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Auf US-Flughafen: Mensch auf Rollfeld von Flugzeug erfasst und getötet

Auf dem Flughafen von Denver ist ein Mensch auf dem Rollfeld von einem Flugzeug erfasst und getötet worden. Ein Fußgänger sei am Freitagabend (Ortszeit) über einen Zaun geklettert und auf der Startbahn von einer Passagiermaschine erfasst worden, teilte der Flughafen im US-Bundesstaat Texas mit.
Seine Identität sei noch ungeklärt. Es handele sich offenbar nicht um einen Mitarbeiter des Flughafens. Das Opfer sei „zumindest teilweise“ in eines der Triebwerke des Airbus A321 gesaugt worden, berichtete der Sender „ABC News“.

Passagiere über Notrutschen in Sicherheit gebracht

Das Triebwerk geriet in Brand und der Start des Flugzeugs wurde abgebrochen. Die Passagiere wurden über Notrutschen in Sicherheit gebracht. Zwölf Fluggäste wurden dabei leicht verletzt. Der Triebwerksbrand sei schnell gelöscht worden, teilte die Feuerwehr mit.
Nach Angaben der Fluggesellschaft Frontier hätte der Airbus A321 mit 224 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord in die Westküstenmetropole Los Angeles fliegen sollen. „Wir sind zutiefst traurig über den Vorfall“, teilte die Airline mit.
US-Verkehrsminister Sean Duffy erklärte, es seien Ermittlungen zu dem Unglück eingeleitet worden.
Der „Eindringling“ sei „beim Start mit hoher Geschwindigkeit“ von dem Flugzeug erfasst worden, schrieb er im Onlinedienst X. „Niemand sollte jemals unbefugt einen Flughafen betreten“, fügte Duffy hinzu. (afp/red)
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Hantavirus: Passagiere reisen vom Schiff in ihre Heimatländer

Die Heimreise der deutschen und der anderen europäischen Passagiere des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ von Teneriffa aus ist nach Angaben des spanischen Innenministers gesichert.
„Ich kann bestätigen, dass die Rückführungsflüge nach Frankreich, Deutschland, Belgien, Irland und in die Niederlande bereits geplant sind“, sagte Fernando Grande-Marlaska bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Mónica García in Madrid.
Das Risiko für die Menschen auf der Kanareninsel Teneriffa sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei, schrieb der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, an die Bevölkerung von Teneriffa.

Transport der Kreuzfahrtpassagiere in versiegelten Fahrzeugen

Die Passagiere werden laut Tedros im Industriehafen von Granadilla an Land gebracht, in versiegelten und eskortierten Fahrzeugen über einen vollständig abgesperrten Korridor transportiert und direkt in ihre Herkunftsländer zurückgeführt. „Sie werden keinen Kontakt zu ihnen haben – ebenso wenig wie Ihre Familien“, schrieb Tedros der Bevölkerung Teneriffas.
Im Hafen von Granadilla auf Teneriffa sollen Passagiere und ein Teil der Besatzung die «Hondius» verlassen können, um in ihre Heimatländer geflogen zu werden.

Im Hafen von Granadilla auf Teneriffa sollen Passagiere und ein Teil der Besatzung die «Hondius» verlassen können, um in ihre Heimatländer geflogen zu werden.

Foto: Manu Fernandez/AP/dpa

Der WHO-Direktor versicherte erneut, dass es sich bei dem aufgetretenen Hantavirus nicht um ein mit Corona vergleichbares Virus handelt. „Das ist nicht ein neues Covid.“
Von deutschen Behörden gab es zunächst keine genauen Angaben zur Rückführung. Auf dem Kreuzfahrtschiff sind Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern.

Auch Deutsche an Bord des Schiffs

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums befindet sich an Bord des Schiffs eine mittlere einstellige Zahl von Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit.
Das Wohnortprinzip regelt, welches Gesundheitsamt zuständig ist. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt in einer Handreichung für den Öffentlichen Gesundheitsdienst, die Passagiere sollten sechs Wochen lang nach einer letzten möglichen Exposition in Quarantäne bleiben.
Eine häusliche Quarantäne sei grundsätzlich möglich, hänge jedoch von diversen Faktoren ab.

Passagiere sollen nach Tagesanbruch abreisen

Die „Hondius“ werde am Sonntagmorgen zwischen 4:00 und 6:00 Uhr Ortszeit (5:00 und 7:00 Uhr MESZ) vor dem Hafen von Granadilla im Süden von Teneriffa erwartet, kündigte Spaniens Gesundheitsministerin García an. Die Ausschiffung der Menschen werde erst bei Tageslicht beginnen.
An Bord würden alle Passagiere auf Krankheitssymptome geprüft. Als erste würden voraussichtlich die 14 Spanier zum nahe gelegenen Flughafen Teneriffa Süd gebracht, von wo sie mit einer Militärmaschine nach Madrid geflogen werden sollen, um dort in einem Krankenhaus in Quarantäne zu gehen.
Erst wenn ein Flugzeug auf dem Flughafen startklar sei, würden jeweils Angehörige derselben Nationalität mit einem kleinen Boot von dem dann vor Anker liegenden Kreuzfahrtschiff an Land gebracht und mit Bussen direkt auf das Rollfeld zu ihrer Maschine gefahren, erläuterte García. Die Koffer müssten bis auf ein leichtes Handgepäck an Bord bleiben.
Das Kreuzfahrtschiff soll Sonntagmorgen Teneriffa erreichen.

Das Kreuzfahrtschiff soll Sonntagmorgen Teneriffa erreichen.

Foto: -/AP/dpa

Schiff wird in den Niederlanden desinfiziert

Wenn die Ausschiffung abgeschlossen ist, solle die „Hondius“ mit einer Restbesatzung ihre Fahrt in die Niederlande fortsetzen. Der Leichnam einer an Bord während der Kreuzfahrt gestorbenen Deutschen werde nicht auf Teneriffa an Land gebracht.
Die Desinfektion des Schiffs erfolge in Absprache mit den Niederlanden dort, betonte die spanische Gesundheitsministerin.
Die Planungen für die Ankunft, inklusive Untersuchungen und Quarantäne-Prozeduren, würden von verschiedenen Organisationen verantwortet, darunter seien die WHO, die EU sowie niederländische und spanische Gesundheitsbehörden, erläuterte García. Sie bestätigte Angaben des Betreibers des Schiffs, wonach derzeit niemand auf der „Hondius“ Symptome zeige.

Sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle

Das Schiff war am Mittwochabend von Kap Verde in Richtung der Kanarischen Inseln aufgebrochen. Ursprünglich hatte die „Hondius“ ihre Reise Anfang April im Süden Argentiniens begonnen.
Die WHO sprach in einem Update am späten Freitagabend von sechs bestätigten Hantavirus-Fällen und zwei Verdachtsfällen. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland.

Argentinien: Ansteckung nicht in Feuerland

Wo sich die Menschen mit dem Virus infiziert haben, ist noch immer unklar. Nach Einschätzung der örtlichen Behörden in Argentinien liegt der Ursprung des Hantavirus-Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff nicht in der argentinischen Provinz Tierra del Fuego (Feuerland).
„Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung hier erfolgte, liegt praktisch bei null“, sagte der Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz im äußersten Süden des Landes, Juan Petrina.
Das niederländische Paar, das an der Infektion starb, war nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Tierra del Fuego nach einer monatelangen Reise durch ganz Argentinien, Chile und Uruguay am 29. März in der Provinzhauptstadt Ushuaia eingetroffen und hatte sich am 1. April auf der „Hondius“ eingeschifft.
Bereits am 6. April hätten die beiden erste Symptome gezeigt, die Inkubationszeit des Hantavirus betrage allerdings mindestens zwei bis drei Wochen. „Diese Zeiten passen nicht zu einer Ansteckung in Tierra del Fuego“, sagte Petrina. (dpa/red)
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Vom Widerspruch, der sich selbst bestätigt – warum Paradoxe zum Menschsein gehören


In Kürze:

  • Paradoxa begegnen uns überall, von der Antike bis zur modernen Physik: als Denkfallen und Grenzwerte mit seltsamen Konsequenzen.
  • Was widersinnig erscheint, kann wirken. Paul Watzlawick zeigte: Der Ausweg aus einer Krise liegt oft im gegenteiligen Verhalten.
  • Literatur, Mathematik und Kunst nutzen das Paradoxon nicht als Fehler, sondern als kreativen Funken und Antrieb.
  • Paradoxa lauern im Alltag vor allem in der Sprache – überall dort, wo wir Klarheit suchen und unversehens stolpern.

 
Stellen Sie sich vor, es ist stockdunkle Nacht. Sie liegen bereits seit 2 Stunden schlaflos im Bett und warten darauf, dass sich endlich die wohlige Bettschwere einstellt, gefolgt von dem allmählichen Wegdriften der Sinne. Stattdessen wälzen Sie sich von links nach rechts und wieder zurück, beginnen, sich zu ärgern, und bleiben hellwach. Dabei steht am nächsten Tag ein wichtiges geschäftliches Gespräch an, für das Sie Ihre volle Konzentration brauchen. Sie wollen einschlafen, aber es gelingt Ihnen einfach nicht.

Paradoxa: Das vorsätzlich Gegensätzliche

Hier handelt es sich um ein psychologisches Paradoxon – den Versuch, ein Problem mit Willenskraft zu lösen, das durch dieselbe erst befeuert wird. Auf diesem Wege beißt sich die Logik quasi in den eigenen Schwanz – ein Mechanismus, den Paul Watzlawick als Herzstück menschlicher Krisen identifizierte. Für den Kommunikationsforscher war klar: Wer im Treibsand der eigenen Gedanken feststeckt, braucht keinen stärkeren Willen, sondern einen radikalen Perspektivwechsel. Denn Probleme, so lautete sein Credo, lassen sich niemals mit der Logik lösen, aus der sie entstanden sind.
Auf den Schlaf übertragen bedeutet das: Wer krampfhaft versucht, sofort einzuschlafen, verstärkt zugleich die innere Anspannung. Watzlawick empfahl daher eine Intervention, die auf den ersten Blick völlig widersinnig erscheint, nämlich sich willentlich darauf zu konzentrieren, wach zu bleiben.
Diese bewusste Umkehrung unterbreche die Kontrollspirale und entziehe dem Druck den Nährboden. Sie ebnete – scheinbar paradoxerweise – gezielt den Weg in den heiß ersehnten Schlummer. Doch warum funktioniert das überhaupt? Um zu verstehen, weshalb das Loslassen oft wirksamer ist als das Wollen, hilft es, den Blick vom Kopfkissen weg hin zum Kern des Phänomens zu richten.
„Para“ bedeutet im Griechischen „gegen“ oder „neben“, „doxa“ bedeutet „Meinung“. Ein Paradoxon ist buchstäblich das, was der vorgefassten Meinung widerspricht und dennoch wahr ist. Oder, wie Aristoteles es mit einer Vorliebe für das Unmögliche formulierte: „Es ist geradezu wahrscheinlich, dass das Unwahrscheinliche geschieht.“
Doch damit ist das kleine griechische Präfix „para“ keineswegs erschöpft. Im Gegenteil, es hat sich eine schillernde, kontrastreiche Wortfamilie im deutschen Sprachgebrauch aufgebaut, als hätte sich das schelmisch lächelnde Paradoxon selbst heimlich in die Wörter eingeschlichen. So fußt Paranoia auf der „Logik“ der übertriebenen Angst. Die Paralyse lässt eine wichtige Reaktion ins Leere laufen und hält uns wehrlos im Stillstand gefangen. Und was ist mit dem Parasiten, dem Gast, den keiner zum Mahl geladen hat?

