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Die Wirkung von Astaxanthin: Was die aktuelle Forschung tatsächlich belegt

Das Pigment, das Wildlachs seine rote Farbe verleiht, wird heute in Flaschen abgefüllt und als eines der stärksten Antioxidantien der Welt vermarktet. Die Aussage ist bemerkenswert, doch die wissenschaftliche Beweislage ist deutlich differenzierter.
Astaxanthin ist ein marines Carotinoid, das von Mikroalgen wie Haematococcus pluvialis gebildet wird und über die Nahrungskette von Krill und Garnelen bis hin zu Fischen wie Forellen und Lachs gelangt.
Die Wellnessbranche hat es aufgegriffen und bewirbt es als Antioxidans, das in Labortests angeblich 6.000-mal stärker als Vitamin C sein soll, verbunden mit Vorteilen wie glatterer Haut, besserem Sehvermögen, weniger Entzündungen und verbesserter Gehirngesundheit.
Als Wissenschaftlerin für klinische Ernährung halte ich die Forschungsergebnisse für interessant, sehe aber zugleich, dass Marketing die wissenschaftlichen Nuancen und die tatsächliche Datenlage beim Menschen häufig vereinfacht darstellt.
Die Wirkung hängt stark von der Aufnahme ab und variiert je nach Dosierung, Darreichungsform und der Frage, ob Astaxanthin über natürliche Lebensmittel oder als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt wird.

Lachs vs. Nahrungsergänzungsmittel

Die grundlegende Frage: Ist Wildlachs besser als ein Nahrungsergänzungsmittel für Astaxanthin?
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist eine hochwertige Vollwertnahrungsquelle für den menschlichen Körper überlegen.
Wildlachs, insbesondere Rotlachs, liefert Astaxanthin in einer synergistischen Matrix, die unsere Zellen erkennen, zusammen mit Omega-3-Fettsäuren, Eiweiß, Selen und anderen Nährstoffcofaktoren, die die Aufnahme unterstützen.
Omega-3-Fettsäuren helfen dabei, Astaxanthin besser aufzunehmen, da es fettlöslich ist, Protein unterstützt den Transport im Körper und Selen wirkt zusammen mit Astaxanthin für einen stärkeren antioxidativen Schutz.
Zuchtlachs aus dem Atlantik enthält in der Regel deutlich weniger Astaxanthin, was auf Unterschiede bei Futtermitteln und algenbasierten Zusatzstoffen zurückzuführen ist.
Weitere nützliche Nahrungsquellen sind Regenbogenforelle, Rotbrasse und Schalentiere wie Garnelen, Krill, Krabben und Krebse, wobei sich das Pigment bei Schalentieren hauptsächlich in der Schale und nicht im essbaren Fleisch konzentriert.

Natürliche Astaxanthinquellen: Regenbogenforelle, Rotbrasse und Schalentiere wie Garnelen, Krill und Krabben. Das Pigment steckt bei Schalentieren vor allem in der Schale.

Foto: ahirao_photo/iStock

Nahrungsergänzungsmittel hingegen können viel höhere und gezieltere Dosen liefern, oft 4 bis 12 Milligramm pro Tag, was über dem liegt, was die meisten Menschen aus ein paar Portionen Lachs erhalten. Doch die Aufnahme variiert erheblich von Person zu Person.
Astaxanthin ist eine fettlösliche Verbindung, daher hängt die Aufnahme von der Produktform und davon ab, ob man es zusammen mit Nahrungsfett einnimmt.
Forschungsergebnisse zeigen, dass ölbasierte Kapseln, die zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen werden, effektiver aufgenommen werden als trockene Tabletten auf nüchternen Magen.
Die Qualität der Marke und die Zusammensetzung sind wichtiger als das Wort „natürlich“ auf dem Etikett, obwohl das meiste Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich aus Haematococcus pluvialis, einer für den menschlichen Verzehr zugelassenen Mikroalge, gewonnen wird.
Wildlachs, eine der reichhaltigsten natürlichen Quellen für Astaxanthin, kann in einer typischen Portion mehrere Milligramm des Pigments liefern, was einer mittleren Dosis in Nahrungsergänzungsmitteln entspricht.
Der Verzehr von Wildlachs mehrmals pro Woche ist der ideale Weg, Astaxanthin aufzunehmen, da er reich an Proteinen und gesunden Fetten ist, was aber in der täglichen Ernährung schwer umzusetzen ist.
Nahrungsergänzungsmittel eignen sich am besten als praktische Ergänzung für diejenigen, die selten Fisch essen, und nicht als Ersatz für eine gute Mahlzeit.
Für den täglichen Gebrauch kosten hochwertige Astaxanthin-Nahrungsergänzungsmittel in der Regel etwa 20 bis 50 US-Dollar pro Monat für 4 bis 12 Milligramm pro Tag.

Unterstützung für Haut und Augen

Eine der am häufigsten geäußerten Behauptungen, die ich in meiner Arbeit höre, ist, dass Astaxanthin Falten glättet und der Haut einen strahlenden Teint verleiht.
Eine kontrollierte Studie am Menschen ergab, dass die Einnahme von 4 bis 12 Milligramm Astaxanthin pro Tag über acht bis 16 Wochen Hautrötungen durch UV-Sonneneinstrahlung reduziert, die Hautfeuchtigkeit verbessert und dazu beitragen kann, die Schutzbarriere der Haut zu stärken, obwohl es bei tiefen Falten kaum einen Unterschied macht.
Astaxanthin ist kein „Botox in Tablettenform“. Im besten Fall ist Astaxanthin ein unterstützendes Nahrungsergänzungsmittel, das zusätzlich zu Sonnenschutz, einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr eingenommen werden sollte.
Es wird tiefe Falten nicht beseitigen, kann aber dazu beitragen, die Hautgesundheit in eine bessere Richtung zu lenken.
Astaxanthin kann die Hautverjüngung unterstützen und bei Sonnenschäden helfen, ist jedoch kein kosmetischer Eingriff und kein Ersatz für grundlegende Hautpflege und eine gesunde Lebensweise.
Ähnlich bescheiden, aber realistisch, ist das Bild für die Augengesundheit.
Eine Übersichtsarbeit zu den Anwendungen von Astaxanthin in der Augenheilkunde zeigt, dass die tägliche Einnahme von etwa 4 bis 9 Milligramm in Form eines Nahrungsergänzungsmittels die Augen vor oxidativem Stress schützen und den Sehkomfort verbessern kann.
Besonders bei Erwachsenen, die viele Stunden vor Bildschirmen verbringen, konnte Astaxanthin die Symptome von Augenermüdung spürbar verringern.
Man kann es sich wie eine Schutzhülle oder eine Art von Komfort für die Netzhaut vorstellen, die gleichzeitig hilft, die Ermüdung der Augen zu verringern.
Es kann helfen, den Stress durch das ständige Starren auf Bildschirme den ganzen Tag über abzufedern, ersetzt jedoch keine angemessenen Bildschirmpausen, das Blinzeln oder eine Augenuntersuchung, wenn man unter Sehproblemen leidet.

Entzündungen und Herzgesundheit

Laborstudien zeigen, dass Astaxanthin schädliche freie Radikale wirksam neutralisiert, insbesondere im Fettgewebe, und seine antioxidative Wirkung in Reagenzglasversuchen kann weitaus höher erscheinen als die klassischer Antioxidantien wie Vitamin C.
Doch die vermarkteten Zahlen, wonach es „tausendmal stärker als Vitamin C“ sei, stammen aus chemischen Tests im Reagenzglas und lassen sich nicht direkt auf eine tausendfach stärkere Wirkung beim Menschen übertragen.
In Studien am Menschen sind die Belege bescheiden. Astaxanthin kann helfen, oxidativen Stress zu senken – was Antioxidantien tun – und Entzündungen zu reduzieren, aber die tatsächlich nachgewiesenen Vorteile sind meist gering und hängen von der Dosis, der Ernährung und dem Lebensstil ab.
Diese Studien deuten darauf hin, dass es hilft, wichtige Entzündungsmarker zu senken, mit kleinen Verbesserungen bei HDL-Cholesterin, Triglyceriden und dem diastolischen Blutdruck. Die Veränderungen bei LDL- und Gesamtcholesterin sind gering und nicht in allen Studien konsistent.
Es ist keine entzündungshemmende Pille und kein Statin zur Senkung des Cholesterinspiegels. Es mag helfen, Hintergrundentzündungen zu dämpfen und einige herzbezogene Marker in die richtige Richtung zu lenken, aber niemand sollte es anstelle von Medikamenten einnehmen, und es beseitigt nicht die Risiken einer ungesunden Ernährung oder chronischer Belastungen.
Eine Übersichtsarbeit zu marinen Carotinoiden stellte fest, dass die Form von Astaxanthin in Algen und Schalentieren dessen Stabilität und Resorption beeinflusst.
Für Nutzer von Nahrungsergänzungsmitteln kommt es vor allem darauf an, wie das Produkt hergestellt wird und ob es zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen wird. Denn Fett verbessert die Resorption erheblich, genau wie bei der natürlichen Aufnahme von Astaxanthin über den Verzehr von Meeresfrüchten, die im Allgemeinen reich an gesunden Fetten sind.

Gehirngesundheit

Der vielleicht überzeugendste neue Forschungsbereich bei Astaxanthin ist der der Neuroprotektion.
Eine Übersichtsarbeit zur Gehirnforschung zeigt, dass Astaxanthin eines der wenigen Antioxidantien ist, das die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann und dabei hilft, Gehirnzellen vor Schäden durch oxidativen Stress zu schützen.
Deshalb untersuchen Wissenschaftler es im Hinblick auf Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson.
Kleine Studien am Menschen mit einer Dosierung von 6 bis 12 Milligramm pro Tag über acht bis zwölf Wochen ergaben leichte Verbesserungen des Gedächtnisses und der Hand-Augen-Koordination, oft verbunden mit einem geringeren Stresslevel im Körper.
Es gibt jedoch keine groß angelegten Langzeitstudien, die belegen, dass Astaxanthin Alzheimer oder einen starken kognitiven Verfall verhindert.
Derzeit ist es eher ein unterstützender, neuroprotektiver Nährstoff, der als Teil eines umfassenderen Behandlungsplans in Betracht gezogen werden sollte.
Der Hype um die antioxidative Wirkung von Astaxanthin ist real, aber ebenso real ist die Kluft zwischen dem, was die Wissenschaft belegt, und dem, was das Marketing suggeriert.
Das eigentliche Urteil hängt von der Qualität des Lachsfilets, der Dosierung und der Marke des Nahrungsergänzungsmittels sowie davon ab, wie Ihr Körper es aufnehmen kann – abhängig von Ihrem aktuellen Gesundheitszustand.
Lassen Sie sich nicht von übertriebenen Wirksamkeitsversprechen täuschen. Es handelt sich laut derzeitigen Erkenntnissen lediglich um einen unterstützenden Nährstoff als Teil einer gesunden Ernährung und Lebensweise.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Astaxanthin Benefits: What the Science Really Shows“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Das Autismus-Puzzle (3): Genetische Aspekte von Autismus und die Zukunft möglicher Behandlungen

Drei Kinder wuchsen im selben Haushalt auf. Sie wurden von denselben Eltern erzogen und lebten in derselben Umgebung. Trotzdem entwickelten sich ihre Leben völlig unterschiedlich – offenbar aufgrund eines einzigen Gens.
Der älteste Bruder erreichte die frühen Entwicklungsmeilensteine problemlos und konnte bereits mit fünf Jahren lesen. Er hatte ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis für Autokennzeichen und war sehr schnell im Kopfrechnen.
Seine sozialen Schwierigkeiten wurden jedoch deutlich, sobald er eingeschult wurde. Er wirkte sozial unbeholfen, hatte nur wenige Freunde, verstand soziale Signale schlecht und hatte Stimmungsschwankungen.
Später erhielt er die Diagnose Asperger-Syndrom, das heute der Autismus-Spektrum-Störung zugeordnet wird.
Der jüngere Bruder entwickelte sich dagegen unauffällig und zeigte weder Anzeichen von Autismus noch andere Entwicklungsstörungen.
Die jüngere Schwester entwickelte hingegen Autismus in Verbindung mit einer geistigen Behinderung. Zwar erreichte sie als Kleinkind die motorischen Meilensteine früh, ihre Sprachentwicklung war jedoch stark verzögert.
Mit sieben Jahren musste sie die Schule verlassen und besuchte stattdessen tagsüber ein Krankenhausprogramm.
Im Alter von zwölf Jahren entsprach ihre geistige Leistungsfähigkeit der eines Kindes unter sechs Jahren. Sie konnte zwar etwas sprechen, machte dabei jedoch häufig Aussprachefehler.
Außerdem zeigte sie selbstverletzendes Verhalten, etwa indem sie ihren Kopf gegen Gegenstände schlug. Hinzu kam nächtliches Bettnässen.
Der entscheidende Unterschied zwischen den Geschwistern lag laut den französischen Forschern, die diesen ungewöhnlichen Fall untersuchten und in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichten, in der Anzahl der Kopien eines vererbten Gens namens SHANK3.
Die Fallstudie liefert weitere Einblicke in die komplexen genetischen Ursachen von Autismus, die laut derzeitigen Erkenntnissen für ungefähr 60 bis über 80 Prozent der Autismusfälle verantwortlich sind.
Joseph Buxbaum, Direktor des Seaver Forschungs- und Behandlungszentrums für Autismus an der medizinischen Fakultät Icahn du Mont Sinaï, sagte gegenüber The Epoch Times, dass Autismus eine starke genetische Komponente habe.
Gleichzeitig sei der Zusammenhang zwischen Autismus und der genetischen Ausstattung eines Menschen auf den ersten Blick nicht immer eindeutig erkennbar.

Zwei genetische Faktoren

De-novo-Mutationen
Zwei genetische Varianten wurden in Zusammenhang mit Autismus identifiziert: De-novo-Mutationen und polygene Variationen.
De-novo-Mutationen sind genetische Veränderungen, die spontan in der Eizelle oder im Spermium auftreten und nicht von einem Elternteil vererbt werden. Sie sind selten und verursachen nur einen geringen Anteil der Autismusfälle, haben jedoch tendenziell starke Auswirkungen auf die Betroffenen.
Eine einzige De-novo-Variation kann bereits ausreichen, um Autismus zu verursachen, und das Kind weist mit höherer Wahrscheinlichkeit schwerwiegende autistische Merkmale auf, wie einen niedrigeren IQ und einen erhöhten Betreuungsbedarf.
Polygenische Variationen
Polygenische Variationen sind weitaus häufigere Ursachen für Autismus und machen laut einer Studie bis zu 50 Prozent aller Autismusfälle aus. Sie sind jedoch in der Regel schwerer nachzuweisen, da vererbte Genvariationen oft Hunderte bis Tausende von Genen betreffen, von denen jedes einen winzigen Beitrag leistet.
Joseph Buxbaum ist Mitbegründer des Autismus-Sequenzierungskonsortiums, einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, die Autismus-Proben und -Daten austauschen.
Er sagte, dass vererbte Gene das Autismusrisiko nur subtil beeinflussen, ähnlich wie sie auch die Körpergröße mitbestimmen. Als Vergleich sagte er: „Ich habe einige häufige genetische Varianten für geringe Körpergröße, aber ich bin tatsächlich 1,95 m groß.“
Nicht jeder, der genetische Varianten erbt, die mit Autismus in Verbindung stehen, entwickelt zwangsläufig Autismus, da dies vom gesamten genetischen Erbgut der Person abhängt. Die Komplexität der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Genen ist der Grund, warum die Genetik des vererbten Autismus so rätselhaft sein kann.
Das Muster von Autismus in Familien liefert oft Hinweise darauf, welche Art von Genetik eine Rolle spielt. Sind mehrere Kinder betroffen, sind in der Regel vererbte Variationen verantwortlich.

Spezifische Gene

Mehr als hundert Gene wurden laut Studien stark mit einem erhöhten Autismusrisiko in Verbindung gebracht.
Das SHANK3-Gen
Diese Gene sind an der Bildung, Reifung und Kommunikation von Gehirnzellen beteiligt. Das SHANK3-Gen hilft bei der Bildung der Proteine, die an den Verbindungspunkten zwischen Neuronen beteiligt sind.
Wenn diese Verbindungen nicht richtig entstehen – sei es aufgrund zu weniger oder zu vieler SHANK3-Kopien – kann dies die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen beeinträchtigen.
Das SHANK3-Gen befindet sich auf Chromosom 22. Normalerweise erbt man zwei Kopien des Gens, eine von der Mutter und eine vom Vater. In der Geschichte der drei Kinder hatte der sich normal entwickelnde Bruder die üblichen zwei Genkopien.
Der ältere Bruder mit leichtem Autismus erbte zusätzlich zu den zwei normalen Kopien ein zusätzliches Stück von Chromosom 22, hatte also drei Kopien statt zwei. Die Schwester mit schwerem Autismus hatte aufgrund eines fehlenden Stücks von Chromosom 22 nur eine normale Kopie.
Das CHD8-Gen
Ein weiteres Beispiel ist das CHD8-Gen, das reguliert, wie DNA in den Zellen verpackt wird, und damit beeinflusst, ob bestimmte Gene aktiviert werden.
Wenn eine Mutation im CHD8-Gen auftritt, kann dies verhindern, dass für die Entwicklung notwendige Gene aktiviert werden. Defekte in diesem Gen wurden in Untersuchungen mit Problemen beim Wachstum der Gehirnzellen in Verbindung gebracht.
Manche Autismus-Gene wirken eher indirekt. So führt beispielsweise die genetische Erkrankung Phenylketonurie dazu, dass das Kind die Aminosäure Phenylalanin nicht abbauen kann.
Kinder mit solchen Erkrankungen, die phenylalaninhaltige Lebensmittel zu sich nehmen, können toxische Konzentrationen entwickeln, die die Gehirnentwicklung schädigen und möglicherweise autismusähnliche Symptome verursachen.
Auch Umweltfaktoren beeinflussen das genetische Risiko. Zwar sammelt jeder im Laufe seines Lebens einige De-novo-Mutationen an, doch ältere Menschen, Raucher und Personen, die Strahlung und giftigen Chemikalien ausgesetzt sind, haben laut Studien ein höheres Risiko, mehr davon zu entwickeln.
Mit zunehmendem Alter der Eltern kann das Risiko steigen, ein Kind mit Autismus zu bekommen, da sich laut Untersuchungen in ihren Eizellen und Spermien tendenziell mehr De-novo-Mutationen ansammeln.

Schwerer genetischer Autismus ist möglicherweise behandelbar

Die Kenntnis der genetischen Defizite einer autistischen Person macht eine Behandlung möglich. Forscher haben herausgefunden, dass einige der schwerwiegenden Autismus-Symptome gemildert oder sogar rückgängig gemacht werden können.
„Wenn wir Menschen mit Autismus und einer erheblichen kognitiven Beeinträchtigung betrachten, liegt die Wahrscheinlichkeit, die zugrunde liegende Ursache durch Ganzgenomsequenzierung zu identifizieren, bei etwa 30 bis 35 Prozent“, sagte Dr. Christian Schaaf, medizinischer Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität Heidelberg und Entdecker des Schaaf-Yang-Syndroms, gegenüber The Epoch Times.
„Bei Menschen mit hochfunktionalem Autismus und ohne kognitive Beeinträchtigung liegt die Wahrscheinlichkeit, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, bei weniger als 10 Prozent.“
Genetische Untersuchungen seien daher für Kinder mit schwerem Autismus, der mit einer geistigen Behinderung einhergeht, hilfreicher als für diejenigen, die weniger Unterstützung benötigen, so Schaaf.
Die Idee, autistische Menschen zu behandeln, kann umstritten sein, insbesondere unter einigen Anhängern der Neurodiversitätsbewegung, die die Behandlung von Autismus als Beseitigung ihrer autistischen Merkmale betrachten, die ein wesentlicher Bestandteil ihrer Identität sind.
Allerdings sind Menschen, die kognitiv gesund und in der Lage sind, für sich selbst einzutreten, nicht die Zielgruppe der medizinischen Autismusbehandlung. Diese medizinischen Eingriffe dienen auch nicht dazu, ihre Neurodiversität zu beseitigen.
Vielmehr soll die Behandlung von Autismus das Leben von Patienten mit schwerem Autismus erleichtern, sagte Buxbaum.
„Es ist wichtig, immer klarzustellen, dass Autismus ein unglaublich, geradezu lächerlich breites Spektrum ist, und wenn wir über Behandlung und gen-gezielte Therapie sprechen, meinen wir damit nur schweren Autismus“, sagte Buxbaum.
„Wenn jemand im Spektrum ist, aber ein wenig Schwierigkeiten bei Vorstellungsgesprächen hat, weil er die sozialen Kompetenzen nicht so gut beherrscht, können wir ihm einen Job-Kurs anbieten, um ihm zu helfen, besser abzuschneiden – er braucht keine gen-gezielte Therapie.“
Gen-spezifische Therapien verfolgen verschiedene Ansätze. Der bekannteste beinhaltet die Veränderung des genetischen Codes einer Person.
Diese Therapien sind umstritten und können laut Studien in seltenen Fällen das Risiko bergen, negative genetische Veränderungen einzuführen und damit potenziell neue genetische Probleme zu verursachen.

Andere konservativere Therapieansätze

In den Fällen, in denen bei einem Kind ein defektes Gen und ein gesundes Gen identifiziert werden können, könnten Ärzte Medikamente einsetzen, um das gesunde Gen aktiver zu machen, was helfen kann, den Auswirkungen des defekten Gens entgegenzuwirken.
Ein solcher Ansatz ist nicht immer möglich, insbesondere wenn das Gen schwer anzusteuern ist oder wenn viele Gene beteiligt sind.
Alternativ können Forscher Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einsetzen, um nachgelagerte Folgen genetischer Defekte zu behandeln.
Wenn ein bestimmtes Gen nicht direkt therapierbar ist und dadurch ein wichtiger Nährstoff fehlt, kann dieser Mangel gezielt ausgeglichen werden. So lassen sich die Auswirkungen des Defekts zumindest teilweise kompensieren.
Schaafs Team demonstrierte dieses Prinzip an einem 4-jährigen Jungen, der in seiner Entwicklung Rückschritte machte. Er verlor seine Sprachfähigkeit und war aggressiv und unruhig.
Biochemische und genetische Tests zeigten, dass der Junge eine Mutation im TMLHE-Gen aufwies, die einen schweren Carnitinmangel verursacht hatte.
Durch die Gabe von Carnitin an das Kind kam der Rückschritt zum Stillstand, seine Sprachfähigkeiten verbesserten sich und er wurde ruhiger.

Andere ähnliche Erkrankungen

Eine laufende klinische Studie befasst sich mit dem Angelman-Syndrom, das Entwicklungsverzögerungen verursacht und oft mit Autismus in Verbindung gebracht wird.
Es wird in erster Linie durch einen Defekt oder das Fehlen des von der Mutter vererbten UBE3A-Gens verursacht.

Beim Angelman-Syndrom ist die väterliche UBE3A-Kopie im Gehirn inaktiv. Fehlt auch die mütterliche Kopie oder ist sie defekt, wird die Gehirnentwicklung gestört.

