Der größte Teil der schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Migranten ist nach Angaben der spanischen Regierung nach Marokko zurückgekehrt. - Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
In Kürze:
Bereits seit Mitte Juli gab es Versuche von Migrantengruppen, die Grenze zu Ceuta zu überwinden.
Die Masseneinreise fiel zeitlich mit offiziellen Feierlichkeiten in Marokko zusammen.
Die Krise verschärfte die diplomatischen Spannungen zwischen Spanien, Marokko und Algerien.
Die Krise von Ceuta Ende Juli/Anfang August entstand nicht plötzlich. Bereits seit Mitte Juli nahmen die Versuche von Migrantengruppen zu, an der Grenze zwischen Spanien und Marokko schwimmend nach Ceuta zu gelangen. Die spanischsprachige Ausgabe der Epoch Times berichtet von mehreren Vorfällen im Vorfeld:
Am 12. Juli begaben sich rund 50 junge Marokkaner ins Meer, um Ceuta zu erreichen. Laut dem Medium „Achamal Press“ griff die Königlich Marokkanische Marine ein und fing einen Großteil der Gruppe ab.
Während der spanischen Siegesfeiern zur Fußball-WM am 20. Juli versuchten rund 200 Menschen, Ceuta zu erreichen. Marokkos Marine setzte drei Boote ein, um diejenigen abzufangen, die sich bereits im Wasser befanden. Einem Teil gelang es, spanisches Hoheitsgebiet zu erreichen.
In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli registrierten die Behörden etwa 170 Einreiseversuche, darunter auch Menschen aus Ländern südlich der Sahara. Es wurden sowohl Gruppen abgefangen, die sich noch auf die Abfahrt vorbereiteten, als auch solche, die sich bereits im Meer befanden.
Am Wochenende des 27./28. Juli berichteten marokkanische Medien von rund 200 weiteren Menschen. Mehr als hundert sollen Ceuta erreicht haben, während andere abgefangen wurden.
Am 30. Juli erreichte die Entwicklung ihren Höhepunkt.
Fünf Kilometer lange Menschenkolonne
Die nationale spanische Polizeigewerkschaft JUPOL erklärte auf der Plattform X, sie habe seit Tagen davor gewarnt, dass an der Grenze in Ceuta nicht genügend Polizeikräfte präsent seien. Die derzeitige Personalausstattung reiche nicht aus, um die Situation zu bewältigen, hieß es damals. Ähnliche Warnungen gab es auch von der spanischen Guardia Civil.
Bereits in den frühen Morgenstunden des 30. Juli bewegten sich Tausende Menschen aus verschiedenen Teilen von Fnideq, einer marokkanischen Stadt direkt an der Grenze zur spanischen Exklave Ceuta, zu Fuß, auf Motorrädern und in Autos in Richtung Ceuta.
Nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur EFE bildete sich auf der Straße zwischen dem Ortszentrum und der spanischen Grenze eine etwa fünf Kilometer lange Menschenkolonne. Zahlreiche junge Männer überwanden Schutzbarrieren, die zu diesem Zeitpunkt nicht bewacht waren, während sich einige der marokkanischen Kräfte angesichts des Vorrückens der Menschenmenge zurückzogen.
Mit Schwimmreifen über die Grenze.
Foto: Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa
Die von EFE befragten marokkanischen Beamten erklärten, sie wüssten nicht, wodurch diese Menschenansammlung ausgelöst worden sei. Die Bewegung wies ungewöhnliche Merkmale auf: Tausende Menschen aus verschiedenen Orten bewegten sich nahezu gleichzeitig auf bestimmte Abschnitte der Grenze zu.
Gegen 12:30 Uhr kam es zu einer ersten Einreisewelle, ab etwa 15:30 Uhr zu einer weiteren. Viele umgingen den Wellenbrecher von Tarajal über das Meer, während andere im Bereich des Zollübergangs die Grenze überquerten.
Unter den Eingereisten befanden sich junge Männer, Frauen, Familien und kleine Kinder. Die spanischen Sicherheitskräfte wiesen sie von der Straße weg, um zu verhindern, dass der Grenzübergang vollständig blockiert wurde.
Ceuta-Präsident: 60.000 illegale Einwanderer bei rund 83.000 Einwohnern
„Wir stehen vor einer Situation eines absoluten humanitären und sozialen Notstands“, sagte der Präsident der Enklave, Juan Jesús Vivas. Er forderte die spanische Regierung auf, einen Notstand von nationalem Interesse auszurufen und eine einheitliche Einsatzleitung einzurichten, um die Reaktion zu koordinieren.
Das Innenministerium hatte diese Möglichkeit jedoch mit dem Hinweis abgelehnt, dass die spanische Gesetzgebung eine solche Regelung nicht für Migrationskrisen vorsehe, sondern für bestimmte Natur- oder Technologierisiken wie Überschwemmungen, Erdbeben oder Waldbrände. Vivas schätzte später, dass rund 60.000 Migranten aus Marokko eingereist seien – die Stadt hat etwa 83.000 Einwohner.
Zur aktuellen Lage berichtet die spanische Nachrichtenagentur EFE, dass sich trotz der Rückkehr Tausender Menschen nach Marokko noch immer kleine Gruppen von Migranten in Ceuta aufhielten, die sich weigerten, freiwillig zurückzukehren.
Ihre Präsenz sei vor allem in Randgebieten und bewaldeten Zonen sichtbar, allerdings seien auch Gruppen in einigen Straßen des Stadtzentrums festgestellt worden. Polizeiquellen erklärten, es sei schwierig zu berechnen, wie viele Personen sich noch in der Stadt befänden, da sie sich in kleinen Gruppen von drei bis fünf Personen bewegten.
Am 2. August registrierte die Polizei etwa 73.500 Ausreisen nach Marokko, wies jedoch darauf hin, dass diese Zahl Einreisen aus den Vortagen sowie mehrfach erfasste Personen enthalten könne.
Die Rolle von Marokko
In den Wochen zuvor hatten marokkanische Sicherheitskräfte mehrfach eingegriffen, um kollektive Übertrittsversuche zu stoppen: Marokko setzte Schiffe der Königlich Marokkanischen Marine ein, fing Personen ab, die sich auf die Abfahrt vorbereiteten, und nahm andere fest, die sich bereits im Meer befanden.
Bereits im Januar hatte die Königlich Marokkanische Gendarmerie rund 140 Personen auf der Autobahn zwischen Larache und Tanger abgefangen, bevor sie Fnideq erreichen konnten. Die Behörden bezeichneten den Einsatz als vorbeugende Maßnahme gegen einen möglichen kollektiven Übertrittsversuch.
Im entscheidenden Moment Ende Juli fiel die Reaktion jedoch anders aus: Marokkanische Sicherheitskräfte griffen nicht ein. EFE berichtete, die Krise habe mit einem stetigen Zustrom junger Menschen begonnen, die seit Wochenbeginn versucht hätten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen, ohne dass die marokkanischen Sicherheitskräfte dies verhindert hätten.
Spanische Sicherheitskräfte eskortieren Migranten am 1. August 2026 an der Grenze zwischen Ceuta und Marokko in der spanischen Enklave Ceuta in Nordafrika.
Foto: Henry Nicholls / AFP via Getty Images
Geopolitische Komponenten
Die Masseneinreise begann am 30. Juli und fiel zeitlich mit den offiziellen Feierlichkeiten zum Thronjubiläum von König Mohammed VI. zusammen. Einige der traditionellen Zeremonien vom 29. bis 31. Juli fanden zudem in der Stadt Tétouan statt. Diese befindet sich rund 30 Kilometer südlich von Ceuta.
Rubén Pulido, ein Analyst für Migrationsthemen und ehemaliger Kommunikationsdirektor einer Fraktion im andalusischen Parlament, analysierte aktuelle marokkanische Medienberichte und öffentliche Debatten. In der spanischen Epoch Times bezeichnet er die Debatte als „aufgeheizt“. In der marokkanischen Debatte wird gegenüber Spanien häufig der historische Anspruch erhoben, Ceuta und Melilla gehörten seit Jahrhunderten zu Marokko – eine Darstellung, die Spanien zurückweist.
Debattiert werde zudem eine weitere regionale Dimension mit Bezug auf einen diplomatischen Rivalen Marokkos: Algerien. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez reiste am 20. Juli nach Algerien und traf sich mit Präsident Abdelmadjid Tebboune.
Beide Regierungen kündigten den Beginn einer neuen Phase ihrer Beziehungen an und vereinbarten für Oktober ein hochrangiges Treffen. Nähere sich Madrid nun Algerien an, könnte dies Marokko vor den Kopf stoßen, so Pulido.
Ein israelischer Soldat inspiziert einen von der Armee entdeckten Tunnel, der als Angriffsstellung der Hisbollah diente. Die Inspektion fand im Rahmen einer von der IDF organisierten Medienführung in den Südlibanon am 13. Oktober 2024 in der Nähe von Naqoura im Libanon statt. - Foto: Amir Levy/Getty Images
Inmitten anhaltender Spannungen kommen heute erneut israelische und libanesische Regierungsvertreter zu direkten politischen Gesprächen in der italienischen Hauptstadt Rom zusammen. Dabei geht es um die weitere Umsetzung ihres Sicherheitsabkommens.
Das unterirdische Tunnelsystem der libanesischen Hisbollah soll dabei nach Angaben von libanesischen Regierungskreisen ein zentrales Thema sein.
Libanesischen Berichten und Augenzeugen zufolge hat das israelische Militär am Wochenende in mehreren Orten Sprengungen und gezielt Tunnel zerstört, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA.
Die Hisbollah hat über Jahrzehnte eine unterirdische Militärstruktur aufgebaut, die Israel als Bedrohung betrachtet.
Das Tunnelnetzwerk der vom Iran unterstützten Organisation umfasst nach Einschätzung von Beobachtern und Experten Kommandozentren, Waffenlager, Abschusspositionen, Versorgungskorridore und geschützte Verbindungen, die Kämpfern Bewegungen unter der Erde ermöglichen.
Die Tunnel der Hisbollah sollen zentrales Thema bei den libanesisch-israelischen Gesprächen in Rom sein. (Archivbild)
Foto: Ilia Yefimovich/dpa
Die Tunnel seien ein „äußerst wichtiger“ Bestandteil der militärischen Infrastruktur der Hisbollah, sagte der Libanon-Experte Nicolas Blanford von der Denkfabrik Atlantic Council in Washington dpa.
Kämpfer könnten sich durch sie unbemerkt unter der Erde bewegen. Das Tunnelsystem erstrecke sich über mehrere Landesteile bis in den nördlichen Teil der Bekaa-Ebene. Das Tunnelnetzwerk ist nicht landesweit miteinander verbunden.
Israel hat wiederholt vor der Gefahr gewarnt, dass Hisbollah-Kämpfer – auch unter Einsatz des Tunnelsystems – einen großangelegten Angriff auf den Norden Israels nach dem Vorbild des Hamas-Überfalls vom 7. Oktober 2023 verüben könnten.
Die „Washington Post“ berichtete bereits vor mehr als zwei Jahren unter Berufung auf einen Hisbollah-Vertreter, die Eliteeinheit Radwan sei für offensive Einsätze geschaffen worden, darunter auch grenzüberschreitende Angriffe auf Israel.
Tunnel-Strategie gegen Israels militärische Überlegenheit
Die Verlagerung militärischer Infrastruktur unter die Erde habe das Schlachtfeld grundlegend verändert, sagte der libanesische Militärfachmann Munir Schehadeh. Israel sei der Hisbollah überlegen und verfüge über eine Luftwaffe, Satellitenaufklärung, Drohnen, elektronische Überwachung und präzisionsgelenkte Waffen.