Der Knoten im Denken

Schließlich entdecken wir noch das Paradies: einen einladenden Garten mit einem verbotenen Baum und köstlichen Äpfeln in der Mitte, der die Menschheit nur so lange beherbergt, wie sie, fern von Erkenntnis und frei nach den Brüdern Grimm, im Dornröschenschlaf verweilt.
Und was genau geschah eigentlich mit der selig schlummernden Prinzessin? Für sie wurde der Schutz vor dem ausgesprochenen Fluch zur paradoxen Sabotage: Erst das Exil der Spindeln schuf jene naive Neugier, die die wunderschöne Hochwohlgeborene dem hundertjährigen Schlaf auslieferte.
Währenddessen verschiebt ein anderer, nämlich Hans Christian Andersen, die Perspektive des Lesers. „Des Kaisers neue Kleider“ lädt zum Konsens-Paradoxon ein. Die Nacktheit des Herrschers ist eine unübersehbare Wahrheit, die jedoch durch den kollektiven Zwang zur Bewunderung einer Auflösung des Sichtbaren zum Opfer fällt, so lange, bis endlich ein Kind den Erwachsenen die Augen oder – genauer – den Verstand öffnet. Und so verharrte das Volk zuvor in einer sozialen Paralyse: Es hätte sehen können, was war, stattdessen glaubte es, was sein sollte.
Die Philosophen hingegen widmen sich den Umständen nüchtern und klaren Blickes, indem sie das scheinbar Unmögliche nach Härtegraden sortieren, so wie bei Zenon von Eleas antikem Rätsel um den fliegenden Pfeil, der in jedem winzigen Augenblick seines Fluges eigentlich punktgenau stillstehen müsste – ein Knoten im Denken, der die Bewegung zur reinen Illusion erklärte.

Älter als die Zeit erlaubt

Schließlich eilte hier die moderne Mathematik zu Hilfe, allen voran Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz als Repräsentanten, die mit dem Begriff des dynamischen Grenzwertes etwa zeitgleich die Infinitesimalrechnung einführten. Paradox scheint auch: Bis heute ist nach dem damaligen Rechtsstreit nicht geklärt, wer sich als wahrer Urheber von Differential- und Integralrechnung zu nennen ist. Das vermeintliche Phänomen eines angeblich nicht pfeilschnellen, sondern stehenden Geschosses wurde letztlich als Rechenfehler in der zugrunde liegenden Methodik entlarvt.
Davon zu unterscheiden sind Paradoxa, die auf Annahmen beruhen und uns auf dem gedanklichen Weg nicht „pfeilschnell“, sondern mit Lichtgeschwindigkeit in den Orbit befördern. Das prominente Zwillingsparadoxon nach Einstein gehört dazu: Ein Astronaut reist (mit Lichtgeschwindigkeit) ins All und kehrt jünger zurück als sein auf der Erde gebliebener Bruder.
In der modernen Physik gilt dieses einstige Paradoxon nicht mehr als unlösbarer Widerspruch, sondern als logische Konsequenz aus der Struktur von Raum und Zeit. Belegt wurde es durch Experimente mit Atomuhren in Satelliten. Während die Physik nun also daran arbeitet, weiterhin auch Universelles begreifbar zu machen, scheint der Schöpfer viel Humor zu beweisen, indem er den Menschen durch irdische Stolperfallen weiterhin kleine ironische Schnippchen schlägt.

Rolle rückwärts in der Sprache

Schließlich gibt es noch die hartnäckigen Fälle, jene sogenannten Antinomien, die sich jeder möglichen Auflösung entziehen, was das Denken in eine endlose Sackgasse führt. Der Klassiker ist hier das Lügner-Paradoxon des Eubulides von Milet: „Dieser Satz ist falsch.“ Ist er wahr, muss er laut Inhalt falsch sein. Ist er jedoch unwahr, dann ist die Aussage, dass er falsch ist, wiederum wahr – ein logischer Kurzschluss ohne Ausweg.
Derlei gedankliche Purzelbäume beschäftigen jedoch nicht nur die Philosophie, sondern inspirieren auch den Volksmund zur „Rolle rückwärts“, wie das Scherzgedicht eines unbekannten Autors zeigt:
„Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Schnee lag auf der grünen Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoss’ner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief. […]“
Der Inhalt des Gedichts ist dabei genauso widersinnig wie die Angaben zur Anzahl der Strophen und zur Autorenschaft. So sind in diversen Quellen mindestens 14 Strophen sowie eine Reihe Autoren zu finden, die es NICHT geschrieben haben.

Der Reiz des Verbotenen

Wie sehr uns derart logische Fallen in einem Gedankenkarussell gefangen halten können, illustriert Bertrand Russells Barbier-Dilemma eindrucksvoll. So rasiert ein Barbier exakt all jene im Dorf, die sich nicht selbst rasieren. Damit erlegt er sich ein Verbot auf. Denn wer rasiert nun den Barbier, der es nicht selbst darf? Er muss es aber, weil er der Einzige ist – eben jener, der alle rasiert. Dieses Beispiel führt unterhaltsam vor Augen, dass trockene Logik eben nicht immer das Maß aller Dinge sein kann – und muss.
Dass das Verbotene zudem lockt und das Aufgezwungene gleichermaßen abstößt, wusste auch Mark Twain literarisch zu nutzen. Tom Sawyer bedient sich der paradoxen Intervention, indem er so tut, als wäre das Streichen eines Zauns das reinste Vergnügen. Daraufhin betteln seine Freunde regelrecht darum, mitmachen zu dürfen. Genauso weckt das Untersagte ein Begehren: Es besteht eine Lücke in der eigenen Wahrnehmung beziehungsweise der Interpretation derselben.
David Dunning und Justin Kruger beschrieben 1999 eine auffällige Asymmetrie, aus der der gleichnamige Effekt resultierte. Menschen mit geringer Kompetenz sollen sich häufig systematisch überschätzen, weil ihnen das Wissen für die Erkenntnis zur eigenen Lücke fehle. Sokrates formulierte hingegen dereinst: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, was ihn persönlich zweifelsohne über den Tellerrand schauen ließ.
Diese Einsicht hat das Internet allerdings gegen den Strich gebürstet. Es globalisiert Wissen und Nachrichten, Theorien und Märchen und erzeugt so die Illusion, die Welt vollständig erklären, verstehen und vernetzen zu können – oder eben auch nicht.

Wenn sich das Denken selbst umarmt

Die Ergebnisse einer von Matthew Fisher und Kollegen 2015 an der Yale University durchgeführten Studie belegen dabei eine moderne kognitive Verzerrung. So verwischt der bloße Zugriff auf das Internet die Grenze zwischen Gedächtnis und externer Information. Dies führe zur Verwechslung der Datenverfügbarkeit mit der eigenen Kompetenz. Allerdings hatten die Probanden ausschließlich Informationen zu einheitlich vorgegebenen Fragen recherchiert. Motivation durch persönliche Interessen blieb außen vor.
Mit den Grundlagen des eigenen Ichs beschäftigte sich auch Douglas Hofstadter. Er verwob Arbeiten von Kurt Gödel, Maurits Cornelis Escher und Johann Sebastian Bach zu einem einzigen Prinzip, das er „Strange Loop“ nannte. Es soll die Architektur unseres Bewusstseins offenbaren, das durch Reflexion in der Rückkopplung erst das eigene Ich erschaffe. Die Grundlage sei ebenfalls seines Zeichens ein Paradoxon: eine rückbezügliche Schleife, die durch Hierarchieebenen aufsteige und unversehens wieder dort ankomme, wo sie begann.
Während Gödel mathematisch bewiesen hat, dass jedes logische System tatsächlich an seine Grenzen stoßen soll, sobald es Aussagen über sich selbst trifft, hat Escher diese strukturelle Prägung in seinen Werken visuell greifbar gemacht.
Johann Sebastian Bach dagegen ließ Kanons scheinbar beständig in höhere Tonarten aufsteigen, nur um unversehens wieder am Ausgangspunkt anzukommen. Das Paradoxon pariere nach Hofstadter nicht als Fehler der Vernunft, sondern es sei der ewige Funke, der in den Künsten erst das Leben entfache.

Vorsicht! Diese Überschrift lügt

Bei genauerer Betrachtung sämtlicher Phänomene offenbart sich vor allem eines. Nicht nur beim ersehnten Schlaf, auch in vielen anderen Alltagssituationen begegnen uns Paradoxa, am häufigsten in der Sprache, nämlich genau dort, wo wir Klarheit erwarten und unfreiwillig straucheln oder in eine Falle tappen.
Gleichermaßen ist die Rhetorik mit ihren Finessen in der Lage, durch offene und geschlossene Fragen, Feststellungen oder Ansprachen gezielt Einfluss zu nehmen oder umgekehrt Missverständnisse scharfsinnig aufzulösen. „Sei spontan!“, ruft der Motivationscoach. Können wir das auf Befehl? Auch ein „Vertrau mir!“ lässt sich nicht (logisch) einfordern.
Watzlawick nannte solche Botschaften genüsslich „Double Bind“: implizite Widersprüche, die im Kern durchaus erheitern und damit die passende Prise Salz in die Suppe des menschlichen Sprachgebrauchs bringen. Was denken Sie – nicht?
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Freispruch für Petr Bystron: Landgericht hebt Urteil zu „Hitlergruß“-Collage auf


In Kürze:

  • Landgericht München hebt Verurteilung gegen Petr Bystron auf
  • Das Amtsgericht hatte zuvor 90 Tagessätze Geldstrafe verhängt
  • Streitpunkt war eine Fotocollage auf X mit Politikern und erhobenem Arm
  • Gericht sah keinen eindeutig erkennbaren „Hitlergruß“
  • Urteil noch nicht rechtskräftig – Revision möglich
  • Der Fall zeigt Spannungsfeld zwischen Paragraf 86a StGB und Meinungsfreiheit

 
Das Landgericht München hat den AfD-Europaabgeordneten Petr Bystron vom Vorwurf des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach § 86a StGB freigesprochen. Mit seinem Urteil vom Donnerstag, 7. Mai, zu Az. 18 NBs 118 Js 133783/23, hob das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts München auf.
Das Erstgericht hatte den Tatvorwurf als erfüllt angesehen. Diesem zufolge hatte Bystron 2022 auf X (damals Twitter) in einer Fotocollage den verbotenen „Hitlergruß“ verwendet. Deshalb sprach es eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 125 Euro, insgesamt 11.250 Euro, aus. Die zuständige Richterin am Landgericht sah den Tatbestand hingegen nicht als verwirklicht an.

