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Sind unser Obst und Gemüse noch gesund?

Immer wieder sorgen Rückrufe von Lebensmitteln für öffentliche Aufmerksamkeit. Zu den jüngsten Fällen zählt unter anderem der Rückruf einer tiefgefrorenen Biobeerenmischung, die über Aldi, Lidl und Netto vertrieben wurde, nachdem Noroviren nachgewiesen wurden.
Eine Untersuchung der Verbraucherorganisation foodwatch, die im April veröffentlicht wurde, zeigte zudem: Von 64 in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Österreich untersuchten Produkten enthielten 45 Proben – rund 67 Prozent – Rückstände von Pestiziden, die in Europa nicht zugelassen sind. (Das heißt nicht unbedingt, dass die EU-Grenzwerte überschritten wurden. Foodwatch und andere Verbraucherorganisationen fordern, dass die Schwellenwerte für nicht zugelassene Pestizide auf null gesetzt werden.)
Solche Fälle werfen die Frage auf, wie sich die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln in Deutschland langfristig entwickelt haben. Sind unser Obst und Gemüse heute tatsächlich häufiger von Qualitätsproblemen betroffen als früher? Oder haben sich ihre Qualität und die Lebensmittelsicherheit in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt sogar verbessert?

„Die gute alte Zeit“ – war sie auch gut für die Lebensmittelproduktion?

Die moderne Landwirtschaft entstand im Zuge der Industrialisierung ab etwa 1850, gewann in Deutschland aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung – durch Mechanisierung, den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie moderne Züchtungsmethoden.
Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es Pflanzenschutzmaßnahmen, etwa auf Basis von Kupferpräparaten oder anderen damals bekannten Mitteln gegen Krankheiten und Schädlinge. Die Landwirtschaft war also auch damals nicht frei von chemischen Mitteln zur Schädlingsbekämpfung, wie wir es heute im Bioanbau verstehen.

Die Grüne Revolution

Nach 1950 begann die Grüne Revolution, die durch eine starke Intensivierung der Landwirtschaft zwischen etwa 1965 und 1980 mit Hochleistungssorten, Mineraldünger, Pflanzenschutz und Bewässerung geprägt war. Diese Entwicklung erhöhte die Nahrungsmittelproduktion weltweit erheblich und prägt die moderne Landwirtschaft bis heute.
Vor der Grünen Revolution besaßen viele Kulturpflanzen vermutlich eine etwas höhere Nährstoffdichte als heutige Hochleistungssorten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen für einige Obst- und Gemüsesorten Rückgänge bei Mineralstoffen und Vitaminen im Verlauf des 20. Jahrhunderts.
Als Ursache gilt unter anderem der sogenannte Verdünnungseffekt, bei dem höhere Erträge zu geringeren Nährstoffkonzentrationen führen können. Gleichzeitig verbesserte die Grüne Revolution die weltweite Ernährungssicherheit erheblich, da die Erträge von Grundnahrungsmitteln stark anstiegen und Millionen Menschen vor Hunger bewahrt wurden.
Die Grüne Revolution führte zugleich zu einem deutlich höheren Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel als in der traditionellen Landwirtschaft zuvor. Die neuen Hochertragssorten waren häufig auf den Schutz durch Pflanzenschutzmittel angewiesen, um ihre Leistungsfähigkeit auszuschöpfen.
So stiegen zwar Erträge und Ernährungssicherheit vieler Länder erheblich, gleichzeitig entstanden jedoch neue Umwelt- und Gesundheitsdebatten über den Pestizideinsatz. Einige damals verwendete Wirkstoffe wie das Insektizid DDT gelten heute als umwelt- oder gesundheitsschädlich und wurden inzwischen verboten oder stark eingeschränkt.

Die Wurzeln des Ökolandbaus

Wer annimmt, die ökologische Landwirtschaft sei erst als Reaktion auf die Probleme der Grünen Revolution entstanden, irrt sich. Sie entstand in Deutschland bereits in den 1920er-Jahren als Reaktion auf die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft.
Als Geburtsstunde des modernen Biolandbaus gilt der „Landwirtschaftliche Kurs“ von Rudolf Steiner, eine Reihe von Vorträgen über die biologisch-dynamische Landwirtschaft im Jahr 1924. Die Biobewegung wollte Bodenfruchtbarkeit, Tiergesundheit und Lebensmittelqualität erhalten und setzte deshalb auf natürliche Kreisläufe statt auf synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel.
Größere wirtschaftliche Bedeutung erlangte der ökologische Landbau in Deutschland ab den 1970er-Jahren mit der Gründung von Anbauverbänden wie Bioland. 1991 schuf die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 den ersten gemeinschaftsweiten Rechtsrahmen für den ökologischen Landbau.

Sind Biolebensmittel gesünder?

Untersuchungen zeigen, dass Biolebensmittel bei bestimmten Inhaltsstoffen wie Antioxidantien und Polyphenolen sowie teilweise bei Vitamin C, Eisen und Magnesium höhere Konzentrationen aufweisen können. Die Unterschiede lassen sich jedoch nicht bei allen Lebensmitteln und Nährstoffen nachweisen.
Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass Bioprodukte tendenziell eine etwas höhere Nährstoffdichte bestimmter Inhaltsstoffe besitzen können, ohne dass grundsätzlich alle Biolebensmittel deutlich nährstoffreicher sind als konventionell erzeugte.
Ein möglicher Grund liegt im langsameren Wachstum der Pflanzen, da im Bioanbau ohne Kunstdünger gearbeitet wird – das wirkt dem Verdünnungseffekt in der Nährstoffdichte entgegen.

Haben die Rückstände in Obst und Gemüse abgenommen?

In der EU gelten heute deutlich strengere Zulassungs- und Kontrollverfahren als noch vor 20 bis 30 Jahren. Viele ältere, als besonders problematisch geltende Wirkstoffe wurden verboten oder stark eingeschränkt.
Aktuelle Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für das Berichtsjahr 2024 zeigen:
  • Es wurden mehr als 9.000 Lebensmittelproben analysiert.
  • Rund 99 Prozent der Proben lagen innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte.
  • Das gesundheitliche Risiko durch Pestizidrückstände wird von der EFSA als niedrig eingestuft.
Das bedeutet allerdings nicht, dass keine Rückstände vorhanden sind. Rund 55 Prozent der Obst- und Gemüsesorten enthielten messbare Rückstände; diese lagen jedoch meist unter den gesetzlichen Höchstwerten.
Zudem können sich Stoffe, die für sich innerhalb der zulässigen Grenzwerte liegen, aufgrund von Wechselwirkungen untereinander gegenseitig verstärken.

Nicht nur die Anbaumethode

Viele Ernährungswissenschaftler sehen heute nicht die Anbaumethode allein als entscheidend an, sondern:
  • Bodengesundheit
  • Sortenauswahl
  • Reifegrad bei der Ernte
  • Lagerdauer
  • Frische des Produkts
Eine frisch geerntete Karotte vom regionalen Bauern kann deshalb nährstoffreicher sein als eine Biokarotte, die mehrere Wochen gelagert wurde oder einen langen Transport hinter sich hat. Umgekehrt kann ein Bioprodukt geringere Pestizidrückstände und mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthalten als ein Produkt, das nicht biologisch angebaut wurde.
Obst und Gemüse sind heute im Hinblick auf Schadstoffe, Hygiene und Lebensmittelsicherheit besser kontrolliert als jemals zuvor. Die Belastung durch problematische Pflanzenschutzmittel konnte durch strengere gesetzliche Vorgaben und umfangreiche Kontrollen reduziert werden.
Gleichzeitig weisen einige moderne Kulturpflanzen bei bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen teilweise geringere Konzentrationen auf als ältere Sorten. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, dass Obst und Gemüse heute grundsätzlich gesünder oder ungesünder sind. Die Lebensmittel sind heute sicherer, während die Nährstoffdichte einzelner Pflanzenarten teilweise zurückgegangen sein kann.
Als Fazit, kann man sagen: Durch die Technologisierung in der Landwirtschaft, den An- und Ausbau der Biolandwirtschaft sowie die ungeheure Vielfalt an Obst- und Gemüsesorten und die starke Lebensmittelkontrollen hat der Verbraucher eine größere Auswahl an gesunden und sicheren Lebensmitteln, als er sie jemals zuvor hatte.
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Frühstartrente: Kapitalbildung für das Alter von Kindheit an

Mit der Frühstartrente will die Bundesregierung Kinder bereits ab dem sechsten Lebensjahr an die kapitalgedeckte Altersvorsorge heranführen. Sie soll als Teil der privaten Altersvorsorge das Rentensystem stärken helfen. Eckpunkte hatte das Bundeskabinett bereits Ende des vergangenen Jahres beschlossen. An diesem Mittwoch will das Kabinett den Gesetzentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) billigen. Was nach den bisher veröffentlichten Plänen vorgesehen ist:

Wie funktioniert die Frühstartrente?

Der Staat zahlt bis zum 18. Geburtstag eines Kindes monatlich zehn Euro in ein zertifiziertes Vorsorgeprodukt ein. Dieser Betrag kann beispielsweise von Eltern oder Großeltern durch freiwillige Einzahlungen von bis zu 6840 Euro pro Jahr aus eigenen Mitteln ergänzt werden. Das Depot können die Eltern bei einem privaten Anbieter ihrer Wahl eröffnen.

Gibt es dafür Vorgaben?

Das Finanzministerium schreibt für die Verträge einen Deckel bei den tatsächlichen Kosten von einem Prozent vor. Zudem dürfen keine Abschluss- und Vertriebskosten entstehen, bis das Kind 18 Jahre alt wird. Die staatliche Förderung soll automatisch über den Anbieter des Vorsorgedepots beantragt werden. Berechtigt sind alle Kinder und Jugendlichen, die ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben.

Ab wann gibt es die Frühstartrente?

Die Frühstartrente soll mit dem Geburtsjahrgang 2020 beginnen, rückwirkend zum 1. Januar 2026. Ab 2027 kommt jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen hinzu. Für frühere Geburtsjahrgänge der unter 18-Jährigen können ebenfalls Verträge geschlossen werden, jedoch ohne staatliche Zuwendungen. Ab der Volljährigkeit kann das Altersvorsorgedepot eigenständig weiter bespart werden. Auch ein Wechsel zu einem anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag ist möglich.

Was passiert, wenn Eltern nichts unternehmen?

Eröffnen Eltern kein eigenes Vorsorgedepot für ihr Kind, soll die Förderung nicht verfallen. Stattdessen fließt das Geld in ein neu geschaffenes Sondervermögen des Bundes, das von der Bundesbank verwaltet und breit gestreut am Kapitalmarkt investiert werden soll. Bis spätestens zum 25. Lebensjahr können Betroffene das angesparte Vermögen in einen eigenen zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen.

Gibt es steuerliche Vorteile?

Während der Ansparphase bleiben die Erträge steuerfrei, die staatlichen Einzahlungen unterliegen nicht der Einkommensteuer. Für etwaige Aufstockbeträge der Eltern sind allerdings keine Steuervorteile vorgesehen. Ausgezahlt werden soll das geförderte Kapital grundsätzlich aber nicht vor Vollendung des 65. Lebensjahrs.

Kombination mit Kapitalrente

Die von der Regierung eingesetzte Kommission für die Rentenreform hat empfohlen, die Ausgestaltung der Frühstartrente mit der von ihr generell vorgeschlagenen gesetzlichen Kapitalrente zu verzahnen. Dies solle Synergien und besonders lange Ansparzeiten ermöglichen und Doppelstrukturen vermeiden.

Lohnt sich die Frühstartrente?

Aus den staatlichen Zahlungen bis zum 18. Lebensjahr ergibt sich eine Einzahlsumme von 1440 Euro. Nach Berechnungen des Ratgebers „Finanztip“ würde dies bei einer durchschnittlichen Verzinsung abzüglich der Kosten in dem Zeitraum auf 2200 Euro anwachsen. Würde dieses Geld in ein Altersvorsorgedepot übertragen und weiter verzinst, stünde demnach beim Renteneintritt ein Vermögen von schätzungsweise 25.000 Euro zur Verfügung. (afp/red)
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„Vermummt, mit brennenden Fackeln“

Das Café Stay im Leipziger Stadtteil Reudnitz hat Ende Juni nach drei Jahren seinen Betrieb eingestellt. Geleitet wurde es von der christlichen Freikirche Zeal Church.
Nach ihren eigenen Worten will die Zeal Church „Menschen für Gott begeistern und zurüsten, ihm von ganzem Herzen nachzufolgen und dadurch zu der Person zu werden, zu der Gott sie geschaffen hat“. Eine Freikirche ist eine Kirchengemeinde, die von Mitgliedsbeiträgen und Spenden lebt und weder der katholischen noch der evangelischen Landeskirche angehört.
Nach 26 Anschlägen, darunter mit Buttersäure, Farbbeuteln, Fäkalien und Hammerschlägen, gab die Gemeinde „aus Sicherheits- und finanziellen Gründen“ das Café nun auf. Doch das reichte den Tätern nicht. Im Juli kam es zu einem erneuten Anschlag.

„An alle, die zusehen“

Darauf antwortete die Zeal Church mit einer Stellungnahme auf ihrer Website, in der es heißt: „Wir bleiben. Auch ohne Café, auch ohne Angst vor euch.“
Adressiert an die Täter heißt es dort weiter: „Wir haben euer Foto gesehen. Vermummt, mit brennenden Fackeln, mit Transparenten vor der Fassade eines Ortes, den ihr über drei Jahre zerstört habt. Wir haben gelesen, wie ihr die Schließung als Sieg feiert und ankündigt, weiter ‚wachsam‘ zu bleiben.“
Auf der von Linksextremisten genutzten internationalen Plattform „Indymedia“ beschreibt ein anonymer Autor die Zeal Church als „fundamentalistisch“ und wirft ihr vor, „menschenfeindlichen Ideologien in Leipzig zu verbreiten“ und „queerfeindlich“ zu sein.
Zur Schließung des Kirchencafés nach Angriffen von „autonomen Aktivist*innen“ heißt es in dem mutmaßlichen Bekennerschreiben: „Wir werten das als klaren Gewinn für die autonomen Queers und Allies in Leipzig und freuen uns über die Schließung.“ Die Täter bekennen zudem, dass sie „weiterhin widerständig leben“ und sich „Raum nehmen“ wollen.
Das leitende Pastorenehepaar der Zeal Church gibt sich überzeugt: Die Täter würden sich auf ihrer Webseite nur deshalb zeigen, weil sie wüssten, dass ihnen nichts passiert. Nach jedem Aufräumen und nach jeder Anzeige habe die Gemeinde „jedes Mal dasselbe Ergebnis bekommen: nichts“, heißt es in der Stellungnahme weiter.
Die „Ostdeutsche Allgemeine“ war eine der wenigen überregionalen Zeitungen, die über diese Angriffe berichtete, und schrieb: „Die Täter stammen offenkundig aus einem Milieu, das für sich stets Toleranz einfordert, aber Andersdenkende mit aller Härte verfolgt, schikaniert und terrorisiert.“

Stadt Leipzig sieht keinen Angriff auf Religionsfreiheit

Nach dem 24. Anschlag auf das christliche Café veröffentlichte die Stadt Leipzig im Januar dieses Jahres in ihrem Ratsinformationssystem eine Stellungnahme in Form einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage zu den linksextremistischen Angriffen.
Dort betont die Stadt mehrfach, dass die Attacken auf das christliche Café „nicht die Religionsfreiheit“ angreifen würden. „Angegriffen wurde ein kommerziell betriebenes Café, welches zur Finanzierung einer Religionsgemeinschaft dient.“
An anderer Stelle verweist das Dezernat Umwelt, Klima, Ordnung und Sport darauf, dass „der thematisierte Angriff […] die im Bekennerschreiben angegriffene Haltung u. a. zu Homosexualität mit einer Haltung“ übereinstimme, „welche auch in anderen Religionsgemeinschaften gelebt“ würde. Und die Stadt räumt ein: „Diese sind in der Tat ebenfalls Ziel unterschiedlichster Angriffe.“
Die Stadt Leipzig kommt in ihrer Erklärung zu dem Schluss: „Im Rahmen von städtischen Förderrichtlinien und der Partnerschaft für Demokratie ‚Leipzig: Ort der Vielfalt‘ werden [bereits] Maßnahmen“ gegen Hass und „jegliche Form von Diskriminierung“ umgesetzt.

Kirchenbrand, zerstörte Orgel, Stahlkugeln während Gottesdienst

Zur ähnlichen Zeit wie die Schließung des Zeal-Church-Cafés in Leipzig kam es im Siegerland im Südosten von Nordrhein-Westfalen zu einem Brandanschlag auf die katholische St.-Marien-Kirche in Freudenberg. Wie die „Siegener Zeitung“ am 29. Juni berichtete, brannte im Eingangsbereich eine Holzbank. Außerdem seien rohe Eier und Mehl sowie Informationsflyer der Kirche auf dem Boden verstreut worden.
Ebenfalls Ende Juni berichtete die „Nordwest-Zeitung“ in Oldenburg von Vandalismus in der katholischen St.-Marien-Kirche von Friesoythe im Landkreis Cloppenburg. Dort wurden Kunstgegenstände und die Orgel verwüstet. In Verdacht steht ein 25-jähriger Mann, der über ein Baugerüst und eine eingeschlagene Scheibe in das Kirchengebäude eingedrungen sein soll.
Der Täter wurde vor Ort festgenommen und laut NWZ in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die historische Sauer-Orgel ist unbespielbar; eine Reparatur würde Hunderttausende Euro kosten. Die Kirche musste zeitweilig schließen.
Mitte Mai wurde laut „hessenschau“ während eines sonntäglichen Gottesdienstes von Unbekannten in Hanau mit Stahl- und Plastikkugeln auf Kirchenfenster der katholischen Heilig-Geist-Kirche geschossen. Ein Gottesdienstteilnehmer wurde leicht verletzt.

