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Messerdrohungen in bayerischer Regionalbahn – drei Schulkinder leicht verletzt

Zu einem Großeinsatz von Polizeikräften kam es am Mittwochmorgen, 15. Juli, im Areal in und um den Bahnhof in Ruhpolding, Regierungsbezirk Oberbayern. Dabei nahmen Beamte aus sechs Dienststellen einen 28-jährigen Afghanen fest, der zuvor einen Schaffner mit einem Messer bedroht haben soll.
Die Tat hat sich bisherigen Erkenntnissen zufolge in der Regionalbahn 53 ereignet. Diese verkehrt zwischen Traunstein und Ruhpolding. Der Tatverdächtige soll noch weitere Personen bedroht haben. Drei Schulkinder haben sich leicht verletzt, nachdem auf dem Bahnhofsgelände eine Panik ausgebrochen war und sie sich fluchtartig vom Ort des Geschehens entfernten.

Drei Schüler nach Panik am Bahnhof Ruhpolding verletzt

Ausgangspunkt des Geschehens soll eine Fahrkartenkontrolle gewesen sein. Um etwa 7:15 Uhr ging Polizeiangaben zufolge eine Meldung ein, wonach sich in der Regionalbahn 53 am Bahnhof in Ruhpolding ein Mann mit einem Messer befinde. Der Zug war dem Morgenverkehr entsprechend stark frequentiert, es sollen insbesondere zahlreiche Schüler anwesend gewesen sein, die sich auf dem Weg nach Traunstein befanden.
Im Zug soll der Mann mit einem Schaffner in Streit geraten sein. Neben diesem habe er auch weitere Anwesende bedroht. Bis zu 53 Personen sollen Zeugen des Vorfalls geworden sein. Nachdem der Notruf abgesetzt war, verlagerte sich das Geschehen auf den Bahnsteig. Dort sollen sich bereits zahlreiche schulpflichtige Kinder und Jugendliche befunden haben.
Der Tatverdächtige verließ daraufhin das Bahnhofsgelände. Allerdings gelang es den Beamten, ihn im Kurpark von Ruhpolding ohne größeren Widerstand festzunehmen. Durch den Vorfall kam es auch zu einer Beeinträchtigung des Bahnverkehrs entlang der Regionalverkehrsstrecke. Erst am späteren Vormittag sollen die Züge wieder im vorgesehenen Takt verkehrt haben.

Polizei gibt Telefonnummer für Hinweise bekannt

Die amtshandelnden Beamten nahmen den Beschuldigten in Gewahrsam. Laut Polizeiangaben handelt es sich um einen 28-jährigen afghanischen Asylbewerber mit Aufenthaltserlaubnis. Für Betroffene und Zeugen richteten die Einsatzkräfte eine Anlauf- und Betreuungsstelle in der Grundschule ein.
Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt in enger Abstimmung mit der dortigen Polizeiinspektion sowie der Bundespolizeiinspektion Freilassing. Mögliche weitere Zeugen ersucht die Bundespolizei Freilassing um Hinweise unter der Rufnummer 08654 7706-0.
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Brand im Müritz-Nationalpark kein Katastrophenfall – Lage trotz Ausbreitung unter Kontrolle

Trotz einer weiteren Ausbreitung des Waldbrands im Müritz-Nationalpark auf inzwischen knapp 320 Hektar Fläche sind die zuständigen Behörden zuversichtlich, die Lage weiter unter Kontrolle zu behalten.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte in Kratzeburg, die Einsatzkräfte seien überzeugt, „dass sie das voll im Griff haben“. Es sei deshalb weiterhin kein Katastrophenfall ausgerufen worden, dabei solle es auch bleiben.

Regen und weniger Wind angekündigt

Backhaus nannte die Wetteraussichten für die betroffene Region als einen Grund für die Zuversicht. Es sei Regen angekündigt, außerdem solle der Wind nachlassen. „Wir hoffen sehr auf die Witterung“.
Der Landrat des betroffenen Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Thomas Müller (CDU), zeigte sich ebenfalls optimistisch. So könnten auch die Menschen in der evakuierten Ortschaft Granzin zuversichtlich sein, dass ihr Hab und Gut erhalten bleibe. „Eine echte Gefahr besteht nach jetziger Einschätzung nicht.“

Große Panzerabwehrminen und Munition mit Phosphor

Die größten Schwierigkeiten macht den Feuerwehrkräften die Munition, die noch aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs und der DDR in dem betroffenen Gebiet liegt.
Wie Müller sagte, gab es eine schwere Detonation im Brandgebiet. Es handle sich um eine hohe Kampfmittelbelastung der Kategorie vier, es lägen große Panzerabwehrminen und Munition mit Phosphor in dem Gebiet.
Aus diesem Grund dürfe das betroffene Gelände nicht betreten werden. Der vorgeschriebene Abstand von tausend Metern sei ernst zu nehmen. „Ansonsten wäre das Feuer längst aus“, weil die Feuerwehrleute längst in das Gebiet vorgedrungen wären, sagte Müller. Heute sollten auch Löschhubschrauber der Bundeswehr zum Einsatz kommen.

Backhaus: Bund in Verantwortung für die Kampfmittel

Backhaus sagte, dass auch 81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Kampfmittel in dem Nationalpark liegen, sorge für eine „echt komplizierte Lage“. Der Minister appellierte an die Bundesregierung, dringend zusätzliche Mittel zu schaffen, um die Munitionsbergung zu forcieren.
Sein Land habe dazu schon vor Jahren ein Konzept erarbeitet. Der bis 2021 amtierende Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) habe ihm auch die geforderten Verbesserungen versprochen. Diese müssten nun endlich kommen. „Hier ist der Bund in der Verantwortung.“
Der Brand war am 13. Juli ausgebrochen. Er ist durch die Munition in dem Gebiet besonders gefährlich. Es explodiert nach offiziellen Angaben „beständig“ alte Munition. Die Brandursache war weiter unklar.
Wie die Verantwortlichen erklärten, kommt ein Mensch als Verursacher in Frage. Es sei aber auch eine Selbstentzündung durch Munition als Brandursache möglich. Dies sei derzeit nicht aufzuklären. Backhaus sagte, bisher gebe es wegen des Feuers keine Verletzten. Dies sei ganz entscheidend. (afp/red)
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Chatkontrolle bis 2028 verlängert – Streit um Verfahren und Abstimmung


In Kürze:

  • Die vorläufige Chatkontrolle wurde zunächst zweimal abgelehnt und anschließend per Dringlichkeitsantrag verlängert.
  • Die EVP-Fraktion berief sich dabei auf die Geschäftsordnung des EU-Parlaments.
  • EU-Abgeordneter Martin Sonneborn kritisiert das Vorgehen und spricht von einem Verstoß gegen die Regeln des Parlaments.
  • Ein Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass eine Bewertung der Verhältnismäßigkeit der Regelung auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht möglich ist.

 
Das Europäische Parlament hat am 9. Juli, kurz vor der Sommerpause, eine Verlängerung der Chatkontrolle beschlossen. Die Regelung war im vergangenen April nach fünf Jahren ausgelaufen und sollte nach einer Abstimmung vom 26. März zunächst nicht fortgeführt werden. Damals stimmten 311 Abgeordnete gegen eine Verlängerung, 228 dafür. Nun wurde eine Verlängerung bis April 2028 beschlossen. Maßgeblich beteiligt war die EVP-Fraktion, der unter anderem CDU und CSU angehören.

Viele Debatten, keine Mehrheit

Die Verlängerung der Übergangsregelung erlaubt Anbietern wie WhatsApp, Google und anderen weiterhin, freiwillige Erkennungsmaßnahmen gegen Material über sexuellen Kindesmissbrauch einzusetzen. Kritiker bewerten diese Möglichkeit als Eingriff in die private Kommunikation, da Inhalte auch ohne konkreten Verdacht überprüft werden können.
Der Weg zur erneuten Abstimmung war mehrstufig.
Der Abstimmung vom 26. März ging ein erstes Votum am 11. März voraus. Die Abgeordneten sollten eine Verlängerung der Chatkontrolle bis April 2028 beschließen. Dem Vorschlag der Europäischen Kommission folgte das Parlament jedoch nicht vollständig und brachte eigene Änderungsanträge ein. Anschließend verabschiedete es eine eigene Verhandlungsposition, die eine Verlängerung bis August 2027 vorsah. Eine zentrale Änderung: Das Scannen Ende-zu-Ende-verschlüsselter Kommunikation wurde gestrichen.
Anschließend begannen sogenannte Trilogverhandlungen zwischen Vertretern des Europäischen Parlaments, des Rates der Europäischen Union und der Europäischen Kommission. Da keine Einigung erzielt wurde, kam es am 26. März zu einer weiteren Abstimmung im Parlament. Der Vorschlag erreichte dabei nicht die erforderliche Mehrheit, sodass das Verfahren zunächst nicht abgeschlossen werden konnte.
Damit lief die bisherige Rechtsgrundlage, die Verordnung (EU) 2021/1232 („Chatkontrolle 1.0“), Anfang April nach fast fünf Jahren aus. Sie wurde am 30. Juli 2021 im Amtsblatt der EU veröffentlicht und trat am 2. August 2021 in Kraft.

Parlamentspräsidentin Metsola brachte den Antrag ein

Am 7. Juli brachte Parlamentspräsidentin Roberta Metsola einen Antrag auf Anwendung eines Dringlichkeitsverfahrens ein. Dabei ging es nicht um eine inhaltliche Änderung der bestehenden Verordnung, sondern um einen neuen Gesetzgebungsvorschlag zur Verlängerung ihrer Geltungsdauer. Die aus Malta stammende Politikerin berief sich dabei auf eine Regelung der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments. Dadurch konnte der Vorschlag beschleunigt behandelt und erneut auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Der deutsche EU-Abgeordnete Martin Sonneborn (Die PARTEI) kritisierte das Vorgehen und sieht darin einen Verstoß gegen die Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments. In einer Stellungnahme vor dem Parlament erklärte er, ein Dringlichkeitsverfahren setze „unvorhergesehene Entwicklungen“ voraus, die hier nicht vorlägen. Zudem sei das Verfahren nur für Vorschläge in erster Lesung vorgesehen. Das Dossier zur Chatkontrolle befinde sich dagegen bereits in zweiter Lesung.
Artikel 80 der Geschäftsordnung regelt nach Sonneborns Darstellung den Umgang mit solchen Fällen. Darin heißt es: „Bei Kollision haben die Regeln der zweiten Lesung Vorrang.“ Sonneborn sprach von einem „Durchprügeln“ der Chatkontrolle vor der Sommerpause und forderte Metsola auf, die Abstimmung nicht zuzulassen. Metsola schaltete sein Mikrofon nach 60 Sekunden ab. Dies sei nach den Regeln des Parlaments möglich, werde aber selten angewandt, erklärte Sonneborn anschließend auf X.
Das Parlament stimmte am 7. Juli mit 331 zu 304 Stimmen für das Dringlichkeitsverfahren. Damit war der Weg für eine weitere Abstimmung frei.
Zwei Tage später, einen Tag vor Beginn der Sommerpause, stimmte das Parlament über die Verlängerung ab. Der Antrag erhielt zwar mehr Ja- als Nein-Stimmen, verfehlte jedoch die erforderliche absolute Mehrheit. An diesem Tag nahmen 607 der 720 Abgeordneten an der Abstimmung teil.

