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Ein Tabu-Produkt verstärkt plötzlich die Wirkung von Blutdrucksenkern

Wissenschaftler sind auf ein überraschendes Phänomen gestoßen: Ausgerechnet zuckerhaltiger Kaugummi, das Schreckgespenst eines jeden Zahnarztes, könnte die blutdrucksenkende Wirkung von Rote-Bete-Saft verstärken.
In einer kleinen Studie sank der Blutdruck von gesunden Testpersonen leicht, wenn sie nach dem Saft zu Kaugummi mit Zucker griffen. Die zuckerfreie Variante blieb wirkungslos.
Ein neues Wundermittel gegen Bluthochdruck ist der süße Kaugummi deshalb zwar nicht. Doch das Ergebnis offenbart ein Zusammenspiel in unserem Körper: Was wir essen, verändert die Chemie in unserem Mund, und beeinflusst direkt, wie effizient der Organismus herzschützende Botenstoffe bildet.

Eine kleine Studie mit interessantem Hinweis

In der von Forschern am King’s College London durchgeführten Studie tranken die Teilnehmer rund 70 Milliliter Rote-Bete-Saft, der etwa 400 mg Nitrat enthält, ungefähr so viel wie in einem großen Spinat- oder Blattsalat enthalten ist. Anschließend kauten sie entweder zuckerhaltigen oder zuckerfreien Kaugummi.
Als die Teilnehmer den zuckerhaltigen Kaugummi kauten, sank der systolische Blutdruck um durchschnittlich 2,7 mmHg und der diastolische Blutdruck um 1,9 mmHg. Bei denjenigen, die zuckerfreien Kaugummi kauten, trat keine solche Senkung auf.
Der Effekt schien einige Stunden später nachzulassen. Die Forscher verfolgten die Teilnehmer nicht über diesen Zeitraum hinaus, sodass noch unbekannt ist, wie lange ein etwaiger Nutzen im Alltag anhalten könnte.
„Eine Senkung um etwa 2,7 bis 1,9 mmHg mag gering erscheinen, aber selbst kleine Blutdrucksenkungen können bedeutend sein, wenn es um die Verringerung des kardiovaskulären Risikos geht“, erklärte Dr. Sirisha Vadali, eine staatlich geprüfte Kardiologin und erfahrene Lipidologin, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber Epoch Times.
Für sie zeigen die Ergebnisse vor allem, dass das biologische Prinzip dahinter funktioniert. Ein Grund, die eigene Lebensweise umzustellen, sei das aber nicht: Kaugummikauen könne bewährte Maßnahmen wie ausreichend Bewegung oder eine herzgesunde Ernährung niemals ersetzen.

Warum zuckerhaltiger Kaugummi?

Es ist bereits bekannt, dass nitratreiche Gemüsesorten wie Rote Bete, Spinat und Grünkohl einen gesunden Blutdruck unterstützen.
Sobald Nitrat aus diesen Lebensmitteln in den Blutkreislauf aufgenommen wird, gelangt bis zu ein Viertel davon in die Speicheldrüsen und wird zurück in den Mund abgesondert. Dort wandeln Bakterien auf der Zunge es in Nitrit um, das verschluckt und in den Blutkreislauf aufgenommen wird, wo es in Stickstoffmonoxid umgewandelt werden kann, ein Molekül, das dabei hilft, die Blutgefäße zu entspannen und zu erweitern.
Forschern ist seit Langem bekannt, dass dieser Prozess nicht nur vom Nitrat aus der Nahrung, sondern auch vom oralen Mikrobiom abhängt. Frühere Studien deuteten darauf hin, dass der Säuregrad des Speichels Einfluss darauf hat, wie effizient Mundbakterien diese Umwandlung durchführen.
Das Team des King’s College London machte sich daran, die umgekehrte Frage zu untersuchen: Könnte eine Erhöhung des Säuregehalts des Speichels die Stickstoffmonoxidproduktion steigern? Kaugummi erwies sich als praktisches Mittel, um den pH-Wert des Speichels zu beeinflussen.
Der zuckerhaltige Kaugummi senkte den pH-Wert des Speichels um etwa 1,4 Einheiten, während der zuckerfreie Kaugummi ihn um 0,38 Einheiten erhöhte. Normaler Speichel liegt bei etwa 6,7 bis 7,4. Der zuckerfreie Kaugummi machte den Speichel etwas basischer, während der zuckerhaltige Kaugummi ihn saurer machte.
Die Verschiebung des pH-Werts schien von Bedeutung zu sein. Teilnehmer, die zuckerhaltigen Kaugummi kauten, wiesen im Speichel um 45 Prozent höhere Nitritwerte und im Blut um 25 Prozent höhere Werte auf als beim Kauen von zuckerfreiem Kaugummi, was mit dem leichten Blutdruckabfall einherging.
„Je saurer, desto aktiver“, erklärte Dr. Andrew Webb, klinischer Dozent an der School of Cardiovascular and Metabolic Medicine & Sciences am King’s College London und korrespondierender Autor der Studie, gegenüber Epoch Times.
Die Versauerung des Speichels nach dem Trinken von Rote-Bete-Saft schien den Nitrat-Nitrit-Stickstoffmonoxid-Stoffwechselweg des Körpers zu verstärken, sagte er.
Die Ergebnisse seien möglicherweise nicht auf zuckerhaltigen Kaugummi beschränkt, sagte er. „Wir gehen davon aus, dass auch andere Methoden zur Veränderung des pH-Werts eine Wirkung hätten“, wobei er anmerkte, dass auch Kaffee den pH-Wert des Speichels senkt.

Kaugummi ist nicht die Lösung

Angesichts der potenziellen schädlichen Auswirkungen wiederholter Zuckereinnahme auf die Zahngesundheit empfehlen die Forscher nicht, regelmäßig zuckerhaltigen Kaugummi zu kauen, um den Blutdruck zu senken.
„Insgesamt scheint eine gute Zahnhygiene die Nitratumwandlung zu fördern“, merkte Webb an und unterstrich, dass Mundgesundheit und der Nitrat-Stoffwechselweg miteinander verflochten sind und nicht im Widerspruch zueinander stehen.
Kara Siedman, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin in den USA, warnte davor, zuckerhaltigen Kaugummi als langfristige Strategie zur Verbesserung der Stickstoffmonoxidproduktion zu betrachten. Stattdessen betonte sie die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und von Gewohnheiten, die ein gesundes orales Mikrobiom unterstützen.
„Das orale Mikrobiom ist nach dem Darm die zweitgrößte mikrobielle Gemeinschaft im Körper und spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des gesamten Körpers“, erklärte Siedman gegenüber Epoch Times.

Den Nitrat-Nitrit-Stoffwechselweg auf natürliche Weise unterstützen

Aufgrund seiner zentralen Rolle im Nitrat-Nitrit-Stickstoffmonoxid-Stoffwechselweg sei es wichtig, die dafür zuständigen Bakterien zu unterstützen, ohne dabei ein Umfeld zu schaffen, das Zähnen oder Zahnfleisch schaden könnte, so Siedman.
Sie empfiehlt den Verzehr von nitratreichem Gemüse wie Rote Bete, Rucola, Spinat und Blattgemüse. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 ergab, dass eine tägliche Nitrataufnahme von 200 bis 800 mg aus Rote-Bete-Saft bei Menschen mit Bluthochdruck mit einem durchschnittlichen Rückgang des systolischen Blutdrucks um 5 mmHg verbunden war – ein weitaus größerer Effekt als der in der Zahnfleischstudie beobachtete.
Siedman empfiehlt, eine gute Mundhygiene zu pflegen, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und einen gesunden Speichelfluss zu fördern.
Vorsicht geboten sei auch bei scharfen Mundspülungen: Wer zu oft zu antiseptischen Mitteln greife, insbesondere solchen mit dem Wirkstoff Chlorhexidin, töte genau jene Nützlinge im Mund ab, die für die Umwandlung von Nitrat nötig sind, warnt Webb.
Studien haben die Verwendung von Chlorhexidin-Mundspülungen mit einem Anstieg des Blutdrucks in Verbindung gebracht.
Im Gegensatz dazu beeinträchtigen Rauchen, Parodontitis, das Altern und hormonelle Veränderungen, wie sie beispielsweise in den Wechseljahren auftreten, das mikrobielle Gleichgewicht und die Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid, so Siedman.
„Die kardiovaskuläre Gesundheit sollte ganzheitlich betrachtet werden“, sagte Vadali. Die allgemeine Erkenntnis ist nicht, dass Menschen zuckerhaltigen Kaugummi kauen sollten, um den Blutdruck zu senken, sondern dass sie ein gesundes orales Mikrobiom aufrechterhalten sollten.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Scientists Discover an Unexpected Way to Boost Beet Juice’s Blood Pressure Benefits“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Ein Tabu-Produkt verstärkt plötzlich die Wirkung von Blutdruck-Senkern

Wissenschaftler sind auf ein überraschendes Phänomen gestoßen: Ausgerechnet zuckerhaltiger Kaugummi, das Schreckgespenst eines jeden Zahnarztes, könnte die blutdrucksenkende Wirkung von Rote-Bete-Saft verstärken.
In einer kleinen Studie sank der Blutdruck von gesunden Testpersonen leicht, wenn sie nach dem Saft zu Kaugummi mit Zucker griffen. Die zuckerfreie Variante blieb wirkungslos.
Ein neues Wundermittel gegen Bluthochdruck ist der süße Kaugummi deshalb zwar nicht. Doch das Ergebnis offenbart ein Zusammenspiel in unserem Körper: Was wir essen, verändert die Chemie in unserem Mund, und beeinflusst direkt, wie effizient der Organismus herzschützende Botenstoffe bildet.

Eine kleine Studie mit interessantem Hinweis

In der von Forschern am King’s College London durchgeführten Studie tranken die Teilnehmer rund 70 Milliliter Rote-Bete-Saft, der etwa 400 mg Nitrat enthält, ungefähr so viel wie in einem großen Spinat- oder Blattsalat enthalten ist. Anschließend kauten sie entweder zuckerhaltigen oder zuckerfreien Kaugummi.
Als die Teilnehmer den zuckerhaltigen Kaugummi kauten, sank der systolische Blutdruck um durchschnittlich 2,7 mmHg und der diastolische Blutdruck um 1,9 mmHg. Bei denjenigen, die zuckerfreien Kaugummi kauten, trat keine solche Senkung auf.
Der Effekt schien einige Stunden später nachzulassen. Die Forscher verfolgten die Teilnehmer nicht über diesen Zeitraum hinaus, sodass noch unbekannt ist, wie lange ein etwaiger Nutzen im Alltag anhalten könnte.
„Eine Senkung um etwa 2,7 bis 1,9 mmHg mag gering erscheinen, aber selbst kleine Blutdrucksenkungen können bedeutend sein, wenn es um die Verringerung des kardiovaskulären Risikos geht“, erklärte Dr. Sirisha Vadali, eine staatlich geprüfte Kardiologin und erfahrene Lipidologin, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber Epoch Times.
Für sie zeigen die Ergebnisse vor allem, dass das biologische Prinzip dahinter funktioniert. Ein Grund, die eigene Lebensweise umzustellen, sei das aber nicht: Kaugummikauen könne bewährte Maßnahmen wie ausreichend Bewegung oder eine herzgesunde Ernährung niemals ersetzen.

Warum zuckerhaltiger Kaugummi?

Es ist bereits bekannt, dass nitratreiche Gemüsesorten wie Rote Bete, Spinat und Grünkohl einen gesunden Blutdruck unterstützen.
Sobald Nitrat aus diesen Lebensmitteln in den Blutkreislauf aufgenommen wird, gelangt bis zu ein Viertel davon in die Speicheldrüsen und wird zurück in den Mund abgesondert. Dort wandeln Bakterien auf der Zunge es in Nitrit um, das verschluckt und in den Blutkreislauf aufgenommen wird, wo es in Stickstoffmonoxid umgewandelt werden kann, ein Molekül, das dabei hilft, die Blutgefäße zu entspannen und zu erweitern.
Forschern ist seit Langem bekannt, dass dieser Prozess nicht nur vom Nitrat aus der Nahrung, sondern auch vom oralen Mikrobiom abhängt. Frühere Studien deuteten darauf hin, dass der Säuregrad des Speichels Einfluss darauf hat, wie effizient Mundbakterien diese Umwandlung durchführen.
Das Team des King’s College London machte sich daran, die umgekehrte Frage zu untersuchen: Könnte eine Erhöhung des Säuregehalts des Speichels die Stickstoffmonoxidproduktion steigern? Kaugummi erwies sich als praktisches Mittel, um den pH-Wert des Speichels zu beeinflussen.
Der zuckerhaltige Kaugummi senkte den pH-Wert des Speichels um etwa 1,4 Einheiten, während der zuckerfreie Kaugummi ihn um 0,38 Einheiten erhöhte. Normaler Speichel liegt bei etwa 6,7 bis 7,4. Der zuckerfreie Kaugummi machte den Speichel etwas basischer, während der zuckerhaltige Kaugummi ihn saurer machte.
Die Verschiebung des pH-Werts schien von Bedeutung zu sein. Teilnehmer, die zuckerhaltigen Kaugummi kauten, wiesen im Speichel um 45 Prozent höhere Nitritwerte und im Blut um 25 Prozent höhere Werte auf als beim Kauen von zuckerfreiem Kaugummi, was mit dem leichten Blutdruckabfall einherging.
„Je saurer, desto aktiver“, erklärte Dr. Andrew Webb, klinischer Dozent an der School of Cardiovascular and Metabolic Medicine & Sciences am King’s College London und korrespondierender Autor der Studie, gegenüber Epoch Times.
Die Versauerung des Speichels nach dem Trinken von Rote-Bete-Saft schien den Nitrat-Nitrit-Stickstoffmonoxid-Stoffwechselweg des Körpers zu verstärken, sagte er.
Die Ergebnisse seien möglicherweise nicht auf zuckerhaltigen Kaugummi beschränkt, sagte er. „Wir gehen davon aus, dass auch andere Methoden zur Veränderung des pH-Werts eine Wirkung hätten“, wobei er anmerkte, dass auch Kaffee den pH-Wert des Speichels senkt.

Kaugummi ist nicht die Lösung

Angesichts der potenziellen schädlichen Auswirkungen wiederholter Zuckereinnahme auf die Zahngesundheit empfehlen die Forscher nicht, regelmäßig zuckerhaltigen Kaugummi zu kauen, um den Blutdruck zu senken.
„Insgesamt scheint eine gute Zahnhygiene die Nitratumwandlung zu fördern“, merkte Webb an und unterstrich, dass Mundgesundheit und der Nitrat-Stoffwechselweg miteinander verflochten sind und nicht im Widerspruch zueinander stehen.
Kara Siedman, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin in den USA, warnte davor, zuckerhaltigen Kaugummi als langfristige Strategie zur Verbesserung der Stickstoffmonoxidproduktion zu betrachten. Stattdessen betonte sie die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und von Gewohnheiten, die ein gesundes orales Mikrobiom unterstützen.
„Das orale Mikrobiom ist nach dem Darm die zweitgrößte mikrobielle Gemeinschaft im Körper und spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des gesamten Körpers“, erklärte Siedman gegenüber Epoch Times.

