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Waffenruhe gilt: Hilfsaktion für Frontstadt in Ukraine läuft

In der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky ist eine örtlich begrenzte Waffenruhe in Kraft getreten, die einen humanitären Einsatz ermöglichen soll. Sowohl Moskau als auch Kiew bekannten sich am Dienstag zu der von US-First-Lady Melania Trump vermittelten Feuerpause.
Die russischen Streitkräfte hätten am Dienstag „in der Region Oleschky im Gebiet Cherson ab 04:00 Uhr Moskauer Zeit“ (03.00 Uhr Ortszeit, 02.00 Uhr MEZ) das Feuer eingestellt, teilte das russische Verteidigungsministerium im Onlinedienst Telegram mit. Dies geschehe „im Rahmen der Vorbereitungen für einen humanitären Einsatz“.

Kiew bestätigt Einhaltung der Vereinbarung

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez erklärte, die Ukraine komme ihren Verpflichtungen im Rahmen der Waffenruhe nach. „Die Seiten halten sich an die Vereinbarungen, die wir getroffen haben“, teilte er bei Telegram mit.
Das Weiße Haus hatte die von US-First-Lady Melania Trump vermittelte Waffenruhe für Oleschky zuvor angekündigt. Die Feuerpause soll angesichts gravierender Engpässe bei Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten die Versorgung der Bevölkerung, Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen.
Sowohl Moskau als auch Kiew hatten sich zur Einhaltung der Feuerpause in Oleschky bereit erklärt.
Oleschky liegt am Ufer des Dnjepr in der Region Cherson und ist seit 2022 von Russland besetzt. Von den ursprünglich rund 24.000 Einwohnern sollen sich noch 1700 bis 2000 in der durch die Kämpfe schwer beschädigten Stadt aufhalten. Frühere Bewohner der Stadt hatten der Nachrichtenagentur AFP Anfang des Jahres berichtet, dass die in der Stadt verbliebenen Menschen hungerten, es ihnen an Medikamenten fehle und sie die Stadt nicht ohne Weiteres verlassen könnten.

Weitere örtliche Waffenruhen nicht ausgeschlossen

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte am Montag erklärt, Russland werde seine Angriffe trotz der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche mit der Ukraine und den USA fortsetzen. Die Wiederaufnahme der Verhandlungen bedeute „keine Einschränkungen für die Kampfhandlungen“. Moskau schloss allerdings weitere örtlich begrenzte Waffenruhen aus humanitären Gründen nicht aus.
Laut Kreml könnte eine womöglich erfolgreiche humanitäre Operation in Oleschky auch als Vorbild für andere Frontabschnitte dienen. Moskau und Kiew hatten sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegenseitig beschuldigt, durch Beschuss der Stadt eine humanitäre Katastrophe ausgelöst zu haben. An anderen Frontabschnitten gingen die Kämpfe weiter.
Auch der Generalstab in Kiew betonte, dass die vorübergehende Feuerpause ausschließlich für die humanitäre Operation gelte. „Wir rufen alle dazu auf, in diesem Zeitraum besonders umsichtig mit den Informationen umzugehen, die Sie erhalten und weitergeben“, teilte die Generalität auf Telegram mit. „Vertrauen Sie keinen unbestätigten Meldungen, und verbreiten Sie keine Gerüchte über Routen, Zeiten und Orte, an denen sich Menschen und humanitäre Konvois bewegen.“
(afp/dpa/red)
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Handlungsbedarf bei Deutschlandticket und Kfz-Versicherung: Das ändert sich im November


  • Deutschlandticket: Der Preis steigt 2027 auf 66,80 Euro. Bahn-Kunden müssen bis 30. November zustimmen, sonst endet ihr Abo zum Jahresende.
  • Kfz-Versicherung: Die meisten Verträge lassen sich bis 30. November kündigen.
  • Ratenkäufe: Ab 20. November gibt es auch bei Kleinkrediten und „Buy Now, Pay Later“ eine Bonitätsprüfung.

 
Viele Autofahrer können ihre Kfz-Versicherung noch bis Ende November kündigen, außerdem gelten neue Regeln für Kleinkredite. Wer sein Deutschlandticket über die Deutsche Bahn auch nach der Preiserhöhung im kommenden Jahr weiter beziehen will, muss aktiv werden. Was sich im November ändert:

Preisänderung beim Deutschlandticket zustimmen – oder kündigen

Ab 2027 erhöht sich der Preis des Deutschlandtickets von monatlich 63 auf 66,80 Euro. Je nach Anbieter müssen die Nutzer nun aktiv werden: Die Deutsche Bahn etwa bittet ihre Kundschaft bis zum 30. November mitzuteilen, ob sie das Ticketabo zum neuen Preis behalten oder kündigen wollen.
Wer sich nicht fristgerecht zurückmelde, dessen Abo werde zum 31. Dezember gekündigt, erklärt die Bahn. Möglich ist eine Zustimmung zu den neuen Bedingungen im Kunden-Account auf bahn.de oder in der App DB Navigator.

Das Familienticket kommt zurück

Es gibt noch weitere Änderungen bei der Bahn. Das Staatsunternehmen warb im Sommer mit einem Familienticket um Kunden. Zum Pauschalpreis von 99,99 Euro konnten Familien mit bis zu fünf Personen quer durch Deutschland hin- und zurückreisen, eine einfache Fahrt kostete 59,99 Euro. Dieses Angebot kommt nun zurück – und soll dauerhaft im Angebot bleiben.
Wie die Bahn mitteilte, gilt das Familienticket für Reisen ab dem 1. November, buchbar sind Fahrkarten bereits seit dem 26. Oktober. Wer das Angebot nutzen will, muss allerdings auch einige Regeln beachten. So muss mindestens ein Kind mitreisen. Auch dürfen höchstens zwei Reisende 15 Jahre oder älter sein.
Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass das Familienticket nur für Fernzüge (ICs und ICEs) gilt. Wählt eine Familie Verbindungen, bei denen sie auch Nahverkehrszüge nutzen muss, wird die Reise teurer.
Für eine einfache Strecke muss sie dann 81,99 Euro bezahlen, Hin- und Rückfahrt kostet pauschal 143,99 Euro. Nicht enthalten in dem Familienpreis ist außerdem das City-Ticket für den Abfahrts- und Ankunftsbahnhof.

Angebote vergleichen

Zwar gebe es laut Deutscher Bahn keine Kontingente für das Familienticket. Doch könne es sein, dass diese Fahrkarte auf Strecken mit großer Nachfrage nicht mehr angeboten wird. Für Spontanbucher bedeute dies, dass möglicherweise nicht mehr die komplette Auswahl an Verbindungen zur Verfügung steht.
Die Stiftung Warentest hat sich eigenen Angaben zufolge intensiv mit dem Familienticket beschäftigt und es auf vier Strecken getestet. Sie rät, das Angebot trotzdem mit den Spar- und Supersparpreisen zu vergleichen.
So könne ein anderes Ticket billiger sein, wenn man etwa die Reservierungen nicht zwingend benötigt, weil die Kinder bis einschließlich 14 Jahre nicht unbedingt nebeneinander sitzen müssen.
Günstiger kann ein anderer Fahrschein auch für Kunden sein, die kein Deutschlandticket besitzen und die ihre Reise sowohl mit Fern- als auch mit Nahverkehrszügen bewältigen.
Wer einige Monate vor der Reise bucht, für den lohnt sich ein Vergleich der Preise innerhalb der Deutschen Bahn oder auch mit dem Konkurrenten Flixtrain, schreibt die Stiftung Warentest.

Stichtag für Kündigung vieler Kfz-Versicherungen

Die meisten Kfz-Versicherungen haben eine Laufzeit bis Ende Dezember und können mit einer Frist von einem Monat zum Vertragsende gekündigt werden – also bis zum 30. November.
Weil dieser Stichtag für so viele Autofahrer gilt, senken viele Unternehmen laut der Verbraucherorganisation Finanztip im Herbst ihre Beiträge, um Neukunden zu gewinnen. Verbraucher könnten so von günstigen Angeboten profitieren.
Die Kündigungsfrist 30. November gilt allerdings nicht für alle Versicherungsverträge. Darauf weist die HUK-Coburg hin. Für Verträge mit unterjähriger Laufzeit, deren Versicherungsjahr also nicht am 1. Januar beginnt, gelten andere Stichtage. Läuft der Vertrag zum Beispiel am 14. Juni aus, ist der 13. Mai der persönliche Stichtag für die Kündigung.
Finanztip rät, beim Versicherungswechsel in der richtigen Reihenfolge vorzugehen: erst einen neuen Vertrag suchen, dann den alten kündigen. Bei einer Kündigung zum 1. Januar sollten Autobesitzer also noch im November nach einem günstigeren Versicherer Ausschau halten.
Dabei empfiehlt Finanztip einen doppelten Vergleich: zunächst über Vergleichsportale wie Verivox oder Check24, danach bei einem Direktversicherer.

Neue Regeln für Ratenkäufe

Ab dem 20. November gelten in Deutschland neue EU-Regeln für Verbraucherkredite. Ab diesem Datum dürfen auch Kleinkredite unter 200 Euro sowie „Buy Now, Pay Later“-Angebote nur nach einer Prüfung der Kreditwürdigkeit vergeben werden. Bislang war das nicht der Fall.
Wer künftig ein solches Angebot nutze, etwa einen Ratenkauf oder eine Null-Prozent-Finanzierung, müsse zudem „ausführlich über Kosten, Laufzeit und Risiken des jeweiligen Kredits informiert werden, auch bei kleinsten Beträgen und kurzen Zahlungsaufschüben“, erklärt die Stiftung Warentest.
Auch wird die Frist für den Widerruf bei fehlerhaften Informationen auf maximal zwölf Monate und 14 Tage begrenzt, heißt es auf der Website der Bundesregierung zur rechtlichen Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie.
Eine Ausnahme gibt es, schreibt der Verein „Für soziales Leben“ in seinem Online-Magazin „Bürger & Geld“. Demnach sind Debitkarten mit Zahlungsaufschub nicht von der Neuregelung betroffen. Bei der Bonitätsprüfung berücksichtigen die Anbieter nicht nur die getätigte Bestellung, sondern auch die bestehenden Verbindlichkeiten des Käufers.
Bei „Buy Now, Pay Later“ müssen daher bereits laufende Ratenzahlungen einbezogen werden. Hat ein Kunde bei mehreren Anbietern gleichzeitig offene Raten, kann sich dies negativ auf seine Bonitätsbewertung auswirken. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine weitere Zahlungsanfrage abgelehnt wird.
Eine Pflicht zur Begründung ist ebenfalls neu. Auch wenn die Entscheidung automatisiert getroffen wird, müssen Unternehmen in der Lage sein, offenzulegen, aus welchen Gründen jemand einen Kredit erhält oder nicht. Dazu ist eine Dokumentation der Daten erforderlich.
Angepasst wurde in diesem Zusammenhang auch das Bundesdatenschutzgesetz. Die neuen Regeln zur Bewertung der Kreditwürdigkeit (Scoring) gelten ebenfalls ab dem 20. November 2026.

Lohnsteuerfreibetrag sichern

Wer viel Geld etwa für berufliche Fortbildungen und Fahrten ausgibt, kann noch bis zum 30. November einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2026 stellen. Geld sparen Verbraucher damit zwar nicht – aber sie holen sich das Geld vom Staat sofort, was sie „sonst erst im folgenden Jahr mit der Steuererklärung erhalten“ würden, erläutert Finanztip.
Auch müssen die Ausgaben eine Grenze von 600 Euro überschreiten. Werbungskosten zählen nur mit, wenn sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro übersteigen. Wem der Lohnsteuerfreibetrag gewährt wird, der muss in der Regel eine Steuererklärung abgeben. (afp/red)
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27.10.2026 | Nord-Stream-Prozess geht weiter | Israelis wählen neues Parlament |

HEUTE6:40 Uhr

McDonalds streicht Schweinefleisch-Burger McRib von der Karte

Nach Jahrzehnten nimmt McDonalds den McRib aus seinem Standardsortiment in Deutschland. Heute ist der letzte Verkaufstag, teils ist er bereits ausverkauft. Der McRib besteht – anders als die meisten anderen McDonalds-Produkte – aus Schweinefleisch. Sein Abschied ist allerdings nicht zwangsläufig für immer.

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HEUTE6:31 Uhr

Israelis wählen neues Parlament

In Israel wird heute ein neues Parlament gewählt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu tritt nach insgesamt mehr als 19 Jahren als Regierungschef erneut als Spitzenkandidat seiner konservativen Likud-Partei an. Als Herausforderer gilt Ex-Armeechef Gadi Eisenkot. Es wird ein enges Rennen erwartet.

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HEUTE6:29 Uhr

Nord-Stream-Prozess geht weiter

In Hamburg wird am Dienstag um 9.30 Uhr der Prozess zur Nord-Stream-Sprengung fortgesetzt. Das Gericht könnte über den Antrag der Verteidigung auf Einstellung wegen eines gravierenden Verfahrenshindernisses entscheiden. Angeklagt ist ein ukrainischer Offizier. Er soll die Sprengung mitgeplant haben.

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HEUTE6:22 Uhr

Wichtige Brücke in Kiew bei russischem Angriff beschädigt

Bei einem russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko eine wichtige Dnipro-Brücke samt Metro-Infrastruktur beschädigt worden. Der Zugverkehr ist eingestellt.

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HEUTE6:09 Uhr

USA schicken Atom-U-Boot nach Australien

Die USA haben im Aukus-Abkommen die USS Colorado als erstes Atom-U-Boot für HMAS Stirling nahe Perth benannt. Es soll Ende 2027 anlaufen. Dort sind im Rotationsverfahren bis zu fünf Boote vorgesehen: Vier aus den USA und eines aus Großbritannien.

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HEUTE6:01 Uhr

Berliner Linke berät über umstrittene Abgeordnete

In der Berliner Linken geht es heute zum wiederholten Mal um das Thema Antisemitismus und die Positionen zu Israel und zum Nahost-Konflikt. Der Fraktionsvorstand berät über den weiteren Umgang mit der Abgeordneten Vanessa Emde, die wegen israelkritischer Äußerungen mehrfach Diskussionen ausgelöst hatte.

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HEUTE5:54 Uhr

Deutscher Bergsteiger stirbt bei 1500-Meter-Sturz im Himalaya

Ein deutscher Bergsteiger ist am Montag im Himalaya etwa 1500 Meter in die Tiefe gestürzt und gestorben. Wolfgang W. hatte zuvor den 6812 Meter hohen Gipfel bestiegen. Sein Leichnam wurde auf 4600 Metern gefunden und nach Kathmandu gebracht.
 
Mit Material von Nachrichtenagenturen

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Niedersachsen: Auto fährt in Menschengruppe – Täter flüchtet zu Fuß

Im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge haben Polizisten auf ein Auto geschossen, das zuvor gezielt in eine Gruppe von Menschen gefahren war. Vier bis fünf Personen seien verletzt worden, einige von ihnen schwer, sagte eine Polizeisprecherin. Die Verletzten wurden demnach ins Krankenhaus gebracht, sind aber nicht in Lebensgefahr.
Die Hintergründe des Vorfalls am späten Montagabend waren zunächst unklar, auch weil die Polizei den oder die Tatverdächtigen nicht stoppen konnte und die Flucht zu Fuß gelang – das Auto wurde zurückgelassen. „Der Tathergang und die genauen Tatbeteiligungen sind weiterhin Bestandteil der Ermittlungen“, sagte die Polizeisprecherin. Nach ersten Erkenntnissen gehen die Ermittler davon aus, dass sich die Beteiligten kannten.
In der Nähe des Tatorts fand gerade eine allgemeine Verkehrskontrolle der Polizei statt, so bekamen die Beamten laut der Sprecherin von dem Vorfall kurz vor Mitternacht direkt mit. Um das Auto zu stoppen, hätten sie dann auf den Wagen geschossen. Die Polizei war mit zahlreichen und teils schwer bewaffneten Kräften vor Ort, auch ein Hubschrauber und ein Polizeihund sollen zum Einsatz gekommen sein. Der Tatort wurde für einige Stunden abgesperrt, um Spuren zu sichern. (dpa/red)
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„Gen Z regelt“: 135.000 Zusagen für Proteste in Deutschland


In Kürze:

  • Das Bündnis „Gen Z regelt“ wirbt für Proteste am 31. Oktober.
  • Die Initiative wendet sich unter anderem gegen Einsparungen bei Bildung, Gesundheit und Klimaschutz sowie gegen die Wehrpflicht.
  • Unklare Organisationsstrukturen und Aufrufe linksextremistischer Gruppen nähren die Sorge vor einer politischen Instrumentalisierung der Proteste.
  • Die Bundesschülerkonferenz distanziert sich von den Kundgebungen.