Foto: Rasi Bhadramani/iStock

Ein gesundes Kind erbt zwei Kopien des UBE3A-Gens, eine von jedem Elternteil. Beim Angelman-Syndrom schaltet sich jedoch während der Gehirnentwicklung die väterliche Kopie des Gens aus.
Wenn die Kopie des UBE3A-Gens der Mutter des Kindes fehlerhaft ist oder fehlt, führt dies zu einer abnormalen Gehirnentwicklung und zum Angelman-Syndrom.
Die noch laufende Studie zu Angelman zielt darauf ab, das Angelman-Syndrom durch die Zufuhr von Proteinen zu behandeln, die die väterliche Kopie des UBE3A-Gens aktivieren.
Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass Kinder, bei denen das UBE3A-Gen aktiviert wurde, deutliche Verbesserungen aufweisen.
„Das Wichtigste ist, dass sie Anzeichen für Verbesserungen in den Bereichen Kognition, Sprache und Alltagskompetenzen festgestellt haben“, sagte Buxbaum.
Verbesserungen in den kognitiven Fähigkeiten und im Sprachvermögen sind entscheidend für das Überleben der Kinder und der Grund, warum viele Kinder mit Autismus und geistigen Behinderungen ein Leben lang Pflege benötigen, fügte er hinzu.
In ähnlicher Weise zeigte auch eine andere Studie an Männern mit Fragile-X-Syndrom Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten. Menschen mit Fragile-X-Syndrom leiden unter Entwicklungsverzögerungen, einschließlich Lernbehinderungen, aufgrund unzureichender Konzentrationen eines Botenstoffs im Gehirn namens cAMP.
Die Forscher fanden heraus, dass eine Erhöhung der cAMP-Konzentrationen die kognitiven Fähigkeiten und das Verhalten der erwachsenen Teilnehmer verbesserte.
„Wenn diese Studien und einige andere Studien echte, positive Veränderungen zeigen, wird jeder anfangen, diese Art von Störungen als therapierbar anzusehen“, sagte Buxbaum.

Nicht das ganze Bild

Nicht alle Menschen mit Autismus haben zwangsläufig eine „einfache“ genetische Variation, die behandelt werden kann. Die meisten Menschen mit Autismus haben Hunderte oder sogar Tausende von Genvarianten.
Buxbaum glaubt, dass Wissenschaftler mit weiterer Forschung in der Lage sein könnten, die wichtigsten neurobiologischen Signalwege zu identifizieren, die Autismus antreiben. Daher ist es möglicherweise nicht notwendig, jede einzelne genetische Variante zu finden.
Wenn die Schlüsselwege identifiziert werden können, könnte man gezielt auf diese Wege einwirken, anstatt auf genetischer Ebene einzugreifen.
Allerdings erklärt die Genetik allein nicht das gesamte Bild des Autismus. Forschungsergebnisse schätzen, dass Gene für etwa 60 bis 80 Prozent der Autismusfälle verantwortlich sind.
Ein Teil der nicht identifizierten Prozent könnte auf Berechnungsfehler und eine unzureichende Stichprobengröße zurückzuführen sein, um neue Variationen zu erkennen, doch ein weiterer möglicher Grund ist die Umwelt.
Von den 1980er-Jahren bis heute ist die Prävalenz von Autismus stark von etwa 0,06 Prozent auf 3,2 Prozent gestiegen.
Ein Teil dieses Anstiegs lässt sich durch bessere Diagnosekriterien und vielleicht sogar eine Überschätzung der aktuellen Autismusraten erklären, aber nicht alles.
Die schwersten Fälle – tiefgreifender Autismus – haben laut den Daten der Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention von den 2000er-Jahren bis 2016 um etwa 70 Prozent zugenommen.
„Wenn die Raten so stark angestiegen sind, liegt es nicht an Veränderungen der Genhäufigkeit, also muss es etwas Umweltbedingtes oder Diagnostisches geben, das vermutlich gerade jetzt geschieht“, sagte Neil Risch, Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität von Kalifornien, San Francisco (UCSF), gegenüber The Epoch Times.

Die Wissenschaft steckt noch in den Kinderschuhen

Selbst unter eineiigen Zwillingen, die dieselbe Genetik teilen, gibt es Paare, bei denen einer Autismus hat und der andere nicht, was auf Umwelteinflüsse hindeutet, so Risch.
„Die Annahme in Zwillingsstudien ist, dass der Grad der gemeinsamen Umwelteinflüsse bei eineiigen und zweieiigen Zwillingen gleich ist, was möglicherweise nicht der Fall ist“, fügte er hinzu.
Im Mutterleib befindet sich jeder Zwilling auf einer anderen Seite, was zu unterschiedlichen Umwelteinflüssen im Mutterleib führen kann – vielleicht erhält ein Zwilling mehr Nährstoffe als der andere.
Ähnlich wie in der Parabel von dem Blinden und dem Elefanten offenbart die ausschließliche Konzentration auf die Genetik nur einen Teil der Geschichte des Autismus.
Über den genetischen Bauplan hinaus spielen auch Umweltfaktoren, der Zeitpunkt der Entwicklung und die individuelle Biologie eine Rolle – Themen, die in der folgenden Reihe untersucht werden.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Autism Has 2 Main Genetic Drivers–How Treatments Can Help“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Papageikuchen: Süßer, bunter Blickfang nicht nur zum Kindertag

Ameisenkuchen, Leopardenkuchen, Kalter Hund … auf der Suche nach Namen für ihre süßen Kreationen haben Bäcker auch vor der Tierwelt nicht Halt gemacht. Einer der farbenfrohsten ist jedoch der Papageikuchen.
Wie bei den anderen Süßspeisen sorgten zum Glück nicht die Zutaten, sondern das Aussehen für die Namensgebung. Erzeugt werden die Farben des Papageikuchens durch verschiedenfarbige Grütze in Pulverform. Der praktische Nebeneffekt: Die Grütze bringt nicht nur Farbe, sondern gleichzeitig auch unterschiedliche Geschmacksrichtungen mit sich.
Besonders für Kinder ist der bunte Kuchen bestens geeignet – auch ich war in meiner Kindheit verrückt danach. Noch heute ist der tierisch leckere Kuchen bei mir mit zahlreichen Familienfesten und kulinarischen Erinnerungen an die DDR verbunden. Letzteres spiegelt sich in seinen wenigen Zutaten und der einfachen, schnellen Zubereitung wider.

Zutaten

Für eine Gugelhupfform benötigen Sie:
  • 300 g Mehl
  • 300 g Zucker
  • 250 g Butter
  • 4 Eier
  • 400 ml saure Sahne
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 2 EL Kakao
  • 1 Päckchen Vanillepuddingpulver
  • 1 Päckchen Rote-Grütze-Pulver (Geschmack Kirsche oder Himbeere)
  • 1 Päckchen Grüne-Grütze-Pulver (Geschmacksrichtung Apfel)
  • 1 Päckchen Blaue-Grütze-Pulver (Geschmack Blaubeere)

Zubereitung

  1. Butter auf niedrigster Stufe in einem Topf schmelzen.
  2. Mehl, Zucker und Backpulver in einer Schüssel mischen. Anschließend Eier, flüssige Butter und saure Sahne zugeben und alles miteinander verrühren, bis ein glatter Teig entsteht.
  3. Den Grundteig in fünf gleichgroße Portionen teilen. In je eine Schüssel den Kakao, den Vanillepudding und die drei verschiedenen Grützen unterrühren.
  4. Backform fetten und die verschiedenfarbigen Teige klecksweise in die Form geben.
  5. Im vorgeheizten Ofen bei 160 Grad Celsius Ober-/Unterhitze 45 Minuten lang backen. Stäbchenprobe machen.
  6. Den noch heißen Kuchen mit etwas Butter bestreichen. Danach vollständig abkühlen lassen und aus der Form nehmen.
Guten Appetit!
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Wie sich Tech-Unternehmen ins Kinderzimmer einloggen


In Kürze:

  • Apps und Spiele verwenden gezieltes Design, um Nutzer länger zu binden, ohne dass es auf den ersten Blick zu erkennen ist.
  • Kinder sind besonders anfällig: Ihre Fähigkeit zur Selbstregulation ist noch nicht ausgereift.
  • Free-to-Play-Spiele und soziale Netzwerke setzen auf psychologische Mechanismen mit Suchtpotenzial.
  • Mit dem richtigen Wissen können Eltern gegensteuern, ohne ihren Kindern Medien grundsätzlich zu verbieten.

 
Es ist ein Konflikt, den viele Familien kennen: Das Kind sitzt vor dem Tablet, die vereinbarte Zeit ist längst vorbei und trotzdem legt es das Gerät nicht aus der Hand. Um gegenzusteuern, ist es hilfreich, zu verstehen, dass hinter diesem Verhalten oft keine bloße Trotzreaktion steckt, sondern digitale Mechanismen.
Derartige zielgerichtete Wirkweisen haben einen Namen, es handelt sich um sogenannte „Dark Patterns“ (verborgene Muster). Das sind manipulative Gestaltungselemente in Apps, Spielen, sozialen Medien und Mediatheken. Sie sollen Nutzer dazu bringen, länger auf der Plattform zu verweilen, weiterzuklicken oder Entscheidungen im Interesse der Anbieter zu treffen.
Oft sind diese kaum sichtbar, weil sie direkt in das Design eingebettet sind: auffällige Buttons, die zum Weitermachen animieren, auf der einen Seite, und schwer auffindbare „Beenden“-Optionen auf der anderen. Auch automatische Wiedergaben oder scheinbar endlose Inhalte gehören dazu.

Die Psychologie des Nicht-Aufhören-Könnens

Auffällige Reaktionen beim Abschalten, etwa Gereiztheit oder Unruhe, können auf problematische Nutzungsgewohnheiten hinweisen. Die technische Gestaltung allein erklärt jedoch nicht die starke Bindungswirkung der digitalen Medien.
Hinzu kommt das Gefühl, ständig etwas zu verpassen, bekannt als „Fear of Missing Out“ (FOMO). Entscheidend ist dabei weniger der einzelne Inhalt als die permanente Reizfolge: Neue Clips, Likes oder Belohnungen erscheinen in schneller Taktung und aktivieren immer wieder das Belohnungssystem des Gehirns, mit einem Gewöhnungseffekt, der suchtähnliche Züge annehmen kann.

Das versteckte Geschäft

Hinter vielen dieser Mechanismen steckt ein wirtschaftliches Interesse. Sogenannte Free-to-Play-Spiele (FTP) starten kostenlos, werden aber oft durch In-Game-Käufe finanziert. Belohnungssysteme motivieren Nutzer zur regelmäßigen Rückkehr, das sind sogenannte „Time Patterns“. Zugleich lösen versteckte Kaufanreize, etwa Buttons, im Spielfluss kostenpflichtige Aktionen aus, während sie kaum als solche erkennbar sind. Hier wirken Begriffe wie „freischalten“ oder „Upgrade“ nicht wie ein Bezahlvorgang und die Entscheidungen werden impulsiv getroffen.
Treffen Kinder diese Entscheidungen, kommt eine rechtliche Besonderheit zum Tragen hinzu: Minderjährige sind in Deutschland nur beschränkt geschäftsfähig, sodass kostenpflichtige Verträge grundsätzlich der elterlichen Zustimmung bedürfen. Zwar gibt es mit dem sogenannten „Taschengeldparagrafen“ eine Ausnahme, doch diese greift nur unter bestimmten Bedingungen.
In der Praxis entsteht daraus ein Graubereich: Problematisch wird es, wenn Zahlungsdaten bereits auf dem Gerät gespeichert sind. Dann reichen oft wenige Klicks für einen Kauf – auch durch Kinder. Anbieter berufen sich darauf, dass der Vorgang technisch bestätigt wurde. Für Familien ist es dann schwierig, solche Käufe rückgängig zu machen, auch wenn sie rechtlich anfechtbar sind.

Zwischen Komfort und Manipulation

Diese Mechanismen sind keine Zufallsentwicklungen, sie nutzen gezielt menschliche Wahrnehmung und Verhaltensmuster aus. Kinder und Jugendliche seien für solche Strategien besonders anfällig, warnt die Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht“. Ihnen fehle die Erfahrung, zu durchschauen, dass sie gezielt gelenkt werden. Zudem ist ihre Fähigkeit zur Selbstregulation noch nicht vollständig entwickelt. Aber auch Ältere sind gefährdet.
Die Folgen können gravierend sein: Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafprobleme, Reizüberflutung und ein zunehmender Kontrollverlust im Umgang mit Medien. Vor allem bei den Jüngeren besteht die Gefahr, dass sich Gewohnheiten festigen, die später nur schwer zu verändern sind. Rechtlich sind solche Praktiken in der EU bereits im Blick: Europäische Regelwerke zielen darauf ab, manipulative Gestaltungspraktiken zu unterbinden, die Transparenz gegenüber Nutzern zu stärken und besonders schutzbedürftige Gruppen – darunter Minderjährige – besser abzusichern.
Doch problematisch sind nicht nur versteckte Kostenfallen, sondern auch viele alltägliche Designentscheidungen bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Wenn die Option „Weiter“ groß und farblich hervorgehoben ist, während „Abbrechen“ klein und unauffällig bleibt, besteht formal eine Wahl – praktisch wird sie jedoch stark gelenkt. Dasselbe gilt für Cookie-Banner: Akzeptieren geht oft mit einem Klick, Ablehnen erfordert mehrere Schritte. Sie täuschen nicht offen, lenken aber subtil, was sie juristisch außerordentlich schwer greifbar macht.

Warum Kinder in die Falle tappen

Ein weiteres plastisches Beispiel ist die Schwierigkeit, Streaming-Angebote für Kinder überhaupt zu verlassen: Statt eines klaren „Aus“-Knopfes werden weitere Inhalte vorgeschlagen oder Pop-ups eingeblendet, die den Ausstieg systematisch erschweren – so weit, dass sogar manch Erwachsener aufgibt.
Gerade weil Kinder solche Funktionsweisen kaum erkennen können, kommt den Eltern eine wichtige Rolle zu. Dafür ist es entscheidend, manipulative Gestaltung zunächst selbst zu entschlüsseln. Oft hilft bereits ein einfacher Test, eine App oder Plattform bewusst zu verlassen. Daneben ist es sinnvoll, Kinder bei der Mediennutzung bewusst zu begleiten und gemeinsam gezielt auf bestimmte Muster zu achten, um gezielt zu sensibilisieren.
In beiden Fällen stellen sich dieselben Fragen: Wie viele Schritte sind tatsächlich nötig, um ein Video zu beenden? Startet automatisch ein neuer Inhalt? Werden große, farbige Buttons hervorgehoben, während die Option zum Beenden eher unscheinbar bleibt? Auf diese Weise entwickeln Sie schrittweise ein bewussteres Verständnis für digitale Angebote – für Sie selbst und für Ihre Kinder.

Kinder stark machen: kleine Hebel, große Wirkung

Im Alltag hilft es, die Komfortfunktion gezielt zu deaktivieren. Das ist nicht immer möglich, automatische Wiedergabe ist hier jedoch oft eine Ausnahme. Medienpädagogische Stellen empfehlen zudem klare Zeitregeln, gemeinsame Medienzeiten und regelmäßige Gespräche über Inhalte und digitale Mechanismen. So können Kinder lernen, dass Apps und Spiele nicht neutral sind, sondern Ziele verfolgen.
Neben festen Bildschirmzeiten – und deren konsequenter Einhaltung – sind auch bewusste Offline-Phasen hilfreich. Ebenso wichtig ist es, auf Veränderungen im Verhalten zu achten: Rückzug, Reizbarkeit oder Schlafprobleme können Hinweise auf eine problematische Nutzung sein.

Nicht verbieten, sondern verstehen

Medien zu verbieten, kann nicht das Ziel sein, denn Verbotenes lockt. Entscheidend ist, die Risiken zu kennen. Wer die Mechanismen hinter scheinbar harmlosen Angeboten versteht, kann Kinder dabei unterstützen, digitale Medien bewusst zu nutzen, als Werkzeug und zur zeitlich begrenzten Unterhaltung.
Denn was kein Algorithmus ersetzen kann, sind echte Begegnungen, freies Spiel und sinnliche Erlebnisse außerhalb der Zweidimensionalität des Bildschirms. Eben das sind die erfüllenden und existenziellen Erfahrungen, die für die Entwicklung des Kindes und sein persönliches Glück unverzichtbar sind.
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DB-Infrago: Sonderkonditionen für Italo „extrem unsicher“

Der Chef der DB-Infrago, Philipp Nagl, warnt davor, dem italienischen Bahnbetreiber Italo ab 2028 Sonderkonditionen im deutschen Fernverkehrsmarkt einzuräumen.
„Es besteht die Gefahr, dass wir uns in endlose Klageverfahren verstricken“, sagte Nagl dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“.
Italien plant, 30 bis 40 Hochgeschwindigkeitszüge in Deutschland zu betreiben – ähnlich wie Flixtrain. Italo denkt offenbar an stündliche oder zweistündliche Verbindungen innerhalb Deutschlands und will damit insgesamt rund 1.000 direkte neue Arbeitsplätze schaffen.

Riskante Vergabe

Die alten mehrjährigen Rahmenverträge von 2017 gebe es nicht mehr, weil sie zu komplex und unsicher gewesen seien. Erst 2031 stehe mit der EU-Kapazitätsverordnung ein neuer verbindlicher Rechtsrahmen bereit. „Deshalb ist es wenig sinnvoll, jetzt kurzfristige Zwischenlösungen zu erzwingen.“
Eine kurzfristige „Neuverkehrsklausel“, wie sie derzeit für Italo im Raum stehe, sei rechtlich extrem unsicher. Es gebe in Europa derzeit nichts Vergleichbares.
„Wir riskieren, Trassen nach Regeln zu vergeben, die in anderthalb Jahren von Gerichten als EU-rechtswidrig kassiert werden“, sagte Nagl. Das schaffe extreme Unsicherheit im Markt – und das sei das Schlechteste für alle.
Grundsätzlich ist Nagl jedoch davon überzeugt, dass Wettbewerb auch im Fernverkehr funktioniert. „Für uns als Infrastrukturbetreiber ist es völlig egal, welche Farbe die Züge haben“, sagte er. „Der Wettbewerb muss am Ende zum Vorteil der Fahrgäste sein.“ (dts/red)
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Muttersein bei früheren Generationen – ein Mittel gegen Einsamkeit und Zweifel

Nachdem sie Mutter geworden war, weinte Maggie Gordon-Walker jeden Tag, hielt es aber verborgen. Sie fühlte sich nicht unwohl, aber sie fühlte sich auch nicht wie sie selbst. 
Ein anspruchsvolles Baby, schlaflose Nächte, Momente des Zweifels – all das lässt sich leichter bewältigen, wenn man es mit anderen teilen kann. Doch Gordon-Walker hatte niemanden, der ihr half, den lebensverändernden Übergang zum Muttersein zu verstehen.

„Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“

Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte war das Muttersein nichts, was Frauen auf eigene Faust lernten. Die Kinderbetreuung wurde innerhalb von Familien und Gemeinschaften aufgeteilt. Großmütter, Tanten, Geschwister und Nachbarn spielten eine aktive Rolle und schufen ein System, in dem Wissen im Alltag weitergegeben wurde. Mütter lernten, indem sie Teil der Gemeinschaft waren.

Eine Großmutter schaut sich in den 1940er-Jahren mit ihrer kleinen Enkelin ein Bilderbuch an.

Foto: Frederic Hamilton/Hulton Archive/Getty Images

„Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“, heißt es dazu im Volksmund. Frauen lernten die Grundlagen des Mutterseins, indem sie sich in diesem Umfeld bewegten. 
Gebären, Stillen, das Beruhigen eines weinenden Babys oder die Führung eines Haushalts mit mehreren Kindern – all das waren keine separaten Lektionen, sondern Teil des täglichen Lebens. In größeren Familien, die die Norm waren, gab es immer viele helfende Hände. 
Ältere Schwestern lernten, Babys auf der Hüfte zu tragen, während sie sich um die Kleinkinder kümmerten. Jüngere Kinder erhielten kleine, altersgerechte Aufgaben. Kochen, Putzen und die Organisation des Haushalts wurden nach Alter, Geschlecht und Fähigkeiten aufgeteilt. Alle halfen mit.

Depression und Einsamkeit

Heutzutage ist im Westen ein dörfliches Umfeld selten. Familien leben heute über Städte, Bundesländer und Länder verstreut. Viele Frauen müssen ihre Kinder weit entfernt von dem Ort großziehen, an dem sie selbst aufgewachsen sind. Wissen über Kindererziehung wird heute eher durch Artikel, Bücher, Experten und Online-Ratschläge vermittelt als durch den jahrelangen engen Kontakt zu älteren Generationen.
Da die Unterstützung durch mehrere Generationen nicht mehr in der Familienstruktur verankert ist, lastet ein Großteil der Mühen des Mutterseins auf einer einzigen Person.
Das hat seine Folgen: Die Rate der Wochenbettdepressionen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Das erste Jahr aus nächster Nähe

„Das Leben als junge Mutter wird in unserer Gesellschaft oft romantisiert“, sagte Dr. Susan Hatters-Friedman, eine Psychiaterin für perinatale psychische Erkrankungen (PPE), gegenüber Epoch Times. „Von Müttern wird erwartet, dass sie glücklich sind.“
Die Realität sieht jedoch so aus, dass ein Neugeborenes meist alle paar Stunden oder öfters etwas braucht. Der Schlaf ist unterbrochen und der Körper der Frau erholt sich noch. Die Gefühle können von einem Moment zum nächsten schnell umschlagen. Das erste Jahr ist ein Kreislauf aus Füttern, Beruhigen und dem Herausfinden, wie es weitergeht – oft ohne viel Zeit, um das alles zu verarbeiten.
Muttersein

Getty Images/Jelena Stanojkovic
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„Es finden gleichzeitig biologische, psychologische und soziale Veränderungen statt“, meinte Anne Welsh, eine auf die psychische Gesundheit von Müttern spezialisierte klinische Psychologin, zu Epoch Times. Eine Frau erlerne die Babypflege und gewöhne sich parallel dazu an eine neue Version ihrer selbst.
Sei eine Frau mit anderen Müttern in Kontakt, würde sich diese Erfahrung in Gesprächen und einem gemeinsamen Verständnis widerspiegeln.
„Wenn niemand da ist, der diese Erfahrung widerspiegelt, kann man sich unglaublich einsam fühlen“, sagte Welsh. „Nach außen hin kann alles sehr kompetent und gefasst wirken. Im Inneren herrscht oft Erschöpfung und das Gefühl, damit ganz allein zu sein.“
Einsamkeit hat eine klinische Bedeutung. So steigt das Risiko für postpartale Depressionen und Angstzustände, wenn beständige Unterstützung fehlt. Das Fehlen zwingt viele Frauen dazu, über ihre Gefühle zu schweigen.
So ging es auch Gordon-Walker. Nach außen hin gab sie vor, dass alles in Ordnung sei, doch innerlich brach sie zusammen.

Das wiederfinden, was verloren gegangen ist

Gordon-Walker gründete schließlich „Mothers Uncovered“, eine von Gleichgesinnten geleitete Müttergruppe.
Was Müttergruppen bieten, ähnelt der ursprünglichen Form des Dorfes. Es finden Gespräche in Echtzeit zwischen Frauen statt, die sich in derselben Situation befinden. Sie besprechen, was funktioniert und was nicht, sowie die Fragen, die neue Eltern nachts wachhalten.
Gordon-Walker ist nicht die Einzige mit einem Bedarf an Gemeinschaft. „Mütter kommen immer wieder, weil sie sich gesehen, unterstützt, gefeiert und wirklich geschätzt fühlen“, sagte Cindy Utterback der Epoch Times. Sie ist Vorsitzende der Muttergruppe „Posh Mama Club“ in Kalifornien.
Vertrautheit schaffe Struktur. Die Frauen würden sich austauschen, in Kontakt bleiben und sich daran erinnern, was in der Woche zuvor besprochen wurde. Obwohl die Gespräche kurz seien, könnten die Frauen eine Verbindung zu anderen Müttern aufbauen, die sich verlässlich anfühlt.
„Diese Geborgenheit hilft ihnen, aus sich herauszukommen, stärker und selbstbewusster zu werden. Einige von ihnen übernahmen sogar Führungsrollen in unserer Gemeinschaft“, sagte sie.