Den Nitrat-Nitrit-Stoffwechselweg auf natürliche Weise unterstützen

Aufgrund seiner zentralen Rolle im Nitrat-Nitrit-Stickstoffmonoxid-Stoffwechselweg sei es wichtig, die dafür zuständigen Bakterien zu unterstützen, ohne dabei ein Umfeld zu schaffen, das Zähnen oder Zahnfleisch schaden könnte, so Siedman.
Sie empfiehlt den Verzehr von nitratreichem Gemüse wie Rote Bete, Rucola, Spinat und Blattgemüse. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 ergab, dass eine tägliche Nitrataufnahme von 200 bis 800 mg aus Rote-Bete-Saft bei Menschen mit Bluthochdruck mit einem durchschnittlichen Rückgang des systolischen Blutdrucks um 5 mmHg verbunden war – ein weitaus größerer Effekt als der in der Zahnfleischstudie beobachtete.
Siedman empfiehlt, eine gute Mundhygiene zu pflegen, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und einen gesunden Speichelfluss zu fördern.
Vorsicht geboten sei auch bei scharfen Mundspülungen: Wer zu oft zu antiseptischen Mitteln greife, insbesondere solchen mit dem Wirkstoff Chlorhexidin, töte genau jene Nützlinge im Mund ab, die für die Umwandlung von Nitrat nötig sind, warnt Webb.
Studien haben die Verwendung von Chlorhexidin-Mundspülungen mit einem Anstieg des Blutdrucks in Verbindung gebracht.
Im Gegensatz dazu beeinträchtigen Rauchen, Parodontitis, das Altern und hormonelle Veränderungen, wie sie beispielsweise in den Wechseljahren auftreten, das mikrobielle Gleichgewicht und die Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid, so Siedman.
„Die kardiovaskuläre Gesundheit sollte ganzheitlich betrachtet werden“, sagte Vadali. Die allgemeine Erkenntnis ist nicht, dass Menschen zuckerhaltigen Kaugummi kauen sollten, um den Blutdruck zu senken, sondern dass sie ein gesundes orales Mikrobiom aufrechterhalten sollten.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Bauernverband gegen staatliche Preisdiktate: Kritik an Pachtreform


In Kürze:

  • Landwirtschaftliche Verbände kritisieren den Pachtpreisdeckel im EEG-Entwurf der Bundesregierung.
  • Der Deutsche Bauernverband spricht unter anderem von einem unnötigen Markteingriff des Staates.
  • Auch andere Verbände weisen auf mehrere Nachteile für Landwirte hin wie geringere Einnahmen.
  • Der Pachtdeckel könnte ein Dämpfer für die Energiewende sein und ein Gewinn für die Landwirtschaft.

 
Die Verpachtung einer Agrar- oder Forstfläche für eine Windkraftanlage ist für die Besitzer – meist Landwirte – ein lukratives Geschäft. Aktuell bieten die Anlagenbetreiber Pachtpreise zwischen 20.000 und 50.000 Euro pro Jahr und Anlage, teilweise auch deutlich darüber. Nach jüngster Entwicklung kann eine Pacht auch bei über 400.000 Euro pro Jahr und Anlage liegen.
Für diese Energieanlagenverpachtung können Landwirte weitaus mehr Pacht erhalten als für eine Landwirtschaftsverpachtung. Der Faktor kann mehr als 2.000 sein, da eine herkömmliche Pacht für Feldanbau im Bundesdurchschnitt bei 357 Euro pro Hektar und Jahr liegt. Am teuersten ist sie mit 560 Euro in NRW. Hierbei ist zu erwähnen, dass Windräder oft nur einen halben Hektar an Fläche oder weniger benötigen.

Reformplan reduziert den Geldfluss deutlich

Doch diese äußerst ertragreiche Einkommensquelle könnte bald um bis über 70 Prozent schmaler werden. Denn das Bundeswirtschaftsministerium plant die Einführung eines Pachtpreisdeckels für Windräder. Das geht aus dem Entwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für 2027, kurz EEG-Entwurf, hervor. Aktuell befindet er sich noch im Gesetzgebungsverfahren.
Am 29. Juli hat das Bundeskabinett den Pachtdeckel im Rahmen des Gesetzentwurfs zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit einer Änderung beschlossen. Auf Anfrage der Epoch Times teilte die Pressestelle des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit, womit Landwirte ab 2027 rechnen müssen.
Die Bundesregierung hat sich „darauf verständigt, die maximal zulässige jährliche Pachthöhe auf 3,5 Prozent des jährlich erzielbaren Standortertrags der Windenergieanlage zu begrenzen“. Momentan sind hier Werte zwischen 7 und 12 Prozent üblich. Zuvor wurde über eine Beschränkung auf 2,5 Prozent nachgedacht.
Für Landwirte mit geeigneten, aber noch ungenutzten Flächen hat die Reform damit erhebliche finanzielle Konsequenzen. Bestehende Verträge sind davon nicht unmittelbar betroffen.
Die Ministeriumssprecherin Susanne Ungrad bezifferte „die maximal mögliche [künftige] Pachthöhe bei rund 35.000 Euro“ für Grundbesitzer und durchschnittliche Windkraftanlagen an Land. Der Wert könne je nach Windenergieanlagentyp und Windaufkommen noch von diesem Wert abweichen.

Geringere Einsparungen für den Bund

Laut Ungrad „bieten die in der Vergangenheit zum Teil sehr hohen Pachtkosten nach unseren Analysen erhebliches weiteres Potenzial zur Reduktion der EEG-Förderkosten und damit zur Entlastung des Bundeshaushalts“. Unter Berücksichtigung der neuerlichen Anpassung auf 3,5 Prozent erwartet das Ministerium für den Zeitraum von 2027 bis 2032 Einsparungen von rund 160 Millionen Euro weniger.
Der Grund ist die Einspeisevergütung durch das EEG-Konto: Die aktuellen Pachtpreise stellen für die Anlagenbetreiber Kosten dar, die in ihre Kalkulationen einfließen. Diese beeinflussen die Gebote in den EEG-Ausschreibungen. Je höher die Pachtkosten, umso höher sind auch die Förderkosten, die der Staat über den EEG-Haushalt tragen muss. Sind die Einnahmen aus der Vermarktung des Stroms niedriger als die Vergütung, gleicht der Staat die Differenz aus. Das zahlen letztlich die Steuerzahler.
So steuerte der Bund im vergangenen Jahr rund 16,5 Milliarden Euro an Steuergeldern in das EEG-Konto, im ersten Halbjahr 2026 waren es gut 7,5 Milliarden Euro. Die mögliche Einsparung bewegt sich also im Bereich von einem Prozent.
Mit der Begrenzung der Pachthöhen will das Ministerium gleichzeitig „die Kosten einzelner Windenergieprojekte spürbar senken“, so Ungrad. Das könnte diese nochmals rentabler machen, auch wenn die staatlichen Zuschüsse sinken.

Kritik an staatlichem Eingriff

Ob sich dieser Kürzungsplan der Bundesregierung bis zum Ende des Gesetzgebungsverfahrens durchsetzen wird, ist allerdings ungewiss. Gegenwind kommt besonders von Bauern- und Forstverbänden.
Aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes ist der geplante Pachtdeckel für Windenergieanlagen „völlig unverständlich“. In der Pressemitteilung vom 20. Juli, also noch vor der Lockerung im Kabinett, bezeichnet er dessen mögliche Nachteile:
„Er ist ein unnötiger Eingriff in den Markt, schränkt die Vertragsfreiheit der Flächeneigentümer ein und schafft zusätzliche Bürokratie.“
Der Unternehmerverband und Interessenvertreter für alle Landwirte in Deutschland erwartet „deshalb im weiteren Gesetzgebungsverfahren deutliche Nachbesserungen“.

Vollständige Ablehnung des Pachtdeckels gefordert

Epoch Times fragte beim Bauernverband nach, welche Nachbesserungen dieser konkret erwartet. In der uns bereitgestellten Stellungnahme zum EEG 2027 forderte der Deutsche Bauernverband nicht weniger als den vollständigen „Verzicht des Windpachtdeckels“. Somit würde der Bauernverband auch die Lockerung des Kabinetts nicht tolerieren.
Der Verband kritisierte vor allem, dass der Bund trotz der genannten Einschränkungen für die Landwirte keinen „belastbaren Nachweis für eine Senkung der EEG-Förderkosten oder eine Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien“ darlegt. Das sind im EEG-Entwurf erklärte Ziele, die der Bund erreichen will.
Laut dem Verband bestimmen zahlreiche Faktoren im Wettbewerb der Ausschreibungen die Höhe der Förderkosten. Nur einer davon seien die Pachtzahlungen, sie seien somit nicht maßgeblich. „Flächeneigentümer sind unverzichtbare Partner der Energiewende“, heißt es in der Stellungnahme. Bisher habe die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Grundstückseigentümern und Projektierern „ohne staatliche Preiseingriffe erfolgreich funktioniert“ und die Windenergie wesentlich vorangebracht.
Viele Landesbauernverbände der einzelnen Bundesländer teilen die Kritik des Deutschen Bauernverbandes. So auch der Landesbauernverband Brandenburg e.V. Dort ist Ulrich Böhm Referent für allgemeine Agrarpolitik. Gegenüber Epoch Times teilte er mit, dass der geplante Pachtdeckel „ein nicht gerechtfertigter, einseitiger, staatlicher Eingriff in die private Vertragsgestaltung“ sei.
Durch diese Neuerung gingen „den Grundeigentümern bzw. Verpächtern und Betrieben Einnahmemöglichkeiten verloren“. Allerdings existiert diese Einnahmemöglichkeit erst durch die staatliche Förderung der Windkraft. Laut Böhm bestehe mit der Reform das Risiko, „dass die breitere Beteiligung der Bodeneigentümer und Landwirte an der Energiewende beeinträchtigt wird“.
Oder anders gesagt: Durch einen Pachtdeckel könnte die Energiewende wichtige Unterstützer im landwirtschaftlichen Sektor verlieren. Ob das jedoch das Flächenpotenzial der Windkraft einschränkt, ist noch unklar.

Ungünstigere Verhandlungsposition

Besonders kritisiert der Deutsche Bauernverband, dass die Regelung „die Verhandlungsposition der Flächeneigentümer verschlechtert“. Zwar seien auch mit der Reform in Zukunft noch rechtlich höhere Entgelte möglich. Die vorgesehenen Sanktionen erzeugen auf die Landwirte jedoch einen „erheblichen Druck, die staatlich vorgegebene Grenze einzuhalten“. Von diesem Preisdeckel würden einzig die Projektierer und Energieunternehmen profitieren.
Als weiteren Nachteil nennt der Verband Rechts- und Investitionsunsicherheiten für bereits abgeschlossene Verträge durch die Reform. „Sie greift in langfristig ausgehandelte Vertragsverhältnisse ein und untergräbt das Vertrauen in bestehende Vereinbarungen“, erklärte der Verband. Manche Vertragspartner könnten mit der Einführung des Pachtdeckels eine Vertragsanpassung fordern.
Anstatt einen Windpachtdeckel einzuführen, solle die Regierung laut dem Bauernverband „stattdessen die tatsächlichen Hemmnisse des Ausbaus erneuerbarer Energien, insbesondere Genehmigungsprozesse, Netzengpässe und Finanzierungsbedingungen, gezielt angehen.“
Der Bauernverband wies allerdings darauf hin, dass die Landwirtschaft grundsätzlich dazu bereit ist, „ihren Beitrag zu einer sicheren, heimischen und dezentralen Energieversorgung zu leisten“. Dafür könne die Bundesregierung mit dem EEG die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. „Zusätzliche Investitionshemmnisse müssen dabei aber zwingend vermieden werden“, so der Verband.
„Statt die Bereitschaft zur Flächenbereitstellung durch staatliche Preisdiktate zu schwächen, müssen Anreize für die Bereitstellung geeigneter Flächen erhalten bleiben.“
Bei weiterhin hundertfach erhöhten Pachterträgen ist davon auszugehen, dass letzteres weiterhin gegeben ist.

Wie Betreiber den Pachtdeckel betrachten

In Deutschland gibt es zahlreiche Betreiber von Windkraftanlagen. Zu ihrem Standpunkt äußerte sich das Unternehmen ABO Energy, das weltweit bereits mehr als 1.300 Windräder, davon rund 550 in Deutschland, realisiert hat. „Wir errichten Windenergieanlagen ausschließlich auf gepachteten Flächen“, teilte der Pressesprecher Dr. Daniel Duben der Epoch Times mit. Auch künftig plant der Projektentwickler ABO Energy in vergleichbarem Umfang Projekte zu errichten.
ABO Energy geht laut Duben davon aus, „dass sich die Pachten aufgrund des Preisdrucks am Markt auch ohne staatliche Eingriffe deutlich verringern werden“. Das begründete er mit der aktuellen massiven Überzeichnung der Ausschreibungen für Windkraftanlagen an Land. Demnach drücke der Wettbewerb die Preise weiter nach unten. Das Wirtschaftsministerium bestätigte diese Entwicklung.
„In der Mai-Ausschreibung erreichte die Vergütung mit einem durchschnittlichen mengengewichteten Zuschlagswert von 5,06 Cent pro Kilowattstunde den niedrigsten Stand seit Jahren“, erklärte Duben. „Es liegt auf der Hand, dass bei fallenden Erlösen auf dieser Seite auch die zahlbaren Pachten auf der anderen Seite fallen müssen, damit sich die Projekte wirtschaftlich rechnen.“

Ein Gewinn für die Landwirtschaft?

Auch ein fertiges Windrad benötigt nur wenig Fläche. Neben den eigentlichen Bau- und angrenzenden Stellflächen sowie Zuwegen können Landwirte nach dem Bau der Anlage wieder Landwirtschaft betreiben, auch wenn das Areal der Windkraft gewidmet ist.
Eine Einschränkung gibt es dennoch. Speziell von den Rotorblättern können sich Mikropartikel ablösen, die unter anderem giftigen Chemikalien wie PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) und BPA (Bisphenol-A) enthalten. Pro Jahr können sich durch ein großes Windrad rund 100 Kilogramm in der direkten Umgebung der Anlage verteilen und die landwirtschaftliche Nutzung dadurch einschränken.
Falls der Pachtdeckel kommt und dadurch weniger noch verfügbare Flächen der Windkraft gewidmet werden, könnten diese uneingeschränkt für die landwirtschaftliche Nutzung erhalten bleiben.
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Wie Israels Wahlsystem die Regierungsbildung beeinflusst

In Kürze:

  • Beobachter werten die Wahl zur 26. Knesset im September als wichtigste Abstimmung seit der Staatsgründung 1948.
  • Verhältniswahlrecht: Die rund sieben Millionen Wahlberechtigten stimmen für Parteien oder Listen, die 120 Knesset-Sitze proportional zu ihren Stimmenanteilen erhalten.
  • Da bislang keine einzelne Partei die absolute Mehrheit von 61 Sitzen errungen hat, hängt die Regierungsbildung von Koalitionsverhandlungen ab
  • Die arabische Partei Raam könnte zum entscheidenden Koalitionspartner werden

 
Am 27. Oktober wählen die Menschen in Israel ein neues Parlament. Beobachter im In- und Ausland werten die Wahl zur 26. Knesset als wichtigste Abstimmung seit der Staatsgründung 1948.
Neben überraschenden Bündnissen und neuen Parteien entscheidet auch das knifflige Wahlsystem des Landes darüber, ob Israels am längsten amtierender Regierungschef Benjamin Netanjahu weiterregieren darf.

