Die für Muslime heilige Stadt Mekka ist nach Angaben aus Saudi-Arabien Ziel eines Angriffs der jemenitischen Huthi-Miliz geworden. Die saudiarabische Luftabwehr habe die „feindliche“ Drohne vor ihrem Eindringen in die heiligste Stadt im Islam abgewehrt, erklärte die von Riad angeführte Militärkoalition am Mittwoch im Onlinedienst X.
Der Angriff löste in der muslimischen Welt große Empörung aus und könnte den Konflikt in der Region weiter verschärfen. Riad warnte vor einer „roten Linie“, während die Huthis die Vorwürfe umgehend als „Lüge“ zurückwiesen.
Drohne südlich der Stadt abgefangen und zerstört
Die Drohne sei zerstört worden, „bevor sie in den gesperrten Luftraum der heiligen Stadt eindrang“, erklärte der Sprecher der Militärkoalition, Turki al-Maliki. Sie war der Erklärung zufolge „von der terroristischen Huthi-Miliz gestartet worden“ und wurde „südlich der Stadt Mekka“ abgefangen.
Die gegen die Huthis kämpfende Militärkoalition kündigte nach dem Angriff Vergeltungsmaßnahmen an. Die Sicherheit der heiligen Stätten und der Pilger sei eine „rote Linie“, erklärte sie. Der Kampfverband der Koalition werde „nicht zögern, die notwendigen und abschreckenden Maßnahmen“ zu ergreifen.
Mekka ist die heiligste Stadt im Islam. Die Stadt im Westen Saudi-Arabiens gilt als der Geburtsort des Propheten Mohammed. In ihr steht die Große Moschee mit der Kaaba, wo sich jährlich Millionen Pilger versammeln.
Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit prangerte den Angriff als „abscheulich“ an. Die Organisation, der 57 muslimische Staaten angehören, erklärte bei X, sie verurteile „die abscheulichen Angriffe der Huthi-Gruppe auf die Stadt Mekka und die Region Medina sowie deren anhaltende Aggression gegen das Königreich Saudi-Arabien“.
Huthi weisen Vorwurf zurück
Ein Huthi-Vertreter wies den Vorwurf des Drohnenangriffs auf Mekka indes zurück. „Die Behauptungen über einen Angriff auf Mekka sind eine abgedroschene Lüge“, erklärte Huthi-Funktionär Hasem al-Assad bei X. Diese sei „schon früher benutzt“ worden und könne „niemanden mehr täuschen“.

Mohammed Ahmed Miftah (m), der geschäftsführende Ministerpräsident der Huthi-Behörden, trifft am 12. September 2026 in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ein.
Foto: Mohammed Huwais/AFP via Getty Images
Die Huthis kontrollieren seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Saudi-Arabien unterstützt die jemenitischen Regierungstruppen im Kampf gegen die vom Iran unterstützte Miliz. Die Huthis hatten Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und seither Ziele in dem Königreich angegriffen.
Nach einer Blitzoffensive übernahmen die Huthi vergangene Woche die Kontrolle über große Teile der jemenitischen Küste am Bab al-Mandab. Die strategisch wichtige Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit dem Indischen Ozean.
Sie ist eine wichtige Route für den internationalen Schiffsverkehr, besonders für den Export von saudiarabischem Öl ist sie zentral. Seit der faktischen Blockade der Straße von Hormus durch Teheran seit Beginn des Iran-Kriegs hat Bab al-Mandab zusätzlich an Bedeutung gewonnen.
Am 15. September hatte Riad Angriffswarnungen für mehrere Landesteile ausgegeben, hob diese aber nach kurzer Zeit wieder auf – darunter für Mekka und weite Gebiete im Süden nahe der Grenze zum Jemen. Die saudiarabische Armee griff zudem erneut dutzende Ziele im Jemen an. Tags zuvor waren im Süden Saudi-Arabiens 13 Menschen bei einer Huthi-Angriffswelle mit Drohnen und ballistischen Raketen verletzt worden.
Jemens Regierung wird von den Huthi bedrängt
Eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition hatte ab 2015 die international anerkannte Regierung des Jemen im Kampf gegen die Huthis unterstützt. Seit einer von der UNO vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022 kamen die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und der Miliz weitgehend zum Erliegen.
Nach den neuen Gefechten ist diese Feuerpause nun praktisch hinfällig. Die neu aufgeflammten Kämpfe im ärmsten Land der Arabischen Halbinsel haben nach UN-Angaben seit Anfang September 82.000 Menschen in die Flucht getrieben.
Jemens ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, Abdullah al-Saadi, erklärte, seine Landsleute kämpften für die Wiederherstellung „der staatlichen Institutionen in jedem Winkel ihres Landes“. Er forderte die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf, um die Huthis zu stoppen.
USA gibt Reisehinweis für Saudi-Arabien heraus
Die US-Botschaft gab indes am 15. September (Ortszeit) einen Reisehinweis für Saudi-Arabien aus. Darin empfiehlt sie, Reisen nach Saudi-Arabien „noch einmal zu überdenken“.
In dem Hinweis wird vor dem „Risiko von iranischen Drohnen- und Raketenangriffen auf amerikanische Ziele“ gewarnt sowie vor „bewaffneten Konflikten, Terrorismus, Ausreiseverboten und lokalen Gesetzen bezüglich Aktivitäten in Onlinediensten“. Insbesondere wird wegen „Terrorgefahr“ von Reisen „nahe der Grenze zum Jemen“ abgeraten.
Erst am 14. September hatten Saudi-Arabien und Ägypten eine gefahrlose Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus und die Meerenge Bab al-Mandab gefordert.
„Die Freiheit und Sicherheit der Schifffahrt“ durch die beiden Meerengen müsse gewährleistet werden, erklärte das ägyptische Präsidialamt nach einem Treffen von Staatschef Abdel Fattah al-Sisi mit dem saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman am Dienstag in Kairo. (afp/red)



