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Manipulation im Alltag – Teil 2


In Kürze:

  • Eltern motivieren ihre Kinder, Lehrer versuchen, Lernverhalten zu fördern, und Verkäufer möchten verkaufen. Manipulation ist allgegenwärtig und nicht immer ein negatives Verhalten.
  • Manipulation funktioniert nicht, weil Menschen naiv sind, sondern, weil unser Gehirn auf Vertrauen, Kooperation und soziale Verbundenheit ausgerichtet ist.
  • Der wichtigste Schutz besteht nicht darin, jedem zu misstrauen. Viel hilfreicher ist die Bereitschaft, das eigene Erleben regelmäßig zu hinterfragen.

 
Im ersten Teil habe ich erklärt, warum unser Gehirn beeinflussbar ist, Manipulation selten mit einer großen Täuschung beginnt und auch intelligente Menschen nicht vor ihr gefeit sind.
Um es in aller Kürze zusammenzufassen: Manipulation folgt selten einem Zufallsprinzip. Vielmehr bedient sie sich psychologischer Mechanismen, die tief in unserem Verhalten verankert sind. Je subtiler diese Techniken eingesetzt werden, desto schwieriger sind sie zu erkennen. Genau darum geht es im Folgenden.

Das Prinzip der Gegenseitigkeit

Eine der stärksten sozialen Regeln lautet: Wer etwas bekommt, möchte etwas zurückgeben. Dieses Prinzip der Reziprozität gehört zu den Grundpfeilern menschlichen Zusammenlebens. Im Alltag erleben wir dies ständig.
Ein Kollege übernimmt eine Aufgabe für uns und wir fühlen uns verpflichtet, ihm später ebenfalls einen Gefallen zu tun. Ein Verkäufer bietet eine kostenlose Kostprobe an. Kurz darauf steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas kaufen.
Manipulation beginnt dort, wo Gefälligkeiten nicht aus Hilfsbereitschaft erfolgen, sondern ausschließlich dazu dienen, eine spätere Verpflichtung zu erzeugen. Das schlechte Gewissen übernimmt dann die eigentliche Überzeugungsarbeit.

Kleine Schritte mit großer Wirkung

Menschen stimmen kleinen Bitten deutlich häufiger zu als großen Forderungen. Wer bereits einmal „Ja“ gesagt hat, möchte dieses Bild von sich selbst aufrechterhalten.
Ein klassisches Beispiel: Zunächst bittet jemand lediglich um 5 Minuten Hilfe. Wenig später werden daraus 20 Minuten. Schließlich übernimmt man ein ganzes Projekt.
Jede einzelne Bitte erscheint harmlos. Erst im Rückblick wird deutlich, wie weit man sich von der ursprünglichen Situation entfernt hat. Verhaltensanalytiker beobachten dieses Muster nicht nur im Berufsleben, sondern auch in Partnerschaften und Freundschaften.

Wer einmal Hilfe zugesichert hat, will sie oft nicht zurückziehen und hilft immer wieder. Das kann von manipulativen Menschen gezielt ausgenutzt werden.

Foto: Tatsiana Volkava/iStock

Schuld als Druckmittel

Schuldgefühle gehören zu den stärksten menschlichen Emotionen. Sie dienen eigentlich dazu, Beziehungen zu stabilisieren und Verantwortung zu übernehmen. Manipulative Menschen nutzen Schuld jedoch gezielt.
Sätze wie „Nach allem, was ich für dich getan habe …“, „Wenn du mich wirklich lieben würdest …“ und „Ich hätte das für dich sofort gemacht“ zielen nicht auf einen sachlichen Austausch, sondern auf emotionalen Druck.
Plötzlich steht nicht mehr die eigentliche Frage im Mittelpunkt, sondern das Bedürfnis, das unangenehme Schuldgefühl möglichst schnell zu beenden.

Wenn die eigene Wahrnehmung infrage gestellt wird

Besonders belastend ist eine Form der Manipulation, bei der Menschen beginnen, ihrer eigenen Wahrnehmung zu misstrauen. Typische Aussagen sind: „Das habe ich nie gesagt“, „Du bildest dir das nur ein“, „Du bist viel zu empfindlich“ oder „Das hast du völlig falsch verstanden“.
Einzelne dieser Aussagen müssen noch keine bewusste Manipulation darstellen. Missverständnisse gehören zu jeder Beziehung. Problematisch wird es, wenn solche Reaktionen systematisch auftreten und die betroffene Person zunehmend an ihrem Gedächtnis, ihren Gefühlen oder ihrer Wahrnehmung zweifelt.
Das Ziel besteht nicht immer darin, die Realität vollständig umzuschreiben. Häufig genügt bereits die Verunsicherung des Gegenübers.

Fallen häufig Sätze wie „Das habe ich nie gesagt“, kann das Betroffene nachdenklich machen und sie an ihrer Wahrnehmung zweifeln lassen.

Foto: PeopleImages/iStock

Die Macht der Verknappung

Was knapp ist, erscheint wertvoll. Dieser psychologische Effekt begegnet uns täglich. „Nur noch heute erhältlich.“ – „Nur noch zwei Plätze frei.“ – „Dieses Angebot endet in wenigen Stunden.“
Selbst wenn wir das Produkt ursprünglich gar nicht kaufen wollten, entsteht plötzlich das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Die Angst vor Verlust beeinflusst unser Verhalten oft stärker als die Aussicht auf einen Gewinn.
Psychologen sprechen hier von der Verlustaversion. Menschen empfinden einen möglichen Verlust emotional intensiver als einen gleich großen Gewinn.

Manipulation in Beziehungen

Manipulation beginnt selten mit Kontrolle. Sie beginnt mit Aufmerksamkeit, mit Verständnis, mit dem Gefühl, endlich jemanden gefunden zu haben, der einen vollständig versteht.
Gerade zu Beginn einer Beziehung entsteht häufig eine intensive emotionale Nähe. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Nähe später dazu genutzt wird, Abhängigkeiten entstehen zu lassen.
Nach und nach werden Kontakte zu Freunden infrage gestellt. Eigene Interessen verlieren an Bedeutung. Entscheidungen werden zunehmend vom Partner beeinflusst. Nicht selten geschieht dies schleichend über Monate oder Jahre. Die Betroffenen bemerken die Veränderung oft erst, wenn Außenstehende darauf aufmerksam machen.

Glückliche Beziehungen sind gut, doch klammert der Partner zu stark und hat man das Gefühl, eingeengt zu werden, ist Obacht geboten.

Foto: PeopleImages/iStock

Manipulation am Arbeitsplatz

Auch im Berufsleben gehören manipulative Strategien zum Alltag. Da werden Verantwortlichkeiten bewusst unklar formuliert. Lob wird gezielt eingesetzt, um zusätzliche Leistung zu erhalten. Informationen werden zurückgehalten, um Machtpositionen zu sichern. Oder Mitarbeiter werden gegeneinander ausgespielt.
Besonders kritisch wird es, wenn Führungskräfte Unsicherheit erzeugen, um Kontrolle auszuüben. Ein dauerhaftes Klima aus Angst und Unberechenbarkeit führt dazu, dass Menschen ihre Entscheidungen zunehmend an den Erwartungen anderer ausrichten. Eigenverantwortliches Denken nimmt ab.

Die digitale Bühne der Beeinflussung

Noch nie war es so einfach, Aufmerksamkeit zu steuern, wie heute. Soziale Medien belohnen Inhalte, die starke Emotionen auslösen. Empörung verbreitet sich schneller als Sachlichkeit. Angst erreicht mehr Menschen als Gelassenheit.
Je emotionaler eine Botschaft formuliert ist, desto häufiger wird sie geteilt. Hinzu kommen Algorithmen, die bevorzugt Inhalte anzeigen, die unsere bisherigen Überzeugungen bestätigen. Dadurch entstehen sogenannte Echokammern.
Menschen begegnen darin immer seltener widersprüchlichen Informationen und halten ihre eigene Sichtweise zunehmend für die einzig richtige. Manipulation benötigt unter diesen Bedingungen kaum noch direkten Kontakt. Sie verbreitet sich über Wiederholung, Gruppenzugehörigkeit und emotionale Aktivierung.

In Zeiten der sozialen Medien ist es einfacher, Menschen zu manipulieren.

Foto: Robert Way/iStock

Wie wir Manipulation erkennen können

Der wichtigste Schutz besteht nicht darin, jedem Menschen zu misstrauen. Viel hilfreicher ist die Bereitschaft, das eigene Erleben regelmäßig zu hinterfragen. Fragen Sie sich beispielsweise:
  • Treffe ich diese Entscheidung wirklich freiwillig?
  • Entsteht gerade Druck oder Angst?
  • Darf ich auch „Nein“ sagen, ohne Schuldgefühle zu bekommen?
  • Werden meine Gefühle ernst genommen oder ständig abgewertet?
  • Erhalte ich vollständige Informationen oder nur ausgewählte Ausschnitte?
Wer sich solche Fragen regelmäßig stellt, entwickelt mit der Zeit ein feineres Gespür für manipulative Dynamiken.

Selbstbewusstsein statt Gegenmanipulation

Viele Menschen glauben, sie müssten Manipulation mit denselben Mitteln beantworten. Das Gegenteil ist meist sinnvoller, und zwar klare Kommunikation, ruhige Nachfragen, Zeit zum Nachdenken, Benennung eigener Grenzen.
Ein respektvoll ausgesprochenes „Nein“ ist häufig der wirksamste Schutz. Manipulation verliert an Kraft, wenn sie nicht mehr automatisch die gewünschte Reaktion auslöst.
Abgrenzung lernen: Warum Nein-Sagen so schwer fällt

„Nein“ klingt im ersten Moment nach Ablehnung, Konflikt oder Schuld, dabei kann es Ausdruck von Selbstbewusstsein sein.

Foto: Pict Rider/iStock

Das Fazit

Manipulation gehört zum menschlichen Zusammenleben. Sie beginnt nicht erst bei spektakulären Täuschungen oder offensichtlichen Lügen. Oft zeigt sie sich in kleinen Formulierungen, subtilen Andeutungen oder geschickt eingesetzten Emotionen. Gerade deshalb bleibt sie häufig unbemerkt.
Als Verhaltenstherapeut begegne ich immer wieder Menschen, die glauben, sie seien „einfach zu gutgläubig“ gewesen. Diese Einschätzung greift jedoch zu kurz. Manipulation funktioniert nicht deshalb, weil Menschen naiv sind. Sie funktioniert, weil unser Gehirn auf Vertrauen, Kooperation und soziale Verbundenheit ausgerichtet ist. Genau diese Eigenschaften machen unser Zusammenleben möglich – und genau sie können missbraucht werden.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir manipulierbar sind. Das sind wir alle. Entscheidend ist vielmehr, wie bewusst wir unsere Entscheidungen treffen. Wer lernt, Emotionen von Fakten zu unterscheiden, sich Zeit für wichtige Entscheidungen nimmt und den Mut entwickelt, auch einmal höflich, aber bestimmt „Nein“ zu sagen, entzieht manipulativen Strategien einen großen Teil ihrer Wirkung.
Die größte Stärke gegenüber Manipulation liegt nicht im Misstrauen gegenüber anderen, sondern in einem klaren Vertrauen in die eigene Wahrnehmung – verbunden mit der Bereitschaft, diese immer wieder kritisch zu überprüfen. Denn wer sich seiner selbst bewusst ist, wird schwieriger lenkbar. Und genau darin liegt die wirksamste Form psychologischer Selbstbestimmung.
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Frische Kräuter den ganzen Sommer lang

Es ist ausgerechnet die goldene Regel der Immobilienbranche, die sich als das große Geheimnis für den erfolgreichen Anbau zahlreicher Kräuter entpuppt. Über die heißen Sommermonate hinweg bis in den Herbst hinein geht es hauptsächlich um eins: Lage, Lage, Lage.
Wählen Sie den bestmöglichen Standort für Ihre Pflanzen und berücksichtigen Sie dabei das Klima Ihrer Region. Üppiges Basilikum, aromatischer Thymian, wunderbare Minze und andere Kräuter benötigen in Regionen mit anhaltender Hitze und intensiver Nachmittagssonne während der heißesten Sommermonate Schutz.
Selbst sonnenliebende Kräuter, die normalerweise 8 oder mehr Stunden Sonne pro Tag bevorzugen – wie Rosmarin, Basilikum, Thymian und Oregano –, kommen in wärmeren Klimazonen mit 6 Stunden aus.
Ebenso gedeihen halbschattige Kräuter, die in kühleren Monaten oder Regionen 6 Stunden Sonne benötigen – wie Minze, Koriander, Dill, Petersilie und Schnittlauch –, in wärmeren Regionen auch mit 3 Stunden Sonne täglich. Planen Sie entsprechend.

Beet oder Mobilhome?

Bestimmte Pflanzgefäße – groß genug für mehrere Pflanzen, klein genug zum Umstellen – eignen sich hervorragend, um die Sonneneinstrahlung manuell zu regulieren. Dies ist besonders hilfreich, wenn die Pflanzen Anzeichen von Sonnenbrand zeigen – erkennbar an gebleichten, weißen, gelben oder braun gekräuselten Flecken auf den sonnenzugewandten Blättern.
Beachten Sie, dass Pflanzen im Kübel mehr Wasser benötigen als im Freiland. Empfindliche Stauden (wie Rosmarin und Zitronengras) gedeihen besonders gut in Kübeln, weil sie so zum Überwintern ins Haus geholt werden können, ohne ihre Wurzeln zu beschädigen.
Eine beliebte Methode zum Schutz von Kräutern im Beet oder in einem großen Topf ist der Einsatz von Beschattungsnetzen. Dennoch können die Pflanzen so mit ausreichend Licht versorgt werden. Für die Mittagssonne wird allgemein ein Beschattungsnetz mit 30 bis 50 Prozent Lichtdurchlässigkeit empfohlen.
Für Menschen mit knappem Budget hat sich als Alternative bewährt, während der heißesten Stunden des Tages ein Laken über die Pflanzen zu legen oder einen Sonnenschirm aufzuspannen.
Oder Sie pflanzen ihre Kräuter gleich im Halbschatten an. Dort spenden die Bäume – je nach Blattdichte – mehr oder weniger viel Schatten.

Favoriten des Sommers

Sowohl Thymian als auch Zitronenthymian gedeihen prächtig in voller Sonne. Sie eignen sich zudem hervorragend als Bodendecker.
Sehr beliebt ist hierzulande das Genoveser Basilikum. Es ist ein fester Bestandteil in einem Caprese-Salat (Tomate-Mozzarella) und harmoniert besonders mit frischen, sonnengereifte Tomaten aus dem Garten. Allerdings benötigt dieses Basilikum etwas Schutz.
Wenn Sie wenig Zeit zum Gärtnern haben und pfeffrige Aromen mögen, greifen Sie lieber zum hitzebeständigeren Thai-Basilikum oder zum nelkenartigen Heiligen Basilikum (Tulsi), das traditionell in ganzheitlichen Heiltees verwendet wird.
Oregano stammt aus dem trockenen, heißen Mittelmeerraum und breitet sich leicht aus. Majoran, ein hervorragender Oregano-Ersatz, ist eine weitere hitzebeständige Option, die regelmäßig zurückgeschnitten werden sollte, damit ihre Stängel krautig bleiben und nicht verholzen.
Obwohl er kein echter Oregano ist, zählt der großblättrige, würzige, kubanische Oregano zu den robustesten Kräutern überhaupt. Er gedeiht am besten, wenn man ihn weitgehend sich selbst überlässt und regelmäßig erntet.
Rosmarin und Salbei eignen sich nicht nur hervorragend für einen Festtagsbraten, sie benötigen auch nur wenig Wasser zum Gedeihen. Dafür reagieren sie recht empfindlich auf Staunässe. Damit sie jung und ertragreich bleiben, sollten Sie diese beiden Kräuter regelmäßig ernten.
Tropisches Zitronengras, das auch als sommerliches Ziergras genutzt werden kann, bietet neben kulinarischen Vorzügen auch einen gewissen Schutz vor Insekten. Zitronengras wächst auch in Deutschland, am besten auf Sandböden, muss aber frostfrei überwintert werden.
Es bevorzugt gleichmäßige Feuchtigkeit, daher empfiehlt sich die Installation einer Bewässerungsanlage oder die Pflanzung neben einem Rasen mit Sprinkleranlage.
Gärtner mit begrenztem Platz werden feststellen, dass die meisten Kräuter gut als Randbepflanzung oder in Blumenbeeten gedeihen und natürlich auch als Begleitpflanzen für Gemüse.

Schattenfreunde

Minze ist ein fester Bestandteil erfrischender Sommergetränke wie Eistee. Hier kann alles verwendet werden: von der klassischen Krauseminze und der Pfefferminze bis hin zu den zahlreichen Exoten aus dem Online- oder Gartenhandel mit Aromen von Orange, Schokolade, Apfel, Ananas, Mojito und Banane.
Ein nach Osten ausgerichteter Standort am Haus oder Zaun ist ideal, da die Pflanzen dort die Morgensonne genießen können, den Rest des Tages aber geschützt sind. In warmen Klimazonen sollten sie zwischen 13 und 16 Uhr nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
Grüne Minze (Spearmint), Pfefferminze, Apfelminze, Schokoladenminze und die leicht blumige Marokkanische Minze (Nana-Minze) sind in der Regel hitzebeständiger. Ihre Verwandten, Zitronenmelisse und Katzenminze, gedeihen bei ausreichender Bewässerung ebenfalls gut.
Schnittlauch, mit seinem leichten Zwiebelaroma und den essbaren violetten Blüten, sowie Knoblauchschnittlauch mit seinen flacheren Blättern, dem knoblauchartigen Duft und den essbaren weißen Blüten gedeihen bereits gut mit nur 3 Stunden Morgensonne pro Tag. Halten Sie Ihren Schnittlauch gut feucht und ernten Sie die Blätter regelmäßig.
Koriander ist zwar eine wichtige Zutat in exotischen Küchen weltweit, verträgt allerdings keine hohen Temperaturen. Die Lösung? Wählen Sie eine spätblühende, schossfeste Sorte wie Calypso oder Delfino und planen Sie eine gestaffelte Aussaat, indem Sie die Setzlinge im Haus vorziehen und erst nach Bedarf ins Freiland setzen.
Es gibt auch spätblühende, hitzebeständige Dillsorten wie Bouquet-Dill und Farnblatt-Dill. Glatte Petersilie übersteht einen heißen Sommer besser als krause Sorten.

Die letzte Ernte

Lassen Sie einige Pflanzen aussamen und bewahren Sie die Samen an einem kühlen, trockenen Ort für die Aussaat im nächsten Jahr auf. Bedenken Sie dabei: Hybriden, wie zum Beispiel schossfeste Sorten, vermehren sich möglicherweise nicht sortenecht.
Betrachten Sie die Samenaufbewahrung daher eher als ein kleines Experiment und vergessen Sie nicht, Stecklinge zu schneiden – für einen kleinen Kräutergarten auf der Fensterbank in der Küche.

Eiszeit, frische und frostige Kälte

Aromatisierte und dekorative Eiswürfel für Getränke können Sie mit ein paar Blättchen Minze, Zitronenmelisse oder anderen Kräutern herstellen. Ihre Kinder werden begeistert sein.
Basilikum, Minze und andere Kräuter mit weichen Stielen können im Kühlschrank bis zu einer Woche lang in einem Glas Wasser aufbewahrt werden. Rosmarin, Salbei und Thymian sollten eher in ein feuchtes Papiertuch gewickelt und in einem wiederverschließbaren Gefrierbeutel gelagert werden.
Alternativ lassen sich Kräuter auch flach ausgebreitet auf einem Teller im Gefrierschrank vorfrieren und anschließend in Gefrierbeuteln für einige Monate aufbewahren.
Kräuter und Blüten in Ice. Foto: Manuta/iStock

Kräuter und Blüten in Ice.