Knesset

Im Zentrum von Israels demokratischen Institutionen steht das Einkammer-Parlament, die Knesset (Hebräisch für „Versammlung“). Ihre 120 Abgeordneten werden für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt. Sitz ist Jerusalem.
Das Parlament kann durch eine einfache Mehrheit vorzeitig aufgelöst werden – was in Israel durchaus üblich ist. Unter bestimmten Umständen kann die Knesset ihre Legislaturperiode auch verlängern. Dazu bedarf es einer Mehrheit von 80 Abgeordneten.

Verhältniswahlrecht

Israels Wahlsystem basiert auf einer reinen Verhältniswahl: Die rund sieben Millionen Wahlberechtigten stimmen nicht für einzelne Kandidaten ab, sondern für eine Partei oder Liste. Auf diese entfallen dann Abgeordnetensitze proportional zu ihren Stimmanteilen. Das gesamte Land gilt dabei als ein einziger Wahlkreis. Laut Gesetz müssen die Wahlen „allgemein, landesweit, direkt, gleichberechtigt, geheim und proportional“ sein.
Israels Wähler sind Urnengänge gewohnt: Zwischen 2019 und 2022 waren sie gleich fünfmal zur Stimmabgabe aufgerufen. Damals konnte aufgrund einer Patt-Situation zwischen den politischen Lagern aus rechten, linksgerichteten und Mitte-Parteien keine stabile Regierung gebildet werden. Bei der Parlamentswahl 2022 lag die Wahlbeteiligung bei mehr als 70 Prozent.
Allerdings war die Wahlbeteiligung in der arabisch-israelischen Bevölkerung zuletzt gering: Ihre Repräsentation im Parlament blieb weit unter den Möglichkeiten. Das könnte sich nun ändern: Die Wähler der Parteien Raam und Chadasch-Tal könnten sogar für den Wahlausgang und die Koalitionsbildung entscheidend sein.

Sperrklausel

Um in die Knesset einzuziehen, muss eine Partei eine Sperrklausel von 3,25 Prozent überwinden. Dies entspricht etwa vier Sitzen. Diese Regelung hat erhebliche Auswirkungen auf das Endergebnis, denn Stimmen für Parteien oder Listen, die darunter liegen, werden „neutralisiert“.
Die Sitzverteilung unter den Parteien erfolgt dann auf der Basis ihres Anteils an den verbleibenden Stimmen. So würden etwa 20 Prozent der Stimmen 20 Prozent der Sitze entsprechen – also 24 Mandaten.

Überschuss-Stimmen

Die Teilung der Stimmanteile durch die Anzahl der verfügbaren Sitze liefert jedoch kein sauberes Ergebnis. Wenn Parteien knapp daran scheitern, einen weiteren Sitz zu gewinnen, entstehen Restmandate sowie sogenannte Überschuss-Stimmen.
Parteien können Vereinbarungen treffen, wonach ihre Überschuss-Stimmen gebündelt werden, um sich einige dieser nicht zugeteilten Sitze zu sichern. Für alle verbleibenden, nicht zugeteilten Sitze wendet Israel die Bader-Ofer-Methode an – eine mathematische Formel, die jeden verbleibenden Sitz der Partei mit dem höchsten Durchschnitt an Stimmen pro Mandat zuweist – wovon meist größere Parteien profitieren.
Bei der Parlamentswahl 2022 spielte die Verteilung dieser Sitze eine entscheidende Rolle: Damals wurden umgerechnet 300.000 Stimmen und damit sechs Prozent der abgegebenen Stimmen effektiv neu verteilt. Trotz fast gleicher Stimmenzahl beider Listen sicherte sich damit Netanjahus rechtsgerichtetes Lager letztlich eine komfortable Mehrheit von 64 Sitzen.

Bündnisse

Israels politisches Spektrum umfasst alle Positionen von rechtsextrem über zentristisch bis linksaußen. Noch nie in der Geschichte des Staates Israel ist es aber einer einzigen Partei gelungen, die absolute Mehrheit von 61 Mandaten zu erringen. Die Parteien sind daher traditionell auf Koalitionspartner angewiesen – Kompromisse sind damit an der Tagesordnung.
Dies hat in der Vergangenheit immer wieder zu neuen ungewohnten Konstellationen geführt: So gelang es 2021 dem Mitte-Rechts-Politiker Naftali Bennett, an der Spitze einer historischen Koalition zu stehen, die das gesamte politische Spektrum Israels umfasste – obwohl seine damalige Partei nur sechs Sitze gewonnen hatte.
Zünglein an der Waage sind oft die kleineren ultraorthodoxen Parteien – als Koalitionspartner kommen für sie vorzugsweise Parteien in Frage, die ihnen die Finanzierung ihrer eigenen Bildungseinrichtungen und Lebensweise sowie die zunehmend umstrittene Befreiung strengreligiöser Männer von der Wehrpflicht zusichern.

Regierungsbildung

Sobald die Stimmen ausgezählt sind, beginnen die Koalitionsverhandlungen. Israels Präsident erteilt anschließend demjenigen einen Auftrag zur Regierungsbildung, dem es gelingt, eine Koalition auszuhandeln.
Hinsichtlich der Wahl im Herbst gehen aktuelle Umfragen von einem äußerst knappen Rennen zwischen Netanjahus Likud und der Opposition aus. Jüngsten Umfragen zufolge liegt derzeit die neue Partei Jaschar von Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot mit zwei Sitzen knapp vor Netanjahus Likud. Laut der jüngsten Umfrage der Nachrichtenseite „Sman Jisrael“ würde die Anti-Netanjahu-Opposition insgesamt 57 Sitze gewinnen.

Arabische Partei als Königsmacher

Eine entscheidende Rolle bei einer erfolgreichen Regierungsbildung dürften daher in diesem Jahr arabische Parteien spielen, allen voran die Vereinigte Arabische Liste Raam. Die Partei von Mansur Abbas könnte laut der Umfrage sechs Mandate holen – ihre Beteiligung an einer Koalition würde dem Oppositionsblock somit eine Mehrheit von 63 Sitzen verschaffen.
Anders als früher befürworten der Umfrage zufolge die meisten Wähler der Oppositionsparteien eine Koalition mit Raam. Grund dafür ist ein strategischer Schritt von Raam-Chef Abbas: Sollte seine arabisch-muslimische Liste sich wie angekündigt auch jüdischen Kandidaten öffnen und den Knesset-Abgeordneten Joav Segalovitz aufnehmen, könnte dies nicht nur weitere Netanjahu-Gegner mobilisieren – sondern auch mehr arabische Wähler an die Urnen bringen.
Segalovitz gilt in arabisch-israelischen Gemeinden als äußerst angesehen: Er war als Staatssekretär für öffentliche Sicherheit in der früheren Regierung unter Bennett und Jair Lapid bei der Bekämpfung der Kriminalität in arabisch-israelischen Gemeinden zuständig und damit überaus erfolgreich. Seit Netanjahus Amtsübernahme und der Ernennung des rechtsextremen Abgeordneten Itamar Ben Gvir zum Innenminister ist die Mordrate in diesen Gemeinden wieder sprunghaft angestiegen – und ein wichtiges Wahlkampfthema geworden.  (afp/red)
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Hitze-Warnung im Süden – Schulstart in ersten Bundesländern

In der Südhälfte Deutschlands wird der Wochenstart wieder schweißtreibend – ausgerechnet zum Schulbeginn in drei Bundesländern. Der Deutsche Wetterdienst gab für mehrere Regionen abermals eine Warnung vor Hitze heraus. Sie gilt zunächst bis 19:00 Uhr für einen Großteil der Gebiete in Bayern, Baden-Württemberg sowie Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Zugleich steigt am Montag die Gefahr von Gewittern.
Die hohen Temperaturen fallen zusammen mit dem Schulstart nach den Sommerferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Hunderttausende Schüler müssen nach sechs Wochen Pause wieder zur Schule. Mehr als eine Woche lang ruhte bundesweit der Unterricht. Bayern und Baden-Württemberg waren die letzten Bundesländer, die in die Schul-Sommerpause gingen.

Wie das Wetter am Montag wird

Am Montag soll es nach Vorhersage des Wetterdienstes im Süden bis zu 36 Grad heiß werden. Lediglich im Nordwesten und Norden werden Höchstwerte zwischen 19 und 25 Grad erwartet. Anders als noch am Sonntag scheint zu Wochenbeginn die Sonne nicht mehr verbreitet.
Ein Niederschlagsgebiet an einer Kaltfront verlagere sich über den Nordosten nach Polen. Es könne es zu schauerartigen, teils gewittrigen Regenfälle kommen. „Sonst zunächst heiter bis sonnig und meist trocken, im Tagesverlauf vom Südwesten bis zur Neiße sowie vom Schwarzwald bis nach Ober- und Niederbayern Quellwolken mit Schauern einzelnen teils kräftigen Gewittern“, heißt es in der Vorhersage von Sonntag. (dpa/red)
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10.08.2026 | Binnenschiffer warnen vor Zweiteilung des Rheins | Irans Präsident trifft Chamenei

HEUTE6:36 Uhr

Binnenschiffer warnen vor Zweiteilung des Rheins infolge von Niedrigwasser

Wegen ausbleibender Niederschläge könnte der Rhein laut dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt weiter sinken und bald nicht mehr durchgängig befahrbar sein. Für den für Schifffahrt und Wirtschaft wichtigen Pegel Kaub wird erstmals ein einstelliger Wert prognostiziert – Güter-, Ausflugs- und Kreuzfahrtschiffe könnten dort ausfallen. Da die Schiffe derzeit deutlich weniger Ladung transportieren können, erhöht das die Transportkosten.

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HEUTE2:31 Uhr

Ex-Befehlshaber der Revolutionsgarden wird neuer Chef des Sicherheitsrats im Iran

Der frühere Revolutionsgarden-Kommandeur Mohsen Resaei ist neuer Chef des Nationalen Sicherheitsrats im Iran. Präsident Massud Peseschkian ernannte ihn zum Nachfolger von Mohammad Bagher Solghadr, der zurücktrat und politischer Berater des obersten Führers Modschtaba Chamenei wurde.

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Irans Präsident Peseschkian trifft obersten Führer Chamenei

Der iranische Präsident Massud Peseschkian traf den neuen obersten Führer des Iran, Modschtaba Chamenei. Beide sprachen laut Chameneis Büro über Landesprobleme, die militärische Lage und Aussichten. Wann genau das Treffen stattgefunden hat, wurde nicht mitgeteilt.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen

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Berlin: Mann auf offener Straße durch Schüsse getötet

Ein Mann ist nach einem Streit zwischen mehreren Menschen in Berlin auf offener Straße angeschossen und dabei tödlich verletzt worden. Sanitäter versuchten, den 30-Jährigen wiederzubeleben, er starb aber noch am Tatort im Stadtteil Charlottenburg, wie die Polizei auf X mitteilte.
Nach Angaben einer Polizeisprecherin sind die mutmaßlichen Täter auf der Flucht. Wie viele Schüsse bei dem Vorfall auf dem Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoologischer Garten kurz vor Mitternacht abgefeuert wurden, sagte die Sprecherin nicht. Auch die Hintergründe des Streits blieben zunächst unklar. Die Mordkommission nahm die Ermittlungen auf.
 

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Der Tatort liegt im Berliner Westen. Der Bahnhof Zoologischer Garten gilt im Berliner ÖPNV als wichtiger Knotenpunkt. Für viele Touristen, die den westlichen Teil der Hauptstadt erkunden wollen, dient der Bahnhof als Ausgangspunkt. Unter anderem liegen die bekannte Einkaufsmeile Kurfürstendamm und die Gedächtniskirche in der Nähe.
In Berlin kommt es immer wieder zu Vorfällen mit Schusswaffen. Erst am frühen Sonntagmorgen hatten Unbekannte auf die Scheibe einer Gaststätte in Neukölln geschossen. Am Wochenende zuvor war ein 38-Jähriger in Schöneberg angeschossen worden.
Laut Polizei hat der Einsatz von Schusswaffen in Berlin in der Vergangenheit stark zugenommen. „Streitigkeiten, die früher mit Fäusten ausgetragen wurden, werden heute vielleicht eher mit Schusswaffen ausgetragen“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel etwa im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses im Februar. Im Jahr 2025 registrierte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch – ein Anstieg um 68 Prozent gegenüber 2024. Dabei wurde in mehr als 500 Fällen auch geschossen. (dpa/red)
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Vucic: „Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen“

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic sieht Europa am Beginn eines größeren Krieges. Das sagte er nach dem Empfang von Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj in dem Podcast „MD Meets“ von Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner.
Mit dem Empfang des ukrainischen Präsidenten hatte Vucic die internationale Gemeinschaft überrascht und im traditionell pro-russisch eingestellten Serbien, aber auch in Russland heftige Kritik ausgelöst. Russische Propagandisten warfen dem Serben vor, die Partnerschaft mit Russland zu verraten und der Ukraine in Form von Wirtschaftsabkommen bei der Kriegsführung gegen Russland zu helfen.
Vucic sagte: „Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen. Und deshalb hatte ich gehofft, dass inzwischen jemand anderes etwas getan hätte, um Frieden zu schaffen.“ Das sei nicht geschehen und werde auch nicht bald geschehen, was bedeute, dass man am Rande eines viel, viel größeren Krieges stehe.

Keine Kompromissbereitschaft

Vucics Prognose für den Krieg zwischen Russland und der Ukraine fällt nach dem Besuch Selenskyjs pessimistisch aus. Er sehe kein Ende des Krieges in diesem Jahr und auch kein Ende vor dem kommenden Frühjahr. Er erklärte: „Ich sage Ihnen, warum: Weil ich glaube, dass eine Seite stärker und – auf die eine oder andere Weise – siegreich sein muss, damit der Krieg endet.“ Angesichts der heutigen Pattsituation sehe er keine Möglichkeit für Kompromisslösungen.
Als Grund für die Pattsituation nannte Vucic die fehlende Bereitschaft zu Kompromissen. Wenn man die heutige Situation analysiere, glaube er, dass niemand Frieden sehen wolle. Jeder wolle die Niederlage der anderen Seite sehen.