Abberufung von Botschafter Melnyk als Anlass für Meme von Bystron

Anlässlich der Abberufung des damaligen ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk aus Deutschland hatte der AfD-Politiker eine Fotocollage zusammengestellt. Diese zeigte unter anderem die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und die ehemalige First Lady Bettina Wulff mit erhobenem Arm. Im Fall von Wulff war es der linke Arm, wobei das Bild gespiegelt wurde. Bystron betitelte die Zusammenstellung mit dem Text: „Bye, bye Melnyk! Deutsche Politiker winken zum Abschied!“
Die Anklagebehörde wertete die Darstellung als bewusste Anspielung auf einen „Hitlergruß“. Bystron habe die Bilder gezielt so kombiniert, dass der Eindruck der nationalsozialistischen Grußformel entstehe. Das Amtsgericht schloss sich dieser Auffassung an. Die zuständige Richterin sah diesbezüglich die „Zusammensetzung der Fotos“ als entscheidend an.
Bystron legte Berufung ein. Er sprach von einem „politisch motivierten Verfahren“ und erklärte, man solle nicht in jedes „harmlose Winken“ immer gleich einen „Hitlergruß“ hineininterpretieren. Die Staatsanwaltschaft berief ebenfalls: Sie wollte eine höhere Geldstrafe erreichen.

Bystron witterte parteipolitische Instrumentalisierung der Justiz

Die Richterin am Landgericht schloss sich der Deutung der ersten Instanz nicht an. Die Collage sei zwar „geschmacklos“, ein strafbares Verhalten liege jedoch nicht vor. Es lasse sich „nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen“, dass die Darstellung tatsächlich als „Hitlergruß“ zu verstehen sei.
Insbesondere wich das Landgericht von der Einschätzung des Amtsgerichts ab, da es keine ausreichenden Hinweise auf eine Manipulation der Bilder selbst erkennen konnte. Dass das Bild von Bettina Wulff gespiegelt wurde, habe nichts daran geändert, dass sie nicht – wie typischerweise beim „Hitlergruß“ – den rechten Arm gehoben hätte.
Rechtskräftig ist das Urteil nach wie vor nicht. Die Staatsanwaltschaft kann binnen einer Woche noch eine Revision beim Obersten Bayerischen Landesgericht anstreben. Bystron zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Er erklärte, es sei „von Anfang an offensichtlich“ gewesen, dass das erstinstanzliche Urteil keinen Bestand haben würde. Zu Beginn der Ermittlungen witterte der Politiker den Versuch, ihn im Kontext seiner Kandidatur zum EU-Parlament zu „diskreditieren“. Er sei „überrascht“, äußerte er, dass sich die Justiz „für derartige parteipolitische Spielchen instrumentalisieren“ ließe.

Auch Norbert Bolz machte erst im Vorjahr Bekanntschaft mit Paragraf 86a StGB

Die Rechtsprechung zu den Paragrafen 86 und 86a StGB hatte sich in den vergangenen 20 Jahren etwas ausdifferenziert. Im Jahr 2006 war die Auslegung der Tatbestände so strikt, dass durchgestrichene Hakenkreuze der sogenannten Antifa als strafbare Verwendung angeklagt wurden. Erst der Bundesgerichtshof (BGH) machte in seinem Urteil zu 3 StR 486/06 vom 15. März 2007 deutlich, dass auch der Schutzzweck der Norm, die freie Meinungsäußerung und der Sinngehalt einer Darstellung, zu berücksichtigen sind.
Es gibt zwar die Sozialadäquanzklauseln, die am Ende auch in den Absätzen 4 und 5 des Paragrafen 86 StGB zur Anwendung kommen. Die Gerichte legen diese jedoch nach wie vor eng aus. Der primäre Zweck des Gesetzes ist es nach wie vor, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen konsequent aus dem öffentlichen und politischen Raum zu verdrängen.
Nach Auffassung der Rechtsprechung dient § 86a StGB auch dazu, ein „kommunikatives ‚Tabu‘“ zu errichten. Deshalb kann selbst eine offensichtlich ironische und sarkastische Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen strafbar sein. Vor wenigen Monaten ging der Fall des Kommunikationswissenschaftlers Norbert Bolz durch die Medien.
Aufgrund der ironischen Verwendung einer als NS-belastet geltenden Parole in einer Kolumne kam es bei diesem zu einer Hausdurchsuchung. Erst gegen die Zahlung einer vierstelligen Summe an eine gemeinnützige Organisation erklärte sich die Staatsanwaltschaft zur Verfahrenseinstellung bereit. Die Einstellung wegen geringer Schuld nach Paragraf 153 StPO erfolgte am 19. Dezember 2025.

Seit späteren 2000er-Jahren differenziertere Rechtsprechung

Wie der Bundesgerichtshof bereits 2009 klarstellte, bleiben grundsätzlich auch abgewandelte oder verfremdete NS-Symbole nach Paragraf 86a StGB strafbar, wenn ihr Aussagekern erkennbar bleibt. Im Jahr 2022 unterstrich das Oberlandesgericht Braunschweig erneut den Charakter des Paragrafen 86a als abstraktes Gefährdungsdelikt. Eine konkrete Gefährdung des sozialen Friedens müsse nicht vorliegen. Allerdings müsse auch der Schutzzweck der Norm Beachtung finden, was eine uferlose Anwendung ausschließe.
Das Bayerische Oberste Landesgericht urteilte 2023 zu einer Instagram-Karikatur mit Hakenkreuzsymbolik, dass der Tatbestandsausschluss der straflosen Gegnerschaft zur NS-Ideologie nur dann angenommen werden könne, wenn diese „auf Anhieb eindeutig und offenkundig“ erkennbar sei.
Der Fall Bystron zeigte deutlich das Spannungsverhältnis, in dem sich die Rechtsprechung zu den Bestimmungen bewegt. Das Amtsgericht stellte auf die Gesamtwirkung der Montage ab, das Landgericht hingegen auf die fehlende Eindeutigkeit der abgebildeten Geste.
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Ärztepräsident: Zuckerabgabe möglichst zügig einführen

Ärztepräsident Klaus Reinhardt wirbt für eine frühere Einführung der geplanten Zuckerabgabe auf Getränke wie Limonaden und Colas. Sie sei „richtig und längst überfällig“, sagte der Chef der Bundesärztekammer der Deutschen Presse-Agentur vor dem Deutschen Ärztetag in der nächsten Woche in Hannover. „Die positiven gesundheitlichen Effekte treten dabei nicht sofort ein, sondern zeigen sich erst nach einigen Jahren.“ Dies sei ein weiterer Grund, die Abgabe „möglichst zügig einzuführen und nicht erst bis 2028 zu warten.“
Die schwarz-rote Bundesregierung hat vereinbart, dass eine neue Abgabe auf gezuckerte Getränke kommen soll, und als Startdatum dafür 2028 genannt. Die Ausgestaltung, die das Gesundheitsministerium vorlegen soll, ist noch offen.

Anreiz zum Senken des Zuckergehalts

Reinhardt sagte, Ziel sei nicht in erster Linie, Verbraucher zu belasten. „Eine klug ausgestaltete Abgabe setzt wirksame Anreize für Hersteller, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. Dass das funktioniert, zeigen internationale Erfahrungen.“
In Großbritannien sei der durchschnittliche Zuckergehalt von Softdrinks nach Einführung einer Abgabe um rund 30 Prozent gesunken. Zugleich gebe es Hinweise auf rückläufige Kariesraten und weniger Übergewicht bei Kindern.
„Deutschland hat ein erhebliches Ernährungsproblem, das Millionen Menschen gesundheitlich belastet“, erläuterte der Ärztepräsident. Rund die Hälfte der Erwachsenen sei übergewichtig, etwa ein Viertel adipös. Auch bei Kindern und Jugendlichen seien die Zahlen hoch. Die Folgen reichten von Typ-2-Diabetes über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Karies. Allein die Kosten der Adipositas würden auf mehr als 60 Milliarden Euro jährlich geschätzt. (dpa/red)
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KI-Fakebücher in Bibliotheken: Wissenschaftler schlagen Alarm


In Kürze:

  • Universitätsbibliothek Leipzig warnt vor KI-generierten Fake-Sachbüchern
  • Werke enthalten erfundene Quellen, sachliche Fehler und teils falsche Autoren
  • Bibliotheken in mehreren Städten kauften die Titel als scheinbare Fachliteratur
  • Wissenschaftler warnen vor Schäden für Forschung und Vertrauen in Wissenschaft
  • Self-Publishing-Plattform „tredition“ kündigt schärfere Kontrollen an
  • SPD-nahe ddvg hält Beteiligung an „tredition“

 
Wissenschaftliche Scherze wie die „Sokal-Affäre“ oder Wikipedia-Pannen wie jene um erfundene Personen der Zeitgeschichte waren gestern. Heute stellen KI-generierte Sachbücher mit fehlerhaften Inhalten und erfundenen Quellen ein zunehmendes Problem der Wissensgesellschaft dar. Ein Referent für „Open Science“ hat darob jüngst einen Hilferuf veröffentlicht.
Ende April veröffentlichte Stephan Wünsche, ein Fachreferent für Musik an der Universitätsbibliothek Leipzig, einen Beitrag mit dem Titel „How to Sell Bullshit Online (Fast)”. Darin klagt er über eine immer größere Zahl an Büchern in Bibliotheksbeständen, die äußerlich den Eindruck erwecken, es würde sich bei ihnen um seriöse Fachwerke handeln.

KI-generierte „Fachliteratur“ mit haarsträubenden inhaltlichen Mängeln

Tatsächlich stellten sie sich als KI-generierte Publikationen mit gravierenden inhaltlichen Unzulänglichkeiten und teilweise erfundenen Autoren heraus. Häufig stammten sie aus Self-Publishing-Verlagen – wie dem „Flip-Flop-Verlag“ aus München oder der Plattform „tredition“ aus Ahrensburg. Bücher dieser Art seien unter anderem in Bibliotheken in Leipzig, Dresden, Weimar und Hannover aufgetaucht.
Anhand mehrerer Beispiele illustriert Wünsche, wofür in einzelnen Fällen öffentliche Gelder ausgegeben wurden und was Bibliotheken als scheinbare Fachliteratur erwarben. In einem vermeintlich wissenschaftlichen Werk über Johann Sebastian Bach wurde dessen Sohn Johann Christian als dessen Vater deklariert. Der Text bringt auch weitere familiäre Zusammenhänge der Bach-Familie durcheinander.
Ein Buch über den Komponisten Salomon Jadassohn nennt die Leipziger Städtischen Bibliotheken als Projekt zur Sammlung von dessen Gesamtwerk. Außerdem heißt es darin, dort würde ein großer Teil des Nachlasses Jadassohns verwaltet. Beide Informationen sind jedoch unzutreffend. Zudem nimmt der – vermeintliche – Autor auch hier Bezug auf Quellen, die es nicht gibt. Mehrere Fachzeitschriften hatten bei einzelnen Titeln bereits Alarm geschlagen.

Mögliche Gefahr für das Ansehen des Wissenschaftssystems

Wünsche geht davon aus, dass KI die scheinbar wissenschaftlichen Bücher im Schnellverfahren erzeugt. Später erfolgt die Veröffentlichung über eine Self-Publishing-Plattform. Als Autorennamen kommen Pseudonyme wie „Valentin Fuchs“, „Robert H. Hummel“ oder „Sophia Weller“ zum Einsatz.
Die Urheber beziehen ihr Wissen über die Erstellung und Vermarktung der Bücher über einschlägige Onlinekurse. Sie verkaufen die Publikationen über Onlineplattformen und Bibliothekskataloge. Einnahmen generieren sie durch die Beteiligung am Verkaufspreis.
Stephan Wünsche sieht nicht nur die Verschwendung öffentlicher Mittel für den Ankauf qualitativ minderwertiger Wissenschaftsliteratur als Problem. Er befürchtet, dass viele Studierende die sachlichen Fehler in den Büchern nicht erkennen und damit Falschinformationen in Hausarbeiten und Forschung gelangen. Dies könnte perspektivisch das Vertrauen in das Wissenschaftssystem untergraben.