 
Die Initiative „Gen Z regelt“ hofft, am Samstag, 31. Oktober, eine bundesweit sechsstellige Zahl an Teilnehmern zu ihren Protestaktionen mobilisieren zu können. Dies geht aus Zahlen hervor, die sich auf der Website des Bündnisses finden. In 23 Städten seien bislang Demonstrationen angekündigt.
„Gen Z regelt“ wendet sich unter anderem gegen Einsparungen bei Bildung, Gesundheit und Klimaschutz sowie gegen die Wehrpflicht. Außerdem fordert sie ein Ende der stetigen Verteuerung des Alltagslebens.
Das Bündnis nennt ausdrücklich die Schülerproteste in Frankreich als Vorbild.

Protest am Samstag ab 14 Uhr

Diese hatten Anfang Oktober begonnen und sich im Laufe der Wochen zu Protesten mehrerer Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Anliegen verbreitert. So kam es in mehreren Städten auch zu gewalttätigen Ausschreitungen und erheblichem Vandalismus.
Daher wächst die Sorge, dass an Halloween auch in Deutschland gewaltbereite Extremisten die Kundgebungen für eigene Zwecke instrumentalisieren könnten.
Wer an Kundgebungen von Gen Z regelt teilnehmen möchte, kann auf der Seite ein „Ticket“ lösen. Dies soll am Tag der Kundgebung auch die Teilnahmeabsicht dokumentieren. Den gelösten Tickets zufolge sollen mit Stand vom Montagnachmittag, 26. Oktober, mindestens knapp 135.700 Menschen am Samstag ab 14 Uhr mit dabei sein.
Für die geplante Kundgebung in Köln haben bis Montag rund 11.500 Interessierte zugesagt, knapp dahinter mit mehr als 11.400 Zusagen liegt Stuttgart. Eine fünfstellige Anzahl an Tickets verzeichnen auch die Initiatoren in Frankfurt am Main. Bei unter 10.000 liegt die bisherige Zahl an Teilnahmebekundungen unter anderem in Erfurt, Hamburg, Berlin und München.

In vielen Städten noch keine Anmeldung

Allerdings betreue die Initiative „Gen Z regelt“ nur fünf der 23 Demonstrationsvorhaben hauptverantwortlich – nämlich jene in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main. Was die anderen anbelangt, weist die Website darauf hin, dass man in diesen Städten nicht für Inhalt und Organisation zuständig sei.
Auch sei die Zahl der Zusagen keine Garantie dafür, dass ebenfalls so viele Menschen tatsächlich teilnehmen.
Einer Recherche des Journalisten Frank Steppat zufolge habe es in der Vorwoche in zahlreichen Städten, in denen Kundgebungen angekündigt sind, noch keine Anmeldungen gegeben.
Während im Impressum bezüglich der Verantwortlichkeit auf „Anmelder vor Ort“ verwiesen werde, blieben die lokalen Köpfe unbekannt. Als rechtlich Verantwortlicher für die Website wird Akram Selo angegeben. Er sei laut „EchtStuttgart“ ein in Bayern ansässige Abiturklassenschüler  – allerdings mit der Kontaktadresse einer Schweizer Consultingfirma.
Eine Anfrage Steppats beantwortete ein Student namens Gianni Matheja. Dieser ist im Unterschied zu Selo bereits zuvor in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten. So veröffentlichte er als Gastautor Texte in der „Berliner Morgenpost“, moderiert eine Sendung im RBB-Programm „Fritz“ und betreibt mehrere Social-Media-Kanäle.

Positionspapier von Gen Z regelt verzichtet auf radikale Forderungen

Die Gewaltakte am Rande mehrerer Kundgebungen in Frankreich hatten Sicherheitsbehörden und Politiker aufhorchen lassen. Vielfach befürchtete man eine mögliche Eskalation auch in Deutschland.
Erste Aufrufe zur Teilnahme an Kundgebungen von „Gen Z regelt“ kamen von der Föderation klassenkämpferischer Organisationen und der Internationalen Jugend. Bei diesen handelt es sich um Gruppierungen, die zumindest in Baden-Württemberg vom Verfassungsschutz als gesichert linksextremistisch eingestuft werden.
In einem Positionspapier legt Gen Z regelt auf zwei Seiten seine politischen Forderungen und Grundpositionen dar. Linksextreme Inhalte finden sich darin nicht. Das Papier ist eher allgemein formuliert. Es gibt Bezugnahmen und Verweise auf Schüler- und Jugendproteste in Frankreich, Spanien oder Belgien.
Auch sind konkrete Probleme angesprochen – von verschlechtertem Zugang zu Psycho- und Suchttherapien über Wehrpflicht und Aufrüstung bis zum Fachkräftemängel.

Bundesschülerkonferenz distanziert sich von geplanten Kundgebungen

Das Positionspapier von Gen Z regelt betont seine Überparteilichkeit. Allerdings könnte die Bezugnahme auf Kräfte, die sich „als einzige Lösung dar[stellen], obwohl ihre Politik unsere Zukunft gefährdet“, als Absage an die AfD verstanden sein. Zudem wolle man Menschen „unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder politischer Meinung […] zusammenbringen, statt uns gegeneinander aufbringen zu lassen“.
Der 31. Oktober solle „erst der Anfang“ sein, heißt es weiter. Man wolle langfristig Änderungen erreichen. Deshalb wirbt man auch um „Organisationen, Vereine und Initiativen, die unsere Anliegen teilen“ – und bittet um Unterstützung durch Teilnahme, Ressourcen oder Teilen von Erfahrungen.
In einem Interview mit „Echt Stuttgart“ ruft Selo auch dazu auf, Vermummungsverbote zu beachten. Gleichzeitig ruft er zu gewaltlosem Auftreten auf und drückt seine Hoffnung aus, dass die Polizei eine mögliche Unterwanderung durch gewaltbereite Gruppen verhindert.
Die Bundesschülerkonferenz hat sich unterdessen von Kundgebungen am 31. Oktober distanziert. In einer Erklärung heißt es, man unterstütze die Proteste nicht. Allerdings solidarisiere man sich „mit dem grundsätzlichen Bedürfnis von Schüler*innen, friedlich zu protestieren und für eine besser Bildung einzustehen“.
Mit Blick auf Gen Z regelt heißt es, man sehe „aufgrund undurchsichtiger Organisationsstrukturen die Gefahr, dass die ernstzunehmenden Anliegen junger Menschen zum Spielball politischer Instrumentalisierung und Polarisierung werden können“.

Polizei sieht keine hohe Wahrscheinlichkeit von Gewaltexzessen

Gegenüber der Epoch Times erklärte der Berliner Polizeisprecher Martin Halweg, er sehe mit Blick auf das Wochenende keine hohe Wahrscheinlichkeit für gewalttätige Exzesse. Wörtlich erklärte er:
„Nach aktueller Erkenntnislage gibt es keine Hinweise darauf, dass es in Berlin zu ähnlichen gewaltsamen Ausschreitungen mit Plünderungen und Brandschatzungen wie in Frankreich, Italien oder Spanien kommen könnte.“
Die Kundgebung von Gen Z regelt in Berlin sei bisher noch nicht bei der Berliner Polizei angezeigt. Versammlungen in Berlin müssen – mit Ausnahme der Spontanversammlungen – 48 Stunden vorher bei der Versammlungsbehörde der Berliner Polizei angemeldet werden.
Man prüfe laut Halweg jedoch permanent die Erkenntnislage zu möglichen Protesten und bereite sich auf mögliche Spontanversammlungen oder kurzfristig organisierte Proteste vor.
Für diesen Fall wolle man auf das „bewährte Konzept der ausgestreckten Hand“ setzen. Dieses beinhalte primär eine Kontaktaufnahme mit dem Versammlungsleiter, um sicherzustellen, dass Verstöße gegen das Berliner Versammlungsgesetz unterbleiben. Erst, wenn dies keinen Erfolg zeitige, greife man zu weiteren abgestuften Maßnahmen – von Lautsprecherdurchsagen über Kleingruppenansprachen bis hin zum „unmittelbaren Zwang“.
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26. Oktober: Neuer Gebäudetyp E | Kritik an Audi-Chef-Auftritt | Pflegeverband warnt vor über 50.000 Kündigungen

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Neuer Gebäudetyp E

Bauen soll in Deutschland einfacher und günstiger werden. Mit dem Gebäudetyp E sollen Baukosten um bis zu 15 Prozent sinken und technische Standards vereinfacht werden. Vorgaben zu Sicherheit, Statik oder Brandschutz bleiben unverändert. Der Gesetzentwurf wurde heute von Justizministerin Stefanie Hubig und Bauministerin Verena Hubertz vorgelegt. Das Gesetz könnte Mitte 2027 in Kraft treten.

Kritik an Audi-Chef-Auftritt

Nach dem gemeinsamen Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner mit US-Präsident Donald Trump hagelt es Kritik. Die Vorwürfe gegen Döllner reichen von Wahlkampfhilfe bis zu Verdrängung deutscher Arbeitsplätze. Trump hatte am Samstag den Bau eines Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia bekannt gegeben. Anschließend dankte ihm Döllner auf der Bühne.

Pflegeverband warnt vor über 50.000 Kündigungen

In Folge der Pflegereform würden mehr als 50.000 Beschäftigten eine Kündigung drohen, mahnt Bernd Meurer, Präsident des größten privaten Pflegeverbandes Deutschlands. Funktionierende Strukturen würden kurzfristig zerschlagen und wirkliche Probleme teils nicht angegangen. Laut Bundesregierung soll die Reform zunächst die Finanzlücke der Pflegekassen verringern. Im nächsten Jahr erfolge dann eine tiefer greifende Strukturreform.

Gen-Z-Proteste

Vor den bundesweiten Jugendprotesten am 31. Oktober warnen Union und SPD vor einer Unterwanderung durch Extremisten. Der Chef des Geheimdienst-Kontrollgremiums, Marc Henrichmann, sagte: „Die Vernetzung der linksextremistischen Szene ist international und koordiniert.“ Grüne und Linke verteidigen dagegen die Anliegen der Demonstranten. Auf der Plattform „Gen Z regelt“ haben bisher knapp 135.000 Menschen ihre Teilnahme angemeldet.

Brasilien-Wahl

Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva hat in Brasilien mit 51,8 Prozent die Präsidentschaftswahl gewonnen. Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro will das Ergebnis anfechten. Eine Minute nach offiziellem Urnenschluss hatte ein Richter auf Antrag von Lula die Wahl um 2 Stunden verlängert. Begründet wurde die Verlängerung mit Problemen im öffentlichen Nahverkehr.

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Wie sich die US-Politik nach den Zwischenwahlen ändern könnte

Am 3. November wird zur Mitte der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump der US-Kongress zum größten Teil neu gewählt. Deshalb spricht man von den „Midterm Elections“, also den Zwischenwahlen. Der Kongress setzt sich zusammen aus dem Repräsentantenhaus, in etwa vergleichbar mit dem Bundestag, und dem Senat, in dem die 50 amerikanischen Bundesstaaten mit jeweils zwei Senatoren noch einmal eigens vertreten sind.

Gradmesser für Zufriedenheit mit Präsidenten

Die Abgeordneten des Repräsentantenhauses werden anders als in Deutschland nur auf zwei Jahre gewählt. Deshalb sind dieses Mal wieder sämtliche 435 Sitze zu vergeben, sowie 35 der 100 Senatssitze. Außerdem werden in vielen Bundesstaaten neue Gouverneure, Parlamente, Bürgermeister und Sheriffs gewählt.
Zurzeit verfügen Trumps Republikaner in beiden Kammern über hauchdünne Mehrheiten. Im Repräsentantenhaus errangten sie bei der Wahl vor zwei Jahren 220 Sitze, nur zwei mehr als für eine Mehrheit erforderlichen 218 Sitze. Im Senat bilden die Republikaner mit 53 Sitzen die Mehrheit, das sind ebenfalls nur zwei mehr als mindestens erforderlich.
Die „Midterms“ sind traditionell zu einem Gradmesser für die Zufriedenheit mit der bisherigen Amtszeit eines Präsidenten geworden, ähnlich wie in Deutschland die Landtagswahlen auch eine Art Abstimmung über die Zufriedenheit mit der Bundesregierung sind. Häufig gewinnt bei den amerikanischen Zwischenwahlen jene Partei, die die Präsidentschaftswahl zwei Jahre zuvor verloren hat – das wären in diesem Fall die Demokraten.

Umfragen: Mehrheit für Demokraten

Laut dem Vorhersagemodell ElectIt der Harvard University, das ohne Meinungsumfragen auskommt und zuletzt am 25. Oktober aktualisiert wurde, würden die Demokraten bei den Zwischenwahlen mit 241 Sitzen eine deutliche Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen.
Eine gemeinsame Befragung des Fernsehsenders „ABC News“, der Tageszeitung „Washington Post“ und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die am 20. Oktober veröffentlicht wurde, hat ergeben, dass es 59 Prozent der befragten 2.545 Amerikaner bevorzugen würden, wenn der nächste Kongress wieder von den Demokraten kontrolliert würde, „um Trump in Schach zu halten“. Nur 35 Prozent sprechen sich laut dieser Umfrage für eine Mehrheit der Republikaner aus. Was die Amtsführung von Trump anbelangt, gaben nur 33 Prozent der Befragten an, dass sie „die Art und Weise, wie Trump sein Amt als Präsident ausübt“, gutheißen, während 66 Prozent sie ablehnten.
Alle Umfragen und Prognosen ergeben indes nur ungefähre Einschätzungen. Bei der Präsidentschaftswahl im November 2024 unterschätzten viele Umfragen Trumps Abschneiden. Damals wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen insbesondere in umkämpften „Swing States“ zwischen der Demokratin Kamala Harris und dem Republikaner Trump prognostiziert. Das Wahlergebnis offenbarte dann jedoch einen klaren Sieg Trumps.

Weichenstellung für zwei Jahre

Das Ergebnis der Zwischenwahlen stellt stets die politischen Weichen für die USA für die nächsten zwei Jahre. Im konkreten Fall heißt dies: Kann Trump weiter so durchregieren, wie bisher, oder wird seine Politik künftig im Kongress gebremst?
Wenn die Demokraten die Kontrolle sowohl über das Repräsentantenhaus als auch über den Senat gewinnen würden, bliebe Trumps grundlegende Machtbefugnis als Präsident im Weißen Haus zwar erhalten, etwa sein Vetorecht, seine Regierungsführung würde sich aber drastisch durch Blockaden und Kontrollen verändern.
So könnten die Demokraten Trumps Gesetzesvorhaben für eine neue Steuerreform oder neue Einwanderungsgesetze verhindern.

Demokraten könnten blockieren

Im Fall einer Mehrheit im amerikanischen Kongress könnten die Demokraten künftig in erster Linie die Politik Trumps blockieren, nicht aber eine eigene Politik gestalten. Eigene Gesetzesvorhaben zum Beispiel könnten die Demokraten kaum durchbringen. Denn diese könnte Trump durch sein Vetorecht blockieren. Nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern könnten die Demokraten Trumps Veto überstimmen. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass die Demokraten eine solche Mehrheit bei den Zwischenwahlen erreichen.
Würden die Demokraten die Mehrheit im Senat gewinnen, könnten sie die Ernennung von Botschaftern, hohen Regierungsbeamten und gegebenenfalls auch von neuen Ministern blockieren. Gleiches gilt für die Ernennung von Bundesrichtern.
Doch weder in seiner ersten Amtszeit (2017–2021) noch in seiner laufenden Amtszeit konnten die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses erlangen.