„Sämtliche Tabus gefallen“

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat im August 2025 festgestellt, dass die „Qualität der Kirchenvandalismen“ zugenommen habe, wie die „Rheinische Post“ berichtete.
In Altarräumen würde Brandstiftung verübt, würden Exkremente in Beichtstühlen hinterlassen oder Christusfiguren enthauptet. Ein Sprecher der Konferenz sah in den vergangenen Jahren eine „verschärfte Dimension“, bei der „sämtliche Tabus gefallen“ seien.
Nach Angaben der Bischofskonferenz gebe es ein „Dunkelfeld polizeistatistisch nicht erfasster Kirchenvandalismen“, da viele Fälle in den Statistiken lediglich als Sachbeschädigung aufgeführt würden.

Was die Polizeigewerkschaft sagt

„Eine merkliche zahlenmäßige Zunahme von Fällen des Kirchenvandalismus“ sei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) „nicht bekannt“, sagt Tanja Richter, GdP-Geschäftsführerin, gegenüber Epoch Times. „Allerdings ist eine gestiegene Intensität der Vorfälle festzustellen.“
Zu den Motiven der Tatbeteiligten lägen keine statistisch belastbaren Erhebungen vor. Die Fälle von Kirchenvandalismus fügten sich jedoch ihrer Erkenntnis nach „in die allgemeine Tendenz einer Zunahme von Vandalismus- und Sachbeschädigungsdelikten im öffentlichen Raum ein“.
Hierzu nannte die GdP-Vertreterin etwa die Störung der Totenruhe sowie Vandalismus und Diebstähle auf Friedhöfen sowie im öffentlichen Nahverkehr und an Schulen.
Nach Einschätzung der Gewerkschaftsvertreterin sei „davon auszugehen, dass bei Fällen von Kirchenvandalismus weniger (anti-)religiöse Motive als vielmehr Frustration, eine allgemeine Zerstörungswut oder eine geringe Hemmschwelle gegenüber Sachbeschädigungen eine Rolle spielen“.
Kirchen stellten aufgrund ihrer „prägenden und weithin sichtbaren Stellung innerhalb einer Gemeinde“ ein auffälliges und damit „potenziell lohnendes Ziel“ dar. Richter bemerkte, dass Kirchengebäude „vielfach weniger umfassend gegen Vandalismus geschützt“ seien als „andere prominente Einrichtungen“; es fehle etwa an Alarmanlagen oder Videoüberwachung.

Kein Meldeportal für Christenfeindlichkeit

Im Dezember 2024 stellten mehrere AfD-Bundestagsabgeordnete eine Kleine Anfrage zu dem Thema an die damalige Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD). In der Anfrage wurde darauf hingewiesen, dass es seit Juli 2023 ein bundesweites, von der EU gefördertes Online-Meldeportal für Muslimfeindlichkeit gebe. „Ein solches Meldeportal gibt es für Christenfeindlichkeit jedoch nicht“, so die AfD.
So habe sich die Zahl der Angriffe auf christliche Kirchen „innerhalb eines Jahres von 135 Fällen im Jahr 2022 auf 277 Fälle im Jahr 2023 verdoppelt“, schrieb die Fraktion.
In ihrer Antwort bestätigte die Scholz-Regierung im Januar 2025, dass nur politisch motivierte Straftaten durch die zuständigen Landeskriminalämter an das Bundeskriminalamt (BKA) übermittelt und in einer zentralen Datei erfasst würden. Delikte ohne erkennbare politische Motivation seien „nicht Bestandteil dieser Statistik“.
Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, wurden im Jahr 2024 bis zum 10. Dezember im Bereich „Christenfeindlich“ insgesamt 228 Straftaten registriert, darunter ein Tötungsdelikt, 14 Körperverletzungen und 52 Sachbeschädigungen. Zudem würden erst seit dem Jahr 2019 für „politisch motivierte Straftaten“ die Unterbegriffe „Christenfeindlich“ (gegen Christen und ihre Einrichtungen gerichtete Delikte) sowie explizit „Kirche“ erfasst.
Was das fehlende Meldeportal für christenfeindliche Angriffe angeht, erklärte die damalige Scholz-Regierung: „Aus Sicht der Bundesregierung lässt sich keine erhöhte Gefährdung für Christen oder christliche Einrichtungen in Deutschland ableiten.“ Daher sei die Notwendigkeit eines solchen Meldeportals „bislang […] noch nicht gesehen“ worden.

Organisation: Christenfeindlichkeit unterschätzt

Anders sieht dies die Wiener Dokumentationsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christinnen und Christen in Europa (OIDAC Europe). In ihrem Jahresbericht 2025 hat sie für das Jahr 2024 2.211 antichristliche Straftaten aufgelistet und dokumentiert.
Die OIDAC-Leiterin Anja Tang gibt sich davon überzeugt, dass die Christenfeindlichkeit in Deutschland unterschätzt werde. Gegenüber Epoch Times erklärt sie, wie sie überprüfbare Nachrichten von antichristlichen Vorfällen erreicht. OIDAC werte täglich Medien in allen europäischen Sprachen aus. Hinzu kämen Meldungen lokaler Partnerorganisationen und Kirchengemeinden sowie Hinweise von Betroffenen oder Zeugen.
„Unsere Statistik basiert auf drei Datenquellen“, erklärt Tang. Dazu zählen: Fälle, die von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) registriert werden, offizielle Polizeistatistiken jener europäischen Staaten, die christenfeindliche Hasskriminalität gesondert erfassen, sowie Fälle, „die wir selbst nach den Kriterien der OSZE dokumentieren“. Um Doppelzählungen zu vermeiden, würde sie für jedes Land nur „jeweils den belastbarsten verfügbaren Datensatz“ verwenden.

Gläubige während eines Rosenkranzgebets. (Archivfoto)

Foto: Kerstin Joensson/AFP via Getty Images

Ländervergleiche problematisch

„Frankreich weist seit vielen Jahren die höchste Zahl registrierter christenfeindlicher Straftaten in Europa auf“, erklärt Tang zur Lage in Europa. Sie beobachte dort „sowohl ausgeprägte antikirchliche und antiklerikale Einstellungen als auch islamistisch motivierte Gewalt gegen Christen“. Ein anderer Grund für die hohen Fallzahlen bestehe jedoch auch darin, dass Frankreich „über eine umfassende Polizeistatistik zu christenfeindlichen Hassverbrechen“ verfüge.
Vergleiche man jedoch die von ihrer Organisation erfassten Fälle, „liegt Deutschland auf einem ähnlichen Niveau wie Frankreich“, sagt Tang.
Insgesamt seien Ländervergleiche problematisch. Dies werde etwa am Beispiel Spaniens deutlich. „Dort werden antisemitische und antimuslimische Hassverbrechen gesondert ausgewiesen, christenfeindliche Straftaten dagegen nicht. Sie werden lediglich unter der Sammelkategorie ‚andere religiös motivierte Straftaten‘ erfasst.“
Ein weiteres Beispiel sei Polen. Eine Studie unter rund 1.000 katholischen Priestern habe ergeben, dass etwa die Hälfte der Befragten von verbalen oder körperlichen Aggressionen innerhalb eines Jahres berichtet habe. „Mehr als 80 Prozent der Betroffenen erstatteten jedoch keine Anzeige bei der Polizei. Rund 40 Prozent gaben außerdem an, sich beim Tragen geistlicher Kleidung in der Öffentlichkeit heute deutlich unsicherer zu fühlen.“

Großbritannien: Kirchen als „andere religiöse Stätten“

Ihr geht es jedoch nicht nur darum, Daten zu sammeln, „sondern diese auch politischen Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen“, sagt sie. So sei OIDAC beim Menschenrechtsbüro der OSZE als „Mitwirkender aus der Zivilgesellschaft“ anerkannt. „Unsere Daten fließen jährlich in den offiziellen „Hate Crime Report“ der OSZE ein.“
Aber auch bei der UN und beim EU-Parlament finde ihre Beobachtungsstelle Gehör. Aufgrund ihrer Datenerhebung fordere etwa die „Interfraktionelle Arbeitsgruppe für Religions-, Weltanschauungs- und Gewissensfreiheit“ des EU-Parlaments „die Einrichtung eines EU-Koordinators zur Bekämpfung christenfeindlicher Hasskriminalität“.
Ein weiterer Erfolg sei, dass die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens „in den vergangenen Jahren“ reagiert und „zusätzliche Mittel für den Schutz von Kirchen bereitgestellt“ hätten.
Die britische Regierung hat am 19. Februar dieses Jahres angekündigt, dass sie „Rekordmittel zum Schutz religiöser Gemeinschaften“ ausgebe. Für die beiden Jahre 2026 und 2027 seien umgerechnet insgesamt 85,6 Millionen Euro „für Sicherheitsmaßnahmen an jüdischen, muslimischen und anderen religiösen Stätten“ vorgesehen.
„In Großbritannien fällt allerdings auf, dass der weitaus überwiegende Teil der Mittel zum Schutz religiöser Einrichtungen jüdischen (28,4  Millionen Pfund) und muslimischen (40 Millionen Pfund) Einrichtungen zugutekommt, während für Kirchen, hinduistische, Sikh- und andere Religionsgemeinschaften gemeinsam ein viel kleinerer Fördertopf (5 Millionen Pfund) vorgesehen ist“, bedauert Tang.
In der Ankündigung werden dabei christliche Kirchen nur einmal erwähnt; sie fallen sonst unter „andere religiöse Stätten“.

Islamistische Gewalt gegen Christen

Pauschale Aussagen über Tätergruppen könnten nicht getroffen werden, sagt die OIDAC-Chefin. Dort jedoch, „wo Täter identifiziert werden oder sich selbst zu ihren Motiven bekennen“, gäbe es folgende Phänomene:
Zum einen linksextrem motivierte Angriffe auf christliche Einrichtungen, „etwa die Anschläge auf das christliche Café in Leipzig oder eine ganze Reihe von Angriffen auf Kirchen und einen Gottesdienst rund um den Marsch für das Leben vergangenes Jahr in Wien, zu denen sich linksradikale Gruppen öffentlich bekannten“, erklärt Tang.
„Daneben dokumentieren wir islamistisch motivierte Gewalt, insbesondere gegen christliche Konvertiten oder arabischsprachige Christen.“ Ein besonders tragisches Beispiel hierfür sei die Ermordung des assyrischen Christen Ashur Sarnaya in Frankreich im September 2025 gewesen, „der durch ein dschihadistisches Attentat ums Leben kam, während er sein Glaubenszeugnis online teilte“.

Gesamtgesellschaftlicher Ansatz gefordert

Neben den konkreten Straftaten bereite der Beobachtungsstelle „vor allem das gesellschaftliche Klima Sorgen“. Hasskriminalität entstehe „nicht im luftleeren Raum“ und „politische Debatten und gesellschaftliche Narrative“ könnten laut Tang „Einfluss auf das Entstehen von Hassverbrechen haben“.
Sie führt an, dass eine repräsentative Umfrage in Deutschland im vergangenen Jahr offenbart habe, „dass 36 Prozent der Bevölkerung und sogar fast jeder Zweite unter den unter 30-Jährigen christenfeindliche Einstellungen als weit verbreitet wahrnehmen“.
Studien aus Polen und Spanien würden belegen, dass rund 90 Prozent der befragten katholischen Priester den Eindruck hätten, dass einseitige oder stereotype Darstellungen des Christentums in den Medien zu einer christenfeindlichen Entwicklung beitrügen.
Diese Entwicklung betreffe nicht nur Straftaten. „Viele Christen berichten zunehmend von Benachteiligungen im Berufsleben, im Bildungsbereich oder davon, ihren Glauben im öffentlichen Raum nur noch zurückhaltend zu zeigen“, sagt die OIDAC-Direktorin.
Um diesen Formen der Intoleranz „sowie der wachsenden Selbstzensur unter Christen“ im öffentlichen Raum zu begegnen, brauche es ihrer Meinung nach „einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz“. Und sie empfiehlt: „Christenfeindliche Hasskriminalität sollte mit derselben Ernsthaftigkeit behandelt werden wie jede andere Form religiös motivierter Gewalt.“
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Gutes Wetter für Sonnenfinsternis und Sternschnuppen

Bei der Sonnenfinsternis am Mittwochabend spielt in Deutschland das Wetter mit. Es gebe weiterhin Hochdruck-Einfluss, sagt Nils Damke, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst.
In Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen werden dann demnach zwar höhere Wolkenfelder aufziehen. Bei der Sonnenfinsternis stören diese laut Damke aber wahrscheinlich nicht. Der Rest von Deutschland habe einen klaren Himmel.
Am Abend – je nach Ort in Deutschland – ab etwa 19:15 Uhr schiebt sich der Mond vor die Sonne und sorgt für eine partielle Sonnenfinsternis. Dabei werden rund 85 bis 90 Prozent der Sonne bedeckt sein. Das Maximum wird zwischen etwa 20:00 Uhr und 20:15 Uhr erwartet.
Das Schauspiel endet mit Sonnenuntergang je nach Ort gegen 20:30 bis 21:00 Uhr. Da die Sonne sehr tief steht, benötigt man einen freien Blick nach Westen bis Nordwesten, am besten auf einer Anhöhe.

Auch freier Blick auf die Sternschnuppen

Weitgehend freie Sicht gibt es auch auf den in der Nacht folgenden Sternschnuppenstrom der Perseiden – die dann ihr Maximum haben. Während im äußersten Norden laut Damke Wolken den Blick auf die Sternschnuppen versperren können, ist der Himmel im Rest von Deutschland frei von Wolken.
Der Strom ist von 23:00 Uhr bis 4:00 Uhr morgens am besten zu beobachten, wobei Astronomen mit bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde rechnen. In diesem Jahr stört auch kein Mondlicht die Beobachtungen, denn es ist Neumond, wie bei jeder Sonnenfinsternis.

Leichte Bewölkung ist nicht so schlimm

Weitgehend gutes Wetter ist auch zur totalen Sonnenfinsternis in Spanien vorhergesagt, die einen Streifen des Landes gegen 20.30 Uhr komplett verdunkeln wird. Nach der Prognose des Wetterdienstes Aemet wird es in weiten Teilen des Landes überwiegend klar oder nur gering bewölkt sein.
Auch auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln, wo die Finsternis ebenfalls total zu sehen sein wird, sind die Wetteraussichten gut. In Teilen Nord- und Ostspaniens werden jedoch Wolken erwartet.
Mit einer selbstgebauten Lochkamera lässt sich die vom Mond partiell verdeckte Sonne auf Papier projizieren. (Archivbild)

Mit einer selbstgebauten Lochkamera lässt sich die vom Mond partiell verdeckte Sonne auf Papier projizieren. (Archivbild)

Foto: Ole Spata/dpa/dpa-tmn

Eine leichte Bewölkung sei bei einer partiellen Sonnenfinsternis nicht so schlimm, sagt der Sonnenexperte der europäischen Raumfahrtbehörde (Esa), Daniel Müller, dpa.
„Also wenn es so leichte Schleierwolken sind, macht das eigentlich keinen großen Unterschied. Da sieht man dann eben auch durch so eine Sonnenfinsternisbrille immer noch die teilweise verfinsterte Sonne.“ Diese sei das A und O bei einer Sonnenfinsternis und zwingend nötig.
Bei sehr dunklen Wolken würde man nichts sehen. „Aber auch dann dauert die partielle Sonnenfinsternis sehr viel länger als die totale. Da hat man auch gute Chancen, dass am selben Ort sich irgendwie die Bewölkung verändert. Also wahrscheinlich genauso gute Chancen, wie wenn man dann noch mit dem Auto irgendwo anders hinfahren würde.“
Bei einer Sonnenfinsternis stehen Sonne, Mond und Erde exakt auf einer Linie. „Das heißt, der Mond schiebt sich zwischen uns auf der Erde und die Sonne und wirft dabei seinen Schatten auf die Erde“, erklärt Sonnenexperte Müller. Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis, die europäisches Festland traf, war 1999 auch in Teilen Süddeutschlands und Österreichs zu sehen.

Kernschatten ist rasend schnell

Diesmal verläuft die totale Phase von Nordsibirien über die Arktis an Grönland und Island entlang und durchquert Spanien. „Der Kernschatten des Mondes rast dabei sehr schnell“, sagt Müller. Er brauche daher nur ungefähr anderthalb Stunden über diesen gesamten Pfad auf der Erdkugel.
„Aber an einem einzelnen Ort ist diese Totalität relativ kurz bei dieser Sonnenfinsternis, so zwischen anderthalb Minuten auf Mallorca und maximal etwas über zwei Minuten westlich von Island.“
Das Himmelsschauspiel sollte man sich nur mit besonderen Sonnenfinsternisbrillen ansehen. (Archivbild)

Das Himmelsschauspiel sollte man sich nur mit besonderen Sonnenfinsternisbrillen ansehen. (Archivbild)

Foto: Axel Heimken/dpa

Dabei sei eine Sonnenfinsternisbrille zwingend nötig. „Man sollte nicht denken, dass man mit normalen Sonnenbrillen in die Sonne gucken sollte, auch nicht mit irgendwie selbstgemachten Filtern wie alten Röntgenbildern oder Rettungsdecken“, sagt Müller.
Er schlägt vor, eine kleine Lochkamera zu bauen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt im Internet eine Video-Anleitung dazu, wie man aus einer röhrenförmigen Chipsbox eine Lochkamera baut. Zudem bieten zahlreiche Planetarien und Sternwarten am Mittwochabend zur „Langen Nacht der Astronomie“ Beobachtungen der Sonnenfinsternis an.
Bei einer Sonnenfinsternis könne man „kurz vor der Totalität oder sicher auch bei 88 oder 90 Prozent partieller Sonnenfinsternis teilweise sehen, dass einfach die Lichtquelle Sonne sehr viel kleiner geworden ist“, sagt Müller.
„Und das sieht man daran, dass zum Beispiel Schatten auf einmal viel schärfer aussehen, viel mehr wie Scherenschnitte, weil eben auch die große Lichtquelle Sonne auf einmal zusammengeschrumpft ist zu einer kleinen Sichel.“ (dpa/red)
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Verletzte Ehre? – Mann wegen Mordes an Ehefrau vor Gericht

Besitzdenken und übersteigertes Ehrgefühl sollen einen 37 Jahre alten Mann zu einer unfassbaren Tat bewogen haben: Wegen Mordes an seiner Ehefrau steht der Angeklagte nun vor dem Landgericht Ellwangen.
Ihm wird vorgeworfen, die 38 Jahre alte Frau am gemeinsamen Dönerimbiss in Schrozberg (Kreis Schwäbisch Hall) mit einer Pistole erschossen zu haben – ausgerechnet am Tag des Geburtstags des ältesten der drei gemeinsamen Kinder. Die Staatsanwaltschaft geht von Heimtücke und niedrigen Beweggründen aus.