28. November 2025: ein Militärkonvoi auf dem Weg zu einem verlassenen Tunnel (nicht im Bild), der angeblich von der Hisbollah genutzt wurde, in einem bergigen Tal am Rande des südlichen Dorfes Zibqin (Libanon).
Foto: Anwar Amro/AFP via Getty Images
„Es ging darum, eine unterirdische militärische Infrastruktur aufzubauen, die Kämpfer, Waffen und Kommandozentren schützen und gleichzeitig den Betrieb auch unter intensiven Luftangriffen aufrechterhalten kann.“
Über Jahre hinweg habe die Hisbollah erheblich in ihre unterirdische Kriegsführung investiert. Das System habe viele seiner vorgesehenen Ziele erfüllt, auch wenn es Israel nicht daran hindern konnte, in den Südlibanon einzudringen und erhebliche Teile der militärischen Infrastruktur der Organisation zu zerstören.
Satellitenbilder zeigten, dass israelische Spreng- und Zerstörungsoperationen in einigen Dörfern im Südlibanon massive Zerstörung verursacht hätten, so Schehadeh.
Das israelische Militär zerstört seit einigen Jahren immer wieder Tunnel der Hisbollah im Libanon – darunter auch einige, die bis nach Israel reichten. Bei den Einsätzen wurden nach libanesischen Angaben wiederholt auch Wohngebäude beschädigt.
Auch die UN-Friedenstruppen im Libanon entdeckten eigenen Angaben zufolge im Sommer 2025 ein umfangreiches Tunnelnetzwerk im Süden des Landes.
Zuletzt zerstörte Israels Armee eigenen Angaben zufolge einen Tunnel der Schiitenorganisation im Gebiet der historisch und strategisch wichtigen Burg Beaufort im Südlibanon. Dabei sollen rund 700 Tonnen Sprengstoff eingesetzt worden sein.
Die Burg soll israelischen und libanesischen Angaben zufolge dabei keinen Schaden genommen haben. Libanons Nachrichtenagentur berichtete, dass dabei ein 1.200 Meter langes Gebiet vom südlichen Ende der Burg „vollständig verwüstet“ worden sei.
Die libanesische und die israelische Regierung führen seit Mitte April erstmals seit Jahrzehnten wieder direkte politische Gespräche. Diplomatische Beziehungen unterhalten die beiden Nachbarstaaten nicht. Vermittelt werden die Gespräche von den USA. Die Hisbollah nimmt daran nicht teil.
Trotz der Waffenruhe ist das israelische Militär weiterhin an einigen Stellen im Südlibanon stationiert und greift auch weiter aus der Luft an. Die Hisbollah selbst hat seit Beginn der jüngsten Waffenruhe keine Angriffe mehr gegen Israel unternommen.
Das jüngste Rahmenabkommen sieht sowohl den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon als auch eine Entwaffnung der Hisbollah durch die libanesische Armee vor. Beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt.
Israel macht seine verbliebene Militärpräsenz von Fortschritten bei der Entwaffnung der Hisbollah abhängig. Die Hisbollah macht eine Kooperation von einem israelischen Abzug abhängig.
Die libanesische Regierung verfügt zugleich nur über begrenzte Möglichkeiten, die israelischen Forderungen umzusetzen. Die libanesischen Streitkräfte gelten als deutlich schwächer als die Hisbollah. Die Regierung will auch innenpolitische Spannungen vermeiden, sollte sie mit Gewalt gegen die Miliz vorgehen. (dpa/red)
Migranten versammeln sich am 31. Juli 2026 am Grenzzaun nahe Fnideq an der Grenze zwischen Marokko und Spanien, wo es zuvor zu Zusammenstößen gekommen war. Wie eine Polizeiquelle am 31. Juli mitteilte, gelangten in der Nacht Tausende Migranten von Marokko in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika; eine genaue Schätzung der Gesamtzahl der Personen sei jedoch unmöglich. - Foto: Abdel Majid BZIOUAT / AFP via Getty Images
Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) im Bundestag zur Beaufsichtigung der Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU), schließt einen hybriden Angriff auf die EU als Ursache für den Ansturm von Migranten aus Marokko auf die spanische Exklave Ceuta nicht aus.
„Eine Ursache könnten die Spannungen zwischen Spanien und Marokko sein, auf die Marokko jetzt wie bereits im Jahr 2021 durch den gesteuerten Ansturm reagiert hat“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Es könnten ebenso gut Schleuserbanden verantwortlich sein. Und schließlich könnte zutreffen, was die Ukrainer sagen: Dass Russland den Ansturm durch Social-Media-Bots initiiert hat, um die EU unter Druck zu setzen. Alle drei Varianten seien plausibel, sagte der CDU-Politiker. Aber die „Smoking Gun“ fehle noch.
Henrichmann sagte, man müsse auf jeden Fall von Balten, Polen und Skandinaviern lernen, wenn es um die Aufdeckung der Hintergründe solcher Aktionen gehe. Sie kannten Migration als Waffe schon lange. Außerdem mahne der Vorgang, dass man durch gezielte Desinformationen eine Riesen-Wirkung erzielen könne. Man sollte deshalb nicht alles, was man sehe und lese, vorbehaltlos glauben. Die EU funktioniere nur, wenn alle den Außengrenzschutz ernst nähmen. Der PKGr-Chef mahnte, der gesamte Vorgang sei „ein abermaliger Warnschuss, der große Hausaufgaben mit sich bringt. Wir müssen sie erledigen.“ (dts/red)
Übergabe des Berichts der Rentenkommission (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) stellt die Rentenreform nicht grundsätzlich infrage. Das sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
„Uns ist wichtig, dass die unterschiedlichen Erwerbsbiografien und Lebensrealitäten in Ostdeutschland in den weiteren Beratungen berücksichtigt werden“, so Schulze.
Rente nach 45 Jahren Einzahlung
Hintergrund ist der Abschlussbericht der Alterssicherungskommission, der unter anderem das Aus für die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren empfiehlt.
Die Vorschläge hatten zuletzt vor allem in Ostdeutschland Kritik ausgelöst. Die ostdeutschen Ministerpräsidenten forderten Nachbesserungen und wandten sich gegen ein Ende der „Rente mit 63“.
Schulze sagte, die Empfehlungen der Kommission bildeten nun die Grundlage für die weiteren politischen Beratungen. Die ostdeutschen Regierungschefs hätten mit ihrer gemeinsamen Erklärung deutlich gemacht, dass die Interessen der Menschen in Ostdeutschland dabei angemessen berücksichtigt werden müssten.
Man stehe dazu im regelmäßigen Austausch mit den zuständigen Gesprächspartnern auf Bundesebene und werde die eigene Position auch weiterhin konstruktiv einbringen.
Rentenkommission warnt vor Zerpflücken des Pakets
Der stellvertretende Vorsitzende der Rentenkommission, Pascal Reddig (CDU), warnte unterdessen davor, einzelne Reformbausteine aus dem Gesamtpaket herauszulösen.
Die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren koste die Solidargemeinschaft jährlich einen zweistelligen Milliardenbeitrag und erreiche ihr ursprüngliches Ziel nicht, Menschen in körperlich harten Berufen einen früheren Renteneintritt zu ermöglichen, sagte Reddig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Deshalb habe die Kommission empfohlen, sie durch eine zielgenaue Schutzrente für gesundheitlich belastete Personen zu ersetzen.
Wenn man hingegen jetzt die Abschaffung der „Rente mit 63“ aus dem Gesamtpaket herauslöse, könne das ganze Haus der Rentenreform zusammenstürzen, sagte Reddig weiter.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen stünden in Wechselwirkung zueinander und seien nur im ausgewogenen Gesamtpaket langfristig finanzierbar. (dts/red)
Die EU-Innenminister beraten in einer Videokonferenz über Konsequenzen. - Foto: Iván Zambrano / Europa Press/EUROPA PRESS/dpa
HEUTE6:28 Uhr
Apple entfernte kurz Telegram aus iPhone-App-Store
Wegen Verbreitung von Kinderpornografie hat Apple die App Telegram für kurze Zeit aus der Download-Plattform für seine iPhones entfernt. Sie wurde wieder zugelassen, nachdem Telegram die Inhalte entfernte und den Nutzer von der Plattform verbannte.
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HEUTE6:21 Uhr
Österreich für Asylverfahren außerhalb der EU
Österreichs Innenminister Gerhard Karner drängt nach den Szenen in Ceuta auf Asylverfahren außerhalb der EU. Der EU-Asylpakt schaffe dafür die rechtlichen Möglichkeiten. Den Worten müssten nun Taten folgen. „Rückkehrzentren“ für abgelehnte Asylbewerber und Asylverfahren in Staaten außerhalb Europas könnten die Verbreitung von Falschmeldungen und Schleuserkriminalität verhindern.
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HEUTE5:44 Uhr
Vor Krisensitzung der Innenminister
Vor der EU-Sitzung zu den massenhaften Übertritten nach Ceuta rief EU-Kommissar Magnus Brunner die Mitgliedsländer zur Geschlossenheit auf. Er sagte, die EU habe den Härtetest bestanden, da niemand in den Schengenraum gelangt sei. Laut der spanischen Regierung kehrten fast alle der Zehntausenden mittlerweile wieder zurück.
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HEUTE5:30 Uhr
Finanzminister will Steuerregeln für Bitcoin ändern
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant, die einjährige steuerfreie Haltefrist für Bitcoin und andere Kryptowährungen abzuschaffen. Gewinne sollen wie Aktienerlöse besteuert werden. Ob CDU/CSU den Vorschlag unterstützen, ist offen. Insgesamt gibt es knapp 9 Millionen Krypto-Besitzer in Deutschland.
Gletscher verursachten vor 2,7 Millionen Jahren einen Jo-Jo-Effekt für das Klima. (Symbolbild) - Foto: R.M. Nunes/iStock
In Kürze:
Die Neigung und das Taumeln der Erdachse sowie leichte Schwankungen der Umlaufbahn verändern das Klima der Erde in unterschiedlichen Zeiträumen.
Heute als Milankovitch-Zyklen bekannt, sorgten diese über Jahrmillionen für merkliche, aber gleichmäßige Klimaveränderungen.
Seit rund 2,7 Millionen Jahren ist das Klima wechselhafter und – bis heute – durch geologisch rasante Umbrüche gekennzeichnet.
Dieser Zeitraum spiegelt zugleich die Entwicklung des modernen Menschen wider, der sich seitdem den unterschiedlichen Bedingungen anpassen musste.
Vor etwa 2,7 Millionen Jahren geschah etwas Prägendes auf der Welt. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Vorfahren der Menschen, die unsere heutige Zivilisation bilden, die Weltbühne betreten haben. Wie Forscher der Universität Cambridge herausfanden, fällt dieses Ereignis zudem mit einem abwechslungsreichen Weltklima zusammen, das von der Ausdehnung und dem Rückzug der kontinentalen Eisschilde auf der Nordhalbkugel geprägt war.
In der Folge schwankte das Klima der Erde zwischen warmen Zwischeneiszeiten und eisigen Eiszeiten hin und her. Doch besonders die Eiszeiten verliefen mit starken Temperaturschwankungen über geologisch kurze Zeiträume weitaus unregelmäßiger als bislang geahnt. Dazwischen lebte der Mensch, der es erfolgreich schaffte, sich regelmäßig an die neuen Bedingungen anzupassen.
Schwankungen in Sedimenten
Auf die Spur dieses wechselhaften Klimas kam das internationale Forscherteam um den Geowissenschaftsprofessor David Hodell von der Universität Cambridge durch die Analyse von Tiefseebohrkernen nahe Portugal. Diese enthalten feinste Schichten von Sedimenten, die sich seit 5,3 Millionen Jahren abgelagert haben. Sie liefern somit einen tieferen Einblick in die Vergangenheit als Eisbohrkerne, die nur bis in die glaziale Zeit zurückreichen.