Mögliche Konsequenzen für Europa

Waya Quiviger, Professorin an der IE University in Madrid und Segovia, wirft einen Blick darauf, was diese amerikanischen Zwischenwahlen für Europa und die Welt bedeuten könnten. In einem Beitrag für die auf wissenschaftliche Expertise spezialisierte Nachrichtenplattform „The Conversation“ stellt sie fest, dass die diesjährigen Zwischenwahlen bereits Wochen vor dem Wahltermin Auswirkungen gehabt hätten und besonders in Europa aufmerksam wahrgenommen würden.
Da die Kraftstoffpreise die amerikanischen Wähler belasten, habe Trump kurz vor den Wahlen mit Moskau eine Vereinbarung getroffen, russischen Diesel zu importieren, „in der Hoffnung, die Kraftstoffpreise noch vor dem Wahltag zu senken. Dies war eine verblüffende Kehrtwende nach jahrelangem Druck der USA auf Moskau wegen dessen Krieg gegen die Ukraine“, so die Professorin.
Diese Maßnahme stehe in einem „auffälligen Kontrast zu Europa“. Die EU hat wenige Tage später, am 12. Oktober, weitere weitreichende Sanktionen gegen Russland verhängt. Vier Tage später setzte Trump US-Sanktionen gegen Russland aus, die er selbst erst wenige Wochen zuvor unterzeichnet hatte.
Europäer sollten sich laut Quiviger darauf einstellen, dass eine Wahlschlappe „Trump nicht zwangsläufig dazu bringen wird, im Ausland weniger aktiv zu sein“. Vielmehr könnte „dies sogar den gegenteiligen Effekt haben“.
Da Gesetzesinitiativen dann durch die Demokraten blockiert wären, „könnte er sich auf internationale Abkommen, Konfrontationen und sein präsidiales Vermächtnis konzentrieren“, schreibt die spanische Professorin. Deshalb sollten sich die Europäer „auf einen Präsidenten einstellen, der im Inland eingeschränkt ist, aber dennoch bereit ist, in der Außenpolitik große politische Risiken einzugehen“.

Der demokratische Senatskandidat, Abdul El-Sayed, am 19. September 2026 während einer Wahlversammlung in Saginaw, Michigan.

Foto: Jacob Burg/Epoch Times

Mögliche Änderungen für Nahost

Obwohl Trump in der Außenpolitik als Präsident das Sagen hat, könnte ein demokratisch dominierter Kongress die gesetzgeberischen Rahmenbedingungen in Bezug auf Israel und Palästina verändern und damit der propalästinensischen und israelkritischen Strömung innerhalb der Demokratischen Partei hinsichtlich der US-Hilfe für Israel mehr Gewicht verleihen, schreibt Hady Amr, früherer US-Sonderbeauftragter für palästinensische Angelegenheiten und Associate Fellow des Londoner Thinktanks Chatham House. In solch einem Fall würde die politische Grundlage geschaffen, auf der eine mögliche Regierung der Demokraten nach der Präsidentschaftswahl 2028, ihre Politik gestalten würde.
Amr verweist auf eine Reihe von Demokraten, darunter Abdul El-Sayed, der in Michigan für den US-Senat kandidiert, sowie Angela Gonzales-Torres, die in Kalifornien für das US-Repräsentantenhaus antritt. Beide gehören zum sogenannten progressiven Flügel der Demokraten und hätten „wegen ihrer Kritik an den Maßnahmen der israelischen Regierung – und der Unterstützung der USA dafür – erhebliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen“.
Allein die Entwicklungen im politischen Washington im vergangenen Monat würden verdeutlichen, dass sich vieles verändert habe. Als Beleg führt der Chatham-House-Analyst an: Am 29. September haben 46 von 47 demokratischen Senatoren für eine Resolution gestimmt, die das US-Außenministerium „verpflichten soll, Informationen und Einschätzungen im Zusammenhang mit Ermittlungen zur Tötung von amerikanischen Bürgern durch gewalttätige israelische Siedler oder israelische Sicherheitskräfte im Westjordanland vorzulegen“.
Die Resolution sei zwar von der aktuellen republikanischen Mehrheit abgelehnt worden. Bemerkenswert findet Amr „jedoch die Einstimmigkeit bei der Abstimmung. Eine solche Einigkeit der Demokraten bei einer Resolution, die Israel kritisiert, wäre noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen.“
Der Analyst kommt zu dem Schluss: Sollten die Demokraten die Kontrolle über den Kongress erlangen, könnten sie die kommenden beiden Jahre dazu nutzen, Vorbereitungen für das Wahljahr 2028 zu treffen.
Ein demokratischer Kongress könnte beispielsweise dazu drängen, den Ausbau der Siedlungen im Westjordanland infrage stellen und darangehen, „die US-Militärhilfe genau unter die Lupe zu nehmen, tragfähige Elemente des Wiederaufbaus im Gazastreifen zu unterstützen, palästinensische Institutionen zu stärken und damit zu beginnen, rechtliche Hindernisse für normale Beziehungen zwischen den USA und Palästina aus dem Weg zu räumen“, so Amr.
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Eine einstige Ruine im Einklang mit Stein, Wasser und einer frischen Brise

An den sonnigen Ufern des Flusses Guadiana in Andalusien, wo Spanien und Portugal aufeinandertreffen, steht ein außergewöhnliches Haus – das „Piedra y Agua“, was wörtlich übersetzt „Stein und Wasser“ bedeutet. Dieses kompakte, markante Refugium ohne Innentüren schafft eine meisterhafte Balance zwischen lebendig gewordener Geschichte, den klaren Linien des zeitgenössischen iberischen Designs und einer vom Fluss geprägten Lebensweise.
Das Haus befindet sich in Sanlúcar de Guadiana, einem Dorf mit etwas mehr als 400 Einwohnern, dessen Geschichte seit jeher vom Wasser geprägt ist. Als erster geschützter Ankerplatz landeinwärts des Atlantiks diente Sanlúcar als wichtiger Treffpunkt für Seeleute und Reisende. Über Generationen hinweg entschieden sich viele von ihnen, hier dauerhaft anzulegen und sich niederzulassen. Dadurch schufen sie nicht nur eine einzigartige Kultur, sondern auch eine tiefe Verbindung mit dem Fluss.
Für Olga, die Eigentümerin der Immobilie, ist das Projekt der Höhepunkt einer jahrzehntelangen Liebesbeziehung zum Fluss. Nachdem sie jahrelang mit dem Boot den Guadiana bereist und an seinen Ufern übernachtet hatte, sehnte sie sich nach einem dauerhaften Rückzugsort. Der perfekte Platz dafür schien ihr in den verfallenen Steinruinen eines alten Grenzpostens der Guardia Civil aus dem 19. Jahrhundert, der einst zur Überwachung des Flussverkehrs und zur Bekämpfung lokaler Schmuggler diente.
Für ihr Projekt beauftragte die Besitzerin zwei Architekturbüros: das in Sevilla ansässige Zurita Studio sowie das in Madrid und Padua tätige Kalibra Arquitectura. Statt das Gebäude historisch zu restaurieren, wurde die 150 Jahre alte Steinruine als strukturelles Gerüst genutzt. Die Steinmauern bilden das tragende Element und definieren die Grundfläche des Hauses. Das nicht nur optisch raue Mauerwerk des historischen Wachturms prägt Licht, Raum und den Charakter der zeitgenössischen Sanierung im Inneren des Gebäudes.
Dieses Zusammenspiel aus rauer, historischer Fassade und stilvoller Innenausstattung folgt einer konsequenten „Ökonomie der Mittel“. Trotz des begrenzten Budgets entstand so eine überzeugende Verbindung von historischer Bausubstanz und zeitgenössischer Gestaltung. Mit poetischem Pragmatismus haben sich die Architekten dem Kreislaufprinzip verschrieben: Wiederverwertung, Zurückhaltung und kreative Neuerfindung.
Die Materialpalette ist sorgfältig aufeinander abgestimmt. Aus der ursprünglichen Ruine wurden verwitterte Dachbalken aus Kiefernholz ausgebaut und zu einer schwebenden Treppe sowie minimalistischen Küchenelementen verarbeitet. Ein weicher, sandfarbener Mikrozement fließt nahtlos über die Böden und erhebt sich zu Arbeitsplatten, integrierten Spülbecken und offenen Duschwannen, wodurch eine ruhige, einheitliche Fläche entsteht.
Vor diesen sauberen, durchgehenden Flächen kommt die Struktur lokaler Handwerkskunst besonders gut zur Geltung. Eine großformatige, geflochtene Lampe aus Espartogras hängt eindrucksvoll von der hohen Kiefernholzdecke herab. Neben dem alten, freiliegenden Mauerwerk schaffen ein antiker Holzschrank und zeitgenössische Werke eines argentinischen Malers einen stillen Dialog zwischen der Geschichte der Grenzregion und modernem kreativem Ausdruck.
Die vielleicht radikalste gestalterische Entscheidung bei „Piedra y Agua“ ist jedoch das, was fehlt: Das Haus verfügt über keine Klimaanlage. Im Süden Andalusiens, wo die Sommertemperaturen regelmäßig in die Höhe schnellen, wird stattdessen auf eine alte Methode der Raumkühlung gesetzt.
Die fast einen Meter dicken Steinmauern wirken wie ein Wärmespeicher, die tagsüber die Sonnenwärme aufnehmen und nachts langsam wieder abgeben. Eine schräge Dachlinie erhebt sich eindrucksvoll zum Fluss hin und bildet einen doppelt so hohen Raum im Inneren, wo warme Luft auf natürliche Weise verteilt und nach oben abgeleitet wird, weg von den Wohnräumen. Strategisch platzierte Querlüftung, versenkte Westfenster, die als struktureller Sonnenschutz dienen, sowie eine kühlende Brise vom Guadiana runden das Konzept ab.
Durch den Verzicht auf Innentüren und Wände entfaltet das Haus seinen Charme als fließende Abfolge von Gemeinschaftsräumen. Diese gehen nahtlos ineinander über und laden zu einem Leben in ständiger Verbundenheit mit dem Wasser, der Brise und dem wechselnden Licht der Grenzregion ein.
Letztendlich liefert die „Piedra y Agua“ ein überzeugendes Beispiel für folgende Erkenntnis: Die luxuriösesten Häuser der Zukunft sind vielleicht nicht solche, die mit Technologie vollgestopft sind. Vielleicht sind es eher jene, die das uralte Wissen dieser Gegend respektieren.
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Juanca Lagares und Ulrich Stockhaus
Dieser Artikel erschien im Original auf magnifissance.com unter dem Titel „A House Without Doors: Embracing Stone, Water and River Breeze“. (redaktionelle Bearbeitung: sua)
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Gebäudetyp E soll Bauen um bis zu 15 Prozent günstiger machen


In Kürze:

  • Der Gebäudetyp E soll Bauen einfacher, schneller und günstiger machen.
  • Durch den Verzicht auf bestimmte technische Standards sollen die Baukosten um 10 bis 15 Prozent sinken können.
  • Sicherheitsvorgaben wie Statik und Brandschutz bleiben verpflichtend.
  • Das Gesetz könnte Mitte 2027 in Kraft treten. Während die Bauwirtschaft den Vorstoß begrüßt, warnen Kritiker vor Einbußen bei Komfort und Wohnqualität.

Am Montag, 26. Oktober, haben die Ministerinnen für Justiz und Bauwesen, Stefanie Hubig und Verena Hubertz, ihren Gesetzentwurf über schnelleres und einfacheres Bauen vorgestellt. Kern des Vorhabens ist es, bei der Errichtung von Gebäuden rechtssicher auf bestimmte Komfortstandards verzichten zu können. Dies soll der sogenannte Gebäudetyp E ermöglichen. Bauen soll dadurch einfacher, schneller und günstiger werden können.
Ministerin Hubertz äußerte, mit der Option gebe man Bauherren, Bauunternehmen und Käufern die Freiheit zurück, „auf unnötigen Schnickschnack“ zu verzichten. Jeder Euro, der nicht in abdingbare Standards wandere, sei „ein Euro mehr für bezahlbaren Wohnraum“. Die Initiative zur Definition des Gebäudetyps E ging ursprünglich von den Architektenkammern aus. Die Ampelkoalition hatte im Jahr 2024 eine erste Initiative dazu gestartet, die nach dem Zerbrechen des Bündnisses von der aktuellen Regierung aufgegriffen wurde.

Gebäudetyp E: Welche Baustandards sollen entfallen dürfen?

Die Ministerinnen stellten klar, dass es um den Verzicht auf Extras geht, die sich mittlerweile möglicherweise als Branchenstandard etabliert haben. Gesetzlich vorgeschriebene Bau- und Komfortstandards und öffentlich-rechtliche Mindestanforderungen bleiben hingegen zwingend. Auf die Einhaltung von Standards bezüglich Sicherheit, Statik oder Brandschutz kann deshalb auch weiterhin nicht verzichtet werden – auch nicht freiwillig.
Allerdings gibt es Standards, die nicht gesetzlich fixiert sind, und dennoch zur Grundlage von Klagen wegen Baumängeln werden können. Dabei handelt es sich um die „anerkannten Regeln der Technik“. Diese gelten aufgrund eines entsprechenden Konsenses innerhalb der Branche als stillschweigend vereinbart.
Bauherren oder Architekten riskieren Klagen, wenn sie einige dieser nicht gesetzlich zwingenden Standards außer Acht lassen. Bereits jetzt sind Abweichungen theoretisch möglich – in der Praxis wird die Nichterfüllung der entsprechenden Standards von Gerichten dennoch als Baumangel bewertet. Häufig erklären sie solche Vereinbarungen sogar für unwirksam.

Abweichung von „anerkannten Regeln der Technik“ muss ausdrücklich erfolgen

Beispiele für solche Standards finden sich etwa im Schallschutz, bei der Deckenhöhe, der Größe von Glasflächen oder der Zahl von Steckdosen. Künftig soll es möglich sein, im Wege eines Gebäudetyp-E-Vertrages von den „anerkannten Regeln der Technik“ abzuweichen. Ein solcher Vertrag soll jedoch ausdrücklicher Vereinbarung bedürfen. Wird er nicht gewählt, bleibt es bei den etablierten Regeln.
Der Entwurf hat einen ersten Stakeholder-Prozess durchlaufen. Dabei waren Vertreter von Bau- und Planungspraxis, Verbraucher- und Mieterschutzverbände sowie Ländern und Justiz eingebunden. Allerdings muss der nunmehrige Entwurf von Neuem in die Länder- und Verbandsanhörung. Erst danach kann das Kabinett eine Endfassung beschließen und Bundestag sowie Bundesrat damit befassen.
Mit dem Inkrafttreten eines entsprechenden Gesetzes zur Änderung des einschlägigen Vertragsrechts rechnen die Initiatorinnen Mitte 2027. Aufgrund von ausgewerteten Pilotprojekten hofft man in den Ministerien darauf, dass einfaches Bauen nach Gebäudetyp E die Baukosten für das Gebäude an sich um 10 bis 15 Prozent senken könne.

Wohnungsbau: Mehr Baugenehmigungen, aber immer noch hohe Kosten

Dies soll zu einer Trendwende beim Angebot auf dem zuletzt angespannten Immobilienmarkt führen. Die Schätzungen über die Anzahl der in Deutschland fehlenden Wohnungen bewegen sich um die 1 Million. Der Bau-Monitor 2026, im Auftrag des Baustoff-Fachhandels,  beziffert das Defizit sogar auf 1,35 Millionen Wohnungen. Von der Grundtendenz her stimmen die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes vorsichtig optimistisch.
Diesen zufolge ist die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden von Januar bis August auf etwa 169.400 gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr betrage das Plus damit etwa 12,1 Prozent. Der Wermutstropfen dabei: Eine erteilte Genehmigung hat nicht immer einen zeitnahen Bau zur Folge. Die steigenden Kosten für Treibstoff, Energie und Materialien infolge des Irankrieges und die hohen Zinsen lassen viele potenzielle Bauherren abwarten.
Ministerin Hubig sprach im Kontext des Gesetzesvorhabens von einem „echten Befreiungsschlag“. Auch der Vorsitzende des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Felix Pakleppa, begrüßte das Vorhaben. Wichtig sei jetzt, dass die Bundesländer ihre Technischen Baubestimmungen entsprechend vereinheitlichen. „16 Gebäudetypen E in 16 Bundesländern kann keiner wollen“, so Pakleppa.

