Mollie Engelhart: „Die Mutterschaft hat mich auf wunderschöne Weise verändert, aber auch auf eine Art, die nicht unbedingt angenehm war.“ - Foto: Serhii Sobolevskyi/iStock
Ich war eine karriereorientierte junge Frau, geprägt von feministischer Ideologie. Ich arbeitete hart, kämpfte hart und konnte mich schließlich in der männerdominierten Welt der Restaurants und Profiküchen durchsetzen. Heute denke ich, es hätte leicht passieren können, dass ich ungewollt kinderlos geblieben wäre.
Ich bekam mein erstes Kind erst mit 37. Und irgendwie schaffte ich es trotzdem noch, vier Kinder zu bekommen. Aber wenn ich mich in meinem Freundeskreis so umschaue – und im erweiterten Familienkreis –, erkenne ich, dass mein Leben auch völlig anders hätte verlaufen können.
Wenn sich das Zeitfenster leise schließt
Es ist nicht so, dass ich überall sehen würde, dass Frauen die Mutterschaft bewusst ablehnen. Sie schieben sie auf: Karriere zuerst, Stabilität zuerst, Reisen zuerst, finanzielle Freiheit zuerst, Selbstentwicklung zuerst. Doch dann beginnt sich das Fruchtbarkeitsfenster leise zu schließen.
Einige meiner engen Freundinnen fanden nach 40 liebevolle Partner, aber Kinder kamen nie. Andere heirateten in ihren späten 30ern in der Annahme, dass Kinder ganz natürlich folgen würden, nur um Jahre und enorme Summen an Geld für Fruchtbarkeitsbehandlungen auszugeben, die letztendlich scheiterten.
Einige sagen, sie hätten überhaupt nie Kinder gewollt. Vielleicht ist das für manche wirklich wahr. Aber ich vermute, dass viele Frauen einfach gelernt haben, eine Sehnsucht zu unterdrücken, von der ihnen beigebracht wurde, sie als weniger wichtig anzusehen als die individuelle Leistung.
Ich weiß auch, dass es außergewöhnliche Frauen ohne Kinder gibt, die ein zutiefst erfülltes Leben führen, und ich weiß, dass es nicht für jede Frau möglich ist, Mutter zu werden. Aber ich möchte hier darüber sprechen, was ich bei mir selbst, bei meinen Freunden und in meiner Generation beobachtet habe.
Ich sage das ohne Wertung, weil ich es zutiefst verstehe. Ich habe dieses Leben auch gelebt.
Mein Haus, mein Auto, mein Job…
Ich hatte das große Haus in einer geplanten Lebensgemeinschaft, das teure Auto, den schönen Pool, finanziellen Komfort, endlose soziale Möglichkeiten und eine Karriere, die mir Lob und Identität einbrachte. Ich dachte, ich sei zufrieden. Und in vielerlei Hinsicht war ich das auch.
Blick von oben auf ein Projektmeeting.
Foto: master1305/iStock
Aber nichts davon ist mit Kindern zu vergleichen.
Nichts ist vergleichbar mit dem Gefühl, das Wort „Mama“ an einen selbst gerichtet zu hören. Nichts ist vergleichbar damit, Leben zu schenken, es in sich zu tragen, es zu ernähren, es zu beschützen. Und zu beobachten, wie Teile von einem selbst durch einen anderen Menschen in die Welt treten.
Für mich war die Mutterschaft das, was mich schließlich erwachsen fühlen ließ. Ich weiß, dass manche Kinderlose das ungern hören werden, aber es ist die Wahrheit meiner eigenen Erfahrung.
Eine Sache, die ich selten ehrlich diskutiert höre, ist, wie schwierig es sein kann, sich spät im Leben an die Mutterschaft anzupassen.
Im Kreis um sich selbst drehen
Bis viele Frauen heute Kinder bekommen, haben sie fast zwei Jahrzehnte damit verbracht, ein Leben aufzubauen, das sich ausschließlich um sie selbst dreht. Ihre Zeitpläne, Karrieren, Reisen, der Schlaf, Routinen, Ambitionen, Finanzen und Wohnungen drehen sich um persönliche Autonomie und Selbstbestimmung.
Dann kommt plötzlich ein winziger Mensch an, der vollkommen abhängig, wild, ineffizient, zutiefst bedürftig und völlig unbekümmert um deinen Zeitplan, deinen Schlaf, deine Karriereziele oder deine emotionale Bandbreite ist.
Die moderne Welt fragt immer häufiger: „Wie bewahre ich mir meine Freiheit?“ Kinder stellen die gegenteilige Frage: „Wer zu werden bist du – für jemand anderen – bereit ?“
Die Mutterschaft hat mich auf wunderschöne Weise verändert, aber auch auf eine Art, die nicht unbedingt angenehm war. Sie hat mich gezwungen, weniger egozentrisch zu werden. Weniger besessen von meinem eigenen Komfort, meinen Ambitionen, meinem Image und meiner Kontrolle.
Kinder verlangen endloses Geben. Kein darstellerisches Geben. Echtes Geben. Geben um 3 Uhr morgens, geben, wenn man krank ist, geben, wenn niemand einem applaudiert. Geben, auch wenn es unmittelbar keine Gegenleistung dafür gibt.
Leise Fragen aus tiefstem Herzen
Und ich frage mich manchmal, ob die moderne Gesellschaft uns von dieser Art der Aufopferung weggezerrt hat.
Leise Gespräche finden an den seltsamsten Orten statt.
Vielleicht telefoniere ich gerade mit einer Anwältin, die eine geschäftliche Angelegenheit regelt, und sie sagt leise zu mir: „Darf ich Sie etwas fragen? Ich habe gerade meine Eizellen einfrieren lassen. Wie alt waren Sie, als Sie Ihr letztes Kind bekamen?“
Vielleicht ist es eine Flugbegleiterin, die meinen Schwangerschaftsbauch mit 44 Jahren bemerkt, sich sanft vorbeugt und fragt: „Ich hoffe, das ist nicht unhöflich, aber wie alt sind Sie?“ Wenn ich es ihr dann sage, faltet sie die Hände zusammen und sagt: „Sie geben den Frauen da draußen Hoffnung.“
Oder vielleicht ist es eine Frau hinter dem Tresen in einer Tierarztpraxis, die leise zugibt: „Ich bin über 40 und hoffe immer noch, eines Tages Kinder zu haben.“
Ich habe Versionen dieser Gespräche immer und immer wieder geführt. Frauen, die nach Beweisen suchen, dass es immer noch passieren kann.