Blutige Attacke am 18. Geburtstag des gemeinsamen Kindes

Der 37 Jahre alte Mann soll laut Landgericht am 10. Februar auf seine Ehefrau auf einer Feuertreppe hinter dem gemeinsam betriebenen Dönerimbiss gewartet haben.
Als die Frau im Begriff war, den Imbiss zu verlassen und über die Feuertreppe zur gemeinsamen Wohnung hinaufzusteigen, soll ihr der Angeklagte aus erhöhter Position und kurzer Distanz mit einer Walther PPK „in die Stirn“ geschossen haben. Die 38-Jährige erlag noch vor Ort ihren schweren Verletzungen.
Rund sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf einer Feuertreppe beginnt der Prozess. (Archivbild)

Rund sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf einer Feuertreppe beginnt der Prozess. (Archivbild)

Foto: Fabian Koss/onw-images/dpa

Der Angeklagte wurde am Tattag vorläufig festgenommen. Er soll selbst die Polizei gerufen haben. Am Folgetag wurde der Haftbefehl erlassen. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft.
Der Angeklagte und seine Ehefrau stammen nach Auskunft eines Gerichtssprechers aus demselben Dorf in der Türkei und gehören der Volksgruppe der Kurden an. Der Angeklagte ist laut Anklage deutscher und türkischer Staatsangehöriger. Die drei gemeinsamen Kinder sind demnach 9, 16 und 18 Jahre alt.

Heimtücke und niedrige Beweggründe

Die Frau soll sich laut dem Landgericht keines Angriffs auf ihr Leben bewusst gewesen sein, als sie den Dönerimbiss durch die Hintertüre in Richtung Feuertreppe verließ.
Diese Arg- und Wehrlosigkeit soll ihr auf der Feuertreppe wartende Ehemann bewusst ausgenutzt haben. Angeklagt ist deswegen Mord mit dem Mordmerkmal Heimtücke.
Die Anklage spricht auch vom Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe. Vorliegend wirft sie dem Angeklagten vor, aus Besitzdenken und übersteigertem Ehrgefühl, welches er durch die angebliche Untreue seiner Ehefrau geschädigt gesehen haben soll, gehandelt zu haben.
Für die angebliche Untreue sollte die Ehefrau nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit dem Tode bestraft werden.
Am ersten Verhandlungstag wird nur die Anklageschrift verlesen. Es sind insgesamt sechs Verhandlungstage bis Ende September eingeplant. (dpa/red)
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Ceuta: Präsident will Migranten bis zur Ausweisung internieren

Nach dem Massenandrang von Migranten in die spanische Exklave Ceuta will der örtliche Präsident Juan Jesús Vivas die verbliebenen Migranten bis zu ihrer Ausweisung internieren.
In einer Art „Abschiebezentrum für Ausländer“ sollten „diese Menschen untergebracht und eingesperrt bleiben“, sagte Vivas am Montag bei einer Pressekonferenz. Die Lage vor Ort sei „unhaltbar“ und „inakzeptabel“.

Bewegungsfreiheit soll eingeschränkt werden

Vivas forderte, die Bewegungsfreiheit der verbliebenen Migranten müsse „eingeschränkt werden, bis ihre Abschiebungen bearbeitet und abgeschlossen sind“.
Er verlangte „dringend“ einen „staatlichen Plan, der darauf abzielt, in Ceuta wieder Normalität herzustellen“.

Tausende Migranten in Ceuta

Zahlen der spanischen Regierung zufolge hatten Ende Juli rund 72.000 Menschen die an Marokko grenzende spanische Exklave Ceuta auf dem Landweg oder schwimmend erreicht. Nach Angaben der Regierung in Madrid befinden sich noch knapp 2.000 Migranten in Ceuta.
Der Präsident der Exklave bezifferte die Zahl der verbliebenen Migranten hingegen auf 8.000 bis 11.000. In Ceuta leben etwa 84.000 Menschen.

Mehr Polizei und Soldaten

Der für die Beziehungen zu den Regionen des Landes zuständige spanische Minister Ángel Víctor Torres versicherte der Bevölkerung Ceutas, dass die Zahl der Polizisten und Soldaten in der Exklave erhöht worden sei.
Er betonte zugleich, dass die Zusammenführung minderjähriger Migranten mit ihren Familien Priorität habe. Eine mögliche Ausweisung erwähnte er dabei nicht.

Versorgungslage angespannt

Die in Ceuta verbliebenen Migranten, unter ihnen Hunderte unbegleitete Minderjährige, haben Schwierigkeiten, Zugang zu Nahrung, Wasser, Unterkunft und sanitären Einrichtungen zu erhalten.
Ihre Zukunft hat einen Konflikt zwischen der sozialistischen Regierung Spaniens und den von der konservativen Volkspartei (PP) und der Vox regierten Regionen ausgelöst. (afp/red)
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Alexander Solschenizyn: Die Reden eines Weisen und vorausschauenden Sehers

Am 8. Juni 1978 hielt der im Exil lebende Schriftsteller und Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn eine Abschlussrede an der Harvard-Universität. Seine Ausführungen lösten damals eine Welle der Kritik aus und würden wahrscheinlich auch heute noch die gleiche Reaktion hervorrufen.
Die Rede, die später den Titel „Eine gespaltene Welt“ erhielt, dauerte etwa eine Stunde – deutlich länger als die üblichen Abschlussreden, sowohl wegen ihres Umfangs als auch weil Solschenizyn auf Russisch sprach und die Dolmetscherin Irina Ilovaiskaya-Alberti seine Worte während des Vortrags übersetzte.
Doch es war nicht die Länge der Rede, die bei den Anwesenden und Kommentatoren heftige Reaktionen auslöste, sondern ihr Inhalt. Anstatt die Sowjetunion anzugreifen und jene Freiheit zu preisen, die er in den Vereinigten Staaten gefunden hatte, richtete Solschenizyn eine Flut von Kritik sowohl gegen den Kommunismus als auch gegen die liberalen westlichen Demokratien. Er warf dem Westen, seinen Führern und Bürgern „Schwäche und Feigheit“ vor, eine legalistische Gesellschaft geworden zu sein, die die Moral aufgegeben habe – eine Gesellschaft, deren Bürger Freiheit ohne Verantwortung forderten, deren Medien sensationslüstern und schlampig über das Geschehen berichteten und deren Seelenverfall durch den Verlust des Willens und die Hinwendung zum säkularen Humanismus verursacht worden sei.
Hätten jene Kritiker, die sich über diese Kritik schockiert zeigten, die Reden gelesen, die Solschenizyn in den sechs Jahren zuvor gehalten hatte – wie beispielsweise seine Nobelpreisrede, seine Dankesrede anlässlich der Verleihung der American Friendship Medal oder seinen BBC-Radiobeitrag –, hätten sie vielleicht besser vorhersehen können, was er sagen würde.

Eine Sammlung wiederkehrender Themen

Der von Notre Dame Press veröffentlichte und von Solschenizyns mittlerem Sohn Ignat herausgegebene Band „We Have Ceased to See the Purpose“ (dt. etwa: Wir haben aufgehört, den Sinn zu erkennen) ist eine Sammlung von zehn Reden Solschenizyns aus den Jahren 1972 bis 1997. Es ist ein schlanker Band, was zum Teil daran liegt, dass Solschenizyn der Ansicht war, Schriftsteller sollten schreiben und keine Worte mit Reden verschwenden.
Beim Durchlesen dieser Texte stellen wir fest, dass die „Harvard-Rede“ nicht nur ein Warnschuss war. Die darin enthaltenen Themen ziehen sich durch alle Reden Solschenizyns. Er hatte ganz offensichtlich eine Botschaft, die er der modernen Welt vermitteln wollte. In seinen Reden stellte er verschiedene Themen in den Vordergrund. Es ging beispielsweise um den Niedergang Großbritanniens oder um die Würdigung des Widerstands der Landbevölkerung im westfranzösichen Département Vendée gegen die radikale linke Herrschaft während der Französischen Revolution. Solche und andere Themen lagen Solschenizyn am Herzen.
Bevor wir drei dieser Themen näher betrachten, sollten wir uns des „Entweder-oder“-Trugschlusses bewusst machen – jener falschen Dichotomie, die nur zwei Alternativen aufzeigt. Einige derjenigen, die sich – vielleicht aus gutem Grund – durch Solschenizyns „Harvard-Rede“ beleidigt fühlten, betrachteten sie als Verrat an der Etikette gegenüber einem Gastland, das ihm Zuflucht gewährt hatte. Andere hingegen verfielen einer klassischen falschen Dichotomie: Sowjetrussland schlecht, Amerika gut.

„Es gibt einen dritten Weg“

„Nein“, sagte Solschenizyn. Es gibt einen dritten Weg, eine bessere Alternative. Sowohl der Materialismus des Westens als auch der Materialismus des kommunistischen Russlands sind Sackgassen, die die Tugend und das tiefe Verlangen der Menschheit nach dem Geistigen herabsetzen. In seiner „Harvard-Rede“ erklärte er:
„[Die Aufgabe besteht] nicht darin, sich am Alltag zu überfressen, nicht darin, nach den besten Wegen zu suchen, materielle Güter zu erwerben und sie dann gierig zu konsumieren, sondern darin, eine beständige, ernsthafte Pflicht zu erfüllen, damit der gesamte Lebensweg vor allem zu einer Erfahrung moralischen Aufstiegs wird – das Leben als besserer Mensch zu verlassen, als man es begonnen hat.“
Wenn genügend Männer und Frauen diesen Aufstieg vollzögen, so Solschenizyn, könne die Menschheit „sich über die weltweite Strömung des Materialismus erheben“.
Dies ist das erste der drei Themen, die wir hier untersuchen werden, ein Hauptgrund für den Verfall der geistigen und menschlichen Werte und Tugenden zugunsten materieller Güter und finanziellen Reichtums.
Alexander Solschenizyn verlor seine sowjetische Staatsbürgerschaft, weil er sich gegen das Sowjetimperium aussprach. Solschenizyn im Jahr 1974. Foto: Bert Verhoeff für Anefo, CC0, via Wikimedia Commons

Alexander Solschenizyn verlor seine sowjetische Staatsbürgerschaft, weil er sich gegen das Sowjetimperium aussprach. Solschenizyn im Jahr 1974.

Foto: Bert Verhoeff für Anefo, CC0, via Wikimedia Commons

„Die Menschen haben Gott vergessen“

1983 hielt Solschenizyn seine „Templeton-Vorlesung“ in London, wo er den Templeton-Preis für Fortschritte in der Religion entgegennahm – ein Name, der angesichts der konservativen Haltung des Schriftstellers zum Glauben reich an Ironie ist. Er begann mit dieser Feststellung:
„Vor mehr als einem halben Jahrhundert, als ich noch ein Kind war, hörte ich mehrere ältere Leute eine Erklärung für die große Katastrophe, die Russland heimgesucht hatte, abgeben: ‚Die Menschen haben Gott vergessen; deshalb ist all dies geschehen.‘“
In diesem Vortrag gab Solschenizyn einen kurzen Überblick über die Geschichte der religiösen Verfolgung unter dem sowjetischen Kommunismus und über die vielen Menschen, die den Märtyrertod starben, weil sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. Wie schon in der „Harvard-Rede“ wandte er sich dann Europa und Nordamerika zu:
„Unmerklich, durch jahrzehntelange schleichende Aushöhlung, wird der Sinn des Lebens im Westen nicht mehr als etwas Erhabeneres angesehen als das ‚Streben nach Glück‘. … Die Begriffe von Gut und Böse werden seit mehreren Jahrhunderten verspottet; aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verbannt, wurden sie durch politische oder klassenbezogene Kategorisierungen von kurzlebigem Wert ersetzt.“
Auch hier, wie in anderen Ansprachen, ging Solschenizyn auf die schädlichen Auswirkungen des Verlustes des Glaubens auf die Künste ein.
„Im Osten ist die Kunst im Niedergang begriffen, weil sie niedergeschlagen und mit Füßen getreten wurde, aber im Westen ist sie freiwillig untergegangen, zu einem gekünstelten und prätentiösen Streben geworden, bei dem der Künstler, anstatt zu versuchen, den göttlichen Plan zu enthüllen, versuchte, Gott durch sich selbst zu ersetzen.“
In einer Rede, die der Schriftsteller 1993 in Liechtenstein anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde hielt, wies er auf den zweischneidigen Charakter der Technik hin: „Sicherlich bereichern uns ihre Errungenschaften, doch sie versklaven uns zugleich. … Alles ist ein Kampf um materielle Dinge; doch eine innere Stimme flüstert uns leise zu, dass wir etwas Reines, Erhabenes – und Zerbrechliches – verloren haben. Wir haben aufgehört, den Sinn zu erkennen.“
Darauf folgte eine Frage: „Geben wir es zu, wenn auch nur flüsternd und nur vor uns selbst: Wofür leben wir eigentlich in dieser Hektik des Lebens, das in rasendem Tempo voranschreitet?“

Eine Mahnung gegen die Dekadenz

Eng verbunden mit dieser allgemeinen Amnesie ist Solschenizyns Sicht auf die Dekadenz.
In der „Harvard-Rede“ verwendete er den Begriff nur einmal, als er eine legalistische Kultur im Gegensatz zu einer auf Wahrheit und Moral basierenden beschrieb:
„Es hat sich herausgestellt, dass die Gesellschaft kaum Abwehrkräfte gegen den Abgrund menschlicher Dekadenz besitzt … wie zum Beispiel Filme voller Pornografie, Verbrechen und Horror. All dies wird als Teil der Freiheit angesehen und theoretisch durch das Recht der jungen Menschen ausgeglichen, nicht hinzuschauen und es nicht zu akzeptieren.“
In anderen Reden sprach er direkter über die moderne Dekadenz – das ständige Verlangen nach Freiheit, Vergnügen und Bequemlichkeit bei gleichzeitiger Flucht vor der Verantwortung. Bei einer Rede in London im Jahr 1976 sagte er: „Und wie steht es heute um Europa? Es ist nichts weiter als eine Ansammlung von Pappkulissen, die alle miteinander feilschen, um zu sehen, wie wenig für die Verteidigung ausgegeben werden kann, damit mehr für die Annehmlichkeiten des Lebens übrig bleibt.“
Obwohl er im Allgemeinen ein Schriftsteller war, der seine Prosa und seine Emotionen unter Kontrolle hatte, griff er in „The Shallowing of Freedom“ zu schärferer Rhetorik und verurteilte die Auswüchse der ungezügelten Freiheit:
„Freiheit! – für Verleger und Filmproduzenten, die jungen Generationen mit verderbendem Schmutz zu vergiften. Freiheit! – für Teenager, sich in Muße und Vergnügungen zu ergehen, anstatt sich dem konzentrierten Studium und der moralischen Entwicklung zu widmen. Freiheit! – für junge Erwachsene, nach Müßiggang zu streben und auf Kosten der Gesellschaft zu leben.“

Geschichte und tiefgreifende Kultur – ignoriert oder vergessen

Solschenizyn bezieht sich in seinen Reden häufig auf die Geschichte, insbesondere auf das 20. Jahrhundert, das sich seiner Ansicht nach „als grausamer erwiesen hat als seine Vorgänger“. Er berichtete beispielsweise von der brutalen Zwangsrückführung russischer Bürger und Soldaten durch die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg, wodurch diese Männer und Frauen mit fast sicherer Folge in den Tod oder in den Gulag geschickt wurden. Jahrelang, so merkte er an, habe die westliche Presse diese Geschichte verschwiegen.
In seiner Nobelpreisrede hob er zudem die Unkenntnis der Jugend in Bezug auf Geschichte und Politik hervor: „Die sich in jüngster Zeit manifestierende Erniedrigung von Menschen zu Nichtigkeiten, wie sie in China von den Roten Garden praktiziert wird, wird von der Jugend als freudiges Vorbild angesehen. Was für ein leichtfertiges Unverständnis der zeitlosen menschlichen Natur, was für ein naives Vertrauen unerfahrener Herzen.“
In „Der Verfall der Kultur“, seiner Rede von 1997 in Moskau, griff Solschenizyn Themen seiner Nobelpreisrede von vor 25 Jahren wieder auf. Obwohl er sich an die Russische Akademie der Wissenschaften wandte, bleibt die Botschaft universell. Er argumentierte, dass „der Kern historischer Prozesse nicht an der sichtbaren Oberfläche, sondern in der geistigen Tiefe liegt“ und dass „die Kultur uns ihre unverfälschten Tiefen erst dann wieder erschließen wird, wenn die Erneuerung eines moralisch empfänglichen Bodens stattfindet.“
Er warnte, dass bis zum Eintreten dieser Erneuerung „das Überleben oder Aussterben unseres Volkes von jenen abhängen wird, die in diesen dunklen Zeiten beharrlich daran festhalten, … das innere Leben unseres Geistes und unserer Seelen vor dem Untergang zu bewahren, es zu erheben, zu stärken und weiterzuentwickeln – jenes Leben, das die Kultur ist.“
Rosen am Grab des russischen Schriftstellers und Dissidenten Alexander Solschenizyn in Moskau am 6. August 2008. Foto: Natalia Kolesnikova/AFP/Getty Images

Rosen am Grab des russischen Schriftstellers und Dissidenten Alexander Solschenizyn in Moskau am 6. August 2008. Foto:_ Natalia Kolesnikova/AFP/Getty Images

Aktueller denn je

Schon eine flüchtige Betrachtung von Solschenizyns Reden zeigt, dass ihr Inhalt und ihre Ratschläge für unsere Zeit nach wie vor genauso relevant sind, vielleicht sogar noch mehr. Ersetzt man die Namen und Daten, passt man die Umstände an, so stellen wir fest, dass unsere Kultur – und wir selbst – von denselben Winden und demselben Regen gebeutelt werden, die er vor einem halben Jahrhundert beschrieb.
Dass einige von uns in seinen Reden noch immer Weisheit und Orientierung finden, ist eine Hommage an seine Weitsicht. Solschenizyns Analyse vertieft unser Verständnis der heutigen verarmten und oft groben Kultur. Auf seltsame Weise bringt dieses Verständnis Hoffnung. Wir mögen zwar nicht in der Lage sein, die stürmischen Gewässer um uns herum zu beruhigen, aber wir können zum Ufer der Wahrheit, Schönheit und Güte schwimmen, auf das er hinweist. Auf diese Weise können wir mehr Mensch werden.
Wir können uns denen anschließen, die „in diesen dunklen Zeiten durchhalten“.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Seer and Sage: The Speeches of Aleksandr Solzhenitsyn“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Großübung im ICE-Tunnel offenbart Probleme

Bei einem Großeinsatz im Sandbergtunnel in Thüringen sollte am Wochenende die Rettung von Passagieren aus einem brennenden ICE geübt werden – doch bei der Großübung kam es zu erheblichen Verzögerungen.
„Die Übung hat Schwachstellen in der Melde- und Alarmierungskette offengelegt, die wir sehr ernst nehmen“, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD). „So etwas wie am Samstag darf es nicht noch einmal geben.“ Dafür müssten alle Beteiligten zusammenarbeiten.
Wie das Innenministerium mitteilte, gab es nach vorläufigem Stand Verzögerungen bei der Übermittlung des Übungsnotrufs sowie bei der Alarmierung der Feuerwehr. Zudem habe es einen technischen Defekt sowie reale Einsätze, darunter zwei schwere Verkehrsunfälle auf der Autobahn, gegeben.
Einzelne Einheiten hätten zudem aufgrund einer zuvor veränderten Einsatzplanung längere Anfahrtswege gehabt. Die genauen Abläufe würden weiter ausgewertet, hieß es.

