Der Blutzucker ist mehr als ein Laborwert. Er zeigt, wie gut der Körper mit unserem modernen Alltag zurechtkommt. - Foto: Pakawadee Wongjinda/iStock
In Kürze:
Der Blutzucker ist mehr als ein weiterer Wert, den „man halt beobachten muss“ – aber auch nicht allsagend.
Er beeinflusst unter anderem Gefäße, Nerven, Augen, Nieren, Leber, Gehirn, Haut, Muskelmasse und den Energiehaushalt.
Müdigkeit nach dem Essen, Konzentrationstiefs, unruhiger Schlaf und das Gefühl, ständig etwas essen zu müssen, können erste Hinweise liefern.
Nüchternblutzuckerwerte zwischen 100 und 125 mg/dl gelten bereits als auffällig. Wer wissen möchte, wo er steht, sollte auch andere Werte beachten.
Der erste Hebel liegt nicht im Verzicht, sondern in Kombination und Reihenfolge. Das wussten schon unsere Ahnen.
Ich erschrecke in der Praxis immer wieder, wie gelassen viele Menschen mit ihrem Blutzucker umgehen. Selbst manche Diabetiker nehmen erhöhte Werte eher hin wie schlechtes Wetter: nicht schön, aber offenbar auch nicht weiter zu ändern.
Beim Cholesterin ist das jedoch ganz anders. Da werden Zahlen diskutiert, Grenzwerte verglichen und Beipackzettel der Medikamente gelesen. Der Blutzucker hingegen läuft bei vielen unter „Muss man halt beobachten“.
Aus meiner Sicht ist das ein gefährlicher Irrtum. Ein dauerhaft gestörter Zuckerstoffwechsel ist kein harmloses Laborproblem. Er wirkt auf Gefäße, Nerven, Augen, Nieren, Leber, Gehirn, Haut, Muskelmasse und den Energiehaushalt.
Er entscheidet mit darüber, ob jemand nach dem Essen wach bleibt oder in ein Loch fällt oder ob der Heißhunger den Abend regiert. Oder ob Bauchfett wächst, oder die Leber verfettet, oder ob der Körper „entzündlicher“ wird.
Stark verarbeitete und süße Lebensmittel, aber auch Obst lassen die Blutzuckerwerte steigen. Deshalb sind Reihenfolge, Menge und Essenszeiten wichtig.
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Und es geht nicht (nur) um Diabetes. Sehr lange bevor diese Diagnose auf dem Papier steht, kann der Blutzucker den Alltag bereits prägen: Müdigkeit nach dem Essen, Konzentrationstiefs, unruhiger Schlaf und dieses merkwürdige Gefühl, ständig etwas essen zu müssen, obwohl der Körper eigentlich genügend Energie gespeichert hätte.
Was ist das Problem? Und wie geht man dieses an?
Wenn das Essen müde macht
Nach einer Mahlzeit steigt der Blutzuckerspiegel an – das ist normal. Kohlenhydrate aus Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Obst oder Süßigkeiten werden im Verdauungstrakt zu Glukose abgebaut und gelangen ins Blut. Der Körper reagiert mit Insulin. Dieses Hormon sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen geschleust wird.
Problematisch wird es, wenn dieser Ablauf ständig überfordert wird. Ein „süßes Frühstück“, zwischendurch ein Keks, mittags Pasta, nachmittags Kaffee und Kuchen: Erst fühlt man sich wach, dann kommt das Loch. Nicht selten wird dann wieder genau das gegessen, was die nächste Schwankung auslöst.
So entsteht ein Kreislauf aus Zuckeranstieg, Insulinausschüttung, Energietief und erneutem Appetit. Viele halten das für Willensschwäche, aber in Wahrheit ist es meist Biochemie. Der Körper wirkt dann wie ein Ofen, in den ständig Papier geworfen wird. Es brennt kurz hell, aber es hält nicht lange.
Warum Bauchfett mehr ist als ein optisches Problem
Besonders wichtig ist der Zusammenhang zwischen Blutzucker, Insulin und Bauchfett. Das Fett am Bauch ist kein stilles Depot, das nur auf bessere Zeiten wartet. Vor allem das innere Bauchfett ist stoffwechselaktiv. Es beeinflusst Entzündungsprozesse, Hormone, Leberstoffwechsel und die Insulinempfindlichkeit.
Wenn die Zellen schlechter auf Insulin reagieren, spricht man von Insulinresistenz. Der Körper muss dann mehr Insulin ausschütten, um den gleichen Effekt zu erzielen. Das kann über Jahre unbemerkt bleiben.
Der Nüchternblutzucker ist vielleicht noch unauffällig, aber nach dem Essen entstehen bereits hohe Spitzen. Gleichzeitig lagert der Körper leichter Fett ein, besonders in der Leber und am Bauch. Und irgendwann wird aus Energieüberschuss ein Speicherproblem.
Der Blutzucker entscheidet, ob das Bauchfett wächst oder nicht.
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Die Verzuckerung des Körpers
Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang lautet Glykierung. Gemeint ist eine Reaktion von Zucker mit Eiweißen, Fetten und anderen Körperstrukturen. Dabei entstehen sogenannte Advanced Glycation Endproducts, abgekürzt AGEs. Das Problem: Diese Glykierung kann das Gewebe verändern.
Man kann sich das grob wie eine Art „innere Verzuckerung“ vorstellen. Wenn das über Jahre läuft, verlieren Gefäße an Elastizität. Nerven, Augen, Nieren und Bindegewebe können in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch die Haut altert unter diesem Einfluss schneller. Falten sieht man früher als Gefäßschäden, aber biochemisch gehören beide zur gleichen Geschichte.
Das heißt nicht, dass jeder Teller Kartoffeln ein Problem ist. Es geht nicht um Angst vor normalen Lebensmitteln. Entscheidend ist die Dauerbelastung – nämlich ständig hohe Blutzuckerspitzen, zu wenig Bewegung, zu wenig Muskelmasse, schlechter Schlaf, Dauerstress sowie ein Darm und eine Leber, die gar keine Ruhe mehr bekommen.
Der erste Hebel liegt nicht im Verzicht
Viele Menschen glauben, sie müssten beim Blutzucker alles streichen: keinen Zucker, kein Brot, keine Nudeln – keine Freude mehr. Viele empfinden das als Verlust von Lebensqualität. Und so etwas hält selten lange.
Sinnvoller ist es, mit einfachen Ordnungsprinzipien zu beginnen, so wie Sebastian Kneipp es vor über 100 Jahren bereits formulierte. Der wichtigste Satz lautet: Kohlenhydrate nicht nackt essen.
Wer Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln oder Obst allein isst, bekommt meist eine stärkere Blutzuckerantwort als bei einer Mahlzeit mit Eiweiß, Fett und Ballaststoffen. Ein Apfel mit ein paar Mandeln wirkt anders als ein Apfel allein. Ein Brot mit Ei, Avocado oder Hüttenkäse wirkt anders als ein Marmeladenbrot.
Auch die Reihenfolge spielt eine Rolle. Wer zuerst Gemüse oder Salat isst, dann Eiweiß und Fett und erst danach Reis, Brot, Nudeln oder Kartoffeln, kann die Blutzuckerantwort günstiger beeinflussen. Das klingt einfach – ist es auch, wird aber unterschätzt. Essen Sie ihren Salat also vor dem Hauptgericht. Sie essen doch Salat – oder?
Fett allein ist selten der Übeltäter – entscheidend ist, womit es auf den Teller kommt.
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Der Essig im Salat ist kein alter Aberglaube
Apropos Salat. Auch der Essig verdient in diesem Zusammenhang eine kleine Ehrenrettung. Ein Salat mit Essig-Öl-Dressing vor einer kohlenhydratreichen Mahlzeit kann die Blutzuckerantwort abmildern.
Das bedeutet nicht, dass man nun morgens Apfelessig als Mutprobe trinken muss. Wer einen empfindlichen Magen, Reflux oder Probleme mit dem Zahnschmelz hat, sollte solche Experimente ohnehin lassen.
Aber als einfacher Küchentrick ist Essig interessant. Der gute alte Salat vor dem Essen war also vielleicht nicht nur Sitte, sondern auch Stoffwechselklugheit. Und der Trick mit dem Apfelessig in etwas Wasser vor den großen Mahlzeiten funktioniert ebenfalls.
Bewegung nach dem Essen: der einfachste Zuckerfilter
Einer der wirksamsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Hebel ist die Bewegung nach dem Essen. Ich habe das selbst lange unterschätzt, bis ich mit einem Trainer von Olympia-Athleten sprach, der seine durchtrainierten Athleten exakt diesen „Trick“ durchführen ließ. Mittlerweile ist völlig klar: Zehn Minuten Gehen nach einer Mahlzeit helfen, den Zuckeranstieg günstiger zu beeinflussen.
Der Grund ist einfach: Muskeln ziehen Glukose aus dem Blut, sobald sie arbeiten. Wer sich nach dem Essen bewegt, hilft dem Körper, den Zucker dorthin zu bringen, wo er benötigt wird: in die Muskulatur.
Besonders nach dem Abendessen ist das interessant. Statt direkt auf das Sofa zu sinken, kann ein kurzer Gang um den Block mehr bewirken als die nächste komplizierte Diätregel. Also gehen Sie diese 10 Minuten.
Ob am Strand, im Wald oder in der Stadt: Nach dem Essen 10 Minuten spazierenzugehen, wirkt Wunder beim Blutzuckerhaushalt des Körpers.
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Im zweiten Schritt lohnt sich dann der Blick auf ein Krafttraining. Muskeln sind ein wichtiges Speicher- und Verbrauchsorgan für Glukose. Wer Muskelmasse verliert, verliert auch Zuckeraufnahmekapazität. Gerade ab 50 wird das relevant.
Bei Schmerzpatienten kommt allerdings zuerst die Schmerzfreiheit beziehungsweise eine bessere Beweglichkeit. Ein schmerzender Rücken, ein gereiztes Knie oder eine blockierte Hüfte werden nicht besser, nur weil man sie mit Trainingsplänen überfährt. Erst die Bewegung wieder möglich machen, dann Kraft aufbauen: Das ist in der Praxis meist der vernünftigere Weg.
Schlaf, Stress und die Leber
Blutzucker ist nicht nur eine Frage des Essens. Schlechter Schlaf kann die Insulinempfindlichkeit verschlechtern. Dauerstress bringt den Körper über Cortisol in eine Alarmstellung. Die Leber gibt dann mehr Zucker ins Blut ab, obwohl von außen gar kein Zucker kommt.
Das erklärt, warum manche Menschen ratlos vor ihren Werten sitzen: „Ich esse doch gar nicht so viel, warum ist mein Blutzucker trotzdem schlecht?“ Der Körper ist kein Kalorienzähler mit Puls. Er reagiert auf Schlafmangel, Bewegungsmangel, Stress, späte Mahlzeiten, Alkohol, Medikamente, Bauchfett und die Zusammensetzung der Ernährung.
Besonders späte, kohlenhydratreiche Mahlzeiten sind für viele ungünstig. Der Körper soll nachts reparieren, regulieren und entgiften. Wenn er stattdessen noch Pizza, Wein und Dessert verarbeiten muss, braucht man sich über unruhigen Schlaf und einen zähen Morgen nicht zu wundern.
Wer wissen möchte, wo er steht, sollte nicht nur auf den Nüchternblutzucker schauen. Dieser Wert ist wichtig, aber er erzählt nicht die ganze Geschichte. Interessant sind auch HbA1c, also der Langzeitblutzucker, der Bauchumfang, die Triglyceride, die Leberwerte und in manchen Fällen auch das Nüchterninsulin.
Aus Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin lässt sich der sogenannte HOMA-Index berechnen. Er kann Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz geben, oft früher als der reine Blutzucker. Das ist zwar kein allwissendes Orakel, aber wer nach dem Essen regelmäßig müde ist, Bauchfett aufbaut, Heißhunger entwickelt und trotzdem „normale“ Standardwerte hat, sollte genauer hinschauen.
Nüchternblutzuckerwerte zwischen 100 und 125 mg/dl gelten bereits als auffällig im Sinne eines Prädiabetes. Das ist zwar noch kein Diabetes, aber auch kein grüner Bereich, den man achselzuckend abheften sollte.
Der Blutzucker ist mehr als ein Laborwert. Er zeigt, wie gut der Körper mit unserem modernen Alltag zurechtkommt: mit zu viel Sitzen, zu viel Stress, zu spätem Essen, zu wenig Muskelarbeit und mit Lebensmitteln, die oft schneller ins Blut gehen, als der Stoffwechsel sie verarbeiten kann.
Genau hier beginnt die Naturheilkunde. Nicht als „Ich nehme eine Heilpflanze und lebe weiter wie bisher“, sondern als Ordnungstherapie: den Essrhythmus verbessern, die Leber entlasten, den Darm stärken, Muskeln trainieren und erhalten, Schlaf ernst nehmen, nach dem Essen gehen sowie Bitterstoffe und Ballaststoffe wieder auf den Teller bringen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Eingriff per Videoschlauch: Sanfte Luft oder Gas sorgt für freie Sicht, damit der Arzt Polypen sofort mit feinen Instrumenten abtragen kann. - Foto: Mohammed Haneefa Nizamudeen/iStock
Gegen Darmkrebs – die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland – ist die Koloskopie (Darmspiegelung) die gängigste Vorsorgemethode. Obwohl problematische Polypen direkt während des Eingriffs entfernt werden können, diskutieren Fachleute über das Risiko von Überdiagnosen und schweren Nebenwirkungen.
Der Dickdarm ist der Hauptteil des gesamten Darms und bei Erwachsenen etwa 1,5 Meter lang. Der Mastdarm speichert den Stuhl, bis dieser durch den Anus ausgeschieden wird.
Gemeinsam bilden sie den Großteil des Darms; dabei nehmen sie Nährstoffe auf und wandeln flüssige Abfallstoffe in festen Stuhl um.
Bei einer Koloskopie (Darmspiegelung) führt ein Gastroenterologe einen dünnen, flexiblen Schlauch mit einer beleuchteten Kamera (Koloskop) durch den Anus in den Darm ein, um die Schleimhaut des End- und Dickdarms zu untersuchen.
Der Schlauch führt Luft beziehungsweise Gas (Kohlendioxid) zu, um den Dickdarm sanft aufzudehnen, sodass der Arzt besser sehen kann. Werden Polypen oder andere Auffälligkeiten festgestellt, können diese oft sofort mit Instrumenten wie Zangen, Schlingen oder Elektrokauterisationsgeräten, die durch das Koloskop geführt werden, entfernt werden.
Der Eingriff dauert etwa 20 bis 45 Minuten.
Die meisten Koloskopien werden unter Sedierung oder Narkose durchgeführt, sodass Patienten den gesamten Eingriff möglicherweise verschlafen. Wer sich für eine leichtere Sedierung – oder gar keine – entscheidet, verspürt möglicherweise leichte Beschwerden.
Der Hauptzweck der Koloskopie ist die Vorbeugung oder Erkennung von Darmkrebs.
Über die Krebsvorsorge hinaus kann die Koloskopie sowohl zur Erkennung als auch zur Behandlung einer Reihe von Problemen im Dickdarm und Enddarm eingesetzt werden, darunter Polypen, Geschwüre und Divertikel (kleine Ausstülpungen, die sich in der Dickdarmwand bilden können).
Sie kann auch dabei helfen, die zugrunde liegenden Ursachen von Symptomen wie chronischem Durchfall, rektalen Blutungen und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten zu ermitteln.
Während des Eingriffs können Ärzte entzündetes Gewebe, Blutungsquellen und andere Anomalien im Dickdarm identifizieren.
Wer sollte sich einer Koloskopie unterziehen und wann?
Gemäß den aktuellen Leitlinien wird die Koloskopie für die meisten Erwachsenen ab dem 50. Lebensjahr empfohlen und bei normalen Befunden alle zehn Jahre wiederholt. Je nach auffälligen Befunden können häufigere Vorsorgeuntersuchungen empfohlen werden.
Personen mit erhöhtem Risiko wird empfohlen, früher mit der Vorsorge zu beginnen, das heißt im Alter von 40 Jahren oder zehn Jahre vor dem Alter, in dem bei einem Verwandten ersten Grades Darmkrebs diagnostiziert wurde – je nachdem, was zuerst eintritt.
Bei älteren Erwachsenen birgt die Koloskopie ein höheres Komplikationsrisiko. Ab einem Alter von 75 Jahren sollte die Entscheidung über die Fortsetzung der Vorsorgeuntersuchungen in Absprache mit einem Arzt getroffen werden, wobei der potenzielle Nutzen, die Risiken und die Wünsche des Patienten zu berücksichtigen sind.
Darüber hinaus deuten neue Erkenntnisse darauf hin, dass die Abstände zwischen den Nachuntersuchungen nach einer unauffälligen Koloskopie bei manchen Menschen verlängert werden können.
Eine Studie aus dem Jahr 2024 ergab, dass Menschen ohne Darmkrebs in der Familienanamnese und mit einer zunächst unauffälligen Koloskopie möglicherweise bis zu 15 Jahre warten können, bevor sie sich erneut untersuchen lassen.
Einige Experten schlagen vor, Nutzen und Risiken abzuwägen. Für eine Person mit Darmkrebs in der Familienanamnese kann es vorteilhaft sein, die Situation genau zu beobachten, während dies bei jemandem mit geringem Risiko anders aussehen kann.
Diese Unterschiede unterstreichen die anhaltende Unsicherheit und die Notwendigkeit einer individuellen klinischen Beurteilung, da sich die Evidenz ständig weiterentwickelt.
Darüber hinaus kann eine Koloskopie entweder vermieden werden oder sie erfordert eine sorgfältige Abwägung bei Personen, die:
eine unzureichende Darmvorbereitung aufweisen,
eine Darmperforation, eine schwere Entzündung oder eine Infektion haben,
einen instabilen Gesundheitszustand oder schwerwiegende Erkrankungen (fortgeschrittene Herz-, Lungen-, Nieren- oder Lebererkrankungen) aufweisen,
eine Lebenserwartung von weniger als zehn Jahren haben oder bei denen die Risiken die potenziellen Vorteile überwiegen,
Blutgerinnungsstörungen haben.
Wie wirksam ist die Koloskopie?
„Die Koloskopie hat eine Sensitivität von 88 bis 98 Prozent bei der Erkennung fortgeschrittener, präkanzeröser Polypen“, erklärte Dr. Steven Lee-Kong, Leiter der Abteilung für kolorektale Chirurgie am Hackensack University Medical Center, gegenüber Epoch Times.
Die Fehlerquote kann durch Faktoren wie eine unzureichende Darmvorbereitung, die Art der untersuchten Polypen und die Geschicklichkeit des Endoskopikers beeinflusst werden, merkte Dr. Rucha Shah, eine Gastroenterologin, an.
Kleine oder flache Polypen sind schwerer zu erkennen, und in einigen Fällen lässt sich der gesamte Dickdarm möglicherweise nicht vollständig darstellen.
Die Koloskopie ermöglicht es Ärzten jedoch, präkanzeröse Polypen während desselben Eingriffs zu entfernen, was andere Vorsorgeuntersuchungen nicht leisten können.
Es ist eindeutig belegt, dass die Entfernung dieser Polypen das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, deutlich senkt. Eine Studie berichtet von einer 53-prozentigen Verringerung der Sterblichkeit im Zusammenhang mit der Polypenentfernung.
Jüngste Studien haben jedoch neue Erkenntnisse erbracht.
So wird die Koloskopie in den Vereinigten Staaten viel häufiger zur Vorsorge eingesetzt als in Kanada, wo nur etwa 15 Prozent der Eingriffe zu Vorsorgezwecken durchgeführt werden und die meisten einen diagnostischen Charakter haben. Doch die Überlebensraten bei Darmkrebs sind in beiden Ländern ähnlich.
Eine große Studie der Nordic-European Initiative on Colorectal Cancer aus dem Jahr 2022 ergab eine moderate Senkung der Darmkrebssterblichkeit durch koloskopische Vorsorgeuntersuchungen, keinen signifikanten Unterschied bei den Gesamtsterberaten und eine geringe Rate schwerwiegender Komplikationen.
Was sind die Risiken und Komplikationen einer Koloskopie?
Die Koloskopie ist im Allgemeinen sicher, birgt jedoch wie alle medizinischen Eingriffe laut Studien einige potenzielle Risiken und Komplikationen. Die meisten sind geringfügig und klingen schnell ab.
Blähungen, Völlegefühl, Krämpfe oder Magenbeschwerden: Diese Symptome werden hauptsächlich durch die während der Untersuchung eingeführte Luft beziehungsweise das heute übliche Kohlendioxid und durch vorübergehende Veränderungen der Darmflora aufgrund der Darmvorbereitung verursacht. In der Regel klingen sie innerhalb von ein bis zwei Tagen ab, bei manchen Menschen können die Symptome jedoch einige Wochen anhalten.
Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Dehydrierung: Diese Symptome können als Folge des für die Darmvorbereitung verwendeten osmotischen Abführmittels auftreten.
Leichte Rötung oder Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle der Infusion: Dies kann an der Stelle am Arm auftreten, an der der Infusionsschlauch gelegt wurde.
Nebenwirkungen von Medikamenten: Sedierung oder Anästhesie können vorübergehende Veränderungen des Blutdrucks, Hautausschlag oder Atembeschwerden verursachen.
Elektrolytstörungen oder Nierenprobleme: In einigen Fällen kann die Darmvorbereitung zu einem niedrigen Kalium-, Natrium- oder Magnesiumspiegel führen oder die Nierenfunktion beeinträchtigen.
Seltenere und schwerwiegendere Nebenwirkungen
Bestimmte Komplikationen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Koloskopieverfahren selbst.
Blutungen: Nach einer Biopsie oder Polypenentfernung kann es zu Blutungen kommen, meist während oder kurz nach dem Eingriff, gelegentlich jedoch auch erst bis zu einer Woche später.
In der Regel handelt es sich um geringfügige Blutungen. Stärkere Blutungen sind selten und treten in weniger als 1 Prozent der Fälle auf. Das Risiko dafür steigt mit der Größe des entfernten Polypen.
Perforation: Eine Perforation, also ein Riss in der Darmwand, ist während der Koloskopie sehr selten (in weniger als einem von 1.000 Eingriffen) und kann dazu führen, dass Darminhalt in die Bauchhöhle austritt und möglicherweise eine Infektion verursacht.
Sie kann durch mechanische Verletzungen durch das Endoskop oder die Instrumente, eine übermäßige Dehnung des Darms oder thermische Schäden während der Polypenentfernung entstehen.
Zu den typischen Symptomen gehören Schmerzen während oder kurz nach dem Eingriff. Kleine Perforationen können auch erst später auftreten. Unbehandelte Fälle können zu Fieber und einer Bauchinfektion führen.
Postpolypektomie-Syndrom: Dies tritt auf, wenn die Wärme der Elektrokoagulation (die Entfernung von Gewebe mit elektrischem Strom) die Darmwand während der Polypenentfernung verletzt.
Es ist selten und tritt bei etwa drei bis vier von 10.000 Koloskopien auf. Zu den Symptomen können Fieber, lokalisierte Bauchschmerzen und eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen gehören.
Milzverletzung: Diese seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Komplikation kann auftreten, wenn die Milz während des Eingriffs durch Zugkraft direkt verletzt oder gerissen wird.