Und es kann passieren.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen möglich und wahrscheinlich.
Immer mehr Gegenkräfte wirken
Die moderne Medizin hat die Fruchtbarkeit auf bemerkenswerte Weise verlängert, aber sie kann die Biologie nicht vollständig außer Kraft setzen. Gleichzeitig werden wir ständig mit endokrinen Schadstoffen, verarbeiteten Lebensmitteln, chronischem Stress, Mikroplastik, Pestiziden und Umweltchemikalien bombardiert. Viele Forscher glauben, dass sie zum Rückgang der Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen beitragen.
In vielerlei Hinsicht verlängern wir die Fruchtbarkeit technologisch, während wir sie gleichzeitig verschlechtern.
Die Wahrheit ist, dass sich die Biologie nicht gänzlich der Ideologie, dem Karrierezeitpunkt, der finanziellen Bereitschaft oder dem modernen Lebensstil beugt. Unsere besten Chancen liegen im Allgemeinen immer noch in der Jugend, auch wenn unsere Kultur die Jugend zunehmend als eine Zeit exklusiv für Selbstfindung und Unabhängigkeit behandelt.
Männer sind an diesem Wandel ebenfalls nicht unschuldig. Das moderne Erwachsenenalter dreht sich für beide Geschlechter zunehmend um persönliche Freiheit, endloses Verweilen in der Adoleszenz, Konsum, Erlebnisse und Selbstkonstruktion.
Die viele Zeit, die ich mit Tieren verbringe, hat diese Beobachtungen für mich nur noch vertieft. Wenn man Kühe Jahr für Jahr beobachtet, dreht sich ihr gesamter biologischer Rhythmus um Fortpflanzung, Geburt, Fürsorge und den Neubeginn. Die Natur selbst orientiert sich ständig am Fortbestehen.
Menschliche Wesen sind möglicherweise die einzigen Säugetiere, die in der Lage sind, diesen Instinkt vollständig außer Kraft zu setzen.
Zwei eng verbundene Seelen…
Foto: morrowlight/iStock
Fehlgeleitete Mutter-Energie?
Manchmal frage ich mich, wo stattdessen all diese Energie hinfließt.
Ich sehe oft, insbesondere unter meinen progressiveren Freunden, wie dieser Instinkt in Richtung Aktivismus, sozialer Anliegen und Schutz der Schwachen umgeleitet wird. Ich bezweifle nicht, dass viele dieser Bemühungen aus ehrlichem Mitgefühl und guten Absichten entstehen. Aber ich denke auch, dass einiges davon zu einer fehlgeleiteten mütterlichen Energie werden kann, die von der Familie losgelöst und nach außen auf die Gesellschaft allgemein umgeleitet wird.
Wenn der Instinkt zu nähren, zu schützen, zu verteidigen und zu opfern nicht mehr Kinder oder die Familie im Zentrum behält, verschwindet diese Energie nicht einfach. Sie bricht sich oft politisch, sozial und ideologisch Bahn.
Manchmal konstruktiv, manchmal destruktiv, manchmal auf eine Weise geschehend, bei der es weniger darum zu gehen scheint, tatsächlich schutzbedürftigen Menschen zu helfen. Vielmehr handelt es sich um eine Suche nach Sinn, Identität und moralischer Bedeutung – und dies in einer Welt, die zunehmend von Familie und Gemeinschaft entkoppelt ist.
Vor Kurzem haben wir für ein Paar ein Rehearsal Dinner ausgerichtet, gleich nach der Generalprobe für die Hochzeit. Die beiden waren 22 und 25 Jahre alt und Absolventen der Texas A&M University, tief katholisch, offen familienorientiert und fest entschlossen, ein Leben an gemeinsamen Werten orientiert aufzubauen, statt endloser Selbstoptimierung. Ihre Tischdekoration bestand aus wiederverwendeten Dosen, die mit lebenden Pflanzen gefüllt und Bildern von Heiligen dekoriert waren.
Als ich 22 war, waren meine Prioritäten ganz andere.
Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass diese jungen Leute vielleicht die richtige Idee haben.
Unsere Kultur erzählt jungen Menschen, sie sollen die Ehe aufschieben, Bindungen vermeiden, die Freiheit maximieren, reisen, Karrieren aufbauen und die Jugend genießen, solange sie können. Kinder werden oft als Einschränkung dargestellt, anstatt als Erfüllung.
Ich frage mich zunehmend, ob unsere Kultur Freiheit mit Erfüllung verwechselt, nur damit viele von uns erst zu spät entdecken, dass beides nicht immer dasselbe ist.
Welches Gehalt bekommt mein Kollege mit den gleichen Aufgaben? (Symbolbild) - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Deutschland hat neue Regeln zur Lohntransparenz nicht umgesetzt und verstößt damit ab dem 8. Juni gegen EU-Recht. Heute läuft eine Frist ab, bis zu der die EU-Staaten Zeit hatten, ihr nationales Recht anzupassen.
Das Bundesfamilienministerium hatte jüngst mitgeteilt, das deutsche Recht solle erst in den kommenden Monaten bis Anfang 2027 angepasst werden.
Die EU-Kommission muss nun entscheiden, ob sie ein Strafverfahren gegen Deutschland einleitet. Sollte das Recht in den nächsten Monaten wirklich angepasst werden, könnte sie davon absehen.
Das soll sich ändern
Frauen verdienen bisher im Durchschnitt weniger als Männer. In Deutschland ist ihr Bruttostundenlohn laut Eurostat-Zahlen von 2024 (jüngste verfügbare Daten) im Durchschnitt 15,6 Prozent niedriger. EU-weit liegt der Unterschied bei 11,1 Prozent.
