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Von KI im Lügentest bis Wellen gegen Hurrikan

KI am Lügendetektor

Manchen Menschen sieht man an, wenn sie mehr wissen, als sie sagen – und kann dann gezielt nachfragen. Schwieriger wird es bei einer KI, bei der wir weder wissen, welche Infos das Programm verarbeitet, noch was es im Hintergrund alles tut. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Antworten falsch oder gezielt irreführend oder zensiert sind. David Bau von der Northeastern University und Kollegen wollen daher eine Art Lügendetektor für Sprachmodelle entwickeln, die Unstimmigkeiten zwischen Arbeitsschritten und Ausgabe erkennt. Ziel sei eine gemeinsame Grundlage für die Interpretierbarkeit von KI. Zugleich soll dies interne Rechenprozesse messbar und nachvollziehbar machen und so über einen reinen Faktencheck der Antwort hinausgehen. Von einer App, die Nutzer warnt, ist man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch weit entfernt. (ts)

Machen mehr Katzen glücklicher?

Das Wohlbefinden der Bevölkerung eines Landes wird häufig anhand eines nationalen Glücksindexes dargestellt, in den neben Einkommen auch Gesundheitskosten einfließen. Prof. Dario Maestripieri von der University of Chicago und Kollegen erweiterten diese Betrachtung jüngst um einen tierischen Faktor: die Anwesenheit von Katzen. Demnach sind Menschen in Ländern mit mehr Katzen glücklicher, während mehr Katzenparasiten, speziell Toxoplasma gondii, das Glück verringerten. Die Folgerung „mehr Katzen = mehr Parasiten“ hatte wiederum keinen Bestand, sodass der Katze-Glück-Zusammenhang am Ende doch etwas komplizierter wird. Die Studie liefert daher keine Anleitung zum Glücklichsein mit Katzen, wohl aber, dass Katzendichte und Wohlstand mit dem nationalen Glücksempfinden variieren – oder umgekehrt. (ts)

Das Streicheln einer echten Katze hat nachweislich einen langen positiven Effekt auf die Psyche.

Foto: Dima Berlin/iStock

„Phönix-Planet“ entdeckt

Die Erde und die anderen Planeten unseres Sonnensystems sind aus Material entstanden, das nach der Bildung eines Sterns übrig geblieben ist. Doch es gibt eine zweite und viel seltenere Variante der Entstehung: ein Planet, der sich aus den Resten eines Sterns bildet. Ein solcher „Phönix-Planet“, wie ihn Astronomen kürzlich entdeckten, kann durch das Element Niob nachgewiesen werden. Denn: Schwere Elemente wie dieses können nur unter den exotischen Bedingungen innerhalb sterbender Sterne entstehen. Mit den letzten Zuckungen des Sterns wird das Material ins All geschleudert, wo sich aus dem Rest ein Planet der zweiten Generation bildet – wie ein Phönix, der aus der Asche steigt. (ts)

Galileo war’s?

Ein sich nach hinten verjüngendes Rohr mit vier Linsen und einem aufrichtenden Okular, dessen konvexe Linsen im Abstand der doppelten Brennweite voneinander angeordnet sind: Dies ist kein Lexikoneintrag, sondern die Beschreibung des wahrscheinlich ersten Vierlinsen-Teleskops. Sie stammt aus dem Manuskript „De Tellescopiis Stellarum“ (1666) des spanischen Mönchs Ignacio Muñoz, der den Apparat als „fabricatum a Galilaeo“ bezeichnet. Für den Historiker Dr. José María Moreno Madrid von der irischen Universität Limerick ist die Entdeckung der Schrift von großer Bedeutung, denn bisherige Erwähnungen datierten die Erfindung um das Jahr 1645. Stimmt die Aussage über ihren Erfinder, muss Galileo Galilei (1564–1642) die Entwicklung des ältesten Vierlinsen-Fernrohrs schon um 1630 zugeschrieben werden. (kms)

Eine Seite aus „De Tellescopiis Stellarum“ (1666) von Ignacio Muñoz mit der Funktionszeichnung des Vierlinsen-Fernrohrs.

