marseille drangen Randalierer in das Rathaus ein und riefen laut Agenturberichten in Anspielung auf die Französische Revolution von 1789: „Es ist Revolution! Wir stürmen die Bastille.“ Sehen Sie in den aktuellen Ereignissen Parallelen zur Französischen Revolution und den Mobs aus radikalen Revolutionären, die damals Paris ausplünderten und die Stadt verwüsteten?
Die Französische Revolution von 1789 begann mit großen Ideen, die auch aus liberaler Sicht zu begrüßen sind: Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Abschaffung feudaler Privilegien und Schutz des Eigentums. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 war ein historischer Fortschritt. Doch unter den Jakobinern unter Robespierre wurde aus dem Versprechen der Freiheit eine Schreckensherrschaft mit politischen Säuberungen, Massenhinrichtungen und der systematischen Verfolgung Andersdenkender. An letztere Tradition können die linksextremen Kräfte in Frankreich mit ihrer Gewalt in der Tat anknüpfen, mit den ersteren haben sie nichts zu tun.
Mittlerweile gibt es auch in Deutschland aus linken Kreisen Aufrufe, die Proteste nach Deutschland in 21 Städte zu tragen. Warum können kommunistische oder sozialistische Ideen gerade in der heutigen Zeit an Attraktivität gewinnen und wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, dass sich die Ausschreitungen auch nach Deutschland verlagern könnten?
Die Partei Die Linke begrüßt ausdrücklich die sogenannten Proteste und zeigt damit, dass sie eine extremistische, gewaltverherrlichende und gewaltbereite Partei ist. Das Bündnis mit Islamisten und die Mobilisierung von Migranten war ja auch das Rezept der Linken Partei in Berlin, nur dass sie ihre Ziele zunächst mit Wahlen erreichen will, allerdings stets unterstützt von den gewalttätigen Schlägertrupps der sogenannten Antifa. Ich fürchte, wir sehen derzeit in Frankreich, Belgien und Mailand Deutschlands Zukunft. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen über Auswanderung nachdenken.
Als ich vor acht Jahren in meinem Buch „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ vor einer Renaissance des Sozialismus warnte, meinten viele Kritiker, ich sähe Gespenster, der Sozialismus sei mausetot, ich fechte die Kämpfe des Kalten Krieges noch einmal neu aus. Leider behielt ich mit meinen Warnungen Recht. In der Weltmetropole des Kapitalismus, New York, wurde ein Marxist als Bürgermeister gewählt, in Berlin wurde die ehemalige SED, die sich heute Linke nennt, zur stärksten Partei. Ende der 80er- und in den 90er-Jahren sahen die Menschen, dass der Sozialismus gescheitert ist. Eine junge Generation weiß davon nichts, weil sie in den Schulen kaum etwas davon hört. Ich habe in den letzten Jahren Vorträge in über 30 Ländern gehalten und überall gefragt, wer etwas in der Schule vom größten sozialistischen Experiment der Geschichte gehört hat, Maos „Großem Sprung nach vorne“, bei dem 45 Millionen Menschen starben. Wo auch immer ich sprach, ob in Seoul oder New York, in Madrid oder Warschau, in Mailand oder Santiago de Chile: Fast keiner meldete sich, kaum jemand hatte davon gehört.
Zu Ihrer Frage, ob sich die Ausschreitungen nach Deutschland verlagern können: Ich denke nicht, dass dies jetzt im großen Maßstab passiert, obwohl einige Leute, vor allem Die Linke, sich dies sehr wünschen. Aber ich fürchte, wir sehen jetzt in Frankreich das, was wir in einigen Jahren in Deutschland erleben werden.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Erik Rusch.
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Feilen am Charakter: Die 7 Gewohnheiten der Reichen