Warum gegenseitige Unterstützung funktioniert – und wo ihre Grenzen liegen

Studien zufolge verringert beständige gegenseitige Unterstützung das Risiko psychischer Probleme und stärkt das Selbstvertrauen einer Mutter in den ersten Monaten nach der Geburt. 
Insbesondere wenn Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel und in den ersten sechs Monaten nach der Geburt über ein starkes Unterstützungsnetzwerk verfügen, bringt es viele Vorteile. Sie
  • erleben weniger Stress und Ängste, 
  • bewältigen die alltäglichen Anforderungen des Mutterseins konsequenter 
  • und fühlen sich in ihrer neuen Rolle stabiler. 
Es ändert nichts daran, wie sie ihr Baby pflegen. Wenn sich eine Mutter allerdings auf eine größere Gemeinschaft verlassen kann, beeinflusst es ihr Selbstbild und die Wahrnehmung ihrer Situation positiv.
Psychologin Welsh beschreibt die Unterstützung durch Gleichgesinnte als eine Form der Spiegelung: Die eigenen Erfahrungen in anderen Menschen widergespiegelt zu sehen, helfe dabei, das zu normalisieren, was sich sonst wie ein persönliches Versagen anfühlen könnte. In schwierigen Momenten frage eine Mutter nicht mehr: „Was mache ich falsch?“, sondern beginne zu erkennen, dass vieles, was sie erlebe, Teil des Prozesses sei.
Moderne Müttergruppen haben jedoch ihre Grenzen. Sie erfordern insbesondere Aufwand. Unterstützung muss gesucht, geplant und aufrechterhalten werden – und das in einer Phase, in der Zeit und Energie ohnehin schon knapp sind. Diese zusätzlichen Schritte könnten es erschweren, Kontinuität aufrechtzuerhalten.
Kontinuität sei aber genau das, was Unterstützung sinnvoll mache, meinte die PPE-Psychiaterin Hatters-Friedman dazu. Eine sporadische Beziehung habe nicht denselben schützenden Effekt wie die beständige, allgegenwärtige Präsenz, die früher entstand, als man nahe der Familie lebte.
Es gibt auch eine Generationskluft, die Gruppen nicht ohne Weiteres überbrücken könnten. Als Familien noch größer und stärker in Gemeinschaften eingebettet waren, nahmen Kinder Wissen über Jahre hinweg langsam auf, indem sie den Älteren zuschauten – eine informelle Lehre, die heute nicht mehr stattfindet.

„Dörfer“ wieder aufbauen

Neben Müttergruppen denken Mütter über verschiedene Wege nach, ihre eigenen „Dörfer“ wieder aufzubauen.
Für manche Frauen beginnt das mit formellen Gruppen wie kirchlichen Treffen, Spielgruppen in der Nachbarschaft und strukturierten Organisationen. 
Für andere ist es weniger formell: eine kleine Gruppe von Frauen, die sich regelmäßig trifft, oder ein paar Freundinnen, die sich verpflichten, sich gegenseitig nach dem Befinden zu erkundigen. 
Ein wöchentlicher Spaziergang oder sogar ein kurzer Anruf können dazu beitragen, die nötige Beständigkeit aufzubauen, damit Mütter Wege finden, mit ihrer neuen Lebenssituation besser zurechtzukommen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Modern Motherhood Lost Generational Wisdom—and Mothers Want It Back“. (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Warum grüne Erbsen auf keinem Speiseplan fehlen sollten + Rezept


In Kürze:

  • Grüne Erbsen enthalten wertvolles Eiweiß, Ballaststoffe und Vitalstoffe.
  • Sie fördern Sättigung, Verdauung und die allgemeine Gesundheit.
  • Vielseitig einsetzbar, sind sie eine wertvolle Bereicherung auf dem Speiseplan für die gesamte Familie.

 
Frische grüne Erbsen sind bei Groß und Klein beliebt. Sie überzeugen mit süßem Geschmack und einer zarten Konsistenz. Das grüne Gemüse ist vielseitig einsetzbar, ob in Suppen, Eintöpfen, als Beilage oder im Salat. Gleichzeitig liefert es wertvolles pflanzliches Eiweiß, Ballaststoffe und wichtige Vitalstoffe.
Wie viele andere Hülsenfrüchte zählt auch die Erbse (Pisum sativum) zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Ihren Ursprung hat sie im orientalischen Raum, von wo aus sie sich über Europa verbreitete. Besonders in Frankreich erlangte die kleine grüne Hülsenfrucht große Beliebtheit. Am Hofe Ludwigs XIV. galten Erbsen sogar als königliche Delikatesse. Der Sonnenkönig soll die grünen Kügelchen besonders geschätzt haben und ließ sie im Gemüsegarten von Versailles anbauen.

Wertvolles Eiweiß und Ballaststoffe

Grüne Erbsen – in der Regel handelt es sich um Markerbsen – enthalten 70 bis 80 Prozent Wasser und liefern 5 bis 9 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm. Das Erbsenprotein enthält eine ausgewogene Mischung an essenziellen Aminosäuren, die den Muskelaufbau fördern. Aminosäuren werden darüber hinaus für die Bildung von Hormonen, Bindegewebe und Enzymen benötigt. Bei der Verstoffwechselung des Erbsenproteins entstehen zudem bioaktive Peptide, die blutdrucksenkende Eigenschaften aufweisen.
Erbsen liefern nicht nur wertvolles Eiweiß, sondern auch Ballaststoffe und wichtige Vitalstoffe, die den Körper rundum unterstützen. Daneben enthalten Erbsen etwa 4 bis 12 Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm. Gemeinsam mit den enthaltenen Proteinen unterstützen die Ballaststoffe eine gesunde Darmflora und machen lange satt. Laut einer Studie besitzen Erbsen eine immunmodulatorische und antioxidative Wirkung, die das Risiko, an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu erkranken, senken kann.

Reich an Vitaminen und Mineralien

Erbsen enthalten darüber hinaus wichtige Vitamine und Mineralien. Sie sind ein guter Lieferant für Vitamin B1 (Thiamin), das die Nerven in stressigen Zeiten stärkt und an der Energiegewinnung beteiligt ist. Es sollte täglich zugeführt werden, da der Körper das Vitamin nur in geringen Mengen speichern kann. Außerdem punkten Erbsen mit jeder Menge Folat – etwa 160 Mikrogramm pro 100 Gramm –, das für die Zellteilung und die Blutbildung essenziell ist. Mit 25 Milligramm Vitamin C und 420 Mikrogramm Betacarotin unterstützen Erbsen eine normale Sehkraft und schützen die Zellen vor freien Radikalen.
In puncto Mineralien warten Erbsen mit Eisen für den Sauerstofftransport im Blut und Magnesium auf. Magnesium unterstützt die Verwertung der enthaltenen Proteine und sorgt für Entspannung und Regeneration von Muskeln und Nerven.

Leicht verdauliche Hülsenfrüchte

Obwohl Erbsen sehr ballaststoffreich sind, sind sie leicht verdaulich. Im Gegensatz zu anderen Hülsenfrüchten enthalten sie nämlich kaum Oligosaccharide (Mehrfachzucker). Oligosaccharide fördern zwar die Darmgesundheit, können aber Verdauungsprobleme verursachen, vor allem wenn die Darmflora bereits gereizt oder gestört ist.
Darüber hinaus können Erbsen auch roh verzehrt werden. Die meisten Hülsenfrüchte enthalten den Giftstoff Phasin und müssen daher vor dem Verzehr gekocht werden. Da grüne Erbsen kaum Phasin enthalten, sind sie in Maßen auch roh gut verträglich. Für Menschen mit sensibler Verdauung oder für Kinder sollten sie dennoch kurz blanchiert oder gedämpft werden.

Unterschied zwischen Markerbsen und Schäl- oder Palerbsen

Sowohl Markerbsen als auch Schäl‑ und Palerbsen gehören zu den Gartenerbsen, unterscheiden sich jedoch deutlich. Markerbsen werden jung geerntet, sind in getrockneter Form leicht schrumpelig und schmecken besonders süß, da sie weniger Stärke enthalten. Sie werden meist frisch oder als Gemüse verwendet.
Schäl- und Palerbsen hingegen besitzen glatte Körner, sind stärker stärkehaltig und haben eine mehligere Konsistenz. Deshalb werden sie vor allem getrocknet für Suppen und Eintöpfe genutzt.
Ob frisch, gefroren oder verarbeitet, grüne Erbsen sind vielseitig, nährstoffreich, wirken insgesamt stärkend und können zur Vitalität beitragen. Sie unterstützen das Zellwachstum und tragen zur Zellgesundheit bei. Zudem sind sie sättigend und gut verdaulich. Damit sind sie für die gesamte Familie – sowohl für Kinder und Heranwachsende als auch für ältere Menschen – eine ideale Kost, weshalb sie auf keinem Speiseplan fehlen sollten.

Rezept: Cremige Erbsen‑Gemüse-Pfanne mit Kartoffeln

 Zutaten (für 2 bis 3 Personen):
  • 250 g grüne Erbsen (frisch oder tiefgekühlt)
  • 400 g Kartoffeln
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Stück Karotte
  • 100 ml Gemüsebrühe
  • 1 EL Olivenöl
  • 2 EL Frischkäse oder eine pflanzliche Alternative
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss
  • optional: frische Kräuter
Zubereitung:
  1. Kartoffeln schälen, würfeln und circa 10 Minuten in Salzwasser vorkochen.
  2. Zwiebel fein hacken und in Olivenöl glasig anbraten.
  3. Gewürfelte Karotte hinzufügen und mitbraten, bis sie leicht gar ist.
  4. Kartoffeln und Erbsen zugeben und kurz durchschwenken.
  5. Brühe hinzufügen und 5 bis 7 Minuten lang köcheln lassen.
  6. Frischkäse unterrühren, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.
  7. Mit frisch gehackten Kräutern bestreuen und warm servieren.
  8. Guten Appetit!
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Prostata: 4 Tipps und 6 Mikronährstoffe, wie Mann vorbeugen kann


In Kürze:

  • Männer werden früher oder später mit der Gesundheit ihrer Prostata konfrontiert.
  • Das Alter ist ein maßgeblicher Faktor, aber auch nicht die ganze Wahrheit.
  • Die Ursache ist selten ein einzelner Fehltritt, sondern vielmehr Ernährungsmuster, die den Stoffwechsel über Jahre in eine ungünstige Richtung schieben.
  • Vier Maßnahmen für den Alltag und sechs Mikronährstoffe für einen begrenzten Zeitraum können Männern langfristig helfen.

 
Die Prostata ist ein kleines Organ mit erstaunlichem Durchsetzungsvermögen. Jeder Mann hat sie, kaum einer kennt sie und die meisten interessieren sich erst dann für sie, wenn sie den Schlaf stört oder der Arzt bei der Vorsorge mit ernster Miene die Untersuchungshandschuhe überstreift.
Jahrzehntelang arbeitet sie unauffällig im Hintergrund. Sie sitzt unterhalb der Blase, umschließt die Harnröhre und produziert einen Teil der Samenflüssigkeit. Doch irgendwann macht sie sich bemerkbar: schwächerer Harnstrahl, häufiger Harndrang, Nachtröpfeln, unruhige Nächte oder das Gefühl, die Blase werde nie ganz leer.
Viele Männer hören dann den Standardsatz: „Das ist in Ihrem Alter normal.“ Das ist zwar nicht falsch, aber es ist auch nicht die ganze Wahrheit. In meiner Praxis sehe ich seit vielen Jahren, dass die gutartige Prostatavergrößerung, kurz BPH, nicht im luftleeren Raum entsteht, sondern in einem biologischen Milieu wächst.
Und dieses Milieu wird durch Ernährung, Bauchfett, Blutzucker, Insulin, Entzündung, Darmgesundheit, Bewegung und Stress stärker geprägt, als man früher dachte – selbst in der Naturheilkunde.

Die Prostata wächst in einem „Milieu“?

Lange wurde die BPH vor allem als Problem des Alters betrachtet. Hormone spielen zweifellos eine Rolle, besonders Dihydrotestosteron, ein Abbauprodukt des Testosterons. Doch das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte.
Krankheitsbedingte Veränderungen der Prostata

Die Prostata ist eine kleine Drüse, die aufgrund ihrer Lage direkt unterhalb der Blase zu Problemen führen kann.

Foto: nach Sakurra/iStock

Eine 2026 veröffentlichte Arbeit in „Frontiers in Nutrition“ untersuchte den Zusammenhang zwischen entzündungsfördernder Ernährung und gutartiger Prostatavergrößerung. Die Autoren werteten Daten von 3.517 Männern aus, ergänzten die Analyse durch genetische Verfahren und prüften die Befunde zusätzlich im Tiermodell.
Ein höherer Dietary Inflammatory Index, der sogenannte Entzündungsindex der Nahrung, war in der vollständig bereinigten Analyse mit einem höheren BPH-Risiko verbunden. Pro Punkt Anstieg lag die Risikoerhöhung bei etwa 7 Prozent. Im Tiermodell zeigten sich unter entzündungsfördernder Ernährung mehr Gewebeumbau, Kollageneinlagerung und höhere Entzündungsmarker wie IL-6, TNF-alpha und IL-1 beta. Das beweist keine einfache Ursache-Wirkung-Kette, macht aber plausibel, dass die Prostata auf ein entzündliches Stoffwechselmilieu reagiert.
Diese Befunde passen auch zu dem, was wir aus der Praxis kennen: Männer mit Bauchfett, Insulinresistenz, Bluthochdruck, Bewegungsmangel und chronischer Entzündung haben oft nicht nur ein Herz-Kreislauf-Problem, sondern häufig auch ein Prostataproblem. Der Körper trennt diese Dinge nicht so ordentlich, wie es medizinische Fachabteilungen gerne tun.

Was heißt entzündungsfördernde Ernährung?

Gemeint ist kein einzelner Fehltritt, sondern ein Ernährungsmuster, das den Stoffwechsel über Jahre in eine ungünstige Richtung schiebt: viel Zucker, Weißmehl, Fertigprodukte, Wurstwaren, frittierte Speisen, Omega-6-lastige Industrieöle und Alkohol bei gleichzeitig wenig Gemüse, Kräutern, Ballaststoffen, Bitterstoffen und Polyphenolen.
Daraus entsteht ein Milieu, in dem chronisch niedriggradige Entzündungen leichter unterhalten werden. Die Folge ist, dass Insulin häufiger erhöht bleibt, Bauchfett zunimmt, die Darmflora an Vielfalt verliert, die Darmbarriere anfälliger wird und das Immunsystem unterschwellig aktiviert bleibt. In Studien werden dabei immer wieder Botenstoffe wie IL-6, TNF-alpha und IL-1 beta diskutiert, genau jene Entzündungsmediatoren, die auch in der aktuellen BPH-Arbeit bei entzündungsfördernder Ernährung erhöht waren.
Und wieder einmal spielt das Bauchfett eine besondere Rolle. Es ist kein passiver Speicher, sondern ein hormonell und immunologisch aktives Gewebe. Es setzt Entzündungsbotenstoffe frei und verschlechtert die Insulinempfindlichkeit. Deshalb sehe ich den Bauchumfang als aussagekräftiger an als das Körpergewicht.
Und darum beginne ich bei beginnenden Prostatabeschwerden nicht mit der Frage nach der „besten Prostatapflanze“. Zuerst geht es um die Grundlagen, nämlich um Bauchfett, Blutzucker, Darm, Alkohol, Abendessen, Bewegung.

Was Männer konkret tun können

1. Zucker, Weißmehl und schnelle Kohlenhydrate reduzieren
Gemeint sind vor allem Süßigkeiten, Kuchen, süße Getränke, Snacks, Pizza oder auch die Pasta aus Weißmehl. Nicht jedes Brot ist automatisch ein Problem. Ein echtes Sauerteigbrot oder gutes Vollkornbrot wirkt anders als ein Industriebrot. Entscheidend ist die Stoffwechselantwort, denn bei Bauchfett, Fettleber, Heißhunger oder erhöhtem Insulin werden schnelle Kohlenhydrate rasch zum Brandbeschleuniger.
2. Täglich Gemüse essen, am besten zwei große Portionen
Kreuzblütler wie Brokkoli, Rucola, Kohl und Radieschen liefern schwefelhaltige Pflanzenstoffe und unterstützen den Stoffwechsel. Auch Lycopin ist für die Prostata interessant. In einer kleinen randomisierten Studie mit Männern mit BPH zeigten 15 Milligramm Lycopin täglich über sechs Monate Hinweise auf eine gebremste Progression.
Tomatenmark oder gekochte Tomaten können eine Quelle sein, wenn sie gut vertragen werden. Da Tomaten zu den Nachtschattengewächsen gehören, empfehle ich sie aber nicht pauschal jedem. Bei empfindlichem Darm, Gelenkbeschwerden oder Unverträglichkeit ist ein Lycopinpräparat mit 10 bis 15 Milligramm täglich oft die bessere Lösung.
3. Die Fettqualität korrigieren
Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Sojaöl, Margarinen, Frittierfette und viele Fertigprodukte verschieben das Fettsäuremuster häufig in Richtung Omega-6. Sinnvoller sind Olivenöl, etwas Butter oder Ghee und eine gezielte Versorgung mit Omega-3.
Entscheidend sind EPA und DHA. Sie kommen zwar vor allem in fettem Seefisch vor, doch Fisch ist heute leider nicht mehr die saubere Quelle, die er einmal war. Mikroplastik, Schwermetalle und Rückstände sind ein Problem. Deshalb bevorzuge ich ein geprüftes Fischöl oder Algenöl mit Analysezertifikat. Praktikabel sind meist 1 bis 2 Gramm EPA plus DHA täglich. Leinöl, Chia und Walnüsse sind wertvoll, liefern aber vor allem ALA, das nur begrenzt in EPA und DHA umgewandelt wird.
4. 12, besser 14 Stunden nächtliche Esspause
Heute nennt man das Intervallfasten, früher war es eine einfache Ernährungsregel. Wer abends um 21 Uhr noch Brot, Wurst, Chips und Wein nachschiebt, hält Insulin, Verdauung und Blase unnötig in Betrieb. Das rächt sich nicht nur am Bauchumfang, sondern oft auch in der Nacht.

Pflanzen helfen besser im Verbund

Die Pflanzenheilkunde kann bei BPH ein sinnvoller Ansatz sein, vor allem dann, wenn man nicht auf einen einzelnen Extrakt setzt. Die Prostata reagiert nicht nur auf einen Schalter. Es geht um Entzündung, glatte Muskulatur, Hormonstoffwechsel, Gewebeumbau und Blasenreiz. Genau deshalb sind Kombinationen oft plausibler als die Suche nach dem einen „Prostatamittel“.
Sägepalme ist einen Versuch wert. Üblich sind 320 Milligramm eines standardisierten Extrakts täglich. Allerdings muss man auch sagen: Eine Cochrane-Auswertung fand für Sägepalme allein gegenüber Placebo nur geringe bis keine Vorteile. Die europäische Urologenleitlinie sieht für bestimmte (hexanische) Extrakte immerhin eine schwache Empfehlung, besonders bei Männern, die Nebenwirkungen klassischer Medikamente vermeiden wollen.
In der Praxis arbeite ich deshalb, wenn überhaupt, lieber mit Pflanzenkombinationen und klarer Erwartung: keine Wunder, sondern ein Versuch über mehrere Wochen. In der Phytotherapie ist eins plus eins oftmals mehr als zwei.

Wedel einer Sägepalme.

Foto: LWOPhotography/iStock

Die Brennnesselwurzel gehört für mich fast immer in solch eine Kombination. Üblich sind hier 300 bis 600 Milligramm Extrakt täglich. Roggenpollenextrakt kann besonders bei nächtlichem Harndrang interessant sein. Häufig verwendete Dosierungen liegen bei 375 bis 750 Milligramm täglich.
Kürbiskerne oder Kürbiskernextrakte passen ebenfalls gut dazu, vor allem wegen ihrer Phytosterole und der guten Verträglichkeit. Wer es einfach halten will, nimmt täglich zwei Esslöffel Kürbiskerne über mindestens acht bis zwölf Wochen.
Bei den Mikronährstoffen denke ich vor allem an Zink und Selen – nicht blind hoch dosieren, sondern möglichst prüfen. Praktisch vertretbar sind oft 15 bis 25 Milligramm Zink täglich für acht bis zwölf Wochen. Bei längerer Einnahme sollte man außerdem an Kupfer denken. Selen nur bei Bedarf einnehmen, meist 100 bis 200 Mikrogramm täglich, nicht als Dauerhochdosis.

Fazit

Die Prostata wächst mit den Jahren bei vielen Männern. Die Älteren werden sich noch erinnern: Der Chirurg Julius Hackethal sprach beim langsam wachsenden Prostatakrebs einmal vom „gutartigen Haustierkrebs“. Er formulierte damit die Einsicht, dass nicht jede Veränderung an der Prostata sofort mit maximaler Härte bekämpft werden muss.
Manches muss kontrolliert, manches behandelt, manches vor allem biologisch verstanden werden. Bei der gutartigen Prostatavergrößerung gilt das erst recht. Und genau hier beginnt der Teil, den viele Männer unterschätzen.
Die Prostata lebt nicht getrennt vom Rest des Körpers. Sie bekommt mit, wie viel Bauchfett vorhanden ist, wie oft Insulin ansteigt, wie der Darm arbeitet, wie entzündlich das Gewebe gestimmt ist und ob der Körper nachts zur Ruhe kommt oder weiter mit Verdauung, Alkohol und spätem Essen beschäftigt wird.
Natürlich gibt es Situationen, in denen Medikamente oder Eingriffe notwendig sind. Blut im Urin, Fieber, Schmerzen, Harnverhalt, rasch zunehmende Beschwerden oder auffällige PSA-Werte gehören urologisch abgeklärt. Naturheilkunde ersetzt hier keine Diagnostik.
Aus naturheilkundlicher Sicht ist aber die wichtigste Botschaft: Wer seine Prostata entlasten will, sollte nicht nur nach dem besten Extrakt suchen. Er sollte den Boden verbessern, auf dem das Problem wächst.
Weniger Zucker, weniger Bauchfett, bessere Fette, mehr Pflanzenstoffe, mehr Bewegung, gezielte Phytotherapie, sinnvolle Mikronährstoffe – genau solche Maßnahmen entscheiden in der Praxis oft darüber, ob ein Mann mit 60 nachts einmal oder viermal aufsteht.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. Für Informationen zu Dosierung, Anwendung und unerwünschten Effekten von Heilpflanzen wird eine Beratung in der Apotheke empfohlen.
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Rezept für Kartoffeln aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Linda, Sieglinde, Heiderose, Laura und Anneliese – die Namensliste der verschiedenen Kartoffelsorten ist lang. Auffällig sind dabei die zahlreichen weiblichen Namen, was vielleicht auf eine alte Praxis zurückgeht. Demnach sollen Bauern ihre Kartoffelsorten nach ihren schönsten und hübschesten Töchtern benannt haben.
In Deutschland sind seit 2023 etwa 540 Arten zugelassen. Liebhaber von Kartoffeln könnten damit fast zwei Jahre lang täglich eine andere Sorte des südamerikanischen Nachtschattengewächses probieren. Weltweit gibt es sogar über 3.000 Sorten der Erdäpfel, ausreichend für mehr als acht Jahre täglicher Kartoffelverkostung.
Damit dies auf die Dauer nicht langweilig wird, gibt es zum Internationalen Tag der Kartoffel am 30. Mai drei traditionelle Rezepte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz:

Kartoffelauflauf deutscher Art

Rezept für Kartoffeln aus Deutschland: Kartoffelauflauf

Der deutsche Klassiker: Kartoffelauflauf mit Speck und Petersilie.