Mehrheit der Stimmen reicht nicht aus

Zunächst stimmte das Parlament über den Standpunkt des Rates der Europäischen Union ab, den dieser nach der ersten Lesung an das Parlament zurückgegeben hatte. Kernpunkt war eine bis zum 3. April 2028 befristete Ausnahme von der ePrivacy-Richtlinie. Von den 607 abgegebenen Stimmen lehnten 314 den Standpunkt des Rates ab, 276 stimmten dagegen, 17 enthielten sich. Damit gab es unter den Abstimmenden mehr Stimmen gegen den Vorschlag als dafür. Für eine Ablehnung war jedoch eine absolute Mehrheit aller 720 Abgeordneten erforderlich. Dafür wären 361 Stimmen nötig gewesen.
In einer zweiten Abstimmung ging es um die Ablehnung der geänderten Fassung des Europäischen Parlaments. Diese enthielt unter anderem die Einschränkung, dass Maßnahmen zur Erkennung von Material über sexuellen Missbrauch von Kindern nicht auf Kommunikation mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung angewendet werden sollen. Auch dieser Antrag erhielt keine Mehrheit. 286 Abgeordnete stimmten gegen die Ablehnung, 276 dafür, 30 enthielten sich. Damit war die zweite Lesung abgeschlossen.
Nach der Abstimmung äußerten mehrere Abgeordnete Kritik an dem Verfahren. Die AfD-Abgeordnete Mary Khan sprach von einem „demokratischen Skandal“. „Ein Eilverfahren darf nicht dazu missbraucht werden, eine bereits abgelehnte Überwachungsregelung durch die Hintertür erneut auf die Tagesordnung zu setzen“, sagte sie.
Der Grünen-Abgeordnete Erik Marquardt bezeichnete die Entscheidung als „einen schwarzen Tag für Bürgerrechte und den Kinderschutz im Netz“. Er kritisierte, dass Plattformbetreiber dadurch weiterhin Möglichkeiten erhielten, private Kommunikation zu überprüfen. CDU/CSU warf er vor, damit keine ausreichenden Schutzmaßnahmen für Kinder zu erreichen. Das Verfahren nannte er „eine Farce“.

BSW-Abgeordneter De Masi erwartet Klagen

Der Europaabgeordnete Fabio De Masi (BSW) kritisierte die rechtliche Grundlage der Verlängerung. Auf X schrieb er: „Selbstverständlich muss Kindesmissbrauch bekämpft werden – aber nicht so und als trojanisches Pferd, um anlasslos hunderte Millionen EU-Bürger mit unzuverlässigen Algorithmen zu überwachen!“ Er kündigte an, dass er mit rechtlichen Verfahren gegen die Regelung rechne.
Sachsens Innenminister Armin Schuster begrüßte hingegen die erneute Abstimmung. „Die EVP-Fraktion hat im EU-Parlament zum Schutz unserer Kinder erfolgreich eine stabile Mehrheit vereinen können, um ein zentrales Ermittlungsinstrument im Kampf gegen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch wieder zu reaktivieren“, sagte er laut der „WELT“.
Auch Telegram-Chef Pawel Durow äußerte Kritik an der Verlängerung. Auf seinem X-Account schrieb er: „Einst typisch für Bananenrepubliken, werden solche Tricks nun von der EU genutzt, um Überwachungsgesetze zu verabschieden.“ In einem weiteren Beitrag erklärte er, Telegram werde private Nachrichten nicht scannen.

Bericht sieht Nutzen, aber auch offene Fragen

Ein Ende November 2025 veröffentlichter Bericht zur Anwendung der Verordnung zeigt erhebliche Unterschiede bei der Datenerfassung und Berichterstattung durch Anbieter und Mitgliedstaaten. Das Papier empfiehlt daher eine stärkere Standardisierung der verfügbaren Daten und Meldungen.
Die ausgewerteten Daten zeigen, dass automatisch als mögliches Material über sexuellen Kindesmissbrauch erkannte Inhalte bei der anschließenden menschlichen Prüfung häufig bestätigt wurden. Ein Teil der Meldungen erwies sich jedoch als fehlerhaft. Die Zahl solcher Fehlmeldungen hängt unter anderem von den Einstellungen der eingesetzten Erkennungssysteme ab. Eine höhere Sensibilität kann zwar dazu beitragen, weniger Fälle zu übersehen, führt aber zugleich zu mehr Inhalten, die anschließend überprüft werden müssen.
Die Anbieter geben an, dass die eingesetzten Technologien ausschließlich zur Erkennung, Entfernung und Meldung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch verwendet werden. Vollständige Informationen dazu, ob die Systeme dem aktuellen Stand der Technik entsprechen oder die Eingriffe in die Privatsphäre auf das notwendige Maß begrenzen, liegen laut Bericht jedoch nicht in allen Bereichen vor.
Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die verfügbaren Daten keine abschließende Bewertung der Verhältnismäßigkeit der Regelung ermöglichen. Gleichzeitig verweist er darauf, dass im Berichtszeitraum Tausende Kinder identifiziert und Millionen Bilder und Videos entfernt wurden. Die freiwilligen Meldungen hätten damit einen Beitrag zur Aufdeckung und Verhinderung weiteren Missbrauchs geleistet.
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Neues Kita-Gesetz: Prien plant Sprachtests für alle Vierjährigen

Mit Sprachtests für alle Vierjährigen und gezielter Förderung in den Kitas will Bundesministerin Karin Prien eine Trendwende in der Bildungspolitik erreichen. „Denn gute Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern in der Kita“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
Prien legte den Entwurf eines neuen Kita-Gesetzes vor, das für die Kinder den Übergang zur Grundschule erleichtern soll. Dafür verspricht der Bund bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro. Hintergrund sind die extrem unterschiedlichen Bildungschancen für Kinder in Deutschland, die sich oft schon in der Grundschule zeigen und dann durch die gesamte Bildungslaufbahn ziehen.

„Das größte bildungspolitische Projekt“

„Das Kita-Startchancen-und-Qualitätsentwicklungsgesetz ist das größte bildungspolitische Projekt dieser Koalition“, sagte Prien. „Mit diesem Gesetz stärken wir Sprache als entscheidenden Schlüssel für jede Bildungsbiografie: Erstmals erfassen wir bundesweit den Sprachstand von Kindern und sorgen dafür, dass sie frühzeitig die Förderung erhalten, die sie brauchen.“
Prien hat den Entwurf länger vorbereitet und auch mit den für die Bildung zuständigen Ländern besprochen. Die CDU-Politikerin setzt damit Ziele aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD um. Grundgedanke dabei ist, dass Kinder nur mit ausreichenden Sprachkenntnissen in der Grundschule dem Unterricht folgen können.

Einheitliche Standards

Das Gesetz setzt an drei Punkten an: mehr Kinder in öffentliche Betreuung bringen, möglichst früh vor allem fehlende Sprachkenntnisse dingfest machen; und etwaige Probleme durch gezielte Hilfen ausgleichen. Die Tests, bei denen neben Sprachkenntnissen auch Bewegung und Entwicklungsstand ermittelt werden, sollen auch Vierjährige durchlaufen, die nicht in einer Kita sind.
Das alles soll dem Entwurf zufolge erstmals nach bundesweit einheitlichen Standards passieren. Besonderes Augenmerk soll auf Kitas liegen, die viele Kinder betreuen, die in schwierigen Lebensumständen aufwachsen. Auch alle anderen Kitas sollen aber etwas mehr Geld und Zeit für die neuen Tests und die Förderung bekommen.

30 Minuten pro Woche und Kind

Konkret heißt es im Entwurf: „Für die verbindliche Feststellung des Sprach- und Entwicklungsstands von Kindern spätestens im fünften Lebensjahr in Kindertageseinrichtungen und die anschließende Förderung der Kinder bei Förderbedarf werden den Kindertageseinrichtungen personelle Ressourcen für die Erhebung im Umfang von zwei Stunden je Kind sowie für die Planung und Begleitung der Förderung im Umfang von mindestens dreißig Minuten je Kind pro Woche zur Verfügung gestellt.“
Für Kitas mit „einem erhöhten Anteil von Kindern in herausfordernden Lebenslagen“ sind noch etwas mehr „zusätzliche personelle Ressourcen“ für sprachliche Bildung und andere Hilfen vorgesehen: je Einrichtung mit 80 Kindern sollen Fachkräfte für insgesamt mindestens 20 Stunden pro Woche zusätzlich finanziert werden, bei mehr als 80 Kindern für mindestens 40 Stunden und bei mehr als 120 Kindern mindestens 60 Stunden.

Erfahrungen aus Startchancen-Schulen

Diese besondere Förderung soll in mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Land zur Verfügung stehen. Kriterium dafür ist, ob dort besonders viele Kinder sind, die in finanzieller Bedürftigkeit aufwachsen, für die die Familiensprache nicht deutsch ist oder deren sprachliche Entwicklung auffällig ist. Kitas und Schulen sollen Daten über Ergebnisse der Sprach- und Entwicklungstests miteinander teilen können.
Mit dem neuen Gesetz übertrage man Erfahrungen der Bund-Länder-Zusammenarbeit aus dem schulischen Startchancen-Programm auf Kitas in herausfordernden Lagen, sagte Prien. Eine langfristig verlässliche Finanzierung schaffe Planungssicherheit für Länder und Kommunen.
„Verlässliche und qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung eröffnet Kindern bessere Zukunftschancen, entlastet Familien und ist für viele Mütter eine entscheidende Voraussetzung für den beruflichen Wiedereinstieg und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, betonte Prien. „Mit diesem Gesetz investieren wir in die Chancen unserer Kinder, in die Zukunft unserer Gesellschaft und in die wirtschaftliche Stärke unseres Landes.“
Der Paritätische Gesamtverband hält die finanziellen Zusagen im Gesetz für unzureichend. „Der Bund bestellt, aber bezahlt nicht“, erklärte der Verband in einer ersten Reaktion. „Die Anforderungen für die Kindertagesbetreuung sollen steigen, aber der Bund zieht sich langfristig aus der Finanzierung der Kitas zurück.“ Das sei im Gesamtergebnis enttäuschend. (dpa/red)
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Steinwurf auf Polizeiwagen: DNA-Massenabgleich im Kieler „Weißen Riesen“ beendet


In Kürze:

  • Nach einem Steinwurf auf einen Streifenwagen im Juni hat die Polizei in Kiel eine DNA-Reihenuntersuchung im Hochhaus „Weißer Riese“ durchgeführt.
  • Mehr als 80 Prozent der angetroffenen Bewohner gaben freiwillig eine DNA-Probe ab; zusätzlich gingen neue Hinweise bei den Ermittlern ein.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines mutmaßlichen Tötungsdelikts, da der herabgeworfene Stein tödliche Folgen hätte haben können.

 
In Kiel hat am Dienstag, dem 14. Juli, eine groß angelegte DNA-Reihenuntersuchung im sogenannten Weißen Riesen stattgefunden. Beamte der Bezirkskriminalinspektion Kiel und der Bereitschaftspolizeiabteilung aus Eutin waren dafür von etwa 6:00 Uhr morgens bis zum späten Vormittag im Einsatz. Den richterlichen Beschluss zur Durchführung der Untersuchung hatte das Amtsgericht Kiel auf Antrag der zuständigen Staatsanwaltschaft ausgestellt.

Amtsgericht Kiel hatte DNA-Reihenuntersuchung genehmigt

Anlass des Einsatzes war ein Vorfall in dem Mehrfamilienhaus am Kurt-Schumacher-Platz 1, der sich in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni ereignet hatte. Gegen etwa 0:45 Uhr hatten Unbekannte mutmaßlich aus dem 22-stöckigen Wohnhaus ein 10 mal 20 mal 5 Zentimeter großes Stück einer Gehwegplatte auf einen Streifenwagen geworfen.
Der Pflasterstein durchschlug die Frontscheibe und verletzte die 25-jährige Beamtin auf dem Beifahrersitz an der Hand und am Sprunggelenk. Da ein solcher Angriff grundsätzlich tödliche Folgen haben kann, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts.
Die Beamtin und ihr 59-jähriger Kollege waren wegen einer Beschwerde über eine Ruhestörung zu der Adresse gerufen worden und hatten ihren Streifenwagen dort abgestellt. Die 25-Jährige ist bis heute dienstunfähig. Nach Einschätzung der Ermittler wurde der Stein von einem der höher gelegenen Balkone geworfen. Für Hinweise, die zur Identifizierung und Verurteilung des Täters führen, setzte die Polizei eine Belohnung von 1.000 Euro aus.