Gewohnheiten entstehen aus Verhalten, das so oft wiederholt wird, bis es fast automatisch abläuft. Ich bin beeindruckt von der Kraft einer Gewohnheit. Sie ist eine Kraft, die Ihr Leben verändern kann, und sie steht jedem zur Verfügung, unabhängig von seiner Situation oder seinen Lebensumständen.
Fünf Jahre lang beobachtete der Autor Tom Corley die täglichen Gewohnheiten von Reichen und Armen und hielt seine Erkenntnisse in seinem Buch fest: „Rich Habits: The Daily Success Habits of Wealthy Individuals“ – zu Deutsch etwa: „Die Erfolgsgewohnheiten wohlhabender Menschen: Erfahren Sie, wie die Reichen so reich werden“. Corley definiert als reich diejenigen, die mindestens 160.000 Dollar pro Jahr verdienen und über ein Vermögen von mindestens 3,2 Millionen Dollar verfügen. Personen mit einem Jahreseinkommen von weniger als 30.000 Dollar und einem Vermögen von weniger als 5.000 Dollar werden als arm definiert.
Bemerkenswerterweise stellte Corley fest, dass reiche Menschen weit mehr gemeinsam haben als nur ihr Einkommen. Sie teilen dieselben Gewohnheiten und Verhaltensweisen im Alltag, die er bei den Armen größtenteils nicht vorfand. Corley legt ein überzeugendes Argument vor: Reich zu werden hat nichts damit zu tun, wie viel Glück man hat; es hängt möglicherweise mehr davon ab, wie man seinen Tag gestaltet – angefangen bei der Stunde, in der man aufwacht.
In seinen jahrelangen Beobachtungen lernte Corley, dass es nicht so sehr die Wirtschaft oder äußere Einflüsse sind, sondern vielmehr die eigenen täglichen Gewohnheiten, die den Weg zu Reichtum oder Armut ebnen.
Da wir wissen, dass wir Kontrolle über unsere Gedanken und Handlungen haben und dass wir Gewohnheiten entwickeln können, indem wir einfach dasselbe Verhalten immer wieder wiederholen, bis es fast automatisch abläuft – was wäre, wenn wir die täglichen Verhaltensweisen von wirklich wohlhabenden Menschen nachahmen würden? Könnten Sie finanziell besser dastehen, wenn Sie Ihre schlechten Geldgewohnheiten aufgeben und sie durch Gewohnheiten ersetzen würden, die nachweislich dazu beitragen, finanziell fitter zu werden? Urteilen Sie selbst, aber ich wette auf „Ja“.
Hier sind die Gewohnheiten, die Corley bei Hunderten von wohlhabenden Menschen übereinstimmend feststellte, nachdem er sie fünf Jahre lang begleitet hatte.

Früh aufstehen

Corley stellte fest, dass wohlhabende Menschen früh aufstehen, um die frühen Morgenstunden voll auszunutzen. Vierundvierzig Prozent der Probanden in Corleys Studie wachen mindestens drei Stunden vor Beginn ihres Tagesjobs auf. Sie nutzen diese Stunden, um sich auf ihre persönliche Weiterentwicklung zu konzentrieren, beispielsweise durch das Lesen von Sachbüchern, Blogs und Fachzeitschriften. Und sie schieben auch noch irgendeine Form von körperlicher Betätigung dazwischen.
Erfolgreiche Menschen starten oft aktiv in den Tag. Foto: BartekSzewczyk/iStock

Erfolgreiche Menschen starten oft aktiv in den Tag.

Foto: BartekSzewczyk/iStock

Mittagessen? Ja. Pause? Nein.

Fünfundfünfzig Prozent nahmen keine langen Mittagspausen oder gar keine Mittagspause. Sicher, diese Leute essen, aber zwischendurch erledigen sie ihre Geschäfte. Sie essen an ihrem Schreibtisch, während sie arbeiten. Ein langes, gemütliches Mittagessen gehört nicht zu den Gewohnheiten der Reichen.

Kein Herumtrödeln

Corley stellte nicht fest, dass die Reichen am Wasserspender herumlungerten. Sie sind nicht diejenigen, die auf die Uhr schauen oder ständig ausrechnen, wie lange sie noch arbeiten müssen, bevor sie Feierabend machen können.
Im Gegenteil: Die Reichen verschwenden keine Zeit. Sobald sie ihr Büro oder ihren Arbeitsplatz erreichen, planen sie ihren Tag. Die meisten Vermögenden führen eine tägliche To-do-Liste und haken jeden Tag 70 Prozent ihrer Aufgaben ab. Außerdem setzen sie sich langfristige Ziele.
Erfolgreiche Menschen sind effektiver bei ihrer Arbeit. Foto: DuxX/iStock

Erfolgreiche Menschen sind effektiver bei ihrer Arbeit.