Foto: kabVisio/iStock

Zutaten (für 4 Personen)
  • 800 g festkochende Kartoffeln
  • 200 g weiße Champignons
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 250 g Schinkenwürfel
  • 300 ml Sahne
  • 200 ml Milch
  • 150 g geriebener Käse
  • 2 EL Butter
  • frische Petersilie
  • Salz und Pfeffer
Zubereitung
  1. Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Pilze putzen und in kleine Stücke schneiden.
  2. Zwiebel und Knoblauch fein hacken und in einer Pfanne mit ein wenig Butter glasig anbraten. Schinkenwürfel und Champignons zugeben und kurz mit anbraten.
  3. Sahne und Milch in einer Schüssel vermengen und mit Salz, Pfeffer und klein gehackter Petersilie würzen.
  4. Eine Auflaufform mit Butter fetten. In Schichten abwechselnd die Kartoffelscheiben und die Zwiebel-Schinken-Mischung in Schichten hineinlegen. Dazwischen jeweils etwas Sahnesoße zugeben.
  5. Mit Käse bestreuen und im vorgeheizten Ofen bei 200 Grad Celsius Ober-/Unterhitze etwa 40 bis 45 Minuten goldbraun backen.
Zu diesem Gericht kann ergänzend Salat, Fleisch oder Fisch serviert werden.

Petersilienkartoffeln aus Österreich

Rezept für Kartoffeln aus Österreich: Petersilienkartoffeln

Der österreichische Klassiker: Petersilienkartoffeln mit Wiener Schnitzel.

Foto: bhofack2/iStock

Zutaten (für 4 Personen)
  • 12 bis 16 mittelgroße, festkochende Kartoffeln
  • 4 EL Butter oder Schmalz
  • frische Petersilie
  • Salz und Pfeffer
Zubereitung
  1. Kartoffeln schälen und kochen.
  2. Das Bratfett in einer Pfanne zerlassen, gehackte Petersilie dazugeben und kurz anschwitzen.
  3. Die Kartoffeln grob zerkleinern, zur Petersilie in die Pfanne geben und kurz darin schwenken. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Zu diesem Gericht kann ergänzend traditionell Wiener Schnitzel oder Backhendl serviert werden.

Original Schweizer Rösti

Rezept für Kartoffeln aus der Schweiz: Rösti

Der Klassiker aus der Schweiz: Rösti.

Foto: Mariha-kitchen/iStock

Zutaten (für 4 Personen)
  • 1 kg mehlig kochende Kartoffeln
  • 4 EL Butter
  • 1 Prise Salz
Zubereitung
  1. Am Vortag die Kartoffeln nicht ganz gar kochen, abkühlen lassen und im Kühlschrank lagern.
  2. Die Kartoffeln pellen und längs durch eine Kartoffelreibe geben, damit lange Kartoffelraspel entstehen. Dann salzen.
  3. Einen Esslöffel Butter in der Pfanne auf mittlerer Stufe schmelzen. Dann auf die höchste Stufe stellen, ein Viertel der geraspelten Kartoffel in die Pfanne geben und zu einem Fladen formen.
  4. 3 Minuten scharf anbraten, dann auf niedriger Stufe langsam 15 Minuten lang goldbraun braten. Rösti umdrehen und weitere 10 Minuten goldbraun braten.
  5. Schritt 4 wiederholen, um weitere Rösti zu braten.
Zu diesem Gericht kann ergänzend Fleisch oder Spiegelei mit Schnittlauch serviert werden.
Guten Appetit!
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Hautalterung verlangsamen: So gehts

Den meisten Menschen ist bewusst, dass Kollagen mit zunehmendem Alter abgebaut wird. Was sie vielleicht nicht wissen, ist, wie sehr dieser Abbau durch strukturellen Stress beschleunigt werden kann.

Das Gerüst unter der Oberfläche

Ihre Faszien, das Bindegewebsnetz, das den gesamten Körper, einschließlich des Gesichts, zusammenhält, sind mechanischen Belastungen ausgesetzt, denen keine Creme entgegenwirken kann. Dabei handelt es sich um chronische Verspannungen im Nacken und Kiefer, alte Verletzungen, die nicht vollständig abgeheilt sind, oder eine Fehlhaltung, die bestimmte Muskelgruppen Tag für Tag belastet.
Das Lymphsystem verschärft dieses Problem noch. Im Gegensatz zum Herzen verfügt das Lymphsystem über keine Pumpe. Es ist für seine Zirkulation vollständig auf Bewegung, Atmung und Muskelkontraktionen angewiesen.
Wenn die Faszien schwächer werden, kann die Lymphe stagnieren, was häufig bei Menschen auftritt, die sich wenig bewegen, gestresst oder dehydriert sind.
Infolgedessen sammeln sich Stoffwechselabfälle im Gesichtsgewebe an und führen zu Schwellungen, einem fahlen Teint und einem Verlust an Kontur, den die meisten Menschen einfach dem Lauf der Zeit zuschreiben.
Techniken wie Gesichtsakupunktur, Gua Sha, eine chinesische Schabemassage, und manuelle Lymphdrainage mögen Menschen überraschen, die sie lediglich als alternative Heilmethoden betrachten.
Sie erreichen die tieferen strukturellen Schichten der Haut, die topische Cremes meist nicht erreichen können.

Was im Blut vor sich geht

Der am meisten unterschätzte Aspekt der Hautalterung ist biochemischer Natur, und ein Großteil davon geschieht Jahre bevor die Zeichen der Alterung im Gesicht sichtbar werden.
Zucker lässt die Haut altern. Wenn sich der Blutzucker mit Kollagenmolekülen vernetzt, bilden sich laut Studien fortgeschrittene Glykationsendprodukte (AGEs).
AGEs machen Kollagen steif, spröde und verfärben es – ähnlich dem chemischen Prozess, der Brot im Toaster bräunt, nur dass dies in der Haut jedes Mal geschieht, wenn der Blutzucker ansteigt.
Die Anreicherung von AGEs lässt die Haut älter, dicker und weniger strahlend aussehen – und sie beschleunigt sich mit jedem raffinierten Kohlenhydrat und jedem gesüßten Getränk, das wir zu uns nehmen.

Der Darm kommuniziert mit der Haut – ständig

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Darm-Haut-Achse haben bestätigt, was die traditionelle Medizin schon lange weiß: Darmgesundheit und Hautgesundheit sind untrennbar miteinander verbunden.
Wenn das Darmmikrobiom gestört ist, sei es durch Antibiotika, verarbeitete Lebensmittel oder chronischen Stress, kommt es zu systemischen Entzündungen, die sich oft auf der Haut manifestieren.
Rosazea, Ekzeme, Akne und beschleunigte Hautalterung sind häufig Folgeerscheinungen einer Darmfunktionsstörung, die nie richtig behandelt wurde.

Kryptopyrrol-Störung

Die Kryptopyrrol-Störung ist eine wenig beachtete Erkrankung, die dazu führt, dass dem Körper chronisch zwei für die Hautgesundheit essenzielle Nährstoffe fehlen, und zwar Zink und Vitamin B6.
Zink wird für die Kollagensynthese, die Wundheilung und den Schutz vor UV-Licht benötigt. Vitamin B6 ist entscheidend für die Zellreparatur und die Regulierung von Entzündungen.
Menschen mit einer unentdeckten Kryptopyrrol-Störung altern schneller, heilen langsamer und sind anfälliger für entzündliche Hauterkrankungen. Ein einfacher Urintest kann dies feststellen.
Die Forschungslage ist jedoch noch im Entstehen und Ärzte interpretieren die Ergebnisse unterschiedlich.

Der hormonelle Rückgang geht weit über Östrogen hinaus

Mit zunehmendem Alter sinkt der Spiegel verschiedener Hormone wie Dehydroepiandrosteron – ein Hormon, das der Körper auf natürliche Weise in der Nebenniere produziert –, Wachstumshormon, Pregnenolon und Schilddrüsenhormone.
Das kann sich auf Hautdicke, Feuchtigkeit und Regenerationsfähigkeit auswirken.
Die Berücksichtigung des gesamten hormonellen Bildes führt oft zu Veränderungen der Hautqualität, die Patienten als bedeutender beschreiben als alles, was sie zuvor von einem Dermatologen erhalten haben.

Schlaf

Hautzellen gehören zu den stoffwechselaktivsten Zellen im Körper. Sie erneuern sich ständig und reagieren deshalb besonders empfindlich auf Störungen der zellulären Energieproduktion.
Dazu zählen unter anderem chronische Entzündungen, Umweltgifte, Nährstoffmangel sowie dauerhafte Blaulichtbelastung.
Schlaf ist vielleicht die wirksamste Anti-Aging-Maßnahme, die es gibt – und die meisten Menschen beeinträchtigen ihn. Während des Tiefschlafs produziert der Körper Wachstumshormone, baut Zellabfälle ab und repariert die oxidativen Schäden des Tages.
Eine gestörte Schlafarchitektur – durch Stress, Bildschirme, Alkohol oder einen gestörten zirkadianen Rhythmus – verkürzt dieses Reparaturfenster. Kein Produkt kann kompensieren, was der Körper auf natürliche Weise in drei Stunden erholsamem Schlaf leistet.

Seit 5.000 Jahren sieht die klassische chinesische Medizin Hautprobleme als Ausdruck innerer Ungleichgewichte und weist auf oft übersehene Ursachen hin.

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Die klassische chinesische Medizin hat schon vor langer Zeit eine Version dieses Verständnisses entwickelt. Bestimmte Hautunreinheiten entsprechen dabei bestimmten Ungleichgewichten im Organsystem.
Trockenheit und vorzeitige Faltenbildung in bestimmten Gesichtsbereichen spiegeln eine Erschöpfung des Lungen-Qi, einen Rückgang der Lungenenergie, wider, Schwellungen und ein schlechter Teint im unteren Gesicht deuten auf ein Ungleichgewicht von Milz und Magen hin, während Rötungen und geplatzte Äderchen für ungelöste innere Hitze stehen.
Diese Zusammenhänge basieren auf 5.000 Jahren systematischer klinischer Beobachtung und weisen Ärzte konsequent auf innere Ursachen hin, die die Standarddermatologie nicht in Betracht ziehen würde.

Was das Gesicht tatsächlich aufzeichnet

Hier ist die Wahrheit, die nur wenige Dermatologen in der Sprechstunde ansprechen, die aber ein aufmerksamer Beobachter des menschlichen Gesichts erkennt: Das Gesicht hält das Gefühlsleben fest.
Cortisol, das bei chronischem Stress ausgeschüttet wird, hemmt direkt die Kollagensynthese und aktiviert die Enzyme, die es abbauen.
Untersuchungen an Menschen in belastenden Berufen, wie beispielsweise Pflegekräften, Traumaüberlebenden und Menschen in langwierigen Konflikten, zeigen unter anderem eine verlangsamte Wundheilung, eine beschleunigte Telomerverkürzung und entzündliche Hautveränderungen in einem Ausmaß, das über dem von vergleichbaren Kontrollgruppen liegt.
Ein Bluttest kann weder unbewältigte Trauer erkennen noch seit Jahren im Kiefer festgehaltene Wut, Angst, die die Stirn verengt, oder Einsamkeit, die den Teint stumpf macht.
Das Gesicht bewahrt, was der Verstand nicht vollständig verarbeiten kann, und zeigt es mit einer Präzision, die kein ästhetischer Eingriff vollständig korrigieren kann.
Umgekehrt sehen Patienten, die eine langjährige Beziehungsverletzung aufarbeiten, einen neuen Lebenssinn finden oder sich endlich erlauben, loszulassen, oft innerhalb weniger Monate sichtbar anders aus – weicher, offener, strahlender.
Das ist keine Sentimentalität, sondern Psychoneuroimmunologie, und die Belege für den Zusammenhang zwischen Geist und Haut sind mittlerweile erheblich.
Alte chinesische Ärzte beschrieben den Zustand unseres Geistes als „Shen“, den Geist, der die Augen klar und den Teint lebendig macht.
Wenn Shen durch Überarbeitung, Sinnlosigkeit oder unbewältigten Verlust erschöpft ist, verliert das Gesicht an Ausstrahlung, unabhängig davon, was auf seine Oberfläche aufgetragen wird.

Unter der Oberfläche

Hautalterung ist, ganzheitlich betrachtet, nicht nur ein dermatologisches Problem. Sie ist ein komplexer Prozess, der sich im Gesicht widerspiegeln kann.
Die gute Nachricht ist, dass die meisten dieser Ursachen durch strukturelle Pflege, gezielte biochemische Korrekturen, die Optimierung von Schlaf und Energie sowie die Aufmerksamkeit für die emotionale Gesundheit angegangen werden können.
Entscheidend ist vor allem die Bereitschaft, unter die Oberfläche zu schauen – Wortspiel beabsichtigt.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Most Skin Aging Can Be Significantly Delayed“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Wann Schnarchen ein Warnzeichen ist

Es beginnt leise, wie ein kaum hörbares Flattern in der Dunkelheit. Mit der Zeit wird daraus ein gleichmäßiges Rumpeln.
Schnarchen wurde lange Zeit als harmloses Ärgernis abgetan. Doch das könnte ein Irrtum sein.
In vielen Fällen ist es ein Frühwarnzeichen für obstruktive Schlafapnoe, eine Erkrankung, bei der sich die Atemwege im Schlaf verengen, weil sich der Rachen entspannt.
„Aufgrund der Beschaffenheit des Rachens besteht bei jedem Menschen ein gewisses Risiko für eine Anfälligkeit der Atemwege in der Nacht“, sagte Dr. Allison Wilson, Zahnärztin und Expertin für schlafbezogene Atemprobleme, gegenüber The Epoch Times. „Schnarchen ist also tatsächlich Teil eines Spektrums der Schlafapnoe – oft ist es das erste Anzeichen dafür, dass sich die Atemwege stärker als normal verengen.“
Im Kern ist Schnarchen das Geräusch von Luft, die sich mühsam durch die Atemwege bewegt. Dieser Widerstand kann laut Studien ein Hinweis darauf sein, dass die Atemwege überlastet sind und dass Herz und Gehirn stärker arbeiten müssen, als sie sollten.
Die häufigsten Arten des Schnarchens stehen oft im Zusammenhang mit Schlafapnoe, insbesondere jene, an denen der weiche Gaumen und der Zungenansatz beteiligt sind.

Die drei Arten des Schnarchens

Wenn man mit einer Taschenlampe in den Rachen leuchten könnte, während jemand schnarcht, würde man keinen weit geöffneten Tunnel sehen.
Es würde eher wie ein geknickter Gartenschlauch aussehen: verengt, uneben und mit Weichgewebe ausgekleidet, das vibriert, wenn Luft hindurchströmt.
Ein Grund dafür liegt in der menschlichen Anatomie. Dieselben flexiblen Atemwege, die es uns ermöglichen zu sprechen und zu schlucken, führen auch dazu, dass sich der Rachen im Schlaf leichter verengt.
Schlafspezialisten unterteilen Schnarchen oft in drei anatomische Hauptmuster:

Nasales

Nasales Schnarchen beginnt oft mit einer Nasenscheidewandverkrümmung oder einer chronischen Verstopfung, die die Luft durch einen verengten Nasengang drückt und dabei pfeifende, grunzende oder hohe Töne erzeugt.
Kurzzeitiges nasales Schnarchen wird in der Regel durch Allergien verursacht und gilt als harmlos, aber langfristiges nasales Schnarchen kann die Schlafqualität beeinträchtigen und muss möglicherweise behandelt werden.
Nasales Schnarchen steht in der Regel nicht im Zusammenhang mit Schlafapnoe, die beiden anderen Arten hingegen schon.

Zungenbedingt

Zungenbedingtes Schnarchen tritt auf, wenn die Zunge während des Schlafs nach hinten in Richtung Rachen fällt und die Atemwege teilweise oder vollständig blockiert.
Diese Art wird typischerweise mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht, da sie enger mit obstruktiver Schlafapnoe verbunden ist und oft bei Atmung mit geöffnetem Mund auftritt.

Gaumenschwingung

Die häufigste Art des Schnarchens ist jedoch die Gaumenschwingung, die bei vielen Menschen ab der Lebensmitte auftritt.
Sie entsteht, wenn das Weichgewebe im hinteren Mundraum an Festigkeit verliert und während des Schlafs zu vibrieren beginnt. Sie kann sowohl bei Mund- als auch bei Nasenatmung auftreten.
Die Struktur des Gaumens hilft zu erklären, wie das Gaumenzittern entsteht. Im vorderen Bereich besteht der harte Gaumen aus Knochen und ist „vollständig und absolut gestützt“, so Wilson. Der weiche Gaumen im hinteren Bereich ist dies jedoch nicht und wird nur von Muskeln gestützt.
„Muskeln sind nicht besonders gut darin, Weichgewebe zu stützen“, sagte sie. „Mit der Zeit baut sich das Kollagen ab, das dem weichen Gaumen Struktur verleiht, und diese Gewebe werden schlaff.“ Wenn während des Schlafs Luft darüber strömt, vibrieren sie und erzeugen das Schnarchgeräusch.
Verschlimmert sich das Gaumenschnarchen, können sich die Atemwege weiter verengen oder während des Schlafs zusammenfallen.
Tritt dieser Zusammenfall wiederholt auf, spricht man von obstruktiver Schlafapnoe, einem Zustand, bei dem die Atmung während der Nacht wiederholt verlangsamt wird oder aussetzt und der Körper kurzzeitig in einen leichteren Schlaf wechselt, um die Atemwege wieder zu öffnen.

Wann wird Schnarchen zur Apnoe?

Grundsätzlich scheint Gaumenschnarchen kein medizinisches Problem zu sein.
„Es ist eine Belästigung für die Person, die mit im Bett liegt“, sagte Wilson.
Wenn sich das Schnarchen jedoch verschlimmert, kann der eingeschränkte Luftstrom die Schlafqualität beeinträchtigen und weitreichende Folgen für die langfristige Gesundheit haben.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, um festzustellen, wann Schnarchen in Schlafapnoe übergeht. Das gängigste Instrument ist der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), der zählt, wie oft die Atmung pro Stunde Schlaf verlangsamt wird oder aussetzt.
Ein AHI unter fünf gilt als normal, fünf bis 15 als leicht, 15 bis 30 als mittelschwer und über 30 als schwer.
Der AHI erfasst jedoch nicht, wie lange oder wie stark der Sauerstoffgehalt während der Nacht absinkt. Zunehmend verwenden Fachärzte Berechnungen der „hypoxischen Belastung“, um die Gesamtbelastung des Körpers durch Sauerstoffmangel zu bewerten und das Gesundheitsrisiko besser einzuschätzen.
Der AHI und die hypoxische Belastung können mithilfe eines Heimschlaftests gemessen werden. Dabei handelt es sich um ein kleines, tragbares Gerät, das von einem Arzt verschrieben und über Nacht verwendet wird, um Atemmuster, Sauerstoffwerte, Herzfrequenz und Luftstrom zu erfassen. Ein Schlafspezialist wertet die Ergebnisse anschließend aus.
Es gibt weitere Anzeichen, die sich zu Hause beobachten lassen. Warnsignale für Schlafapnoe sind unter anderem lautes, regelmäßiges Schnarchen, Atempausen oder Würgegeräusche sowie unruhiges Aufwachen trotz ausreichendem Schlaf.
Weitere Hinweise sind starke Tagesmüdigkeit, morgendliche Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme oder schwer einstellbarer Bluthochdruck.

Gaumenschnarchen gilt oft nicht als medizinisches Problem, ist aber meist eine Belastung für den Partner, so Wilson.

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„Wenn ein Partner hört, dass jemand aufhört zu atmen oder nach Luft schnappt – und nicht nur schnarcht –, ist das das größte Warnzeichen“, sagte Wilson.
Erschöpfung am Tag ist ein weiterer wichtiger Hinweis.
„Schnarchen macht nicht müde“, sagte sie, „Müdigkeit entsteht dadurch, dass man wegen der Apnoen keinen Tiefschlaf bekommt.“
Wenn diese Muster auftreten, ist es möglicherweise an der Zeit, einen Arzt aufzusuchen.
Ein Hausarzt, ein Schlafspezialist oder ein in schlafbezogenen Atemstörungen geschulter Zahnarzt kann dabei helfen, festzustellen, ob ein Schlaf-Heimtest oder eine Übernachtungsuntersuchung angebracht ist.
Eine Übernachtungsuntersuchung im Labor ermöglicht eine genauere Untersuchung, bei der Gehirnströme, Atemaufwand, Sauerstoffwerte, Herzrhythmus und Körperbewegungen während des Schlafs überwacht werden.

Wer ist gefährdet?

Schnarchen betrifft nicht jeden gleichermaßen. Es tritt häufiger bei übergewichtigen Menschen, bei Männern mittleren Alters und älter sowie bei Frauen nach der Menopause auf.
Einige Menschen scheinen „geborene Schnarcher“ zu sein, selbst wenn sie schlank, jung und ansonsten gesund sind. Die Größe und Form von Kiefer, Zunge, Mandeln und Gaumensegel beeinflussen, wie viel Platz im hinteren Rachenraum für den Luftdurchlass verbleibt.
Ein kleinerer Kiefer, eine größere Zunge oder vergrößerte Mandeln können diesen Raum einengen, wodurch die Atemwege im Schlaf leichter vibrieren oder kollabieren können.
Kinderschlafspezialisten weisen darauf hin, dass Kinder eigentlich nicht schnarchen sollten. Wenn sie es doch tun, sind anatomische Faktoren – insbesondere vergrößerte Mandeln, Polypen oder ein schmaler Gaumen – oft Teil der Erklärung.
In solchen Fällen kann eine Behandlung der vergrößerten Mandeln und Polypen oder eine Kiefererweiterung während der Entwicklung helfen, die Atemwege zu öffnen und das Schnarchen zu reduzieren.
Dies sollte immer unter Anleitung eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes sowie eines Kieferorthopäden oder Kinderzahnarztes erfolgen.
Das Älterwerden trägt seinerseits allmählich zum Schnarchen bei. Der gleiche Kollagenverlust, der die Haut weicher macht und Falten vertieft, wirkt sich auch auf das Gewebe im Mund- und Rachenraum aus.
„Alles, was im Mund rosa ist und nicht durch Knochen gestützt wird – die Uvula, die Gaumenbögen, die Mandeln – kann mit zunehmendem Alter flexibler und schlaffer werden“, sagte Wilson.
Das erklärt, warum jemand, der in seinen 20ern noch geräuschlos schlief, in seinen 40ern zu einem gewohnheitsmäßigen Schnarcher werden kann – selbst wenn sich sein Gewicht und seine Gewohnheiten kaum verändert haben.