„tredition“ kündigt Säuberung und strengere Kontrollen auf KI an

Aber auch für seriöse Wissenschaftler sei die Flut an KI-generierten Fake-Titeln ein Risiko. Anbieter wie „tredition“ werden auch von echten Forschern genutzt, weil die Publikation von Büchern selbst keine hohen Kosten verursacht. Diese fielen meist für Zusatzleistungen an. Immerhin seien auch diese auf günstige Publikationswege angewiesen.
Unvorteilhafte Berichte über Plattformen wie „tredition“ können nun zur Folge haben, dass Bibliotheken sie unter Generalverdacht stellen und Bücher bestimmter Anbieter pauschal meiden. Dadurch kann ebenfalls Schaden für seriöse Autoren und Wissenschaftler entstehen.
Derzeit listet die Deutsche Nationalbibliothek mehr als 112.000 Medien der Self-Publishing-Plattform, wobei die meisten der Belletristik oder Ratgeberliteratur zuzuordnen sind. Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) kündigte „tredition“-Geschäftsführerin Sandra Latußeck an, ein neues Prüfungstool einführen zu wollen. Dieses solle Publikationen auf KI-Muster, inkonsistente Quellen und inhaltliche Auffälligkeiten prüfen.
Die von Wünsche genannten Bücher hätten „in dieser Form nicht veröffentlicht werden dürfen“, erklärte Latußeck weiter. Der dahinterstehende Autor sei mittlerweile gesperrt, die Werke nicht mehr im Vertrieb. Außerdem werde es künftig eine verpflichtende Selbstauskunft für Autoren geben. Die Veröffentlichungen der vergangenen beiden Jahre überprüfe man rückwirkend.

Geschäftsführer von ddvg: Kein Einfluss auf Strategie und Inhalte

Dass KI-Fakebücher „kein gewünschter Bestandteil des Geschäftsmodells“ seien, betonte auch ddvg-Geschäftsführer Matthias Linnekugel. Die Medienbeteiligungsgesellschaft der SPD hält laut FAZ 9,9 Prozent der Anteile an „tredition“.
Bei der FAZ hielt man dies für erwähnenswert: Immerhin gehören die Sozialdemokraten zu den vehementesten Verfechtern einer engmaschigen Regulierung von KI inklusive Kennzeichnungspflichten und der Bekämpfung von „Desinformation“. Indirekt würde die SPD zudem vom Verkauf der Fake-Titel profitieren.
Linnekugel erklärte jedoch, dass es sich beim Anteil der ddvg an „tredition“ um eine reine Finanzbeteiligung handele. Auf die Strategie oder Geschäftsführung habe die Unternehmensgruppe keinen Einfluss.
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Rekord am Everest: Nepal vergibt so viele Besteigungen wie nie zuvor

Nepal hat nach Behördenangaben so viele Genehmigungen wie nie zuvor für die Besteigung des Mount Everest in der Frühjahrssaison erteilt. Bis zum Freitag wurden nach Angaben des Tourismus- und Kulturministeriums in Kathmandu 492 Zulassungen für Kletterer aus 55 Ländern ausgegeben, die den Everest-Gipfel erklimmen wollen. Der Sprecher der Tourismusabteilung, Himal Gautam, sprach von einem historischen Moment.
Die vorige Rekordzahl lag demnach bei 478 und stammte aus dem Jahr 2023. Im vergangenen Jahr gab es 468 Zulassungen für die Besteigung des 8.849 Meter höchsten Bergs der Erde. Trotz der Gen-Z-Proteste in Nepal und des Kriegs im Nahen Osten sei eine Rekordzahl an Genehmigungen an Kletterer für die diesjährige Hauptsaison erteilt worden, sagte Gautam.

Unruhen im September

Im vergangenen September war es in dem Himalaya-Land zu schweren Unruhen gekommen. Eine Sperrung von Social-Media-Plattformen hatte Zehntausende, meist junge Menschen der Generation Z, auf die Straße getrieben. Der damalige Regierungschef trat zurück, das Parlament wurde aufgelöst. Inzwischen hat das Land nach Wahlen eine neue Regierung.
Wolken umgeben die Himalaya-Gemeinde McLeodganj in Dharamshala.

Wolken umgeben die Himalaya-Gemeinde McLeodganj in Dharamshala.

Foto: Ashwini Bhatia/AP/dpa

Aufstieg von chinesischer Seite geschlossen

Als weiterer Grund für die Rekordzahl ist nach Berichten nepalesischer Medien auch der Umstand, dass China den Aufstieg zum Everest von der tibetischen Seite geschlossen hat. Amtlichen Angaben in Nepal zufolge kommen diesmal die meisten Anmeldungen aus China, gefolgt von Kletterern aus den USA und Indien.
Nepal spülten die Genehmigungen den Angaben zufolge bisher mehr als 7,1 Millionen US-Dollar (etwa 6 Millionen Euro) in die Kasse. Die Zulassungsgebühren und andere Ausgaben sind für Nepal eine wichtige Einnahmequelle. Nepal hatte im vergangenen Jahr die Gebühren von 11.000 auf 15.000 US-Dollar für die Besteigung über die Südroute zum Everest-Gipfel erhöht. In Nepal befinden sich 8 der 14 Achttausender der Welt, darunter den Everest, und ist damit ein globales Zentrum für Höhenbergsteigen.

Verzögerungen durch riesigen Eisblock

Die diesjährige Klettersaison für den Everest begann mit erheblichen Verzögerungen. Die Route zum Gipfel war von einem Sérac – ein aufgetürmter Eisblock – im Khumbu-Eisbruch versperrt. Es bestand die Gefahr eines Einsturzes in dem ohnehin besonders kritischen Gletschergebiet. Laut Gautam gelang es jedoch bis zum Freitagabend (Ortszeit) Spezialisten, darunter Sherpa-Bergsteigern, die Aufstiegsroute bis zum Camp 4 auf 7.906 Meter Höhe zu öffnen. Die Fixseile seien verlegt worden, sagte Gautam.
Die Route zum Lager 2 ist normalerweise ab Mitte April geöffnet, Bergsteiger können sich durch wiederholte Lagerwechsel vor den Gipfelversuchen akklimatisieren. Erste Gipfelbesteigungen gelingen üblicherweise Anfang Mai. Wegen der Hindernisse in diesem Jahr wird befürchtet, dass es durch einen extremen Ansturm zu Staus auf der Strecke kommen kann. (dpa/red)
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Ferienhausbetrug: Fake-Anzeigen locken Urlauber in die Falle


In Kürze

  • Gefälschte Ferienhausanzeigen auf schwedischer Website entdeckt
  • Urlauber zahlen an Betrüger statt an echte Eigentümer
  • Schäden könnten bereits Millionenhöhe erreicht haben

 
Ein mutmaßlich groß angelegter Betrug im Bereich der Ferienhausvermietung über die Website Premium-Bostader.com wurde aufgedeckt. Nach bisherigen Erkenntnissen soll die Plattform Anzeigen von etablierten Vermietungsportalen wie Airbnb und anderen seriösen Anbietern kopieren – ohne das Wissen oder die Zustimmung der Eigentümer.
Die gestohlenen Anzeigen werden anschließend auf der eigenen Website zu deutlich niedrigeren Preisen veröffentlicht, um potenzielle Urlauber mit vermeintlichen Schnäppchenangeboten anzulocken. Das Ziel scheint es zu sein, dass Interessenten die Mietbeträge direkt an die Betreiber der Website überweisen.
Die Folgen für Betroffene könnten gravierend sein. Urlauber aus Schweden, Deutschland und anderen europäischen Ländern riskieren, zu Ferienhäusern zu reisen, die sie in Wirklichkeit niemals rechtmäßig gemietet haben. Die tatsächlichen Eigentümer haben weder eine Buchung erhalten noch Geld bekommen. In vielen Fällen wissen sie nicht einmal, dass ihre Immobilien auf der Seite angeboten werden.
Die Website Premium-Bostader.com war Stand 8. Mai nicht mehr erreichbar.

Hausbesitzer aus Stockholm schlagen Alarm

Die schwedische Ausgabe der Epoch Times hat mit mehreren Hausbesitzern im Raum Stockholm gesprochen, deren Anzeigen offenbar kopiert und auf Premium-Bostader.com veröffentlicht wurden. Sämtliche Betroffenen betonen, dass sie niemals eine Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt hätten.
Überdies weisen sie darauf hin, dass die angegebenen Mietpreise unrealistisch niedrig seien und weit unter den Preisen lägen, zu denen sie ihre Häuser tatsächlich vermieten würden.
„Wir hatten niemals Kontakt mit dem Unternehmen und würden unsere Häuser niemals zu solchen Preisen vermieten“, erklärt einer der betroffenen Eigentümer.

Werbung über Facebook-Gruppen in Europa

Nach vorliegenden Informationen bewirbt Premium-Bostader.com seine Angebote zusätzlich über Facebook-Gruppen in verschiedenen europäischen Ländern. Auf der Plattform sollen Ferienunterkünfte in mehreren Staaten angeboten werden.
Mehrere deutsche Urlauber sollen inzwischen schwedische Hausbesitzer direkt kontaktiert haben, um zu überprüfen, ob die Anzeigen überhaupt echt sind und tatsächlich von den Eigentümern stammen.
Auf der Website wird eine Adresse im Zentrum Stockholms angegeben. Eine Überprüfung der dort genannten Organisationsnummer hat ergeben, dass diese zu einem Bauunternehmen und nicht zu einem registrierten Ferienvermietungsunternehmen gehört.
Zudem sind auf der Website zwei schwedische Telefonnummern veröffentlicht. Epoch Times hat jedoch bislang erfolglos versucht, Verantwortliche der mutmaßlichen Plattform zu erreichen.

Polizei und Airbnb informiert

Laut vorliegenden Angaben wurde der Vorfall zur Anzeige gebracht. Auch Airbnb soll über die mutmaßlichen Betrugsanzeigen informiert worden sein.
Die betroffenen Hausbesitzer warnen nun öffentlich vor dem mutmaßlichen Betrugssystem. Personen, die bereits Geld an die Betreiber überwiesen haben, werden dringend aufgefordert, sofort ihre Bank sowie die Polizei zu kontaktieren.
Nach bisherigen Einschätzungen könnten bereits zahlreiche Menschen betroffen sein. Die finanziellen Schäden könnten sich im Vorfeld der Sommerurlaubssaison auf Millionenbeträge belaufen.
 