Foto: DuxX/iStock

Kalorienbewusst sein

Reiche Leute achten sehr auf ihre Kalorienzufuhr. Corley stellte fest, dass die meisten Vermögenden ihren Alkoholkonsum einschränken und so gut wie nie Junkfood zu sich nehmen.
Sie beschränken ihre Snacks auf nur 300 Kalorien pro Tag, weil sie gesundheitsbewusst sind. Für wohlhabende Menschen ist Gesundheit ein Mittel, um mehr Geld zu verdienen, wie Corley herausfand. Sie glauben, dass sie weniger Krankheitstage haben, wenn sie gesund sind. Wenn sie Sport treiben, haben sie mehr Energie. Die Reichen pflegen ihre Gesundheit als Lebensweise, damit sie länger berufstätig bleiben können.

Kein Klatsch und Tratsch

Haben Sie eine pikante Neuigkeit, die Sie einem Kollegen, Freund oder Verwandten weitergeben möchten? Bevor Sie das tun, bedenken Sie Folgendes: 79 Prozent der Menschen mit geringem Einkommen geben an, dass sie klatschen, verglichen mit nur 6 Prozent der wohlhabenden Personen. Das sagt schon alles.

Begrenzte Internetnutzung

Die Armen nutzen nach der Arbeit doppelt so häufig Facebook und verbringen eine Stunde oder länger damit, im Internet zu surfen. Die Reichen verbringen ihre Zeit nach der Arbeit mit ehrenamtlichen Tätigkeiten, Networking und sozialen Kontakten – und zwar auf eine Art und Weise, die ohne Smartphones oder den Cyberspace auskommt.
Sie pflegen persönliche Beziehungen und betrachten das Internet eher als Geschäftsinstrument denn als Quelle der Freizeitgestaltung oder sozialen Interaktion.

Mehr verdienen, weniger ausgeben

Die Reichen leben unter ihren Verhältnissen. Sie geben weniger aus, als sie verdienen. Sie glauben, dass sie es sich leisten können, unter ihren Verhältnissen zu leben, wenn sie wohlhabend genug sind.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „7 Habits of the Rich“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Alleinerziehend und arm? Experten warnen vor Reform

Das Armutsrisiko ist in Haushalten von Alleinerziehenden deutlich höher als in solchen mit zwei Elternteilen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden galten zuletzt 28,9 Prozent der Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten als armutsgefährdet. Für den Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) sind diese Zahlen alarmierend.
Die Armutsgefährdungsquote sei „überproportional im Vergleich zu anderen Haushalten“, sagt Julia Preidel, Wissenschaftliche Referentin beim VAMV.
In Haushalten von Paaren mit einem oder mehreren Kindern seien laut den Statistikerinnen und Statistikern lediglich 12,0 Prozent der Menschen von Armut bedroht. Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden und ihren Kindern sei damit mehr als doppelt so hoch.

„Ein dreijähriges Kind kann sich nicht alleine von der Kita abholen“

Eine zentrale Ursache für das hohe Risiko der Armut sieht die Soziologin Katja Möhring von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in den eingeschränkten Erwerbsmöglichkeiten vieler Alleinerziehender.
Sie könnten durch die Kinderbetreuung häufig nur in Teilzeit arbeiten oder mit einem geringeren Stundenumfang beschäftigt seien. „Und das führt letztendlich dazu, dass die Armutsbetroffenheit so groß ist“, sagt sie.
Fehlende Betreuungsangebote verstärkten das Problem, sagt Preidel vom VAMV. Wer keinen ausreichenden Betreuungsplatz finde, könne die eigene Arbeitszeit oft nicht ausweiten.
„Ein dreijähriges Kind kann sich beispielsweise nicht alleine von der Kita abholen und auf sich selbst aufpassen“, sagt Preidel.
Die Erwerbsmotivation und der Erwerbsdruck seien bei Alleinerziehenden zwar hoch. „Aber die Rahmenbedingungen stimmen oft nicht.“
Eine wichtige Stellschraube ist nach Ansicht des Sozialverbandes Deutschland deshalb der Ausbau der Kinderbetreuung. Das betreffe nicht nur Angebote für jüngere Kinder, sondern auch die Ganztagsbetreuung an Grundschulen.
Viele Alleinerziehende bekommen keinen Betreuungsplatz für ihr Kind. (Symbolbild)

Viele Alleinerziehende bekommen keinen Betreuungsplatz für ihr Kind. (Symbolbild)