Etwa 100 Beamte und zwei Drohnen im Einsatz

Den Forensikern gelang es, an der mutmaßlichen Tatwaffe DNA-Spuren zu sichern. Da belastbare Hinweise darauf vorliegen, dass der Stein von einer Person geworfen wurde, die sich zur Tatzeit im Gebäude aufhielt, beantragte die Staatsanwaltschaft eine DNA-Reihenuntersuchung. Freiwillig teilnehmen konnten alle im Wohnhaus gemeldeten oder tatsächlich dort lebenden Personen, die zum Tatzeitpunkt mindestens 14 Jahre alt waren.
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden willigten mehr als 80 Prozent der im Gebäude angetroffenen Personen in die DNA-Entnahme ein. Die Proben sollen nach dem Abgleich vernichtet werden. Zudem gingen bei den Ermittlern durch Gespräche mit Teilnehmern Hinweise ein, die für die Aufklärung des Falls von Bedeutung sein könnten.
In dem Wohnhaus, in dem die DNA-Reihenuntersuchung stattfand, leben nach Angaben der Polizei mehr als 250 Menschen. Rund 100 Beamte waren im Einsatz, um das Gebäude etagenweise abzusichern und die Personalien der angetroffenen Personen aufzunehmen. Wann die DNA-Auswertung abgeschlossen sein wird, ist noch unklar. Ziel der Maßnahme ist es, den Kreis möglicher Tatverdächtiger einzugrenzen und Bewohner sowie regelmäßig im Gebäude anwesende Personen auszuschließen.

Verwandtensuche teilweise erlaubt – freie DNA-Recherche in privaten Datenbanken nicht

Während der DNA-Reihenuntersuchung kamen auch zwei Drohnen zum Einsatz. Sie sollten verhindern, dass sich im Gebäude anwesende Personen der Kontrolle entziehen, etwa durch ein Verstecken auf Balkonen oder dem Dach. Gegen 11.15 Uhr war die Maßnahme abgeschlossen. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei weiterhin unter der Telefonnummer 0431/1603333 entgegen.
Voraussetzungen und Abläufe von DNA-Reihenuntersuchungen regelt in Deutschland Paragraf 81h StPO. Sie sind nur zum Zwecke der Aufklärung bestimmter strafbarer Handlung zulässig. Das Gesetz nennt Verbrechen gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder die sexuelle Selbstbestimmung. Proben dürfen Ermittlungsbehörden nur mit Einwilligung der Betroffenen nehmen. Verwendung finden dürfen sie lediglich zur Feststellung des DNA-Identifizierungsmusters und des Geschlechts.
Erlaubt ist den Ermittlern zudem der Abgleich mit DNA-Spuren von Verwandten in gerader Linie sowie von Angehörigen bis zum dritten Grad der Seitenlinie. Dies bildet den gesetzlichen Kern des sogenannten „Familial Searchings“. Anders als in den USA dürfen deutsche Ermittlungsbehörden jedoch nicht frei in privaten kommerziellen Genealogie-Datenbanken wie MyHeritage oder Ancestry nach Übereinstimmungen suchen.
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Polizeieinsatz in Dresden: Bewaffneter wird überwältigt

Die Dresdner Polizei hat am Morgen einen Mann mit einer Schusswaffe überwältigt. Wie die Polizeidirektion der Landeshauptstadt mitteilte, hatten Zeugen die Beamten alarmiert. Man habe sofort Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens im Bereich um einen Supermarkt im Stadtteil Friedrichstadt geschickt, darunter Spezialkräfte für lebensbedrohliche Einsatzlagen. „Im Rahmen des Einsatzes machte bisherigen Erkenntnissen zufolge ein Beamter von der Dienstwaffe Gebrauch“, hieß es.
Der Mann wurde gefasst. Laut Polizei soll er bei dem Einsatz verletzt worden sein. Der Bereich um den Supermarkt ist von der Polizei gegenwärtig abgesperrt. Es sind mehrere Einsatzwagen vor Ort.
Unklar blieb zunächst, ob der Mann die Schusswaffe auf andere Menschen richtete, wie er verletzt wurde und wie viele Schüsse bei dem Einsatz fielen. Auch nähere Angaben zu seiner Person machte die Polizei zunächst nicht. (dpa/red)
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Reichtum, Öl und Allmacht: Der Sultan von Brunei wird 80

Vergoldete Kuppeln, Tausende Luxusautos und ein Palast, der größer ist als manches Dorf: Kaum ein Herrscher verkörpert märchenhaften Reichtum so sehr wie Sultan Hassanal Bolkiah von Brunei.
Seit fast sechs Jahrzehnten herrscht er nahezu uneingeschränkt über ein Land, das kleiner ist als Schleswig-Holstein, aber auf einem Schatz aus Rohstoffen sitzt: Der Zwergstaat ist einer der größten Ölproduzenten Südostasiens und einer der weltweit wichtigsten Exporteure von Flüssigerdgas.
Wenn der Monarch heute 80 Jahre alt wird, verwandelt sich das kleine Sultanat auf der Insel Borneo mit seinen rund 450.000 Einwohnern tagelang in eine einzige Festkulisse.
Gelbe Nationalflaggen mit schwarzem und weißem Streifen säumen die Straßen, riesige Porträts des Herrschers schmücken Gebäude, Schulen und Behörden. Alljährlich gibt es zu seinen Ehren zudem eine große Parade in der Hauptstadt Bandar Seri Begawan.
Brunei auf der Insel Borneo ist wegen reicher Öl- und Gasvorkommen steinreich. (Archivbild)

Brunei auf der Insel Borneo ist wegen reicher Öl- und Gasvorkommen steinreich. (Archivbild)

Foto: Vincent Thian/AP/dpa

Der Sultan reist zu den Untertanen

Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten ist eine Reise des Monarchen durch alle vier Landesteile. Dabei trifft er Bürger persönlich, nimmt Briefe entgegen und posiert für Fotos. Der Sultan ist beliebt – Privatpersonen zahlen keine Steuern, auch bietet das steinreiche Land seinen Bürgern kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung sowie umfangreiche staatliche Subventionen.

24. Februar 2025: Im Stadtzentrum von Bandar Seri Begawan, der Hauptstadt von Brunei.

Foto: keladawy/iStock

Als einer der letzten absoluten Monarchen der Welt ist Bolkiah Staatsoberhaupt, Premierminister, Finanz-, Außen und Verteidigungsminister sowie der Hüter der islamischen Staatsreligion in Personalunion.
Auf Grundlage eines seit 1962 geltenden Ausnahmezustands, der regelmäßig verlängert wird, erlässt er Gesetze per Dekret. Demokratische Strukturen oder Wahlen existieren nicht. Auch die Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt.
„Seine Majestät der Sultan kann weder in seiner persönlichen noch in seiner offiziellen Funktion etwas Falsches tun.“
Diesen Satz ließ der Monarch in die Verfassung aufnehmen. Sprich: Jede Kritik an ihm wird streng geahndet. Viele Bürger akzeptieren das System aber wegen des hohen Lebensstandards.

Sagenhafter Reichtum und ein Weltrekord

Berühmt ist der Sultan allerdings weniger wegen seiner Politik als wegen seines sagenhaften Reichtums. Lange galt er als reichster Mann der Welt, bevor wie Bill Gates und Elon Musk ihn von der Spitze der Rangliste verdrängten.
Bis heute ist er aber mit einem geschätzten Vermögen von etwa 30 Milliarden US-Dollar (rund 26 Milliarden Euro) einer der wohlhabendsten Royals weltweit.

Im Teng Yuan Tempel in Bandar Seri Begawan, der Hauptstadt Bruneis.

Foto: Andrey Kulagin/iStock

Seine Sammlung von etwa 7.000 Prestigeautos – darunter Schätzungen zufolge 600 Rolls-Royce und 450 Ferraris – gilt als die größte der Welt. Damit hat er es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Die Luxuskarossen allein sollen mehr als fünf Milliarden Dollar wert sein. Um sie gebührend benutzen zu können, ließ Bolkiah auf dem Palastgelände eine Rennstrecke bauen.
Prinz Abdul Mateen und seine Braut Anisha Rosnah werden im offenen Rolls Royce durch die Straßen von Bandar Seri Begawan gefahren.

Prinz Abdul Mateen und seine Braut Anisha Rosnah werden im offenen Rolls Royce durch die Straßen von Bandar Seri Begawan gefahren (2024).

Foto: Uncredited/Brunei’s Information Department/AP/dpa

Riesiger Palast mit fast 1.800 Zimmern

Apropos Palast: Der Istana Nurul Iman ist der offizielle Sitz des Sultans – und gilt mit einer Fläche von 200.000 Quadratmetern als der größte Wohnpalast der Welt. Zum Vergleich: Das ist in etwa die halbe Fläche des Vatikanstaats.
Es gibt 1.788 Zimmer, mehr als 250 Bäder und eine Kuppel aus 22-karätigem Gold. Auch an den Fenster- und Türbögen wurde an purem Edelmetall nicht gespart. An den Wänden hängt unter anderem ein Bild des französischen Impressionisten Auguste Renoir, für das der Sultan 70 Millionen Dollar bezahlt haben soll.

Kritik an drakonischen Strafen

International geriet Brunei (mit offiziellem Namen Brunei Darussalam – „Ort des Friedens“) vor einigen Jahren wegen seines strengen islamischen Strafrechts in die Kritik. Die 2014 schrittweise eingeführte Scharia wurde 2019 noch einmal verschärft.
Sie sieht drakonische Strafen vor – unter anderem Steinigung für Ehebruch und homosexuelle Handlungen sowie Amputationen für Diebstahl. Nach weltweiten Protesten und Boykottaufrufen gegen Hotels der Herrscherfamilie erklärte der Sultan schließlich, dass das seit Jahrzehnten geltende Moratorium für die Todesstrafe auch für die meisten Scharia-Urteile gelte.
Tatsächlich wurde in Brunei seit 1957 niemand mehr hingerichtet.

Empfang in Berlin

Trotz der internationalen Kritik an Bruneis autoritärem System ist der Sultan im Ausland ein oft und zumeist gerngesehener Gast. Noch im Mai besuchte er auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Berlin.
Brunei gehört zu den ASEAN-Staaten.
Erst im Mai wurde der Sultan vom Bundespräsidenten empfangen. (Archivbild)

Im Mai 2026 wurde der Sultan vom Bundespräsidenten empfangen. (Archivbild)

Foto: Carsten Koall/dpa

Während in Bandar Seri Begawan die Geburtstagsfeierlichkeiten steigen, bleibt Hassanal Bolkiah – der zwölf Kinder aus drei Ehen hat – für viele im Westen aber eine schwer greifbare Figur: Der dienstälteste Herrscher der Welt schwankt irgendwo zwischen mittelalterlich anmutendem Absolutismus und modernem Staatskapitalismus.
Prinz Abdul Mateen von Brunei (2.v.r) mit seiner Braut Anisha Rosnah (2.v.l) neben Königin Hajah Saleha (l.) und dem Sultan Hassanal Bolkiah (r).

Prinz Abdul Mateen von Brunei (2.v.r) mit seiner Braut Anisha Rosnah (2.v.l) neben Königin Hajah Saleha (l.) und dem Sultan Hassanal Bolkiah (r).

Foto: —/Brunei’s Information Department/AP/dpa

Ölreserven gehen aus

Gleichzeitig sind auch Bruneis Öl- und Gasvorräte endlich und dürften nur noch einige Jahrzehnte reichen. Es gibt aber bereits eine Zukunftsstrategie: „Wawasan Brunei 2035“, auf Deutsch etwa: Vision für Brunei 2035.
Der Sultan will den Kleinstaat damit in Zukunft wirtschaftlich breiter aufstellen – und auf die Zeit nach dem Ölzeitalter vorbereiten. (dpa/red)
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Aufzüge in Brüssel abgestürzt – keine weiteren Toten

Einsatzkräfte haben nach dem Absturz der Aufzüge auf einer Baustelle in Brüssel mittlerweile auch die zweite Kabine öffnen können und keine weiteren Opfer gefunden. Das teilte die Staatsanwaltschaft in der Nacht auf Mittwoch mit.
Zuvor waren sechs Leichen im ersten Aufzug gefunden worden. Ihre genaue Todesursache ist demnach bislang unklar, ebenso wie die Hintergründe.
Das Gebäude, in dem der Brand ausgebrochen war, befand sich im Umbau.

Das Gebäude, in dem der Brand ausgebrochen war, befand sich im Umbau.