Damit sich das ändert, sollen Beschäftigte unter anderem Auskunft darüber verlangen können, wie hoch das durchschnittliche Entgelt für vergleichbare Tätigkeiten ist, aufgeschlüsselt nach Geschlecht.
Auch müssen Arbeitgeber ab 100 Beschäftigten künftig regelmäßig zur Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern Bericht erstatten. Arbeitgeber müssen Bewerber frühzeitig über Einstiegsentgelte informieren und dürfen nicht nach dem bisherigen Gehalt fragen.
Die Richtlinie zur Entgelttransparenz war 2023 von den EU-Staaten und dem Europaparlament beschlossen worden. Die damalige deutsche Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte sich bei der Abstimmung im Rat der EU-Staaten enthalten. Seitdem stand der 7. Juni 2026 als Frist für die Umsetzung fest.
Sozialverband fürchtet Altersarmut bei Frauen
„Wer die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie ausbremst, nimmt in Kauf, dass Frauen weiterhin schlechter bezahlt werden“, sagte die Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland, Michaela Engelmeier.
Der Verband verlangt mehr Entgeltgerechtigkeit und auch eine Aufwertung sozialer und pflegerischer Berufe sowie bessere Rahmenbedingungen für Vollzeit und existenzsichernde Beschäftigung. „Denn Lohnungleichheit wirkt bis ins Alter und verstärkt das Risiko von Altersarmut bei Frauen.“
Deutschland will Veränderungen
Familienministerin Karin Prien (CDU) sagte in einem am 5. Juni veröffentlichten „Politico“-Podcast, Deutschland sei „auch mit anderen europäischen Partnerländern“ im Gespräch, um noch Veränderungen bei Umsetzungsfristen und Inhalten zu erreichen. Entgeltgleichheit müsse aber weiter politisches Ziel sein, sagte Prien.
Eine Sprecherin des Ministeriums hatte vor kurzem mitgeteilt, die Richtlinie solle „aufs Notwendige beschränkt, möglichst bürokratiearm und wirksam“ umgesetzt werden.
Als Grund für die Verzögerung nannte sie die wirtschaftliche Lage. Berichtspflicht und Auskunftsanspruch sollen erstmals zum Juni 2028 fällig werden.
Viele Frauen verdienen weniger
Hintergrund für die Lohnunterschiede sind nach Angaben der EU-Kommission systematische Ungleichgewichte – etwa, dass die Angebote für Kinderbetreuung nicht ausreichend seien und Frauen unverhältnismäßig viel Verantwortung für die unbezahlte Kinderbetreuung tragen.
Frauen legten deshalb längere Karrierepausen ein. Ein weiterer Grund seien Stereotype, die sich auf Bildung, Einstellung und Beförderung auswirken.
Deutschland hat seit 2017 ein eigenes Entgelttransparenzgesetz, das nun angepasst wird. Es erlaubt etwa Arbeitnehmern, Auskunft darüber zu verlangen, was andere Beschäftigte mit ähnlicher Arbeit in ihrer Firma verdienen.
Ein Regierungsgutachten ergab 2023 aber, dass die Regelung kaum genutzt werde, unter anderem, weil Betroffene befürchteten, so ein Auskunftsersuchen könne von ihren Vorgesetzten negativ bewertet werden. (dpa/red)
Gesundheitsschutz Ehe: Partnerschaft und gegenseitige Pflege im Alltag tragen nicht nur dazu bei, dass verheiratete Krebspatienten nach einer Diagnose im Schnitt länger überleben, sondern laut einer neuen Studie haben Ehepartner auch eine niedrigere Erkrankungsrate. - Foto: fufupix/iStock
In Kürze:
Unverheiratete haben laut aktuellen Studienergebnissen eine höhere Krebsrate (Männer +68 %, Frauen +85 %).
Der Unterschied betrifft vor allem Krebsarten durch veränderbare Lebensstile, Viren (HPV), Rauchen und Alkohol.
Genetische oder hormonelle Krebsarten wie Brust- oder Prostatakrebs hängen kaum vom Familienstand ab.
Ehepartner schützen sich gegenseitig durch gesündere Gewohnheiten, Vorsorge und das Achten auf Symptome.
Die Ehe gilt seit Langem als Schutzschild für die Gesundheit. Partnerschaft, gemeinsame Ressourcen und gegenseitige Pflege im Alltag tragen maßgeblich dazu bei, wie gut Menschen sich von Krankheiten erholen.
In der Krebsforschung zeigt sich dieses Muster auffallend konsistent: Verheiratete Patienten überleben nach einer Diagnose im Durchschnitt länger.
Doch beeinträchtigt der Beziehungsstatus auch das Risiko, überhaupt erst zu erkranken?
Eine großangelegte Studie in „Cancer Research Communications“ verglich verheiratete, geschiedene und verwitwete Menschen mit Personen, die nie geheiratet hatten. Das Ergebnis im Vergleich zu verheirateten Paaren ist eindeutig:
Männer: Wer nie verheiratet war, hat eine um 68 Prozent höhere Krebsrate.
Frauen: Bei Frauen, die nie geheiratet haben, liegt die Krebsrate sogar um 85 Prozent höher.
Diese Erkenntnisse gewinnen drastisch an Bedeutung, da sich unsere Familienstrukturen stark verändern: Die Heiratsraten unter jungen Erwachsenen sinken weltweit stetig.
Warum haben verheiratete Menschen ein geringeres Krebsrisiko?
Die Autoren der Studie analysierten Daten von US-Erwachsenen ab 30 Jahren. Dabei zeigte sich ein klares Bild:
Das erhöhte Krebsrisiko bei Alleinstehenden betrifft die meisten Krebsarten.
Der Trend zieht sich durch fast alle demografischen Gruppen.
Die genaue Ausprägung der Krebsinzidenz variiert jedoch je nach Gruppe und Krebsart.
Besonders auffällig war der Unterschied bei Gebärmutterhals-, Anal-, Leber- und Magenkrebs sowie bei bestimmten Lymphomen, die mit veränderbaren Risikofaktoren wie Infektionen, Rauchen und Alkoholkonsum in Verbindung stehen.