Foto: Marcel Kusch/dpa

Kritik an geplanter Kürzung beim Unterhaltsvorschuss

Zusätzliche Auswirkungen auf die Armut bei Alleinerziehenden-Familien könnte den Expertinnen zufolge eine geplante Reform der Bundesregierung haben. Den sogenannten Unterhaltsvorschuss zahlt der Staat für Kinder von Alleinerziehenden, wenn ein Partner seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) plant, den Vorschuss nicht mehr bis zum 18. Geburtstag zu zahlen, sondern nur noch bis 16.
Laut Statistik wären 21,2 Prozent der Alleinerziehenden-Familien von der Änderung betroffen. 2025 lebten demnach rund 373.000 Kinder im Alter von 16 und 17 Jahren in solchen Haushalten.
Der VAMV kritisiert die Pläne scharf. „Sie wird akut das Armutsrisiko von Jugendlichen in alleinerziehenden Familien verstärken. Würde der Unterhaltsvorschuss wegfallen, würden in den Familien auf einen Schlag knapp 400 Euro im Monat fehlen.
Das ist eine Lücke im Haushaltsbudget, die viele Alleinerziehende gar nicht ausgleichen können“, sagt Preidel. „Das trifft aus unserer Sicht die Falschen.“
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht die Pläne von Prien kritisch. „Angesichts dieser Zahlen wird einmal mehr deutlich, warum die Kürzung des Unterhaltsvorschusses ein absolut falsches Zeichen setzen würde“, sagt
Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende laut einer Mitteilung.

Alleinerziehende Mütter häufiger in Vollzeit

Trotz der zusätzlichen Belastung durch Kinderbetreuung arbeiten alleinerziehende Mütter häufiger in Vollzeit als Mütter mit Partner oder Partnerin.
2025 waren laut Statistik 38,6 Prozent der erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter mit minderjährigen Kindern in Vollzeit beschäftigt. Bei Müttern in Ehe oder Lebensgemeinschaft lag der Anteil bei 30,7 Prozent.
Anders sieht es bei den Vätern aus: 83,8 Prozent der alleinerziehenden erwerbstätigen Väter mit minderjährigen Kindern arbeiteten demnach in Vollzeit. Bei Vätern mit Partnerin oder Partner waren es 91,5 Prozent.
Möhring sieht darin einen gesellschaftlichen Wandel. Väter übernähmen zunehmend häufiger Betreuungsaufgaben und engagierten sich stärker in der Erziehung.

Rund 1,6 Millionen Alleinerziehende in Deutschland

Insgesamt lebten 2025 laut Statistik rund 1,62 Millionen Alleinerziehende in Deutschland. Damit hatte knapp jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern nur ein Elternteil.
Zehn Jahre zuvor waren es noch 1,65 Millionen Alleinerziehende. Ihr Anteil an allen Familien mit Kindern unter 18 Jahren lag damals bei 20,5 Prozent und damit leicht höher als 2025.
Laut den Daten lebten im vergangenen Jahr insgesamt rund 2,36 Millionen Kinder unter 18 Jahren mit nur einem Elternteil zusammen.
Alleinerziehende sind weiterhin überwiegend Frauen: 84,4 Prozent waren 2025 Mütter. Der Anteil alleinerziehender Väter stieg jedoch: von 11,1 Prozent im Jahr 2015 auf 15,6 Prozent 2025.
Als Alleinerziehende gelten laut den Statistikerinnen und Statistikern Mütter und Väter, die ohne Ehe- oder Lebenspartner oder -partnerin mit ihren Kindern in einem Haushalt leben. Die Daten sagen daher nichts darüber aus, wie Betreuung zwischen getrennt lebenden Eltern aufgeteilt wird. (dpa/red)
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Immer mehr Menschen leben in Armut – Opposition warnt vor sozialem Kahlschlag

Angesichts von immer mehr in Armut lebenden Menschen in Deutschland warnen Opposition und Sozialverbände vor einem sozialen Kahlschlag.
In seinem am Dienstag, 2. Juni veröffentlichten Armutsbericht spricht der Paritätische Gesamtverband von „alarmierenden Befunden“, die soziale Spaltung in Deutschland verschärfe sich. Linke und Grüne warfen der Bundesregierung vor, Instrumente gegen Armut nicht zu nutzen und soziale Maßnahmen zusammenzustreichen.