Die chemischen Elemente in den Sedimenten, wie etwa Calcium, Titan, Zirkonium und Strontium, offenbarten, dass das Klima bis vor 2,7 Millionen Jahren stabil warm war. Erst danach gab es Hinweise auf starke Kälteeinbrüche, die die Vorboten der folgenden Eiszeit waren.
Ab vor 2,5 Millionen Jahren waren dann mehrere, aus geologischer Sicht schnelle Schwankungen innerhalb von tausend Jahren deutlich erkennbar. Von da an waren die Schwankungen ein beständiges Merkmal des eiszeitlichen Klimas. Untermauert wird das durch Beobachtungen in grönländischen Eiskernen.
„Glazialperioden waren nicht nur kalt, sie waren auch äußerst variabel mit starken Temperaturschwankungen über relativ kurze Zeiträume“, erklärt Prof. Hodell.
Eis stieß den Wandel des Klimas an
Eingeleitet wurde das Ganze durch die zyklischen Veränderungen der Erdumlaufbahn. Diese brachten eine neue Eiszeit und beeinflussten die Ausbreitung der irdischen Eisschilde. Belegt wird dies durch sogenanntes „Ice-Rafted Debris“, also Gesteinsmaterial, das von Eisbergen ins und über das Meer getragen wurde, bis diese schmolzen und sich in großen Mengen in den Ablagerungsschichten befanden.
Die Eisschilde seien dabei nicht nur groß genug gewesen, um den Ozean zu erreichen und Eisberge samt dem Geröll abzukalben, sondern auch, um mit dem zahlreichen geschmolzenen Eis die Ozeanzirkulation zu beeinflussen. Dies soll letztlich die abrupten Klimawendungen verursacht haben.
Laut Bohrkernen sei dies aber nur dann aufgetreten, wenn die Vergletscherung eine bestimmte Schwelle, den sogenannten „Sweet Spot“, überschritt. Dieser tritt ein, wenn die Eisschilde groß genug, die Meere kalt genug und die Ozeanzirkulation empfindlich genug sind, um instabil zu werden. Sobald dieser Punkt erreicht war, kam es zu einem wechselhaften Klima im Jahrtausendmaßstab.
Und dann kam der Mensch
Inmitten dieser Umbrüche entwickelte sich, was Wissenschaftler als Gattung Homo bezeichnen: der moderne Mensch. Möglicherweise spielte gerade dieser klimatische Wendepunkt eine entscheidende Rolle bei der späteren Entwicklung unserer Zivilisation.
So vermuten einige Forscher, dass rasche Veränderungen des Erdklimas und die damit einhergehenden eklatanten Veränderungen der Vegetation und Umwelt dazu führten, dass der Mensch kreative Wege finden musste, um zu dem zu werden, was er heute ist.
Die Studie erschien am 19. Februar 2026 im Fachmagazin „Science“.
Eine Kupfermine: Gold ist die Versicherung. Bitcoin ist die Rebellion. Und Kupfer ist die Wette auf die reale Welt. (Symbolbild) - Foto: James-photographer/iStock
Ich sage es seit Jahren: Wir stehen am Anfang eines neuen Rohstoffsuperzyklus. Gold hat geliefert. Silber hat geliefert. Uran hat geliefert. Und jetzt kommt das Metall, ohne das die gesamte moderne Welt stillsteht.
Kupfer.
Kein Stromnetz ohne Kupfer.
Kein E-Auto ohne Kupfer.
Kein Rechenzentrum, keine KI, keine Windkraftanlage, keine Wärmepumpe.
Wer Elektrifizierung sagt, muss Kupfer sagen. Punkt.
Und was macht der Preis? Er schreibt Geschichte. Und keiner bemerkt es. Still und leise erreicht er Rekord nach Rekord.
Im Jahr 2025 legte Kupfer an der Londoner Metallbörse (London Metal Exchange, LME) um rund 43 Prozent zu. Im Januar 2026 folgte das erste Allzeithoch bei rund 13.400 US-Dollar pro Tonne, im Mai folgte der nächste Rekord.
Und heute? Kupfer notiert bei rund 13.600 Dollar – nur wenige Prozent unter dem Hoch. Das ist keine Spekulationsblase, die kommt und geht.
Das ist ein Markt, der ein neues Preisniveau akzeptiert hat. Während alle auf Aktien und Tech starren, läuft hier im Hintergrund die eigentliche Story. Wie immer merken es die meisten erst, wenn es zu spät ist.
In meinem vorletzten Buch aus dem Jahr 2020 mit dem Titel „Die größte Chance aller Zeiten“ widmete ich Kupfer ein ganzes Kapitel, und kurze Zeit später startete der rasante Aufstieg des Kupferpreises. Auch in meinem letzten Kupfervideo vor einigen Monaten kündigte ich weitere Rekorde folgerichtig an.
Hier wird es spannend. Denn dieser Preisanstieg ist kein Zufall. Er ist Mathematik.
Die großen Minen werden alt. Die Erzgehalte sinken seit Jahren. Neue Minen? Fehlanzeige! Die Projektpipeline? Leer.
Chile – das Saudi-Arabien des Kupfers mit rund einem Viertel der globalen Minenproduktion – lieferte zuletzt die schwächste Produktion seit rund zwei Jahrzehnten.
Und dann kam auch noch das Wetter: Im Juli 2026 legte ein Wintersturm mit tagelangen Regenfällen die zentralen Bergbauregionen lahm – geflutete Gruben, beschädigte Transportwege, Notfallsitzungen der Regierung mit Codelco, Antofagasta und Teck. Die Mine Collahuasi meldete schon vorher ein Produktionsminus von über 19 Prozent – wegen Wassermangels. Erst sieben Jahre Dürre, dann Sturzfluten: Die Unwetter treffen das wichtigste Kupferland der Welt.
Kupferbleche.
Foto: Nordroden/iStock
Und eine neue Mine? Von der Entdeckung bis zur ersten Tonne vergehen locker 10, 15 oder gar 20 Jahre, je nach Jurisdiktion und Finanzierung. Man kann das Angebot nicht einfach hochfahren wie eine Druckerpresse.
Jetzt zur Kapitalseite – und die ist der eigentliche Skandal. Die Beratungsfirma Wood Mackenzie beziffert den Investitionsbedarf für neue Kupferkapazitäten bis 2035 auf über 210 Milliarden Dollar (etwa 182 Milliarden Euro). Investiert wurden in den letzten sechs Jahren gerade einmal 76 Milliarden Dollar (rund 66 Milliarden Euro). Es müsste also fast das Dreifache fließen – und zwar ab sofort. Eine einzige neue Großmine kostet 2 bis 5 Milliarden Dollar (1,7 bis 4,3 Milliarden Euro) und braucht im Schnitt 17 Jahre von der Entdeckung bis zur Produktion.
Wer soll das stemmen, wenn ESG-Vorgaben und Politik das Kapital jahrelang aus dem Bergbau getrieben haben? Der Finanzdienstleistungskonzern S&P Global warnt bereits vor einer Angebotslücke von 10 Millionen Tonnen bis 2040.
JPMorgan hat die Prognose für das Minenwachstum 2026 auf magere 1,4 Prozent zusammengestrichen. Eine halbe Million Tonnen weniger als noch zu Jahresbeginn erwartet. Die US-Großbank rechnet mit einem Defizit von rund 330.000 Tonnen raffiniertem Kupfer – allein 2026.
Jahrzehntelange Unterinvestition trifft jetzt auf explodierende Nachfrage. Das ist das Rezept für jeden Superzyklus der Geschichte. Und: Nach wie vor sind die Investoren unterinvestiert in die verhassten Rohstoffe, und da wittere ich als antizyklischer Investor wie immer eine Chance.
Auf der anderen Seite der Gleichung: ein unstillbarer Hunger.
Knapp 60 Prozent der Kupfernachfrage kommt aus Elektrotechnik und Energie. China und die USA stecken Billionen in die Erneuerung ihrer Stromnetze. Dazu Verteidigung, Infrastruktur – und der größte Elefant im Raum: Künstliche Intelligenz.
Jedes Rechenzentrum ist ein Kupferfresser. Die KI-Revolution wird nicht mit Software gebaut, sondern mit Kabeln, Transformatoren und Kühlung. Deshalb predige ich die Schaufelstrategie: Nicht der Goldgräber wird reich, sondern der Schaufelverkäufer.
Und dann die Mobilität:
Elektrifizierung frisst Kupfer.
Foto: Marc Friedrich
Ein E-Auto benötigt drei- bis viermal mehr Kupfer als ein Verbrenner. Ausgerechnet die Politik, die uns die Elektrifizierung per Dekret verordnet hat, hat vergessen, woher das Metall dafür kommen soll. Planwirtschaft ohne Rohstoffplan. Typisch.
Was die Banken sagen
Was die Banken sagen.
Foto: Marc Friedrich
Goldman Sachs rief für 2026 eine Spanne von 10.000 bis 11.000 Dollar aus. JPMorgan war deutlich bullisher: 12.500 Dollar für das zweite Quartal, im Jahresschnitt gut 12.000. Und die Realität? Sie steht bei 13.600.
Der Markt hat die Banken bereits überholt – schon wieder. Es sind übrigens dieselben Häuser, die Gold bei 2.000 Dollar für teuer hielten. Die Analysten laufen dem Preis hinterher, nicht umgekehrt. Das kennen wir aus jedem Superzyklus.
Die Risiken – denn ich bin kein Träumer
Wer euch nur die Bullenstory erzählt, will euch etwas verkaufen. Also Klartext:
Defizit oder Überschuss.
Foto: Marc Friedrich
Erstens: Die International Copper Study Group hat ihre Bilanz für 2026 revidiert – von 150.000 Tonnen Defizit auf 96.000 Tonnen Überschuss. Defizit oder Überschuss, je nachdem, wen man fragt. Kurzfristig kann das den Boden unter dem Preis wegziehen.
Zweitens: China schwächelt. Die Nachfrage nach raffiniertem Kupfer dürfte Ende 2025 um 8 Prozent gefallen sein. Der größte Käufer der Welt hustet – und der Kupfermarkt bekommt Fieber.
Drittens: Trumps Zollchaos. Section 232 – seit April 2026 gelten Zölle von 50 Prozent auf Kupferhalbzeuge, dazu Sonderregeln, Ausnahmen und laufende Folgeberichte zu raffiniertem Kupfer. Das verzerrt die Handelsströme, treibt Lagerbestände in die USA und entlastet paradoxerweise kurzfristig Europa durch umgeleitete Ware. Volatilität, die mit Fundamentaldaten nichts zu tun hat – und jederzeit in beide Richtungen ausschlagen kann.
Kurzfristig also: Achterbahn. Wer schwache Nerven hat, steigt besser gar nicht erst ein.
Langfristig ist der Fall glasklar. Physische Knappheit trifft auf monetäre Entwertung. Die Notenbanken werden weiter drucken, die Staaten weiter Schulden machen – und Sachwerte werden die Gewinner sein.
Gold ist die Versicherung. Bitcoin ist die Rebellion.
Und Kupfer? Kupfer ist die Wette auf die reale Welt. Die Angebotslücke ist keine Meinung, sie ist Geologie plus Mathematik. Und beides lässt sich nicht per Pressekonferenz wegregulieren.
Man kann Geld drucken. Kupfer nicht.
Wie investieren?
Physisch Kupfer zu kaufen ergibt keinen Sinn, allein schon wegen der Lagerung und der 19 Prozent Mehrwertsteuer.