Sie verursacht typischerweise Schmerzen im linken Oberbauch, die in die linke Schulter ausstrahlen können und zu niedrigem Blutdruck und Schock führen.
Infektionen: In seltenen Fällen kann sich nach einer Koloskopie eine Infektion entwickeln, die eine Behandlung mit Antibiotika erfordert.
Kardiopulmonale Ereignisse stehen im Zusammenhang mit der während der Koloskopie verwendeten Anästhesie oder Sedierung.
Sie können von vorübergehenden Problemen wie niedrigem Blutdruck, niedrigem Sauerstoffgehalt und Ohnmacht bis hin zu schwerwiegenderen Komplikationen reichen, darunter Atemnot, Herzrhythmusstörungen und akute koronare Ereignisse.
Bauchschmerzen auftreten, die sich nach dem Ablassen von Gas nicht bessern,
sich neue oder sich verschlimmernde Bauchschmerzen entwickeln,
Übelkeit auftritt oder Flüssigkeiten nicht beibehalten werden können,
Blut im Stuhl bemerkt wird,
Fieber (38 °C oder höher) auftritt,
kein Stuhl oder Gas abgelassen werden kann.
Was kann man nach einer Koloskopie erwarten?
Die Erholung verläuft in der Regel schnell, und die meisten Menschen sind innerhalb von etwa einem Tag wieder fit. Nach dem Eingriff verbringt man 30 bis 50 Minuten zur Erholung in der Klinik, bis die Wirkung des Beruhigungsmittels nachlässt.
Zu Hause sollte man sich für den Rest des Tages ausruhen und auf das Autofahren, die Bedienung von Maschinen sowie den Alkoholkonsum verzichten.
In der Regel kann man wieder die normale Ernährung aufnehmen, doch in den ersten 24 Stunden verträgt man möglicherweise besser leichte, ballaststoffarme Kost, da es aufgrund der während des Eingriffs verwendeten Luft- beziehungsweise Gaszufuhr zu leichten Blähungen oder Krämpfen kommen kann.
Wenn Polypen entfernt wurden, wird in Absprache mit dem behandelnden Arzt möglicherweise eine spezifischere Diät empfohlen und der Verzicht auf bestimmte Medikamente wie Blutverdünner geraten.
Was sind die Alternativen zur Koloskopie?
Die Koloskopie ist nicht die einzige Option und vielleicht auch nicht die bevorzugte Methode vieler Patienten. Laut einer Studie aus dem Jahr 2025 bevorzugen rund 75 Prozent der für eine Vorsorgeuntersuchung infrage kommenden Erwachsenen eine Alternative zur Koloskopie – wie Stuhl- oder Bluttests.
Es stehen mehrere Alternativen zur Koloskopie zur Verfügung, die aufgrund ihrer geringeren Invasivität, der Präferenz der Patienten oder medizinischer Kontraindikationen oft bevorzugt werden, so Lee-Kong. Nichtinvasive Stuhltests sind eine wichtige Alternative und umfassen Folgendes:
Fäkaler immunochemischer Test (FIT): Dieser jährlich durchzuführende Test für zu Hause weist menschliches Blut in Stuhlproben nach und erfordert keine Ernährungseinschränkungen.
Wird Blut nachgewiesen, kann ein Wiederholungstest oder eine Folgekoloskopie erforderlich sein. Die Genauigkeit bei der Erkennung von Darmkrebs liegt laut Berichten bei 97 Prozent.
Multitargeted-Stuhl-DNA-Test plus FIT: Dieser Test kombiniert den FIT mit einer Stuhl-DNA-Analyse anhand einer einzigen Probe, um alle drei Jahre sowohl auf Blut als auch auf abnormale DNA zu prüfen. Dafür muss jedoch die der gesamte Stuhlgang entnommen werden. Er kann bis zu 93 Prozent der krebsartigen Läsionen erkennen.
Hochsensitiver Guajak-basierter Test auf okkultes Blut im Stuhl (gFOBT): Dieser nichtinvasive Screening-Test nutzt eine chemische Reaktion, um verstecktes Blut im Stuhl nachzuweisen, das auf Darmkrebs oder Polypen hinweisen kann.
Im Vergleich zu älteren gFOBTs erkennt er Krebserkrankungen effektiver, oft ist jedoch eine Diät erforderlich und es muss drei Tage vor dem Test auf Vitamin-C-Präparate verzichtet werden, um falsch-positive Ergebnisse zu reduzieren.
„Ein Ergebnis bei einem dieser Tests ist zwar praktisch, ein positives Ergebnis erfordert jedoch eine Folgekoloskopie“, sagte Lee-Kong. Eine Folgekoloskopie wird in der Regel innerhalb von neun Monaten empfohlen.
Andere visuelle und bildgebende Untersuchungen, die ebenfalls eine Darmvorbereitung erfordern, umfassen Folgendes:
Lee-Kong merkte an, dass diese Alternativen besonders für Personen mit durchschnittlichem Risiko geeignet sein können, die eine Koloskopie ablehnen, sowie für gebrechliche ältere Menschen oder andere, bei denen die Risiken die Vorteile überwiegen.
Flexible Sigmoidoskopie: Verwendet ein Endoskop, um nur das untere Drittel des Dickdarms zu untersuchen. Sie kann durchgeführt werden, während der Patient wach ist, und kann etwa 70 Prozent der Polypen oder Tumore erkennen, obwohl sie den oberen Dickdarm nicht untersucht.
Virtuelle Koloskopie (CT-Koloskopie): Bei diesem nicht-invasiven bildgebenden Verfahren wird ein CT-Scan durchgeführt, nachdem Luft beziehungsweise Gas in den Enddarm eingeleitet wurde. Es können die meisten größeren Tumore erkannt werden, kleinere Polypen werden jedoch möglicherweise übersehen, sodass eine anschließende Koloskopie zur Entfernung erforderlich ist.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Eine gute Stressbewältigung kann schon zwei von fünf Biomarkern positiv beeinflussen. - Foto: jacoblund/iStock
In Kürze:
Starke Hände sind ein Prädikator für eine gute Immunabwehr sowie ein gesundes Herz und Gehirn.
Auch der Ruhepuls und Cortisolspiegel sind wichtige Messwerte bei Gesundheit und Langlebigkeit.
Zudem lassen uns ein gutes Verhältnis von Taille zu Körpergröße und ausreichend Nährstoffe langsamer altern und verlängern unser Leben.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, alle Indikatoren zu messen und zu verbessern.
Wussten Sie, dass bestimmte Biomarker bereits Jahre vor dem Auftreten von Symptomen auf eine Erkrankung hinweisen können? Doch schon kleine, messbare Veränderungen dieser Werte können sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität entscheidend verbessern.
Hier sind fünf Werte, die es sich zu beobachten lohnt – und was Sie tun können, um sie in die richtige Richtung zu lenken.
Die Griffkraft ist die Kraft, die Muskeln in Hand und Unterarm ausüben, wenn wir etwas festhalten.
Studien zufolge ist diese Kraft ein wichtiger Biomarker, der eine Vielzahl von Faktoren widerspiegelt. Dazu gehören der allgemeine Gesundheitszustand, kognitive Beeinträchtigungen und die Gesamtmortalität.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 steigt mit jedem Rückgang der Griffkraft um 5 Kilogramm
das allgemeine Sterberisiko um 16 Prozent,
das Risiko für einen kardiovaskulären Tod um 17 Prozent,
das Risiko für einen nicht-kardiovaskulären Tod um 17 Prozent.
Demnach erweist sich die Griffkraft als stärkerer Prädiktor für die kardiovaskuläre Mortalität als der Blutdruck.
Der Zusammenhang ist umgekehrt proportional und konsistent: Mit nachlassender Griffkraft steigt das Risiko. Eine stärkere Griffkraft ist hingegen mit einer besseren Immunfunktion, Herz-Kreislauf-Gesundheit und kognitiver Leistungsfähigkeit sowie niedrigerer Gesamtsterblichkeit verbunden.
Praktische Tipps für mehr Griffkraft
Die Griffkraft lässt sich verbessern, und zwar ganz praktisch mit passivem Hängen, im Sportjargon auch Dead Hang genannt. Dabei hängt man, solange es geht, mit gestreckten Armen und entspannten Schultern mit dem ganzen Körpergewicht an einer Stange. Das ist schwieriger, als es klingt.
Deswegen langsam anfangen, ein paar Sekunden reichen schon. Die Dauer mit der Zeit auf zwei Minuten steigern. Wie lange man hängen kann, hängt von Alter, Geschlecht und Fitnessniveau ab.
Andere Übungen, um verschiedene Griffarten und die damit verbundenen Muskeln zu trainieren, sind:
schwere Gegenstände beim Gehen tragen, wie zum Beispiel alle Einkaufstüten auf einmal,
einen Ball drücken,
Handmuskeltrainer verwenden,
Klettern,
Armdrücken.
2. Ruhepuls
Der Ruhepuls ist ein weiterer Messwert, der einen signifikanten Prädiktor für Gesundheit und Langlebigkeit darstellt. Er umfasst die Anzahl der Herzschläge pro Minute im Ruhezustand.
Mehrere großangelegte Langzeitstudien haben gezeigt, dass ein höherer Ruhepuls ein unabhängiger Risikofaktor für die Sterblichkeit ist, da er aus verschiedenen Gründen erhöht sein kann. Diese Gründe umfassen unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und viele andere chronische Erkrankungen.
„Er kann auch ein Indikator nicht nur für körperlichen, sondern auch für psychischen Stress sein“, sagte Studienautor Dr. Magnus T. Jensen gegenüber Epoch Times. Jensen ist ein dänischer Kardiologe und Professor und beschäftigt sich in seiner Forschung unter anderem mit dem Ruhepuls.
In einer Studie aus dem Jahr 2013 stellten Jensen und seine Kollegen fest, dass Männer mit einem Puls von über 90 Schlägen pro Minute im Vergleich zu Männern mit sehr niedrigem Puls – unter 50 Schlägen pro Minute – ein etwa dreimal so hohes Sterberisiko hatten. Letztlich fanden sie heraus, dass das Sterberisiko mit jedem Anstieg des Ruhepulses um 10 Schläge pro Minute um etwa 16 Prozent zunahm.
Als die Autoren die Ergebnisse um Fitness, körperliche Aktivität und andere Risikofaktoren bereinigten, blieb der Zusammenhang bestehen: Selbst unter Menschen mit dem gleichen Fitnesslevel hatten Personen mit einem höheren Ruhepuls ein höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod.
Bei Erwachsenen liege der Ruhepuls normalerweise zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute, könne aber sehr individuell sein, so Jensen.
„Sie sind Ihr eigener Maßstab“, sagte er. „Wenn Sie also wissen, dass Ihr Ruhepuls bei 60 liegt und Ihr Puls erhöht ist, dann wissen Sie: OK, hier stimmt etwas nicht, oder?“
Leicht zugänglicher Indikator
Der Ruhepuls sei zudem ein nützlicher Indikator für Gesundheit und Langlebigkeit, da er von jedem leicht gemessen werden könne, so der Kardiologe weiter.
„Man kann ihn am Handgelenk, am Hals oder mit einem tragbaren Gerät messen – er ist also sehr leicht zugänglich“, meinte er.
Wie kann man den Ruhepuls am wirksamsten senken? „Durch Bewegung“ ist Jensens Antwort. Auch andere Lebensstilfaktoren würden eine Rolle spielen, wie Rauchen, Alkoholkonsum und Stress – sowohl körperlicher als auch psychischer Art, fügte er hinzu.
Jahrzehntelang war der Body-Mass-Index (BMI) in der Medizin der Standardmaßstab für die Körperzusammensetzung. Der BMI hat jedoch ein grundlegendes Manko: Er kann nicht zwischen Muskeln und Fett unterscheiden und sagt nichts darüber aus, wo sich das Fett befindet.
Diese Unterscheidung ist enorm wichtig, denn viszerales Fett – das Bauchfett, das sich um unsere inneren Organe ansammelt – ist weitaus gefährlicher als das Fett, das der Körper an anderen Stellen speichert. Es steht in engem Zusammenhang mit Entzündungen, Insulinresistenz, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Funktionsverlust und vorzeitigem Tod.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2025 besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verhältnis von Taille zu Körpergröße und körperlicher Leistungsfähigkeit. Demnach funktionierten die körperlichen Systeme bei Personen mit höheren Werten tendenziell schlechter.
Es zeigte sich auch, dass das Verhältnis von Taille zu Körpergröße bei Männern, Frauen, allen ethnischen Gruppen und Kindern über 5 Jahren ein besserer Prädiktor für die Sterblichkeit ist als der BMI. Das ist das Forschungsergebnis der Ernährungswissenschaftlerin Margaret Ashwell, die dazu beitrug, das Verhältnis von Taille zu Körpergröße zu einem weltweit anerkannten Indikator für Gesundheit und Langlebigkeit zu machen.
Das Maßband herausholen
Um diesen Biomarker zu messen, braucht es nur ein Maßband. Dazu den Taillenumfang unterhalb der Rippen und oberhalb der Hüftknochen in Zentimetern messen und die Zahl durch die Körpergröße in Zentimetern teilen.
Idealerweise sollte der Bauchumfang weniger als die Hälfte der Körpergröße betragen. Optimal sei ein Wert zwischen 0,4 und 0,5, so Ashwell zu Epoch Times.
Wer außerhalb dieses Bereichs liege oder seinen Bauchumfang um ein paar Zentimeter reduzieren möchte, sollte genauso vorgehen wie beim Abbau jeder anderen Art von Fett, so die Ernährungswissenschaftlerin weiter.
Cortisol ist ein Steroidhormon, das der Körper als Reaktion auf körperlichen und emotionalen Stress ausschüttet. In kurzen Schüben ist es gesund und notwendig, da es die Konzentration schärft und Energie liefert, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Wenn der Cortisolspiegel jedoch chronisch hoch oder schlecht reguliert ist, kann dies langfristig den Körper „abnutzen“ – ein Prozess, der als allostatische Belastung bezeichnet wird.
Die nachgelagerten Auswirkungen können schwerwiegend sein: Ein ständig erhöhter Cortisolspiegel kann
die Telomere (die Schutzkappen an den Enden unserer DNA) verkürzen und die Zellalterung beschleunigen,
Neben den Cortisolspitzen sind auch die Cortisolschwankungen im Laufe des Tages wichtig. Bei einem gesunden Verlauf erreicht der Cortisolspiegel morgens seinen Höchstwert, sinkt dann allmählich ab, und erreicht gegen Mitternacht seinen Tiefpunkt. Ungesunde Cortisolwerte sind auch solche, die den ganzen Tag über niedrig bleiben oder nachts ansteigen.
Die üblichen Verdächtigen
Regulierungsstörungen treten oft schon Jahre vor einer klinischen Diagnose auf. Der Cortisolspiegel lässt sich allerdings durch Änderungen des Lebensstils beeinflussen. Wichtig dafür sind
Normalerweise kann ein Arzt den Cortisolspiegel über Blut, Urin oder Speichel messen lassen. Doch es gibt auch Cortisoltests für zu Hause, wobei in der Regel Speichel über den Tag verteilt entnommen wird, um den Spiegel zu verfolgen. Diese Tests können dabei helfen, einen Überblick über den Cortisolspiegel zu bekommen und zu zeigen, wann man sich an einen Arzt wenden sollte.
Ein Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen – darunter Vitamine, Mineralstoffe und essenzielle Fettsäuren – kann uns anfälliger für Krankheiten machen und vorzeitig altern lassen.
Dabei sollte man zwischen Mangel und Unterversorgung unterscheiden, meinte Matt Kaeberlein, Langlebigkeitsforscher und Professor für Pathologie, zu Epoch Times.
Ein echter Mangel führe zu klinisch erkennbaren Funktionsstörungen. Eine Unterversorgung hingegen – also suboptimale, aber nicht kritisch niedrige Werte – könne die Gesundheit über Jahre oder Jahrzehnte hinweg unbemerkt beeinträchtigen, ohne eine offensichtliche Diagnose auszulösen.
Ihm zufolge gebe es einige Nährstoffe, auf die wir achten sollten, sowohl wegen ihrer Auswirkungen auf die Langlebigkeit als auch weil viele von uns nicht genug davon zu sich nehmen. Dazu gehören Vitamin D,Omega-3 und Magnesium.
Omega-3-Fettsäuren können die Langlebigkeit fördern, indem sie den biologischen Alterungsprozess verlangsamen, chronische Entzündungen senken und die kardiovaskuläre sowie kognitive Gesundheit verbessern.
Magnesium ist unerlässlich für die DNA-Replikation und -Reparatur. Zudem senkt es Entzündungen, unterstützt die Mitochondrienfunktion, stärkt das Herz-Kreislauf-System und fördert die Stoffwechselgesundheit, was es für ein langes, gesundes Leben entscheidend macht.
Ernährung vor Ergänzung
„Das Ziel sollte eine wohlüberlegte Nahrungsergänzung sein, die auf der Ernährung, den Risikofaktoren und – sofern möglich – geeigneten Biomarker-Tests basiert“, sagte Kaeberlein dazu.
Er empfiehlt eine abwechslungsreiche, hochwertige Ernährung. Diese reiche bei den meisten Menschen aus, um den Bedarf an den meisten Vitaminen und Mineralstoffen zu decken. „Generell sollte die Ernährung an erster Stelle stehen“, so der Langlebigkeitsforscher.
Manche Personen bedürfen einer Nahrungsergänzung. Es sei allerdings am besten, diese erst nach einer Untersuchung durchzuführen, fügte er hinzu.
Die meisten dieser Messgrößen erfordern weder ein Labor noch teure Tests und können zu Hause erfasst werden. Sie alle reagieren auf dieselben grundlegenden Maßnahmen: regelmäßige Bewegung, guten Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung, Stressbewältigung und die konsequente Beobachtung, wie sich der Körper im Laufe der Zeit verändert.
Das Risiko war laut einer Langzeitstudie bei den Teilnehmern mit dem höchsten Konsum an Lebensmittelkonservierungsstoffen am stärksten ausgeprägt. - Foto: Siarhei Khaletski/iStock
Gängige Konservierungsstoffe in Lebensmitteln könnten das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Das zeigt eine aktuelle französische Studie, die im „European Heart Journal“ veröffentlicht wurde.
Das Krankheitsrisiko stieg dabei mit der Menge der aufgenommenen Zusatzstoffe. Teilnehmer mit dem höchsten Konsum waren laut den Forschern auch der größten Gefahr für die untersuchten Herzerkrankungen ausgesetzt.
Die Studie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie untersuchte die Ernährungsgewohnheiten von 112.395 Freiwilligen in Frankreich und analysierte die konsumierten Lebensmittelzutaten.
Über einen Zeitraum von sieben bis acht Jahren wurde der Gesundheitszustand erfasst, wobei 99,5 Prozent der Teilnehmer bereits in den ersten zwei Jahren mindestens ein Konservierungsmittel zu sich nahmen.
Von den 17 untersuchten Konservierungsstoffen brachten die Forscher die folgenden acht mit Bluthochdruck in Verbindung:
Kaliumsorbat
Natriumnitrit
Ascorbinsäure
Zitronensäure
Rosmarinsäure
Kaliummetabisulfit
Natriumascorbat
Natriumerythorbat
Generell galt: Je mehr Konservierungsstoffe die Teilnehmer konsumierten, desto höher war ihr Risiko.
Wer die größten Mengen an sogenannten nicht antioxidativen Konservierungsstoffen zu sich nahm, hatte ein um 29 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck (Hypertonie) als die Gruppe mit dem geringsten Konsum. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag das Risiko für die Vielverzehrer um 16 Prozent höher.
Forschung fordert Konsequenzen
Auch bei den antioxidativen Konservierungsstoffen zeigte sich eine Gefahr: Teilnehmer mit dem höchsten Konsum wiesen ein um 22 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck auf.
Die Forscher erklärten dazu den Unterschied der Zusatzstoffe: Während nicht antioxidative Konservierungsmittel das Wachstum von Schimmel und Bakterien stoppen, verhindern antioxidative Varianten das Ranzig- oder Braunwerden von Lebensmitteln.
Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, betonten die Autoren, dass damit noch kein direkter kausaler Ursache-Wirkung-Zusammenhang bewiesen ist.
Obwohl die Studie deutliche Verknüpfungen zwischen den in Industrieprodukten üblichen Haltbarmachern und Bluthochdruck zeigt, seien nun weitere experimentelle Forschungen nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen und die genauen biologischen Ursachen dahinter zu klären.
„Sollten sich diese neuen Daten bestätigen, erfordern sie eine Neubewertung der gesetzlichen Vorschriften für diese Zusatzstoffe, um den Verbraucherschutz zu verbessern“, schlussfolgerten die Wissenschaftler.
Mitautorin Anaïs Hasenböhler vom Forschungsteam für Ernährungsepidemiologie unterstrich die Bedeutung der Arbeit in einer Stellungnahme:
„Soweit wir wissen, ist dies die erste Studie dieser Art, die die Zusammenhänge zwischen einer so großen Vielfalt an Konservierungsstoffen und der Herz-Kreislauf-Gesundheit untersucht.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Die ketogene Diät folgt meist einem 4:1-Verhältnis von Fett zu Proteinen und Kohlenhydraten. Im Mittelpunkt stehen natürliche Fettquellen wie Fisch, Avocados, Olivenöl, Nüsse und Butter. - Foto: colnihko/iStock
Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sterben im Schnitt zehn bis 25 Jahre früher als die Allgemeinbevölkerung. Die Hauptursachen sind meist nicht die Leiden selbst, sondern Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und Stoffwechselstörungen. Ein neuer, metabolisch-psychiatrischer Forschungsansatz rückt nun eine Ernährungsform in den Fokus, die dieses Zusammenspiel mildern könnte: die ketogene Diät.
Traditionell wurden psychische Erkrankungen als reine Störungen des Gehirns verstanden. Jedoch deuten immer mehr Studien darauf hin, dass ein entgleister Zellstoffwechsel eine Schlüsselrolle spielt. Dazu zählen Insulinresistenz, chronische Entzündungen und eine gestörte Energieproduktion in den Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien.
Das Dilemma: Antipsychotika sind für viele Patienten überlebensnotwendig, treiben aber laut Studien das Risiko für Gewichtszunahme und Diabetes in die Höhe.
Hier setzt die ketogene Ernährung an. Bei dieser extrem kohlenhydratarmen Kost stellt sich der Stoffwechsel von Glukose auf Fettverbrennung um. Was bei medikamentenresistenter Epilepsie seit Jahrzehnten klinisch bewährt ist, soll dem Gehirn eine alternative, stabile Energiequelle bieten.
Eine ketogene Diät könne helfen, sowohl die zugrunde liegenden Stoffwechselprobleme als auch die metabolischen Nebenwirkungen der Medikamente anzugehen, erklärt Dr. Julien Trokis, ein an der Forschung beteiligter Diabetologe.
Deutliche Effekte bei strikter Disziplin
In einer viermonatigen Pilotstudie der Stanford University unter der Leitung von Dr. Shebani Sethi wurden Patienten mit Schizophrenie oder bipolarer Störung auf eine strikte ketogene Diät gesetzt (maximal 20 Gramm Netto-Kohlenhydrate pro Tag).