Rettungstrupps erst nach Stunden vor Ort

Am Samstag hatte es bei der Übung mit mehr als 250 Einsatzkräften Probleme gegeben. Mehrere Medien berichteten. Simuliert wurde der Brand eines ICE, bei dem eingesetzten Komparsen als Passagiere gerettet werden sollten.
Im Mittelpunkt stand den Angaben nach die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Rettungsdienst und weiteren beteiligten Organisationen. Nach Angaben der Zeitung „Freies Wort“ dauerte es mehr als zwei Stunden, bis die ersten Rettungstrupps nach der Feuermeldung eintrafen.

Landrätin räumt Defizite ein

Auch die Landrätin des Ilm-Kreises sprach von Problemen bei der Übung. „Diese hat gezeigt, dass es noch große Defizite gibt“, sagte Petra Enders in einem Statement. Aus ihrer Sicht habe es erhebliche Probleme bei der Kommunikation gegeben.
Maier forderte, dass die Alarmierungswege künftig technisch und organisatorisch sowie auch praktisch regelmäßig getestet werden sollten. Eine ähnlich große Tunnelübung hatte zuletzt 2019 stattgefunden. (dpa/red)
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Worin liegt die Hoffnung aus der „kollektiven Fluchtmaschine“ auszusteigen?

Um uns heutzutage zu verunsichern, ist weder ein Krieg noch eine Sicherheitsbedrohung nötig. Manchmal genügt etwas viel Unbedeutenderes: zehn Minuten Stille. Es geht hier nicht um ein großes Drama – nur um eine kleine Unannehmlichkeit, wie ein Sandkorn im Schuh.
Versuchen Sie diese einfache Übung: Schalten Sie Ihr Handy aus. Legen Sie es mit dem Bildschirm nach unten beiseite und sitzen Sie einfach nur da. Kein Scrollen, kein Lesen, kein „lass mich nur kurz etwas nachsehen“. Einfach nur sein.
Nach einer halben Minute tauchen Gedanken auf. Nach anderthalb Minuten greift Ihre Hand von selbst nach dem Telefon. Nach zwei Minuten fühlt es sich bereits seltsam an, fast schon unnatürlich.
Wir leben in einer Kultur, die zahllose Wege erfunden hat, um Langeweile zu vermeiden – im Grunde zahllose Wege, um sich selbst nicht zu begegnen. Wir weichen den tiefen Fragen aus und übersehen alles, was uns erwarten würde, sobald wir den Lärm hinter uns ließen.

Die Natürlichkeit der Stille

Früher jedoch glaubten die Menschen, dass Stille es einem ermöglicht, sich mit etwas zu verbinden, das tiefer und größer ist als man selbst, etwas, das im hektischen Alltag verborgen bleibt. Die Welt war um einen sinngebenden stabilen Rahmen herum aufgebaut – für viele war es Gott, für andere Traditionen oder eine moralische Ordnung.
Zu jener Zeit wurde Stille als der Moment wahrgenommen, in dem man in vertrauter Umgebung wieder zu sich selbst finden konnte. Sie war nicht unbedingt geheimnisvoll – sie war einfach ein Teil der natürlichen Ordnung des Lebens, in der die Menschen wussten, wo sie hingehörten und was sie leitete.
Heute neigen wir dazu, sie mit Ausreden abzutun: „Ich habe keine Energie für existenzielle Dramen“, „Das sind sinnlose Gedanken“ oder schlicht: „Es gibt gerade Dringenderes zu tun.“
Die Stille, die uns den Blick nach innen eröffnen soll, ist zu etwas geworden, dem wir ausweichen – zu einer weiteren Leerstelle, die wir eilig füllen, bevor wir den Fragen begegnen, denen wir uns nicht stellen wollen.
Das Bemerkenswerte ist, dass der Schweizer Philosoph Max Picard schon in den 1930er Jahren diese Entwicklung voraussah – lange noch, bevor es Push-Benachrichtigungen und Algorithmen gab. Er stellte fest, dass die Menschheit an einem fortwährenden Projekt beteiligt ist, das er „Die Flucht vor Gott“ nannte – nicht vor der institutionellen Religion, sondern vor dem, was einst als das Zentrum und die Tiefe des Lebens verstanden wurde.
Fast ein Jahrhundert später drängt sich der Eindruck auf, dass seine Diagnose wie für uns geschrieben wurde.
Stille ermöglicht es, mit etwas Tieferem und Größerem als sich selbst in Verbindung zu treten. Foto: Daniel de la Hoz/iStock

Stille ermöglicht es, mit etwas Tieferem und Größerem als sich selbst in Verbindung zu treten.

Foto: Daniel de la Hoz/iStock

„Die Welt der Flucht“

Picard wurde 1888 als Sohn einer jüdischen Familie in Deutschland geboren. Er studierte Medizin, erkannte jedoch bald, dass sein eigentliches Interesse weniger dem menschlichen Körper als dem Menschen selbst galt. Er gab den Arztberuf auf, widmete sich der Philosophie und ließ sich schließlich in der Schweiz nieder.
Dort führte er ein zurückgezogenes Leben des Schreibens und der Kontemplation, unabhängig von der akademischen Welt und den Institutionen. Im mittleren Alter wandte er sich dem Katholizismus zu und wurde getauft; später im Leben kehrte er jedoch zum Judentum zurück. [1]
Der französische Philosoph Gabriel Marcel gehörte zu den Ersten, die Picards Einzigartigkeit erkannten. Er beschrieb ihn als „einen der originellsten Denker unserer Zeit“. Aus Marcels Sicht war Picard kein Philosophieprofessor im konventionellen Sinne, sondern eher ein moderner Weiser – ein Mann, der nicht darauf aus war, Menschen zu überzeugen, sondern Gefühlen Ausdruck verlieh, die sie tief in sich spürten, ohne sie benennen zu können.
Mauro Stenico, ein italienischer freischaffender Wissenschaftler, gab im Selbstverlag ein Buch über Picards Philosophie heraus. In einem Interview sagte er: „Picard gelang es, die Krise des modernen Menschen mit großer Klarheit und einer fast prophetischen Fähigkeit zu diagnostizieren.“ [2] (Anmerkung der Red.: Alle folgenden Zitate von Stenico ebendort, frei aus dem Italienischen übersetzt)
Stenico erklärt, dass vor der modernen Periode – und Picard nannte die moderne Welt die „Welt der Flucht“ – eine Welt existierte, in der der Glaube der Standard des Menschen war. Gott war kein persönliches Konzept, sondern das Zentrum, um das das Leben organisiert war – Moral, Gesetz, Zeit und Gemeinschaft. Ein Mensch musste den Glauben nicht „wählen“; er wurde in ihn hineingeboren, genau wie er in eine Sprache hineingeboren wurde.
„Der Glaube war früher das Allgemeine“, schrieb Picard in seinem Buch „Die Flucht vor Gott“ (1934, Rentsch Verlag)[3]. Und jeder, der sich von diesem Zentrum distanzieren wollte, traf bereits eine persönliche Wahl – zu „fliehen“ (S. 11, „Flucht vor Gott“, 1934)
In der modernen Welt ist die Ordnung jedoch umgekehrt. Es ist nicht mehr das Individuum, das wählt zu fliehen – vielmehr drängt die Kultur selbst die Menschen zur Flucht. Der Glaube ist zur Ausnahme geworden, und Stille, Tiefe sowie die Auseinandersetzung mit großen Fragen erfordern bewusste Anstrengung.
Picard schrieb, dass ein Mensch in der „Welt der Flucht“ nicht so wie in der Welt des Glaubens geboren werde, damit er sich im Glauben verwirklichen könne. Vielmehr sei diese Geburt „das Ende der Verwirklichung“ und „jetzt, an der Geburt, beginnt das Neue, die Flucht: Die Geburt ist der Sprung in die Flucht.“ (S. 12, „Flucht vor Gott“, 1934)
Ein sichtbares Zeichen der Kultur der „Flucht“ ist laut Picard ein ständiges Gefühl der Dringlichkeit. Es ist, als müsse man immer irgendwohin eilen und eine weitere Sache erledigen. Der moderne Mensch ist demnach „immer unterwegs“, gefangen in rastloser Bewegung, die ihn daran hindert, für die tieferen Fragen innezuhalten. Nicht, weil er das nicht will, sondern weil der Rhythmus der Kultur selbst ihn vorwärts treibt.
Heutzutage ist Lärm die Norm, während Stille, Tiefe und die Auseinandersetzung mit großen Fragen bewusste Anstrengung erfordern. Foto: TAJIKBLINKS/iStock

Heutzutage ist Lärm die Norm, während Stille, Tiefe und die Auseinandersetzung mit großen Fragen bewusste Anstrengung erfordern.

Foto: TAJIKBLINKS/iStock

Politik, Technologie & Kino

Laut Stenico ist die moderne Politik ein Paradebeispiel für die Welt der „Flucht“. Sie schürt Aufregung, Wut und Angst, als ob jeder noch so kleine Konflikt unser Leben beeinflussen könnte. Sie zieht uns täglich in ihren Bann und ist zu dem Ort geworden, an dem wir nach Gerechtigkeit, Identität und Sinn suchen.
„Für viele ersetzt die Politik die Suche nach Wahrheit oder Heiligkeit“, ist Stenico überzeugt.
Picard knüpfte an eine Tradition von Denkern an – von Maimonides bis Kierkegaard –, die den Sinn des menschlichen Daseins eher in der moralischen und intellektuellen Entwicklung sahen als darin, sich in flüchtigen Nachrichtenereignissen zu verstricken. In diesem Licht betrachtet kann Politik zu einer weiteren Form der „Flucht vor Gott“ werden – einer Flucht vor Fragen, die überhaupt nichts mit Politik zu tun haben: Was ist mir wirklich wichtig? Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Lebens?
Anstatt an unserem Charakter und unserem geistigen Wachstum zu arbeiten, werden wir in einen endlosen Kreislauf von Anschuldigungen, Verteidigungen und Konflikten hineingezogen. „Anstatt Ordnung und Sinn zu schaffen, beschleunigt die Politik die Jagd nach momentanen und sich auflösenden Zielen“, führt Stenico aus. Kurz gesagt, anstatt die Wogen zu glätten, wird sie zu einem Mechanismus, der uns aus uns selbst herauszieht – einer kollektiven Fluchtmaschine.
„Ähnlich sah Picard auch im Kino ein klares Symbol der ‚Welt der Flucht‘“, sagt Stenico. „Das Kino ist schnell, fließend, bewegt. Die Bilder ändern sich unaufhörlich und spiegeln wider, was mit der modernen Seele geschehen ist. Es erschafft eine parallele Welt aus Bildern, die die Realität ersetzt, anstatt sie zu vertiefen.“
Dies ist ein Medium, das es ermöglicht, in eine andere Geschichte, eine andere Identität hineingezogen zu werden. Anstatt einer Welt, die durch stabile Bezugspunkte verankert ist, präsentiert das Kino eine, in der die Helden immer wieder Geld, Ruhm, Erfolg oder Selbstverwirklichung verfolgen; es gaukelt endlose „Möglichkeiten“ vor – Karriere, Status, Aufregung und Erfahrung. Wie Picard schrieb: „Es gibt in dieser Welt kein ‚unmöglich‘, nur ein ‚noch-nicht-möglich‘ (…).“ (S. 23, „Flucht vor Gott“, 1934)
Und in einer Welt endloser Möglichkeiten neigen Gedanken dazu, sich zu zerstreuen und ihren geistigen Schwerpunkt zu verlieren. Sie werden in jede Richtung gezogen, lösen sich in der ständigen Bewegung der Welt auf. Und auch der Glaube muss „in jedem Augenblick sich immer von neuem (…) schaffen“, schrieb Picard. (S. 11, „Flucht vor Gott“, 1934)
Die moderne Kultur ist laut Picard so strukturiert, dass wir nie allein gelassen werden – nicht einmal für einen einzigen Moment –, um uns den tiefen Fragen zu stellen. „Das Vakuum, das entsteht, füllt sich mit Produktivität, Technologie und Unterhaltung – anstatt mit Stille, Zuhören und Präsenz“, stellt Stenico fest.
Dieser Mechanismus ist nicht unbedingt bösartig; er ist einfach hocheffizient. Er zieht uns nach außen, damit wir nicht zu lange bei Wörtern wie „Sinn“, „Gut und Böse“ oder „Wahrheit“ verweilen – geschweige denn das Wort „Gott“ aussprechen, ohne es sofort in einen Witz zu verpacken.
Hektik. Foto: oeyCheung/iStock

Hektik.

Foto: oeyCheung/iStock

Kein Raum mehr für die Liebe

„Picard argumentierte, dass Beziehungen zwischen Menschen zu Instrumenten der ‚Flucht‘ geworden sind“, erklärt Stenico. „Sie verlieren die vertikale Dimension – die Menschen sehen im anderen nicht mehr ein ‚göttliches Ebenbild‘ oder eine heilige Tiefe.“
Nehmen wir das Beispiel der Liebe. Nach Picards Ansicht ist Liebe nicht bloß ein Energieausbruch, sondern ein Prozess der Kontemplation: „Ein Mensch, der einen anderen Menschen oder ein Ding liebt, betrachtet das geliebte Wesen genau und langsam, er schaut genau nach, ob noch irgendwo eine Stelle ist, die er noch nicht liebt“, schrieb er. (S. 54, „Flucht vor Gott“, 1934)
Liebe erfordert das Verweilen. Es ist ein langsamer Entdeckungsprozess, der Zeit, Stabilität und die Fähigkeit erfordert, still zu sein.
Aber in einer Welt, in der sich Menschen ohne Unterbrechung bewegen – von Bildschirmen zu Nachrichten zu Arbeit zu neuen „Möglichkeiten“ – gibt es keine solche Zeitspanne. Daher, so beobachtete Picard, bleiben viele Beziehungen äußerlich. Nicht weil die Menschen keine Liebe wollen, sondern weil die Welt nicht mehr die Bedingungen bietet, unter denen Liebe wachsen und sich vertiefen kann.
Menschen „sind zusammen“, schrieb er, nicht um einander wirklich zu begegnen, sondern um gemeinsam zu fliehen – übertragen in unsere heutige Welt: zu Netflix, zum nächsten Urlaub, zu allem, was kurzzeitige Erleichterung bietet. „Laut Picard benutzen wir andere, um der Einsamkeit zu entkommen – nicht um einer anderen Person wirklich zu begegnen“, sagt Stenico.
So werden die Rahmenbedingungen, innerhalb derer Tiefe, Liebe und Spiritualität wachsen – Ehe, Familie und Freundschaft –, in der „Welt der Flucht“ manchmal selbst zu Fluchtmechanismen. Anstatt als Orte der Kontemplation, Stabilität und gegenseitigen Transformation zu dienen, werden sie zu äußeren Formen, die eine gemeinsame Flucht vor der höheren Wesensessenz ermöglichen.
Liebe ist ein langsamer Entdeckungsprozess, der Zeit, Stabilität und die Fähigkeit zur Stille erfordert. Foto: Artem Peretiatko/iStock

Liebe ist ein langsamer Entdeckungsprozess, der Zeit, Stabilität und die Fähigkeit zur Stille erfordert.

