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Bericht: Koalition einigt sich auf Zuckersteuer und bei Pflegekommission

Union und SPD haben sich laut einem Medienbericht endgültig auf die Einführung einer Zuckersteuer und auch bei der geplanten Pflegekommission geeinigt. Der Kompromiss zur Zuckersteuer sehe eine zweistufige Steuer sowie Ausnahmen für kleinere Hersteller vor, berichtete am Dienstagabend Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine ihm vorliegende Vorlage für die Kabinettssitzung am Mittwoch. Aus dieser gehe auch hervor, dass die Koalitionspartner ihren Streit über den Arbeitsauftrag für die geplante Pflegekommission beigelegt hätten. Auch die deutsche Presseagentur erhielt die Information aus dem Finanzministerium.

Zuckersteuer soll nur für große Hersteller gelten

Bei der Zuckersteuer soll den Angaben zufolge ab Juli kommenden Jahres auf zuckergesüßte Getränke mit einem Zuckergehalt ab fünf Gramm pro hundert Milliliter ein Steuersatz von 26 Cent pro Liter erhoben werden. Ab acht Gramm solle ein Satz von 32 Cent gelten. Für Hersteller, die weniger als eine Million Liter gezuckerte Getränke pro Jahr produzieren, solle die Steuer nicht gelten, berichtet das RND unter Verweis auf die Kabinettsvorlage. 2027 solle die Steuer dem Bund 690 Millionen Euro einbringen. Für 2028 seien 925 Millionen Euro eingeplant, danach jeweils rund 880 Millionen Euro.

Pflegedeckel vom Tisch?

Die geplante „Pflegestrukturkommission“ soll sich dem Bericht zufolge auf Wunsch der SPD auch mit einer „Begrenzung“ der stark steigenden Eigenanteile in Pflegeheimen beschäftigen. Es handele sich aber lediglich um einen Prüfauftrag. Der von der SPD genutzte Begriff eines „Pflegedeckels“ werde in der Vorlage von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) nicht genannt.
Die Kommission soll dem Bericht zufolge auch die Forderung der SPD prüfen, Privatversicherte zur Finanzierung der gesetzlichen Pflege heranzuziehen. Die Formulierung dafür sei in der Kabinettsvorlage allerdings sehr allgemein gehalten: „Die Kommission wird Modelle für verfassungskonforme soziale Ausgleichsmechanismen prüfen und Vorschläge machen“, zitiert das RND. Dazu solle die Kommission Vorschläge „innerhalb und außerhalb des Systems der Pflegeversicherungen“ vorlegen.
Der Kommission sollen den Angaben zufolge insgesamt 13 Expertinnen und Experten angehören. Den Vorsitz sollten der frühere Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Georg Cremer, sowie die Präsidentin der Katholischen Hochschule für Sozialwesen (KHSB) in Berlin, Gabriele Kuhn-Zuber, übernehmen. (afp/dpa/red)
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Grüne und SPD in Berlin unterbrechen Sondierungen mit Linken

Grüne und SPD in Berlin haben die Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung mit dem Wahlsieger Linke unterbrochen. Zunächst müsse eine von allen Mitgliedern der Linke-Fraktion unterzeichnete Erklärung zum Umgang mit Antisemitismus bewertet werden, teilten die beiden Parteien mit.
Linke, Grüne und SPD in Berlin hatten vergangene Woche vor Aufnahme der Sondierungen eine Vereinbarung geschlossen, wie sie im Falle einer Koalition mit antisemitischen Vorfällen in den Reihen der Linken umgehen wollen. Angedacht sind auch Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss. Am Dienstag unterzeichneten die Mitglieder der Linken-Fraktion geschlossen eine Erklärung zu dem Thema.
„Wir haben zur Kenntnis genommen, dass die Linke in ihrer Fraktion zu anderen Verabredungen gekommen ist“, erklärten die Spitzenkandidaten Werner Graf (Grüne) und Steffen Krach (SPD) in einem gemeinsamen schriftlichen Statement.
„Das bedeutet, dass wir an dieser Stelle die Sondierungen unterbrechen müssen, um zu bewerten, ob unsere Vereinbarung von vergangener Woche noch gilt. Wir erwarten, dass die Linke uns deutlich macht, inwiefern sie unsere getroffenen Vereinbarungen ernst nehmen und umsetzen wollen.“
Woran sich Grüne und SPD genau stoßen, blieb zunächst unklar. Teile der Berliner Linken stehen wegen ihrer Positionen zu Israel und Palästina und zum Antisemitismus immer wieder in der Kritik.

Eigene Erklärung der Fraktion

Woran sich Grüne und SPD genau stoßen, blieb zunächst unklar. Die neue Linke-Fraktion hat bei ihrer konstituierenden Sitzung im Berliner Abgeordnetenhaus eine Erklärung unterschrieben, in der sie sich ausdrücklich zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jüdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels bekennt, wie Co-Fraktionschef Tobias Schulze mitteilte.
Darin verpflichten sich die Parlamentarier, sich in ihrem politischen Wirken als Abgeordnete an die Beschlüsse der Partei zu diesen Themen zu halten. Die Erklärung sei nun Grundlage der gemeinsamen Arbeit in der Fraktion, so Schulze. (dpa/red)
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Proteste in Frankreich: Greta Thunberg und Linkspolitiker Mélenchon nehmen teil

Im Zuge der sogenannten Schülerproteste sind in Frankreich erneut mehr als hunderttausend Menschen auf die Straße gegangen. Die Veranstalter meldeten am Dienstag landesweit 480.000 Teilnehmer, die Polizei sprach von 162.000. Am Vormittag unterstützte überraschend die schwedische Aktivistin Greta Thunberg in der Vorstadt Saint-Denis die Schülerproteste. An mehreren Orten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
An der Demonstration in Paris nahm auch der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon teil. Die französische Regierung wirft seiner Partei vor, die Proteste zu instrumentalisieren. Nach Angaben eines Studierendenverbandes waren am Dienstag 90 Prozent der Universitäten blockiert oder geschlossen. Das Hochschulministerium meldete, dass der Betrieb an 35 Prozent der Hochschulen und Universitäten gestört sei. Die Zahlen beider Seiten liegen in Frankreich üblicherweise sehr weit auseinander.

Mitglieder des schwarzen Blocks unter den Demonstranten

In Paris kam es am Nachmittag erneut zu Ausschreitungen. Sicherheitskräfte wurden mit Wurfgeschossen angegriffen, diese setzten Tränengas ein. Der Sender France Info berichtete, dass sich Randalierer des sogenannten Schwarzen Blocks unter die Demonstranten gemischt hätten. Auch in Lyon und Straßburg kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Anderenorts demonstrierten Tausende junge Menschen friedlich. „Warum gibt es so viel Geld für die Verteidigung, aber nicht für die Jugend?“, fragte der 17 Jahre alte Jonas in Bordeaux. „Wir sind die Zukunft“, skandierten Demonstrationsteilnehmer in Lens.

800 Sicherheitskräfte verletzt

Seit Beginn der Unruhen wurden etwa 1.150 Menschen verletzt: etwa 800 Sicherheitskräfte, 200 junge Menschen und knapp 150 Schulbeschäftigte. Allein am Montag waren 20 Mitarbeiter von Schulen verletzt worden, unter ihnen fünf Schulleiter.
Die Generalinspektion der Polizei ermittelt ihrerseits inzwischen in 36 Fällen wegen des Verdachts illegaler Polizeigewalt.

Premierminister Lecornu will Forderungen teilweise angehen

Premierminister Sébastien Lecornu hatte angekündigt, einige der Forderungen der Schüler bei der Haushaltsdebatte zu berücksichtigen. Schüler- und Studierendenverbände fordern seit Tagen vergeblich ein Treffen mit Lecornu. Sie verlangen unter anderem die Abschaffung des Verteilsystems für Studiengänge und Ausbildungen, das als komplex und intransparent gilt. Viele Schülerinnen und Schüler leiden unter dem Notendruck, der durch das System stark erhöht wird. Sie fordern außerdem zehn Milliarden Euro zur Renovierung und besseren Ausstattung der Oberschulen.
Manche Protestierende zeigen sich bereits entschlossen, nach den Herbstferien im November weiter zu demonstrieren. „Uns ist bewusst, dass die Regierung auf die Ferien hofft, aber wir lassen nicht locker“, sagte der 16 Jahre alte Enki Falqui aus Montpellier.

Verschlechterung der Bildungssituation seit Jahren

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der sich bislang kaum öffentlich zu den Protesten geäußert hat, hatte am Montag an die Schüler appelliert, ihre Anliegen in Ruhe vorzutragen und dabei respektvoll zu sein. Ihre Forderungen seien Themen, „die Zeit und Beratungen erfordern“, sagte er.
Seit der Amtsübernahme von Macron 2017 hat sich die Lage an den weiterführenden Schulen (collège und lycée) erheblich verschlechtert: Nach Angaben von „Le Monde“ ist die Zahl der Lehrer in dem Zeitraum um 11.600 geschrumpft, die Zahl der Schüler aber um 190.000 gewachsen. In 20 Prozent der Oberschulen sitzen mehr als 35 Schüler in der Klasse.
Oberschüler blockieren seit dem 17. September landesweit den Zugang zu zahlreichen Schulen, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Konkret fordern sie unter anderem mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen. Zugleich bricht sich eine allgemeine Wut angesichts von hohem Druck und fehlenden Perspektiven Bahn. (afp/red)
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Trump verteidigt Diesel-Deal mit Moskau – EU verhängt neue Sanktionen gegen Russland


In Kürze:

  • Trump nennt geplante russische Diesellieferungen an die USA „die richtige Entscheidung für das amerikanische Volk“. Sein Finanzminister wirft der EU Heuchelei vor.
  • Moskau beziffert seine Energieexporte in die EU seit 2022 auf über 320 Milliarden US-Dollar.
  • Die EU nennt deutlich geringere Zahlen. Demnach seien es in einem ähnlichen Zeitraum Importe im Wert von rund 197 Milliarden Euro gewesen.
  • Die EU will russische Energieimporte bis 2027 schrittweise beenden.

 
US-Präsident Donald Trump und US-Finanzminister Scott Bessent haben die Vereinbarung der Regierung in Washington mit Russlands Präsident Wladimir Putin zum Kauf von russischem Diesel verteidigt.
Trump schrieb auf Truth Social am Montag, 12. Oktober, die EU habe Russland 250 Milliarden US-Dollar (rund 223 Milliarden Euro) für Energielieferungen bezahlt, ohne dass dies medial problematisiert würde. Der Präsident schrieb auch, er habe mit der Vereinbarung mit Russland „die richtige Entscheidung für das amerikanische Volk“ getroffen.

US-Finanzminister: EU „finanziert Wladimir Putin“

Wie Trump am Freitag mitteilte, werde Russland sofort mehr als 300.000 Tonnen Diesel zur Lieferung für die USA und den Weltmarkt freigeben. Damit wolle man Sorgen bezüglich steigender Energiekosten infolge weltweiter Treibstoffengpässe entgegenwirken. Im November solle Putin weitere 500.000 Tonnen freigeben und unmittelbar danach 1 Million Tonnen. Zusätzliche 3 Millionen Tonnen sollten folgen, wenn es die russischen Raffineriekapazitäten erlaubten.
Aus der EU und aus Kiew kam Kritik, weil der Kreml mit den Exporterlösen den Krieg in der Ukraine weiterfinanzieren könne.
US-Finanzminister Scott Bessent warf den Europäern am Sonntag „Heuchelei“ vor. Diese würden selbst weiterhin „Wladimir Putin finanzieren“, während sie „vorgeben, dass wir keine Atempause beim Dieselpreis erhalten können“.
Die EU hat seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 mehrere Sanktionspakete gegen Russland verabschiedet. Bis heute gelangt jedoch nach wie vor Öl und Gas aus Russland in die EU.
Diesen Umstand griff auch Bessent in seiner Aussage auf.