Gebäudetyp E unter Verbänden nicht unumstritten

Der Verband Fenster & Fassade (VFF) kritisierte den Vorstoß hingegen. Dort sieht man sich zu wenig eingebunden. Das Ministerium habe Eckpunkte ohne hinreichende Einbindung von Branchenverbänden übernommen. Mögliche Abweichungen seien primär dort zu beanstanden, wo es um reale Beeinträchtigungen der Lebensqualität gehe, wie bei Tageslicht oder sommerlichem Wärmeschutz. VFF-Geschäftsführer Frank Lange erklärte dazu:
„Einfaches Bauen ja – aber nicht durch Abschaffung von Tageslicht, Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz. Wer billig baut, baut nicht effizient – und langfristig meist deutlich teurer.“
Der baupolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jan-Marco Luczak, erklärte, er befürworte zwar eine Normalisierung von günstigem und einfacherem Bauen. Allerdings dürfe ein komplett neuer Gebäudetyp E nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. Florian Becker vom Deutschen Mieterbund mahnt Transparenz gegenüber Mietern darüber an, auf welche Standards verzichtet worden sei. Er erhofft sich im Gegenzug bezahlbare Mieten auch in Neubauten.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Unfall von „Mein Schiff 3“ – Polizei ermittelt gegen Kapitän

Es sollte eine Kreuzfahrt mit der „Mein Schiff 3“ zu den Kanaren werden, doch schon beim Auslaufen in Bremerhaven macht eine Windböe die Urlaubspläne der Reisenden zunichte: Nach der folgenschweren Kollision des Kreuzfahrtschiffes mit zwei weiteren Schiffen ermittelt die Polizei gegen den Kapitän des Ozeanriesen. Es sei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen ihn eingeleitet worden, teilte eine Polizeisprecherin auf Anfrage mit. „Es wird geprüft, ob er gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen hat.“ Zuvor hatte der Sender RTL berichtet.
Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf eine Millionensumme. Die Reise des Kreuzfahrtschiffes wurde abgesagt. „Die festgestellten Schäden machen kurzfristige Reparaturarbeiten in einer Werft erforderlich“, sagte eine Sprecherin der Reederei Tui Cruises. Ursprünglich sollte das nahezu voll besetzte Schiff am Sonntagabend zu den Kanaren aufbrechen.
Am späten Sonntagabend waren bei dem Zusammenstoß insgesamt drei Schiffe im Hafen beschädigt worden. Auslöser für den Unfall war nach Angaben der Polizei eine Windböe. Demnach wurde die „Mein Schiff 3“ beim Auslaufen von Schleppern unterstützt, als die Böe sie erfasste. Das Schiff sei daraufhin auf zwei Containerschiffe zugetrieben, die am Containerterminal Stromkaje ankerten. Die weiteren Ermittlungen der Wasserschutzpolizei dauern an.
Dem RTL-Bericht zufolge hatten Ermittler noch in der Nacht zum Montag mit den Schiffsführern auf allen drei Schiffen gesprochen. Weitere Angaben, etwa worauf genau sich der mögliche Sorgfaltspflicht-Verstoß des Kapitäns des Kreuzfahrtschiffes bezieht, machte die Polizei zunächst nicht.

Kein Wassereinbruch, keine Verletzten

An dem kleineren Containerschiff sei ein leichter Schaden entstanden, bei dem größerem ein erheblicher. „Durch den Zusammenstoß wurde die Backbordseite des großen Containerschiffs auf mehreren Metern aufgerissen und Containerführungen deformiert“, teilte die Polizei mit. Auch das Tui-Schiff wurde erheblich beschädigt. Auf Bildern waren Schäden an Rettungsbooten und der Brücke zu sehen.
Die Schäden befänden sich jeweils mehrere Meter über der Wasserlinie. Bei keinem der Schiffe sei es zu einem Wassereinbruch oder Verletzten gekommen. Das Kreuzfahrtschiff fuhr nach dem Unfall zurück zum Kreuzfahrterminal. Alle drei am Unfall beteiligten Schiffe wurden mit einem Auslaufverbot belegt. „Das ist die übliche Vorgehensweise“, sagte dazu ein Sprecher des Bremer Hafenressorts.

Reederei: „einzig verantwortungsvolle Entscheidung“

Direkt nach dem Unfall seien bereits Technikexperten an Bord gegangen, um den Schaden zu untersuchen, sagte eine Tui-Sprecherin. Die Fachleute stellten demnach fest, dass das Schiff zur Reparatur in eine Werft muss. Die 20-tägige Kanaren-Reise sei daraufhin abgesagt worden. Die Absage sei „die einzig verantwortungsvolle Entscheidung“. Die Sicherheit von Gästen und Crew habe „höchste Priorität“. Jetzt kümmere sich die Reederei darum, die Gäste zu betreuen.

Fallen weitere „Mein Schiff 3“-Reisen aus?

Befürchtungen über eine Reiseabsage hatten Passagiere bereits direkt nach dem Unfall. „Ich glaube, das war es mit der Reise“, sagte etwa eine Frau in einem von der Deutschen Presse-Agentur verifizierten Augenzeugenvideo vom Abend. Das Video zeigt, wie das Kreuzfahrtschiff einem an der Hafenmauer liegenden Containerschiff immer näher kommt und mit ihm zusammenstößt.
Zum Unfallzeitpunkt waren nach Angaben der Reederei 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder an Bord. Alle konnten vorerst an Bord bleiben. Ob weitere für dieses Jahr geplante Reisen mit der „Mein Schiff 3“ nach der Reparatur stattfinden können, war laut der Reederei zunächst unklar.
Auf den Hafenbetrieb in Bremerhaven hatte der Unfall zunächst keine Auswirkungen. „Nach aktuellem Kenntnisstand beeinträchtigen möglicherweise ins Wasser gefallene Schiffsteile den Schiffsverkehr nicht“, sagte der Sprecher des Bremer Hafenressorts. (dpa/red)
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Piloten: Studie zeigt riskanten Umgang mit Schlafmangel

Übermüdete Piloten sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ein erhebliches Sicherheitsrisiko in der europäischen Luftfahrt. Bei einer aktuellen Umfrage berichteten drei von vier Flugzeugführern (76,8 Prozent), dass sie in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal während eines Fluges einen Sekundenschlaf erlebt haben, so die VC. 36,8 Prozent erklärten zudem, nicht ausreichend Ruhezeit zu erhalten, um eine zunehmende Übermüdung zu verhindern.
Der Studie der Beratungsgesellschaft Baines Simmons im Auftrag der europäischen Cockpitvereinigung ECA komme allein wegen der großen Zahl von 7.200 beteiligten Piloten ein enormes Gewicht zu, erklärte die für Sicherheit zuständige VC-Vorständin Anja Granvogl. Die Kollegen beschäftigten sich sehr mit dem Thema Übermüdung und sähen dringenden Handlungsbedarf.

Schwächen bei der Meldekultur

Auch bei der Meldekultur von sicherheitsrelevanten Ermüdungserscheinungen zeige die Studie erhebliche Schwächen. Nur 37,2 Prozent der Teilnehmer geben an, sich bei ermüdungsbedingter Fluguntauglichkeit tatsächlich fluguntauglich zu melden. Fast ein Viertel (24,2 Prozent) fliege nach eigenen Angaben trotz Ermüdung weiter, ohne diese zu melden. Hier spiele die Sorge vor Bestrafungen oder Vergeltungsmaßnahmen durch das Management mit.
Die VC verlangt Konsequenzen aus dem Befund, der bei der Vorgängerstudie vor drei Jahren bereits ähnlich ausgefallen war. „Flugsicherheit darf weder vom wirtschaftlichen Druck einer Fluggesellschaft noch vom Mut einzelner Pilotinnen und Piloten abhängen“, erklärt Granvogl. Die Airlines müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und die Aufsichtsbehörden bestehende Vorschriften konsequenter überwachen sowie Regelungslücken schließen. (dpa/red)
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40-minütige Verfolgungsjagd mit zwei Jugendlichen auf A3

Zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren haben eine Verfolgungsjagd auf der Autobahn 3 mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften und sogar einem Polizeihubschrauber ausgelöst. Die beiden Minderjährigen aus Nordrhein-Westfalen fielen zunächst am Sonntagabend auf, als sie mit einem Auto mit hessischem Kennzeichen in Frankfurt am Main nach einem Verkehrsverstoß nicht wie von der Polizei aufgefordert hielten.
Daraufhin flüchteten die Jugendlichen in dem Auto auf die A3 Richtung Köln, wobei es zu mehreren „rasanten und gefährlichen“ Fahrmanövern kam, wie die Polizei mitteilte. Dabei fuhren sie laut Auskunft eines Polizeisprechers mit einem Tempo bis zu 180 Kilometer pro Stunde. Hinter der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz gerieten sie auf Höhe von Montabaur allerdings in eine Baustelle. Durch den langsameren Verkehr konnte die Polizei das Auto dort schließlich nach rund 40 Minuten Verfolgung stoppen.

Auch Polizeiauto beschädigt

Der 16-jährige Fahrer ohne Führerschein versuchte laut Polizei trotzdem, mit dem Wagen weiter zu entkommen**,** und touchierte zwei unbeteiligte Autos. Auch ein hessisches Polizeiauto wurde noch durch einen während der Flucht aus dem Fenster geworfenen Gegenstand beschädigt. Um welchen Gegenstand es sich hierbei gehandelt hatte, muss laut Polizeisprecher noch ermittelt werden.
Schließlich gelang es der Polizei, die beiden Jugendlichen festzunehmen. Sie seien dafür aus dem Auto gezogen worden, hieß es. Beide wurden demnach noch in der Nacht einem Erziehungsberechtigten übergeben. Aktuell werde ermittelt, wie sie in den Besitz des Autos gekommen seien.
Insgesamt waren den Angaben zufolge ungefähr 50 Einsatzkräfte aus Hessen und Rheinland-Pfalz an der Verfolgungsjagd beteiligt, außerdem ein rheinland-pfälzischer Polizeihubschrauber. (dpa/red)
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Die Heilkraft der Schärfe: Warum Wissenschaft und TCM plötzlich dieselben Rezepte empfehlen

Ein westlicher Ernährungswissenschaftler wird Ihnen erklären, dass Chilischoten dank Capsaicin wirken, einem Stoff, der Schmerzen lindern und den Stoffwechsel ankurbeln kann. Für einen Praktiker der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vertreibt die Chili Kälte und bringt stagnierende Energie wieder in Bewegung. Beide beschreiben dasselbe feurige Gefühl, und beide haben auf ihre Weise recht.
Von mexikanischen Salsas bis zu Sichuan-Hotpots, scharfe Zutaten verleihen Gerichten schon seit Jahrhunderten ihren besonderen Charakter. Was sich jedoch verändert hat: Die moderne Wissenschaft erforscht heute mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit die biochemischen Grundlagen von Schärfe, und bestätigt dabei oft genau das, was die TCM seit Jahrhunderten beobachtet.

Drei Wirkstoffe

Die westliche Ernährungswissenschaft konzentriert sich auf drei Wirkstoffe:
  • Piperin (schwarzer Pfeffer),
  • Capsaicin (Chilischoten) und
  • Gingerol (Ingwer).
Diese Moleküle sind für die Schärfe verantwortlich, die diesen Gewürzen ihre charakteristische Note verleiht und sie bieten zudem eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen.
Der größte Vorteil von Piperin liegt in seiner Fähigkeit, Krebsstammzellen zu unterdrücken und bestimmte Leber- und Darmenzyme zu blockieren, die normalerweise Nährstoffe abbauen, bevor diese in den Blutkreislauf gelangen.
Capsaicin reduziert Substanz P, einen Neurotransmitter, der Schmerzsignale an das Gehirn weiterleitet. Deshalb ist es ein häufiger Bestandteil von Salben gegen Arthritis und Nervenschmerzen. Zur gezielten Schmerztherapie wird Capsaicin jedoch vorwiegend äußerlich angewendet, da das Essen von Chilis Schmerzsignale in peripheren Nerven nicht auf dieselbe lokale Weise blockieren kann.
Capsaicin regt zudem die Thermogenese an, den körpereigenen Prozess der Wärmeerzeugung, was zu einem erhöhten Kalorienverbrauch führt. Diese Eigenschaft hat scharfe Speisen bei Menschen beliebt gemacht, die nach Lösungen zur Gewichtsregulierung suchen. Der Effekt auf die Gewichtsabnahme ist jedoch gering und kein Ersatz für eine Diät oder sportliche Betätigung.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Capsaicin dazu beitragen kann, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel zu senken und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern, während Ingwer in Laborstudien antimikrobielle Wirkungen gezeigt hat, die die Gesundheit des Immunsystems unterstützen können.
Die entzündungshemmenden Verbindungen des Ingwers können Muskelkater und Gelenkschmerzen lindern. Außerdem ist Ingwer reich an Antioxidantien, die oxidativem Stress entgegenwirken, der zu Alterungsprozessen und chronischen Erkrankungen beiträgt.

Die Vorteile der Schärfe

In der TCM wird Essen nicht von Medizin getrennt. Man geht davon aus, dass alles, was man isst, das innere Gleichgewicht des Körpers beeinflusst – sein Qi (Lebensenergie), das Blut und das Wechselspiel von Yin und Yang – zwei sich ergänzende, gegensätzliche Kräfte, die zusammenwirken, um das dynamische Gleichgewicht des Universums aufrechtzuerhalten.
Scharfe Zutaten werden als „warm“ oder „heiß“ eingestuft. Man sagt ihnen nach, dass sie den Kreislauf anregen und „Kälte“ sowie „Stagnation“ beseitigen; deshalb werden Ingwer, Zimt und Sichuan-Pfeffer traditionell im Winter oder von Menschen verwendet, die leicht frieren.
„Frischer Ingwer, Frühlingszwiebeln und Zimtstangen können oft eingesetzt werden, um Erkältungs- und Grippeviren abzuwehren, bevor sie sich im Körper wirklich festgesetzt haben“, erklärte Sharon Sherman, eine zugelassene Akupunkteurin und Kräuterkundlerin, gegenüber der Epoch Times. Eine weitere traditionelle Anwendung von Ingwer, nämlich die Linderung von Übelkeit, wirke direkter auf die Verdauung, sagte sie.

Bitter, sauer, scharf: Geschmack mit Funktion

„Selbst der Geschmack hat in der TCM eine eigene Bedeutung“, erklärt der TCM-Arzt und Akupunkteur Maz Roginski. Demnach regen scharfe beziehungsweise würzige Aromen das Schwitzen an; bittere Geschmacksrichtungen wirken „absenkend“, was bei Beschwerden wie Sodbrennen oder Verstopfung helfen soll. Saure Geschmacksrichtungen regen die Bildung von Speichel und anderen Körperflüssigkeiten an.
Gewürze werden selten allein verwendet. „Die synergistische Kombination von Kräutern und Gewürzen ist das Herzstück der chinesischen Kräutermedizin“, sagte Sherman. „Wir verlassen uns selten auf einzelne Kräuter, um ein Symptom oder ein Ungleichgewicht zu behandeln.“
Ein klassisches Beispiel ist der Ingwer-Süßholzwurzel-Sud aus dem „Shang Han Lun“, einem medizinischen Text aus der Östlichen Han-Dynastie. „Ingwer regt das Verdauungsfeuer an, während die Süße der Süßholzwurzel die anregende, wärmende Wirkung ausgleicht und Nebenwirkungen wie Schluckauf, Sodbrennen oder sogar Hautausschläge verhindern kann“, erklärte Sherman.
Maßhalten ist das Leitprinzip. „Anzeichen von überschüssiger Hitze, wie Durst, trockener Mund, Reizbarkeit oder ein gelber Zungenbelag, deuten darauf hin, dass wärmende Gewürze reduziert werden müssen“, erklärte Dr. Reuben Chen, ein TCM-Praktiker, gegenüber der Epoch Times.
Wer es mit der Schärfe übertrieben hat, für den hält die TCM laut Chen kühlende Gegenmittel bereit: Mungobohnensuppe soll „Hitze aus dem Blut leiten“, Chrysanthementee beruhigt gerötete Augen und Reizbarkeit, und Pfefferminztee hilft dabei, überschüssige Wärme über die Haut abzuleiten.

Nahrungsergänzungsmittel, Wechselwirkungen und Lagerung

Während die Mengen in Lebensmitteln im Allgemeinen als unbedenklich gelten, sind Nahrungsergänzungsmittel deutlich höher dosiert, gibt die US-Ernährungsexpertin Sophia Deahl zu bedenken.
„Beispielsweise sollten Menschen, die Blutverdünner einnehmen, mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie hochdosierte Kurkuma-, Ingwer- oder Knoblauchpräparate einnehmen, da diese das Blutungsrisiko beeinflussen können“, sagte sie.
Menschen mit Lebererkrankungen sollten bei hochkonzentriertem Kurkuma oder Zimt vorsichtig sein“, rät die Expertin. Schwangere sollten vor der Einnahme von Kräuter- oder Gewürzpräparaten grundsätzlich ärztlichen Rat einholen.
Wer auf zertifizierte Bio-Marken setzt, kann zudem die Belastung durch Pestizide und Schwermetalle verringern. Auch die richtige Lagerung spielt eine Rolle: In luftdichten Glasbehältern, geschützt vor Hitze, Feuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung, behalten Gewürze am längsten ihre Wirksamkeit. Ein Blick auf das Verfallsdatum lohnt sich ebenfalls – verströmt ein Gewürz sein charakteristisches Aroma nicht mehr, ist das ein Zeichen dafür, dass sich die wertvollen Wirkstoffe bereits abgebaut haben.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Benefits of Eating Spicy Foods“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Spitzensportler Böhlmark – Seine größte Entdeckung war der Mensch

Vor sechs Jahren durchquerte der Spitzensportler Jonas Böhlmark die Ostsee mit dem Stand-Up-Paddleboard (SUP). Eine 280 Kilometer lange Reise, die ihn 43 schlaflose Stunden kostete. Alle seine Fingernägel verfärbten sich blau, einer fiel ihm sogar aus. Im darauffolgenden Jahr beschloss er, mit seinem Freund Axel Bergsten bis zur russischen Grenze Ski zu fahren.
Die Reise verlief jedoch nicht ganz so, wie sie es geplant hatten. Aufgrund von Pandemie-Beschränkungen mussten sie nach 43 Tagen umkehren. Es war eine Reise von fast 1.200 Kilometern, von Grövelsjön im Westen Schwedens nahe der norwegischen Grenze bis nach Karesuando im Norden in den schwedischen Bergen, nahe der Grenze zu Finnland.