Foto: gemeinfrei

Antibiotika besser ohne Smoothie

Antibiotika sind dafür bekannt, Magenprobleme wie Durchfall zu verursachen. Das liegt daran, dass diese Medikamente neben der Bekämpfung von Infektionen oft auch gesunde Mikroorganismen im Darm abtöten, wodurch schädliche Bakterien die Oberhand gewinnen können. In diesen Momenten wird häufig zusätzlich geraten, leichte Nahrung wie Smoothies und Co. zu sich zu nehmen – getreu dem Motto: Hauptsache der Patient hat etwas im Magen. Eine neue Studie mit Krebspatienten zeigt jedoch, dass die Kombination von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Antibiotika toxisch ist und die Vielfalt des Darmmikrobioms stark verringern kann. Grundsätzlich raten die Forscher den Patienten daher – in Absprache mit ihrem Arzt – auf die Einnahme von Zucker während einer Antibiotikabehandlung zu verzichten. (ger)

Idefix auf dem Weg zum Mars

Wir schreiben das Jahr 2026, das ganze Sonnensystem wurde von Menschen erforscht. Das ganze Sonnensystem? Nein, ein kleiner Felsbrocken hört nicht auf, den Forschergeist zu wecken. Und die Erkundung ist nicht leicht für die beteiligten Organisationen aus Japan, Frankreich und Deutschland – und für Idefix. Der deutsch-französische Rover soll 2029 als erster Lander in der Geschichte der Raumfahrt auf dem Marsmond Phobos aufsetzen, um dessen Oberfläche aus nächster Nähe zu erkunden. Die Muttersonde der bisher größten japanischen Mission ins Sonnensystem soll anschließend selbst auf Phobos landen, Proben sammeln und 2031 erstmals Material aus dem Marssystem zur Erde zu bringen. Der Start ist für den 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr (MESZ) geplant und wird von der Japanischen Raumfahrtbehörde live übertragen. (ts)

Kräuterkunde bei den Elefanten

Seit den 1970er-Jahren ist bekannt, dass Tiere sich selbst behandeln können. So essen beispielsweise Schimpansen gezielt bittere Blätter gegen Darmparasiten, während Vögel ihre Nester mit insektenabwehrenden Pflanzen polstern. Nun haben Wissenschaftler des deutschen Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin nach jahrzehntelanger Arbeit das Phänomen der Zoopharmakognosie auch bei wild lebenden Afrikanischen Elefanten nachgewiesen. Die Dickhäuter suchen demnach bis zu 160 Meter tiefe Höhlen auf, um Salz und Mineralstoffe zu sich zu nehmen oder verabreichen ihrem Nachwuchs Heilpflanzen, die für ihre antibakteriellen, entzündungshemmenden oder antiparasitären Eigenschaften bekannt sind. Damit beweisen die Großsäuger einen feinfühligeren Umgang mit ihrer Natur, als unsere Redewendungen – wie ein Elefant im Porzellanladen – ihnen zuschreiben. (kms)

Sprichwörtlich sind Elefanten im Porzellanladen zu finden – mit ihrem Kräuterwissen, wären sie jedoch in einer Apotheke vermutlich besser aufgehoben.

Foto: Anna_Om/iStock

Schon gewusst?

Nicht nur Sonne und Mond haben einen Einfluss auf die Gezeiten, sondern auch die Form von Küsten. Jede Bucht hat einen natürlichen Rhythmus, in dem ihr Wasser hin und her schwappt und der durch ihre Form und Tiefe bestimmt wird. Wenn dieser Rhythmus mit dem der örtlichen Gezeiten übereinstimmt, verstärkt jede Bewegung die nächste. Gleichzeitig können auch Unterwasserberge und -grate die Gezeiten beeinflussen, indem sie die Wasserbewegung abbremsen oder deren Energie wie eine Feder wieder abgeben. So kann sich der mittlere Tidenhub von Region zu Region unterscheiden, wie die Beispiele Rotterdam (~1,90 Meter), Hamburg (~3,90 Meter) und Kimberley-Küste in Westaustralien (über 10 Meter) zeigen. (ts)

Wellen gegen Hurrikan

Flugzeuge erheben sich dank Aerodynamik in die Lüfte, Rennautos bleiben dank ihr am Boden, aber auch an Häusern entstehen bei starken Winden Druck- und Sogkräfte. Vor allem an Ecken und Kanten lösen sich die Luftströmungen – wie bei einem Heckspoiler – leicht vom Gebäude, erzeugen Wirbel und einen Unterdruck. So entsteht ein Druckgefälle und die Luft im Raum „drückt“ Wände und Dach nach außen. Damit Bauwerke dennoch Winden trotzen, kommen bisher vor allem kleine Rundungen oder stärkerer Materialien zum Einsatz. Besonders letzteres schlägt sich dabei leicht in den Kosten nieder. Erheblich günstiger könnte es durch eine Entdeckung von Wissenschaftlern um Pedro Fernández-Cabán, Assitenzprofessor für Bauingenieurwesen in den USA, werden. Ihnen zufolge können wellenförmige Flächen die Windlasten um bis zu 60 Prozent reduzieren, bislang allerdings nur in der Theorie. (ts)