Foto: Emile Windal/Belga/dpa

Am 14. Juli waren nach ersten Erkenntnissen zwei Aufzüge auf einer zentral gelegenen Baustelle in der belgischen Hauptstadt abgestürzt.
Zudem gab es demnach ein Feuer. Der Brand war einem Feuerwehrsprecher zufolge am Morgen ausgebrochen. Demnach seien die Feuerleute zu einem kleinen Feuer im zweiten Stock des Gebäudes ausgerückt. Zu den genauen Abläufen und der Ursache ermittelt unter anderem ein Brandgutachter.
Sechs Arbeiter wurden vermisst, bei ihnen handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um belgische oder rumänische Staatsangehörige. Rund 250 Arbeiter waren laut Staatsanwaltschaft vor Ort. In dem Gebäude sollten Aufzüge eingebaut werden.
Zwei Arbeiter haben laut einem Feuerwehrsprecher Verbrennungen erlitten und wurden zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Ein Feuerwehrmann erlitt bei den Löscharbeiten einen Hitzschlag.
Rettungskräfte brachten mindestens zwei Menschen nach dem Brand mit Verbrennungen in ein Krankenhaus.

Rettungskräfte brachten mindestens zwei Menschen nach dem Brand mit Verbrennungen in ein Krankenhaus.

Foto: Emile Windal/Belga/dpa

Ermittlungen gegen Unbekannt

Ob es sich bei den sechs Todesopfern um die Vermissten handelt, ist noch nicht bekannt. Gerichtsmediziner und Polizei arbeiten daran, die Opfer zu identifizieren und ihre Angehörigen zu benachrichtigen. Danach sollen auch weitere Informationen bekanntgegeben werden, wie die Staatsanwaltschaft ankündigte.
Sie ermittelt gegen Unbekannt. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag gesagt, dass die beiden Aufzüge mehrere Stockwerke nach unten gestürzt seien.

König, Regierungschef und Bürgermeister vor Ort

Belgiens König Philippe und Regierungschef Bart De Wever besuchten am Nachmittag den Unglücksort.
Brüssels Bürgermeister Philippe Close sprach vor Ort von einem Drama, das tief berühre. Er versprach Unterstützung für alle Betroffenen und dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz.
Der belgische Innenminister Bernard Quintin zeigte sich im Onlinedienst X „schockiert“ über die Brandkatastrophe. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.
Bürgermeister Philippe Close dankte den Rettungskräften.

Bürgermeister Philippe Close dankte den Rettungskräften.

Foto: Emile Windal/Belga/dpa

Das Oxy-Gebäude in einer Fußgängerzone inmitten der Brüsseler Innenstadt wird derzeit umgebaut.
Früher diente es als ein Sitz der Verwaltung der belgischen Hauptstadt, jetzt soll es in ein multifunktionales Gebäude mit Büros, Restaurants, Hotelzimmern und Wohnungen umgewandelt werden.(dpa/afp/red)
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Mehrere Verletzte bei Unwetter rund um Nürnberg – Flughafen muss kurzzeitig Betrieb einstellen

Bei einem schweren Unwetter in der Region um Nürnberg sind am Dienstagabend mehrere Menschen verletzt worden. Ein Mensch sei in Nürnberg von einem umstürzenden Baum getroffen und mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden, teilte die Feuerwehr mit.
Betroffen von der „sehr plötzlich entstandenen Extremwetterlage“ am Abend waren nach Angaben der Feuerwehr die Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen sowie die Landkreise Nürnberger Land und Erlangen-Höchstadt.
Innerhalb von fünf Stunden ging bei der Integrierten Leitstelle Nürnberg demnach die Rekordzahl von rund 3.000 Notrufen ein.

Auch der Flughafen war betroffen

Die Feuerwehr rückte zu rund 1.100 Einsätzen wegen umgestürzter Bäume, vollgelaufener Kellern, überfluteter Straßen sowie Schäden an Dächern aus. Zudem hätten sich zahlreiche Verkehrsunfälle ereignet.
Auch der Nürnberger Flughafen war betroffen. Dort mussten nach Angaben der Feuerwehr Sturmschäden an Gebäuden, Überschwemmungen infolge des Starkregens sowie Schäden an der Infrastruktur beseitigt werden. Der Flugbetrieb wurde zeitweise eingestellt.
Drei Flüge wurden nach Angaben des Flughafens umgeleitet, vier Flüge verspäteten sich. Später am Abend lief der Flugbetrieb wieder an.

Heute weitere Gewitter erwartet

Der Deutsche Wetterdienst rechnet in seiner aktuellen Vorhersage damit, dass es heute Früh in Sachsen und im Süden des Landes gewittrige Regenfälle mit Starkregengefahr geben wird. Örtlich sind demnach auch Unwetter möglich.
Bis in die Vormittagsstunden könnte es laut DWD am Erzgebirge und in der Oberlausitz sowie von Oberschwaben bis in den Süden Oberbayerns gewittrige Regenfälle geben. Dabei ist Starkregen zwischen 20 und 35 Liter pro Quadratmeter binnen kurzer Zeit möglich. Vereinzelt könne es auch extremen Starkregen mit mehr als 40 Liter pro Quadratmeter geben, hieß es.
Die gewittrigen Regenfälle im Süden und Sachsen sollen dann aber bis zum Mittag nachlassen. Ab dem Nachmittag sind dann vor allem in der Südhälfte wieder einzelne kräftige Gewitter möglich.
Örtlich besteht Unwettergefahr durch heftigen Starkregen, Hagel und orkanartige Böen. Im übrigen Bundesgebiet soll es weitgehend trocken bleiben. (afp/dpa/red)
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Merz beim Gedenken im Ahrtal: Keinen allein lassen

Es ist ein Tag der Trauer, des Mutmachens, des Zuhörens, aber auch der Versprechen: Am fünften Jahrestag der tödlichen Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Ahrtal der Opfer der Flutnacht vom Juli 2021 gedacht und die Konsequenzen daraus hervorgehoben.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) bat im Beisein von Merz bei der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz von Bad Neuenahr-Ahrweiler die Menschen für das Versagen des Staates um Entschuldigung und erntete dafür Applaus.
Mehrere Hundert Menschen nehmen an der Gedenkfeier teil.

Mehrere Hundert Menschen nehmen an der Gedenkfeier teil.

Foto: Hannes P. Albert/dpa

Merz spricht von Pflicht staatlicher Organisationen

Kanzler Merz sicherte in seiner Rede vor rund 1.000 Menschen allen von Natur- und Klimakatastrophen bedrohten oder betroffenen Menschen Unterstützung zu.
„Ich möchte es mit Nachdruck sagen: Kein Mensch, keine Stadt, keine Region darf und soll in unserem Land alleine bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten, mit der Furcht vor den Folgen des Klimawandels, den wir erleben“, sagte er.
Steinmeier, der zuvor in der Kapelle des Friedhofs in Ahrweiler einen Kranz niederlegte, sagte: „Dieser Tag ist auch ein Auftrag an uns alle, mit unseren Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Hochwasserkatastrophen mit den Folgen, wie wir sie hier erlebt haben, sich möglichst nicht wiederholen.“

Mindestens 136 Tote allein in Rheinland-Pfalz 

Die Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen war eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der jüngeren deutschen Geschichte. Nach tagelangem Starkregen verwandelte sich vor allem die Ahr in ihrem engen Tal in eine verheerende Sturzflut.
Mindestens 136 Menschen kamen in Rheinland-Pfalz ums Leben, 49 in Nordrhein-Westfalen. Mehrere Hundert wurden verletzt. Eine Person aus der Ahr-Region gilt bis heute als vermisst. Viele Überlebende kämpfen noch immer mit psychischen Folgen.
Der Staat habe damals sein Versprechen nicht eingehalten, seine Bürger zu schützen, sagte Ministerpräsident Schnieder.
„Der Staat hat in dieser Frage und in dieser Nacht versagt.“
Fehlbarkeit habe dazu geführt, dass das Ahrtal nicht auf diese Katastrophe vorbereitet gewesen sei. Schnieder war zum Zeitpunkt der Flutkatastrophe CDU-Landtagsabgeordneter.

Ausstellung zeigt Porträts von Menschen aus der Region

Sowohl Schnieder als auch der Bundespräsident waren am Vormittag bei der Eröffnung der Fotoausstellung „We Ahr Strong. Fünf Jahre, ein neuer Blick“ in Altenahr im Kreis Ahrweiler. Sie zeigt Porträts von Menschen aus der Region und erzählt unter anderem, was ihnen in der schweren Zeit geholfen hat, worauf sie stolz oder welche Zukunftsvisionen sie haben.
Der 89-jährige Eberhard Schimanski aus Ahrweiler erzählte: „Alles, was ich geliebt habe, ging in dieser einen schrecklichen Nacht verloren.“
Seine Frau sei ihm in einer Flutwelle aus den Armen gerissen worden. Mittlerweile blickt er mit Zuversicht in die Zukunft. „Mir ist das Leben noch mal geschenkt worden, nach fünf Jahren nach dieser Flut.“
Eberhard Schimanski verlor in der Flutnacht alles, was er liebte.

Eberhard Schimanski verlor in der Flutnacht alles, was er liebte.

Foto: Hannes P. Albert/dpa

„Fünf Jahre später ist der Schmerz und das Leid nicht vergessen“, sagte Steinmeier. „Aber wenn wir hier sind, dann erinnern wir nicht nur an den Ort einer Katastrophe, sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat.“
Die Flut miterlebt hat die parteilose Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand. Damals war sie noch Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr. Die Ausstellung zeige, dass von der Flut mehr geblieben sei als Zerstörung.
„Manche Verluste sind unersetzlich.“
Sie bat den Bund um Öffnung der Aufbauhilfefonds für Hochwasserrückhaltebecken.

Schnieder bei Lebenshilfe in Sinzig

Allein zwölf Menschen waren in der Flutnacht in der Lebenshilfe in Sinzig ums Leben gekommen. Am späten Nachmittag besuchte Schnieder das neu renovierte Haus der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung am Unterlauf der Ahr.
„Das war die schlimmste Nacht, die ich je in meinem Leben erlebt habe“, sagte Carola Körbel, die damals in der Einrichtung wohnte. „Einer der gestorben ist, ist mein bester Freund gewesen.“ Das Wasser sei so hoch gewesen, sagte sie und zeigt mit ihrer Hand eine Höhe über ihrem Kopf.
Schnieder stattete auch der Lebenshilfe in Sinzig einen Besuch ab, allein dort waren in der Flutnacht zwölf Menschen ums Leben gekommen.

Schnieder stattete auch der Lebenshilfe in Sinzig einen Besuch ab, allein dort waren in der Flutnacht zwölf Menschen ums Leben gekommen.

Foto: Thomas Frey/dpa

Katastrophenschutz besser aufgestellt

Nach der Flut wurden Reformen im Katastrophenschutz angestoßen, darunter ein Sirenen-Förderprogramm und die Einführung von Cell Broadcast als Warnsystem.
Damit können Warnmeldungen direkt an alle Mobiltelefone gesendet werden, die zu einem Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet im Netz sind. In Rheinland-Pfalz entstand in der Folge unter anderem auch ein neues Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz.
Merz betonte, es sei Pflicht staatlicher Organisationen, Vorsorge zu treffen, wo Gefahren die Vorsorgekraft des Einzelnen übersteigen würden. In den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten erwarte man zu Recht, dass die Bundespolitik über die Aufbauhilfefonds hinaus ihren Anteil an der Unterstützung der Betroffenen leiste. (dpa/red)
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Gebäudebrand in Brüssel fordert bisher sechs Todesopfer

Nach einem Gebäudebrand in der Brüsseler Innenstadt fanden Einsatzkräfte sechs Tote. In einem Aufzug des sich im Umbau befindlichen Gebäudes wurden mehrere leblose Menschen entdeckt, wie die Staatsanwaltschaft dpa bestätigte. Demnach wurden die Toten nach der Löschung des Brandes gefunden.
Das Gebäude, in dem der Brand ausgebrochen war, befand sich im Umbau.

Das Gebäude, in dem der Brand ausgebrochen war, befand sich im Umbau.