Kreml spricht von „europäischem Zynismus“

Ähnlich äußerte sich Kremlsprecher Dmitri Peskow. Dieser sprach am Dienstag gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur „TASS“ von „europäischem Zynismus“. Europäische Länder blieben „wie alle anderen Ländern eifrige Käufer von russischem Öl und russischen Produkten der Petrochemie“.
Der für Energie zuständige russische Vizeregierungschef Alexander Nowak sagte, sein Land habe seit 2022 Erdöl und Erdgas im Wert von 320,7 Milliarden Dollar (etwa 286 Milliarden Euro) an EU-Länder verkauft.r. Dies würde damit sogar die von Trump genannte Summe übersteigen.
Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hätten EU-Staaten russische Kohlenwasserstoffprodukte im Gesamtwert von 21,3 Milliarden US-Dollar erworben.

Frankreich zuletzt Spitzenabnehmer von Jamal-LNG

Die deutsche Umweltorganisation Urgewald, die Daten des Analysediensts Kpler geewertet hat, führt für diesen Zeitraum Flüssigerdgas aus dem russischen Jamal-Projekt im Wert von 7,88 Milliarden Euro auf, wie „Euronews“ berichtete.
Die Liefermenge betrug dieser Aufstellung zufolge 12,18 Millionen Tonnen und lag damit 9,5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Frankreich sei Abnehmer der Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) aus dem Jamal-Projekt gewesen. Im September sollen nahezu drei Viertel aller für EU-Länder bestimmten Ladungen von dort nach Dünkirchen, Montoir-de-Bretagne oder zu anderen französischen Terminals gelangt sein.

EU nennt geringere Zahlen als Moskau

Der russische Vizepremier berücksichtige bei seiner Berechnung keine russischen Energieträger, die nach einer Verarbeitung in Drittstaaten wie Indien oder der Türkei indirekt nach Europa gelangen.
Die EU nennt geringere Zahlen als Moskau wieviel sie an Öl und Gas aus Russland seit Beginn des Kriegs in der Ukraine importiert hat.
Zwischen März 2022 und Juli 2026 haben sich die Importe auf einen Wert von 197 Milliarden Euro beliefen, wie eine Sprecherin der EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte. Das ist deutlich weniger als Nowak angegeben hatte.
Die Angaben aus Moskau beziehen sich zwar auf einen anderen Zeitraum als die Zahlen der EU-Kommission, trotzdem geht die Rechnung nicht auf. Die russischen Zahlen sind fast eineinhalb Mal so hoch, obwohl Moskau nur wenige Monate mehr einrechnet. Unklar ist, ob Russland weitere Öl- und Gasprodukte oder andere europäische Länder außerhalb der EU einrechnet.
Die Kommissionssprecherin in Brüssel betonte, die EU-Staaten hätten ihre russischen Energieimporte bereits drastisch heruntergeschraubt. „Wichtig ist die Tendenz. Wir müssen die Arbeit anerkennen, die viele unserer Mitgliedstaaten in Rekordzeit geleistet haben, obwohl die meisten nicht gedacht hätten, dass so eine schnelle Wende möglich ist“, sagte sie.

Vollständiger Importstopp von russischem Gas

Die EU hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zahlreiche Sanktionen gegen Russland verhängt, darunter ein Importverbot für russisches Öl. Ungarn und die Slowakei profitieren allerdings von einer Ausnahmeregelung, sie dürfen russisches Öl über ihre Pipelines beziehen. Für ein Ende dieser Lieferungen gibt es bislang kein Datum.
Für Gas gibt es dagegen eine feste Frist: Spätestens zum 1. November 2027 darf kein Gas mehr aus Russland in die EU eingeführt werden. Der Importstopp für Pipelinegas gilt ab 30. September 2027. LNG aus Russland ist schon ab dem Jahreswechsel 2025/2026 verboten.
Das Gesetz sieht nur für den Fall einer Energiekrise eine Notfallklausel vor.
Aktuell ist Russland mit rund 17 Prozent der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU. Wichtiger sind nur die USA, die inzwischen rund 60 Prozent der europäischen LNG-Importe ausmachen.

Neue EU-Sanktionen

Jenseits von Energie hat die EU am Montag neue Sanktionen gegen Russland verabschiedet.
EU betreffen zusätzlich fast 1.600 neue Verantwortliche und Organisationen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach am Montag von der „bislang größten Erweiterung unserer Sanktionsliste“ seit Beginn des Kriegs im Februar 2022. Mehr als die Hälfte der Sanktionen stehe „mit der Produktionskette für ballistische Raketen in Verbindung“, schrieb sie im Onlinedienst X.
Mit dieser neusten Sanktionsrunde steigt die Zahl der Menschen und Einrichtungen, die mit Einreiseverboten und Kontensperren belegt sind, auf insgesamt rund 4.500.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Kreißsaal-Schließung im Krankenhaus – vier Hebammen finden neue Wege


In Kürze

  • Zum 30.September 2026 hat das Krankenhaus Heinsberg den Kreißsaal dicht gemacht.
  • Einige Hebammen haben sich mit einem innovativen Konzept neu ausgerichtet.
  • Sie bieten jetzt eine individuelle Begleitung von Beginn der Schwangerschaft.
  • Doch die bürokratischen und finanziellen Hürden wachsen für Hebammen.
  • Fast jede zweite Hebamme denkt ans Aufhören.

Es war ein trauriger Moment, als sich am 30. September 2026 die Tür der Geburtsstation des Städtischen Krankenhauses Heinsberg für immer schloss.
Am Zaun versammelten sich Familien mit ihren Kindern, um sich von den Hebammen zu verabschieden. Darunter waren nicht nur Mütter, die ihre Kinder erst kürzlich in Heinsberg zur Welt gebracht hatten. Es waren auch jene gekommen, die bereits vor vielen Jahren in Heinsberg das Licht der Welt erblickten – einige vor mehr als 40 Jahren.
Sie alle hatten selbstgebastelte bunte Herzen dabei, die mit ihrem Namen und dem Geburtsdatum beschriftet waren und befestigten diese am Zaun unterhalb der Geburtsstation. Dem emotionalen Abschied waren Proteste vorausgegangenen.

Herzen für die Hebammen am letzten Tag vor der Schließung der Geburtsstaion im Städtischen Krankenhaus Heinsberg.

Foto: Simone Maria Vossen

Versorgung sichergestellt

Die Klinik hat erklärt, dass die stationäre Versorgung im Kreis Heinsberg auch nach der Schließung der Geburtsstation sichergestellt bleibt. Das Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz soll als alternative Anlaufstelle dienen und über ausreichende Kapazitäten für zusätzliche Geburten verfügen.
Drei der bisherigen Heinsberger Beleghebammen kooperieren ab Januar 2027 mit dem Krankenhaus in Erkelenz. Julia Jansen, Laura Hahn und Brigitte Hülden bilden das neue Begleit-Beleghebammen-Team.
Das neue und innovative Konzept ist im Gegensatz zum früheren Dienstsystem im Heinsberger Krankenhaus auf Ganzheitlichkeit ausgerichtet.
Bislang mussten die Hebammen im Schichtdienst und in zugewiesenen Kreissälen freiberuflich arbeiten.  Jetzt setzt das Team auf eine ganzheitliche und individuelle Begleitung der Schwangeren.
Die werdenden Mütter können von Beginn der Schwangerschaft, über die Geburt bis zur Nachsorge im Wochenbett kontinuierlich von derselben Hebamme betreut werden. Die intensive 1:1-Betreuung schafft ein besonderes Vertrauen, erklärt Hebamme Julia Jansen. Und Hebamme Laura Hahn ergänzt:
„Es ist nicht egal, wie wir geboren werden.“
Bislang kam es im Krankenhaus Heinsberg je nach Dauer der Geburt und dem Takt des Dienstplans immer wieder zu stetigen Wechseln der Hebammen. Das soll mit dem neuen Konzept anders werden.
Besonders bei der Geburt, die für viele Frauen eine äußerst intime Erfahrung bedeutet, möchte das Team Geborgenheit spenden. Julia Jansen macht die Essenz des neuen Konzepts deutlich:
„Wir wollen die Frauen wieder in ihre eigene Kraft und Stärke bringen.“

Resilienten Kraft durch eine sanfte Geburt

Viele werdende Mütter sind oft verunsichert und trauen sich nur wenig zu, erklärt Jansen. Die Kraft, die während der Geburt von Mutter und Kind aufgebracht wird, kann bei späteren Herausforderungen zur resilienten Kraft werden, so das Hebammen-Team.
Monika Boylan, die zukünftig zwar nicht mehr in der aktiven Geburtshilfe arbeitet, stattdessen aber mit ihrer Erfahrung in der Hebammen-Praxis unterstützt sagt: „Der Schichtdienst hat mir irgendwann mehr zugesetzt“. Deshalb begrüßt sie das neu entwickelte Konzept der Begleit-Beleghebammen sehr.
Für Boylan ist die „sanfte Geburt“ nach Michel Odent einer der besten Wege in einer Klinik Geburtshilfe anzubieten. Das Konzept beschreibt, wie Natürlichkeit und Freiheit auch im Krankenhaus möglich sind. Es bewirkt zum Beispiel, dass Geburtsräume eine natürliche Atmosphäre ausstrahlten. Für Odent war es wichtig, ein Minimum an Eingriffen in den natürlichen Geburtsprozess anzustreben.

Vier Hebammen mit neuem Konzept (von l.): Julia Jansen, Monika Boylan, Brigitte Hülden und Laura Hahn.

Foto: Simone Maria Vossen

Krise als Chancen nutzen

Allerdings bringt das neue System der Begleit-Beleghebammen auch Kapazitätsgrenzen mit sich. Maximal können zwölf Schwangere Frauen pro Monat für die Geburtsbegleitung aufgenommen werden.
Die Kosten für die Rufbereitschaft müssen in Eigenleistung erbracht werden. Allerdings werden von einigen Krankenkassen die Kosten anteilig übernommen.
Wie das Städtische Krankenhaus Heinsberg blickt auch das Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz auf eine lange Tradition in der Geburtshilfe zurück. Nun wird Erkelenz zum zentralen Ort der neuen Begleit-Beleghebammen. Laut Julia Jansen sei das erste Treffen mit dem bestehenden Hebammen-Team sehr freundlich und offen gewesen.
Die ehemaligen Heinsberger Hebammen kümmern sich auch um die ambulante und präventive Versorgung. Mit ihrer bereits seit vielen Jahren bestehenden Hebammenpraxis „Hebammen von Anfang an“, die Julia Jansen gemeinsam mit Monika Boylan gegründet haben, decken sie ein breites Portfolio an Unterstützung für die werdenden Mütter ab. Neben Akupunktur, Low-Level-Laser-Therapie und Kinesio-Taping ist die Praxis auch Treffpunkt für Austausch und Begegnung.