Schlechte Augen wegen schlechter Luft

Glaukom (Grüner Star) und Katarakt (Grauer Star) gelten als altersbedingte Krankheiten. Einer neuen Studie zufolge könnte diese Erklärung jedoch zu kurzsichtig sein. Ahmed Alnabihi und Team einer Augenklinik in Riad, Saudi-Arabien, trugen dafür Daten von Millionen Menschen sowie der sie umgebenden Luft zusammen, konkret Feinstaub, Stick- und Schwefeloxide sowie Ozon und Kohlenstoffmonoxid. Dabei stellten sie fest, dass Gebiete mit höheren Schadstoffkonzentrationen mit mehr Augenleiden korrelieren. Da unsere Augen direkt der Außenluft ausgesetzt sind, „ist es biologisch plausibel, dass die Luftverschmutzung hier besonders schädigend wirken kann“, so Alnabihi. Die vorliegenden Daten können diesen Zusammenhang jedoch weder belegen noch andere Ursachen ausschließen. (ger)

Kein Weg zu weit

Die Osterinsel und Hawaii trennen rund 7.000 Kilometer voneinander. Für diese Entfernung würden wir heute mit einer kleinen Motoryacht etwa zehn Tage benötigen. Im 11. Jahrhundert besaßen die Menschen jedoch nur Paddel und Segel – und trotzdem meisterten sie diese lange Fahrt erfolgreich, wie eine neue Studie zeigt. So belegt eine DNA-Analyse gemeinsame Vorfahren der heutigen Bewohner von Rapa Nui und Hawaii deren Wurzeln bis nach Mangareva, Französisch Polynesien, zurückreichen. Dies beweist die Existenz einer alten Kultur, die zu wiederholten, weitreichenden Seereisen über den Pazifik fähig war – ohne Kompass und Motor, aber dafür mit Wille und Sterne. (kms)

So sehen traditionelle Boote der Polynesier aus.

Foto: Leamus/iStock

Galaktisch-gute Lage

Leben, wie wir es kennen, erfordert unter anderem flüssiges Wasser, dass nicht auf allen Planeten vorkommt. Befindet sich ein Himmelskörper zu nah an seinem Stern, ist es zu heiß; ist er zu weit draußen, ist es zu kalt. Dazwischen liegt die sogenannte zirkumstellare habitable Zone, also jener Bereich um einen Stern, in dem Leben prinzipiell die richtigen Bedingungen vorfinden könnte. Eine Studie von Forschern der Western Sydney University um Dr. Luke A. Barnes besagt, dass es diese auch im galaktischen Maßstab gibt – und unsere Milchstraße sich in einer ebensolchen Zone befindet, in der die Bedingungen über kosmisch relevante Zeiträume erhalten bleiben. Eine Zone, in der ausreichend schwere Elemente aus der früheren Sternenentstehung existieren, um Welten zu erschaffen, die Gefahren, die Leben und Welten vernichten können, aber (noch) selten sind. (ts)
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Wo brachte Hannibal seine Elefanten über die Alpen?


In Kürze:

  • Hannibals Alpenüberquerung mit 30.000 Männern und 37 Elefanten gilt heute als legendär, auch wenn die exakte Route bis heute unbekannt ist.
  • Historiker favorisierten bislang die nördliche Route über den Bergpass Col du Clapier zwischen Frankreich und Italien.
  • Deutsche Forscher berechneten nun den für die Reise benötigten Energiebedarf aller damals Beteiligten und zeigen den südlichen Weg als den besten und kürzesten auf.

 
Laut Geschichtsbüchern war im Jahr 218 v. Chr. der karthagische Feldherr Hannibal mitsamt 30.000 Soldaten und 37 Elefanten auf dem Weg von Spanien nach Rom. Sein Weg führte ihn dabei unweigerlich auf der einen oder anderen Route über die Alpen. Doch welchen Weg ist seine Armee gegangen?
Insgesamt diskutierten Wissenschaftler vier mögliche Routen:
  1. nördliche Route entlang des Flusses Isère und über den Pass Col du Clapier in die Po-Ebene
  2. nördliche Route entlang des Flusses Isère und über den Pass Col du Mont Cenis in die Po-Ebene
  3. mittlere Route vom Tal der Isère über das Pelvoux-Massiv in die Po-Ebene
  4. südliche Route durch das Tal der Drôme über die Cottischen Alpen in die Po-Ebene
Die Route von Hannibal bei der Überquerung der Alpen

Während des Zweiten Punischen Krieges soll Hannibal mit 37 Kriegselefanten von Spanien über die Alpen nach Italien marschiert sein.