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Überfall auf Geldtransport: Aufatmen nach Großeinsatz in Sinzig – Tätersuche dauert an

Nach den dramatischen Szenen in einer Bank im rheinland-pfälzischen Sinzig ist die Polizei weiterhin auf Tätersuche. Die Ermittler gehen von mindestens einem Verdächtigen aus, der den Mitarbeiter einer Geldtransportfirma abgepasst und ihm einen Bargeldbehälter abgenommen haben soll. Die Fahndung nach ihm und möglichen Komplizen steht bei der Aufklärung des aufsehenerregenden Falls nun im Vordergrund. Bis zum Morgen wurden keine neuen Entwicklungen bekannt.
Der Vorfall ereignete sich am Freitagmorgen. Bekleidet mit einem weißen Overall, ähnlich wie ihn Imker tragen, soll ein Mann nach dem Überfall auf den Mitarbeiter der Geldtransportfirma diesen und eine weitere Person in der Bank im Kreis Ahrweiler eingeschlossen haben. So schilderte es Polizeisprecher Jürgen Fachinger. Eine Beutesumme nannte er nicht.

Schwer bewaffnete Einsatzkräfte rücken an

Die Polizei rückte nach der automatischen Alarmierung gegen 9.00 Uhr morgens mit einem Großaufgebot in der Kleinstadt mit knapp 20.000 Einwohnern an. Die Innenstadt wurde weiträumig abgesperrt, schwer bewaffnete Einsatzkräfte bezogen Stellung vor der Bank. Erst nach bangen Stunden wurde klar: In der Bank sind gar keine Täter.
Ein Spezialeinsatzkommando drang schließlich in das Gebäude ein, befreite die zwei Personen unverletzt, stieß aber nicht auf Verdächtige. Später teilte die Polizei mit, der oder die Täter seien vermutlich schon vor Eintreffen der ersten Streife geflohen. Nach seinem Kenntnisstand habe die Polizei auch keinerlei Kontakt mit den Tätern gehabt, sagte Fachinger. Unklar blieb, ob bei dem Vorfall Waffen zum Einsatz kamen.

Vom schlimmsten Szenario ausgegangen

Man müsse in einer solchen Lage „immer vom schlimmsten Szenario“ ausgehen, erläuterte ein Polizeisprecher das Vorgehen der Einsatzkräfte. Zwei Personen seien vermisst worden und „wir konnten über den Verbleib im ersten Moment nichts sagen“. Daher hätten die Ermittler auch in Betracht ziehen müssen, dass möglicherweise Geiseln genommen wurden. „Nichtsdestotrotz gibt es auch noch andere Straftatbestände, die hier erfüllt sind: eine Freiheitsberaubung, möglicherweise Raub, schwerer Raub und, und, und.“
„Wir sind über den Tag von einer Geiselnahme ausgegangen“, sagte Fachinger. Ob die Tat mit den aktuellen Erkenntnissen weiterhin so bezeichnet werden könne, müsse geklärt werden.
Auch wenn viele Fragen offen bleiben, atmete Sinzig nach dem glimpflichen Ende des Vorfalls auf. „Das Leben geht hier normal weiter“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Hans-Werner Adams (CDU) erleichtert. Am Wochenende solle ein Mitmachmarkt in Sinzig stattfinden. (dpa/red)
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Sinzig: Geisel befreit, Täter flüchtig

Die Geiselnahme in einer Bank im rheinland-pfälzischen Sinzig ist nach Polizeiangaben ohne Verletzte beendet worden.

Die Polizei stürmte am Nachmittag die betroffene Bank sowie angrenzende Wohneinheiten.

Wie das Polizeipräsidium Koblenz mitteilte, durchsuchten Spezialkräfte das Gebäude nach möglichen Tätern. Dabei konnten zwei Personen unverletzt aus einem verschlossenen Raum befreit werden.

Die mutmaßlichen Täter hätten sich nicht mehr am Tatort befunden.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand haben der oder die Täter die beiden Personen in einen Tresorraum eingeschlossen und sich anschließend auf bislang unbekanntem Weg vom Tatort entfernt.

Die Polizei sagte, der Schutz möglicher Opfer habe von Beginn an oberste Priorität gehabt.

Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Die Ermittlungen zu den flüchtigen Tätern dauern an.

Was wir wissen

  • Befreiung: Nach mehreren Stunden befreien Spezialkräfte der Polizei zwei Menschen aus einem verschlossenen Raum der Bank – von den Tätern fehlt jede Spur.
  • Alarmierung: Die Beamten wurden um 9.00 Uhr über den Vorfall informiert. Dabei handelte es sich laut Polizei um einen automatisierten Notruf, der bei Banken üblich sei. Der vor der Volksbank abgestellte Geldtransporter stand am Nachmittag noch da.
  • Opfer der Tat: Unter ihnen waren laut Polizei wohl keine Kunden. Bei einer Geisel handelte es sich um den Fahrer eines Geldtransporters, zur anderen Geisel machte die Polizei keine genauen Angaben.
  • Großaufgebot: Die Polizei und Rettungskräfte waren mit einem massiven Aufgebot vor Ort. Unter anderem waren Spezialkräfte und ein Verhandlungsteam der Polizei angerückt. Zu den mutmaßlichen Geiselnehmern bestand über die gesamte Zeit kein Kontakt.
  • Als Vorsichtsmaßnahme wurde vom DRK und vom Katastrophenschutz Ahrweiler eine Rettungsstation eingerichtet.
  • Keine Gefahr für Unbeteiligte: Für Bürgerinnen und Bürger, die sich außerhalb der Absperrung befinden, bestand keine Gefahr, auch nicht für Menschen, die in der Absperrung wohnten, sollten die Häuser nicht verlassen.
  • Für betroffene Anwohner, die nicht in ihre Wohnungen in der Sperrzone konnten, wurde eine Betreuungsstelle eingerichtet.
  • Ort: Sinzig liegt in Rheinland-Pfalz, etwa 26 Kilometer südlich von Bonn in Nordrhein-Westfalen.

Was wir nicht wissen

  • Täter: Unklar ist, wie viele es genau waren. Es gibt noch keine Personenbeschreibung und keine Angaben zu Geschlecht, Alter oder Nationalitäten.
  • Ablauf: Wie genau lief die Tat ab? Wann flüchteten die Täter? Die Polizei will nun erst einmal ermitteln und setzt auch auf die Aussagen der beiden Opfer
  • Beute: Es ist unklar, ob die Täter mit Geld flüchteten.
  • Tatvorwurf: Der genaue Vorwurf muss nun geklärt werden – war es eine vielleicht auch kurze Geiselnahme, ein Raub, ein Banküberfall oder eine Freiheitsberaubung? Das sollen die Ermittlungen zeigen.
  • Waren die beiden Opfer im Tresorraum eingesperrt? Das wollte die Polizei nicht dementieren, bestätigt es aber auch nicht. Unklar ist auch, wie genau es den Opfern geht.
  • Vorgehen der Polizei: Dazu machten die Beamten keine Angaben.
  • Waffen: Über welche Waffen verfügen die Geiselnehmer? Hierzu gibt es noch keine Informationen. (dpa/dts/afp/red)
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Widerstand der Bügerinitiativen – und der Widerstand gegen sie


In Kürze:

  • Lange Zeit leistete die bayerische Bürgerinitiative BIZEK Widerstand gegen einen geplanten Windpark.
  • Der Bau von elf neuen Windkraftanlagen ist dennoch in Vorbereitung.
  • Um das zu erreichen, war vonseiten der Behörden selbst viel Widerstand gegen die Bürgerinitiative nötig.
  • Auch andere Bürgerinitiativen gegen Windkraft erleben unterschiedliche Schwierigkeiten.

 
„Immer, wenn ich in den Kitschenrain gehe, laufe ich mit Tränen in den Augen durch den Wald. Ich möchte nicht wissen, wie alles nach der Fertigstellung aussieht“, teilte Karin Bauer, Hochschulsekretärin von der Uni Bayreuth, der Epoch Times mit.
Im Waldgebiet Kitschenrain, das rund 15 Kilometer südlich der nordbayerischen Stadt Bayreuth liegt, sollen elf neue Windkraftanlagen entstehen. Die Vorbereitungsarbeiten laufen bereits auf Hochtouren. „Ende 2025 wurde mit den Fällungen der Bäume begonnen“, schilderte Bauer. „Die Fällungen erstrecken sich über mehrere Kilometer – und das alles sieht sehr schlimm aus.“
Im Jahr 2010 erfuhren Bauer und ihre Mitstreiterin Rosemarie Ballwieser erstmals von den Plänen – damals sollten es noch 18 Windräder sein. Daraufhin bildeten sie mit anderen Anwohnern eine Bürgerinitiative, um das Projekt zu verhindern. Bauer ist allerdings keine Gegnerin der Energiewende. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Erneuerbare. Wir sind gegen Windräder im Wald – also den Standort“, schilderte sie ihren Standpunkt und den von der Bürgerinitiative BIZEK (Bürgerinitiative zum Erhalt des Kitschenrain).
Trotz Umfragen per Unterschriftenlisten mit – laut Bauer – teils „überwältigender Mehrheit gegen den Bau der Windräder“ und anderen Aktionen genehmigte letztlich das Landratsamt Bayreuth den Bau des Windparks Schnabelwaid.

Zwei Gegnerinnen der geplanten Windkraftanlagen im Wald, Karin Bauer (r.) und Rosemarie Ballwieser (l.), am 17. Juli 2023 in Schnabelwaid. Dort haben die Einwohner und die Gemeinde letztlich der Installation von Windkraftanlagen neben ihrem ländlichen bayerischen Dorf zugestimmt.

Foto: Christof Stache/AFP via Getty Images

Nach aktuellem Stand sollen im Kitschenrain elf Anlagen vom Typ Vestas V172 mit je 7,2 Megawatt (MW) Nennleistung entstehen. Die künftige Betreiberfirma ist Uhl Windkraft. In Summe kommt der Windpark auf eine Nennleistung von 79,2 MW. Uhl Windkraft datiert die Inbetriebnahme auf 2027.

Kein Einzelfall

In den vergangenen Jahren hat es hierzulande in zahlreichen Regionen solche konfliktreichen Situationen gegeben. Weil viele Bürger mit neuen Windkraftprojekten in ihrer Nähe nicht einverstanden waren, bildeten sich Hunderte Bürgerinitiativen.
Vor gut fünf Jahren kam die Recherchegruppe „Europäische-Energiewende-Community“ zu dem Ergebnis, dass die Anzahl der tatsächlich aktiven Bürgerinitiativen bei 290 liegt. Die genaue Zahl, wie viele Bürgerinitiativen gegen Windkraft heute existieren und wirklich aktiv sind, ist nicht bekannt.
Zum einen herrscht hier eine vollkommen dezentrale Struktur, gleichzeitig sind keine Kontrollmechanismen bekannt, die die Bürgerinitiativen erfassen. Die einzelnen Gruppen agieren gänzlich eigenständig.
Ob eine Bürgerinitiative aktiv ist, hängt maßgeblich vom Engagement der Mitglieder ab – und von der jeweiligen Situation vor Ort. Wenn sich bei der Planung für ein geplantes Windkraftprojekt nichts mehr tut oder der Widerstand erfolgreich scheint, flaut die Aktivität der Initiative meist ab.
Das war auch bei der BIZEK für knapp zehn Jahre der Fall. Nach Angaben von Bauer habe die Firma Uhl gegen Ende 2010 ihre Baupläne zunächst eingestellt. Auch der Bürgermeister vom Markt Schnabelwaid, Hans-Walter Hofmann, habe daraufhin per Brief der Regierung von Oberfranken mitgeteilt, die Windräder nicht mehr bauen zu wollen. Der Widerstand schien erfolgreich gewesen zu sein, BIZEK musste nichts mehr unternehmen – vorerst.
Im Juli 2020 erfuhr die Bürgerinitiative, dass es neue Pläne für die Windräder im Kitschenrain gebe. Die BIZEK trat daraufhin wieder in Aktion.