Foto: Artem Peretiatko/iStock

Als die Geschichte ihren Sinn verlor

„Dieses Gebilde [der Flucht] nimmt jetzt zu“, schrieb Picard, „(…) weil es groß ist, weil das Umfangreiche alles zu sich heranzieht.“ (S. 13, „Flucht vor Gott“, 1934)
Eines der Dinge, die hineingezogen werden, ist die Art und Weise, wie wir Geschichte verstehen. „Geschichte wird nicht mehr als eine tiefe Geschichte wahrgenommen, sondern als eine Abfolge von Ereignissen“, sagt Stenico.
In der Vergangenheit wurde Geschichte als eine von oben geschriebene Geschichte gesehen; große Ereignisse wie Siege, Niederlagen und Seuchen wurden als Teil einer umfassenderen Ordnung mit Sinn und Absicht verstanden. Individuen waren nicht Autoren der Geschichte, sondern Charaktere in einem Drama, das größer war als sie selbst.
Mit der Moderne kamen neue Theorien: Geschichte als Produkt von Instinkten und Vererbung (Charles Darwin), von Klassenkampf und materiellen Interessen (Karl Marx) oder von persönlichen menschlichen Entscheidungen (Ayn Rand). [4]
Alle diese Rahmenbedingungen beschreiben eine Welt, die durch menschliche Kräfte vorangetrieben wird – Biologie, Interessen, Impulse. Dies ist in Picards Sicht ein klares Zeichen der „Welt der Flucht“ – einer Welt, die geschickt im Analysieren und Erklären ist, die jedoch zunehmend damit kämpft, einen übergreifenden Sinn zu erfassen.
„In Picards Sicht wird Geschichte eher zu einem Rennen als zu einer Sphäre des Sinns“, erläutert Stenico. „Geschichte existiert im Sinne von Schlagzeilen und Chronologie, aber ihr fehlt ein Gefühl der Erdung, des Gedächtnisses, der Tradition oder einer Perspektive, die nicht ständigen Veränderungen unterworfen ist. Es ist eine Geschichte ohne Wurzeln, eine, die nicht nach oben blickt.
„Er glaubte nicht, dass das Problem bei der Wissenschaft selbst lag, sondern beim Szientismus – dem Glauben, dass die Wissenschaft alles erklären kann“, sagt Stenico. „Wissenschaft beschreibt Gesetze und Beziehungen, aber nicht das Gesamtbild, nicht den Sinn. Wenn die Wissenschaft zur einzigen Sprache der Realität wird, gehen Tiefe, Heiligkeit und Staunen verloren.“
Und so wird die Wissenschaft – ohne eigenes Verschulden – zu einem weiteren Ausdruck der „Welt der Flucht“, einer Welt, die alles zu messen weiß, außer den Wesenskern.
Das Ölgemälde „Unabhängigkeitserklärung“ von John Trumbull aus dem Jahr 1819. Früher wurde Geschichte als eine von oben geschriebene Erzählung betrachtet; große Ereignisse wurden als Teil einer umfassenderen Ordnung mit Sinn und Absicht verstanden. Foto: Public domain, via Wikimedia Commons

Das Ölgemälde „Unabhängigkeitserklärung“ von John Trumbull aus dem Jahr 1819. Früher wurde Geschichte als eine von oben geschriebene Erzählung betrachtet; große Ereignisse wurden als Teil einer umfassenderen Ordnung mit Sinn und Absicht verstanden.

Foto: Public domain, via Wikimedia Commons

Auch die Kunst, so Picard, habe das gleiche Schicksal erlitten. In der Vergangenheit habe die Kunst versucht, ein Fenster zu dem zu öffnen, was jenseits liegt – zur Ordnung und zur Schwelle zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen. Der Künstler stand vor etwas, das größer war als er selbst, und versuchte, eine Spur, einen Glanz oder ein Echo davon einzufangen.
In der „Welt der Flucht“ habe sich die Richtung des Blickes geändert. Kunst werde nicht mehr aus einer Begegnung mit dem Erhabenen geboren, sondern aus einer Begegnung mit dem Selbst.
„Es gibt hier beim Entstehen eines Bildes“, schrieb Picard, „keinen besonderen Akt mehr.“ (S. 159, „Flucht vor Gott“, 1934)
Dinge verlören ihre Umrisse, und alles verschwimme ineinander. Anstatt zu einem göttlichen Zentrum zu führen, werde Kunst oft zu einer weiteren Form der Bewegung, Zerstreuung und Flucht.
„Picard argumentierte, dass auch die moderne Kunst eine Atomisierung erfährt; sie bricht in Stücke und Fragmente ohne Ganzheit auseinander“, beschreibt Stenico. „Anstatt Form zu bewahren und Tiefe zu enthüllen, nimmt sie am Mechanismus der Flucht teil: Rennen, Zerstreuung, Verlust des Zentrums. Der Künstler entdeckt nicht mehr ‚mehr‘ durch das Werk – er fügt nur eine weitere Schicht Lärm hinzu.“

Hoffnung in einer Welt der Flucht

Doch Picards Philosophie der Flucht sollte die Menschen nicht entmutigen. Im Gegenteil: Er glaubte, dass unsere Zeit den Keim der Hoffnung in sich trage. Die Flucht sei der Abfall der Menschheit von Gott, so Picard, aber der Mensch sei nicht absoluter Verlassenheit ausgesetzt. Denn wenn es jene gebe, die fliehen, gebe es auch Einen, der sie verfolge.
Die bloße Existenz der Flucht zeigt in seiner Sicht, dass etwas Größeres den Menschen weiterhin zurück nach Hause ruft.
„Picards Philosophie ist eine therapeutische“, sagt Stenico. „Er war in erster Linie Arzt, und hier sieht er die Seele des menschlichen Wesens. Er bietet einen Weg zurück zur Präsenz und dem stabilen Fundament, das die Moderne demontiert hat. Er zeigt, dass ein Mensch, obwohl er in Krise und ständiger Bewegung lebt, den Zugang zum Heiligen, zum Wesentlichen nicht völlig verliert.“
Picard nannte dies „die Verfolgung“: nicht eine Verfolgung mit Zwang, sondern aus Mitgefühl, eine sanfte Stimme, die den Menschen weiterhin begleite, auch wenn er an die fernsten Orte entfliehe.
Manche würden dies Gott nennen; andere Gewissen, eine innere Wahrheit oder jene kleine Stille, die plötzlich als Moment der Offenbarung erscheint. Picard erinnert uns daran, dass ein Mensch in der Flucht nicht völlig verloren ist – etwas ruft immer noch nach ihm.
Referenzen:
[3] Max Picard, „Die Flucht vor Gott“, 1934
Dieser Artikel erschien im Original im Epoch Magazine Israel und wurde auch auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Philosophy of Max Picard–The World Is Drifting Away From God“ veröffentlicht. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Die Flucht vor unserem höheren Selbst: Warum wir Stille heute so schwer aushalten

Um uns heutzutage zu verunsichern, ist weder ein Krieg noch eine Sicherheitsbedrohung nötig. Manchmal genügt etwas viel Unbedeutenderes: zehn Minuten Stille. Es geht hier nicht um ein großes Drama – nur um eine kleine Unannehmlichkeit, wie ein Sandkorn im Schuh.
Versuchen Sie diese einfache Übung: Schalten Sie Ihr Handy aus. Legen Sie es mit dem Bildschirm nach unten beiseite und sitzen Sie einfach nur da. Kein Scrollen, kein Lesen, kein „lass mich nur kurz etwas nachsehen“. Einfach nur sein.
Nach einer halben Minute tauchen Gedanken auf. Nach anderthalb Minuten greift Ihre Hand von selbst nach dem Telefon. Nach zwei Minuten fühlt es sich bereits seltsam an, fast schon unnatürlich.
Wir leben in einer Kultur, die zahllose Wege erfunden hat, um Langeweile zu vermeiden – im Grunde zahllose Wege, um sich selbst nicht zu begegnen. Wir weichen den tiefen Fragen aus und übersehen alles, was uns erwarten würde, sobald wir den Lärm hinter uns ließen.

Die Natürlichkeit der Stille

Früher jedoch glaubten die Menschen, dass Stille es einem ermöglicht, sich mit etwas zu verbinden, das tiefer und größer ist als man selbst, etwas, das im hektischen Alltag verborgen bleibt. Die Welt war um einen sinngebenden stabilen Rahmen herum aufgebaut – für viele war es Gott, für andere Traditionen oder eine moralische Ordnung.
Zu jener Zeit wurde Stille als der Moment wahrgenommen, in dem man in vertrauter Umgebung wieder zu sich selbst finden konnte. Sie war nicht unbedingt geheimnisvoll – sie war einfach ein Teil der natürlichen Ordnung des Lebens, in der die Menschen wussten, wo sie hingehörten und was sie leitete.
Heute neigen wir dazu, sie mit Ausreden abzutun: „Ich habe keine Energie für existenzielle Dramen“, „Das sind sinnlose Gedanken“ oder schlicht: „Es gibt gerade Dringenderes zu tun.“
Die Stille, die uns den Blick nach innen eröffnen soll, ist zu etwas geworden, dem wir ausweichen – zu einer weiteren Leerstelle, die wir eilig füllen, bevor wir den Fragen begegnen, denen wir uns nicht stellen wollen.
Das Bemerkenswerte ist, dass der Schweizer Philosoph Max Picard schon in den 1930er Jahren diese Entwicklung voraussah – lange noch, bevor es Push-Benachrichtigungen und Algorithmen gab. Er stellte fest, dass die Menschheit an einem fortwährenden Projekt beteiligt ist, das er „Die Flucht vor Gott“ nannte – nicht vor der institutionellen Religion, sondern vor dem, was einst als das Zentrum und die Tiefe des Lebens verstanden wurde.
Fast ein Jahrhundert später drängt sich der Eindruck auf, dass seine Diagnose wie für uns geschrieben wurde.
Stille ermöglicht es, mit etwas Tieferem und Größerem als sich selbst in Verbindung zu treten. Foto: Daniel de la Hoz/iStock

Stille ermöglicht es, mit etwas Tieferem und Größerem als sich selbst in Verbindung zu treten.

Foto: Daniel de la Hoz/iStock

„Die Welt der Flucht“

Picard wurde 1888 als Sohn einer jüdischen Familie in Deutschland geboren. Er studierte Medizin, erkannte jedoch bald, dass sein eigentliches Interesse weniger dem menschlichen Körper als dem Menschen selbst galt. Er gab den Arztberuf auf, widmete sich der Philosophie und ließ sich schließlich in der Schweiz nieder.
Dort führte er ein zurückgezogenes Leben des Schreibens und der Kontemplation, unabhängig von der akademischen Welt und den Institutionen. Im mittleren Alter wandte er sich dem Katholizismus zu und wurde getauft; später im Leben kehrte er jedoch zum Judentum zurück. [1]
Der französische Philosoph Gabriel Marcel gehörte zu den Ersten, die Picards Einzigartigkeit erkannten. Er beschrieb ihn als „einen der originellsten Denker unserer Zeit“. Aus Marcels Sicht war Picard kein Philosophieprofessor im konventionellen Sinne, sondern eher ein moderner Weiser – ein Mann, der nicht darauf aus war, Menschen zu überzeugen, sondern Gefühlen Ausdruck verlieh, die sie tief in sich spürten, ohne sie benennen zu können.
Mauro Stenico, ein italienischer freischaffender Wissenschaftler, gab im Selbstverlag ein Buch über Picards Philosophie heraus. In einem Interview sagte er: „Picard gelang es, die Krise des modernen Menschen mit großer Klarheit und einer fast prophetischen Fähigkeit zu diagnostizieren.“ [2] (Anmerkung der Red.: Alle folgenden Zitate von Stenico ebendort, frei aus dem Italienischen übersetzt)
Stenico erklärt, dass vor der modernen Periode – und Picard nannte die moderne Welt die „Welt der Flucht“ – eine Welt existierte, in der der Glaube der Standard des Menschen war. Gott war kein persönliches Konzept, sondern das Zentrum, um das das Leben organisiert war – Moral, Gesetz, Zeit und Gemeinschaft. Ein Mensch musste den Glauben nicht „wählen“; er wurde in ihn hineingeboren, genau wie er in eine Sprache hineingeboren wurde.
„Der Glaube war früher das Allgemeine“, schrieb Picard in seinem Buch „Die Flucht vor Gott“ (1934, Rentsch Verlag)[3]. Und jeder, der sich von diesem Zentrum distanzieren wollte, traf bereits eine persönliche Wahl – zu „fliehen“ (S. 11, „Flucht vor Gott“, 1934)
In der modernen Welt ist die Ordnung jedoch umgekehrt. Es ist nicht mehr das Individuum, das wählt zu fliehen – vielmehr drängt die Kultur selbst die Menschen zur Flucht. Der Glaube ist zur Ausnahme geworden, und Stille, Tiefe sowie die Auseinandersetzung mit großen Fragen erfordern bewusste Anstrengung.
Picard schrieb, dass ein Mensch in der „Welt der Flucht“ nicht so wie in der Welt des Glaubens geboren werde, damit er sich im Glauben verwirklichen könne. Vielmehr sei diese Geburt „das Ende der Verwirklichung“ und „jetzt, an der Geburt, beginnt das Neue, die Flucht: Die Geburt ist der Sprung in die Flucht.“ (S. 12, „Flucht vor Gott“, 1934)
Ein sichtbares Zeichen der Kultur der „Flucht“ ist laut Picard ein ständiges Gefühl der Dringlichkeit. Es ist, als müsse man immer irgendwohin eilen und eine weitere Sache erledigen. Der moderne Mensch ist demnach „immer unterwegs“, gefangen in rastloser Bewegung, die ihn daran hindert, für die tieferen Fragen innezuhalten. Nicht, weil er das nicht will, sondern weil der Rhythmus der Kultur selbst ihn vorwärts treibt.
Heutzutage ist Lärm die Norm, während Stille, Tiefe und die Auseinandersetzung mit großen Fragen bewusste Anstrengung erfordern. Foto: TAJIKBLINKS/iStock

Heutzutage ist Lärm die Norm, während Stille, Tiefe und die Auseinandersetzung mit großen Fragen bewusste Anstrengung erfordern.

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Politik, Technologie & Kino

Laut Stenico ist die moderne Politik ein Paradebeispiel für die Welt der „Flucht“. Sie schürt Aufregung, Wut und Angst, als ob jeder noch so kleine Konflikt unser Leben beeinflussen könnte. Sie zieht uns täglich in ihren Bann und ist zu dem Ort geworden, an dem wir nach Gerechtigkeit, Identität und Sinn suchen.
„Für viele ersetzt die Politik die Suche nach Wahrheit oder Heiligkeit“, ist Stenico überzeugt.
Picard knüpfte an eine Tradition von Denkern an – von Maimonides bis Kierkegaard –, die den Sinn des menschlichen Daseins eher in der moralischen und intellektuellen Entwicklung sahen als darin, sich in flüchtigen Nachrichtenereignissen zu verstricken. In diesem Licht betrachtet kann Politik zu einer weiteren Form der „Flucht vor Gott“ werden – einer Flucht vor Fragen, die überhaupt nichts mit Politik zu tun haben: Was ist mir wirklich wichtig? Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Lebens?
Anstatt an unserem Charakter und unserem geistigen Wachstum zu arbeiten, werden wir in einen endlosen Kreislauf von Anschuldigungen, Verteidigungen und Konflikten hineingezogen. „Anstatt Ordnung und Sinn zu schaffen, beschleunigt die Politik die Jagd nach momentanen und sich auflösenden Zielen“, führt Stenico aus. Kurz gesagt, anstatt die Wogen zu glätten, wird sie zu einem Mechanismus, der uns aus uns selbst herauszieht – einer kollektiven Fluchtmaschine.
„Ähnlich sah Picard auch im Kino ein klares Symbol der ‚Welt der Flucht‘“, sagt Stenico. „Das Kino ist schnell, fließend, bewegt. Die Bilder ändern sich unaufhörlich und spiegeln wider, was mit der modernen Seele geschehen ist. Es erschafft eine parallele Welt aus Bildern, die die Realität ersetzt, anstatt sie zu vertiefen.“
Dies ist ein Medium, das es ermöglicht, in eine andere Geschichte, eine andere Identität hineingezogen zu werden. Anstatt einer Welt, die durch stabile Bezugspunkte verankert ist, präsentiert das Kino eine, in der die Helden immer wieder Geld, Ruhm, Erfolg oder Selbstverwirklichung verfolgen; es gaukelt endlose „Möglichkeiten“ vor – Karriere, Status, Aufregung und Erfahrung. Wie Picard schrieb: „Es gibt in dieser Welt kein ‚unmöglich‘, nur ein ‚noch-nicht-möglich‘ (…).“ (S. 23, „Flucht vor Gott“, 1934)
Und in einer Welt endloser Möglichkeiten neigen Gedanken dazu, sich zu zerstreuen und ihren geistigen Schwerpunkt zu verlieren. Sie werden in jede Richtung gezogen, lösen sich in der ständigen Bewegung der Welt auf. Und auch der Glaube muss „in jedem Augenblick sich immer von neuem (…) schaffen“, schrieb Picard. (S. 11, „Flucht vor Gott“, 1934)
Die moderne Kultur ist laut Picard so strukturiert, dass wir nie allein gelassen werden – nicht einmal für einen einzigen Moment –, um uns den tiefen Fragen zu stellen. „Das Vakuum, das entsteht, füllt sich mit Produktivität, Technologie und Unterhaltung – anstatt mit Stille, Zuhören und Präsenz“, stellt Stenico fest.
Dieser Mechanismus ist nicht unbedingt bösartig; er ist einfach hocheffizient. Er zieht uns nach außen, damit wir nicht zu lange bei Wörtern wie „Sinn“, „Gut und Böse“ oder „Wahrheit“ verweilen – geschweige denn das Wort „Gott“ aussprechen, ohne es sofort in einen Witz zu verpacken.
Hektik. Foto: oeyCheung/iStock

Hektik.