Foto: Manuta/iStock

Gewollte Dürre

Jahrhundertelang wurden Kräuter haltbar gemacht, indem man sie kopfüber zum Trocknen aufhing. Nachdem sie vollständig getrocknet sind, können sie in Gläser oder luftdurchlässige Beutel umgefüllt und aufbewahrt werden.
Alternativ kann man auch ein mehrstufiges Trockengestell verwenden. Für schnellere Ergebnisse und größere Mengen eignen sich ein Dörrgerät oder die Mikrowelle.
Aromatische Kräuter aus dem Garten trocknen an der Luft. Foto: ValentynVolkov/iStock

Aromatische Kräuter aus dem Garten trocknen an der Luft.

Foto: ValentynVolkov/iStock

Feine Kräuterküche

Mit frischen oder getrockneten Kräutern lässt sich Essig geschmacklich verfeinern. Den Kräuteransatz lässt man zwei bis sechs Wochen ziehen. Mit vollständig getrockneten Kräutern lässt sich auch Kräuteröl herstellen. Dieses kann portionsweise in Eiswürfelbehältern eingefroren und anschließend in einem wiederverschließbaren Beutel im Gefrierschrank aufbewahrt werden.
Achten Sie bei der Herstellung und Lagerung von Kräuteröl unbedingt auf hygienisches Arbeiten und die richtige Lagerung, da insbesondere Öl mit frischen Kräutern unter ungünstigen Bedingungen das Risiko von Botulismus birgt.
Für Kräuterbutter lässt man Butter bei Zimmertemperatur weich werden, mischt frische Kräuter unter, formt sie anschließend wieder zu einer Rolle und bewahrt sie im Kühlschrank auf.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How to Grow Herbs All Summer Long“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Kann Alzheimer im Frühstadium rückgängig gemacht werden? Ein Neurologe gibt Tipps


In Kürze:

  • Alzheimer ist eine vielschichtige Erkrankung, die zurzeit als unheilbar gilt.
  • Der Neurologe Dr. Dale Bredesen ist der Ansicht, dass die Erkrankung im Frühstadium umkehrbar ist.
  • Mithilfe seiner Methode, des ReCODE-Ansatzes, konnte er die Alzheimer-Symptome bei Patienten signifikant verbessern.
  • In der Präzisionsmedizin wird die Behandlung für jede Person maßgeschneidert und umfasst vor allem Veränderungen des Lebensstils.

 
Viele Menschen glauben, dass die Alzheimer-Krankheit lediglich eine Frage schlechter Gene, von Pech oder eine unvermeidliche Folge des Alterns ist – und dass man kaum etwas tun kann, sobald der Verfall einmal eingesetzt hat. Diese Ansicht sei überholt, meinte Dr. Dale Bredesen, ein Neurologe mit dem Spezialgebiet neurodegenerative Erkrankungen.
„Ich wünschte, mehr Menschen würden verstehen, dass die Alzheimer-Krankheit weitaus häufiger auftritt, als es sein müsste“, sagte Bredesen zu Epoch Times. Er ist der Ansicht, dass Präzisionsmedizin der richtige Ansatz zur Behandlung der Erkrankung sei.

Eine vielschichtige Erkrankung

Bredesen beschrieb einen biologischen Schalter. Dieser schalte das Gehirn von einem sogenannten „Verbindungsmodus“ zu einem „Schutzmodus“ und zurück.
Befindet sich das Gehirn im Verbindungsmodus, könne es lernen, sich anpassen und Erinnerungen bilden, so der Neurologe. Alzheimer entwickle sich, wenn das Gehirn in den Schutzmodus wechselt – ein Wechsel, der durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Dazu gehören unter anderem:
  • Insulinresistenz,
  • Schlafapnoe,
  • schlechte Energieproduktion,
  • Bewegungsmangel,
  • chronische Entzündungen,
  • Infektionen,
  • die Belastung durch Giftstoffe wie Luftverschmutzung, Schwermetalle und Mikroplastik.
Bei einer Behandlung verändere man mit seiner Methode mehrere Dinge, damit sie zusammenwirken, so Bredesen weiter. Auf diese Weise bleibe der Körper nicht länger im Schutzmodus und könne in den Verbindungsmodus zurückkehren.
„Ein Grund, warum die Behandlung der Alzheimer-Krankheit bisher nicht besonders erfolgreich war, ist, dass wir Alzheimer in der Vergangenheit zu eng gefasst und zu spät angegangen sind“, so die Einschätzung von Dr. Margarita Mikhaylova, Fachärztin für Neurologie und funktionelle Medizin, gegenüber Epoch Times. 
Der Fokus müsse sich über Eiweißablagerungen hinaus auf eine Vielzahl von Faktoren verlagern, von Insulinresistenz bis hin zu Nährstoffmangel, fügte sie hinzu. „Das sind keine Fragen der Alternativmedizin, sondern gängige Risikofaktoren für Demenz.“

Personalisierte Behandlung von Alzheimer

Die wachsende Erkenntnis, dass Alzheimer eine multifaktorielle Erkrankung ist, führte zu einem personalisierten Behandlungsansatz. Ärzte berücksichtigen die Faktoren, die die Gehirngesundheit einer Person beeinträchtigen könnten und stellen dann einen Plan zusammen, der auf die individuellen Bedürfnisse der Person zugeschnitten ist.
In einer Studie nutzten Forscher einen personalisierten Ansatz bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit oder leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die Teilnehmer erhielten dabei einen maßgeschneiderten Behandlungsplan. Dieser umfasste Änderungen in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressbewältigung, Nahrungsergänzungsmittel und in einigen Fällen auch Medikamente. 
Bei den meisten Teilnehmern verbesserten sich im Verlauf der Studie die kognitiven Funktionen oder blieben auf dem gleichen Niveau ohne weitere Verschlechterungen. Zudem gab es Verbesserungen bei mehreren Alzheimer-bezogenen Risikofaktoren.

Bredesen und die Ergebnisse seiner Studien

Auch Bredesen ist der Ansicht, dass Alzheimer einen personalisierten Ansatz zur Behandlung erfordert. Zu diesem Zweck entwickelte er seine eigene maßgeschneiderte Methode, den ReCODE-Ansatz (Reversal of Cognitive Decline, „Kognitiven Verfall umkehren“).
In Versuchen aus dem Jahr 2022, die im „Journal of Alzheimer’s Disease“ erschienen, testete er seinen Präzisionsmedizin-Ansatz in einer klinischen Untersuchung an 25 Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz. In seiner jüngsten randomisierten Kontrollstudie, die derzeit noch auf die Begutachtung durch Fachkollegen wartet, verglich er den ReCODE-Ansatz mit der Standardbehandlung bei 73 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Demenz.
Die Teilnehmer, die einen personalisierten Plan befolgten, zeigten laut den Studienautoren signifikante Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Funktion, des Gedächtnisses und des Schweregrads der Alzheimer-Symptome. Auch verbesserten sich ihr Blutdruck, Body-Mass-Index, Blutzucker, Gesamtcholesterin und andere Marker.
Mit diesen Untersuchungen verbesserte Bredesen einige Punkte in der Studiendurchführung, die an älteren Veröffentlichungen von anderen Forschern kritisiert wurden. Zu den Verbesserungen zählen die Verwendung standardisierter kognitiver Tests, MRT-Bilder und genauere Dokumentation.
Andere Bedenken konnten nicht gelöst werden. Dazu zählt beispielsweise, dass es keine Kontrollgruppe gibt und bei dem umfassenden Ansatz der Präzisionstherapie keine Verblindung möglich war.
Da es keine Kontrollgruppe gibt und die Behandlung für jede Person individuell angepasst wurde, kann die Studie nur individuell vergleichen, wie es den gleichen Patienten vor und nach der Behandlung ging. Allgemeine Vergleiche mit einer Placebogruppe, wie es in vielen klinischen Studien üblich ist, können auf diese Weise nicht gezogen werden.
Mikhaylova zufolge ist die Präzisionsmedizin bei der Alzheimer-Krankheit ein Gebiet, das aufstrebend, aber noch in der Entwicklung ist. Bredesens Arbeit biete einen wichtigen Wandel im Verständnis der Krankheit und stelle die Vorstellung in Frage, dass Alzheimer eine Erkrankung mit einem einzigen Krankheitsweg sei.
„Ein mehrdimensionaler Ansatz, der Lebensstil und Stoffwechsel umfasst, kann höchstwahrscheinlich in einem früheren Stadium des Krankheitsverlaufs helfen, wenn noch genügend neuronale Netzwerkfunktionen vorhanden sind, die erhalten oder verbessert werden können“, sagte sie. 
„Bei fortgeschrittener Demenz können wir zwar immer noch die Lebensqualität, den Schlaf, die Gewohnheiten und die Belastung der Pflegepersonen verbessern, sollten aber bei der Erwartung einer kognitiven Umkehrung wesentlich vorsichtiger sein.“

Was ist der ReCODE-Ansatz?

Das Ziel des Ansatzes besteht darin, so viele potenzielle Faktoren für den kognitiven Verfall wie möglich zu ermitteln und diese dann anzugehen. Es ist anspruchsvoll – Bredesen empfiehlt, es als Teilzeitjob zu betrachten –, etwa zwei Stunden pro Tag.

Ernährung

Im Mittelpunkt steht die Ernährung, die pflanzenreich, leicht ketogen und ballaststoffreich sein sollte. Vermieden werden sollten verarbeitete und glutenhaltige Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, künstliche Süßstoffe, Milchprodukte und Alkohol. 
Die Betroffenen werden dazu angehalten, über Nacht 12 bis 16 Stunden zu fasten. Dieser Ansatz unterstützt die Darmgesundheit, die Insulinsensitivität, die Stoffwechselflexibilität und die Ketonproduktion.
„Um zu funktionieren, benötigt das Gehirn viel Energie“, so Bredesen. Es könne Glukose oder Ketone verwerten, doch viele Menschen könnten nicht auf diese zugreifen, da sie insulinresistent seien. Ihre Körper würden laut Bredesens Einschätzung Glukose nicht effizient nutzen; und der erhöhte Insulinspiegel hindere die Leber daran, Ketone zu bilden.
Wie jeder andere Aspekt des ReCODE-Ansatzes müsse auch die Ernährung individuell angepasst werden, so Bredesen. Ihm zufolge können Fasten und Ketose für übergewichtige Menschen einfacher sein, da ihr Körper auf Fettreserven zurückgreifen kann, um Ketone zu bilden. Für gebrechliche Menschen sei derselbe Ansatz jedoch möglicherweise nicht geeignet.

Sport

Bewegung ist eine weitere zentrale Komponente. Der Ansatz umfasst Ausdauertraining, Krafttraining, Gleichgewichtsübungen und Dehnübungen für mindestens 45 Minuten pro Tag an sechs Tagen pro Woche.
Jede Art von Bewegung wirkt sich auf unterschiedliche Weise positiv auf das Gehirn aus. Aerobes Training verbessert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung, während Krafttraining die Insulinsensitivität erhöht. Zweimal pro Woche wird hochintensives Intervalltraining empfohlen.

Schlaf, Stress und Hormone

Der Neurologe empfiehlt 7 bis 8 Stunden guten Schlaf, mit ausreichend REM-Schlaf und Tiefschlaf.
Was den Hormonspiegel und Nährstoffstatus betrifft, so sollen diese untersucht und bei Bedarf verbessert werden. Unter anderem die Vitamine D und B, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren, die Schilddrüsenfunktion und die Sexualhormone.
Auch Stressbewältigung durch Biofeedback, also das bewusste Wahrnehmen der körperlichen Prozesse, ist Teil des Programms, genauso wie das Training der Herzratenvariabilität. Das ist ein Indikator, der angibt, wie sich das Herz an körperliche und mentale Anforderungen anpasst.
Erst wenn das Gehirn besser versorgt ist, stimuliert man es. „Das Letzte, was man tun sollte, ist, mit Gewichten zu trainieren, wenn man unterernährt ist. Das Gleiche gilt für das Gehirn“, erklärte Bredesen.

Ein Schwachpunkt des Ansatzes

Der Ansatz von Bredesen braucht viel Zeit, deshalb gibt es Fragen zur praktischen Umsetzbarkeit.
Der Ansatz sei „hinsichtlich des Trainingsaufwands so intensiv, dass sich nur sehr wenige Menschen die damit verbundene Zeit oder die Kosten leisten können“. Das meinte Paul Ehren, Fachmann für funktionelle Ernährung und Master Personal Trainer, zu Epoch Times.
Bredesen räumt dies ein. Man müsse nicht alles perfekt machen, sagte er dazu. „Es gibt eine Schwelle, die bei jedem Menschen anders liegt. Das zu tun, was man kann, und sich kontinuierlich zu verbessern, führt in der Regel zu guten Ergebnissen.“
Derzeit gibt es keine anerkannte Heilung für Alzheimer. Laut Bredesens Einschätzung befindet sich die Alzheimerforschung jedoch gerade an einem Wendepunkt.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Neurologist Uses Precision Lifestyle Medicine to Reverse Early Alzheimer’s“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Warum manche Gehirne um bis zu 13 Jahre jünger erscheinen

Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, haben möglicherweise eine Gehirnstruktur, die deutlich jünger erscheint, als es ihrem Alter entspricht. Laut einer neuen Studie weisen sie Merkmale auf, die typischerweise bei bis zu 13 Jahren jüngeren Menschen zu finden sind.
Die Ergebnisse, die kürzlich auf dem Forum 2026 der Federation of European Neuroscience Societies vorgestellt wurden, deuten darauf hin, dass das Gehirn umso jünger wirkt, je mehr Sprachen man spricht.
Die neu vorgestellten Daten bauen auf einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie des Forscherteams auf, die Menschen aus 27 europäischen Ländern untersuchte und einen Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und gesünderem Altern zeigte.

Wie das Erlernen von Sprachen das alternde Gehirn prägt

Je mehr Sprachen man spricht, desto langsamer altert das Gehirn. Laut der Studienautorin Lucia Amoruso kommt es dabei aber auch darauf an, wie gut man die Sprachen beherrscht und wann man sie gelernt hat.
Diejenigen, die zwei Sprachen sprachen, hatten Gehirne, die mittels KI-basierter Modellrechnungen etwa sechs Jahre jünger eingeschätzt wurden als ihr tatsächliches Alter. Diejenigen, die drei Sprachen sprachen, hatten Gehirne, die etwa sieben Jahre jünger erschienen, und Teilnehmer, die vier Sprachen fließend beherrschten, hatten Gehirne, die etwa 13 Jahre jünger geschätzt wurden.
Diese Ergebnisse stimmen mit einer wachsenden Zahl neurowissenschaftlicher Untersuchungen überein, die darauf hindeuten, dass lebenslange Mehrsprachigkeit mit einer größeren kognitiven Reserve verbunden ist und dem Gehirn helfen könnte, im Alter widerstandsfähiger zu bleiben, sagte Dr. Paul E. Bendheim, klinischer Professor für Neurologie am College of Medicine der University of Arizona, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.

Das Erlernen von Sprachen trainiert das Gehirn in besonderem Maße

Zwar hält jede Denkaufgabe das Gehirn fit, aber Sprachenlernen ist ein besonderes Kompletttraining: Es fordert Hören, Denken, Sprechen und Gefühle gleichzeitig. Das Gehirn muss dabei ununterbrochen zwischen den Sprachen wechseln, erklärt Neurowissenschaftler Christopher U. Missling.
Es muss aber nicht immer Sprachenlernen sein: Auch Tanzen, Musik machen, Sport oder Meditation können positive Auswirkungen auf das Gehirn haben. Der Neurowissenschaftler betont, dass vor allem die Mischung aus Bewegung, neuen Reizen und dem Kontakt zu anderen Menschen entscheidend ist.
Laut Missling stärken Meditation und Achtsamkeit die Aufmerksamkeit. Sport wie Kraft- und Ausdauertraining regt dagegen die Durchblutung an, was die Bildung neuer Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn fördert.
Selbst im fortgeschrittenen Alter, so sagte er, könne das Erlernen neuer Fähigkeiten, wie das Spielen eines Instruments oder die Ausübung einer neuen Sportart, eine vorteilhafte synaptische Umstrukturierung auslösen.
„Das Gehirn bleibt während des gesamten Erwachsenenalters plastisch; es ist nie zu spät, es mit neuen, herausfordernden Erfahrungen zu stimulieren“, sagte er.
Mit Blick auf die Zukunft planen Amoruso und ihr Team zu untersuchen, ob ähnliche Effekte bei Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer auftreten und ob der Umgang mit eng verwandten Sprachen, der möglicherweise mehr mentale Kontrolle erfordert, einen noch größeren Einfluss hat.
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Kaffee als Superfood? Was Forscher jetzt im Darm von Kaffeetrinkern entdeckten

Forscher am University College Cork untersuchten, wie Kaffee die sogenannte Darm-Hirn-Achse – die Wechselwirkung zwischen Verdauung und Gehirn – beeinflusst. An der Studie nahmen 62 gesunde Erwachsene in Irland teil. Eine Hälfte der Gruppe trank täglich drei bis fünf Tassen koffeinhaltigen Kaffee, während die andere Hälfte, die keinen Kaffee trank, als Vergleichsgruppe diente.

Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg erfassten die Wissenschaftler neben kognitiven Funktionen, Stimmung, Stressniveau und Schlaf auch Entzündungswerte sowie die genaue Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms.

Bei der Auswertung stießen die Forscher auf deutliche Unterschiede: In der Kaffeegruppe hatten sich bestimmte Bakterienarten wie Cryptobacterium curtum und Eggerthella messbar vermehrt. Diese Mikroben spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel, etwa beim Recyceln von Gallensäuren für die Fettverdauung.

Diese positiven Veränderungen im Darm gingen Hand in Hand mit einer besseren Stimmung, gesteigerter Denkleistung und einer gestärkten Immunabwehr. Interessant war zudem der Vergleich mit entkoffeiniertem Kaffee: Während das Koffein vor allem für die unmittelbaren Effekte auf Gehirn und Stimmung verantwortlich war, zeigten sich die positiven Auswirkungen auf die Darmgesundheit bei beiden Kaffeevarianten gleichermaßen.

Was passiert im Darm?

In unserem Darm leben Billionen mikroskopisch kleiner Lebewesen – sie bilden das sogenannte Darm-Mikrobiom. Diese Bakterien helfen nicht nur bei der Verdauung, sondern spielen auch für unser Immunsystem und unsere allgemeine Gesundheit eine wichtige Rolle. Je vielfältiger und ausgewogener die Bakterienmischung im Darm ist, desto besser ist es im Allgemeinen für die Gesundheit.

Wenn wir Kaffee trinken, geschieht Folgendes:

  • Nützliche Bakterien vermehren sich: Kaffee fördert gezielt das Wachstum von bestimmten „guten“ Darmbakterien (wie den sogenannten Bifidobakterien).
  • Entzündungshemmende Stoffe entstehen: Die Bakterien verarbeiten die Inhaltsstoffe des Kaffees und stellen dabei nützliche Fettsäuren her. Diese dienen der Darmwand als Energiequelle und werden mit dem Schutz vor Entzündungen in Verbindung gebracht.

Nicht das Koffein ist entscheidend, sondern die Pflanze

Dass entkoffeinierter Kaffee im Darm ähnlich gut wirkt wie koffeinhaltiger, zeigt: Nicht das Koffein ist für diese Effekte verantwortlich, sondern andere Inhaltsstoffe der Kaffeebohne.

Dazu gehören vor allem:

  • Pflanzliche Schutzstoffe (Polyphenole): Kaffeebohnen enthalten viele natürliche Antioxidantien. Unser Körper nimmt diese im Magen und Dünndarm nur zu einem kleinen Teil auf. Sie wandern weiter in den Dickdarm und dienen dort den nützlichen Bakterien als Nahrung.
  • Lösliche Ballaststoffe: Beim Aufbrühen von Kaffee lösen sich kleine Mengen an Ballaststoffen aus der Bohne, die ebenfalls die Darmflora unterstützen.

Was bedeutet das für den Alltag?