Der schwere Stand der Hebammen

Trotz der nervenraubenden gesundheitspolitischen Entwicklungen blickt das Team mutig und mit Tatendrang in die Zukunft. Mit ihrem neuen Weg wollen die Hebammen zeigen, dass Krisen auch als Chancen genutzt werden können.
Die vier Frauen setzen sich auch politisch für ihre Belange ein. Julia Jansen und ihr Team suchen kontinuierlich den Austausch mit den lokalen Parteiverbänden im Kreisgebiet. Ihr Anliegen ist es auch überregional auf die Missstände aufmerksam zu machen und aufzuklären. Dabei blicken sie auf eine langjährige Berufserfahrung zurück. Laura Hahn betont:
„Ich bin froh, überhaupt noch Geburtshilfe machen zu können.“
Hebammen hatten in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder mit vielen Hürden zu kämpfen, wie beispielsweise stark ansteigende Haftpflichtversicherungen. Julia Jansen sagt: „Wir sind fast täglich mit bürokratischen Herausforderungen beschäftigt.“
Viele Hebammen hören wegen den wachsenden bürokratischen Hürden mit ihrer Arbeit auf und kehren der Geburtshilfe dauerhaft den Rücken, erklärt Julia Jansen. Eine bundesweite Studie der open data-Zukunftsstiftung in Essen und dem Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Berliner Sigmund Freud Privatuniversität vom Oktober 2025 unterstreicht die Aussage. Sie zeigt, dass fast jede zweite der etwa 26.000 Hebammen in Deutschland ans Aufhören denkt.
Die dafür verantwortlichen Faktoren sind:
  • Kritische Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel der neue Hebammenhilfevertrag
  • Der schwierige Spagat zwischen Berufung und Belastung. 83 Prozent üben ihre Tätigkeit gerne aus; 51 Prozent klagen über zu viel Bürokratie und 35 Prozent bemängeln die hohen laufenden Kosten.
  • Schlechte Bezahlung: Das Durchschnittsbruttogehalt liegt bei rund 4.380 Euro monatlich.
Der Studienleiter Prof. Dr. Thomas Druyen erklärt:
„Ohne Hebammen keine Zukunft.“
Für Monika Boylan steckt hinter den verschlechterten Bedingungen eine Methode, den Berufsstand der Hebammen abzuschaffen. Für viele ist ihre Existenz bedroht. Der seit dem 1. November 2025 in Kraft getretene Hebammenhilfevertrag (HHV) sorgt für Unsicherheiten bei den Hebammen. In der klinischen Geburtshilfe und auch bei Beleghebammen drohen demnach Verdiensteinbußen von bis zu 30 Prozent.
Michelle Rump, Vorsitzende des Landesverbands der Hebammen NRW erklärt: „Mit dem neuen Vertrag gehen viele freiberuflich tätige Hebammen in die Ungewissheit, ob sie weiterhin von ihrem Beruf leben können.“

Beruf ist Berufung

Für die Frauen aus dem Team ist ihr Beruf auch ihre Berufung. Doch das System macht es vielen jungen Hebammen zunehmend schwer, ihre Berufung leben zu können.
Julia Jansen wünscht sich, dass werdende Mütter zu Beginn der Schwangerschaft den Erstkontakt mit ihrer Hebamme haben. Weiterhin wünscht sie sich, dass sich niedergelassene Gynäkologen auch mehr öffnen und den Hebammen mehr Raum, Gewichtung und Mitgestaltung schenken.
Vielleicht kann das Beispiel der Heinsberger Hebammen für andere Kommunen eine nachhaltige Antwort auf die gesundheitspolitischen Veränderungen liefern – damit Versorgung kein Auslaufmodell wird.
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13. Oktober: CDU-Fraktion will bei Siegmund-Wahl abwesend sein | „Made in Europe“-Deal | Russland liefert weiter Öl in EU

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CDU-Fraktion will bei Siegmund-Wahl abwesend sein

Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt plant bei der Ministerpräsidentenwahl im Dezember geschlossen den Saal zu verlassen, falls Ullrich Siegmund antritt. Damit soll demonstriert werden, dass kein CDU-Politiker für den AfD-Kandidaten stimmt. Im dritten Wahlgang will sie mit Nein stimmen. Damit reagiert die Fraktion auf Vorwürfe, CDU-Abgeordnete hätten heimlich AfD-Kandidaten gewählt.

„Made in Europe“-Deal

Die Elektro- und Maschinenbauindustrie warnt Kanzler Friedrich Merz (CDU) vor einem Deal mit Frankreich. Merz dürfe keinen strengen „Made in Europe“-Regeln zustimmen, nur um lockerere CO2-Vorgaben für Autobauer zu bekommen. Das schade dem Export und verteuere Lieferketten, schreiben der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in einem Brief.

Russland liefert weiter Öl in EU

Russland hat nach eigenen Angaben seit 2022 trotz Sanktionen Öl und Gas für mehr als 320 Milliarden Dollar an EU-Länder verkauft. Das sagte Vizeregierungschef Nowak. Möglich machten das Ausnahmen, etwa für Flüssiggas oder Pipeline-Öl. Die EU nennt deutlich geringere Zahlen. Demnach seien es im ähnlichen Zeitraum Importe im Wert von rund 197 Milliarden Euro gewesen.

Flughafen Nürnberg wegen „Luftnotlage“ gesperrt

Nachdem ein Flugzeug kurz vor seiner Landung in Nürnberg einen Entführungs-Notfallcode gesendet hatte, wurde der Flughafen vorübergehend gesperrt. Der Code soll jedoch von einem defekten Funkgerät gesendet worden sein. Das Flugzeug konnte schließlich ohne weitere Störung landen. Vor dem Ereignis haben mehrere Piloten ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet. Eine Drohne konnte die Polizei jedoch nicht finden.

Gaspreise

Der europäische Gaspreis ist auf den höchsten Stand seit Dezember 2022 gestiegen. Produktion und Exporte aus der Golfregion sind aufgrund des Irankrieges beeinträchtigt. So konkurrieren Abnehmer aus Europa und Asien verstärkt um die verfügbaren Gasmengen. Zugleich sind die Speicherstände in Europa vergleichsweise niedrig. In Deutschland lag der Füllstand zuletzt bei rund 60 Prozent.
 
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Warum die Kraftstoffpreise trotz sinkender Ölpreise hoch bleiben könnten


In Kürze:

  • Kriege und Exportverbote legen bis zu 10 Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten lahm.
  • Verarbeiteter Treibstoff ist extrem knapp. Deshalb steigt der Benzinpreis viel schneller als der Rohölpreis.
  • Die strategischen Notreserven schrumpfen weltweit massiv. Die Preise an den Tankstellen dürften deshalb über Monate hinweg hoch bleiben.
  • Die US-Regierung erlaubt Lkw vorübergehend die Nutzung von steuerfrei verkauftem Diesel für Landmaschinen auf öffentlichen Straßen.

 
Störungen in der globalen Ölverarbeitung treiben die Kraftstoffpreise stärker in die Höhe, als es durch höhere Rohölpreise allein erklärbar wäre. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Federal Reserve Bank of Dallas (Dallas Fed), einer der zwölf regionalen Notenbanken der USA.
Dem Bericht zufolge könnte der Preisdruck an den Tankstellen auch dann anhalten, wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder zum Normalbetrieb zurückkehrt.
Schäden an Raffinerien, Einschränkungen im Schiffsverkehr und Exportbeschränkungen haben bis zu 10 Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten außer Betrieb gesetzt, wie die Ökonomen Jesse Thompson und Garrett Golding von der Dallas Fed in einem am 8. Oktober veröffentlichten Bericht schreiben. Dadurch habe sich die Differenz zwischen den Rohölpreisen und den Großhandelspreisen für Benzin, Diesel und Kerosin „weit über das normale Maß hinaus“ vergrößert.
Diese Differenzen, bekannt als Crack-Spreads, haben inzwischen sogar die Werte übertroffen, die nach Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022 erreicht wurden, als die Energiemärkte massiv unter Druck gerieten.
„Diese Preisentwicklungen spiegeln akute und vielschichtige Angebotsengpässe auf dem globalen Markt für raffinierte Kraftstoffe wider und sind nicht auf Aufschläge von Einzelhändlern oder Vertriebsgesellschaften zurückzuführen“, schreiben die Analysten.
„Die Weltwirtschaft muss neben einem Ölpreisschock auch einen Raffinerieschock bewältigen.“
Die Ergebnisse fallen in eine Zeit, in der die Benzinpreise in den USA weiterhin auf einem für den Herbst rekordhohen Niveau liegen.
Laut dem US-amerikanischen Automobilclub American Automobile Association (AAA) lag der landesweite Durchschnittspreis am 8. Oktober bei rund 4,36 US-Dollar (3,90 Euro) je Gallone (3,79 Liter). Das waren etwa 5 US-Cent (rund 4 Eurocent) weniger als eine Woche zuvor, aber deutlich mehr als der Vorjahreswert von rund 3,12 US-Dollar (2,79 Euro).
Zum ersten Mal überhaupt habe der landesweite Durchschnittspreis im Oktober die Marke von 4 US-Dollar (3,58 Euro) je Gallone überschritten, so der Automobilclub.
Der Preis für die internationale Referenzsorte Brent-Rohöl bewegte sich am frühen Freitagmorgen, 9. Oktober, im Handel um die Marke von 103 US-Dollar je Barrel. Am Vortag war er um rund 4 Prozent gestiegen. Zusätzliche Sorgen um die Versorgung löste Hurrikan „Isaias“ aus, der die US-amerikanische Offshore-Ölförderung im Golf von Mexiko bedroht.

Kriege und Exportbeschränkungen verknappen das Angebot

Die Kraftstoffmärkte waren bereits vor Beginn des Irankriegs Ende Februar angespannt. Ursache hierfür waren unter anderem jahrelang geringe und regional ungleich verteilte Investitionen in die Raffineriekapazitäten.
Zwischen 2019 und 2025 bauten China und der Nahe Osten ihre Kapazitäten um insgesamt 4,4 Millionen Barrel pro Tag aus. Europa und Nordamerika verloren dagegen 2,1 Millionen Barrel tägliche Verarbeitungskapazität. Ältere Anlagen seien angesichts geringer Gewinnmargen, hoher Regulierungskosten und veralteter Technik stillgelegt worden, heißt es in dem Bericht.
Der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten verschärfte die angespannte Lage zusätzlich.
Durch iranische Angriffe und Störungen im Tankerverkehr sank die in den Raffinerien des Nahen Ostens verarbeitete Ölmenge seit Februar um 2 Millionen Barrel pro Tag. Dies geht aus vorläufigen Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) für August hervor, auf die sich die Dallas Fed beruft.
Gleichzeitig verstärkte die Ukraine ihre Angriffe auf russische Raffinerien. Moskau schränkte seinerseits die Kraftstoffexporte ein, um Engpässe im Inland zu lindern.
Auch China drosselte die Raffinerieverarbeitung und begrenzte vorübergehend seine Exporte raffinierter Kraftstoffe.
In einem Beitrag vom 9. Oktober erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, ukrainische Drohnen hätten Raffinerien in Omsk und Uchta angegriffen. Er bezeichnete die Attacken als Vergeltung für russische Angriffe auf die Ukraine.
Russland hat das für Hersteller geltende Exportverbot für Diesel, Schiffskraftstoffe und Gasöle bis Ende Oktober verlängert. Als Begründung nannte die Regierung das Ziel, die Versorgung im Inland während der Erntezeit zu stabilisieren.

Geringe Lagerbestände verlängern den Preisdruck

Die Freigabe strategischer Rohölreserven hat dazu beigetragen, die Versorgungsstörungen abzufedern. Diese Mengen könnten jedoch weder beschädigte Raffinerien noch Engpässe im Schiffsverkehr vollständig ausgleichen, schreiben die Analysten der Dallas Fed.
Die US-Rohölexporte haben Rekordwerte erreicht. Dazu trugen auch Freigaben aus der strategischen Erdölreserve der Vereinigten Staaten bei. Im September umfasste diese noch 284 Millionen Barrel – der niedrigste Stand seit 1982.
Solche Freigaben sind allerdings nur vorübergehende Maßnahmen. Sie lassen sich nicht dauerhaft fortsetzen, solange sich die Rohöllieferungen aus dem Nahen Osten nicht normalisieren.
„Ein weiterer Abbau dieser Lagerbestände wird nicht nur zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Preise ausüben, sondern den globalen Ölmarkt auch in eine deutlich angespanntere Versorgungslage bringen, wenn – und falls – die Straße von Hormus wieder zuverlässig passierbar wird“, schreiben die Analysten.
Unterdessen warnte Amin Nasser, der Vorstandsvorsitzende des saudi-arabischen Ölkonzerns Saudi Aramco, kürzlich, dass es nach einer vollständigen Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus und einer Rückkehr des Vertrauens bis zu zwei Jahre dauern könne, die erschöpften Lagerbestände wieder aufzufüllen.
„Die vorhandenen Puffer haben den Schock abgefedert und Zeit verschafft, doch sie sind begrenzt“, sagte Nasser am Montag, 5. Oktober, auf einer Energiekonferenz in London.
„Notfallreserven reichen vielleicht aus, um uns durch einen Winter zu bringen. Sie können jedoch keine langfristigen Versorgungsprobleme lösen.“
Laut dem Bericht der Dallas Fed könnte es Monate dauern, bis die beschädigten Raffinerien im Nahen Osten wieder vollständig einsatzfähig sind. Auch die Ausfälle in Russland könnten anhalten. Dadurch dürften die Kraftstoffpreise selbst nach einer Normalisierung der Lieferungen durch die Straße von Hormus im Verhältnis zu den Rohölpreisen ungewöhnlich hoch bleiben.
„In der Zwischenzeit werden die Verbraucher angesichts schwindender Lagerpuffer zunehmend gezwungen sein, den Markt durch einen geringeren Verbrauch, stärkere Preisschwankungen und möglicherweise weiter steigende Preise ins Gleichgewicht zu bringen“, schreiben die Ökonomen der Dallas Fed.
Um den Preisdruck bei bestimmten raffinierten Kraftstoffen in den Vereinigten Staaten zu lindern, hat die Regierung von Präsident Donald Trump die Verwendung von rot eingefärbtem Diesel auf öffentlichen Straßen bis zum Jahresende genehmigt. Dieser Kraftstoff ist normalerweise für den Einsatz abseits öffentlicher Straßen vorgesehen.
Das Weiße Haus schätzt, dass sich dadurch bei jeder Lkw-Betankung mehr als 100 US-Dollar (89 Euro) einsparen lassen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Refinery Outages Pushing Up Gas Prices More Than Cost of Crude Oil, Fed Says“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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KI-Sicherheitsvorfälle: Experten fordern „unverzügliche Änderungen“ bei Entwicklung