Hybrider Krieg gegen Russland

Von Döpfner auf die Angriffe Russlands in europäischen Ländern angesprochen, nahm Vucic die Perspektive Moskaus ein. Der „hybride Krieg“ Russlands gegen Deutschland und andere europäische Länder sei „im Grunde dasselbe, was Europa gegen Russland getan hat“. Vucic fragte: „Sie haben die Ukraine aufgerüstet und Russland mit Sanktionen belegt. Gleichzeitig haben Sie die Ukraine finanziell unterstützt – was ist das, wenn nicht ein hybrider Krieg gegen Russland?“
Dennoch stimmte Vucic zu, dass es nicht die Ukraine war, die den Krieg gegen Russland begonnen habe und deshalb Täter und Opfer nicht verwechselt werden dürften. (dts/red)
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AfD und Linke kritisieren Klingbeils Vereinssteuer-Pläne

Im Konflikt um eine stärkere Besteuerung von Vereinen kritisieren AfD und Linke Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) scharf.
„Wie man beim Stopfen der Haushaltslücken ausgerechnet auf Vereine kommen kann, bleibt vorerst das Geheimnis des Finanzministeriums“, sagte Doris Achelwilm, steuerpolitische Sprecherin der Linke-Bundestagsfraktion, der „Welt“. Die daraus zu erwartenden Mehreinnahmen seien marginal, während Vereine „mit einem Schlag massiv verunsichert“ seien.
Dass nun über Vereine als Besteuerungsziel geredet werde und nicht über Erbschaften, Vermögen und Kapitalerträge, sei mehr als grotesk, so Achelwilm. SPD und Union verbastelten diese Reform, die kleine und mittlere Einkommen spürbar entlasten sollte, ins Negative. Das sei politisch und fiskalisch fatal.
AfD: Hände weg von den Vereinen
„Vereine sind wesentliche Bestandteile einer vernünftigen Jugendarbeit“, sagte Kay Gottschalk, finanzpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, der „Welt“. Sie integrierten stärker als „manches ideologiegetriebene NGO-Projekt“ und leisteten Basisarbeit in sozialen Brennpunkten. Seine Partei spreche sich für „beträchtliche Steuersenkungen in allen Bereichen“ aus und habe ein entsprechendes Konzept vorgelegt. „Ich kann nur sagen: Hände weg von den Vereinen“, so Gottschalk.
Klingbeil plant Berichten zufolge eine Senkung des Freibetrags bei Vereinen von 5.000 auf 1.000 Euro. Dies beträfe voraussichtlich keine gemeinnützigen Vereine, sondern Wirtschaftsverbände oder Profisportvereine.

Gesetzentwurf noch im frühen Stadium

Die Grünen zeigen sich offen für die Vereinsreform. Diese sei mit nur sehr geringen Mehreinnahmen verbunden, es handele sich zudem „um keine unbotmäßige Erhöhung“, schließlich handele es sich um Vereine mit wirtschaftlichem Zweck, so Sascha Müller, Obmann im Finanzausschuss der Grünen-Bundestagsfraktion. Es bleibe allerdings die Frage offen, warum die Bundesregierung nicht statt kleiner Maßnahmen die von ihnen vielfach aufgezählten Gerechtigkeitslücken im Steuerrecht etwa bei der Besteuerung von Erbschaften oder Immobilien angehe, wo Menschen mit sehr hohem Vermögen weitgehend um die Steuerzahlung herumkämen.
Die SPD kündigt an, einzelne Maßnahmen der Reformen im parlamentarischen Verfahren zu betrachten. „Der Gesetzentwurf befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium der Koordinierung auf der Ebene der Bundesregierung“, sagte Frauke Heiligenstadt, finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Grundsätzlich gelte: Man habe die Vereine insbesondere im letzten Jahr durch das sogenannte Ehrenamtspaket gestärkt. Dazu gehörten unter anderem die Erhöhung der Ehrenamts- und der Übungsleiterpauschale, die Ausweitung der Haftungsprivilegierung und die höheren Freigrenzen für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Die Unterstützung ehrenamtlicher Arbeit und gemeinnütziger Vereine sei der Partei sehr wichtig. (dts/red)
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Nolans Odysseus zweifelt

Christopher Nolans „Die Odyssee“ mit Matt Damon in der Hauptrolle ist zum meistdiskutierten Film des Jahres geworden. Das knapp dreistündige IMAX-Epos dürfte schon bald die Marke von einer Milliarde US-Dollar knacken und damit sogar „The Dark Knight“ (2008) als Nolans erfolgreichsten Film ablösen. Vermutlich ist es die größte Literaturverfilmung seit „Vom Winde verweht“ (1939) – und zugleich so mitreißend, dass selbst diejenigen ihren Spaß daran haben dürften, die mit Literaturunterricht nie sonderlich viel anfangen können.
Doch die Einspielergebnisse erzählen längst nicht die ganze Geschichte. Viel auffälliger ist, wie radikal Nolan den Geist des Gedichts, das er adaptiert hat, auf den Kopf gestellt hat. Wo Homer von einem Helden erzählt, der sich durch Ausdauer, Frömmigkeit, Weisheit und Autorität auszeichnet, kommt Nolans Odysseus eher als Antiheld daher: voller Selbstzweifel, rational und passiv. Obwohl die Verfilmung der Handlung relativ treu bleibt, wurden die Themen komplett umgekehrt.

Christopher Nolans Odysseus (Matt Damon) hat wenig mit dem Odysseus aus dem Originalgedicht gemeinsam.

Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.

Von Standhaftigkeit zur Ernüchterung

Das Originalgedicht, vor rund 2700 Jahren entstanden, spiegelt die Wertvorstellungen seiner Zeit wider. Manche davon unterscheiden sich deutlich von denen unserer heutigen Zeit. Doch Odysseus verkörpert zugleich viele Tugenden, die uns bis heute vertraut sind. Vor allem lässt er sich in seinem Entschluss, nach Hause zurückzukehren, durch nichts beirren.
Als Odysseus und seine Gefährten auf der Insel der Lotophagen (auch Lotosesser) landen, essen einige seiner Männer von einer Pflanze, die sie jede Erinnerung an ihre Heimat verlieren lässt. Odysseus selbst bleibt nüchtern, schleppt sie zurück zu den Schiffen, bindet sie fest und segelt weiter. Später, als er seine gesamte Mannschaft verliert und sieben Jahre lang auf Kalypsos Insel festsitzt, verbringt er seine Tage weinend am Ufer.
Nolans Odysseus hingegen befindet sich von Anfang an in einer völlig anderen Lage. Als wir ihm auf Kalypsos Insel (Ogygia) begegnen, sehnt er sich keineswegs nach seiner Heimat. Im Gegenteil: Er weiß nicht einmal mehr, wo er ist – oder wer er ist. Kalypso hat ihm die Lotusfrucht zu essen gegeben. Desillusioniert von den Schrecken, die er in Troja erlebt hat, und gezeichnet von einer posttraumatischen Belastungsstörung, ist Odysseus nur allzu froh, sich in der Sucht zu verlieren und sein Trauma zu vergessen.

Von der Gottesfurcht zum Zweifel

Homers Odysseus steht – von Poseidon einmal abgesehen – in der Gunst der Götter, weil er ihnen treu die gebührende Ehre erweist. Gleich zu Beginn des Epos erinnert Athene ihren Vater Zeus empört daran:
„Brachte Odysseus
Nicht bei den Schiffen der Griechen in Trojas weitem Gefilde
Sühnender Opfer genug? Warum denn zürnest du so, Zeus?“
(Erster Gesang aus „Odyssee“ von Homer)
Zeus würdigt daraufhin die Gottesfurcht des Helden und beschließt, Odysseus nach Hause zu bringen.
In Nolans Verfilmung ist von all dem nichts mehr übrig. Ähnlich wie Wolfgang Petersen in „Troja“ (2004) wählt der Regisseur eine stärker auf den Menschen zentrierte Lesart der Geschichte – Matt Damon verkörpert Odysseus als modernen Rationalisten. Nachdem Troja gefallen ist und Odysseus’ Männer ihre Schiffe besteigen, drängen sie ihn, vor der Abfahrt den Göttern Opfer darzubringen. Doch er winkt ab: Er habe den Göttern bereits genug Ehre erwiesen, weitere Rituale seien nicht nötig.
Die griechischen Götter, die bei Homer eine so zentrale Rolle beim Vorantreiben der Handlung spielen, tauchen im Film nirgends auf. Zwar ist eine Figur zu sehen, die als Athene ausgewiesen ist und von Zendaya gespielt wird, wie sie an Odysseus’ Seite geht und mit ihm spricht; eine entscheidende Rückblende im Film stellt jedoch Athenes Identität in Frage und lässt vermuten, dass sie lediglich eine Halluzination ist, die aus Odysseus’ Schuldgefühlen entsteht.

Odysseus (Matt Damon) mit Athene (Zendaya), in „Die Odyssee“.

Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.

Von Göttinnen zu Opfern

Zu den weniger rühmlichen Zügen von Homers Odysseus gehört seine Untreue. Während die treue Penelope zwei Jahrzehnte lang auf Ithaka auf ihn wartet, lässt Odysseus sich mit Kirke und Kalypso ein. Zu seiner Verteidigung muss man allerdings sagen: Viel Wahl lassen ihm die betörend schönen Göttinnen nicht. Sie halten ihn in der Pracht ihrer mit Dienern gefüllten Paläste fest.
Nolans Film lässt diese Dimension vollständig verschwinden. Kalypso (Charlize Theron) liebt Odysseus zwar, doch ihre Beziehung bleibt rein emotional. Odysseus ist viel zu sehr mit seiner Drogensucht beschäftigt, als dass Intimität für ihn eine Rolle spielen würde; auch deutet der Film zu keinem Zeitpunkt eine eindeutige Liebesbeziehung an. Das Verhältnis des Protagonisten zu Kirke (Samantha Morton) hingegen ist von offener Feindseligkeit geprägt. Beide Frauen leben in ärmlichen Verhältnissen, in einer einfachen Hütte beziehungsweise in einem Verschlag aus Treibholz, und wirken nicht im Geringsten wie Göttinnen.
Und sie sind nicht die einzigen Frauenfiguren, die Nolan von Verführerinnen zu Opfern umdeutet. Helena von Troja (Lupita Nyong’o) – jene Frau, deren Gesicht sprichwörtlich „tausend Schiffe in See stechen ließ“ – ist entstellt. Ihr Ehemann Menelaos (Jon Bernthal) spottet daraufhin, ihr Gesicht sei inzwischen vielleicht noch „fünfhundert“ wert.
Sinon (Elliot Page), der eigentliche Täuscher hinter dem Trojanischen Pferd – eine Figur, die erst später von Vergil und nicht von Homer eingeführt wurde –, wird bei Nolan selbst zum Getäuschten. Als er die Trojaner dazu bringt, das hölzerne Pferd in ihre Stadt zu ziehen, weiß er nicht, dass sich darin überhaupt Menschen verbergen. Als Sinon Odysseus später in der Unterwelt begegnet, wirft er ihm vor, ein Lügner zu sein. In dieser Version der „Odyssee“ gibt es kaum eine Figur, die sich nicht in irgendeiner Weise als Opfer von Unterdrückung versteht.

Die Geschichte vom Trojanischen Pferd kam in Homers „Odyssee“ zwar nicht vor, aber Christopher Nolan hat sie in seine Neuerzählung aufgenommen.

Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.

Abschied von der Führungsrolle

Die Redewendung „zwischen Skylla und Charybdis“ zu stehen, ist zum Sinnbild für eine ausweglose Entscheidung geworden. Bei Homer zeigt sich Odysseus an dieser Stelle von seiner entschlossensten Seite. Er entscheidet sich dafür, auf Skylla zuzusteuern und einige wenige Männer zu opfern, statt das gesamte Schiff im Strudel der Charybdis aufs Spiel zu setzen.
Nolan kehrt diese Konstellation um. Als das Schiff auf die Meerenge zutreibt, wartet die Mannschaft auf einen Befehl von Odysseus. Doch der bleibt aus. Odysseus verstummt, während das Schiff weiter auf Charybdis zusteuert. Stattdessen übernimmt sein Stellvertreter Eurylochos (Himesh Patel) das Kommando und lenkt die Männer in Richtung Skylla – mit dem Tod von sechs Seeleuten als Folge. Nolans „Held“ trifft die schwere Entscheidung also gar nicht. Ein anderer trifft sie für ihn.
Am deutlichsten treten Nolans Eingriffe im Höhepunkt des Films hervor, beim Massaker an den Freiern. Bei Homer kehrt Odysseus nach Hause zurück, um mit unerbittlicher Härte Recht zu sprechen. Er befiehlt Telemachos, die untreuen Sklavinnen des Palastes hinzurichten. Telemachos geht dabei noch weiter: Statt sie unmittelbar zu töten, lässt er sie langsam erhängen. Es ist eine der verstörendsten Passagen des gesamten Epos.

Telemachus (Tom Holland), in „Die Odyssee“.

Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.

Nolan streicht diese Szene vollständig. Sein Odysseus ist zudem bereit, jene Freier zu verschonen, die sich ihm unterwerfen, statt gegen ihn zu kämpfen. Und am Ende beansprucht er nicht etwa seine Königsherrschaft zurück, sondern verzichtet auf sie. Er überlässt Telemachos den Thron und segelt mit Penelope nach Westen, unbekannten Ländern entgegen – mit der Klage, „die Bronzezeit bricht zusammen“. Diese Formulierung ist ein Anachronismus: Niemand zu Odysseus’ Zeiten hätte von der eigenen Epoche als „Bronzezeit“ gesprochen.
Dieses Ende greift eine spätere Erweiterung des Odysseus-Mythos auf. Der italienische Dichter Dante Alighieri prägte die berühmte Vorstellung von einer letzten Reise des Odysseus, auf der dieser die Säulen des Herakles passierte und über die Grenzen der bekannten Welt hinausfuhr – eine Tradition, an die Alfred Lord Tennyson in seinem berühmten Gedicht „Ulysses“ anknüpfte. Dort beklagt Tennysons Held zunächst, dass „wir auch die Kraft nicht mehr [sind], die Erd’ und Himmel / vordem bewegte“, bevor das Gedicht in einer trotzig-grandiosen Geste endet:
„Was wir sind, das sind wir! Ein einz’ger Wille heldenhafter Herzen, durch Zeit und Schicksal schwach gemacht, doch stark im Ringen, Suchen, Finden, Nimmerweichen!“
Doch auch wenn das äußere Geschehen mehr oder weniger dasselbe bleibt, strebt Nolans Antiheld nie nach einer solchen Größe. Seine Reise endet nicht im Triumph, sondern im Verzicht – verbunden nur mit der leisen Hoffnung, dass „die Zivilisation eines Tages wieder auferstehen wird“.