Die Ergebnisse zeigen, dass der gesundheitliche Wert von Kaffee für den Darm in den Inhaltsstoffen der Bohne selbst liegt. Für alle, die Koffein nicht gut vertragen – etwa weil sie davon Herzklopfen bekommen, nervös werden oder schlecht schlafen –, ist das eine hervorragende Nachricht.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die pflanzlichen Wirkstoffe der Kaffeebohne stärken gezielt die guten Darmbakterien.
  • Auch entkoffeinierter Kaffee liefert diese präbiotischen Bausteine.
  • Die Darmflora profitiert von den Antioxidantien der Bohne – völlig unabhängig vom Koffeingehalt.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Manipulation im Alltag – Teil 1


In Kürze:

  • Manipulation ist der Versuch, das Denken, Fühlen oder Handeln eines anderen gezielt zu beeinflussen, ohne dass dieser es vollständig erkennt.
  • Dabei ist Manipulation kein ausschließlich negatives Verhalten und keiner bleibt davon verschont.
  • Menschen werden selten Opfer spektakulärer Täuschungsversuche. Viel häufiger entwickeln sich manipulative Beziehungen langsam.
  • Manipulation funktioniert nicht trotz unserer sozialen Fähigkeiten, sondern gerade wegen ihnen.
  • Welche Werkzeuge der Manipulation es gibt und wie wir sie erkennen können, lesen Sie im zweiten Teil.

 
„Ich wollte doch nur helfen.“ – „Das habe ich nur zu deinem Besten gesagt.“ – „Du übertreibst wieder.“ Solche Sätze begegnen uns nahezu täglich. Meist schenken wir ihnen kaum Beachtung. Schließlich erscheinen sie harmlos, manchmal sogar fürsorglich. Doch genau hier beginnt ein Phänomen, das Verhaltensanalytiker seit Jahrzehnten beschäftigt: Manipulation geschieht selten laut oder offensichtlich. Sie beginnt oft mit kleinen Verschiebungen der Realität – mit einer Auslassung, einer geschickten Formulierung oder einer scheinbar belanglosen Lüge.
Dabei ist Manipulation kein ausschließlich negatives Verhalten. Aus psychologischer Sicht beschreibt sie zunächst den Versuch, das Denken, Fühlen oder Handeln eines anderen Menschen gezielt zu beeinflussen, ohne dass dieser den Einfluss vollständig erkennt.
Jeder Mensch manipuliert – bewusst oder unbewusst. Eltern motivieren ihre Kinder, Lehrkräfte versuchen, Lernverhalten zu fördern, Verkäufer möchten Kaufentscheidungen beeinflussen, Führungskräfte ihre Mitarbeiter motivieren und Partner versuchen, Konflikte möglichst günstig für sich zu lösen.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Absicht. Dient die Beeinflussung dem gemeinsamen Wohl und erfolgt sie transparent, sprechen wir eher von Überzeugung oder Motivation. Wird sie jedoch eingesetzt, um eigene Vorteile auf Kosten anderer zu erzielen oder Informationen gezielt zu verschleiern, beginnt der Bereich problematischer Manipulation.
Positive Manipulation ist zum Beispiel, wenn Eltern ihren Kindern beim Lernen gut zu reden

Positive Manipulation ist zum Beispiel, wenn Eltern ihren Kindern beim Lernen gut zureden.

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Warum unser Gehirn manipulierbar ist

Viele Menschen glauben, rationale Entscheidungen zu treffen. Tatsächlich zeigt die moderne Psychologie jedoch, dass der überwiegende Teil unserer Entscheidungen unbewusst vorbereitet wird. Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen, sogenannten Heuristiken. Diese mentalen Faustregeln ermöglichen schnelle Entscheidungen, machen uns aber gleichzeitig anfällig für gezielte Beeinflussung.
Aus biologischer Sicht war dies sinnvoll. Unsere Vorfahren mussten innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob eine Situation gefährlich oder sicher war. Für langes Nachdenken blieb oft keine Zeit. Deshalb bevorzugt unser Gehirn einfache Muster, vertraute Personen und emotionale Signale.
Genau diese Mechanismen nutzen Manipulatoren aus. Sie argumentieren selten ausschließlich mit Fakten. Stattdessen erzeugen sie Gefühle wie Sicherheit, Angst, Schuld, Mitleid oder Hoffnung. Emotionen verändern unsere Wahrnehmung schneller als logische Argumente.
Hinzu kommt ein weiterer psychologischer Effekt: Menschen möchten innere Widersprüche vermeiden. Die Kognitionspsychologie bezeichnet dies als das Streben nach Konsistenz. Haben wir uns einmal entschieden oder öffentlich positioniert, neigen wir dazu, an dieser Entscheidung festzuhalten – selbst dann, wenn neue Informationen dagegensprechen. Manipulation nutzt dieses Bedürfnis geschickt aus.

Wenn Menschen einmal eine Entscheidung getroffen haben, bleiben sie oft dabei und lehnen andere Vorschläge ab, auch wenn diese besser sind.

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Die kleine Lüge als sozialer Schmierstoff

Nicht jede Lüge ist böswillig. Tatsächlich wären zwischenmenschliche Beziehungen ohne kleine Unwahrheiten oft erheblich konfliktreicher. Wenn jemand fragt: „Wie gefällt dir meine neue Frisur?“, antworten viele Menschen höflicher als ehrlich. Wenn Kollegen sagen: „Kein Problem, ich mache das gern“, obwohl sie innerlich genervt sind, handelt es sich ebenfalls um eine Form sozialer Anpassung.
Psychologen unterscheiden deshalb häufig zwischen prosozialen und eigennützigen Lügen. Prosoziale Lügen sollen Gefühle schützen oder Beziehungen stabilisieren. Eigennützige Lügen verfolgen dagegen persönliche Vorteile.
Die Grenze zwischen beiden Formen ist allerdings fließend. Aus einer kleinen Notlüge kann schleichend ein dauerhaftes Manipulationsmuster entstehen.

Manipulation beginnt selten mit einer großen Täuschung

In der Beratungspraxis fällt immer wieder auf, dass Menschen selten Opfer spektakulärer Täuschungsversuche werden. Viel häufiger entwickeln sich manipulative Beziehungen langsam.
Zu Beginn wirkt alles freundlich: ein kleiner Gefallen, ein kleines Kompliment, ein wenig Verständnis, ein gemeinsames Geheimnis. Nach und nach entstehen Verpflichtungsgefühle. Der Manipulator investiert wenig und erhält später deutlich mehr zurück.

Ein kleines Kompliment kann positiv sein, aber auch der Anfang manipulativer Beziehungen.

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Diese Entwicklung geschieht selten bewusst. Viele Menschen manipulieren, weil sie es im Laufe ihres Lebens gelernt haben. Wer beispielsweise erfahren hat, dass direkte Bedürfnisse regelmäßig zurückgewiesen wurden, entwickelt möglicherweise indirekte Strategien, um dennoch Aufmerksamkeit oder Anerkennung zu erhalten.
Manipulation ist deshalb nicht zwangsläufig Ausdruck eines schlechten Charakters. Häufig handelt es sich um erlernte Verhaltensmuster, die sich über viele Jahre verfestigt haben.

Die Macht der Sprache

Kaum ein Werkzeug beeinflusst unser Denken stärker als Sprache. Bereits einzelne Wörter verändern unsere Wahrnehmung. Vergleichen wir folgende Aussagen: „Sie haben noch die Möglichkeit, sich zu entscheiden“ oder „Sie müssen sich jetzt entscheiden“.
Beide Aussagen beschreiben dieselbe Situation. Dennoch löst die zweite erheblich mehr Druck aus.
Verhaltensanalytiker sprechen hierbei vom sogenannten Framing. Informationen werden in einen bestimmten Bedeutungsrahmen eingebettet. Nicht die Fakten verändern sich, sondern ihre Interpretation.
Ein weiteres Beispiel: „90 Prozent fettfrei“ wirkt deutlich attraktiver als „10 Prozent Fett“, obwohl beide Aussagen mathematisch identisch sind. Unser Gehirn reagiert stärker auf den emotionalen Rahmen als auf objektive Zahlen.

Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Akzeptanz bedeutete über Jahrtausende das Überleben innerhalb einer Gemeinschaft. Ablehnung hingegen konnte lebensbedrohlich sein. Diese historische Prägung wirkt bis heute nach.
Deshalb orientieren wir uns häufig an der Mehrheit. Wenn viele Menschen ein Produkt kaufen, erscheint es automatisch hochwertiger. Sind viele Kollegen einer Meinung, zweifeln wir eher an unserer eigenen Einschätzung. Wenn in sozialen Netzwerken Tausende Menschen einen Beitrag liken, gewinnt dieser an Glaubwürdigkeit – unabhängig davon, ob die Inhalte tatsächlich korrekt sind.
Dieses Phänomen bezeichnet die Sozialpsychologie als sozialen Beweis. Manipulation nutzt diesen Mechanismus gezielt. Aussagen wie „Alle machen das“, „Jeder vernünftige Mensch sieht das so“ und „Niemand hat sich bisher beschwert“ sollen weniger informieren als vielmehr sozialen Druck erzeugen.

Weil Akzeptanz über Jahrtausende Überleben bedeutete, orientieren wir uns häufig an der Mehrheit, was nicht immer richtig sein muss.

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Warum intelligente Menschen ebenfalls manipulierbar sind

Ein weitverbreiteter Irrtum besteht darin, dass Manipulation ausschließlich mit mangelnder Intelligenz in Verbindung stehe. Tatsächlich zeigt die Forschung das Gegenteil. Gerade intelligente Menschen entwickeln häufig besonders raffinierte Begründungen für bereits getroffene Entscheidungen. Sie hinterfragen weniger ihre eigenen Überzeugungen als vielmehr die Argumente anderer.
Hinzu kommt, dass gerade Experten ihrem eigenen Fachgebiet häufig übermäßig vertrauen. Dieser sogenannte Overconfidence-Bias führt dazu, Risiken zu unterschätzen.
Manipulation trifft deshalb nicht die „Dummen“, sondern den Menschen. Sie nutzt universelle Eigenschaften unseres Gehirns, nämlich Vertrauen, Kooperation, Empathie und das Bedürfnis nach Orientierung. Genau darin liegt ihre eigentliche Stärke. Manipulation funktioniert nicht trotz unserer sozialen Fähigkeiten, sondern gerade wegen ihnen.
Welche Werkzeuge der Manipulation es gibt und wie wir sie erkennen können, lesen Sie im zweiten Teil.
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Sardinen: Nährstoffbomben, die die Gesundheit von Herz und Knochen fördern

Sowohl preiswert als auch gesund – das sind die typischen Eigenschaften von Sardinen. Tatsächlich zählen diese kleinen Fische zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln überhaupt.
„Sardinen sind eine vollständige Proteinquelle, vergleichbar mit Lebensmitteln wie Eiern, Milchprodukten und Fleisch. Sie enthalten alle 20 Aminosäuren und sind reich an Omega-3-Fettsäuren.“ Das schrieb Helen Tieu, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin und zertifizierte Diabetologin, in einer E-Mail an Epoch Times.
Neben Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren sind Sardinen auch reich an:
  • Vitamin D: Eine Dose Sardinen liefert in der Regel etwa 150 bis 200 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D. Zum Vergleich: Ein Eigelb enthält 20 IE. Die empfohlene tägliche Menge liegt bei 800 IE.
  • Calcium: 100 Gramm Sardinen (die Menge in einer Standarddose) liefern 382 Milligramm Calcium. Das ist mehr als die Menge in eineinhalb Tassen Milch. Calcium ist für starke Knochen unerlässlich.
  • Vitamin B12: Eine Dose Sardinen deckt laut Tieu bereits etwa das Drei- bis Vierfache des Bedarfs eines Erwachsenen.

Gut für Herz, Knochen und Gehirn

Neben diesen Nährstoffen sind Sardinen zudem eine kostengünstige und natürliche Quelle für Eisen, Kalium, Magnesium, Zink und Taurin. Diese wirken zusammen, um die Herz-Kreislauf-Funktion zu unterstützen.
Darüber hinaus haben Sardinen einen hohen Phosphorgehalt, der in Kombination mit Vitamin D dem Körper hilft, Calcium effektiver aufzunehmen. Dadurch würden die kleinen Fische helfen, Osteoporose vorzubeugen und zu behandeln, so Tieu.
Außerdem steht ein erhöhter Fischverzehr mit einem langsameren kognitiven Verfall bei älteren Erwachsenen in Verbindung, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2017. Dies betrifft insbesondere jene Hirnregionen, die für das Gedächtnis zuständig sind. Diese positiven Effekte wurden unabhängig von einem genetischen Risiko für Alzheimer beobachtet. Die deutlichsten Effekte zeigten sich bei vier oder mehr Portionen Fisch pro Woche.

Weitere Vorteile

Depressionen: Eine höhere Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, wie sie durch den Verzehr von Sardinen erreicht werden kann, unterstützt das Gehirn und reguliert Entzündungen. Das kann dazu beitragen, das Risiko für depressive Episoden zu senken.
Immunabwehr: Neben Omega-3-Fettsäuren liefern Sardinen auch Selen und Zink. Diese Spurenelemente regulieren ebenfalls Entzündungen und unterstützen das Immunsystem.
Entzündungen und ihre Folgen: Der regelmäßige Verzehr von Sardinen kann dazu beitragen, chronische, leichtgradige Entzündungen zu reduzieren. Diese stehen mit vielen Gesundheitsproblemen in Verbindung, darunter Autoimmunerkrankungen, Arthritis und entzündliche Darmerkrankungen.
Hormonproduktion: Sardinen enthalten Jod, das zusammen mit Selen und Vitamin D die Hormonproduktion und die Schilddrüsenfunktion unterstützt. 
Gesunde Haut: Omega-3-Fettsäuren fördern zudem die Kollagenbildung, die Elastizität und die Feuchtigkeitsversorgung.

So holen Sie das Beste aus Sardinen heraus

Vitamin D und die Omega-3-Fettsäuren in Sardinen sind fettlöslich, das heißt, sie lösen sich in Fett auf. Daher kann die Kombination von Sardinen mit einem gesunden Fett dem Körper dabei helfen, die nützlichen Fettsäuren effektiver aufzunehmen.
Magnesiumreiche Lebensmittel  können die Aufnahme von Vitamin D zusätzlich fördern. Vitamin-C-reiche Lebensmittel können hingegen dazu beitragen, die Calciumwirkung von Sardinen zu maximieren.
Vitamin B12, Folsäure und Eisen wirken zusammen, um den Energiestoffwechsel und die Bildung roter Blutkörperchen zu unterstützen. Der Verzehr von Sardinen zusammen mit Blattgemüse oder anderem Gemüse kann deren Wirksamkeit verbessern.
Empfohlene Lebensmittel in Kombination mit Sardinen:
  • Fett: Olivenöl, Avocado
  • Magnesium: Blattgemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte
  • Vitamin C: Tomaten, Zitronen, Paprika
Ferner kann das Garen bei hohen Temperaturen Omega-3-Fettsäuren zerstören. Sanftere Zubereitungsmethoden wie Backen bei moderaten Temperaturen, Dämpfen oder kurzes Anbraten können dazu beitragen, mehr von den wertvollen Fetten zu erhalten.

Profi-Tipps

„Ich sage den Leuten immer wieder: Lasst euch Sardinen nicht entgehen“, erklärte Kenny Minor, Koch und Kochbuchautor, gegenüber Epoch Times.
Er gibt einige Empfehlungen, um den Sardinen mehr Pep zu verleihen:
  • Die Sardinen mit Avocado, Zitronenschale, Chili und Kräutern pürieren und die Paste aufs Brot schmieren.
  • Jede Sardine von Kopf bis Schwanz auf einen Spieß stecken, mit thailändischer süßer Chilisauce bestreichen und so lange grillen, bis sie leicht knusprig ist.
  • Sardinen unter warme Getreideprodukte wie Quinoa oder Nudeln mischen, um eine einfache, schmackhafte Mahlzeit zuzubereiten.
Frische Sardinen kann man mit etwas Olivenöl beträufeln, mit Mineralsalz bestreuen und je nach Größe 25 bis 30 Minuten bei 150 bis 180 Grad Celsius backen. Dies empfiehlt Ana Bueno, zertifizierte Ernährungsberaterin und ehemalige Chefköchin, gegenüber Epoch Times.

Vorsichtsmaßnahmen

Es ist empfehlenswert, in Olivenöl oder Wasser eingelegte Sardinen zu kaufen. Das kann helfen, ein gesundes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren aufrechtzuerhalten. Denn Sardinen in Soja- oder Sonnenblumenöl haben einen hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren. Zu große Mengen an Omega-6-Fettsäuren können laut Untersuchungen Entzündungen im Körper begünstigen.
Wer an einer Fischallergie leidet, sollte Sardinen meiden.
Wer große Mengen an Sardinen verzehrt, sollte zudem Vorsicht walten lassen. Laut der Diabetologin Tieu sind die kleinen Fische reich an Purinen. Diese könnten den Harnsäurespiegel erhöhen und möglicherweise Gichtanfälle auslösen oder zur Bildung von Harnsäure-Nierensteinen beitragen.
Zudem haben Konserven oft einen hohen Salzgehalt. Wer unter Bluthochdruck leidet, sollte auf Dosen mit niedrigem Salzgehalt zurückgreifen oder die Sardinen vor dem Verzehr abspülen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Sardines: Nutrient Powerhouses That Boost Cardiometabolic and Bone Health“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Schrumpfendes Gehirn im Alter: Fehlt Ihrem Kopf dieser eine alltägliche Nährstoff?

Vitamin C hat sich seinen Ruf als Mittel zur Stärkung des Immunsystems erworben. Doch Wissenschaftler stellen zunehmend fest, dass eine seiner wichtigsten Funktionen möglicherweise im Schutz des alternden Gehirns liegt.
Diese Möglichkeit wurde durch eine aktuelle Studie mit mehr als 2.000 älteren japanischen Erwachsenen festgestellt. Die Forscher fanden heraus, dass Teilnehmer mit niedrigeren Vitamin-C-Spiegeln im Blut über weniger graue Substanz verfügten und die Kommunikation innerhalb eines der ersten bei der Alzheimer-Krankheit betroffenen Hirnnetzwerke schwächer war.

Warum Vitamin C für das Gehirn wichtig sein könnte

Vitamin C kann viel mehr als nur das Immunsystem stärken: Es ist ein echter Schutzschild für unser Gehirn. Als Antioxidans fängt es schädliche Stoffe (freie Radikale) ab, die das Gehirn mit den Jahren altern lassen. Gleichzeitig hilft es bei der Herstellung von Botenstoffen, mit denen Gehirnzellen untereinander Informationen austauschen.
Der Mensch kann Vitamin C nicht selbst produzieren und muss es vollständig über die Ernährung aufnehmen. Reichhaltige Quellen sind Zitrusfrüchte, Beeren und grünes Blattgemüse.
Die empfohlene Tagesdosis beträgt für die meisten erwachsenen Frauen 95 mg und für die meisten erwachsenen Männer 110 mg. Während einige Forscher vermuten, dass eine höhere Zufuhr zusätzliche Vorteile bieten könnte, ist die optimale Zufuhr für die langfristige Gesundheit des Gehirns noch nicht ermittelt worden.

Bisherige Forschung

Die neuen Erkenntnisse ergänzen eine wachsende Zahl von Belegen, die einen Zusammenhang zwischen einem gesunden Vitamin-C-Status und einer besseren kognitiven Gesundheit herstellen.
Eine niederländische Studie aus dem Jahr 2002 begleitete 5.395 Personen über sechs Jahre hinweg und stellte fest, dass eine hohe Zufuhr von Vitamin C und E mit einem um 18 Prozent geringeren Risiko für Alzheimer verbunden war.
Andere Studien haben ergeben, dass selbst Vitamin-C-Spiegel, die zu niedrig sind, um klassische Mangelerscheinungen hervorzurufen, bei älteren Erwachsenen mit einem schlechteren Gedächtnis und einer langsameren Informationsverarbeitung in Verbindung gebracht wurden.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022, in der 12 Studien ausgewertet wurden, ergab ebenfalls, dass Menschen mit Alzheimer durchweg signifikant niedrigere Vitamin-C-Spiegel im Blut aufwiesen als kognitiv gesunde Erwachsene, was darauf hindeutet, dass der Nährstoff eine Rolle beim Krankheitsverlauf spielen könnte.
Ältere Erwachsene sind möglicherweise einem höheren Risiko für niedrige Vitamin-C-Spiegel ausgesetzt, was auf verminderten Appetit, eine weniger abwechslungsreiche Ernährung sowie altersbedingte Veränderungen der Verdauung und Aufnahme zurückzuführen ist, sagte Jen Scheinman, eine in New York ansässige staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber der Epoch Times.
Chronische Erkrankungen, Entzündungen und bestimmte Medikamente können den Vitamin-C-Bedarf des Körpers zusätzlich erhöhen.