Mehr als 200 Forscher aus den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Cybersicherheit haben in einem offenen Brief sofortige Maßnahmen gefordert, um weitere Sicherheitsvorfälle mit KI-Modellen zu verhindern. Die Wissenschaftler riefen dazu auf, dass Modelle im Bereich der Cybersicherheit während der Testphase physisch vom Internet getrennt werden, wie am Dienstag, den 13. Oktober, aus dem Schreiben hervorging.
Unter den Unterzeichnern aus 21 Ländern sind der KI-Pionier und Physik-Nobelpreisträger Geoffrey Hinton und der bekannte KI-Wissenschaftler Yoshua Bengio. Es seien sowohl mehr Forschung zur KI-Sicherheit als auch „eine stärkere Fokussierung auf Eindämmungstechnologien und -verfahren“ nötig, schreiben die Wissenschaftler.

Vorfälle mit KI-Modellen häufen sich

Führende KI-Unternehmen aus den USA haben in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Vorfällen enthüllt, bei denen sich in Entwicklung befindliche KI-Modelle Zugang zum Internet verschafften und Webseiten hackten, darunter Internetseiten der australischen Regierung. „Ohne unverzügliche Änderungen bei der Entwicklung und dem Einsatz von KI werden solche Vorfälle weiterhin auftreten, und zukünftige Vorfälle werden weitaus mehr Schaden an unserer exponierten kritischen Infrastruktur anrichten“, warnten die Wissenschaftler.
Ihr Brief rief dazu auf, dass Organisationen, die KI-Modelle mit Cyberfähigkeiten entwickeln, einsetzen und testen, durch einen „Air Gap“ – also eine physische Trennung vom Internet – abgesichert werden, um sicherzustellen, dass die KI-Modelle nicht ausbrechen. Zudem sprachen sich die Forschenden dafür aus, eine internationale Einrichtung zu schaffen, die bewährte Verfahren im Bereich der Sicherheit standardisiert. Unternehmen sollten demnach verpflichtet werden, Ausfälle von Sicherheitsvorkehrungen an diese Stelle zu melden, die wiederum für die Erfassung und Nachverfolgung zuständig wäre.
Die Vorfälle der vergangenen Monate hatten Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung angeheizt, doch Industrie und Regierungen sind in der Frage nach Regulierung des Sektors sowie hinsichtlich eines absichtlich langsameren Tempos uneins. In den USA lehnt US-Präsident Donald Trump eine staatliche Regulierung ab und setzt auf Selbstkontrollen der KI-Branche. (afp/red)
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SPD sucht nach Bas-Rücktritt neue Vorsitzende – Klingbeil legt sich nicht fest

Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas läuft in der SPD die Debatte über eine Neubesetzung des Parteivorsitzes. Mehrere Namen kursierten am Dienstag, den 13. Oktober, offizielle Bewerbungen gab es aber noch nicht. Auch der verbliebene Ko-Partei-Chef Lars Klingbeil ließ offen, ob er erneut für den Posten in der Doppelspitze kandidiert. Aus den Ländern kamen auch Rufe, Partei- und Ministeramt künftig zu trennen.

Rücktritt und Nachfolge im Ministerium

Bas hatte am Montag überraschend ihren Rückzug als Arbeitsministerin und Ko-Parteichefin erklärt. Sie verwies dabei auf einen Trauerfall in ihrer Familie und Angriffe „aus den Reihen des Koalitionspartners“. Nachfolger auf dem Ministerposten ist der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD).
Klingbeil stellte am Montag einen Parteitag „um den Jahreswechsel“ in Aussicht, auf dem „die gesamte Führungsriege der SPD“ zur Wahl stehen soll. Geprüft werden derzeit Termine im Dezember, Januar oder notfalls auch erst Februar.
Juso-Chef Philipp Türmer sieht den Parteitag als Möglichkeit für einen Neustart der SPD. Damit sei „nun endlich die Grundlage dafür gelegt, dass wir mit der Breite der Partei sämtliche Diskussion zur Zukunft der SPD führen können“, sagte Türmer den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Dienstag.
„Wir brauchen wieder einen Plan und Ideen für die Zukunft – und Köpfe, die dafür glaubwürdig stehen.“ Es sei „gut, dass alles auf den Tisch kommt“.

Klingbeil und Miersch zu möglichen Kandidaturen

Klingbeil ließ offen, ob er sich erneut um die Parteiführung bewerben wird. „Ich weiß doch, welche Kritik es auch gibt“, sagte er am Montagabend im ZDF. „Da geht es nicht um mich, und es geht auch nicht darum, dass ich am Amt klebe, sondern es geht um die bestmögliche Aufstellung.“
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch schloss auch Kampfkandidaturen nicht aus. „Selbstverständlich wird es möglich sein, bis zum Schluss auch die Kandidatur anzumelden“, sagte er in Berlin. Er wünsche sich aber, dass Kandidaturen frühzeitig erklärt würden, damit „dann auch ein Wettbewerb im Zweifel entstehen kann“. Er stellte sich gleichzeitig hinter Klingbeil: Dieser sei „ein sehr guter Parteivorsitzender“.
Das Duo Klingbeil und Bas stand angesichts sinkender Umfragewerte für die SPD schon in den vergangenen Monaten in der eigenen Partei immer wieder in der Kritik. Als eine Alternative wird Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig genannt, die allerdings derzeit auf die laufende Regierungsbildung in ihrem Bundesland verweist. Auch die saarländische Regierungschefin Anke Rehlinger (SPD) gilt als mögliche Kandidatin.
Sollte auch Klingbeil ersetzt werden, kämen auch Männer ins Spiel. Schon länger genannt werden Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil und Verteidigungsminister Boris Pistorius – seit Jahren der beliebteste Politiker in Deutschland. Doch Pistorius wies auch nach dem Bas-Rücktritt erneut Ambitionen auf den Parteivorsitz zurück. Und von den anderen möglichen Kandidatinnen und Kandidaten hat bisher noch keiner offiziell den Hut in den Ring geworfen.

Rufe nach klarerer Aufgabentrennung

Schleswig-Holsteins SPD-Landesvorsitzender Ulf Kämpfer nannte im NDR als plausible Kandidaten für die künftige Doppelspitze Klingbeil und Schwesig. Er sprach sich aber für eine klarere Aufgabentrennung in der Führungsspitze aus. „Rückblickend war es nicht richtig, dass beide Parteivorsitzenden Teil des Bundeskabinetts waren. Das sollte man nicht noch einmal so machen.“
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Esra Limbacher warnte vor langen Personaldebatten. Er stellte sich im Sender Welt TV klar hinter Klingbeil als Parteivorsitzenden. Es gehe jetzt um Stabilität, sagte er. „Ich glaube, in der Bevölkerung zerbrechen sich wirklich momentan sehr wenige Menschen den Kopf, wer an der Spitze der SPD steht, sondern vor allen Dingen, wie es in unserem Land weitergeht.“ (afp/red)
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Rentenreform: Diese drei der 33 Empfehlungen sind noch umstritten

Im Zentrum des Rücktritts von Bundesministerin Bärbel Bas (SPD) steht die Rentenreform, für die noch immer kein endgültiger Gesetzentwurf vorliegt. Nun muss ihr Nachfolger Alexander Schweitzer (SPD) das Gesetz auf den Weg bringen. Ihren Ursprung hat die Reform in den Empfehlungen der Alterssicherungskommission, die 33 Maßnahmen vorgeschlagen hat, darunter eine Kopplung des Renteneintritts an die Lebenserwartung. Insbesondere drei Punkte sind in der Koalition noch umstritten:

Abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren

Das ist der mit Abstand größte Knackpunkt. Die Expertenkommission empfiehlt, den abschlagsfreien Rentenzugang für besonders langjährig Versicherte – also nach 45 Versicherungsjahren – abzuschaffen. Das Modell wird umgangssprachlich oft „Rente mit 63“ genannt, weil alle vor 1953 Geborenen nach 45 Jahren Versicherungszeit abschlagsfrei mit 63 Jahren in Rente gehen konnten. Da das Rentenalter aber schrittweise angehoben wird, verschiebt sich auch das Eintrittsdatum für besonders langjährig Versicherte immer weiter nach hinten.
Die SPD stört sich an der Empfehlung und möchte zumindest Härtefallregelungen durchsetzen. Auch Schweitzer forderte bereits im September Änderungen und kritisierte, dass die Vorschläge einer „professoralen Kommission“ vorsähen, dass Menschen weniger von dem bekämen, was sie sich zuvor erarbeitet hätten. Die Rente müsse aber klar und sicher sein. Damals setzte Schweitzer auf Änderungen im parlamentarischen Verfahren – nun muss er selbst eine Lösung für den Gesetzestext finden.

Vollständige Einbeziehung der Minijobs in die Rentenversicherung

Auch hier gibt es noch Redebedarf. Für Minijobs gibt es bislang zwar grundsätzlich eine Rentenversicherungspflicht, es besteht aber die Möglichkeit, sich auf Antrag formlos befreien zu lassen. Die Kommission empfiehlt nun, die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse ohne diese sogenannte Opt-out-Möglichkeit in die Rentenversicherung einzubeziehen. Ausnahmen soll es nur noch für Schülerinnen und Schüler geben.
Die Kommission empfiehlt auch, den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus für Minijobs ganz abzuschaffen, denn bislang sind Minijobber auch von anderen Sozialbeiträgen sowie der Einkommensteuer befreit. Denn das berge ein Armutsrisiko, wenn die Jobs zur dauerhaften, schlecht abgesicherten Beschäftigung würden, besonders für Frauen. Die Maßnahme ist zwischen den Regierungsparteien noch umstritten, weil besonders Teile der Union die De-facto-Abschaffung der Minijobs kritisieren.

Höhere Altersgrenze für Altersteilzeit

Offen sind auch noch die vorgeschlagenen Änderungen bei der Altersteilzeit. Das Konzept bedeutet, dass ab einem bestimmten Alter die bis zur Rente verbleibende Arbeitszeit halbiert werden kann. Bislang ist das ab 55 Jahren möglich, die Kommission empfiehlt ein Mindestalter von 58 Jahren und zusätzlich eine Kopplung an die Regelaltersgrenze.
Bislang kann die Altersteilzeit auch im Block genommen werden – dann arbeiten Beschäftigte in der ersten Phase voll und in der zweiten gar nicht mehr. Das empfiehlt die Kommission abzuschaffen. (afp/red)
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Verstaubt, versteigert, verloren: Naturerbe unter den Hammer


In Kürze:

  • Fossilien von Dinosauriern und anderen Lebewesen gehören zum sogenannten Naturerbe, das immer häufiger in Auktionshäusern versteigert wird.
  • Gelangen diese Objekte in Privatsammlungen, kann Laien und Forschern der Zugang zu den Relikten verwehrt werden.
  • Damit geht der Gesellschaft ein Stück Geschichte verloren und steht nicht mehr zur wissenschaftlichen Untersuchung zur Verfügung.
  • Fachleute befürchten dadurch massive Wissensverluste und die Bewerbung einer neuen Kategorie von Luxusgütern.