Wie gehen Bürgerinitiativen generell vor?

Die Vorgehensweise vieler Bürgerinitiativen entspricht dabei reiner Basisarbeit. Sie informieren zunächst sich selbst und anschließend ihre Mitmenschen über die jeweilige Situation vor Ort. Ebenso „äußern sie verstärkt bei den Politikern in Gemeinde- und Kreistagssitzungen ihren Unmut“. Das erklärte Thomas Lang von der Bürgerinitiative Für-sinnvolle-Energie im Landkreis Harburg und Sprecher von 25 Bürgerinitiativen.
„Maßnahmen der Bürgerinitiativen gibt es zu den Themen Schall, Ewigkeitschemikalien, Trinkwasserschutzgebiete, Naturschutz – Gefährdung von Insekten, Fledermäusen und Vögeln, Blinkfeuer, Schlagschatten und die Gefährdung durch Havarien wie Brand oder Bruch von Rotorblättern“, so Lang. Weitere häufig diskutierte Themen sind der Infraschall und der Wertverlust der Immobilien in der direkten Umgebung.
„Die Medien verbreiten diese Informationen leider nicht“, beklagte Lang. „Viele Medien sperren sich sogar, die von den Bürgerinitiativen übermittelten Daten und Presseberichte zu drucken, und tragen damit zur Desinformation ihrer Nutzer bei.“
Lang habe zudem beobachtet, dass viele Menschen bereits von der regionalen Politik der „Geheimhaltung“ enttäuscht wären. Deshalb würden die Menschen inzwischen wachsamer verfolgen, was in den Amtsblättern steht.
Ein Problem sei ebenfalls, dass die örtliche Presse „so gut wie keine Information“ über die Windkraftprojekte erhält und Informationsveranstaltungen selten sind. Laut Lang komme es zudem vor, dass mancherorts Flächennutzungspläne gar nicht erst geändert würden, „um die Einspruchsmöglichkeit der Bevölkerung zu unterbinden“.

Auf welche Widerstände stoßen die Bürgerinitiativen?

Während die Bürgerinitiativen meist engagierten Widerstand gegen die Windkraft in ihrer Nachbarschaft leisten, erfahren sie selbst ebenso Widerstand. Wie im Falle von BIZEK zeigt sich das in der Ablehnung von Unterschriftenlisten, Petitionen oder Bürgerbegehren durch Bürgermeister und Behörden.
Eine weitere Methode liegt im Bereich der Gegen-Informationsverbreitung. Während Bürgerinitiativen über die erwähnten Auswirkungen und Nachteile von Windkraftanlagen informieren, gehen die Gemeinden mancherorts ähnlich vor. Mit Informationsveranstaltungen und Hausverteilungen versuchen sie, die Zustimmung der Bevölkerung für das Windkraftprojekt zu gewinnen.
So verteilten die Behörden am Schnabelwaid im Februar 2022 einen eigenen zwölfseitigen Flyer an die Haushalte. Darin waren mehrere Punkte aufgeführt, die die Bürger vom geplanten Windprojekt überzeugen sollten. Unter anderem wurden Zuwächse in der regionalen Wertschöpfung genannt. Demzufolge prognostizierte die Firma Uhl für die Gemeinde einen Ertrag von rund 2 Millionen Euro über die Gesamtlaufzeit von 20 Jahren. Das seien Einnahmen zur freien Verfügung, ohne selbst ein finanzielles Risiko eingehen zu müssen. Zudem stuften die Behörden mehrere „Behauptungen“ der BIZEK als falsch ein.

Wenn Bürgerbegehren, dann auch ein Ratsbegehren

In dem Streitfall gab ein Verwaltungsgericht 2023 der BIZEK recht, wie ein Protokoll belegt. Die lokalen Behörden mussten ein von der Bürgerinitiative beantragtes Bürgerbegehren zulassen.
Einen Monat später beschlossen der Bürgermeister und der Gemeinderat laut Bauer, gleichzeitig zum Bürgerbegehren ein Ratsbegehren durchzuführen. Damit hatten die Bürger drei Stimmen. Je eine für oder gegen das Ratsbegehren und den Bürgerentscheid und eine für eine Stichfrage, welches Begehren im Zweifelsfall zu bevorzugen sei.
Die Fragestellung beim Ratsbegehren im April 2023 zielte auf das Thema der Wasserversorgung in der Region ab. Dabei sei durch die Gemeindeverwaltung „insbesondere zu gewährleisten, dass die gemeindliche Trinkwasserversorgung aus den Quellen am Kitschenrain nicht gefährdet wird“.

Stimmzettel für das Ratsbegehren und den Bürgerentscheid.

Foto: BIZEK

Bauer zeigte sich ungläubig: „Wie kann jemand gewährleisten, dass die Trinkwasserversorgung beim Bau von Windrädern nicht gefährdet ist?“ Zudem habe ein im April 2022 fertiggestelltes Gutachten von einem Ingenieurbüro für Hydrogeologie und Umweltschutz darauf hingewiesen, dass die Windräder unter anderem die Quellen verunreinigen könnten.
Demnach sei „von einem sehr hohen Gefährdungspotenzial des Grundwassers bei Eingriffen in den Untergrund auszugehen“. Dieser Eingriff ist spätestens beim Fundamentbau gegeben.

Denkbar knappes Ergebnis

Das Ergebnis der Bürgerbefragung fiel nicht mehr so deutlich aus wie bei den Unterschriftenlisten. Für das Ratsbegehren haben 300 Schnabelwaider gestimmt, 260 stimmten dagegen. „Unser Bürgerbegehren wurde aufgrund eines Patts für ungültig erklärt und abgewiesen“, berichtete Bauer. Am Ende standen sich dort jeweils 277 Für- und Gegenstimmen gegenüber. „Wobei wir bei der Stichfrage um einige Stimmen vor dem Ratsbegehren lagen und damit die Wahl gewonnen hätten.“
Der regionale Planungsverband Oberfranken Ost stimmte in einer internen Abstimmung geschlossen für das Windkraftvorranggebiet im Kitschenrain. Dieses Ergebnis reichte schließlich, um dem Windpark Schnabelwaid grünes Licht geben zu können.
Die Firma Uhl berief sich bei unserer Anfrage nach der Berechtigung des Windparks auf das Ergebnis des Bürgerentscheids. „Die Mehrheit [hat] für die Weiterführung der Windparkplanung gestimmt“, so Dr. Matthias Pavel von der Firma Uhl. „Der Windpark wird also nicht gegen den Willen der Bevölkerung gebaut, sondern mit deren Unterstützung. Diese Unterstützung ist auch vor Ort spürbar.“
Zuletzt standen Anschuldigungen wie angebliche Bestechung im Zusammenhang mit dem geplanten Windpark gegen drei Personen im Raum. Einer der drei ist Bürgermeister Hofmann. Nach einer Untersuchung der Polizei sollen sich die Vorwürfe jedoch nicht bestätigt haben. Laut Medienberichten will Hofmann selbst rechtliche Schritte prüfen.

Widerstand trifft auf Widerstand – nicht nur im Kitschenrain

Auf reichlich Widerstand stieß auch die baden-württembergische Bürgerinitiative Pro-Heuchelberg e. V. Für den Höhenzug bei Heilbronn sind 13 Windkraftanlagen mit jeweils 250 Metern Gesamthöhe geplant. Wie Ingolf Weber, Vorstand der Bürgerinitiative, schilderte, war schon der Start der Bürgerinitiative schwierig. „Schon die Gründung als eingetragener Verein war ein kleiner Hindernislauf“, sagte er gegenüber Epoch Times. Weiter kritisierte er: „Pachtverträge, Abmachungen, Gutachten – alles wird behandelt, als handele es sich um Staatsgeheimnisse.“
Er fasst den Widerstand gegen die Bürgerinitiative zusammen: „Wir kämpfen nicht nur gegen Windräder, sondern gegen ein System, das Bürgerbeteiligung als Störung empfindet. Aber wir bleiben dran – weil Demokratie nicht funktioniert, wenn man sie nur dann zulässt, wenn sie bequem ist.“
Im Fall von Bauer am Kitschenrain scheint der Kampf gegen die Windmühlen verloren. Der Bau des Windparks Schnabelwaid befindet sich in Vorbereitung. Zu Trauer der Hochschulsekretärin über die Abholzungen gesellt sich nun eine Befürchtung: „Stehen erst einmal die Windräder, kommen immer noch welche dazu – wie auf der anderen Seite des Dorfes im Lindenhardter Forst.“
Studien nähren dies. In Gegenden, in denen bereits Windkraftanlagen stehen, akzeptieren Menschen sie eher als in Gegenden, in denen sich noch keine befinden.
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Flugausfall: Erstattung auch bei teurem Kerosin

Wenn ein Flug wegen hoher Kerosinkosten gestrichen wird, haben Verbraucher auch in der derzeitigen Energiekrise ein Recht auf Erstattung.
Wie die Europäische Kommission mitteilte, gelten die EU-Fluggastrechte auch in diesem Fall für Reisende. „Sie haben Anspruch auf Erstattung, Umbuchung oder Rückbeförderung, Betreuung am Flughafen sowie auf Ausgleichszahlungen bei kurzfristigen Stornierungen“, bekräftigte die Brüsseler Behörde.
Anders sieht es aus, wenn ein Flug wegen Treibstoffmangels nicht abhebt: Ein solcher Mangel kann ein außergewöhnlicher Umstand sein und damit Fluggesellschaften von Zahlung einer finanziellen Ausgleichsleistung befreien.
Infolge der wegen des Iran-Kriegs gestörten Öltransporte durch die Straße von Hormus schnellten die Preise für den Flugtreibstoff Kerosin in die Höhe. Die Lufthansa und andere Airlines wie etwa die skandinavische SAS sagten deswegen bereits Flüge ab.
Derzeit gebe es allerdings keine konkreten Hinweise auf Treibstoffengpässe, so die Kommission. „Sollte der Konflikt jedoch andauern, könnten Versorgungsunterbrechungen auftreten, insbesondere bei Kerosin“, hieß es. Reisende müssten möglicherweise mit Beeinträchtigungen rechnen.