Die Ergebnisse waren deutlich: Die psychiatrischen Symptome verbesserten sich im Schnitt um knapp ein Drittel. Bei den bipolaren Patienten zeigten fast 70 Prozent signifikante Fortschritte. Die Rate derer, bei denen eine signifikante Milderung der Schizophrenie-Symptome eintrat, stieg von 38 Prozent zu Beginn der Studie schließlich auf 81 Prozent. Entscheidend war dabei die Disziplin: 91 Prozent der Teilnehmer, die konsequent in Ketose blieben, zeigten deutliche Verbesserungen ihrer mentalen Gesundheit – bei den weniger konsequenten Teilnehmern war es nur die Hälfte. Zudem verbesserten sich Gewicht, Blutdruck und Blutwerte signifikant.
Eine weitere retrospektive Analyse von 31 Erwachsenen mit behandlungsresistenten Psychosen und schweren Depressionen zeigte ähnliche Erfolge: Unter ketogener Kost in der stationären Behandlung sanken die Depressionswerte, teilweise bis zur Remission. Bei schizoaffektiven Störungen nahmen Halluzinationen und Wahnvorstellungen spürbar ab.
Wie gelingt der Start in die ketogene Diät?
Eine der grundlegenden Fragen lautet: Wie lässt sich die ketogene Diät praktisch und nachhaltig in den Alltag integrieren? Die klassische Variante folgt einem strikten 4:1-Verhältnis. Das bedeutet: Das Gewicht der Fettzufuhr ist viermal so hoch wie das von Proteinen und Kohlenhydraten zusammen.
In der Praxis bedeutet die Einhaltung dieses Verhältnisses, dass man natürliche Fettquellen wie Avocados, Olivenöl, Kokosöl, Butter, Ghee, Schmalz, Mandeln, Walnüsse, Chiasamen und Leinsamen bevorzugt.
Protein sollte in moderaten Mengen verzehrt werden, um die Muskelmasse zu erhalten. Ein Überschuss sollte vermieden werden, da dieser in Glukose umgewandelt werden könnte.
Zu den üblichen Proteinquellen für die Keto-Diät gehören fettreiche Fleischstücke, Geflügel, Fisch – insbesondere Lachs, Makrele und Sardinen –, Eier sowie vollfette Milchprodukte wie Käse und griechischer Joghurt, sagte Caroline Susie, eine staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber Epoch Times.
Die Kohlenhydrataufnahme wird in der Regel niedrig gehalten – bei etwa 20 bis 50 Gramm Netto-Kohlenhydraten pro Tag – und sollte hauptsächlich aus kohlenhydratarmen Gemüsesorten wie Blattgemüse, Brokkoli, Blumenkohl, Zucchini, Spargel und Paprika bestehen.
Geringe Mengen an zuckerarmen Früchten wie Beeren dürfen ebenfalls verzehrt werden. Ungesüßte Getränke wie Tee, Kaffee und Wasser sind in der Regel erlaubt, so Susie.
Die Sicherheit bleibt ein wichtiger Aspekt, insbesondere bei der therapeutischen Anwendung der Diät. Zu den frühen Nebenwirkungen, die oft als „Keto-Grippe“ bezeichnet werden, können Müdigkeit, Kopfschmerzen und Reizbarkeit während der Anpassungsphase gehören.
Diese Symptome sind in der Regel mild und vorübergehend. Sie lassen sich durch eine schrittweise Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt und den Verzehr von ballaststoffreichem, kohlenhydratarmem Gemüse lindern, so Sethi.
Es gibt auch ernährungsphysiologische Aspekte zu beachten. Die Einschränkung von Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten kann die Aufnahme bestimmter Nährstoffe verringern. Das Risiko von Mangelerscheinungen kann sich dadurch im Laufe der Zeit erhöhen, insbesondere ohne sorgfältige Planung.
Eine eingeschränkte Ballaststoffzufuhr kann zudem zu Verstopfung und Verdauungsbeschwerden beitragen, so Susie.
Eine kontinuierliche ärztliche Überwachung, individuelle Anpassungen und strukturierte Unterstützung können dazu beitragen, sowohl die Sicherheit als auch die langfristige Durchführbarkeit zu verbessern.
Trokis rät allen, die eine ketogene Diät in Betracht ziehen, zunächst ihren Arzt auf mögliche Kontraindikationen zu befragen und unter Anleitung eines Ernährungsberaters zu beginnen.
„Die ideale Dauer einer Keto-Diät kann variieren, da manche Patienten von einer längerfristigen Anwendung profitieren können, während andere zu einem flexibleren Ansatz übergehen“, sagte Trokis.
Wann Keto nicht geeignet ist
Obwohl eine ketogene Ernährung für viele Menschen und Erkrankungen von Vorteil sein kann, ist sie nicht für jeden geeignet.
Menschen mit seltenen Stoffwechselerkrankungen, die den Körper daran hindern, Fett effizient in Energie umzuwandeln, sollten sie vermeiden, da dies ihren Zustand verschlimmern könnte.
Dazu gehören Menschen mit familiärer Hypercholesterinämie, also einem erblich bedingten, hohen Cholesterinspiegel. Sie haben bereits erhöhte LDL-Cholesterinwerte und ihr Blutfettprofil kann sehr unterschiedlich auf eine ketogene Diät reagieren.
Ebenso vorsichtig sollten Menschen mit folgenden Erkrankungen sein: akute Pankreatitis, schweres Leberversagen und fortgeschrittene Nierenerkrankung. Bei ihnen kann eine hohe Fettaufnahme Risiken bergen, erklärte Trokis.
Die Keto-Diät kann Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten, darunter einige Antipsychotika und Diabetesmedikamente, haben und erfordert möglicherweise eine Dosisanpassung sowie andere individuelle Anpassungen.
Schwangere und stillende Frauen, Kinder sowie Menschen mit Typ-1-Diabetes sind ebenfalls keine geeigneten Kandidaten. Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen sollten die Diät mit Vorsicht angehen, so Trokis.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Pastinaken sehen der Petersilienwurzel ähnlich, unterscheiden sich aber am Blattansatz, der bei ihnen nach innen gewölbt ist. - Foto: iStock/Martina Unbehauen
In Kürze:
Pastinaken sind ein altes Gemüse mit hohem gesundheitlichen Wert.
Sie sind ein traditionelles Heilmittel, das die Gesundheit von Leber, Darm und Nieren unterstützen kann.
Pastinaken lassen sich vielseitig zubereiten – von Suppen über Püree bis zu knusprigen Pommes oder Aufläufen.
Die Pastinake galt einst als wichtiges Grundnahrungsmittel, bevor sie von Kartoffel und Karotte verdrängt wurde. Heute erlebt das traditionelle Gemüse ein bemerkenswertes Comeback. Immer mehr Menschen entdecken die leicht süßliche Wurzel neu, und das aus gutem Grund: Sie ist nicht nur vielseitig einsetzbar und aromatisch, sondern auch ein echtes Nährstoffwunder. 2011 und 2012 wurde sie sogar zum Gemüse des Jahres gewählt.
Die Pastinake (Pastinaca sativa) erinnert optisch an Petersilienwurzel oder weiße Karotten. Sie gehört ebenfalls zur Familie der Doldenblütler und ist damit eng mit ihnen verwandt. Geschmacklich überzeugt sie durch ihr mildes, leicht süßliches Aroma und eine feine nussige Note. Das in Europa heimische Gemüse wird von Oktober bis in den Frühling geerntet. Pastinaken können nämlich im Beet – geschützt mit einer Schicht trockenem Laub oder Stroh – überwintern. Etwas Frost macht sie sogar noch etwas aromatischer und süßer.
Pastinaken sind nicht nur schmackhaft, sondern auch nährstoffreich und leicht bekömmlich und wurden traditionell als Heilmittel verwendet, was die moderne Forschung teilweise stützt.
Reich an Vitaminen und Mineralien
Pastinaken liefern zahlreiche Nähr- und Vitalstoffe. Sie enthalten unter anderem Vitamin C für das Immunsystem sowie B‑Vitamine wie B2, B6 und Folat, die Nerven und Stoffwechsel unterstützen. Zudem sind sie besonders reich an Mineralien und Spurenelementen wie Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Zink.
Die komplexen Kohlenhydrate in Pastinaken sorgen für eine lang anhaltende Sättigung, während Ballaststoffe wie das Pektin die Verdauung fördern. Pastinaken sind zudem leicht verdaulich und sehr wohltuend für den Magen. Sie sind daher besonders für Babys und rekonvaleszente Menschen geeignet.
Neben ihrem ernährungsphysiologischen Wert haben Pastinaken traditionell auch eine heilkundliche Bedeutung. Ihre Wurzeln, Blätter und Samen enthalten heilkräftige Wirkstoffe wie ätherische Öle, Cumarine, Furanocumarine und Gerbstoffe. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe entzündungshemmende, krampflösende, gefäßerweiternde sowie antimikrobielle und antimykotische (gegen Pilze) Eigenschaften besitzen kann.
Sehr interessant sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie koreanischer Forscher in Bezug auf Leber- und Darmgesundheit. Die Forscher stellten fest, dass Pastinaken in der Lage sind, einer Fettleber entgegenzuwirken und den Stoffwechsel zu verbessern. Zusätzlich wurden eine Verbesserung der Darmbarriere und eine Reduktion entzündungsfördernder Stoffe aus Darmbakterien festgestellt. Die Studie wurde zwar an Tiermodellen durchgeführt, die Ergebnisse lassen jedoch vermuten, dass die bioaktiven Inhaltsstoffe und Ballaststoffe auch beim Menschen gesundheitlich relevant sein könnten.
In der traditionellen Heilkunde wird bei Magen-, Gallen-, Nieren- und Blasenbeschwerden sowie bei Appetitlosigkeit Tee aus den Samen empfohlen. Tee aus den Blüten und Blättern soll bei Schlafstörungen helfen. Aber auch bei Entzündungen und Infekten kommt die Pastinake zum Einsatz. Laut Überlieferungen wurde Pastinakensaft im 14. Jahrhundert gegen die Pest verwendet, was ihr den Namen „Pestnacke“ einbrachte.
Pastinaken sind ein äußerst vielseitiges Gemüse. Sie eignen sich hervorragend für die Zubereitung von sättigenden Cremesuppen oder feinem Püree. Ebenso bereichern sie Gemüseeintöpfe mit wertvollen Nährstoffen. Auch in Aufläufen, als Ofengemüse oder in Form von knusprigen Pommes sind sie sehr schmackhaft. Roh, fein geraspelt und kombiniert mit Apfel lassen sie sich zudem ideal als frischer Salat genießen.
Pastinaken sind somit sowohl kulinarisch als auch gesundheitlich eine echte Bereicherung.
Hinweis: Furanocumarine, wie sie in Pastinaken vorkommen, können phototoxische Reaktionen auslösen. Das bedeutet, dass beim Kontakt mit der Pflanze, insbesondere mit dem blühenden Kraut, in Verbindung mit UV-Strahlung bei empfindlicher Haut Rötungen oder Bläschen entstehen können. Daher sollten beim Umgang mit der frischen Pflanze vorsorglich Handschuhe getragen werden.
Rezept cremige Pastinakensuppe
Zutaten für 6 Personen:
700 g Pastinake, geschält und grob gewürfelt
1 säuerlicher Apfel, gewürfelt
1 l Gemüsebrühe
150 ml Sahne
1 EL Butter
4 Blätter Salbei
2 Nelken
Salz
Pfeffer
Croutons zum Bestreuen
Zubereitung:
Butter zerlassen, Pastinaken und Apfel zugeben und kurz durchschwenken. Abdecken und etwa 10 Minuten köcheln lassen, währenddessen gelegentlich umrühren.
Gemüsebrühe, Salbeiblätter und Nelken zugeben. Abgedeckt etwa 15 Minuten leicht köcheln, bis die Pastinaken weich sind.
Salbeiblätter und Nelken entfernen und etwas abkühlen lassen. Mit dem Stabmixer pürieren und Sahne zugeben. Nochmals langsam erwärmen, aber nicht mehr kochen. Abschmecken und mit Salbei und Croutons bestreut servieren.
Guten Appetit!
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Eier sind ein vielseitiges Lebensmittel, das viele gesundheitliche Vorteile besitzt. - Foto: Sanny11/iStock
In Kürze:
Wer regelmäßig Eier isst, unterstützt viele Körperfunktionen wie etwa die Knochengesundheit.
Eier sind eine Protein- und Nährstoffbombe, die unter anderem Kalzium, Eisen, Magnesium und viele Vitamine enthalten.
Empfehlenswert sind Eier aus Freilandhaltung, die nicht zu wenig und nicht zu lange gekocht werden.
Bestimmte Personen sollten mit dem Eierverzehr vorsichtig sein oder ihn ganz pausieren.
Eier sind voller Nährstoffe. Ein mittelgroßes Ei liefert 60 Kalorien, etwa 10 Prozent des täglichen Proteinbedarfs und ein ganzes Spektrum an Mikronährstoffen.
Die Liste ist lang:
Kalzium,
Kalium,
Phosphor,
Selen,
Zink,
Kupfer,
Magnesium,
Eisen,
die Vitamine A, E, D und B.
Bei regelmäßigem Verzehr unterstützen Eier viele Körperfunktionen. Nachfolgend sind fünf davon aufgeführt.
1. Eier versorgen den Körper effizient mit Energie
Wie oben erwähnt, liefern Eier viele Nährstoffe, die unser Körper benötigt, um gesund zu bleiben.
„Sie gehören zu den nährstoffreichsten und effizientesten Vollwertnahrungsmitteln, die wir haben. Sie sind reich an hochwertigem Protein, essentiellen Fetten, Cholin und fettlöslichen Vitaminen, die alles von der Gehirnfunktion bis zum Hormonhaushalt unterstützen“, sagte Laurie White, Naturheilpraktikerin und Spezialistin für funktionelle Medizin und funktionelle Ernährungstherapie, gegenüber Epoch Times.
2. Eier unterstützen Muskelregeneration und -wachstum
Eier sind eine hervorragende Quelle für hochwertiges Protein. Dieses ermöglicht es dem Körper, Gewebe wie Knochen, Muskeln, Haare und Haut aufzubauen und zu reparieren. Sie enthalten alle neun essentiellen Aminosäuren, die unser Körper nicht selbst produzieren kann. Das macht sie zu einer vollständigen Proteinquelle.
„Wenn Sie Eier essen, nehmen Sie nicht nur Protein zu sich – Sie lösen auch hormonelle Kaskaden aus, die dabei helfen, Muskeln und Knochen zu erhalten und aufzubauen sowie den Appetit zu regulieren“, meinte Dr. Christine Najjar zu Epoch Times. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin und Inhaberin einer auf Ernährung spezialisierten Praxis.
Zudem weise das Protein in Eiern eine hohe Bioverfügbarkeit auf, sodass der Körper es leicht aufnehmen und verwerten könne.
Studien zufolge hat Eiprotein eine Absorptionsrate von 97 Prozent – höher als bei Milchprodukten mit 95 Prozent und Fleisch mit 94 Prozent. Pflanzliche Proteine werden nur zu 45 bis 80 Prozent resorbiert, was Eier zu einer der besten natürlichen Proteinquellen macht. Das Kochen erhöht die Bioverfügbarkeit von Eiprotein zusätzlich, indem es dieses teilweise aufspaltet. Dadurch kann der Körper es leichter aufnehmen und verdauen.
Daher unterstützt der regelmäßige Verzehr von ganzen Eiern – Eiweiß und Eigelb – die Muskulaturgesundheit. Protein hilft uns beim Aufbau und Erhalt von Muskeln, steigert die Kraft und kann Sarkopenie vorbeugen, dem allmählichen Rückgang von Muskelmasse, Kraft und Funktion, der mit dem Altern einhergeht.
Zusätzlich zu den oben genannten Nährstoffen enthalten Eier auch Lutein und Zeaxanthin. Das sind starke Antioxidantien, die sich in der Netzhaut anreichern und unsere Augen schützen. Sie helfen dabei, blaues Licht zu filtern, die Sehkraft zu verbessern und reaktive Sauerstoffspezies abzufangen.
Zudem steht der Verzehr von Eiern mit einem verringerten Risiko für altersbedingte Makuladegeneration, eine unheilbare Netzhauterkrankung, und Grauen Star in Verbindung.
Der größte Teil der Nährstoffe eines Eies befindet sich im Eigelb – einer reichhaltigen, bioverfügbaren Quelle für Lutein und Zeaxanthin, mit natürlichen Fetten, die deren Aufnahme verbessern.
Laut Studien erhöht der tägliche Verzehr eines Eies den Lutein- und Zeaxanthin-Spiegel deutlich. Ferner steigert regelmäßiger Eierkonsum die Dichte des Makulapigments im Auge. Dies steht mit einer verbesserten Sehkraft und einem verringerten Risiko für Sehverlust in Zusammenhang.
4. Eier helfen, Appetit und Blutzucker zu regulieren
Eier sorgen für ein Sättigungsgefühl, sodass wir insgesamt weniger essen. Das habe mit der Kombination aus Eiweiß und gesunden Fetten zu tun, die in Eiern zu finden sind, meinte White.
„Den Tag mit Eiern zu beginnen, kann helfen, den Blutzucker zu stabilisieren, Heißhunger zu senken und eine gleichmäßigere Energieversorgung zu fördern. Das macht es einfacher, ein gesundes Gewicht zu halten, ohne auf Willenskraft angewiesen zu sein“, so die Naturheilpraktikerin.
Das Nährstoffprofil von Eiern unterstütze außerdem wichtige Stoffwechselprozesse, darunter die Leberfunktion und den Fettstoffwechsel. Diese seien entscheidend, um ein gesundes Gewicht aufrechtzuerhalten, sagte sie.
5. Eier unterstützen die Gehirnfunktion und das Gedächtnis
Eier sind eine der reichhaltigsten Nahrungsquellen für Cholin, das fast ausschließlich im Eigelb vorkommt.
Cholin ist notwendig, um Acetylcholin zu bilden – einen wichtigen Neurotransmitter für Gedächtnis und Konzentration. Ferner ist es unerlässlich für den Aufbau von Zellmembranen, für die Gehirnentwicklung bei Babys sowie für die Leberfunktion und den Fettstoffwechsel.
„Interessanterweise zeigen Untersuchungen, dass die Mehrheit der Menschen ihren täglichen Cholinbedarf nicht deckt. Der regelmäßige Verzehr von Eiern ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, diese Lücke zu schließen. Studien brachten zudem eine höhere Cholinaufnahme mit einer verbesserten kognitiven Funktion und einem besseren Gedächtnis in Verbindung“, erklärte White.
Frühere Ernährungsrichtlinien empfahlen, die Cholesterinaufnahme über die Nahrung zu begrenzen – wobei Eier als Hauptverursacher galten. Das Argument war einfach: Cholesterin aus der Nahrung erhöht den Cholesterinspiegel im Blut, was wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert.
Aktuelle Studien haben diese Behauptungen jedoch nicht bestätigt. Ihnen zufolge sind Eier ein sicheres, nachhaltiges Lebensmittel, das Energie und lebenswichtige Nährstoffe liefert.
Was die Frage angeht, wie viele Eier wir bedenkenlos essen können, sind sich Dr. Najjar und White einig. Ihnen zufolge müssen die meisten gesunden Menschen ihren Eierverzehr nicht einschränken.
„Eier sind seit jeher Teil der traditionellen menschlichen Ernährung. Historisch gesehen aßen die Menschen sie je nach Verfügbarkeit und Appetit, nicht nach festgelegten Grenzen“, so Dr. Najjar. „Im Allgemeinen rate ich den Menschen, sich beim Verzehr von ihrem Appetit leiten zu lassen“, fügte sie hinzu.
Wer regelmäßig Eier isst, sollte auf ihre Qualität achten. Naturheilpraktikerin White empfiehlt Eier aus Freilandhaltung – idealerweise von einem lokalen Bauern.
Dr. Najjar rät dazu, sich zum einen von seinem Budget leiten zu lassen. Doch wer seine Mikronährstoffversorgung optimieren möchte, sollte ihr zufolge auch Eier von lokalen Hühnern beziehen.
White merkte an, dass es auch Situationen gebe, in denen man vorübergehend den Eierkonsum einschränken oder vollständig pausieren sollte, wie zum Beispiel bei
einer echten Eiallergie,
einer aktiven Darmentzündung oder erhöhter Durchlässigkeit,
Autoimmunerkrankungen,
einer Histaminempfindlichkeit.
Sobald das zugrunde liegende Ungleichgewicht behoben sei, könnten Eier in den meisten Fällen wieder in den Speiseplan aufgenommen werden, fügte sie hinzu.
Was die Zubereitung von Eiern angeht, sollte man laut Dr. Najjar Extreme vermeiden. „Ein leicht gekochtes Ei mit weichem oder flüssigem Eigelb ist oft ein guter Mittelweg. Es bewahrt Nährstoffe und ist dennoch sicher zu verzehren“, so die Ernährungswissenschaftlerin.
Bereits kurze Lockerungsübungen können helfen, Verspannungen in der Hüfte zu lösen. - Foto: QunicaStudio/iStock
In Kürze:
Langes Sitzen macht Muskeln und Gelenke steif, so auch die Hüfte.
Halten wir sie regelmäßig in einer statischen Position, kann das langfristig unsere Beweglichkeit und Lebensqualität beeinträchtigen.
Fünf einfache Dehnübungen können helfen, die Hüfte zu lockern und eine bestmögliche Funktionsfähigkeit zu bewahren.
In vielen Berufen verbringen wir heutzutage viel Zeit im Sitzen. Zu Hause angekommen, verleiten uns der Fernseher, soziale Medien und andere Online-Angebote oft dazu, weiterhin inaktiv zu bleiben.
Solch ein sitzender Lebensstil kann chronische Gesundheitsprobleme wie etwa Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit sich bringen. Darüber hinaus gibt es noch ein weiteres ernstes Problem: Verspannungen.
Langes Sitzen hält die Hüfte in der Regel in einer statischen Position. Und dieses lange Verweilen in einer Position bekommt den Muskeln und Gelenken überhaupt nicht.
Wenn unsere Hüfte lange genug stillhält, kann sie pathologisch steif werden – eine Gefahr für unsere Mobilität, funktionelle Unabhängigkeit und allgemeine Lebensqualität.
Fünf Übungen gegen Sitzsteifheit und für eine entspannte Hüfte
Die folgenden Übungen helfen, Verspannungen in der Hüfte zu lösen. Der Beckenbereich dehnt und lockert sich, was uns hilft, die bestmögliche Flexibilität, Funktionsfähigkeit und größere Unabhängigkeit zu erreichen.
1. 90/90-Sitz
Diese Übung ist eine äußerst effektive Hüftdehnung. Um ihre Wirkung zu entfalten, nutzt sie Drehbewegungen und bestimmte Körperhaltungen. Zudem eignet sie sich gut, um Verspannungen zu lindern, die durch langes Sitzen entstehen.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Auf dem Boden sitzen; die Füße stehen etwa 90 Zentimeter auseinander. Hüfte und Knie um 90 Grad beugen und die Fersen auf den Boden stellen.
Schritt 2: Die Fersen nicht bewegen und den Körper dabei nach rechts drehen und die Beine absenken, bis sie den Boden berühren. Der Körper rollt dabei auf die Seite der Beine.