Eine andere Art von Held

Die meisten Kommentare zu dem Film kreisen bislang darum, wie weit sich dieser filmische Odysseus von seinem homerischen Vorbild entfernt. Doch für genau diese Art von Protagonisten gibt es ein anderes literarisches Vorbild – und das findet sich nicht bei dem blinden Sänger Homer.
In der „Argonautika“, dem Epos des Apollonios von Rhodos über Jason und die Argonauten aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., unterscheidet sich Jason deutlich von den Helden Odysseus und Achill. Er ist unentschlossen, neigt zur Verzweiflung und wirkt alles andere als heldenhaft. Verglichen mit dem unbesiegbaren Herakles, der ebenfalls an Bord der Argo ist, besitzt Jason keinerlei herausragende Eigenschaften. Tatsächlich bestimmt die Mannschaft zunächst Herakles zu ihrem Anführer. Der lehnt jedoch ab und schlägt stattdessen Jason vor. Apollonios geht sogar so weit, seinen Protagonisten als „amēchanos“ zu bezeichnen – ein Wort, das sich ungefähr mit „hilflos“, „ratlos“ oder „ohne Ausweg“ wiedergeben lässt. Das steht in bewusstem Gegensatz zu Homers Bezeichnung des Odysseus als „polytropos“: „vielgewandt“, „listenreich“ oder besonders einfallsreich und findig.
Jason steht dem modernen Antihelden damit deutlich näher als den epischen Helden, die ihm vorausgingen. Bemerkenswert ist dabei, dass die eigentliche treibende Kraft der Handlung in der „Argonautika“ gar nicht Jason ist – und auch keiner der anderen Helden an Bord der Argo –, sondern eine Frau. Medeas Zauberkünste versetzen den niemals schlafenden Drachen in einen tiefen Schlummer, und dank ihrer List gelingt es Jason, das Goldene Vlies zu rauben und auch die übrigen Prüfungen zu bestehen, die ihm auferlegt werden.
Diese Umkehrung war kein Zufall. Apollonios schrieb rund fünf Jahrhunderte nach Homer – in einer grundlegend anderen Gesellschaft. Das von den Ptolemäern beherrschte Alexandria war Teil eines multikulturellen Reiches, das aus den Eroberungen Alexanders des Großen hervorgegangen war. Im politischen System des Hellenismus beruhte Führung stärker auf Zustimmung, Aushandlung und Anerkennung – und Jasons Charakter spiegelt genau diese Welt wider.
Vor diesem Hintergrund steht Nolans „Odyssee“ dem Epos des Apollonios von Rhodos weit näher als Homers „Odyssee“. Die Frauenfiguren des Films erweisen sich durchweg als fähiger und einflussreicher als die meisten Männer in ihrem Umfeld – selbst wenn der Film sie vordergründig als Arme oder Gefangene darstellt.

In Nolans „Die Odyssee“ spielen Frauen eine größere Rolle als in seiner anderen Filmen.

Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.

So wie Apollonios den epischen Helden für die politischen Verhältnisse seiner eigenen Zeit neu schrieb, tut Nolan dasselbe für die unsere Zeit. Doch ist das wirklich der „Held“, den wir heute brauchen? An Geschichten über schwache, von Selbstzweifeln geplagte Männer, die das Opfersein verklären, herrscht jedenfalls kein Mangel. Nolans Version ist nur ein weiteres Spiegelbild dessen, wohin sich unsere Kultur entwickelt hat. Man könnte sogar sagen: Mit Nolans demonstrativem Zaudern sinken wir noch ein wenig schneller.
Wie auch immer man zu diesen Änderungen stehen mag – Nolan ist etwas Ungewöhnliches, wenn nicht gar Beispielloses gelungen: Er hat das Publikum dazu gebracht, sich wieder mit einem Klassiker auseinanderzusetzen, und sei es auch nur für einen Sommer.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Antihero’s Odyssey: How Christopher Nolan Rewrote Homer for a Skeptical Age“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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Berlin: SPD-Spitzenkandidat will „100 Mietpolizisten“ einsetzen


In Kürze:

  • Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei Berlins Abgeordnetenhaus-Wahl, will sich für das Mietproblem der Hauptstadt einsetzen.
  • Den bereits beschlossenen Mietenkataster will er bis Juli 2027 aufbauen.
  • Vorher schon soll eine Mietpolizei gegen Verstöße vorgehen.
  • Die Enteignungspläne der Linken lehnt Krach entschieden ab.

 
Der SPD-Spitzenkandidat zur Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl, Steffen Krach, will Nachfolger des amtierenden Berliner Bürgermeisters Kai Wegner werden.
Das mit Abstand größte Problem aus Sicht der Bürger in der Hauptstadt ist laut Infratest dimap-Umfrage der Bereich Wohnen und Mieten. Das nannten 30 Prozent der Befragten im Juli dieses Jahres, sechs Prozentpunkte mehr als die letzte Erhebung im Juni 2025. Maßgebliche Kritikpunkte sind die hohen Mieten, der Wohnungsmangel.

Krach: 100 Mietenpolizisten gegen Mietwucher

In einem Interview mit der „ZEIT“ teilte Krach seine Pläne in diesem Bereich mit. „Wir haben gerade ein bundesweit einmaliges Mietenkataster beschlossen“, sagte er. „Es wird bis Juli 2027 aufgebaut und alle 1,8 Millionen Mietwohnungen digital erfassen.“ Dieses soll laut dem SPD-Politiker wie ein „Radar“ funktionieren. Dieser soll klar erkennbar machen, wo Mietwucher stattfindet. Gleichzeitig soll das Kataster Zweckentfremdung und Leerstand erkennen lassen.
All diese Verstöße will Krach „systematisch ahnden“. Doch auch schon für die Zeit vor Fertigstellung dieses Mietenkatasters hat er einen konkreten Plan. Er erklärte:
„Für den Übergang, bis das Mietenkataster steht, werden wir 100 Mietenpolizistinnen und -polizisten einsetzen, um händisch gegen Verstöße vorzugehen. Vermieter mit gesetzeswidrigen Mietverträgen sollten diese schnell anpassen.“
Schon ab Januar 2027 plant Krach hohe Bußgelder zu verteilen. „Ich bin dafür, diese auf 100.000 Euro anzuheben“, teilte er mit.

Gamechanger auf dem Wohnungsmarkt

Der Spitzenkandidat bezeichnete den Mietenkataster als einen „Gamechanger“ auf dem Wohnungsmarkt. „Ich bin mir ganz sicher, dass wir damit Berlin zum Vorbild auf dem Wohnungsmarkt machen werden. Das gibt es bisher in keinem anderen Bundesland“, sagte er.
Das Ziel ist seiner Aussage nach, alle Berliner Mietverträge transparent darzulegen. „Wir haben viele Bereiche, wo Mietwucher betrieben wird und das werden wir hart bekämpfen“, so Krach.
SPD

Am 1. Juni 2024 nehmen Menschen in Berlin an einer linken Demonstration gegen steigende Mieten, Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt und Zwangsräumungen teil.

Foto: Adam Berry/AFP via Getty Images

An dem genannten Datum will er festhalten. „Ich werde mich nicht zufriedengeben mit drei, vier oder fünf Jahren“, versprach er. „Das ist mein Anspruch an Berlin. Wir sind die Hauptstadt. Im Juli 2027 muss es so einen Mietenkataster geben und dann wird es einen wirklichen Wechsel auf dem Wohnungsmarkt geben.“
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat unabhängig von der bevorstehenden Wahl das geplante Mietenkataster kurz vor der Sommerpause bereits beschlossen. Diese digitale Datenbank soll den Behörden einen Überblick über den Berliner Wohnungsbestand verschaffen.
Für die Datenübermittlung müssen Vermieter alle relevanten Daten ihrer Wohnungen übermitteln – und diese künftig bei Änderungen aktualisieren. Dazu zählen Wohnadresse, Wohnlage, Etage einer Wohnung, deren Größe, die Anzahl der Zimmer, die Ausstattung, die Dauer des Mietverhältnisses. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Höhe der Nettokaltmiete, die Zusammensetzung der Nebenkosten und der Grundsteueranteil für die Wohnung.

Koalition mit den Linken und Grünen?

Ob der SPD-Spitzenkandidat bei der Wahl am 20. September 2026 erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Wenn, dann müsste er eine Koalition mit anderen Parteien bilden.
Neben Krach hat laut Umfragen auch die Linke gute Chancen, mit Spitzenkandidatin Elif Eralp die erste linke Bürgermeisterin der Hauptstadt zu stellen. Eine rot-rot-grüne Koalition hätte voraussichtlich eine deutliche Mehrheit.
Bei der Frage, welche Partei die Berliner Bürger aktuell wählen würden, zeigt sich ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Linke führt mit 22 Prozent knapp vor der CDU mit 20 Prozent. Auf Platz drei liegen die Grünen mit 17 Prozent und dahinter mit einem weiteren Prozentpunkt weniger die AfD. Deutlich abgeschlagen liegt die SPD mit 12 Prozent auf Platz fünf.

Streitpunkt Enteignung

Eines ist für Krach seiner Aussage nach aber klar: Er will in keine Koalition eintreten, die Enteignungen zur Bedingung macht. „Wenn das die rote Linie ist für die Linkspartei, dann müssen sie gucken, mit welcher Koalition sie das umsetzen wollen. Mit der SPD jedenfalls nicht“, sagte Krach am Donnerstag, 6. August.
Zuvor hatte die Bundesvorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, die Enteignung von Immobilienkonzernen zur Bedingung für eine Regierungsbeteiligung in Berlin erklärt.
Ebenso sei Krach „ein bisschen irritiert, dass eine Bundesparteivorsitzende sich in Landesangelegenheiten einmischt“. Dabei äußerte er seinen Standpunkt: „Ich werde jedenfalls nicht akzeptieren, dass ich für Koalitionsverhandlungen oder für Sondierungen in irgendeiner Form Ratschläge von der Bundesebene bekomme.“
Krach kritisierte in diesem Zusammenhang auch den kürzlichen Vorstoß der Koalition aus CDU und SPD auf Bundesebene. Diese hatte Anfang Juli vereinbart, ein gesetzliches Verbot zur Enteignung von Immobilienkonzernen einführen zu wollen. Er habe Enteignungen als Mittel der Wohnungspolitik immer abgelehnt, sagte Krach. Ebenfalls fügte er hinzu: „Ich brauche keine Nachhilfe von der Bundesregierung bei diesem Thema.“ Der Plan habe die Debatte unnötig neu entfacht.
Mit Material von AFP
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„Genug gearbeitet“ – Eigenverantwortung: Freiheit braucht klare Grenzen

„Die sollen eigenverantwortlicher arbeiten.“ Dieser Wunsch ist in fast jedem Unternehmen zu hören. Er klingt gut. Modern. Entlastend. Doch Eigenverantwortung entsteht nicht dadurch, dass man sie fordert. Sie entsteht durch einen Rahmen, in dem Menschen Verantwortung tatsächlich übernehmen können.
Freiheit ohne Grenze ist Unsicherheit. Grenze ohne Freiheit ist Kontrolle. Eigenverantwortung benötigt beides: Spielraum und Orientierung.
Viele Führungskräfte geben Aufgaben ab und wundern sich, dass Rückfragen kommen. Dabei wurde oft nur gesagt, was zu tun ist, nicht aber, was entschieden werden darf. Dann entstehen zwei ungünstige Varianten: Die einen fragen ständig nach. Die anderen entscheiden mutig und bekommen später Ärger, weil es „so nicht gemeint“ war.
Ein Team entwickelte eine einfache Entscheidungsmatrix:
  • Grün: Entscheidung allein durch Person oder Team
  • Gelb: Entscheidung möglich, Führung wird vorher informiert
  • Rot: Entscheidung nur gemeinsam – bei hohem Risiko, hohen Kosten oder hoher Wirkung
Diese drei Farben ersetzten viele Diskussionen. Plötzlich wurde Eigenverantwortung nicht mehr als Charakterfrage behandelt, sondern als Arbeitsstruktur.
Genug gearbeitet. Genug Energie in Rückfragen verloren, die nur entstehen, weil Grenzen unklar sind.
Eigenverantwortung hat auch mit Fehlerkultur zu tun. Wer Verantwortung übernimmt, wird nicht immer perfekt entscheiden. Deshalb braucht es Rückendeckung. Nicht Freifahrtschein, sondern Fairness: Was war bekannt? Was war der Rahmen? Was lernen wir daraus?
Ein wirksamer Führungssatz lautet: „Das ist deine Entscheidung. Ich stehe hinter dir, und wir schauen danach gemeinsam auf die Wirkung.“ Dieser Satz verändert viel. Er gibt Zutrauen und hält die Verbindung aufrecht.
Eigenverantwortung wächst in kleinen Schritten:
  • Eine Entscheidung wirklich abgeben.
  • Das Ergebnis besprechen, nicht jeden Zwischenschritt kontrollieren.
  • Gute Entscheidungen sichtbar anerkennen.
  • Fehler nutzen, um den Rahmen zu verbessern.
Wer mehr Eigenverantwortung will, muss auch die eigene Rolle verändern. Weniger Retter. Weniger letzte Instanz für alles. Mehr Orientierungsgeber von Richtung, Grenze und Maßstab.
Das ist für viele Führungskräfte unbequem. Denn es nimmt ihnen die schnelle Befriedigung, selbst alles zu lösen. Aber es schafft langfristig Entlastung und Wachstum.
Genug gearbeitet. Welche Entscheidung könnten Sie diese Woche wirklich abgeben – nicht nur die Arbeit daran?
Rolf Hempel | www.b-steps.de/summit | b-steps summit
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Sammlung von Daten: Was Ihr Auto ohne Ihr Wissen auswertet


In Kürze:

  • Moderne Autos sammeln inzwischen durch Sensoren, Kameras, Mikrofone und GPS riesige Datenmengen.
  • Mehrere Unternehmen haben sich bereits auf die Erfassung und sogar den Weiterverkauf der Daten spezialisiert.
  • Datenschutzbehörden warnen vor möglicherweise unkorrektem Gebrauch personenbezogener Daten.

 
Autofahrer sind sich oft gar nicht über die riesige Datenmenge bewusst, die in ihrem Auto in Echtzeit übermittelt wird. Die Daten speisen ein unscheinbares Ökosystem, in dem Automobilhersteller, spezialisierte Start-ups und Versicherer um eine Ressource konkurrieren, die mittlerweile strategische Bedeutung erlangt hat.
Vom Bremsverhalten über die Standortbestimmung bis hin zu den täglichen Fahrten und bestimmten Nutzungsgewohnheiten des mit dem Auto verbundenen Smartphones zeichnen diese Daten ein äußerst präzises Bild des Fahrers. Dies geht so weit, dass nach Ansicht einiger Experten das moderne Auto manchmal mehr über seinen Besitzer weiß als dessen eigenes Mobiltelefon.

Massive Datenerfassung im Fahrzeuginneren

Laut Studien, auf die sich mehrere Akteure der Branche berufen, kann ein vernetztes Fahrzeug rund 25 GB Daten pro Betriebsstunde erzeugen. Diese allgemeine, nicht auf bestimmte Modelle bezogene Zahl wird immer wieder von verschiedenen Quellen genannt. Je nach Modell kann die Datenmenge niedriger oder höher sein. Auch eine aktuelle Untersuchung der französischen Tageszeitung „Le Parisien“ nennt diese Größenordnung.
Darin ist die Rede von „einem kolossalen Datenvolumen, das in Echtzeit ohne Ihr Wissen übertragen wird“. Gleichzeitig werde nur ein Bruchteil dieser Informationen tatsächlich genutzt, während der Rest in riesige Datenbanken fließe.
Die Daten sammeln Sensoren, Kameras, GPS, Mikrofone und die Navigationssoftware. Diese Einheiten erfassen Geschwindigkeit, Beschleunigungen, Bremsvorgänge, Lenkwinkel, Temperaturen, aber auch besuchte Orte oder Fahrgewohnheiten.
Die Fahrzeughersteller sind nach wie vor die Hauptinhaber dieser Datenströme. Sie speichern die Informationen auf ihren eigenen Servern, oft außerhalb der direkten Reichweite des Nutzers. Dies geschieht trotz der Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der spezifischen europäischen Richtlinien für vernetzte Fahrzeuge.