Ticketpreis darf nicht nachträglich verändert werden

Die EU-Kommission stellte darüber hinaus klar, dass der Ticketpreis für Verbraucher von Anfang an klar sein muss und nicht nachträglich noch erhöht werden darf. So seien etwa Treibstoffzuschläge nicht zulässig.
Bei Pauschalreisen gälten unter Umständen andere Regeln.
Wie aus veröffentlichten Leitlinien der Kommission zudem hervorgeht, prüfen Branchenvertreter derzeit die vorübergehende Nutzung einer anderen Kerosinart in Europa, um die Versorgung auch bei möglichen Engpässen aufrechterhalten zu können.
Hier sieht die EU-Kommission keine Hindernisse, sondern verweist auf entsprechende Regelungen der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA. (dpa/red)
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Unfall mit Linienbus in Hamburg: Ein Toter und drei Schwerverletzte

Bei einem Unfall zwischen einem Linienbus und einem Transporter sind am Freitag in Hamburg ein Mensch getötet und weitere teils schwer verletzt worden. Wie die Feuerwehr in der Hansestadt mitteilte, handelte es sich bei dem Getöteten um einen Insassen des Transporters. Zudem wurden drei Fahrgäste im Bus schwer sowie 14 weitere leicht verletzt.
Nach Angaben der Feuerwehr ereignete sich der Unfall am Freitagmorgen im Stadteil Cranz südlich der Elbe. Unter den Passagieren im Bus waren auch mehrere Kinder mit ihren Eltern. Ein Großaufgebot von rund 80 Rettungs- und Feuerwehrkräften war im Einsatz, auch zwei Rettungshubschrauber wurden entsandt. Insgesamt acht Verletzte kamen in Krankenhäuser.
Ein Insasse des Transporters wurde nach Feuerwehrangaben in seinem Wagen eingeklemmt und mit hydraulichem Rettungsgerät befreit. Trotz notärztlicher Versorgung starb er noch an der Unfallstelle.
Für zusätzliche Probleme sorgte demnach ein bei dem Unfall beschädigter Strommast, den Einsatzkräfte zunächst abschalten mussten. Genauere Angaben zum Unglückshergang und den Betroffenen lagen zunächst nicht vor. (afp/red)
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Studie zum Hantavirus: Ausbruch 2018 in Argentinien ließ sich gut eindämmen

2018 zeigte ein Ausbruch in Argentinien, dass es während eines kurzen Zeitfensters zu den meisten Ansteckungen kommt und sich eine Ausbreitung mit Schutz- und Quarantänemaßnahmen gut eindämmen lässt.
2018 hatte ein Mann auf einer Geburtstagsfeier im Dorf Epuyén in der argentinischen Provinz Chubut mehrere Menschen angesteckt: Die Party gilt als das letzte „Superspreading-Event“ im Zusammenhang mit dem Andesvirus bis zu dem Ausbruch auf der „Hondius“. Wissenschaftler analysierten damals Proben von fast allen der 33 Infizierten, von denen elf starben. So ließ sich der Übertragungsweg rekonstruieren.
Der 68-jährige Mann aus Epuyén war den Erkenntnissen zufolge vermutlich in der Nähe seines Wohnhauses mit Urin, Kot oder Speichel von Nagetieren in Kontakt gekommen – Hantaviren übertragen sich in erster Linie über Ausscheidungen infizierter Nagetiere.
Obwohl der Mann Fieber bekam, nahm er am 3. November 2018 etwa 90 Minuten lang an einer Geburtstagsparty in Epuyén mit etwa 100 anderen Gästen teil.
Auf der Party kam es dann zu der nur beim Andesvirus beobachteten Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Wie aus einer 2020 im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Studie hervorgeht, entwickelten fünf Menschen, die Kontakt mit dem infizierten Partygast hatten, innerhalb der nächsten Wochen Symptome.
Eine Rekonstruktion der Party ergab, dass mehrere von ihnen mit dem 68-Jährigen an einem Tisch gesessen hatten –  weniger als einen Meter entfernt. Eine andere Person war dem Mann allerdings nur auf dem Weg zur Toilette begegnet und hatte ihn gegrüßt.
Bei dem Ausbruch in Epuyén identifizierten die Wissenschaftler insgesamt drei sogenannte Superspreader, die insgesamt zwei Drittel der Infektionen verursachten. Ein Mann mit einem „aktiven Sozialleben“ infizierte der Studie zufolge sechs weitere Menschen.
Er starb 16 Tage nach Symptombeginn. Seine Frau, die dritte Superspreaderin, nahm schon erkrankt an seiner Totenwache teil, bei der sich weitere zehn Menschen infizierten.
Bei dem Ausbruch in Epuyén erfolgten der Studie zufolge die meisten Ansteckungen durch Tröpfchen, die in die Atemwege der Betroffenen gelangten. Ansteckend waren die Infizierten dann vor allem an dem Tag, an dem sie Fieber bekamen: Mehr als die Hälfte aller Ansteckungen erfolgte an diesem Tag. In Krankenhäusern, in denen mehr als 80 Beschäftigte engen Kontakt zu symptomatischen Patienten hatten, infizierte sich niemand mehr.

Erkrankte unter Quarantäne

Durch Schutzmaßnahmen wurde die Ausbreitung dann eingedämmt: Erkrankte wurden unter Quarantäne gestellt und Kontaktpersonen mussten sich isolieren. Der Experte Olivier Blond, Biologe beim argentinischen Forschungsinstitut Conicet, geht davon aus, dass dies die „Ausbreitung des Virus verhinderte“. Auch auf der „Hondius“ wurden die Passagiere inzwischen in ihren Kabinen unter Quarantäne gestellt.

Die Wahrscheinlichkeit einer Hantavirus-Pandemie ist gering

Wie bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist auch der argentinische Experte Raúl González Ittig darauf hin, dass sich das Hantavirus nicht so schnell verbreitet wie etwa das Coronaviurs – auch wegen der höheren Sterblichkeit.
Da beim Hantavirus „schnell Todesfälle auftreten“, könnten dann auch rasch Schutzmaßnahmen ergriffen werden, sagte der Professor von der Universität Córdoba in Argentinien der Nachrichtenagentur AFP. So werde „die Übertragungskette zügig unterbrochen“. Die Wahrscheinlichkeit einer Hantavirus-Pandemie sei daher gering.

WHO: Gefahr durch Hantavirus für Allgemeinbevölkerung „absolut gering“

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist das Risiko für die Allgemeinbevölkerung durch das auf einem Kreuzfahrtschiff aufgetretene Hantavirus „absolut gering“. Der Erreger sei zwar gefährlich, „aber nur für die Person, die wirklich infiziert ist, und das Risiko für die Allgemeinbevölkerung ist absolut gering“, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Freitag auf einer Pressekonferenz in Genf.
Für eine Infektion von Mensch zu Mensch sei „sehr enger Kontakt“ nötig, betonte Lindmeier. Er wies darauf hin, dass selbst Menschen, die auf dem Schiff in den selben Kabinen übernachtet hatten, „in manchen Fällen nicht infiziert worden sind“. (afp/red)
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Geiselnahme in einer Bank im rheinland-pfälzischen Sinzig

In einer Bankfiliale im rheinland-pfälzischen Sinzig ist es nach ersten Erkenntnissen der Polizei zu einer Geiselnahme gekommen. Die Einsatzkräfte seien mit einem Großaufgebot im Kreis Ahrweiler vor Ort, hieß es von der Polizei. Demnach laufen umfangreiche Maßnahmen.
Das Polizeipräsidium Koblenz bestätigte, dass der Einsatz seit 9 Uhr laufe. Spezialkräfte seien auf dem Weg, und Hubschrauber kreisten über der Stadt.
Am Morgen soll ein Geldtransporter vor der Bank vorgefahren und ein Mitarbeiter ausgestiegen sein, um die Bank zu betreten. Dabei soll ein bisher unbekannter Mann den Mitarbeiter abgefangen und bedroht haben, berichtet die „Bild“.
Der Geiselnehmer und der Mitarbeiter befinden sich demnach im Tresorraum der Bank. Vor der Volksbank steht derzeit ein Großaufgebot der Polizei bereit, und der gesamte Innenstadtbereich wurde abgesperrt. Nähere Informationen gab es zunächst nicht.

Was wir wissen

  • Geiselnahme: Nach Erkenntnissen der Polizei kommt es in einer Bankfiliale in Sinzig zu einer Geiselnahme. Es sei von mehreren Tätern und Geiseln auszugehen. Bei einer Geisel handele es sich um den Fahrer eines Geldtransporters. Die Beamten wurden um 9.00 Uhr über den Vorfall informiert.
  • Entwicklung: Die Lage ist derzeit nach Angaben der Polizei statisch.
  • Einsatz: Die Einsatzkräfte seien mit einem Großaufgebot vor Ort, hieß es von der Polizei. Demnach laufen umfangreiche Maßnahmen. In Sinzig gibt es umfangreiche Absperrmaßnahmen.
  • Keine Gefahr für Unbeteiligte: Für Bürger, die sich außerhalb der Absperrung befinden, bestehe aktuell keine Gefahr, so die Polizei.
  • Ort: Sinzig liegt in Rheinland-Pfalz, etwa 26 Kilometer südlich von Bonn in Nordrhein-Westfalen.

Was wir nicht wissen

  • Täter: Unklar ist, wie viele Geiselnehmer es genau sind. Es gibt keine Angaben zu Geschlecht, Alter oder Nationalitäten.
  • Menschen in der Bank: Wie viele Menschen – etwa Mitarbeiter und Kunden – sich in der Bank befinden, ist unbekannt. Auch zu ihnen gibt es keine weiteren Details.
  • Waffen: Über welche Waffen verfügen die Geiselnehmer? Hierzu gibt es noch keine Informationen.
  • Verletzte: Ob es Verletzte oder gar Tote gibt, ist ungewiss. (dts/dpa/red)
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Spritpreise fallen auf tiefsten Stand seit zwei Monaten

Die Spritpreise sind auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten gefallen. Ein Liter der Sorte E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Donnerstags 1,984 Euro, wie der ADAC mitteilt. Das waren 1,8 Cent weniger als am Mittwoch. Diesel sank um 3,1 Cent auf 2,025 Euro.
Am Vortag war es sogar noch etwas deutlicher nach unten gegangen, sodass sich für beide Spritpreise kräftige Rückgänge ergeben. Für E10 ist es der niedrigste Preis seit dem 8. März, für Diesel der niedrigste seit dem 4. März. E10 hatte seither nur einmal im bundesweiten Tagesschnitt weniger als 2 Euro gekostet – am 1. Mai, dem Start des Tankrabatts, danach waren die Preise sukzessive gestiegen, was auch zu Debatten über die Weitergabe des Tankrabatts führte.

Sinkender Ölpreis hilft

Zum aktuellen Rückgang dürfte vor allem der sinkende Ölpreis beigetragen haben, der seit einem Hoch am Montag deutlich nachgegeben hat. Dennoch war E10 am Donnerstag nur 14,2 Cent billiger als am 30. April, dem letzten Tag vor Einführung der Steuererleichterung, die pro Liter 16,7 Cent ausmacht. Diesel war 19 Cent billiger.
Der ADAC und das Münchner ifo-Institut waren zuletzt zum Schluss gekommen, dass der Tankrabatt nicht vollständig weitergegeben wird. Das ifo beobachtet eine sukzessiv steigende, aber nicht vollständige Weitergabe. Mit den Preisen vom Donnerstag wurden laut ifo-Experte Florian Neumeier bei E10 15 Cent, und bei Diesel 14 Cent des Rabatts weitergegeben. Das ifo zieht für seine Berechnungen dabei unter anderem die Spritpreise in Frankreich als Vergleichswert heran.
Momentan ist Sprit trotz Tankrabatts noch immer deutlich teurer als am letzten Tag vor Ausbruch des Irankrieges. Bei Super E10 sind es gut 20,6 Cent, bei Diesel 27,9 Cent.