 
Am 14. Juli 2026 ging „Gus“, eines der vollständigsten Skelette eines Tyrannosaurus rex, für 50,1 Millionen US-Dollar (rund 44 Millionen Euro) an einen anonymen Käufer. Diese Versteigerung des Auktionshauses Sotheby’s stellte einen Rekord für das wertvollste jemals verkaufte Fossil auf.
Damit hat ein weiterer Dinosaurier Einzug in den Markt für Luxus-Sammlerstücke gehalten. Der Fall zeigt, dass selbst die tiefste Geschichte der Erde an den Meistbietenden verkauft werden kann.

Naturerbe als Trophäe verkannt

Für Paläontologen wie mich ist ein Fossil wie „Gus“ – das von 2021 bis 2023 von dem kommerziellen Sammler Thomas Heitkamp und sein Team ausgegraben wurde – jedoch keine Trophäe und kein Kunstwerk. Das Skelett aus der Hell-Creek-Formation in South Dakota, USA, ist ein wissenschaftliches Archiv.
Versteigertes Naturerbe: der Tyrannosaurus rex namens Gus

„Gus“ gehört zu den vollständigsten jemals gefundenen Tyrannosaurus-rex-Skeletten.

Foto: Timothy A. Clary/AFP via Getty Images

Fossilien bewahren Zeugnisse von Entstehung, Wachstum, Krankheit, Verletzungen, Aussterben und urzeitlichen Ökosystemen. Sie sind endliche, unersetzbare Aufzeichnungen der Lebensgeschichte auf der Erde.
Die Wissenschaft ist auf die unabhängige Überprüfung von Behauptungen und eine lebhafte Debatte angewiesen. Forscher müssen in der Lage sein, wichtige Artefakte und Exemplare erneut zu untersuchen, frühere Schlussfolgerungen zu überprüfen und neue Fragen zu stellen.
Sobald jedoch ein wissenschaftlich bedeutendes Fossil in eine Privatsammlung gelangt, ist der Zugang für Forscher nicht mehr gewährleistet. Sammler bewahren ihre Fossilien in der Regel zu Hause auf. Wenngleich Exemplare aus Privatbesitz an Museen ausgeliehen werden, können die Eigentümer ihre Meinung ändern und den Zugang jederzeit verwehren.
Dieses Problem ist besonders im Zusammenhang mit dem Tyrannosaurus rex von Bedeutung. So ergab eine Studie aus dem Jahr 2025, dass sich zu diesem Zeitpunkt zwar 61 T.-rex-Fossilien in öffentlicher Obhut befanden, 71 jedoch in Privatbesitz waren.
Daher vertritt die Society of Vertebrate Paleontology, eine US-amerikanische Fachgesellschaft für Wirbeltierpaläontologie, deren langjähriges Mitglied und designierte Präsidentin ich bin, seit Langem die Auffassung, dass wissenschaftlich bedeutende Fossilien in öffentliche Obhut gehören. Dieses Naturerbe sollte im Besitz von Museen und Universitäten sein, die es dauerhaft bewahren und für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich machen.

Dinosaurier im Museum für Naturkunde Berlin.

Foto: Yasemin Ozdemir/iStock

Ein Fossil, immer neue Entdeckungen

Befürworter des kommerziellen Fossilienhandels argumentieren oft, dass Exemplare wie „Gus“ ohne den Verkauf an private Sammler vergraben bleiben und verwittern würden. In einem Punkt haben sie recht: Die Entdeckung ist entscheidend. Viele außergewöhnliche Fossilien wurden von Viehzüchtern, Wanderern, Hobbysammlern und kommerziellen Ausgräbern gefunden. Die Paläontologie steht jedem offen, der ein Auge für die Natur hat – man muss kein Experte mit akademischen Qualifikationen sein, um eine wichtige Entdeckung zu machen.
Doch die Entdeckung ist nur der Anfang. Der wissenschaftliche Wert eines Fossils hängt von der sorgfältigen Dokumentation seines Fundorts, der umgebenden Gesteinsschichten sowie der neben ihm erhaltenen Pflanzen und Tiere ab.

Heute ist bekannt, dass ein höherer Kohlenstoffdioxid- und Sauerstoffgehalt zum Aufstieg der Dinosaurier beigetragen hat.

Foto: Warpaintcobra/iStock

Diese Details ermöglichen es Wissenschaftlern, alte Ökosysteme zu rekonstruieren, zu verstehen, wie ein Tier lebte und starb, und zu interpretieren, wie seine Überreste versteinert wurden. Wenn diese Begleitinformationen unvollständig sind oder verloren gehen, geht auch ein Großteil des wissenschaftlichen Werts des Fossils verloren.
Aber selbst Entdeckung, Ausgrabung und Veröffentlichung kratzen kaum an der Oberfläche der wissenschaftlichen Bedeutung eines Fossils. Der größte wissenschaftliche Wert zeigt sich oft erst Jahrzehnte später, wenn Forscher neue Fragen stellen und neue Technologien anwenden, die früheren Generationen nicht zur Verfügung standen. Ein Exemplar, das heute vollständig erforscht erscheint, kann morgen überraschende neue Erkenntnisse liefern – aber nur, wenn es noch für Untersuchungen zur Verfügung steht.

Nachträgliche Entdeckungen

Man denke an die legendären Dinosaurier wie T. rex, Triceratops, Brachiosaurus oder Stegosaurus, die wir vor über einem Jahrhundert entdeckten. Frühe Paläontologen konnten zwar ihre Formen beschreiben, hatten aber keine Möglichkeit, tiefer zu blicken. Da diese Exemplare in Museumssammlungen aufbewahrt wurden, konnten spätere Generationen sie mit Technologien erneut untersuchen, die zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung noch nicht existierten.
Der Paläontologe Larry Witmer und seine Kollegen an der Ohio University begannen vor 20 Jahren, mittels CT-Aufnahmen zerstörungsfrei die innere Anatomie von Dinosaurierfossilien zu rekonstruieren. Hirnhöhlen, Innenohren, Lufträume, Nerven und Blutgefäße wurden zum ersten Mal sichtbar. Sie enthüllten, wie Dinosaurier ihr Gleichgewicht hielten, hörten, rochen und ihre Welt wahrnahmen.
Geochemiker wie Henry Fricke und Thomas Cullen haben anhand von Isotopensignaturen in fossilen Zähnen und Eierschalen die Ernährung, die Wanderungsmuster und die Körpertemperaturen von Dinosauriern rekonstruiert. Diese Forschung hat aufgezeigt, wie Dinosaurier lebten: was sie aßen, wie sie sich durch urzeitliche Landschaften bewegten und sogar, wie warm ihre Körper waren.
Jüngst haben die Molekularpaläontologin Jasmina Wiemann und ihr Team chemische Spuren in Knochen, Eierschalen und Haut identifiziert, die Aspekte der Dinosaurierbiologie offenbaren, die noch vor einer Generation unvorstellbar waren. Bis dato hatten Paläontologen keine Möglichkeit, Details über Stoffwechselraten und Fortpflanzung oder die Farben von Haut, Federn und Eiern zu erfahren.

Mit einer Isotopenanalyse kann der Herkunftsort eines Menschen oder Tieres nachgewiesen werden.

Foto: kms/Epoch TImes

In meiner eigenen Forschung nutze ich Mikroskope, um die verborgenen Geschichten in Dinosaurierknochen und -zähnen aufzudecken. So zeigen Dünnschnitte der Knochen, dass Dinosaurier eher wie Säugetiere und Vögel wuchsen als wie Reptilien. Die winzigen Veränderungen bewahren zudem Spuren längst vergangener Ernährungsgewohnheiten sowie des Moments des Schlüpfens auf. Keine dieser Entdeckungen wäre möglich gewesen, wären die Originalfossilien in unzugänglichen Privatsammlungen verschwunden.

Gemeinsames Naturerbe – unter dem Hammer

Fossilien sind keine statischen Objekte, deren wissenschaftlicher Wert erschöpft ist, sobald sie beschrieben wurden. Ihr Wert wächst mit dem wissenschaftlichen Fortschritt, jedoch nur, wenn zukünftige Forscher die Originalexemplare weiterhin untersuchen können.
Natürlich werden Dinosaurierfossilien manchmal durch den Kauf und die sofortige Übergabe oder Schenkung an Naturkundemuseen vor dem Vergessen bewahrt. Einige der weltweit bedeutendsten Dinosaurierfossilien sind heute zugänglich, weil Privatpersonen, Unternehmen oder Organisationen, die über die Mittel zum Erwerb außergewöhnlicher Exemplare verfügten, erkannt haben, dass diese dort hingehören, wo Wissenschaftler sie weiterhin erforschen und künftige Generationen von ihnen lernen können.
Der Kauf eines Fossils, um es dauerhaft in öffentlicher Obhut zu sichern, unterscheidet sich grundlegend vom Erwerb als privates Sammlerstück: Im ersten Fall wird der Zugang erweitert, im anderen bleibt er ungewiss.
Doch da die Preise für Fossilien in die Millionen steigen, können Museen zunehmend nicht mehr mithalten. Die bedeutendsten Fossilien gelangen nicht mehr zuverlässig in öffentliche Sammlungen. Stattdessen werden sie zu Luxusgütern, deren Marktwert ihren unermesslichen wissenschaftlichen Wert überwiegt.
Dinosaurier gehören zu unserem gemeinsamen Naturerbe. Sie wecken Staunen, weil sie uns alle mit einer Welt verbinden, die unvorstellbar älter ist als unsere eigene. Für mich ist die Frage, die Auktionen wie die Versteigerung von „Gus“ am 14. Juli aufwerfen, nicht, wer es sich leisten kann, diese Relikte der Vergangenheit zu besitzen. Es geht darum, ob künftige Generationen die Chance haben, sie zu erforschen und von ihnen zu lernen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theconversation.com unter dem Titel „What science loses when T. rex becomes a trophy“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)The Conversation
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Satrlink Anschlag in Polen: Mutmaßliche Saboteure festgenommen

Ein Brandanschlag in Polen, zwei Festnahmen in Baden-Württemberg und der Verdacht auf russische Drahtzieher: Die Ermittlungen zum Feuer in einer Starlink-Bodenstation reichen über Landesgrenzen hinweg. Das Satellitennetz ist ein strategisch wichtiger Bestandteil der ukrainischen Verteidigung im Krieg gegen Russland. In Nürtingen bei Stuttgart wurden zwei Männer festgenommen, die den Anschlag auf die Starlink-Anlage verübt haben sollen. Die Regierung in Warschau vermutet russische Geheimdienste hinter der Tat.
Der Fall ist Thema auf höchster politischer Ebene. „Auf Antrag der polnischen Geheimdienste hat die deutsche Polizei zwei türkische Staatsbürger festgenommen, die verdächtigt werden, die Starlink-Station in Masowien angezündet zu haben“, schrieb Polens Regierungschef Donald Tusk auf X. Die mutmaßlichen Saboteure würden sich vor der polnischen Justiz verantworten müssen.

Mehrere Festnahmen und Durchsuchungen

Das Landeskriminalamt in Stuttgart bestätigt, dass zwei türkische Staatsangehörige in der Bahnhofstraße in Nürtingen auf polnisches Ersuchen hin festgenommen wurden – ohne Angaben zu den Hintergründen zu machen. Der Zugriff erfolgte demnach durch Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK).
Außerdem soll die Polizei in Berlin-Spandau laut „Bild“ einen weiteren Verdächtigen gefasst haben, möglicherweise den Fahrer der beiden anderen Männer. Die „Schwäbische Zeitung“ berichtet von einer weiteren Festnahme einer Frau in Karlsruhe. Sie soll Verbindungen zur organisierten Kriminalität haben. Die Behörden äußern sich zu diesen beiden angeblichen Festnahmen allerdings nicht.
Nach Angaben des baden-württembergischen Innenministers Manuel Hagel wurden in dem Zusammenhang auch drei Wohnungen durchsucht, zwei davon in Baden-Württemberg. Der CDU-Politiker forderte, die Sicherheitsarchitektur aufzurüsten und aufzuwachen aus dem „Dornröschenschlaf“. Die Landesämter für Verfassungsschutz müssten zu „echten Abwehrdiensten“ werden.