Start-ups und Versicherer auf der Suche nach neuen Daten

Rund um diese Ressource hat sich ein boomender Markt entwickelt. Start-ups haben sich auf die Erfassung, Aggregation und den Weiterverkauf von Fahrzeugdaten spezialisiert, insbesondere für die Bedürfnisse von Flottenmanagern, Mobilitätsanbietern oder Versicherungsgesellschaften.
In Frankreich bieten Start-ups wie Linkbycar an, Fahrzeuge verschiedener Marken zu vernetzen und deren Daten zu analysieren, um Dienstleistungen anzubieten, die von der vorausschauenden Wartung bis zur Optimierung von Versicherungsverträgen reichen. Auch in Deutschland gibt es solche Unternehmen wie CARUSO Dataplace oder autoaid.
Die Versicherer sehen in diesen Informationen ein leistungsstarkes Instrument zur Risikomodellierung. Frankreichs Versichererverband „France Assureurs“ betont, dass der Zugriff auf Fahrdaten es ermöglicht, Angebote individuell anzupassen, Betrug zu bekämpfen und die Schadenabwicklung zu verbessern. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung der Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, der ausdrücklichen Einwilligung und der Anonymisierung.

Zwischen Sicherheitsversprechen und wirtschaftlichen Herausforderungen

Die Automobilhersteller begründen die Erfassung eines Teils dieser Daten mit Sicherheits- und Komfortanforderungen. Ihren Argumenten zufolge ermöglicht die detaillierte Analyse des Fahrverhaltens, bestimmte Pannen vorherzusehen, Fahrerassistenzsysteme zu verbessern oder Software-Updates einzuspielen, die darauf abzielen, das Unfallrisiko zu verringern.
Diese Informationen dienen auch der Entwicklung neuer kostenpflichtiger Dienste, sei es in Form von vernetzten Abonnements, integrierten Versicherungsangeboten oder Optionen zur individuellen Gestaltung des Fahrerlebnisses. Einige Konzerne haben bereits eigene Versicherungsprodukte auf den Markt gebracht, die zumindest teilweise auf den vom Fahrzeug erfassten Fahrdaten basieren.
Der Hersteller wird dabei zu einem unverzichtbaren Vermittler zwischen dem Fahrer und anderen Akteuren, die an diesen Daten interessiert sind, seien es Versicherer, Autovermieter oder Mobilitätsunternehmen. Das erhöht den strategischen Wert dieser Informationen für die Automobilindustrie noch weiter.

Wachsame Datenschutzbehörden

Angesichts dieser Entwicklung warnen die Datenschutzbehörden immer wieder eindringlich. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) weist in seinen Leitlinien darauf hin, dass alle Fahrzeuginformationen, die direkt oder indirekt einem Fahrer oder Beifahrer zugeordnet werden können – insbesondere Standortdaten –, als personenbezogene Daten gelten.
Diese Leitlinien heben mehrere Grundsätze hervor. Dazu gehören die Beschränkung der Datenerhebung auf das Notwendige, klare rechtliche Voraussetzungen für die Weitergabe an Dritte, eine begrenzte Aufbewahrungsdauer sowie die Verschlüsselung der lokal oder in der Cloud gespeicherten Daten. Sie betonen zudem, dass der Nutzer einfachen Zugriff auf seine Informationen haben und sein Widerspruchs- oder Löschungsrecht ausüben können muss.
Für die Behörden steht viel auf dem Spiel: Es gilt zu verhindern, dass diese Daten, die kontinuierlich von Millionen von Fahrzeugen erzeugt werden, zu einem weit verbreiteten Instrument zur Überwachung von Bewegungen und Verhaltensweisen werden, ohne dass der betroffene Autofahrer eine echte Kontrolle darüber hat.

Kampf um die Datenkontrolle

Zwischen dem Versprechen einer sichereren Mobilität und der Befürchtung einer verstärkten Überwachung sind Fahrzeugdaten zu einem ständigen Verhandlungsthema geworden. Hersteller, Start-ups und Versicherer verweisen auf die potenziellen Vorteile in Bezug auf Verkehrssicherheit, innovative Dienste und eine differenziertere Preisgestaltung. Die Regulierungsbehörden versuchen hingegen, Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre festzulegen.
Da in den kommenden Jahren nahezu alle Neufahrzeuge vernetzt sein werden, bleibt die zentrale Frage: Wer entscheidet über die Nutzung dieser riesigen Datenmengen, die pro Fahrstunde generiert werden? Und zu wessen Gunsten?
Für Autofahrer ist das nicht nur eine technische Frage. Es geht um die Kontrolle über die eigenen Daten sowie um die Transparenz der Akteure, die diese Daten verwerten. Zudem stellt sich die Frage, ob man in voller Kenntnis der Sachlage entscheiden kann, welche Dienste es wert sind, dafür eine stärkere Einbeziehung des eigenen Alltags in die Algorithmen in Kauf zu nehmen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf epochtimes.fr unter dem Titel „Voiture connectée : jusqu’à 25 Go de données générées par trajet, exploitées à votre insu“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung mf)
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Kampf gegen neuen Waldbrand in Spanien – Hunderte Feuerwehrleute und Soldaten im Einsatz

Hunderte Feuerwehrleute und Soldaten haben am Wochenende in der südspanischen Region Andalusien gegen einen neuen Waldbrand gekämpft. Bis Sonntag breiteten sich die Flammen in der Provinz Huelva immer weiter aus; zuletzt war ein Gebiet von rund 8000 Hektar betroffen, wie der andalusische Katastrophenschutzbeauftragte Antonio Sanz sagte. In der Provinz Castellón im Osten kämpften Einsatzkräfte gegen einen weiteren Brand.
Das Feuer in der Region Andalusien loderte nördlich der Stadt Niebla, die etwa auf halber Strecke zwischen Sevilla und der portugiesischen Grenze liegt. Die Flammen breiteten sich schnell aus. Am Samstag waren etwa 4000 Hektar betroffen, am Sonntag schon etwa doppelt so viel, wie der Katastrophenschutzbeauftragte Sanz vor Ort sagte. Allerdings sei nicht die gesamte Fläche verbrannt.

500 Personen im Einsatz

Der Brand bleibe „komplex“, sagte Sanz am Sonntag. Ein „schwieriger Tag“ liege vor den Einsatzkräften. Er sei aber „ein bisschen optimistischer“ als zuvor. Am Samstag hatte Sanz gesagt, das Feuer werde durch „ständig wechselnde Winde“ angefacht, was die Brandbekämpfung erheblich erschwere.
Die Zahl der Einsatzkräfte wurde bis Sonntag auf insgesamt mehr als 500 aufgestockt, darunter 250 Soldaten einer Notfalleinheit der Armee. Sie wurden auch aus der Luft unterstützt. Knapp 500 Menschen in der Region wurden vorsorglich dazu aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.

Bislang 40 Waldbrände in Spanien

In der Provinz Castellón in Ostspanien bekämpften Feuerwehrleute und Soldaten einen weiteren Waldbrand. Dort wurden fast 400 Hektar von Flammen erfasst. Die Behörden evakuierten eine nahegelegene Gemeinde.
Umweltministerin Sara Aagesen wies auf die Heftigkeit der Waldbrandsaison in Spanien in diesem Jahr hin. Bislang habe es 40 große Waldbrände gegeben, im vergangenen Jahr seien es zum selben Zeitpunkt 15 gewesen. „Das zeigt die Schwere und die Komplexität dessen, was wir in unserem Land durchmachen“, sagte sie.
In Spanien haben in diesem Sommer schon mehrere verheerende Waldbrände gewütet. Tausende Menschen mussten vor den Feuern in Sicherheit gebracht werden, vor allem im Zentrum des Landes. Im Juli brannte etwa ein riesiges Feuer in der Provinz Ávila nahe der Hauptstadt Madrid. Bei einem weiteren folgenschweren Waldbrand in der andalusischen Provinz Almería kamen 14 Menschen ums Leben.
Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und mehrere aufeinanderfolgende Hitzewellen haben die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet. (afp/red)
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Bulgarien: Explosion mutmaßlich ukrainischer Drohne sorgt für Unmut

Die Explosion einer mutmaßlich ukrainischen Drohne nahe einer strategisch wichtigen Gaspipeline in Bulgarien hat zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Sofia und Kiew geführt. Nach einer ersten Untersuchung der Trümmer erklärte das bulgarische Verteidigungsministerium am Samstag, es handle sich um einen Drohnentyp, der von den ukrainischen Streitkräften „häufig verwendet“ werde.
Kiew bestritt, vorsätzlich ein Fluggerät nach Bulgarien gelenkt zu haben. Derweil warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seinem ersten offiziellen Besuch in Serbien seit Kriegsbeginn vor den Folgen der verstärkten russischen Angriffe für den kommenden Winter.

Ursprung der Drohne unklar

„Derzeit deutet nichts darauf hin, dass es sich um einen vorsätzlichen Vorfall handelt“, erklärte das bulgarische Verteidigungsministerium zu dem Drohnenvorfall. Die Ukraine stehe „in engem Kontakt mit der bulgarischen Seite, um die Umstände zu klären“, sagte der ukrainische Außenamtssprecher Heorhij Tychyj. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass die ukrainischen Streitkräfte kein Fluggerät vorsätzlich nach Bulgarien gelenkt haben.“
Ob die Drohne tatsächlich ukrainisch war, bestätigte Tychyj indes nicht. Außenministerin Welislawa Petrowa bestellte die ukrainische Botschafterin Olessia Ilaschtschuk für Montag ein.
Die mit Sprengstoff beladene Drohne war am Samstag nahe der Grenze Bulgariens zum EU- und Nato-Nachbarland Rumänien explodiert. Nach Angaben von Ministerpräsident Rumen Radew stürzte sie bei Kardam nahe dem Schwarzen Meer in ein Sonnenblumenfeld. Die Explosion ereignete sich demnach rund tausend Meter von einer Verdichterstation der Transbalkan-Gaspipeline entfernt, die die Türkei mit der Ukraine verbindet. Verletzt wurde niemand.

Drohnen überfliegen zunehmend Nachbarländer

Radew zufolge führte die Drohne eine „erhebliche“ Menge Sprengstoff mit sich. Das Geräusch des Fluggeräts war zuvor von der rumänischen Grenzpolizei aufgezeichnet worden. Eine bulgarische Grenzpatrouille bemerkte anschließend eine laute Explosion und schwarzen Rauch. Weder Rumänien noch Bulgarien hatten die Drohne zuvor geortet. Radew sagte, Bulgarien habe seine Überwachung verstärkt.
In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Drohnenvorfälle in osteuropäischen Nato-Ländern gegeben. Rumänien registrierte seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine mehrfach Drohnenüberflüge und auch Abstürze auf seinem Staatsgebiet.

Selenskyj fordert in Serbien mehr Druck gegen Russland

Bulgarien hatte seine Militärhilfe für die Ukraine im Juni eingestellt. Der als pro-russisch geltende Radew erklärte damals, sein Land gehöre nicht zu der Koalition von Unterstützerstaaten, die Kiew mit Waffen versorge, und setze stattdessen auf diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Kriegs.
Der ukrainische Präsident Selenskyj besuchte unterdessen Serbien. Dort warnte er vor den Folgen der verstärkten russischen Angriffe für den kommenden Winter: Die Ukraine habe „praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr“, sagte Selenskyj nach Gesprächen mit Präsident Aleksandar Vucic in Belgrad.
„Die russischen Raketen zielen ganz konkret darauf ab, das Leben der Ukrainer unerträglich zu machen“, sagte der ukrainische Präsident. Wärmekraftwerke erzeugen Strom durch die Verbrennung von Kohle oder Gas und ergänzen in der Ukraine die Stromproduktion der Atomkraftwerke.

US-Unterstützung für Ukraine noch offen

Am Sonntag forderte Selenskyj nach neuen russischen Angriffen mit mehreren Toten „mehr Druck, mehr Sanktionen gegen Russland und mehr Luftabwehr für die Ukraine“.
Der US-Senat stimmte am Freitag zwar für verschärfte Sanktionen gegen Russland. Das Paket enthält Sanktionen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin, eine Reihe russischer Beamter, Oligarchen und Banken sowie gegen die sogenannte Schattenflotte, mit der Russland bestehende Sanktionen umgeht. Es geht nun ans US-Repräsentantenhaus, das wegen der Sommerpause erst im September über die Sanktionen abstimmen dürfte.

Vucic schließt militärische Zusammenarbeit aus

Serbiens Präsident Vucic schloss derweil eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine vorerst aus. „Wir haben heute und derzeit über keinerlei militärische Zusammenarbeit gesprochen“, sagte er. Was nach einem Ende des Kriegs geschehe, sei eine andere Frage. Vucic bekräftigte aber die Unterstützung seines Landes für die territoriale Integrität der Ukraine.
Die Aussagen sind wegen der traditionell engen Beziehungen Serbiens zu Russland bedeutsam. Belgrad ist zudem stark von russischen Gaslieferungen abhängig und eines der wenigen europäischen Länder, die sich den Sanktionen gegen Moskau nicht angeschlossen haben.
Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus gab unterdessen bekannt, dass ein Lager für medizinische Hilfsgüter in der ukrainischen Stadt Dnipro zerstört worden sei. Opfer seien zunächst nicht verzeichnet worden. Die WHO machte niemanden für die von ihr registrierten Angriffe verantwortlich. (afp/red)
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Union attackiert Klingbeils Steuerpläne

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) treibt die in der Koalition vereinbarte Reform der Einkommensteuer voran – doch erntet damit harsche Kritik aus der Union.
Der SPD-Chef breche sein Wort, von den versprochenen Entlastungen bleibe nicht viel übrig, kritisierten am Wochenende mehrere Politiker von CDU und CSU. Worum sie entrüstet sind – und was an der Kritik dran ist:

Wie viel Steuern sparen die Bürger?

Union und SPD hatten vereinbart, dass die Einkommensteuer gesenkt wird – durch einen höheren Grundfreibetrag (dem Betrag, ab dem Einkommen überhaupt versteuert werden muss), mehr Kindergeld, einen höheren Arbeitnehmerpauschbetrag und ein späteres Einsetzen des Spitzensteuersatzes.
„Das Entlastungsvolumen der Reform beläuft sich auf insgesamt ca. 10 Milliarden Euro pro Jahr“, erklärten sie gemeinsam. Voll wirken solle die Reform ab 2028.
Klingbeils Finanzministerium hat das nun in einen ersten Gesetzentwurf gegossen. Aus den Zahlen geht hervor, dass die Bürger 2027 in einem ersten Schritt um rund drei Milliarden entlastet werden, 2028 sollen weitere rund sieben Milliarden folgen.
Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, sieht sich getäuscht: Die Entlastung falle im kommenden Jahr deutlich geringer aus als versprochen. Er sagte der „BILD am Sonntag“:
„Klingbeil bricht sein Wort, von der ohnehin dürftigen Zehn-Milliarden-Steuererleichterung bleibt nicht mal ein Drittel übrig.“
Im Finanzministerium entgegnete man sofort, die Koalitionsvereinbarung werde genau eingehalten.
„Die Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger werden im Jahr 2028 verglichen mit dem Jahr 2026 insgesamt etwa 10 Milliarden Euro betragen.“

Was ist mit der kalten Progression?