Maßnahmen zur Änderung des Lebensstils und Behandlungen

Das Schnarchen wird durch verschiedene alltägliche Faktoren beeinflusst. Wenn man diese Faktoren gezielt adressiert, kann man Schnarchen und Schlafapnoe verbessern.
Gewicht: Übergewicht im Bereich des Halses und des Oberkörpers kann das Gewebe um die Atemwege herum verdicken, wodurch weniger Platz für die Luft bleibt.
Alkohol: Abends getrunkene alkoholische Getränke entspannen die Muskeln, die den weichen Gaumen und die Zunge in Position halten, sodass das Gewebe beim Einschlafen stärker erschlafft.
Schlafposition: Wenn man flach auf dem Rücken liegt, können die Zunge und der weiche Gaumen nach hinten in den Rachen fallen.
Wilson bezeichnet dies als eine „reine Schwerkraft“-Situation, die zu Schnarchen und Atemwegsverengungen führt. Viele Menschen schnarchen am lautesten auf dem Rücken und leiser auf der Seite.
Oft überschneiden sich diese Faktoren. Alkohol, eine späte Mahlzeit und das Schlafen auf dem Rücken können ein leichtes Schnarchen in ein lauteres, hartnäckigeres verwandeln – und sie gehören auch zu den Dingen, die sich am einfachsten ändern lassen, um herauszufinden, was hilft.
Praktische Maßnahmen sind unter anderem, den Alkoholkonsum vor dem Schlafengehen zu reduzieren, ein gesundes Gewicht anzustreben, auf der Seite zu schlafen oder den Oberkörper leicht anzuheben.
Diese Anpassungen können besonders hilfreich sein, wenn Reflux oder eine verstopfte Nase das Schnarchen verstärken.
Manche Menschen haben Erfolg mit der myofunktionellen Therapie, bei der Übungen die Gesichtsmuskulatur trainieren, während des Schlafs in Position zu bleiben.
Einfache Hilfsmittel wie Nasenstreifen können helfen, die Nasengänge zu öffnen und das Atmen zu erleichtern, insbesondere, wenn eine verstopfte Nase Teil des Problems ist.
Andere versuchen auch das „Mouth Taping“, bei dem vor dem Schlafengehen ein kleines Stück medizinisches Klebeband über den Lippen angebracht wird, um die Nasenatmung zu fördern.
Kinnriemen dienen einem ähnlichen Zweck und helfen dabei, den Mund während des Schlafs geschlossen zu halten. Man sollte jedoch immer einen Arzt zu konsultieren, bevor man Hilfsmittel ausprobiert, die den Luftstrom während der Nacht einschränken.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Mundvorrichtungen, CPAP-Geräte (Continuous Positive Airway Pressure) und in ausgewählten Fällen chirurgische Eingriffe.
In ihrer Praxis bietet Wilson Laserbehandlungen an, um den weichen Gaumen zu straffen und so Vibrationen zu verhindern.
„Wir lösen lediglich Kollagenbindungen auf und fordern den Körper auf, diese auf sehr schonende Weise neu zu bilden“, sagte sie.
„Wenn jemand sagt: ‚Ich bin immer noch erschöpft‘, dann ist das kein Schnarchproblem mehr. Dann müssen wir fragen, ob möglicherweise eine Apnoe dahintersteckt.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Snoring May Be an Early Sign of Sleep Apnea“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Ghosting: Schmerzhafter als Zurückweisung und schwerer zu überwinden

Die letzte Nachricht wirkte versteinert: zugestellt, gelesen – nichts. Tage vergingen, und Wochen. Für Justine Ramos war es nicht direkt herzzerreißend, sondern eher ein desorientierender Schmerz. Die Verbindung mit ihrer besten Freundin hatte einfach aufgehört, ohne Erklärung und ohne ein kommuniziertes Ende.
„Es war eines der verwirrendsten und verletzendsten Dinge, die ich je erlebt habe“, sagte Ramos gegenüber Epoch Times. Ghosting ist ein anderer Begriff für Ostrazismus (Ausgrenzung) oder das Beenden einer Beziehung, indem man einfach verstummt. Es ist mittlerweile zu einem Markenzeichen des modernen sozialen Lebens geworden. Ghosting erstreckt sich weit über Datings hinaus. Es reicht in Freundschaften und sogar in die Familien hinein.
In einer Welt ständiger Verbindungen als Norm, kann „Verschwinden“ einfacher erscheinen, als ein unangenehmes Gespräch. „Ich dachte ständig, ich müsse etwas falsch gemacht haben“, so Ramos. „Ich spielte jedes Gespräch in meinem Kopf nach und versuchte herauszufinden, wo sich eine Wende ereignet hatte. Es belastet einen mehr, als man erwarten würde, weil man nicht nur um die Person trauert, sondern auch um die Form der Beziehung, die man zu haben glaubte.“
Was Ramos erlebte, wird mittlerweile in einer Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten untersucht. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Schweigen durchaus seinen Preis haben kann.

Was die Forschung herausfand

Eine im Jahr 2025 im Magazin „Computers in Human Behavior“ veröffentlichte Studie verglich drei Szenarien: Man kann geghostet werden. Man kann auch direkt abgelehnt werden. Und man kann auch eine normale Interaktion haben.
Teilnehmer im Alter von 18 bis 35 Jahren chatteten sechs Tage lang für täglich 15 Minuten mit einer an der Studie beteiligten Person. Es ging um eine Vielzahl von Themen, darunter Sport, Fernsehsendungen, zukünftige Lebenspläne, Liebesleben, Musik und Reisen.
Die Teilnehmer wurden dann gebeten, kurze tägliche Umfragen darüber auszufüllen, wie sie sich fühlten. Am vierten Tag endete die Interaktion entweder plötzlich ohne Erklärung (Ghosting), endete mit einer klaren Ablehnung oder wurde wie gewohnt fortgesetzt.
Sowohl Ghosting als auch direkte Ablehnung lösten negative Emotionen wie Verwirrung, Gefühle der Ausgrenzung und ein bedrohtes Selbstwertgefühl aus. Die Menschen, die direkt abgelehnt wurden, tendierten jedoch dazu, sich schneller davon zu erholen.
Wenn jemand direkt abgelehnt werde, sei das Gehirn – auch wenn es schmerze – in der Lage, die Erfahrung als abgeschlossen zu verarbeiten. Es gebe eine klare Ursache, erklärte Scott Wetzler, Professor am Department für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften am Albert Einstein College of Medicine, gegenüber der Epoch Times. Das Gehirn könne es verarbeiten, es abschließen und wieder nach vorn schauen.
Ghosting jedoch unterbreche diesen Prozess. Anstelle eines klaren Endes lasse es das Gehirn nach einem solchen suchen.

In schwebender Hoffnung gefangen

„Wenn jemand geghostet wird, lässt es ihn in einem Zustand der Ungewissheit zurück, wohingegen eine klare Ablehnung eindeutiger ist“, sagte Scott Wetzler. „Da Menschen dazu neigen, sich von ihren Hoffnungen leiten zu lassen, träumt die geghostete Person vielleicht weiterhin von der vagen Möglichkeit, dass die andere Person wieder auftaucht oder doch noch Interesse zeigt. Sie klammert sich womöglich an unrealistische Hoffnungen.“
Diese Ungewissheit nährt das Grübeln. Wetzler beschreibt Ghosting als eine Form von passiv-aggressivem Verhalten. Es enthält einem absichtlich das vor, was Menschen nach einem Beziehungsabbruch am meisten brauchen: eine Antwort.
„Wenn man geghostet wird, stellt man sich vielleicht Fragen wie ‚Warum ist das passiert?‘, ‚Warum wollen sie nicht mit mir reden?‘ oder ‚Was habe ich getan?‘ – was den Kummer verlängert“, sagte Mark Leary, emeritierter Garonzik-Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der Duke University, gegenüber Epoch Times. Mit der Zeit könnte sich die Verwunderung ob dieser unbeantworteten Fragen in Selbstzweifel verwandeln.
„Ghosting vermittelt, dass die zurückgewiesene Person nicht (und vielleicht auch nie zuvor) wichtig oder wertvoll genug ist, um eine Erklärung zu verdienen oder höflich behandelt zu werden“, sagte Mark Leary.
Eine Studie aus dem Jahr 2024 fügt eine weitere Ebene hinzu. Ghoster und Geghostete verwenden insgesamt ein ähnliches Ausmaß an positiven und negativen Formulierungen, um ihre Erfahrungen zu beschreiben.
Allerdings unterschieden sich die Emotionen hinter ihren Worten deutlich. Ghoster drückten oft eine Mischung aus Schuldgefühlen und Erleichterung aus. Dies deutet auf einen inneren Konflikt zwischen der Vermeidung von Unbehagen und dem Erkennen der Auswirkungen ihres Handelns hin. Im Gegensatz dazu beschrieben Geghostete häufiger etwas Einfacheres und Krasseres: Traurigkeit und Schmerz.

Wie das Gehirn Ablehnung verarbeitet

Eileen Kennedy-Moore, eine klinische Psychologin, sieht in ihrer Praxis ein Muster. „Wir spielen Ereignisse und Gespräche nach und suchen nach Hinweisen“, sagte sie gegenüber Epoch Times. „Die Ungewissheit ist schmerzhaft, daher wollen wir dringend fragen oder erklären oder etwas beweisen.“
Das könne sich darin äußern, dass man alte Nachrichten erneut lese, kleine Details anzweifele oder Schweigen als verborgene Bedeutung interpretiere.
Ein Grund dafür, dass diese Gefühle so intensiv sind, mag darin liegen, wie das Gehirn Ablehnung verarbeitet.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Ablehnung teilweise dieselben Nervenbahnen aktiviert wie körperliche Schmerzen. Das bedeutet, dass diese Erfahrung nicht nur als emotionaler Schmerz empfunden wird, sondern auch das Alarmsystem des Gehirns in einer Weise aktiviert, die unmittelbar und schwer zu ignorieren ist.
Romantische Beziehungen sind stark mit Gehirnchemikalien wie Dopamin verbunden – das Vergnügen und Belohnung vermittelt – und Oxytocin, das hilft, sich verbunden und jemandem nahe zu fühlen. Wenn eine Beziehung plötzlich ohne Erklärung endet, gerät dieses System aus dem Gleichgewicht.
Tatsächlich zeigen Forschungsergebnisse, dass Liebe und Sucht sich überlappende Hirnsysteme betreffen, insbesondere die Teile, die für das Belohnungssystem zuständig sind. Dies trägt zu der Erklärung bei, warum sich der Verlust so intensiv anfühlen kann.

Wie die Technologie Ghosting noch schmerzhafter macht

Schätzungsweise 20 bis 40 Prozent der Allgemeinbevölkerung in den USA haben Ghosting erlebt, entweder als Geghostete, als Ghoster oder beides. Auch in Deutschland ist Ghosting längst keine Randerscheinung mehr. Hinzu kommt der wachsende Zugang zu Technologie, der ebenfalls eine Rolle spielen könnte.
Soziale Medien und Messaging-Apps vereinfachen es mehr denn je, die Kommunikation sofort abzubrechen – oft ohne die soziale Verantwortung, die mit einer persönlichen Interaktion einhergeht. Wenn Gespräche hinter Bildschirmen stattfinden, fühlen sich Menschen möglicherweise weniger verpflichtet, einen Abschluss oder Erklärungen anzubieten, und die Vermeidung von Unbehagen wird so einfach wie das Nicht-Antworten.
„In den sozialen Medien können wir negatives, ablehnendes Feedback von Tausenden Menschen erhalten. Unser Gehirn ist nicht darauf ausgelegt, so viel negatives Feedback zu verarbeiten“, sagte Leary.
In der Vergangenheit prägte nur ein kleiner Kreis von Menschen, wie Familie und enge Freunde, unser Selbstbild. Heute jedoch haben soziale Medien diesen Kreis dramatisch erweitert. Infolgedessen fühlen wir uns oft von Fremden verletzt, die wir nie treffen werden und die kaum reale Auswirkungen auf unser Leben haben, so Leary.
Soziale Medien verwischen auch die Grenze zwischen privater und öffentlicher Ablehnung. Wenn sich Interaktionen oder Trennungen online abspielen, können sie sichtbare Spuren hinterlassen – Fotos, Kommentare oder Änderungen des Beziehungsstatus –, was die Erfahrung, geghostet zu werden, intensiviert.
In einer vernetzten Welt wirken unerklärliche Kontaktabbrüche durch Personen, die einem wichtig sind, sehr verstörend. Foto: Primorac91/iStock

In einer vernetzten Welt können unerklärliche Kontaktabbrüche durch Personen, die einem wichtig sind, noch verstörender wirken.

Foto: Primorac91/iStock

Doch wie geht’s weiter?

Experten sind sich einig, dass vielleicht niemals ein Schlussstrich gezogen wird und das Bemühen darum den Schmerz höchstwahrscheinlich verlängert.
Nachdem Ramos in Gedanken die Leerstellen ausgefüllt, jede Nachricht immer wieder durchgespielt und nach einem Grund gesucht hatte, den sie jedoch nicht fand, kam sie zu einer schwierigen Erkenntnis. „Mit der Zeit habe ich gelernt, zu akzeptieren, dass ein guter Abschluss nicht unbedingt von der anderen Person kommt. Manchmal muss man ihn sich selbst schaffen, auch wenn es sich unvollendet anfühlt.“
Obwohl ein Abschluss für Ramos keine Option war, entschied sie sich, die Situation zu akzeptieren, und es nicht persönlich zu nehmen.
„Das erleichterte es mir, die Situation zu akzeptieren und weiterzumachen, da ich wusste, dass es nichts war, was ich in meinem Leben brauche“, sagte sie.
Ihre Erfahrung verdeutlicht, was beim Ghosting oft fehlt: Klarheit.

Wo Klarheit fehlt, muss man sie selbst schaffen

Für Menschen, die eine Ablehnung aussprechen, ist eine klare und respektvolle Kommunikation wichtiger als die Vermeidung von Unbehagen im Moment. Anstatt zu verschwinden oder gemischte Signale zu senden, hilft eine kurze, ehrliche Erklärung, die Würde der anderen Person zu bewahren und unnötige Verwirrung zu reduzieren.
Leary schlägt vor, die Erfahrung neu zu interpretieren: Eine Ablehnung, ob direkt oder indirekt, sagt in der Regel mehr über die gemeinsame Kompatibilität und soziale Einbindung aus als über den persönlichen Wert.
„Der Schlüssel ist, zu vermitteln, dass man jemanden, obwohl man ihn ablehnt, nicht notwendigerweise nicht mag, hasst oder völlig abwertet“, sagte Leary – ein Rat, der sich ebenso an diejenigen richtet, die ghosten, wie an diejenigen, die geghostet werden.
Für Kennedy-Moore liegt ein hilfreicher Wandel darin, die Aufmerksamkeit zu verlagern: weg von der Person, die verschwunden ist, hin zu denen, die nicht verschwunden sind.
„Die richtige Person wird darauf brennen, mit Ihnen zusammen zu sein“, sagte sie. „Sie wird Sie wertschätzen. Jemand, der nicht einmal auf eine Textnachricht antwortet, erfüllt diese Kriterien nicht. Geben Sie sich nicht mit Krümeln zufrieden. Es ist auch wichtig, Zeit mit Menschen zu verbringen, die Sie wirklich lieben und schätzen.“
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Why Being Ghosted Hurts More Than Rejection and Is Harder to Move on From“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Zecken in Deutschland: Wachsende Gefahr oder übertriebene Angst?

In Kürze:

  • Zecken übertragen in Deutschland vor allem zwei Krankheiten: die Lyme-Borreliose und die deutlich seltenere, aber potenziell schwere FSME, deren Risikogebiete sich zunehmend ausweiten.
  • Mildere Winter und längere warme Jahreszeiten verlängern die aktive Zeckensaison – laut Umweltbundesamt oft bereits von Februar bis November.
  • Mit einfachen Schutzmaßnahmen wie langer Kleidung, gründlichem Absuchen nach Aufenthalten im Grünen und schnellem Entfernen von Zecken lässt sich vorbeugen.

 
Wer im Frühjahr oder Sommer durch Wälder, Parks oder hohes Gras streift, begegnet früher oder später einem der widerstandsfähigsten Parasiten Europas: der Zecke. Lange galt sie vorwiegend als lästiges Naturproblem für Wanderer und Hundebesitzer. Inzwischen ist daraus ein gesundheitspolitisches Thema geworden. Steigende Fallzahlen bei zeckenübertragenen Krankheiten, neue FSME-Risikogebiete und milde Winter sorgen regelmäßig zum Frühlingsanfang für Schlagzeilen. Gleichzeitig warnen Wissenschaftler davor, die tatsächliche Gefahr falsch einzuordnen. Denn obwohl Zecken Krankheiten übertragen können, bleibt das individuelle Risiko stark abhängig von Region, Verhalten und Schutzmaßnahmen.
Besonders im Fokus stehen in Deutschland zwei Erkrankungen: die bakterielle Lyme-Borreliose und die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Während Borreliose bundesweit vorkommt und die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit Europas ist, konzentriert sich FSME bislang vor allem auf Süddeutschland.

Risiko: Borreliose oder FSME

Bei der Lyme-Borreliose, der häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheit in Deutschland, zeigt sich bei Infektion oft zunächst eine sogenannte Wanderröte: eine ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle, die sich langsam ausbreitet. Hinzu kommen häufig grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit oder Kopf- und Gliederschmerzen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, können Wochen oder Monate später Gelenkentzündungen, Nervenschäden oder Herzprobleme auftreten. Borreliose ist in vielen Fällen gut mit Antibiotika behandelbar, gerade auch, wenn sie früh erkannt wird. Und sie ist weder ansteckend noch kann sie von Mensch zu Mensch übertragen werden. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa drei von 10.000 Menschen.
Vergleichsweise noch seltener tritt FSME, eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, auf. Mehrere hundert Menschen infizieren sich pro Jahr mit dem Virus. Viele Betroffene bemerken die Infektion zunächst gar nicht. Nur etwa jede dritte infizierte Person entwickelt Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, ähneln diese anfangs häufig einer klassischen Grippe mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei einem Teil der Patienten greift das Virus anschließend jedoch das zentrale Nervensystem an. Dann kann es zu Hirnhautentzündungen, neurologischen Ausfällen oder schweren Entzündungen des Gehirns kommen.
Waren lange Zeit vor allem Bayern und Baden-Württemberg betroffen, meldet das Robert Koch-Institut inzwischen auch Risikokreise in Thüringen, Sachsen, Hessen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
Das Robert Koch-Institut registrierte 2024 in ganz Deutschland insgesamt 686 FSME-Fälle, den zweithöchsten Stand seit der ersten Erhebung 2001. Als Gründe für die Steigerung gelten vor allem mildere Winter und längere warme Jahreszeiten. Sie erhöhen die Überlebensrate der Zecken und verlängern ihre aktive Saison. Laut Umweltbundesamt beginnt die Zeckenaktivität inzwischen häufig bereits im Februar und endet teils erst im November.
Insgesamt gelten derzeit mehr als 180 Landkreise als FSME-Risikogebiete, die das Robert Koch-Institut auf seiner Website mit einer Deutschlandkarte visualisiert. Gegen Borreliose existiert bislang keine zugelassene Impfung für Menschen, gegen FSME hingegen schon.
Foto: Epoch Times | Quellen: Umweltbundesamt, RKI, Science Direct

Foto: Epoch Times | Quellen: Umweltbundesamt, Robert Koch-Institut, Science Direct

Nach einer 2022 veröffentlichten Civey-Umfrage im Auftrag des Pharmakonzerns Pfizer zur Impfbereitschaft lag die FSME-Impfquote damals bei lediglich 31 Prozent, obwohl sich 98 Prozent der Bundesbürger der Gefahren durch Zeckenstiche bewusst sind.

Unterstützung zur Prävention

Generell gilt: Zecken fallen nicht von Bäumen, sondern sitzen größtenteils in hohem Gras, in Büschen oder im Unterholz und werden beim Vorbeigehen abgestreift. Sie beißen sich oft nicht sofort fest, sondern wandern zunächst über den Körper, bis sie warme und gut durchblutete Hautstellen finden. Gerade deshalb kann ein gründliches Absuchen nach einem Wald- oder Parkbesuch das Risiko deutlich senken. Besonders häufig finden sich Zecken später in Kniekehlen, der Leistengegend, Achseln oder am Haaransatz. Wer Zecken möglichst gar nicht erst mit nach Hause bringen möchte, sollte sich entsprechend schützen. Geschlossene Schuhe oder eine in die Socken gesteckte Hose können eine wirksame Barriere gegen den Zeckenbefall sein. Und wenn die Hose dann noch eine helle Farbe hat, sind die Krabbeltiere im Fall des Falles bei der Kontrolle der Kleidung leichter zu identifizieren.
Viele Menschen setzen inzwischen neben klassischen Schutzmitteln auch auf natürliche Methoden zur Zeckenabwehr. Als Hausmittel gelten etwa Kokosöl, Schwarzkümmelöl oder ätherische Öle wie Zitroneneukalyptus-, Lavendel-, Rosmarin- oder Teebaumöl.
Einige dieser ätherischen Öle scheinen laut Untersuchungen Zecken zumindest kurzfristig fernzuhalten, obwohl die Ergebnisse in freier Natur variieren. Ähnliches gilt für bestimmte Pflanzen im eigenen Garten. Lavendel, Rosmarin, Rainfarn, Minze oder Katzenminze werden häufig genannt, weil ihr Geruch Zecken und andere Insekten abschrecken kann.

Kurzen Prozess mit den Parasiten machen – aber wie?

Auch Haustiere spielen beim Thema Zecken eine wichtige Rolle. Hunde und Freigängerkatzen bringen die Parasiten nicht selten nach Spaziergängen oder Streifzügen mit in Wohnungen und Häuser. Selbst Menschen, die nur selten durch Wälder laufen, können dadurch mit Zecken in Kontakt kommen. Tierhalter kontrollieren deshalb häufig Fell, Ohren, Hals und Pfoten ihrer Tiere nach Aufenthalten im Freien besonders sorgfältig.
Und wenn eine Zecke gefunden wird, gelten für Mensch und Tier die gleichen Erste-Hilfe-Maßnahmen, um wieder parasitenfrei zu werden:

Foto: iStock Chalababa

  • Empfohlen wird eine möglichst schnelle und mechanische Entfernung, etwa mit einer feinen Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange.
  • Die Zecke sollte dabei möglichst nah an der Haut gefasst und langsam herausgezogen werden, ohne sie zu quetschen oder stark zu drehen.
  • Anschließend empfiehlt sich das Desinfizieren der Stelle sowie eine Beobachtung in den folgenden Tagen, etwa auf Rötungen oder grippeähnliche Beschwerden.
Bei der Entfernung von Zecken wird von klassischen Hausmitteln eher abgeraten. Früher wurden häufig Öl, Nagellack, Alkohol, Klebstoff oder Cremes verwendet, um die Tiere zu „ersticken“ oder zum Loslassen zu bringen. Das Problem dabei ist, dass die Zecke unter Stress gerät und dabei vermehrt Speichel oder Darminhalt abgeben kann, wodurch – zumindest theoretisch – das Risiko einer Erregerübertragung steigen kann.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Verursacht die Sonne Krebs – oder verhindert sie ihn?

In den letzten Jahrzehnten ist das Bewusstsein für die Gefahren durch Sonnenstrahlung stark gewachsen. Die Risiken, vor allem Hautkrebs, vorzeitige Hautalterung und Grauer Star, sind heute vielen Menschen bekannt.
Doch ein angemessenes Maß an Sonnenlicht bringt wichtige Vorteile für unsere Gesundheit und immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen zu wenig Sonne und einem erhöhten Risiko für andere Krebsarten wie beispielsweise Darmkrebs oder Brustkrebs.

Sonnenexposition erhöht das Hautkrebsrisiko – aber was ist mit anderen Krebsarten?