Foto: Emile Windal/Belga/dpa

Zu einem weiteren Aufzug gab es zunächst keinen Zugang. Der Staatsanwalt konnte nicht ausschließen, dass sich in diesem weitere Tote befinden. Rund 250 Arbeiter waren laut Staatsanwaltschaft vor Ort. In dem Gebäude sollten Aufzüge eingebaut werden.
Der Brand war einem Feuerwehrsprecher zufolge am Morgen ausgebrochen. Demnach seien die Feuerleute zu einem kleinen Feuer im zweiten Stock des Gebäudes ausgerückt, sagte er.

Hunderte Arbeiter vor Ort

Zwei Arbeiter haben dem Feuerwehrsprecher zufolge Verbrennungen erlitten und wurden zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Ein Feuerwehrmann erlitt bei den Löscharbeiten demnach einen Hitzschlag.
Brüssels Bürgermeister Philippe Close sprach vor Ort von einem Drama, das tief berühre. Er versprach Unterstützung für alle Betroffenen und dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz.
Bürgermeister Philippe Close dankte den Rettungskräften.

Bürgermeister Philippe Close dankte den Rettungskräften.

Foto: Emile Windal/Belga/dpa

Das Oxy-Gebäude in einer Fußgängerzone inmitten der Brüsseler Innenstadt wird derzeit umgebaut.
Früher diente es als ein Sitz der Verwaltung der belgischen Hauptstadt, jetzt soll es in ein multifunktionales Gebäude mit Büros, Restaurants, Hotelzimmern und Wohnungen umgewandelt werden. (dpa/red)
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Wenn Deutschland seine Besten verliert: Auswandern als Karriereoption


In Kürze:

  • 67 Prozent der Beschäftigten können sich laut einer Umfrage vorstellen, im Ausland zu arbeiten.
  • Besonders auswanderungsbereit sind gut qualifizierte Fachkräfte und Besserverdiener.
  • Die wichtigsten Gründe für den Wegzug: mehr Netto, geringere Steuer- und Abgabenlast, bessere Lebensqualität.
  • Bei den Rückwanderungen nach Deutschland sind qualifizierte Fachkräfte unterrepräsentiert.

Deutschland, ein Auswanderungsland? Nicht die Masse macht Sorgen, sondern wer über einen Weggang nachdenkt. 2025 wanderten laut Statistischem Bundesamt knapp 290.000 deutsche Staatsangehörige aus – ein Rekordwert, seitdem die Wanderungszahlen veröffentlicht werden. Wenn man die knapp 192.000 Rückkehrer abzieht, verzeichnet Deutschland damit einen Nettoverlust von rund 97.000 deutschen Staatsangehörigen. Zum Vergleich: 2024 lag dieser Wert noch bei 81.000 Personen, die gingen.

Warum immer mehr Beschäftigte den Blick ins Ausland richten

Zwar erlebt Deutschland bislang keine Massenabwanderung seiner Fachkräfte, dennoch stellen sich mehr Beschäftigte zunehmend eine Frage, die vor zehn oder 20 Jahren deutlich seltener gestellt wurde: Warum eigentlich hierbleiben? Vor allem Besserverdiener und gut Qualifizierte planen oder sind bereits dabei, ihr Heimatland zu verlassen.
Konkret: 67,2 Prozent der Befragten einer Indeed-Erhebung können sich grundsätzlich einen Job im Ausland vorstellen, so das aktuelle Ergebnis der Umfrage der Stellenplattform unter 1.000 Beschäftigten. Dass viele nicht nur mit dem Gedanken spielen, sondern bereits Taten folgen lassen wollen, zeigt, dass rund 30 Prozent der Befragten innerhalb eines Jahres aktiv nach Stellen gesucht haben. Jeder Zehnte hat bereits Bewerbungen verschickt.
Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, doch sie deutet auf einen Stimmungswandel hin: Gerade diejenigen, die vielversprechende Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt haben, prüfen zunehmend Alternativen.
Denn nicht Menschen ohne Perspektive denken über einen Wechsel nach, sondern gerade gut qualifizierte Fachkräfte und Besserverdiener. Mehr als die Hälfte der Haushalte mit über 6.000 Euro monatlichem Nettoeinkommen hat laut der Befragung den internationalen Arbeitsmarkt bereits sondiert oder sucht konkret nach Alternativen im Ausland.

Nicht Karriere, sondern Lebensqualität und Steuerlast

In Deutschland wird seit Jahren über Fachkräftemangel diskutiert. Die politische Debatte kreist vorwiegend um Einwanderung, Ausbildung und demografischen Wandel. Sehr viel seltener wird eine andere Frage gestellt, die sich auch angesichts dieser Umfrageergebnisse auftut: Warum verliert Deutschland Menschen, die bereits hier sind?
Aufschluss darüber können möglicherweise weitere Ergebnisse der Indeed-Umfrage geben. Den Ausreisewilligen geht es demnach um eine bessere Bezahlung (50,8 Prozent) als in Deutschland, eine höhere Lebensqualität (50,7 Prozent) und um eine geringere Steuer- und Abgabenlast (41,5 Prozent).
Mehr als 70 Prozent der Umfrageteilnehmer monieren in Bezug auf den heimischen Arbeitsmarkt, dass die steuerliche Belastung hierzulande in keinem angemessenen Verhältnis zum Verdienst steht. Lediglich 24 Prozent der Befragten sehen im Ausland bessere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten.

Was sich in den vergangenen Jahren verändert hat

Ein Blick zurück zeigt, wie stark sich die Motive verändert haben. Eine Erhebung von 2008, die in einen Bericht der OECD von 2015 einfloss, zeigt: Zu dieser Zeit erwarteten noch 70 Prozent der damals Befragten im Ausland eine bessere Stellung am Arbeitsmarkt, inklusive besserer Verdienst- und Entwicklungsmöglichkeiten. Zu dieser Zeit verbanden 25 bis 40 Prozent Deutschland mit hohen Steuern, Bürokratie und fehlender Offenheit in der Gesellschaft.
Zudem zitiert der OECD-Bericht eine Studie, in der zwischen 2009 und 2013 knapp 9.000 in Deutschland geborene Personen befragt wurden: Würden Sie bei Gelegenheit gern dauerhaft ins Ausland ziehen? Das Ergebnis: 83 Prozent wollten in Deutschland bleiben, 15 Prozent wünschten sich, lieber anderswo zu leben. Von denjenigen, die ihre Auswanderungspräferenz in den Jahren 2010, 2011 oder 2013 äußerten (insgesamt 728 Befragte), planten lediglich 4 Prozent, innerhalb der nächsten zwölf Monate tatsächlich ins Ausland zu ziehen.
Von denen, die ins Ausland gingen, waren schon damals viele gut ausgebildete Menschen, beschrieb die OECD in ihrem Bericht von 2015. Darin steht auch:
„Erwerbstätige deutsche Auswanderer üben häufig Berufe mit hohem Qualifikationsniveau aus.“
Bei den Rückwanderungen hingegen seien allerdings „Personen mit hoher Beschäftigungsfähigkeit unterrepräsentiert“.
Kurz gesagt: Schon damals verließen überdurchschnittlich häufig gut qualifizierte Erwerbstätige Deutschland. Unter den Rückkehrern waren Hochqualifizierte dagegen seltener vertreten.
Bereits vor mehr als zehn Jahren empfahl die OECD deshalb eine Politik, die die Bedürfnisse deutscher Auswanderer stärker berücksichtigt und eine Rückkehr erleichtert. Heute wirkt diese Empfehlung aktueller denn je.

Mehr Steuern, weniger Fachkräfte?

Aktuell konzentriert sich die politische Debatte in Deutschland vordergründig darauf, wie Fachkräfte gewonnen und zusätzliche Steuereinnahmen generiert werden können. Aktuell werden höhere steuerliche Belastungen für Vermögende und Gutverdiener geplant. Zudem ist die Rede von einer möglichen Erhöhung der Mehrwertsteuer, genauso wie von höheren Steuern für Zigaretten und Alkohol. Nach dem aktuellen Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2027 sollen zukünftig außerdem Kryptogewinne genauso wie Kapitaleinkünfte besteuert werden.
Ebenso wird debattiert, die zehnjährige Haltefrist bei Immobilien abzuschaffen. Das bedeutet, dass Immobilienverkäufe künftig unabhängig von der Haltedauer immer mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert würden.
Weit weniger diskutiert wird darüber, welche Signale dadurch an diejenigen gesendet werden, die bereits heute einen erheblichen Teil der Steuern und Sozialabgaben tragen und aufgrund ihrer Qualifikation oft auch weltweit gefragt sind.
Für einen Teil dieser Leistungsträger könnten solche Ankündigungen den Eindruck verstärken, dass sich die Rahmenbedingungen in Deutschland weiter verschlechtern.
Hinzu kommt ein weiterer, volkswirtschaftlicher Aspekt, der in der Debatte kaum thematisiert wird: Hinter jeder hochqualifizierten Fachkraft, die Deutschland verlässt, stehen oft Jahre staatlich finanzierter Ausbildung, Berufserfahrung und damit Wissen, das das Land verlässt.
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Waldbrand südlich von Paris: Feuerwehrmann gesteht Brandstiftung

Ein Mitglied der freiwilligen Feuerwehr hat sich zur Brandstiftung im Wald von Fontainebleau südlich von Paris bekannt.
Der Mann habe gestanden, mit einem Feuerzeug und Benzin Reisig angezündet zu haben, teilte die Staatsanwältin Diane Ngomsik mit. Der seit Sonntag wütende Brand hat mittlerweile mehr als 2.000 Hektar der grünen Lunge von Paris erfasst.

Sechs Menschen verhaftet

Insgesamt seien sechs Verdächtige in Polizeigewahrsam genommen worden, sagte die Staatsanwältin von Fontainebleau weiter. Einer von ihnen habe eingeräumt, versehentlich ein Feuer entfacht zu haben, als er eine Zigarettenkippe weggeworfen habe.
Der riesige Waldbrand etwa 60 Kilometer südlich von Paris war am Dienstagmittag noch immer nicht unter Kontrolle. In der betroffenen Region waren vier Löschflugzeuge vom Typ Canadair im Einsatz, die im Niedrigflug Wasser aus der Seine schöpfen.
Insgesamt wurden 1.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Etwa 850 Feuerwehrleute waren am Dienstag im Einsatz.
Das Feuer in Wald von Fontainebleau, der etwa 25.000 Hektar umfasst, war am Sonntag ausgebrochen. Es gibt zwei größere Brandherde, und das Feuer flammt wegen des anhaltenden Windes immer wieder auf. Die Vegetation und die Böden sind wegen der drei Hitzewellen seit Beginn des Jahres stark ausgetrocknet.

Naherholungsgebiet für Pariser

Der Wald von Fontainebleau ist ein beliebtes Naherholungsziel für Pariser. Viele Menschen ignorieren die Verbote, im Wald zu zelten und zu grillen.

Löschhubschrauber schöpfen Wasser aus einem provisorischen Reservoir, nachdem am 12. Juli 2026 im Wald von Fontainebleau in Fontainebleau, Frankreich, ein Waldbrand ausgebrochen war.

Foto: Pierre Crom/Getty Images

Seit Jahresbeginn wurden bei Wald- und Flächenbränden in Frankreich bereits 32.000 Hektar Land zerstört, mehr als doppelt so viel wie im gesamten vergangenen Jahr.
Die Behörden nahmen bislang landesweit dutzende Menschen in Gewahrsam, die im Verdacht stehen, die Feuer bewusst gelegt oder sie durch fahrlässiges Verhalten entfacht zu haben – etwa durch das Wegwerfen von Zigarettenkippen. (afp/red)
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Mutmaßlicher Brandanschlag legt Zugverkehr im Norden lahm

Ein mutmaßlicher Brandanschlag an der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Cuxhaven hat den Zugverkehr lahmgelegt. Im niedersächsischen Neu Wulmstorf habe in der Nacht ein Verteilerkasten gebrannt, teilte die Polizei mit. Die Behörde geht von Brandstiftung aus.
Eine Bahnsprecherin sagte, das Feuer habe die Schieneninfrastruktur beschädigt, Zugfahrten im Abschnitt zwischen Hamburg-Neugraben und Buxtehude in Richtung Stade seien derzeit nicht möglich, eine Prognose zur Dauer der Sperrung auch nicht. Zuvor hatte die „Hamburger Morgenpost“ berichtet.