Vitamin C ist nur ein Teil des Puzzles

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Studie nicht beweist, dass Vitamin C das Gehirn direkt schützt. Ein Grund dafür ist, dass Menschen mit höheren Vitamin-C-Spiegeln oft insgesamt einen gesünderen Lebensstil pflegen.
Vitamin C sollte als Teil eines umfassenden Ernährungsmusters betrachtet werden, wie beispielsweise der Mittelmeerdiät oder der MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay), so Dr. Thomas Holland, klinischer Forscher, der sich mit kognitivem Altern befasst und nicht an der Studie beteiligt war.
„Kein einzelnes Lebensmittel und kein einzelnes Vitamin kann Demenz verhindern“, sagte Holland. „Aber eine konsequent nährstoffreiche Ernährung, einschließlich reichlich vitamin-C-reicher Obst- und Gemüsesorten, kann langfristig dazu beitragen, die kognitiven Funktionen zu erhalten.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Low Vitamin C Linked to Reduced Brain Volume, Study Finds“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Schwindel stoppen: Warum ein Zusammenspiel von Blutdruck, Nervensystem und Darmflora der Schlüssel sein können

Schwindel ist ein Symptom, das den Menschen aus seiner Mitte reißen kann. Es ist kein Schmerz, kein Fieber, kein klarer Angriffspunkt – sondern ein Verlust von Selbstverständlichkeit. Genau mit diesem Gefühl kam Frau L., 78 Jahre alt, in meine Praxis. Sie bewegte sich vorsichtig, als wolle sie dem Schwindel keine neue Gelegenheit geben.
„Es ist, als würde mein Kopf kurz leer werden“, sagte sie. Kein Drehen, kein Sturz – nur ein leises, aber beharrliches Wegsacken.
Was mich besonders nachdenklich machte: Sie war bereits bei ärztlichen Kollegen gewesen – beim HNO-Arzt, Neurologen, Kardiologen und sogar in der Radiologie. Alles ohne Befund.
„Alle sagen, ich sei gesund“, sagte sie, „aber ich fühle mich nicht so.“ Dieser Satz ist in der Ganzheitsmedizin ein Schlüssel. Denn wenn alle Fachgebiete einzeln nichts finden, liegt die Ursache nach meiner Erfahrung oft an mehreren Faktoren, die sorgfältig zu einem ganzheitlichen Bild zusammengefügt werden müssen.

Das Innenohr: Wichtig, aber selten der alleinige Schlüssel

In der klassischen Medizin beginnt die Suche nach der Ursache für Schwindel oft im Innenohr, wo sich das sogenannte Gleichgewichtsorgan befindet. Doch moderne Forschungen zeigen, dass Gleichgewicht weit mehr ist als ein vestibuläres Signal, wie man den Nervenimpuls des Gleichgewichtssinns in der medizinischen Fachsprache bezeichnet.
Studien belegen, dass emotionale Stresszustände die Verarbeitung vestibulärer Signale im Gehirn verändern können. Das bedeutet: Selbst ein völlig gesundes Innenohr kann Schwindel erzeugen, wenn das limbische System überlastet ist.
Für die Ganzheitsmedizin ist das ein entscheidender Hinweis. Gleichgewicht entsteht nicht nur im Kopf, sondern im Zusammenspiel von Emotionen, vegetativem Nervensystem und körperlicher Stabilität.
Wenn eine Patientin wie Frau L. sagt: „Ich fühle mich kurz weg“, dann kann das oft ein Ausdruck innerer Dysbalance sein – nicht nur ein lokales Problem im Ohr.
Viele Patienten berichten, dass sie nach einer langen diagnostischen Odyssee hören: „Organisch ist alles in Ordnung.“ Doch Schwindel ist oftmals kein rein organisches Symptom. Er ist ein Systemsignal.
Denn Gleichgewicht ist ein System – und Systeme geraten aus dem Lot, lange bevor ein einzelnes Organ versagt.

Der Kreislauf – wenn niedriger Blutdruck und Flüssigkeitsmangel das Gleichgewicht schwächen

Besonders ältere Menschen trinken oft zu wenig. Das klingt banal, ist aber physiologisch hochrelevant. Dehydration senkt das Blutvolumen, der Blutdruck fällt, und der Fluss in den kleinsten Blutgefäßen, der sogenannten Mikrozirkulation, wird schwächer. Das Gehirn erhält in diesen Momenten nicht genug Sauerstoff und reagiert mit Schwindel.
Untersuchungen zeigen, dass selbst leichte Störungen der Mikrozirkulation Schwindel auslösen können, auch wenn Herz und große Gefäße klinisch unauffällig erscheinen.
Bei Frau L. war genau das der Fall. Ihr Blutdruck war niedrig, ihr Körper unterversorgt. Doch weil bei den zuvor durchgeführten Untersuchungen jeder Facharzt nur den Ausschnitt aus seinem eigenen Fachgebiet betrachtete, blieb der Zusammenhang unentdeckt. Beim Kardiologenbesuch selbst war sie aufgeregt, und der dort gemessene Blutdruck galt mit 125/75 mmHg als normal.
Die ganzheitliche Sicht zeigte jedoch: Der Schwindel war kein unerklärbares Rätsel, sondern ein Warnsignal eines Kreislaufs, der nicht mehr stabil genug war. Aber es gab noch weitere Aspekte.

Die unsichtbaren Mitspieler im Nervensystem

Wenn alle Untersuchungen unauffällig sind, wird oft vorschnell gesagt: „Das ist psychisch.“ Doch die Psyche ist kein Ersatzdiagnosefeld, sondern ein realer Einflussfaktor auf das Gleichgewicht.
Studien zeigen, dass chronischer Stress die Tiefensensorik der Muskeln beeinträchtigt. Diese Sensoren liefern dem Gehirn entscheidende Informationen über die Körperposition im Raum. Wenn sie gestört sind, entsteht ein diffuser Schwindel, der nicht drehend sein muss, um den Alltag zu destabilisieren.
Zudem zeigen Untersuchungen, dass selbst leichte entzündliche Prozesse im Gehirn die Verarbeitung von Gleichgewichtssignalen beeinträchtigen können.
Diese Erkenntnisse zeigen: Schwindel ist oft ein Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren. Das vegetative Nervensystem reagiert empfindlich auf Stress, Schlafmangel, innere Unruhe und erzeugt Symptome, die organisch nicht immer klar messbar sind, aber real erlebt werden.

Die Achse zwischen Darm und Gehirn

Der Darm spielt ebenfalls eine überraschende Rolle für das Gleichgewicht. Aktuelle Forschungen untersuchen, wie entzündliche Prozesse im Darm über die direkte Nerven-Datenautobahn zum Gehirn, den sogenannten Vagusnerv, die Aktivität des Gleichgewichtszentrums beeinflussen können.
In der Ganzheitsmedizin wird der Darm als zentraler Regulator des vegetativen Nervensystems betrachtet. Wenn dort ein Ungleichgewicht herrscht, kann sich das auf den gesamten Körper auswirken. Bei Frau L. zeigte sich in weiteren Untersuchungen eine deutliche Dysbiose, also ein aus der Balance geratenes Darmmikrobiom, die ihren Zustand zusätzlich destabilisiert hatte.
Ein sogenannter „ungeklärter“ Schwindel kann also ein Ausdruck eines Systems sein, das an mehreren Stellen gleichzeitig die Balance verloren hat.

Das System wieder ins Lot bringen

Der Fall von Frau L. zeigt, wie vielschichtig Schwindel sein kann. Es ist selten das Innenohr alleine. Oft ist es ein Zusammenspiel aus Kreislauf, Flüssigkeitsmangel, Stress, Darmgesundheit, Mikrozirkulation und neuroinflammatorischen Prozessen.
Frau L. fand schließlich ihr Gleichgewicht wieder. Nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch ein ganzes Paket an Veränderungen. Sie trank mehr, stabilisierte ihren Kreislauf, brachte ihren Darm wieder ins Lot und half ihrem gestressten Nervensystem, zur Ruhe zu kommen.
In der Ganzheitsmedizin wird Schwindel oft als Hinweis betrachtet, dass der Körper nach Balance sucht. Wer ihn ernst nimmt, findet nicht nur Stabilität, sondern oft auch ein neues Körperbewusstsein.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Schutz für die Gefäße: Warum Vitamin K2 die Arterienverkalkung verlangsamen könnte

Eine kürzlich veröffentlichte klinische Studie ergab, dass bei Patienten mit Herzerkrankungen, die eine Form von Vitamin K2 einnahmen, das Risiko für künftige Herzerkrankungen sank. Die Arterienkalziumwerte der Patienten, die das Präparat einnahmen, stiegen im untersuchten Zeitraum über zwei Jahre langsamer an als die der Patienten, die ein Placebo erhielten.
Die Verkalkung der Herzkranzgefäße, ein wichtiger Marker für Arteriosklerose, betrifft viele. Schätzungen zufolge leiden circa 4,7 Millionen Menschen in Deutschland an Arterienverhärtungen, was ihr Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich erhöht.

Vitamin K bremst koronare Atherosklerose leicht

Die Ergebnisse der Studie, die kürzlich in „JAMA Cardiology“ veröffentlicht wurde, deuten darauf hin, dass die Einnahme von Vitamin K2 in Form von Menaquinon-7 (MK-7) das Fortschreiten der Kalziumablagerungen in den Arterien von Patienten mit bestehender Herzerkrankung verlangsamen könnte.
Die Studie wurde von 2012 bis 2022 an zwei Krankenhäusern in den Niederlanden durchgeführt und umfasste 180 Patienten mit Anzeichen von Kalziumablagerungen in den Arterien. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Gruppe mit einer täglichen Dosis von 360 Mikrogramm MK-7 oder der Placebo-Gruppe zugeordnet.
Bei denjenigen, die MK-7 einnahmen, war der Anstieg der arteriellen Kalziumablagerungen geringer. Kalziumablagerungen in den Arterien führen dazu, dass diese steif und hart werden.
„Die vorliegenden Daten stützen unsere Hypothese, dass eine zweijährige Supplementierung mit MK-7 die Verkalkung der Koronararterien bei Personen mit symptomatischer [koronarer Herzkrankheit] abschwächt“, schrieben die Autoren der Studie.
Die Wirkung von MK-7 schien sich jedoch darauf zu beschränken, das Fortschreiten zu verlangsamen. Der Effekt war jedoch nicht stark genug, um die Anzahl der Patienten mit einer besonders schnellen Verkalkungsprogression im statistisch relevanten Ausmaß zu verringern.
Die Autoren merkten an, dass die klinische Bedeutung ihrer Ergebnisse noch in weiteren Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl untersucht werden müsste.

Warum es helfen könnte

MK-7 ist eine hoch bioverfügbare Form von Vitamin K2, einem Nährstoff, der Kalzium in die Knochen statt in die Blutgefäße leitet.
Mechanistisch gesehen scheint MK-7 die Aktivität eines Proteins namens Matrix-Gla-Protein (MGP) zu verstärken, das von Natur aus Kalziumablagerungen in den Blutgefäßen hemmt. Bei den mit MK-7 behandelten Personen sank der Spiegel an inaktivem MGP signifikant, was darauf hindeutet, dass mehr aktives Protein zur Verfügung stand, um die Blutgefäße vor Kalziumablagerungen und Verhärtung zu schützen.
Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse bleibt die klinische Bedeutung der Verringerung der Kalziumablagerungen ungewiss.
Denn in der Studie wurden die tatsächlichen Herzinfarkt- oder Schlaganfallraten nicht gemessen; daher bleibt unklar, ob eine Verlangsamung der Kalziumablagerung tatsächlich zu weniger kardiovaskulären Ereignissen führt. Kalziumablagerungen in den Arterien sind ein allgemein anerkannter Prädiktor für zukünftige Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Probleme, weshalb die Forscher die bildgebenden Befunde für weiterverfolgenswert halten – auch wenn sie für sich genommen keine Verringerung tatsächlicher kardialer Ereignisse belegen.
Die Ergebnisse seien „vielversprechend“, sagte Dr. Sirisha Vadali, Fachärztin für nichtinvasive Kardiologie und Lipidologie bei HonorHealth, die nicht an der Studie beteiligt war, in einem Interview mit The Epoch Times.
Ihre Zurückhaltung rührt daher, was in der Studie tatsächlich gemessen wurde. Die Forscher verfolgten bildgebende Befunde – Kalziumwerte in CT-Scans – anstatt konkrete Endpunkte wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle.
„Obwohl Kalzium in den Koronararterien ein wichtiger Marker für das kardiovaskuläre Risiko ist, benötigen wir noch größere Studien, um festzustellen, ob eine Verlangsamung der Verkalkung tatsächlich zu besseren Langzeitergebnissen für die Patienten führt“, sagte Vadali.
„Zwar können Nahrungsergänzungsmittel eine Rolle spielen, doch erfordert die kardiovaskuläre Prävention einen ganzheitlichen Ansatz, und eine Änderung des Lebensstils sollte die Grundlage bleiben.“

Ein wesentliches Risiko: Die Wechselwirkung mit Warfarin

Kardiologen weisen darauf hin, dass Patienten, bevor sie die Einnahme dieses Nahrungsergänzungsmittels in Betracht ziehen, zunächst ein Sicherheitsproblem beachten sollten: die Wechselwirkung zwischen Vitamin K2 (Menachinon) und dem Blutverdünner Warfarin (Coumadin).
Warfarin blockiert die Wirkung von Vitamin K, und eine Vitamin-K2-Supplementierung kann die blutverdünnende Wirkung von Warfarin teilweise aufheben, was möglicherweise das Risiko für Blutgerinnsel erhöht, sagte Dr. Meera D. Kondapaneni, außerordentliche Professorin für Medizin und interventionelle Kardiologin am MetroHealth in Cleveland, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
„Patienten, die Warfarin einnehmen, sollten es daher vermeiden, mit der Einnahme von Vitamin-K2-Präparaten zu beginnen, ohne dies zuvor mit ihrem Arzt zu besprechen“, riet Kondapaneni.
Sie wies darauf hin, dass Warfarin nach wie vor das einzige wirksame Antikoagulans für Patienten mit metallischen Herzklappen (nicht für Herzklappen aus Schweine- oder Rindergewebe) ist und weiterhin bei einigen Patienten mit Vorhofflimmern oder venöser Thromboembolie – einer Erkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel in einer Vene bildet – eingesetzt wird.
„Im Gegensatz dazu scheint Vitamin K2 die blutverdünnende oder gerinnungshemmende Wirkung der direkten oralen Antikoagulanzien, darunter Apixaban (Eliquis), Rivaroxaban (Xarelto) und Dabigatran (Pradaxa), nicht zu beeinträchtigen“, sagte Kondapaneni.
Für ansonsten gesunde Menschen, so sagte sie, habe sich Vitamin K2 im Allgemeinen als sicher erwiesen, selbst bei relativ hohen Dosen, und es sei keine klar definierte obere Sicherheitsgrenze festgelegt worden.
„Allerdings sind, wie bei jedem Nahrungsergänzungsmittel, die Daten zur Langzeitsicherheit nach wie vor begrenzter als bei häufig verschriebenen Medikamenten“, sagte sie.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Vitamin K2 May Help Slow Artery Hardening, Study Finds“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Saisonal, regional und gesund: Erntekalender für heimisches Obst und Gemüse


In Kürze:

  • Obst und Gemüse sind Bestandteil einer gesunden und nachhaltigen Ernährung.
  • Die große Auswahl im Supermarkt lässt oft vergessen, dass Obst und Gemüse nicht ganzjährig wachsen.
  • Saisonales, heimisches Obst und Gemüse bietet den besten Geschmack, den höchsten Nährstoffgehalt und die beste Ökobilanz.
  • Der Erntekalender unterstützt Sie nicht nur im Garten, sondern auch in der Kaufhalle dabei, auf Gesundheit, Umwelt und Geldbeutel zu achten.

 
Viele Obst- und Gemüsesorten stehen in unseren Supermärkten ganzjährig zur Verfügung. Es gibt zum Beispiel frische Erdbeeren im Winter oder Gurken das ganze Jahr über. Zum einen ist das ganzjährige und vielfältige Obst- und Gemüseangebot ein unschätzbarer Vorteil, denn es versorgt uns jederzeit mit frischen Vitaminen und anderen Mikronährstoffen.
Zum anderen gehen damit auch Nachteile einher, vor allem wenn Produkte aus Übersee auf langen See- oder Flugreisen zu uns kommen. Damit Obst und Gemüse während der langen Transportzeiten nicht vorzeitig verderben, wird es häufig unreif geerntet und mit Pestiziden behandelt. Dies schadet nicht nur dem Vitamingehalt und dem Geschmack, sondern belastet auch die Gesundheit.

Die bessere Wahl: saisonale und regionale Lebensmittel

Wer hingegen auf regional und saisonal geerntetes Obst und Gemüse zurückgreift, leistet nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, sondern profitiert oft auch von einem intensiveren Geschmack und einem höheren Nährstoffgehalt – insbesondere bei Lebensmitteln aus biologischem Anbau. Wer das intensive Aroma frischer regionaler Erdbeeren im Sommer kennt, weiß, wie groß der Unterschied zu importierter Ware im Winter sein kann.
Zudem sind Lebensmittel während der Erntesaison häufig preisgünstiger. Wer regionale Lebensmittel kauft, unterstützt außerdem die heimische Landwirtschaft und trägt dazu bei, die Lebensmittelversorgung auch in Krisenzeiten zu sichern sowie die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten zu verringern.

Was hat wann Saison?

Bei der großen Auswahl in Supermärkten ist es oft schwierig, auf den ersten Blick zu erkennen, welches Obst und Gemüse in Deutschland jeweils Saison hat. Dabei stehen in Deutschland das ganze Jahr über verschiedene Obst- und Gemüsesorten aus regionalem Anbau zur Verfügung – entweder frisch geerntet oder als Lagerware. Das Wissen, welche Sorten wann geerntet werden, kann dabei unterstützen, auch beim Einkauf bewusst regionale und saisonale Produkte auszuwählen.

Wurzel- und Kohlgemüse

Die Auswahl an regionalem Wurzelgemüse ist sehr groß und viele Wurzelgemüsesorten stehen das ganze Jahr zur Verfügung. Karotten, Kartoffeln, Rote Bete, Knollensellerie, Pastinaken, Wurzelpetersilie und Zwiebeln werden beispielsweise ab dem Sommer frisch geerntet und können anschließend oft bis zur nächsten Ernte eingelagert werden.
Radieschen und Rettiche sind ab dem Frühjahr erntereif und bis zum ersten Frost frisch verfügbar. Winterrettichsorten lassen sich zudem problemlos mehrere Monate in Sand eingeschlagen lagern.
Kohlgemüse zählt zu den typischen heimischen Gemüsearten und ist ebenso nahezu das ganze Jahr regional verfügbar. Blumenkohl wird ab April, Brokkoli, Spitzkohl und Weißkohl ab Mai, Rotkohl ab Juni und Chinakohl von August bis November frisch geerntet. Grünkohl bereichert das Angebot ab Juni, Rosenkohl von September bis Februar. Viele Kohlarten sind zudem über die Wintermonate als Lagergemüse verfügbar.

Fruchtgemüse

Fruchtgemüse ist meist nur saisonal regional verfügbar. Grüne Bohnen und Erbsen haben von Mai bis Oktober Saison, Tomaten, Zucchini, Paprika, Zuckermais und Aubergine zählen zum Sommergemüse und sind nur einige Monate lang verfügbar. Gurken aus unbeheizten Gewächshäusern gibt es in der Regel von Mai bis Oktober.
Regionale Tomaten und Gurken werden häufig bereits ab Februar angeboten. Sie stammen dann größtenteils aus beheizten Gewächshäusern, deren Energiebedarf den ökologischen Fußabdruck erhöhen kann.
Kürbisse bilden eine Ausnahme der Fruchtgemüse: Als typisches Herbstgemüse sind sie dank ihrer guten Lagerfähigkeit bis in den Frühling hinein regional verfügbar.