Teilweise E10 unter 1,90 Euro

Da die Spritpreise zwischen einzelnen Regionen und einzelnen Tankstellen stark schwanken, kann es hier aber starke Abweichungen geben. So waren am Morgen beispielsweise in München und Köln zahlreiche Tankstellen mit E10-Preisen unter 1,90 Euro pro Liter zu finden, in Berlin einige, in Hamburg kaum.
In der Regel sind die Preise am späten Vormittag am günstigsten. Mittags springen sie dagegen meist stark, um danach wieder zu fallen. Seit dem 1. April gilt die 12-Uhr-Regel, nach der nur noch eine Preiserhöhung am Tag erlaubt ist. (dpa/red)
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Größter Wolfsriss in Niedersachsen: 60 Schafe tot, über 100 verletzt – Abschuss genehmigt


In Kürze:

  • Im Landkreis Grafschaft Bentheim wurden zwei Wölfe zum Abschuss freigegeben.
  • Hintergrund ist ein Angriff mit rund 60 getöteten und mehr als 100 verletzten Schafen.
  • Der Vorfall gilt als bislang größter dokumentierter Wolfsriss in Niedersachsen.
  • Die Genehmigung ist räumlich begrenzt und gilt bis zum 15. Juni.

 
Im niedersächsischen Füchtenfeld im Landkreis Grafschaft Bentheim haben die zuständigen Behörden die Abschussgenehmigung für zwei Wölfe erteilt. Dies bestätigte eine Sprecherin des Landkreises am Donnerstag, 7. Mai, wie der NDR berichtet. Anlass ist ein zusammenhängender Angriff, bei dem innerhalb von zwei Nächten rund 60 Schafe getötet und mehr als 100 weitere verletzt wurden.

Größter Wolfsriss in Niedersachsen

Die Erlaubnis gilt jedoch nur bis zum 15. Juni und lediglich für die betroffene Weidefläche. Diese wird aus naturschutzrechtlichen Gründen mit Schafen beweidet, weshalb eine Verlegung der Tiere nicht möglich ist. Das Gelände umfasst rund 1.200 Hektar.
Die zuständigen Behörden hoffen nun, dass die beteiligten Wölfe rechtzeitig identifiziert werden können und der Abschuss mögliche weitere Angriffe verhindert. Muttertiere sind von der Maßnahme ausgenommen. Da das Gebiet an zwei Landkreise grenzt, waren beide in die Entscheidung eingebunden. Nach deren Einschätzung würde der Abschuss von zwei Tieren den regionalen Wolfsbestand nicht wesentlich beeinflussen.
Die Begutachtung des Risses ist noch nicht abgeschlossen. Fest steht jedoch bereits, dass es sich um den bislang größten dokumentierten Wolfsriss in Niedersachsen handelt.

Bundesweit etwa 200 Wolfsrudel

Als Risikogebiet war das betroffene Areal im Dalum-Wietmarscher-Moor bislang nicht bekannt. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer liegt die Zahl der bei Wolfsangriffen gerissenen oder verletzten Tiere meist zwischen einem und sechs. Vorfälle mit mehr als 20 betroffenen Schafen gelten als selten.
Die meisten größeren Angriffe seit Beginn des Wolfsmonitorings im Jahr 2008 wurden im Landkreis Cloppenburg verzeichnet. Erst im Februar kam es in Oldendorf im Landkreis Rotenburg (Wümme) zu einem Vorfall mit 54 toten Schafen. Bundesweit wurden 2024 durchschnittlich 3,9 Tiere pro Wolfsübergriff getötet, während es 2023 insgesamt mehrere Tausend Nutztierangriffe gab.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war der Wolf in Deutschland ausgerottet und wurde nach der Wiedervereinigung ab dem Jahr 2000 über die Oberlausitz wieder heimisch. Heute leben bundesweit mehr als 200 Rudel. Seit 1990 steht er unter Naturschutz, wurde jedoch im April 2026 vom Status „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft. In bestimmten Gebieten ist zwischen Juli und Oktober eine Jagd zur Bestandsregulierung erlaubt. Notabschüsse bei Nutztierschäden bleiben möglich.
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Sparkasse in Gelsenkirchen: Erste Kunden bekommen Dokumente zurück

Gut vier Monate nach dem spektakulären Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen Ende Dezember sollen am Freitag mehrere Kunden Dokumente aus ihren aufgebrochenen Schließfächern zurückbekommen. Es handele sich dabei vor allem um namentlich klar zuzuordnende Dokumente wie Kaufverträge, Urkunden, Fahrzeugbriefe oder Familienstammbücher, sagte eine Sparkassensprecherin.
Sie gehörten zu den rund 50.000 Gegenständen, die die Einbrecher Ende 2025 in dem verwüsteten Tresorraum zurückgelassen hatten. Die Dokumente und Gegenstände würden schrittweise den jeweiligen Kunden zugeordnet und zurückgegeben. Das sei nicht leicht und gleiche einem gigantischen Puzzle, hatte Sparkassenchef Michael Klotz gesagt.

Nach der Rückgabe beginnt die Schadenermittlung

Unter den von den Einbrechern zurückgelassenen Gegenständen könnten durchaus auch werthaltige Dinge sein, sagte die Sprecherin. Wenn die Rückgabe abgeschlossen ist, soll final der Schaden der gut 3.000 Kunden durch den Tresorraum-Einbruch ermittelt werden.
Die Schließfächer sind standardmäßig bis zu 10.300 Euro pro Fach versichert, wenn Kunden den Nachweis über entsprechend wertvolle Inhalte erbracht haben. Nach eigenen Angaben hatten viele Kunden deutlich höhere Beträge in ihren Fächern.
Die Polizei wies am Morgen darauf hin, dass alle in Empfang genommenen Wertgegenstände im Nachgang bei der Polizei angegeben werden müssten. „Nur so ist gewährleistet, dass all jene Gegenstände, die im Zuge der polizeilichen Vernehmungen zunächst als gestohlen gemeldet wurden, nicht weiter zur Sachfahndung ausgeschrieben sind.“ Dazu sollten sich betroffenen Personen telefonisch bei der Polizei melden.

Suche nach Tätern läuft weiter

Im „Morgenecho“ auf WDR 5 warb Sparkassenchef Klotz angesichts von Rücktrittsforderungen bei Betroffenen um Verständnis. Auch die Bank selbst sei Opfer geworden, das gerate völlig in den Hintergrund. Seit dem Einbruch sei kein einziger Tag vergangen, an dem er und seine Mitarbeitenden sich nicht mit der Tat beschäftigt hätten. Man sehe keine Verletzung der Sorgfaltspflicht seitens der Sparkasse.
Bei dem spektakulären Einbruch hatten die unbekannten Täter nach Weihnachten 2025 alle Sicherheitssysteme der Sparkasse überwunden, sich mit einem Kernbohrer Zutritt zum Tresorraum verschafft und fast alle der 3.100 Schließfächer aufgebrochen. Der Gesamtschaden wurde kurz nach dem Einbruch von der Polizei auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, er könnte aber auch noch wesentlich höher im möglicherweise deutlich dreistelligen Millionenbereich liegen. (dpa/red)
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Hantavirus-Ausbruch: Deutsche Kontaktperson weiter in Klinik

Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ beschäftigt weiterhin die Gesundheitsbehörden in mehreren Ländern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde das Hantavirus inzwischen bei fünf Infizierten nachgewiesen, hinzu kommen weitere Verdachtsfälle. Bei dem Ausbruch starben bislang drei Menschen, ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland.
In der Uniklinik Düsseldorf wird derzeit eine Passagierin der „Hondius“ untersucht, die neben zwei kranken Crew-Mitgliedern ausgeflogen wurde. Nach Angaben eines Kliniksprechers gibt es keine Hinweise auf eine Infektion bei ihr, aufgrund der sehr unterschiedlichen Inkubationszeit seien jedoch zusätzliche Untersuchungen erforderlich. Deshalb würden die Schutzmaßnahmen vorsorglich aufrechterhalten, so der Sprecher.
Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums soll die 65-jährige Deutsche, die nun in der Uniklinik ist, in engem Kontakt mit der deutschen Frau gestanden haben, die an Bord gestorben war.

WHO: „Dies ist eine ernste Lage“

„Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag in Genf. „Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie“, betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin, Maria van Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Corona-Pandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht.
Die „Hondius“ fährt unter niederländischer Flagge. An Bord zeigt nach Angaben der WHO niemand zurzeit Symptome einer Infektion. Das Schiff hat von den kapverdischen Inseln kommend Kurs auf Teneriffa genommen, dort sollen alle knapp 150 Menschen noch an Bord untersucht und getestet werden. Unklar ist bislang, wie danach die Heimreise organisiert wird.
29 Passagiere hatten das Kreuzfahrtschiff bereits am 24. April auf der britischen Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans verlassen. Das war den Angaben zufolge gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirus-Falls.

Ursprung der Infektionen in Argentinien gesucht

Forscher in Argentinien sollen nun die Frage nach dem Ursprung der Infektionen klären. In Ushuaia ganz im Süden des Landes, wo die „Hondius“ am 1. April in See gestochen war, sollen Nagetiere eingefangen und auf das Virus untersucht werden, wie die Regierung in Buenos Aires mitteilte.
Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Nach WHO-Einschätzung handelt es sich bei dem auf dem Kreuzfahrtschiff festgestellten Infektionen um den Andes-Typ der Virengruppe, bei dem auch Infektionen zwischen Menschen möglich sind. Das niederländische Paar, das die ersten Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war laut argentinischer Regierung bereits 2025 in der Region unterwegs gewesen.(dpa/red)
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Aufnahme von Iranern: Deutsche Visa werden vorerst in Armenien ausgestellt

Trotz des Krieges will die Bundesregierung mehr Iraner nach Deutschland aufnehmen.

Bereits gestellte Anträge von Studierenden und Erwerbstätigen würden von der deutschen Botschaft in der armenischen Hauptstadt Eriwan bearbeitet, heißt es laut einem „Spiegel“-Bericht in einer Antwort des Auswärtigen Amts an den Menschenrechtsexperten der Grünenfraktion, Boris Mijatović.

Visa-Anträge aus Iran über Eriwan

Es könne derzeit keine Aussage getroffen werden, wann die Visastelle der deutschen Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran wieder geöffnet werde.
Die Bundesregierung plane daher, „die Antragsbearbeitung in Eriwan nach Möglichkeit weiter auszubauen und dort auch Neuanträge entgegenzunehmen“, teilte Außenstaatssekretär Bernhard Kotsch laut „Spiegel“ mit.
Mijatović begrüßte die Bemühungen, kritisierte jedoch, dass gerade für Iraner, die vor ihrer Staatsführung  flüchten, der Weg nach Eriwan weit und potenziell gefährlich sei.

Kritik an Eriwan-Lösung

Es sei daher unerlässlich, dass die Bundesregierung mehr tue, „um die Sicherheit der Betroffenen zu gewährleisten und gleichzeitig ein unbürokratisches sowie zügiges Verfahren sicherzustellen“, sagte er dem „Spiegel“.
Bei vielen Menschen bleibe ein „Gefühl von Vernachlässigung und deutscher Unzuverlässigkeit vor Ort und auch bei deutschen Einrichtungen zurück“. Studierende, Wissenschaftler und junge Fachkräfte befänden sich „seit Monaten in einer existenziellen, teils sogar lebensbedrohlichen Lage“.
Auch deutsche Unternehmen und Universitäten würden am fehlenden Tempo dieser Bundesregierung verzweifeln, betonte der Grünen-Politiker. (afp/red)