Rekordwert bei der Armutsquote

Laut dem Armutsbericht des Paritätischen sind in Deutschland rund 13,3 Millionen Menschen von Armut betroffen, die Armutsquote stieg damit im Jahr 2025 auf 16,1 Prozent – ein Höchststand im Beobachtungszeitraum seit 2020.
Im Vorjahr hatte der Verband die Gesamt-Armutsquote noch mit 15,5 Prozent der Bevölkerung angegeben, im Jahr 2023 mit 14,4 Prozent.
Der Verband definiert all jene Menschen als einkommensarm, deren Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Berücksichtigt wird dabei das gesamte Nettoeinkommen eines Haushalts einschließlich Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag, weiterer Transferleistungen sowie sonstiger Zuwendungen.
Während Armut insgesamt zunehme, verfestige sie sich besonders bei Älteren, Frauen und Alleinerziehenden, heißt es in dem Bericht. Mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent ist demnach inzwischen fast jeder fünfte Mensch ab 65 Jahren betroffen, bei Frauen über 75 Jahren sind es 21,3 Prozent. Alleinlebende tragen mit 30,3 Prozent ein besonders hohes Armutsrisiko, Alleinerziehende mit 28,9 Prozent.

Folgen für den Lebensalltag

Hinter den steigenden Armutszahlen stünden konkrete Einschränkungen im Alltag: Millionen Menschen könnten sich unerwartete Ausgaben nicht leisten, müssten beim Heizen sparen oder verzichteten auf gesellschaftliche Teilhabe, hieß es.
„4,6 Millionen Menschen leben inzwischen in erheblicher materieller Entbehrung.“ Die Zahlen zeigten, dass die soziale Spaltung nicht nur beim Einkommen verlaufe, „sondern zunehmend auch bei den realen Lebensbedingungen“.
Auch regional drifte Deutschland sozial weiter auseinander: In Bayern sei etwa jeder Achte von Armut betroffen, in Sachsen-Anhalt bereits mehr als jeder Fünfte und in Bremen sogar mehr als jeder Vierte. Armut sei damit „längst auch eine Frage des Wohnortes“.
„Wir sehen eine Gesellschaft, die sozial weiter auseinanderdriftet“, erklärte Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Er warnte vor weiteren Einschnitten bei Sozialleistungen wie beim Wohngeld, in der Jugendhilfe, bei der Rente oder in der Krankenversicherung.
Kürzungen würden vor allem die Menschen treffen, „die auf Hilfe angewiesen sind: Alleinerziehende, Alte, Kranke, Menschen mit Behinderungen, Geflüchtete sowie Kinder und Jugendliche“.

Kritik an der Regierungspolitik

Die Grünen sehen im Armutsbericht des Paritätischen „ein Armutszeugnis für die Bundesregierung“. Die Armut in Deutschland wachse weiter, „doch diese Koalition hat darauf keine Antwort“, sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann der Nachrichtenagentur AFP.
Statt wirksame Maßnahmen gegen Armut und faire Chancen auszubauen, würden diese zusammengestrichen, kritisierte Haßelmann. Als Beispiele nannte sie unter anderem die Absage der vereinbarten BAföG-Reform oder „die halbherzigen Reformpläne bei Pflege- und Krankenversicherung“.
Auch die Linkspartei warf der schwarz-roten Koalition Tatenlosigkeit beim Thema Armutsbekämpfung vor. „Gute Instrumente dagegen“ würden nicht genutzt, sagte Linken-Fraktionschef Sören Pellmann zu AFP.
Er nannte einen „Mindestlohn von 15 Euro, eine Tariftreue, die öffentliches Geld an gute Arbeit bindet“ und „eine Grundsicherung, die den Bedarf deckt, statt Armut zu festigen“ als mögliche Instrumente gegen Armut.
Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, warnte seine Partei vor einer Politik des sozialen Kahlschlags. Für das anstehende Reformpaket der Koalition gelte:
„Sozialreformen dürfen nicht aus einer reinen Sparlogik heraus gestaltet werden“, sagte Radtke zu AFP. Die Bundesregierung müsse bei den anstehenden Reformen in den Bereichen Rente, Pflege, Gesundheit, Sozialstaat und Arbeitsmarkt zwingend den sozialen Zusammenhalt im Blick behalten. (afp/red)
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Unicef-Studie: Deutschland bei Kinderwohl unterdurchschnittlich