Der Hintergrund seiner Reisen

Die Reise war nicht in erster Linie eine körperliche Herausforderung, sondern diente dazu, das Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu schärfen und das Stigma rund um die bipolare Störung abzubauen. Die Krankheit wurde bei ihm im Alter von 19 Jahren diagnostiziert.
Bei einer bipolaren Störung können Betroffene zwischen manischen und depressiven Phasen wechseln. In manischen Phasen fühlen sie sich oft ungewöhnlich energiegeladen, stark und leistungsfähig – manchmal sogar so, als könnten sie alles bewältigen. In depressiven Phasen hingegen können Energie, Antrieb und Ausdauer nahezu vollständig verschwinden.
Nach seinem Abenteuer in Richtung russischer Grenze begann er, an seinem Buch zu schreiben. Er nannte es „Die bipolare Bibel“ – ein ehrliches und offenes Buch darüber, wie es sein kann, an einer bipolaren Störung zu erkranken und damit zu leben. Das Buch ist eine autobiografische Erzählung über sein Leben, seine bipolare Störung und seinen Weg ins Abenteuer.

Ein Buch wie ein Weg

Anhand seiner eigenen Erfahrungen möchte er zeigen, dass die Krankheit nicht das Leben eines Menschen bestimmen muss. In dem Buch verwebt sich die Geschichte seiner Krankheit mit seinen sportlichen Leistungen und Abenteuern. Manie, Depression, Psychosen, Training, Medikamente und Selbstbeherrschung werden Teil derselben Erzählung. Für Jonas ist körperliche Aktivität nicht nur eine Freizeitbeschäftigung – sie ist auch zu einem Weg geworden, sich besser zu fühlen und die Kontrolle zurückzugewinnen.
Das Buch nahm Gestalt an, als Jonas sich selbst in einer intensiven Lebensphase befand. Seitdem ist es gemeinsam mit seinen Abenteuern gewachsen. Das Ziel ist es, Menschen zu erreichen, die selbst mit einer bipolaren Störung leben, sondern auch Angehörige und andere, die verstehen möchten, wie es ist, mit dieser Erkrankung zu leben.
Er erklärt:
„Viele Menschen, die mit einer bipolaren Störung leben, haben ein sehr schweres Leben. Ich möchte zeigen, dass es trotzdem möglich ist, ein erfülltes und aktives Leben zu führen. Viele sagen, sie seien bipolar, aber ich halte das für eine falsche Ausdrucksweise. Man sollte sich nicht mit seiner Krankheit identifizieren. Ich habe eine bipolare Störung, aber ich bin nicht meine Krankheit.“
Das Buch entstand in den Jahren 2021 und 2022 und wurde auch ins Englische und Spanische übersetzt. Nach seinem jüngsten Abenteuer, welches internationale Aufmerksamkeit erregte, sollte dies relevant werden.

Sein längstes Abenteuer

Im September 2022, noch bevor sein Buch einen Verlag gefunden hatte, begab sich Jonas zusammen mit seinem Freund Axel auf das, was sein längstes Abenteuer werden sollte. Die Reise begann in Lyngen, hoch im Norden von Norwegen. Der Plan war, nach Süden in Richtung Treriksröset zu laufen, am Dreiländereck zu Schweden und Finnland. Der Plan war, nach Süden in Richtung Treriksröset zu laufen und dann den Torne-Fluss mit dem Stand-Up-Paddleboard bis nach Haparanda zu befahren.
Nach einiger Zeit nimmt die Reise eine Wende: Axel kehrte nach Hause zu seiner Familie und seiner Arbeit zurück. Was als gemeinsames Abenteuer begann, setzte Jonas nun alleine fort. Seine Reise führte ihn weiter nach Helsinki, der Hauptstadt Finnlands, weiter nach Tallinn, der Hauptstadt von Estland, dann nach Malmö, ganz im Süden von Schweden und wieder nach Norden, nach Mora, in Mittelschweden und Kiruna in Nordschweden, bis nach Narvik, einer Hafenstadt an der norwegischen Nordatlantikküste. Er lief, er radelte und er paddelte.
Danach entstand die Idee, mit dem SUP die Küste Europas entlang bis nach Gibralter zu paddeln, dem Tor zu Afrika, der einen Seite der Säulen des Herakles, wie man die europäischen und afrikanischen Felsen beidseits der Meerenge in der Antike nannte. Die Reise dauerte gut drei Jahre. Es gab nur leichtes Gepäck und geschlafen wurde unter freiem Himmel.
„Dieses Abenteuer hat mir sehr gutgetan. Es hat mir geholfen, meine bipolare Störung unter Kontrolle zu halten. Die tägliche körperliche Aktivität, der Aufenthalt im Freien und die klaren Routinen waren für mich wie Medizin. Ich musste in diesen Jahren keine Schlaftabletten einnehmen.“
Doch Jonas wollte noch weiter, weiter in Richtung Afrika, immer weiter nach Süden paddeln, an der Westküste Marokkos entlang.

Die Frage der Frau in Sagres

Jonas hatte sich schon vorbereitet und das meiste besorgt, was man für so eine Reise braucht. Er sah ein weiteres langes Abenteuer vor sich. Doch dann, irgendwo unterwegs, begann er sich zu fragen, warum er eigentlich weitermachte. Es ging schon nicht mehr nur um die Freude am Paddeln, sondern immer mehr darum, etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hatte.
Schließlich beschloss er, eine Pause einzulegen. Er erkannte, dass er nicht wollte, dass es nur noch darum ging, anderen etwas zu beweisen. Er wollte es doch um seiner selbst willen tun.
Diese Erkenntnis hängt mit einer Frage zusammen, die ihm eine Frau in Sagres in Portugal gestellt hatte: „Was würdest du tun, wenn du niemandem etwas beweisen müsstest?“
Die Frage ließ ihn nicht mehr los. Jonas liebt es nach wie vor, auf seinem SUP zu stehen und zu paddeln. Aber das muss nicht bedeuten, dass jede Reise länger, schwieriger oder extremer sein muss als die vorherige.
Jonas Böhlmark möchte das Stigma rund um die bipolare Störung abbauen. In „Die Bipolar-Bibel“ teilt er seine persönlichen Erfahrungen und zeigt Wege aus der Krise auf. Foto: Privat

Jonas Böhlmark möchte das Stigma rund um die bipolare Störung abbauen. In „Die Bipolar-Bibel“ teilt er seine persönlichen Erfahrungen und zeigt Wege aus der Krise auf.

Foto: Privat

Die Magie der Natur erleben

Es gibt andere Dinge, die ihm wichtig sind.
„Die Morgenstunden haben etwas Besonderes an sich. Man wacht auf, baut sein Lager ab und weiß, dass der ganze Tag noch vor einem liegt. Dann schnappt man sich sein SUP, geht hinunter zum Wasser und stellt sich auf das Brett. Wenn ich auf das SUP steige, passiert etwas in meinem Körper. Alles wird ruhig, und ein fast schon magisches Gefühl stellt sich ein. Das erlebe ich nun schon seit mehreren Jahren.“
Für Jonas ist körperliche Aktivität einer der wichtigsten Faktoren für sein Wohlbefinden. Er beschreibt die letzten Jahre als eine Zeit, in der es ihm sehr gut ging und er keine schwerwiegenden Episoden hatte. Das Training wird zu einer zusätzlichen Medizin und zu einem Weg, sich von schlechten Phasen zu erholen und mehr Kontrolle über sein Befinden zu erlangen.
„Bewegung tut jedem gut, aber für Menschen mit einer bipolaren Störung ist sie besonders wichtig. Ich würde mir wünschen, dass Ärzte den Betroffenen körperliche Aktivität verschreiben – und zwar nicht nur einmal pro Woche. Wenn es einem schlecht geht, muss man sich anstrengen und jeden Tag trainieren. Als Angehöriger ist es gut, wenn man dabei hilft, da es schwierig sein kann, aus eigener Kraft den ersten Schritt zu machen.“
Doch das Training ist nicht das Einzige, was Jonas als entscheidend hervorhebt.

Die eigenen Schwächen meistern

Mindestens ebenso wichtig ist die Selbstkontrolle. In seinem Buch beschreibt er, wie sich der manische Zustand als enorme Freude – als brennender Energieschub – anfühlen kann, aber dass er letztendlich zu nichts Gutem führt. Wie eine Droge, die einen dazu bringt, verheerende Entscheidungen zu treffen, mit denen man dann leben muss.
„Bei der Selbstbeherrschung geht es darum, das zu tun, von dem man weiß, dass man es tun muss, auch wenn man keine Lust dazu hat. Egal, wie müde ich bin, ich nehme jeden Abend meine Medikamente ein. Das ist in etwa so wie Zähneputzen. Man tut es, weil man weiß, dass es wichtig ist. Ich weiß, dass Alkohol nicht gut für mich ist, und deshalb trinke ich nicht.“
Sowohl das Buch als auch die Abenteuer sind für Jonas eine Möglichkeit, die bipolare Störung zu normalisieren. Ein bisschen so, wie Diabetes sich von einem Stigma zu einer Krankheit gewandelt hat, die jeder kennt.

„Die Menschheit ist wirklich wunderbar“

Als ich ihn frage, was die wichtigsten Erkenntnisse sind, die er während seiner Abenteuer gewonnen hat, bekomme ich eine unerwartete Antwort. Es geht nicht um körperliche Leistungen oder tiefe Einsichten über sich selbst – sondern um die innewohnende Güte anderer Menschen.
„Die Menschheit ist wirklich wunderbar. Ich habe ganz Westeuropa bereist. Ich bin langsamer unterwegs gewesen als die meisten anderen. Überall begegne ich freundlichen, guten und hilfsbereiten Menschen.“
Jonas stand in den letzten Jahren durchschnittlich vier bis sechs Stunden täglich auf seinem SUP. Sein Gepäck passt in einen wasserdichten Beutel, den er auf dem Brett mitnimmt. Kein Neoprenanzug, kein Notruftelefon, kein Begleitboot, das überprüft, ob es ihm gut geht – und keine Sponsoren.
Keine sichtbaren Sponsoren zu haben, ist eine bewusste Entscheidung von Jonas. Das erschwert seine finanzielle Situation erheblich und verschafft ihm weniger Medienpräsenz. Aber gleichzeitig schafft es Freiheit. Er muss weder Bilder noch Ergebnisse liefern noch sich danach richten, was andere von ihm erwarten.

Ohne Netz und doppelten Boden

In erster Linie geht es bei dieser Entscheidung um Jonas’ Beziehung zur Natur. Während seiner Abenteuer hat er Jahre damit zugebracht, Tag und Nacht im Freien zu verbringen. Die Natur ist ihm mittlerweile so nah, dass sie sich fast lebendig anfühlt. Wenn er sich um die Natur kümmert, wird sich die Natur auch um ihn kümmern. Er reagiert sehr empfindlich auf Müll und findet es widersprüchlich, die Natur zu nutzen, um Marken zu stärken, die eine Konsumgesellschaft unterstützen.
Jonas’ Abenteuer ist in vielerlei Hinsicht gefährlich. Ohne Begleitboot ist er alleine auf seinem SUP. Sollte etwas passieren, gibt es niemanden, der schnell zu Hilfe eilen könnte. Es gibt nur ihn selbst und die Natur.
Die Ausrüstung muss solange durchhalten, wie es nur geht. Das Board wurde schon so oft repariert, dass die Flicken mittlerweile ein Teil davon geworden sind. Derzeit schläft er in zwei kaputten Schlafsäcken, die einander ergänzen müssen. Ein Zelt besitzt er nicht. Stattdessen schläft er unter freiem Himmel, oft an Stränden oder in Waldgebieten.
Es ist ein spartanisches Leben ohne Dinge, die sonst selbstverständlich sind. Die Beschaffung von Essen, Wasser, Schlaf und einem Platz zum Schlafen wird Teil der Tagesplanung.
„Vier Jahre auf Reisen haben mir eine Perspektive auf Menschen eröffnet, denen man in den Nachrichten nicht so oft begegnet.“
Er hat oft Hilfe von fremden Menschen erhalten, und wenn er krank wurde, ging diese Hilfe manchmal über einen Teller Essen oder ein repariertes Brett hinaus. Zweimal, als er im Krankenhaus operiert wurde, sind Menschen, die er kaum kannte, zu seinen Freunden geworden und haben ihm ihr Zuhause geöffnet. In Frankreich wohnte er etwa zwei Monate lang bei einer 63-jährigen Frau und ihren Freunden. Für Jonas sind solche Begegnungen ein Beweis dafür, dass das Bild vom Menschen, das in den Nachrichten oft vermittelt wird, nicht die ganze Wahrheit ist.
Dieser Eindruck verstärkte sich noch in Gegenden, in denen die Menschen selbst echten Hunger erlebt haben und aus eigener, körperlicher Erfahrung wissen, wie es ist, in einer prekären Lage zu sein.
Eine wichtige Sache, die man beachten sollte, wenn man an einer bipolaren Störung leidet ist – und das gilt auch für alle Menschen –, sich um seine Beziehungen zu kümmern. Während meines Abenteuers habe ich sehr viele nette Menschen kennengelernt.
Diese Beziehungen sind zu einem großen Teil des Abenteuers geworden. Als er sich auf den Weg machte, ging es anfangs vor allem um die eigene Leistung, doch nach mehreren Jahren auf den Straßen haben die Menschen, denen er begegnet ist, für ihn eine immer größere Bedeutung erlangt.

Vier Jahre auf Reisen haben Jonas Böhlmarks Lebenseinstellung verändert. Jetzt sind es Beziehungen, Natur und Freiheit, die ihm am wichtigsten sind.

Foto: Privat

Eine neue Sicht auf die Zukunft

Das ist auch etwas, das offenbar seine Vorstellung von dem verändert hat, was er in der Zukunft erreichen möchte. Bei einem Abenteuer geht es also nicht unbedingt darum, ständig den nächsten Schritt zu machen, weiter zu paddeln oder etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hat. Stattdessen sind es die Beziehungen, die wichtig geworden sind, und die Natur und die Möglichkeit, selbst über den eigenen Alltag zu bestimmen.
Nun bleibt die Frage, was er mit all dem anfangen soll, was er erlebt hat, und wie ein Leben nach dem Abenteuer aussehen soll.
Das Buch ist auch ein Teil davon. Doch es ist nicht sicher, dass Jonas’ „Bipolare Bibel“ zuerst auf Schwedisch erscheinen wird. Während seiner Reise entlang des europäischen Kontinents hat er große mediale Aufmerksamkeit erhalten. In Schweden wird er jedoch selten erwähnt. Jonas beschreibt, wie er heute auf dem Rückweg als Held empfangen wird, jetzt, wo er in Portugal paddelt und weiter nach Norden fährt.
Eigentlich möchte er nach Grövelsjön in Dalarna, Westschweden, zurückkehren und als Naturführer arbeiten oder Wildniscamps organisieren. Aber er hat Angst, dass er von seiner Leidenschaft nicht leben kann. Dank der öffentlichen Aufmerksamkeit rund um sein Rekordabenteuer wäre ein entsprechender Lebensunterhalt in Südeuropa möglich.
Nach vier Jahren des Reisens zu Land und Wasser hat er jedoch bisher nicht genug. Jonas spricht davon, so lange weiter zu paddeln, bis er einen Grund findet, sich niederzulassen. Vielleicht eine Frau, mit der er eine Familie gründen kann, oder etwas so Einfaches wie eine friedliche Arbeit an einem von Europas Stränden.
Es geht nicht mehr darum, etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hat, sondern darum, zu verstehen, was er eigentlich will.
Gleichzeitig hat das Abenteuer ihn grundlegend verändert. Nach über vier Jahren unter freiem Himmel ist das einfache Leben zur neuen Normalität geworden. Als wir miteinander sprechen, hat Jonas einen Schlafplatz unter einem Sonnenschirm an einem Strand in Südeuropa gefunden. Es ist spät am Abend, und ich höre, wie der Wind heult. Er hat keine Wohnung, in die er nach Hause gehen kann, und keinen Arbeitstag, der am nächsten Morgen auf ihn wartet. Nur das SUP, sein Gepäck und den morgigen Tag.
Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.se unter dem Titel „Hans största upptäckt var människan“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Spitzensportler Böhlmark: Seine größte Entdeckung war der Mensch

Vor sechs Jahren durchquerte der Spitzensportler Jonas Böhlmark die Ostsee mit dem Stand-Up-Paddleboard (SUP). Eine 280 Kilometer lange Reise, die ihn 43 schlaflose Stunden kostete. Alle seine Fingernägel verfärbten sich blau, einer fiel ihm sogar aus. Im darauffolgenden Jahr beschloss er, mit seinem Freund Axel Bergsten bis zur russischen Grenze Ski zu fahren.
Die Reise verlief jedoch nicht ganz so, wie sie es geplant hatten. Aufgrund von Pandemie-Beschränkungen mussten sie nach 43 Tagen umkehren. Es war eine Reise von fast 1.200 Kilometern, von Grövelsjön im Westen Schwedens nahe der norwegischen Grenze bis nach Karesuando im Norden in den schwedischen Bergen, nahe der Grenze zu Finnland.