Die beste Wette ist ein breit gestreuter ETF oder Einzelaktien. Diese sind auch ein Hebel auf den Kupferpreis. Mein Analystenteam und ich haben uns auf die Suche begeben und die besten Kupferaktien der Welt im „Friedrich Report“ gefunden.
Wir schauen uns die Aktien ganzheitlich – an nach Zyklus, Makrobild und Sentiment, sowohl fundamental als auch charttechnisch mit klaren Einstiegs- und Ausstiegskursen.
Dies ist ein Meinungsbeitrag und keine Anlageberatung. Prognosen und persönliche Einschätzungen können von der tatsächlichen Entwicklung abweichen. Der Autor bewirbt seinen eigens herausgegebenen „Friedrich Report“.
Trump spricht von einer «letzten Chance» für den Iran. - Foto: Alex Brandon/AP/dpa
US-Präsident Donald Trump hat neue Gespräche mit dem Iran als „letzte Chance“ für Teheran bezeichnet. Man befinde sich in Gesprächen – und zwar auf Wunsch des Irans, sagte Trump im Weißen Haus. Er bekräftigte, dass verschiedene Staaten die USA darum gebeten hätten, der Diplomatie eine letzte Chance zu geben.
„Das ist eine letzte Chance für sie, ein gutes Dokument zu unterzeichnen“, sagte er mit Blick auf den Iran. Einmal mehr untermauerte er seine Worte dabei mit einer martialischen Drohung: „Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben“.
Trumps Darstellung zufolge drehen sich die Gespräche um die Öffnung der für den internationalen Gas- und Ölhandel zentralen Straße von Hormus. Demnach geht es darum, die Meerenge bis diesen Dienstag vollständig zu öffnen. In einer zweiten Phase soll es seiner Darstellung nach dann um die „Denuklearisierung“ des Irans gehen – das werde länger dauern, räumte Trump ein.
Der US-Präsident hatte am Sonntag (Ortszeit) für heute neue Gespräche angekündigt. Seiner Darstellung nach sagte er den größten Angriff des US-Militärs „seit dem Zweiten Weltkrieg“ vorerst ab, um neuen Verhandlungen mit dem Iran eine Chance zu geben.
Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai informierte daraufhin allerdings zunächst nur über bilaterale Verhandlungen seines Landes mit dem Oman über einen gemeinsamen vorläufigen Schifffahrtskorridor in der Straße von Hormus. Trump warf dem Iran auf seiner Plattform Truth Social daraufhin Unehrlichkeit vor.
Im Weißen Haus bekräftigte Trump nun auch, dass eine wie auch immer geartete Lösung in der Straße von Hormus nicht beinhalten dürfe, dass der Iran dort Gebühren erhebe. (dpa/red)
Trump spricht von einer «letzten Chance» für den Iran. - Foto: Alex Brandon/AP/dpa
US-Präsident Donald Trump hat neue Gespräche mit dem Iran als „letzte Chance“ für Teheran bezeichnet. Man befände sich in Gesprächen – und zwar auf Wunsch des Irans, sagte Trump im Weißen Haus.
Er bekräftigte, dass diverse Staaten die USA darum gebeten hätten, der Diplomatie eine letzte Chance zu geben. „Das ist eine letzte Chance für sie, ein gutes Dokument zu unterzeichnen“, sagte er mit Blick auf den Iran.
Trumps Darstellung zufolge drehen sich die Gespräche um die Öffnung der für den internationalen Gas- und Ölhandel zentralen Straße von Hormus.
Demnach geht es darum, die Meerenge bis diesen Dienstag vollständig zu öffnen. In einer zweiten Phase soll es seiner Darstellung nach dann um die „Denuklearisierung“ des Irans gehen – das werde länger dauern, räumte Trump ein.
Der US-Präsident hatte am Sonntag (Ortszeit) für heute neue Gespräche angekündigt. Seiner Darstellung nach sagte er den größten Angriff des US-Militärs „seit dem Zweiten Weltkrieg“ vorerst ab, um neuen Verhandlungen mit dem Iran eine Chance zu geben.
Aus dem Iran kam zunächst keine Bestätigung neuer Gespräche. „Wir verhandeln derzeit nicht mit den Vereinigten Staaten“, sagte Außenamtssprecher Esmaeil Bakaei. Gespräche führe sein Land mit dem Oman, um die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu sichern.
Bakaei bezeichnete die Verhandlungen mit dem Oman als „konstruktiv“. Sie zielten auf eine Einigung über eine neue Route durch die Meerenge ab. Solange die „US-Seeblockade“ iranischer Häfen andauere, werde sich an der Lage in der Meerenge jedoch nichts ändern, sagte der Sprecher.
Trump warf dem Iran auf seiner Plattform Truth Social daraufhin Unehrlichkeit vor.
Diplomatisches Tauziehen am Golf und erneute Todesurteile im Iran
Der Iran kontrolliert die für den weltweiten Öl- und Gastransport wichtige Wasserstraße seit Beginn des Krieges Ende Februar. Er verlangt von Schiffen, eine von ihm festgelegte Route zu nutzen, eine Genehmigung einzuholen und Gebühren zu zahlen. Die USA lehnen dies ab.
Trump hatte am Samstag erklärt, die USA und Israel würden vorläufig auf weitere Angriffe auf den Iran verzichten. Der Iran und mehrere Golfstaaten hätten ihn darum gebeten, weil es „Umrisse einer Vereinbarung“ gebe. Iranische Militärvertreter nannten aber die Darstellung, der Iran habe um einen Angriffsstopp gebeten, „nichts als eine neue Lüge“.
Noch am Freitag hatte Trump dem Iran mit neuen massiven Angriffen gedroht. Am Sonntag sagte er, der geplante Angriff wäre „der größte Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg“ gewesen. Neben dem Iran hätten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar ihn gebeten, davon abzusehen.
Die USA und der Iran hatten im Juni ein Rahmenabkommen für den Weg zu einem dauerhaften Frieden geschlossen, das jedoch scheiterte. Mitte Juli nahmen die USA ihre Angriffe wieder auf. Der iranische Abgeordnete Hassan Ghaschghawi sagte am Sonntag, Vermittler bemühten sich um eine Wiederbelebung der Vereinbarung. Hauptstreitpunkt sei die Straße von Hormus.
In der Meerenge meldete unterdessen ein Tanker am Sonntagabend eine Explosion in unmittelbarer Nähe. Das Schiff und seine Besatzung seien in Sicherheit, erklärte die britische Seefahrtbehörde UKMTO.
Im Iran wurden erneut zwei Männer wegen angeblicher Spionage für Israel hingerichtet. Omid Behsad und Pouria Safvat seien am Montagmorgen gehängt worden, teilte das offizielle Justizportal „Misan“ mit. Nach Darstellung der iranischen Justiz sollen sie dem israelischen Geheimdienst Mossad Koordinaten heikler Militär- und Sicherheitsstandorte übermittelt haben. Angaben zu ihrer Festnahme und ihrem Prozess machte das Portal nicht.
Menschenrechtsgruppen zufolge vollstreckt nur China mehr Todesurteile als der Iran. Nach Angaben von Iran Human Rights und Gemeinsam gegen die Todesstrafe wurden im vergangenen Jahr mindestens 1639 Menschen im Iran hingerichtet. Amnesty International hatte zuletzt eine „Eskalation“ der Hinrichtungen beklagt.
Hoffnung auf Iran-Gespräche treibt Dax über 26.000 Punkte
Die Hoffnung auf eine Annäherung der Kriegsparteien USA und Iran hat den Dax erstmals über die 26.000 Punkte getrieben. Der deutsche Leitindex stieg am Montagvormittag knapp über diese Marke.
Bereits kurz nach Handelsauftakt hatte der Dax das Anfang Juli erreichte Rekordhoch von 25.900,10 Punkten überschritten. Am Abend ging er mit einem Plus von 1,45 Prozent auf 26.001 Zähler aus dem Handel. Das Börsenbarometer wurde auch von Kursgewinnen der Schwergewichte SAP und Deutsche Telekom gestützt.
„Innerhalb von nur drei Wochen hat der deutsche Leitindex mehr als 1.300 Punkte gutgemacht. Den unmittelbaren Impuls liefert die geopolitische Entspannung“, sagte Birgit Henseler, Senior Analystin bei der DZ Bank. „Eine große Rolle spielt auch die Berichtssaison zum zweiten Quartal, die in den USA und in Europa bislang besser verläuft als erwartet.“
Dem Dax komme zudem seine Zusammensetzung zugute. Durch seinen Schwerpunkt unter anderem auf Industrie- und Finanzwerte sei der Index von der aktuellen Diskussion über eine mögliche KI-Blase weniger stark betroffen als reine Tech-Indizes.
Die Hoffnung auf weiterhin gute Bilanzen könnten in der neuen Woche zahlreiche Unternehmen erfüllen. Allein aus dem 40 Werte umfassenden deutschen Leitindex Dax stehen bei rund der Hälfte der Unternehmen Quartalszahlen zur Veröffentlichung an. Am Dienstag wollen Bayer, Continental, FMC und Zalando ihre Bücher öffnen.
Für Mittwoch stehen die Resultate von Fresenius, DHL Group, Siemens Energy, Vonovia, Infineon und Beiersdorf auf der Agenda. Am Donnerstag folgen Commerzbank, Deutsche Telekom, Merck KGaA und Siemens mit Informationen zu ihrer Geschäftsentwicklung. Für Freitag sind die Kennziffern von Allianz, Daimler Truck und Munich Re terminiert.
Thomas Kemmerich vom Team Freiheit am 06.01.2026 in der Epoch Times bei einer Podcastaufnahme. - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Die argentinische Regierung unter Staatspräsident Javier Milei kündigte kürzlich die Einführung einer Sperrklausel an. Demnach sollen bei einem über Monate fortbestehenden Haushaltsdefizits wesentliche Staatstätigkeiten ruhen und politische Spitzen sowie Abgeordnete kein Gehalt mehr erhalten. Ist so etwas auch für Deutschland denkbar? Darüber sprachen wir mit dem Politiker und Unternehmer Thomas L. Kemmerich.
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Thomas Kemmerich vom Team Freiheit am 06.01.2026 in der Epoch Times bei einer Podcastaufnahme. - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Die argentinische Regierung unter Staatspräsident Javier Milei kündigte kürzlich die Einführung einer Sperrklausel an. Demnach sollen bei einem über Monate fortbestehenden Haushaltsdefizits wesentliche Staatstätigkeiten ruhen und politische Spitzen sowie Abgeordnete kein Gehalt mehr erhalten. Ist so etwas auch für Deutschland denkbar? Darüber sprachen wir mit dem Politiker und Unternehmer Thomas Kemmerich.
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Ungarn stehen „fünf kritische Tage“ bevor, erklärte Ministerpräsident Peter Magyar am Montag. Das Kernkraftwerk Paks, das normalerweise etwa die Hälfte des Stroms des Landes erzeugt, lief am Montag mit etwas mehr als 10 % seiner Kapazität.
„Die Ingenieure in Paks haben die Situation voll im Griff, das für die Kühlung – für die Sicherheitskühlung – benötigte Wasser steht zur Verfügung. All…
Viele Migranten wollen nicht nach Marokko zurück. - Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta hat die Regierung in Madrid Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Warnungen des Geheimdienstes CNI vor einer Massenankunft ignoriert.
Man habe keine Geheimdienstberichte erhalten, die vor einer Migrationskrise dieses Ausmaßes gewarnt hätten, hieß es. Gleichzeitig dauern in Ceuta die Unterbringung und Rückführung verbliebener Migranten sowie die Suche nach weiteren Todesopfern an. Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid wurden bislang 72 Leichen geborgen.