Als wahrscheinlichster Weg galt bislang die nördliche Route, bei der Hannibal mit seiner Armee den Bergpass Col du Clapier nahm. Eine neue Studie, vorgelegt von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Oxford, zeigt jedoch, dass ein anderer Weg sinnvoller sei.

Energieaufwand vergleicht Wege nach Rom

Um die Wahrscheinlichkeit alternativer Routen zu bewerten, nutzten die Forscher um Dr. Emilio Berti von der Friedrich-Schiller-Universität Jena einen bioenergetischen Ansatz. Im Fokus stand der Energiebedarf der Reise, insbesondere für die Kriegselefanten.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Hannibal die Alpen über den südlichen Weg und den Pass Col de la Traversette überquerte. Mithilfe von Routenmodellen und Höhendaten berechnete das Team den Energieaufwand für jede der infrage kommenden Routen. Genutzt wurden bioenergetische Modelle, die mit Daten heutiger Afrikanischer Elefanten den Energieverbrauch in Abhängigkeit von Körpermasse und Geländeneigung berechnen.
Der Untersuchung zufolge wäre der Col de la Traversette die kürzeste und zugleich die energieeffizienteste Route gewesen. Der Energieaufwand für die gesamte Armee hätte bei 5,42 Terajoule (TJ) gelegen.
Die zweitbeste Route sei der Mittelweg über den Col de Montgenèvre und hätte 6,02 TJ erfordert. Die Route über den Col du Clapier belegte mit 6,28 TJ den dritten Platz, während die Überquerung des Col du Mont Cenis mit 6,45 TJ den höchsten Energieaufwand verursacht hätte.
Mögliche Routen und Energieverbrauch von Hannibal, seinen Männern und seinen Elefanten

Die Karte zeigt die drei möglichen Routen, die Hannibal bei der Überquerung der Alpen genommen haben könnte, wobei die beiden nördlichen Routen zu einer zusammengefasst sind (A). Außerdem sind die Energiekosten gemäß den Routen für einen Mann, ein Pferd und einen Elefanten dargestellt (B). Die Farben in den Höhenprofilen zeigen den kumulativen Energieaufwand für Hannibals Armee beim Marsch entlang der jeweiligen Route (C).

Im Vergleich zur Traversette-Route hätten die Wege über den Col de Montgenèvre, den Col du Clapier und den Col du Mont Cenis für die Armee jeweils 11 Prozent, 16 Prozent oder 19 Prozent mehr Energie erfordert.

Körperliche Belastung nicht nur für Elefanten

Die Ergebnisse verdeutlichen zudem die enorme körperliche Belastung, die der Marsch durch die Alpen für die Armee bedeutete. Den Modellrechnungen zufolge hätten die Soldaten auf der Traversette-Route rund 19 Prozent ihrer Körperfettreserven verloren, was die hohen Todeszahlen erklären könnte.
Für die Kriegselefanten ergaben die Berechnungen hingegen einen Verlust von lediglich etwa 4 Prozent ihrer Energiereserven. Dies könnte der Grund dafür sein, dass viele Elefanten die Alpenüberquerung überlebten. Alles in allem bietet die aktuelle Untersuchung alternative Denkanstöße und neue Erkenntnisse, die sich mit dem Wissen aus antiken Quellen verbinden lassen.
„Die Frage nach Hannibals genauer Route wird seit Generationen diskutiert. Die neue Analyse beseitigt zwar nicht alle Unklarheiten, liefert aber zusätzliche Argumente für die Traversette-Route. Sie zeigt, dass diese Route den Anforderungen eines Marsches einer großen Armee mit Elefanten durch anspruchsvolles Gelände am besten entsprochen hätte“, erklärt Dr. Emilio Berti vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig und der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Bis heute ist unklar, warum Hannibal während der Punischen Kriege überhaupt Elefanten einsetzte. Möglicherweise sollten sie in den ersten Schlachten gegen die Römer einen taktischen Überraschungseffekt erzielen. Ebenso denkbar ist, dass Hannibal hoffte, mit ihnen die keltischen Stämme Norditaliens zu beeindrucken und sie als Verbündete zu gewinnen.
Fresko von Hannibal auf seinem Elefanten

Ein Fresko in den Kapitolinischen Museen, Rom, zeigt Hannibal auf seinem Elefanten beim Feldzug in Italien.

Die Studie erschien am 6. Juli 2026 in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“.