Krebsarten wie Brust-, Schilddrüsen- und Prostatakrebs zeigen deutlich geringere Unterschiede zwischen Verheirateten und Singles. Diese Erkrankungen werden stärker beeinflusst durch:
Vererbte Gene
Natürliche hormonelle Faktoren
Biologische Faktoren
Wie die Ehe das Risiko senkt
Die Ehe kann das Krebsrisiko auf vielfältige Weise beeinflussen. Sie bietet unter anderem einen stärkeren Schutz vor wechselnden Sexualpartnern, übermäßigem Rauchen und Alkoholkonsum.
Dieser Schutz ist im Vergleich zum reinen Zusammenleben oder dem Singlestatus ausgeprägter.
Laut der Studie wiesen Personen, die nie verheiratet waren, das höchste Risiko für HPV-bedingte Krebserkrankungen auf. Die Inzidenzraten zeigen drastische Unterschiede:
Bei Männern: Das Risiko für Analkrebs war mehr als fünfmal höher.
Bei Frauen: Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs war fast dreimal höher.
Diese Abweichungen spiegeln wahrscheinlich Unterschiede im Sexualverhalten, in der HPV-Exposition und bei der Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen wider.
„Verheiratete Partner achten möglicherweise gegenseitig auf übermäßigen Alkoholkonsum, Rauchen sowie Symptome und Anzeichen von Gesundheitsproblemen und bieten einander größere soziale und finanzielle Unterstützung“, ordnete Jagdish Khubchandani, Krebsepidemiologe und Professor für öffentliche Gesundheit an der New Mexico State University, die Studienergebnisse gegenüber Epoch Times in einer E-Mail ein.
Verheiratete Menschen könnten von gesünderen Gewohnheiten profitieren, zu denen ihre Partner sie ermutigen, wie beispielsweise eine gesunde Ernährung und körperliche Aktivität, sagte er weiter.
Partner als Gesundheitscoach: Soziale Unterstützung und das gemeinsame Achten auf Symptome schützen vor schweren Krankheiten.
Foto: monkeybusinessimages/iStock
Diese sozialen, wirtschaftlichen und lebensstilbezogenen Vorteile könnten dazu beitragen, das Risiko von Gesundheitsproblemen zu senken.
Die Studie vom April stellte auch Unterschiede bei den Erkrankungsraten für Gebärmutter- und Eierstockkrebs je nach Familienstand fest, was teilweise mit der schützenden Wirkung von Geburten gegen diese Krebsarten zusammenhängen könnte.
„Zwar kann Stress in der Ehe negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben, doch überwiegen die Vorteile der Ehe die stressbedingten Risiken“, sagte Dr. Rumaisa Hameed, Onkologin und Hämatologin, gegenüber Epoch Times.
Die Ehe könne dazu beitragen, einige dieser Faktoren auszugleichen, indem sie die Unterstützung, das Vertrauen und die Interaktion mit dem Gesundheitssystem verbessere, sagte sie.
Jenseits des Familienstands: Welche Faktoren können die Gesundheit schützen?
Fokus auf die Krebsvorsorge bei Singles
Die Autoren der Studie betonen, dass Erwachsene, die nie verheiratet waren, eine wichtige Zielgruppe für Krebsprävention und Früherkennung sein sollten. Das gilt besonders vor dem Hintergrund von:
sinkenden Heiratsraten
späteren oder ausbleibenden Geburten
sich wandelnden sozialen Normen
Gesundheitsschutz ohne Trauschein
Die gesundheitlichen Vorteile einer Ehe lassen sich möglicherweise auch durch andere Anpassungen erreichen. Professor Khubchandani empfiehlt dafür folgende konkrete Maßnahmen:
Er fungiert wahrscheinlich als Indikator für kumulierte soziale Vorteile und eine Reihe miteinander verbundener Faktoren, die das Gesundheitsverhalten und den Zugang zur Versorgung prägen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Bei dem Polyzystischen Ovarialsyndrom handelt es sich nicht um echte Eierstockzysten. Die typischen „Zysten“ sind in Wirklichkeit unreife Follikel. - Foto: Thitima Uthaiburom/iStock
15 Jahre lang suchte Sarah Kline Ärzte auf. Sie litt unter ständiger Müdigkeit, konnte trotz großer Anstrengung nicht abnehmen, hatte Fruchtbarkeitsprobleme sowie unregelmäßige und starke Regelblutungen. Doch lange erkannte niemand, dass all diese Symptome zusammenhingen.
Der Grund dafür könnte erstaunlich simpel sein: Die Erkrankung trug womöglich von Anfang an den falschen Namen.
Denn lange galt das Polyzystische Ovarialsyndrom vor allem als Erkrankung der Eierstöcke, wobei Eierstockzysten im Vordergrund standen. Heute sehen Forscher das deutlich differenzierter.
Nach einer langjährigen internationalen Studie mit rund 22.000 Patientinnen wurde nun vorgeschlagen, PCOS künftig in „polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom“ (PMOS) umzubenennen.
Die Endokrinologin Helena Teede vom Monash Centre for Health Research and Implementation ist Erstautorin der Studie, die eine Unbenennung vorschlug. Sie soll deutlicher machen, worum es bei der Erkrankung tatsächlich geht: nicht um Zysten, sondern um eine hormonelle und metabolische Störung, die den gesamten Körper beeinflusst.
„Das zentrale Problem ist, dass bei dieser Erkrankung gar keine vermehrten Zysten vorliegen“, sagte Teede gegenüber Epoch Times. „Der Name blendet praktisch alle wesentlichen Merkmale der Erkrankung aus.“
Kein zystisches Problem
Die frühere Annahme, dass Zysten die Eierstöcke der Patientinnen überfüllen, hielt sich jahrzehntelang.
Echte Zysten sind große, abnormale Eierstockfollikel, die sich auf oder im Eierstock bilden und nach dem Eisprung auftreten, wobei sie manchmal Schmerzen verursachen, wenn sie reißen.
Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei den bei PCOS beobachteten „Zysten“ um unreife Eierstockfollikel handelte – Eiersäcke, die sich zu entwickeln begannen, aber nicht vollständig ausreiften und keinen Eisprung auslösten.
Diese teilweise entwickelten Follikel können sich in den Eierstöcken ansammeln und im Ultraschall das charakteristische „Perlenkettchen“-Muster erzeugen.
Bereits 1921 begannen einige Studien, zu beschreiben, dass die Stoffwechselgesundheit eine Schlüsselrolle bei unreifen Eierstockfollikeln und PCOS spielt.
Der Hauptgrund für die Erkrankung ist die Insulinresistenz, bei der der Blutzucker ansteigt, weil die Zellen ihn nicht richtig aufnehmen. Der Name „PCOS“ und die Missverständnisse über die Erkrankung haben sich jedoch gehalten.
Bis zu 70 Prozent der Frauen mit PMOS haben laut WHO keine korrekte Diagnose. Das mangelnde Verständnis für den metabolischen Charakter der Erkrankung war wahrscheinlich der Grund, warum Kline nach vielen frustrierenden Arztbesuchen immer wieder keine Lösung fand.
Der neue Name – PMOS – soll die verschiedenen Bereiche des Körpers, die betroffen sein können, genauer widerspiegeln: Hormone, psychische Gesundheit, Haut und das Fortpflanzungssystem.
Teede sagte, die gestörten Hormone bei PMOS „verbreiten sich im ganzen Körper und richten in vielen verschiedenen Systemen Chaos an. Und all das wurde ignoriert.“
Insulinresistenz im Mittelpunkt
Die Erkrankung zeigt sich bei den Patientinnen unterschiedlich und im Laufe des Lebens wechselnd, doch Insulinresistenz zieht sich durch fast alle Fälle.
Teede schätzt, dass 85 bis 95 Prozent der PMOS-Patientinnen an Insulinresistenz leiden, was zu erhöhten Androgenwerten – manchmal auch als „männliche Hormone“ bezeichnet – führt, die Gesichtsbehaarung, Akne und unregelmäßige Perioden verursachen können.
„Wenn man die Insulinresistenz behandelt, sinken die Androgene“, sagte Teede. „Wenn man den Androgenüberschuss behandelt, sinkt der Insulinspiegel nicht. Das deutet wirklich darauf hin, dass Insulin einer der Hauptverursacher ist.“
Das Krankheitsbild beginnt typischerweise in der Pubertät mit Akne, unregelmäßigen Perioden und Gewichtsveränderungen. Während der fruchtbaren Jahre leiden Frauen oft unter Unfruchtbarkeit und psychischen Auswirkungen wie Angstzuständen und Depressionen, obwohl auch genetische Komponenten mit einfließen.
Es könnte jedoch für Ärzte und Patienten schwierig sein, die Insulinresistenz bei PMOS-Patientinnen zu beurteilen.
Die neuesten medizinischen Leitlinien stellen fest, dass „Insulinresistenz als ein Schlüsselmerkmal von PCOS anerkannt ist, doch routinemäßig verfügbare Messungen der Insulinresistenz ungenau sind und klinische Messungen derzeit nicht empfohlen werden“.
Die Ernährungsberaterin Martha McKittrick, eine zertifizierte Diabetesberaterin, hofft, dass die Hinzufügung des Wortes „metabolisch“ zum Namen der Erkrankung ein Weckruf für Ärzte sein wird, mehr Vorsorgeuntersuchungen auf Cholesterin und Hämoglobin A1c, eine dreimonatige Blutzuckermessung, durchzuführen.
Tests wie Nüchterninsulin oder der orale Glucosetoleranztest können Insulinresistenz früh erkennen, oft lange bevor sich Typ-2-Diabetes entwickelt.
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Diese Tests messen die langfristigen Folgen einer unkontrollierten Insulinresistenz. Nüchterninsulin oder orale Glucosetoleranztests können durchgeführt werden, mit denen eine Insulinresistenz erkannt werden kann, bevor sie sich zu Typ-2-Diabetes entwickelt.
Die Leitlinien erwähnen auch die Vorteile von Ernährung und Bewegung zur Senkung der Insulinresistenz.
„Sie sollten sich nach Möglichkeit mit einem Ernährungsberater oder einem anderen Gesundheitsfachmann beraten, der über die ernährungsbezogenen Aspekte aufklären kann […] entzündungshemmende Diäten, mediterrane Ernährung, die dazu beitragen können, die Insulinresistenz zu verbessern und das Risiko für Typ-2-Diabetes sowie für Herzerkrankungen zu senken“, sagte McKittrick.
Wie Ernährung den Zyklus steuert
Dr. Joel Evans, Gynäkologe und Mitbegründer sowie Chief Medical Officer von Vayas360, sagte, dass die Ernährung immer Teil seines Behandlungsplans für PMOS-Patientinnen sei und er dabei eine enorme Wirkung beobachtet habe.
Nahrung versorgt den Hypothalamus mit Energie, der Signale an die Hypophyse sendet, die für die Hormonproduktion zuständig ist.
Bei jemandem, der sich gesund ernährt, koordiniert dieser Prozess eine hormonelle Symphonie, die alle 28 Tage eine Eizelle freisetzt und so für einen normalen Menstruationszyklus sorgt.
„Wenn man aufgrund schlechter Ernährungsgewohnheiten einen erhöhten Insulinspiegel hat, verändert das die Funktionsweise des Hypothalamus“, sagte Evans.
„Die Hypophyse bewirkt dann zwei Dinge im Eierstock: Sie stoppt die Eizellenproduktion und den Menstruationszyklus und erhöht den Testosteronspiegel.“
Testosteron kann die Insulinresistenz weiter verschlimmern und so einen Teufelskreis auslösen.
Antibabypillen werden seit Langem zur Regulierung der Hormone bei PMOS-Patientinnen eingesetzt, aber sie wirken sich nicht immer auf den Insulinspiegel aus und es kann Nebenwirkungen geben.