Viele Menschen verbinden Sonnenexposition sofort mit Hautkrebs. Das ist verständlich, da Hautkrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung ist. Davon entfällt ein Großteil der Diagnosen auf den sogenannten weißen oder hellen Hautkrebs, bei dem die durchschnittliche Sterberate laut Daten des Robert-Koch-Instituts über 10 Jahre unter einem Prozent liegt. Allerdings steht intensive Sonnenexposition mit einem erhöhten Risiko für den gefährlicheren schwarzen Hautkrebs in Verbindung, an dem in Deutschland jährlich etwa 3000 Menschen sterben.
Mittlerweile zeigt die Krebsforschung jedoch ein differenzierteres Bild: Zu wenig Sonnenlicht steht wiederum mit einem erhöhten Risiko für andere Krebsarten in Verbindung.
Bevor wir tiefer in dieses spannende Paradoxon eintauchen, lohnt es sich, erst einmal zu verstehen, wie Sonnenlicht eigentlich in unserem Körper wirkt, vor allem über Vitamin D.
Die Energie der Sonne erreicht die Erde in vielen Formen: als sichtbares Licht, Wärme (Infrarot), ultraviolette Strahlung (UV), aber auch als Radiowellen, Röntgen- und Gammastrahlen.
Von der ultravioletten Strahlung erreichen uns zwei Arten, nämlich UVA und UVB. Die dritte Art, UVC, wird bereits in der Atmosphäre herausgefiltert.
Besonders wichtig ist das UVB-Licht: Es trifft auf die Haut und wandelt dort eine Vorstufe von Cholesterin in Vitamin D3 um. Danach wird es in zwei Schritten aktiviert: Erst baut die Leber es in die Speicherform (Calcidiol) um, und die Nieren machen daraus schließlich das aktive Vitamin D (Calcitriol).
Dieser Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und Vitamin-D-Produktion scheint der Kern der krebshemmenden Wirkung des Sonnenlichts zu sein.
Im Jahr 2022 ergab eine in der Fachzeitschrift Nutrientsveröffentlichte Studie, dass moderate Sonnenexposition mit einem geringeren Erkrankungs- und Sterberisiko für bis zu 23 Krebsarten, darunter Darmkrebs, Brustkrebs oder Prostatakrebs, in Zusammenhang steht.
Laut einer weiteren Studie in der Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives“ haben Menschen in hohen Breitengraden mit wenig Sonne ein höheres Risiko, an bestimmten Krebsarten zu sterben, als Menschen in sonnenreichen Regionen. Dazu gehörten laut den Studienautoren unter anderem das Hodgkin-Lymphom sowie Darm-, Brust-, Eierstock-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Laut einer umfassenden Studie in Nutrients haben Metaanalysen mehrerer Beobachtungsstudien gezeigt, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen höheren 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegeln im Blut und einer geringeren Krebsinzidenz besteht.
US-Forscher haben eine Metaanalyse aus zwei randomisierten klinischen Studien und einer großen Kohortenstudie durchgeführt.
Bei insgesamt 5.038 Frauen zeigte sich folgendes Ergebnis: Frauen mit dem höchsten Vitamin-D-Spiegel (≥ 60 ng/ml) hatten ein um 82 Prozent geringeres Brustkrebsrisiko als Frauen mit dem niedrigsten Spiegel (unter 20 ng/ml).
Nach Bereinigung der Daten um Alter, Body-Mass-Index, Raucherstatus und die Einnahme von Calciumpräparaten wies die gleiche Gruppe immer noch ein um 80 Prozent geringeres Risiko auf, an Brustkrebs zu erkranken, als diejenigen mit der niedrigsten 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration.
Eine weitere Metaanalyse ergab, dass Brustkrebspatientinnen mit der höchsten 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration eine um etwa die Hälfte geringere Sterblichkeitsrate aufwiesen als jene mit der niedrigsten Konzentration.
In einer klinischen Studie nahmen mehr als 2.300 Frauen im Alter von 55 Jahren und älter mit Wohnsitz in Nebraska täglich 2.000 IE Vitamin D3 – das Zwei- bis Vierfache der empfohlenen Tagesdosis – und 1.500 Milligramm Calcium zu sich.
Die Ergebnisse zeigen, dass in den folgenden zwei bis vier Jahren Personen, die eine 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration im Blut von 55 ng/ml erreichten, ein um 35 Prozent geringeres Risiko hatten, an Krebs zu erkranken, als diejenigen mit einer Konzentration von 30 ng/ml.
Eine Metaanalyse von fünf Studien ergab, dass Personen mit einer 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration von 12 ng/ml oder weniger ein um 50 Prozent höheres Risiko für Darmkrebs hatten als diejenigen mit einer Konzentration von 33 ng/ml oder mehr.

Wie beugt Sonneneinstrahlung Krebs vor?

„Wir glauben, dass Vitamin D eine Vielzahl von Rollen spielt, um das Risiko vieler tödlicher Krebsarten zu senken“, sagte Michael F. Holick, Professor für Pharmakologie, Physiologie und Biophysik an der Chobanian & Avedisian School of Medicine der Boston University, gegenüber Epoch Times.
Studien wie die in Nutrients veröffentlichte deuten darauf hin, dass die aktive Form von Vitamin D3 eine Vielzahl von krebshemmenden Wirkungen hat, darunter die Hemmung des Krebszellwachstums, die Induktion der Krebszellreifung und Apoptose, die Verringerung der Angiogenese sowie die Verringerung der Krebszellmetastasierung.
„Die aktive Form von Vitamin D kann verhindern, dass sich Zellen zu Krebszellen entwickeln. Und falls dies doch geschieht, kann sie auch deren Fähigkeit zur Nährstoffaufnahme beeinträchtigen und letztendlich zu ihrem Absterben führen, indem sie die Angiogenese unterbindet“, sagte Holick.
Aktives Vitamin D3 ist ein Hormon, das laut einer 2022 in Nutrients veröffentlichten Übersichtsstudie das Immunsystem regulieren kann, indem es auf verschiedene Immunzellen einwirkt.
Niedrige Vitamin-D-Spiegel werden oft mit einer leichten Entzündung in Verbindung gebracht, was sich in erhöhten C-reaktiven Proteinwerten widerspiegelt, die einen signifikanten Risikofaktor für Krebs darstellen.
Zellversuche haben gezeigt, dass aktives Vitamin D3 die Produktion proinflammatorischer Zytokine hemmen kann, was dazu beitragen könnte, chronische Entzündungen zu reduzieren.

Geringe Mengen an UV-Strahlung sind vorteilhaft bei der Krebsbekämpfung

Neben dem durch UV-Strahlung gebildeten Vitamin D kann auch die Strahlung selbst vorteilhaft sein.
Laut einer Übersichtsarbeit in „Progress in Biophysics and Molecular Biology“ überwiegt die schützende Wirkung von weniger intensiver solarer UV-Strahlung auf den menschlichen Körper die potenziell mutagene Wirkung der Strahlung.
Tierversuche haben zudem gezeigt, dass eine Vitamin-D-Supplementierung und die Exposition gegenüber UV-Strahlung zu einer Verringerung der Größe von Dickdarmtumoren bei Mäusen führen können.

Sonneneinstrahlung reguliert den Tagesrhythmus und erzeugt weitere aktive Substanzen

Regelmäßige Sonneneinstrahlung kann den Tagesrhythmus regulieren und die Ausschüttung verschiedener Hormone im menschlichen Körper beeinflussen.
Einige Untersuchungen legen nahe, dass Melatonin das Tumorwachstum hemmen kann und dass die Lichtexposition am Tag die hemmende Wirkung von nächtlichem Melatonin auf das Wachstum von Prostata-, Leber- und Brustkrebs verstärkt.
Der Vorläufer von Melatonin, Serotonin, wird durch die Exposition gegenüber Tageslicht beeinflusst. Es wird normalerweise tagsüber produziert und erst im Dunkeln in Melatonin umgewandelt.
Die Sonnenexposition am Morgen fördert die Ausschüttung von Serotonin, was wiederum die Produktion von Melatonin in der Nacht beschleunigt, so der Artikel in Environmental Health Perspectives“.
Das erhöhte Krebsrisiko bei Nachtarbeitern könnte auf ihren gestörten Tagesrhythmus zurückzuführen sein, der die Produktion von Melatonin beeinflusst.
Sonnenlicht führt nicht nur zur Bildung von Vitamin D3 in der Haut, sondern erzeugt auch andere Fotoprodukte aus Prävitamin D3, die zusätzliche einzigartige biologische Wirkungen haben.
„Es erzeugt eine ganze Reihe anderer Stoffe“, sagte Holick.
Eine systematische Übersicht in Dermatoendocrinology wies darauf hin, dass unzureichende Sonnenexposition viele weitere Risiken mit sich bringt, darunter eine erhöhte Gesamtmortalität, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das metabolische Syndrom, Typ-2-Diabetes, Adipositas und Alzheimer.
Sie steht auch im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko, an Multipler Sklerose, Typ-1-Diabetes, Psoriasis, rheumatoider Arthritis, nicht alkoholischer Fettlebererkrankung, Makuladegeneration, Statinunverträglichkeit und Kurzsichtigkeit zu erkranken.

Wie man sich sicher und effizient der Sonne aussetzt

Die medizinische Fachwelt stellt daher eine moderate Sonnenexposition in den Mittelpunkt.
Laut der Studie in Progress in Biophysics and Molecular Biology werden unter normalen Umständen etwa 90 Prozent des für den Körper essenziellen Vitamin D durch Sonnenexposition gewonnen.
Allerdings verbringen die Menschen heute viel weniger Zeit in der Sonne, insbesondere seit der COVID-19-Pandemie.
Laut den National Institutes of Health sollte der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Plasma einer Person nicht unter 20 ng/ml liegen. Schätzungen zufolge steigt der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Blut pro 100 IE eingenommenem Vitamin D nur um 1 ng/ml (2,5 nmol/l).
Für die meisten Erwachsenen kann eine regelmäßige und kurze Sonnenexposition ausreichend Vitamin D liefern, was effektiver ist als die tägliche Einnahme von 1.000 IE Vitamin D3.
Holick sagte, der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel sollte 75 nmol/l (30 ng/ml) erreichen. Der ideale Bereich liege zwischen 40 und 60 ng/ml.
Im Allgemeinen wird empfohlen, Arme, Beine und andere Körperteile mehrmals pro Woche für 10 bis 15 Minuten der Sonne auszusetzen.
Dies ist jedoch keine absolute Regel, da Faktoren wie Jahreszeit, Breitengrad, Wetter, Tageszeit, Hautpigmentierung, Kleidung, Alter, die Verwendung von Sonnenschutzmitteln und die Frage, ob das Licht durch Glas fällt, die Produktion von Vitamin D3 in der Haut beeinflussen können.
Im Winter beispielsweise trifft das Sonnenlicht in einem schrägeren Winkel auf die Atmosphäre und mehr UVB-Photonen werden von der Ozonschicht absorbiert.
In Gebieten nördlich des 37. Breitengrades auf der Nordhalbkugel kann der Rückgang der Anzahl der UVB-Photonen, die die Erdoberfläche erreichen, von November bis Februar zwischen 80 und 100 Prozent betragen.
 

Im Winter trifft das Sonnenlicht in einem schrägeren Winkel auf die Atmosphäre, sodass mehr UVB-Photonen von der Ozonschicht absorbiert werden.

Foto: choochart choochaikupt/iStock

Am Morgen oder am Abend ist der Winkel des Sonnenlichts so schräg, dass selbst im Sommer die Geschwindigkeit, mit der Vitamin D3 in der Haut von Menschen in diesen Regionen gebildet wird, sehr gering ist.
Menschen mit hellerer Haut benötigen möglicherweise nur kurze Zeit in der Sonne, um ausreichend Vitamin D zu erhalten, während Menschen mit dunklerer Haut möglicherweise mehr Zeit benötigen, um denselben Effekt zu erzielen.
Für die meisten hellhäutigen Menschen kann laut dem zuvor erwähnten Artikel in Environmental Health Perspectives“ ein halbstündiges Sonnenbad in Badekleidung in der Sommersonne innerhalb der folgenden 24 Stunden die Freisetzung von 50.000 IE (1,25 mg) Vitamin D in den Blutkreislauf auslösen, während die gleiche Sonnenexposition bei Menschen mit gebräunter Haut 20.000 bis 30.000 IE Vitamin D liefert und bei Menschen mit dunkler Haut 8.000 bis 10.000 IE Vitamin D.
Laut einer Studie der Universität Genf können durch eine 10- bis 15-minütige Sonnenexposition im Frühling und im Sommer von 22 Prozent der Haut 1.000 IE Vitamin D gebildet werden.
Im Herbst und im Winter ist es jedoch schwieriger, allein durch Sonneneinstrahlung ausreichend Vitamin D zu erhalten, da Menschen in der Regel nur 8 bis 10 Prozent ihrer Haut der Sonne aussetzen, was eine Sonnenexposition von 6,5 Stunden erfordern kann, um die gleiche Menge an Vitamin D zu erhalten.
Eine Studie mit 2.360 Erwachsenen in den USA aus dem Jahr 2022 zeigt, dass eine tägliche Sonnenexposition von etwa 35 Minuten zwischen 9 und 17 Uhr, ohne bewusst zur Mittagszeit ein Sonnenbad zu nehmen, zu idealen Vitamin-D-Serumspiegeln (unter 50 nmol/l) führen kann.
Holick rät außerdem dazu, das Gesicht, das am anfälligsten für Sonnenbrand ist, beim Sonnenbaden zu schützen. Arme, Beine, Bauch und Rücken für eine angemessene und kurze Dauer ohne Sonnenschutzmittel der Sonne auszusetzen, kann laut dem Forscher eine signifikante Menge Vitamin D erzeugen.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Does the Sun Cause or Prevent Cancer?“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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meinung vital

Lassen Sie das Desinfektionsmittel weg und trainieren Sie Ihr Immunsystem

Die vorherrschende Antwort der konventionellen Pharma- und Impfstoffindustrie lautet, dass funktionelles Wohlbefinden aus einer Pille, einer Nadel oder irgendeiner Art von medizinischer Behandlung resultiert.
Als Landwirt mit Tausenden Tieren und ohne Tierarztrechnungen kann ich bezeugen, dass die vorherrschende konventionelle Vorstellung in der Viehwirtschaft darin besteht, dass ein krankes Tier anscheinend pharmazeutisch benachteiligt ist.
Ich vertrete ein völlig gegensätzliches Paradigma: Ein krankes Tier zeugt von meinen eigenen Fehlern. Vielleicht habe ich schwaches Zuchtmaterial gewählt. In vielen Jahrzehnten der Nutztierhaltung hatte ich ein halbes Dutzend wirtschaftlich bedeutsame Krankheitsausbrüche bei verschiedenen Arten. Jedes einzelne Mal war das Problem meine Schuld – Hygiene, Ernährung, Stress, Unbehagen und Giftstoffe. Ein Tier kann aus vielen Gründen krank werden, von denen keiner darin besteht, dass es medizinisch unterversorgt war.

Was „trainiert“ Immunsysteme?

Das bringt mich zu den Menschen. In seinem ikonischen „New York Times“-Bestseller „Guns, Germs and Steel“ („Arm und Reich“) erklärt Jared Diamond den Aufstieg von Kulturen, die in der Nähe von domestiziertem Vieh lebten. Menschengruppen, die eine enge Beziehung zu domestizierten Nutztieren pflegten, entwickelten bessere Immunsysteme.
Vor vielen Jahren beobachtete der britische Epidemiologe David Strachan, dass Kinder mit mehr älteren Geschwistern weniger Allergien hatten, was darauf hindeutet, dass ein früher Kontakt mit Infektionen dauerhaften Schutz bietet.
Viele in diesem Forschungsbereich schlossen sich dieser „Hygienehypothese“ an und postulierten, dass das Immunsystem wie ein Muskel ist und regelmäßiges Training braucht, um stark zu sein. In Übereinstimmung mit Diamonds allgemeinen Erkenntnissen wird diese Theorie am besten durch Forschung in Finnland gestützt.
Vor etwa zwei Jahrzehnten begannen Forscher in Finnland, dieses Konzept des „Immunsystems als Muskel“ zu untersuchen, indem sie den allgemeinen Gesundheitszustand von eng verwandten Kindern (Cousins oder Geschwistern) verglichen, die in unterschiedlichen Umgebungen lebten. Die Ergebnisse verliehen der Vorstellung, dass das Immunsystem ähnliche Eigenschaften wie ein Muskel besitzt, erhebliches Gewicht.
Kinder, die auf Bauernhöfen aufwuchsen und schon als Kleinkinder in den Stall gingen – und Sie wissen, was ein Kleinkind mit allem macht, was es an den Fingern hat –, waren weitaus robuster als ihre städtischen Altersgenossen. Ein bisschen Mist, Dreck und schimmeliges Heu oder Getreide stimulierten das Immunsystem und verringerten die Anfälligkeit für Erkältungen, Grippe und andere häufige Kinderkrankheiten.
Nun zu einer persönlichen Offenlegung: Freunde, die mich kennen, wissen, dass ich routinemäßig aus Kuhtränken mit den Kühen trinke. Ich tue es nicht, weil ich durstig bin, sondern weil ich eine größere Vielfalt an Kleinstlebewesen in meinem Mikrobiom haben möchte. Und ich möchte einen gewissen Kontakt zu jedem unsichtbaren Widersacher haben, der da draußen sein mag. Der Punkt ist, mein Immunsystem zu trainieren, damit es, wenn etwas wirklich Ernstes auftaucht, stark genug ist, um es abzuwehren.
Ja, ich könnte morgen sterben. Aber seit Jahrzehnten lebe ich viele Jahre ohne die üblichen Probleme, die die meisten Leute plagen. Das ist kein Stolz; es ist die demütige Anerkennung, dass wir einen ehrfurchtgebietenden und wunderbar erschaffenen Körper haben, der bereit ist, Gesundheit zu beherbergen, wenn wir ihm nur den Hauch einer Chance geben.

Desinfektion über den Wolken

Wenn ich in ein Flugzeug steige und der Flugbegleiter mit einem Korb voll antimikrobieller Desinfektionstücher dasteht, lächle ich zunächst. Dann lehne ich mich vor und sage höflich: „Nein, danke. Ich möchte wirklich Ihre Keime.“ Die Situation erzeugt immer einen fragenden Blick. Zweifellos sorgt es auch für Gespräche des Personals in der Bordküche. Vielleicht sagen sie: „Hast du diesen Spinner da drüben gesehen? Er will meine Keime.“
Auf einem kürzlichen Flug nahm ein Paar die Plätze A und B ein, ich saß auf C am Gang. Mit Masken bekleidet setzten sie sich hin und holten sofort Desinfektionstücher heraus. Tabletts, die Rückenlehne und Armlehnen – alles wurde gründlich abgewischt. Dann bot sie mir ihre Tücher an und ich sagte: „Nein, danke, Ma’am. Ich möchte wirklich Ihre Keime einatmen.“
Die Maske verbarg das Gesicht, das entsetzt gewesen sein muss.
Sobald wir in der Luft waren, kamen die Snacks heraus: Pringles, Twizzlers, Reese’s Pieces, Erfrischungsgetränke. Ich glaube, sie hatten eine ganze Supermarktsnackabteilung in ihrem sperrigen Handgepäck. Ich beobachtete sie 1 Stunde lang, wie sie all diesen Müll in sich hineinfutterten. In der 2. Stunde – es war ein 3-stündiger Flug – drückten sie den Rufknopf. Ich fragte mich, was das wohl sollte.
„Wir haben Probleme mit dem Zucker. Können Sie uns bitte etwas Apfelsaft bringen?“
Wollen Sie mich veralbern? Nachdem sie alles sterilisiert und dann Zucker und künstliche Stoffe konsumiert hatten, war mein vorherrschender Gedanke: „Und diese Leute gehen wählen.“ Müll zu essen und Keimparanoia sind ein Rezept für immunologische Fehlfunktionen, aber wir sehen diese Art von dystopischem Verhalten viel zu oft.

Streichelzoo und Dreck

Glücklicherweise scheint es sich herumzusprechen, dass eine muskelähnliche Immunologie real ist. Neue Mütter, die ihre Kleinkinder in Streichelzoos und zu Schlammpfützen bringen, scheinen die neue Manie im Bereich der Wellness für Kleinkinder zu sein. Dies ist eine gesunde Veränderung und ein Trend, der viele Vorteile bringen könnte.
Falls findige Unternehmer in dieser Kolumne so lange bei mir geblieben sind, hier ist mein Vorschlag für ein Millionen-Dollar-Geschäft: Verkaufen Sie mit Kompost und Dreck angereicherte durchlässige Matten an Städter, die sich nach einer robusten Immunfunktion sehnen. Es könnte ein Abonnementservice sein, bei dem alle vier Monate jemand kommt, den alten Kompost und Dreck ausschüttet und die Matte mit neuem Material füllt. Es könnte eine Fußmatte sein oder vielleicht sogar eine Matte, auf die man tritt, wenn man aus der Dusche kommt, um all diese guten Sachen an die nackten Füße zu bekommen.
Ich bin sicher, jemand ist schlau genug, um herauszufinden, wie man das Land in die Stadt bringt. Sicherlich schlage ich nicht vor, dass wir zu offenen Abwasserkanälen und fehlender Kühlung zurückkehren. Ich behaupte, dass die Menschheit zu steril werden kann. Unser aus Milliarden Mitgliedern bestehendes Mikrobiom ist nicht steril, und das wichtigste Maß für Vitalität ist die mikrobielle Vielfalt im Darm. Sie müssen mir keine Provision für die Idee zahlen. Nennen Sie sie einfach beim Namen und legen Sie los.
Wenn wir echte Lebensmittel essen, unverarbeitet, erhalten wir diese mikrobielle Vielfalt und unser Immunsystem genießt ein gewisses Training. Als technisch hoch entwickelte Gesellschaft sind wir zu steril geworden und unser Immunsystem leidet darunter.
Gehen wir wieder nach draußen, in unsere Gärten, in den Dreck. Teilen wir ein paar Keime und genießen wir es, unser Immunsystem zu trainieren. Besuchen Sie wenigstens mal einen Bauernhof.
Das ist doch ein besserer Ansatz, als unser Immunsystem zu schwächen und uns stattdessen auf Spritzen und Tabletten zu verlassen, um den körperlichen Verfall aufzuhalten – finden Sie nicht auch?
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Ditch the Sanitizer and Exercise Your Immune System“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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PCOS: Warum diese Erkrankung jahrzehntelang falsch eingeordnet wurde

15 Jahre lang suchte Sarah Kline Ärzte auf. Sie litt unter ständiger Müdigkeit, konnte trotz großer Anstrengung nicht abnehmen, hatte Fruchtbarkeitsprobleme sowie unregelmäßige und starke Regelblutungen. Doch lange erkannte niemand, dass all diese Symptome zusammenhingen.
Der Grund dafür könnte erstaunlich simpel sein: Die Erkrankung trug womöglich von Anfang an den falschen Namen.
Denn lange galt das Polyzystische Ovarialsyndrom vor allem als Erkrankung der Eierstöcke, wobei Eierstockzysten im Vordergrund standen. Heute sehen Forscher das deutlich differenzierter.
Nach einer langjährigen internationalen Studie mit rund 22.000 Patientinnen wurde nun vorgeschlagen, PCOS künftig in „polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom“ (PMOS) umzubenennen.
Die Endokrinologin Helena Teede vom Monash Centre for Health Research and Implementation ist Erstautorin der Studie, die eine Unbenennung vorschlug. Sie soll deutlicher machen, worum es bei der Erkrankung tatsächlich geht: nicht um Zysten, sondern um eine hormonelle und metabolische Störung, die den gesamten Körper beeinflusst.
„Das zentrale Problem ist, dass bei dieser Erkrankung gar keine vermehrten Zysten vorliegen“, sagte Teede gegenüber Epoch Times. „Der Name blendet praktisch alle wesentlichen Merkmale der Erkrankung aus.“

Kein zystisches Problem

Die frühere Annahme, dass Zysten die Eierstöcke der Patientinnen überfüllen, hielt sich jahrzehntelang.
Echte Zysten sind große, abnormale Eierstockfollikel, die sich auf oder im Eierstock bilden und nach dem Eisprung auftreten, wobei sie manchmal Schmerzen verursachen, wenn sie reißen.
Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei den bei PCOS beobachteten „Zysten“ um unreife Eierstockfollikel handelte – Eiersäcke, die sich zu entwickeln begannen, aber nicht vollständig ausreiften und keinen Eisprung auslösten.
Diese teilweise entwickelten Follikel können sich in den Eierstöcken ansammeln und im Ultraschall das charakteristische „Perlenkettchen“-Muster erzeugen.
Bereits 1921 begannen einige Studien, zu beschreiben, dass die Stoffwechselgesundheit eine Schlüsselrolle bei unreifen Eierstockfollikeln und PCOS spielt.
Der Hauptgrund für die Erkrankung ist die Insulinresistenz, bei der der Blutzucker ansteigt, weil die Zellen ihn nicht richtig aufnehmen. Der Name „PCOS“ und die Missverständnisse über die Erkrankung haben sich jedoch gehalten.
Bis zu 70 Prozent der Frauen mit PMOS haben laut WHO keine korrekte Diagnose. Das mangelnde Verständnis für den metabolischen Charakter der Erkrankung war wahrscheinlich der Grund, warum Kline nach vielen frustrierenden Arztbesuchen immer wieder keine Lösung fand.
Der neue Name – PMOS – soll die verschiedenen Bereiche des Körpers, die betroffen sein können, genauer widerspiegeln: Hormone, psychische Gesundheit, Haut und das Fortpflanzungssystem.
Teede sagte, die gestörten Hormone bei PMOS „verbreiten sich im ganzen Körper und richten in vielen verschiedenen Systemen Chaos an. Und all das wurde ignoriert.“

Insulinresistenz im Mittelpunkt

Die Erkrankung zeigt sich bei den Patientinnen unterschiedlich und im Laufe des Lebens wechselnd, doch Insulinresistenz zieht sich durch fast alle Fälle.
Teede schätzt, dass 85 bis 95 Prozent der PMOS-Patientinnen an Insulinresistenz leiden, was zu erhöhten Androgenwerten – manchmal auch als „männliche Hormone“ bezeichnet – führt, die Gesichtsbehaarung, Akne und unregelmäßige Perioden verursachen können.
„Wenn man die Insulinresistenz behandelt, sinken die Androgene“, sagte Teede. „Wenn man den Androgenüberschuss behandelt, sinkt der Insulinspiegel nicht. Das deutet wirklich darauf hin, dass Insulin einer der Hauptverursacher ist.“
Das Krankheitsbild beginnt typischerweise in der Pubertät mit Akne, unregelmäßigen Perioden und Gewichtsveränderungen. Während der fruchtbaren Jahre leiden Frauen oft unter Unfruchtbarkeit und psychischen Auswirkungen wie Angstzuständen und Depressionen, obwohl auch genetische Komponenten mit einfließen.
Es könnte jedoch für Ärzte und Patienten schwierig sein, die Insulinresistenz bei PMOS-Patientinnen zu beurteilen.
Die neuesten medizinischen Leitlinien stellen fest, dass „Insulinresistenz als ein Schlüsselmerkmal von PCOS anerkannt ist, doch routinemäßig verfügbare Messungen der Insulinresistenz ungenau sind und klinische Messungen derzeit nicht empfohlen werden“.
Die Ernährungsberaterin Martha McKittrick, eine zertifizierte Diabetesberaterin, hofft, dass die Hinzufügung des Wortes „metabolisch“ zum Namen der Erkrankung ein Weckruf für Ärzte sein wird, mehr Vorsorgeuntersuchungen auf Cholesterin und Hämoglobin A1c, eine dreimonatige Blutzuckermessung, durchzuführen.