Derzeit nicht geplant ist ein Ausgleich der sogenannten kalten Progression. Diese liegt vor, wenn Lohnerhöhungen, die lediglich die Inflation ausgleichen, zu einer höheren Steuerbelastung führen – obwohl die reale Kaufkraft gleich bleibt oder sogar sinkt.
In den vergangenen Jahren hatte die Bundesregierung diesen Effekt ausgeglichen. In Klingbeils Entwurf ist das nicht vorgesehen. Allerdings wird der für die Bewertung maßgebliche Progressionsbericht üblicherweise auch erst im Herbst vorgelegt.
FDP-Chef Wolfgang Kubicki kritisierte, die Bundesregierung breche „auch das letzte Versprechen“, wenn sie die kalte Progression nicht ausgleiche. Übrig bleibe dann nichts als zusätzliche Belastung, um einen immer größer werdenden Staat und ausufernde Ausgaben zu finanzieren.
Auch die Steuerexpertin der Linksfraktion, Doris Achelwilm, zeigte sich enttäuscht. „Wenn nicht einmal die kalte Progression ausgeglichen wird, ist das eine Steuererhöhung durch die Hintertür und Umverteilung nach oben“, kritisierte sie.
Nötig seien gezielte Korrekturen zugunsten von Menschen mit geringen Einkommen – und dafür eine höhere Besteuerung großer Vermögen, Erbschaften und Kapitalerträge.

Müssen Vereine bald höhere Steuern zahlen?

Kritik gibt es auch an Klingbeils Plänen, von bestimmten Vereinen künftig höhere Steuern zu verlangen. Er will die Freibeträge für steuerpflichtige Vereine deutlich senken. Betroffen wären vor allem Vereine, die wirtschaftliche Interessen verfolgen, etwa Wirtschaftsverbände, Vereine mit großen Immobilienbeständen oder Profisportvereine.
Für sie soll künftig statt eines Freibetrags von 5.000 Euro eine Freigrenze von 1.000 Euro gelten. Einkommen bis 1.000 Euro bliebe damit steuerfrei, sobald höhere Gewinne erzielt werden, würde das gesamte Einkommen steuerpflichtig.
Nicht betroffen wären gemeinnützige Vereine, also kleine Sportvereine, Musikvereine, Umwelt- und Tierschutzvereine, Wohlfahrts-, Feuerwehr- und Heimatvereine. Sie sind mit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit von fast allen Steuerarten befreit. (dpa/red)
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Hunter Biden: Der Krebs meines Vaters ist „sehr schmerzhaft“


In Kürze:

  • Hunter Biden gab BBC ein Interview
  • Darin äußert er sich unter anderem zur Krebserkrankung seines Vaters
  • Er sagt: Seine Begnadigung habe Bidens Vermächtnis geschadet

 
Die Krebserkrankung des früheren US-Präsidenten Joe Biden (83) hat sich nach Angaben seines Sohnes verschlimmert. „Der Krebs hat sich ausgebreitet, er hat Metastasen in seinen Knochen und darüber hinaus gebildet“, sagte Hunter Biden in einem Interview mit dem britischen Sender BBC.
„Es ist sehr schmerzhaft und in vielerlei Hinsicht sehr einschränkend, aber er ist immer noch da.“ Zugleich sagte Hunter Biden: „Es ist wirklich schwer … und es ist wirklich traurig, das mit anzusehen.“
Joe Biden hatte im Mai 2025, vier Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus, bekannt gegeben, an einem „aggressiven“ Prostatakrebs zu leiden. Nach der Diagnose begann der US-Demokrat eine Bestrahlung und Hormontherapie. Im vergangenen Monat erklärte er bei der Ankündigung eines Buches über seine Zeit im Weißen Haus, seine Behandlung verlaufe „wirklich gut“.

Hunter Biden: „Er ist immer noch auf den Beinen“

Als Hunter Biden die neuesten Informationen über den Gesundheitszustand seines Vaters weitergab, sagte er, er wünschte sich, sein Vater würde sich öfter beschweren. „Es ist sehr schmerzhaft und in vielerlei Hinsicht sehr kräftezehrend, aber er ist immer noch auf den Beinen“, sagte der jüngere Biden.
Auch andere Mitglieder der Familie Biden sind von Krebs betroffen. Der ehemaligen First Lady Jill Biden wurde Anfang 2023 ein Basalzellkarzinom oberhalb des rechten Auges entfernt. Auch ein zweites Basalzellkarzinom auf der linken Brustseite wurde operativ entfernt.
Joe Bidens anderer Sohn, Beau Biden, starb 2015 an einem Hirntumor. Der frühere Präsident brachte dessen Erkrankung wiederholt mit der Belastung durch giftige Verbrennungsgruben während seiner langjährigen Militäreinsätze in Verbindung.

Begnadigung hat Bidens Vermächtnis geschadet

Während des BBC-Interviews sprach Hunter Biden auch über die Entscheidung seines Vaters, ihm vor dem Verlassen des Weißen Hauses eine präsidentielle Begnadigung zu gewähren.
Zum Zeitpunkt der Begnadigung im Dezember 2024 war Hunter Biden wegen eines Verstoßes gegen das Waffenrecht verurteilt worden, nachdem er beim Erwerb einer Schusswaffe seinen Drogenkonsum verschwiegen hatte.
Joe Bidens „vollständige und bedingungslose Begnadigung“ bezog sich auf die Waffen- und Steuerfälle sowie auf alle anderen Straftaten, die sein Sohn „im Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis zum 1. Dezember 2024 begangen hat, möglicherweise begangen hat oder an denen er beteiligt war“. Joe Biden gewährte diese Begnadigung, obwohl er zuvor versprochen hatte, nicht zugunsten seines Sohnes einzugreifen.
Hunter Biden sagte nun, es sei ein Privileg für ihn, dass sein Vater in der Lage gewesen sei, ihn zu begnadigen. Dennoch räumte er ein, dass die Entscheidung Kritik verdiene.
„War es gut für unsere Verfassung? War es gut für das amerikanische Volk? War es gut für das Vermächtnis meines Vaters? Nein, in keiner dieser Hinsicht war es das“, sagte Hunter Biden. „Das ist etwas, das leicht kritisiert werden kann, und das aus gutem Grund. Und ich kann nicht so tun, als wäre es anders.“
Hunter Biden sagte, wenn er sich nach dem Ausscheiden seines Vaters aus dem Amt in Bundesbewährung oder in einem Bundesgefängnis befunden hätte, dann hätte Präsident Donald Trump „einen Einfluss auf meine Familie gehabt, der es nicht nur unerträglich, sondern auch unglaublich ungerecht und unfair gemacht hätte.“
„Und das ist die Entscheidung, die mein Vater getroffen hat.“
Mit Material von Nachrichtenagenturen
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Former President Biden’s Cancer Has Spread and Is ‘Very Painful,’ Son Hunter Says“. (deutsche Bearbeitung ks)
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Manipulation im Alltag: Wie frei ist unsere Entscheidung wirklich?


In Kürze:

  • Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen. Das macht uns effektiv, aber anfällig für Manipulation.
  • Wer weiß, wie Menschen denken und fühlen, kann dieses Wissen gezielt einsetzen – zum Guten, aber auch zum eigenen Vorteil.
  • Künstlicher Zeitdruck und induzierte Gefühle sind mächtige Werkzeuge der Manipulation, aber nicht die Einzigen.
  • Freie Entscheidung beginnt daher mit einer Pause und einer Frage an sich selbst.

 
Jeden Tag treffen wir unzählige Entscheidungen. Wir wählen, was wir einkaufen, wem wir vertrauen, welche Nachrichten wir glauben oder wie wir auf andere Menschen reagieren. Dabei sind wir überzeugt, frei und unabhängig zu entscheiden. Doch die Wahrheit ist: Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen. Diese sogenannten mentalen Heuristiken helfen uns, schnell Entscheidungen zu treffen – machen uns aber gleichzeitig anfällig für Manipulation.
Manipulation begegnet uns überall. Sie findet nicht nur in der Werbung statt, sondern auch in Beziehungen, im Berufsleben, in den sozialen Medien und in der Politik. Oft geschieht sie so subtil, dass wir sie gar nicht bemerken. Erst im Nachhinein fragen wir uns: „Warum habe ich eigentlich zugestimmt?“, oder „Wie konnte ich mich darauf einlassen?“

Warum unser Gehirn manipulierbar ist

Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Energie zu sparen. Würden wir jede Entscheidung gründlich analysieren, wären wir bereits vor dem Frühstück erschöpft. Deshalb nutzt unser Denken Faustregeln. Wir orientieren uns an Erfahrungen, Gewohnheiten – und den Reaktionen anderer Menschen.
Diese Abkürzungen funktionieren meistens gut. Genau sie machen uns jedoch berechenbar. Wer weiß, wie Menschen denken und fühlen, kann dieses Wissen gezielt einsetzen – zum Guten, aber auch zum eigenen Vorteil.
Hinzu kommt, dass Gefühle häufig stärker sind als rationale Überlegungen. Angst, Sympathie, Zeitdruck oder das Bedürfnis, dazuzugehören, beeinflussen unser Verhalten oft stärker als Fakten.

Sympathie, Gegenseitigkeit und künstliche Begehrlichkeit

Menschen sagen eher Ja zu Personen, die sie sympathisch finden. Ein freundliches Lächeln, Gemeinsamkeiten oder ein ehrliches Kompliment schaffen Vertrauen. Genau deshalb investieren Verkäufer, Influencer oder geschickte Verhandler zunächst in den Beziehungsaufbau. Wer sich verstanden fühlt, senkt unbewusst seine kritische Haltung.
Natürlich ist Freundlichkeit nichts Negatives. Problematisch wird sie erst dann, wenn sie ausschließlich dazu dient, Entscheidungen zu beeinflussen.
Wer etwas geschenkt bekommt, verspürt häufig den Wunsch, sich zu revanchieren. Dieses Prinzip ist tief in unserer sozialen Entwicklung verankert. Kostenlose Proben, kleine Geschenke oder vermeintlich unverbindliche Gefälligkeiten erzeugen oft ein Gefühl der Verpflichtung. Dabei spielt der tatsächliche Wert des Geschenks kaum eine Rolle. Entscheidend ist das Gefühl: „Jetzt sollte ich mich erkenntlich zeigen.“
Hinzu kommt: Die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen, ist häufig größer als die Freude über einen möglichen Gewinn. Dieses Phänomen wird auch als Fear of Missing Out (FOMO) bezeichnet.
„Nur noch zwei Stück verfügbar.“
„Dieses Angebot gilt nur heute.“
Solche Aussagen begegnen uns ständig. Dahinter steckt ein einfacher psychologischer Mechanismus: Was knapp erscheint, wirkt automatisch wertvoller. In Wirklichkeit reduziert Zeitdruck unsere Fähigkeit, kritisch nachzudenken. Deshalb lohnt es sich fast immer, wichtige Entscheidungen eine Nacht zu überschlafen.

Menge und Autorität sagen nichts über Inhalt

Die Angst, etwas zu verpassen, wirkt aber nicht nur im Einzelhandel. Auch die Anziehungskraft sozialer Netzwerke beruht zum großen Teil auf dem Nicht-Verpassen-Wollen. Zugleich ist hier ein zweiter Effekt am Werk: Wenn viele Menschen etwas tun, muss es doch richtig sein – oder?
Doch Algorithmen kennen unsere Interessen oft erstaunlich genau. Sie zeigen Inhalte, die unsere Aufmerksamkeit möglichst lange binden. Je häufiger wir bestimmte Meinungen lesen, desto vertrauter erscheinen sie uns. Psychologen sprechen vom „Mere-Exposure-Effekt“: Allein die wiederholte Begegnung mit einer Aussage erhöht ihre Glaubwürdigkeit.
Deshalb lohnt es sich, bewusst unterschiedliche Informationsquellen zu nutzen und gelegentlich die eigene Sichtweise zu hinterfragen, denn unser Gehirn orientiert sich an der Gruppe. Tausende positive Bewertungen, lange Warteschlangen oder Formulierungen wie „Bestseller“ oder „Die Nummer 1“ erzeugen Vertrauen. Dieses Prinzip ist besonders hilfreich, wenn wir uns unsicher fühlen. Allerdings bedeutet Beliebtheit nicht automatisch Qualität.
Auch ein weißer Kittel, akademische Titel oder eine beeindruckende Berufsbezeichnung können unsere Wahrnehmung erheblich verändern. Das bedeutet nicht, dass Experten grundsätzlich falschliegen. Dennoch sollten Aussagen immer anhand ihrer Inhalte beurteilt werden – nicht allein aufgrund des Status der Person.
Geschichte und Forschung zeigen immer wieder, dass Menschen Autoritäten erstaunlich weit folgen können, selbst wenn sie dabei gegen ihre eigenen Überzeugungen handeln.

Das Ja-Sagen beginnt mit kleinen Schritten

Eine bekannte Technik besteht darin, zunächst um eine kleine Zustimmung zu bitten. Wer einmal Ja gesagt hat, stimmt später häufig auch größeren Bitten zu. Aus 5 Minuten werden dann schnell 20 und am Ende ist der halbe Tag vertan.
Psychologen sprechen hier vom Wunsch nach Konsistenz. Wir möchten als verlässlich gelten und handeln deshalb oft im Einklang mit früheren Entscheidungen. Dieses Prinzip begegnet uns beim Spendensammeln ebenso wie im Verkauf oder in persönlichen Beziehungen.

Die Macht der Emotionen

Kaum ein Gefühl beeinflusst unser Verhalten so stark wie Angst. Wer Angst hat, sucht nach Sicherheit. Genau deshalb funktionieren Schlagzeilen, die Bedrohungen betonen, häufig besonders gut. Auch Betrüger nutzen dieses Prinzip. Sie erzeugen zunächst Unsicherheit und präsentieren anschließend die vermeintliche Lösung.
Ein ruhiger Moment zum Nachdenken reicht oft aus, um Manipulationsversuche zu erkennen.
Und dann sind da noch Schuldgefühle und emotionale Erpressung:
„Wenn du mich wirklich lieben würdest …“
„Nach allem, was ich für dich getan habe …“
Solche Aussagen zielen nicht auf einen sachlichen Austausch, sondern auf Schuldgefühle. Emotionale Erpressung nutzt unsere Angst vor Ablehnung oder Konflikten. Statt frei zu entscheiden, handeln wir aus schlechtem Gewissen. Gesunde Beziehungen zeichnen sich dagegen durch Respekt, Freiwilligkeit und gegenseitige Wertschätzung aus.

Wie Sie Manipulation erkennen …

Manipulation arbeitet häufig mit denselben Mustern:
  • künstlicher Zeitdruck
  • starke emotionale Ansprache
  • Schuldgefühle
  • übertriebene Versprechen
  • scheinbare Alternativlosigkeit
  • Berufung auf Autoritäten
  • Gruppendruck
  • übermäßiges Lob oder Schmeichelei
Je mehr dieser Signale gleichzeitig auftreten, desto vorsichtiger sollten Sie sein.