Schritt 3: Die rechte Hand auf den Boden legen, sich sanft nach vorn beugen und die Hüftmuskeln stark dehnen. Diese Position etwa 10 Sekunden lang halten und dann in die Ausgangsposition zurückkehren.
Schritt 4: Auf die linke Seite rollen und die Bewegung wiederholen. Das Vorbeugen und Halten auf der rechten und dann auf der linken Seite zählt als eine Wiederholung.
Schritt 5: Drei Wiederholungen durchführen und dabei auf jeder Seite verweilen.
Abwandlungen: Wer bei dieser Dehnung nicht ganz bis zum Boden kommt, kann seine Knie zunächst so weit wie möglich nach vorn bringen und die Position nicht 10, sondern etwa 20 Sekunden lang halten. Dies ermöglicht es oft, dass sich verspannte Muskeln und Gelenke etwas besser lockern können.
2. Figur-4-Dehnung auf dem Stuhl
Diese Übung sorgt für eine tiefe Dehnung des Musculus piriformis, eines birnenförmigen Gesäßmuskels, der für die Außenrotation der Hüfte zuständig ist. Dies kann zusätzliche Beweglichkeit in der Hüfte schaffen und auch Hüftschmerzen drastisch lindern.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Sich auf die Mitte oder die Vorderkante eines stabilen Stuhls setzen. Das rechte Bein über das linke Bein kreuzen, wobei sich der rechte Knöchel direkt hinter dem linken Knie befindet. Wer die Position nicht leicht einnehmen kann, kann sein Bein mit den Armen bewegen. Den Knöchel an Ort und Stelle halten und das rechte Knie so weit wie möglich nach unten sinken lassen.
Schritt 2: Langsam aus der Hüfte so weit wie angenehm nach vorn beugen und dabei den Rücken gerade halten. Diese Dehnung eine Minute lang – oder so lange, wie man sie bequem aushalten kann – halten. Dann in die Ausgangsposition zurückkehren und die Dehnung auf der linken Seite wiederholen.
Schritt 3: Pro Seite drei einminütige Dehnungen ausführen.
Abwandlungen: Wer nicht tief in die Dehnung kommt, kann sich einfach so weit wie möglich hineinbewegen und die Dehnung halten, wobei der Rücken gerade bleibt. Mit etwas Übung gewinnt man an Flexibilität.
3. Siegeskniebeuge (Victory squat)
Diese sowohl herausfordernde als auch lohnende Halteübung ist auch als Göttinnenpose bekannt. Sie ist ein wahres Wundermittel für die Hüfte.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Die Beine stehen etwa 90 Zentimeter auseinander, die Füße sind um etwa 45 Grad zur Seite gedreht.
Schritt 2: So tief wie angenehm in die Hocke gehen und darauf achten, dass die Knie in die gleiche Richtung wie die Füße zeigen. Gleichzeitig die Arme in einer „V“-Form über den Kopf heben.
Schritt 3: Die Hocke etwa 60 Sekunden oder so lange wie möglich halten und dann in die Ausgangsposition zurückkehren. Jede gehaltene Hocke zählt als ein Satz.
Schritt 4: Jeweils drei Sätze zu je 60 Sekunden durchführen.
Abwandlungen: Wer nicht sehr tief gehen kann, geht einfach so tief, wie es möglich ist. Darauf achten, dass die Knie während der Kniebeugedehnung nach außen zeigen, anstatt nach innen zu knicken, was für die Hüfte unangenehm sein kann.
4. Happy-Baby-Pose
Diese Pose des „glücklichen Babys“ macht Spaß und ist intuitiv. Zudem ist sie sehr stabil und effektiv.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Sich auf eine feste, stützende Unterlage legen; Hüfte und Knie sind angewinkelt, die Füße flach auf dem Boden und die Arme an den Seiten.
Schritt 2: Die Knie so hoch wie möglich anheben und die Außenseiten der Füße fassen. Die Hüfte anwinkeln und die Knie hochhalten. Dabei die Füße sanft auseinander und so weit nach unten ziehen, wie es angenehm ist. Diese Position 10 Sekunden lang halten und dann in die Ausgangsposition zurückkehren. Jedes Halten der Dehnung zählt als eine Wiederholung.
Schritt 3: Insgesamt fünf Wiederholungen ausführen.
Abwandlungen: Wer die Knöchel nicht ganz erreichen kann, kann so weit wie möglich an seinem Bein nach unten greifen. Als Variante kann er die Hände auch an der Innenseite der Füße über den Fußgewölben platzieren – einfach ausprobieren, was am besten funktioniert. Wer noch mehr Freude in die Übung bringen möchte, kann gern von einer Seite zur anderen schaukeln.
5. Froschstellung
Diese Übung sorgt für eine wunderbare, tiefe Dehnung und lässt sich hervorragend abwandeln.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Auf Händen und Knien beginnen. Die Knie so weit wie möglich spreizen, ohne dass es unangenehm wird. Die Füße sind noch etwas weiter auseinander.
Schritt 2: Den Unterkörper in Position halten und auf die Ellbogen hinuntergehen. Man sollte eine gute Dehnung spüren, die in der Hüfte und den inneren Oberschenkeln beginnt. Dies betrachten wir als Ausgangsposition.
Schritt 3: Nun die Dehnung verstärken. Dafür den Körper aus der aktuellen Position nach hinten bewegen, um sich tiefer in die Dehnung zu „setzen“. So weit nach hinten gehen, wie es angenehm ist, und die Dehnung etwa 10 Sekunden lang halten. Danach wieder in die Ausgangsposition zurückkehren. Jedes „Sitzen“ und Halten zählt als eine Wiederholung.
Schritt 4: Fünf Wiederholungen durchführen.
Abwandlungen: Genau auf seine Bewegungen achten und weder die Haltezeiten noch die Bewegungen überstürzen. Nur so tief in die Dehnung gehen, wie es angenehm ist. Es kann hilfreich sein, während der „Sitzphase“ tief zu atmen, um sich zu entspannen.
Bei Bedarf kann man zur Entlastung Polster, wie zum Beispiel gefaltete Handtücher, unter die Knie legen. Ruhig mit der Fußposition experimentieren.
Drei- bis idealerweise fünfmal pro Woche ausführen
Zusammen können diese Übungen helfen, eine steife Hüfte zu lockern und einem die nötige Beweglichkeit und Unabhängigkeit zu geben.
Ich empfehle, sie mindestens dreimal pro Woche durchzuführen, idealerweise fünfmal. Ich ermutige Sie, sie auszuprobieren, denn ich glaube, sie werden Ihnen gefallen. Viel Erfolg, und ich hoffe, sie tun Ihnen gut.
Über das Fitnessmodel: Aerowenn Hunter ist Gesundheitsredakteurin und Fitnessmodel für die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times. Sie ist seit 30 Jahren zertifizierte Yogatherapeutin.
Manchmal müssen Prozesse gestoppt werden, um weiteren Schaden zu verhindern. - Foto: BrianAJackson/iStock
Joel und Clementine trafen sich zufällig. Es war an einem Strand in Long Island, New York. Was als flüchtige Affäre begann, wuchs zu Liebe heran. Doch dann, nach zwei Jahren des Zusammenlebens, trennten sich ihre Wege.
Um den Schmerz ihrer Trennung zu vermeiden, beschlossen beide, sich einem medizinischen Verfahren zu unterziehen. Dieses versprach, ihre Erinnerung an ihre Bekanntschaft und Beziehung zu löschen. Ab diesem Punkt wird die Handlung des Films „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ („Vergiss mein nicht!“) kompliziert. Wie sich nämlich herausstellt, ist der Prozess der Löschung der Erinnerungen alles andere als einfach.
Im wirklichen Leben stehen wir vor einer ähnlichen Herausforderung. Unerwünschte Gedanken und Erinnerungen können auftauchen und in unser Bewusstsein eindringen. Sie zeigen sich manchmal als schwelender, ungelöster Konflikt mit einem Kollegen oder als schmerzhafte Kindheitserinnerung. Sie schleichen sich sogar als Gedanken an süßen Kuchen ein, während man eigentlich abnehmen will. Und sie springen wie von selbst auf oder zeigen sich infolge irgendeines Auslösers. Das ist manchmal nur ein Wort, das jemand sagt. Manchmal ist es ein Ort, den man einmal besucht hat. Manchmal ist es vielleicht ein bestimmter Duft.
Ein berühmtes Experiment
Diese vertraute Erfahrung bestätigte der Psychologe Daniel Wegner in seinem berühmten Eisbärenexperiment. Wegner ist bekannt für seine Theorie der Illusion des bewussten Willens. Einmal las er Dostojewskis „Winterliche Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke“ von 1863. Ein Satz erregte seine Aufmerksamkeit:
„Stelle dir selbst diese Aufgabe: Denke nicht an einen Eisbären, und du wirst sehen, dass dieses verfluchte Ding jede Minute in deinem Kopf sein wird.“
„Ich war wirklich angetan davon“, erinnerte er sich später. „Es schien so wahr zu sein.“
Wegner war so fasziniert, dass er beschloss, Dostojewskis 100 Jahre alte Behauptung in einem kontrollierten Experiment zu testen. Er erarbeitete eine Frage, die er in der Studie stellte. Wegner fragte: „Können Menschen aufhören, an weiße Bären zu denken, wenn sie dazu angewiesen werden?“
„Stelle dir selbst diese Aufgabe: Denke nicht an einen Eisbären, und du wirst sehen, dass dieses verfluchte Ding jede Minute in deinem Kopf sein wird.“ (Dostojewski)
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Die 34 Teilnehmer des Experiments wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Gruppe A wurde angewiesen, nicht an weiße Bären zu denken. Sollte der Gedanke dennoch auftauchen, sollten sie eine Glocke läuten. Die Gruppe sollte dann für 5 Minuten ihren Gedankenstrom protokollieren. Gruppe B sollte mit dem Gegenteil arbeiten. Sie sollte an weiße Bären denken. Man stellte fest, dass die Teilnehmer der Gruppe A durchschnittlich öfter als einmal pro Minute an weiße Bären dachten.
In der nächsten Phase bat man die Teilnehmer der Gruppe A, 5 Minuten lang an weiße Bären zu denken. Die Forscher verglichen dann die Ergebnisse dieser Gruppe mit denen der Gruppe B aus der vorherigen Phase. Die Ergebnisse zeigten, dass Gruppe A öfter an weiße Bären dachte als die Teilnehmer der Gruppe B. Das deutete auf eines hin: Der Versuch, nicht an eine Sache zu denken, kann diesen Gedanken sogar noch stärker machen.
Jahrelang wurden Wegners Ergebnisse als Beweis dafür akzeptiert, dass es schwierig bis unmöglich ist, unerwünschte Gedanken oder Erinnerungen abzuweisen. Im Jahr 2001 erfand Michael Anderson, ein Psychologe an der Universität von Oregon, eine neue Version des Weiße-Bären-Experiments. Er bewies, dass es möglich ist, unerwünschte Gedanken zu stoppen. Es kam nur darauf an, wie viel Mühe man sich bei der Aufgabe gab.
Ein besserer Weg, zu vergessen
Andersons Schwerpunkt lag auf der bewussten Abweisung von Gedanken, im Gegensatz zu traumatischen Gedanken und Erinnerungen, die in das Unterbewusstsein verdrängt wurden, wie Freud es in seiner Theorie der Verdrängung als Abwehrmechanismus beschrieb. Die Aufgabe, die Anderson und seine Kollegen den Teilnehmern gaben, wurde als die „Think/No-Think“-Aufgabe (Denken/Nicht-denken-Aufgabe) bezeichnet. Sie projizierten 40 Paare von nicht miteinander verwandten Wörtern – beispielsweise Schaukel–Kakerlake – auf einen Bildschirm vor 32 Studenten. Die Aufgabe bestand darin, sich die Wortpaare einzuprägen. Um das zu tun, lernten die Teilnehmer, die Wörter assoziativ miteinander zu verknüpfen. Auf diese Weise wurde das erste Wort in jeder Paarung zu einem assoziativen Auslöser für das zweite Wort.
Dann begann das Spiel. Wenn das erste Wort eines Paares erschien, zum Beispiel „Arzt“, wurden die Teilnehmer gebeten, entweder an das zweite Wort, „Regenschirm“, zu „denken“ oder alternativ „nicht zu denken“ und es aktiv aus dem Gedächtnis zu löschen, sobald es auftauchte.
Wenn die Anweisung „löschen“ lautete, betonten die Forscher, dass die Teilnehmer absolut nicht zulassen durften, dass das zweite Wort in ihr Bewusstsein eindringt. Wenn ein Teilnehmer fälschlicherweise das zweite Wort sagte, ertönte ein lautes Läuten, was den „Fehler“ signalisierte. Umgekehrt wurden die Teilnehmer angewiesen, sich für die etwa 4 Sekunden, in denen das erste Wort allein auf dem Bildschirm erschien, voll auf dieses zu konzentrieren. Dadurch wollte man verhindern, dass ihre Gedanken zum zweiten Wort abschweifen.
Was tun, wenn unerwünschte Gedanken und Erinnerungen zu stark in Erscheinung treten?
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Das Ziel der Denken/Nicht-denken-Aufgabe war es, festzustellen, ob das Abwehren des Eintritts einer bestimmten Erinnerung in das Bewusstsein deren späteres Wiederauftreten verhindern würde. Um zu testen, ob die Teilnehmer das zweite Wort in dem Paar wirklich vergessen hatten, wurde den Teilnehmern in der nächsten Phase des Experiments mitgeteilt, dass die Nicht-denken-Anweisung nicht mehr relevant sei. Stattdessen sollten sie jetzt, wenn ihnen ein Wort aus einem Paar gezeigt wurde, zum Beispiel „Arzt“, das zweite Wort, „Regenschirm“, sagen.
Die Erinnerungen verblassen lassen
Die Studie kam zu folgenden Schlussfolgerungen: Jene Teilnehmer, denen die Nicht-denken-Anweisung gegeben worden war, vergaßen erfolgreich – bis zu einem gewissen Grad – die Wörter, die sie auch aktiv zu vergessen versucht hatten. Je öfter die Teilnehmer die Nicht-denken-Übung wiederholten, desto stärker gerieten die Wörter in Vergessenheit. Je mehr sie das Vergessen übten, desto mehr gelang es ihnen, zu vergessen. 16 Versuche des Vergessens führten zu ungefähr 13 Prozent verminderter Erinnerung.
Die Ergebnisse des Experiments spiegeln die vertraute Erfahrung eines Gedankens oder einer Erinnerung wider, die als Reaktion auf einen Umweltreiz – ein bestimmtes Wort, ein Geräusch oder einen Anblick – in unser Bewusstsein ploppt. Und sie zeigen, dass wir wählen können, ob wir dem Gedanken oder der Erinnerung erlauben, in unserem Bewusstsein zu bleiben, oder ob wir sie aktiv herausschieben.
„Die Denken/Nicht-denken-Aufgabe ermöglicht eine Unterdrückung, weil die Verwendung von Hinweisreizen bewirkt, dass Menschen nicht direkt an jene Erinnerungen erinnert werden, die sie auszublenden versuchen“, erklärte Daniel Schacter, ein Psychologieprofessor an der Harvard-Universität. Schacter, einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Erforschung des menschlichen Gedächtnisses, verwies auf den Umkehrschluss: „Beim weißen Bären versucht man, den weißen Bären selbst zu unterdrücken, also denkt man unweigerlich an den weißen Bären. Das kann diesem Gedanken für ein erneutes Wiederauftauchen im Gedächtnis den Weg ebnen, und zwar auf eine Weise, wie es bei ‚Denken/Nicht-denken‘ nicht passiert.“
Kämpfe nicht gegen unerwünschte Gedanken an. Trainiere dein Gehirn, sie zu verdrängen.
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Anderson und seine Kollegen wiederholten das Experiment später und erzielten ähnliche Ergebnisse. Anschließend führten sie eine weitere Studie durch, um die biologischen Grundlagen des Vergessens zu untersuchen. Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie zeichneten sie während des Experiments die Gehirnaktivität der Teilnehmer auf. Dabei zeigte sich, dass Personen, die die Nicht-denken-Aufgabe ausführten, eine verringerte Aktivität im Hippocampus aufwiesen. Diese beidseitig im medialen Schläfenlappen gelegene Hirnstruktur spielt eine zentrale Rolle bei der Bildung neuer Erinnerungen sowie bei der Verknüpfung und dem Abruf gespeicherter Gedächtnisinhalte.
Der Dominoeffekt des Vergessens
In einem Folgeexperiment modifizierten Anderson und seine Kollegen das Verfahren leicht – und die Ergebnisse waren überraschend. Dieses Mal unterzogen sich insgesamt 381 Teilnehmer einem ähnlichen Denken/Nicht-denken-Prozess. Im Gegensatz zu dem früheren Experiment wurde ihnen jedoch nach jedem Wortpaar und nach der Denken/Nicht-denken-Anweisung ein zufälliges Bild gezeigt, zum Beispiel ein Papagei auf einem Parkplatz oder ein Fußball auf einem Couchtisch. Sie wurden gebeten, sich vorzustellen, wie das Objekt an diesem Ort gelandet ist. Während des gesamten Experiments scannten die Forscher die Gehirne der Teilnehmer mit einem MRT-Gerät.
Das überraschende Ergebnis des Experiments: Der Aktivitätsabfall im Hippocampus, der durch die Nicht-denken-Anweisung bezüglich des zweiten Wortes ausgelöst wurde, beeinträchtigte auch das Gedächtnis für Ereignisse direkt davor und danach. So verblassten beispielsweise die Erinnerungen an die zufälligen Bilder wie den Papagei auf dem Parkplatz. Das Experiment zeigte, dass die Fähigkeit der Teilnehmer, sich an diese Bilder zu erinnern, durch die Nicht-denken-Anweisung um 45 Prozent sank.
Anderson nannte dieses Phänomen „amnesic shadow“ (amnestischer Schatten). Es ist noch nicht klar, wie lange dieser amnestische Schatten anhält. In diesem Experiment behaupteten die Forscher, dass er mindestens 24 Stunden lang angedauert habe.
Justin Hulbert, ein Co-Autor der oben genannten Studie und außerordentlicher Professor für Neurowissenschaften am Bard College, aktuell am Bates College, erklärte die Bedeutung des Verständnisses des Phänomens des amnestischen Schattens und wie dieses Wissen unsere täglichen Kämpfe beleuchten kann. „So könnte jemand Schwierigkeiten haben, sich zu erinnern, ob er die Kinder um 15 oder um 17 Uhr abholen sollte, einfach weil diese Vereinbarung zeitnah zu dem Zeitpunkt besprochen wurde, als die Person Gedanken an einen früheren Streit unterdrückte, den sie mit jemandem hatte.“
Hulbert erklärte, dass der amnestische Schatten auch zu unserem Vorteil genutzt werden kann. Angenommen, Sie wollen aufhören, an Kuchen zu denken. Jeder Versuch, den Gedanken zu töten, wird so sein wie der Versuch, nicht an weiße Bären zu denken.
Er schlug vor, die Wortpaartechnik aus den früheren Experimenten anzuwenden. Wählen Sie zwei Wörter aus und prägen Sie sich diese ein. Immer wenn Ihnen das erste Wort in den Sinn kommt, versuchen Sie aktiv, das zweite Wort zu vergessen. Fügen Sie als Nächstes ein Wort, ein Geräusch oder einen Geruch hinzu, der „Kuchen“ in den Sinn ruft. Da der Hippocampus nun unteraktiv ist, werden Sie eher dazu neigen, den unerwünschten Gedanken – den Kuchen – zu vergessen.
Für diejenigen, denen dieser Ansatz zu umständlich erscheint, schlugen Hulbert und seine Kollegen eine einfachere Alternative vor, nämlich das Erzeugen ablenkender Gedanken. Dieser Ansatz vermeidet zudem die Nebenwirkung des sogenannten amnestischen Schattens. Stellen wir uns als Beispiel vor, Sie sind auf Diät und werden dem verlockenden Aroma von frischem Gebäck ausgesetzt, das Sie an Donuts erinnert. Anstatt an Donuts zu denken, können Sie sich darauf trainieren, bei jedem Auftreten dieses Geruchs automatisch an etwas anderes zu denken, etwa an rote Rosen.
Wenn Ablenkung nur die eigene Verteidigung schwächt.
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Weitere Tipps gegen unerwünschte Gedanken
Wegner, der Psychologe hinter dem Weiße-Bären-Gedankenstopp-Experiment, schlug in der Folge mehrere Ansätze vor, die untersucht wurden. Diese können dabei helfen, unerwünschte Gedanken abzuweisen.
Der erste Ansatz basiert auf dem Prinzip der Aufhebung der mentalen Überlastung. Allgemein wird angenommen, dass eine intensive Beschäftigung mit mental zu bewältigenden Herausforderungen im Beruf oder im Alltag von unerwünschten Gedanken ablenkt. Wegner argumentierte jedoch auf Basis verschiedener Studien, dass das Gegenteil der Fall sei. Kognitive Überlastung und Stress erschwerten es dem Gehirn, unerwünschte Gedanken abzuweisen. Paradoxerweise traten sie sogar noch häufiger auf.
Untersuchungen ergaben, dass Menschen, die unter Schlafmangel leiden, mehr unerwünschte Gedanken und Erinnerungen erleben. Im Umkehrschluss störten unerwünschte Gedanken und Erinnerungen auch den Schlaf, „sodass es zu einem Teufelskreis wird“, erklärte Scott Cairney, ein kognitiver Neurowissenschaftler und Mitarbeiter an der Studie.
Ein weiterer Ansatz besteht darin, willkürlich feste Zeitfenster für den Umgang mit unerwünschten Gedanken festzulegen. Diese Methode wurde vor allem im Zusammenhang mit Sorgen und Grübelgedanken untersucht. Studien zeigen einen teilweisen Erfolg. Probanden, die eine bestimmte Tageszeit einplanten, um sich bewusst mit ihren Sorgen auseinanderzusetzen, konnten sich anschließend besser auf die Gegenwart konzentrieren und diese Gedanken im restlichen Tagesverlauf häufiger zurückstellen.
Vertrautere Techniken zur Förderung mentaler Ruhe umfassen Atem- und Meditationsübungen. Michael Mrazek, Forschungsmitarbeiter an der University of California in Santa Barbara, konnte zeigen, dass bestimmte meditative Praktiken die Konzentrationsfähigkeit verbessern und das Auftreten unerwünschter Gedanken reduzieren können. In einem Experiment zeigte sich, dass bereits 8 Minuten achtsames Atmen das gedankliche Abschweifen im Vergleich zum Lesen oder zu passiver Entspannung deutlich verringerte. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass erhöhte Aufmerksamkeit und mentale Ruhe helfen können, besser mit unerwünschten Gedanken umzugehen.
Dabei ist jedoch, wie die Forscher betonen, zu beachten, dass das gezielte Zurückdrängen unerwünschter Gedanken und Erinnerungen zwar möglich ist, jedoch Zeit und Übung erfordert. Das aktive Umlenken der Aufmerksamkeit und das Fokussieren auf die Gegenwart können herausfordernd sein, sind aber Fähigkeiten, deren Entwicklung sich lohnt.