Blatt- und Sprossgemüse

Die Auswahl an heimischen Blattgemüsen ist sehr vielfältig und sie können teilweise ganzjährig angebaut werden. So sind Kopf- und Pflücksalate ab März, Spinat ab April, Eisberg-, Endivien- und Romanasalate ab Mai und alle oft bis Oktober oder November verfügbar.
Feldsalat bereichert unsere Ernährung nahezu ganzjährig als nährstoffreiches Blattgemüse. Ebenso ist Chicorée aufgrund seiner besonderen Anbaumethode und guten Lagerfähigkeit nahezu ganzjährig aus regionaler Produktion erhältlich.
Asia-Salate liefern ab September über die Wintermonate hinweg bis Juni frisches Blattgrün, während Mangold von Juli bis November Saison hat. Zuckerhut ist ein typischer Herbst- und Wintersalat, der von September bis Dezember geerntet wird.
Spross- und Stängelgemüse wie Kohlrabi, Fenchel und Stangensellerie bereichern von Mai bis November das regionale Gemüseangebot. Lauch beziehungsweise Porree ist wiederum ganzjährig verfügbar – von April bis Dezember frisch vom Feld und von Januar bis März als Lagerware. Spargel und Rhabarber sind hingegen nur von April bis Juli regional erhältlich.

Obst und Beeren

Die Saison der frischen süßen Früchte eröffnen die Erdbeeren im Mai. Himbeeren erfreuen uns ab Juni und reifen oft bis Ende Oktober. Johannisbeeren sind typische Sommerfrüchte und haben von Juni bis August Saison. Stachelbeeren sind von Juni bis August erhältlich, Aroniabeeren von August bis September und Brombeeren meist von August bis Oktober.
Bei Stein- und Kernobst eröffnen die Kirschen im Juni die Saison. Aprikosen (Marillen) und Pfirsiche folgen zwischen Juni und August. Auch Birnen und Pflaumen werden ab August erntereif und sind bis September beziehungsweise Oktober verfügbar. Birnen können je nach Sorte bis in den Januar hinein gelagert werden.
Weintrauben werden von August bis Oktober geerntet, Quitten von September bis November.
Von allen heimischen Obstsorten stehen Äpfel am längsten regional zur Verfügung. Sie werden von August bis Oktober geerntet und können anschließend unter geeigneten Bedingungen bis Mai – häufig sogar bis zur nächsten Ernte – als Frischobst gelagert werden.

Welche Früchte und Gemüse gibt es nur importiert ?

Südfrüchte sind hierzulande nur als Importware erhältlich. Dazu zählen: Banane, Ananas, Mango, Papaya, Kokosnuss, Passionsfrucht, Guave, Litschi und Datteln. Sie stammen meist aus Ländern Afrikas, Asiens sowie Mittel- und Südamerikas und legen lange Transportwege zurück, bevor sie auf unseren Tellern landen.
Südfrüchte aus Südeuropa wie zum Beispiel Orangen, Zitronen, Mandarinen, Grapefruit, Mangos, Avocado, Kiwi und Feigen weisen eine günstigere Ökobilanz auf.
Auch beim Gemüse gibt es Sorten, die nur importiert erhältlich sind, wie zum Beispiel Artischocken, Okra, Yamswurzel, Lotuswurzel und Kurkuma.
Viele regionale Früchte und Gemüse werden außerhalb ihrer saisonalen Ernte zu einem großen Teil importiert. Die Vielfalt heimischer Obst- und Gemüsesorten zeigt allerdings, dass eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche und nachhaltige Ernährung größtenteils mit regionalen Produkten möglich ist. Wer in Hofläden und auf Wochenmärkten einkauft, kann direkt vom Erzeuger die Lebensmittel beziehen, hat oft eine größere Auswahl an saisonalen Produkten und stärkt gleichzeitig die regionale Wertschöpfung.
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Warum Brokkoli eines der gesündesten Gemüse ist


In Kürze:

  • Brokkoli ist ein nährstoffreiches Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler, das besonders viel Vitamin C und K sowie sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Für die Gesundheit besonders bedeutend sind die enthaltenen Senfölglycoside (Glucosinolate) und deren Abbauprodukt Sulforaphan.
  • Auch Blätter, Strunk und Sprossen des Brokkolis sind nährstoffreich.
  • Um die Inhaltsstoffe möglichst gut zu erhalten, ist eine schonende Zubereitung wichtig.

 
Brokkoli (Brassica oleracea var. Italica) zählt zur Familie der Kreuzblütler und ist eine Varietät des Gemüsekohls, wie beispielsweise auch Blumenkohl, Kohlrabi oder Rosenkohl. Die Wildform des Gemüsekohls stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum. Vorläufer des Brokkolis wurden bereits von den Griechen und Römern geschätzt.
Brokkoli enthält viele Vitamine, Mineralstoffe und bioaktive Pflanzenstoffe, die die Gesundheit auf vielfältige Weise unterstützen können.

Wichtige Vitamine und Mineralien

Das grüne Gemüse enthält etwa 95 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm und deckt damit einen Großteil des Tagesbedarfs eines Erwachsenen. Vitamin C schützt die Zellen vor oxidativem Stress und kann der Entstehung chronischer Erkrankungen vorbeugen. Zudem ist es an zahlreichen Entgiftungsprozessen im Körper beteiligt und wichtig für das Immunsystem, starke Knochen und ein jugendliches Hautbild.
Des Weiteren zählt Brokkoli zu den Vitamin-K-reichsten Lebensmitteln. Mit dem Verzehr von nur 100 Gramm Brokkoli nimmt man mehr als den empfohlenen Tagesbedarf an Vitamin K zu sich. Vitamin K ist am Knochenstoffwechsel und an der Blutgerinnung beteiligt. Es aktiviert Proteine, die dafür sorgen, dass Calcium direkt in den Knochen oder Zähnen eingelagert wird und die Bildung von unerwünschten Calciumablagerungen in den Blutgefäßen gehemmt wird. Da Vitamin K zu den fettlöslichen Vitaminen zählt, sollte Brokkoli mit etwas Fett oder Öl zubereitet werden, um die Aufnahme von Vitamin K zu verbessern.
Darüber hinaus enthält Brokkoli Folat, das für eine gesunde Zellteilung sorgt, sowie andere B-Vitamine, insbesondere B5 und B6. Beide Vitamine sind wichtig für die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und Eiweiß und stärken die Nerven. Vitamin B6 spielt zudem eine wichtige Rolle im Hormonhaushalt, beispielsweise in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.
Schließlich versorgt uns Brokkoli mit den essenziellen Mineralien Kalium, Magnesium, Calcium und Phosphor sowie den Spurenelementen Eisen und Zink. Kalium ist ein lebensnotwendiger Elektrolyt, der hohem Blutdruck entgegenwirkt und die Ausscheidung von Wasseransammlungen im Körper unterstützt. Ebenso essenziell ist Magnesium für unseren Körper. Es ist an hunderten Stoffwechselfunktionen und an allen Energievorgängen des Körpers beteiligt. Gemeinsam mit Calcium und Phosphor stärkt Magnesium Knochen und Zähne.
Brokkoli ist zudem ballaststoffreich und kalorienarm und damit ein unverzichtbares Gemüse für eine ausgewogene und gesunde Ernährung.

Sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien

Darüber hinaus stecken in Brokkoli zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Dazu zählen Carotinoide wie Lutein, Zeaxanthin und Betacarotin, Flavonoide wie Kaempferol und Quercetin sowie Glucosinolate, zu deren Abbauprodukte Sulforaphan gehört und die fast ausschließlich in Kreuzblütlern vorkommen.
All diese Stoffe schützen unsere Zellen vor den Schäden freier Radikale und mindern das Risiko für viele Krankheiten, die auf chronischen Entzündungen beruhen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder verschiedene Krebserkrankungen.
Eine besondere Rolle spielt Sulforaphan, das in Brokkoli in hohen Konzentrationen vorkommt. Forschungsergebnisse zeigen, dass Sulforaphan vor verschiedenen Krebsarten schützen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und bei Autismus und Osteoporose helfen kann. Des Weiteren konnten blutzuckersenkende Wirkungen des Scharfstoffes festgestellt werden. Außerdem stellten Forscher an einem Mausmodell fest, dass Sulforaphan aus Brokkoli Darmentzündungen lindern kann.
Einen besonders hohen Gehalt an Glucosinolaten – und somit auch an Sulforaphan – weisen drei bis fünf Tage alte Brokkolisprossen auf. Ihr Gehalt kann um das Zehn- bis Hundertfache höher sein als in den Röschen des ausgewachsenen Brokkolis.
Aufgrund seiner zahlreichen Inhaltsstoffe zählt Brokkoli zweifellos zu den gesündesten Gemüsesorten und sollte regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Er aktiviert den gesamten Stoffwechsel und unterstützt die täglichen Entgiftungsprozesse im Körper. Regelmäßig genossen, trägt sein hohes entzündungshemmendes und antioxidatives Potenzial zur täglichen Gesundheitsvorsorge bei.

So bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten

Um alle Nähr- und Inhaltsstoffe optimal aufnehmen zu können, ist unter anderem die richtige Zubereitung entscheidend. Viele der genannten Vitalstoffe wie etwa Vitamin C, B-Vitamine, Folsäure, teilweise auch Flavonoide und insbesondere die Senföle sind wasserlöslich, licht- und hitzeempfindlich. Sie bauen sich durch lange Lagerung und langes Kochen allmählich ab. Daher sollte Brokkoli entweder roh verzehrt oder nur kurz gedämpft oder schonend gegart werden. Da roher Brokkoli nicht jedem schmeckt, kann gekochter Brokkoli durch die Zugabe von frischen Brokkolisprossen wieder mit Vitalstoffen aufgewertet werden.
Auch Blätter, Strunk und Stängel des Brokkolis enthalten wertvolle Inhaltsstoffe und können mitverwendet werden.
Brokkoli hat in Mitteleuropa von Juni bis Oktober Saison. Um die Nährstoffverluste zu minimieren, sollte er möglichst frisch geerntet und verwendet sowie nur kurzfristig kühl und dunkel gelagert werden. Alternativ kann auf tiefgekühlten Brokkoli zurückgegriffen werden. Zudem ist es empfehlenswert, Brokkoli in Bioqualität zu kaufen, da er aus konventionellem Anbau häufig mit Pestiziden belastet ist.
Wer das Glück hat, einen eigenen Garten zu besitzen, kann Brokkoli sogar mehrfach beernten. Wichtig ist, nur den Haupttrieb mit den Blütenknospen zu ernten. Die Seitentriebe bilden daraufhin wiederum neue Blütenknospen, die ebenfalls geerntet werden können.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Manuka-Honig: Potenzielle Hilfe bei trockenen Augen, Zahnfleischbluten und mehr

Manuka-Honig ist weit mehr als nur ein süßer Brotaufstrich. Der seltene Honig aus Neuseeland wird seit Jahren wegen seiner besonderen antibakteriellen Eigenschaften geschätzt und ist Gegenstand zahlreicher Studien.
Ob bei Halsschmerzen, der Wundheilung oder Beschwerden an Augen, Nase und Mund – immer mehr Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Manuka-Honig gesundheitliche Vorteile bieten kann. Doch was macht ihn so besonders?

Was Manuka-Honig so einzigartig macht

„Nicht jeder Honig ist gleich“, sagte Tina Alexander, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
Gewöhnlicher Rohhonig bekämpft Bakterien mithilfe von Wasserstoffperoxid. Dieser Stoff zerfällt jedoch unter dem Einfluss von Hitze, Licht oder Körperflüssigkeiten relativ schnell. Manuka-Honig wirkt dagegen über einen anderen Mechanismus: Seine sogenannte peroxidfreie antimikrobielle Wirkung gilt als besonders stabil und bleibt auch unter schwierigen Bedingungen erhalten.
Gewonnen wird Manuka-Honig aus dem Nektar des Manuka-Strauchs (Leptospermum scoparium), der ausschließlich in Neuseeland wächst. Da die Pflanze nur wenige Wochen im Jahr blüht und überwiegend in abgelegenen Regionen vorkommt, ist der Honig vergleichsweise selten.

Der Manuka-Strauch (Leptospermum scoparium) wächst ausschließlich in Neuseeland und ist die Grundlage für den besonderen Honig.

Foto: MollyNZ / iStock

Das erklärt mit, warum ein Glas – je nach Reinheit – zwischen 20 und 200 Dollar kosten kann. Hinzu kommen seine außergewöhnlichen medizinischen Eigenschaften.
Ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichem Honig ist der hohe Gehalt an Methylglyoxal (MGO). Dieser Stoff besitzt antibakterielle, entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften und gilt als entscheidend für viele der gesundheitlichen Wirkungen von Manuka-Honig.
Dazu zählen unter anderem die Unterstützung der Wundheilung sowie die Linderung von Halsschmerzen, Husten und Verdauungsbeschwerden.
Er ist in der Regel dunkler und deutlich dickflüssiger. Seine sogenannte thixotrope Eigenschaft sorgt dafür, dass er bei Raumtemperatur fest bleibt, sich beim Umrühren jedoch verflüssigt.
Wer Manuka-Honig kaufen möchte, sollte auf die UMF-Kennzeichnung (Unique Manuka Factor) achten. Dieses Bewertungssystem bestätigt die Reinheit, Wirksamkeit und Echtheit von Manuka-Honig aus Neuseeland. Die Einstufung reicht von UMF 5+ bis UMF 25+ und gibt Aufschluss über die MGO-Konzentration sowie die Stärke der antibakteriellen Wirkung.

Mögliche Vorteile für die Augen

Eine kürzlich in Frontiers in Ophthalmology veröffentlichte Studie legt nahe, dass Augentropfen auf Manuka-Honig-Basis postoperative Beschwerden wie trockene Augen besser lindern könnten als herkömmliche künstliche Tränen.
25 Patienten erhielten die Manuka-Honig-Tropfen, 28 die Standardbehandlung. Über den Zeitraum von der Operation bis einen Monat danach wurden Trockenheit, Reizungen, Rötungen, Entzündungen und die Stabilität des Tränenfilms regelmäßig untersucht.
Einen Monat nach der Operation berichteten die Patienten aus der Manuka-Honig-Gruppe über weniger Trockenheit und Reizungen sowie einen höheren Augenkomfort. Zudem zeigten sie weniger Rötungen und Entzündungen als die Vergleichsgruppe.
Die Autoren der Studie weisen allerdings darauf hin, dass die Studie klein angelegt war und nur einen kurzen Zeitraum umfasste. Die Ergebnisse seien daher lediglich „hypothesenbildend“ und müssten in größeren, längerfristigen Studien bestätigt werden.

Vorteile für die Nasengänge und Nasennebenhöhlen

Manuka-Honig wird seit Langem zur Linderung von Erkältungs- und Grippesymptomen eingesetzt. Besonders seine Wirkung auf Bakterien und Entzündungsprozesse macht ihn für die Anwendung im Bereich der Nase und Nebenhöhlen interessant.
Laboruntersuchungen zeigen, dass Manuka-Honig das Wachstum verschiedener Bakterien hemmen kann, darunter auch antibiotikaresistente Stämme.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Antibiotika, die häufig über einen einzelnen Angriffspunkt wirken, greift Manuka-Honig Bakterien auf mehreren Wegen gleichzeitig an. In bisherigen Beobachtungen konnten Forscher keine Resistenzentwicklung feststellen.
Auch bei Grippeviren wurden positive Ergebnisse beobachtet. In einer weiteren Laborstudie aus dem Jahr 2014 zeigte Manuka-Honig im Vergleich zu anderen Honigsorten die stärkste Wirkung gegen das Influenzavirus und verringerte dessen Fähigkeit, sich in Zellen zu vermehren.
Wurde Manuka-Honig mit den antiviralen Medikamenten Oseltamivir (Tamiflu) und Zanamivir (Relenza) kombiniert, war für eine vergleichbare Wirkung eine deutlich geringere Medikamentendosis erforderlich – fast ein Tausendstel der normalerweise benötigten Menge.
Eine kleine klinische Studie mit 19 Personen untersuchte zudem die Wirkung von Manuka-Honig bei primärer atrophischer Rhinitis, einer chronischen Erkrankung, bei der sich Nasengewebe und schleimproduzierende Drüsen zurückbilden.
Die Teilnehmer verwendeten acht Wochen lang auf einer Nasenseite ein Spray mit 10 Prozent Manuka-Honig und auf der anderen Seite eine Kochsalzlösung. Auf der Manuka-Seite wurden deutlichere Verbesserungen festgestellt, darunter eine geringere Entzündung der Nasenschleimhaut und eine Zunahme nützlicher Bakterien im Nasenmikrobiom.
Im Handel sind verschiedene Nasensprays mit Manuka-Honig erhältlich. Sie kombinieren meist gereinigten Manuka-Honig in medizinischer Qualität mit Kochsalzlösung, um die Nasengänge mit Feuchtigkeit zu versorgen, Reizstoffe auszuspülen, Verstopfungen zu lindern und die natürliche Schutzfunktion der Nase zu unterstützen.
Die Zusammensetzung und der MGO-Gehalt unterscheiden sich je nach Produkt. Bei chronischen Infektionen sollte jedoch ein Arzt oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt hinzugezogen werden, statt sich ausschließlich selbst zu behandeln.

Vorteile für die Mundgesundheit

Dass ein süßer Stoff die Mundgesundheit unterstützen soll, klingt zunächst ungewöhnlich. Manuka-Honig unterscheidet sich jedoch von raffiniertem Zucker. Forscher sehen ihn eher als natürliche, nährstoffreiche Substanz mit besonderen Eigenschaften und nicht als gewöhnliches Süßungsmittel.
Mehrere Studien haben gezeigt, dass Manuka-Honig schädliche Bakterien im Mund hemmen, die Bildung von Zahnbelag verringern und Zahnfleischentzündungen lindern kann. Auch bei Menschen mit Mundtrockenheit wurden positive Ergebnisse beobachtet.
Eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte 42 ältere Erwachsene mit Xerostomie (Mundtrockenheit). Dabei schnitten Mundspülungen mit Manuka-Honig besser ab als Spülungen mit normalem Honig oder Kochsalzlösung, wenn es darum ging, den Speichelfluss anzuregen. Die Teilnehmer bewerteten die Anwendung zudem als sehr zufriedenstellend.
In einer weiteren Studie zeigte Manuka-Honig eine stärkere Wirkung gegen Zahnbelag als Xylitol-Kaugummi. Gleichzeitig war die Wirkung vergleichbar mit Chlorhexidin-Mundwasser, einer antiseptischen Mundspülung, die unter anderem zur Verringerung von Zahnfleischbluten, bei Zahnfleischentzündungen und zur Unterstützung der Heilung nach zahnärztlichen Eingriffen eingesetzt wird.
Auch eine kleine Pilotstudie kam zu ähnlichen Ergebnissen. Teilnehmer, die dreimal täglich nach den Mahlzeiten zehn Minuten lang auf einem „Leder“ aus Manuka-Honig kauten, hatten nach 21 Tagen weniger Zahnbelag und Zahnfleischbluten als die Vergleichsgruppe, die zuckerfreien Kaugummi verwendete.
Neben der Mundpflege wird Manuka-Honig häufig auch bei Halsschmerzen eingesetzt. Seine dickflüssige Konsistenz legt sich schützend über die Schleimhaut, kann gereiztes Gewebe beruhigen und wirkt gegen Bakterien, die häufig an Halsschmerzen beteiligt sind, darunter Streptococcus mutans. Üblicherweise wird Manuka-Honig in einer Menge von 1 bis 2 Esslöffeln eingenommen – pur oder eingerührt in warmes Wasser beziehungsweise Tee.