Der Hintergrund seiner Reisen

Die Reise war nicht in erster Linie eine körperliche Herausforderung, sondern diente dazu, das Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu schärfen und das Stigma rund um die bipolare Störung abzubauen. Die Krankheit wurde bei ihm im Alter von 19 Jahren diagnostiziert.
Bei einer bipolaren Störung können Betroffene zwischen manischen und depressiven Phasen wechseln. In manischen Phasen fühlen sie sich oft ungewöhnlich energiegeladen, stark und leistungsfähig – manchmal sogar so, als könnten sie alles bewältigen. In depressiven Phasen hingegen können Energie, Antrieb und Ausdauer nahezu vollständig verschwinden.
Nach seinem Abenteuer in Richtung russischer Grenze begann er, an seinem Buch zu schreiben. Er nannte es „Die bipolare Bibel“ – ein ehrliches und offenes Buch darüber, wie es sein kann, an einer bipolaren Störung zu erkranken und damit zu leben. Das Buch ist eine autobiografische Erzählung über sein Leben, seine bipolare Störung und seinen Weg ins Abenteuer.

Ein Buch wie ein Weg

Anhand seiner eigenen Erfahrungen möchte er zeigen, dass die Krankheit nicht das Leben eines Menschen bestimmen muss. In dem Buch verwebt sich die Geschichte seiner Krankheit mit seinen sportlichen Leistungen und Abenteuern. Manie, Depression, Psychosen, Training, Medikamente und Selbstbeherrschung werden Teil derselben Erzählung. Für Jonas ist körperliche Aktivität nicht nur eine Freizeitbeschäftigung – sie ist auch zu einem Weg geworden, sich besser zu fühlen und die Kontrolle zurückzugewinnen.
Das Buch nahm Gestalt an, als Jonas sich selbst in einer intensiven Lebensphase befand. Seitdem ist es gemeinsam mit seinen Abenteuern gewachsen. Das Ziel ist es, Menschen zu erreichen, die selbst mit einer bipolaren Störung leben, sondern auch Angehörige und andere, die verstehen möchten, wie es ist, mit dieser Erkrankung zu leben.
Er erklärt:
„Viele Menschen, die mit einer bipolaren Störung leben, haben ein sehr schweres Leben. Ich möchte zeigen, dass es trotzdem möglich ist, ein erfülltes und aktives Leben zu führen. Viele sagen, sie seien bipolar, aber ich halte das für eine falsche Ausdrucksweise. Man sollte sich nicht mit seiner Krankheit identifizieren. Ich habe eine bipolare Störung, aber ich bin nicht meine Krankheit.“
Das Buch entstand in den Jahren 2021 und 2022 und wurde auch ins Englische und Spanische übersetzt. Nach seinem jüngsten Abenteuer, welches internationale Aufmerksamkeit erregte, sollte dies relevant werden.

Sein längstes Abenteuer

Im September 2022, noch bevor sein Buch einen Verlag gefunden hatte, begab sich Jonas zusammen mit seinem Freund Axel auf das, was sein längstes Abenteuer werden sollte. Die Reise begann in Lyngen, hoch im Norden von Norwegen. Der Plan war, nach Süden in Richtung Treriksröset zu laufen, am Dreiländereck zu Schweden und Finnland. Der Plan war, nach Süden in Richtung Treriksröset zu laufen und dann den Torne-Fluss mit dem Stand-Up-Paddleboard bis nach Haparanda zu befahren.
Nach einiger Zeit nimmt die Reise eine Wende: Axel kehrte nach Hause zu seiner Familie und seiner Arbeit zurück. Was als gemeinsames Abenteuer begann, setzte Jonas nun alleine fort. Seine Reise führte ihn weiter nach Helsinki, der Hauptstadt Finnlands, weiter nach Tallinn, der Hauptstadt von Estland, dann nach Malmö, ganz im Süden von Schweden und wieder nach Norden, nach Mora, in Mittelschweden und Kiruna in Nordschweden, bis nach Narvik, einer Hafenstadt an der norwegischen Nordatlantikküste. Er lief, er radelte und er paddelte.
Danach entstand die Idee, mit dem SUP die Küste Europas entlang bis nach Gibralter zu paddeln, dem Tor zu Afrika, der einen Seite der Säulen des Herakles, wie man die europäischen und afrikanischen Felsen beidseits der Meerenge in der Antike nannte. Die Reise dauerte gut drei Jahre. Es gab nur leichtes Gepäck und geschlafen wurde unter freiem Himmel.
„Dieses Abenteuer hat mir sehr gutgetan. Es hat mir geholfen, meine bipolare Störung unter Kontrolle zu halten. Die tägliche körperliche Aktivität, der Aufenthalt im Freien und die klaren Routinen waren für mich wie Medizin. Ich musste in diesen Jahren keine Schlaftabletten einnehmen.“
Doch Jonas wollte noch weiter, weiter in Richtung Afrika, immer weiter nach Süden paddeln, an der Westküste Marokkos entlang.

Die Frage der Frau in Sagres

Jonas hatte sich schon vorbereitet und das meiste besorgt, was man für so eine Reise braucht. Er sah ein weiteres langes Abenteuer vor sich. Doch dann, irgendwo unterwegs, begann er sich zu fragen, warum er eigentlich weitermachte. Es ging schon nicht mehr nur um die Freude am Paddeln, sondern immer mehr darum, etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hatte.
Schließlich beschloss er, eine Pause einzulegen. Er erkannte, dass er nicht wollte, dass es nur noch darum ging, anderen etwas zu beweisen. Er wollte es doch um seiner selbst willen tun.
Diese Erkenntnis hängt mit einer Frage zusammen, die ihm eine Frau in Sagres in Portugal gestellt hatte: „Was würdest du tun, wenn du niemandem etwas beweisen müsstest?“
Die Frage ließ ihn nicht mehr los. Jonas liebt es nach wie vor, auf seinem SUP zu stehen und zu paddeln. Aber das muss nicht bedeuten, dass jede Reise länger, schwieriger oder extremer sein muss als die vorherige.
Jonas Böhlmark möchte das Stigma rund um die bipolare Störung abbauen. In „Die Bipolar-Bibel“ teilt er seine persönlichen Erfahrungen und zeigt Wege aus der Krise auf. Foto: Privat

Jonas Böhlmark möchte das Stigma rund um die bipolare Störung abbauen. In „Die Bipolar-Bibel“ teilt er seine persönlichen Erfahrungen und zeigt Wege aus der Krise auf.

Foto: Privat

Die Magie der Natur erleben

Es gibt andere Dinge, die ihm wichtig sind.
„Die Morgenstunden haben etwas Besonderes an sich. Man wacht auf, baut sein Lager ab und weiß, dass der ganze Tag noch vor einem liegt. Dann schnappt man sich sein SUP, geht hinunter zum Wasser und stellt sich auf das Brett. Wenn ich auf das SUP steige, passiert etwas in meinem Körper. Alles wird ruhig, und ein fast schon magisches Gefühl stellt sich ein. Das erlebe ich nun schon seit mehreren Jahren.“
Für Jonas ist körperliche Aktivität einer der wichtigsten Faktoren für sein Wohlbefinden. Er beschreibt die letzten Jahre als eine Zeit, in der es ihm sehr gut ging und er keine schwerwiegenden Episoden hatte. Das Training wird zu einer zusätzlichen Medizin und zu einem Weg, sich von schlechten Phasen zu erholen und mehr Kontrolle über sein Befinden zu erlangen.
„Bewegung tut jedem gut, aber für Menschen mit einer bipolaren Störung ist sie besonders wichtig. Ich würde mir wünschen, dass Ärzte den Betroffenen körperliche Aktivität verschreiben – und zwar nicht nur einmal pro Woche. Wenn es einem schlecht geht, muss man sich anstrengen und jeden Tag trainieren. Als Angehöriger ist es gut, wenn man dabei hilft, da es schwierig sein kann, aus eigener Kraft den ersten Schritt zu machen.“
Doch das Training ist nicht das Einzige, was Jonas als entscheidend hervorhebt.

Die eigenen Schwächen meistern

Mindestens ebenso wichtig ist die Selbstkontrolle. In seinem Buch beschreibt er, wie sich der manische Zustand als enorme Freude – als brennender Energieschub – anfühlen kann, aber dass er letztendlich zu nichts Gutem führt. Wie eine Droge, die einen dazu bringt, verheerende Entscheidungen zu treffen, mit denen man dann leben muss.
„Bei der Selbstbeherrschung geht es darum, das zu tun, von dem man weiß, dass man es tun muss, auch wenn man keine Lust dazu hat. Egal, wie müde ich bin, ich nehme jeden Abend meine Medikamente ein. Das ist in etwa so wie Zähneputzen. Man tut es, weil man weiß, dass es wichtig ist. Ich weiß, dass Alkohol nicht gut für mich ist, und deshalb trinke ich nicht.“
Sowohl das Buch als auch die Abenteuer sind für Jonas eine Möglichkeit, die bipolare Störung zu normalisieren. Ein bisschen so, wie Diabetes sich von einem Stigma zu einer Krankheit gewandelt hat, die jeder kennt.

„Die Menschheit ist wirklich wunderbar“

Als ich ihn frage, was die wichtigsten Erkenntnisse sind, die er während seiner Abenteuer gewonnen hat, bekomme ich eine unerwartete Antwort. Es geht nicht um körperliche Leistungen oder tiefe Einsichten über sich selbst – sondern um die innewohnende Güte anderer Menschen.
„Die Menschheit ist wirklich wunderbar. Ich habe ganz Westeuropa bereist. Ich bin langsamer unterwegs gewesen als die meisten anderen. Überall begegne ich freundlichen, guten und hilfsbereiten Menschen.“
Jonas stand in den letzten Jahren durchschnittlich vier bis sechs Stunden täglich auf seinem SUP. Sein Gepäck passt in einen wasserdichten Beutel, den er auf dem Brett mitnimmt. Kein Neoprenanzug, kein Notruftelefon, kein Begleitboot, das überprüft, ob es ihm gut geht – und keine Sponsoren.
Keine sichtbaren Sponsoren zu haben, ist eine bewusste Entscheidung von Jonas. Das erschwert seine finanzielle Situation erheblich und verschafft ihm weniger Medienpräsenz. Aber gleichzeitig schafft es Freiheit. Er muss weder Bilder noch Ergebnisse liefern noch sich danach richten, was andere von ihm erwarten.

Ohne Netz und doppelten Boden

In erster Linie geht es bei dieser Entscheidung um Jonas’ Beziehung zur Natur. Während seiner Abenteuer hat er Jahre damit zugebracht, Tag und Nacht im Freien zu verbringen. Die Natur ist ihm mittlerweile so nah, dass sie sich fast lebendig anfühlt. Wenn er sich um die Natur kümmert, wird sich die Natur auch um ihn kümmern. Er reagiert sehr empfindlich auf Müll und findet es widersprüchlich, die Natur zu nutzen, um Marken zu stärken, die eine Konsumgesellschaft unterstützen.
Jonas’ Abenteuer ist in vielerlei Hinsicht gefährlich. Ohne Begleitboot ist er alleine auf seinem SUP. Sollte etwas passieren, gibt es niemanden, der schnell zu Hilfe eilen könnte. Es gibt nur ihn selbst und die Natur.
Die Ausrüstung muss solange durchhalten, wie es nur geht. Das Board wurde schon so oft repariert, dass die Flicken mittlerweile ein Teil davon geworden sind. Derzeit schläft er in zwei kaputten Schlafsäcken, die einander ergänzen müssen. Ein Zelt besitzt er nicht. Stattdessen schläft er unter freiem Himmel, oft an Stränden oder in Waldgebieten.
Es ist ein spartanisches Leben ohne Dinge, die sonst selbstverständlich sind. Die Beschaffung von Essen, Wasser, Schlaf und einem Platz zum Schlafen wird Teil der Tagesplanung.
„Vier Jahre auf Reisen haben mir eine Perspektive auf Menschen eröffnet, denen man in den Nachrichten nicht so oft begegnet.“
Er hat oft Hilfe von fremden Menschen erhalten, und wenn er krank wurde, ging diese Hilfe manchmal über einen Teller Essen oder ein repariertes Brett hinaus. Zweimal, als er im Krankenhaus operiert wurde, sind Menschen, die er kaum kannte, zu seinen Freunden geworden und haben ihm ihr Zuhause geöffnet. In Frankreich wohnte er etwa zwei Monate lang bei einer 63-jährigen Frau und ihren Freunden. Für Jonas sind solche Begegnungen ein Beweis dafür, dass das Bild vom Menschen, das in den Nachrichten oft vermittelt wird, nicht die ganze Wahrheit ist.
Dieser Eindruck verstärkte sich noch in Gegenden, in denen die Menschen selbst echten Hunger erlebt haben und aus eigener, körperlicher Erfahrung wissen, wie es ist, in einer prekären Lage zu sein.
Eine wichtige Sache, die man beachten sollte, wenn man an einer bipolaren Störung leidet ist – und das gilt auch für alle Menschen –, sich um seine Beziehungen zu kümmern. Während meines Abenteuers habe ich sehr viele nette Menschen kennengelernt.
Diese Beziehungen sind zu einem großen Teil des Abenteuers geworden. Als er sich auf den Weg machte, ging es anfangs vor allem um die eigene Leistung, doch nach mehreren Jahren auf den Straßen haben die Menschen, denen er begegnet ist, für ihn eine immer größere Bedeutung erlangt.

Vier Jahre auf Reisen haben Jonas Böhlmarks Lebenseinstellung verändert. Jetzt sind es Beziehungen, Natur und Freiheit, die ihm am wichtigsten sind.