Gesundheitsschutz Ehe: Partnerschaft und gegenseitige Pflege im Alltag tragen nicht nur dazu bei, dass verheiratete Krebspatienten nach einer Diagnose im Schnitt länger überleben, sondern laut einer neuen Studie haben Ehepartner auch eine niedrigere Erkrankungsrate. - Foto: fufupix/iStock
In Kürze:
Unverheiratete haben laut aktuellen Studienergebnissen eine höhere Krebsrate (Männer +68 %, Frauen +85 %).
Der Unterschied betrifft vor allem Krebsarten durch veränderbare Lebensstile, Viren (HPV), Rauchen und Alkohol.
Genetische oder hormonelle Krebsarten wie Brust- oder Prostatakrebs hängen kaum vom Familienstand ab.
Ehepartner schützen sich gegenseitig durch gesündere Gewohnheiten, Vorsorge und das Achten auf Symptome.
Die Ehe gilt seit Langem als Schutzschild für die Gesundheit. Partnerschaft, gemeinsame Ressourcen und gegenseitige Pflege im Alltag tragen maßgeblich dazu bei, wie gut Menschen sich von Krankheiten erholen.
In der Krebsforschung zeigt sich dieses Muster auffallend konsistent: Verheiratete Patienten überleben nach einer Diagnose im Durchschnitt länger.
Doch beeinträchtigt der Beziehungsstatus auch das Risiko, überhaupt erst zu erkranken?
Eine großangelegte Studie in „Cancer Research Communications“ verglich verheiratete, geschiedene und verwitwete Menschen mit Personen, die nie geheiratet hatten. Das Ergebnis im Vergleich zu verheirateten Paaren ist eindeutig:
Männer: Wer nie verheiratet war, hat eine um 68 Prozent höhere Krebsrate.
Frauen: Bei Frauen, die nie geheiratet haben, liegt die Krebsrate sogar um 85 Prozent höher.
Diese Erkenntnisse gewinnen drastisch an Bedeutung, da sich unsere Familienstrukturen stark verändern: Die Heiratsraten unter jungen Erwachsenen sinken weltweit stetig.
Warum haben verheiratete Menschen ein geringeres Krebsrisiko?
Die Autoren der Studie analysierten Daten von US-Erwachsenen ab 30 Jahren. Dabei zeigte sich ein klares Bild:
Das erhöhte Krebsrisiko bei Alleinstehenden betrifft die meisten Krebsarten.
Der Trend zieht sich durch fast alle demografischen Gruppen.
Die genaue Ausprägung der Krebsinzidenz variiert jedoch je nach Gruppe und Krebsart.
Besonders auffällig war der Unterschied bei Gebärmutterhals-, Anal-, Leber- und Magenkrebs sowie bei bestimmten Lymphomen, die mit veränderbaren Risikofaktoren wie Infektionen, Rauchen und Alkoholkonsum in Verbindung stehen.
Krebsarten wie Brust-, Schilddrüsen- und Prostatakrebs zeigen deutlich geringere Unterschiede zwischen Verheirateten und Singles. Diese Erkrankungen werden stärker beeinflusst durch:
Vererbte Gene
Natürliche hormonelle Faktoren
Biologische Faktoren
Wie die Ehe das Risiko senkt
Die Ehe kann das Krebsrisiko auf vielfältige Weise beeinflussen. Sie bietet unter anderem einen stärkeren Schutz vor wechselnden Sexualpartnern, übermäßigem Rauchen und Alkoholkonsum.
Dieser Schutz ist im Vergleich zum reinen Zusammenleben oder dem Singlestatus ausgeprägter.
Laut der Studie wiesen Personen, die nie verheiratet waren, das höchste Risiko für HPV-bedingte Krebserkrankungen auf. Die Inzidenzraten zeigen drastische Unterschiede:
Bei Männern: Das Risiko für Analkrebs war mehr als fünfmal höher.
Bei Frauen: Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs war fast dreimal höher.
Diese Abweichungen spiegeln wahrscheinlich Unterschiede im Sexualverhalten, in der HPV-Exposition und bei der Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen wider.
„Verheiratete Partner achten möglicherweise gegenseitig auf übermäßigen Alkoholkonsum, Rauchen sowie Symptome und Anzeichen von Gesundheitsproblemen und bieten einander größere soziale und finanzielle Unterstützung“, ordnete Jagdish Khubchandani, Krebsepidemiologe und Professor für öffentliche Gesundheit an der New Mexico State University, die Studienergebnisse gegenüber Epoch Times in einer E-Mail ein.
Verheiratete Menschen könnten von gesünderen Gewohnheiten profitieren, zu denen ihre Partner sie ermutigen, wie beispielsweise eine gesunde Ernährung und körperliche Aktivität, sagte er weiter.
Partner als Gesundheitscoach: Soziale Unterstützung und das gemeinsame Achten auf Symptome schützen vor schweren Krankheiten.
Foto: monkeybusinessimages/iStock
Diese sozialen, wirtschaftlichen und lebensstilbezogenen Vorteile könnten dazu beitragen, das Risiko von Gesundheitsproblemen zu senken.
Die Studie vom April stellte auch Unterschiede bei den Erkrankungsraten für Gebärmutter- und Eierstockkrebs je nach Familienstand fest, was teilweise mit der schützenden Wirkung von Geburten gegen diese Krebsarten zusammenhängen könnte.
„Zwar kann Stress in der Ehe negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben, doch überwiegen die Vorteile der Ehe die stressbedingten Risiken“, sagte Dr. Rumaisa Hameed, Onkologin und Hämatologin, gegenüber Epoch Times.
Die Ehe könne dazu beitragen, einige dieser Faktoren auszugleichen, indem sie die Unterstützung, das Vertrauen und die Interaktion mit dem Gesundheitssystem verbessere, sagte sie.
Jenseits des Familienstands: Welche Faktoren können die Gesundheit schützen?
Fokus auf die Krebsvorsorge bei Singles
Die Autoren der Studie betonen, dass Erwachsene, die nie verheiratet waren, eine wichtige Zielgruppe für Krebsprävention und Früherkennung sein sollten. Das gilt besonders vor dem Hintergrund von:
sinkenden Heiratsraten
späteren oder ausbleibenden Geburten
sich wandelnden sozialen Normen
Gesundheitsschutz ohne Trauschein
Die gesundheitlichen Vorteile einer Ehe lassen sich möglicherweise auch durch andere Anpassungen erreichen. Professor Khubchandani empfiehlt dafür folgende konkrete Maßnahmen:
Er fungiert wahrscheinlich als Indikator für kumulierte soziale Vorteile und eine Reihe miteinander verbundener Faktoren, die das Gesundheitsverhalten und den Zugang zur Versorgung prägen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Ozempic als Starthilfe bei schwerer Adipositas – aber nur in Kombination mit einer Ernährungsberatung. - Foto: Varlay/iStock
Ozempic hat sich zu einer häufig eingesetzten Abnehmtherapie der modernen Medizin entwickelt.
Da manche Patienten damit bis zu 15 Prozent ihres Körpergewichts verlieren, boomt das Medikament in den USA und anderen westlichen Ländern. Es erzielt bereits Jahresumsätze in Milliardenhöhe und zieht die Aufmerksamkeit von Medizinern und Prominenten gleichermaßen auf sich.
Doch hinter dem großen Hype steckt eine unangenehme Wahrheit: Die Zahl auf der Waage sinkt zwar schnell, aber Gewicht ist nicht gleich Gewicht. Das sagte Dr. Jason Fung, renommierter Nierenspezialist und Bestsellerautor von „The Diabetes Code“, in einer Folge der Sendung „Vital Signs“.
Seiner Auffassung nach kommt es nicht auf die reine Kilozahl an. Die entscheidende Frage lautet: Welche Art von Gewicht verliert man, also Fett oder Muskelmasse, und wie lässt sich der Erfolg dauerhaft halten?
Für ihn bedeutet wahrer Erfolg, Fett gezielt zu verbrennen, während Muskeln und Kraft erhalten bleiben.
Nur so lassen sich schlaffe Haut oder das typisch eingefallene „Ozempic-Gesicht“ verhindern und der Stoffwechsel kann langfristig gesund aufgebaut werden. Alles andere ist nur die Jagd nach einer Zahl auf der Waage, die nicht von Dauer ist.
Wie Ozempic wirkt
Ozempic basiert auf dem Wirkstoff Semaglutid. Dieser gehört zur Gruppe der sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten. GLP-1 steht für ein körpereigenes Hormon (Glucagon-like Peptid-1), welches den Blutzucker und den Appetit reguliert.
Semaglutid ahmt dieses Hormon nach. Es verstärkt das Sättigungsgefühl nach dem Essen, sodass Betroffene ganz natürlich kleinere Portionen zu sich nehmen und weniger Kalorien aufnehmen.
„GLP-1 sorgt einfach dafür, dass man sich satt fühlt“, so Dr. Fung.
Hinzu kommt: Das Medikament verzögert die Magenentleerung und dämpft das Hungergefühl im Gehirn. Dies kann als Nebenwirkung leichte Übelkeit auslösen. Im Endeffekt essen die Patienten dadurch langsamer, und der Körper schüttet weniger Insulin aus.
Ständiger Hunger treibt die Kalorienzufuhr nach oben und führt fast zwangsläufig zu mehr Gewicht.
„Wenn man den Hunger nicht kontrolliert, ändert sich auch nichts an der Kalorienaufnahme. Genau da liegt die Wurzel des Problems – und deshalb ist Ozempic beim Abnehmen so effektiv“, so Dr. Fung.
Das Medikament setzt direkt an dieser Ursache an. Es dämpft den Appetit, sodass man automatisch weniger isst.
Das erklärt allerdings auch den Umkehrschluss: Setzt man Ozempic wieder ab, kehren das alte Hungergefühl und damit oftmals mit der Zeit auch die verlorenen Kilos zurück.
Nicht jede Gewichtsabnahme ist gleich
Im Zentrum von Fungs Kritik steht ein Punkt, der bei gängigen Diäten oft übersehen wird. Gewicht ist nicht gleich Gewicht.
Für die Gesundheit ist es nämlich entscheidend, welches Gewebe der Körper überhaupt abbaut. Dabei unterscheidet er zwischen zwei Arten von Körperfett:
Subkutanes Fett (das Unterhautfettgewebe)
Viszerales Fett (das Organfett)
Fettabbau
Das subkutane Fett sitzt direkt unter der Haut. Es ist relativ harmlos, da der Körper es genau dort speichert, wo es von Natur aus hingehört.
Ganz anders verhält es sich mit dem viszeralen Fett: Es sammelt sich typischerweise in der Bauchregion um die inneren Organe, wie beispielsweise die Leber, an. Aus gesundheitlicher Sicht ist es brandgefährlich.
Es befeuert die Insulinresistenz und steht in engem Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Fettleber.
„Das Fett in der Leber sollte eigentlich gar nicht dort sein“, sagt Dr. Fung.
„Die Leber sollte eigentlich fettfrei sein. Dieses Organfett ist extrem gefährlich – im Gegensatz zum weitgehend harmlosen Fett unter der Haut“, sagt Dr. Fung.
Das Problem: Wer rapide abnimmt, verliert oft zuerst das subkutane Fett, das dem Gesicht und dem Körper eigentlich Form und Fülle gibt.
Schwindet es zu schnell, wirkt das Gesicht plötzlich eingefallen und hohl – ein Phänomen, das inzwischen als „Ozempic-Gesicht“ bekannt ist.
Wer sich beim Abnehmen ausschließlich auf Medikamente verlässt, kann laut Fung nicht steuern, woher der Körper die Energie nimmt. Das führt zu zwei unschönen Effekten: Der Körper baut das Unterhautfett ab, wodurch das Gesicht optisch altert und andere Hautpartien oftmals schlaff zurücklässt.
Zudem löst das Medikament das Grundproblem nicht, denn „Ozempic sagt einem nicht, welche Lebensmittel für den Körper gesund sind und welche nicht“, so das Fazit des Experten.
Muskelschwund
Die gedämpfte Lust aufs Essen birgt eine weitere Gefahr: Ozempic kann zu massivem Muskelschwund führen. Laut Dr. Fung liegt das an der Wirkungsweise: Der künstlich erhöhte GLP-1-Spiegel signalisiert dem Körper eine dauerhafte Sättigung.
Das Problem dabei ist, dass Menschen, die ohnehin keinen Hunger haben, oft unbewusst auf protein- und fettreiche Lebensmittel verzichten – also genau die Proteine, die die Muskeln erhalten. Stattdessen greifen viele Betroffene zu leicht verdaulichen, hochverarbeiteten Kohlenhydraten.
„Man nimmt zwar massiv ab, aber es ist kein gesunder Gewichtsverlust“, warnt Dr. Fung. „Wer in der Ozempic-Phase nicht genug Eiweiß isst, verliert enorme Mengen an Muskelmasse. Das kann sehr negative Folgen haben.“
Denn Muskeln sind die Basis für Kraft, eine gute Haltung, Bewegung und die Blutzuckerkontrolle. Sie sind der Schlüssel für gesundes Altern. Wenn ein Abnehmprogramm zu viel Muskelmasse verbrennt, wird man zwar auf der Waage leichter, ist aber unter dem Strich ungesünder.
Das Gewicht kehrt oft zurück, nachdem Ozempic abgesetzt wurde
Der Erfolg ist oft nur von kurzer Dauer. Studien zeigen: Wer das Medikament absetzt, nimmt innerhalb eines Jahres oft rund 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zu.
Dieser Jo-Jo-Effekt ist so allgegenwärtig, dass er längst als normal gilt. Die Ursache dafür liegt laut Dr. Fung vor allem in der mangelnden Aufklärung. Viele Patienten erhalten keinerlei Anleitung zu gesunder Ernährung, guten Gewohnheiten oder langfristiger Gewichtskontrolle.
Setzt man die künstliche Hungerbremse ab, kommt der Appetit zurück. Doch die Betroffenen haben nicht gelernt, ihr Hungergefühl nachhaltig zu regulieren, und fallen oft ungebremst in alte Verhaltensmuster zurück.
Nur in seltenen Ausnahmefällen schaffen es Patienten, während der Behandlung einen gesünderen Lebensstil zu entwickeln und ihr Gewicht anschließend zu halten. Realistisch betrachtet, so das Fazit des Experten, nehmen die allermeisten Menschen nach dem Absetzen wieder in Richtung ihres Startgewichts zu.
Ozempic bei Typ-2-Diabetes
Bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes spielt Ozempic eine wichtige Rolle – vor allem für Patienten, die schon seit vielen Jahren erkrankt sind, zahlreiche Medikamente schlucken müssen und stark übergewichtig sind.
Auch Dr. Fung verschreibt es in seiner Praxis für diese schweren Fälle. Er kombiniert das Mittel jedoch immer mit einer Ernährungsberatung, die auf Proteine, Gemüse und gesunde Fette statt auf Fertiggerichte und Softdrinks setzt.
Das eigentliche Problem ist die Langzeiteinnahme. Die ständigen Nebenwirkungen – allen voran die dauerhafte Übelkeit – werden für viele irgendwann unerträglich.
„Man hält das vielleicht ein Jahr lang durch, während die Kilos purzeln und man Komplimente bekommt“, sagt Dr. Fung. „Aber fünf Jahre später, wenn der erste Hype vorbei ist und einem immer noch schlecht ist, sieht die Sache ganz anders aus.“
Daten einer großangelegten Analyse, die im „Journal of Managed Care & Specialty Pharmacy“ veröffentlicht wurde, untermauern diese Erfahrung: Nur knapp 27 Prozent der Patienten, die GLP-1-Präparate gegen starkes Übergewicht einnehmen, halten die Therapie ein Jahr lang durch.
Bei Semaglutid liegt die Quote immerhin bei rund 47 Prozent. Obwohl Dr. Fung versucht, durch Übergewicht besonders gesundheitlich angeschlagene Patienten auf dem Medikament zu halten, brechen die meisten die Behandlung irgendwann ab.
Sein Fazit: „Die meisten Menschen halten das einfach nicht dauerhaft durch, weil die Nebenwirkungen auf lange Sicht zu stark an den Nerven zerren.“
Ernährungsalternativen, die mit den Hormonen zusammenwirken
Als Alternative zur Spritze setzt Dr. Fung auf nachhaltige Strategien. Dabei soll gezielt Organfett verbrannt, aber die Muskeln geschützt werden.
Ein Schlüssel dazu ist eine kohlenhydratarme Ernährung (Low Carb). Der Clou dabei: Eine Kost mit viel Eiweiß, gesunden Fetten und Ballaststoffen kurbelt nachweislich die körpereigene Produktion von GLP-1 an, also genau jenem Sättigungshormon, das Ozempic künstlich nachahmt.
Gleichzeitig senkt dieser Mix den Insulinspiegel und bremst den Hunger auf natürliche Weise aus.
Im Gegensatz zu Fast Food und Zucker, die dem Körper kaum Sättigungssignale senden, helfen echte Lebensmittel dabei, weniger zu essen – ganz ohne das Gefühl von Verzicht.
Auch Ballaststoffe spielen eine wichtige Rolle, da sie die Sättigungssignale im Darm zusätzlich unterstützen. „Wer sich kohlenhydratarm ernährt, greift automatisch zu mehr Proteinen und Fetten“, erklärt Dr. Fung. „Genau diese Nährstoffe regen die GLP-1-Produktion an. Man ist satter und isst langfristig weniger.“
Wenn Ballaststoffe im Dickdarm abgebaut werden, entstehen kurzkettige Fettsäuren. Diese regen die Ausschüttung von GLP-1 zusätzlich an. Eine gut durchdachte Ernährung arbeitet also mit dem Appetitsystem des Körpers zusammen, anstatt es zu bekämpfen.
Zudem kann intermittierendes Fasten laut Untersuchungen eine gezielte hormonelle Reaktion auslösen. Es senkt den Insulinspiegel und regt den Körper dazu an, das tief sitzende Organfett zu reduzieren.
Laut Dr. Fung ist das Problem der schlaffen Haut eher ein Protein- als ein Fettproblem. Da Haut und Bindegewebe aus Proteinen bestehen, verschwindet überschüssige Haut nicht durch bloßen Fettabbau.
Hier hilft das Fasten, denn es aktiviert die sogenannte Autophagie, eine Art zellulären „Aufräumprozess“, der beschädigte Proteine und alte Zellbestandteile abbaut und recycelt.
Gleichzeitig schützt Fasten die Muskeln, indem es die Ausschüttung von Wachstumshormonen drastisch ankurbelt.
„Das Wachstumshormon steigt auf ein sehr hohes Niveau“, erklärt Dr. Fung. „Genau das verhindert den gefürchteten Muskelverlust.“
Das Fazit des Experten lautet daher: Das Ziel ist nicht die eine, perfekte Diät für alle. Es geht um eine Ernährungsweise, die den Hunger auf natürliche Weise dämpft, die Muskeln schützt und sich im Alltag langfristig durchhalten lässt. Nur so bleibt der Gewichtsverlust am Ende auch von Dauer.
Eine ausgewogene Sicht auf Ozempic
Ozempic hat die Diskussion über Adipositas grundlegend verändert. Es hat die Biologie des Appetits ins Rampenlicht gerückt und die Wissenschaft des Abnehmens endgültig in der Schulmedizin verankert.
Dr. Fung sagt, dass Ozempic für bestimmte Betroffene extrem wertvoll sein kann. Das gilt insbesondere für Menschen mit schwerer Adipositas, langjährigem Typ-2-Diabetes, sehr hohen Insulinspiegeln oder Folgeerkrankungen wie einer Fettleber oder Nierenproblemen – besonders dann, wenn eine reine Ernährungsumstellung nicht mehr ausreicht.
Doch selbst in diesen Fällen empfiehlt er eine begleitende Ernährungsberatung mit Fokus auf Eiweiß, Gemüse und gesunden Fetten. Nur so können Patienten dauerhaft gesunde Gewohnheiten entwickeln, während das Medikament ihren Hunger im Zaum hält.
„Die Hoffnung ist, dass es den Appetit bremst, damit man seine Gewohnheiten, seine Denkweise und sein Leben ändern kann – indem man zum Beispiel aktiver wird“, so Dr. Fung.
Ozempic entfaltet dabei eine sogenannte „supraphysiologische“ Wirkung auf den GLP-1-Spiegel. Das bedeutet, dass der Effekt weit über dem liegt, was Nahrung jemals auf natürliche Weise erreichen könnte.
Während Proteine, Fette und Ballaststoffe das Sättigungshormon nur leicht ankurbeln, verstärkt das Medikament diese Signale massiv. Das erklärt seine enorme Wirkung auf Appetit und Gewicht.
Für jüngere oder ansonsten gesunde Menschen, die lediglich ein paar Kilo verlieren möchten, stehen die Risiken jedoch in keinem Verhältnis zum Nutzen.
„Ich bin nicht grundsätzlich gegen das Medikament“, sagt Dr. Fung. „In der Medizin geht es aber immer um das Risiko-Nutzen-Verhältnis. Es gibt für alles eine Zeit und einen Ort – und an diesem spezifischen Ort müssen die Vorteile die Risiken überwiegen.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Eierkonsum steigert nachweislich die Leistung in Gehirnbereichen für Konzentration und Entscheidungen. - Foto: Amarita/iStock
Laut dem Neurologen Dr. Dale Bredesen ist die Ernährung ein entscheidender Faktor bei der Alzheimer-Krankheit. Sie hilft sowohl bei der Prävention als auch bei der Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.
Ein zentraler Teil seines Ansatzes ist überraschend simpel: das bescheidene Ei. Dessen schützende Wirkung auf das Gehirn wurde bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen.
Warum Eier wichtig sind
Eine im „Journal of Nutrition“ veröffentlichte Studie ergab, dass der Verzehr von mehr als einem Ei pro Woche mit einem um 47 Prozent geringeren Risiko verbunden war, an Alzheimer zu erkranken, im Vergleich zum Verzehr von weniger als einem Ei pro Monat oder gar keinem.
Der Verzehr von Eiern wurde auch mit besseren Leistungen bei Tests in Verbindung gebracht, die die Gehirnbereiche untersuchten, die für Planung, Konzentration und Entscheidungsfindung zuständig sind.
„Der Zusammenhang ist biologisch plausibel“, sagte Chantelle van der Merwe, eine staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber Epoch Times.
Eier liefern mehrere Nährstoffe, auf die das Gehirn angewiesen ist. Einer der wichtigsten ist Cholin, aber auch andere Inhaltsstoffe unterstützen die Gehirngesundheit:
Cholin: Dieser Stoff ist die direkte Vorstufe von Acetylcholin, dem wichtigsten Neurotransmitter für das Gedächtnis, so Dr. Bredesen.
Lutein: Das starke Antioxidans ist daran beteiligt, die Gehirnzellen laut Studien aktiv vor Schäden zu schützen.
Omega-3-Fettsäuren: Sie unterstützen laut Untersuchungen die Gehirnstruktur und regulieren Entzündungen.
Das Zusammenspiel gegen den Mangel
Menschen mit Alzheimer weisen im Gehirn häufig einen gleichzeitigen Mangel an Cholin und DHA, einer Omega-3-Fettsäure, auf.
Eier gehören zu den wenigen Lebensmitteln, die beide Nährstoffe von Natur aus enthalten. Das Entscheidende: Studien liefern Hinweise, dass diese beiden Wirkstoffe zusammen noch besser funktionieren als einzeln.