Brandbeschleuniger auf Schaltschrank

Fest steht: Am 23. September bricht in einem Terminal von Starlink in Wola Krobowska 50 Kilometer südlich von Warschau ein Brand aus. Die polnische Regierung spricht kurz danach von einem wahrscheinlichen Sabotageakt gegen die Station, die auch die Sicherheit des Internetbetriebs in der Ukraine gewährleiste. Demnach erfasste das Feuer die Stromversorgungsstation und den Stromgenerator.
Die „Schwäbische Zeitung“ schildert detailliert den Ablauf der Tat. Die beiden Männer werden demnach zur Starlink-Station gefahren, gießen einen Brandbeschleuniger auf einen Schaltschrank und verschwinden wieder. Sie verbringen den Angaben zufolge nur wenige Minuten auf dem Gelände. Laut der Zeitung sind die beiden Männer 34 und 38 Jahre alt. Sie sollen auf ihrer Reise zum Anschlagsziel und auf der Rückkehr nach Deutschland tagelang observiert worden sein, heißt es.

Starlink hilft der Ukraine im Krieg

Das Satellitennetz des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk liefert Internet aus dem All – auch dort, wo Mobilfunkmasten und Datenleitungen fehlen oder zerstört sind. Starlink hat deshalb für die Ukraine große Bedeutung: Es hält Menschen im Kriegsgebiet online und ermöglicht den Streitkräften, Informationen auszutauschen, Einsätze zu koordinieren und Operationen zu unterstützen.
Außenminister Johann Wadephul forderte eine noch engere europäische Zusammenarbeit gegen solche Attacken. „Wir sind im Fadenkreuz Russlands“, sagte der CDU-Politiker am Rande eines Sicherheitsforums in der polnischen Hauptstadt Warschau. „Wir werden angegriffen und das geschieht eben nicht nur in der Ukraine, sondern überall in Europa.“
Die beiden festgenommenen Männer sollen im Laufe des Tages einem Haftrichter am Amtsgericht Nürtingen vorgeführt werden. Denn: Für europäische Haftbefehle sind stets die Amtsgerichte zuständig, erklärt die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart. Wird dann ein Auslieferungsverfahren in Gang gesetzt, wandert der Fall an das Oberlandesgericht.

Polen hat keine Zweifel an russischen Auftraggebern

Polens Innenminister Marcin Kierwinski sagte, sobald die Tatverdächtigen nach Polen gebracht würden, werde man ihnen Sabotage und die Tätigkeit im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes zur Last legen. Der Minister für die Koordinierung der Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, betonte, es gebe „keinerlei Zweifel daran, dass hinter diesem Sabotageakt russische Geheimdienste stehen“. Diese würden immer häufiger auf Personen zurückgreifen, die Verbindungen zur kriminellen Welt hätten.
Polens Polizeichef Marek Boron sagte, die Ermittler hätten nach dem Brandanschlag die Vorbereitungen der Tat sowie die Flucht der Täter vom Tatort rekonstruieren können. „Wir haben Aufzeichnungen gesichert, die auf diese konkrete Tat hinweisen. Wir verfügen über Fingerabdrücke, DNA-Spuren der Täter sowie Informationen darüber, wie sie sich bewegt haben, wann sie nach Polen eingereist sind und wann sie aus unserem Land ausgeflogen wurden“, sagte Boron.
Seinen Angaben nach besitzt einer der Tatverdächtigen die türkische Staatsangehörigkeit und ist in Deutschland ansässig. Der andere Festgenommene habe ebenfalls die türkische Staatsangehörigkeit, für ihn gebe es in Deutschland eine Abschiebungsanordnung. Man hoffe aber, dass beide schnell an die polnischen Behörden überstellt würden. (dpa/red)
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„Wettbewerbsfähigkeit verloren“: Arbeitgeber legen Merz einen 20-Punkte-Plan vor

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat die Bundesregierung zu raschen Reformen aufgefordert. Grundvoraussetzung für weiteres Wachstum in Deutschland seien „weniger Bürokratie, flexiblere Arbeit, niedrigere Belastungen und ein Staat, der schneller und digitaler wird“, sagte Dulger am Dienstag beim Arbeitgebertag in Berlin, wo er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen 20-Punkte-Plan der Arbeitgeber überreichte. Merz bekräftigte seinen Willen zu den „umfangreichsten Reformen seit Jahrzehnten“.

BDA: Wirtschaftliches Potenzial derzeit „bei Weitem“ nicht ausgeschöpft

Der am Dienstag veröffentlichte 20-Punkte-Plan der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hebt hervor, dass die Bundesrepublik ihr wirtschaftliches Potenzial derzeit „bei Weitem“ nicht ausschöpfe.
„Wir haben unsere preisliche Wettbewerbsfähigkeit teilweise verloren“, kritisieren die Arbeitgeber darin. Dies habe spürbare Auswirkungen auf Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand – und damit auch auf die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme.
Wichtige Stellschrauben, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, sind aus Sicht der BDA insbesondere der Bürokratieabbau, etwa durch weniger Nachweis- und Dokumentationspflichten, sowie flexiblere Arbeitszeiten. Außerdem ist demnach neben einer Verbesserung des Bildungssystems vor allem entscheidend, dass die Beiträge zur Sozialversicherung nicht weiter steigen: Notwendig seien „Strukturreformen bei Rente, Gesundheit und Pflege“.

Merz wirbt bei Arbeitgebern für Ende der „Rente mit 63“

Der Bundeskanzler warb unterdessen erneut für ein Ende der sogenannten „Rente mit 63“. „Gesund und fit abschlagsfrei früher in Rente zu gehen – das ist weder gerecht noch können die Rentenversicherung und unsere Volkswirtschaft es sich leisten“, sagte er. Das gelte vor allem, wenn immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssten.
Die Abschaffung der „Rente mit 63“ ist bei der geplanten Rentenreform einer der zentralen Streitpunkte. Die Rentenkommission hatte sich für ein Ende der „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ ausgesprochen. Aus der SPD, aber auch aus Teilen der Union, gibt es dagegen zahlreiche Gegenstimmen.
Auch der künftige Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD), der die Reform umsetzen muss, hatte sich in der Vergangenheit gegen Teile der Vorschläge der Altersicherungskommission ausgesprochen.

Merz fordert Tempo von neuem Arbeitsminister Schweitzer

Merz erwarte, dass Schweitzer ab Mittwochmittag nach der Kabinettsitzung in seinem Ministerium arbeite. „Und zwar so schnell und so zügig, dass wir die Gesetzentwürfe, die wir verabredet haben, die zum Teil auch schon im Entwurf da sind, so schnell wie möglich ins Kabinett bekommen“, sagte der Kanzler.
Idealerweise sei der Rentenentwurf dann nicht nur durchformuliert, sondern auch mit den Bundestagsfraktionen und den Bundesländern abgestimmt. „Und wenn das erreicht wird in diesem Jahr, dann hat er seinen Job gemacht“, sagte Merz.
Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Schweitzer wird am Dienstagnachmittag als Nachfolger der zurückgetretenen SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas vereidigt. Die Union hatte ihr wiederholt vorgeworfen, bei der Vorlage eines Gesetzentwurfs zur Rentenreform nicht zügig genug voranzukommen. Grundlage dafür sollen 33 Empfehlungen einer Expertenkommission sein.

Merz: „Will nicht Liebling der Nation werden“

Mit Blick auf seine deutlich gesunkenen Umfragewerte sagte Merz, er habe „nicht die Absicht, der Liebling der Nation zu werden“. Stattdessen wolle er „dieses Land so auf Kurs zu bringen, dass wir vor allen Dingen für die junge Generation wieder eine vernünftige Perspektive eröffnen.“
(afp/dpa/dts/red)
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Vier Jahre nach Anschlag auf Nord-Stream-Pipelines: Prozessgebinn gegen Ukrainer

Rund vier Jahre nach der Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines beginnt am Mittwoch in Hamburg der Prozess gegen einen mutmaßlich an dem Anschlag beteiligten ehemaligen ukrainischen Armeeoffizier. Die Bundesanwaltschaft wirft Serhii K. unter anderem ein Kriegsverbrechen in Form eines Angriffs gegen zivile Objekte vor. Sie geht laut Anklage von einer Tat im Auftrag staatlicher ukrainischer Stellen aus. Präsident Wolodymyr Selenskyj wies eine offizielle Beteiligung der Regierung in Kiew an Operationen gegen die Erdgasleitungen zurück.
Die für den Transport russischen Erdgases nach Deutschland bestimmten Pipelines waren am 26. September 2022 detoniert, Sprengsätze fügten den durch die Ostsee verlaufenden Leitungssträngen schweren Schaden zu. Zum Zeitpunkt der Anschläge waren sie nicht in Betrieb. Russland hatte Gaslieferungen durch Nord Stream 1 bereits kurz zuvor gestoppt, mutmaßlich als Reaktion auf westliche Sanktionen wegen des Angriffs auf die Ukraine. Nord Stream 2 war damals neu und lieferte nie Gas.
Der Anklage der Bundesanwaltschaft zufolge sollte die Sabotageaktion Energieexporte über die Pipelines nach Westeuropa dauerhaft stoppen, damit Russland die Einnahmen nicht zur Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine nutzen konnte. K. soll den Plan dazu zusammen mit anderen Militärangehörigen im Auftrag von staatlichen Stellen ausgearbeitet haben, demnach war er zu jener Zeit Offizier der ukrainischen Armee.

Hergang der Sprengung

Den deutschen Ermittlern zufolge soll K. eine kleinere Gruppe aus Berufstauchern, einem Sprengstoffexperten und einem Bootsskipper angeführt haben, welche die Sprengsätze anbrachte. Dafür reiste K. laut Anklage Anfang September 2022 mit einem gefälschten ukrainischen Pass über Polen nach Deutschland ein und begab sich in Rostock mit den Mittätern an Bord einer von Mittelsmännern gemieteten Segeljacht.
Laut Bundesanwaltschaft brachten sie mit dem Schiff größere Mengen eines militärisch nutzbaren starken Sprengstoffs in internationale Gewässer nahe der dänischen Ostseeinsel Bornholm. Irgendwann vor dem 22. September befestigten sie demnach Sprengsätze mit Zeitzündern an den Pipelines. Einige Tage später, am 26. September, explodierten sie.
K. wurde im August vergangenen Jahres im Urlaub in Italien gefasst und später nach Deutschland ausgeliefert, wo er in Untersuchungshaft kam. Für seinen Prozess vor dem Hamburger Oberlandesgericht sind Termine bis Februar 2027 angesetzt. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Mittäterschaft bei einem Kriegsverbrechen in Form eines Angriffs gegen zivile Objekte und weitere Delikte vor, darunter die Störung öffentlicher Betriebe.
Inzwischen befindet sich auch ein zweiter mutmaßlicher Verdächtiger in Haft. Bei ihm handelt es sich laut Bundesanwaltschaft um einen der mutmaßlich an der Sabotageaktion beteiligten Taucher, einen Ukrainer namens Wolodymyr Z., der im August auf Basis eines europäischen Haftbefehls in Kroatien gefasst wurde. Ein Gericht genehmigte im September die Auslieferung nach Deutschland. Sein Anwalt kündigte Berufung an.

Ukrainische Regierung wies Beteiligung zurück

Angriffe auf Energieinfrastruktur spielen im Ukrainekrieg eine große Rolle, weil diese von strategischer Bedeutung sind. Russland verfügt über riesige Öl- und Gasvorkommen. Die Ukraine greift in jüngerer Zeit als Reaktion auf massive russische Raketen- und Drohnenattacken verstärkt unter anderem etwa Raffinerien und Öldepots in Russland an.
Eine Beteiligung an den Anschlägen auf die Nord-Stream-Leitungen aber wies die ukrainische Regierung stets zurück – und widersprach damit den Darstellungen aus der Anklage. Kiew habe sich „niemals offiziell an irgendeiner Operation beteiligt, die mit der Sprengung von Nord Stream zu tun hatte“, betonte Präsident Selenskyj erst im August.