Foto: Privat

Eine neue Sicht auf die Zukunft

Das ist auch etwas, das offenbar seine Vorstellung von dem verändert hat, was er in der Zukunft erreichen möchte. Bei einem Abenteuer geht es also nicht unbedingt darum, ständig den nächsten Schritt zu machen, weiter zu paddeln oder etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hat. Stattdessen sind es die Beziehungen, die wichtig geworden sind, und die Natur und die Möglichkeit, selbst über den eigenen Alltag zu bestimmen.
Nun bleibt die Frage, was er mit all dem anfangen soll, was er erlebt hat, und wie ein Leben nach dem Abenteuer aussehen soll.
Das Buch ist auch ein Teil davon. Doch es ist nicht sicher, dass Jonas’ „Bipolare Bibel“ zuerst auf Schwedisch erscheinen wird. Während seiner Reise entlang des europäischen Kontinents hat er große mediale Aufmerksamkeit erhalten. In Schweden wird er jedoch selten erwähnt. Jonas beschreibt, wie er heute auf dem Rückweg als Held empfangen wird, jetzt, wo er in Portugal paddelt und weiter nach Norden fährt.
Eigentlich möchte er nach Grövelsjön in Dalarna, Westschweden, zurückkehren und als Naturführer arbeiten oder Wildniscamps organisieren. Aber er hat Angst, dass er von seiner Leidenschaft nicht leben kann. Dank der öffentlichen Aufmerksamkeit rund um sein Rekordabenteuer wäre ein entsprechender Lebensunterhalt in Südeuropa möglich.
Nach vier Jahren des Reisens zu Land und Wasser hat er jedoch bisher nicht genug. Jonas spricht davon, so lange weiter zu paddeln, bis er einen Grund findet, sich niederzulassen. Vielleicht eine Frau, mit der er eine Familie gründen kann, oder etwas so Einfaches wie eine friedliche Arbeit an einem von Europas Stränden.
Es geht nicht mehr darum, etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hat, sondern darum, zu verstehen, was er eigentlich will.
Gleichzeitig hat das Abenteuer ihn grundlegend verändert. Nach über vier Jahren unter freiem Himmel ist das einfache Leben zur neuen Normalität geworden. Als wir miteinander sprechen, hat Jonas einen Schlafplatz unter einem Sonnenschirm an einem Strand in Südeuropa gefunden. Es ist spät am Abend, und ich höre, wie der Wind heult. Er hat keine Wohnung, in die er nach Hause gehen kann, und keinen Arbeitstag, der am nächsten Morgen auf ihn wartet. Nur das SUP, sein Gepäck und den morgigen Tag.
Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.se unter dem Titel „Hans största upptäckt var människan“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Ifo-Index steigt trotz teurer Energie sechstes Mal in Folge

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hellt sich trotz gestiegener Energiepreise erneut auf und macht Hoffnung auf eine Konjunkturerholung. Im Oktober stieg das Ifo-Geschäftsklima um 0,3 Punkte auf 90,2 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer ist damit den sechsten Monat in Folge gestiegen und hat den höchsten Stand seit Frühjahr 2023 erreicht.
Das Ifo-Geschäftsklima ist zudem besser ausgefallen als von Analysten erwartet. Sie hatten im Schnitt mit einer Stagnation auf 89,9 Punkte gerechnet. „Die Konjunkturbelebung setzt sich fort“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 9.000 Unternehmen.
Gestützt wurde der Indikator durch gestiegene Erwartungen der befragten Unternehmen an künftige Geschäfte. Die Einschätzung der aktuellen Lage ist hingegen schwächer ausgefallen.
Dem Ifo zufolge trübte sich zwar die Stimmung im Dienstleistungssektor und im Handel stagnierte sie. Dagegen hellte sie sich am Bau auf. Vor allem das Barometer für gebeutelte deutsche Industrie kletterte deutlich. Die Unternehmen beurteilten ihre Lage und Erwartungen spürbar besser, schrieb Ifo-Chef Fuest. „Beide Indikatoren drehten erstmals seit mehr als drei Jahren wieder ins Plus.“

Hoffnung für die Konjunktur

„Auch wenn der Ifo-Geschäftsklimaindex nur leicht zulegt, ist dies dennoch eine gute Nachricht“, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. „In Anbetracht hoher Energiepreise und Unruhen in den europäischen Nachbarländern hätte auch ein Rückgang des Konjunkturbarometers nicht weiter verwundert“, schrieb er mit Blick auf die Lage in Frankreich.
Die Unternehmen blickten im Oktober so optimistisch auf ihren weiteren Geschäftsverlauf wie seit über viereinhalb Jahren nicht mehr. „Der Ifo-Geschäftsklimaindex macht Hoffnung, dass sich die Konjunkturerholung im kommenden Jahr fortsetzen wird.“

Immer mehr Ökonomen zuversichtlicher

Die deutsche Wirtschaft hält sich seit Monaten robuster als noch im Frühjahr befürchtet – trotz des Iran-Kriegs und des Niedrigwassers. Mehr und mehr Ökonomen erwarten dieses Jahr ein größeres Wachstum. Zuletzt hatte die Bundesregierung ihre Prognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 mehr als verdoppelt auf 1,3 Prozent Wachstum verglichen mit 2025.
Das Ifo-Institut selbst erwartet für 2026 ein Wachstum um 1,4 Prozent. 2025 hatte das BIP nur um 0,2 Prozent zugelegt, in den beiden Jahren davor war die Wirtschaft geschrumpft.
Der Anstieg des Ifo-Index sei bemerkenswert, weil die Energiepreise, vor allem der für die Industrie wichtige Gaspreis, zuletzt deutlich gestiegen seien, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Offenbar rechneten die Unternehmen hier mittelfristig mit einer Entspannung. „Alles in allem dürfte sich die Erholung der deutschen Wirtschaft fortsetzen, wobei diese wegen des Fehlens durchgreifender Reformen, Trumps Zöllen und Chinas Exportoffensive moderat ausfallen dürfte. Trotz des robusten Ifo-Geschäftsklimas wachsen die Bäume nicht in den Himmel.“

Bundesbank erwartet Jahresendspurt

Die Bundesbank erwartet, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2026 stagniert, auch wegen der Folgen des Niedrigwassers, die die Produktion in manchen Branchen wie die Chemieindustrie bremst. Zum Jahresende soll es aber wieder aufwärtsgehen: „Im vierten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung wieder spürbar wachsen.“ (dpa/red)
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Institut: So viele Firmengründungen wie seit 15 Jahren nicht

In Deutschland wurden 2025 nach einer neuen Schätzung so viele Unternehmen gegründet wie seit 15 Jahren nicht mehr. Dem Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW und der Auskunftei Creditreform zufolge gingen rund 183.000 neue Unternehmen an den Start: 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr – der höchste Stand seit 2010.
Besonders stark sei der Aufschwung bei wachstumsorientierten, innovativen Start-ups. Rund 3.100 solcher Firmen wurden 2025 gegründet, fast ein Fünftel (19 Prozent) mehr als 2024. Während vor allem die Anzahl der Gründungen kleiner Unternehmen ohne Handelsregistereintrag zunahm, sank jedoch die Zahl der Gründungen mit Handelsregistereintrag um 3,3 Prozent.
„Der deutliche Anstieg der Gründungszahlen ist ein positives Signal“, sagte ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk. „Allerdings zeigt der genauere Blick, dass vor allem Gründungen im Kleingewerbebereich für den Zuwachs verantwortlich sind. Bei größeren, kapitalintensiveren Gründungen sehen wir dagegen weiterhin eine schwächere Entwicklung.“
Die Zahlen basieren auf dem Mannheimer Unternehmenspanel von Creditreform und ZEW, das Informationen zu gut zehn Millionen Unternehmen in Deutschland enthält und rund drei Millionen Firmen abbildet. Da neue Gründungen teils erst verzögert erfasst werden, werden die Zahlen hochgerechnet.

Start-ups im Aufschwung

Einen Aufschwung sieht das ZEW bei wachstumsorientierten Start-ups: Hier sei die Zahl 2025 auf 3.100 gestiegen. Mehr als 45 Prozent davon, rund 1.400 Unternehmen, gehören zu den technologieorientierten Dienstleistungen. Dort stieg die Zahl der Gründungen zum Vorjahr um 27 Prozent. In der Erhebung zählt eine Gründung zu den wachstumsorientierten Start-ups, wenn sie als Kapitalgesellschaft gegründet wird, mehrere Gründer oder Gründerinnen beteiligt sind und das Unternehmen Forschung und Entwicklung betreibt.
Die deutsche Gründerbranche profitiert vom Boom um Künstliche Intelligenz. Erst im Juli hatte der Startup-Verband eine Rekordzahl neuer Start-ups für das erste Halbjahr verkündet.

Mehr Gründungen im Gastgewerbe, weniger in der Produktion

Laut ZEW und Creditreform zeigen sich außerdem große Unterschiede zwischen den Branchen. So wurden im Gastgewerbe rund 20.000 Unternehmen gegründet, gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr, allerdings auch bei zugleich mehr Schließungen.
Schlechter sieht es im produzierenden Gewerbe aus: Im forschungsintensiven verarbeitenden Gewerbe sank die Zahl der Gründungen um 2,6 Prozent und im Fahrzeugbau um 8,7 Prozent. Bei technologieorientierten Dienstleistungen nahm die Zahl der Gründungen mit Handelsregistereintrag dagegen um 8,5 Prozent zu. (dpa/red)
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Stromsteuer: CDU-Politiker schlägt Milliarden-Einsparungen für Entlastung vor


In Kürze:

  • Die Koalition will die Stromsteuer für alle Verbraucher auf das europäische Mindestmaß senken. Die Finanzierung der jährlich rund 5,4 Milliarden Euro teuren Maßnahme ist jedoch umstritten.
  • CDU-Haushaltspolitiker Mattfeldt sieht im Klima- und Transformationsfonds ein Einsparpotenzial von mehr als 3 Milliarden Euro, insbesondere bei internationalen Projekten.
  • Während die Union auf Einsparungen und zusätzliche Einnahmen setzt, fordert die SPD eine tragfähige Gegenfinanzierung. Ob die Vorschläge ausreichen, um die Stromsteuersenkung ab 2027 umzusetzen, bleibt offen.

 
Das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft bezahlen seit Anfang des Jahres nur noch das europäische Mindestmaß an Stromsteuer. Dieses liegt für Unternehmen zurzeit bei 0,05 Cent pro Kilowattstunde, für Privathaushalte bei 0,1 Cent.
Versprochen haben die Koalitionsparteien eine flächendeckende Stromsteuersenkung auf das Mindestmaß auch für die übrigen Unternehmen und die Privathaushalte. Allerdings ist es bislang bei Ankündigungen geblieben.
Offen ist vorwiegend die Gegenfinanzierung. Bundeskanzler Friedrich Merz drängte am Samstag, 24. Oktober, auf dem Parteitag der CSU auf ein rasches Vorgehen. Er erklärte in München:
„Wenn es eben geht – und ich denke, es geht –, dann muss die Stromsteuer im nächsten Jahr runter.“
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil geht hingegen davon aus, dass dem Bundeshaushalt durch eine vollständige Absenkung jährlich zwischen 5 und 6 Milliarden Euro fehlen würden. Er befürwortet zwar ebenfalls eine solche Entlastung – allerdings warnt er davor, etwas zu „versprechen, was man am Ende nicht halten kann“.

Ministerpräsidenten erzeugen Druck: Stromsteuer muss zeitnah sinken

In der Union hält man eine Gegenfinanzierung der allgemeinen Senkung der Stromsteuer schon ab 2027 über Einsparungen und zusätzliche Steuereinnahmen für machbar. Dafür reichten Anpassungen im Haushalt aus.
Die SPD ist skeptisch, aus den Ländern kommt ein Vorschlag von Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Er fordert eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat eine solche bereits mehrfach ausgeschlossen.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mahnt dazu, alle Möglichkeiten zu nutzen, um zu verhindern, dass Strom ein „knappes, teures Gut“ werde. Er verweist auf Steuermehreinnahmen, von denen für 2027 auszugehen sei.
Diese könne man ebenso nutzen, um die Stromsteuer zu senken, wie den Zertifikatehandel und Maßnahmen aus dem sogenannten Netzpaket von Ministerin Reiche. Konkreter wurde Kretschmer gegenüber der ARD jedoch nicht.
Es gelte insbesondere, zeitnah die Leitungsinfrastruktur für Strom aus erneuerbaren Energien auszubauen. Am Donnerstag hatte sich auch die Ministerpräsidentenkonferenz einstimmig dafür ausgesprochen, möglichst schnell die Stromsteuer für alle Nutzer zu senken. Dafür müsse man sich die entsprechenden finanziellen Spielräume im Bundeshaushalt erschließen.

Klingbeil: Steuermehreinnahmen schaffen nicht automatisch Spielräume

Für die noch nicht von der Senkung erfassten Unternehmen und die Verbraucher beläuft sich die Stromsteuer seit 2003 unverändert auf 2,05 Cent je Kilowattstunde. Bei einer Entlastung von 2,32 Cent pro Kilowattstunde einschließlich Mehrwertsteuer könnte ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden knapp 93 Euro im Jahr sparen.
Allein für private Verbraucher könnte sich das flächendeckende Entlastungsvolumen auf insgesamt rund 3 Milliarden Euro summieren. Insgesamt strebt die Koalition laut Koalitionsvertrag eine Senkung der Energiekosten um mindestens fünf Cent je Kilowattstunde an.
Derzeit geht Minister Klingbeil von Kosten in Höhe von 5,4 Milliarden Euro für die angestrebte Maßnahme aus und forderte jüngst Vorschläge ein, wie diese zu bewältigen seien. Die Steuerschätzung für 2027 spricht von etwa 4 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen.
Das Bundesfinanzministerium sieht jedoch keinen gleich hohen freien Haushaltsspielraum. Stattdessen müsse man geringeren Möglichkeiten zur Kreditaufnahme und anderen finanziellen Verpflichtungen Rechnung tragen.

GermanZero will Senkung der Stromsteuer durch Aus für „Tankrabatt“ sicherstellen

NGOs wie GermanZero regen an, bei „klimaschädlichen Subventionen“ anzusetzen. Dies würde konkret einen Verzicht auf den sogenannten Tankrabatt bedeuten. Stattdessen solle über die Senkung der Stromsteuer auch die Elektrifizierung des Verkehrs gestützt werden.
Der CDU-Haushaltspolitiker Andreas Mattfeldt hat jüngst gegenüber „BILD“ eine konkrete Einsparungsliste vorgelegt, die sich auf den Klima- und Transformationsfonds bezieht. Er sieht in diesem Sondervermögen ein Einsparungspotenzial in Höhe von mehr als 3 Milliarden Euro.
Der aus Einnahmen des Emissionshandels finanzierte Fonds verfügt derzeit über Mittel in Höhe von etwa 33 Milliarden Euro.
Mattfeldt regt vor allem die Überprüfung von Engagements im Ausland an. So seien 2026 rund 635 Millionen Euro für sogenannte internationale Biodiversitätsprojekte vorgesehen. Im nächsten Jahr seien es noch 612 Millionen Euro.
Diese sind unter anderem für den Schutz oder die Wiederherstellung von Wäldern, Pflanzen oder Korallenriffen gedacht. Auch dem Tropenwald-Fonds TFFF soll 1 Milliarde Euro zugutekommen – allerdings über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Mattfeldt: Gegenwind von Umwelt- und Entwicklungsverbänden

Auf X klagt Mattfeldt bereits über Gegenwind für seine Vorschläge. Dieser komme von „Vertretern von Umwelt-, Sozial- und Entwicklungshilfeverbänden oder NGOs, die teilweise massiv von Steuergeldern profitieren“.
Diese würden sich vehement gegen Einsparungen bei solchen Projekten und dadurch geschaffenen steuerfinanzierten Arbeitsplätzen verwahren, „von denen mancher Steuerzahler vermutlich noch nie gehört hat“.
Befürworter des Fonds halten dem entgegen, dass es sich bei der Milliarde für den TFFF um keine Schenkung handele. Vielmehr sei diese eine rückzahlbare Beteiligung – aus der bereits 2027 126,6 Millionen Euro zurückfließen sollen.
Auch darüber hinaus reichten die potenziellen Einsparungen nicht aus, um den Gegenfinanzierungsbedarf zur Senkung der Stromsteuer abzudecken.
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Koalition der Willigen: Bundeswehr übt für möglichen Einsatz in der Ukraine


In Kürze:

  • Die „Koalition der Willigen“ probt im November in Polen, Rumänien und Deutschland einen möglichen Einsatz in der Ukraine nach einem Waffenstillstand.
  • Die Bundeswehr beteiligt sich unter anderem mit etwa zehn Stabsoffizieren und zwei A400M-Tankflugzeugen; Russland lehnt NATO-Soldaten in der Ukraine ab.
  • Parallel sollen sich Unterhändler der Ukraine, Russlands und der USA in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi treffen.

 
Um einen möglichen Einsatz europäischer Truppen in der Ukraine für den Fall eines Waffenstillstands oder Friedensabkommens mit Russland zu proben, treffen sich im November Streitkräfte der sogenannten Koalition der Willigen in Polen, Deutschland und Rumänien.
An der Übung sollen laut Angaben zahlreicher Nachrichtenagenturen, zum Beispiel der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa) und der russischen Agentur „TASS“, etwa 1.500 deutsche, britische, französische Soldaten sowie polnische Truppen beteiligt sein.
Im Mittelpunkt stehe die „Verlegung von Truppen sowie die logistische Unterstützung“, wird einhellig berichtet.