Schienenersatzverkehr rollt

Für den betroffenen S-Bahn Verkehr der Linie S5 wurde nach Bahn-Angaben ein Schienenersatzverkehr mit Bussen und Taxen zwischen Neugraben und Stade eingerichtet. Zwischen Pinneberg und Hammerbrook war demnach die S5 den Angaben zufolge im Zehn-Minuten-Takt unterwegs, zwischen Hammerbrook und Wilhelmsburg waren wegen geplanter Bauarbeiten Busse als Ersatzverkehr im Einsatz. Letzteres betraf auch die Linie S3.
Die Züge der RE5 zwischen Hamburg und Cuxhaven über Harburg, Buxtehude und Stade fuhren laut Bahn ebenfalls nicht. Zwischen Stade und Cuxhaven wurde ein Schienenersatzverkehr eingesetzt. Die Bahn riet Reisenden, sich vor Fahrtantritt zu informieren und eine längere Fahrtzeit einzuplanen.

Polizei: Signalleitungen wurden beschädigt

Nach Polizeiangaben meldete ein Zeuge gegen 1.15 Uhr Feuerschein an einem Technikgebäude eines Bahnübergangs. Als die ersten Rettungskräfte eintrafen, war dieses Feuer nahezu erloschen – allerdings brannte in 50 Metern Entfernung ein Verteilerkasten.
Dieses Feuer beschädigte den Angaben zufolge Signalleitungen, der Zugverkehr wurde daher unterbrochen. Die Feuerwehr löschte den Brand.
Die Polizei sicherte Spuren an den Brandstellen. Diese Spuren sprächen für Brandstiftung, sagte ein Polizeisprecher. Die Täterschaft sei aber noch unklar. Die Polizei sucht seinen Worten zufolge dringend nach Zeugen.

Mutmaßlicher Brandanschlag auf Bahnstrecke auch in NRW

In Nordrhein-Westfalen hatte am Wochenende ebenfalls ein mutmaßlicher Brandanschlag eine wichtige Bahnstrecke lahmgelegt, zahlreiche Kabel an der Hauptstrecke zwischen Düsseldorf und Köln wurden von Bränden in Kabelschächten beschädigt.
Es kam auch zu einem Böschungsbrand, der von der Feuerwehr gelöscht wurde. Sicherheitskreise vermuteten einen Sabotageakt.
Auf der linken Plattform indymedia.org tauchte ein mutmaßliches Bekennerschreiben auf, die Ermittler gingen davon aus, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde. Am frühen Samstagabend wurde die gesperrte Strecke für Züge freigegeben. (dpa/red)
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Steinwurf auf Streifenwagen – DNA-Test für Hochhausbewohner

Seit dem Morgen führt die Polizei einen Großeinsatz in einem Hochhaus im Kieler Stadtteil Mettenhof durch, aus dem ein Pflasterstein auf einen Streifenwagen geworfen worden ist.
Es laufe eine DNA-Untersuchung der Bewohner, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Untersucht würden alle Bewohnerinnen und Bewohnern des 25-geschossigen Mehrfamilienhauses, die zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt mindestens 14 Jahre alt gewesen seien.

Pflasterstein geworfen

Hintergrund ist laut Polizei ein Vorfall in der Nacht zum 2. Juli. Ein bislang Unbekannter soll einen Pflasterstein aus dem Wohnhaus auf einen Streifenwagen geworfen haben.
Der Stein habe die Frontscheibe durchschlagen und eine Polizistin auf dem Beifahrersitz an der Hand und am Sprunggelenk verletzt. Die 25-Jährige sei nicht mehr dienstfähig. Ihr 59 Jahre alter Kollege wurde demnach nicht verletzt.
Die Staatsanwaltschaft bewerte den Vorfall als versuchtes Tötungsdelikt. Auf dem Stein wurden demnach DNA-Spuren sichergestellt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kiel habe das Amtsgericht Kiel die Untersuchung angeordnet.
Der Einsatz werde voraussichtlich bis zum Vormittag andauern, sagte eine Sprecherin der Polizei am Morgen. Die Zahl der Beamten im Einsatz liege im unteren dreistelligen Bereich. (dpa/red)
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Flüge immer teurer – Airlines dünnen Flugplan aus

Flugreisen sind für deutsche Verbraucher im laufenden Sommer erneut teurer geworden. Selbst bei sogenannten Billigfliegern wurden noch einmal deutlich höhere Preise aufgerufen, wie aus der regelmäßigen Marktstudie des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln hervorgeht.
Gründe für die hohen Tarife sind ein weiterhin knappes Flugangebot sowie hohe Gebühren und Steuern bei Abflügen von deutschen Flughäfen. Von früheren Einstiegspreisen wie 9,90 Euro oder 19,90 Euro sind die vier größten Direktfluggesellschaften im täglichen Geschäft weit entfernt.
Für ein One-Way-Ticket ohne Gepäck nahmen sie im Schnitt zwischen 81 (Wizz Air) und 141 Euro (Eurowings). Die Anbieter Ryanair (89,73 Euro) und Easyjet (107,32 Euro) landeten im Mittelfeld. Vor einem Jahr reichte die Spanne in der Stichprobe von 67 bis 130 Euro.

Nur das nackte Ticket

Zu den genannten Preisen erhalten die Kunden nur das nackte Ticket und dürfen eine kleine Tasche mit an Bord nehmen, die den meisten Menschen bestenfalls für einen Tagestrip ausreichen dürfte.
Für jedes weitere Gepäckstück, selbst gewählte Sitzplätze oder einen kleinen Snack halten die Airlines zusätzlich die Hand auf und erzielen so beträchtliche Zusatzeinnahmen. Kürzlich war das EU-Parlament mit einem Vorstoß gescheitert, einen zusätzlichen Kabinenkoffer in den niedrigsten Ticketpreis aufzunehmen.
Für das erste Halbjahr hat das Statistische Bundesamt bereits am Montag vor durchschnittliche Preiserhöhung von 8,5 Prozent berichtet. Bei den besonders beliebten Europaflügen mussten die Kunden sogar 11,5 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr.

Airlines kappen Verbindungen

Mittelfristig sind keine Preisnachlässe zu erwarten. Neben dem Irankrieg ist auch das knappe Angebot von Direktflügen auf dem deutschen Markt dafür verantwortlich. Wegen der hohen Einstiegskosten setzen der Branchenprimus Ryanair wie auch seine Konkurrenten ihre Flugzeuge eher in Ländern mit niedrigeren Gebühren und Steuern ein.
Der Lufthansa-Konzern, zu dem auch Eurowings gehört, hat im Sommer mit dem Aus der Regionaltochter Cityline zehntausende Flüge gestrichen, weil diese unrentabel seien. Konzernchef Carsten Spohr hat intern für das kommende Jahr bereits weitere Streichungen angekündigt. Das Drehkreuz Frankfurt leidet bereits unter sinkenden Passagierzahlen.

Rumpfangebot für Deutschland

Nach Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) haben die Billigflieger 2025 am deutschen Markt nur noch ein Rumpfangebot von 82 Prozent des Vor-Corona-Aufkommens aufrechterhalten.
Im übrigen Europa gab es statt eines Rückgangs einen Zuwachs von mehr als 30 Prozent, denn vor allem der Branchenriese Ryanair nimmt laufend neue Boeing-Flugzeuge in seine Flotte auf.
An den Kostennachteilen für Starts von deutschen Flughäfen hat auch die jüngste Absenkung der nationalen Luftverkehrsteuer wenig geändert. Für die meisten Flüge fallen nun 2,50 Euro weniger an, doch auch die verbleibende Steuer und weitere Gebühren für Flugsicherung, Passagierkontrollen und weiteres halten die deutschen Kosten in der europäischen Spitzengruppe.

Ryanair streicht Basis in Berlin

Ryanair hat auch nach der Absenkung an dem Plan festgehalten, die noch verbliebenen sieben Flugzeuge aus Berlin an andere Standorte zu verlegen. Deutschlands Hauptstadt wird ab dem Herbst von den Iren deutlich seltener angeflogen.
Airline-Chef Eddie Wilson sagt: „Während andere europäische Länder die Luftverkehrsteuer abgeschafft und die Zugangskosten gesenkt haben, wird Deutschland zunehmend zu teuer für Wachstum. Die Entscheidung von Ryanair, ihre Berliner Basis ab dem Winterflugplan 2026 zu schließen, sowie die Streichung tausender Flüge durch Lufthansa sind klare Konsequenzen dieser verfehlten Politik.“

Bangen um Easyjet

Ein weiterer Einschnitt für Berlin und den gesamten deutschen Markt droht durch eine mögliche Zerschlagung der Easyjet, um die ein Bieterkrieg zwischen den US-Investmentgesellschaften Castlelake und Apollo ausgebrochen ist.
Noch ist unklar, wer die Airline übernimmt und was dann mit ihr passiert. Das Unternehmen mit 210 Flugzeugen verfügt über materielle und immaterielle Vermögensgegenstände, die den aktuellen Börsenwert deutlich übersteigen könnten. Die Folgen einer Zerschlagung wären möglicherweise weniger Flüge in Europa und höhere Preise im verbleibenden Angebot.

Vier verschiedene Buchungsfristen

Für die DLR-Studie wurden am Stichtag 14. April 2026 eine Vielzahl von europäischen Verbindungen mit vier unterschiedlichen Vorausbuchungsfristen zwischen einem Tag und drei Monaten ausgewertet. Kurzfristig gebuchte Tickets sind in der Regel am teuersten.
Sie kosteten einen Tag vor dem Abflug durchschnittlich zwischen 118 (Wizz Air) und 201 Euro (Eurowings). Mit einer Buchungsfrist von drei Monaten betragen die durchschnittlichen Preise 71 Euro (Ryanair) bis 97 Euro (Wizz).
Den höchsten Ticket-Einzelpreis von 494,99 Euro entdeckten die DLR-Forscher bei Eurowings für einen Flug von Düsseldorf nach Bilbao am Folgetag der Buchung. Der gleiche Flug sollte sechs Tage später 154,99 Euro kosten.

Kurz vor dem Start kann es auch billiger werden

Hier zeigt sich das Prinzip, dass die letzten Plätze in einem nahezu ausgebuchten Flugzeug zu Höchstpreisen vermarktet werden. In der Regel sind daher frühzeitige Buchungen günstiger.
Der Preis kann auf einzelnen Verbindungen aber zwischenzeitlich auch wieder fallen, wenn aus Sicht der Airline zu wenige Tickets abgesetzt wurden. Das billigste Ticket im DLR-Vergleich wurde für einen Ryanair-Flug von Karlsruhe nach London am kommenden Tag für 15 Euro angeboten. (dpa/red)
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Bundespolizei darf jetzt automatisiert überwachen

Die Bundesregierung hat am 10. Juli im Bundestag eine „Modernisierung“ des zum Großteil seit 1994 geltenden Bundespolizeigesetzes durchgesetzt. Bündnis 90/Die Grünen und die Linke stimmten dagegen. Die AfD enthielt sich.
Die Begründung der Regierung für die Gesetzesänderung lautet: Die „Bundespolizei braucht Befugnisse, die den heutigen Gefahrenlagen entsprechen“. Dazu zählen etwa die Drohnenabwehr und bessere Waffenkontrollen.