Foto: oeyCheung/iStock

Kein Raum mehr für die Liebe

„Picard argumentierte, dass Beziehungen zwischen Menschen zu Instrumenten der ‚Flucht‘ geworden sind“, erklärt Stenico. „Sie verlieren die vertikale Dimension – die Menschen sehen im anderen nicht mehr ein ‚göttliches Ebenbild‘ oder eine heilige Tiefe.“
Nehmen wir das Beispiel der Liebe. Nach Picards Ansicht ist Liebe nicht bloß ein Energieausbruch, sondern ein Prozess der Kontemplation: „Ein Mensch, der einen anderen Menschen oder ein Ding liebt, betrachtet das geliebte Wesen genau und langsam, er schaut genau nach, ob noch irgendwo eine Stelle ist, die er noch nicht liebt“, schrieb er. (S. 54, „Flucht vor Gott“, 1934)
Liebe erfordert das Verweilen. Es ist ein langsamer Entdeckungsprozess, der Zeit, Stabilität und die Fähigkeit erfordert, still zu sein.
Aber in einer Welt, in der sich Menschen ohne Unterbrechung bewegen – von Bildschirmen zu Nachrichten zu Arbeit zu neuen „Möglichkeiten“ – gibt es keine solche Zeitspanne. Daher, so beobachtete Picard, bleiben viele Beziehungen äußerlich. Nicht weil die Menschen keine Liebe wollen, sondern weil die Welt nicht mehr die Bedingungen bietet, unter denen Liebe wachsen und sich vertiefen kann.
Menschen „sind zusammen“, schrieb er, nicht um einander wirklich zu begegnen, sondern um gemeinsam zu fliehen – übertragen in unsere heutige Welt: zu Netflix, zum nächsten Urlaub, zu allem, was kurzzeitige Erleichterung bietet. „Laut Picard benutzen wir andere, um der Einsamkeit zu entkommen – nicht um einer anderen Person wirklich zu begegnen“, sagt Stenico.
So werden die Rahmenbedingungen, innerhalb derer Tiefe, Liebe und Spiritualität wachsen – Ehe, Familie und Freundschaft –, in der „Welt der Flucht“ manchmal selbst zu Fluchtmechanismen. Anstatt als Orte der Kontemplation, Stabilität und gegenseitigen Transformation zu dienen, werden sie zu äußeren Formen, die eine gemeinsame Flucht vor der höheren Wesensessenz ermöglichen.
Liebe ist ein langsamer Entdeckungsprozess, der Zeit, Stabilität und die Fähigkeit zur Stille erfordert. Foto: Artem Peretiatko/iStock

Liebe ist ein langsamer Entdeckungsprozess, der Zeit, Stabilität und die Fähigkeit zur Stille erfordert.

Foto: Artem Peretiatko/iStock

Als die Geschichte ihren Sinn verlor

„Dieses Gebilde [der Flucht] nimmt jetzt zu“, schrieb Picard, „(…) weil es groß ist, weil das Umfangreiche alles zu sich heranzieht.“ (S. 13, „Flucht vor Gott“, 1934)
Eines der Dinge, die hineingezogen werden, ist die Art und Weise, wie wir Geschichte verstehen. „Geschichte wird nicht mehr als eine tiefe Geschichte wahrgenommen, sondern als eine Abfolge von Ereignissen“, sagt Stenico.
In der Vergangenheit wurde Geschichte als eine von oben geschriebene Geschichte gesehen; große Ereignisse wie Siege, Niederlagen und Seuchen wurden als Teil einer umfassenderen Ordnung mit Sinn und Absicht verstanden. Individuen waren nicht Autoren der Geschichte, sondern Charaktere in einem Drama, das größer war als sie selbst.
Mit der Moderne kamen neue Theorien: Geschichte als Produkt von Instinkten und Vererbung (Charles Darwin), von Klassenkampf und materiellen Interessen (Karl Marx) oder von persönlichen menschlichen Entscheidungen (Ayn Rand). [4]
Alle diese Rahmenbedingungen beschreiben eine Welt, die durch menschliche Kräfte vorangetrieben wird – Biologie, Interessen, Impulse. Dies ist in Picards Sicht ein klares Zeichen der „Welt der Flucht“ – einer Welt, die geschickt im Analysieren und Erklären ist, die jedoch zunehmend damit kämpft, einen übergreifenden Sinn zu erfassen.
„In Picards Sicht wird Geschichte eher zu einem Rennen als zu einer Sphäre des Sinns“, erläutert Stenico. „Geschichte existiert im Sinne von Schlagzeilen und Chronologie, aber ihr fehlt ein Gefühl der Erdung, des Gedächtnisses, der Tradition oder einer Perspektive, die nicht ständigen Veränderungen unterworfen ist. Es ist eine Geschichte ohne Wurzeln, eine, die nicht nach oben blickt.
„Er glaubte nicht, dass das Problem bei der Wissenschaft selbst lag, sondern beim Szientismus – dem Glauben, dass die Wissenschaft alles erklären kann“, sagt Stenico. „Wissenschaft beschreibt Gesetze und Beziehungen, aber nicht das Gesamtbild, nicht den Sinn. Wenn die Wissenschaft zur einzigen Sprache der Realität wird, gehen Tiefe, Heiligkeit und Staunen verloren.“
Und so wird die Wissenschaft – ohne eigenes Verschulden – zu einem weiteren Ausdruck der „Welt der Flucht“, einer Welt, die alles zu messen weiß, außer den Wesenskern.
Das Ölgemälde „Unabhängigkeitserklärung“ von John Trumbull aus dem Jahr 1819. Früher wurde Geschichte als eine von oben geschriebene Erzählung betrachtet; große Ereignisse wurden als Teil einer umfassenderen Ordnung mit Sinn und Absicht verstanden. Foto: Public domain, via Wikimedia Commons

Das Ölgemälde „Unabhängigkeitserklärung“ von John Trumbull aus dem Jahr 1819. Früher wurde Geschichte als eine von oben geschriebene Erzählung betrachtet; große Ereignisse wurden als Teil einer umfassenderen Ordnung mit Sinn und Absicht verstanden.

Foto: Public domain, via Wikimedia Commons

Auch die Kunst, so Picard, habe das gleiche Schicksal erlitten. In der Vergangenheit habe die Kunst versucht, ein Fenster zu dem zu öffnen, was jenseits liegt – zur Ordnung und zur Schwelle zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen. Der Künstler stand vor etwas, das größer war als er selbst, und versuchte, eine Spur, einen Glanz oder ein Echo davon einzufangen.
In der „Welt der Flucht“ habe sich die Richtung des Blickes geändert. Kunst werde nicht mehr aus einer Begegnung mit dem Erhabenen geboren, sondern aus einer Begegnung mit dem Selbst.
„Es gibt hier beim Entstehen eines Bildes“, schrieb Picard, „keinen besonderen Akt mehr.“ (S. 159, „Flucht vor Gott“, 1934)
Dinge verlören ihre Umrisse, und alles verschwimme ineinander. Anstatt zu einem göttlichen Zentrum zu führen, werde Kunst oft zu einer weiteren Form der Bewegung, Zerstreuung und Flucht.
„Picard argumentierte, dass auch die moderne Kunst eine Atomisierung erfährt; sie bricht in Stücke und Fragmente ohne Ganzheit auseinander“, beschreibt Stenico. „Anstatt Form zu bewahren und Tiefe zu enthüllen, nimmt sie am Mechanismus der Flucht teil: Rennen, Zerstreuung, Verlust des Zentrums. Der Künstler entdeckt nicht mehr ‚mehr‘ durch das Werk – er fügt nur eine weitere Schicht Lärm hinzu.“

Hoffnung in einer Welt der Flucht

Doch Picards Philosophie der Flucht sollte die Menschen nicht entmutigen. Im Gegenteil: Er glaubte, dass unsere Zeit den Keim der Hoffnung in sich trage. Die Flucht sei der Abfall der Menschheit von Gott, so Picard, aber der Mensch sei nicht absoluter Verlassenheit ausgesetzt. Denn wenn es jene gebe, die fliehen, gebe es auch Einen, der sie verfolge.
Die bloße Existenz der Flucht zeigt in seiner Sicht, dass etwas Größeres den Menschen weiterhin zurück nach Hause ruft.
„Picards Philosophie ist eine therapeutische“, sagt Stenico. „Er war in erster Linie Arzt, und hier sieht er die Seele des menschlichen Wesens. Er bietet einen Weg zurück zur Präsenz und dem stabilen Fundament, das die Moderne demontiert hat. Er zeigt, dass ein Mensch, obwohl er in Krise und ständiger Bewegung lebt, den Zugang zum Heiligen, zum Wesentlichen nicht völlig verliert.“
Picard nannte dies „die Verfolgung“: nicht eine Verfolgung mit Zwang, sondern aus Mitgefühl, eine sanfte Stimme, die den Menschen weiterhin begleite, auch wenn er an die fernsten Orte entfliehe.
Manche würden dies Gott nennen; andere Gewissen, eine innere Wahrheit oder jene kleine Stille, die plötzlich als Moment der Offenbarung erscheint. Picard erinnert uns daran, dass ein Mensch auf der Flucht nicht völlig verloren ist – etwas ruft immer noch nach ihm.
Referenzen:
[3] Max Picard, „Die Flucht vor Gott“, 1934
Dieser Artikel erschien im Original im Epoch Magazine Israel und wurde auch auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Philosophy of Max Picard–The World Is Drifting Away From God“ veröffentlicht. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Bei schwerem Erdbeben in Kolumbien – 18 Menschen ums Leben gekommen

Bei einem schweren Erdbeben sind im Nordwesten Kolumbiens sind mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen und mehrere Menschen verletzt worden. In der Stadt Quibdó habe es „Verletzte und schwere Schäden an Gebäuden“ gegeben, erklärte die Gouverneurin der Region Chocó, Nubia Carolina Córdoba-Curi, am Montag im Onlinedienst X. Auch der Bürgermeister der Stadt Cali berichtete von „Schäden erheblichen Ausmaßes“ an Gebäuden.
Das Beben hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS eine Stärke von 7,4.

Beben bis nach Ecuador und Panama spürbar

Während das kolumbianische Institut für Geowissenschaften die Stärke des Bebens mit 6,6 angab, bezifferte die US-Behörde USGS sie mit 7,4. Das Epizentrum lag demnach nahe der Stadt San José del Palmar in der Region Chocó im Nordwesten des Landes.
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP zufolge waren die Erdstöße auch in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito und in Panama zu spüren.

Trümmer liegen nach dem schweren Erdbeben auf einer Straße in Manizales.

Foto: Jonh Bonilla / AFP via Getty Images

Gebäude in Bogotá evakuiert

In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá wurden Gebäude evakuiert. An den Flughäfen in Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura wurde der Flugverkehr „aus Sicherheitsgründen“ eingestellt, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte.  (afp/red)
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Immer mehr E-Scooter aber weniger Leihgeräte

In Deutschland gibt es immer mehr E-Scooter. Im Jahr 2025 waren knapp 1,66 Millionen versichert, wie aus Daten des Versicherungsverbands GDV hervorgeht. Das sind rund 320.000 mehr als vor einem Jahr und gut doppelt so viele wie 2022.
Auffällig ist dabei, dass der aktuelle Anstieg nur auf privat genutzte E-Scooter zurückgeht. Ihre Zahl stieg von 1,01 Millionen auf 1,34 Millionen. Die Zahl der Leih-Scooter sank dagegen von 331.000 auf 300.000.

Mehr E-Scooter, mehr Verantwortung

Grundsätzlich müssen E-Scooter, die auf der Straße eingesetzt werden, versichert sein. Die komplette Zahl aller E-Scooter in Deutschland – inklusive solcher, die in Kellern verstauben oder trotz Pflicht nicht versichert sind – könnte noch höher sein.
„E-Scooter haben sich für viele Menschen als Verkehrsmittel für kurze Wege etabliert“, sagt die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV, Anja Käfer-Rohrbach. Sie seien vergleichsweise günstig und brauchten wenig Platz.
Gleichzeitig betont Käfer-Rohrbach aber: „Mit der wachsenden Zahl der Fahrzeuge steigt aber auch die Bedeutung klarer Regeln und eines rücksichtsvollen Miteinanders im Straßenverkehr.“

Fast doppelt so viele Unfälle wie 2022

Auch die Zahl der Unfälle ist deutlich gestiegen, wie der GDV unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes mitteilt.
Demnach gab es 2025 insgesamt 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Verletzten, bei denen 38 Menschen ums Leben kamen. Im Jahr 2022 waren es noch 8.341 Unfälle mit Personenschaden.
Die Versicherer zählten vergangenes Jahr 11.700 Haftpflichtschäden mit E-Scootern.
Auffällig dabei: Die Schadenhäufigkeit war bei Mietgeräten mehr als doppelt so hoch wie bei privaten: 13 Schäden pro 1.000 versicherten Mietgeräten stehen 6 Schäden pro 1.000 versicherten Privatgeräten gegenüber. Es ist allerdings nicht bekannt, ob Mietgeräte insgesamt mehr oder weniger gefahren werden als Privatgeräte.

GDV fordert strengere Regeln für E-Scooter

Die Leiterin der Unfallforschung im GDV, Kirstin Zeidler, weist zudem auf unterschiedliche Verhaltensweisen hin: „Nutzer eigener Scooter fahren in der Regel viel, tragen eher Helm und sind seltener auf Gehwegen unterwegs“, sagt sie.
Um die Zahl der Unfälle zu reduzieren, schlägt der GDV vor, dass Verleiher deutlicher gegen Verstöße wie Trunkenheitsfahrten, mehrere Personen auf einem Roller oder das Fahren auf Gehwegen vorgehen. Zudem sollten weiterführende Schulen die Regeln vermitteln.
So sei vielen nicht bewusst, dass unter 21 Jahren Alkoholverbot auf dem E-Scooter gelte – das koste nicht nur Bußgeld, sondern könne auch den späteren Führerschein gefährden. (dpa/red)
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Rhein-Pegel auf Rekordtief: Wracks tauchen auf – Binnenschiffer warnen vor Zweiteilung des Rheins


In Kürze:

  • Rekordpegel: Der Rhein erreicht historische Tiefstände und gibt alte Wracks frei.
  • Schifffahrt: Geringe Wasserstände erschweren den Gütertransport und erhöhen die Transportkosten.
  • Hitze: Westeuropa erlebt den heißesten Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen.

 
Der Rhein führt im August so wenig Wasser wie seit Beginn der Messungen nicht mehr. Das Niedrigwasser legt am Niederrhein nicht nur alte Schiffswracks frei, sondern beeinträchtigt zunehmend auch die Schifffahrt und den Gütertransport.
Laut aktuellen Daten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes erreichte der Pegel Duisburg-Ruhrort am 10. August einen Rekordtiefstand von 145 Zentimetern. Auch an den Messstellen in Düsseldorf und Köln wurden neue Tiefststände registriert. Das Niedrigwasser lässt an mehreren Stellen des Niederrheins Bereiche sichtbar werden, die normalerweise vom Wasser bedeckt sind.

Zwei Wracks mit zwei düsteren Geschichten

Zwischen Neuss und Dormagen, nahe der Mündung des Silbersees in den Rhein, ist dadurch erneut ein alter Aalschokker zu sehen, wie der WDR berichtet. Das Schiff soll den Namen „Conny“ getragen haben und wurde bis in die 1990er-Jahre von einem der letzten Rheinfischer zum Aalfang genutzt.
Um das Wrack rankt sich eine ungewöhnliche Geschichte. Der damalige Fischer soll nach einem Beziehungsstreit versucht haben, seine frühere Partnerin und deren neuen Freund zu töten. Nach seiner Haftentlassung bemühte er sich offenbar darum, Geld für die Bergung seines Schiffes aufzutreiben. Später verschwand der Mann spurlos.
Da der Aalschokker weit außerhalb der Fahrrinne liegt, ist er für die Schifffahrt kein Hindernis. Bereits 2003 und 2022 war der Aalschokker bei besonders niedrigem Wasserstand deutlich zu sehen.

Luftaufnahme eines ehemaligen Aalfischerbootes, das bei Neuss im trockenen Schlamm am Ufer des Rheins liegt. Die Aufnahme entstand am 30. Juli 2026, als der Rhein nach außergewöhnlich heißem Wetter einen historischen Tiefstand erreichte.

Foto: Ina Fassbender/AFP via Getty Images

Ein weiteres historisches Wrack liegt bei Emmerich im Kreis Kleve. Die „De Hoop“ ist 131 Jahre alt und wurde bereits 2018 nach einer extremen Trockenperiode wieder sichtbar.
Das Frachtschiff sank im Winter 1895 nach einer Explosion. Die „De Hoop“ hatte gemeinsam mit mehreren anderen Schiffen Dynamit geladen. Beim Umladen beziehungsweise Verstauen der Ladung kam es auf dem benachbarten Schiff „De Elisabeth“ zur Explosion. Die „De Hoop“ geriet daraufhin in Brand und sank. Nach historischen Angaben kamen vermutlich 16 Menschen ums Leben.
Erst wenn der Rhein extrem wenig Wasser führt, kommen die beiden Schiffswracks zum Vorschein. Wer die aktuellen Pegelstände beobachten will, kann die Messwerte der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für unter anderem Emmerich und Düsseldorf abrufen.

Niedrigwasser wird zum Problem für die Schifffahrt

Die extrem niedrigen Wasserstände haben inzwischen auch direkte Folgen für die Binnenschifffahrt. Am für die Schifffahrt wichtigen Pegel Kaub wird im Laufe der Woche erstmals ein einstelliger Wasserstand erwartet, wie der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), Jens Schwanen, der „Rheinischen Post“ sagte.
Bei solchen Pegelständen könne die gewerbliche Schifffahrt in der betroffenen Region keinen regulären Gütertransport mehr durchführen. Auch Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschiffe seien betroffen. Es könnte de facto zu einer Zweiteilung des Rheins kommen.
Nach Einschätzung des BDB ist der Rhein dadurch faktisch nicht mehr durchgängig befahrbar. Zwischen den ARA-Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sowie Nordrhein-Westfalen bis etwa Köln kann der Verkehr über den Rhein und das westdeutsche Kanalnetz weiterhin stattfinden. Weiter südlich bestehen Verbindungen unter anderem über Neckar, Mosel und Main sowie den Main-Donau-Kanal.
Das Niedrigwasser belastet die deutsche Wirtschaft bereits seit Wochen. Binnenschiffe können bei geringen Wasserständen weniger Ladung aufnehmen. Dadurch steigen die Transportkosten, gleichzeitig geraten Lieferketten stärker unter Druck.

Niedrigwasser am Rhein bei Tolkamer in den Niederlanden am 5. August 2026.