Dosierung und Vorsichtsmaßnahmen

Wer Manuka-Honig in den Alltag integrieren möchte, sollte einige wichtige Punkte beachten.
Als übliche Portion gelten 1 bis 2 Teelöffel. Eine deutlich größere Menge bringt laut der Ernährungsberaterin Tina Alexander keinen zusätzlichen therapeutischen Vorteil. Stattdessen kann sie den Blutzucker- und Insulinspiegel erhöhen und zusätzliche Kalorien liefern.
Auch für Manuka-Honig gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie für herkömmlichen Honig: Säuglinge unter 12 Monaten sollten ihn wegen des Risikos für Botulismus nicht erhalten. Menschen mit Diabetes sollten aufgrund des hohen Zuckergehalts vorsichtig mit dem Verzehr sein.
„Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht bleibt Honig ein zugesetzter Zucker, hauptsächlich aus Fruktose und Glukose mit einem hohen glykämischen Index“, sagte die Ernährungsberaterin Tina Alexander. Deshalb sollte Manuka-Honig ihrer Einschätzung nach eher gezielt als funktionelles Mittel eingesetzt werden und nicht als tägliches Wellness-Produkt.
Bei größeren Mengen können außerdem Beschwerden wie Blähungen oder eine leicht abführende Wirkung auftreten.
Honig wird in der traditionellen Medizin seit langer Zeit verwendet. Manuka-Honig unterscheidet sich jedoch durch seine besonderen Eigenschaften von gewöhnlichem Honig und wird deshalb häufig als besonders wirkungsvolle Variante angesehen.
Seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten machen ihn für viele Menschen zu einer interessanten Ergänzung in Küche und Hausapotheke.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „From Dry Eyes to Bleeding Gums: Manuka Honey’s Potential Health Benefits“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Vitamin D: Können Kapseln und Sonne im Sommer zu viel des Guten sein?

Letzten Monat saß Frau L., 68 Jahre alt, ruhig und sachlich vor mir in meiner Praxis. Ich kenne sie als eine Patientin, die ihre Gesundheit mit großer Sorgfalt betrachtet.
„Herr Doktor“, sagte sie, „jetzt ist endlich Sommer. Ich nehme seit Monaten Vitamin D wegen meines Mangels. Aber kann ich damit nicht irgendwann zu viel bekommen?“ Ihre Frage war nüchtern, aber mit dem klaren Wunsch nach Orientierung.
Genau diese Art von Unsicherheit begegnet mir immer wieder: Menschen, die zwischen Sonnenlicht, Nahrungsergänzung und widersprüchlichen Empfehlungen nicht mehr wissen, was für ihre Gesundheit richtig ist.

Sommersonne als trügerische Sicherheit

Vitamin D ist essentiell für ein funktionierendes Immunsystem, die Kalziumaufnahme sowie die Knochen- und Zahngesundheit. Damit die körpereigene Bildung des Vitamins in ausreichenden Mengen stattfindet, ist die UV-B-Strahlung im natürlichen Sonnenlicht wesentlich.
Allerdings ist Deutschland kein Land, in dem die Sonne zuverlässig für stabile Vitamin-D-Spiegel sorgt. Tatsächlich erreichen selbst im Hochsommer viele Menschen nicht die notwendige UV-B-Intensität, weil sie im Alltag nicht ausreichend direkte Sonne bekommen.
Studien zeigen, dass selbst in sehr sonnigen Regionen viele Menschen zu wenig Vitamin D haben.
Noch deutlicher wurde dies in der deutschen DEGS1-Analyse aus dem Jahr 2014, die belegte, dass über die Hälfte der Bevölkerung auch im Sommer keine optimalen Vitamin-D-Spiegel hat.
Das bedeutet: Die Sommermonate mit mehr Sonnenstrahlung sind hilfreich, aber sie sind kein verlässlicher Garant. Faktoren wie Alter, Hauttyp, Medikamenteneinnahme und Lebensstil beeinflussen die Produktion massiv – ein Punkt, den viele Patienten nicht kennen oder unterschätzen.

Die Gefahr der Überdosierung

Vitamin D unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von vielen anderen Vitaminen: Der Körper kann es nicht beliebig ausscheiden, wenn zu viel vorhanden ist.
Genau darin liegt der Grund, warum eine Überdosierung möglich ist – auch wenn sie selten vorkommt.
Was der Körper an wasserlöslichen Vitamin C oder B nicht braucht, spült er einfach wieder weg. Vitamin D ist jedoch fettlöslich: Der Körper kann es nicht einfach ausscheiden, sondern speichert es ab.
Diese Speicherfähigkeit ist grundsätzlich ein Vorteil, denn sie ermöglicht eine langfristige stabile Versorgung über Wochen. Doch sie bedeutet auch, dass der Körper Vitamin D im Fettgewebe und in der Leber anreichert.
Wenn über längere Zeit deutlich zu hohe Mengen eingenommen werden, kann der Spiegel so stark steigen, dass der Kalziumhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Genau dieser Mechanismus – die sogenannte Hyperkalzämie – ist der Grund, warum Vitamin D anders bewertet werden muss als wasserlösliche Vitamine.
Die Frage nach einer möglichen Überdosierung ist also berechtigt. In meiner Praxis sehe ich Überdosierungen allerdings extrem selten. Viel häufiger sehe ich Menschen, die trotz Sommerlicht und Nahrungsergänzung weiterhin im Mangel bleiben.
Die Übersichtsarbeit von Vieth über die Ergänzung von Vitamin D zeigte, dass selbst höhere Dosierungen als empfohlen, über längere Zeiträume keine toxischen Werte erzeugten, solange sie ärztlich begleitet wurden.
Gleichzeitig warnen wissenschaftliche Analysen vor unkontrollierter Selbstmedikation ohne Laborwerte.
Die Gefahr liegt also nicht im Vitamin D selbst, sondern im fehlenden Monitoring. Wer blind supplementiert, kann theoretisch zu hohe Werte erreichen. Wer seinen Spiegel kennt, bewegt sich dagegen in einem sicheren Bereich.
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Studien, die zeigten, wie stark die individuelle Reaktion auf Vitamin-D-Gaben variiert. Zwei Menschen mit identischer Dosierung können abhängig von verschiedenen Faktoren, wie Genetik oder Body-Mass-Index, völlig unterschiedliche Vitamin-D-Spiegel entwickeln.
Genau deshalb ist die pauschale Empfehlung „Im Sommer braucht man kein zusätzliches Vitamin D“ wissenschaftlich nicht haltbar.

Warum ich jeden Spiegel messe – und warum das der entscheidende Schritt ist

Als Frau L. vor mir saß, wusste ich aus früheren Messungen, dass ihr Spiegel selbst im Sommer schnell absinkt. Ihr Körper produziert weniger Vitamin D, ein Phänomen, das bei älteren Menschen gut dokumentiert ist. Ich erklärte ihr, dass die Sonne ihr hilft, aber in ihrem Fall nicht ausreichend. Und dass eine tatsächliche Überdosierung nur dann möglich wäre, wenn sie unkontrolliert eine Nahrungsergänzung mit zu hoher Dosis einnehmen würde.
In der ganzheitlichen Medizin ist Vitamin D kein isolierter Stoff, sondern Teil eines komplexen Systems aus Stoffwechsel, Immunfunktion und hormoneller Regulation. Deshalb ist die Laboranalyse für mich der zentrale Schritt. Sie schafft Klarheit, verhindert Fehldosierungen und ermöglicht eine individuelle, sichere Versorgung.
Die wissenschaftliche Literatur unterstützt dieses Vorgehen. Studien zeigen, dass Menschen mit kontrollierter Supplementation stabilere und sicherere Werte erreichen als jene, die ohne Laborwerte dosieren. Das bestätigt, was ich seit Jahren in der Praxis beobachte: Kontrolle schützt – nicht selbstständiger Verzicht an heißen Tagen.

Fazit

Vitamin D ist ein zentraler Gesundheitsfaktor, der weit über die Sommermonate hinaus Bedeutung hat.
Die Sonne hilft bei der Vitamin-D-Versorgung , aber sie ersetzt keine Laboranalyse. Eine Überdosierung ist theoretisch möglich, aber selten – und fast ausschließlich dann, wenn Menschen ohne Kontrolle supplementieren.
Mein Tipp aus der ganzheitlichen Praxis lautet daher: Immer zuerst den Spiegel bestimmen lassen und erst danach angepasst supplementieren. So wird Vitamin D zu einem präzisen Werkzeug, nicht zu einem Risiko. Wer seinen Wert kennt, kann sicher, wirksam und individuell versorgt werden – im Sommer wie im Winter.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Der Cholesterin-Irrtum: Warum das Standardblutbild Ihr wahres Herzrisiko verschweigt

Es ist der klassische Satz beim Hausarzt, der uns erleichtert aufatmen lässt: „Ihre Cholesterinwerte sind im grünen Bereich, alles bestens!“ Wir packen unsere Sachen und gehen beruhigt nach Hause. Doch die moderne Kardiologie gibt zu bedenken, dass diese grundlegende Laboruntersuchung unter Umständen nicht das vollständige Risiko abbildet.
Während die gesetzliche Vorsorge in Deutschland primär und leitliniengerecht auf das klassische LDL-Cholesterin schaut, hat die Wissenschaft längst weitere Facetten der Herz-Kreislauf-Prävention erforscht. Wer sein Herz umfassend schützen will, kann zusätzlich auf Marker aus der präventiven Langlebigkeitsmedizin setzen, die über das LDL-Cholesterin hinausgehen.

Das Problem mit dem Gewicht: Warum LDL nur einen Teil der Wahrheit zeigt

Das Standardblutbild misst beim LDL-Cholesterin das Gesamtgewicht des Fetts in einer bestimmten Menge Blut. Das ist so, als würde man die Staugefahr auf einer Autobahn ermitteln, indem man das Gesamtgewicht aller Fahrzeuge bestimmt. Für die Stauentwicklung macht es jedoch einen Unterschied, ob zehn tonnenschwere Lastwagen oder hunderte kleine Autos unterwegs sind.
Hier kommt ein weiterer Wert ins Spiel: Apolipoprotein B (ApoB). Dieser Wert gibt Aufschluss über die tatsächliche Anzahl der gefäßschädigenden Fetttransportteilchen im Blut. Zwei Menschen können denselben, unauffälligen LDL-Wert haben, und doch trägt einer von ihnen ein statistisch höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, weil sein Blut eine höhere Dichte an kleineren ApoB-Partikeln aufweist.
Der aktuell empfohlene klinische Konsens lautet, dass bei Menschen mit einem geringen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein ApoB-Wert über 90 mg/dL erhöhte medizinische Aufmerksamkeit erhalten sollte. Für Patienten mit einem hohen Risiko, wie beispielsweise Diabetes-Patienten mit Bluthochdruck oder wenn bereits ein Herzinfarkt stattgefunden hat, gelten Schwellenwerte zwischen 60 und 70 mg/dL.

Der unterschätzte genetische Faktor

Noch wenig im allgemeinen Bewusstsein verankert ist ein weiterer Faktor: Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Die Konzentration von Lp(a) im Blut ist laut Forschungen überwiegend genetisch bestimmt und bleibt über das gesamte Leben konstant. Auch ein gesunder Lebensstil mit viel Sport und ausgewogener Ernährung kann den Lp(a)-Wert nicht maßgeblich beeinflussen. Wer mit einem hohen Lp(a)-Wert geboren wird, hat einen genetisch bedingten Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Statistisch gesehen betrifft dies etwa jeden fünften Erwachsenen in Deutschland. Das Problem: Die meisten von ihnen wissen es nicht, da der Wert im regulären Check-up meist nicht standardmäßig bestimmt wird. Die europäische Kardiologie-Leitlinie empfiehlt, den Lp(a)-Wert mindestens einmal im Leben bestimmen zu lassen.
Die Deutsche Herzstiftung definiert Werte unter 30 mg/dl (75 nmol/l) als optimal. Ab 30 mg/dl gilt der Wert als leicht erhöht, und ab einem Wert von über 50 mg/dL (über 125 nmol/L) ist das Risiko deutlich erhöht, was eine präventive Begleitung erfordert.

Die Risikofaktoren in den Adern

Selbst ein guter Cholesterinwert nützt wenig, wenn in den Gefäßen eine unbemerkt fortschreitende Entzündung vorliegt. Entzündliche Prozesse in der Gefäßwand tragen maßgeblich zur Entstehung und zum Fortschreiten gefährlicher Plaques bei.
Ein wichtiger Indikator dafür ist das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP). Zeigt dieser Wert mehr als 2,0 mg/L an, signalisiert das eine aktive Entzündung der Gefäßwände. Ein solcher Zustand macht die Adern anfälliger für Verkalkungen – unabhängig davon, wie gut die übrigen Fettwerte aussehen.
Zusätzlich steht ein erhöhter Wert der Aminosäure Homocystein mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle in Zusammenhang.

Der frühzeitige Fehlalarm beim Zucker

Ein erweiterter Blick auf die Blutwerte kann jedoch nicht nur das Fett, sondern auch den Zucker betreffen. Wenn der Hausarzt den Blutzucker misst und dieser normal ist, kann dies jedoch auch ein Trugschluss sein, denn der Körper ist ein Meister der Kompensation.
Droht der Blutzucker durch falsche Ernährung oder Bewegungsmangel zu steigen, schüttet die Bauchspeicheldrüse als Kompensation erhöhte Mengen an Insulin aus, um den Wert unten zu halten.
Diese sogenannte Insulinresistenz lässt sich oft mehrere Jahre vor einem echten Diabetes im Blut nachweisen – allerdings nur, wenn das Nüchterninsulin gemessen wird. Während der normale Blutzuckertest möglicherweise noch Unauffälligkeit signalisiert, kann die beginnende Entgleisung des Stoffwechsels bereits die Arterien schädigen. Steigt der Blutzucker dann schließlich doch, ist die Erkrankung meist schon weit fortgeschritten.

Werden Sie zum Manager Ihrer eigenen Gesundheit

Das Wissen über diese Marker ist längst kein Geheimnis mehr. Es ist allgemein verfügbar. Warum testet der Hausarzt sie also nicht standardmäßig? Die Antwort ist systembedingt: Unser Gesundheitssystem konzentriert sich im Rahmen der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen primär auf die Akutversorgung und etablierte Basis-Screenings.
Die präventive Feineinstellung der Gesundheit liegt daher aktuell in der Eigenverantwortung.
 
 
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Das Gehirn blinder Menschen organisiert sich um


In Kürze:

  • Forscher der Max-Planck-Gesellschaft nutzten hochauflösende MRT-Technologie, um die Mikrostruktur des Gehirns zu untersuchen.
  • Dabei stellten sie fest, dass die Sehrinde blinder Menschen dicker als die sehender Menschen ist.
  • Ursache ist, anders als bisher angenommen, offenbar eine geringere Myelinisierung des Gehirns.
  • Diese stellt jedoch keine Beeinträchtigung dar, da die umgeformte Sehrinde andere Funktionen wie Sprachverarbeitung und Arbeitsgedächtnis übernimmt.

 
Die Entwicklung des menschlichen Gehirns ist einer der komplexesten biologischen Prozesse. In den ersten Lebensjahren finden im Gehirn enorme Veränderungen statt, die dazu beitragen, seine Funktionsweise zu optimieren. Allein im ersten Jahr vergrößert sich die Oberfläche der Großhirnrinde um etwa drei Viertel, während ihre Dicke um rund ein Drittel zunimmt.
Zu Beginn der Entwicklung bildet das Gehirn weit mehr Verbindungen zwischen Neuronen, als es tatsächlich benötigt. Im Laufe des Lebens werden häufig genutzte Verbindungen gestärkt, während andere in einem als „Pruning“ bezeichneten Prozess eliminiert werden.
Gleichzeitig schreitet ein weiterer Prozess – die Myelinisierung – im gesamten Gehirn voran. Dabei werden die Nervenfasern von einer Fettschicht umhüllt, die ähnlich wie die Isolierung um elektrische Leitungen funktioniert und die Signalübertragung beschleunigt. Diese „Isolierung“ entwickelt sich je nach den Bedürfnissen der einzelnen Hirnregionen unterschiedlich.
Neuronen in sensorischen Kortexen wie dem visuellen und auditorischen Kortex sind stark myelinisiert, während Neuronen im Frontallappen, der für höhere kognitive Funktionen zuständig ist, weniger Myelin aufweisen.
Anna-Lena Stroh vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig erklärte:
„Aus Tierstudien wissen wir bereits, dass Sinneserfahrungen einen enormen Einfluss auf diese Entwicklungsprozesse haben. Die genauen Mechanismen hinter diesem Einfluss sind jedoch Gegenstand laufender Forschung.“
„Menschen, die von Geburt an blind sind, spielen in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle, da sich ihr Gehirn ohne visuelle Reize entwickelt. So lassen sich die Auswirkungen von Sinneserfahrungen auf die Gehirnentwicklung gezielt untersuchen.“

Dickere Sehrinde

Seit vielen Jahren beobachten Forscher, dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, dicker erscheint als der von sehenden Menschen. Die vorherrschende Erklärung lautete, dass Blindheit den Pruningprozess stört, wodurch überschüssige neuronale Verbindungen im visuellen Kortex zurückbleiben.
Um diese Idee zu überprüfen, holte sich das Team aus Leipzig Unterstützung von Forschern aus Polen. Mittels modernster Bildgebungstechnologien konnten sie so Hirngewebe in außergewöhnlich hoher Detailgenauigkeit charakterisieren.
Insgesamt reisten 24 von Geburt an blinde Personen nach Leipzig, um an bildgebenden Messungen des Gehirns teilzunehmen. Sie wurden mit sehenden Kontrollpersonen verglichen, die hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar waren.
„Dank hochauflösender Daten […] konnten wir die Mikrostruktur des Gehirns im Submillimeterbereich abbilden und so mehrere wichtige Muster aufdecken“, erklärte Nikolaus Weiskopf, Direktor der Abteilung Neurophysik am MPI in Leipzig. Weiter sagte er:
„Wie bereits in früheren Studien beobachteten wir, dass der visuelle Kortex bei blinden Menschen dicker erschien.“
Entscheidend sei jedoch, dass Weiskopf und Kollegen zeigen konnten, „dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, weniger myelinisiert war“. Hinweise auf einen gestörten Pruningprozess fanden die Forscher dagegen nicht. Sie schlossen aber auch nicht aus, dass der Prozess irgendeine Rolle spielen könnte.

Grenze zwischen grauer und weißer Substanz

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine verringerte Myelinisierung ein zentraler Faktor für die bei Blindheit beobachteten strukturellen Unterschiede im Gehirn ist. „Eine verminderte Myelinisierung kann auch beeinflussen, wie die Grenze zwischen grauer und weißer Substanz in MRT-Aufnahmen erscheint“, erläuterte Anna-Lena Stroh. „Dadurch kann die Großhirnrinde in MRT-Messungen dicker erscheinen.“
Zusätzliche Analysen zeigten, dass diese Veränderungen auch die weiße Substanz betrafen. Diese ist für die Informationsübertragung zwischen verschiedenen Hirnregionen zuständig. Gleichzeitig beobachteten die Forscher keine Unterschiede in Hirnarealen, die mit dem Hören oder Tasten in Verbindung stehen. Daher glauben die Wissenschaftler, dass die beschriebenen Veränderungen direkt mit dem Fehlen visueller Erfahrungen zusammenhängen.
Doch nur weil sich das Gehirn umstrukturiert, bedeutet dies nicht, dass es beeinträchtigt ist. Bei blinden Menschen ist der visuelle Kortex an Funktionen wie der Sprachverarbeitung, dem Arbeitsgedächtnis und der kognitiven Kontrolle beteiligt. Interessanterweise sind auch die Gehirnregionen, die diese Funktionen bei sehenden Menschen unterstützen, tendenziell weniger myelinisiert.
„Daher stehen die Unterschiede, die wir bei blinden Menschen beobachten, völlig im Einklang mit dem, was dieser Kortex bei blinden Menschen tatsächlich leistet“, resümiert Marcin Szwed von der Jagiellonen-Universität in Krakau. „Der visuelle Kortex bei blinden Menschen ist nicht beeinträchtigt – er ist nur anders organisiert.“
Die zugehörige Studie erschien am 10. Juli 2026 im Fachmagazin „Science Advances“.
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Warum Knochen- und Muskelschwund nicht nur eine Folge des Alterns sind


In Kürze:

  • Osteoporose und Sarkopenie – also Knochen- und Muskelschwund – nehmen bereits in jüngeren Jahren ihren Anfang.
  • Knochen und Muskeln wachsen durch Belastung. Fehlt diese, verkümmern sie.
  • Auch die Biochemie von Knochen und Muskeln bestimmt, ob sie schwinden oder wachsen.
  • Doch gesunde Knochen und Muskeln brauchen nicht nur Sport und eine gute Ernährung, sondern auch Energie in den Zellen.