Echtzeit-Gesichtserkennung

In das Gesetz wurde ein neuer Paragraf zur „automatisierten Erkennung von Gefahren“ eingefügt. Das ist mit anderen Worten eine Videoüberwachung. Im Juristendeutsch heißt es dazu weiter: Die Bundespolizei erhält „eine Befugnis zur Erkennung von Bewegungs- und Objektmustern sowie Aufenthaltsorten, die auf Gefahren hindeuten“.
Also darf die Polizei jetzt mittels Video und KI Personen identifizieren und ihr Verhalten einschätzen. Dafür darf sie außerdem vor Ort „biometrische Erkennung“ von Verdächtigen durchführen, also eine sogenannte automatische Echtzeit-Gesichts- und Bewegungserkennung.
Die etwa 55.000 Beamten der Bundespolizei unterstehen dem Bundesinnenminister und sind zuständig für den Schutz der Außengrenzen Deutschlands. Sie überwachen Flughäfen und Bahnhöfe, schützen wichtige Ämter und Behörden in ganz Deutschland sowie die 154 deutschen Botschaften im Ausland. Und sie stellen jene Beamten, die ausreisepflichtige Migranten mittels Flugzeug in deren Heimatländer zurückführen.
Künftig darf die Bundespolizei bei Gericht Abschiebungshaft „gegen vollziehbar ausreisepflichtige, nicht geduldete Personen, die sie in ihrem Zuständigkeitsbereich feststellt“, beantragen.

Polizei darf mehr kontrollieren

Wie die Bundesregierung weiterhin mitteilte, erhält die Bundespolizei zudem „neue Befugnisse“ zum Einsatz und zur Abwehr von Drohnen.
Sie darf zudem vorbeugend die Telekommunikation von Verdächtigen überwachen, Meldeauflagen und Aufenthaltsverbote erlassen und „verdachtsunabhängige Kontrollen in Waffen- und Messerverbotszonen im Bahnbereich“ durchführen.
Die Gesetzesänderung sieht zudem eine „Zuverlässigkeitsüberprüfung bei Neueinstellungen“ vor, um die „Bundespolizei vor der Unterwanderung durch Extremisten zu schützen“.

Scharfe Kritik von Linken und Grünen

Kritik kommt erwartungsgemäß von der Opposition.
Clara Bünger von der Linkspartei warf der Regierung in ihrer Rede im Bundestag vor, sie wolle „staatliche Macht ausbauen und Grundrechte aushöhlen“. Mit der biometrischen Echtzeitüberwachung greife die Regierungskoalition tief in Grundrechte ein.
Bezogen auf die Echtzeitgesichtserkennung an Flughäfen und Bahnhöfen drückte die Linken-Politikerin die Befürchtung aus: „Die flächendeckende Überwachung wird für Millionen zum Normalzustand.“
Und: „Dafür bekommt der Innenminister fast 1 Milliarde mehr als im Vorjahr. Eine Milliarde für Überwachung.“ Dies sei „autoritärer Staatsumbau in Reinform“. Sie kritisierte zudem, dass ein „Staatstrojaner“ eingeführt werde, „um Telefone und Messenger zu überwachen“.
Die Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic (Grüne) kritisierte bereits während der ersten Lesung des Gesetzes am 18. Dezember: „Künftig sollen pauschal alle Passagierdaten von Flügen aus Drittstaaten an die Bundespolizei übermittelt werden, ohne jeden Anlass, ohne jeden Verdacht.“ Das betreffe Tausende von Urlaubsreisenden. Dies sei nicht maßvoll.
Mihalic an die Regierung gewandt: „Wie wollen Sie denn die Nadel finden, wenn Sie den Heuhaufen immer größer machen?“
Der GdP-Bundesvorsitzende, Jochen Kopelke, weist auf den Anstieg der Gewaltkriminalität hin. (Archivbild)

Der GdP-Bundesvorsitzende, Jochen Kopelke, sieht „viel Positives“ im jüngsten Gesetzesvorhaben für die Bundespolizei. (Archivbild)

Foto: Annette Riedl/dpa

Kopelke: „Wichtiges Signal für Polizei“

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, begrüßte hingegen in einem Gespräch mit Epoch Times die Neuerungen. Es sei „ein wichtiges Signal“ für die Polizisten. Der Gesetzgeber würde damit „den digitalen Realitäten zunehmend Rechnung tragen“. Jetzt käme es darauf an, dass die begonnenen Reformen nach der Sommerpause auch im Bundesrat „zügig abgeschlossen werden“, so der Gewerkschafter.
Weitere Gesetzgebungsvorhaben befänden sich noch im parlamentarischen Verfahren, „oder stehen weiterhin aus“, sagte Kopelke. Dazu gehören seiner Meinung nach eine weitere „Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse und die Einführung einer verfassungskonformen Speicherung von IP-Adressen, einschließlich der Sicherungsanordnung“.
In diesem Fall ist mit Sicherungsanordnung gemeint, dass Telekommunikationsanbieter verpflichtet werden können, IP-Adressen, Chats und Telefonnummern bei einem konkreten Tatverdacht sofort zu sichern, um sie vor dem Löschen zu bewahren. Dies ist bisher zum Beispiel bei Mordfällen schon möglich.
Laut Europäischem Gerichtshof ist eine „anlassbezogene Datensicherung“ erlaubt, eine „unterschiedslose Vorratsdatenspeicherung“ hingegen nicht.

Grenzen der Funkzellenauswertung

Der GdP-Chef spricht aber in diesem Zusammenhang davon, dass es auch einer Neuregelung der Funkzellenabfrage bedürfe.
Das heißt: Wenn man mit einem Smartphone telefoniert, eine Nachricht sendet oder mobile Daten nutzt, verbindet sich das Gerät mit dem nächstgelegenen Mobilfunkmast. Dieser Mast deckt ein bestimmtes Gebiet ab, eine sogenannte Funkzelle. Bei einer Funkzellenabfrage wenden sich die Ermittlungsbehörden zunächst an einen Richter oder einen Staatsanwalt, der die Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit der Maßnahme prüft.
Als Grundlage dient Paragraf 100g der Strafprozessordnung. „Ohne eine solche Anordnung ist die Durchführung einer Funkzellenabfrage unzulässig“, erklärte Kopelke. Erst mit der juristischen Anordnung können sich die Ermittler an die Mobilfunkanbieter wenden und eine Liste aller Mobilnummern verlangen, die in einem festgelegten Zeitraum in dieser speziellen „Zelle“ aktiv waren.
Der GdP-Bundesvorsitzende glaubt indes, dass es auch für bestimmte Fälle einer vorbeugenden Funkzellenauswertung bedürfe. Hierzu nennt er das folgende Beispiel: „Wenn jemand eine Straftat oder Suizid ankündigt, bedarf es zur Gefahrenabwehr einer Echtzeitanalyse.“ Dann müsse die Polizei sofort handeln dürfen. „Da sehe ich noch Handlungsbedarf beim Gesetzgeber“, so Kopelke.
Die Bundespolizei hat im vergangenen Jahr mehr Gewaltdelikte an Bahnhöfen und anderen Orten, wo sie für die Sicherheit zuständig ist, festgestellt. (Archivbild)

Die Bundespolizei hat im vergangenen Jahr mehr Gewaltdelikte an Bahnhöfen und anderen Orten, wo sie für die Sicherheit zuständig ist, festgestellt. (Archivbild)

Foto: Robert Michael/dpa

Kopelke: Mehr Schutz für Polizei benötigt

Auch der Schutz der Einsatzkräfte könne „noch verbessert werden“, meint Kopelke, etwa im Strafrecht. Dieses sollte für tätliche Angriffe auf Polizeibeamte „verschärft werden“.
Außerdem sieht er eine Lücke im Meldegesetz. Derzeit sei es relativ einfach, die Wohnadresse eines Polizisten über das Einwohnermeldeamt herauszufinden. Sinnvoll wäre seiner Ansicht nach, eine generelle Auskunftssperre für die Adressen von Polizisten zu verhängen. Eine für drei Jahre gültige Auskunftssperre sei derzeit nur möglich, wenn eine konkrete Bedrohung nachgewiesen werden kann.

KI verbessert Frühwarnung

Doch der GdP-Chef sieht überwiegend „viel Positives“ im jüngsten Gesetzesvorhaben für die Bundespolizei. So werde die Polizeiarbeit künftig effizienter möglich sein. Etwa an Bahnhöfen, wo die neue Hightech mittels KI dazu beitragen könne, Vermisste zu finden. KI könne auch erkennen, ob sich gerade ein Messerangriff anbahnt oder ob jemand einen Unfall erleidet.
Kopelke: „Noch während jemand am Bahnsteig zusammenbricht, hat die KI schon den Rettungsdienst alarmiert. Das spart wertvolle Minuten.“ Ein Pilotprojekt in Hamburg habe diese Frühwarnmöglichkeit erfolgreich getestet.
Kritikern, die befürchten, dass die deutsche Gesellschaft in eine orwellsche Totalüberwachung abgleiten könnte, hält der GdP-Chef entgegen: „Wir überwachen nicht. Wir bekommen mehr Befugnisse, um Gefahren schneller zu erkennen und abzuwehren zu können.“

Indienststellung der neuen Drohnenabwehreinheit in Blumberg-Aherensfelde, Brandenburg, mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (r.).

Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times

Bundespolizei erhält Drohnenstaffeln

Ähnlich wie die Bundeswehr erhält die Bundespolizei künftig mehrere Drohnenstaffeln, die entweder aus der Luft einen bestimmten Raum aufklären oder als gefährlich identifizierte Drohnen abwehren sollen. Da die Bundespolizei über zahlreiche Standorte in ganz Deutschland verfügt, sei sie für diese Aufgabe am besten geeignet, erklärte Kopelke. Die Innenministerkonferenz sei sich darin einig gewesen, dass die Landespolizei diese Fähigkeit nicht übernehmen könnte.
Es gebe zudem im Drohnenbereich bereits eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Diese werde „im Amtshilfeverfahren“ in jenen Bereichen tätig, wo die Bundespolizei an ihre Grenzen stoße.
Als Beispiel nennt Kopelke: „Wenn eine oder mehrere gefährliche Drohnen in so großer Höhe aufgespürt werden, dass die Bundespolizei sie mit ihren technischen Mitteln nicht mehr erreichen kann, verfügt die Bundeswehr über Möglichkeiten, hier einzuspringen.“
Dafür wurde Anfang dieses Jahres das Luftsicherungsgesetz geändert. Außerdem hat die Innenministerkonferenz beschlossen, dass Bundeswehrvertreter zur besseren Abstimmung an deren Sitzungen teilnehmen.

Direktes Abhören am Telefon

Zu dem Vorwurf der Linken-Politikerin Bünger, die Bundesregierung führe einen „Saatstrojaner“ ein, erklärte der GdP-Chef: „Hier geht es um Telekommunikationsüberwachung an der Quelle.“
Wenn etwa ein verdächtiger Anrufer mittels Technik seine Stimme verzerren lasse, um seine Identität zu verschleiern, könne sich künftig die Bundespolizei „auf dessen Telefon draufschalten und die echte Stimme mithören“. Um dies zu erreichen, müsse zuvor eine Software auf das verdächtige Telefon aufgespielt werden. Dies könne „remote“ – also auf Distanz – erfolgen.
Sofern das neue Bundespolizeigesetz auch die Zustimmung im Bundesrat fände, „wäre diese Möglichkeit ein Riesenfortschritt in der Strafverfolgung“, zeigt sich Kopelke überzeugt.

Verbesserte Zurückweisung von Gefährdern

Der Kritik der Grünenabgeordneten Mihalic an der vorzeitigen Übermittlung von Passagierdaten von Flügen aus Drittstaaten hält Kopelke entgegen: Damit die Bundespolizei nicht erst bei der Passkontrolle auf mögliche Gefährder und Problemfälle stoße, sei die frühzeitige Vorabübermittlung der Passagierdaten hilfreich.
Damit bekomme die Bundespolizei die Möglichkeit, deren Einreise direkt zu verweigern und die betroffenen Personen in der Transitzone von Flughäfen unterzubringen. Dadurch werde die Zurückweisung und Rückführung dieser Personen in ihre Herkunftsländer „beträchtlich erleichtert“, so der GdP-Chef.
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Sommerreisewelle: Dort sind am Wochenende Staus zu erwarten

Aufgrund des Ferienverkehrs erwartet der ADAC am kommenden Wochenende ein deutlich erhöhtes Reiseaufkommen. Mit dem Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen werde der nächste Höhepunkt der Sommerreisewelle erreicht, teilte der Automobilklub am Montag in München mit.
Mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg seien damit ab dem Wochenende nun alle Bundesländer in den Sommerferien. Dazu komme ein erhöhtes Reiseaufkommen durch Urlauber aus Nachbarländern.
Auf den Autobahnen werden dem Automobilklub zufolge vor allem am Freitagnachmittag und Samstagvormittag lange Staus erwartet. Neben Urlaubern seien dann auch zahlreiche Tagesausflügler unterwegs. Besonders voll dürfte es demnach auf den Strecken in Richtung Süden, an Küsten und Seen, im Mittelgebirgsraum sowie in Umgebung von Ballungsräumen werden.