Foto: Hesham Elsherif/Getty Images

Handel fordert mehr Lang-Lkw

Angesichts der angespannten Situation auf den Wasserwegen fordert der Handelsverband Deutschland (HDE), sogenannte Lang-Lkw dauerhaft zuzulassen.
Solche Lastwagen können deutlich mehr Ladung aufnehmen als herkömmliche Lkw. Der HDE argumentiert, dass bei einer Verlagerung von Transporten vom Schiff auf Straße und Schiene zusätzliche Engpässe entstehen könnten. Hinzu kommt der seit Jahren bestehende Mangel an Lkw-Fahrern.
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth fordert deshalb eine dauerhafte Regelung für Lang-Lkw. Bisher ist deren Einsatz nur auf bestimmten Strecken und unter zeitlich begrenzten Genehmigungen möglich.
Herkömmliche Lkw dürfen maximal 18,75 Meter lang sein, Lang-Lkw können bis zu 25,25 Meter erreichen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums können zwei Lang-Lkw drei Fahrten mit herkömmlichen Lastwagen ersetzen. Die mögliche Kraftstoffersparnis wird mit 15 bis 25 Prozent angegeben.

Westeuropa erlebt heißesten Juni und Juli seit Messbeginn

Parallel zum extremen Niedrigwasser hat Westeuropa einen weiteren Temperaturrekord verzeichnet. Nach Angaben des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus waren Juni und Juli 2026 zusammengenommen die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Durchschnittstemperatur der beiden Monate lag bei 21,62 Grad Celsius und damit über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022. Gleichzeitig war die Bodenfeuchtigkeit im Juli deutlich niedriger als während der damaligen Dürre.
Besonders trocken war es unter anderem in Frankreich, Spanien, Österreich, Ungarn, Großbritannien und Irland. In mehreren europäischen Ländern wurden zudem ungewöhnlich niedrige Flusspegel und Einschränkungen bei Schifffahrt, Bewässerung und Stromerzeugung gemeldet.

Bad Ischl, Österreich – 2. August 2026: Boote liegen im stark zurückgegangenen Wasser des Nussensees. Hitze und ausbleibender Regen lassen die Wasserstände in der Region deutlich sinken.

Foto: Christian Bruna/Getty Images

(afp/dpa/red)
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Gefälschte Auto-Inserate: So gehen Betrüger vor

Polizei, Autohändler und Internetplattformen warnen vor gefälschten Auto-Angeboten. Jüngst wies die Pforzheimer Polizei via Instagram auf Täuschungsversuche hin, bei denen Betrüger angebliche Unfallfahrzeuge zu Schnäppchenpreisen feilbieten. „Das Problem: Weder das Fahrzeug noch die angeblichen Verkäufer existieren.“

Worum geht es?

Kriminelle nehmen sowohl private Käufer als auch Autohäuser aus. Unter Vortäuschung eines echten Verkaufsangebots werden sie zur Vorkasse gebeten. Am Ende sehen Opfer weder das Auto noch ihr Geld wieder.

Wie gehen die Kriminellen vor?

Die Maschen sind unterschiedlich und zielen darauf ab, dass jemand vorab Geld zahlt. „In manchen Fällen wird in Aussicht gestellt, dass das Fahrzeug mit einem Transportfahrzeug an die Geschädigten geliefert wird“, erklärt ein Sprecher der Polizei. Dann werde eine Anzahlung gefordert. „Nicht selten leisteten die Geschädigten dann „Anzahlungen“ in Höhe von mehreren Tausend Euro.“
Stefan Obert vom Bundesverband freier Kfz-Händler berichtet, aktuell würden häufig Autos aus angeblichen Insolvenzmassen angeboten. „Da werden vermeintliche Rechtsanwaltskanzleien oder Namen von real existierenden Kanzleien, Anwältinnen beziehungsweise Anwälten missbraucht und gefälschte Gerichtsbeschlüsse vorgelegt.“ Auch vermeintliche Kataloge einer großen Autohandelsgruppe aus Süddeutschland mit Sonderangeboten sind im Umlauf, wie der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg schreibt.

Warum werden auch professionelle Kfz-Händler Opfer?

Weil die Täter nicht zuletzt mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) immer professioneller agieren. Der baden-württembergische Verband berichtet von täuschend echten Fake-Webseiten und -Händlerprofilen – inklusive Logos, Impressum und Kontaktdaten. Zudem sei es bei Geschäften zwischen Betrieben üblich, Waren auch ungesehen zu kaufen, erklärt Obert. „Ein Katalog mit 30, 40 Seiten ist da keine Seltenheit.“ Die Preise seien oft günstig – „aber nicht so, dass jeder argwöhnisch wird“.

Wie haben sich die Fallzahlen entwickelt?

Die Polizei hat keine konkreten Zahlen, weil sie nicht ohne weiteres aus den Betrugsstraftaten gefiltert werden könnten. Solche Delikte verlagerten sich seit Jahren immer mehr ins Internet, erklärt der Sprecher. Dort könnten Täter eine Vielzahl an potenziellen Geschädigten ansprechen und betrügerische Inserate mehrfach einstellen – sei es auf unterschiedlichen Plattformen oder unter Angabe verschiedener Verkaufsadressen. Beim Autoclub ACE geht laut dessen Auskunft ein Großteil der Mitgliederanfragen auf betrügerische Inserate zurück.
Laut dem Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg nehmen Betrugsfälle merklich zu: „Bei geprellten Autohäusern sehen wir leider eine steigende Tendenz.“ Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß spricht von einer „Betrugswelle, die mit neuen Tricks Fahrt aufnimmt und an Professionalität gewinnt“. Beim Bundesverband geht man aber davon aus, dass viele Unternehmen inzwischen sensibilisiert seien. Den Höhepunkt an Meldungen habe der Verband 2024 erlebt, sagt Obert. „In diesem Jahr haben wir über 20 entsprechende Warnmeldungen ausgegeben.“

Was weiß man über die Betrüger?

„Die Täter befinden sich nicht selten im Ausland“, erklärt die Polizei. Vor einigen Jahren habe man die betrügerischen Inserate und den Mailverkehr anhand von Übersetzungsfehlern noch leichter als solche erkennen können. „Heute sind diese durch den Fortschritt von KI und KI-Übersetzungsprogrammen jedoch nicht mehr anhand des bloßen Textes zu identifizieren.“

Wie laufen die Ermittlungen?

Die Polizei nutzt unterschiedliche Ermittlungsansätze. „Der „Weg des Geldes“ ist hier häufig die heißeste Spur“, erläutert der Sprecher. Oft lägen Tage oder Wochen zwischen Tat und Anzeige. Nicht selten lande das Geld zunächst auf Geldwäschekonten. „Bis zur Anzeigenaufgabe wurden die Gelder in vielen Fällen bereits mehrfach weiterüberwiesen.“

Was machen Plattform-Betreiber zum Schutz?

Zur Aufklärung haben Autoscout24, mobile.de, Kleinanzeigen und der Autoclub ADAC mit der Polizei die „Initiative Sicherer Autokauf im Internet“ gegründet. Hinzu kommen technische Sicherheitsmechanismen – teils mit Hilfe von KI – und manuelle Prüfprozesse, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen, wie die Plattformbetreiber mitteilten. Verwarnungen, Sperren oder Kündigungen können folgen.

Wie schützen sich Kfz-Betriebe?

Der Bundesverband freier Kfz-Händler veröffentlicht seit 2023 „Warnmeldungen“ auf seiner Internetseite, um über aktuelle Betrugsmaschen aufzuklären. Der Kfz-Verband in Baden-Württemberg rät etwa, Mitarbeitende über neue Maschen zu informieren und wichtige Transaktionen und Verträge intern gegenprüfen zu lassen.

Was können Betrogene machen?

Ist das Geld einmal überwiesen, stehen die Chancen laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg schlecht, es zurückzubekommen. Man müsse schnell die Bank oder Polizei einschalten, sagt Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet, Verbraucherrecht.
Die Bank könne das Geld vielleicht zurückhalten. Ermittler könnten das Empfängerkonto sperren lassen. Bei Kreditkarten gebe es Rückbuchungsverfahren. Die Plattformen erstatten nach eigenen Angaben kein Geld. (dpa/red)
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Berlin: Mann auf offener Straße durch Schüsse getötet

Ein Mann ist nach einem Streit zwischen mehreren Menschen in Berlin auf offener Straße angeschossen und dabei tödlich verletzt worden. Sanitäter versuchten, den 30-Jährigen wiederzubeleben, er starb aber noch am Tatort im Stadtteil Charlottenburg, wie die Polizei auf X mitteilte.
Nach Angaben einer Polizeisprecherin sind die mutmaßlichen Täter auf der Flucht. Wie viele Schüsse bei dem Vorfall auf dem Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoologischer Garten kurz vor Mitternacht abgefeuert wurden, sagte die Sprecherin nicht. Auch die Hintergründe des Streits blieben zunächst unklar. Die Mordkommission nahm die Ermittlungen auf.
 

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Der Tatort liegt im Berliner Westen. Der Bahnhof Zoologischer Garten gilt im Berliner ÖPNV als wichtiger Knotenpunkt. Für viele Touristen, die den westlichen Teil der Hauptstadt erkunden wollen, dient der Bahnhof als Ausgangspunkt. Unter anderem liegen die bekannte Einkaufsmeile Kurfürstendamm und die Gedächtniskirche in der Nähe.
In Berlin kommt es immer wieder zu Vorfällen mit Schusswaffen. Erst am frühen Sonntagmorgen hatten Unbekannte auf die Scheibe einer Gaststätte in Neukölln geschossen. Am Wochenende zuvor war ein 38-Jähriger in Schöneberg angeschossen worden.
Laut Polizei hat der Einsatz von Schusswaffen in Berlin in der Vergangenheit stark zugenommen. „Streitigkeiten, die früher mit Fäusten ausgetragen wurden, werden heute vielleicht eher mit Schusswaffen ausgetragen“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel etwa im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses im Februar. Im Jahr 2025 registrierte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch – ein Anstieg um 68 Prozent gegenüber 2024. Dabei wurde in mehr als 500 Fällen auch geschossen. (dpa/red)
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„Genug gearbeitet“ – Eigenverantwortung: Freiheit braucht klare Grenzen

„Die sollen eigenverantwortlicher arbeiten.“ Dieser Wunsch ist in fast jedem Unternehmen zu hören. Er klingt gut. Modern. Entlastend. Doch Eigenverantwortung entsteht nicht dadurch, dass man sie fordert. Sie entsteht durch einen Rahmen, in dem Menschen Verantwortung tatsächlich übernehmen können.
Freiheit ohne Grenze ist Unsicherheit. Grenze ohne Freiheit ist Kontrolle. Eigenverantwortung benötigt beides: Spielraum und Orientierung.
Viele Führungskräfte geben Aufgaben ab und wundern sich, dass Rückfragen kommen. Dabei wurde oft nur gesagt, was zu tun ist, nicht aber, was entschieden werden darf. Dann entstehen zwei ungünstige Varianten: Die einen fragen ständig nach. Die anderen entscheiden mutig und bekommen später Ärger, weil es „so nicht gemeint“ war.
Ein Team entwickelte eine einfache Entscheidungsmatrix:
  • Grün: Entscheidung allein durch Person oder Team
  • Gelb: Entscheidung möglich, Führung wird vorher informiert
  • Rot: Entscheidung nur gemeinsam – bei hohem Risiko, hohen Kosten oder hoher Wirkung
Diese drei Farben ersetzten viele Diskussionen. Plötzlich wurde Eigenverantwortung nicht mehr als Charakterfrage behandelt, sondern als Arbeitsstruktur.
Genug gearbeitet. Genug Energie in Rückfragen verloren, die nur entstehen, weil Grenzen unklar sind.
Eigenverantwortung hat auch mit Fehlerkultur zu tun. Wer Verantwortung übernimmt, wird nicht immer perfekt entscheiden. Deshalb braucht es Rückendeckung. Nicht Freifahrtschein, sondern Fairness: Was war bekannt? Was war der Rahmen? Was lernen wir daraus?
Ein wirksamer Führungssatz lautet: „Das ist deine Entscheidung. Ich stehe hinter dir, und wir schauen danach gemeinsam auf die Wirkung.“ Dieser Satz verändert viel. Er gibt Zutrauen und hält die Verbindung aufrecht.
Eigenverantwortung wächst in kleinen Schritten:
  • Eine Entscheidung wirklich abgeben.
  • Das Ergebnis besprechen, nicht jeden Zwischenschritt kontrollieren.
  • Gute Entscheidungen sichtbar anerkennen.
  • Fehler nutzen, um den Rahmen zu verbessern.
Wer mehr Eigenverantwortung will, muss auch die eigene Rolle verändern. Weniger Retter. Weniger letzte Instanz für alles. Mehr Orientierungsgeber von Richtung, Grenze und Maßstab.
Das ist für viele Führungskräfte unbequem. Denn es nimmt ihnen die schnelle Befriedigung, selbst alles zu lösen. Aber es schafft langfristig Entlastung und Wachstum.
Genug gearbeitet. Welche Entscheidung könnten Sie diese Woche wirklich abgeben – nicht nur die Arbeit daran?
Rolf Hempel | www.b-steps.de/summit | b-steps summit
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Sammlung von Daten: Was Ihr Auto ohne Ihr Wissen auswertet


In Kürze:

  • Moderne Autos sammeln inzwischen durch Sensoren, Kameras, Mikrofone und GPS riesige Datenmengen.
  • Mehrere Unternehmen haben sich bereits auf die Erfassung und sogar den Weiterverkauf der Daten spezialisiert.
  • Datenschutzbehörden warnen vor möglicherweise unkorrektem Gebrauch personenbezogener Daten.

 
Autofahrer sind sich oft gar nicht über die riesige Datenmenge bewusst, die in ihrem Auto in Echtzeit übermittelt wird. Die Daten speisen ein unscheinbares Ökosystem, in dem Automobilhersteller, spezialisierte Start-ups und Versicherer um eine Ressource konkurrieren, die mittlerweile strategische Bedeutung erlangt hat.
Vom Bremsverhalten über die Standortbestimmung bis hin zu den täglichen Fahrten und bestimmten Nutzungsgewohnheiten des mit dem Auto verbundenen Smartphones zeichnen diese Daten ein äußerst präzises Bild des Fahrers. Dies geht so weit, dass nach Ansicht einiger Experten das moderne Auto manchmal mehr über seinen Besitzer weiß als dessen eigenes Mobiltelefon.

Massive Datenerfassung im Fahrzeuginneren

Laut Studien, auf die sich mehrere Akteure der Branche berufen, kann ein vernetztes Fahrzeug rund 25 GB Daten pro Betriebsstunde erzeugen. Diese allgemeine, nicht auf bestimmte Modelle bezogene Zahl wird immer wieder von verschiedenen Quellen genannt. Je nach Modell kann die Datenmenge niedriger oder höher sein. Auch eine aktuelle Untersuchung der französischen Tageszeitung „Le Parisien“ nennt diese Größenordnung.
Darin ist die Rede von „einem kolossalen Datenvolumen, das in Echtzeit ohne Ihr Wissen übertragen wird“. Gleichzeitig werde nur ein Bruchteil dieser Informationen tatsächlich genutzt, während der Rest in riesige Datenbanken fließe.
Die Daten sammeln Sensoren, Kameras, GPS, Mikrofone und die Navigationssoftware. Diese Einheiten erfassen Geschwindigkeit, Beschleunigungen, Bremsvorgänge, Lenkwinkel, Temperaturen, aber auch besuchte Orte oder Fahrgewohnheiten.
Die Fahrzeughersteller sind nach wie vor die Hauptinhaber dieser Datenströme. Sie speichern die Informationen auf ihren eigenen Servern, oft außerhalb der direkten Reichweite des Nutzers. Dies geschieht trotz der Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der spezifischen europäischen Richtlinien für vernetzte Fahrzeuge.

Start-ups und Versicherer auf der Suche nach neuen Daten

Rund um diese Ressource hat sich ein boomender Markt entwickelt. Start-ups haben sich auf die Erfassung, Aggregation und den Weiterverkauf von Fahrzeugdaten spezialisiert, insbesondere für die Bedürfnisse von Flottenmanagern, Mobilitätsanbietern oder Versicherungsgesellschaften.
In Frankreich bieten Start-ups wie Linkbycar an, Fahrzeuge verschiedener Marken zu vernetzen und deren Daten zu analysieren, um Dienstleistungen anzubieten, die von der vorausschauenden Wartung bis zur Optimierung von Versicherungsverträgen reichen. Auch in Deutschland gibt es solche Unternehmen wie CARUSO Dataplace oder autoaid.
Die Versicherer sehen in diesen Informationen ein leistungsstarkes Instrument zur Risikomodellierung. Frankreichs Versichererverband „France Assureurs“ betont, dass der Zugriff auf Fahrdaten es ermöglicht, Angebote individuell anzupassen, Betrug zu bekämpfen und die Schadenabwicklung zu verbessern. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung der Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, der ausdrücklichen Einwilligung und der Anonymisierung.

Zwischen Sicherheitsversprechen und wirtschaftlichen Herausforderungen

Die Automobilhersteller begründen die Erfassung eines Teils dieser Daten mit Sicherheits- und Komfortanforderungen. Ihren Argumenten zufolge ermöglicht die detaillierte Analyse des Fahrverhaltens, bestimmte Pannen vorherzusehen, Fahrerassistenzsysteme zu verbessern oder Software-Updates einzuspielen, die darauf abzielen, das Unfallrisiko zu verringern.
Diese Informationen dienen auch der Entwicklung neuer kostenpflichtiger Dienste, sei es in Form von vernetzten Abonnements, integrierten Versicherungsangeboten oder Optionen zur individuellen Gestaltung des Fahrerlebnisses. Einige Konzerne haben bereits eigene Versicherungsprodukte auf den Markt gebracht, die zumindest teilweise auf den vom Fahrzeug erfassten Fahrdaten basieren.
Der Hersteller wird dabei zu einem unverzichtbaren Vermittler zwischen dem Fahrer und anderen Akteuren, die an diesen Daten interessiert sind, seien es Versicherer, Autovermieter oder Mobilitätsunternehmen. Das erhöht den strategischen Wert dieser Informationen für die Automobilindustrie noch weiter.