Deutschland hat im internationalen Vergleich des kindlichen Wohlbefindens erneut unterdurchschnittlich abgeschnitten. Das ergab eine Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef, in der das Wohlbefinden von Kindern in 37 Ländern der EU und der OECD untersucht wurde. Deutschland belegte Platz 25.
Die Studie zeigt, dass in Ländern mit hoher Einkommens- und Vermögensungleichheit viele Kinder unter Bedingungen aufwachsen, die ihre körperliche und mentale Gesundheit sowie ihre schulischen Kompetenzen beeinträchtigen.
Die Kinderarmutsquote in Deutschland stagniert seit Jahren bei 15 Prozent, und die Einkommensungleichheit hat sich verschärft. Menschen im wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung verfügen heute über fünfmal so viel Einkommen wie Menschen im ärmsten Fünftel.

Bildung: 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen Mindestkompetenzen

Im Bildungsbereich schnitt Deutschland ebenfalls schlecht ab: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichten die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik, was Platz 34 von 41 Ländern bedeutet.
Besonders groß ist der Abstand zwischen Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten und privilegierten Familien. Unter den Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen. In privilegierten Familien sind es 90 Prozent.

Unicef will „Top-Priorität“ gegen Kinderarmut

Unicef Deutschland fordert daher entschlossenes politisches Handeln, um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen und in benachteiligte Kinder zu investieren.
„Die Bekämpfung der Kinderarmut muss politische Top-Priorität werden“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.
Die Bundesregierung solle ein Maßnahmenpaket zur finanziellen Absicherung von benachteiligten Kindern entwickeln und die Zugänglichkeit von Leistungen verbessern, so das Kinderhilfswerk. Zudem sollten Bund, Länder und Kommunen sicherstellen, dass alle Kinder Zugang zu Ressourcen wie gut ausgestatteten Schulen, Arztpraxen und Spielplätzen haben. (dts/red)
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Viele Angehörige, die andere pflegen, verlieren Haus oder Großteil des Vermögens

Die Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen bedeutet für viele Familie in Deutschland einer neuen Umfrage zufolge oft enorme materielle Einbußen.
49 Prozent der Befragten, die jemand anderen pflegen, gaben an, Pflegearmut bei sich selbst oder im näheren Umfeld – etwa bei Verwandten oder Bekannten – erlebt zu haben. Pflegearmut wurde in der Umfrage definiert als Verlust des Hauses oder eines Großteils der Ersparnisse.
In der vom Institut Allensbach im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit erstellten Umfrage sprachen sich zudem zwei Drittel aller Befragten für eine umfassende Pflegereform aus, die eine verlässliche Versorgung garantiert. Kürzungen beim Pflegegeld wurden klar abgelehnt.

DAK: Jede zweite Pflegeperson verliert Haus oder Ersparnisse

Die Umfrage zeige, dass Pflegearmut „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ sei, erklärte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Wenn jede zweite Pflegeperson bei sich oder im Umfeld durch Pflege das eigene Haus oder den Großteil der Ersparnisse verliert, dann ist das sozialer Sprengstoff.“
Bund und Länder müssten jetzt eine umfassende Pflegereform auf den Weg bringen. „Ganz wichtig ist dabei eine Lösung zur Begrenzung der explodierenden Heimkosten, damit Pflege hier für Bewohner und Angehörige nicht weiter zur Armutsfalle wird“, betonte Storm.
„Der dramatische Anstieg bei den Ausgaben zur Hilfe zur Pflege verschärft darüber hinaus die Finanzkrise der kommunalen Haushalte massiv.“
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte angekündigt, bis Mitte Mai einen ersten Entwurf für ein Reform der sozialen Pflegeversicherung vorzulegen. Die Mehrheit der Befragten in der Allensbach-Erhebung rechnet bei der Reform mit höheren finanziellen Belastungen. 61 Prozent halten Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen demnach für unvermeidlich.
Die Hälfte der Bevölkerung erwartet laut Umfrage zudem deutlich steigende Pflegebeiträge, weitere 36 Prozent immerhin moderat steigende Beiträge. 51 Prozent der Befragten halten höhere Beiträge für akzeptabel, sofern der Staat die Absicherung von Pflegebedürftigkeit komplett übernimmt. (afp/red)