Teede sagte, dass Gewichtsabnahme zwar die Symptome verbessere, Statistiken jedoch die Komplexität des medizinischen Ratschlags „Abnehmen“ aufzeigen, insbesondere für diejenigen, die bereits adipös sind.
Eine Studie im „American Journal of Public Health“ zeigte: Bei Frauen mit schwerer (morbider) Adipositas liegt die Chance, innerhalb eines Jahres 5 Prozent ihres Körpergewichts zu verlieren, bei nur eins zu sieben.
Dies unterstreicht, wie wichtig eine frühzeitige Intervention ist, bevor sich der Zustand weiter verschlechtert.
Leitlinien fordern eine deutlich bessere Erkennung von PCOS-Merkmalen auch außerhalb der gynäkologischen Praxis.
Dazu gehören vor allem metabolische Risikofaktoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe, psychische Belastungen sowie das erhöhte Risiko für Komplikationen bei Schwangerschaften.
Die Identitätskrise der Erkrankung
Nicht jeder ist davon überzeugt, dass die Umbenennung schnell zu einer besseren Versorgung führen wird. Evans sagte, Berufsverbände und Krankenkassen müssten die Bemühungen unterstützen, damit sie Wirkung zeigen.
„Im Großen und Ganzen glaube ich, dass die Dynamik da ist“, sagte er. „Aber es ist verfrüht, zu sagen, dass alle den Namen ändern.“
Die Identitätskrise der Erkrankung ist nicht neu. Frühe medizinische Bücher beschrieben sie als chronische Ovaritis mit Symptomen wie Unterleibsschmerzen, Menstruationsstörungen, vergrößerten Eierstöcken und Unfruchtbarkeit.
Später wurde die Erkrankung als Stein-Leventhal-Syndrom bezeichnet, benannt nach den Ärzten, deren Arbeit auf früheren Entdeckungen aufbaute.
Bis in die 1970er-Jahre konzentrierten sich die Forscher auf die endokrinen Ursachen der Erkrankung, wobei sich der Fokus ab den 1980er- und 1990er-Jahren auf Stoffwechselstörungen verlagerte. Zu dieser Zeit tauchte auch der Begriff „PCOS“ erstmals auf.
Die heutige Initiative zur Namensänderung dauerte 14 Jahre und umfasste die Befragung von 22.000 Patientinnen. Ironischerweise, so Teede, seien die Patientinnen selbst ein großes Hindernis gewesen, da sich viele so abgewiesen und stigmatisiert fühlten, dass sie sich nicht an der Umbenennungsinitiative beteiligen wollten.
„Sie sind so frustriert. Diese Erkrankung löst sehr starke emotionale Reaktionen aus“, sagte Teede.
McKittrick merkte an, dass die Erkrankung in den letzten Jahren viel mehr Aufmerksamkeit erhalten habe, sie den Effekten der Umbenennung aber skeptisch gegenüberstehe.
„Es könnte eine positive Sache sein und ich bin nicht gegen die Namensänderung. Aber ich bin auch skeptisch, dass plötzlich alles großartig sein wird“, sagte sie und fügte hinzu, dass ein Name den Mangel an Wissen bei Ärzten und Patienten über die Erkrankung selbst nicht sofort beheben werde.
Ein positiver Kreislauf
Bei Kline wurde die Diagnose schließlich im März gestellt, was eine Umstellung mit sich brachte, die eine Kombination aus neuen Medikamenten und Änderungen des Lebensstils beinhaltete.
Sie nimmt nun Metformin ein, das „off-label“ zur Behandlung von PMOS eingesetzt wird. Es senkt den Androgenspiegel, verbessert die Insulinsensitivität und löst den Eisprung aus.
Die Entscheidung für das Medikament sei ihr schwer gefallen, sagte Kline, da es Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Übelkeit und Durchfall mit sich bringe.
Kline nimmt außerdem Myo-Inositol ein, ein Nahrungsergänzungsmittel, das die Insulinsignalisierung und die chemischen Botenstoffe im Gehirn unterstützt und so die psychische Gesundheit fördern soll.
Ihre neue Therapie hat ihr viel Energie verliehen, sodass sie nun selbst kochen und regelmäßig trainieren kann, was einen positiven Kreislauf in Gang gesetzt hat. Außerdem arbeitet sie mit einer Ernährungsberaterin zusammen, die sie über Ernährung aufgeklärt hat.
„Ich kann kaum glauben, dass die Hälfte der Sachen, die ich in meinem Vorratsschrank hatte, so schrecklich war“, sagte Kline. „Ich bin jetzt definitiv auf dem richtigen Weg, aber es hat lange gedauert, bis ich hier angekommen bin.“
Nach all den Irrwegen, die sie durchlaufen musste, sagte Kline, dass die Diagnose an sich ihr wenig bedeutete. Es war die Behandlung, die ihr schließlich Frieden brachte.
Das sei das eigentliche Ziel der Namensänderung, sagte Teede, denn die verzögerte Versorgung schade den Patienten und behindere die Forschung.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Mehr Schutz für Opfer häuslicher Gewalt geplant. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Opfer häuslicher Gewalt sollen sich nach dem Willen der Bundesregierung künftig schneller von ihren Partnern scheiden lassen können. Das sieht ein Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) vor, der den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben) vorlag.
Die geplante Änderung im Eherecht trage dem berechtigten Bedürfnis von Gewaltopfern Rechnung, „eine mit dem Gewalttäter eingegangene Ehe möglichst schnell zu beenden“, heißt es darin.
Scheidung ohne Trennungsjahr möglich
„Wer Gewalt durch den eigenen Partner erfährt, muss sich auch ohne Ablauf des Trennungsjahres scheiden lassen können“, sagte Hubig den Funke-Zeitungen. „Hier brauchen wir eine gesetzliche Klarstellung.“
In Deutschland werden Ehen in der Regel nach Ablauf des Trennungsjahrs geschieden. Eine frühere Scheidung ist nur möglich, wenn die Situation für einen der Partner ansonsten eine „unzumutbare Härte“ darstellen würde.
Hubig präzisiert mit ihrem Gesetzentwurf die Bedingungen für eine Scheidung schon vor Ablauf des Trennungsjahres.