Verfahren in Deutschland

Die Regierung in Kiew habe „keine Erwartungen“ an den Prozess, sagte ein ranghoher Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte gegenüber AFP, die russische Regierung erwarte von dem bevorstehende Verfahren „Objektivität“ und einen Schuldspruch.
Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen schon kurz nach der Sabotageaktion im Oktober 2022 – obwohl sich die Sprengung der von Unternehmenskonsortien unter Führung des russischen Energiekonzerns Gazprom gebauten und betriebenen Unterwasserpipelines nicht auf deutschem Staatsgebiet ereignete. Der Bundesgerichtshof segnete dies später ab, Haftbeschwerden des in Hamburg angeklagten K. lehnte er ab.
Demnach ist ein juristisches Verfahren in Deutschland möglich, weil die Pipelines im mecklenburg-vorpommerschen Lubmin enden – die Folgen der Tat also auch hierzulande auftreten. Zudem stellte das Gericht fest, dass sich der Beschuldigte wohl nicht erfolgreich auf das Kriegsvölkerrecht werde berufen können, das Angehörigen regulärer Streitkräfte für legitime Kriegshandlungen Straffreiheit zusichert.
Dieses sogenannte Kombattantenprivileg gelte grundsätzlich nicht für „verdecktes Handeln von Militärangehörigen“, stellte das Gericht im Dezember fest. Zudem handle es sich bei Pipelines um zivile Objekte. (afp/red)
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Ungarisches Parlament beschließt Auflockerung bei LGBTQ-Gesetz

Gut fünf Jahre nach seiner Verabschiedung sind die entscheidenden Passagen des sogenannten Anti-LGBTQ-Gesetzes in Ungarn wieder abgeschafft worden. Das Parlament in Budapest stimmte am Dienstag für einen entsprechenden Entwurf der Regierung. Es ist die erste bedeutende Abkehr von den in der Regierungszeit des vorigen Ministerpräsidenten Viktor Orban beschlossenen Maßnahmen gegen die LGBTQ-Gemeinschaft seit dem Amtsantritt seines pro-europäischen Nachfolgers Peter Magyar im Mai.
Die Abgeordneten stimmten dafür, Passagen aus dem Kinderschutzgesetz zu streichen, welche die „Förderung“ und die „Darstellung“ von Homosexualität etwa in Filmen und im Fernsehen für Minderjährige untersagt hatten. Künftig sollen allgemein Inhalte verboten sein, welche die körperliche, geistige, emotionale oder moralische Entwicklung von Kindern „ernsthaft beeinträchtigen“ können.
Orban hatte in Ungarn jahrelang Bemühungen unternommen, LGBTQ-Inhalte aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Das 2021 beschlossene Kinderschutzgesetz sah vor, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren keine Informationen über Homosexualität oder Geschlechtsangleichungen erhalten sollten. Die Darstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften etwa im Fernsehen stand in Ungarn seitdem unter Strafe. Auch Pride-Paraden waren unter dem Gesetz verboten. Im April hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass das Gesetz gegen EU-Recht verstößt.
Magyars Tisza-Partei hatte bei der Parlamentswahl im April eine Zweidrittelmehrheit geholt und den seit 2010 regierenden Orban damit abgelöst. Seitdem hatte die LGBTQ-Community in Ungarn wieder auf mehr Freiheiten gehofft – im Wahlkampf hatte Magyar es vermieden, das Thema LGBTQ-Rechte anzusprechen.
Die englische Abkürzung LGBTQ steht für Lesben, Schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und queere Menschen. (afp/tp)
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China tauscht sechs Provinzchefs in zwei Tagen aus

In nur zwei Tagen wurden sechs Parteichefs auf Provinzebene ersetzt. Auf den ersten Blick schienen die Versetzungen routinemäßige, provinzübergreifende Wechsel zu sein. Eine so konzentrierte Umbildung deutet jedoch auf etwas Tieferes hin.

So wurden am 22. September die Parteichefs von Tibet, Gansu und Qinghai ausgewechselt, am darauffolgenden Tag auch die von Anhui, Fujian und Henan. Die Veränderungen lösten eine Kettenreaktion aus: Hu Changsheng, der bisherige Parteichef von Gansu, wurde nach Tibet versetzt, wodurch der Spitzenposten in Gansu vakant wurde. Wu Xiaojun, zuvor Parteichef von Qinghai, wurde daraufhin über die Provinzgrenzen hinweg versetzt, um das Amt in Gansu zu übernehmen. Anschließend rückte Luo Dongchuan, bis dahin Gouverneur der Provinz Qinghai, dort an die Parteispitze.

Warum Provinzchefs wichtig sind

Warum haben die zentralen Behörden also genau zu diesem Zeitpunkt so viele Änderungen vorgenommen?

Die Parteichefs der Provinzen sind die mächtigsten Funktionäre in ihren Regionen. Die Ausübung dieser Ämter ist eine Voraussetzung dafür, um die Qualifikationen und Erfahrungen zu sammeln, die für höhere Ämter erforderlich sind. Dazu gehört etwa, Delegierter des Scheinparlaments des Nationalen Parteitags zu werden und potenziell für das Zentralkomitee ausgewählt zu werden.

Beim Nationalen Volkskongress wird der Fünfjahresplan vorgestellt. (Symbolbild)

Beim Nationalen Volkskongress wird der Fünfjahresplan vorgestellt. (Archivbild)

Foto: Vincent Thian/AP/dpa

Diese schnelle Abfolge von Ernennungen deutet darauf hin, dass die Nachfolgeplanung für den 21. Parteitag nun im Gange ist. Der Parteitag, der etwa alle fünf Jahre stattfindet, ist der Ort, an dem die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) ihre oberste Führung und ihre wichtigsten Regierungsorgane formal umgestaltet. Der 21. Parteitag soll im Herbst 2027 stattfinden.

19 Wechsel von Provinzparteichefs seit 2023

Bei der Untersuchung der Wechsel an der Spitze der Provinzen seit Oktober 2023 habe ich einen bemerkenswerten Trend entdeckt, der bei der Analyse der Machtverhältnisse der KPCh nicht außer Acht gelassen werden sollte: Die schiere Häufigkeit dieser Wechsel, verbunden mit immer kürzeren Amtszeiten, könnte eine erhebliche strukturelle Schwachstelle im Regierungssystem der KPCh darstellen.

China ist in 31 Verwaltungseinheiten auf Provinzebene gegliedert, darunter Provinzen, autonome Regionen und regierungsunmittelbare Städte. Seit Oktober 2023 gab es 19 Wechsel bei den Provinzparteichefs. In Qinghai, Hubei und Anhui gab es jeweils zwei Wechsel.

Gemäß den eigenen Vorschriften der KPCh beträgt die Amtszeit eines Parteichefs auf Provinzebene in der Regel fünf Jahre und es wird von der lokalen Parteiführung erwartet, dass sie für Stabilität und Kontinuität sorgt. Mit anderen Worten: Lokale Beamte sollten während ihrer gesamten Amtszeit im Amt bleiben, wobei eine Versetzung aus bestimmten Gründen, wie beispielsweise aufgrund besonderer Arbeitsanforderungen, zulässig ist.

In der Praxis absolvieren jedoch nur sehr wenige Provinzparteichefs tatsächlich eine volle fünfjährige Amtszeit. Ein Forschungsprojekt an der Universität Sichuan zum chinesischen Kaderpersonalsystem ergab, dass Parteisekretäre auf Provinz- und Stadtebene zwischen 1994 und 2012 durchschnittlich 4,55 Jahre und die Gouverneure beziehungsweise Bürgermeister durchschnittlich 4,18 Jahre im Amt waren. Diese Zahlen lagen noch recht nahe an einer regulären Amtszeit von fünf Jahren.

Nach dem Machtantritt von Xi Jinping änderte sich die Lage erheblich.

Laut Daten, die von Li Cheng, dem ehemaligen Direktor des John L. Thornton China Center der Brookings Institution, zusammengestellt wurden, sank die durchschnittliche Amtszeit der Provinzparteichefs bis 2021 auf nur noch 1,6 Jahre.

Die Logik hinter dieser Art von rascher Rotation ist leicht nachzuvollziehen. Xi kann sie als Mittel betrachten, um das Entstehen lokaler politischer Kräfte zu verhindern, die seine Autorität infrage stellen könnten, und somit die politische Loyalität gegenüber Peking zu festigen.

Die KPCh blickt seit Langem besorgt auf lokale Machtbasen. Der politische Einfluss, der sich um Figuren wie Zhou Yongkang in Sichuan und Bo Xilai in Chongqing entwickelte, verdeutlicht die lokalen Machtstrukturen und die Furcht der Zentralregierung vor solchen Kräften.

Doch diese Strategie hat auch eine andere Seite.

Ein häufiger Personalwechsel kann zwar die zentrale Kontrolle stärken, er kann aber auch zu einer Zersplitterung der Politik führen. Zudem kann er Beamte dazu verleiten, kurzfristigen Gewinnen Priorität einzuräumen, und Anreize schwächen, Probleme anzugehen, deren Lösung Jahre dauert – wie beispielsweise die massive Verschuldung der Lokalregierungen.

Und es gibt noch ein weiteres interessantes Paradoxon: Die Parteichefs mögen kommen und gehen, doch die lokale Bürokratie bleibt weitgehend unverändert. Der Austausch des Provinzchefs führt nicht automatisch zur Auflösung der bestehenden Netzwerke von Beamten, Unternehmen und lokalen Interessen, die sich über viele Jahre entwickelt haben.

In diesem Sinne kann ein System, das verhindern soll, dass lokale politische Netzwerke zu mächtig werden, manchmal das gegenteilige Ergebnis hervorrufen. Am Ende ist der Außenseiter an der Spitze möglicherweise auf genau jene lokalen Netzwerke angewiesen, die er eigentlich kontrollieren sollte.

Historischer Präzedenzfall: Die Zentralisierungsfalle der Qing-Dynastie im Jahr 1911

Für jeden, der sich mit der Geschichte des chinesischen Kaiserreichs beschäftigt, erinnert diese rasante Umbesetzung an einen erschreckenden Präzedenzfall: den plötzlichen Zusammenbruch der Qing-Dynastie im Zuge der Revolution von 1911.

Während sich westliche Darstellungen oft auf revolutionäre Parolen konzentrieren, brach das Qing-Reich in Wirklichkeit aufgrund seines radikalen Strebens nach Zentralisierung in seinen letzten Jahren von innen heraus zusammen. Aus Angst vor der Autonomie der Provinzen entzog der kaiserliche Hof den regionalen Behörden aggressiv ihre Macht. Doch damit zerstörte Peking das politische Vertrauen der Provinzeliten. Als 1911 der Aufstand ausbrach, sahen sich die kaiserlichen Gouverneure in den Provinzen völlig isoliert.

Da sie ständig versetzt worden waren, um lokalen Einfluss zu verhindern, hatten sie keine lokalen Wurzeln und konnten weder regionale Truppen befehligen noch lokale Unterstützung gewinnen. Um sich zu schützen, gaben diese entwurzelten Beamten ihre Posten einfach auf oder erklärten die Unabhängigkeit ihrer Provinz.

Der Qing-Hof ging davon aus, dass seine Erlasse alles kontrollierten. In Wirklichkeit war die Zentralregierung zu einer brüchigen Hülle ohne echte gesellschaftliche Grundlage geworden.

Heute scheint Xi durch endlose Antikorruptionskampagnen und schnelle Personalwechsel ein unzerstörbares System zentralistischer Kontrolle aufgebaut zu haben. Doch ein Reich, das ausschließlich durch bürokratischen Terror regiert wird, steht auf instabilem Boden. Indem Peking die Arbeitsplatzsicherheit abgeschafft und die Amtszeiten der Provinzbeamten verkürzt hat, hat es lokale Eigeninitiative zunichtegemacht und genau jene Beamten verprellt, die für das Funktionieren des Landes unverzichtbar sind.

Sollte China mit einem schweren wirtschaftlichen Schock oder einer plötzlichen Führungskrise konfrontiert werden, wer von diesen entwurzelten Beamten wird dann seine Karriere – oder sein Leben – für Peking riskieren? Werden sie als loyale Verteidiger agieren? Oder werden sie, wie die Qing-Gouverneure im Jahr 1911, auf den eigenen Vorteil bedacht sein und zusehen, wie die Zentralregierung zusammenbricht?