Wachsame Datenschutzbehörden

Angesichts dieser Entwicklung warnen die Datenschutzbehörden immer wieder eindringlich. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) weist in seinen Leitlinien darauf hin, dass alle Fahrzeuginformationen, die direkt oder indirekt einem Fahrer oder Beifahrer zugeordnet werden können – insbesondere Standortdaten –, als personenbezogene Daten gelten.
Diese Leitlinien heben mehrere Grundsätze hervor. Dazu gehören die Beschränkung der Datenerhebung auf das Notwendige, klare rechtliche Voraussetzungen für die Weitergabe an Dritte, eine begrenzte Aufbewahrungsdauer sowie die Verschlüsselung der lokal oder in der Cloud gespeicherten Daten. Sie betonen zudem, dass der Nutzer einfachen Zugriff auf seine Informationen haben und sein Widerspruchs- oder Löschungsrecht ausüben können muss.
Für die Behörden steht viel auf dem Spiel: Es gilt zu verhindern, dass diese Daten, die kontinuierlich von Millionen von Fahrzeugen erzeugt werden, zu einem weit verbreiteten Instrument zur Überwachung von Bewegungen und Verhaltensweisen werden, ohne dass der betroffene Autofahrer eine echte Kontrolle darüber hat.

Kampf um die Datenkontrolle

Zwischen dem Versprechen einer sichereren Mobilität und der Befürchtung einer verstärkten Überwachung sind Fahrzeugdaten zu einem ständigen Verhandlungsthema geworden. Hersteller, Start-ups und Versicherer verweisen auf die potenziellen Vorteile in Bezug auf Verkehrssicherheit, innovative Dienste und eine differenziertere Preisgestaltung. Die Regulierungsbehörden versuchen hingegen, Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre festzulegen.
Da in den kommenden Jahren nahezu alle Neufahrzeuge vernetzt sein werden, bleibt die zentrale Frage: Wer entscheidet über die Nutzung dieser riesigen Datenmengen, die pro Fahrstunde generiert werden? Und zu wessen Gunsten?
Für Autofahrer ist das nicht nur eine technische Frage. Es geht um die Kontrolle über die eigenen Daten sowie um die Transparenz der Akteure, die diese Daten verwerten. Zudem stellt sich die Frage, ob man in voller Kenntnis der Sachlage entscheiden kann, welche Dienste es wert sind, dafür eine stärkere Einbeziehung des eigenen Alltags in die Algorithmen in Kauf zu nehmen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf epochtimes.fr unter dem Titel „Voiture connectée : jusqu’à 25 Go de données générées par trajet, exploitées à votre insu“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung mf)
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Ceuta und die Israel-These: Massive Kritik an ARD-Journalist Georg Restle


In Kürze:

  • Georg Restle teilte auf X eine These, wonach der Massenandrang von Migranten auf Ceuta Teil einer geopolitischen Strategie Marokkos, Israels und der USA gewesen sein könnte.
  • Darauf folgten deutliche Kritik auf X und eine Beschwerde beim WDR gegen den ARD-Journalisten.
  • Politiker und ein Mitglied des WDR-Rundfunkrats werfen Restle vor, eine unbelegte Theorie zu verbreiten und damit die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu beschädigen.

 
Die Diskussion um den Migrantenandrang auf die spanische Exklave Ceuta hat inzwischen auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erreicht. ARD-Journalist Georg Restle teilte auf der Plattform X einen Beitrag, in dem die These vertreten wird, der Massenandrang könne Teil einer größeren geopolitischen Strategie von Marokko, Israel und den USA gewesen sein.
Der Beitrag stellt dabei einen Zusammenhang mit den Abraham-Abkommen her und greift die These auf, die Aktion in Ceuta habe dazu dienen können, politischen Druck auf Europa auszuüben, eine europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten sowie Völkerrecht und Menschenrechte zu untergraben.
Georg Restle postet auf X: „Ceuta war weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des immer stärker werdenden US-israelisch-marokkanischen Bündnisses (…), eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben.“

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Zunes: Ceuta als geopolitische Strategie

Restles Post zitierte die zusammenfassenden Schlussworte aus einer verlinkten Analyse des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Stephen Zunes in „The Nation“ mit der Überschrift „The Real Story Behind the Human Wave That Entered Ceuta“. In dem Artikel vertritt Zunes die These, der Massenandrang auf die spanische Enklave gehe auf eine Absprache zwischen Israel, den USA und Marokko zurück.
Die Menschenmassen, „die nach Ceuta strömten“, hätten nicht aus verzweifelten Flüchtlingen bestanden, schreibt Zunes, Professor an der University of San Francisco, der auf Nahostpolitik und US-Außenpolitik spezialisiert ist.
Zunes zufolge zeigten Videos, dass „keiner von ihnen“ Taschen bei sich getragen habe. Zudem seien viele Menschen in organisierten Lkw-Ladungen antransportiert und von marokkanischen Grenzbeamten durchgewinkt worden. Und weiter: „Das gleichzeitige Erscheinen Zehntausender Menschen an der Grenze erforderte zweifellos einen enormen logistischen Aufwand.“
Nach dem Teilen und Zitieren des Artikels sieht sich Restle, der über Jahre das ARD-Politikmagazin „Monitor“ prägte und seit 2024 ARD-Korrespondent in Nairobi ist, nicht nur mit zahlreichen kritischen Kommentaren unter seinem Post, sondern auch mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert.

Auf X hagelt es Kritik: Vorwurf der „kognitiven Fehlleistung“

Karoline Preisler (FDP) kommentierte Restles Beitrag mit einem Aluhut-Meme und der Aussage: „Der Jude ist an allem schuld. Lalalalala. Der Jude ist an allem schuld. Lalalalala. Leute! Achtung! Georg Restle ist einer ganz großen Sache auf der Spur. Wirklich!“

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Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, fragte Restle via X, ob er „irgendeinen Beweis für diese wilden Behauptungen“ habe, „oder sind Fakten mittlerweile obsolet?“.
Ulf Poschardt, Journalist und ehemaliger Chefredakteur der WELT, kommentierte den Beitrag ebenfalls scharf. Er schrieb: „Der linke Antisemitismus ist der endgültige Offenbarungseid dieses Milieus.“
Noch schärfer wurde Jan Jacobi, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Potsdam. Er kommentierte ebenfalls via X, sollte Restle seine Aussage tatsächlich ernst meinen, handele es sich um eine „bedenkliche funktionelle kognitive Fehlleistung“, und fragte anschließend: „Was sagt der Rundfunkrat dazu?“

Beschwerde bei WDR-Programmdirektorin

Auch im WDR-Rundfunkrat ist der Fall inzwischen Thema. Ein Mitglied des Gremiums hat beim Sender eine Beschwerde gegen Restle eingereicht. In einem Brief an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk fordert Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, eine Stellungnahme zu Restles Post.
In dem von der „Jüdischen Allgemeinen“ im Wortlaut veröffentlichten Beschwerdebrief kritisiert Schotland, dass eine derart weitreichende geopolitische Behauptung ohne nachvollziehbare Einordnung oder erkennbare Distanzierung verbreitet werde und dies das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des WDR beschädige.
„Unabhängig davon, ob Herr Restle dies als persönliche Meinungsäußerung versteht, wird er von der Öffentlichkeit als Repräsentant des WDR wahrgenommen“, moniert Schotland. Sein Brief sei als „persönliche Beschwerde“ zu verstehen. Der Beitrag von Restle habe ihn bestürzt.

Migration als Druckmittel?

Der WDR hatte Anfang August darüber berichtet, ob Marokko den Massenandrang auf Ceuta zumindest zugelassen oder als politisches Druckmittel gegenüber Spanien eingesetzt haben könnte. In einem Beitrag des Senders hieß es, marokkanische Behörden hätten Menschen offenbar nicht am Grenzübertritt gehindert. Daraus ergab sich der Verdacht, Marokko könnte Migration als Druckmittel gegenüber Spanien genutzt haben.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters legen Erkenntnisse spanischer Nachrichtendienste nahe, dass Marokko den massenhaften Zustrom zwar ermöglicht, aber nicht selbst organisiert habe. Gelockerte Grenzkontrollen hätten den Ansturm begünstigt.
Davon zu unterscheiden ist die weitergehende Behauptung, Marokko habe dabei gemeinsam mit Israel und den USA gehandelt und den Massenandrang als Teil einer abgestimmten geopolitischen Strategie geplant. Für eine solche Beteiligung Israels oder der USA liegen nach der derzeit dargestellten Quellenlage keine entsprechenden Belege vor.
Die Beziehungen zwischen den USA, Israel und Marokko haben sich seit dem 2020 geschlossenen Normalisierungsabkommen im Rahmen der Abraham-Abkommen deutlich intensiviert. Dazu gehören auch engere sicherheitspolitische und militärische Beziehungen, über die vielfach berichtet wurde. Ein Zusammenhang zwischen dieser Kooperation und den Ereignissen in Ceuta ist damit jedoch nicht belegt.
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Tatort Internet: LKA warnt vor Identitätsdiebstahl im Netz


In Kürze:

  • Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein warnt vor Identitätsdiebstahl.
  • Etwa jeder Zehnte ist in Deutschland davon betroffen.
  • Durch den bewussten Umgang mit Passwörtern, TANs und anderen Zugangsdaten kann man sich schützen.

 
Um sich finanziell zu bereichern, wenden Kriminelle immer wieder den sogenannten Identitätsdiebstahl an. Vor dieser Methode warnen jetzt das Landeskriminalamt und der Weiße Ring, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität, in Schleswig-Holstein.
Demnach kann sich der Identitätsdiebstahl auf verschiedene Arten bemerkbar machen. Es können unbekannte Abbuchungen auf dem Bankkonto auftauchen oder Inkassoschreiben für Waren, die man nie bestellt hat. Im schlimmsten Fall können den Opfern Straftaten vorgeworfen werden, die sie nicht begangen haben.
Die Täter missbrauchen dabei die gestohlenen persönlichen Daten anderer Menschen. Hierzu zählen Namen, Anschriften, Geburtsdaten, Telefonnummern oder Bankverbindungen. An solche Daten können Kriminelle unter anderem über das Darknet gelangen. Je umfangreicher ein Datensatz ist, desto größer sind die Möglichkeiten für Betrug und weitere Straftaten.
In Deutschland wurden laut einer YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2024 bereits rund 11 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Opfer von Identitätsdiebstahl. Somit war bereits fast jeder neunte Bürger davon betroffen.

Wie stehlen Kriminelle Ihre Daten?

Ob Bankaktivität, Einkäufe im Internet oder Online-Kommunikationswege: Unsere Handlungen im Alltag haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend digitalisiert. Im Zuge dessen hat sich auch die Cyberkriminalität stark weiterentwickelt. Die Methoden werden immer professioneller und schwerer zu erkennen.
Ein heute gängiger Weg des Datendiebstahls sind laut dem Kriminalhauptkommissar Henning Dibbern von der Zentralstelle Cybercrime im Landeskriminalamt (LKA) die sogenannten Phishing-Angriffe. Diese können die Verbraucher per E-Mail, SMS oder Kurznachricht auf Messenger-Diensten erreichen.
Auf den ersten Blick stammen sie angeblich von Banken, Paketdiensten, Online-Shops oder Behörden. Diese Nachrichten wollen die Nutzer dazu bewegen, dem Absender ihre Zugangsdaten, Passwörter, TANs oder Kreditkarteninformationen mitzuteilen. „Das läuft häufig über Links, die man per E-Mail oder SMS zugeschickt bekommt“, teilt Dibbern mit.
Ergänzt werden die Daten einer Person durch Informationen, die unter anderem durch Datenlecks bei Unternehmen oder durch Schadsoftware auf Computern abgegriffen werden. „Man kann mit echten Daten quasi eine Person herstellen und im Namen dieser Person Straftaten begehen“, erklärt der Kriminalhauptkommissar.

Welche Betrugsmaschen treten besonders häufig auf?

Die Behörde nennt dabei die aktuell häufigsten Formen des Identitätsdiebstahls. Dazu zählen:
  • Phishing-E-Mails und SMS mit gefälschten Internetseiten.
  • Übernahme von E-Mail- und Social-Media-Konten durch gestohlene Passwörter.
  • Fake-Shops oder gefälschte Verkaufsplattformen, auf denen persönliche Daten abgegriffen werden.
  • Bestellungen oder Vertragsabschlüsse unter fremdem Namen.
Die Vorgehensweisen der kriminellen Datenjäger folgen dabei häufig ähnlichen Mustern. Die Nachrichten sind so aufgebaut, dass sie beim Empfänger entweder Zeitdruck erzeugen oder vor angeblichen Sicherheitsproblemen warnen. Inzwischen sind die Nachrichten oftmals so gestaltet, dass sie einen seriösen Eindruck erwecken.

So können Sie sich schützen

Betrügerische Nachrichten kann man meist beim genauen Blick etwa auf die Absendeadresse erkennen. Vorsicht ist geboten, wenn diese nicht erkennbar vom angegebenen Unternehmen oder der Behörde stammt.
Generell sollten Verbraucher mit digitalen Nachrichten stets kritisch umgehen. Ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten, auch in den sozialen Medien, ist ein wichtiger Schutz vor Identitätsdiebstahl.
Im Folgenden sind wichtige Sicherheitsvorkehrungen aufgeführt, auf die Verbraucher achten sollten:
  • Geben Sie Passwörter, TANs oder Sicherheitscodes niemals auf Aufforderung per E-Mail, SMS oder Telefon weiter.
  • Prüfen Sie Internetadressen sorgfältig und öffnen Sie Links nur, wenn deren Echtheit zweifelsfrei feststeht.
  • Verwenden Sie für verschiedene Online-Dienste unterschiedliche, starke Passwörter und aktivieren Sie nach Möglichkeit die Zwei-Faktor-Authentifizierung.
  • Installieren Sie Sicherheitsupdates zeitnah auf all Ihren Geräten.
  • Seien Sie misstrauisch bei Nachrichten, die Zeitdruck erzeugen oder ungewöhnliche Forderungen enthalten.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Kontoauszüge und Online-Konten auf unberechtigte Aktivitäten.

Was Nutzer im Verdachtsfall tun sollten

Wer vermutet, Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden zu sein, sollte unverzüglich seine Passwörter ändern. Bei dringendem Verdacht ist zudem gegebenenfalls ratsam, betroffene Konten sperren zu lassen und die jeweilige Bank oder den betroffenen Dienst zu informieren.
„Auch wenn die Daten weg sind, ist nicht zwangsläufig ein finanzieller Schaden entstanden“, betont Dibbern. „Oft kann man den durch überlegtes Handeln verhindern.“
Der Kriminalhauptkommissar rät Betroffenen, verdächtige Nachrichten zu dokumentieren. Anschließend sollte Anzeige bei der örtlich zuständigen Polizeidienststelle oder über die Online-Wache der Landespolizei erstatt werden.

Welche Folgen hat Identitätsdiebstahl für Betroffene?

Zu bedenken ist auch, dass die Täter lange Zeit nach einem Datendiebstahl noch Identitäten missbrauchen können. Stellt das Opfer Unregelmäßigkeiten fest, sind ebenfalls Konten zu sperren, Passwörter zu ändern und Strafanzeige zu erstatten. Ebenso sollten Betroffene ihre Bonität überprüfen.
Oftmals müssen Geschädigte nachweisen, dass sie abgeschlossene Verträge oder Bestellungen nicht selbst getätigt haben. „Das Perfide ist auch, dass Daten als eine Art wiederverwertbarer Rohstoff gehandelt werden“, bestätigt Dibbern. „Wir kennen Fälle, wo Daten gestohlen und Jahre später erneut für die Erstellung eines Fake-Accounts benutzt wurden.“
Ein solches Erlebnis sorgt nicht nur für einen organisatorischen Aufwand. Der Nutzer verliert zudem das Vertrauen in digitale Angebote und Dienste.
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Hitzewarnung am Sonntag – keine Abkühlung in Sicht

Richtige Abkühlung ist auch in den nächsten Tagen nicht in Sicht. Immerhin ziehen ein paar Wolken auf, wie der Deutsche Wetterdienst berichtet. Örtlich kann es ein bisschen regnen, aber lange nicht genug.
Für Teile Süddeutschlands gab der DWD am Sonntag eine Hitzewarnung heraus. Sie galt ab 11:00 Uhr für Gebiete in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, wo es bis zu 36 Grad heiß werden sollte.
auch Später können Wolken aufziehen, die vereinzelt Schauer oder auch ein Gewitter bringen, hieß es in der Vorhersage.

Viel trinken und Sonne meiden

Die Hitzebelastung könne für Menschen gefährlich werden und zu Problemen mit der Gesundheit führen. Weiter heißt es: „Vermeiden Sie nach Möglichkeit die Hitze, trinken Sie ausreichend Wasser und halten Sie die Innenräume kühl.“
Größere Abkühlung ist erst einmal nicht in Sicht. „Während am Dienstag und Mittwoch die Temperaturkurve eine vorübergehende Delle hinlegt, die in Süddeutschland nur geringe Auswirkungen hat, dringen in der zweiten Wochenhälfte erneut wärmere Luftmassen nach Norddeutschland vor“, so die Prognose.

Zu wenig Regen

Am Montag bilden sich viele Quellwolken, aus denen es örtlich leicht regnen kann. In der Südhälfte können auch lokal Schauer und Gewitter entstehen. Sonst scheint im Süden verbreitet die Sonne.
„Da die heiße Luftmasse im Süden nicht ausgetauscht wurde, steigt dort die Quecksilbersäule auf Werte bis 36 Grad. Im Norden ist es mit etwa 25 Grad deutlich angenehmer“, sagt DWD-Meteorologe Markus Eifried.
Am Dienstag liegen über Norddeutschland tiefe Wolken, während es in Süddeutschland wieder sonnig wird. Eine Ausnahme bildet der Alpenrand, hier können sich Gewitter bilden.
„Die Höchstwerte gehen etwas zurück, wobei im Südwesten immer noch heiße 34 Grad auf der Agenda stehen“, wie der Meteorologe vorhersagt.
Ab Mitte der Woche wird es noch heißer: Bis zu 37 Grad im Südwesten, auch im Norden werden vielfach 30 Grad erreicht.
„Die Trockenheit, die besonders in Süddeutschland spürbar ausgeprägt ist, wird sich damit weiter verstärken. Die Waldbrandgefahr verharrt besonders in Süddeutschland im Bereich hoher und teils sehr hoher Werte.“ (dpa/red)