 
Der Abbau von Knochen, Muskeln und Kraft gehört zu den folgenschwersten Aspekten des Alterns. Denn Gebrechlichkeit ist einer der stärksten Prädiktoren für Pflegebedürftigkeit und Tod nach dem 65. Lebensjahr. 
Doch glücklicherweise kann man diesem Abbau sehr gut entgegenwirken und ihn sogar umkehren. Personen, die ihre muskuloskelettale Kraft erhalten, sind laut Studien weitaus besser in der Lage, auch vieles andere länger zu bewahren: Unabhängigkeit, Gleichgewicht, Stoffwechsel und sogar die kognitive Widerstandsfähigkeit, die sich aus körperlicher Leistungsfähigkeit ergibt.
Um diesen Verfall umzukehren, bedarf es einer umfassenderen Perspektive. In meiner Praxis prüfe ich jeden Patienten anhand des ACES-Modells für Gesundheit und Medizin. Dieses Modell beschreibt vier Dimensionen, die beeinflussen, wie der Körper im Laufe der Zeit seine Struktur bewahrt oder verliert – Anatomie, Chemie, Energie und Seele.
Knochen- und Muskelschwund ist selten auf ein Versagen in nur einer dieser Dimensionen zurückzuführen. Die Behandlung von nur einer oder zwei Dimensionen – hier ein Rezept, dort ein Nahrungsergänzungsmittel – kann oftmals nicht verhindern, dass viele ältere Patienten immer wieder stürzen und Belastungen des Alltags nicht mehr gewachsen sind.

Anatomie: Der Körper wird durch das geformt, was man von ihm verlangt

Knochen und Muskeln sind lebendes Gewebe und reagieren direkt auf Belastung: Widerstand, Stöße und Gewicht, die das Gewebe wirklich herausfordern.
Nimmt man das weg, erhalten die Osteoblasten – die Zellen, die Knochen aufbauen – einfach keinen Befehl mehr, zu arbeiten.
Für die Muskeln gilt dieselbe Regel, mit einer gravierenden Ergänzung: Der Körper baut aktiv Gewebe ab, das er als entbehrlich einstuft. Ab etwa dem 40. Lebensjahr werden die Muskeln zunehmend unempfänglich für die Signale, die sie einst aufgebaut haben, wie etwa Bewegung oder Protein aus der Nahrung. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache als anabole Resistenz beschrieben. 
Das bedeutet vereinfacht, dass dasselbe Protein und Training, die mit 30 noch zum Muskelaufbau führten, mit 60 nicht mehr ausreichen. Wer den Reiz nicht verstärkt, verliert jedes Jahr ein wenig mehr an Muskelmasse.
Das moderne Leben beschleunigt all diese physiologischen Veränderungen. Der durchschnittliche Erwachsene sitzt heute ungefähr zehn Stunden pro Tag. Die Hüftbeuger verkürzen sich, die Gesäßmuskeln werden inaktiv, der obere Rücken rundet sich nach vorne und die hintere Muskelkette, also die gesamte Muskulatur der Körperrückseite – das strukturelle Rückgrat der menschlichen Bewegung sozusagen –, verkümmert.

Tipps, was Sie tun können

Geben Sie Ihrem Skelett und Ihren Muskeln einen Anreiz, zu bleiben. Für die meisten Erwachsenen heißt das: Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche. Das bedeutet,  große Muskelgruppen mit einem sinnvollen Gewicht, gepaart mit einer leichten Stoßbelastung, zu trainieren. Selbst etwas so Einfaches wie auf den Zehenspitzen oder Fersen stehen, kann den Knochen dazu anregt, sich zu erneuern. 
Sie müssen die Belastung im Laufe der Zeit steigern, denn Muskeln und Knochen passen sich an den Reiz an, nicht an Wiederholungen. Wenn Sie noch keine Erfahrung mit Krafttraining haben, beginnen Sie unter Anleitung eines Trainers oder Physiotherapeuten, der Ihnen sichere Übungen empfehlen kann.

Chemie: Was Ihr Blut Ihnen verrät

Die Biochemie von Knochen und Muskeln wird selten eingehend untersucht – da sie normalerweise über die Standard-Laboruntersuchungen hinausgeht.

Vitamin D

Der optimale Serumspiegel von Vitamin D liegt zwischen 30 und 50 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Unterhalb dieses Wertes stockt die Kalziumaufnahme. Um die Funktion des Bewegungsapparats aufrechtzuerhalten, empfehle ich allerdings 50 bis 80 ng/ml.
Schnell zuckende Fasern brauchen Vitamin D. Mit ihm sind sie schnell und stark genug, um uns aufzufangen, wenn wir stolpern. Deshalb äußert sich ein Vitamin-D-Mangel nicht nur in Knochenschwund, sondern auch in echter Muskelschwäche und -unsicherheit, was zu einem deutlich höheren Sturzrisiko führt.

Vitamin K2 

Vitamin K2 leitet Kalzium in die Knochen und weg von den Blutgefäßen. Ein Patient, der Kalzium und Vitamin D ohne K2 einnimmt, baut möglicherweise schwache Knochen auf und lässt gleichzeitig seine Arterien verkalken.

Magnesium

Der Körper benötigt Magnesium, um Vitamin D zu aktivieren und Muskeln anzuspannen. Gleichzeitig hilft Magnesium, den Spiegel des Hormons Parathormon zu regulieren, der den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel steuert. 
Ein subtiler Mangel äußert sich in Krämpfen, unruhigem Schlaf und unerklärlicher Müdigkeit.

Protein

Protein brauchen wir, um die Muskelmasse zu erhalten. Erwachsene über 40 benötigen etwa 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Dabei ist nicht nur die Gesamtzufuhr wichtig, sondern auch, dass wir das Protein über den Tag verteilt und nicht in einer großen Mahlzeit aufnehmen.

Hormone

Hormone sind für den Erhalt von Knochen und Muskeln unerlässlich, nehmen aber im mittleren Alter ab. Dazu gehören unter anderem IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1), Wachstumshormon, DHEA (Baustein für die Produktion wichtiger männlicher und weiblicher Sexualhormone, darunter Testosteron und Östrogen) sowie Schilddrüsenhormone.
Den Hormonhaushalt zu bestimmen und – sofern klinisch angebracht – wiederherzustellen, kann zu Ergebnissen führen, die kein Trainingsprogramm allein erreichen kann.

Tipps, was Sie tun können

Bitten Sie Ihren Arzt um eine Untersuchung, die über das Wesentliche hinausgeht: Vitamin D, Magnesium (idealerweise Magnesium in den roten Blutkörperchen) und, je nach Ihrer Krankengeschichte, die relevanten Hormone. 
Beziehen Sie den Großteil Ihres Proteins aus proteinreichen Vollwertnahrungsmitteln. Eine gute Quelle sind unter anderem
  • Eier,
  • Geflügel, 
  • Rinderfleisch, 
  • frischer oder konservierter Thunfisch oder Lachs,
  • griechischer Joghurt. 
Essen Sie bei jeder Mahlzeit proteinreiche Lebensmittel und versuchen Sie nicht, die benötigte tägliche Proteinmenge nur bei einer Mahlzeit zu sich zu nehmen.
Betrachten Sie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D und K2 sowie Magnesium als gezielte Korrektur gemessener Mangelzustände und nicht als wahlloses Einnehmen von Tabletten. Gehen Sie eine Hormontherapie als eine sorgfältige Entscheidung an, die Sie gemeinsam mit einem sachkundigen Arzt treffen.

Energie: Die Kraft zum Wiederaufbau

Selbst ein makelloses Training und eine perfekte Ernährung können scheitern, wenn dem Körper die zelluläre Energie fehlt, um darauf zu reagieren. Der Aufbau von Knochen und Muskeln ist stoffwechseltechnisch aufwendig und hängt von gesunden Mitochondrien ab – den Kraftwerken unserer Zellen.
Personen mit chronischer Müdigkeit, anhaltenden postviralen Syndromen oder erheblicher toxischer Belastung verlieren laut Untersuchungen schneller an Muskel- und Knochenmasse. Das kommt dadurch, dass die zelluläre Energie für deren Wiederaufbau beeinträchtigt ist.
Der Wiederaufbau findet im Schlaf statt, denn der Körper schüttet Wachstumshormone vor allem im Tiefschlaf aus. Genau während dieser Zeit baut der Körper Muskelproteine auf, baut altes Knochengewebe ab und ersetzt es durch neues.
Sechs Stunden Schlaf können nicht das leisten, was acht Stunden ermöglichen, ganz gleich, wie diszipliniert Ihr Training auch sein mag.

Tipps, was Sie tun können

Stellen Sie sicher, dass sie ausreichend schlafen: 
  • Halten Sie regelmäßige Schlafenszeiten ein, 
  • sorgen Sie für ein dunkles und kühles Schlafzimmer,
  • verzichten Sie spätabends auf Bildschirme und auf Alkohol, da beides den Tiefschlaf beeinträchtigt. 
Wenn Ihre Müdigkeit in keinem Verhältnis zu Ihrem Leben zu stehen scheint, nehmen Sie sie ernst, anstatt sie einfach zu ignorieren. Fragen Sie Ihren Arzt zusätzlich nach Schilddrüsen-, Eisen- und B12-Werten sowie – sofern Ihre Vorgeschichte dies nahelegt – nach umweltbedingten und stoffwechselbedingten Faktoren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Bone and Muscle Loss Is More Than Just Aging“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Neue Studie: Nächtliches Fasten halbierte die Symptome von Morbus-Crohn

selbst moderne Behandlungsmöglichkeiten wirken bei bis zu 40 Prozent der Menschen mit Morbus Crohn nicht ausreichend. Bei einem Teil der Patienten, die zunächst auf die Therapie ansprechen, lässt die Wirkung mit der Zeit nach.
Forscher suchen deshalb nach ergänzenden Ansätzen – und richten den Blick dabei auch auf eine einfache Maßnahme: verlängerte Fastenphasen über Nacht. Dafür konzentrierten sie sich auf Patienten mit Morbus Crohn und einem Body-Mass-Index (BMI) über 25. Ab einem BMI von 25 gilt man laut Definition der WHO als übergewichtig, ab einem BMI von 30 als adipös.
Eine in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlichte randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte erstmals anhand einer kleinen Gruppe übergewichter Morbus-Crohn-Patienten, ob zeitlich begrenztes Essen einen Einfluss auf die Beschwerden haben kann. Die Teilnehmer aßen innerhalb eines achtstündigen Zeitfensters und fasteten an sechs Tagen pro Woche jeweils 16 Stunden.
Dabei zeigte diese Ernährungsweise deutliche Verbesserungen: Die Bauchschmerzen gingen um 50 Prozent zurück, die Stuhlfrequenz verringerte sich um 40 Prozent im Vergleich zum Beginn der Studie.
Zudem zeigten die Teilnehmer niedrigere Werte für systemische Entzündungen und verloren eine geringe, aber klinisch relevante Menge an Körperfett.
„Die Teilnehmer der Fastengruppe zeigten eine stärkere Verbesserung ihrer [gastrointestinalen] Symptome im Zusammenhang mit Morbus Crohn, wodurch sich ihr klinischer Remissionsstatus vertiefte“, sagte Dr. Maitreyi Raman, Gastroenterologin und außerordentliche Professorin für Medizin an der Universität von Calgary sowie leitende Autorin der Studie, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.

Fasten führte in einer ersten Studie zu besserer Symptomkontrolle bei Morbus Crohn (Dr. Maitreyi Raman).

Foto: Lacheev/iStock

Die Studie im Detail

Insgesamt nahmen 35 Menschen mit Morbus Crohn und einem BMI zwischen 25 und 35 an der Studie teil. Sie wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt:
Eine Gruppe von 20 Teilnehmern verlängerte ihre nächtliche Fastenphase, indem sie die letzte Mahlzeit des Tages früher einnahm. Die Kontrollgruppe – bestehend aus 15 Personen – setzte ihre bisherigen Essgewohnheiten fort.
Die Forscher untersuchten unter anderem den BMI sowie Blut- und Stuhlproben der Teilnehmer. In der Fastengruppe sank der BMI der Teilnehmer im Durchschnitt um einen Punkt – ein Wert, der als klinisch bedeutsamer Gewichtsverlust gilt.
Gleichzeitig nahm auch das viszerale Fett, also das Fettgewebe im Bauchraum, das die inneren Organe umgibt, ab.
Auch die Beschwerden wurden erfasst. Mithilfe des Harvey-Bradshaw-Index, der unter anderem die Stuhlfrequenz, Bauchschmerzen und das allgemeine Wohlbefinden bewertet, stellten die Forscher eine deutliche Verbesserung der Symptome fest.

Es geht nicht darum, weniger zu essen

Bemerkenswert war, dass sich die Fastengruppe und die Kontrollgruppe während der gesamten Studie hinsichtlich der aufgenommenen Kalorienmenge und der Zusammensetzung ihrer Nahrung kaum unterschieden.
Dennoch fanden die Forscher Unterschiede bei mehreren Entzündungsbotenstoffen, die vom Fettgewebe gebildet werden. Dazu zählten Leptin, Plasminogenaktivator-Inhibitor-1 und Adipsin.
Diese sogenannten Adipokine spielen eine Rolle bei der Steuerung von Immunreaktionen und Entzündungsprozessen im Körper.
„Wir kommen daher zu dem Schluss, dass die Vorteile des Gewichtsverlusts nicht ausschließlich mit einer Energieeinschränkung oder -reduktion zusammenhängen, sondern vielmehr mit den zirkadianen Rhythmen und dem Zeitpunkt der Mahlzeiten“, sagte Raman.
Matthew Breit, Postdoktorand und staatlich geprüfter Ernährungsberater am Anschutz Medical Campus der University of Colorado, erklärte der englischsprachigen Epoch Times gegenüber, dass Fasten möglicherweise verschiedene Stoffwechselprozesse beeinflussen kann.
Dazu gehören eine bessere Insulinempfindlichkeit, eine verbesserte metabolische Flexibilität – also die Fähigkeit des Körpers, zwischen der Energiegewinnung aus Glukose und Fett zu wechseln – sowie eine mögliche Regulierung der Immunaktivität. Breit war nicht an der Studie beteiligt.
Die Ergebnisse müssen jedoch mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Die Forscher erfassten die Energieaufnahme der Teilnehmer anhand von Selbstauskünften.
Daher lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass einige der beobachteten Effekte auch durch nicht erfasste Veränderungen der Kalorienzufuhr entstanden sein könnten.

Die innere Uhr des Darms

Auch im Darmmikrobiom zeigten sich bei der Fastengruppe positive Veränderungen. Die Forscher stellten unter anderem eine Zunahme von Bakterien fest, die kurzkettige Fettsäuren bilden.
Diese Bakterien kommen bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) und Stoffwechselstörungen häufig in geringerer Menge vor. Sie können eine wichtige Rolle für die Funktion der Darmbarriere und die Regulierung des Immunsystems spielen.
Bei Teilnehmern, die stärker abnahmen, fanden die Forscher außerdem weniger Bakterienarten, die mit Darmentzündungen und Schüben von entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) in Verbindung gebracht werden.
Dazu gehörten Bacteroides ovatus (eine Bakterienart, die natürlicherweise im menschlichen Darm vorkommt) sowie verschiedene Arten aus den Gruppen Escherichia (eine Gattung stäbchenförmiger, gramnegativer Bakterien, die natürlicher Bestandteil der menschlichen Darmflora sind) und Shigella (Bakterien, die schwere Magen-Darm-Infektionen auslösen können).
Viele Abläufe im Darm, darunter Stoffwechsel- und Immunprozesse, folgen einer inneren Uhr. Nach Einschätzung von Breit können längere Essensphasen diesen natürlichen Rhythmus beeinflussen.
„Fasten könnte helfen, diese peripheren Uhren wieder zu synchronisieren“, sagte er.
Dabei ist der Zeitpunkt der Mahlzeiten entscheidend, denn Essen wirkt als wichtiger Taktgeber für die sogenannten peripheren Uhren des Körpers. Diese zirkadianen Rhythmen steuern zahlreiche Prozesse in Organen und Geweben außerhalb des Gehirns, in dem sich die zentrale innere Uhr befindet.
Regelmäßige Essenszeiten könnten deshalb dazu beitragen, das Zusammenspiel zwischen Darmbakterien, Immunzellen und Stoffwechselprozessen wieder besser aufeinander abzustimmen.

Risiko durch viszerales Fett bei Morbus Crohn

Die Studie ergänzt eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen, die darauf hindeuten, dass überschüssiges Körperfett – insbesondere viszerales Fett im Bauchraum – den Verlauf von Morbus Crohn negativ beeinflussen und die Behandlung erschweren kann.
Ein höherer Anteil an viszeralem Fett wird mit häufigeren Krankenhausaufenthalten, erneuten Klinikaufnahmen und Operationen sowie einem schlechteren Ansprechen auf biologische Therapien in Verbindung gebracht.
Laut Raman könnte Gewichtsmanagement einschließlich Fasten in Kombination mit den üblichen Medikamenten dazu beitragen, „eine dauerhafte Remission zu erreichen“.
Sie wies außerdem darauf hin, dass intermittierendes Fasten möglicherweise auch für Menschen mit Normalgewicht interessant sein könnte, da auch sie trotz schlanker Figur erhöhte Mengen an viszeralem Fett aufweisen können. Allerdings sind Studien an Morbus-Crohn-Patienten mit Normalgewicht noch ausständig und es ist derzeit unklar, ob ein weiterer Gewichtsverlust für sie ähnliche Vorteile bringen könnte, wie sie in der Studie bei übergewichtigen Patienten beobachtet wurden.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Overnight Fasting Cut Crohn’s Symptoms by Half in New Trial“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Die stille Epidemie: Warum zu viele Medikamente im Alter krank machen

Vor drei Wochen kam Herr K., ein 78-jähriger Patient, erstmals in meine Praxis. Er wirkte müde, fahrig, und seine Schritte waren unsicher. Als er sich setzte, legte er mir eine lange Liste auf den Tisch – zwölf verschiedene Medikamente, verordnet von fünf unterschiedlichen Ärzten.
Während er sprach, fiel auf, wie oft er nach Worten suchte. Außerdem klagte er über Schwindel, Muskelschmerzen und Gedächtnisprobleme. Man hatte ihm erklärt, das sei „eben das Alter“. Doch schnell wurde mir klar, dass es nicht nur das Alter war, sondern die Last einer unkoordinierten Polypharmazie.
Der Begriff Polypharmazie bedeutet, dass ein Patient mindestens fünf verschiedene Medikamente gleichzeitig einnimmt. Bei vielen älteren Menschen, wie auch im Fall von Herrn K., ist die Medikamentenanzahl sogar im zweistelligen Bereich.
Als ich ihn fragte, wann zuletzt jemand seine gesamte Medikamentenliste überprüft habe, sah er mich überrascht an. „Noch nie“, sagte er.
Und obwohl er eine Liste besaß, stellte sich im Gespräch heraus, dass er zwei Tabletten mit identischem Aussehen, aber unterschiedlicher Stärke verwechselte. Er nahm seit Wochen die doppelte Dosis eines Blutdrucksenkers, weil die neue Packung anders aussah, als die alte.