Der Sprecher der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP), Miguel Tellado, sagte, es sei kaum vorstellbar, dass der CNI von der bevorstehenden „Menschenwelle“ nichts gewusst habe. Auch der Radiosender Cadena Ser berichtete von „mehrfachen Warnungen“. Regierungssprecherin Elma Saiz entgegnete: „Mit einem derart beispiellosen Ereignis hatte niemand gerechnet.“
Vor allem am Donnerstag waren Zehntausende von Marokko aus irregulär nach Ceuta gelangt – die meisten schwimmend, andere kletterten über den sechs Meter hohen Grenzzaun.
Die genaue Zahl ist weiter unklar. Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach nun von 80.000 Ankünften, nachdem er zuvor von 60.000 ausgegangen war. Madrid hält an der Schätzung von 50.000 fest. Marokko teilte mit, rund 40.000 Migranten hätten Ceuta erreichen wollen.
Tausende Migranten halten sich noch in Ceuta auf
Unterschiedliche Angaben gibt es auch zur Zahl der vor allem vor der Küste der Exklave an der Straße von Gibraltar ums Leben gekommenen Migranten. Während Madrid weiterhin von 72 Todesopfern spricht, erklären Vertreter der konservativen Regionalregierung, es gebe mindestens 88 Leichen.
Nach übereinstimmenden Behördenangaben ist der größte Teil der Migranten bereits nach Marokko zurückgekehrt. Nach Schätzung der Regionalregierung halten sich jedoch noch 3.000 bis 5.000 Menschen in Ceuta auf. Die Lage habe sich zwar beruhigt, von Normalität könne aber keine Rede sein, sagte Vivas.
Die Zentralregierung beziffert derweil die Zahl der verbliebenen Migranten auf rund 2.500 und teilt mit, die Rückführungsaktionen seien noch nicht zu Ende.
Aufnahmezentren überlastet
Besonders angespannt bleibt die Situation bei unbegleiteten Minderjährigen. Ceuta betreut seit dem Ansturm nach eigenen Angaben mindestens 862 Kinder und Jugendliche, obwohl regulär nur 29 Plätze zur Verfügung stehen. Deshalb werden zusätzliche Unterkünfte in umfunktionierten Gebäuden eingerichtet.
Auch das Aufnahmezentrum CETI für Erwachsene ist nach Angaben der Regionalregierung in Ceuta nicht erst seit dem Ansturm völlig überlastet. Es bietet Platz für rund 600 Menschen. Vor dem Gelände halten sich den Angaben zufolge etwa 1.000 weitere Migranten in provisorischen Lagern auf. (dpa/red)
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Streit um Rentenpaket
Die geplante Abschaffung der „Rente mit 63“ sorgt weiter für politischen Streit. Während DIW-Präsident Marcel Fratzscher die Abschaffung als entscheidend für die Stabilisierung der Rentenversicherung verteidigt, bringt die SPD Nachbesserungen für Härtefälle ins Spiel. Im Osten stellen sich drei CDU-Politiker gegen die Abschaffung. AfD und Linke sehen das eher als Wahlkampfmanöver.
Bezahlte Journalistenreisen nach China sorgen für eine neue Debatte über mögliche Einflussnahme des Regimes auf westliche Medien. Auslöser ist eine US-Recherche um das chinesische Netzwerk C100 in den USA. Die Organisation finanzierte Riesen, wählte die Teilnehmer aus, und bestimmte, mit welchen Personen sich die Journalisten trafen. Kritiker sprechen daher von einer möglichen Einflussnahme. Das Thema der Transparenz berührt auch deutsche Medien.
Argentiniens Präsident Javier Milei hat Ende Juli ein neues Gesetzespaket für strengeren Regeln im Staatshaushalt vorgestellt. Vorgesehen ist unter anderem das Aussetzen der Gehälter von politischen Spitzen und Abgeordneten, wenn über mehrere Monate ein Minus im Haushalt besteht. Zudem sollen nicht essentielle Ausgaben dann automatisch pausiert werden. Erst wenn der Kongress Maßnahmen zum Haushaltsausgleich beschließt, dürfte der Regelbetrieb wieder aufgenommen werden.
Heute begann der sogenannte Blitzermarathon. Daher müssen Autofahrer in dieser Woche mit vermehrten Tempokontrollen rechnen – insbesondere an Unfallschwerpunkten. Die Aktion fällt diesmal mitten in die Ferienzeit und trifft viele Urlauber. Der ADAC kritisiert den Zeitpunkt: Die Kontrollen sollten nicht den Eindruck erwecken, „in erster Linie der Einnahmeerzielung zu dienen“.
Israel setzt seine Angriffe im Gazastreifen fort – und das trotz eines von den USA unterstützten Plans zur Entwaffnung der Hamas. Palästinensische Behörden berichten von mindestens 18 Toten und Schäden an einem Krankenhaus in Deir al-Balah. Israel erklärt, Hamas-Waffenlager angegriffen zu haben. Der Friedensplan sieht einen Waffenstillstand, die Entwaffnung der Hamas und eine neue Verwaltung des Gazastreifens vor.
Die argentinische Regierung unter Staatspräsident Javier Milei kündigte kürzlich die Einführung einer Sperrklausel an. Demnach sollen bei einem über Monate fortbestehenden und nicht fristgerecht behobenen Haushaltsdefizit wesentliche Staatstätigkeiten ruhen und Präsident, Vizepräsidentin, Senatoren, Abgeordnete, Minister, Staatssekretäre und Unterstaatssekretäre kein Gehalt mehr erhalten…
Nach der Kettensäge packt Argentiniens Präsident Javier Milei nun die Fußfessel aus. - Foto: Natacha Pisarenko/AP
In Kürze:
Argentiniens Präsident Milei will strukturell defizitäre Haushalte unmöglich machen.
Staatliche Ausgaben werden so lange eingefroren, bis die Bücher wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.
Dazu zählen auch Gehälter von Amtsträgern.
In Deutschland wäre eine automatische Streichung von Diäten zur Zeit nicht möglich.
Der argentinische Präsident Javier Milei hat ein neues Gesetzespaket angekündigt. Ein Mechanismus soll dafür sorgen, dass im Falle einer zu hohen Verschuldung des Staates nicht essenzielle staatliche Ausgaben automatisch eingestellt werden.
Dazu gehört, dass die Gehälter politischer Amtsträger ausgesetzt werden. Das heißt, Politiker auf Bundesebene – vom Präsidenten und Vizepräsidenten über die Minister und Staatssekretäre bis zu sämtlichen Parlamentariern – würden keinen einzigen Peso mehr sehen. Und zwar so lange, bis sie den Haushalt wieder ausgeglichen haben.
Milei nennt das „grillete fiscal“ – oder fiskalische Fußfessel –, die Teil einer dauerhaften Fiskalregel werden soll. Das berichtet das argentinische Nachrichtenportal „parlamentario.com“.
Seit seinem Amtsantritt hat sich Milei auf die Fahnen geschrieben, die Staatsfinanzen dauerhaft zu stabilisieren und die Inflation einzudämmen.
In einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache am 30. Juli kündigte der Präsident dazu ein umfangreiches Reformpaket an.
Die „fiskalische Fußfessel“ orientiert sich grob am „Shutdown“ in den USA. In den USA tritt ein „Shutdown“ ein, wenn es keine politische Einigung zwischen Exekutive und Legislative gibt und der Kongress den Haushalt daher nicht verabschieden kann.
„Doch während in den Vereinigten Staaten der Schwerpunkt eher auf der institutionellen Ebene liegt, geht es bei Mileis Vorschlag darum, den Haushaltsüberschuss abzusichern“, erläutert ein Regierungsmitglied der Tageszeitung „La Nacion“.
„Wir wollen um jeden Preis ein Defizit verhindern, denn das ist das große Problem Argentiniens“, so die Quelle weiter. Während der Mechanismus in den Vereinigten Staaten also darauf abzielt, eine Einigung über den Haushalt zu erzwingen, verfolgt die libertäre Regierung in Argentinien eine andere Strategie.
Mit Plänen wie diesem soll der Haushaltsüberschuss durch gesetzliche Mechanismen gesichert werden. „Milei schlägt dies vor, um zu verhindern, dass künftig jemand kommt und sagt: ‚Wir drucken neues Geld‘“, so die Quelle gegenüber „La Nacion“.
Milei sieht das mangelnde Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben als eine der Hauptursachen für die wirtschaftlichen Probleme Argentiniens in den vergangenen Jahrzehnten.
Eine Verschuldung der Staatshaushalte zahle die Gesellschaft in Form von Steuererhöhungen oder Inflation, so Milei bei der Vorstellung des Entwurfs. Daher sehe er die Notwendigkeit einer Regelung, die die Ordnung der öffentlichen Finanzen vorschreibt.
„Es handelt sich um eine dauerhafte finanzpolitische Regel, die sicherstellen soll, dass Argentinien keinen Haushalt mit Defizit mehr verabschieden oder dauerhaft fortführen kann“, sagte er.
Wenn der Haushalt über mehrere Monate nicht ausgeglichen ist, wird der Staat automatisch abgeschaltet. Sobald alle Haushaltsmittel aufgebraucht sind und kein Geld mehr vorhanden ist, bleibt der Staat so lange abgeschaltet, bis eine Aufstockung des Haushalts beschlossen wird.
Es soll jedoch Ausnahmen geben. Renten, Sozialprogramme, Schuldendienstzahlungen sowie Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung sind als essenziell eingestuft und wären von einem „argentinischen Shutdown“ nicht betroffen.
Mileis Gesetzentwurf sieht zudem neue Regeln für die argentinische Zentralbank vor. So soll es strengere Grenzen für die Finanzierung staatlicher Ausgaben durch neu geschaffenes Zentralbankgeld geben, und die Unabhängigkeit der Notenbank soll zusätzlich garantiert werden.
In Deutschland ist eine automatische vorläufige Streichung oder Aussetzung von Politikergehältern bei Haushaltsdefiziten rechtlich nicht vorgesehen. Abgeordnete haben gemäß Artikel 48 Absatz 3 des Grundgesetzes „Anspruch auf eine angemessene, ihre Unabhängigkeit sichernde Entschädigung“.
Zudem wurde die vom Grundgesetz vorgesehene Schuldenbremse wiederholt durch sogenannte „Sondervermögen“, Notlagenbeschlüsse und kreditfinanzierte Nebenhaushalte umgangen.
Die Hamas.(Archivbild) - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa
Der von US-Präsident Donald Trump als „Meilenstein“ gelobte Plan zur Entwaffnung der Hamas ist in Israel auf Ablehnung gestoßen. „Die veröffentlichte Version spiegelt die israelischen Positionen nicht wider“, sagte der Sprecher des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Doron Spielman, am Montag der Nachrichtenagentur AFP.
Aus politischen Kreisen hieß es zudem, Israel werde seine Truppen nicht zurückziehen. Die israelische Armee setzte ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen derweil fort.
Trump hatte Ende vergangener Woche eine Einigung mit der Hamas verkündet und von einem „wichtigen Meilenstein“ gesprochen. Seiner Darstellung nach sollte die radikalislamische Palästinenserorganisation schrittweise ihre Waffen abgeben, anschließend sollten sich die israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen zurückziehen. Eine internationale Stabilisierungstruppe und eine neue palästinensische Polizei sollten die Verantwortung übernehmen.
Trump verkündete zunächst, Israel sei „sehr glücklich“ mit der Vereinbarung. Dem widersprach Netanjahus Bürosprecher nun. Israel habe der US-Seite „seine Anmerkungen und Bedenken zu dem vorgeschlagenen Rahmen übermittelt“, sagte Spielman. Ihm zufolge gehen die Pläne zur Entwaffnung aus israelischer Sicht nicht weit genug.
Israelische Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass sich die Hamas Waffen beschaffe und „weitere Massaker nach dem Vorbild des 7. Oktober“ vorbereite, sagte Spielman.