Tests wie Nüchterninsulin oder der orale Glucosetoleranztest können Insulinresistenz früh erkennen, oft lange bevor sich Typ-2-Diabetes entwickelt.

Foto: Addictive Stock/iStock

Diese Tests messen die langfristigen Folgen einer unkontrollierten Insulinresistenz. Nüchterninsulin oder orale Glucosetoleranztests können durchgeführt werden, mit denen eine Insulinresistenz erkannt werden kann, bevor sie sich zu Typ-2-Diabetes entwickelt.
Die Leitlinien erwähnen auch die Vorteile von Ernährung und Bewegung zur Senkung der Insulinresistenz.
„Sie sollten sich nach Möglichkeit mit einem Ernährungsberater oder einem anderen Gesundheitsfachmann beraten, der über die ernährungsbezogenen Aspekte aufklären kann […] entzündungshemmende Diäten, mediterrane Ernährung, die dazu beitragen können, die Insulinresistenz zu verbessern und das Risiko für Typ-2-Diabetes sowie für Herzerkrankungen zu senken“, sagte McKittrick.

Wie Ernährung den Zyklus steuert

Dr. Joel Evans, Gynäkologe und Mitbegründer sowie Chief Medical Officer von Vayas360, sagte, dass die Ernährung immer Teil seines Behandlungsplans für PMOS-Patientinnen sei und er dabei eine enorme Wirkung beobachtet habe.
Nahrung versorgt den Hypothalamus mit Energie, der Signale an die Hypophyse sendet, die für die Hormonproduktion zuständig ist.
Bei jemandem, der sich gesund ernährt, koordiniert dieser Prozess eine hormonelle Symphonie, die alle 28 Tage eine Eizelle freisetzt und so für einen normalen Menstruationszyklus sorgt.
„Wenn man aufgrund schlechter Ernährungsgewohnheiten einen erhöhten Insulinspiegel hat, verändert das die Funktionsweise des Hypothalamus“, sagte Evans.
„Die Hypophyse bewirkt dann zwei Dinge im Eierstock: Sie stoppt die Eizellenproduktion und den Menstruationszyklus und erhöht den Testosteronspiegel.“
Testosteron kann die Insulinresistenz weiter verschlimmern und so einen Teufelskreis auslösen.
Antibabypillen werden seit Langem zur Regulierung der Hormone bei PMOS-Patientinnen eingesetzt, aber sie wirken sich nicht immer auf den Insulinspiegel aus und es kann Nebenwirkungen geben.
Teede sagte, dass Gewichtsabnahme zwar die Symptome verbessere, Statistiken jedoch die Komplexität des medizinischen Ratschlags „Abnehmen“ aufzeigen, insbesondere für diejenigen, die bereits adipös sind.
Eine Studie im „American Journal of Public Health“ zeigte: Bei Frauen mit schwerer (morbider) Adipositas liegt die Chance, innerhalb eines Jahres 5 Prozent ihres Körpergewichts zu verlieren, bei nur eins zu sieben.
Dies unterstreicht, wie wichtig eine frühzeitige Intervention ist, bevor sich der Zustand weiter verschlechtert.
Leitlinien fordern eine deutlich bessere Erkennung von PCOS-Merkmalen auch außerhalb der gynäkologischen Praxis.
Dazu gehören vor allem metabolische Risikofaktoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe, psychische Belastungen sowie das erhöhte Risiko für Komplikationen bei Schwangerschaften.

Die Identitätskrise der Erkrankung

Nicht jeder ist davon überzeugt, dass die Umbenennung schnell zu einer besseren Versorgung führen wird. Evans sagte, Berufsverbände und Krankenkassen müssten die Bemühungen unterstützen, damit sie Wirkung zeigen.
„Im Großen und Ganzen glaube ich, dass die Dynamik da ist“, sagte er. „Aber es ist verfrüht, zu sagen, dass alle den Namen ändern.“
Die Identitätskrise der Erkrankung ist nicht neu. Frühe medizinische Bücher beschrieben sie als chronische Ovaritis mit Symptomen wie Unterleibsschmerzen, Menstruationsstörungen, vergrößerten Eierstöcken und Unfruchtbarkeit.
Später wurde die Erkrankung als Stein-Leventhal-Syndrom bezeichnet, benannt nach den Ärzten, deren Arbeit auf früheren Entdeckungen aufbaute.
Bis in die 1970er-Jahre konzentrierten sich die Forscher auf die endokrinen Ursachen der Erkrankung, wobei sich der Fokus ab den 1980er- und 1990er-Jahren auf Stoffwechselstörungen verlagerte. Zu dieser Zeit tauchte auch der Begriff „PCOS“ erstmals auf.
Die heutige Initiative zur Namensänderung dauerte 14 Jahre und umfasste die Befragung von 22.000 Patientinnen. Ironischerweise, so Teede, seien die Patientinnen selbst ein großes Hindernis gewesen, da sich viele so abgewiesen und stigmatisiert fühlten, dass sie sich nicht an der Umbenennungsinitiative beteiligen wollten.
„Sie sind so frustriert. Diese Erkrankung löst sehr starke emotionale Reaktionen aus“, sagte Teede.
McKittrick merkte an, dass die Erkrankung in den letzten Jahren viel mehr Aufmerksamkeit erhalten habe, sie den Effekten der Umbenennung aber skeptisch gegenüberstehe.
„Es könnte eine positive Sache sein und ich bin nicht gegen die Namensänderung. Aber ich bin auch skeptisch, dass plötzlich alles großartig sein wird“, sagte sie und fügte hinzu, dass ein Name den Mangel an Wissen bei Ärzten und Patienten über die Erkrankung selbst nicht sofort beheben werde.

Ein positiver Kreislauf

Bei Kline wurde die Diagnose schließlich im März gestellt, was eine Umstellung mit sich brachte, die eine Kombination aus neuen Medikamenten und Änderungen des Lebensstils beinhaltete.
Sie nimmt nun Metformin ein, das „off-label“ zur Behandlung von PMOS eingesetzt wird. Es senkt den Androgenspiegel, verbessert die Insulinsensitivität und löst den Eisprung aus.
Die Entscheidung für das Medikament sei ihr schwer gefallen, sagte Kline, da es Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Übelkeit und Durchfall mit sich bringe.
Kline nimmt außerdem Myo-Inositol ein, ein Nahrungsergänzungsmittel, das die Insulinsignalisierung und die chemischen Botenstoffe im Gehirn unterstützt und so die psychische Gesundheit fördern soll.
Ihre neue Therapie hat ihr viel Energie verliehen, sodass sie nun selbst kochen und regelmäßig trainieren kann, was einen positiven Kreislauf in Gang gesetzt hat. Außerdem arbeitet sie mit einer Ernährungsberaterin zusammen, die sie über Ernährung aufgeklärt hat.
„Ich kann kaum glauben, dass die Hälfte der Sachen, die ich in meinem Vorratsschrank hatte, so schrecklich war“, sagte Kline. „Ich bin jetzt definitiv auf dem richtigen Weg, aber es hat lange gedauert, bis ich hier angekommen bin.“
Nach all den Irrwegen, die sie durchlaufen musste, sagte Kline, dass die Diagnose an sich ihr wenig bedeutete. Es war die Behandlung, die ihr schließlich Frieden brachte.
Das sei das eigentliche Ziel der Namensänderung, sagte Teede, denn die verzögerte Versorgung schade den Patienten und behindere die Forschung.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „PCOS: One of the Most Misunderstood Conditions Women Face“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Wenn Hass das Denken übernimmt: Ein Blick ins Gehirn

Wenn man jemanden sieht, den man hasst, reagiert das Gehirn mit einem besonderen neuronalen Muster.
Hass erhöht die Aktivität in Regionen, die für Aggression und strategisches Bewerten zuständig sind, während Empathie gleichzeitig gedämpft wird.
Es wirkt, als würde sich das Gehirn auf Konfrontation vorbereiten. Je stärker der Hass, desto intensiver diese Signale.
„Auch wenn jeder Mensch solche Gefühle vielleicht kennt, widerspricht chronischer Hass unserem innersten Kern“, sagte der Therapeut Steven Stosny, Gründer von Compassion Power, gegenüber The Epoch Times. „Wenn Hass chronisch wird, verlieren wir unsere Menschlichkeit.“

Die Neurowissenschaft des Hasses

Der „Hass-Schalter“ des Gehirns priorisiert aggressives Verhalten und negative Urteile.
Hass deaktiviert laut einer Studie selektiv den rechten superioren frontalen Gyrus – den Bereich, der an der Regulierung impulsiver Reaktionen und dem Verstehen der Gefühle anderer beteiligt ist.
Diese sehr begrenzte Deaktivierung im Gehirn des Hassenden unterbricht die neuronalen „Bremsen“, die aggressive Impulse im Zaum halten, was den Hassenden irrational macht und ihn auf das Ziel fixiert.
Mitchell Landers, Postdoktorand am Institut für Psychologie der University of California, sagte gegenüber The Epoch Times, dass sowohl Liebe als auch Hass eine intensive Bewertung der anderen Person beinhalten, jedoch in entgegengesetzte Richtungen.
Sowohl Liebende als auch Hassende erleben unter intensiven Emotionen eine vorübergehende Beeinträchtigung ihres Urteilsvermögens, was Verhaltensweisen wie „Liebende, die Fehler übersehen, und Hassende, die sie erfinden“ erklärt, so Landers.

Der „Hass-Schalter“ des Gehirns verstärkt Aggression und dämpft Empathie sowie Impulskontrolle.

Foto: Vadym Plysiuk/iStock

Hass aktiviert mehrere Regionen in den äußeren und inneren Schichten des Gehirns – insbesondere das Putamen und die Insula.
Das Putamen bereitet einen auf das Handeln vor, und die Insula fungiert als Sensor. Wenn diese Regionen vom Hass vereinnahmt werden, können sie Vorgehen, wie Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, fördern.
Hass verstärkt sich selbst. Je mehr man hasst, desto mehr ist das Gehirn darauf programmiert, zu hassen – es ist wie ein schwach dosiertes Gift, das still und leise das Einfühlungsvermögen untergräbt.

Wie Hass den Hasser vergiftet

Hass kann die Empathie-Schaltkreise des Gehirns ausschalten. Eine Studie ergab, dass Teilnehmer, die Hassreden über Minderheitengruppen ausgesetzt waren, weniger Einfühlungsvermögen nicht nur für das Leiden der Minderheitengruppe, sondern auch für das anderer Menschen entwickelten, was zeigt, dass sich Hass ausbreiten kann. Das führt mit der Zeit zum Verschwinden des Mitgefühls.
Die bloße Existenz der gehassten Person sei das Kernproblem des Hassenden, sagte Landers.
„Wenn man jemandem einen negativen Assoziationswert zugeschrieben hat – dass sein Wohlergehen im Widerspruch zu deinem steht –, ist es nur logisch, dass die Sorge um sein Leiden nachlässt.“
Eine Person ist dann nicht nur unfähig, sich in den Schmerz einer anderen Person hineinzuversetzen, sondern wird gefühllos oder empfindet sogar ein gutes Gefühl dabei, sagte er.
Die enge Verbindung von Hass mit Aggression und Feindseligkeit setzt den Hassenden langfristig dem Risiko psychischer und physischer Gesundheitsprobleme aus.
Menschen, die über lange Zeit feindselig sind, sind laut einer Untersuchung mit über 3.000 Teilnehmern stärker gestresst und anfälliger für Depressionen.
Körperlich lösen hassgetriebene Verhaltensweisen wie Wut und Aggression die Ausschüttung von Stresshormonen aus, die das Immunsystem beeinträchtigen und Entzündungen fördern.
Ein dauerhaft erhöhter Spiegel an Stresshormonen unterdrückt laut Studien die Aktivität der natürlichen Killerzellen, was die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt, Infektionen oder Krebs, zu bekämpfen.
Die mit Wut und Aggression verbundene Stressreaktion beeinträchtigt auch die Fähigkeit der Blutgefäße, sich richtig zu entspannen, was aber für eine gute Durchblutung entscheidend ist. Diese Störung ist eine der Hauptursachen für Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine im Journal of the „American College of Cardiology“ veröffentlichte Metaanalyse zeigt einen Zusammenhang zwischen Wut, Feindseligkeit und schlechterer Herzgesundheit.
Bei gesunden Menschen erhöhen diese Emotionen das Risiko für koronare Herzkrankheiten um 19 Prozent. Bei bereits erkrankten Patientinnen und Patienten steigt die Wahrscheinlichkeit für eine schlechte Prognose um 24 Prozent.

Woher kommt Hass?

Hass hat oft seine Wurzeln in ungelöster Wut.
Eine weitere Studie von Landers und Kollegen aus dem Jahr 2025 beleuchtet, wie der Übergang von Wut zu Hass stattfindet.
Wut ist „ein Verhandlungsmechanismus“, so die Einschätzung von Landers. Man ist wütend, wenn man davon ausgeht, dass die Beziehung es wert ist, gerettet zu werden.
Wenn jemandem die Beziehung nicht so wichtig zu sein scheint, wie man es für richtig hält, versucht die Wut durch Druck, andere dazu zu bewegen, ihre Art, einen zu behandeln und zu schätzen, zu ändern.
„Deshalb wollen wütende Menschen reden, wollen Erklärungen, wollen Entschuldigungen“, sagte er.
Wenn Wut wiederholt daran scheitert, die Beziehung zu reparieren, beginnt sie, sich in Hass zu verwandeln.
Hass geht davon aus, dass die Beziehung nicht rettenswert ist, und versucht daher, genau diese Person zu neutralisieren. Aus der Sicht des Hassenden verschlechtert die bloße Existenz der gehassten Person das Leben des Hassenden.
„Kein noch so langes Reden wird die Tatsache ändern, dass es einen romantischen Rivalen gibt, dass ein Konkurrent deine Beförderung bekommen hat oder dass die Anwesenheit einer Person in deiner Gemeinschaft deine Interessen grundlegend bedroht“, sagte Landers.
Hass verschwindet erst, wenn das Zielobjekt ausreichend distanziert oder entmachtet ist, sagte er. Die Herausforderung besteht darin, dass das Erreichen dieser Ergebnisse oft mit Gewalt oder Aggression verbunden ist.
Die aggressiven, feindseligen Handlungen, zu denen der Hass einen treibt, verstärken letztendlich das Gefühl des Hasses, sagte Landers.
Diese sich selbst verstärkende Eigenschaft schafft eine Hassfalle.
Hass entspringt oft aus Hilflosigkeit, sagte Jessica Russo, eine zugelassene klinische Psychologin, gegenüber The Epoch Times.
Wenn man jemanden als Bedrohung wahrnimmt, entsteht ein unbewusstes Gefühl von Schwäche und Hilflosigkeit. Um der Bedrohung entgegenzuwirken, nutzen Menschen möglicherweise einen „Schild aus Hass“, um sich zu schützen.
„Hass ist eine sehr intensive Art von Schutzschild“, so die Ansicht von Russo, „doch indem man Hass nutzt, um sich zu schützen, macht man sich letztlich selbst noch verletzlicher.“
„Wir müssen der Sache auf den Grund gehen, was dahintersteckt, wovor sie sich zu schützen versuchen“, sagte sie.
Russo glaubt, dass Mitgefühl den Schutzschild des Hasses aufbrechen kann, indem es Hoffnung wiederherstellt und die dunklen Gedanken vertreibt. Das Gegenmittel besteht darin, genau das wieder aufzubauen, was der Hass zerstört.

Ein Heilmittel gegen Hass

Menschen besitzen einen Grundwert: ein instinktives Selbstwertgefühl, das in dem Glauben verwurzelt ist, dass jeder Mensch „ein Kind Gottes“ ist. Aus diesem Glauben heraus zu handeln, vermenschlicht das Selbst und andere, während Hass beide entmenschlicht, schrieb Stosny in seinem Buch „Manual of the Core Value Workshop“.
Um Hass zu beseitigen, muss man daher sein Gegenteil kultivieren: Mitgefühl.
„Mitgefühl und Hass sind unvereinbar; je mehr wir das eine tun, desto weniger sind wir in der Lage, das andere zu tun“, sagte Stosny.
Mitgefühl ist ein sehr weit gefasster Begriff, und jeder hat sein eigenes Verständnis davon.
Im Allgemeinen geht es jedoch darum, anzuerkennen, dass Menschen unvollkommen sind und leiden – man selbst und andere eingeschlossen –, was es einem ermöglicht, jeden zu verstehen und ihm Mitgefühl entgegenzubringen.
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Mitgefühl bedeutet, schlechtes Verhalten zu entschuldigen, sagte Stosny.
Bei Mitgefühl geht es jedoch nicht darum, Verhalten zu verzeihen, sondern darum, die Nöte zu verstehen, die andere dazu bringen, sich schlecht zu verhalten.
„Mitgefühl mildert schlechtes Verhalten, toleriert oder entschuldigt es jedoch niemals – denn Verhalten, das gegen menschliche Werte verstößt, ist selbstzerstörerisch“, sagte er.
Mitgefühl beginnt bei einem selbst – und Mitgefühl für sich selbst und andere geht Hand in Hand.
Wenn jemand es versäumt, Selbstmitgefühl zu praktizieren, indem er seine eigenen emotionalen Verletzungen nicht versteht und heilt, verwandelt sich dieses Unbehagen in Groll und Wut, so Stosny, und die Person beginnt, andere für ihren Schmerz verantwortlich zu machen.
Um unverarbeitete Wut oder Groll aufzufangen, bevor sie zu Hass erstarren, empfiehlt Stosny, auf frühe Warnzeichen zu achten:
  • Unverträglichkeit gegenüber Verletzungen oder emotionalem Unbehagen
  • Bewältigung des inneren Unbehagens, indem man anderen die Schuld gibt
  • Unfähigkeit, andere Perspektiven zu erkennen
Es ist entscheidend, den Hasskreislauf zu durchbrechen – das Gehirn aus einem Zustand der Bedrohung oder Ohnmacht herauszuholen, sagte Russo. Sie empfiehlt, sich zunächst vorzustellen, Mitgefühl für das zu empfinden, was einen bedroht oder beunruhigt.
Dann versuche man, die ungesunde Perspektive aufzubrechen, die den Hass schürt. Man fragt sich selbst: „Okay, wenn ich Hass empfinde, bedeutet das, dass ich mich bedroht fühle. Wovor habe ich solche Angst?“
Grundsätzlich entspringe Hass einer „Ich bin das Opfer“-Mentalität, sagte der Sozialpsychologe Yashpal Jogdand gegenüber The Epoch Times.
Wer glaube, ausschließlich selbst das Opfer zu sein, neige dazu, stärkeren Hass auszudrücken, sagte er. Es sei daher wichtig, zu erkennen, dass „beide Seiten gelitten haben“, um so den Kreislauf der Schuldzuweisungen zu durchbrechen und die Menschen zu Empathie zu führen.
Wenn wir den anderen als Teil von uns selbst annehmen, „beginnen wir, unsere gemeinsame Menschlichkeit in allen um uns herum zu sehen.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „What Your Brain Looks Like When You Hate Someone“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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vital

Rettich: Antiker Allrounder für Genuss und Wohlbefinden


In Kürze:

  • Rettich begeistert seit Jahrtausenden mit seiner Würze und Frische.
  • Heute gibt es ihn in vielen verschiedenen Sorten, Formen und Farben. 
  • Senföle und weitere Inhaltsstoffe machen den Rettich besonders wertvoll für die Gesundheit.

Rettich ist ein vielseitiges und beliebtes Gemüse in der Küche. Das aromatische Wurzelgemüse schmeckt sowohl roh – etwa als knackiger Snack oder im Salat – als auch warm zubereitet in verschiedensten Gerichten.
Besonders in Bayern hat Rettich, dort auch „Radi“ genannt, eine lange Tradition. In hauchdünne Scheiben oder spiralförmig aufgeschnitten ist er ein fester Bestandteil der bayerischen Brotzeit.
Ursprünglich stammt Rettich allerdings aus Vorderasien. Bis heute spielt er auch in vielen asiatischen Küchen eine wichtige Rolle. In Ländern wie China, Japan oder Korea wird Rettich beispielsweise eingelegt, getrocknet oder als würzige Zutat in Suppen und Beilagen verwendet.
Rettiche (Raphanus) beeindrucken mit ihrer großen Vielfalt. Ob groß oder klein, rund, länglich, oval oder walzenförmig, es gibt sie in zahlreichen Formen. Auch farblich zeigen sie sich äußerst abwechslungsreich. Das Spektrum reicht von weißen, rosafarbenen und roten Früh- und Sommerrettichen bis zu violetten, braunen oder schwarzen Herbst- und Winterrettichsorten. Das Fruchtfleisch ist meist weiß, einige Sorten sind jedoch vollständig durchgefärbt. Je nach Sorte können Rettiche fast das ganze Jahr über geerntet werden und überzeugen mit unterschiedlich intensiven Aromen – von angenehm mild bis würzig-scharf.
Radieschen zählen zu den engsten Verwandten des Rettichs. Der Meerrettich hingegen ist trotz seines Namens nicht näher mit dem Rettich verwandt. Beide gehören jedoch zur Familie der Kreuzblütler.