Die stille Epidemie der Polypharmazie

Polypharmazie ist längst zu einem strukturellen Problem geworden. Millionen ältere Menschen in Deutschland nehmen täglich fünf, zehn oder mehr Medikamente ein. Die Verschreibungen stammen aus verschiedenen Praxen, oft ohne Rücksprache, und die Patienten selbst können die komplexen Pläne kaum überblicken.
Wissenschaftlich ist die Problematik seit Jahren klar dokumentiert. Studien belegten, dass ältere Patienten mit mehr als fünf Medikamenten ein deutlich erhöhtes Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen haben. Viele dieser Wechselwirkungen bleiben unentdeckt, weil die behandelnden Ärzte voneinander nichts wissen.
Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zeigen außerdem: Ältere Menschen nehmen oft Medikamente ein, die sie eigentlich gar nicht mehr brauchen.
Aus reiner Gewohnheit wird die Behandlung oft nicht angepasst. Das führt dazu, dass Patienten jahrelang Medikamente nehmen, die ihnen kaum noch helfen, aber trotzdem Nebenwirkungen haben.

Wenn Medikamente sich gegenseitig stören

In meiner täglichen Arbeit sehe ich oft, wie Medikamente miteinander konkurrieren, sich verstärken oder neutralisieren.
Schwindel ist beispielsweise eine häufige Folge, wenn Blutdrucksenker und Schlafmittel in Kombination verordnet werden. Ein weiteres Beispiel ist Muskelschwäche, die durch Statine ausgelöst werden kann. Statine können wiederum mit Protonenpumpenhemmern, die typischerweise bei Sodbrennen eingesetzt werden, interagieren und langfristig zu Nährstoffmängeln führen.
Die Altersforschung bestätigt diese Beobachtungen. Besonders eindrücklich war dazu eine Studie  die 2014 im „Journal of the American Geriatrics Society“ veröffentlicht wurde. Sie zeigte, dass unkoordinierte Polypharmazie signifikant mit Stürzen, Delirien und Krankenhausaufenthalten korreliert. Psychopharmaka und Schlafmittel erhöhen das Risiko dabei laut den Studienautoren besonders stark.
Eine weitere Untersuchung von schwedischen Forschern dokumentierte, dass die Zahl der verordneten Medikamente mit dem Alter steigt und das Risiko für Beschwerden durch Polypharmazie zunimmt,  während die Kommunikation zwischen Ärzten abnimmt.
Verschiedene Studien weisen zudem darauf hin, dass Patienten mit komplexen Medikamentenplänen häufiger Einnahmefehler machen, nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Einnahmepläne für sie nicht klar verständlich sind.
Die ganzheitsmedizinische Perspektive verfolgt deshalb den Ansatz, jede Medikamentenverordnung kritisch zu prüfen. Besonders relevant sind dabei wissenschaftliche Untersuchungen der kanadischen Professorin Dee Mangin. Sie zeigte, dass das gezielte Absetzen unnötiger Medikamente die Belastung der Patienten reduzieren und  Nebenwirkungen durch Arzneimittel vermindern kann.

Ohne Transparenz wird jede zusätzliche Tablette zum Risiko

Der wichtigste Schritt gegen die stille Epidemie der Polypharmazie ist Transparenz. Meine Empfehlung ist: Jede ältere Person sollte eine vollständige, aktuelle Medikamentenliste haben und sie bei jedem Arztbesuch vorlegen.
Ebenso wichtig ist es, die tatsächlichen Tabletten regelmäßig zu überprüfen – Farbe, Form, Stärke, Hersteller. Ein genauer Blick auf die Packung kann verhindern, dass Verwechslungen passieren und falsche Dosen eingenommen werden.
Mut spielt ebenfalls eine Rolle: Fragen Sie Ihren Arzt, ob jedes Medikament wirklich noch notwendig ist. Viele Präparate werden aus Routine weitergegeben, obwohl sie möglicherweise keinen Nutzen mehr haben.

Fazit

Polypharmazie ist eine stille, aber gefährliche Epidemie. Sie entsteht durch Zeitmangel, fehlende Abstimmung zwischen verschiedenen Fachärzten und die zunehmende Komplexität der medizinischen Versorgung.
Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass Beschwerden älterer Menschen nicht immer nur durch Krankheiten, sondern auch durch die unkoordinierte oder fehlerhafte Einnahme verschiedener Medikamente verursacht werden können.
Zeit für Gespräche, Zeit für Verständnis, Zeit für echte medizinische Begleitung. Genau diese Zeit brauchen Ärzte, um ältere Menschen sicher durch komplexe Therapiepläne zu führen und ihnen damit ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Beweglich und fit bis ins hohe Alter – Präventionsexperte Dr. Till Sukopp: „Es ist nie zu spät“

Rückenschmerzen, Antriebslosigkeit, ungewollte Gewichtszunahme. Bewegungsmangel ist längst zur Volkskrankheit geworden – dabei sind die Angebote so groß wie nie zuvor, sagt der Präventionsexperte Dr. Till Sukopp. Im Interview mit Epoch Times erklärt der Sportwissenschaftler und Bestsellerautor, warum wir trotzdem scheitern, wie einfach der Einstieg wirklich ist und weshalb Bewegung der Schlüssel zu einem langen, selbstbestimmten Leben bleibt.
Bereits in deiner Doktorarbeit hast du dich dem Thema Prävention gewidmet. Warum ist dieses Thema so wichtig – damals wie heute?
Ich will Menschen Mittel und Werkzeuge in die Hand geben, damit sie eigenverantwortlich möglichst lange gesund und vital bleiben. Ich habe mein ganzes Leben lang Sport gemacht, seit ich zwei war. Als Kind wurde ich gehänselt, weil ich immer der Kleinste war. Durch Sport habe ich mehr Selbstwertgefühl und Anerkennung bekommen. Im Teenageralter hatte ich schon meine erste Trainerausbildung für Selbstverteidigung. Ich brachte den Menschen bei, mehr auf ihre Gesundheit zu achten, fitter zu werden und mehr Selbstbewusstsein zu gewinnen. Als ich während meines Studiums der Sportwissenschaften Einblicke in Rehakliniken im internistischen/orthopädischen Bereich bekam, erlebte ich, wie schlecht es vielen Leuten ging. Dabei hätte ein Großteil ihrer Leiden durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden können. Dass man durch körperliche Aktivität und Training lange fit und gesund bleiben kann, war ein Teil der Therapie. Es hat mich derart fasziniert, Menschen auf einfachste Art und Weise zu helfen, dass ich mich tiefer in das Thema reingearbeitet habe.
Das ist jetzt 20 Jahre her. Hat sich die Beweglichkeit in der Gesellschaft seither verändert?
Die Menschheit wird immer schlapper, immer übergewichtiger, immer kränker. Die fortschreitende Digitalisierung sorgt dafür, dass wir uns kaum noch bewegen. Wir können vom Sofa aus Essen bestellen und es an die Tür liefern lassen. Vielen fällt gar nicht mehr auf, dass sie sich nicht bewegen. Die meisten Menschen, die ich betreue, sind bei den ersten Übungen entsetzt, wie schlecht ihr körperlicher Zustand ist.
Wann geht man heutzutage mal eine Treppe? Oder wer trägt seinen Koffer, wenn nicht gerade eine Rolle abgebrochen ist? Viele Menschen haben gar kein Bewusstsein mehr dafür, wie sehr uns unser Alltag in den Bewegungsmangel treibt. Aber während es auf der einen Seite immer mehr Bewegungsmangel, immer mehr Beschwerden, immer mehr Erkrankungen gibt, finden wir auf der anderen Seite eine Fülle an Gesundheits- und Sportangeboten, wie es sie noch nie gegeben hat. Dazwischen klafft eine eklatante Lücke. Es liegt nicht am Wissen. Jeder kann sich informieren. Aber die Leute kommen nicht in die Umsetzung oder haben Schwierigkeiten.
Woran liegt das?
Viele nehmen sich zu viel vor, trainieren zu intensiv, bis sie Schmerzen oder gar eine Verletzung haben. Wenn es zu kompliziert ist, zu lange dauert oder die Ergebnisse ausbleiben, steigen die Leute schnell wieder aus. Wer frustriert ist, gibt schnell auf. Andere fangen gar nicht an, weil sie völlig überfordert sind und sich nicht vorstellen können, wie sie Bewegungen in ihren Alltag integrieren können. Es gibt viele Glaubensmuster, die einen daran hindern, in die Umsetzung zu kommen. Die Leute müssen dort abgeholt werden, wo sie stehen.
Oft war der Ansatz des Trainings schon falsch und der Körper war noch gar nicht bereit für die Bewegung. Wenn ich beweglicher werden möchte und mein Körper unter Stress steht, tut sich nicht viel, weil der Körper erst einmal seine jahrelange Schutzspannung verlieren muss. Doch mit funktionellem Training ist es mit wenig Zeit und Aufwand möglich, fit zu werden. Bewegung ist der Faktor Nr. 1 für ein gesundes, langes Leben.
Was ist der Unterschied zwischen klassischem Krafttraining und funktionellem Training?
Beim Krafttraining trainiere ich den Motor, aber die Software dahinter nicht. Jeder kennt das aus dem Fitnessstudio, wo man an einer Maschine beispielsweise den Bizeps trainiert. Davon kann man zwar dicke Muskeln bekommen, aber für eine komplexe Bewegung im Alltag bringt das nicht viel, beispielsweise wenn man einen Koffer aufs Autodach hebt. Beim funktionellen Training orientiert man sich an natürlichen Bewegungen wie Drücken, Ziehen, Beugen, Rotation, Überkreuzbewegungen und unterschiedlichen Schrittstellungen.
Der Körper ist ein ganzheitliches System mit Faszien, das über das Nervensystem verbunden und gesteuert wird. Die Schultern sind mit den Hüften und Füßen verbunden. Dann sollte man das auch trainieren. Das funktionelle Training sorgt in der Regel dafür, dass wir naturgerechter trainieren und bessere Effekte mit geringerem Zeitaufwand erzielen.
„Das heißt: Wir schlagen viel mehr Fliegen mit einer Klappe.
Ich kann gleichzeitig Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer trainieren. Das ist alles gleichzeitig möglich, wobei man natürlich individuelle Schwerpunkte setzen kann.
Haben die Maschinen beim Krafttraining ausgedient?
Man kann sie schon noch einsetzen, dadurch kann der Körper gekräftigt werden. Das ist besser als gar nichts. Aber man muss aufpassen, da viele Menschen durch das ständige Sitzen das Gefühl für den Körper verloren haben. Bei fehlender Anleitung kann es zu Verletzungen kommen. Ein funktionelles Training ermöglicht häufig bessere Ergebnisse für die Gesamtfitness bei vergleichbarem Zeitaufwand, weil mehrere Komponenten gleichzeitig trainiert werden. Es erfordert aber auch mehr Anleitung.
Wie fängt man am besten mit funktionellem Training an und wie bleibt man dran?
Der erste Schritt, ins Tun zu kommen, ist der wichtigste. Den würde ich so klein wie möglich gestalten, also einfach loslegen. Während eure Leser unser Interview lesen oder hören, können sie zwischendurch schon ein paar Mal aufstehen und sich wieder hinsetzen.  Aufstehen, wieder hinsetzen. Dann ist der Anfang schon gemacht. Das kann man dann langsam steigern. Mit der Zeit werden wir uns besser fühlen, und wenn wir es regelmäßig machen, kommen automatisch die Ergebnisse. Also: Langsam anfangen, sich steigern und daraus neue Gewohnheiten entwickeln. Wir müssen dahin kommen, dass die Bewegungen zum Alltag dazugehören. Wie motiviert man sich zum Zähneputzen? Genau das ist der Schlüssel.
Wenn ich die Ergebnisse im Alltag spüre – ich kann mich besser bewegen, mir fällt vieles leichter, ich fühle mich körperlich besser – dann bleibe ich natürlich dran. Und irgendwann ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, zur neuen Identität.
Das hört sich einfach an. Wie gelingt die Umsetzung am besten?
Indem man möglichst jeden Tag zur selben Zeit in derselben Umgebung, in kleinen Schritten anfängt, sodass sich im Geist erst gar kein Widerstand regt. Wer schon am Morgen zu träge ist, wird womöglich auch nach der Arbeit zu erschöpft sein, um zu trainieren. Dann fallen einem jede Menge Argumente ein, warum man gerade heute eine Trainingspause einlegen sollte. In der Zeit, in der man noch überlegt, ob man trainieren sollte oder nicht, könnte man eigentlich schon loslegen. Ich kann die Wirbelsäule und die Gelenke ein bisschen durchbewegen, dann fühlt man sich schon besser und macht meistens auch mehr. Statt Knabberzeug im Sessel zu essen, kann man fünfmal in die Hocke gehen und wieder aufstehen – oder ich lege mich kurz auf den Bauch, drehe mich auf den Rücken, über die Seite und stehe auf. Dann habe ich mich schon einmal durchbewegt.
Manchmal reicht es auch aus, sich Sportkleidung anzuziehen oder seine Lieblingsmusik abzuspielen, die man als Anker nimmt; wenn man diese Musik hört, bewegt man sich schon. Oder wie wäre es, Eukalyptus-, Zitrus- oder Pfefferminzduft in der Wohnung zu vernebeln? Das macht wach, steigert die Konzentration und verbessert die Atmung. Also, da gibt es verschiedenste Möglichkeiten, wie man anfängt, aber das Wesentlichste und Einfachste ist, ins Tun zu kommen.
Wenn Bewegung zur Gewohnheit geworden ist – oder besser noch früher – kann ich mir Unterstützung von einem Trainer oder Therapeuten holen, der mir das Training besser strukturiert, sodass ich bei gleichem Zeitaufwand noch bessere Ergebnisse erziele und Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Ausdauer kombiniere.
Du hast dich auf die Altersgruppe ab 40 Jahren spezialisiert. Was gilt es da zu beachten?
Gerade ganzheitliches Krafttraining ist in der zweiten Lebenshälfte ab 40 Jahren nicht verhandelbar. Der Verlust an Muskelkraft und Muskelmasse ist einer der Hauptfaktoren für vorzeitiges Altern und eine vorzeitige Einweisung in ein Pflegeheim.  Die Menschen kommen nicht ins Altersheim, weil sie alt sind, sondern vor allem, weil sie sich zu wenig bewegen.
Die Forschung zeigt seit Jahrzehnten, dass selbst Menschen im Alter von 80, 90 oder mehr Jahren noch erstaunlich gut auf Training reagieren. In den berühmten Studien von Maria Fiatarone und Kollegen [1-4] verbesserten hochbetagte Pflegeheimbewohner im Alter von über 90 Jahren durch gezieltes Krafttraining ihre Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit und funktionelle Selbstständigkeit deutlich.
Auch zahlreiche spätere Untersuchungen bestätigten, dass regelmäßiges Krafttraining im Alter Mobilität, Lebensqualität und die Fähigkeit verbessert, den Alltag eigenständig zu bewältigen.
Die Botschaft dieser Studien ist bemerkenswert: Es ist fast nie zu spät, mit Bewegung zu beginnen. Wenn selbst 90-Jährige im Pflegeheim durch Krafttraining deutlich kräftiger, mobiler und selbstständiger werden können, dann ist es für die meisten Menschen zwischen 50 und 70 definitiv nicht zu spät, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.
Der Fokus sollte also auf dem Krafttraining liegen?
Krafttraining zählt heute zu den wirksamsten Maßnahmen, um körperliche Selbstständigkeit, Autonomie und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Wir können viele Folgen des Alterns deutlich verlangsamen und körperliche Fähigkeiten zurückgewinnen, die wir häufig vorschnell als „altersbedingt“ akzeptieren. Je nach Ausgangsniveau lassen sich innerhalb weniger Monate Verbesserungen erzielen, die in einzelnen körperlichen Leistungsmerkmalen dem Unterschied von 15 bis 20 Lebensjahren entsprechen können.
Der Altersforscher William J. Evans [5] beschreibt in seinem Buch „Biomarkers“, dass insbesondere Muskelmasse, Muskelkraft, Körperzusammensetzung und aerobe Leistungsfähigkeit zu den wichtigsten Merkmalen eines gesunden Alterns gehören. Die gute Nachricht: Alle diese Faktoren lassen sich durch gezieltes Training bis ins hohe Alter positiv beeinflussen.
Es ist nie zu spät, damit anzufangen: Mindestens einmal, besser zweimal wöchentlich sollten wir ein Ganzkörper-Krafttraining von 15 bis 25 Minuten zu Hause machen. Keiner braucht ein Fitnessstudio, keiner braucht Trainingsgeräte, Maschinen oder Hanteln. Für jeden gibt es passende Übungen.
Wenn jemand sagt: „Ich habe überhaupt keine Zeit für Sport.“ Was würdest du darauf antworten?
Grundsätzlich spreche ich nie von Sport, weil das für viele schon negativ behaftet ist. Ich spreche von körperlicher Aktivität oder Training. Keine Zeit gibt es nicht. Wir haben alle 24 Stunden am Tag Zeit, das ist eine Sache von Prioritäten.
Wenn jemand sagt, dass er keine Zeit hat, dann sage ich, derjenige hat es wirklich dringend nötig. Ein altes Zen-Sprichwort besagt: „Wer nicht täglich eine halbe Stunde Zeit zum Meditieren hat, sollte eine Stunde meditieren.“  Körperliche Aktivität ist eines der effektivsten Mittel, um Stress abzubauen und um stressresistenter zu werden. Mit anderen Worten, je stressiger der Alltag ist, desto dringender wird ein Bewegungsausgleich benötigt.
Mein Doktorvater hat immer gesagt: „Die Sportmedizin ist die Speerspitze der Präventivmedizin. Bewegung ist die Nummer eins.“ Natürlich, Ernährung, Entgiftung sowie die Reduktion von Elektrosmog und emotionalem Stress sind auch sehr wichtig. Aber Bewegung ist für viele der einfachste Faktor. Er ist sehr effektiv und hat im Vergleich zu vielen Medikamenten keine unerwünschten, sondern sehr viele positive Nebenwirkungen.
Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Susanne Ausic.
Über Dr. Till Sukopp
Dr. Till Sukopp ist Präventionsexperte, internationaler Bestsellerautor, Referent, Trainerausbilder, Coach und einer der bekanntesten deutschen Trainer für Functional Training. Nach seinem Studienabschluss zum Diplom-Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln hat er dort auch zum Doktor der Sportwissenschaften im Bereich Sportmedizin promoviert. Seit über 25 Jahren hilft er vor allem Menschen der Altersgruppe Ü40 dabei, ihre Beweglichkeit, Fitness und Figur um mindestens zehn Jahre zu verjüngen – ganz ohne Fitnessstudio, Diät und Verzicht. Neben Auftritten bei Gesundheitskonferenzen und Online-Kursen gibt er regelmäßig in der Dr. Sukopp Live-Show Ratsuchenden kostenlose Tipps rund um das Thema Beweglichkeit und Fitness.
Studienquellen
  1. Fiatarone MA, Marks EC, Ryan ND, Meredith CN, Lipsitz LA, Evans WJ. (1990)
    High-Intensity Strength Training in Nonagenarians
    New England Journal of Medicine, 323(5), 302–309.
    PubMed Originalstudie
  2. Fiatarone MA, O’Neill EF, Ryan ND et al. (1994)
    Exercise Training and Nutritional Supplementation for Physical Frailty in Very Elderly People
    New England Journal of Medicine, 330(25), 1769–1775.
    PubMed Originalstudie
  3. Frontera WR, Meredith CN, O’Reilly KP, Knuttgen HG, Evans WJ. (1988)
    Strength Conditioning in Older Men: Skeletal Muscle Hypertrophy and Improved Function
    Journal of Applied Physiology, 64(3), 1038–1044.
    PubMed Originalstudie
  4. Nelson ME, Fiatarone MA, Morganti CM et al. (1994)
    Effects of High-Intensity Strength Training on Multiple Risk Factors for Osteoporotic Fractures
    JAMA, 272(24), 1909–1914.
    PubMed Originalstudie
  5. Evans WJ, Rosenberg IH. (1991)
    Biomarkers – The 10 Determinants of Aging You Can Control
    Simon & Schuster.
    Hintergrundwerk zur Bedeutung von Muskelmasse, Kraft, Körperfettanteil, Stoffwechsel und Ausdauer für gesundes Altern.