Trumps Pläne stünden deshalb „im direkten Gegensatz zur Realität und zu den von der Hamas geäußerten Absichten“, fügte er hinzu. „Der unverzichtbare erste Schritt für jegliche dauerhafte Vereinbarung muss die tatsächliche, überprüfbare und unwiderrufliche Entwaffnung der Hamas sein.“ Alles andere erlaube es der Hamas, „Israel erneut zu bedrohen“.
Das Vorgehen im Gazastreifen ist nicht der einzige Grund für Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und Netanjahu. Israel sieht auch Trumps Bemühungen um Verhandlungen für ein Ende des Krieges gegen den Iran skeptisch, den die beiden Länder am 28. Februar angegriffen hatten.
Beide Seiten demonstrierten bei einem Treffen im Juli im Weißen Haus Einigkeit, nachdem sich die Beziehungen deutlich abgekühlt hatten.
Israels Präsident Isaac Herzog, der ein überwiegend repräsentatives Amt innehat, schlug am Montag versöhnlichere Töne an. Trumps Bemühungen zeigten „eine gewisse Aussicht auf Hoffnung“.
Die Vereinbarung mit der Hamas bezeichnete er vor ausländischen Botschaftern in Israel als „sehr positiven Schritt mit der klaren Warnung und Absicht, dass die Hamas entwaffnet werden muss“.
Im Gazastreifen wurden nach Angaben eines örtlichen Sicherheitsbeamten seit dem frühen Sonntagmorgen 19 Menschen bei israelischen Angriffen getötet, unter ihnen Frauen und Kinder.
Die von der Hamas geführten Behörden erklärten zudem, Israel habe bei Angriffen am Samstag eine große Menge medizinisches Material zerstört. Die israelische Armee teilte ihrerseits mit, bei den Angriffen am Samstag seien zwei Menschen getötet worden, die Angriffe auf israelische Zivilisten und Truppen geplant hätten.
Eigentlich gilt seit dem vergangenen Oktober eine Waffenruhe. Die israelische Armee greift aber weiter nahezu täglich Ziele im Gazastreifen an und kontrolliert rund 60 Prozent des Küstengebiets.
Nach Hamas-Angaben wurden allein seit Beginn der Waffenruhe mehr als 1200 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet.
Die Hamas und ihre Verbündeten hatten den Gazakrieg mit ihrem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst. Bei dem Angriff wurden mehr als 1200 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Israel reagierte mit massiven Attacken auf den Gazastreifen, bei denen nach Hamas-Angaben seither mehr als 70.000 Menschen getötet wurden.(afp/red)
Manche Kinder haben ihren ersten Account in sozialen Medien schon mit zehn oder elf Jahren. (Archivbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
Bitten Kinder ihre Eltern um ein eigenes Smartphone, bekommen sie oft zu hören: Wer schon in jungen Jahren ständig TikToks schaut und durch Instagram scrollt, macht zu wenig für die Schule. Eine neue Studie aus Italien kommt zu dem Schluss, dass sie damit recht haben könnten.
Die Forschenden um Marco Gui von der University of Milano-Bicocca in Milan befragten dafür mehr als 5.000 Schülerinnen und Schüler, in welchem Alter sie ihr erstes Social-Media-Konto einrichteten: vor der neunten Klasse oder erst danach.
Dann analysierten sie, wie die Schülerinnen und Schüler in späteren Leistungstests abschnitten, und zwar in Mathematik, der Muttersprache Italienisch sowie Englisch.
Schlechtere Tests, häufigeres Sitzenbleiben
Das Ergebnis der im Fachblatt „Nature Human Behaviour“ veröffentlichten Studie: Diejenigen, die bereits in der sechsten, siebten oder achten Klasse ein Social-Media-Konto hatten, schnitten in den Tests im Schnitt schlechter ab als diejenigen, die mindestens bis zur neunten Klasse mit einem Konto warteten, also dann meist mindestens 14 oder 15 Jahre alt waren. Auch wiederholten die frühen Nutzer und Nutzerinnen von Tiktok, Instagram, Facebook usw. häufiger eine Klasse.
Nur in Englisch waren die Teenager, die schon früh einen Account in sozialen Medien hatten, genauso gut. Die Autoren der Studie stellen die Hypothese auf, dass dies mit der „allgegenwärtigen Präsenz englischsprachiger Inhalte auf Social-Media-Plattformen“ zusammenhängen könne. Das helfe den Schülerinnen und Schülern möglicherweise, informell Englisch zu lernen.
Mögliche Gründe: Ablenkung, weniger Zeit, Überlastung
Die Autorinnen und Autoren erklären, ihre Studie zeige, dass es wohl wirklich einen ursächlichen Zusammenhang zwischen sozialen Medien und Lernleistungen gebe. Denn das Team habe für die Studie zum Beispiel das Bildungsniveau der Eltern und den sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund der Familien berücksichtigt.
Die möglichen Gründe für die beobachteten Effekte wurden in der Studie nicht untersucht. Vorherige Forschung verweise aber auf die häufige Ablenkung durch soziale Medien, die das Lernen stört.
Das Team schreibt weiter, zukünftig könne auch geschaut werden, ob es ein Zeitproblem sei: Wer gerade in sozialen Medien abhänge, könne nicht für die Schule lernen. Außerdem könne auf kognitive Überlastung geschaut werden, also ob das Arbeitsgedächtnis des Gehirns die Fülle an Informationen gar nicht aufnehmen könne.
Verbote schon angekündigt
Ob Jugendliche erst ab einem bestimmten Alter auf Social Media zugreifen dürfen, wird derzeit weltweit diskutiert. Als erstes Land in der Europäischen Union wird Frankreich ein Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren einführen.
Es soll nach den Sommerferien gelten. Auch Deutschland, Spanien, Griechenland und Österreich wollen ein Social-Media-Verbot für Minderjährige bis zu einem bestimmten Alter gesetzlich festlegen.
In den politischen Debatten geht es vor allem um Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und das Suchtpotenzial. Doch auch die Konzentrationsfähigkeit, die Schlafqualität, die Lebenszufriedenheit und auch schulische Leistungen können wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge vermutlich darunter leiden.
Andere Forscher loben die Studie
Die aktuelle Studie sei geschickt gemacht, gelungen und die Ergebnisse fügten sich in die bisherige Forschung ein, meint Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. „Wieder einmal wurde gezeigt, dass eine frühe Social-Media-Nutzung zu negativen Effekten bei den Lernleistungen führen kann.“
Die Leistungsunterschiede bei Tests in der achten oder zehnten Klasse zwischen denjenigen Jugendlichen, die einen Account in der sechsten Klasse erstellten und denjenigen, die einen Account ab der neunten Klasse erstellten, betrugen ein halbes Schuljahr. Das hält Zierer für dramatisch. Er ist der Meinung, dass die Ergebnisse auch auf andere westliche Länder wie Deutschland übertragbar sind.
Christian Montag, Außerordentlicher Professor für Kognitions- und Neurowissenschaften an der Universität Macau SAR in China, denkt, dass vor allen Dingen die ständigen Unterbrechungen durch aufploppende Social-Media-Benachrichtigungen auf dem Smartphone die Effekte erklären. „Dadurch werden die Zeitspannen möglicher Konzentration kürzer.“
Forscherin fordert Schulung der jungen Menschen
María Paz Prendes Espinosa, Professorin für Bildungstechnologie an der University of Murcia in Spanien, ist sich nicht so sicher, dass die Studie wirklich so einfache Zusammenhänge zwischen Social-Media-Eintrittsalter und Schulleistung liefert. Dennoch zeige die Untersuchung, dass digitale Medien zum Alltag der Kinder gehören.
„Angesichts dieser Situation wird ein Verbot der Nutzung von Technologie die damit verbundenen Probleme nicht lösen“, meint sie. „Im Gegenteil: Wir müssen eine Bildung fördern, die auf den realen Kontext, in dem wir leben, zugeschnitten ist; wir müssen die Menschen schulen und dazu anleiten, den Umgang mit Technologie zu beherrschen.“ (dpa/red)
Straßenkünstler am Eröffnungstag des „Fleadh Cheoil na hÉireann 2026“ in der Nähe des Belfaster Rathauses am 2. August 2026 in Belfast, Nordirland an einer Bushaltestelle. - Foto: Charles McQuillan/Getty Images
In Kürze
KI-generierte Musik wächst rasant und erreicht Streamingplattformen in großer Menge.
Viele Hörer erkennen den Unterschied zwischen KI- und Menschenmusik kaum.
Branchenexperten fordern Kennzeichnung, Schutz von Künstlern und mehr Wertschätzung für echte Musik.
Timothy Trudeau, Geschäftsführer von Syntax Creative, kann sich noch gut daran erinnern: Als die ersten Drumcomputer in der Musik eingesetzt wurden, zogen viele Menschen eine klare Grenze. „Als das auf den Markt kam, hatten die Leute ein riesiges Problem damit“, sagte Trudeau der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Er ist seit fast 30 Jahren in der Musikbranche tätig und kennt die verschiedenen Seiten des Geschäfts. Sein Unternehmen vertritt 150 Plattenlabels und 90.000 Songs.
„Ich erinnere mich, dass die Leute früher sagten, Drumcomputer seien der Teufel. Doch in den 1990er Jahren wurden sie in vielen erfolgreichen Musikproduktionen eingesetzt, obwohl sie damals umstritten waren. Dasselbe galt für Synthesizer“, sagte Trudeau.
KI könnte die gesamte Musikindustrie auf den Kopf stellen
Doch im Gegensatz zu Drumcomputern könnte Künstliche Intelligenz die gesamte Musikindustrie grundlegend verändern, sagen Brancheninsider. Sie markiert einen tiefgreifenden Wandel darin, wie musikalische Inhalte entstehen, konsumiert und vermarktet werden.
KI-generierte Inhalte überschwemmen täglich die Streaming-Dienste, so Trudeau. Dabei waren die Produktionskosten bereits vor dem Aufkommen generativer KI deutlich gesunken. Heute genügt eine einfache Texteingabe – und innerhalb kurzer Zeit entsteht ein kompletter Song.
Branchenexperten sehen die größte Herausforderung daher nicht mehr in der Erstellung von Musik, sondern darin, sicherzustellen, dass menschliche Musiker weiterhin Aufmerksamkeit erhalten und geschützt werden.
„Die Kosten für die Veröffentlichung digitaler Inhalte sind mittlerweile so niedrig, dass Menschen einfach alles hochladen, was sie haben“, sagte Trudeau.
Eine von Human Artistry gesponserte Werbung. Sie protestiert gegen das Start-up Suno während seiner Jahreshauptversammlung am 3. Juni 2026 in Santa Monica, Kalifornien. Suno entwickelt KI-Software zur Erzeugung von Musik aus Texteingaben.
Foto: Anna Webber/Getty Images für die Human Artistry Campaign
KI-generierte Musik hat sich innerhalb weniger Jahre von einem Nischenphänomen zu einem festen Bestandteil der Musiklandschaft entwickelt. Die Streaming-Plattform Deezer schätzte in diesem Jahr, dass 44 Prozent der täglich neu hochgeladenen Titel – rund 75.000 Songs – mithilfe von KI erstellt werden.
„Von KI generierte Musik ist längst kein Randphänomen mehr“, schreibt Deezer-CEO Alexis Lanternier in einer Pressemitteilung.
„Da die Zahl der täglichen Uploads weiter steigt, hoffen wir, dass sich das gesamte Musik-Ökosystem anschließt, um die Rechte von Künstlern zu schützen und mehr Transparenz für Hörer zu schaffen.“
Fast keiner erkennt, ob die Musik KI-generiert ist
Für Hörer bedeutet die Flut digitaler Inhalte eine scheinbar grenzenlose Auswahl. Menschliche Künstler stehen dadurch vor der Herausforderung, sich in der Masse abzuheben – obwohl Musik zu komponieren und zu produzieren so einfach geworden ist wie nie zuvor.