Die Cholinlücke
Etwa 39 Prozent des mit dem Verzehr von Eiern verbundenen verringerten Alzheimer-Risikos lassen sich allein durch Cholin erklären, was es zu einem wichtigen Nährstoff macht, den man genauer betrachten sollte.
Viele Menschen, die einer typisch westlichen Ernährung folgen, nehmen laut Untersuchungen weit weniger zu sich, als sie benötigen.
Die empfohlene Zufuhr liegt bei etwa 425 Milligramm pro Tag für Frauen und 550 Milligramm pro Tag für Männer. Ein Ei enthält etwa 150 Milligramm Cholin und ist damit eine der reichhaltigsten Nahrungsquellen.
Cholin unterstützt nicht nur die Produktion von Neurotransmittern. Es hilft dabei, die strukturelle Integrität der Membranen von Gehirnzellen aufrechtzuerhalten, und trägt zur Bildung von Myelin bei, der schützenden Hülle um die Nervenfasern. Es beeinflusst zudem, wie Gene, die an Gedächtnis, Lernen und Denken beteiligt sind, ein- und ausgeschaltet werden, und wirkt sich so auf die langfristige Gehirnfunktion aus.
Kurz gesagt, Cholin ist an fast jedem Aspekt beteiligt, wie Gehirnzellen aufgebaut werden, erhalten bleiben und miteinander kommunizieren, so van der Merwe.
Der Körper kann Cholin und Omega-3-Fettsäuren nur in geringen Mengen selbst produzieren, was bedeutet, dass der Großteil des Bedarfs des Gehirns über die Ernährung gedeckt werden muss.
Eigelb ist neben Fleisch, Geflügel, Fisch und Milchprodukten eine der reichhaltigsten Nahrungsquellen für Cholin. Geringere Mengen sind in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten.
Das große Ganze
Bredesen betrachtet Eier in einem breiteren ernährungswissenschaftlichen Kontext. Er sagte, das metabolische Syndrom sei einer der häufigsten Mitverursacher der Alzheimer-Krankheit.
„Es gibt 100 Millionen Amerikaner mit dem metabolischen Syndrom, und dies hängt in der Tat mit der Ernährung zusammen“, sagte Bredesen.
„Es wird oft durch den typischen amerikanischen Lebensstil verursacht, einschließlich einer kohlenhydratreichen, entzündungsfördernden Ernährung, Bewegungsmangel und Stress.“
Dr. Bredesen beobachtet in seiner klinischen Praxis deutliche Unterschiede bei der Genesung. Patienten, die sich ernährungsbewusst ernähren, erholen sich in der Regel am schnellsten und vollständigsten. Er empfiehlt hierfür eine pflanzenreiche, leicht ketogene Diät.
Eier fügen sich ganz natürlich in diesen Ansatz ein:
Sie sind extrem nährstoffreich.
Sie lassen sich einfach zubereiten.
Sie sind für ältere Erwachsene praktisch für den regelmäßigen Verzehr.
„Eine optimale Ernährung ist sowohl für die Prävention als auch für die optimale Behandlung von Patienten mit kognitivem Verfall wichtig“, sagte Bredesen.
Herzhafter Auflauf zur Cholinaufnahme
Ein Rezept, das van der Merwe ihren Patienten oft empfiehlt, um ihre Cholinaufnahme zu steigern, ist ein „herzhafter Rondini-Kürbis-Auflauf mit Hüttenkäse und sonnengetrockneten Tomaten“.
Das Rezept punktet mit einer gezielten Kombination von Nährstoffen, die über die Vorteile von Eiern hinausgeht:
Rondini-Kürbis: Liefert langsam freigesetzte Kohlenhydrate. Sie stabilisieren den Blutzucker und sorgen für gleichmäßige kognitive Energie ohne die typischen Spitzen und Einbrüche raffinierter Kohlenhydrate.
Hüttenkäse: Bietet eine solide Proteinbasis. Die enthaltenen Aminosäuren werden für die Produktion von Neurotransmittern benötigt.
Knoblauch und Zwiebeln: Liefern wichtige Schwefelverbindungen. Diese helfen, oxidativen Stress zu reduzieren, was ein zentraler Faktor bei der Alterung des Gehirns ist.
Oregano und Basilikum: Diese Kräuter steuern Polyphenole bei, die nachweislich neuroprotektive (nervenschützende) Eigenschaften besitzen.
Herzhafter Rondini-Kürbis-Auflauf mit Hüttenkäse und sonnengetrockneten Tomaten
Nährstoffbooster für das Gehirn: Der herzhafte Kürbisauflauf kombiniert Eier mit gezielten Nährstoffen zur Steigerung der Cholinaufnahme.
Foto: Teleginatania/iStock
Zubereitungszeit: 40 Minuten
Backzeit: 25 bis 30 Minuten
Ruhezeit: 10 Minuten
Portionen: 4 bis 6
Zutaten:
4 bis 5 Rondini-Kürbisse, halbiert und entkernt
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
40 g sonnengetrocknete Tomaten, gehackt
225 g Hüttenkäse
5 ganze Eier
1 TL getrockneter Oregano
1 TL getrocknetes Basilikum
1/2 TL Paprikapulver
Salz und schwarzer Pfeffer nach Geschmack
Zubereitung:
Den Rondini-Kürbis circa 20 bis 25 Minuten lang kochen oder dämpfen, bis er weich ist. Das Fruchtfleisch herausschöpfen und leicht zerdrücken, dabei etwas Biss belassen.
Zwiebel und Knoblauch leicht anbraten, dann die sonnengetrockneten Tomaten hinzufügen und kurz mitbraten, damit sich das Aroma entfaltet.
Den zerdrückten Rondini-Kürbis, die angebratene Mischung, Hüttenkäse, Eier, Kräuter, Gewürze und eventuell weitere Zutaten in einer großen Schüssel vermengen. Gut verrühren, bis alles gut vermengt ist. Die Masse sollte dickflüssig, aber löffelbar sein.
In eine Auflaufform geben und bei 175 Grad Celsius 25 bis 30 Minuten backen, bis die Masse in der Mitte fest und oben leicht goldbraun ist.
Vor dem Anschneiden 5 bis 10 Minuten ruhen lassen.
Mit einem einfachen Gurken-Tomaten-Salat servieren und nach Belieben gegrilltes Hähnchen oder Fisch für zusätzliches Eiweiß oder einen Omega-3-Schub hinzufügen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zucker im Test: Eine neue Studie untersuchte an 94 Teilnehmern, wie Glukose die Erholung bei Massage und Ruhe blockiert. - Foto: Aphirak Thila/iStock
In Kürze:
Zucker beruhigt nur das Gehirn, lässt den Körper aber unbemerkt unter Stress.
Der Blutzuckeranstieg und -abfall löst eine doppelte hormonelle Stressreaktion aus.
Das System schaltet fälschlicherweise auf Aktivität statt auf echte Erholung.
Dieser Kreislauf führt langfristig zu chronischem Heißhunger und höheren Krankheitsrisiken.
Es ist der weltweit am meisten akzeptierte Bewältigungsmechanismus: Nach einem langen Arbeitstag greifen wir zu heißer Schokolade, brechen eine Stück Schokolade ab oder öffnen ein zuckerhaltiges Getränk – und fühlen uns tatsächlich besser.
Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich zwar das Gehirn ruhiger anfühlt, der Körper aber im Hintergrund weiter unter Stress steht.
Die Versuchsanordnung
Wie stark signalisiert Zucker Erholung und was passiert tatsächlich im Körper? Das untersuchte eine neue Studie im International Journal of Psychophysiology an 94 gesunden Erwachsenen.
Die Forscher teilten die Teilnehmer per Zufall in vier Gruppen ein: Glukose plus Massage, Glukose plus Ruhe, Wasser plus Massage oder Wasser plus Ruhe. Als Finale mussten alle eine Aufgabe zur anhaltenden Aufmerksamkeit lösen.
Die Zucker-Dosis
Das verabreichte Glukosegetränk enthielt 75 Gramm in Wasser aufgelöste Glukose – eine massive Zuckermenge, die etwa zwei Dosen Limonade oder etwa 20 Teelöffeln Zucker entspricht.
Während des gesamten Experiments überwachten die Wissenschaftler den Blutzucker, den Blutdruck, die Herzaktivität sowie die körpereigenen Signale aus dem Wachsamkeits- und dem Entspannungssystem.
Die Blutzuckermessung erfolgte vor dem Getränk, vor der Entspannungsphase und direkt vor dem Aufmerksamkeitstest.
Das verblüffende Ergebnis
Zwar wirkten Massage und Ruhephase wie erwartet – die Teilnehmer fühlten sich spürbar gelöster und ihre Körper zeigten klare Entspannungszeichen.
Doch bei der Glukose-Gruppe gab es einen Haken: Ein Teil des körpereigenen Wachsamkeitssystems kam einfach nicht vollständig zur Ruhe. Das eindeutige Signal der Daten: Zucker kann den Körper aktiv daran hindern, sich vollkommen zu entspannen.
„Zucker leiht sich einen Moment der Ruhe vom Dopaminsystem und belastet damit die Stoffwechselgesundheit“, sagte Grant Antoine, Naturheilkundler und klinischer Leiter für Präzisionsernährung bei Viome über die Studienergebnisse, gegenüber Epoch Times.
Während das Gehirn ein Gefühl des Wohlbefindens registriert, kann im Körper im Hintergrund weiterhin eine Stressreaktion ablaufen.
Ruhe ist nicht gleich Ruhe: Die Belohnungs-Illusion
Das empfundene Wohlbefinden nach dem Zuckerkonsum entspringt einer Täuschung: Es wird primär vom Belohnungssystem des Gehirns gesteuert – und eben nicht von einer echten Entspannungsreaktion des gesamten Körpers.
„Die Ruhe, die Menschen durch Zucker empfinden, ist ein neurochemischer Vorgang im Belohnungssystem“, sagte Antoine, der nicht an der Studie beteiligt war.
Dieses Gefühl der Ruhe erstrecke sich jedoch keineswegs auf das Herz-Kreislauf- und Nervensystem oder auf die Stresshormone. Diese blieben im Hintergrund weiterhin aktiv.
„Deshalb kann ein zuckerhaltiger Snack die Wirkung von Atemübungen oder Meditation stillschweigend zunichte machen“, sagt Antoine.
Während das Gehirn im Moment ein Gefühl des Wohlbefindens registriere, „hört der Körper nie auf, sein Stressprogramm ablaufen zu lassen“.
Das physiologische Paradoxon
Glukose kurbelt die Stressaktivität aktiv an und macht es in der Studie dem Körper extrem schwer, herunterzufahren – selbst während einer tiefenentspannenden Maßnahme wie einer Massage.
Kara Seidman, Ernährungswissenschaftlerin und Leiterin für Partnerschaften bei Resbiotic Nutrition, brachte das Problem gegenüber Epoch Times auf den Punkt: „Dies deutet auf eine Diskrepanz zwischen gefühlter Ruhe und tatsächlichem physiologischem Stress hin.“
Zucker sendet dem Körper ein Stresssignal
Der Körper reagiert auf das, was sich in seinem Blutkreislauf befindet. „Ein Zuckeranstieg an sich ist ein Stressor“, betont Antoine.
Ein steigender Blutzuckerspiegel aktiviert die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion des Körpers, jagt die Herzfrequenz nach oben und treibt den Blutdruck in die Höhe.
„Normalerweise beobachten wir diese Veränderungen nur in Zeiten erhöhten Stresses, wie zum Beispiel beim Sport, aber die Studie zur menschlichen Reaktion auf Glukose hat gezeigt, dass dies sogar in Ruhe geschieht“, fügte er hinzu.
Doch was auf diesen rasanten Anstieg folgt, ist oft noch schlimmer: Sobald der Blutzucker unter den Ausgangswert fällt, schaltet der Körper auf Notfallmodus.
Zur Kompensation schüttet er massiv Cortisol und Adrenalin aus – beides Stresshormone. Antoines Fazit ist: „Eine einzige Dosis Zucker kann tatsächlich zwei Stressreaktionen auslösen: eine beim Anstieg und eine beim Abfall.“
Der Faktor Kontext
Dabei gibt es keinen universellen Grenzwert, ab wie viel Gramm der Blutzucker wie oben beschrieben eskaliert. Der Effekt ist extrem abhängig von Dosis und Kontext.
Ob und wie stark das System anspringt, bestimmen Faktoren wie die restliche Nahrungsaufnahme, die individuelle Insulinsensitivität, das aktuelle Aktivitätsniveau und bereits vorhandener Stress.
Wer Zucker direkt vor einem ohnehin stressigen Ereignis konsumiert, verstärkt die hormonelle Stressreaktion des Körpers mit großer Wahrscheinlichkeit noch zusätzlich.
Zum Kontext der aktuellen Untersuchung: In der Studie wurde eine Glukosedosis verwendet, die exakt der Menge eines oralen Glukosetoleranztests entspricht – eine große, schnell resorbierte Zuckermenge, die den Blutzuckerspiegel bewusst extrem ansteigen lassen soll. Vergleichsstudien zu Zuckermengen in verschiedenen Snacks und Lebensmitteln sind bisher noch ausständig.
Der Härtetest im Labor
In einer Studie wiesen Personen, die vor einem sozialen Stresstest – wie dem Halten einer Rede oder dem lauten Kopfrechnen – Glukose zu sich nahmen, einen stärkeren Cortisolanstieg auf als diejenigen, die dies nicht taten.
Personen mit bereits belastetem Stresssystem sind von diesem Effekt möglicherweise am stärksten betroffen. Dazu gehören Menschen mit
chronischem Stress,
Schlafmangel,
Burn-out.
Bei diesen Personen steigt der Cortisolspiegel tendenziell noch stärker an und bleibt zudem länger erhöht.
Das biologische Missverständnis
Auf biologischer Ebene signalisiert ein hoher Blutzuckerspiegel dem Organismus, dass sofort Energie verfügbar ist.
Das bedeutet für das System: Die aktuellen Bedingungen laden eher zum Handeln als zur Ruhe ein. Das Gehirn reagiert prompt auf dieses Signal und versetzt den Körper in einen wachen, bereiten Zustand.
Warum wir unter Stress nach Zucker verlangen
Mehrere biologische und psychologische Faktoren treiben uns in Stresssituationen direkt in Richtung Zucker:
Cortisol steigert laut Untersuchungen den Appetit und weckt gezielt das Verlangen nach kalorienreichen Lebensmitteln.
Stress erhöht den Spiegel von Ghrelin (dem Hungerhormon), was den Drang zu essen verstärkt.
Chronischer Stress kann das Gehirn zudem gegenüber Leptin (dem Hormon, das Sättigung signalisiert) laut Untersuchungen „teilweise taub“ machen.
Das bittere Ergebnis der hormonellen Kettenreaktion: „Man ist also hungriger als normal und weniger in der Lage zu erkennen, wann man genug gegessen hat.“
Die kurzfristige Täuschung im Stresssystem
Dabei wirkt Zucker im ersten Moment tatsächlich und sorgt vorübergehend für Linderung. Studien zeigen, dass er die Stressreaktion dämpfen kann, indem er die Aktivität der HPA-Achse unterdrückt. Das ist der Teil des Stresssystems, der uns bei anhaltendem Stress wachsam und voller Energie hält.
Dieser beruhigende Effekt ist jedoch nur von kurzer Dauer. Die Linderung hält nur kurz an, bevor der Kreislauf wieder von vorn beginnt und eine weitere Dosis verlangt, so Antoine.
Zucker wird zudem selten isoliert konsumiert. Er wird oft mit beruhigenden Aktivitäten kombiniert, wie zum Beispiel:
Sich hinsetzen
Etwas anschauen
Zeit mit anderen verbringen
Diese Kombination verstärkt das Gefühl der Erleichterung zusätzlich. Da Zucker den Stress – wenn auch nur kurzzeitig – abschwächt, greift man beim nächsten Mal, wenn man sich überfordert fühlt, eher wieder danach. Dieses Verlangen, sagt Antoine, kehrt jedes Mal stärker zurück.
Die Stressfalle: Kurze Erleichterung durch Zucker verstärkt das Verlangen beim nächsten Mal.
Foto: Doucefleur/iStock
Die langfristigen Folgen: Der hormonelle Push-Pull-Effekt
Mit der Zeit fordert dieser Kreislauf seinen Tribut. Wird Zucker wiederholt zur Stressbewältigung eingesetzt, können sowohl Insulin als auch Cortisol gleichzeitig ansteigen.
Das führt zu einem gefährlichen Push-Pull-Effekt: Ein Hormon versucht, Energie zu speichern, während das andere versucht, sie im Kreislauf zu halten.
Dieses Chaos im Hormonsystem hat langfristig ernste Konsequenzen für den Organismus:
Insulinresistenz: Zellen können weniger empfindlich auf Insulin reagieren.
Entzündungen: Ein anhaltend erhöhter Blutzuckerspiegel kann zu Entzündungen im Körper beitragen.
Krankheitsrisiken: Das Risiko für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen steigt.
Dr. Deepak Bhatt, interventioneller Kardiologe und Direktor des Mount Sinai Fuster Heart Hospital, erklärte dazu gegenüber The Epoch Times: Zuckerhaltige Getränke, Fast Food wie Burger und Pommes, Pizza und Desserts enthalten in der Regel leere Kalorien und ungesunde Fette.
Wenn dieses Stressessen zur Gewohnheit wird, kann es zudem zu einer Gewichtszunahme führen – einem weiteren wichtigen Risikofaktor für Diabetes und Herzerkrankungen.
Kein Grund für Schuldgefühle – aber für Bewusstsein
Das bedeutet jedoch nicht, dass man Zucker komplett weglassen muss – oder sich schuldig fühlen sollte, wenn man von Zeit zu Zeit danach greift. Der Trost, den Zucker bietet, ist real, aber eben nur teilweise, und hat einen hohen Preis.
Zu verstehen, wie Zucker sowohl das Gehirn als auch den Körper beeinflusst, kann Menschen helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen – insbesondere in stressigen Zeiten.
Denn sich besser zu fühlen, bedeutet nicht nur momentanen Trost. Es geht vor allem darum, dem Körper zu ermöglichen, vollständig in einen echten Ruhezustand zurückzukehren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Adipositas kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einige Krebsformen auslösen. - Foto: Lino Mirgeler/dpa
Mehr als jeder zweite Mensch in Deutschland bringt zu viele Kilos auf die Waage. Im Jahr 2025 waren rund 53,4 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.
Männer waren deutlich häufiger übergewichtiger als Frauen. Knapp zwei Drittel der Männer (62,6 Prozent) waren im vergangenen Jahr übergewichtig. Bei den Frauen waren es 43,8 Prozent.
Deutschland nimmt weiter zu
Übergewicht wird nach dem sogenannten Body-Mass-Index (BMI) bestimmt, bei dem das Körpergewicht durch das Quadrat der Körpergröße geteilt wird. Die WHO stuft Erwachsene mit einem BMI über 25 als übergewichtig, und mit einem Wert über 30 als stark übergewichtig ein.
Als stark übergewichtig beziehungsweise adipös galten den Angaben zufolge 17,9 Prozent der Menschen in Deutschland. Bei den Männern waren 19,9 Prozent stark übergewichtig, bei den Frauen 15,8 Prozent.
Dabei sind die Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren im Schnitt etwas schwerer geworden. Der Durchschnittsbürger wiegt demnach 78,3 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,73 Metern. Vier Jahre zuvor lag das Durchschnittsgewicht noch bei 77,7 Kilogramm.
Musterfrau und Mustermann
Frauen sind den Angaben zufolge im Schnitt 1,66 Meter groß und wiegen 69,7 Kilogramm, Männer kommen auf 1,79 Meter und 86,5 Kilogramm.
Im Hinblick auf die Altersgruppen sind im Schnitt die 50- bis 59-jährigen Frauen und Männer mit 81,3 Kilogramm am schwersten. Die 18- bis 24-Jährigen sind mit 72,5 Kilogramm hingegen am leichtesten.
Die Angaben beruhen auf dem sogenannten Mikrozensus 2025, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Deutschland. Befragt wurde rund ein Prozent der Bevölkerung. (afp/red)
Die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA in White Oak, Maryland, am 5. Juni 2023. - Foto: Madalina Vasiliu/The Epoch Times
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues Medikament zugelassen, das Patienten einnehmen können, nachdem sie mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen sind.
Laut der Website der FDA hat die Behörde am 29. Mai die Tablette Xocova, die auch unter dem Namen Ensitrelvir bekannt ist, zugelassen. Die Zulassung gilt für die sogenannte Postexpositionsprophylaxe nach Kontakt mit SARS-CoV-2.
Die Packungsbeilage und weitere Informationen wurden noch nicht veröffentlicht.
Xocova wird von dem japanischen Unternehmen Shionogi hergestellt. Shionogi teilte am 1. Juni mit, dass die Zulassung für die Postexpositionsprophylaxe bei Kindern und Erwachsenen ab 12 Jahren gilt.
Das Therapieschema dauert fünf Tage. Am ersten Tag werden drei Tabletten eingenommen. An den folgenden vier Tagen wird täglich eine Tablette eingenommen.
„Xocova ist die erste und einzige orale Therapieoption, die klinisch nachweislich dazu beiträgt, symptomatisches COVID-19 nach einer Exposition bei Studienteilnehmern zu verhindern, unabhängig vom Impfstatus oder der Grundimmunität durch eine frühere Infektion“, sagte Nathan McCutcheon, Präsident und CEO der US-Tochtergesellschaft von Shionogi.
„Mit Xocova können Menschen, die COVID-19 ausgesetzt sind, frühzeitig handeln, um sich zu schützen.“
Ensitrelvir war zuvor bereits in Japan zugelassen worden.
Shionogi teilte mit, die Zulassung beruhe unter anderem auf einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie. In dieser wurde festgestellt, dass 2,9 Prozent der Personen, die nach Kontakt mit Corona-Infizierten Ensitrelvir erhielten, an der Krankheit erkrankten, verglichen mit 9 Prozent der Placebo-Empfänger.
Die im Mai veröffentlichten Studienergebnisse umfassten etwa 2.000 Personen. Praktisch alle wiesen Antikörper gegen SARS-CoV-2 oder das Spike-Protein auf, was darauf hindeutet, dass sie zuvor mit Corona infiziert waren und/oder eine COVID-19-Impfung erhalten hatten. Shionogi finanzierte die Studie.
Dr. Frederick Hayden, emeritierter Professor an der University of Virginia School of Medicine, der an der Studie mitgearbeitet hatte, erklärte am 1. Juni: „Ensitrelvir hemmt die Virusvermehrung und trägt so dazu bei, Menschen, die [dem Coronavirus] ausgesetzt waren, vor dem Ausbruch der Krankheit zu schützen.“
Er sagte außerdem, die Strategie der Postexpositionsprophylaxe „könnte jedem zugutekommen, der sich nicht COVID bekommen möchte“.
Hayden fügte hinzu: „Sie könnte nicht nur im häuslichen Umfeld nützlich sein, sondern auch in anderen Kontaktsituationen, wie zum Beispiel bei Ausbrüchen in Pflegeheimen, Einrichtungen der chronischen oder akuten Pflege sowie nach Expositionen im Zusammenhang mit Reisen.“
Zu den häufigsten Nebenwirkungen bei Personen, die das Medikament erhielten, gehörten Kopfschmerzen, Durchfall und Husten.