Eine „unzumutbare Härte“ liegt demnach vor, wenn beispielsweise eine Ehefrau, die sich scheiden lassen will, oder ein mit ihr lebendes Kind von dem Mann „vorsätzlich und widerrechtlich am Körper, an der Gesundheit, der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung verletzt“ worden ist.
Wohnortschutz vor Gericht geplant
Hubigs Vorstoß sieht zudem vor, dass die Opfer von häuslicher Gewalt bei Verfahren vor Familiengerichten gegenüber dem anderen Elternteil ihren Wohnort besser geheim halten können.
Bisher müssen die Verfahren am aktuellen Aufenthaltsort des Kindes geführt werden, wodurch ein gewalttätiger Ex-Partner Rückschlüsse auf die Wohnadresse ziehen kann.
„Wer von Gewalt betroffen ist, darf nicht zusätzlich dadurch gefährdet werden, dass er im Gerichtsverfahren den eigenen Aufenthaltsort offenlegen muss“, sagte Hubig. „Betroffene von häuslicher Gewalt dürfen nicht durch das Verfahren erneut in Gefahr geraten.“
Nach dem Willen der Justizministerin sollen die Verfahren durch Einführung eines Wahlgerichtsstands künftig auch am früheren Aufenthaltsort des Kindes geführt werden können.
„Gewalt in der Familie ist kein privates Problem“, sagte Hubig. Wer von häuslicher Gewalt betroffen sei, müsse sich auf den Schutz des Staates verlassen können. Die Familiengerichte hätten dabei eine „Schlüsselrolle“. (afp/red)
Für das Theatertreffen werden jährlich die „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ nach Berlin eingeladen. (Archivbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa
Das Berliner Theatertreffen verzichtet in den nächsten beiden Jahren auf die Frauenquote. Für das Bühnenfestival werden die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. Seit 2020 galt dabei, dass mindestens die Hälfte von Frauen oder überwiegend weiblichen Kollektiven stammen muss.
„Die neue Jury hat sich nach ausgiebiger Beratung entschieden, für die Festivalausgaben 2027 und 2028 ohne Frauenquote zu sichten und einzuladen“, teilte das Festival zum Abschluss des diesjährigen Theatertreffens am Sonntagabend mit. Mehrere Medien berichteten darüber.
Zwei Jurymitglieder erklärten in der Zeitung „Welt“ und auf dem Kritikerportal „Nachtkritik“, was ihrer Meinung nach für die Entscheidung spricht. Der Anteil von Regisseurinnen im Theater sei zum Beispiel gestiegen, außerdem gebe es non-binäre Regieführende. Eine Quote bedeute immer auch, dass bei der Juryauswahl eben doch ein weiteres Kriterium zähle. Und brauche es dann nicht auch Quoten für andere Eigenschaften?
Jurymitglied: „Uneingeschränkt das künstlerisch Bemerkenswerte“
„Es wird im nächsten Jahr wieder uneingeschränkt um das künstlerisch Bemerkenswerte gehen, egal von wem“, schrieb Jurymitglied Jakob Hayner in der „Welt“. „Und es wird darum gehen, genauer hinzuschauen, was aus Sicht der Kritik im Betrieb für wen gut oder schlecht läuft.“
Denn beim nächsten Theatertreffen werde die Jury „ihre Beobachtungen und Sichtungserfahrungen zu strukturellen Ungleichheiten“ mit der Öffentlichkeit teilen, teilte das Festival mit.
Die Frauenquote war 2019 eingeführt worden für die Festivalausgaben 2020 und 2021. Für jedes weitere Jahr sei sie dann von der jeweils amtierenden Jury neu beraten und beschlossen worden. (dpa/red)
Pfingstrosen in ganzer Pracht. - Foto: IvoraObrazy/iStock
Blumen, Pralinen, ein paar nette Worte – und das war es dann mit dem Muttertag? Noch immer leisten Frauen mit kleinen Kindern mehr Sorgearbeit und sind deutlich seltener berufstätig als Väter in derselben Familiensituation, konstatiert das Statistische Bundesamt Anfang Mai. Doch darüber wird am Muttertag selten gesprochen. Deutschlandweit gibt es rund 30 Millionen Mütter.
Werbung lässt ihn heute eher als ein Fest des Kommerzes erscheinen. Was bedeutet dieser Brauchtumstag noch in einem Land, in dem es deutlich weniger Mütter gibt als früher? Eine kleine Bestandsaufnahme aus der Sicht eines Kulturwissenschaftlers.
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Ein Mädchen am 9. Mai 2026 während der Feierlichkeiten zum Muttertag in der Unterkunft „Comunidad de Luz“ in Tijuana im mexikanischen Bundesstaat Baja California.
Foto: Guillermo Arias/AFP via Getty Images
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Feier am 9. Mai 2026 in Tijuana im mexikanischen Bundesstaat Baja California.
Foto: Guillermo Arias/AFP via Getty Images
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Migranten malen zum Muttertag im Flüchtlingsheim „Comunidad de Luz“ in Tijuana im mexikanischen Bundesstaat Baja California ein Wandbild.
Foto: Guillermo Arias/AFP via Getty Images
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Blumensträuße stehen am Tag vor Muttertag am Straßenrand im mittelfränkischen Dinkelsbühl vor einem gelb blühenden Rapsfeld zum Verkauf.
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US-Präsident Donald Trump hält am 8. Mai 2026 in Washington, DC im Vorfeld des Muttertags am 10. Mai im Weißen Haus.
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US-Präsident Donald Trump während eines Mittagessens zum Muttertag im Rosengarten des Weißen Hauses. Trump empfängt am 8. Mai bereits „Angel Moms“ und „Gold Star Mothers“.
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Etwa die Hälfte der Erwachsenen wollen zu Muttertag etwas kaufen.
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Thailand feiert den Geburtstag der Ex-Königin traditionell als Muttertag.
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Muttertag: Heute von Kommerz getrieben
„Nicht in dem Sinn, dass durch ihn etwas verändert oder ein anderes Bewusstsein geschaffen werden soll“, sagt Gunther Hirschfelder, Kulturwissenschaftler an der Universität Regensburg.