Doch sich in dieser neuen Flut von Musik hervorzuheben, könnte schwieriger sein, als viele denken. Die meisten Hörer können kaum unterscheiden, ob ein Song von einer KI oder von Menschen geschaffen wurde.
Eine Studie von Deezer und Ipsos aus dem Jahr 2025 mit 9.000 Teilnehmern in acht Ländern zeigt: 97 Prozent der Befragten konnten nicht erkennen, ob ein Lied vollständig durch KI erzeugt wurde. 52 Prozent gaben an, sich unwohl zu fühlen, weil sie den Unterschied nicht feststellen konnten.
Bei einer „Headphone-Disco“-auf dem Kennedyplatz in Essen am 9. Juli 2021. Der Platz wurde in 40 Bereiche unterteilt, in denen jeweils bis zu zehn Personen unter Corona-Bedingungen tanzen und feiern konnten. Alle hörten über ihre Kopfhörer die Musik des DJs.
Foto: Ina Fassbender/AFP via Getty Images
„Die Hörer hatten bereits mit dem Einfluss großer Plattenlabels zu kämpfen, die kommerziell erfolgreiche Künstler gegenüber unabhängigen Musikern bevorzugten“, sagte Chad Gerber der Epoch Times.
„Nun überschwemmt eine enorme Flut von KI-Uploads die Streaming-Plattformen. Dadurch wird es für Menschen noch schwieriger, die Musik zu entdecken, die sie tatsächlich hören möchten, statt der Inhalte, die ihnen durch Algorithmen vorgegeben werden.“
Musiker Chad Gerber, der mit Gold- und Platin-Auszeichnungen geehrt wurde, ist der kreative Kopf hinter den Technologieunternehmen ShadowGen und Meloscene. Seiner Einschätzung nach konkurrieren heute im Wesentlichen drei Gruppen um die Aufmerksamkeit des Publikums: etablierte Künstler mit Plattenverträgen, KI-generierte Musik und unabhängige Musiker.
Aus wirtschaftlicher Sicht könnte KI-Musik für digitale Musikdienste „zunehmend attraktiv“ werden, warnte Gerber. Unabhängige Künstler, die bereits mit etablierten Musikern konkurrieren, könnten durch die zusätzliche Konkurrenz von KI-Inhalten zum am stärksten „übersehenen Teil des KI-Musikbooms“ werden.
Digitale Musikdienste reagieren unterschiedlich auf die Debatte um KI-generierte Inhalte. Der Streaming-Anbieter Spotify hat Maßnahmen zum Schutz menschlicher Künstler eingeführt, darunter die Bekämpfung von Identitätsbetrug, die Filterung von Spam sowie KI-Kennzeichnungen nach branchenüblichen Urheberangaben. Auch große Plattformen wie Deezer verlangen eine Kennzeichnung von KI-Inhalten und setzen Erkennungstechnologien ein.
In der Deezer-Ipsos-Umfrage sprachen sich 80 Prozent der Teilnehmer dafür aus, dass vollständig durch KI erzeugte Musik klar als solche gekennzeichnet wird.
Die Spotify-Musik-App auf einem Smartphone.
Foto: Wachiwit/iStock
Doch die Erkennung von KI-Einsatz und der Schutz von Künstlern sind nur ein Teil der Debatte. Einige Experten warnen, dass Musik durch die zunehmende Flut an Inhalten künftig immer ähnlicher klingen könnte.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass KI-Modelle derzeit mit Musik trainiert werden, die zu niedrigen Lizenzkosten verfügbar ist. Das wird zu einer gewissen Verwässerung des Songwritings führen“, sagte Michael D’Oliveiro, Autor von „The Streaming Media Guide“.
Das Ergebnis dieses Trainings könne im schlimmsten Fall eine Verarmung der Inhalte und im besten Fall eine zunehmende Vereinheitlichung der Musik sein, erklärte D’Oliveiro der Epoch Times.
„Die Hörer könnten sich irgendwann von solchen Inhalten abwenden und nach authentischeren Erlebnissen suchen.“
D’Oliveiro, der seit fast zwei Jahrzehnten im Streaming-Bereich tätig ist, kennt die Auswirkungen digitaler Entwicklungen auf die Branche. Er spricht sich dafür aus, KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen und Hörern eine Möglichkeit zum Opt-out zu geben.
„Menschen haben weiterhin starke Vorbehalte gegenüber KI, und die Debatte hat noch zu keinem Konsens geführt. KI-Kennzeichnungen sollten ähnlich betrachtet werden wie Hinweise auf explizite Liedtexte“, sagte D’Oliveiro.
Wie komponiert eine KI?
Die Sorge, dass KI die Musik verwässern könnte, ist nicht neu. Kritiker sehen darin eine mögliche Folge der Funktionsweise von KI-Modellen, da diese mit bereits vorhandener Musik trainiert werden und dadurch häufig bekannte Muster reproduzieren.
„KI kombiniert im Grunde Muster neu, die sie aus bestehender Musik gelernt hat“, sagte Gerber. „Ob Verbraucher daran letztlich Anstoß nehmen, ist eine andere Frage. Ich glaube jedoch, dass weiterhin ein Unterschied besteht zwischen echter Originalität und der bloßen Erzeugung von Variationen bereits vorhandener Werke.“
Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass viele Hörer dieser Entwicklung skeptisch gegenüberstehen. Eine im Januar veröffentlichte Studie von Luminate stellte ein wachsendes „Unbehagen“ gegenüber Musik fest, die ganz oder teilweise durch KI erzeugt wurde.
29 Prozent der Befragten gaben an, deutlich weniger Interesse an KI-generierter Musik zu haben. 35 Prozent erklärten, sie fühlten sich sehr unwohl bei einem KI-Song, der im Stil oder Klang eines menschlichen Künstlers erstellt wurde.
Mit KI kann ohne viel Aufwand jeder Musik erzeugen, wie hier mit Suno. Der Auftrag an die KI lautet: „Schreibe einen Song über einen vereisten Bürgersteig in Boston“ im Blues-Stil.
Foto: Screenshot durch Epoch Times, 03.08.2026
Tantiemenverbot für KI – Fehlanreize für Kreativität
Nathan Green, CEO von New Level Radio, warnt davor, dass auch die Einnahmen menschlicher Künstler durch den KI-Boom unter Druck geraten könnten. Die Entwicklung könne kreative Arbeit entmutigen und die wirtschaftlichen Grundlagen für Musiker schwächen.
„Die schiere Menge maschinell erzeugter Titel droht, die bestehenden Tantiemenpools zu verwässern und die Auszahlungen an menschliche Musiker drastisch zu verringern“, sagte Green der Epoch Times.
„Dadurch entsteht eine algorithmische Kontrollinstanz, bei der sich Kreative mit der effektivsten KI-Optimierung hervorheben, während unentdeckte menschliche Künstler darum kämpfen, den digitalen Lärm zu durchbrechen.“
Beim branchenüblichen Pro-rata-Modell werden sämtliche Streaming-Einnahmen gesammelt und anschließend nach dem Anteil eines Künstlers an den Gesamtstreams verteilt. Durch die wachsende Zahl KI-generierter Titel müssen sich menschliche Urheber denselben begrenzten Einnahmentopf mit Millionen künstlich erzeugter Songs teilen.
Einige Streamingdienste wie Tidal haben inzwischen Maßnahmen gegen rein KI-generierte Musik ergriffen und schließen solche Titel von Tantiemenzahlungen aus, um menschliche Künstler zu schützen. „Wir stehen erst am Anfang des Zeitalters der KI-generierten Musik“, schrieb Tidal in einer Pressemitteilung vom Juni.
Darin erklärte das Unternehmen, die Priorität liege darauf, „sicherzustellen, dass Tantiemen an Originalwerke gehen, die direkt von Menschen produziert, geschrieben und aufgeführt wurden“.
Heute übernimmt eine Musik-KI-App auch das Abmischen der Musik.
Foto: slkoceva/iStock
Da vollständig KI-generierte Musik nach geltendem Urheberrecht nicht als eigenständige menschliche Schöpfung geschützt werden kann, haben sich einige Branchenvertreter wie Trudeau dazu entschieden, ausschließlich mit „echten menschlichen Künstlern, die echte Musik geschrieben haben“, zusammenzuarbeiten.
Während Produzenten und Streaming-Dienste versuchen, Künstler und deren Einnahmen zu schützen, spürt Chad Gerber die Auswirkungen der Entwicklung bereits persönlich.
„Ich habe Aufträge verloren, weil Produzenten und Labels inzwischen Zeit und Geld sparen, indem sie einfach die KI anweisen, ihnen kostenlos das zu liefern, was sie benötigen“, sagte Gerber.
Ein Silberstreif am Horizont
Dennoch sind sich die für diesen Artikel befragten Branchenexperten einig, dass es für etablierte und aufstrebende Musiker weiterhin Hoffnung gibt. Sie gehen davon aus, dass von Menschen geschaffene und gespielte Musik künftig an Wert gewinnen könnte.
„Tatsache ist, dass die Entstehung großartiger Musik menschliche Interaktion, kreative Kontrolle, technische Bearbeitung und eine präzise Abstimmung des Klangs erfordert“, sagte Nathan Green.
„Reinen KI-Stücken fehlen häufig menschliche Dynamik, emotionale Aussagekraft und strukturelle Tiefe.“
Michael D’Oliveiro betonte, dass „die künstlerische Verarbeitung von Erfahrungen den Menschen einzigartig macht – nicht nur unter den Lebewesen, sondern auch unter allem auf diesem Planeten, das zu sinnvollem Schaffen fähig ist“.
Timothy Trudeau ist der Ansicht, dass neben menschlicher Urheberschaft auch Live-Auftritte an Bedeutung gewinnen werden: „Der Vorteil echter Künstler liegt darin, Live-Konzerte zu geben. Das kann man weiterhin nicht nachbilden.“
Auch Chad Gerber teilt diese Einschätzung. „Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte war Musik vor allem ein Live-Erlebnis“, sagte er. „Aufgenommene Musik ist eine vergleichsweise junge Entwicklung. KI könnte letztlich dazu führen, dass ein Teil der Branche wieder stärker auf Erlebnisse setzt, die Algorithmen nicht reproduzieren können.“
„Die Vorsteher der Tuchmacherzunft“ (1662) von Rembrandt van Rijn. - Foto: gemeinfrei
In den unruhigen Jahrhunderten nach dem Untergang des Römischen Reiches war die Wirtschaft in Europa vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Doch ab dem 11. Jahrhundert erlebten Städte, Handel und Gewerbe einen kräftigen Aufschwung – und mit ihnen die Zünfte und Gilden, die bis ins 16. Jahrhundert hinein ihre Blütezeit hatten. Diese Arbeiterverbände sicherten sich einen zentralen Platz im wirtschaftlichen, politischen, religiösen und gesellschaftlichen Leben des Mittelalters. Sie schafften es zumindest für eine gewisse Zeit, Stabilität und Qualität in den frühen Formen der Industrie aufrechtzuerhalten.