Sechs Provinzleiter innerhalb von 48 Stunden zu ersetzen, ist kein Zeichen von Stärke. Es offenbart ein Regime, das von tiefer Unsicherheit getrieben ist. Mit seinem Bestreben, lokale Aufstände zu verhindern, schafft Xi möglicherweise genau die Bedingungen, die dazu führen werden, dass sein System wie ein Kartenhaus zusammenbricht.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „China Replaces 6 Provincial Chiefs in 2 Days: A Deepening Vulnerability for the CCP“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)

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CDU in Sachsen-Anhalt plant geschlossenes Vorgehen bei Ministerpräsidentenwahl


In Kürze:

  • Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt will sich auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Ministerpräsidentenwahl im Dezember festlegen.
  • Bei einer möglichen Wahl des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund im ersten oder zweiten Wahlgang sollen die CDU-Abgeordneten den Plenarsaal verlassen.
  • In der Fraktion wächst die Kritik an Fraktionschef Sven Schulze, die Abgeordnete Karin Tschernich-Weiske fordert einen Neuanfang.

 
Die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt will am Dienstag, 13. Oktober, ihr Vorgehen bei der Wahl zum Ministerpräsidenten koordinieren. Diese soll im Dezember anstehen. Der Geschäftsführende Vorstand der Fraktion schlägt den Mitgliedern vor, geschlossen den Plenarsaal zu verlassen, wenn die Wahl eines AfD-Kandidaten ansteht.
Auf dieses Vorgehen will sich die Fraktion am Dienstag per Beschluss festlegen. Der Beschluss soll für den ersten und zweiten Wahlgang gelten. In diesen benötigt ein Kandidat die Stimmen der Mehrheit aller Mitglieder des Landtags, um gewählt zu werden.
Im dritten Wahlgang, in dem eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen ausreicht, soll die CDU-Fraktion geschlossen mit „Nein“ stimmen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat jedoch angekündigt, nur zu kandidieren, wenn eine Mehrheit für ihn im ersten Wahlgang zu erwarten sei.

CDU will geschlossenes Vorgehen bei der Ministerpräsidentenwahl

Der Vorschlag, der am Dienstag zur Abstimmung steht, wird von Fraktionschef Sven Schulze und dem Parlamentarischen Geschäftsführer Stefan Ruland unterstützt. Auch der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller, der als innerparteilicher Kritiker Schulzes gilt, hat sich laut der „Mitteldeutschen Zeitung“ am Montag für ein solches Vorgehen ausgesprochen.
Mit dem Vorgehen will die Fraktion Vorwürfen entgegentreten, CDU-Abgeordnete hätten in geheimer Wahl Kandidaten der AfD mitgewählt. Offiziell schließt die Fraktion die Unterstützung eines AfD-Kandidaten weiterhin aus.
In der konstituierenden Sitzung am Dienstag, 6. Oktober, erhielt der AfD-Abgeordnete Tobias Rausch bei der Wahl zum Landtagspräsidenten jedoch 48 Stimmen. Da die AfD 39 Abgeordnete stellt und die fünf Abgeordneten des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) ihre Unterstützung angekündigt hatten, müssen mindestens vier Stimmen aus den Reihen anderer Fraktionen gekommen sein.
Auch der AfD-Kandidat für das Amt des ersten Vizepräsidenten des Landtags erhielt 44 Stimmen, obwohl das BSW ausgeschlossen hatte, für ihn zu stimmen. Rausch sagte später, es habe Absprachen mit CDU-Abgeordneten gegeben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der Bundestagsabgeordnete Müller hielten jedoch auch eine „False Flag“-Aktion für möglich.
Demnach könnten auch Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken für Rausch gestimmt haben, um „die CDU mit Dreck zu bewerfen“.

Kritik an Fraktionschef Schulze wächst

Auch in der Vorankündigung zu dem Antrag heißt es, die Vorwürfe gegen Mitglieder der CDU-Fraktion hätten „Grenzen überschritten“. Ein koordiniertes Vorgehen bei der Wahl zum Ministerpräsidenten könnte zudem Gerüchten über eine Spaltung der Fraktion entgegenwirken.
Diese kursieren, seit der frühere Bildungsminister Marco Tullner in der Vorwoche die Bildung einer eigenen Gruppe von CDU-Abgeordneten nicht ausschließen wollte.
Der geschäftsführende Ministerpräsident Schulze steht in der Fraktion in der Kritik, seit er sich bereits in der konstituierenden Fraktionssitzung zum Fraktionschef wählen ließ. Er gewann eine Kampfabstimmung gegen den bisherigen Fraktionschef Guido Heuer knapp mit acht zu sieben Stimmen.
Tullner warf Schulze daraufhin vor, die Fraktion vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben. Schulze hatte der 15-köpfigen Fraktion vor der Wahl Rauschs empfohlen, sich zu enthalten. Am Ende gab es unter den 82 anwesenden Abgeordneten jedoch nur fünf Enthaltungen.

CDU-Abgeordnete fordert Neuanfang und neue Führung

Unterdessen stellt die aus Dessau-Roßlau stammende CDU-Abgeordnete Karin Tschernich-Weiske den Fraktionsvorsitz Sven Schulzes infrage. Im Gespräch mit der „Mitteldeutschen Zeitung“ plädierte sie für einen „Neuanfang“ und eine „neue Geschlossenheit“ in der Fraktion.
Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, wäre ihrer Einschätzung zufolge ein neuer Fraktionsvorsitzender, „der beide Lager versöhnt und einem gemeinsamen Neuanfang den Weg ebnet“.
Gleichzeitig sagte sie, man müsse „klären, wie das Land die nächsten fünf Jahre regiert werden soll, anstatt hinter der Brandmauer in Deckung zu gehen“. Diese werde von der CDU im Landtag schon länger kritisch gesehen – „und sie hat viele Wähler gegen die CDU aufgebracht“.
Abgrenzen statt ausgrenzen sei aus ihrer Sicht das bessere Rezept gegen die AfD, zumal es eine Brandmauer auf kommunaler Ebene häufig nicht gebe. Tschernich-Weiske sagte zudem: „Wenn wir bockig sind und uns nicht rühren, ist das nicht der Auftrag, für den wir gewählt worden sind.“
Ob es ohne CDU-Stimmen für Ulrich Siegmund zur angestrebten Mehrheit im ersten Wahlgang reichen würde, ist ungewiss. Erforderlich sind 42 Stimmen, die AfD verfügt über 39 der 83 Sitze.
Die BSW-Fraktion hatte angekündigt, sich enthalten zu wollen. Die Wagenknecht-Partei favorisiert nach wie vor die Idee eines überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit allen Parteien zusammenarbeiten würde.
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Flughafen Nürnberg wegen „Luftnotlage“ gesperrt

Der Nürnberger Flughafen ist am Dienstagmittag wegen eines Polizeieinsatzes für den Flugverkehr gesperrt worden. Aufgrund einer „Luftnotlage“ sei der Flugbetrieb derzeit eingestellt, teilte der Flughafenbetreiber mit. Weitere Informationen wurden zunächst nicht genannt.
Bereits am frühen Dienstagmorgen war es zu Beeinträchtigungen des Flugverkehrs am Albrecht-Dürer-Airport Nürnberg gekommen. Im Zeitraum zwischen 2 Uhr und 4 Uhr hatten drei Piloten während des jeweiligen Lande- oder Startvorgangs unabhängig voneinander die Sichtung eines Objekts gemeldet, bei dem es sich möglichweise um eine Drohne gehandelt haben könnte. Im Anschluss kam es zu temporären Beeinträchtigungen des Flugverkehrs.
Die durchgeführten Maßnahmen, bei welchen unter anderem auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz war, führten zunächst nicht zur Verifizierung des gemeldeten Objekts. Die Ermittlungen dauerten noch an. (dts/red)
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Industrieverbände warnen Merz vor „Made in Europe“-Deal mit Paris

Die Industrieverbände ZVEI und VDMA warnen Bundeskanzler Friedrich Merz vor einem Deal mit Frankreich bei der Industriepolitik. Merz dürfe keinen engen „Made in Europe“-Regeln zustimmen, um dafür CO2-Zugeständnisse für die Autoindustrie zu erreichen, schreiben die Präsidenten Daniel Hager (ZVEI) und Bertram Kawlath (VDMA) in einem Brief an Merz, aus dem das Magazin Politico zitiert.
„Berlin und Paris würden damit eine Schwächung genau jener industriellen Wettbewerbsfähigkeit in Kauf nehmen, die sie stärken wollen“, schreiben die Verbände. „Wir bitten Sie, einen solchen Deal mit einem strikten `Made in Europe` zu vermeiden.“
Gemeinsam stehen Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) sowie Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) für rund 20 Prozent der deutschen Industrie, 30 Prozent ihrer Exporte und etwa 2,2 Millionen Beschäftigte.

Merz und Macron suchen gemeinsame Linie

Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verhandeln über eine gemeinsame Linie beim Industrial Accelerator Act (IAA) und dem Auto-Paket der EU. Frankreich befürwortet eine enge Auslegung der Made-in-Europe-Quoten für öffentliche Aufträge im IAA auf die 27 EU-Länder. Deutschland will auch Freihandelspartner der EU einbeziehen. Beim Autopaket dringt Merz darauf, die CO2-Vorgaben zu lockern. Frankreich ist bisher dagegen.
Merz dürfe die Exportchancen großer Teile der Industrie „nicht zur Verhandlungsmasse im Austausch akuter Ziele machen“, fordern die Verbände. Um Wertschöpfung in Europa zu stärken, müsse der IAA verlässliche Handelspartner einbeziehen. Andernfalls würden deren Gegenmaßnahmen „unsere Unternehmen zusätzlich auf ihren Exportmärkten treffen“.
Viele Unternehmen seien dabei, ihre Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten abbauen. Enge „Made in Europe“-Regeln würden ausgerechnet die dafür nötigen Partner ausschließen. Dies würde „bewährte Lieferketten verteuern und Unternehmen zum Aufbau kostspieliger Doppelstrukturen zwingen“, warnen die Verbände. (dts/red)
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Galeria-Beschäftigte erhalten Insolvenzgeld

Die Beschäftigten der erneut insolventen Warenhauskette Galeria erhalten Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Ein Sprecher der Bundesagentur machte auf Nachfrage zunächst keine Angaben und verwies auf den vorläufigen Insolvenzverwalter Frank Kebekus.
Das Insolvenzgeld soll über eine Bank vorfinanziert werden, damit es schnell zur Auszahlung kommen und die Konten der Beschäftigten erreichen kann. Damit ist eine Voraussetzung erfüllt, um den Geschäftsbetrieb zunächst fortzuführen. Zuvor hatten „Welt“ und „Business Insider“ berichtet.

Höhe des Insolvenzgeldes entspricht dem Nettogehalt

Insolvenzgeld wird von der Bundesagentur für Arbeit einmalig für einen Zeitraum von maximal drei Monaten vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gezahlt, allerdings normalerweise rückwirkend. Es entspricht in der Regel dem Nettolohn.
Der Anspruch auf die Zahlung entsteht erst mit der Eröffnung des Verfahrens. Es kann aber über eine Abtretung der Ansprüche an eine Bank vorfinanziert werden. Zuletzt hatten die Mitarbeiter die September-Bezüge von ihrem Arbeitgeber erhalten, sie wurden Ende September ausgezahlt.
Die Gehälter der Galeria-Beschäftigten belaufen sich dem Vernehmen nach auf knapp 25 Millionen Euro im Monat. Noch vergangene Woche hatten sich Insolvenzexperten skeptisch zu den Chancen für Insolvenzgeld geäußert. Das Geld wird über eine Umlage der Arbeitgeber finanziert.

Vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet

Am 2. Oktober hat Galeria beim Amtsgericht Düsseldorf wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt – zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren. Das Gericht ordnete daraufhin ein vorläufiges Insolvenzverfahren an (Az: 502 IN 258/26). Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen läuft vorerst weiter. Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen.
Galeria beschäftigt nach jüngsten Angaben 11.250 Menschen, rund 1.600 davon sind in den Lebensmittelabteilungen und in den Restaurants der Warenhäuser tätig. Die Tochtergesellschaften des Unternehmens haben ebenfalls Insolvenzverfahren beantragt. (dpa/red)