„Der Tag ist heute vom Kommerz getrieben und füllt wie der Valentinstag eine Leerstelle.“ Denn kirchliche Feste verlören im Jahreskalender an Bedeutung.
„Wenn ich es rein kultur- und konsumkritisch sehen würde, dann hat der Muttertag heute sogar etwas von Respektlosigkeit“, ergänzt Hirschfelder. Denn um die Situation von Müttern gehe es in der Öffentlichkeit selten.
Ihnen falle mit dem Geschenke-Annehmen eine rein passive Rolle zu. Der Tag wirke so wie Deko oder Verniedlichung. In weniger akademischen und urbanen Milieus spiele er heute eine größere Rolle als im klassischen Bürgertum.
Mittlerweile sind rund 20 Prozent der Frauen kinderlos
Vor allem offenbare er ein demografisches Dilemma, meint Hirschfelder. „Mutter zu sein, ist in Deutschland heute keine Selbstverständlichkeit mehr.“ Der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer soll in der Rentendebatte des Jahres 1957 noch gesagt haben: „Kinder kriegen die Leute immer.“ Mit einem Blick auf die Statistik hat er sich mit dieser Einschätzung geirrt.
Blieben unter Frauen der Jahrgänge 1938 bis 1940 in Deutschland tatsächlich nur rund elf Prozent kinderlos, sind es heute nach den Daten des Statistischen Bundesamts recht konstant 20 Prozent – ob gewollt oder ungewollt.
Wachsen kann Deutschland ohne Zuwanderung nur, wenn 80 Prozent der Frauen mehr als zwei Kinder bekämen. Der Schnitt liegt allerdings bundesweit bei 1,35.
Patchwork-Familien und Muttertag
Hirschfelder sieht ihn im zunehmenden Aufweichen der klassischen bürgerlichen Kleinfamilie: „Bei Patchwork kann es für Kinder schon knifflig werden, wer zum Muttertag ein Geschenk bekommen soll“, sagt der Forscher. „Nur die leibliche Mutter oder auch die neue Frau des Vaters?“
Nicht zu vernachlässigen sei heute auch das Mutterbild in Migrantenfamilien. „Dort herrschen manchmal sehr konservative Rollenbilder vor, gerade mit Blick auf Frauenrechte kann das problematisch sein. Aber es gibt dort eben auch eine tiefere Form von Wertschätzung einer Mutter gegenüber als wir ihn hier kennen. Eine ähnliche Form von Respekt beobachte ich auch in Teilen der postsowjetischen Welt, die ich kenne, in Moldau und in der Ukraine.“
Unterschiede zwischen Ost- und West
Hirschfelder sieht vor allem andere Traditionen. Im Westdeutschland der frühen 1960er Jahre sei der Muttertag eine kleine Bühne gewesen, auf der Frauen wenigstens einmal im Jahr öffentlich zum Thema wurden.
„Das war eine Zeit, in der die gesellschaftliche Norm von Frauen verlangte, zu Hause zu bleiben und Kinder zu bekommen. Ein Leben in Pflichterfüllung, als Anhängsel des Mannes, quasi unsichtbar.“
Allein deshalb sei dieser Tag damals wichtig gewesen. Erst in den 1970er Jahren kursierte in der westdeutschen Frauenbewegung der Slogan: „Danke für die Blumen. Rechte wären uns lieber!“
In Ostdeutschland war das anders. Frauen in der DDR waren meist berufstätig. Der gesellschaftliche Fokus mit einem Schwerpunkt auf Gleichberechtigung lag allerdings auf dem Frauentag, der Muttertag war Privatsache.
Wobei Hirschfelder die Situation von Müttern im Osten nicht glorifizieren möchte. „Bei der Traktoristin, der Melkerin oder der Baubrigade-Frau kam die Care-Arbeit für ihre Kinder noch obendrauf.“
Wen interessiert der Muttertag heute?
Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 2.122 Männern und Frauen über 18 Jahren im April 2024 knüpfen Mütter an „ihren“ Tag höhere Erwartungen als Väter an den Vatertag. 62 Prozent der interviewten Mütter wünschten sich Geschenke von ihren Kindern, sei es gemeinsam verbrachte Zeit (36 Prozent), Blumen (22 Prozent), Schokolade oder Pralinen (9 Prozent) oder etwas anderes. Bei den Vätern lege nur jeder zweite Wert auf den Vatertag.
Nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland kauft in diesem Jahr rund ein Drittel der Bundesbürger (30 Prozent) Muttertagsgeschenke, im Schnitt für 18,72 Euro pro Person. Der Verband rechnet mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.
Blumen, so weit das Auge reicht: Der Muttertag bedeutet für Gärtner und Floristen jede Menge Arbeit. Schon gewusst? Vor 100 Jahren gab es den besonderen Tag erstmals in Deutschland.
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Ursprünglich kommt der Tag aus den USA
In den Vereinigten Staaten gründete Ann Maria Reeves 1865 die Bewegung Mothers Friendships Day, die zum Ziel hatte, Mütter zu vernetzen und ihren Austausch zu fördern.
Am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach ihrem zweiten Todestag, veranstaltete ihre Tochter Anna Marie Javis eine Gedenkveranstaltung zu Reeves‘ Ehren. Im Jahr darauf wurde daraus eine allen Müttern gewidmete Veranstaltung. Bereits 1909 wurde der Muttertag landesweit gefeiert. Eine Resolution des US-Kongresses machte ihn 1914 zum nationalen Feiertag.
In Deutschland wurde der Tag auf Initiative des Verbands Deutscher Blumengeschäftsinhaber am 13. Mai 1923 erstmals gefeiert. Die Nationalsozialisten nutzten den Muttertag für ihre Propaganda und machten ihn zum Feiertag, was ihn bis heute teils umstritten macht.
In der DDR wurde der Muttertag nicht offiziell begangen, im Fokus stand der internationale Frauentag am 8. März. Ein gesetzlicher Feiertag ist der Muttertag in der Bundesrepublik nicht. (dpa/afp/red)