In Kürze:
- Fachleute registrieren eine Zunahme der Sichtungen von Vierstreifennatter, Vipernatter und Barren-Ringelnatter.
- Alle drei Arten gelten als ungiftig und für Menschen ungefährlich.
- Mögliche Ursachen sind kürzere Winter, Lebensraumverlust oder menschliche Verschleppung.
- Ob sich die Arten dauerhaft in Deutschland etablieren, ist bislang ungeklärt.
Eine Veränderung der deutschen Fauna halten Herpetologen und Praktiker im Umgang mit Reptilien für denkbar. Bereits Ende Mai hatte die Reptilienauffangstation München auf Facebook mitgeteilt, dass drei Schlangenarten in Deutschland vermehrt beobachtet würden.
Diese sind hauptsächlich in Süd- und Südosteuropa heimisch. Die zunehmenden Sichtungen in Deutschland könnten auf eine mögliche Erweiterung ihres Lebensraums hindeuten. Konkret handele es sich um die Barren-Ringelnatter, die Vipernatter und die Vierstreifennatter.
Diese Schlangen könnten sich ausbreiten
Gegenüber „WELT“ erklärte der Leiter der Münchner Einrichtung, Markus Baur, dass vor allem die Vierstreifennatter in Bayern und teilweise auch in Hessen Aufmerksamkeit erregt habe. Sie sei häufig in der Nähe von Gewässern zu finden. In der Reptilienauffangstation München seien „in den letzten fünf Jahren bestimmt 15 Exemplare aus ganz Bayern gemeldet“ worden.
Am häufigsten würden jedoch Barren-Ringelnattern gesichtet. Sie ähnelt der hier heimischen Ringelnatter stark und bewohnt ebenso wie diese Flüsse, Seen und Feuchtgebiete. Während sie früher als Unterart der Ringelnatter galt, wird sie mittlerweile als eigenständige Art anerkannt.
Die Vipernatter ähnelt äußerlich einer Viper, ist aber tatsächlich eine Natter. Sie gilt als sehr flexibel bei der Anpassung an unterschiedliche Lebensräume.
Alle drei häufiger beobachteten Schlangenarten sind ungiftig und für Menschen ungefährlich. Während die Barren-Ringelnatter inzwischen als heimische Art anerkannt ist, gelten Vierstreifennatter und Vipernatter bislang nicht als etablierte Bestandteile der deutschen Fauna.
Ausbreitung über Lebensräume eine Sache von Generationen
Bisher gab es sieben Schlangenarten, die in Deutschland als heimisch eingestuft wurden. Dazu gehören die Ringelnatter, die Würfelnatter, die Schlingnatter beziehungsweise Glattnatter, die Äskulapnatter sowie die giftigen Arten Kreuzotter und Aspisviper. Auch die Barren-Ringelnatter zählt mittlerweile zu den heimischen Arten, ihr bisheriges Verbreitungsgebiet lag jedoch hauptsächlich westlich des Rheins. Vereinzelt wurde sie auch im Süden Deutschlands nachgewiesen, zuletzt nahm die Zahl der Sichtungen jedoch zu.
Als mögliche Gründe für die zunehmenden Beobachtungen sowie das Auftreten bislang nicht etablierter Arten wie der Vierstreifennatter und der Vipernatter kommen mehrere Faktoren infrage. Es sei jedoch noch zu früh, um zu beurteilen, ob es sich um eine dauerhafte Wanderungsbewegung handelt, die letztlich zu einer Ansiedlung führt. Eine Ausbreitung über die Alpen würde mehrere Generationen benötigen, erklärte Baur.
Mögliche Ursachen für solche Wanderungsbewegungen könnten steigende Temperaturen und kürzere Winter oder der Verlust geeigneter Lebensräume in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten sein. Auch intensive Landwirtschaft oder zunehmende Bebauung könnten eine Rolle spielen. Zudem gelangen Schlangen gelegentlich durch Aussetzung, das Entweichen aus privater Haltung oder unbeabsichtigt nach Deutschland.
Afrikanische Giftschlange in Schleswig-Holstein wahrscheinlich aus Terrarium
Dies kann etwa durch den Versand von Waren in bestimmten Behältnissen aus den Herkunftsländern der Tiere geschehen. Vor zwei Jahren entdeckten Spaziergänger eine hochgiftige afrikanische Boomslang (Baumschlange) neben einer Parkbank in Oeversee bei Flensburg in Schleswig-Holstein. Wie das Tier dorthin gelangte, ließ sich nicht eindeutig klären. Möglich ist, dass es aus einem Terrarium entkommen war. Einzelne Tiere führen jedoch nicht zur Bildung eigener Populationen.
Die Reptilienauffangstation München ruft dazu auf, Schlangen nicht zu töten oder zu stören. Sichtungen sollten möglichst zeitnah gemeldet werden. Zudem sei es wichtig, die natürlichen Lebensräume der Tiere zu erhalten.