Shionogi zeigte sich zuversichtlich hinsichtlich des Sicherheitsprofils des Medikaments, da die Rate unerwünschter Ereignisse in der Studiengruppe, die die Pille erhielt, und der Placebo-Gruppe in etwa gleich war.
Zeit im Freien zu verbringen, trägt nachweislich zu einer besseren psychischen Gesundheit und emotionalen Widerstandsfähigkeit von Kindern bei. Selbst einfache Aktivitäten sind wertvoll. - Foto: boggy22/iStock
Eines der besten Geschenke, die man Kindern machen kann, ist es, ihnen von klein auf eine Liebe zur Natur zu vermitteln. Doch dieses Geschenk wird immer seltener. Ein Bericht des Institute for Social Research der University of Michigan aus dem Jahr 2015 brachte eine beunruhigende Statistik ans Licht: Das durchschnittliche amerikanische Kind spielt nur 7 Minuten pro Tag unstrukturiert im Freien. Das ist ein Rückgang von 50 Prozent in nur 20 Jahren.
Dies ist aus vielen Gründen besorgniserregend.
Richard Louv schrieb in seinem Buch „Last Child in the Woods: Saving Our Children From Nature-Deficit Disorder“ („Das letzte Kind im Wald: Wie wir unsere Kinder vor dem Naturdefizit-Syndrom retten“): „Gerade in dem Moment, in dem die Bindung zwischen der Jugend und der Natur abbricht, belegt eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen einen direkten Zusammenhang zwischen unserer mentalen, physischen und spirituellen Gesundheit und unserer Beziehung zur Natur – und zwar auf positive Weise“.
Zeit in der Natur wurde mit besserer mentaler Gesundheit, mit gesteigerter Kreativität und Konzentration, einem stärkeren Immunsystem, besserer Herzgesundheit, verbessertem Schlaf und mehr körperlicher Bewegung in Verbindung gebracht. Kinder, die viel Zeit draußen verbringen, sind glücklicher, klüger und weniger ängstlich als Kinder, die überwiegend drinnen spielen. Danielle Cohen schrieb für das Child Mind Institute, dass das Spiel im Freien das Selbstvertrauen der Kinder, ihre Vorstellungskraft und die Motivation für körperliche Bewegung stärke.
Ein Blick in die Ordnung dieser Welt
Abgesehen von den physischen Vorteilen erhalten Kinder etwas Unfassbares, das jedoch ebenso wichtig ist: ein Gespür für die grundlegende Ordnung der Welt. Durch die Vertrautheit mit der Natur und eine Liebe zur wilden Natur lernen Kinder die Realitäten kennen, die der menschlichen Zivilisation zugrunde liegen.
Kinder, die viel Zeit in der Natur verbringen, verstehen intuitiv, wie die physische Welt funktioniert, und verfügen über feiner abgestimmte Sinne. Sie haben eine viszerale Begegnung mit dem sanften Streichen von Gras, hören das Trällern von Vogelgesang und das Fließen von Wasser. Sie spüren die rauen, harten Oberflächen von Steinen, Rinde und nackter Erde. All diese elementaren Dinge sind unsere Lebensquellen und die Rohmaterialien einer gesunden Vorstellungskraft.
Unstrukturiertes Spielen im Freien ermöglicht es Kindern, ihre Kreativität und ihre Problemlösungsfähigkeiten zu entwickeln.
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Gehen wir in die Natur
Ein einfacher und unterhaltsamer Weg, um Kinder wieder mit der natürlichen Welt in Kontakt zu bringen, sind Naturspaziergänge. Bei diesen langsamen, explorativen Streifzügen durch eine natürliche Umgebung werden Kinder ermutigt, Dinge aus der Natur zu bemerken, zu schätzen, zu entdecken und zu sammeln.
Naturspaziergänge können viele Formen annehmen. Der Schlüssel liegt darin, Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Lernen, Neugier und Staunen zu fördern. Man kann auch einen Feldführer für die lokale Flora und Fauna mitnehmen und sich auf einen benachbarten Fußweg zu begeben. Eltern und Kinder können dabei gemeinsam so viele Arten wie möglich identifizieren.
Ein „wahrnehmender“ Naturspaziergang ist besonders vorteilhaft, um Kinder darin zu trainieren, ihre Sinne voll auszuschöpfen, um die Welt um sie herum geduldig und aufmerksam aufzusaugen. Der Erwachsene sollte dem Kind Fragen stellen, während sie umherschlendern. Was siehst du? Was riechst du? Wie würdest du den Geruch beschreiben? Was hörst du? Was fühlst du?
Sinneserfahrungen in der Natur wie das Berühren von Gras oder Wasser oder Tierbeobachtungen fördern Neugier und kognitive Entwicklung.
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Für Kinder, die etwas mehr Anleitung oder Wettbewerb benötigen, um sich motiviert zu fühlen, ist eine Naturschnitzeljagd eine gute Option. Eine Liste mit spezifischen Gegenständen, die gefunden oder gesammelt werden sollen, kann das Erlebnis spannender machen.
Naturspaziergänge gehen natlos in Aktivitäten zu Hause über. Gegenstände, die in der Natur gesammelt wurden, können in einem Kunstprojekt oder einem Naturdiorama verwendet werden. Wenn Sie verschiedene Proben gesammelt haben, können Kinder diese dokumentieren und anschließend eine Ausstellung erstellen. Das Schöpfen von Teichwasser bei einem Spaziergang in der Natur eröffnet die Möglichkeit, die darin lebenden Mikroorganismen und Kleinstlebewesen später zu Hause unter der Lupe oder sogar unter dem Mikroskop genauer zu untersuchen. Das Verfassen einer Reflexion oder das Zeichnen eines Bildes oder einer Karte im Zusammenhang mit Naturspaziergängen ermutigt Kinder, ihre Erfahrungen zu verstehen.
Lebendige Erfahrungen in der Natur sind die Basis für einige wunderschöne Erinnerungen.
„Wir haben eine so kurze Gelegenheit, unsere Liebe zu dieser Erde an unsere Kinder weiterzugeben und unsere Geschichten zu erzählen“, schrieb Louv. „Das sind die Momente, in denen die Welt wieder heil wird. In den Erinnerungen meiner Kinder werden die Abenteuer, die wir zusammen in der Natur erlebt haben, immer existieren.“
In der Kindheit begonnene Aktivitäten im Freien können lebenslange Gewohnheiten prägen. Auch viele Erwachsene suchen weiterhin die Natur auf, um sich zu erholen oder zu vergnügen.
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Zusätzlich zum Schaffen schöner Erinnerungen helfen Naturspaziergänge dabei, eine schöne Zukunft aufzubauen. Einen Geschmack für das Draußen zu entwickeln, dient Kindern ihr ganzes Leben lang. In der Natur werden sie Schönheit und Frieden finden, zu denen sie als Zuflucht zurückkehren können, wenn das Leben schwierig wird. Wenn sie wachsen, können sie lernen, dem Beispiel des Agrarschriftstellers Wendell Berry zu folgen, der schrieb:
„Wenn Verzweiflung für die Welt in mir wächst […] gehe ich und lege mich dorthin, wo der Erpel in seiner Schönheit auf dem Wasser ruht und der große Reiher frisst. Ich trete ein in den Frieden der wilden Natur, die ihr Leben nicht mit der Vorahnung von Gram belastet. Ich trete in die Gegenwart von stillem Wasser. Und ich fühle über mir die tagesblinden Sterne, die mit ihrem Licht warten. Für eine Zeit ruhe ich in der Gnade der Welt und bin frei.“
Diese Art von meditativer, erholsamer Beziehung zur Natur entwickelt sich nicht spontan. Bei so vielen modernen Ablenkungen ist es für Kinder leicht, Frieden oder Trost in Gadgets, Essen und Unterhaltung zu suchen. Aber diese Dinge haben nicht die Heilkraft – für Körper und Seele –, die die Natur besitzt. Deshalb ist es ein großes Geschenk, Kinder durch wiederholte positive Erfahrungen an die Natur heranzuführen. Es ist der Beginn einer lebenslangen Liebesaffäre mit der Schöpfung.
Ölbasierte Kapseln mit fettreicher Mahlzeit eingenommen werden deutlich besser aufgenommen als trockene Tabletten auf nüchternen Magen. - Foto: pixura/iStock
Das Pigment, das Wildlachs seine rote Farbe verleiht, wird heute in Flaschen abgefüllt und als eines der stärksten Antioxidantien der Welt vermarktet. Die Aussage ist bemerkenswert, doch die wissenschaftliche Beweislage ist deutlich differenzierter.
Astaxanthin ist ein marines Carotinoid, das von Mikroalgen wie Haematococcus pluvialis gebildet wird und über die Nahrungskette von Krill und Garnelen bis hin zu Fischen wie Forellen und Lachs gelangt.
Die Wellnessbranche hat es aufgegriffen und bewirbt es als Antioxidans, das in Labortests angeblich 6.000-mal stärker als Vitamin C sein soll, verbunden mit Vorteilen wie glatterer Haut, besserem Sehvermögen, weniger Entzündungen und verbesserter Gehirngesundheit.
Als Wissenschaftlerin für klinische Ernährung halte ich die Forschungsergebnisse für interessant, sehe aber zugleich, dass Marketing die wissenschaftlichen Nuancen und die tatsächliche Datenlage beim Menschen häufig vereinfacht darstellt.
Die Wirkung hängt stark von der Aufnahme ab und variiert je nach Dosierung, Darreichungsform und der Frage, ob Astaxanthin über natürliche Lebensmittel oder als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt wird.
Lachs vs. Nahrungsergänzungsmittel
Die grundlegende Frage: Ist Wildlachs besser als ein Nahrungsergänzungsmittel für Astaxanthin?
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist eine hochwertige Vollwertnahrungsquelle für den menschlichen Körper überlegen.
Wildlachs, insbesondere Rotlachs, liefert Astaxanthin in einer synergistischen Matrix, die unsere Zellen erkennen, zusammen mit Omega-3-Fettsäuren, Eiweiß, Selen und anderen Nährstoffcofaktoren, die die Aufnahme unterstützen.
Omega-3-Fettsäuren helfen dabei, Astaxanthin besser aufzunehmen, da es fettlöslich ist, Protein unterstützt den Transport im Körper und Selen wirkt zusammen mit Astaxanthin für einen stärkeren antioxidativen Schutz.
Zuchtlachs aus dem Atlantik enthält in der Regel deutlich weniger Astaxanthin, was auf Unterschiede bei Futtermitteln und algenbasierten Zusatzstoffen zurückzuführen ist.
Weitere nützliche Nahrungsquellen sind Regenbogenforelle, Rotbrasse und Schalentiere wie Garnelen, Krill, Krabben und Krebse, wobei sich das Pigment bei Schalentieren hauptsächlich in der Schale und nicht im essbaren Fleisch konzentriert.
Natürliche Astaxanthinquellen: Regenbogenforelle, Rotbrasse und Schalentiere wie Garnelen, Krill und Krabben. Das Pigment steckt bei Schalentieren vor allem in der Schale.
Foto: ahirao_photo/iStock
Nahrungsergänzungsmittel hingegen können viel höhere und gezieltere Dosen liefern, oft 4 bis 12 Milligramm pro Tag, was über dem liegt, was die meisten Menschen aus ein paar Portionen Lachs erhalten. Doch die Aufnahme variiert erheblich von Person zu Person.
Astaxanthin ist eine fettlösliche Verbindung, daher hängt die Aufnahme von der Produktform und davon ab, ob man es zusammen mit Nahrungsfett einnimmt.
Forschungsergebnisse zeigen, dass ölbasierte Kapseln, die zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen werden, effektiver aufgenommen werden als trockene Tabletten auf nüchternen Magen.
Die Qualität der Marke und die Zusammensetzung sind wichtiger als das Wort „natürlich“ auf dem Etikett, obwohl das meiste Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich aus Haematococcus pluvialis, einer für den menschlichen Verzehr zugelassenen Mikroalge, gewonnen wird.
Wildlachs, eine der reichhaltigsten natürlichen Quellen für Astaxanthin, kann in einer typischen Portion mehrere Milligramm des Pigments liefern, was einer mittleren Dosis in Nahrungsergänzungsmitteln entspricht.
Der Verzehr von Wildlachs mehrmals pro Woche ist der ideale Weg, Astaxanthin aufzunehmen, da er reich an Proteinen und gesunden Fetten ist, was aber in der täglichen Ernährung schwer umzusetzen ist.
Nahrungsergänzungsmittel eignen sich am besten als praktische Ergänzung für diejenigen, die selten Fisch essen, und nicht als Ersatz für eine gute Mahlzeit.
Für den täglichen Gebrauch kosten hochwertige Astaxanthin-Nahrungsergänzungsmittel in der Regel etwa 20 bis 50 US-Dollar pro Monat für 4 bis 12 Milligramm pro Tag.
Unterstützung für Haut und Augen
Eine der am häufigsten geäußerten Behauptungen, die ich in meiner Arbeit höre, ist, dass Astaxanthin Falten glättet und der Haut einen strahlenden Teint verleiht.
Eine kontrollierte Studie am Menschen ergab, dass die Einnahme von 4 bis 12 Milligramm Astaxanthin pro Tag über acht bis 16 Wochen Hautrötungen durch UV-Sonneneinstrahlung reduziert, die Hautfeuchtigkeit verbessert und dazu beitragen kann, die Schutzbarriere der Haut zu stärken, obwohl es bei tiefen Falten kaum einen Unterschied macht.
Astaxanthin ist kein „Botox in Tablettenform“. Im besten Fall ist Astaxanthin ein unterstützendes Nahrungsergänzungsmittel, das zusätzlich zu Sonnenschutz, einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr eingenommen werden sollte.
Es wird tiefe Falten nicht beseitigen, kann aber dazu beitragen, die Hautgesundheit in eine bessere Richtung zu lenken.
Astaxanthin kann die Hautverjüngung unterstützen und bei Sonnenschäden helfen, ist jedoch kein kosmetischer Eingriff und kein Ersatz für grundlegende Hautpflege und eine gesunde Lebensweise.
Ähnlich bescheiden, aber realistisch, ist das Bild für die Augengesundheit.
Eine Übersichtsarbeit zu den Anwendungen von Astaxanthin in der Augenheilkunde zeigt, dass die tägliche Einnahme von etwa 4 bis 9 Milligramm in Form eines Nahrungsergänzungsmittels die Augen vor oxidativem Stress schützen und den Sehkomfort verbessern kann.
Besonders bei Erwachsenen, die viele Stunden vor Bildschirmen verbringen, konnte Astaxanthin die Symptome von Augenermüdung spürbar verringern.
Man kann es sich wie eine Schutzhülle oder eine Art von Komfort für die Netzhaut vorstellen, die gleichzeitig hilft, die Ermüdung der Augen zu verringern.
Es kann helfen, den Stress durch das ständige Starren auf Bildschirme den ganzen Tag über abzufedern, ersetzt jedoch keine angemessenen Bildschirmpausen, das Blinzeln oder eine Augenuntersuchung, wenn man unter Sehproblemen leidet.
Entzündungen und Herzgesundheit
Laborstudien zeigen, dass Astaxanthin schädliche freie Radikale wirksam neutralisiert, insbesondere im Fettgewebe, und seine antioxidative Wirkung in Reagenzglasversuchen kann weitaus höher erscheinen als die klassischer Antioxidantien wie Vitamin C.
Doch die vermarkteten Zahlen, wonach es „tausendmal stärker als Vitamin C“ sei, stammen aus chemischen Tests im Reagenzglas und lassen sich nicht direkt auf eine tausendfach stärkere Wirkung beim Menschen übertragen.
In Studien am Menschen sind die Belege bescheiden. Astaxanthin kann helfen, oxidativen Stress zu senken – was Antioxidantien tun – und Entzündungen zu reduzieren, aber die tatsächlich nachgewiesenen Vorteile sind meist gering und hängen von der Dosis, der Ernährung und dem Lebensstil ab.
Diese Studien deuten darauf hin, dass es hilft, wichtige Entzündungsmarker zu senken, mit kleinen Verbesserungen bei HDL-Cholesterin, Triglyceriden und dem diastolischen Blutdruck. Die Veränderungen bei LDL- und Gesamtcholesterin sind gering und nicht in allen Studien konsistent.
Es ist keine entzündungshemmende Pille und kein Statin zur Senkung des Cholesterinspiegels. Es mag helfen, Hintergrundentzündungen zu dämpfen und einige herzbezogene Marker in die richtige Richtung zu lenken, aber niemand sollte es anstelle von Medikamenten einnehmen, und es beseitigt nicht die Risiken einer ungesunden Ernährung oder chronischer Belastungen.
Eine Übersichtsarbeit zu marinen Carotinoiden stellte fest, dass die Form von Astaxanthin in Algen und Schalentieren dessen Stabilität und Resorption beeinflusst.
Für Nutzer von Nahrungsergänzungsmitteln kommt es vor allem darauf an, wie das Produkt hergestellt wird und ob es zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen wird. Denn Fett verbessert die Resorption erheblich, genau wie bei der natürlichen Aufnahme von Astaxanthin über den Verzehr von Meeresfrüchten, die im Allgemeinen reich an gesunden Fetten sind.
Gehirngesundheit
Der vielleicht überzeugendste neue Forschungsbereich bei Astaxanthin ist der der Neuroprotektion.
Eine Übersichtsarbeit zur Gehirnforschung zeigt, dass Astaxanthin eines der wenigen Antioxidantien ist, das die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann und dabei hilft, Gehirnzellen vor Schäden durch oxidativen Stress zu schützen.
Deshalb untersuchen Wissenschaftler es im Hinblick auf Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson.
Es gibt jedoch keine groß angelegten Langzeitstudien, die belegen, dass Astaxanthin Alzheimer oder einen starken kognitiven Verfall verhindert.
Derzeit ist es eher ein unterstützender, neuroprotektiver Nährstoff, der als Teil eines umfassenderen Behandlungsplans in Betracht gezogen werden sollte.
Der Hype um die antioxidative Wirkung von Astaxanthin ist real, aber ebenso real ist die Kluft zwischen dem, was die Wissenschaft belegt, und dem, was das Marketing suggeriert.
Das eigentliche Urteil hängt von der Qualität des Lachsfilets, der Dosierung und der Marke des Nahrungsergänzungsmittels sowie davon ab, wie Ihr Körper es aufnehmen kann – abhängig von Ihrem aktuellen Gesundheitszustand.
Lassen Sie sich nicht von übertriebenen Wirksamkeitsversprechen täuschen. Es handelt sich laut derzeitigen Erkenntnissen lediglich um einen unterstützenden Nährstoff als Teil einer gesunden Ernährung und Lebensweise.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Schon eine einzige De-novo-Variation kann Autismus auslösen – oft mit schweren Auswirkungen auf Entwicklung und Alltag. - Foto: Illustration by Lumi Liu
Drei Kinder wuchsen im selben Haushalt auf. Sie wurden von denselben Eltern erzogen und lebten in derselben Umgebung. Trotzdem entwickelten sich ihre Leben völlig unterschiedlich – offenbar aufgrund eines einzigen Gens.
Der älteste Bruder erreichte die frühen Entwicklungsmeilensteine problemlos und konnte bereits mit fünf Jahren lesen. Er hatte ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis für Autokennzeichen und war sehr schnell im Kopfrechnen.
Seine sozialen Schwierigkeiten wurden jedoch deutlich, sobald er eingeschult wurde. Er wirkte sozial unbeholfen, hatte nur wenige Freunde, verstand soziale Signale schlecht und hatte Stimmungsschwankungen.
Später erhielt er die Diagnose Asperger-Syndrom, das heute der Autismus-Spektrum-Störung zugeordnet wird.
Der jüngere Bruder entwickelte sich dagegen unauffällig und zeigte weder Anzeichen von Autismus noch andere Entwicklungsstörungen.
Die jüngere Schwester entwickelte hingegen Autismus in Verbindung mit einer geistigen Behinderung. Zwar erreichte sie als Kleinkind die motorischen Meilensteine früh, ihre Sprachentwicklung war jedoch stark verzögert.
Mit sieben Jahren musste sie die Schule verlassen und besuchte stattdessen tagsüber ein Krankenhausprogramm.
Im Alter von zwölf Jahren entsprach ihre geistige Leistungsfähigkeit der eines Kindes unter sechs Jahren. Sie konnte zwar etwas sprechen, machte dabei jedoch häufig Aussprachefehler.
Außerdem zeigte sie selbstverletzendes Verhalten, etwa indem sie ihren Kopf gegen Gegenstände schlug. Hinzu kam nächtliches Bettnässen.
Der entscheidende Unterschied zwischen den Geschwistern lag laut den französischen Forschern, die diesen ungewöhnlichen Fall untersuchten und in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichten, in der Anzahl der Kopien eines vererbten Gens namens SHANK3.
Die Fallstudie liefert weitere Einblicke in die komplexen genetischen Ursachen von Autismus, die laut derzeitigen Erkenntnissen für ungefähr 60 bis über 80 Prozent der Autismusfälle verantwortlich sind.
Joseph Buxbaum, Direktor des Seaver Forschungs- und Behandlungszentrums für Autismus an der medizinischen Fakultät Icahn du Mont Sinaï, sagte gegenüber The Epoch Times, dass Autismus eine starke genetische Komponente habe.
Gleichzeitig sei der Zusammenhang zwischen Autismus und der genetischen Ausstattung eines Menschen auf den ersten Blick nicht immer eindeutig erkennbar.
Zwei genetische Faktoren
De-novo-Mutationen
Zwei genetische Varianten wurden in Zusammenhang mit Autismus identifiziert: De-novo-Mutationen und polygene Variationen.
De-novo-Mutationen sind genetische Veränderungen, die spontan in der Eizelle oder im Spermium auftreten und nicht von einem Elternteil vererbt werden. Sie sind selten und verursachen nur einen geringen Anteil der Autismusfälle, haben jedoch tendenziell starke Auswirkungen auf die Betroffenen.
Eine einzige De-novo-Variation kann bereits ausreichen, um Autismus zu verursachen, und das Kind weist mit höherer Wahrscheinlichkeit schwerwiegende autistische Merkmale auf, wie einen niedrigeren IQ und einen erhöhten Betreuungsbedarf.
Polygenische Variationen sind weitaus häufigere Ursachen für Autismus und machen laut einer Studie bis zu 50 Prozent aller Autismusfälle aus. Sie sind jedoch in der Regel schwerer nachzuweisen, da vererbte Genvariationen oft Hunderte bis Tausende von Genen betreffen, von denen jedes einen winzigen Beitrag leistet.
Joseph Buxbaum ist Mitbegründer des Autismus-Sequenzierungskonsortiums, einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, die Autismus-Proben und -Daten austauschen.
Er sagte, dass vererbte Gene das Autismusrisiko nur subtil beeinflussen, ähnlich wie sie auch die Körpergröße mitbestimmen. Als Vergleich sagte er: „Ich habe einige häufige genetische Varianten für geringe Körpergröße, aber ich bin tatsächlich 1,95 m groß.“
Nicht jeder, der genetische Varianten erbt, die mit Autismus in Verbindung stehen, entwickelt zwangsläufig Autismus, da dies vom gesamten genetischen Erbgut der Person abhängt. Die Komplexität der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Genen ist der Grund, warum die Genetik des vererbten Autismus so rätselhaft sein kann.