Baustellen und Großveranstaltungen

Bundesweit wird der Verkehr dem ADAC zufolge durch rund 1.000 Baustellen zusätzlich ausgebremst. Großveranstaltungen wie das Deichbrand Festival bei Cuxhaven und die Große Kirmes am Rhein in Düsseldorf würden ebenfalls für erhebliche Verkehrsbehinderungen sorgen. In den Abendstunden am Samstag und Sonntag könne es zudem zu dichtem Rückreiseverkehr kommen.
Auf viel genutzten Reiserouten im Ausland müssen Urlauber laut ADAC ebenfalls Geduld mitbringen. In Österreich gelte dies etwa auf der West-, Tauern-, Inntal- und Brennerautobahn. In der Schweiz müsse insbesondere auf der Gotthardroute, der San-Bernardino-Route sowie den Autobahnen A1 und A3 mit langen Wartezeiten gerechnet werden.
Besonders an den Grenzübergängen sollten Urlauber laut ADAC bei der Rückreise mögliche Wartezeiten einplanen. Aufgrund von Grenzkontrollen könne es an den Übergängen aus Österreich, Polen, Tschechien und der Schweiz zu Verzögerungen kommen. (afp/red)
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Flüge ins Ausland im ersten Halbjahr deutlich teurer – Ausnahme: Afrika

Die Preise für Flugtickets und Pauschalreisen ins Ausland sind zuletzt stark gestiegen. Tickets für internationale Flüge verteuerten sich im 1. Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mitteilte.
Betrachtet man die Preise für Auslandsflüge in der Economy-Class, gab es die größten Steigerungen bei Flügen nach Mittelamerika (+12,5 Prozent). Für Flüge ins europäische Ausland zahlten Flugreisende im 1. Halbjahr 2026 rund 11,5 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2025, nach Asien und Australien 4,9 Prozent mehr.

Afrika-Tickets günstiger

Langstreckenflüge nach Nordamerika verteuerten sich um 3,7 Prozent, nach Südamerika um 0,3 Prozent. Günstiger geworden sind hingegen Flugtickets nach Afrika (-12,0 Prozent).
Ebenfalls deutlich stiegen die Ticketpreise für Flüge innerhalb Deutschlands: 9,5 Prozent mehr kosteten Inlandsflüge im 1. Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Pauschalreisen um 3,0 Prozent teurer

Auch für Pauschalreisen mussten Urlauber tiefer in die Tasche greifen: Pauschalreisen ins Ausland waren im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 3,0 Prozent teurer als im Vorjahreszeitraum. Preissteigerungen gab es für Pauschalreisen nach Ägypten (+5,2 Prozent), auf die Kanaren (+4,6 Prozent) und Balearen (+3,6 Prozent).
Die Preise für Pauschalreisen in die Türkei (+1,3 Prozent) stiegen moderat gegenüber dem 1. Halbjahr 2025. Bei Pauschalreisen nach Griechenland veränderten sich die Preise für Verbraucher kaum (+0,2 Prozent).
Bei Pauschalreisen innerhalb Deutschlands fiel der Preisanstieg zuletzt ähnlich wie bei den Auslandsreisen aus: Heimische Pauschalreisen verteuerten sich im 1. Halbjahr 2026 um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. (dts/red)
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KI in der Schule: Das Problem ist nicht Schummeln, sondern die Illusion von Lernen

Die aktuelle Debatte über Kinder und Künstliche Intelligenz (KI) wird allzu oft auf das Thema Schummeln reduziert, insbesondere in der Schule. Diese Sorge ist verständlich. Aber sie ist nicht das eigentliche Problem. Das tiefere Problem ist die menschliche Persönlichkeitsbildung.
Als ich 1984 in der achten Klasse im Englischunterricht saß, hatte ich eine Lehrerin, Mrs. Garman, die sowohl sehr fürsorglich als auch unangenehm anspruchsvoll war. Jeden Freitag erwartete sie von uns, dass wir einen zweiseitigen, handgeschriebenen Aufsatz in Schreibschrift einreichten, der ausschließlich mit blauer Tinte geschrieben sein musste.
Damals graute es mir davor.
Die leeren Seiten verspotteten mich. Meine Hand schmerzte vom Festhalten des BIC-Stifts. Ich hasste es, einen nur halb ausgereiften Gedanken in einen sinnvollen Satz zu verwandeln. Es gab keine Abkürzung, keinen einfacheren Weg, keinen Knopf, den man drücken konnte. Es gab nur den Küchentisch, die blaue Tinte und die Arbeit, einen Satz nach dem anderen auf das Blatt zu bringen.
Damals dachte ich, bei dieser Aufgabe ginge es um Handschrift, Grammatik und Noten. Heute sehe ich das anders, vor allem nach all den Jahren, in denen ich eine Schule geleitet habe.
Dieser wöchentliche Aufsatz brachte mir nicht nur das Schreiben bei. Er brachte mir das Denken bei. Er zwang mich dazu, mich mit meiner Verwirrung auseinanderzusetzen, meine Gedanken zu ordnen, treffende Worte zu wählen und so lange weiterzuarbeiten, bis mir etwas innerlich klarer wurde. Die Arbeit, die ich jeden Freitag abgab, war nicht das Wesentliche. Der eigentliche Zweck war das Denken, das erforderlich war, um das zu schreiben – und Mrs. Garman verlangte genau dieses Denken.
Diese Erinnerung ist mir heute wichtiger denn je.
Wenn ein Kind KI nutzt, um eine Antwort zu generieren, ohne den Denkprozess selbst zu durchlaufen, erleben wir möglicherweise nicht nur die Zukunft des „Augmented Learning“. Wir erleben möglicherweise den Aufstieg der „Fake Intelligence“: den Anschein von Kompetenz ohne die Entwicklung tatsächlicher Fähigkeiten.
Ich sehe diese Spannung bereits im Schulalltag. Ein Schüler, der früher Schwierigkeiten hatte, einen Absatz zu strukturieren, kann nun einen sauberen, gut aufgebauten Text abgeben. Ein Lehrer spürt vielleicht, dass die Arbeit nicht vollständig vom Schüler selbst stammt – kann aber nicht immer nachweisen, in welchem Umfang Hilfe in Anspruch genommen wurde. Eltern sehen die bestandene Note und sind erleichtert. Das Kind sieht das Ergebnis und lernt womöglich eine gefährliche Lektion: Ich kann mir die Anstrengung sparen und trotzdem erfolgreich erscheinen.
Das ist das Problem. Nicht, dass es KI gibt. Nicht, dass Kinder sie nutzen werden. Das werden sie. Die Frage ist, ob sie weiterhin den Denkprozess einüben werden, den Intelligenz erfordert – wenn ein Werkzeug diese Anstrengung in Sekundenschnelle beseitigen kann.
Menschen haben schon immer Werkzeuge genutzt, um ihr Leben sicherer und einfacher zu machen. Das ist Teil der Zivilisation. Wir haben daran gearbeitet, körperliche Gefahren zu verringern, sauberes Wasser bereitzustellen, unsere Häuser zu schützen, die Medizin zu verbessern, den Zugang zu Informationen zu erweitern und Probleme zu lösen, die einst enorme menschliche Energie verschlungen haben. Ein Großteil dieses Fortschritts ist gut.
Doch möglicherweise nähern wir uns nun einem kulturellen Kipppunkt der Bequemlichkeit. Bequemlichkeit beseitigt nicht mehr nur unnötige Härten. Zunehmend besteht die Gefahr, dass sie genau jene Reibung beseitigt, die Kindern bei ihrer Entwicklung hilft.
Wir geben Kindergartenkindern keine Taschenrechner in die Hand, bevor sie verstehen, was Zahlen bedeuten. Wir wollen, dass sie zwei Äpfel mit dem Symbol 2 in Verbindung bringen. Wir wollen, dass sie Mengen sehen, anfassen, zählen und damit hantieren, bevor ein Hilfsmittel die Antwort liefert. Die Antwort ist wichtig, aber in diesem Entwicklungsstadium ist der Prozess dorthin noch wichtiger.
Beim Schreiben ist es nicht anders. Schüler sollten schreiben lernen, bevor sie eine Maschine bitten, ihre Texte zu polieren. Sie sollten sich mit einem Problem auseinandersetzen, bevor die KI sofort eine Lösung anbietet. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen, Geduld, Überarbeitung und Verantwortung müssen geübt werden, bevor Bequemlichkeit zum Normalzustand wird.
Dies ist kein Plädoyer für den Verzicht auf KI. Richtig eingesetzt, kann KI als Nachhilfelehrer, Lektor, Übersetzer und Ideengeber dienen. Sie kann einem Schüler mit Schwierigkeiten helfen, ein Konzept zu verstehen, ein Kind mit Behinderungen unterstützen und einem Lehrer dabei helfen, den Unterricht für ein Kind individuell zuzuschneiden.
Das Werkzeug selbst ist nicht der Feind.
Das Problem entsteht erst, wenn das Ergebnis vorliegt, bevor das Kind die Arbeit geleistet hat, die diesem Ergebnis überhaupt erst Bedeutung verleiht.
Ein Schüler, der KI bittet, einen Aufsatz zu schreiben, erstellt vielleicht etwas, das besser formuliert ist, als er es alleine hätte schaffen können. Wenn dieser Schüler jedoch nie vor einem leeren Blatt gesessen hat, nie darum gerungen hat, eine Argumentation zu entwickeln, nie gelernt hat, wie man einen Absatz aufbaut, nie einen schwachen Satz überarbeitet hat und nie entdeckt hat, dass aus Verwirrung durch Anstrengung Klarheit entstehen kann, dann ist etwas Wichtiges ausgelassen worden.
Die Aufgabe mag erledigt sein. Sie mag sogar eine Eins einbringen. Aber die Entwicklung ist es vielleicht nicht.
Kinder brauchen sowohl Unterstützung als auch Herausforderungen.
Genau das hat uns Frau Garman gegeben. Sie ließ uns bei diesen Freitagsaufsätzen nicht im Stich. Sie ermutigte uns. Sie korrigierte uns. Sie stellte Erwartungen an uns. Sie gab uns genug Unterstützung, um weiterzumachen, und genug Herausforderungen, um daran zu wachsen. Das ist die Art von Zuhause und Klassenzimmer, die Liebe mit Weitblick bietet.
Wenn sie heute unterrichten würde, wäre ihr Rat zum Thema KI wohl ganz einfach: Erst denken. Dann KI nutzen. Danach reflektieren.
Bevor sie KI einsetzen, sollten Schüler gefragt werden: Was weiß ich bereits? Was habe ich schon ausprobiert? Wie sieht mein bester erster Versuch aus?
Der erste Schritt gehört dem Kind. Erst danach kann KI helfen. Sie kann anleiten, verdeutlichen, hinterfragen, strukturieren oder Vorschläge machen. Sie kann dem Lernenden zur Seite stehen. Sie sollte den Lernenden jedoch nicht ersetzen.
Nach dem Einsatz von KI sollte Reflexion unverzichtbar sein: Was habe ich gelernt? Könnte ich das auch ohne das Tool leisten? Hat mich das stärker gemacht oder nur schneller? Die Kinder von heute werden in einer von KI geprägten Welt leben. Sie sollten lernen, wie man sie nutzt. Aber sie sollten den Umgang mit einem leistungsstarken Werkzeug nicht damit verwechseln, ein fähiger Mensch zu werden.
Das Ziel ist es nicht, Kinder von der KI fernzuhalten. Das Ziel ist es, sicherzustellen, dass KI Kindern hilft, sich zu vollwertigen Menschen zu entwickeln – und nicht lediglich fähiger zu erscheinen, als sie sind.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Real Problem With AI in Schools Isn’t Cheating—It’s the Illusion of Learning“. (deutsche Bearbeitung ks)