Koalition der Willigen

Die „Koalition der Willigen“ ist laut Bundesregierung „ein Zusammenschluss von derzeit 35 Staaten und Organisationen, die sich gemeinsam mit der Ukraine für einen dauerhaften und gerechten Frieden für die Ukraine einsetzen sowie über Sicherheitsgarantien für eine souveräne Ukraine auch nach einem Waffenstillstand beraten“.
Weiter heißt es dazu aus dem Bundeskanzleramt: „Bundeskanzler Merz vertritt Deutschland als eine der treibenden Kräfte neben Frankreich und Großbritannien in der Koalition.“
Dieses Bündnis wurde im Februar 2025 auf Initiative von Frankreich und Großbritannien gegründet und handelt unabhängig von der NATO und der EU. Dennoch gibt es enge Verflechtungen zu beiden, wie eine Pressemitteilung der EU vom Anfang dieses Jahres unter Punkt 3 offenbarte.
Dort hieß es, eines der Hauptziele des Zusammenschlusses der „Koalition der Willigen“ sei es, nach einem Waffenstillstand „eine multinationale Truppe für die Ukraine“ aufzustellen, die unter anderem „zur Abschreckung beitragen“ soll.
Diese soll „unter europäischer Führung stehen, wobei auch nichteuropäische Mitglieder der Koalition einbezogen werden und die USA ihre Unterstützung in Aussicht gestellt haben“.

Russische Reaktion

Anlässlich der bevorstehenden Militärübung der „Koalition der Willigen“ wiederholte die staatliche Nachrichtenagentur „TASS“ die bekannte russische Position: „Russland lehnt die Präsenz von NATO-Militärpersonal in der Ukraine ab.“
Außenminister Sergej Lawrow wird mit den Worten zitiert, dass eine Gewährleistung der Sicherheit der Ukraine durch eine „ausländische militärische Intervention in einem Teil des ukrainischen Territoriums“ für Russland inakzeptabel wäre.

Polen will nur Logistikzentrum sein

Trotz dieser mehrfach wiederholten Ablehnung von NATO-Soldaten als Teil einer möglichen multinationalen Truppe zur Absicherung des Friedens in der Ukraine kommen nun Soldaten von vier Nationen der „Koalition der Willigen“ in Polen zusammen.
Die polnische Regierung hatte diese Übung bereits im Juli angekündigt. Sie war auf einem EU-Gipfeltreffen in Paris vereinbart worden. Das Manöver werde die Bereitschaft der verbündeten Staaten stärken, gemeinsam für die Sicherheit der Region und der Ukraine zu handeln, so Premierminister Donald Tusk.
Allerdings plane Polen nicht, im Rahmen einer möglichen Stabilisierungsmission Truppen in die Ukraine zu entsenden, sagte der ehemalige polnische Verteidigungsminister Janusz Onyszkiewicz in einem Interview mit der staatlichen ukrainischen Nachrichtenagentur „Ukrinform“.
Polen sei aber als operative Basis und logistischer Knotenpunkt von zentraler Bedeutung für die Koalition. Auch Transportwege würden über Polen laufen, erklärte Onyszkiewicz, wenn es zu einem Einsatz in der Ukraine käme.

Deutschland schickt Stabsoffiziere

Die deutsche Teilnahme an der Übung wurde offiziell erst am Sonntag, 25. Oktober, bestätigt. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums teilte der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa) in einer vagen Aussage den generellen deutschen Anteil an der anstehenden Übung mit.
So würden etwa zehn Stabsoffiziere, zwei Luftbetankungsflugzeuge vom Typ A400M sowie „logistische Unterstützung bereitgestellt“. Eine Gesamtzahl der beteiligten Bundeswehrsoldaten nannte dpa nicht. Stabsoffiziere bilden nach den Generälen die zweithöchste Führungsebene der Bundeswehr und umfassen die Dienstgrade Major, Oberstleutnant und Oberst.
Geübt werde nicht nur in Polen, sondern auch im Luftraum von Rumänien, der auch ins westliche Schwarze Meer reicht, sowie in Deutschland. Der Einsatz der A400M-Tankflugzeuge etwa soll von Deutschland aus gelenkt werden. Die Maschinen werden zudem von deutschen Luftwaffenstützpunkten starten.
Und auch ein Truppentransport soll durch Deutschland bis ins polnische Einsatzgebiet vorgenommen werden. Gesicherte Informationen darüber, welche Soldaten und in welcher Anzahl durch Deutschland fahren oder insgesamt an den Übungen in den drei Ländern teilnehmen, wurden nicht bekanntgegeben.
Die Londoner „Times“ veröffentlichte kürzlich unter Hinweis auf Insiderwissen, an der Gesamtübung seien „mindestens 1.500 Soldaten“ beteiligt. Auch der private polnische TV-Sender „Polsat News“ verbreitete am 25. Oktober die gleiche Anzahl.

Gleichzeitig Verhandlungen in Abu Dhabi

Begleitet wird das Militärmanöver von einer neuen diplomatischen Initiative für Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland. Darüber berichtete am 23. Oktober die Nachrichtenagentur „Reuters“.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe mitgeteilt, die Friedensunterhändler aus der Ukraine, Russland und den USA hätten sich darauf geeinigt, in der ersten Novemberhälfte – wahrscheinlich am 10. November – in Abu Dhabi „auf technischer Ebene“ zusammenzukommen.
Diese Ankündigung des ukrainischen Präsidenten erfolgte, nachdem er am 23. Oktober mit Trumps Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff gesprochen habe, so Selenskyj weiter.
Die beiden amerikanischen Sondergesandten hatten sich am 19. Oktober mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau beraten. Die russische Nachrichtenagentur „Interfax“ verbreitete eine ähnliche Erklärung wie Selenskyj.
Laut „Reuters“ forderte der ukrainische Präsident erneut, dass jedes Friedensabkommen „starke Sicherheitsgarantien für die Ukraine“ enthalten müsse. Insofern dürfte es bei dem angekündigten Gespräch in Abu Dhabi auch um die Bereitschaft der „Koalition der Willigen“ gehen, den Frieden in der Ukraine abzusichern.
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Le Pen startet Wahlkampf: Orléans abgeriegelt – Polizei hält militante Linksextreme in Schach


In Kürze

  • Die Stadt Orléans wurde am Wochenende wegen des Wahlkampf-Auftakts von Marine Le Pen abgeriegelt.
  • Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz und beschlagnahmte zuvor auch Schrotflinten, Schwerter, Messer und Schlagstöcke.
  • Le Pen versprach, die „Regel, dass der Vandale zahlt“, anzuwenden und zu verhindern, dass Frankreich „in eine Mexikanisierung mit Kartellen“ abgleitet.
  • Pierre Meurin, RN-Abgeordneter, sagte Epoch Times, dass die extreme Linke „enorm nervös“ werde, je näher der RN an die Macht rücke.

 
Marine Le Pen begann am 25. Oktober in Orléans, etwa 130 Kilometer südwestlich von Paris, ihren Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen am 18. April 2027.
Fast 3.000 Polizisten und Gendarmen waren im Einsatz – nach Warnungen, dass Tausende radikaler Linksextremisten planen, den 19. Parteitag des Rassemblement National (RN) zu stören.
Die zweitägige Versammlung fand nur eine Woche nach den Unruhen vom 17. Oktober statt, bei denen es in vielen französischen Städten zu Plünderungen und Randalen kam.

Eine abgeriegelte Stadt

Der Präfekt des Departements Loiret, Hugues Moutouh, bezeichnete das Sicherheitsaufgebot als beispiellos. Zwei Brücken über die Loire waren für den Verkehr gesperrt, gepanzerte Fahrzeuge, Wasserwerfer, Hubschrauber und Drohnen in der Stadt unterwegs.
Die Behörden hatten für den Samstag zwischen 20.000 und 30.000 Gegendemonstranten erwartet, darunter schätzungsweise 2.000 bis 3.000 „radikale Elemente“. Moutouh verbot alle Demonstrationen am Sonntag in einem weiten Umkreis um den Tagungsort, während die Ladenbesitzer in der Innenstadt ihre Schaufenster vor dem Wochenende verbarrikadierten.
An der Hauptdemonstration gegen den RN am Samstag nahmen laut Innenminister Laurent Nuñez 13.500 Menschen teil, nach Angaben der Organisatoren waren es 26.000. Sie verlief ohne größere Störungen.
Nuñez führte die relative Ruhe auf die starke Polizeipräsenz zurück. Er sagte, der Marsch sei – einschließlich der Teilnahme von militanten Linksextremen – „auf sehr hoher Ebene von den Sicherheitskräften überwacht“ worden. Außerdem hätten Gendarmen vor Beginn des Marsches „eine große Anzahl improvisierter Waffen“ beschlagnahmt, sagte er.
Die Polizeipräfektur veröffentlichte auf ihrem X-Account zwei Bilder von beschlagnahmten Gegenständen, darunter Schrotflinten, Schwerter, Messer und Schlagstöcke.

Angriff auf einen Bus

Am Sonntag gegen 5 Uhr morgens wurde ein Bus, der 11 RN-Unterstützer von Grenoble im Südosten Frankreichs zum Parteitag brachte, von etwa zehn vermummten Militanten angegriffen, die jedes Fenster einschlugen, bevor sie flohen. Das berichtete AFP. Es gab keine Verletzten, der Bus ist unbrauchbar. Ermittlungen dauern an.
In Orléans setzten sich laut dem öffentlich-rechtlichen Sender „franceinfo“ etwa 100 antifaschistische Extremisten über das Versammlungsverbot hinweg. Sie versammelten sich kurz nach 13 Uhr vor einer Abschiebehaftanstalt, 4 Kilometer von der Co’Met-Arena mit 10.000 Plätzen entfernt, in der Le Pen sprechen sollte.
Sie riefen „R wie Rassisten, N wie Nazis, nieder mit dem RN“ und machten sich auf den Weg zur benachbarten Stadt Olivet und blockierten kurzzeitig eine Hauptstraße. Schließlich wurden sie unter dem Einsatz eines Hubschraubers und unter Mobilisierung der auf städtische Gewalt spezialisierten Bereitschaftspolizei CRS 8 zurückgedrängt.

„Ein Klima des Terrors“

Auf dem Parteitag des Rassemblement National erklärte Christophe, ein 43-jähriger RN-Unterstützer, der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, dass die Einzelhändler der Stadt „verzweifelt“ seien. Sie fürchteten das ganze Wochenende Plünderungen und Einnahmeverluste, auch wenn nichts passieren sollte. Er fügte an:
„Es ist ein Sieg für diese Aktivisten, die ein Klima des Terrors mit völliger Straflosigkeit säen. Das muss sich ändern.“
Virginie Joron, RN-Mitglied des EU-Parlaments, erklärte der Epoch Times, dass die radikale Linke „antidemokratisch“ sei, weil sie versuche, das Treffen der größten rechten Partei Frankreichs zu destabilisieren.
Während des diesjährigen Kommunalwahlkampfs, so sagte sie, hätten Mitglieder der „Jeune Garde“, einer 2025 aufgelösten Antifa-Gruppe, versucht, ihre Versammlungen zu stören, und einen ihrer Aktivisten angegriffen.

Demonstranten am 25. Oktober 2026 in Orléans in Zentralfrankreich während einer Demonstration „Gegen Rassismus, Faschismus und Imperialismus“. Versammlungen blieben in weiten Teilen des Stadtgebiets von Orléans verboten.

Foto: Simon Wohlfahrt/AFP via Getty Images

Sie fügte hinzu, dass die radikale Linke, unterstützt von der demokratisch-sozialistischen Partei La France insoumise (LFI), seit dem Tod des 23-jährigen nationalistischen Aktivisten Quentin Deranque im vergangenen Februar „noch zügelloser und noch besser organisiert“ geworden sei.
Deranque starb an Hirnverletzungen, die er bei Zusammenstößen in Lyon zwischen Aktivisten der extremen Linken und der extremen Rechten erlitten hatte. 14 Menschen wurden angeklagt, darunter ein Mitarbeiter des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault, der die „Junge Garde“ mitbegründet hatte.
„Wir befürchten, dass diese Wut und Gewalt morgen noch eine Stufe weiter eskaliert, insbesondere durch Angriffe auf Menschen“, sagte Joron.

Le Pen: „Die große Schlacht um Frankreich“

Marine Le Pen wählte Orléans, die Stadt, die Jeanne d’Arc 1429 befreite, für ihre erste große Wahlkampfrede.
„In Orléans – der Stadt unserer nationalen Heldin, die den Widerstand gegen Resignation und Fatalismus symbolisiert – beginnt die große Schlacht um Frankreich, die unser Land in die Dämmerung eines neuen Tages führen wird“, sagte sie.

Marine Le Pen und der Vorsitzende des Rassemblement National, Jordan Bardella, während der Auftaktveranstaltung zu Le Pens Präsidentschaftskampagne 2027 am 25. Oktober 2026 in Orléans, Frankreich.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Die Bilder, die die französischen Bildschirme überschwemmen und „gestern noch verstörend“ waren, seien mittlerweile „oft erschreckend, da die Gewalt Tag für Tag immer ernster und unverständlicher wird“, sagte sie. „Was uns Patrioten stark macht, ist, dass wir uns stets geweigert haben, die Augen vor der Realität zu verschließen.“
Le Pen versprach, die „Regel, dass der Vandale zahlt“, anzuwenden und zu verhindern, dass Frankreich „in eine Mexikanisierung mit Kartellen“ abgleitet.
Sie schwor, kriminelle Organisationen als Terroristen zu behandeln. Wer das Gesetz bricht, „und insbesondere wer Menschen angreift – vor allem Vertreter des Staates; Feuerwehrleute, Lehrer oder Polizisten – wird drei Gewissheiten haben: die Gewissheit der Verfolgung, die Gewissheit der Bestrafung und die Gewissheit, dass sie vollstreckt wird“, sagte sie.
Ausländische Straftäter müssen mit „automatischer und dauerhafter Ausweisung“ rechnen.
„Frankreich ist immer wieder auferstanden, weil es immer Franzosen gab, die die Fahne, die auf dem Boden liegt, aufheben und es wagen, sie zu erheben“, sagte sie. „Wir wollen, dass Frankreich seine Macht zurückgewinnt.“

Jüdische Studenten äußern sich

Mitglieder der Union der jüdischen Studenten Frankreichs (UEJF), einer linksgerichteten jüdischen Studentenorganisation, störten am Sonntag die Rede des RN-Vorsitzenden, Jordan Bardella. Sie entrollten ein Transparent mit der Aufschrift „Bardella wiedergewählt: Rassismus und Antisemitismus stören das RN nicht. Ganz im Gegenteil“ und riefen Parolen.
Während des Parteitags wurde Bardella als Parteivorsitzender wiedergewählt.
Der Protest stieß auf scharfe Kritik seitens der rechtsgerichteten jüdischen Studentenorganisation „Bewegung der französischen jüdischen Studenten“ (MEJF).
„Die MEJF verurteilt die dummen und störenden Aktionen der UEJF-Aktivisten auf dem RN-Parteitag in Orléans“, schrieb die Organisation auf X. Sie bezeichnete die UEJF als „die jüdischen Tokens der Macron-Linken“ sowie als eine Organisation, die „gerade der Sache schadet, die sie zu verteidigen vorgibt“.

RN-Abgeordneter: Linke „enorm nervös“

Der Vorsitzende von La France insoumise (LFI), Jean-Luc Mélenchon, reagierte auf Le Pens Rede auf X mit den Worten:
„In Orléans applaudiert eine benommene Menge, die von Hass betäubt ist, beim RN-Kongress jeder Plattitüde auf dem gleichen Niveau wie die dümmsten Straßenkampf-Slogans. Ich danke ihnen, dass sie meinen Namen ausbuhten und das neue Frankreich beleidigten. Die Zukunft des Landes wird trotz euch gemacht werden! Sie wird gemacht werden, weil es die Wahl des Lebens gegen den Tod des Geistes und der Brüderlichkeit ist.“
Pierre Meurin, RN-Abgeordneter der Nationalversammlung, sagte der Epoch Times, dass die extreme Linke „enorm nervös“ werde, je näher der RN an die Macht rücke.
„Auch wenn es während unseres Parteitags letztlich zu keinen größeren Zwischenfällen kam, sagen diese Einschüchterungsversuche viel über den Terror aus, den die extreme Linke ausüben könnte, sollte sie jemals an die Macht kommen“, sagte er.
„Es gibt eine totalitäre Versuchung von links“, fügte er hinzu und verglich sie mit dem Terror von 1793 während der Französischen Revolution.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Le Pen Launches Presidential Run in Locked-Down Orléans as Police Keep Far-Left Militants at Bay“. (deutsche Bearbeitung ks)