… und sich vor ihr schützen

Der wirksamste Schutz beginnt mit einem kurzen Moment der Pause.
Fragen Sie sich:
  • Warum treffe ich diese Entscheidung gerade jetzt?
  • Profitiere wirklich auch ich davon?
  • Würde ich ohne Zeitdruck genauso entscheiden?
  • Welche Gefühle werden gerade bei mir ausgelöst?
  • Welche Informationen fehlen mir noch?
Allein diese Fragen aktivieren das analytische Denken und reduzieren die Wirkung vieler Manipulationstechniken.
Ebenso hilfreich ist es, wichtige Entscheidungen niemals ausschließlich aus Angst, Euphorie oder schlechtem Gewissen heraus zu treffen. Auch wenn Sie dafür Zeit benötigen und den anderen warten lassen müssen.

Fazit

Dass Manipulation funktioniert, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Folge unserer menschlichen Denkweise. Unser Gehirn nutzt Vereinfachungen, Gefühle und Erfahrungen, um den Alltag zu bewältigen. Genau diese Mechanismen können jedoch ausgenutzt werden.
Fakt ist auch, wir alle sind beeinflussbar, doch nicht jede Form der Beeinflussung ist automatisch negativ. Eltern motivieren ihre Kinder, Lehrkräfte begeistern für Wissen und Therapeuten unterstützen Menschen dabei, hilfreiche Verhaltensweisen zu entwickeln. Der Unterschied liegt in der Absicht. Während Manipulation den Vorteil des Beeinflussenden in den Mittelpunkt stellt, verfolgt eine respektvolle Kommunikation das Ziel, beide Seiten zu stärken.
Die gute Nachricht lautet: Wer die wichtigsten psychologischen Tricks kennt, erkennt sie schneller. Ein kurzer Moment des Innehaltens, kritisches Nachfragen und das Bewusstsein für die eigenen Gefühle reichen oft aus, um Manipulationsversuchen die Wirkung zu nehmen.
Die größte Freiheit besteht nicht darin, sich niemals beeinflussen zu lassen. Sie besteht darin, den Unterschied zwischen einer selbstbestimmten Entscheidung und einer geschickten Beeinflussung zu erkennen. Denn je besser wir verstehen, wie unser Denken funktioniert, desto souveräner können wir unseren eigenen Weg gehen.
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Ceuta und die Israel-These: Massive Kritik an ARD-Journalist Georg Restle


In Kürze:

  • Georg Restle teilte auf X eine These, wonach der Massenandrang von Migranten auf Ceuta Teil einer geopolitischen Strategie Marokkos, Israels und der USA gewesen sein könnte.
  • Darauf folgten deutliche Kritik auf X und eine Beschwerde beim WDR gegen den ARD-Journalisten.
  • Politiker und ein Mitglied des WDR-Rundfunkrats werfen Restle vor, eine unbelegte Theorie zu verbreiten und damit die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu beschädigen.

 
Die Diskussion um den Migrantenandrang auf die spanische Exklave Ceuta hat inzwischen auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erreicht. ARD-Journalist Georg Restle teilte auf der Plattform X einen Beitrag, in dem die These vertreten wird, der Massenandrang könne Teil einer größeren geopolitischen Strategie von Marokko, Israel und den USA gewesen sein.
Der Beitrag stellt dabei einen Zusammenhang mit den Abraham-Abkommen her und greift die These auf, die Aktion in Ceuta habe dazu dienen können, politischen Druck auf Europa auszuüben, eine europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten sowie Völkerrecht und Menschenrechte zu untergraben.
Georg Restle postet auf X: „Ceuta war weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des immer stärker werdenden US-israelisch-marokkanischen Bündnisses (…), eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben.“

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Zunes: Ceuta als geopolitische Strategie

Restles Post zitierte die zusammenfassenden Schlussworte aus einer verlinkten Analyse des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Stephen Zunes in „The Nation“ mit der Überschrift „The Real Story Behind the Human Wave That Entered Ceuta“. In dem Artikel vertritt Zunes die These, der Massenandrang auf die spanische Enklave gehe auf eine Absprache zwischen Israel, den USA und Marokko zurück.
Die Menschenmassen, „die nach Ceuta strömten“, hätten nicht aus verzweifelten Flüchtlingen bestanden, schreibt Zunes, Professor an der University of San Francisco, der auf Nahostpolitik und US-Außenpolitik spezialisiert ist.
Zunes zufolge zeigten Videos, dass „keiner von ihnen“ Taschen bei sich getragen habe. Zudem seien viele Menschen in organisierten Lkw-Ladungen antransportiert und von marokkanischen Grenzbeamten durchgewinkt worden. Und weiter: „Das gleichzeitige Erscheinen Zehntausender Menschen an der Grenze erforderte zweifellos einen enormen logistischen Aufwand.“
Nach dem Teilen und Zitieren des Artikels sieht sich Restle, der über Jahre das ARD-Politikmagazin „Monitor“ prägte und seit 2024 ARD-Korrespondent in Nairobi ist, nicht nur mit zahlreichen kritischen Kommentaren unter seinem Post, sondern auch mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert.

Auf X hagelt es Kritik: Vorwurf der „kognitiven Fehlleistung“

Karoline Preisler (FDP) kommentierte Restles Beitrag mit einem Aluhut-Meme und der Aussage: „Der Jude ist an allem schuld. Lalalalala. Der Jude ist an allem schuld. Lalalalala. Leute! Achtung! Georg Restle ist einer ganz großen Sache auf der Spur. Wirklich!“

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Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, fragte Restle via X, ob er „irgendeinen Beweis für diese wilden Behauptungen“ habe, „oder sind Fakten mittlerweile obsolet?“.
Ulf Poschardt, Journalist und ehemaliger Chefredakteur der WELT, kommentierte den Beitrag ebenfalls scharf. Er schrieb: „Der linke Antisemitismus ist der endgültige Offenbarungseid dieses Milieus.“
Noch schärfer wurde Jan Jacobi, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Potsdam. Er kommentierte ebenfalls via X, sollte Restle seine Aussage tatsächlich ernst meinen, handele es sich um eine „bedenkliche funktionelle kognitive Fehlleistung“, und fragte anschließend: „Was sagt der Rundfunkrat dazu?“

Beschwerde bei WDR-Programmdirektorin

Auch im WDR-Rundfunkrat ist der Fall inzwischen Thema. Ein Mitglied des Gremiums hat beim Sender eine Beschwerde gegen Restle eingereicht. In einem Brief an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk fordert Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, eine Stellungnahme zu Restles Post.
In dem von der „Jüdischen Allgemeinen“ im Wortlaut veröffentlichten Beschwerdebrief kritisiert Schotland, dass eine derart weitreichende geopolitische Behauptung ohne nachvollziehbare Einordnung oder erkennbare Distanzierung verbreitet werde und dies das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des WDR beschädige.
„Unabhängig davon, ob Herr Restle dies als persönliche Meinungsäußerung versteht, wird er von der Öffentlichkeit als Repräsentant des WDR wahrgenommen“, moniert Schotland. Sein Brief sei als „persönliche Beschwerde“ zu verstehen. Der Beitrag von Restle habe ihn bestürzt.

Migration als Druckmittel?

Der WDR hatte Anfang August darüber berichtet, ob Marokko den Massenandrang auf Ceuta zumindest zugelassen oder als politisches Druckmittel gegenüber Spanien eingesetzt haben könnte. In einem Beitrag des Senders hieß es, marokkanische Behörden hätten Menschen offenbar nicht am Grenzübertritt gehindert. Daraus ergab sich der Verdacht, Marokko könnte Migration als Druckmittel gegenüber Spanien genutzt haben.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters legen Erkenntnisse spanischer Nachrichtendienste nahe, dass Marokko den massenhaften Zustrom zwar ermöglicht, aber nicht selbst organisiert habe. Gelockerte Grenzkontrollen hätten den Ansturm begünstigt.
Davon zu unterscheiden ist die weitergehende Behauptung, Marokko habe dabei gemeinsam mit Israel und den USA gehandelt und den Massenandrang als Teil einer abgestimmten geopolitischen Strategie geplant. Für eine solche Beteiligung Israels oder der USA liegen nach der derzeit dargestellten Quellenlage keine entsprechenden Belege vor.
Die Beziehungen zwischen den USA, Israel und Marokko haben sich seit dem 2020 geschlossenen Normalisierungsabkommen im Rahmen der Abraham-Abkommen deutlich intensiviert. Dazu gehören auch engere sicherheitspolitische und militärische Beziehungen, über die vielfach berichtet wurde. Ein Zusammenhang zwischen dieser Kooperation und den Ereignissen in Ceuta ist damit jedoch nicht belegt.
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Tatort Internet: LKA warnt vor Identitätsdiebstahl im Netz


In Kürze:

  • Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein warnt vor Identitätsdiebstahl.
  • Etwa jeder Zehnte ist in Deutschland davon betroffen.
  • Durch den bewussten Umgang mit Passwörtern, TANs und anderen Zugangsdaten kann man sich schützen.

 
Um sich finanziell zu bereichern, wenden Kriminelle immer wieder den sogenannten Identitätsdiebstahl an. Vor dieser Methode warnen jetzt das Landeskriminalamt und der Weiße Ring, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität, in Schleswig-Holstein.
Demnach kann sich der Identitätsdiebstahl auf verschiedene Arten bemerkbar machen. Es können unbekannte Abbuchungen auf dem Bankkonto auftauchen oder Inkassoschreiben für Waren, die man nie bestellt hat. Im schlimmsten Fall können den Opfern Straftaten vorgeworfen werden, die sie nicht begangen haben.
Die Täter missbrauchen dabei die gestohlenen persönlichen Daten anderer Menschen. Hierzu zählen Namen, Anschriften, Geburtsdaten, Telefonnummern oder Bankverbindungen. An solche Daten können Kriminelle unter anderem über das Darknet gelangen. Je umfangreicher ein Datensatz ist, desto größer sind die Möglichkeiten für Betrug und weitere Straftaten.
In Deutschland wurden laut einer YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2024 bereits rund 11 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Opfer von Identitätsdiebstahl. Somit war bereits fast jeder neunte Bürger davon betroffen.

Wie stehlen Kriminelle Ihre Daten?

Ob Bankaktivität, Einkäufe im Internet oder Online-Kommunikationswege: Unsere Handlungen im Alltag haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend digitalisiert. Im Zuge dessen hat sich auch die Cyberkriminalität stark weiterentwickelt. Die Methoden werden immer professioneller und schwerer zu erkennen.
Ein heute gängiger Weg des Datendiebstahls sind laut dem Kriminalhauptkommissar Henning Dibbern von der Zentralstelle Cybercrime im Landeskriminalamt (LKA) die sogenannten Phishing-Angriffe. Diese können die Verbraucher per E-Mail, SMS oder Kurznachricht auf Messenger-Diensten erreichen.
Auf den ersten Blick stammen sie angeblich von Banken, Paketdiensten, Online-Shops oder Behörden. Diese Nachrichten wollen die Nutzer dazu bewegen, dem Absender ihre Zugangsdaten, Passwörter, TANs oder Kreditkarteninformationen mitzuteilen. „Das läuft häufig über Links, die man per E-Mail oder SMS zugeschickt bekommt“, teilt Dibbern mit.
Ergänzt werden die Daten einer Person durch Informationen, die unter anderem durch Datenlecks bei Unternehmen oder durch Schadsoftware auf Computern abgegriffen werden. „Man kann mit echten Daten quasi eine Person herstellen und im Namen dieser Person Straftaten begehen“, erklärt der Kriminalhauptkommissar.

Welche Betrugsmaschen treten besonders häufig auf?

Die Behörde nennt dabei die aktuell häufigsten Formen des Identitätsdiebstahls. Dazu zählen:
  • Phishing-E-Mails und SMS mit gefälschten Internetseiten.
  • Übernahme von E-Mail- und Social-Media-Konten durch gestohlene Passwörter.
  • Fake-Shops oder gefälschte Verkaufsplattformen, auf denen persönliche Daten abgegriffen werden.
  • Bestellungen oder Vertragsabschlüsse unter fremdem Namen.
Die Vorgehensweisen der kriminellen Datenjäger folgen dabei häufig ähnlichen Mustern. Die Nachrichten sind so aufgebaut, dass sie beim Empfänger entweder Zeitdruck erzeugen oder vor angeblichen Sicherheitsproblemen warnen. Inzwischen sind die Nachrichten oftmals so gestaltet, dass sie einen seriösen Eindruck erwecken.

So können Sie sich schützen

Betrügerische Nachrichten kann man meist beim genauen Blick etwa auf die Absendeadresse erkennen. Vorsicht ist geboten, wenn diese nicht erkennbar vom angegebenen Unternehmen oder der Behörde stammt.
Generell sollten Verbraucher mit digitalen Nachrichten stets kritisch umgehen. Ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten, auch in den sozialen Medien, ist ein wichtiger Schutz vor Identitätsdiebstahl.
Im Folgenden sind wichtige Sicherheitsvorkehrungen aufgeführt, auf die Verbraucher achten sollten:
  • Geben Sie Passwörter, TANs oder Sicherheitscodes niemals auf Aufforderung per E-Mail, SMS oder Telefon weiter.
  • Prüfen Sie Internetadressen sorgfältig und öffnen Sie Links nur, wenn deren Echtheit zweifelsfrei feststeht.
  • Verwenden Sie für verschiedene Online-Dienste unterschiedliche, starke Passwörter und aktivieren Sie nach Möglichkeit die Zwei-Faktor-Authentifizierung.
  • Installieren Sie Sicherheitsupdates zeitnah auf all Ihren Geräten.
  • Seien Sie misstrauisch bei Nachrichten, die Zeitdruck erzeugen oder ungewöhnliche Forderungen enthalten.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Kontoauszüge und Online-Konten auf unberechtigte Aktivitäten.

Was Nutzer im Verdachtsfall tun sollten

Wer vermutet, Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden zu sein, sollte unverzüglich seine Passwörter ändern. Bei dringendem Verdacht ist zudem gegebenenfalls ratsam, betroffene Konten sperren zu lassen und die jeweilige Bank oder den betroffenen Dienst zu informieren.
„Auch wenn die Daten weg sind, ist nicht zwangsläufig ein finanzieller Schaden entstanden“, betont Dibbern. „Oft kann man den durch überlegtes Handeln verhindern.“
Der Kriminalhauptkommissar rät Betroffenen, verdächtige Nachrichten zu dokumentieren. Anschließend sollte Anzeige bei der örtlich zuständigen Polizeidienststelle oder über die Online-Wache der Landespolizei erstatt werden.

Welche Folgen hat Identitätsdiebstahl für Betroffene?

Zu bedenken ist auch, dass die Täter lange Zeit nach einem Datendiebstahl noch Identitäten missbrauchen können. Stellt das Opfer Unregelmäßigkeiten fest, sind ebenfalls Konten zu sperren, Passwörter zu ändern und Strafanzeige zu erstatten. Ebenso sollten Betroffene ihre Bonität überprüfen.
Oftmals müssen Geschädigte nachweisen, dass sie abgeschlossene Verträge oder Bestellungen nicht selbst getätigt haben. „Das Perfide ist auch, dass Daten als eine Art wiederverwertbarer Rohstoff gehandelt werden“, bestätigt Dibbern. „Wir kennen Fälle, wo Daten gestohlen und Jahre später erneut für die Erstellung eines Fake-Accounts benutzt wurden.“
Ein solches Erlebnis sorgt nicht nur für einen organisatorischen Aufwand. Der Nutzer verliert zudem das Vertrauen in digitale Angebote und Dienste.