Das Muster von Autismus in Familien liefert oft Hinweise darauf, welche Art von Genetik eine Rolle spielt. Sind mehrere Kinder betroffen, sind in der Regel vererbte Variationen verantwortlich.
Spezifische Gene
Mehr als hundert Gene wurden laut Studien stark mit einem erhöhten Autismusrisiko in Verbindung gebracht.
Das SHANK3-Gen
Diese Gene sind an der Bildung, Reifung und Kommunikation von Gehirnzellen beteiligt. Das SHANK3-Gen hilft bei der Bildung der Proteine, die an den Verbindungspunkten zwischen Neuronen beteiligt sind.
Wenn diese Verbindungen nicht richtig entstehen – sei es aufgrund zu weniger oder zu vieler SHANK3-Kopien – kann dies die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen beeinträchtigen.
Das SHANK3-Gen befindet sich auf Chromosom 22. Normalerweise erbt man zwei Kopien des Gens, eine von der Mutter und eine vom Vater. In der Geschichte der drei Kinder hatte der sich normal entwickelnde Bruder die üblichen zwei Genkopien.
Der ältere Bruder mit leichtem Autismus erbte zusätzlich zu den zwei normalen Kopien ein zusätzliches Stück von Chromosom 22, hatte also drei Kopien statt zwei. Die Schwester mit schwerem Autismus hatte aufgrund eines fehlenden Stücks von Chromosom 22 nur eine normale Kopie.
Ein weiteres Beispiel ist das CHD8-Gen, das reguliert, wie DNA in den Zellen verpackt wird, und damit beeinflusst, ob bestimmte Gene aktiviert werden.
Wenn eine Mutation im CHD8-Gen auftritt, kann dies verhindern, dass für die Entwicklung notwendige Gene aktiviert werden. Defekte in diesem Gen wurden in Untersuchungen mit Problemen beim Wachstum der Gehirnzellen in Verbindung gebracht.
Manche Autismus-Gene wirken eher indirekt. So führt beispielsweise die genetische Erkrankung Phenylketonurie dazu, dass das Kind die Aminosäure Phenylalanin nicht abbauen kann.
Kinder mit solchen Erkrankungen, die phenylalaninhaltige Lebensmittel zu sich nehmen, können toxische Konzentrationen entwickeln, die die Gehirnentwicklung schädigen und möglicherweise autismusähnliche Symptome verursachen.
Auch Umweltfaktoren beeinflussen das genetische Risiko. Zwar sammelt jeder im Laufe seines Lebens einige De-novo-Mutationen an, doch ältere Menschen, Raucher und Personen, die Strahlung und giftigen Chemikalien ausgesetzt sind, haben laut Studien ein höheres Risiko, mehr davon zu entwickeln.
Mit zunehmendem Alter der Eltern kann das Risiko steigen, ein Kind mit Autismus zu bekommen, da sich laut Untersuchungen in ihren Eizellen und Spermien tendenziell mehr De-novo-Mutationen ansammeln.
Schwerer genetischer Autismus ist möglicherweise behandelbar
Die Kenntnis der genetischen Defizite einer autistischen Person macht eine Behandlung möglich. Forscher haben herausgefunden, dass einige der schwerwiegenden Autismus-Symptome gemildert oder sogar rückgängig gemacht werden können.
„Wenn wir Menschen mit Autismus und einer erheblichen kognitiven Beeinträchtigung betrachten, liegt die Wahrscheinlichkeit, die zugrunde liegende Ursache durch Ganzgenomsequenzierung zu identifizieren, bei etwa 30 bis 35 Prozent“, sagte Dr. Christian Schaaf, medizinischer Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität Heidelberg und Entdecker des Schaaf-Yang-Syndroms, gegenüber The Epoch Times.
„Bei Menschen mit hochfunktionalem Autismus und ohne kognitive Beeinträchtigung liegt die Wahrscheinlichkeit, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, bei weniger als 10 Prozent.“
Genetische Untersuchungen seien daher für Kinder mit schwerem Autismus, der mit einer geistigen Behinderung einhergeht, hilfreicher als für diejenigen, die weniger Unterstützung benötigen, so Schaaf.
Die Idee, autistische Menschen zu behandeln, kann umstritten sein, insbesondere unter einigen Anhängern der Neurodiversitätsbewegung, die die Behandlung von Autismus als Beseitigung ihrer autistischen Merkmale betrachten, die ein wesentlicher Bestandteil ihrer Identität sind.
Allerdings sind Menschen, die kognitiv gesund und in der Lage sind, für sich selbst einzutreten, nicht die Zielgruppe der medizinischen Autismusbehandlung. Diese medizinischen Eingriffe dienen auch nicht dazu, ihre Neurodiversität zu beseitigen.
Vielmehr soll die Behandlung von Autismus das Leben von Patienten mit schwerem Autismus erleichtern, sagte Buxbaum.
„Es ist wichtig, immer klarzustellen, dass Autismus ein unglaublich, geradezu lächerlich breites Spektrum ist, und wenn wir über Behandlung und gen-gezielte Therapie sprechen, meinen wir damit nur schweren Autismus“, sagte Buxbaum.
„Wenn jemand im Spektrum ist, aber ein wenig Schwierigkeiten bei Vorstellungsgesprächen hat, weil er die sozialen Kompetenzen nicht so gut beherrscht, können wir ihm einen Job-Kurs anbieten, um ihm zu helfen, besser abzuschneiden – er braucht keine gen-gezielte Therapie.“
Gen-spezifische Therapien verfolgen verschiedene Ansätze. Der bekannteste beinhaltet die Veränderung des genetischen Codes einer Person.
Diese Therapien sind umstritten und können laut Studien in seltenen Fällen das Risiko bergen, negative genetische Veränderungen einzuführen und damit potenziell neue genetische Probleme zu verursachen.
Andere konservativere Therapieansätze
In den Fällen, in denen bei einem Kind ein defektes Gen und ein gesundes Gen identifiziert werden können, könnten Ärzte Medikamente einsetzen, um das gesunde Gen aktiver zu machen, was helfen kann, den Auswirkungen des defekten Gens entgegenzuwirken.
Ein solcher Ansatz ist nicht immer möglich, insbesondere wenn das Gen schwer anzusteuern ist oder wenn viele Gene beteiligt sind.
Alternativ können Forscher Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einsetzen, um nachgelagerte Folgen genetischer Defekte zu behandeln.
Wenn ein bestimmtes Gen nicht direkt therapierbar ist und dadurch ein wichtiger Nährstoff fehlt, kann dieser Mangel gezielt ausgeglichen werden. So lassen sich die Auswirkungen des Defekts zumindest teilweise kompensieren.
Schaafs Team demonstrierte dieses Prinzip an einem 4-jährigen Jungen, der in seiner Entwicklung Rückschritte machte. Er verlor seine Sprachfähigkeit und war aggressiv und unruhig.
Biochemische und genetische Tests zeigten, dass der Junge eine Mutation im TMLHE-Gen aufwies, die einen schweren Carnitinmangel verursacht hatte.
Durch die Gabe von Carnitin an das Kind kam der Rückschritt zum Stillstand, seine Sprachfähigkeiten verbesserten sich und er wurde ruhiger.
Andere ähnliche Erkrankungen
Eine laufende klinische Studie befasst sich mit dem Angelman-Syndrom, das Entwicklungsverzögerungen verursacht und oft mit Autismus in Verbindung gebracht wird.
Es wird in erster Linie durch einen Defekt oder das Fehlen des von der Mutter vererbten UBE3A-Gens verursacht.
Beim Angelman-Syndrom ist die väterliche UBE3A-Kopie im Gehirn inaktiv. Fehlt auch die mütterliche Kopie oder ist sie defekt, wird die Gehirnentwicklung gestört.
Foto: Rasi Bhadramani/iStock
Ein gesundes Kind erbt zwei Kopien des UBE3A-Gens, eine von jedem Elternteil. Beim Angelman-Syndrom schaltet sich jedoch während der Gehirnentwicklung die väterliche Kopie des Gens aus.
Wenn die Kopie des UBE3A-Gens der Mutter des Kindes fehlerhaft ist oder fehlt, führt dies zu einer abnormalen Gehirnentwicklung und zum Angelman-Syndrom.
Die noch laufende Studie zu Angelman zielt darauf ab, das Angelman-Syndrom durch die Zufuhr von Proteinen zu behandeln, die die väterliche Kopie des UBE3A-Gens aktivieren.
Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass Kinder, bei denen das UBE3A-Gen aktiviert wurde, deutliche Verbesserungen aufweisen.
„Das Wichtigste ist, dass sie Anzeichen für Verbesserungen in den Bereichen Kognition, Sprache und Alltagskompetenzen festgestellt haben“, sagte Buxbaum.
Verbesserungen in den kognitiven Fähigkeiten und im Sprachvermögen sind entscheidend für das Überleben der Kinder und der Grund, warum viele Kinder mit Autismus und geistigen Behinderungen ein Leben lang Pflege benötigen, fügte er hinzu.
In ähnlicher Weise zeigte auch eine andere Studie an Männern mit Fragile-X-Syndrom Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten. Menschen mit Fragile-X-Syndrom leiden unter Entwicklungsverzögerungen, einschließlich Lernbehinderungen, aufgrund unzureichender Konzentrationen eines Botenstoffs im Gehirn namens cAMP.
Die Forscher fanden heraus, dass eine Erhöhung der cAMP-Konzentrationen die kognitiven Fähigkeiten und das Verhalten der erwachsenen Teilnehmer verbesserte.
„Wenn diese Studien und einige andere Studien echte, positive Veränderungen zeigen, wird jeder anfangen, diese Art von Störungen als therapierbar anzusehen“, sagte Buxbaum.
Nicht das ganze Bild
Nicht alle Menschen mit Autismus haben zwangsläufig eine „einfache“ genetische Variation, die behandelt werden kann. Die meisten Menschen mit Autismus haben Hunderte oder sogar Tausende von Genvarianten.
Buxbaum glaubt, dass Wissenschaftler mit weiterer Forschung in der Lage sein könnten, die wichtigsten neurobiologischen Signalwege zu identifizieren, die Autismus antreiben. Daher ist es möglicherweise nicht notwendig, jede einzelne genetische Variante zu finden.
Wenn die Schlüsselwege identifiziert werden können, könnte man gezielt auf diese Wege einwirken, anstatt auf genetischer Ebene einzugreifen.
Allerdings erklärt die Genetik allein nicht das gesamte Bild des Autismus. Forschungsergebnisse schätzen, dass Gene für etwa 60 bis 80 Prozent der Autismusfälle verantwortlich sind.
Ein Teil der nicht identifizierten Prozent könnte auf Berechnungsfehler und eine unzureichende Stichprobengröße zurückzuführen sein, um neue Variationen zu erkennen, doch ein weiterer möglicher Grund ist die Umwelt.
Von den 1980er-Jahren bis heute ist die Prävalenz von Autismus stark von etwa 0,06 Prozent auf 3,2 Prozent gestiegen.
Ein Teil dieses Anstiegs lässt sich durch bessere Diagnosekriterien und vielleicht sogar eine Überschätzung der aktuellen Autismusraten erklären, aber nicht alles.
Die schwersten Fälle – tiefgreifender Autismus – haben laut den Daten der Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention von den 2000er-Jahren bis 2016 um etwa 70 Prozent zugenommen.
„Wenn die Raten so stark angestiegen sind, liegt es nicht an Veränderungen der Genhäufigkeit, also muss es etwas Umweltbedingtes oder Diagnostisches geben, das vermutlich gerade jetzt geschieht“, sagte Neil Risch, Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität von Kalifornien, San Francisco (UCSF), gegenüber The Epoch Times.
Die Wissenschaft steckt noch in den Kinderschuhen
Selbst unter eineiigen Zwillingen, die dieselbe Genetik teilen, gibt es Paare, bei denen einer Autismus hat und der andere nicht, was auf Umwelteinflüsse hindeutet, so Risch.
„Die Annahme in Zwillingsstudien ist, dass der Grad der gemeinsamen Umwelteinflüsse bei eineiigen und zweieiigen Zwillingen gleich ist, was möglicherweise nicht der Fall ist“, fügte er hinzu.
Im Mutterleib befindet sich jeder Zwilling auf einer anderen Seite, was zu unterschiedlichen Umwelteinflüssen im Mutterleib führen kann – vielleicht erhält ein Zwilling mehr Nährstoffe als der andere.
Ähnlich wie in der Parabel von dem Blinden und dem Elefanten offenbart die ausschließliche Konzentration auf die Genetik nur einen Teil der Geschichte des Autismus.
Über den genetischen Bauplan hinaus spielen auch Umweltfaktoren, der Zeitpunkt der Entwicklung und die individuelle Biologie eine Rolle – Themen, die in der folgenden Reihe untersucht werden.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Ameisenkuchen, Leopardenkuchen, Kalter Hund … auf der Suche nach Namen für ihre süßen Kreationen haben Bäcker auch vor der Tierwelt nicht Halt gemacht. Einer der farbenfrohsten ist jedoch der Papageikuchen.
Wie bei den anderen Süßspeisen sorgten zum Glück nicht die Zutaten, sondern das Aussehen für die Namensgebung. Erzeugt werden die Farben des Papageikuchens durch verschiedenfarbige Grütze in Pulverform. Der praktische Nebeneffekt: Die Grütze bringt nicht nur Farbe, sondern gleichzeitig auch unterschiedliche Geschmacksrichtungen mit sich.
Besonders für Kinder ist der bunte Kuchen bestens geeignet – auch ich war in meiner Kindheit verrückt danach. Noch heute ist der tierisch leckere Kuchen bei mir mit zahlreichen Familienfesten und kulinarischen Erinnerungen an die DDR verbunden. Letzteres spiegelt sich in seinen wenigen Zutaten und der einfachen, schnellen Zubereitung wider.
Butter auf niedrigster Stufe in einem Topf schmelzen.
Mehl, Zucker und Backpulver in einer Schüssel mischen. Anschließend Eier, flüssige Butter und saure Sahne zugeben und alles miteinander verrühren, bis ein glatter Teig entsteht.
Den Grundteig in fünf gleichgroße Portionen teilen. In je eine Schüssel den Kakao, den Vanillepudding und die drei verschiedenen Grützen unterrühren.
Backform fetten und die verschiedenfarbigen Teige klecksweise in die Form geben.
Im vorgeheizten Ofen bei 160 Grad Celsius Ober-/Unterhitze 45 Minuten lang backen. Stäbchenprobe machen.
Den noch heißen Kuchen mit etwas Butter bestreichen. Danach vollständig abkühlen lassen und aus der Form nehmen.
Sogenannte Dark Patterns tragen dazu bei, dass Klein – und Groß – bestimmte Apps und Geräte nur schwer beiseitelegen können. Wer die Mechanismen kennt, kann bewusst gegensteuern. - Foto: Kirill Greshnov/iStock
In Kürze:
Apps und Spiele verwenden gezieltes Design, um Nutzer länger zu binden, ohne dass es auf den ersten Blick zu erkennen ist.
Kinder sind besonders anfällig: Ihre Fähigkeit zur Selbstregulation ist noch nicht ausgereift.
Free-to-Play-Spiele und soziale Netzwerke setzen auf psychologische Mechanismen mitSuchtpotenzial.
Mit dem richtigen Wissen können Eltern gegensteuern, ohne ihren Kindern Medien grundsätzlich zu verbieten.
Es ist ein Konflikt, den viele Familien kennen: Das Kind sitzt vor dem Tablet, die vereinbarte Zeit ist längst vorbei und trotzdem legt es das Gerät nicht aus der Hand. Um gegenzusteuern, ist es hilfreich, zu verstehen, dass hinter diesem Verhalten oft keine bloße Trotzreaktion steckt, sondern digitale Mechanismen.
Derartige zielgerichtete Wirkweisen haben einen Namen, es handelt sich um sogenannte „Dark Patterns“ (verborgene Muster). Das sind manipulative Gestaltungselemente in Apps, Spielen, sozialen Medien und Mediatheken. Sie sollen Nutzer dazu bringen, länger auf der Plattform zu verweilen, weiterzuklicken oder Entscheidungen im Interesse der Anbieter zu treffen.
Oft sind diese kaum sichtbar, weil sie direkt in das Design eingebettet sind: auffällige Buttons, die zum Weitermachen animieren, auf der einen Seite, und schwer auffindbare „Beenden“-Optionen auf der anderen. Auch automatische Wiedergaben oder scheinbar endlose Inhalte gehören dazu.
Die Psychologie des Nicht-Aufhören-Könnens
Auffällige Reaktionen beim Abschalten, etwa Gereiztheit oder Unruhe, können auf problematische Nutzungsgewohnheiten hinweisen. Die technische Gestaltung allein erklärt jedoch nicht die starke Bindungswirkung der digitalen Medien.
Hinzu kommt das Gefühl, ständig etwas zu verpassen, bekannt als „Fear of Missing Out“ (FOMO). Entscheidend ist dabei weniger der einzelne Inhalt als die permanente Reizfolge: Neue Clips, Likes oder Belohnungen erscheinen in schneller Taktung und aktivieren immer wieder das Belohnungssystem des Gehirns, mit einem Gewöhnungseffekt, der suchtähnliche Züge annehmen kann.
Hinter vielen dieser Mechanismen steckt ein wirtschaftliches Interesse. Sogenannte Free-to-Play-Spiele (FTP) starten kostenlos, werden aber oft durch In-Game-Käufe finanziert. Belohnungssysteme motivieren Nutzer zur regelmäßigen Rückkehr, das sind sogenannte „Time Patterns“. Zugleich lösen versteckte Kaufanreize, etwa Buttons, im Spielfluss kostenpflichtige Aktionen aus, während sie kaum als solche erkennbar sind. Hier wirken Begriffe wie „freischalten“ oder „Upgrade“ nicht wie ein Bezahlvorgang und die Entscheidungen werden impulsiv getroffen.
Treffen Kinder diese Entscheidungen, kommt eine rechtliche Besonderheit zum Tragen hinzu: Minderjährige sind in Deutschland nur beschränkt geschäftsfähig, sodass kostenpflichtige Verträge grundsätzlich der elterlichen Zustimmung bedürfen. Zwar gibt es mit dem sogenannten „Taschengeldparagrafen“ eine Ausnahme, doch diese greift nur unter bestimmten Bedingungen.
In der Praxis entsteht daraus ein Graubereich: Problematisch wird es, wenn Zahlungsdaten bereits auf dem Gerät gespeichert sind. Dann reichen oft wenige Klicks für einen Kauf – auch durch Kinder. Anbieter berufen sich darauf, dass der Vorgang technisch bestätigt wurde. Für Familien ist es dann schwierig, solche Käufe rückgängig zu machen, auch wenn sie rechtlich anfechtbar sind.
Zwischen Komfort und Manipulation
Diese Mechanismen sind keine Zufallsentwicklungen, sie nutzen gezielt menschliche Wahrnehmung und Verhaltensmuster aus. Kinder und Jugendliche seien für solche Strategien besonders anfällig, warnt die Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht“. Ihnen fehle die Erfahrung, zu durchschauen, dass sie gezielt gelenkt werden. Zudem ist ihre Fähigkeit zur Selbstregulation noch nicht vollständig entwickelt. Aber auch Ältere sind gefährdet.
Die Folgen können gravierend sein: Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafprobleme, Reizüberflutung und ein zunehmender Kontrollverlust im Umgang mit Medien. Vor allem bei den Jüngeren besteht die Gefahr, dass sich Gewohnheiten festigen, die später nur schwer zu verändern sind. Rechtlich sind solche Praktiken in der EU bereits im Blick: Europäische Regelwerke zielen darauf ab, manipulative Gestaltungspraktiken zu unterbinden, die Transparenz gegenüber Nutzern zu stärken und besonders schutzbedürftige Gruppen – darunter Minderjährige – besser abzusichern.
Doch problematisch sind nicht nur versteckte Kostenfallen, sondern auch viele alltägliche Designentscheidungen bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Wenn die Option „Weiter“ groß und farblich hervorgehoben ist, während „Abbrechen“ klein und unauffällig bleibt, besteht formal eine Wahl – praktisch wird sie jedoch stark gelenkt. Dasselbe gilt für Cookie-Banner: Akzeptieren geht oft mit einem Klick, Ablehnen erfordert mehrere Schritte. Sie täuschen nicht offen, lenken aber subtil, was sie juristisch außerordentlich schwer greifbar macht.
Warum Kinder in die Falle tappen
Ein weiteres plastisches Beispiel ist die Schwierigkeit, Streaming-Angebote für Kinder überhaupt zu verlassen: Statt eines klaren „Aus“-Knopfes werden weitere Inhalte vorgeschlagen oder Pop-ups eingeblendet, die den Ausstieg systematisch erschweren – so weit, dass sogar manch Erwachsener aufgibt.
Gerade weil Kinder solche Funktionsweisen kaum erkennen können, kommt den Eltern eine wichtige Rolle zu. Dafür ist es entscheidend, manipulative Gestaltung zunächst selbst zu entschlüsseln. Oft hilft bereits ein einfacher Test, eine App oder Plattform bewusst zu verlassen. Daneben ist es sinnvoll, Kinder bei der Mediennutzung bewusst zu begleiten und gemeinsam gezielt auf bestimmte Muster zu achten, um gezielt zu sensibilisieren.
In beiden Fällen stellen sich dieselben Fragen: Wie viele Schritte sind tatsächlich nötig, um ein Video zu beenden? Startet automatisch ein neuer Inhalt? Werden große, farbige Buttons hervorgehoben, während die Option zum Beenden eher unscheinbar bleibt? Auf diese Weise entwickeln Sie schrittweise ein bewussteres Verständnis für digitale Angebote – für Sie selbst und für Ihre Kinder.
Kinder stark machen: kleine Hebel, große Wirkung
Im Alltag hilft es, die Komfortfunktion gezielt zu deaktivieren. Das ist nicht immer möglich, automatische Wiedergabe ist hier jedoch oft eine Ausnahme. Medienpädagogische Stellen empfehlen zudem klare Zeitregeln, gemeinsame Medienzeiten und regelmäßige Gespräche über Inhalte und digitale Mechanismen. So können Kinder lernen, dass Apps und Spiele nicht neutral sind, sondern Ziele verfolgen.
Neben festen Bildschirmzeiten – und deren konsequenter Einhaltung – sind auch bewusste Offline-Phasen hilfreich. Ebenso wichtig ist es, auf Veränderungen im Verhalten zu achten: Rückzug, Reizbarkeit oder Schlafprobleme können Hinweise auf eine problematische Nutzung sein.
Medien zu verbieten, kann nicht das Ziel sein, denn Verbotenes lockt. Entscheidend ist, die Risiken zu kennen. Wer die Mechanismen hinter scheinbar harmlosen Angeboten versteht, kann Kinder dabei unterstützen, digitale Medien bewusst zu nutzen, als Werkzeug und zur zeitlich begrenzten Unterhaltung.
Denn was kein Algorithmus ersetzen kann, sind echte Begegnungen, freies Spiel und sinnliche Erlebnisse außerhalb der Zweidimensionalität des Bildschirms. Eben das sind die erfüllenden und existenziellen Erfahrungen, die für die Entwicklung des Kindes und sein persönliches Glück unverzichtbar sind.