Inhaltsstoffe und gesundheitliche Vorteile

Rettich enthält wertvolle Senfölglykoside (Isothiocyanate), die für seine typische Schärfe verantwortlich sind. Je höher der Gehalt an Senfölen, desto intensiver schmeckt er. Diese natürlichen Pflanzenstoffe kommen sowohl in der Wurzel als auch in den Blättern vor und gelten als besonders gesundheitsfördernd.
Senföle wirken antibakteriell und entzündungshemmend. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass Rettich durch das Zusammenspiel verschiedener bioaktiver Substanzen – darunter Polyphenole – antioxidative Eigenschaften besitzt. Dadurch könnte er dazu beitragen, der Entstehung bestimmter Krankheiten wie Diabetes sowie verschiedener Krebsarten, etwa Darm-, Leber- oder Brustkrebs, vorzubeugen.
Bereits seit der Antike wird Rettich in der Volksmedizin geschätzt. Extrakte der Pflanze kamen traditionell unter anderem bei Magenbeschwerden, Harnwegsinfektionen, Leberbeschwerden, Herzerkrankungen und Geschwüren zum Einsatz. Besonders der schwarze Rettich gilt bis heute als bewährtes Hausmittel bei Erkältungen, da er schleimlösend wirken kann.
Darüber hinaus liefert Rettich reichlich Vitamin C sowie wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen. Gleichzeitig ist das Gemüse kalorien- und fettarm. Seine Schärfe regt den Stoffwechsel an und kann dabei helfen, unerwünschte Bakterien- oder Pilzbesiedlungen im Darm zu hemmen, während die enthaltenen Ballaststoffe Gift- und Fettstoffe im Darm binden. Dadurch eignet sich Rettich hervorragend für eine figurbewusste Ernährung und kann zugleich die körpereigenen Abwehrkräfte unterstützen.
Ein weiterer Vorteil sind die enthaltenen Bitterstoffe. Sie fördern die Bildung von Verdauungssäften, unterstützen so die Verdauung und können Blähungen sowie Völlegefühl lindern.

Verwendung in der Küche

Rettiche werden besonders gern roh verzehrt. Dafür schneidet man sie am besten in dünne Scheiben, salzt sie leicht und lässt sie kurz ziehen. Das nimmt etwas von seiner Schärfe und er wird bekömmlicher. Anschließend schmeckt er hervorragend auf einem Butterbrot oder als klassischer Bestandteil einer Brotzeit.
Auch als Salat ist Rettich sehr beliebt. Geraspelt oder in feine Scheiben geschnitten lässt er sich hervorragend mit geriebenen Äpfeln kombinieren. Zusammen mit einem Joghurtdressing oder einer klassischen Essig-Öl-Marinade entsteht daraus ein erfrischender, würziger Salat. Doch auch leicht gedünstet, gebraten oder erst am Ende der Garzeit Suppen und Eintöpfen hinzugefügt, entfaltet Rettich ein angenehm mildes und feinwürziges Aroma. Rettich eignet sich darüber hinaus wunderbar zum Einlegen in Essig oder zum Fermentieren.

Rezept Rettichsalat:

Zutaten:
  • 300 g Rettich
  • 1 großer säuerlicher Apfel
  • 200 g saure Sahne
  • Salz, Pfeffer
  • 1 EL Zitronensaft
  • frisch gehackter Schnittlauch
Zubereitung:
  1. Rettich und Apfel in Stifte raspeln.
  2. Saure Sahne mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Schnittlauch verquirlen und abschmecken.
  3. Rettich und Apfel untermischen.
Guten Appetit!
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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vital wissen

30.000 Jahre älter als Gizeh? Alltag und Archäologie in Visoko


In Kürze:

  • Die Pyramiden der Ägypter und der Maya gehören zu den bekanntesten ihrer Art, sind weltweit aber nicht die einzigen.
  • Auch in Europa gibt es Pyramiden, unter anderem in Italien und Frankreich – und womöglich in Bosnien.
  • Die sogenannten bosnischen Pyramiden sollen mehrere Zehntausend Jahre älter sein als jene in Gizeh, Chichén Itzá oder Teotihuacán.
  • Widersprüchliche Forschungsergebnisse und umstrittene Deutung tun dem Tourismus in Visoko keinen Abbruch.

Die Anfahrt ist genauso unspektakulär wie der erste Eindruck: sanfte Hügel und grüne Hänge, an die über Jahrhunderte die Häuser eines bosnischen Städtchens geklebt wurden. Über der betulichen Szene thront einem grünen Kegel gleich der bewaldete Visočica-Hügel. Für Dr. Sam Osmanagić ist er mehr: konkret die „Pyramide der Sonne“ und womöglich die älteste Pyramide der Welt. Die These des Entdeckers: Es handle sich nicht um einen natürlichen Hügel, sondern um ein von Menschen geschaffenes Bauwerk, das im Laufe von Jahrtausenden überwuchert wurde.

Ein Hügel wird zur Sensation

Als Semir Osmanagić Mitte der 2000er-Jahre verkündete, die bewaldeten Hügel rund um Visoko seien in Wahrheit gigantische, von Menschen geschaffene Pyramiden, war die Reaktion gespalten. Für die einen war es eine archäologische Sensation, für die anderen ein spektakulärer Irrtum.
Heute ist die kleine Stadt südlich von Sarajevo ein Pilgerort für Neugierige, Skeptiker und Überzeugte gleichermaßen. Reisebusse rollen an, Freiwillige graben, Besucher lauschen Führungen, in denen von uralten Zivilisationen, energetischen Feldern und verborgenen Kräften die Rede ist. Und von den Ergebnissen zahlreicher Studien, die „Dr. Sam“, wie Osmanagić hier genannt wird, immer wieder auf eigene Kosten in Auftrag gegeben hat. Taucht er auf, wird er gefeiert wie ein Star. Mit Hut, sandfarbener Outdoorkleidung und gebräunten Lachfältchen entspricht er einer Balkanversion von Indiana Jones.
So ist er auch dieses Mal schnell von einer Traube Menschen umringt. Viele bedanken sich bei ihm, stellen ihm Fragen und fast alle wollen ein Foto oder Selfie mit ihm machen. Sein Händedruck ist fest. Er schildert den Moment seiner „Entdeckung“ wie folgt: „Der Kompass zeigte mir, dass diese Seiten perfekt mit den Himmelsrichtungen Osten, Westen, Norden und Süden übereinstimmten. Für mich war das genug. Ich wusste, dass es sich um ein künstliches Bauwerk handelte.“

Dr. Sam und die Entdeckung von Visoko

Für ihn ist klar: Was hier liegt, sei vergleichbar mit den ebenfalls zugewucherten Pyramiden in Mexiko oder China. Nur größer. Die bosnische „Pyramide der Sonne“ ist laut Osmanagić rund 220 Meter hoch und damit höher als die wohl berühmteste Cheops-Pyramide, die mit ihren ursprünglich 146 Metern – heute knapp 10 Meter weniger – als höchste antike Pyramide gilt.
Zwischen zwei Schichten beziehungsweise Blöcken wurden fossile Rückstände gefunden, die auf ungefähr 34.000 Jahre geschätzt wurden und dem Alter der Pyramiden entsprechen sollen. Damit hätte Osmanagić in Bosnien und Herzegowina die weltweit ältesten Pyramiden gefunden. Und damit wäre auch Osmanagićs These bestätigt, dass es bereits viel früher hoch entwickelte Zivilisationen gab.
Osmanagić, der seit über 40 Jahren zu Pyramidenkulturen, Megalithanlagen und heiliger Geometrie forscht, hat mittlerweile mehr als zwanzig Bücher sowie über dreißig begutachtete Forschungsartikel veröffentlicht. Der wissenschaftliche Widerstand bleibt bis heute ungebrochen. Die European Association of Archaeologists erklärte bereits früh, es gebe keinerlei belastbare Beweise für künstlich errichtete Pyramiden. Viele Geologen sehen in den Formationen natürliche Sedimenthügel, entstanden durch tektonische Prozesse und Erosion.

Eine Wanderung auf die Spitze – oder den Gipfel?

Auf die Spitze der Pyramide der Sonne führt ein teils steiler Wanderweg. Er beginnt in der Altstadt und dauert – je nach Puste – bis zu einer Stunde. Unterwegs läuft man durch Waldstücke, vorbei an freigelegten symmetrischen Steinplatten und kleineren Grabungsstellen.
Auf dem Gipfel liegen die Überreste der alten Königsfestung Visoki Fortress. Diese Ruinen aus dem 14. Jahrhundert werden immer wieder als Begründung genannt, warum die Pyramide nicht komplett freigelegt werden darf. Grabungen am Hügel könnten mittelalterliche Schichten oder andere „echte“ archäologische Funde beschädigen, heißt es.
Der eigentliche Kern der bosnischen Pyramiden liegt jedoch nicht auf dem Hügel, sondern darunter.

Der Weg in die Tiefe

Ins „Innere der Pyramide“ führen die Ravne-Tunnel, schmale Gänge aus Erde, Kies und Holzstreben. Obwohl an den Wänden und auf dem Boden Feuchtigkeit zu sehen ist, ist kein muffiger Geruch wahrnehmbar. Stattdessen atmet man in den wohltemperierten Gängen eine klare Luft ein, selbst in den hinteren Tunneln. Die Schritte hallen hier leise wider. Besucher sprechen automatisch leiser, Männer eine halbe Oktave tiefer.
Das Tunnelsystem erstreckt sich über mehrere Kilometer – ein Labyrinth aus Gängen, Kreuzungen und Kammern. Bislang sind davon rund 3,6 Kilometer freigelegt. Laut Osmanagić sollen es insgesamt über 100 Kilometer auf sieben Ebenen sein. Man geht gebückt, dann wieder aufrecht, vorbei an verschlossenen Seitenwegen, kleinen Kammern, die als Meditationsräume gekennzeichnet sind, und auffallend glatten Wänden.
Nach wenigen Minuten verändert sich die Wahrnehmung. Geräusche verschwinden. Gespräche werden leiser. Manche Besucher setzen sich einfach an die Wand und schließen die Augen. Der Rummel um diesen sagenumwobenen Ort hat auch in den Köpfen seine Spuren hinterlassen.

Heilung unter der Erde?

Für Osmanagić ist das alles kein Zufall. Er beschreibt die Tunnel als Ort besonderer Energie, als Raum der Regeneration. Tatsächlich existieren Messungen bezüglich Luftqualität und negativen Ionen innerhalb der Tunnel. Die Stiftung von Osmanagić verweist auf ihrer Website auf Werte von bis zu 43.000 negativen Ionen pro Kubikzentimeter Luft – deutlich mehr als in gewöhnlichen Waldgebieten.
In den Tunneln wurden zudem mehrere riesige, ovale Steine gefunden. Je weiter man in das Tunnelsystem hineinläuft, desto größer werden diese Megalithen – der bisher größte Stein wiegt um die 25 Tonnen. In jeden der Steine sind verschiedene Symbole oder Runenzeichen eingeritzt. Röntgenaufnahmen hätten gezeigt, erzählen die Guides an diesen Stopps, dass sich im Inneren Quarzkristalle befinden.
Zusammen mit der hohen Anzahl an negativen Ionen werde ein messbares elektromagnetisches Feld erzeugt, das die Luft energetisch reinigt. Wenn alles stimmt, müssen sich die vermessenen Effekte der Cheopspyramide hinten anstellen.
Bis heute lockt die vermeintlich antike Heilmethode Kranke aus dem ganzen Land und aller Welt für Heilsitzungen in die Tunnel. Atmen, hoffen, heilen. Die Tunnel sind gut gefüllt. Niemand drängelt. Die Atmosphäre ist ungewöhnlich friedlich. Die gemeinsame Idee vereint ebenso wie die leisen Zweifel, die bei dem einen oder anderen vielleicht bleiben.

Ein Wirtschaftswunder für Visoko

Besonders stolz ist Osmanagić auf das, was rund um die Ausgrabungen entstanden ist. „Vor zehn Jahren war dies sumpfiges Land voller Müll“, erzählt er und zeigt auf den gepflegten Archäologischen Park rund um die Tunneleingänge. „Wir haben alles selbst aufgebaut. Ohne staatliche Gelder, ohne EU-Unterstützung.“
Kinder spielen auf den grünen Wiesen, kleine Gruppen sitzen unter Bäumen, ein Pärchen lässt die Füße im Bachlauf baumeln, weiter hinten wird die Musikanlage auf einer kleinen Bühne aufgebaut. Hier sieht man keinen einzigen, der in sein Handy starrt. Tatsächlich beschäftigt die Stiftung heute laut eigenen Angaben rund 65 Mitarbeiter: Führer, Archäologen, Arbeiter, Bürokräfte. Es finden Kongresse, Konzerte und Vorträge statt. Für Tennisstar Novak Đoković, der 2022 ein Tenniszentrum auf dem Gelände des Archäologischen Parks eröffnete, ist dieser Platz der „Himmel auf Erden“.
Finanziert werde alles durch Eintrittsgelder, seine Bücher und den Souvenirverkauf. Auch der Ort Visoko profitiert. Amira, deren alteingesessene Familie Gästezimmer („mit Pyramidenblick“) vermietet, erzählt, dass eine Familie aus Kanada, die im letzten Jahr eine Woche lang täglich die Tunnel mit ihrer kranken Tochter besucht hat, jetzt wieder kommt: diesmal für drei Wochen. „Die werden schon wissen, warum“, lacht sie und ergänzt: „Auch bevor Dr. Sam hierherkam und die Pyramiden und Tunnel freilegte, erzählten schon unsere Ältesten, dass da was los ist mit dem Visoko-Hügel. Wir stehen hier alle hinter ihm. Wer heilt, hat recht, oder?“
Für Kenan, der in einem Restaurant am idyllischen Flussufer mit Blick auf den Hügel von Visoko arbeitet, ist die Sache ebenfalls klar: keine Pyramide. „Dann hätten sie sie doch längst vollständig freigelegt“, erklärt uns der junge Mann achselzuckend. Osmanagić selbst sieht seine Erfolgsgeschichte von Widerständen begleitet. Universitäten und Museen hätten ihn von Anfang an abgelehnt. „Sie sagten: Keine Pharaonen in Bosnien. Deshalb auch keine Pyramiden in Bosnien.“

Keine Pharaonen in Bosnien?

Im Eingangsbereich des Archäologischen Parks weht eine blaue Flagge im Wind. Darauf stehen drei Worte: „Ljubav. Mir. Sloboda.“ – „Liebe. Frieden. Freiheit.“ – das sind Begriffe, die in Visoko noch häufiger fallen als wissenschaftliche oder archäologische Fachbegriffe.
Das erinnert irgendwie an das zentrale Prinzip der ägyptischen Pharaonen, die sich als Hüter der Ma’at sahen: Wahrheit, Gerechtigkeit, Ordnung, Harmonie und Gleichgewicht. Sie mussten Chaos, Isfet, bekämpfen und kosmische sowie gesellschaftliche Balance wahren. Unter südamerikanischen Pyramidenbauern galten wiederum Ayni und Munay als direktere Analogie zu Liebe und Frieden, was seinerseits Verbindungen nahelegt.
Veranstaltungstipp: Sommersonnenwende bei den bosnischen Pyramiden
Vom 14. bis 24. Juni 2026 findet in Visoko erneut das „Summer Solstice Festival“ rund um die bosnischen Pyramiden statt. Auf dem Programm stehen Vorträge, geführte Touren durch die Ravne-Tunnel, Meditationen, Yoga-Sessions und Konzerte im Park Ravne 2. Als Sprecher angekündigt sind unter anderem Semir Osmanagić sowie internationale Autoren und Grenzwissenschaftler. Weitere Informationen und das vollständige Programm gibt es hier.
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Neue Studie: Beliebtes Anti-Aging-Vitamin könnte Krebsbehandlung ausbremsen

In Kürze:

  • Viele Menschen nehmen Vitamin-B3-Präparate wie NMN oder NR ein, um ihre Energie und Gesundheit zu fördern sowie ihren NAD-Spiegel zu erhöhen.
  • Eine neue Studie zeigt jedoch, dass genau diese Substanzen Bauchspeicheldrüsenkrebszellen widerstandsfähiger gegen Chemotherapie machen können.
  • In Labor- und Mausmodellen wuchsen Tumore unter NMN schneller und reagierten deutlich schlechter auf gängige Chemotherapeutika.
  • Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse vorläufig sind, empfehlen Krebspatienten aber, die Einnahme solcher Nahrungsergänzungsmittel mit ihrem Arzt zu besprechen.

 
Viele Menschen nehmen täglich Niacin-Präparate ein – auch bekannt als Vitamin B3. Damit können sie laut Untersuchungen vor allem im Alter ihren Energiehaushalt,  einen verlangsamten Alterungsprozess und eine bessere allgemeine Gesundheit unterstützen. Allerdings könnte für Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, laut ersten Labor- und Tierstudien Vorsicht geboten sein.
Die neue Studie legt nahe, dass Krebszellen genau dieses B3 aufnehmen und nutzen könnten, um sich widerstandsfähiger gegen Chemotherapie zu machen.
Die in der Fachzeitschrift „Cancer Letters“ veröffentlichte Studie zeigt, dass vor allem Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) – eine mit Vitamin B3 verwandte Verbindung, die in vielen Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz kommt – Bauchspeicheldrüsenkrebszellen in Labortests drei- bis siebenmal resistenter gegen gängige Chemotherapeutika macht.
Auch in Mausmodellen für Bauchspeicheldrüsenkrebs beschleunigte NMN das Tumorwachstum. Gleichzeitig reagierten die Tiere schlechter auf die Chemotherapie – selbst bei Dosierungen, die einer typischen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln entsprechen sollten.
In den untersuchten Mausmodellen reduzierte NMN die typische tumorverkleinernde Wirkung der Chemotherapie von 60 bis 70 Prozent auf nur noch 20 bis 30 Prozent.
„Antioxidantien wie NMN und verwandte Verbindungen unterstützen das Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebszellen und schützen sie vor den therapeutischen Vorteilen der Chemotherapie“, so der Hauptautor Dr. Jordan Winter, Professor an der Case Western Reserve University School of Medicine, gegenüber The Epoch Times.

Wie NMN die Behandlung untergräbt

Nahrungsergänzungsmittel wie NMN sowie andere Varianten von Vitamin B3 wie Nicotinamidribosid (NR) und Nicotinamid (NAM) sind beliebt, um den Nicotinamidadenindinukleotid-Spiegel (NAD) zu steigern. NAD ist ein Molekül, das jede Zelle benötigt, um Energie zu produzieren, DNA zu reparieren und mit Stress umzugehen.
Die Reparaturkräfte von NAD, die normalerweise für alternde Zellen hilfreich sind, können bei Krebs laut der aktuellen Studie problematisch sein.
NMN erhöht den NAD-Spiegel auch in Krebszellen und hilft ihnen so, DNA-Schäden durch Chemotherapie zu reparieren und die Behandlung zu überleben, fanden die Forscher heraus.
In Laborexperimenten führte ein erhöhter NAD-Spiegel dazu, dass Bauchspeicheldrüsenkrebszellen drei- bis siebenmal resistenter gegen gängige Chemotherapeutika wurden – darunter Gemcitabin, Oxaliplatin und 5-Fluorouracil, die häufig bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsen- und Gallengangskrebs eingesetzt werden.
Von den untersuchten Substanzen wirkte NMN am stärksten, NR zeigte eine mäßige Schutzwirkung und NAM hatte kaum Auswirkungen.
Die Forscher fanden heraus, dass NMN Krebszellen auf mehreren Wegen widerstandsfähiger macht.
Das Molekül kurbelt nicht nur die Energieproduktion an und schützt die Mitochondrien während der Chemotherapie, sondern beschleunigt auch die Reparatur von DNA-Schäden, die eigentlich zum Absterben der Tumorzellen führen sollen.

Warum Tumoren der Bauchspeicheldrüse schwer zu bekämpfen sind

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist bekanntermaßen schwer zu behandeln. Tumoren wachsen in Bereichen mit wenig Sauerstoff und begrenzten Nährstoffen – Bedingungen, die viele normale Zellen abtöten würden.
Um zu überleben, sind Bauchspeicheldrüsenkrebszellen stark auf interne Unterstützungssysteme angewiesen – einschließlich NAD-abhängiger Stoffwechselwege.

Bauchspeicheldrüsenkrebs wächst unter Sauerstoff- und Nährstoffmangel und ist schwer behandelbar.

Foto: Shidlovski/iStock

Dadurch sind Tumoren der Bauchspeicheldrüse besonders empfindlich gegenüber NAD-steigernden Nahrungsergänzungsmitteln.
Was einer gesunden Zelle hilft, mit dem mit dem Altern verbundenen Stress fertig zu werden, könnte auch Krebszellen einen zusätzlichen Vorteil verschaffen.
Die Wirkungen von NAD-steigernden Verbindungen sind jedoch nicht bei allen Krebsarten einheitlich. In einigen Studien zu Gebärmutterhals-, Brust-, Leber- und Lungenkrebs scheinen NAM-Nahrungsergänzungsmittel die Chemotherapie wirksamer zu machen.
Wissenschaftler begründen dies damit, dass der Unterschied wahrscheinlich auf die Art des Krebses, die Dosierung des Nahrungsergänzungsmittels und die Art und Weise zurückzuführen ist, wie einzelne Tumoren Energie verwerten.
Ein ähnliches Paradoxon wurde bei Antioxidantien wie den Vitaminen C und E beobachtet. Einige Untersuchungen zeigen, dass sie das Tumorwachstum unterstützen können, obwohl sie gleichzeitig die Nebenwirkungen der Behandlung reduzierten.

Was Patienten tun können

Winter weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei um präklinische Ergebnisse handelt, die an Zellen und Tiermodellen gewonnen wurden. Die Daten sind seiner Einschätzung nach jedoch so auffällig, dass er der Ansicht ist, dass in Bezug auf Krebspatienten gehandelt werden muss.
„Chemotherapie und Bestrahlung zielen darauf ab, Krebszellen durch oxidativen Stress zu schädigen“, sagte er. „Alles, was diesen Zellen hilft, diesen Schaden zu reparieren oder diesen Stress zu reduzieren, könnte der Behandlung potenziell entgegenwirken.“
Die Studie legt jedoch nicht nahe, dass diese Nahrungsergänzungsmittel gesunden Menschen schaden.
Für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, die eine Chemotherapie erhalten, könnten die möglichen Risiken jedoch erheblich sein.
Besonders problematisch: Manche Betroffene nehmen NAD-steigernde Nahrungsergänzungsmittel gezielt gegen die Nebenwirkungen der Behandlung ein – und könnten damit unbeabsichtigt die Wirkung der Chemotherapie abschwächen.
Die Forscher fordern eine routinemäßige Überprüfung der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bei Krebspatienten sowie weitere klinische Studien zu NAD-Boostern und Krebstherapien. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse, rät Professor Winter Patienten, die sich einer Behandlung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs unterziehen, diese Risiken unverzüglich mit ihrem Onkologen zu besprechen.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Popular Anti-Aging Vitamin Might Affect Pancreatic Cancer Treatment“. (deutsche Bearbeitung: vm)