„Zünfte hatten einen wesentlichen Zweck: den Schutz vor Wettbewerb“, schrieb Paul Murray Kendall in dem Aufsatz „The Age of Chivalry and The Renaissance“. Detaillierte und streng durchgesetzte Vorschriften legten Arbeitszeiten, Preise, Qualitätsstandards sowie die Anzahl der Lehrlinge und Gesellen fest, die ein Meister beschäftigen durfte. Durch die Aufrechterhaltung von Qualitätsstandards, Lohnsätzen und Arbeitsvorschriften sowie durch die Einschränkung des Wettbewerbs sorgten die Zünfte für Stabilität und Gerechtigkeit in den diversen Wirtschaftszweigen. Henri Pirenne schrieb dazu in „Economic and Social History of Medieval Europe“: „Das Ideal waren stabile Verhältnisse in einer stabilen Wirtschaft.“
Es gab zwei Hauptarten mittelalterlicher Zünfte beziehungsweise Gilden: Kaufmannsgilden und Handwerkszünfte. Die Kaufmannsgilden entstanden zuerst. Gegen Ende des sogenannten dunklen Zeitalters schlossen sich umherziehende Händler zusammen, um sich gegenseitig Schutz zu bieten und ihre Interessen gemeinsam zu vertreten. Aus diesen zunächst lockeren Vereinigungen entwickelten sich nach und nach rechtlich anerkannte Körperschaften, die den Handel in ihrer jeweiligen Stadt regelten und überwachten. Aus den reisenden Händlern wurden schließlich wohlhabende Kaufleute, die ihre Waren durch Beauftragte vertreiben ließen, während sie selbst in den aufstrebenden Städten zunehmend wirtschaftlichen Einfluss und politische Macht gewannen.
Kontrolle, Qualität und Schutz vor Konkurrenz
Wie in der Ausgabe der „Catholic Encyclopedia“ von 1913 erläutert wird, ließen die Kaufmannsgilden das Recht auf den Kauf und Verkauf von Lebensmitteln offen, regulierten jedoch den Handel mit praktisch allen anderen Waren. Die Gilden schränkten den Handel mit den Waren ein, auf die sie sich spezialisiert hatten, und verhängten Geldstrafen gegen diejenigen, die beim Handel ohne Mitgliedschaft in der örtlichen Gilde erwischt wurden.
Gegen Ende des 11. Jahrhunderts begannen sich Zünfte von Handwerkern und Kunsthandwerkern zu bilden, die sich an den Kaufmannsgilden orientierten. Diese Berufsverbände entstanden unter dem Einfluss zweier gleichzeitig wirkender Faktoren: Einerseits wollten die Stadtverwaltungen das Handwerk in ihren Gebieten regulieren, andererseits suchten die Handwerker den Zusammenhalt, um sich gegenseitig zu unterstützen, wohltätige Aufgaben zu übernehmen und sich gegen die Konkurrenz neuer Marktteilnehmer zu behaupten.
„Die dringende Notwendigkeit, zusammenzuhalten, um dem Wettbewerb durch Neuankömmlinge standzuhalten, muss sich von Beginn des industriellen Zeitalters an bemerkbar gemacht haben“, schrieb Pirenne. Somit „lässt sich der Ursprung der Zünfte auf das Wirken zweier Faktoren zurückführen: staatliche Autorität und freiwilliger Zusammenschluss“.
Die Handwerkszünfte behielten die Ausübung ihres jeweiligen Handwerks ihren Mitgliedern und ausschließlich diesen vor. Die Zünfte wollten die Handwerker nicht nur vor äußerer Konkurrenz schützen, sondern auch vor Wettbewerb untereinander. Sie regelten, welche Arbeiten Handwerker ausführen durften und welche Qualitäts- und Preisvorgaben dabei einzuhalten waren.
Wie Pirenne hervorhob, „behielt sich die Zunft den städtischen Markt ausschließlich für lokale Handwerker vor, schloss ihn für ausländische Produkte aus und sorgte gleichzeitig dafür, dass kein Mitglied des Berufsstands auf Kosten der anderen reich wurde“. Somit stellte die strenge Regulierung der Arbeit der Handwerker nicht nur die Qualität der Produkte sicher, sondern bewahrte auch eine relative Gleichheit unter allen Mitgliedern des Berufsstands.
Diese Vorschriften wurden durch unangekündigte Besuche städtischer Aufseher sowie durch die ständige Beobachtung durch die Öffentlichkeit durchgesetzt: Die Zunftmitglieder waren verpflichtet, an ihrem Fenster zu arbeiten, sodass man sie dabei beobachten konnte. Bei Betrug oder Nachlässigkeit drohten strenge Strafen. Die Zünfte unterhielten eigene Gerichtssysteme, um Zunftmitglieder, die des Betrugs, der mangelhaften Ausführung, des unlauteren Wettbewerbs oder anderer Verstöße für schuldig befunden wurden, zu verurteilen und sie gegebenenfalls mit Geldstrafen zu belegen.
Heimat des Handwerks
Für nahezu jeden mittelalterlichen Handwerksberuf – Färber, Glasbläser, Goldschmiede, Pflasterer, Tischler, Kistenbauer, Sattler und Schneider – gab es eine entsprechende Zunft. Sie alle hatten ihre eigene Zunft.
Ein Färber, 1433.
Foto: gemeinfrei | Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, Band 1. Nürnberg 1426–1549. Stadtbibliothek Nürnberg
Diese Zünfte prägten die Identität der Arbeiter nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene. Oft verfügten sie über Zunfthäuser, in denen Bankette, Veranstaltungen und Versammlungen stattfanden. Die Zünfte wählten zudem Schutzheilige aus und verfügten unter Umständen sogar über eine eigene Kapelle für ihre Andachten. An religiösen Festtagen zogen die Zünfte gemeinsam in Prozessionen unter ihrem jeweiligen Banner oder Wappen.
Darüber hinaus erfüllten Zünfte wichtige soziale und karitative Aufgaben und bildeten eine Art Sicherheitsnetz für Bedürftige. Sie kümmerten sich um Kranke und Waisen und boten ihren Mitgliedern eine für die damalige Zeit bemerkenswerte soziale Absicherung. Im Krankheitsfall konnten sie mit Unterstützung rechnen, Witwen erhielten Versorgung und häufig wurden sogar die Bestattungskosten von der Zunft übernommen. Die Zünfte bemühten sich zudem darum, dass solche Unterstützungsleistungen gar nicht erst erforderlich wurden. So engagierten sich die Bergwerkszünfte beispielsweise für sichere und menschenwürdige Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder.
Einige Zünfte und Gilden übten auch politische Macht aus, insbesondere die Kaufmannsgilden. Manche Zünfte und Gilden waren selbstverwaltet und besetzten häufig wichtige Positionen in der Kommunalverwaltung mit ihren Mitgliedern, um die Interessen ihrer Branchen zu vertreten. Die Politik der Zünfte und Gilden selbst wurde von einer Handvoll Amtsträgern und einem Rat von Beratern bestimmt.
Aufstieg, Erstarrung und Niedergang
Im Zunftwesen kam es selten vor, dass ein einzelner Handwerker seine Kollegen in Bezug auf Reichtum oder Status in erheblicher Weise übertraf. Wie Pirenne es formulierte, verschaffte das Zunftwesen „den Arbeitern eine sichere Stellung und hinderte sie daran, darüber hinaus aufzusteigen“. Das Kapital eines Handwerkers bestand aus seinem eigenen Haus, seiner Werkstatt und seinen Werkzeugen. Hinsichtlich der Anzahl der Mitarbeiter, die er einstellen durfte, und der Größe des Betriebs, den er aufbauen konnte, gab es strenge Begrenzungen.
Dennoch bot das Zunftwesen Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg. Wer ein Handwerk erlernen wollte, trat in der Regel bereits als Jugendlicher, manchmal sogar als Kind, als Lehrling in die Werkstatt eines Meisters ein. Unter dessen Anleitung arbeitete er dann in seinem Gewerbe. Die Meister besaßen ihre eigene Werkstatt, verfügten über Werkzeuge und Materialien und galten als erfahrene, hoch angesehene Handwerker. Als selbstständige Unternehmer gehörten sie zum exklusiven Kreis der Zunftmitglieder und genossen sowohl fachliches Ansehen als auch gesellschaftliches Prestige. In ihrer Werkstatt arbeiteten in der Regel ein oder zwei Lehrlinge sowie ein Geselle.
Ein mittelalterlicher Bäcker mit seinem Lehrling. The Bodleian Library, Oxford, England.
Foto: gemeinfrei
Die Gesellen – bezahlte Arbeiter, die ihre Lehre abgeschlossen hatten, aber noch nicht den Meistertitel erlangt hatten – standen zwischen Lehrlingen und Meistern. Um diese Stufe zu erreichen, mussten sie ihre Kompetenz unter Beweis stellen, indem sie ein Werkstück anfertigten, das von den anderen Zunftmitgliedern geprüft und genehmigt wurde. Dieses Werkstück wurde als „Meisterstück“ bezeichnet und ermöglichte es einem angehenden Handwerker, vom Gesellen zum Meister aufzusteigen und eine eigene Werkstatt zu eröffnen.
Die „Encyclopedia Britannica“ stellte fest: „In ihrer Blütezeit vom 12. bis zum 15. Jahrhundert sorgten die mittelalterlichen Kaufmannsgilden und Handwerkszünfte in ihren Städten und Gemeinden für eine gute Verwaltung und eine stabile wirtschaftliche Grundlage. Sie unterstützten wohltätige Einrichtungen und bauten Schulen, Straßen und Kirchen.“
Gleichzeitig neigte das Zunftwesen dazu, technischen Neuerungen entgegenzustehen, da diese zu Ungleichheiten unter den Handwerkern führen konnten. Im Laufe der Zeit legten die Meister zudem immer höhere Hürden für den Aufstieg innerhalb der Zunft fest – vom Lehrling zum Gesellen und vom Gesellen zum Meister. Das System erstarrte zunehmend, wurde immer weniger praktikabel und immer ungerechter. Im Laufe der Jahrhunderte verlor es an Einfluss und Bedeutung. Als die Zünfte während und nach der Aufklärung offiziell abgeschafft wurden, besaßen sie längst nicht mehr die Macht und das Gewicht früherer Zeiten.
Alte Ordnung mit modernen Fragen
Trotz ihrer Mängel sind Zünfte ein interessantes historisches Beispiel für eine wirtschaftliche Einheit, die im besten Fall sowohl den Interessen der Produzenten als auch denen der Verbraucher dienen konnte. Sie dämpften die verheerenden Auswirkungen eines ungebremsten industriellen oder technologischen Wachstums, das oft mit der Ausbeutung von Arbeitern einherging, und wahrten gleichzeitig die Freiheit von Arbeitern und Unternehmern, ihre Situation zumindest bis zu einem gewissen Grad voranzubringen und zu verbessern. Durch ihre religiösen und sozialen Dimensionen erhielten die Arbeiter zudem eine Identität und ein Gemeinschaftsgefühl. In Zeiten der Not wurden ihre Bedürfnisse gedeckt, ohne dass sie auf Almosen angewiesen waren.
In der späteren Debatte zwischen Kapitalismus und Sozialismus nahmen die Zünfte eine interessante Zwischenposition ein. Durch das Zunftsystem wurde verhindert, dass einzelne Unternehmen so viel Macht und Reichtum erlangten, dass sie andere aus dem Geschäft drängten oder eine Vielzahl von Arbeitnehmern unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen ausbeuteten.
In einem Zunftsystem könnte es nie zu einer Situation kommen, in der Unternehmen so mächtig sind wie Regierungen, wie wir es derzeit bei den „Big Tech“-Unternehmen beobachten. Gleichzeitig übergaben die Zünfte die Produktionsmittel weder an den Staat noch an die Gemeinschaft. Die einzelnen Arbeiter behielten das Eigentum an ihren Betrieben und ein gewisses Maß an Freiheit, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Sie waren nicht vom Staat abhängig und, obwohl die Zunft den Arbeitern viel abverlangte, nicht von ihr versklavt. Sie gab ihnen ebenso viel, wie sie von ihnen verlangte.